10, 5[1-35] November 1882 - Februar 1883
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1. Wille zum Leben? Ich fand an seiner Stelle immer nur Wille zur Macht.
2. Der beständige Feuereifer für eine Sache, und sei es die höchste, die eigene, verräth, wie alle Dinge, die auf unbedingtem Glauben beruhen, einen Mangel an geistiger Vornehmheit: deren Abzeichen ist nämlich immer—der kühle Blick.
3. Ich empfinde alle Menschen als schädlich, welche dem, was sie lieben, nicht mehr Gegner sein können: sie verderben damit die besten Dinge und Personen.
4. Es giebt Personen, welche Jedermann zu einem Ja oder Nein in Bezug auf ihre ganze Person nöthigen möchten: zu ihnen gehörte Rousseau: ihr Leiden am Größenwahn stammt aus ihrem wahnsinnigen Mißtrauen gegen sich.
5. Man muß auch die Jugend in sich überwinden, wenn man wieder Kind werden will.
6. Mit seinen Absichten rationalisirt man sich seine unverständlichen Triebe: wie es z. B. der Mörder thut, der seinen eigentlichen Hang, zum Morde nämlich, damit vor seiner Vernunft rechtfertigt, daß er dabei einen Raub zu machen oder eine Rache zu nehmen beschließt.
7. Das Vergnügen, das alle Moral bisher gewährte und noch gewährt—also das, was sie bisher erhalten hat—liegt darin, daß sie Jedermann das Recht giebt, ohne lange Prüfung, zu loben und zu tadeln. Und wer hielte das Leben aus, ohne zu loben und zu tadeln!
8. Dies ist die crux der moralischen Pessimisten: wollten sie ernstlich den Nächsten in seiner Erlösung fördern, so müßten sie sich entschließen, ihm das Dasein zu verleiden, also sein Unglück sein; sie müßten aus Mitleid—böse werden!
Wäre es Wahr, daß das Leben nicht verdient bejaht zu werden, so triebe der moralische Mensch gerade durch seine Selbstverleugnung und Hülfsbereitschaft Mißbrauch mit seinem Nächsten,—zu seinem persönlichsten Vortheil.
9. Ich will wissen, ob du ein schaffender oder ein umsetzender Mensch bist, in irgend einem Betrachte: als Schaffender gehörst du zu den Freien, als Umsetzender bist du deren Sklave und deren Werkzeug.
10. Möglichst viel und dies möglichst schnell: das will die große Geistes- und Gefühlskrankheit, welche bald “Gegenwart” bald “Bildung” genannt wird, in Wahrheit aber ein Vorzeichen der Schwindsucht ist.
11. Weib und Genie arbeiten nicht. Das Weib war bisher der höchste Luxus der Menschheit. In allen Augenblicken, wo wir unser Bestes thun, arbeiten wir nicht. Arbeit ist nur ein Mittel zu diesen Augenblicken.
12. Nicht gegen das, was uns zuwider ist, sondern gegen das, was uns gar nichts, angeht, sind wir am unbilligsten.
13. So wie wir auch nur einen Schritt über das Mittelmaaß menschlicher Güte hinausgehen, erregen unsere Handlungen Mißtrauen. Die Tugend ruht nämlich “in der Mitte.”
14. Ihr sagt “das gefällt uns” und meint mich zu loben. Oh ihr Narren! Wie sehr ihr mir damit gefallt!
15. Von allein Geschriebenen liebe ich nur das, was Einer mit seinem Blute schreibt. Darin liebe ich das Buch.
Seiner Affekte hat man sich nicht zu schämen, dazu sind sie zu unvernünftig.
16. Für den, der viel von seiner Vernunft beschwert wird, ist der Affekt eine Erholung; nämlich als eine Unvernunft.
17. Dieses Jahrhundert liebt es, den geistigsten Männern einen Geschmack für unreife, geistig arme und demüthige Volks-Weiberchen zuzusprechen, den Geschmack Faustens für Gretchen—dies zeugt wider den Geschmack des Jahrhunderts und seiner geistigsten Männer.
18. Schlimm genug! Die Zeit zur Ehe kommt viel früher als die Zeit zur Liebe: letztere gedacht als das Zeugniß der Reife, bei Mann und Weib.
19. Wenn ein Weib einen Mann angreift, so ist es nur um sich vor einem Weibe zu verteidigen. Wenn ein Mann mit einem Weibe Freundschaft schließt, so meint es, er thue es, weil er nicht mehr erreichen könne.
20. Es ist unmöglich, zu leiden, ohne irgendwen es entgelten zu lassen; schon jede Klage enthält Rache.
21. Meine Brüder und Schwestern, thut mir doch nicht so zärtlich! Wir sind allesammt hübsche lastbare Esel und Eselinnen und wahrlich keine zitternden Rosenknospen, denen ein Tropfen Thau schon ein Zuviel dünkt!
22. Das Leben ist schwer zu tragen: aber wozu hätte man auch Vormittag seinen Trotz und Nachmittags seine Ergebung?
23. Ich bin erstaunt: mein Hunger kommt oft erst nach der Mahlzeit.
24. An einer Theorie ist es wahrlich nicht der geringste Reiz, daß sie widerlegbar ist.
25. Diesen constitutionellen Königen gab man die Tugend: sie können seitdem nicht mehr “Unrecht thun”—aber man nahm ihnen dafür die Macht.
26. Wenn man das Glück hat, obskur zu bleiben, so soll man sich auch die Freiheiten nehmen, die das Dunkel giebt und namentlich “gut munkeln.”
27. Um die unangenehmen Folgen der eigenen Thorheit wirklich seiner Thorheit und nicht seinem Charakter zur Last zu legen—dazu gehört mehr Charakter als die Meisten haben.
28. Der wissenschaftliche Mensch hat Ein Loos mit den Seildrehern: er zieht seinen Faden immer länger, geht aber selber dabei—rückwärts.
29. Nicht in seine Hände zu gerathen ist mir das Schlimmste: sondern in seine Gedanken.
30. Vieles erleben: Vieles Vergangene dabei miterleben; Vieles eigene und fremde Erleben als Einheit erleben: dies macht die höchsten Menschen; ich nenne sie “Summen.”
31. Man hat den Tod nahe genug, um sich nicht vor dem Leben fürchten zu müssen.
32. Damit es des Hemmschuhs bedürfe, bedarf es vorerst des Rades. Die Guten sind der Hemmschuh: sie halten auf, sie erhalten.
Die Biedermännerei geht mir wider den Geschmack.
Nach 300 Jahren zum Leuchten kommen—ist meine Ruhmsucht.
Liebe ich die Musik? Ich weiß es nicht: auch hasse ich sie zu oft. Doch liebt mich die Musik, und sobald Jemand mich verläßt, springt sie herzu und will geliebt sein.
Sie lieben mich nicht: ist dies ein Grund, sie nicht zu segnen?
37. “Siehe! Jetzt eben ward die Welt vollkommen”: so denkt jedes Weib wenn es aus ganzer Liebe gehorcht.
38. Man soll das Böse schonen, wie man den Wald schonen soll. Es ist wahr, daß durch das Lichten und Ausroden des Waldes die Erde wärmer wurde
39. Gegen Mücken und Flöhe soll man kein Mitleid haben. Man thäte recht, die kleinen Diebe, die kleinen Verleumder und Ehrabschneider zu hängen.
40. Man soll den verächtlichen Menschen nicht durch ein Wort mit dem furchtbaren Menschen zusammenkoppeln.
41. Das Böse und der große Affekt erschüttern uns und werfen alles um, was morsch und klein an uns ist: ihr müßt erst versuchen, ob ihr nicht groß werden könnt.
42. Unser Zartgefühl hält uns in der Verstellung und macht uns gedrückt, sagen wir frei: “so gefällt es mir—was gehn mich Gründe an!”
43. In Bezug auf die meisten Wahrheiten haben Frauen ein Gefühl, als ob einer ihnen unter die Haut gucken wolle.
44. Außer unserer Fähigkeit zu urtheilen besitzen wir auch noch unsere Meinung von unserer Fähigkeit zu urtheilen.
45. Du hast den Muth nicht, dich zu verbrennen und zu Asche zu werden: so wirst du niemals neu, und niemals wieder jung!
46. Die Ehe ist für die durchschnittlichen Menschen ausgedacht, welche weder der großen Liebe noch der großen Freundschaft fähig sind, die Meisten also: aber auch jene ganz Seltenen, welche sowohl der Liebe als der Freundschaft fähig sind.
47. Ihr Liebhaber der Erkenntniß! Was habt ihr denn bis jetzt aus Liebe für die Erkenntniß gethan? Habt ihr schon gestohlen und gemordet, um zu wissen, wie es einem Diebe und Mörder zu Muthe ist?
48. Auch über den Werth des Erkennens ist gelogen worden: die Erkennenden sprachen von ihm stets zu ihrer Vertheidigung—sie waren stets zu sehr die Ausnahmen und beinahe die Verbrecher.
49. Dicht an den Freund herantreten, aber nicht zu ihm übertreten! Man in seinem Freunde auch den Feind ehren.
50. Je abstrakter die Wahrheit ist, die du lehren willst, um so mehr mußt du auch die Sinne zu ihr verführen.
51. Die Feinheit des Mitleids besteht darin, daß es erräth, ob der Leidende Mitleid wolle.
52. “Gehorsam” und “Gesetz”—das klingt aus allen moralischen Gefühlen heraus. Aber “Willkür” und “Freiheit” könnte am Ende noch der letzte Klang der Moral werden.
53. Das Kind als Denkmal der Leidenschaft zweier Personen; Wille zur Einheit bei Zweien.
54. Man muß seinen Durst abwarten und voll werden lassen: sonst wird man nie seine Quelle entdecken, die nie die eines Anderen sein kann!
55. Du mußt auch deinen Teufel groß ziehen: damit du die kleinen Teufeleien los wirst.
56. Die großen Epochen unsres Lebens liegen dort, wo wir den Muth gewinnen, unser Böses als gut umzutaufen.
57. Auch die Wahrhaftigkeit ist nur eins von den Mitteln zur Erkenntniß, eine Leiter—aber nicht die Leiter.
58. Der Wille, einen Affekt zu überwinden ist zuletzt doch nur der Wille eines anderen Affektes.
59. Wer selber den Willen zum Leiden hat, steht anders zur Grausamkeit: er hält sie nicht an sich für schädlich und schlecht.
60. Personen, die man bei einem Unternehmen benutzt hat, das mißrathen ist, soll man doppelt belohnen.
61. Heroismus—das ist die Gesinnung eines Menschen, welcher ein Ziel erstrebt gegen das gerechnet er gar nicht mehr in Betracht kommt. H ist der gute Wille zum Selbst-Untergange.
62. Die ungeheure Erwartung in Betreff der Geschlechtsliebe verdirbt den Frauen alle weiteren Perspektiven.
63. Wer das Große nicht mehr in Gott findet, findet es überhaupt nicht mehr—er muß es leugnen oder schaffen.
64. Die unbedingte Liebe enthält—auch die Begierde mißhandelt zu werden: sie ist dann Trotz gegen sich selber, und aus der Hingebung wird zuletzt selbst der Wunsch der Selbst-Vernichtung: “Gehe unter in dies ein Meere!”
65. Wollust und Selbstverstümmelung sind nachbarliche Triebe. Es giebt auch unter den Erkennenden Selbstverstümmler: sie wollen durchaus nicht Schaffende sein.
66. Es giebt Naturen, welche kein Mittel findet sich zu ertragen als indem sie nach ihrem Untergange streben.
67. Je näher du der völligen Erkaltung kommst, in Bezug auf alles bisher Werthgeschätzte, um so mehr näherst du dich auch einer neuen Erhitzung.
68. Alles Gute ist die Verwandlung eines Bösen: jeder Gott hat einen Teufel zum Vater.
69. “Was muß ich thun, damit ich selig werde?” Das weiß ich nicht, aber ich sage dir: sei selig und thue dann, wozu du Lust hast.
70. Man gewinnt etwas lieb: und kaum hat man es von Grund aus liebgewonnen, so ruft jener Tyrann in uns: “gerade das gieb mir zum Opfer”—und wir geben’s.
71. Ich rathe nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe, ich rathe nicht zum Frieden sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede ein Sieg.
72. Ich weckte euch aus dem Schlafe: denn ich sah, daß ein Alp euch drückte. Und nun seid ihr mißmuthig und sagt mir: “was sollen wir nun thun? Alles ist noch Nacht!”—ihr Undankbaren! Schlafen sollt ihr wieder und besser träumen!
73. Jede Kirche ist der Stein am Grabe eines Gottmenschen: sie will durchaus, daß er nicht wieder auferstehe.
Alles am Weibe ist ein Räthsel, alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft.
74. Gut und Böse sind die Vorurtheile Gottes—sagte die Schlange. Aber auch die Schlange selber war ein Vorurtheil Gottes.
75. Was kann es helfen! Du verstehst nun einmal nichts anderes als bellen und beißen—so sei denn wenigstens mein Hund—sagte Zarathustra.
76. Ich kenne alles Böse und alles Gute—ich kenne auch, was jenseits des Bösen und des Guten ist—sagte Zarathustra.
77. Heute liebe ich mich wie meinen Gott: wer könnte mich heute einer Sünde zeihen? Ich kenne nur Sünden an meinem Gotte; wer aber kennt meinen Gott?
78. Willst du das Leben leicht haben? So bleibe immer bei der Heerde und vergiß dich über der Heerde. —
79. Im Kriege schweigt die Rache von Person zu Person.
80. Ihr sollt den Frieden lieben als das Mittel zum neuen Kriege!
81. Seht nicht in die Sonne! Der Mond ist noch zu hell für eure nächtigen Augen!
82. Ihr sagt: “das ist dunkel.” Und in Wahrheit: ich stellte euch eine Wolke vor die Sonne. Aber seht ihr nicht, wie die Ränder der Wolke schon glühen und licht werden?
83. Man ist nur für das eigene Kind schwanger.
84. Da stehen sie da, die Kleinen, wie Gras und Kraut und Gestrüpp—unschuldig an ihrer Erbärmlichkeit. Und nun schleiche ich mich durch sie hindurch und zertrete so wenig ich kann—aber der Ekel frißt mir dabei am Herzen.
85. Was erhielt mich denn? Immer nur die Schwangerschaft. Und jedesmal wenn das Werk geboren war, hieng mein Leben an einem dünnen Faden.
86. Der Ekel vor dem Schmutze kann so groß werden, daß er uns hindert, uns zu reinigen.
87. Als Schaffender lebst du über dich hinweg—du hörst auf, dein Zeitgenosse zu sein.
88. Ach, ihr wolltet es besser als gut haben! Das ist eure Thorheit.
89. Man kann nur schweigen, wenn man Pfeil und Bogen hat: sonst schwätzt und zankt man.
90. Daß ihr mitleidig seid setze ich voraus: ohne Mitleid sein heißt krank im Geiste und Leibe sein. Aber man soll viel Geist haben, um mitleidig sein zu dürfen! Denn euer Mitleid ist euch und Allen schädlich.
91. Ich liebe das Mitleiden, das sich unter einer harten Schale birgt: ich liebe das Mitleiden, um des willen man sich einen Zahn ausbeißt.
92. Es geht eine falsche Rede: “wer sich selber nicht erlösen kann, wie könnte der Andere erlösen?” Aber wenn ich den Schlüssel zu deiner Kette habe, warum müßte dein und mein Schloß dasselbe sein?
93. Im Kriege erst seid ihr heilig, und wenn ihr Räuber und grausam seid.
94. (“Eine Form” nennen sie’s, was sie tragen: Einförmigkeit ist’s was sie damit bedecken.)
95. Ich liebe etwas: und kaum liebe ich es von Grund aus, so sagt der Tyrann in mir: “gerade das will ich zum Opfer.” Diese Grausamkeit ist in meinen Eingeweiden. Seht: ich bin böse.
96. Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage: der Krieg ist es, der jede Sache heiligt!
97. Vernunft ist auch in mir eine Ausnahme, sagte Zarathustra: Chaos und Nothwendigkeit und Wirbel der Sterne—das ist auch in der weisesten Welt die Regel.
98. Man sollte aus seinem Tode ein Fest machen, und sei es auch nur aus Bosheit gegen das Leben: gegen dieses Weib, das uns verlassen will—uns!
99. Wir haben Beide etwas für uns: wie schön ist es da zu streiten—du hast die Leidenschaft, ich die Gründe!
100. Ich bin nicht groß genug—diese Empfindungen nicht zu haben: aber ich bin groß genug, mich ihrer nicht zu schämen.
101. “Es lebt Niemand, der mich loben dürfte. Und wen dürfte Zarathustra nicht loben?”
102. Aus meinem eigenen Gifte mache ich Balsam für meine Gebresten: und ich melkte die Milch aus dem Euter meiner Trübsal.
103. Ich habe mich enthüllt und schäme mich nicht, so nackt dazustehen. Scham heißt der Unhold, der sich zu den Menschen gesellte, als es sie über die Thiere hinaus gelüstete. (“Rede an die Thiere”)
104. Es steht den Menschen frei, an Zarathustra zu glauben: aber was geht das Zarathustra an?
105. Ich kam euch zu helfen, und ihr beklagt euch, daß ich nicht mit euch weinen will.
106. Jeder Gottmensch schuf seinen eigenen Gott: und es giebt keine ärgere Feindschaft auf Erden als die zwischen Göttern.
107. Bekenne dich zu deinem Willen und sprich zu uns Allen “nur dies will ich sein”: hänge dein eigenes Gesetz der Strafe über dich auf: wir wollen ihre Vollstrecker sein!
108. Seid ihr zu schwach, euch selber Gesetze zu geben: so soll ein Tyrann auf euch sein Joch legen und sagen: “gehorcht, knirscht und gehorcht”—und alles Gute und Böse soll im Gehorsam gegen ihn ertrinken.
109. Gieb zurück und vergilt; vergilt reichlich, Gutes und Schlimmes—sei spröde im Annehmen, zeichne aus dadurch, daß du annimmst.
110. Nimm dich vor den Katzen in Acht: sie geben nie, sie vergelten nicht einmal—sie entgegnen nur und schnurren dabei.
111. Sagt mir, ihr Vögel, die ihr weit herum kommt und viele Verborgene seht: wer hat unter allen Menschen die umfänglichste Seele? wie kleine Länder sind die umfänglichsten Seelen
112. Du hast noch die volle Unschuld der Bewunderung: du glaubst nicht daran, je bewundert werden zu können.
113. Ich rede und das Kind spielt: wer kann ernsthafter sein, als wir Beide es sind?
114. Du hast dich selber überwunden: aber warum zeigst du dich mir nur als den Überwundenen? Ich will den Siegreichen sehen: wirf Rosen in den Abgrund und sprich: “Hier mein Dank dem Unthiere, dafür daß es mich nicht zu verschlingen wußte!”
115. Da sitzest du am Strande, frierst und hungerst: es ist nicht genug sein Leben zu retten!
116. Wer würde es mir glauben, sprach Zarathustra, daß ich zum Geschlechte der Jähzornigen gehöre, und zu dem der Wollüstigen, der Glaubens-Wüthigen, der Rachsüchtigen? Aber der Krieg hat mich geheiligt.
117. Das Glück des Mannes heißt “ich will,” das Glück des Weibes “ich muß.”
118. Unten im Grunde ist auch der beste Mann böse: unten im Grunde ist auch das beste Weib schlecht.
119. Ich muß ein Engel sein, wenn ich nur leben will: aber ihr lebt unter anderen Bedingungen.
120. Wer zu seinem Gotte spricht: ich will dir auch mit all meiner Bosheit dienen—ist der frömmste Mensch.
121. Du sagst, ich solle dein Lehrer sein! Sieh zu, daß ich deine Schwinge sei und nicht dein Hemmschuh.
122. Wie sollte ich auf eine so furchtbare Weise Spaaß machen?
Was kümmert mich das Schnurren dessen, der nicht lieben kann, gleich der Katze?
123. Manche That wird gethan, um eine andere That damit zu vergessen: es giebt auch opiatische Handlungen. Ich bin dazu da, daß ein Anderer vergessen wird.
124. Ich thue mein Liebstes und eben deshalb scheue ich mich, es mit hohen Worten zu nennen: ich will nicht glauben wagen, es sei ein erhabener Zwang, ein Gesetz, dem ich gehorche: ich liebe mein Liebstes zu sehr als daß ich mich ihm gezwungen zeigen möchte.
125. Nicht eure Sünde—eure Nüchternheit schreit gen Himmel.
126. Ihr seid mir zu arm an Leben geworden: nun wollt ihr, daß die Sparsamkeit die Tugend selber sei.
127. Goldne Zeit, da man den Übermuth für die Quelle des Bösen hielt!
128. Ihr sollt Chaos in euch bewahren: alle Kommenden müssen Stoff haben, um sich daraus zu formen.
129. Laßt euch nicht täuschen! Die thätigsten Völker haben die meiste Müdigkeit in sich, ihre Unruhe ist Schwäche—sie haben zum Warten und zur Faulheit nicht mehr Inhalt genug.
130. Gieb mir heute einmal den bösesten Wurf deiner Würfel, Schicksal. Heute verwandle ich Alles in Gold.
131. Es kommt Niemand mehr zu mir. Und ich selber: ich gieng zu Allen, aber ich kam zu Niemand!
132. Ans Leben zu denken soll die Sache der Erholung sein: sonst nur an unsere Aufgaben!
133. Wir müssen so gut grausam als mitleidig sein: hüten wir uns, ärmer zu werden als die Natur es ist!
134. “Ich konnte nichts entbehren als ich den Übermenschen schuf. In seinem Samen ist noch alles euer Böses und Falsches, eure Lüge und eure Unwissenheit.”
135. Der Mensch sei der Ansatz zu etwas, das nicht Mensch mehr ist! Arterhaltung wollt ihr? Ich sage: Art-Überwindung!
136. Will ich denn Lammseelen und schwärmerische Jungfräulein schaffen? Löwen will ich und Ungeheuer an Kraft und Liebe.
137. So weit soll es kommen, daß die obersten Feste des Menschen die Zeugung und der Tod sind!
138. Wir müssen nicht nur die Erde, sondern auch Thiere und Pflanzen für den Übermenschen bereit machen.
139. Die besten Dinge taugen nichts ohne einen Schauspieler, der sie erst “aufführt.”
140. “Man muß euch mit dem Wahnsinn impfen”—sagte Zarathustra.
141. Ich habe alle diese wilden Hunde noch bei mir, aber in meinem Keller. Ich will sie nicht einmal bellen hören.
142. Ans Leben zu denken soll Sache der Erholung sein: sonst soll man nur an Aufgaben denken.
143. Ehret mir die Schauspieler und sucht die besten ja nicht auf der Bühne!
144. Wenn ich nicht die Menschen liebte, wie hielte ich Zarathustra aus?
145. Ihr führt Krieg? Ihr fürchtet euren Nachbar? So nehmt doch die Grenzsteine weg: so habt ihr keinen Nachbarn mehr. Aber ihr wollt den Krieg: und darum erst setztet ihr die Grenzsteine.
146. “So will ich leben, bestrahlt von den Tugenden einer Welt, die noch nicht da ist.”
147. Jedes Ding hat zwei Gesichter, eins des Vergehens, eins des Werdens.
148. Dieser gute feine strenge Sinn im Erkennen, aus dem ihr durchaus euch keine Tugend machen wollt, ist die Blüthe vieler Tugenden: aber das “du sollst” ist nicht mehr zu sehen, aus dem er entsprang, die Wurzel ist unter der Erde.
149. Die Liebe ist die Frucht des Gehorsams: aber oft liegen Geschlechter zwischen Frucht und Wurzel: und die Freiheit ist die Frucht der Liebe.
150. Je freier und fester das Individuum ist, um so anspruchsvoller wird seine Liebe: endlich sehnt es sich nach dem Übermenschen weil Alles Andere seine Liebe nicht stillt.
151. Gebt euch nicht zu erkennen! Und müßt ihr es, so erzürnt, aber beschämt nicht!
152. Kam ich denn euch zu rathen, wie man sich gegen Einbrecher und Halsabschneider wehrt? Ich rede zu solchen, die ihrer Tugend müde sind und welche sich wohl einmal auch bestehlen und tödten lassen.
153. Und hast du den Menschen nichts mehr zu sagen? fragten seine Jünger. “Nein, sagte Zarathustra, der Becher ist leer.” Und als er das gesagt hatte, gieng er seines Weges, allein. Die ihn aber gehen sahen, weinten.
154. Hütet euch den Einsiedler zu beleidigen: er vergiebt nie. Der Einsiedler ist wie ein tiefer Brunnen: es ist leicht, einen Stein in ihn zu werfen: wie aber wolltest du den Stein wieder herausholen, wenn er erst auf den Grund fiel?
155. Seid menschlich gegen die Schaffenden! Es ist in ihrer Art, daß sie arm an Nächstenliebe sind.
156. Bevor man vergeben kann, muß man erst erleben, was einem angethan ist: und bei tiefen Menschen dauern alle Erlebnisse lange.
157. In jeder Handlung eines höheren Menschen ist euer Sittengesetz hundertfach gebrochen.
158. Ich kann auf der schmalsten Stufe des Lebens noch stehen: aber wer wäre ich, wenn ich diese Kunst euch zeigte? Wollt ihr einen Seiltänzer sehn?
159. Ah, wie weich seid ihr gebettet! Ihr habt ein Gesetz—und einen bösen Blick gegen den, der gegen das Gesetz auch nur denkt. Wir aber sind frei: was wißt ihr von der Qual der Verantwortlichkeit gegen sich selber! —
160. Ich lehre euch die Erlösung vom ewigen Flusse: der Fluß fließt immer wieder in sich zurück, und immer wieder steigt ihr in den gleichen Fluß, als die Gleichen.
161. Dies lehrte ich mich: die Menschen haben sich alle Moral gegeben: obschon sie jetzt glauben, sie hätten sie nur genommen. Wohlan! Auch wir können uns noch ein Gutes und ein Böses geben!
162. Was ist dem Menschen am schwersten zu thun? Die zu lieben, die uns verachten: von unserer Sache lassen, wenn sie ihren Sieg feiert: um der Wahrheit willen der Ehrfurcht widersprechen; krank sein und den Tröster abweisen; in kaltes und schmutziges Wasser steigen; mit Tauben Freundschaft schließen; dem Gespenste die Hand reichen, wenn es uns fürchten macht:—dieß Alles, sagte Zarathustra, habe ich gethan und trage es auf mir: und dies Alles gebe ich heute weg um ein Geringes—um das Lächeln eines Kindes.
163. Erkennen wollte ich: grausam mußte ich sein. Floh ich die Rache? Wußte ich nicht um die stummen Augen aller Verletzten?
164. Man soll auch als Thier vollkommen sein—sagte Zarathustra.
165. Man ist stolz anzubeten, wenn man nicht Götze sein kann.
166. Ich liebe die freien Geister, wenn sie auch freie Herzen sind. Mir ist der Kopf wie der Magen des Herzens—aber man soll einen guten Magen haben. Was das Herz annimmt, das muß der Kopf verdauen.
167. Ein Talent haben ist nicht genug: man muß auch die Erlaubniß haben, es zu haben!
168. Mitleid eine Höllen-Empfindung: Mitleid ist selbst das Kreuz, an das der geschlagen wird, der die Menschen liebt.
169. Haltet euch die Seele frisch und kühl und rauh! Die laue Luft der Gefühlvollen, die matte schwüle Luft der Sentimentalen sei ferne von euch!
170. “Eingehüllt in dicke Schwermuth: mein Leben hängt an kleinen Zufällen.” Der Einsiedler.
171. Wenn man sehr leidet, so wird man wohl selbst bescheiden genug, einmal eitel zu sein—sagte der Einsiedler: er hob mit Unlust seine Zähne auseinander, die er sonst verbissen hatte.
172. “Ich gebe nicht Almosen—dazu bin ich nicht arm genug”—sagte Zarathustra.
173. Ich bin eine Stütze und ein Geländer am Strom: fasse mich, wer mich fassen kann!— Eine Krücke bin ich nicht.
174. “Der Mensch soll die Mitte zwischen der Pflanze und dem Gespenst sein.”
175. Blut ist ein schlechter Zeuge für Wahrheit: Blut vergiftet eine Lehre, so daß sie ein Haß wird.
176. An mitleidigen Menschen ist die Härte eine Tugend.
177. Morden-Wollen, Hassen, Mißtrauen sind jetzt begleitende Phänomene körperlicher Erkrankung: so sehr sind die moralischen Urtheile uns einverleibt.— In wilden Zeitaltern erscheint vielleicht die Feigheit und das Mitleid als Symptom der Erkrankung. Vielleicht können auch Tugenden Symptome sein;
178. Das ist der Mensch: eine neue Kraft, eine erste Bewegung: ein aus sich rollendes Rad; wäre er stark genug, er würde die Sterne um sich herumrollen machen.
179. Mit festen Schultern steht der Raum gestemmt gegen das Nichts. Wo Raum ist, da ist Sein.
180. Ihr habt mir gesagt, was der Ton und das Ohr ist: aber was geht dies die Künstler der Töne an? Habt ihr die Musik damit erklärt—oder gar widerlegt?
181. Es giebt keine sittlichen Triebe, aber alle Triebe sind durch unsere Werthschätzungen gefärbt.
182. Was ist Leben? Ein beständiges Lob und Tadeln.
183. Wenn zum Schädlichen sich das Grauen gesellt, entsteht das Böse; wenn der Ekel, das Schlechte.
184. Zarathustra: So lange eure Moral über mir hieng, athmete ich wie ein Erstickender. Und so erwürgte ich diese Schlange. Ich wollte leben, deshalb mußte sie sterben.
185. Was ist der Mensch? Ein Haufen von Leidenschaften, welche durch die Sinne und den Geist in die Welt hineingreifen: ein Knäuel wilder Schlangen, die selten des Kampfes müde werden: dann blicken sie in die Welt, um da ihre Beute zu machen.
186. Man kann nicht leben, ohne zu schätzen: aber man kann leben ohne zu schätzen, was ihr schätzt.
187. Da liegt nun das Blei ihrer Schuld auf ihnen: sie sind so unbehend, so steif: wenn sie nur den Kopf schütteln könnten, würde es herab rollen. Aber wer bewegt diese Köpfe?
188. Ich will euch zwingen, menschlich zu denken: eine Nothwendigkeit für die, welche Menschen denken können. Für euch würde eine Nothwendigkeit der Götter nicht wahr sein.
189. Ungeheuer ist die Kraft des Lobens und Tadelns: aber wo ist das Ziel, in welches diese Kraft verschlungen werden könnte?
190. Und was zu schlecht war zum Fraß der Hunde—das gerade warft ihr noch eurem Gotte vor. Starb er vielleicht an eurer Nahrung?
191. Euren Seelen fehlt der Weihrauch der Scham: aber zum guten Apfel gehört auch sein Flaum.
192. Wenn Unwetter heraufziehn, sollst du deine Beschlüsse schlafen legen.
193. Man soll nur da Götter befragen, wo allein Götter antworten können.
194. Bevor das Schicksal uns trifft, soll man es führen wie ein Kind und—ihm die Ruthe geben: hat es uns aber getroffen, so soll man es zu lieben suchen.
195. Gottlos schien es den Älteren von uns und unersättlich gierig, in den Eingeweiden der Erde nach Schätzen zu wühlen.
196. Hüte dich Todte zu erwecken, daß dich nicht der Blitz treffe.
197. Der größte Frevel ist der Frevel am Menschen, nachdem es keine Götter mehr giebt: und für die Eingeweide der unerforschbaren Dinge das Menschliche geringschätzen.
198. Werde nothwendig! Werde hell! Werde schön! Werde heil!
Dieser liebt den Vogel in seinem Fluge und jener sieht nur Morgenröthen und Meere.
199. Hütet euch die Särge der Lebenden zu versehren
200. sich um der großen Gegenstände willen regen und sonst langsam sein und
201. Liebe ich die Vergangenheit? Ich vernichtete sie um zu leben. Liebe ich die Gegenwärtigen? Ich sehe von ihnen weg, um leben zu können.
202. Nicht glauben können auf lange!: das Wissen verliert im Augenblick der Eroberung seinen Werth. Also Schaffen!
203. Ein höheres Wesen als wir selber sind zu Schaffen, ist unser Wesen. Über uns hinaus schaffen! Das ist der Trieb der Zeugung, das ist der Trieb der That und des Werks.— Wie alles Wollen einen Zweck voraussetzt, so setzt der Mensch ein Wesen voraus, das nicht da, das aber den Zweck seines Daseins abgiebt. Dies ist die Freiheit alles Willens! Im Zweck liegt die Liebe, die Verehrung, das Vollkommensehen, die Sehnsucht.
Lob des Waldes. Heilig sei dieser Baum, wo ich dich dachte
Gewöhnung zur Dankbarkeit.
ihr sollt nicht tödten, bevor das Thier nicht nickt.
Verurtheilt dazu, Henker zu sein, ihr Gelehrten!
204. Ich fürchtete mich unter Menschen: es verlangte mich unter Menschen und nichts stillte mich. Da ging ich in die Einsamkeit und schuf den Übermenschen. Und als ich ihn geschaffen, ordnete ich ihm den großen Schleier des Werdens und ließ den Mittag um ihn leuchten.
205. Unsterblich ist der Augenblick, wo ich die Wiederkunft zeugte. Um dieses Augenblicks willen ertrage ich die Wiederkunft.
206. Was ist es, das den Dingen Sinn, Werth, Bedeutung verlieh? Das Schaffende Herz, welches begehrte und aus Begehren schuf. Es schuf Lust und Weh. Es wollte sich auch mit dem Wehe sättigen. Wir müssen alles Leiden, das gelitten worden ist, von Menschen und Thieren, auf uns nehmen und bejahen, und ein Ziel haben, in dem es Vernunft erhält.
207. Es giebt keine Erlösung für den, der am Dasein leidet als nicht-mehr-an-seinem-Dasein-zu-leiden. Wie erreicht er das? Durch den schnellen Tod oder durch die lange Liebe.
208. Jede Handlung schafft uns selber weiter, sie webt unser buntes Gewand. Jede Handlung ist frei, aber das Gewand ist nothwendig. Unser Erlebniß—das ist unser Gewand.
209. Begehren ist das Glück: Sättigung als Glück ist nur der letzte Augenblick des Begehrens. Ganz Wunsch sein ist Glück, und immer wieder ein neuer Wunsch.
210. Ich rede mit dir, meine Weisheit, unter 4 Augen: ich will, ich begehre, ich liebe—und darum lobe ich das Leben. Wenn ich nicht schüfe, sondern nur erkannte, würde ich es hassen.
211. Die Nicht-That, das Gehen-Lassen, das Nicht-schaffen, das Nicht-Zerstören—das ist mein Böses. Der Erkennende als der Nicht-Begehrende auch.
212. Das Leere, das Eine, das Unbewegte, das Volle, die Sättigung, das Nichts-Wollen—das wäre mein Böses: kurz: der Schlaf ohne Traum.
213. Erkennen ist ein Begehren und Durst: Erkennen ist ein Zeugen. Liebe zum Leiblichen und zur Welt ist die Folge des Erkennens als eines Willens. Als ein Schaffen ist alles Erkennen ein Nicht-erkennen. Das Durch-schauen wäre der Tod, der Ekel, das Böse. Es giebt gar keine Form des Erkennens als die des Erst-Schaffens. Subjekt sein —
214. Die größte Gefahr ist der Glaube an das Wissen und Erkanntsein d. h. an das Ende des Schaffens. Dies ist die große Müdigkeit. “Es ist nichts.”
215. Alles Erkennen hat als Schaffen kein Ende. Jedem Menschen müßte eine Erklärung der Welt entsprechen, die ganz ihm gehörte: ihm als einer ersten Bewegung. Wir wollen immer uns nicht zu uns bekennen und schielen nach der Heerde.
216. Unrecht wird erst recht dort gethan, wo wir Jemandem Wohl thun: Recht und Unrecht hat nicht mit Wohl und Wehe, sondern mit Nutzen und Schaden zu thun.
217. Man wird euch die Vernichter der Moral nennen: aber ihr seid nur die Erfinder von euch selber.
218. Das sind meine Feinde: die wollen umwerfen und sich selber nicht aufbauen. Sie sagen: “alles das ist ohne Werth”—und wollen selber keinen Werth schaffen.
219. “der Erwachte” bin ich: und ihr—kaum seid ihr geboren, so fangt ihr auch schon an zu sterben.
220. Was können Alle?— Loben und tadeln. Dies ist die Tugend des Menschen, dies ist der Wahnsinn des Menschen.
221. Man thut immer Unrecht—sagt die Gerechtigkeit—und nicht nur wenn ihr euch wehethut, sondern auch wenn ihr euch wohlthut, liebt und nützt. Man vergilt nicht, man schadet durch Lob und Liebe, weil sie nicht vergelten.
222. Was wißt ihr davon, wie ein Wahnsinniger die Vernunft liebt, wie ein Fieberkranker das Eis liebt!
223. In der Wissenschaft, im Erkennen sind die Triebe heilig geworden: “der Durst nach Lüsten, der Durst nach Werden, der Durst nach Macht.” Der erkennende Mensch ist in der Heiligkeit weit über sich hinaus.
224. Ich war in der Schule: ich lebte zur Erkenntniß. Da reinigte sich meine Seele, Alle Begierden wurden heilig. Es ist die Vorschule: die Einsamkeit des Erkennenden. So wie zu den Sachen sollt ihr euch zu den Menschen verhalten: eure Liebe soll über allen einzelnen Sachen und einzelnen Menschen sein.
225. Der Wille zum Leiden: ihr müßt zeitweilig in der Welt leben, ihr Schaffenden. Ihr müßt beinahe zu Grunde gehen—und hinterdrein euer Labyrinth und eure Verirrung segnen. Ihr könnt sonst nicht schaffen, sondern nur absterben. Ihr müßt eure Auf- und Untergänge haben. Ihr müßt euer Böses haben und zeitweilig wieder auf euch nehmen. Ihr ewig Wiederkehrenden, ihr sollt selber aus euch eine Wiederkehr machen.
226. Schaffen ist Erlösung vom Leiden. Aber Leiden ist nöthig für den Schaffenden. Leiden ist sich-Verwandeln, in jedem Geborenwerden ist ein Sterben. Man muß nicht nur das Kind, sondern auch die Gebärerin sein: als der Schaffende.
227. Man muß vergehen wollen, um wieder entstehen zu können—von einem Tage zum anderen. Verwandlung durch hundert Seelen—das sei dein Leben, dein Schicksal:
Und dann zuletzt: diese ganze Reihe noch einmal wollen!
228. Seht ihn an, ob er ein reines Auge und einen Mund ohne Verachtung hat. Seht ihn an, ob er geht, wie ein Tänzer.
229. Ihr müßt oft Alles verlassen, euer Weib, euer Land, eure Nützlichkeit: ihr müßt in eurem Leben die Sonne stillstehen heißen.
230. Euer Leben in den Lüsten ist eine Selbstpeinigung: und beides sind Krankheiten und Unwürdigkeiten.
231. Dem soll man dienen, der durch unseren Dienst zunimmt an Geist Selbstüberwindung und Erfindung neuer Aufgaben:—so wirst du als Dienender dir selber am besten genützt haben.
232. Zürnt denen nicht, welche denken, wie es untergehenden Menschen ziemt zu denken: sie hängen an ihrem Strohhalm von Leben und wissen wenig vom Leben, als daß man dran hängt und daß es wenig Sinn hat dran zu hängen: die Untergehenden haben wenig Werth—das ist der Kern ihrer “Weisheit”
233. Ihr habt euch noch gar nicht entschlossen zum Leben, sondern fürchtet euch und zittert, wie Kinder vor dem Wasser, in das sie tauchen sollen. Und inzwischen verläuft eure Zeit, und ihr trachtet nach Lehrern, die euch sagen: “fürchtet und zittert vor dem Meere, welches Leben heißt”—und ihr heißt dies Lehren gut und sterbt frühe.
234. Der Werth des Lebens liegt in den Werthschätzungen: Werthschätzungen sind Geschaffenes, nichts Genommenes, Gelerntes, Erfahrenes. Das Geschaffene muß vernichtet werden, um dem neu-Geschaffenen Platz zu machen: zum Lebenkönnen der Werthschätzungen gehört ihre Fähigkeit, vernichtet zu werden. Der Schöpfer muß immer ein Vernichter sein. Das Werthschätzen selber aber kann sich nicht vernichten: das aber ist das Leben.
234. “Das Leben ist ein Leiden?”— Habt ihr Recht: nun, so ist euer Leben ein Leiden!—so sorgt, daß ihr aufhört; daß das Leben aufhört, welches nichts als Leiden ist. Eure Moral heißt: “du sollst dich selber tödten,” “du sollst dich selber davon stehlen.”
235. Und auch jene, welche sich vom Leben abwandten und Freude und Frieden, dadurch fanden sie fanden es, indem sie ein Bild eines solchen Lebens schufen, als Schaffende! als Schaffende machtet ihr eurem Leiden ein Ende! Und liebtet so euer Leben!
236. Ihr wähnt frei zu sein von den Sätzen der Erkennenden: aber ihr vermögt euch nicht zu bewegen ohne nach unseren Schätzungen zu greifen, ihr Hülflosen! Noch weniger daß ihr Schaffen könntet! Es gehört zum Glück der Armut, dieser Wahn einer Freiheit! Ein Trost für Gefangene! Eine Wohlthat für Blindgeborene!
237. Das Thier weiß nichts von seinem Selbst, es weiß auch nichts von der Welt.
238. Ich bin zu voll: so vergesse ich mich selber, und alle Dinge sind in mir, und nichts giebt es mehr als alle Dinge. Wo bin ich hin?
239. Die fest verknoteten Empfindungen, die immer wieder kehren (“relativ eine Zeit zusammenhalten”) werden von uns als die rohen Dinge und Wirklichkeiten angesehn: zunächst unser Leib. Aber “alle Eigenschaften dieser Dinge bestehn aus unseren Empfindungen und Vorstellungen.”
240. Wir sollen ein Spiegel des Seins sein: wir sind Gott im Kleinen.
241. Das Zukünftige ist eben so eine Bedingung des Gegenwärtigen wie das Vergangene. “Was werden soll und werden muß, ist der Grund dessen, was ist.”
242. Sollte ich das Alles geschaffen haben? War es die Bewegung meines Ich, die dies ordnete, wie sie die Bewegung eines Leibes geordnet hat? Bin ich nur ein Tropfen von dieser Kraft?
243. Ich begreife nur ein Wesen, welches zugleich Eins ist und Vieles, sich verändert und bleibt, erkennt, fühlt, will—dies Wesen ist meine Urthatsache.
244. Als ich die Lust an der Wahrheit haben wollte, erfand ich die Lüge und den Schein—das Nahe und Ferne, Vergangene und Künftige, das Perspektivische. Da legte ich in mich selber die Dunkelheit und den Trug und machte mich zu einer Täuschung vor mir selber.
245. Vieles am Menschen ist zu lieben: aber der Mensch ist nicht zu lieben. Der Mensch ist eine zu unvollkommene Sache: Liebe zum Menschen würde mich tödten.
246. Nicht diesen Menschen den ich liebte verwarf ich: sondern das, um dessentwillen ich ihn liebte, verwarf ich.
247. Blicke in die Welt, wie als ob die Zeit hinweg sei: und dir wird Alles Krumme gerade werden.
248. Wenn du blau siehst, was nützt es dir dich selber zu überwinden und zu dir zu sprechen: du sollst nicht blau sehn!
249. Diese wollen Würfel spielen und jene wollen zählen und rechnen, und diese dort wollen tanzen sehn: sie nennen’s Wissenschaft und schwitzen dabei. Aber es sind Kinder, die ihr Spiel wollen—und wahrlich, es ist eine schöne Kinderei, und etwas Lachen würde dem Spiele nicht Schaden.
250. Alle Zeichen des Übermenschlichen erscheinen als Krankheit oder Wahnsinn am Menschen.
251. Man muß schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom in sich aufzunehmen, ohne unrein zu werden.
252. Als ich den Zweck dachte, dachte ich auch den Zufall und die Thorheit.
253. Ihr seid mir zu grob: ihr könnt nicht an kleinen Erlebnissen zu Grunde gehen.
254. Nicht wo euer Auge aufhört zu erkennen, sondern schon dort wo eure Redlichkeit aufhört, da sieht das Auge nichts mehr.
255. Was der Affe für uns ist, ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham: das soll der Mensch für den Übermenschen sein.
256. Wie müßte man zu euch reden, damit ihr verstündet! Erst wenn ihr krank werdet, bekommt ihr Ohren.
257. Sobald der Wille auftritt, hat das Gefühl den Eindruck der Befreiung. Das Gefühl ist nämlich leidend—und sobald der Wille auftritt, pausirt es und leidet nicht. Das nennt man Freiheit des Willens.
258. Wie schwer ward mir da die Welt—dem Thier gleich, das im Meer gelebt hat und nun ans Land mußte: wie soll es nun seinen eignen Körper schleppen!
258. Habe ich nicht eine neue Farbe und einen neuen Geruch erfunden?
259. Wo man euch zwingt, klein zu empfinden, da sollt ihr nicht leben. Man vergeudet sein Leben nicht schlimmer als mit kleinen Umgebungen.
260. Seid ihr zu weich und ekel, Fliegen und Mücken zu tödten, so geht in die Einsamkeit und die frische Luft, wo es keine Fliegen und Mücken giebt: und seid selber Einsamkeit und frische Luft!
Euer armer Leib—Unwissenheit der Gesetze der Natur.
261. Die Krankheit ist ein plumper Versuch, zur Gesundheit zu kommen: wir müssen mit dem Geiste der Natur zu Hülfe kommen.
262. Meine Brüder, die Natur ist dumm: und so weit wir Natur sind, sind wir alle dumm. Auch die Dummheit hat einen schönen Namen: sie nennt sich Nothwendigkeit. Kommen wir doch der Nothwendigkeit zu Hülfe!
263. Was liegt daran, daß möglichst viele Menschen möglichst lange leben? Ist ihr Glück eine Rechtfertigung alles Daseins? Und nicht viel mehr eine verächtliche Sache?
264. Und wenn du das Dasein rechtfertigen willst, so mußt du nicht nur des Teufels Anwalt, sondern auch Gottes Anwalt vor dem Teufel sein.
265. Rede an den Felsen. Ich liebe es, daß du nicht sprichst. Deine Schweigsamkeit hat Würde. (Alles moralisch empfinden in der Natur: aller Werth liegt darin)
Rede an einen König.
266. Die Welt steht fertig da—eine goldne Schale des Guten. Aber der Schaffende Geist will auch das Fertige noch schaffen: da erfand er die Zeit—und nun rollte die Welt auseinander und rollt wieder in großen Ringen in sich zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als die Gebärerin der Zwecke aus dem Zufalle.
267. Es giebt genug, die nichts Besseres wissen auf Erden als mit einem Weibe zusammen zu liegen. Was wissen die vom Glück!
Mit unsichtbaren Fäden wird man am festesten gebunden.
268. Wenn ich ein Gefühl ehre, so wächst die Ehre in das Gefühl hinein.
269. Was liegt an eurer Tugend, wenn ihr nicht den Moment erlebt habt, wo ihr den Menschen in euch tief verachtetet, aus Liebe zu dem Übermenschen? Und eure Tugend mit verachtetet?
270. In der Geschichte der Menschheit sind die großen Verachtungen die Ereignisse: als die Quelle der großen Begehrung nach dem Übermenschen. Laßt euch nicht betrügen—ehemals wollte man denn wohl in das Jenseits oder Nichts oder mit Gott eins werden!? Alle diese bunten Worte dienten um auszudrücken, daß der Mensch seiner satt sei—nicht seiner Leiden, sondern seiner gewöhnlichen Art zu empfinden.
271. Die Stunde der großen Verachtung erwarten: das ist die Auszeichnung. Die Anderen dienen nur zur Bildung des letzten Menschen.
272. Der Gedanke ist nur ein Zeichen, wie das Wort nur ein Zeichen für den Gedanken ist.
273. Einstmals war das Ich in der Heerde versteckt: und jetzt ist im Ich noch die Heerde versteckt.
5 [2]
Zweierlei lehre ich euch; ihr sollt den Menschen überwinden, und ihr sollt wissen, wenn ihr ihn überwunden habt: ich lehre euch den Krieg und den Sieg. (Cap)
5 [3]
Es ist kühl, die Wiese liegt im Schatten, die Sonne gieng. Ist es nicht ungereimt zu leben?
Müßte man nicht mehr Vernunft haben, um aus dem Leben eine Vernunft zu machen?
Meine Brüder, verzeiht der Seele Zarathustra’s, daß es Abend ist.
5 [4]
Verwerfe ich denn eure Tugenden? Ich verwerfe eure Tugendhaften.
5 [5]
Ich erkläre auch eure Tugenden aus dem Zukünftigen.
5 [6]
So bald in der Heerde das Gefühl wächst und schwillt, nähert es sich der Heerde.
Zuerst wurde das “Für Alle” heilig, dann das “Für den Anderen” endlich das “für meinen Gott.”
5 [7]
Ich liebe die verschwenderischen Seelen: sie geben nicht zurück und wollen auch keinen Dank—denn sie schenken immer.
5 [8]
Ich lehre euch den Übermenschen: wo ist mein Bruder, der ihn die große Verachtung lehrt?
5 [9]
Sie werfen die Bilder um und sagen: es giebt nichts Hohes und Anbetungswürdiges—weil sie selber kein Bild und keinen Gott schaffen können.
Erbarmt euch ihrer! Hört doch die Verachtung aus ihrer Wuth gegen die Bilder—die große Verachtung gegen sich selber!
5 [10]
(cap) “die Bruderschaft der Rechtfertiger.”
5 [11]
Es ist furchtbar, im Meere vor Durst zu sterben: müßt ihr denn eure Weisheit so salzen, daß sie nicht wie gutes Wasser schmeckt?
5 [12]
Schwanger geht die Menschheit, wunderlich sind ihre Schmerzen.
5 [13]
Unsere Verachtung des Menschen trieb uns hinter die Sterne und ließ uns nach einem Gotte herumsuchen.
5 [14]
Der Gelehrte soll ein Büßer des Geistes sein
5 [15]
Sie sagten “laßt uns der Welt absterben,” sie suchten ihr Heil
hinter den Sternen, sie fanden das Wort nicht vom Übermenschen.
5 [16]
Dein Leben sei ein hundertfältiger Versuch: dein Mißlingen und Gelingen sei ein Beweis: und sorge dafür, daß man wisse, was du versucht und bewiesen hast.
5 [17]
Ich liebe den, der die Zukünftigen rechtfertigt und die Vergangenen erlöst: während er an den Gegenwärtigen zu Grunde geht.
Ich liebe den, der aus seiner Tugend seine Pflicht und sein Verhängniß macht.
Ich liebe den, der nicht einen Tropfen Geist übrig behält und ganz der Geist seiner Tugend ist:
Ich liebe den, der seine Seele verschwendet, der nicht Dank haben will und nicht zurückgiebt, weil er immer schenkt.
Ich liebe den, der das Unrecht solcher auf sich nimmt, die es nicht tragen können
Ich liebe den, der lebt, damit er erkenne und der erkennen will, damit der Übermensch lebe.
Ich liebe den, welcher der Welt nicht absterben will und nicht hinter den Sternen sein Heil sucht: den der das Wort vom Übermenschen verstanden hat.
Ich liebe den, dessen Seele tief ist auch in der Verwundung und der an einem kleinen Erlebnisse zu Grunde gehen kann.
Ich liebe den, der zu voll ist, so daß er sich selber vergißt, und alle Dinge in ihm sind: aber er wird zu Grunde gehen.
Ich liebe den, der freien Geistes ist, wie er auch freien Herzens ist: und der Kopf sei ihm nur das Eingeweide des Herzens.
Ich liebe den, der so mitleidig !ist, daß er aus der Härte seine Tugend und seinen Gott macht.
Ich liebe den, der goldne Worte seinen Thaten vorauswirft und immer noch mehr hält als er verspricht.
Ich liebe den, welcher sich schämt, daß die Würfel immer zu seinen Gunsten fallen und welcher sich fragt: bin ich denn ein falscher Spieler?
Ich liebe den, welcher seinem Gegner nicht nur seine Fehlgriffe verzeiht, sondern auch seinen Sieg.
Ich liebe den, welcher seinen Gott züchtigt, weil er seinen Gott liebt.
Ich liebe den, welcher nicht Lohn, sondern Strafe und Untergang von seiner Tugend erwartet.
Ich liebe den, welcher im Nächsten den leidenden Gott sieht, der in ihm versteckt ist und sich des Thiers schämt, welches an ihm sichtbar war.
5 [18]
Ihr sollt nicht zu viele Tugenden haben wollen. Eine Tugend ist schon viel Tugend: und man muß reich genug sein auch nur für Eine Tugend. Damit sie lebe, sollt ihr zu Grunde gehen.
5 [19]
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden: Giftmischer sind es und Verächter des Lebens: ob sie es wissen oder nicht Absterbende sind es und Selbst-Vergiftete.
Einst war der Frevel an Gott der größte Frevel: aber Gott starb, und damit starben auch diese Frevelhaften. An der Erde zu freveln ist jetzt das Furchtbarste, und die Eingeweide der unerforschlichen Dinge höher zu achten als den Sinn der Erde.
5 [20]
Dein Leben sei ein hundertfältiger Versuch: dein Mißlingen und Gelingen sei ein Beweis; und sorge dafür, daß man wisse, was du versucht und bewiesen hast.
5 [21]
Es giebt Wollüstlinge des Geistes—es giebt Büßer des Geistes.
5 [22]
Nicht wo das Auge aufhört zu erkennen, sondern schon dort wo eure Redlichkeit aufhört, da sieht das Auge nichts mehr.
5 [23]
Diese wollen Würfel spielen und jene wollen zählen und rechnen, und diese dort wollen tanzen sehen: sie nennen’s Wissenschaft und schwitzen dabei
Aber es sind Kinder, die ihr Spiel wollen,—und wahrlich, es ist eine schöne Kinderei, und etwas Lachen würde den Spielenden lieblich zu Gesichte stehn.
5 [24]
Wenn ihr den Zweck denkt, müßt ihr auch den Zufall und die Thorheit denken.
5 [25]
Der Einwand, das Mißtrauen, der Seitensprung sind Zeichen des gesunden Geistes. Alles Unbedingte verräth den Kranken.
5 [26]
Als ich die Lust an der Wahrheit haben wollte, da erfand ich die Lüge und den Schein, das Nahe und das Ferne, das Vergangene und das Künftige; da legte ich in mich selber den Trug und die Dämmerung.
5 [27]
Ich war in der Wüste, ich lebte nur als Erkennender. Dem Erkennenden reinigte sich die Seele, und der Durst nach Macht und alle Begierde wurden ihm heilig. Als Erkennender stieg ich weit über mich hinaus in der Heiligkeit und Tugend.
5 [28]
Unheimlich ist das menschliche Sein und immer noch ohne Sinn: ein Hanswurst kann ihm zum Verhängniß werden.
Wozu lebt dieser? Wozu stirbt jener? Niemand kann es wissen, denn es giebt kein Wozu darin.
Ehedem hielt man die Hand auf, wenn der Tod kam, und sagte “ein Geschenk von Oben.”
Es gab diesen Geber gar nicht, ein Ziegelstein vom Dach war das Geschenk. Unwissenheit war alle Vernunft im Sterben.
Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welches ist der Übermensch.
5 [29]
Liebe und Gerechtigkeit gegen die Dinge sei eure Schule.
5 [30]
Ihr verhüllt eure Seele: Nacktheit wäre Schande für eure Seele. Oh daß ihr lerntet, warum ein Gott nackt ist! Er hat sich nicht zu schämen. Er ist mächtiger nackt!
Der Körper ist etwas Böses, die Schönheit ist eine Teufelei; mager, gräßlich, verhungert, schwarz, schmutzig, so soll der Leib aussehen
Am Leibe zu freveln das gilt mir als ein Freveln an der Erde und am Sinn der Erde. Wehe dem Unseligen, dem der Leib böse und die Schönheit teuflisch scheint!
5 [31]
Hinter deinen Gedanken und Gefühlen steht dein Leib und dein Selbst im Leibe: die terra incognita. Wozu hast du diese Gedanken und diese Gefühle? Dein Selbst im Leibe will etwas damit.
5 [32]
Der Ascetismus des Geistes (an die Geistigsten)
der Freund (der ideale Umgang)
die Einsamkeit
der Leib philosophirt
der Schaffende
Gefahr in der Predigt des Leidens
Gegen die Geringschätzung des Lebens
im Erkennen heiligen sich die Triebe
das Ziel der Menschheit fehlt bisher
Rechtfertigung aller Vergangenheit
der Mittheilende als Bruchstück
der Liebende als Bruchstück
der Erkennende als Bruchstück
die gegenwärtige Cultur nicht zu hoch taxiren!
die Leidenschaften einmal als Gesundheit
die Keuschheit
Ruhe lehren und innere Arbeit. Gegen die “Arbeit.”
der Verbrecher.
Vergeltung sittliche Empörung und Vergebung.
der Lobende
das Weib
Mittel der Selbst-Überwindung
die Wissenschaftlichen
der Tod
die Wiederkunft
Heerde und Ich
der langsame Ruhm
Kritik der Moral und ihr Sinn
das Urtheil in der Lust
Widerspruch in euren Idealen
wir müssen auch unser Gegenstück wollen den Pharisäer.
der versteckte Mensch
der letzte Mensch
Rede an einen König.
der Übermensch
Erfindung von Festen
Büßer des Geistes—als Reiniger von ihren Affekten
Große Entscheidung zwischen Tod und Leben
Schauspieler und Schaffende.
die neue Kunst als 1000 Arten zu leben (zuerst Unabhängigkeit! ein Gedanke, der sich seine Freien erzwingt)
das Leben ein Versuch des Erkennenden
das Gemeine, Nächste, Irdische adeln! (Kost Küche)
Einsamkeit und Leben—Schlaf und Wachen (Leben als Wille zum Leiden (—Schaffen—)
die höchste Erkenntniß: der neue Schätzer.
der langsame Ruhm
Kritik der Moral und ihr Sinn: wir wollen uns über Lob und Tadel erheben!
Wahnsinn als Vorzeichen.
Vergeltung—ihr wollt Lohn?
Heimatlos.
die Bescheidenheit zum Stolze machen.
neue Kriege.
ob es schon Übermenschen gab?
5 [33]
Es genügt nicht, etwas wieder gut zu machen: man muß sich selber wieder gut machen, sich selber wieder gut werden, z. B. durch eine kleine überflüssige Bosheit oder Wohlthat. Bevor man vergeben kann, muß man erst erleben, was einem angethan ist. Und bei tiefen Menschen dauern alle Erlebnisse lange. Es ist leichter seinem Feinde zu vergeben als seinem Freunde.
Ich soll vergeben? Aber ich mache dir nicht zum Vorwurfe, was du dir vorwirfst: wie könnte ich also vergeben?
Nicht daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaubte hat mich erschüttert.
Aus seiner Erbitterung gegen einen Menschen macht man sich seine moralische Empörung zurecht—und bewundert sich dabei; und aus dem Müdewerden seines Hasses macht man sich die Vergebung zurecht—und bewundert sich noch einmal.
Er that mir Unrecht, das ist schlimm. Aber daß er nun gar noch sein Unrecht von mir abbitten will, das ist schlimmer, das ist zum Aus-der-Haut-fahren.
Hütet euch, den Einsiedler zu beleidigen! Der vergiebt nie! Der Einsiedler ist wie ein tiefer Brunnen—es ist leicht, einen Stein in ihn zu werfen. Wie aber willst du den Stein wieder herausholen, wenn er erst auf den Grund fiel?
5 [34]
| Alle Ziele sind vernichtet: die Werthschätzungen kehren sich gegen einander, |
| man nennt den gut, der seinem Herzen folgt, aber auch den, der nur auf seine Pflicht hört |
| man nennt den milden, versöhnlichen gut, aber auch den tapferen unbeugsamen strengen. |
| man nennt den gut, der ohne Zwang gegen sich ist, aber auch den Helden der Selbstüberwindung |
| man nennt den unbedingten Freund des Wahren gut, aber auch den Menschen der Pietät, den Verklärer der Dinge |
| man nennt den sich selber gehorchenden gut, aber auch den frommen |
| man nennt den Vornehmen, Edlen gut, aber auch den, der nicht verachtet und herabblickt |
| man nennt den gutmüthigen, dem Kampfe ausweichenden gut, aber auch den Kampf- und Siegbegierigen |
| man nennt den, der immer der erste sein will, gut, aber auch den, der nichts vor irgend Einem voraus haben will. |
5 [35]
ich begreife nicht, wozu man nöthig hat, zu verleumden. Will man Jemandem schaden, so braucht man ja nur über ihn irgend eine Wahrheit zu sagen.
Man weiß von Jedermann immer zu viel.
Wir loben nur was nach unserem Geschmack ist d. h. wir loben nur unseren Geschmack.
die geistreichste Leidenschaft
Antipathie gegen eine Person sich zur Tugend machen
In der Flam der Eifer wendet man den vergifteten Stachel gegen sich selber, gleich dem Skorpion—doch ohne s Erfolg
Wenn ich merke daß Jemand mich belügt, so jammerte mich nicht, daß er mich belügt, sondern daß er lügt.
10, 5[1-35] November 1882 - Februar 1883
5 [1]
7. The pleasure that all morality has hitherto provided and still provides—thus what has sustained it—lies in the fact that it gives everyone the right, without lengthy examination, to praise and to blame. And who could endure life without praising and blaming!
8. This is the crux for moral pessimists: if they were seriously to promote the neighbor’s salvation, they would have to resolve to make existence repulsive to him, thus to be his misfortune; out of compassion—they would have to become evil!
If it were true that life does not deserve to be affirmed, then the moral person would, through his self-denial and helpfulness, abuse his neighbor—for his most personal advantage.
9. I want to know whether you are a creative or a transformative person in some respect: as a creator, you belong to the free; as a transformer, you are their slave and their tool.
10. As much as possible and as quickly as possible: that is what the great spiritual and emotional sickness, which is soon called "present" and soon "education," wants, but in truth is a sign of consumption.
11. Woman and genius do not work. Woman has hitherto been the highest luxury of mankind. In all moments when we do our best, we do not work. Work is only a means to these moments.
12.We are most unjust not against what we dislike, but against what does not concern us at all.
13. Just as we step even one step beyond the middle measure of human goodness, our actions arouse suspicion. For virtue rests “in the middle.”
14. You say “we like that” and think you are praising me. Oh, you fools! How much you please me with that!
15. Of all that is written, I love only what one writes with his blood. In that I love the book.
One must not be ashamed of one’s affects, for they are too unreasonable.
16. For the one who is burdened much by his reason, affect is a recreation; namely, as an unreason.
17.This century loves to attribute to the most spiritual men a taste for immature, spiritually poor, and humble little folk women—the taste of Faust for Gretchen—this testifies against the taste of the century and its most spiritual men.
18. Bad enough! The time for marriage comes much earlier than the time for love: the latter understood as the testimony of maturity, in man and woman.
19. When a woman attacks a man, it is only to defend herself against a woman. When a man makes friends with a woman, he means that he does it because he can no longer achieve more.
20. It is impossible to suffer without making someone pay for it; every complaint already contains revenge.
21. My brothers and sisters, do not be so tender with me!We are all pretty sturdy donkeys and she-donkeys and truly no trembling rosebuds to whom a drop of dew already seems too much!
22. Life is hard to bear: but why should one have one's defiance in the morning and one's resignation in the afternoon?
23. I am amazed: my hunger often comes only after the meal.
24. In a theory, it is truly not the least charm that it is refutable.
25. These constitutional kings were given the virtue: they can no longer "do wrong"—but in return, they were taken their power.
26. If one is fortunate enough to remain obscure, one should also take the liberties that darkness gives and especially "gossip well."
27.To truly attribute the unpleasant consequences of one's own folly to that folly and not to one's character—this requires more character than most possess.
28. The scientific man shares a fate with the rope-makers: he keeps drawing his thread longer, but in doing so—he moves backward.
29. Not falling into his hands is the worst for me: but falling into his thoughts.
30. To experience much: to experience much of the past in the process; to experience much of one's own and others' lives as a unity: this makes the highest men; I call them "Sums."
31. One has death close enough not to need to fear life.
32. For the brake to be needed, the wheel must first be needed. The good are the brake: they hold back, they preserve.
The petty bourgeoisie is against my taste.
To come to shine after 300 years—that is my ambition.
Do I love music? I do not know: I also hate it too often. But music loves me, and as soon as someone leaves me, it jumps forward and wants to be loved.
They do not love me: is this a reason not to bless them?
37. “Behold! Now the world has become perfect”: thus thinks every woman when she obeys out of wholehearted love.
38. One should spare evil, just as one should spare the forest. It is true that by clearing and uprooting the forest the earth became warmer
39. One should have no pity for mosquitoes and fleas. One would do right to hang the little thieves, the little slanderers and defamers.
40. One should not link the contemptible person with the terrible person by a single word.
41.Evil and great emotion shake us and overthrow everything that is rotten and small in us: you must first try whether you cannot become great.
42. Our delicacy keeps us in pretense and makes us depressed, we say freely: “so pleases me—what do reasons matter to me!”
43. Regarding most truths, women have a feeling as if someone wanted to look under their skin.
44. Besides our ability to judge, we also possess our opinion of our ability to judge.
45. You do not have the courage to burn yourself and turn to ashes: thus you will never become new, and never again young!
46.Marriage is designed for average people who are incapable of either great love or great friendship—most people, in other words—but also for those very rare individuals who are capable of both love and friendship.
47. You lovers of knowledge! What have you done out of love for knowledge so far? Have you ever stolen or murdered to know how a thief or murderer feels?
48. Even the value of knowledge has been lied about: those who seek knowledge have always spoken of it in their own defense—they have always been too much the exceptions, almost the criminals.
49. Draw close to your friend, but do not cross over to him! Honor the enemy within your friend.
50. The more abstract the truth you wish to teach, the more you must also seduce the senses toward it.
51.The subtlety of pity lies in the fact that it guesses whether the sufferer wants pity.
52. “Obedience” and “Law”—that sounds out of all moral feelings. But “Arbitrariness” and “Freedom” could in the end still be the last sound of morality.
53. The child as a monument to the passion of two people; the will to unity in two.
54. One must wait for one's own thirst and let it become full: otherwise one will never discover one's own source, which can never be that of another!
55. You must also raise your devil to be great: so that you get rid of the small devilries.
56. The great epochs of our lives lie where we gain the courage to re-baptize our evil as good.
57. Even truthfulness is only one of the means to knowledge, a ladder—but not the ladder.
58.The will to overcome an affect is ultimately only the will of another affect.
59. One who has the will to suffer stands differently toward cruelty: he does not consider it harmful or evil in itself.
60. Persons whom one has used in an enterprise that has failed should be doubly rewarded.
61. Heroism—this is the disposition of a person who strives for a goal in relation to which he no longer matters at all. H is the good will toward self-destruction.
62. The immense expectation regarding sexual love ruins all other perspectives for women.
63. Whoever no longer finds the great in God will not find it at all—he must deny it or create it.
64.Unconditional love contains—even the desire to be mistreated: it is then defiance against oneself, and from devotion finally becomes the wish for self-destruction: “Perish in this one sea!”
65. Lust and self-mutilation are neighboring drives. There are also self-mutilators among those who seek knowledge: they absolutely do not want to be creators.
66. There are natures that find no means to endure themselves except by striving for their own downfall.
67. The closer you come to complete cooling, with regard to everything previously valued, the more you approach a new heating.
68. All good is the transformation of an evil: every god has a devil as father.
69. “What must I do to become blessed?” I do not know, but I tell you: be blessed and then do what you desire.
70.You grow to love something: and scarcely have you come to love it from the ground up, when that tyrant within us cries: “give me precisely that as a sacrifice”—and we give it.
71. I do not advise work, but struggle; I do not advise peace, but victory. Let your work be a struggle, let your peace be a victory.
72. I awakened you from sleep: for I saw that a nightmare oppressed you. And now you are sullen and say to me: “what shall we do now? All is still night!”—you ungrateful ones! You should sleep again and dream better!
73. Every church is the stone on the grave of a god-man: it insists that he shall not rise again.
Everything about woman is a riddle, and everything about woman has one solution: it is called pregnancy.
74. Good and evil are the prejudices of God—said the serpent. But the serpent itself was a prejudice of God.
75.What can it help! You understand nothing but barking and biting—so be at least my dog—said Zarathustra.
76. I know all evil and all good—I also know what lies beyond good and evil—said Zarathustra.
77. Today I love myself as my God: who could accuse me of sin today? I know only sins against my God; but who knows my God?
78. Do you want life to be easy? Then always stay with the herd and forget yourself over the herd. —
79. In war, revenge is silent from person to person.
80. You shall love peace as the means to a new war!
81. Do not look into the sun! The moon is still too bright for your nightly eyes!
82. You say: “that is dark.” And in truth: I placed a cloud before the sun.But don't you see how the edges of the cloud are already glowing and becoming light?
83. One is only pregnant with one's own child.
84. There they stand, the little ones, like grass and herbs and shrubs—innocent of their wretchedness. And now I creep through them and crush as little as I can—but disgust gnaws at my heart.
85. What sustained me then? Always only the pregnancy. And every time the work was born, my life hung by a thin thread.
86. Disgust at the filth can become so great that it prevents us from cleaning ourselves.
87. As a creator, you live beyond yourself—you cease to be your contemporary.
88. Oh, you wanted it better than good! That is your folly.
89. One can only be silent when one has bow and arrow: otherwise one chit-chats and quarrels.
90.That you are compassionate I take for granted: to be without compassion means to be sick in spirit and body. But one must have much spirit to be allowed to be compassionate! For your compassion is harmful to you and to all.
91. I love the compassion that hides beneath a hard shell: I love the compassion for the sake of which one pulls out a tooth.
92. There is a false saying: “who cannot redeem himself, how could he redeem another?” But if I have the key to your chain, why must your lock and mine be the same?
93. Only in war are you holy, and when you are robbers and cruel.
94. (“A form” they call what they wear: uniformity is what they cover with it.)
95.I love something: and hardly do I love it from the ground up, so says the tyrant in me: "just this I want to sacrifice." This cruelty is in my entrails. See: I am evil.
96. You say, the good cause is it, that even sanctifies war? I say: it is war, that sanctifies every cause!
97. Reason is also in me an exception, said Zarathustra: chaos and necessity and whirl of the stars—that is also in the wisest world the rule.
98. One should make a feast of one's death, and be it only out of malice against life: against this woman, who wants to leave us—us!
99. We both have something for ourselves: how beautiful it is then to quarrel—you have the passion, I the reasons!
100. I am not great enough—not to have these feelings: but I am great enough not to be ashamed of them.
101.“No one lives who may praise me. And whom may Zarathustra not praise?” 102. From my own poison I make balsam for my ailments: and I milked the milk from the udder of my sorrow. 103. I have unveiled myself and am not ashamed to stand thus naked. Shame is the fiend that joined mankind when they lusted beyond the animals. (“Address to the Animals”) 104. It is free for people to believe in Zarathustra: but what does that matter to Zarathustra? 105. I came to help you, and you complain that I will not weep with you. 106. Every god-man created his own god: and there is no fiercer enmity on earth than that between gods. 107.Declare your will and say to all of us, “only this will I be”: hang your own law of punishment over yourself: we want to be its enforcers!
108. If you are too weak to give yourselves laws: then a tyrant shall place his yoke upon you and say: “obey, grind your teeth, and obey”—and all good and evil shall drown in obedience to him.
109. Give back and repay; repay richly, good and bad—be reluctant in accepting, distinguish yourself by accepting.
110. Beware of cats: they never give, they do not even repay—they only respond and purr while doing so.
111. Tell me, you birds who travel far and see many hidden things: who among all people has the most expansive soul? How small countries are the most expansive souls
112.You still have the full innocence of admiration: you do not believe that you could ever be admired.
113. I speak and the child plays: who can be more serious than we both are?
114. You have overcome yourself: but why do you show yourself to me only as the one who has been overcome? I want to see the victorious one: throw roses into the abyss and say: “Here is my thanks to the beast, for not knowing how to devour me!”
115. There you sit on the shore, freezing and hungry: it is not enough to save one’s life!
116. Who would believe me, said Zarathustra, that I belong to the race of the quick-tempered, and to that of the lustful, the faith-frenzied, the vengeful? But war has sanctified me.
117. The happiness of the man is called “I will,” the happiness of the woman “I must.”
118.At bottom, even the best man is evil: at bottom, even the best woman is bad.
119. I must be an angel if I am to live at all: but you live under different conditions.
120. He who says to his god: I will serve you even with all my wickedness—is the most pious man.
121. You say I should be your teacher! See to it that I am your wing and not your fetter.
122. How could I make fun in such a terrible way?
What do I care about the purring of one who cannot love, like the cat?
123. Some deeds are done to forget another deed: there are also opiate actions. I am here so that another may be forgotten.
124.I do my favorite thing and precisely for that reason I shy away from naming it with lofty words: I do not dare to believe that it is a sublime compulsion, a law to which I obey: I love my favorite thing too much to want to show myself compelled by it.
125. Not your sin—your sobriety cries to heaven.
126. You have become too poor in life for me: now you want frugality to be virtue itself.
127. Golden age, when arrogance was considered the source of evil!
128. You should preserve chaos within yourselves: all those to come must have material from which to shape themselves.
129. Do not be deceived! The most active peoples have the most fatigue within them, their restlessness is weakness—they no longer have enough content for waiting and idleness.
130. Give me today the worst throw of your dice, Fate.Today I turn everything into gold.
131. No one comes to me anymore. And I myself: I went to everyone, but I came to no one!
132. Thinking about life should be a matter of recreation: otherwise, only about our tasks!
133. We must be as cruel as we are compassionate: let us guard against becoming poorer than nature is!
134. “I could not do without anything when I created the Overman. In his seed is still all your evil and falsehood, your lies and your ignorance.”
135. Man shall be the beginning of something that is no longer man! Do you want preservation of the species? I say: overcoming of the species!
136. Do I want to create lamb souls and ecstatic young maidens? I want lions and monsters in strength and love.
137. It shall come to pass that the highest festivals of man are procreation and death!
138.We must prepare not only the earth, but also animals and plants for the Overman.
139. The best things are worth nothing without an actor who first "performs" them.
140. "You must be inoculated with madness"—said Zarathustra.
141. I still have all these wild dogs with me, but in my cellar. I do not even want to hear them bark.
142. Thinking about life should be a matter of recreation: otherwise, one should only think about tasks.
143. Honor the actors for me and do not seek the best ones on the stage!
144. If I did not love people, how could I endure Zarathustra?
145. You wage war? You fear your neighbor? Then remove the boundary stones: then you will have no neighbor left. But you want war: and that is why you first set the boundary stones.
146.“This is how I want to live, illuminated by the virtues of a world that does not yet exist.”
147. Every thing has two faces, one of passing away, one of becoming.
148. This good, fine, strict sense in recognizing, from which you by no means want to make a virtue for yourselves, is the blossom of many virtues: but the “thou shalt” is no longer to be seen, from which it sprang, the root is beneath the earth.
149. Love is the fruit of obedience: but often generations lie between fruit and root: and freedom is the fruit of love.
150. The freer and firmer the individual is, the more demanding his love becomes: finally he longs for the Overman because everything else does not quench his love.
151. Do not reveal yourselves! And if you must, then anger, but do not shame!
152.Did I come to advise you on how to defend yourselves against burglars and cutthroats? I speak to those who are weary of their virtue and who might well allow themselves to be robbed and killed once in a while.
153. And have you nothing more to say to men? asked his disciples. “No,” said Zarathustra, “the cup is empty.” And when he had said this, he went his way, alone. But those who saw him go wept.
154. Beware of offending the hermit: he never forgives. The hermit is like a deep well: it is easy to throw a stone into it; but how would you retrieve the stone once it has reached the bottom?
155. Be humane toward the creators! It is in their nature to be poor in neighborly love.
156.Before one can forgive, one must first experience what has been done to them: and for deep people, all experiences last a long time.
157. In every action of a higher person, your moral law is broken a hundredfold.
158. I can still stand on the narrowest step of life: but who would I be if I showed you this art? Do you want to see a tightrope walker?
159. Ah, how softly you are bedded! You have a law—and an evil glance at the one who even thinks against the law. But we are free: what do you know of the torment of responsibility to oneself! —
160. I teach you redemption from the eternal flux: the river always flows back into itself, and you always step into the same river again, as the same.
161.This I taught myself: people have given themselves all morality: although they now believe they have only taken it. Well then! We too can still give ourselves a Good and an Evil give!
162. What is hardest for man to do? To love those who despise us; to abandon our cause when it celebrates its victory; to contradict reverence for the sake of truth; to be sick and reject the comforter; to step into cold and dirty water; to make friends with doves; to extend a hand to the ghost when it frightens us—all this, said Zarathustra, I have done and bear it upon me: and all this I give away today for a trifle—for the smile of a child.
163. I wanted to know: I had to be cruel. Did I flee vengeance? Did I not know of the silent eyes of all the wounded?
164.One should also be perfect as an animal—said Zarathustra.
165. One is proud to worship when one cannot be an idol.
166. I love free spirits, if they are also free hearts. To me, the head is like the stomach of the heart—but one should have a good stomach. What the heart accepts, the head must digest.
167. Having a talent is not enough: one must also have the permission to have it!
168. Compassion is a hellish sensation: compassion is itself the cross to which he who loves mankind is nailed.
169. Keep your soul fresh and cool and rough! The tepid air of the emotional, the dull sultry air of the sentimental, be far from you!
170. “Wrapped in thick melancholy: my life depends on small accidents.” The Hermit.
171.When one suffers greatly, one may well be modest enough to be vain once—said the hermit: he parted his teeth with reluctance, which he had otherwise clenched tightly.
172. “I do not give alms—I am not poor enough for that”—said Zarathustra.
173. I am a support and a railing by the river: grasp me, whoever can!— I am not a crutch.
174. “Man should be the middle between the plant and the ghost.”
175. Blood is a poor witness to truth: blood poisons a doctrine so that it becomes hatred.
176. In compassionate people, hardness is a virtue.
177.Wanting to murder, hating, mistrusting are now accompanying phenomena of physical illness: so deeply have moral judgments been incorporated into us.— In wild ages, perhaps cowardice and pity appear as symptoms of illness. Perhaps even virtues can be symptoms;
178. This is man: a new force, a first motion: a wheel rolling out of itself; if he were strong enough, he would make the stars roll around him.
179. With firm shoulders, space is braced against nothingness. Where there is space, there is being.
180. You have told me what sound and the ear are: but what does this concern the artists of sound? Have you thereby explained music—or even refuted it?
181. There are no moral drives, but all drives are colored by our valuations.
182. What is life?A constant praise and blame.
183. When horror joins the harmful, evil arises; when disgust, the bad.
184. Zarathustra: As long as your morality hung over me, I breathed like one suffocating. And so I strangled this snake. I wanted to live, therefore it had to die.
185. What is man? A heap of passions, which reach into the world through the senses and the spirit: a tangle of wild snakes, which rarely grow weary of fighting: then they look into the world to make their prey there.
186. One cannot live without valuing: but one can live without valuing what you value.
187. There lies the lead of their guilt upon them: they are so clumsy, so stiff: if only they could shake their heads, it would roll off. But who moves these heads?
188.I want to compel you to think humanly: a necessity for those who can think. For you, a necessity of the gods would not be true.
189. Monstrous is the power of praise and blame: but where is the goal into which this power could be swallowed?
190. And what was too bad to be devoured by dogs—you threw that very thing before your God. Did He perhaps die of your nourishment?
191. Your souls lack the incense of shame: but a good apple also has its bloom.
192. When storms approach, you should let your resolutions sleep.
193. One should only question gods where gods alone can answer.
194. Before fate strikes us, we should lead it like a child and—give it the rod: but once it has struck us, we should seek to love it.
195.Godless it seemed to the elders among us and insatiably greedy, to rummage in the bowels of the earth for treasures.
196. Beware of awakening the dead, lest the lightning strike you.
197. The greatest sacrilege is the sacrilege against man, now that there are no more gods: and to despise the human for the bowels of the unfathomable things.
198. Become necessary! Become bright! Become beautiful! Become whole!
This one loves the bird in its flight and that one sees only dawns and seas.
199. Beware of desecrating the coffins of the living
200. to stir for the sake of great objects and otherwise be slow and
201. Do I love the past? I destroyed it to live. Do I love the present? I look away from them to be able to live.
202.Cannot believe in the long run!: knowledge loses its value at the moment of conquest. So create!
203. To create a higher being than ourselves is our essence. Create beyond ourselves! This is the drive of procreation, this is the drive of action and work.— Just as all willing presupposes a purpose, so man presupposes a being that is not there, but which gives the purpose of his existence. This is the freedom of all will! In the purpose lies love, reverence, the seeing of perfection, longing.
Praise of the forest. Holy be this tree, where I thought of you
Habituation to gratitude.
You shall not kill before the animal nods.
Condemned to be executioners, you scholars!
204.I feared being among people: I longed to be among people, and nothing satisfied me. Then I went into solitude and created the Overman. And when I had created him, I draped the great veil of becoming around him and let noon shine upon him.
205. Immortal is the moment when I conceived the recurrence. For the sake of this moment, I endure the recurrence.
206. What is it that gave things meaning, value, significance? The creative heart, which desired and created from desire. It created joy and woe. It also wanted to satiate itself with woe. We must take upon ourselves and affirm all suffering that has been suffered by humans and animals, and have a goal in which it finds reason.
207.There is no redemption for the one who suffers from existence other than no longer suffering from his existence. How does he achieve that? Through the quick death or through the long love.
208. Every action creates us further, it weaves our colorful garment. Every action is free, but the garment is necessary. Our experience—that is our garment.
209. Desire is happiness: satisfaction as happiness is only the last moment of desire. Being entirely wish is happiness, and again and again a new wish.
210. I speak with you, my wisdom, under 4 eyes: I want, I desire, I love—and therefore I praise life. If I did not create, but only recognized, I would hate it.
211. The non-action, the letting-go, the non-creating, the non-destroying—that is my evil.The cognizing one as the non-desiring one also.
212. The Empty, the One, the Unmoved, the Full, the Satiety, the Not-Wanting—that would be my evil: in short: sleep without dreams.
213. Cognizing is a desiring and thirst: cognizing is a begetting. Love for the bodily and for the world is the consequence of cognizing as a will. As a creating, all cognizing is a not-cognizing. The seeing-through would be death, disgust, the evil. There is no form of cognizing other than that of first-creating. Being a subject—
214. The greatest danger is the belief in knowledge and being-known, i.e., in the end of creating. This is the great fatigue. “There is nothing.”
215. All cognizing, as creating, has no end. Every human being must have an explanation of the world that corresponds entirely to him: to him as a first movement.We always want not to confess to ourselves and look at the herd.
216. Wrong is done most where we do someone good: right and wrong have nothing to do with good and evil, but with benefit and harm.
217. You will be called the destroyers of morality: but you are only the inventors of yourselves.
218. These are my enemies: they want to overthrow and not build themselves up. They say: “all this is without value”—and want to create no value themselves.
219. “the Awakened” am I: and you—hardly are you born, so you begin to die.
220. What can all do?— Praise and blame. This is the virtue of man, this is the madness of man.
221.One always does wrong—says justice—and not only when you hurt yourselves, but also when you do good to yourselves, love, and benefit. One does not repay, one harms through praise and love, because they do not repay.
222. What do you know of how a madman loves reason, how a feverish man loves ice!
223. In science, in knowledge, the drives have become sacred: “the thirst for pleasures, the thirst for becoming, the thirst for power.” The knowing man is in holiness far beyond himself.
224. I was in school: I lived for knowledge. There my soul purified itself, all desires became sacred. It is the preparatory school: the solitude of the knowing. As you should relate to things, so you should relate to people: your love should be above all individual things and individual people.
225.The Will to Suffer: you must live in the world for a time, you creators. You must almost perish—and afterward bless your labyrinth and your confusion. Otherwise, you cannot create, but only wither away. You must have your rises and falls. You must have your evil and take it upon yourselves again for a time. You eternally recurring ones, you yourselves must become a recurrence.
226. Creating is redemption from suffering. But suffering is necessary for the creator. Suffering is transformation; in every birth, there is a death. One must be not only the child but also the mother: as the creator.
227. One must want to pass away to be able to arise again—from one day to the next. Transformation through a hundred souls—let that be your life, your destiny:
And then finally: to want this whole series all over again!
228. Look at him, whether he has a pure eye and a mouth without contempt. Look at him, whether he walks like a dancer.
229. You must often leave everything behind, your wife, your country, your usefulness: you must make the sun stand still in your life.
230. Your life in pleasures is self-torture: and both are diseases and unworthiness.
231. One should serve him who, through our service, increases in spirit, self-overcoming, and invention of new tasks:—thus, as a servant, you will have best served yourself.
232.Do not be angry with those who think as it befits perishing people to think: they cling to their straw of life and know little about life, except that one clings to it and that it makes little sense to cling: the perishing have little value—that is the core of their “wisdom”
233. You have not yet decided for life, but fear and tremble like children before the water into which they are to be dipped. And meanwhile your time passes, and you seek teachers who tell you: “fear and tremble before the sea which is called life”—and you call this teaching good and die early.
234. The value of life lies in the valuations: valuations are created, nothing taken, learned, experienced.The created must be destroyed to make room for the newly created: the ability to be destroyed is part of the *Lebenkönnen* of valuations. The creator must always be a destroyer. But valuation itself cannot destroy itself: *that is life*. 234. “Life is suffering?”—You are right: well, then *your* life is suffering!—so *see to it* that you stop; that the life which is nothing but suffering comes to an end. Your morality says: “you shall kill yourself,” “you shall steal yourself away from it.” 235. And even those who turned away from life and found joy and peace—they found it by *creating* an image of such a life, as *creators*! As creators, you put an end to your suffering! And thus you *loved* your life! 236.You imagine yourselves to be free from the judgments of the knowing: but you cannot move without reaching for *our* valuations, you helpless ones! Still less that you could create! It belongs to the *happiness of poverty*, this delusion of freedom! A comfort for prisoners! A blessing for the blind-born!
237. The animal knows nothing of its self, it also knows nothing of the world.
238. I am too full: thus I forget myself, and all things are in me, and there is nothing more than all things. Where have *I gone*?
239. The firmly knotted sensations that keep returning (“hold together for a relative time”) are regarded by us as the raw things and realities: first and foremost our body. But “all properties of these things consist of our sensations and representations.”
240.We are to be a mirror of being: we are God in the small.
241. The future is just as much a condition of the present as the past. “What is to become and must become is the reason for what is.”
242. Did I create all of this? Was it the movement of my self that ordered this, as it ordered the movement of a body? Am I merely a drop of this power?
243. I comprehend only a being that is at once one and many, changes and remains, knows, feels, wills—this being is my primordial fact.
244. When I wanted to have the pleasure of truth, I invented the lie and the illusion—the near and far, the past and future, the perspectival. Thus, I placed darkness and deception within myself and made myself a deception to myself.
245.There is much to love about man: but man is not to be loved. Man is too imperfect a thing: love for man would kill me.
246. It was not the man I loved that I rejected: but that for the sake of which I loved him, I rejected.
247. Look into the world as if time were gone: and all that is crooked will become straight to you.
248. When you see blue, what good does it do you to overcome yourself and say to yourself: you shall not see blue!
249. These want to play dice and those want to count and calculate, and those over there want to see dancing: they call it science and sweat over it. But they are children who want their game—and truly, it is a beautiful childishness, and a little laughter would not harm the game.
250. All signs of the superhuman appear as illness or madness in man.
251. One must already be a sea to absorb a dirty stream without becoming unclean.
252. When I thought of the purpose, I also thought of chance and folly.
253. You are too coarse for me: you cannot perish from small experiences.
254. Not where your eye ceases to recognize, but already where your honesty ceases, there the eye sees nothing more.
255. What the ape is for us, a laughter or a painful shame: that shall man be for the Overman.
256. How must one speak to you so that you understand! Only when you become sick do you get ears.
257. As soon as the will appears, the feeling has the impression of liberation. For the feeling is suffering—and as soon as the will appears, it pauses and does not suffer. This is called freedom of the will.
258.How heavy the world became to me—like the animal that has lived in the sea and now must go ashore: how shall it now drag its own body!
258. Have I not invented a new color and a new scent?
259. Where you are forced to feel small, you should not live. One wastes one's life no worse than with small surroundings.
260. If you are too soft and squeamish to kill flies and mosquitoes, go into solitude and the fresh air, where there are no flies and mosquitoes: and be yourselves solitude and fresh air!
Your poor body—ignorance of the laws of nature.
261. Illness is a clumsy attempt to reach health: we must come to the aid of nature with the spirit.
262. My brothers, nature is stupid: and as far as we are nature, we are all stupid.Even stupidity has a beautiful name: it calls itself necessity. Let us come to the aid of necessity!
263. What does it matter that as many people as possible live as long as possible? Is their happiness a justification for all existence? And is it not much more a contemptible thing?
264. And if you want to justify existence, you must be not only the devil's advocate but also God's advocate before the devil.
265. Speak to the rock. I love that you do not speak. Your silence has dignity. (To feel everything morally in nature: all value lies therein)
Speak to a king.
266. The world stands complete—a golden bowl of the good.But the creative spirit also wants to create what is already finished: thus it invented time—and now the world rolls apart and rolls back together in great rings, as the becoming of the good through the evil, as the bearer of purposes from chance.
267. There are enough who know nothing better on earth than to lie with a woman. What do they know of happiness!
The strongest bonds are made with invisible threads.
268. When I honor a feeling, the honor grows into the feeling itself.
269. What is the worth of your virtue if you have not experienced the moment when you deeply despised the human in you, out of love for the Overman? And despised your virtue along with it?
270.In the history of mankind, the great contempts are the events: as the source of the great longing for the Overman. Do not be deceived—once upon a time, did one not want to become one with the beyond or nothingness or with God!? All these colorful words served to express that man was tired of himself—not of his sufferings, but of his ordinary way of feeling.
271. To await the hour of great contempt: that is the distinction. The others serve only to form the last man.
272. The thought is only a sign, just as the word is only a sign for the thought.
273. Once the I was hidden in the herd: and now the herd is still hidden in the I.
5 [2]
Two things I teach you; you shall overcome man, and you shall know when you have overcome him: I teach you war and victory. (Cap)
5 [3]
It is cool, the meadow lies in the shade, the sun has gone. Is it not unreasonable to live?
Should one not have more reason to make a reason out of life?
My brothers, forgive Zarathustra’s soul that it is evening.
5 [4]
Do I reject your virtues? I reject your virtuous ones.
5 [5]
I also explain your virtues from the future.
5 [6]
As soon as the feeling grows and swells in the herd, it approaches the herd.
First the “For All” became sacred, then the “For the Other,” finally the “for my God.”
5 [7]
I love the prodigal souls: they do not give back and do not want thanks—for they always give.
5 [8]
I teach you the Overman: where is my brother who teaches him the great contempt?
5 [9]
They throw down the images and say: there is nothing high and worthy of worship—because they themselves cannot create an image or a god.
Have pity on them! Listen to the contempt in their rage against the images—the great contempt for themselves!
5 [10]
(cap) “the brotherhood of the justifiers.”
5 [11]
It is terrible to die of thirst in the sea: must you so salt your wisdom that it does not taste like good water?
5 [12]
Pregnant goes humanity, strange are its pains.
5 [13]
Our contempt for humanity drove us beyond the stars and made us search for a god.
5 [14]
The scholar should be a penitent of the spirit
5 [15]
They said “let us die to the world,” they sought their salvation
behind the stars, they did not find the word of the Overman.
5 [16]
Let your life be a hundredfold attempt: your failure and success be proof: and make sure that it is known what you have attempted and proven.
5 [17]
I love him who justifies the future ones and redeems the past ones: while he perishes for the present ones.
I love him who makes his virtue his duty and his fate.
I love him who does not keep a drop of spirit for himself and is entirely the spirit of his virtue:
I love him who squanders his soul, who does not want thanks and does not give back, because he always gives.
I love him who takes upon himself the injustice of those who cannot bear it
I love him who lives so that he may know and who wants to know so that the Overman may live.
I love him who does not want to die away from the world and does not seek his salvation behind the stars: him who has understood the word of the Overman.
I love him whose soul is deep even in its wounding and who can perish from a small experience.
I love him who is so full that he forgets himself, and all things are in him: but he will perish.
I love him who is of free spirit, as he is also of free heart: and his head is only the entrails of his heart.
I love him who is so compassionate that he makes his virtue and his God out of hardness.
I love him who casts golden words before his deeds and always keeps more than he promises.
I love the one who is ashamed that the dice always fall in his favor and who asks himself: am I a false player?
I love the one who not only forgives his opponent's mistakes but also his victory.
I love the one who chastises his God because he loves his God.
I love the one who expects not reward but punishment and downfall from his virtue.
I love the one who sees in his neighbor the suffering God hidden within him and is ashamed of the beast that was visible in him.
5 [18]
You should not want to have too many virtues. One virtue is already much virtue: and one must be rich enough even for one virtue. So that it may live, you should perish.
5 [19]
I beseech you, my brothers, remain faithful to the earth and do not believe those who speak to you of otherworldly hopes: they are poisoners and despisers of life, whether they know it or not. They are the dying and the self-poisoned.
Once, the greatest sin was against God: but God is dead, and with him these sinners have also died. To sin against the earth is now the most terrible thing, and to esteem the entrails of the unknowable higher than the meaning of the earth.
5 [20]
Let your life be a hundredfold attempt: your failure and success be proof; and make sure that it is known what you have attempted and proven.
5 [21]
There are voluptuaries of the spirit—there are penitents of the spirit.
5 [22]
Not where the eye stops recognizing, but already where your honesty ends, there the eye sees nothing more.
5 [23]
These want to play dice and those want to count and calculate, and those over there want to see dancing: they call it science and sweat in the process
But they are children who want their game,—and truly, it is a beautiful childishness, and a little laughter would become the players beautifully.
5 [24]
If you think the purpose, you must also think the chance and the folly.
5 [25]
The objection, the distrust, the infidelity are signs of a healthy mind. Everything unconditional betrays the sick.
5 [26]
When I wanted to have the desire for truth, I invented lies and appearances, the near and the far, the past and the future; I placed deception and twilight within myself.
5 [27]
I was in the desert, I lived only as one who knows. The soul of the one who knows was purified, and the thirst for power and all desire became holy to him. As one who knows, I rose far above myself in holiness and virtue.
5 [28]
Uncanny is human existence and still without meaning: a buffoon can become its doom.
Why does this one live? Why does that one die? No one can know, for there is no "why" in it.
Formerly, one held out one's hand when death came and said, "a gift from above."
There was no such giver; a roof tile was the gift. Ignorance was all reason in dying.
I want to teach people the meaning of their existence: which is the Overman.
5 [29]
Love and justice against the things be your school.
5 [30]
You veil your soul: nakedness would be a shame for your soul. Oh that you might learn why a god is naked! He has nothing to be ashamed of. He is more powerful naked!
The body is something evil, beauty is a devilry; thin, gruesome, starved, black, filthy, thus should the body appear
To desecrate the body seems to me a desecration of the earth and the meaning of the earth. Woe to the wretched one for whom the body seems evil and beauty seems devilish!
5 [31]
Behind your thoughts and feelings stands your body and your self in the body: the terra incognita. Why do you have these thoughts and these feelings? Your self in the body wants something with them.
5 [32]
The Asceticism of the Spirit (to the Most Spiritual)
the friend (the ideal companionship)
solitude
the body philosophizes
the creator
danger in the preaching of suffering
against the contempt for life
in knowing, the drives are sanctified
the goal of humanity has been missing so far
justification of all the past
the communicator as a fragment
the lover as a fragment
the knower as a fragment
do not overestimate present culture!
the passions once as health
chastity
teaching stillness and inner work. Against “work.”
the criminal.
retribution, moral outrage, and forgiveness.
the praiser
woman
means of self-overcoming
the scientific
death
the return
herd and I
slow fame
critique of morality and its meaning
the judgment in pleasure
contradiction in your ideals
we must also want our counterpart, the Pharisee.
the hidden man
the last man
Address to a King.
the Overman
Invention of Festivals
Penitents of the Spirit—as purifiers of their affects
Great Decision between Death and Life
Actors and Creators.
the new art as 1000 ways to live (first independence! a thought that forces its free ones)life a trial of the knowing
to ennoble the common, the near, the earthly! (Kost Küche)
solitude and life—sleep and waking (life as will to suffer (—create—)
the highest knowledge: the new appraiser.
the slow fame
critique of morality and its meaning: we want to rise above praise and blame!
madness as presign.
retribution—you want reward?
homeless.
to make modesty into pride.
new wars.
whether there have already been overmen?
5 [33]
It is not enough to make something right again: one must make oneself right again, become good again, for example through a small unnecessary malice or kindness. Before one can forgive, one must first experience what has been done to one. And with deep people, all experiences last a long time. It is easier to forgive one's enemy than one's friend.
I should forgive? But I do not reproach you for what you reproach yourself: how could I then forgive?
Not that you lied to me, but that I no longer believed you has shaken me.
From his bitterness against a person, one makes one's moral indignation—and admires oneself in the process; and from the weariness of his hatred, one makes forgiveness—and admires oneself once more.
He did me wrong, that is bad. But that he now even wants to atone for his wrongdoing to me, that is worse, that is enough to drive one out of one's skin.
Beware of offending the hermit! He never forgives! The hermit is like a deep well—it is easy to throw a stone into it. But how will you get the stone out again once it has fallen to the bottom?
5 [34]
| All goals are destroyed: the value judgments turn against each other, |
| one calls good the one who follows his heart, but also the one who only listens to his duty |
| one calls the gentle, conciliatory good, but also the brave, unyielding, strict. |
| one calls good the one who is without compulsion against himself, but also the hero of self-overcoming |
| one calls the unconditional friend of the true good, but also the person of piety, the transfigurer of things |
| one calls the one who obeys himself good, but also the pious |
| one calls the noble, the aristocratic good, but also the one who does not despise and look down |
| one calls the good-natured, the one who avoids conflict good, but also the one eager for conflict and victory |
| one calls the one who always wants to be first good, but also the one who does not want to have anything ahead of anyone. |
5 [35]
I don't understand why one feels the need to slander. If you want to harm someone, you only need to say some truth about them.
You always know too much about everyone.
We only praise what suits our taste, i.e., we only praise our own taste.
the most ingenious passion
turning antipathy towards a person into a virtue
In the flame of zeal, one turns the poisoned stinger against oneself, like the scorpion—yet without success
When I notice that someone is lying to me, I don't pity that they are lying to me, but that they are lying.