10, 14[1-5] Sommer 1883
14 [1]
| Philosophie der Zukunft. |
| Von der Unschuld des Werdens. Leib und Geist. Moralisch und Organisch. Ein Jahrtausend der Versuche. Kunst. Die Freien und die Unfreien. Erziehung und Ernährung. Mann und Weib. Der freie Tod. Die neue Rangordnung. Die Griechen als Menschenkenner. Die Musik und die Philosophie. |
| usw. usw. lauter Vorträge und Reden. |
14 [2]
Vom Bösen: d. h. die niederen Wesen wollen ein Übergewicht über die höheren ausüben, dadurch daß sie die einzelne Eigenschaft des Höheren (z. B. sein Vertrauen) mißbrauchen.
Das Böse ist: Mißbrauch der Tugend anderer Wesen, die höher geartet sind (Schmarotzerthum).
Eine organisirende Gewalt ersten Ranges z. B. Napoleon muß im Verhältniß zu der Art sein, welche organisirt werden soll (d. h. es kommt wenig darauf an, ob er “noble” Gefühle hat: genug daß er das, was an den Vielen das Stärkste und Bestimmendste ist, ganz und voll schätzt.)
Mißbrauch der zurückgebliebenen Eigenschaften des Anderen, im Ganzen Edleren—Schmarotzer. (Weiber)
Die Menschheit hat zur Natur im Ganzen das Verhältniß berechnender Nützlichkeit: aber was empört uns, wenn der einzelne Mensch den Anderen für sich ausbeutet?— Die Voraussetzung ist, daß er nicht werthvoll genug ist. Gesetzt aber, er gilt als werthvoll genug (z. B. als Fürst), so wird er zu ertragen sein und giebt eine Art Glück (“Gottergebenheit”)
Man wehrt sich gegen die Ausbeutung durch niedrigere Wesen als man selber ist.
So wehre ich mich gegen den heutigen Staat, Bildung usw.
Böse ist ein Urtheil über andere Wesen zunächst: nennen wir etwas an uns böse, so ist es ein Gleichniß—wir wollen einen von uns niedriger taxirten Trieb nicht den Herrn spielen sehn,—es ist noch lange nicht nöthig ihn zu negiren, aber er soll seinen untergeordneten Platz behaupten und nicht mehr!
14 [3]
An der Spitze der Staaten soll der höhere Mensch stehn: alle anderen Formen sind Versuche, einen Ersatz seiner sich selber beweisenden Autorität zu geben. (Das alte Gesetz bekommt erst seine Heiligkeit, wenn es an gesetzgeberischen Kräften fehlt.)
Alle niedrigeren Triebe müssen da sein und in einer frischen Kraft, wenn die höchsten bestehen und in Fülle bestehen wollen: nur muß die Herrschaft über das Ganze in fester Hand sein! sonst ist die Gefahr zu groß!— Im Hinblick auf diese Gefahr hat man die niedrigen Eigenschaften ganz tödten wollen (aber sich dabei betrogen: der Christ behielt seine Affekte bei, aber wendete sie anders, wie der Cyniker sein Schimpfmaul beibehielt)
oder sie “sanft” klug machen wollen und darum die höchsten impetus nicht mehr gutheißen mögen z. B. Epicuräer.
14 [4]
Die Menschheit hat noch viel mehr vor sich—wie könnte sich aus der Vergangenheit das Ideal überhaupt mehr nehmen lassen! Vielleicht immer noch im Verhältniß zum Jetzt, das vielleicht eine Niederung ist.
14 [5]
Der Mißbrauch der Macht durch die römischen Kaiser hat für Europa die Moralbegriffe verrückt: die Moral der Ohnmächtigen ist zum Siege gelangt:—Folge, eine ungeheure Falschmünzerei.
Die wahre Quelle hoher Empfindungen ist in der Seele der Mächtigen. Selbstzeugniß der Freude an sich und seinem Thun ist der Ursprung aller Werthschätzungen—Glaube an sich.
10, 14[1-5] Sommer 1883
14 [1]
| Philosophy of the Future. |
| On the Innocence of Becoming. Body and Mind. Moral and Organic. A Millennium of Experiments. Art. The Free and the Unfree. Education and Nourishment. Man and Woman. The Free Death. The New Hierarchy. The Greeks as Connoisseurs of Human Nature. Music and Philosophy. |
| etc. etc. nothing but lectures and speeches. |
14 [2]
Of evil: i.e., the lower beings want to exercise a preponderance over the higher ones by abusing the individual property of the higher one (e.g., his trust).
Evil is: abuse of the virtue of other beings, which are of a higher nature (parasitism).
An organizing power of the first rank, e.g., Napoleon, must be in proportion to the kind that is to be organized (i.e., it matters little whether he has "noble" feelings: it is enough that he fully and completely values what is the strongest and most determining in the many.)
Abuse of the lagging properties of the other, who is on the whole nobler—parasite. (Women)
Humanity has towards nature as a whole the relation of calculating utility: but what outrages us when the individual human being exploits the other for himself?— The presupposition is that he is not valuable enough. Suppose, however, he is considered valuable enough (e.g., as a prince), then he will be tolerable and gives a kind of happiness (“resignation”)
One resists exploitation by lower beings than oneself.
Thus I resist myself against the modern state, education, etc.
Evil is a judgment about other beings initially: when we call something in us evil, it is a simile—we do not want to see a lower rated drive in us play the master,—it is by no means necessary to negate it, but it shall maintain its subordinate place and no more!
14 [3]
At the head of the states should stand the higher man: all other forms are attempts to give a substitute for his self-proving authority. (The old law only receives its sanctity when there is a lack of legislative powers.)
All lower drives must be present and in fresh strength if the highest are to exist and exist in abundance: only the rule over the whole must be in firm hands! otherwise the danger is too great!— In view of this danger, one has wanted to kill off the lower qualities entirely (but thereby deceived oneself: the Christian retained his affects but directed them differently, just as the Cynic kept his foul mouth)
or wanted to make them “gentle” and wise, and therefore no longer approve of the highest impulses, e.g., Epicureans.
14 [4]
Humanity still has much more ahead of it—how could the ideal at all be taken more from the past! Perhaps still in relation to the Now, which may perhaps be a lowland.
14 [5]
The abuse of power by the Roman emperors has distorted the concepts of morality for Europe: the morality of the powerless has triumphed:—result, an enormous counterfeiting.
The true source of noble sentiments lies in the soul of the powerful. Self-testimony of joy in oneself and one's actions is the origin of all valuations—belief in oneself.