10, 7[1-274] Frühjahr-Sommer 1883
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Zur Einleitung.
Absolute Ehrlichkeit—bis jetzt fehlend bei Moralisten. Jede Schwäche des Charakters wird sich an der Untersuchung kundgeben.
Sodann historischer Sinn.
Tapferkeit gegen die eigenen Neigungen zur Werthschätzung.
Altes Ziel: die Erzeugung höherer Menschen, die Verwendung der Menschenmassen als Mittel dazu.
Zum Plane.
Jede objektive Verbindlichkeit fehlt. Die Übereinstimmung Aller ein lebensfeindliches Princip.
Es sind Befehle von Individuen: eine unbewußte Sklaverei
es ist eine Forderung der Ehrlichkeit, was man der Nützlichkeit wegen thut, auch als solche zu bezeichnen.
Motive der Ehrlichkeit usw. liegen in den Antrieben der Mächtigen: in derselben Sphäre wächst auch die Emancipation von der Moral.
Unverantwortlichkeit positiv wenden: wir wollen unser Bild vom Menschen durchsetzen. Daß man’s kann!—ist die Sache! Wer sich unterworfen fühlt, gehört in die niedere Ordnung. Es muß “Sklaven” geben.
Man übersah bisher das Individuelle als schöpferisch: man sah nur Verbrecher usw. man übersah den Haupt-Verbrecher
Homer Michel Angelo.
Möglichste Verschiedenheit der Individuen! Entfesselung des Kampfes!
Man will zu einer Ethik: und weil man vom Egoismus aus sie nicht glaubt finden zu können, flüchtet man zur Autorität, zum Herkommen.
der sittliche Geschmack ist eine Sache ohne Gründe—aber er ist entstanden einmal als Zwang, in Folge von anderen Trieben, welche ein bestimmtes Urtheil und Werthschätzen aufnöthigten.
Wo wir unsre Gefühle nicht mehr wegen ihrer Complizirtheit der Entstehung abzuleiten wissen, da setzen wir sie an als etwas Anderes: so sind die aesthetischen ethischen moralischen metaphysischen Triebe zu verstehen.
Wir empfinden einen Namen und meinen, ihm entspreche etwas Neues.
NB. Die moral Denkweise folgt unsrer Handlungsweise, aber führt sie nicht!
Wo kein Trieb zum Gehorchen da ist, da hat ein “Du sollst” keinen Sinn.
So wie wir sind—so werden wir widerspenstig bei einem “Du sollst.” Unsere Moral muß heißen “ich will.”
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Der Egoism des Einzelnen greift thatsächlich so weit als er kann und Kraft hat—: es ist Unsinn, sich zu fürchten vor den Folgen des Egoist Princips. Niemand wird durch Principien in Schranken gehalten!
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Zu schreiben und nicht zu fragen, welche Dauer jetzt alles Geschriebene hat, wäre sehr oberflächlich!
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Die Sicherheit unsrer Handlungsweise ist außer allem Verhältniß zur Güte unsrer Gründe, so und so zu handeln!
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von Socrates an die Tugend ohne Scham (in Concurrenz) und als Gegenstand der Klugheit hat sie Scham nicht nöthig! Eine Art Selbst-Erniedrigung der Tugend —
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Kritik des “Guten,” ja des Besten! Skepsis sehr berechtigt!
Meine Gesamtrichtung geht nicht auf Moral—was ehedem Sünden-Bewußtsein, das wende ich auch gegen den Intellekt, die Tugend, das Glück, die Kraft des Menschen.
Aus einer wesentlich außermoralischen Betrachtungsweise kam ich zur Betrachtung der Moral aus der Ferne.
Die Bedingungen zu errathen, unter denen die zukünftigen Menschen leben—weil ein solches Errathen und Vorwegnehmen die Kraft eines Motivs hat: die Zukunft als das, was wir wollen, wirkt auf unser Jetzt.
Die Unmoralität unserer Zeit in ihrem Besten (z.B. dem Mangel an Pietät gegen Natur)
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Reden an meine Freunde.
Ich habe mich immer darum bemüht, die Unschuld des Werdens mir zu beweisen: und wahrscheinlich wollte ich so das Gefühl der völligen “Unverantwortlichkeit” gewinnen—mich unabhängig machen von Lob und Tadel, von allem Heute und Ehedem: um Ziele zu verfolgen, die sich auf die Zukunft der Menschheit beziehen.
Die erste Lösung war mir die aesthetische Rechtfertigung des Daseins. Indessen: “rechtfertigen” selber sollte nicht nöthig sein! Moral gehört in’s Reich der Erscheinung.
Die zweite Lösung war mir die objektive Werthlosigkeit aller Schuld-Begriffe und die Einsicht in den subjektiven, nothwendig ungerechten und unlogischen Charakter alles Lebens.
Die dritte Lösung war mir die Leugnung aller Zwecke und die Einsicht in die Unerkennbarkeit der Causalitäten.
die Erlösung durch den Schein: das principium individuationis mit aller Moral für das Individuum eine erlösende Vision.
Moral Mittel, innerhalb der Individuation zu bleiben und nicht in das Urleiden zurückverschlungen zu werden.
die Kunst als die “eigentlich metaphysische Thätigkeit des Menschen.”
daß das “Leben im Grunde der Dinge trotz allem Wechsel der Erscheinungen unzerstörbar mächtig und lustvoll sei” p. 54. als Trost der Tragödie.
Ihn rettet die Kunst (vor einer Verneinung des Willens): und durch die Kunst rettet ihn sich das Leben.
Ein Protest gegen den Pessimismus: vom Standpunkte der Griechen aus. Der “tiefsinnige und zum zartesten und schwersten Leiden einzig befähigte” Grieche.
Die Musik als die bei weitem lebendigste Kunst.
Die Aufgabe der Musik in einem zerdachten Zeitalter, das denkmüde ist:
p.82 Die Wissenschaft immer wieder an ihre Grenzen geführt muß in Kunst umschlagen—das, was sie führt, ist der Wahn, sie könne das Dasein corrigiren.
Sokrates durch Wissen und Gründe der Todesfurcht enthoben.
die Bestimmung der Wissenschaft, das Dasein als begreiflich und damit als gerechtfertigt erscheinen zu machen: wozu zuletzt, wenn die Gründe nicht reichen, auch der Mythus dienen muß—auf den ist es abgesehen im Grunde!
Wäre jene Summe von Kraft nicht auf Erkenntniß verwendet worden, sondern auf die praktischen Ziele der Völker und Menschen, so wäre die Lust am Leben so abgeschwächt, daß eine Ethik der Vernichtung aus Mitleid hätte entstehen können (Die Inder zu schwach und passiv selbst in ihrem Mitleiden)
die tragische Erkenntniß braucht die Kunst, “die in’s Unaufhellbare starrt”
Die Kunst als abhängig dargestellt von der Entwicklung der Erkenntniß: sie bricht dort heraus, wo die Erkenntniß sich selber verzehrt.
Wir sollen die Lust nicht in den Erscheinungen, sondern hinter ihnen suchen.
p. 92 Quintessenz.
p. 102. die Selbstvernichtung der Erkenntniß und Einsicht in ihre letzten Grenzen war das, was mich für Kant und Schopenhauer begeisterte. Aus dieser Unbefriedigung glaubte ich an die Kunst.
Ich meinte, ein neues Zeitalter für die Kunst sei gekommen. Ich empfand das Resultat der Philosophie als ein tragisches Ereigniß: wie aushalten!
Mir schien W ein Mittel, die D dem Christenthum zu entfremden
sein altersmüdes Werk Parsifal spricht auch nicht dagegen noch weniger die blindwüthigen Verehrer mit ihren geschundenen Knien und Gehirnen.
Glaube an die Wiedergeburt der griechischen Welt p. 117.
“ein anderes Sein und eine höhere Lust, zu denen sich der kämpfende Held nicht durch seine Siege, sondern durch seinen Untergang vorbereitet” p. 120.
“Erst ein mit Mythen umstellter Horizont schließt eine ganze Culturbewegung zur Einheit ab” p. 132.
p. 136 antichristlich—in diesem Sinne,
p. 142 ” ” ” deutsche Hoffnung
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Das ganze 18te Jahrhundert hatte die tiefste Verachtung gegen die gothische Baukunst Lecky I 199.
Dieses Jahrhundert hatte seinen Geschmack. Der Mailänder Dom als Gegenstand des Spottes.
Unser Jahrhundert muß viele jener Empfindungen wieder gewonnnen haben, aus denen jene Kirchen entstanden sind —
Die Verkennung Homers s. bei
die Beurtheilung des Laokoon bei Winckelmann.
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Mitleiden. Zunächst Nachbilden eines fremden Schmerzes. Darauf muß nun eine Reaktion erfolgen
entweder gewaltsames Sich-aus-dem-Sinne-schlagen, Davon-laufen (wie beim Anblick einer ekelhaften Wunde
oder positives Beseitigen und Vernichten des uns Wehethuenden, also mit Eingriff in die Sphäre des Leidenden, von ihm als Hülfe usw. interpretirt.
Über jedes Leiden sind wir empört, wenn es sinnlos ist, “unverdient” ist (unsre Gewohnheit zu tadeln und strafen wirkt hier als verletzter Trieb: das Bild des Leidenden ist ein Angriff auf die Grundlagen dieses Triebs) Wir reagiren gegen diese Empörung mit “Hülfe” usw.
Sodann:—wir schaudern, wir selber fühlen die Gefährlichkeit, Unsicherheit Plötzlichkeit des Unglücks “es ist unglaublich!”—unser Sinn für das Harmonische und Logische ist empört.
wo wir fühlen helfen zu können, erwacht unser Machtgefühl, daher der Pflichteifer, die Anspannung, der Heroismus bei dem Retten von Verunglückten; die Lust an einer Gelegenheit, tapfer zu sein usw.
Liebe, Zärtlichkeit sind nicht nothwendig dabei!
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Hartmann p.776. die Souveränität des Individuums fällt bei ihm mit egoistischen Klugheitsrücksichten, welche der Willkür Schranken setzen, zusammen! Das charakterisirt!!
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Der Nächste als unser Erzeugniß
die Züge ihm gegeben, auf welche unsre Triebe reagiren. Das ganze Bild ein uns nützliches Erzeugniß: das uns Wohlthätige, Schädliche usw. Ist herausgekehrt—zum Zwecke der Assimilation oder der Flucht.
Was ist also “Nächstenliebe”?
Der Nächste an sich unerkennbar, sondern nur nach uns zu erschließen, und dies gemäß unsrer Feinheit und Grobheit von Beobachtung: unserer Übereiltheit im Schließen (Sache der Furcht oder der Sehnsucht) usw.
Wir bekämpfen in unseren Feinden das uns Schädlich-Scheinende: was unserem Wachsthum, unserem Fortleben hinderlich ist, was uns die Luft verdirbt: wir bekämpfen also unsre Triebe des Mißtrauens, der Spannung—d. h. eine Art Triebe beseitigt eine andre.
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Die Juden durch die aegyptische Gefangenschaft verdorben.
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Die Architektur: das Ferne nahe zu bringen (Peterskirche)
anderes Princip: möglichstes Streben in die Ferne.
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Man haßt den am meisten, der uns zu Empfindungen zurückverführt, über die wir mit größter Anstrengung Sieger wurden: der uns nach dem Siege an unsre Feinde verräth: wie es dem geht, der noch zur Rache verführt wird, nachdem er vergeben hat.
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das Gewissen verändert nach der Umgebung, in der wir leben; insofern das Gefühl der Nicht-Übereinstimmung der Werthschätzung bei uns den Trieb der Furcht, Skepsis, des Verschweigens, der Verstohlenheit usw. erzeugt: diese Triebe entladen sich allmählich sofort bei unseren Regungen und verwandeln unser Gewissen in ein böses Gewissen.
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Wagner hat viele Wohlthaten von seinen Zeitgenossen empfangen: aber er meinte, die grundsätzliche Ungerechtigkeit gegen Wohlthäter gehöre zum “großen Stile”: er lebte immer als Schauspieler und im Wahne der Bildung, wie sie Schauspieler zu haben pflegen. Ich selber bin vielleicht sein größter Wohlthäter gewesen. Es ist möglich, daß in diesem Falle das Bild länger lebt als der, welchen es abschilderte: das liegt darin, daß in meinem Bilde noch Raum ist für eine ganze Anzahl wirkliche Wagners: und vor Allem für viel reicher begabte und reiner wollende.
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Wer unter Deutschen lebt, muß sich schon glücklich schätzen, Einen zu finden, der von jener idealistischen Selbst-Belügnerei und Farbenblindheit sich freihält, welche die Deutschen lieben und beinahe als Tugend selber verehren. (Die Franzosen mit ihrem Montaigne La Rochefoucauld Pascal Chamfort Stendhal sind eine viel reinlichere Nation des Geistes) Dies war meine Freude, als ich Rée kennen lernte: er redete von der Moral, so weit er von ihr wußte, und ohne sich Etwas auf seine Moral-Triebe einzubilden. Freilich: er wußte von ihr nicht viel und dies fast nur aus Hören-sagen: und er meinte zuletzt am Ende, Moral selber sei Hören-sagen.
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Seit Kant ist alles Reden von Kunst, Schönheit, Erkenntniß, Weisheit vermanscht und beschmutzt durch den Begriff “ohne Interesse.”
Mir gilt als schön (historisch betrachtet): was an den verehrtesten Menschen einer Zeit sichtbar wird, als Ausdruck des Verehrungs-Würdigsten.
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Es war ein Verdienst des Helvétius, eine Sache der Bravheit, sich der Lust (intérêt) anzunehmen (so Socrates mit dem Nutzen): ganz wie Epicur (im Gegensatz zu der Lust am Paradoxen, wie bei Mandeville): und es war vielleicht plaisir zu sagen, wie Stendhal wünschte, ihm doch schon zu verletzend (für den moralischen Geschmack, aus dem er selber erwuchs)
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Wie die Optik hinter dem Sehen herhinkt, so die Moralistik hinter der Moralität.
Die Einzelbeobachtungen sind bei weitem das Werthvollste.
Eine moral Grundfehler-Theorie ist meist der Ursprung der großen philosophischen Systeme: es soll etwas bewiesen werden, wozu die Praxis des Philosophen stimmt (Spinoza z. B.) (Schopenhauer Ausnahme—noblesse darin)
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Meine Forderung: Wesen hervorzubringen, welche über der ganzen Gattung “Mensch” erhaben dastehen: und diesem Ziele sich und “die Nächsten” zu opfern.
Die bisherige Moral hatte ihre Grenze innerhalb der Gattung: alle bisherigen Moralen waren nützlich, um der Gattung zuerst unbedingte Haltbarkeit zu geben: wenn diese erreicht ist, kann das Ziel höher genommen werden.
Die eine Bewegung ist unbedingt: die Nivellirung der Menschheit, große Ameisen-Bauten usw. (Dühring zu charakterisiren als außerordentlich ärmlich und typisch-gering, trotz seinen pathetischen Worten)
Die andere Bewegung: meine Bewegung: ist umgekehrt die Verschärfung aller Gegensätze und Klüfte, Beseitigung der Gleichheit, das Schaffen Über-Mächtiger.
Jene erzeugt den letzten Menschen. Meine Bewegung den Übermenschen.
Es ist durchaus nicht das Ziel, die letzteren als die Herren der Ersteren aufzufassen: sondern: es sollen zwei Arten neben einander bestehen—möglichst getrennt; die eine wie die epikurischen Götter, sich um die andere nicht kümmernd.
Grundsätze: es hat keine moralischen Handlungen gegeben. Und es ist jede Moral unmöglich: ebenso wie jede moralische Handlung.
Aber Geschichte dessen, was bisher als moralische Handlung gegolten hat: und wahre Bedeutung desselben. Und Geschichte der Entstehung dieser Geltungen.
Sie gehen alle vom Glauben aus, daß die Moralität selber da sei, mindestens als bewußter Maaßstab (wie bei Kant), daß es bekannt sei, was gut und böse ist.
Die wesentliche Unerkennbarkeit.
Es wird nothwendig Etwas erreicht: aber schon ein Wissen darum ist unmöglich, also auch ein Vorherwissen!
Wichtigster Gesichtspunkt: die Unschuld des Werdens zu gewinnen, dadurch daß man die Zwecke ausschließt. Nothwendigkeit, Causalität—nichts mehr! Und alles das als Verlogenheit zu bezeichnen, dort von “Zweck” zu reden, wo immer ein nothwendiges Resultat vorliegt! Die Geschichte kann niemals “die Zwecke” beweisen: denn allein klar ist, daß, was Völker und Einzelne gewollt haben, immer etwas wesentlich Anderes war als das, was erreicht wurde—kurz, daß alles Erreichte dem Gewollten absolut incongruent ist (z.B. Kauen als “Absicht” und “Aktion”)
Geschichte der “Absichten” ist etwas Anderes als Geschichte der “Thatsachen”:—in der Moral. Es ist das gemeinste Vorurtheil, welches von der Handlung nicht mehr sieht als was an ihr sich mit dem Beabsichtigten Zwecke deckt. Es ist dieses Augenmerk auf Zwecke ein Zeichen der tiefen Stufe des Intellekts—alles Wesentliche, die Handlung selber und das Resultat werden übersehen!
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Bei meiner Wanderung durch die vielen feineren und gröberen Moralen, fand ich gewisse Züge regelmäßig immer mit einander wiederkehrend und an einander geknüpft: so daß sich mir endlich zwei Grundtypen verriethen: es giebt Herren-Moral und Sklaven-Moral. Ich füge hinzu, daß in Zeiten höherer Cultur Versuche der Vermittlung beider Moralen zum Vorschein kommen, noch öfter ein Durcheinander derselben, ja bisweilen ein hartes Nebeneinander—sogar im selben Menschen, innerhalb Einer Seele.
Erste Frage: wo sind die moralischen Werthschätzungen entstanden? Im Allgemeinen unter Aristokraten, unter einer herrschenden Art, welche sich ihres Unterschieds gegen eine beherrschte bewußt wird.
Im Allgemeinen bedeutet das moralische Werthschätzen, daß sich eine höhere Art Mensch gegen eine niedrigere als höhere bewußt wird.
Die Nöthigung, sie zu bilden, bestand einmal im Verhältniß zu den Unterworfenen, dann im Verhältniß zur Tugend. Im ersten Falle wird an den Eigenschaften das Auszeichnende, Seltene, Edle, Abhebende hervorgehoben, im anderen Falle das Schwere in der Erlangung und Festhaltung des vornehmen Typus, kurz in der Arbeit zur Tugend.
Zweite Frage. Was folgt im Allgemeinen aus der Thatsache, daß die Herrschenden es sind, welche den Begriff “gut” bestimmen?
Es giebt in der That eine Menge von Zügen, die bei den verschiedensten Moralen wiederkehren: der Grund liegt darin, daß die Züge des Mächtigen darin sind.
Der Unmoralische ist im Allgemeinen der Verächtliche (nicht der “Böse”).
Dies geht bis in die letzte Consequenz: selbst der, welcher, gleich mir, die moralischen Werthschätzungen selber unter einander abschätzt, will sich damit als einen höheren Menschen abscheiden von denen, welche unter hergebrachten Werthschätzungen es aushalten zu leben.
Es sind die erhobenen stolzeren Zustände, welche als “gut” bezeichnet werden:
Verachtung des Feigen, Ängstlichen
Verachtung des an enge Nützlichkeit Denkenden, Kleinlichen
Verachtung des Mißtrauischen, der Schwüre haben will
Verachtung des Armen, Bettelnden, Sich-Erniedrigenden, Sklaven- und Hunde-Art, welche sich mißhandeln läßt.
Ehre dagegen dem Gefühl der Fülle und des Überströmens. reich genug, um dem Unglücklichen zu helfen,
Ehre für den, welcher Macht über sich selber hat, zu reden und zu schweigen versteht, zu befehlen und zu gehorchen versteht
Ehre der Weisheit, welche den langen Nutzen ins Auge zu fassen versteht und lange Beschlüsse festhalten kann
Ehre dessen, der nicht gefallen will, weil er sich gefällt: des Stolzen.
| Ehrerbietung gegen die Älteren |
| gegen das Herkommen |
die Ehrerbietung gegen die Frauen ist modern: es fehlt etwas die Achtung vor dem Alter.
“Abwehr” in der Rache.
Fähigkeit zur langen Dankbarkeit und Rache.
Wiedervergeltung als Wahn der Gerechtigkeit. —
wer gleichgültig gegen eine schwere Kränkung bleibt, ist verächtlich ...... aber: “der ist der beste Mann, der die meisten Beleidigungen zu ertragen weiß” Menander.
aber nicht nachzutragen geneigt! —
vollkommene Verschiedenheit in der Beurtheilung von Handlungen gegen Gleiche und gegen die Wesen niedrigen Ranges.
der Freund
Der Feind gilt nicht als verächtlich: deshalb haben die bösen Handlungen als Feindes-Handlungen eine andere Schätzung.
In sofern Feindschaft noth thut, muß auch der Sinn dazu erhalten bleiben, also in gewissem Sinn gepflegt werden.
(so die Lüge bei den Spartanern)
die Härte, Grausamkeit usw.
Man muß Feinde haben als Abzugsgräben solcher Affekte, wie Neid, Streitsucht—um gut Freund sein zu können.
der Mächtige urtheilt: wer mir schadet, ist an sich schädlich. Er ist der höchste Werthbestimmer.
(Werth der Franzosen: ihr
Takt hinsichtlich der Scham)
Nun ist eine zweite Wendung möglich: die der Schamlosigkeit: die allgemeine Lust an der Bestie Mensch, an der Thatsache der Illusionen
Unter den Beherrschten wird das Böse “schlecht.”
Vorstellung einer großen Rache (Tertullian)
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Das Logische, die Zeit, der Raum müßten von uns produzirt sein: Unsinn! Wenn der Geist ihren Gesetzen sich fügt, so ist es, weil sie thatsächlich wahr sind, wahr an sich! Daß wir an diese Wahrheit glauben, absolut, das ist die Folge davon, daß die Abnormen aussterben: der Fehler an diesen Wahrheiten rächt sich.
Wie müßte das Gleichartige in der Moral aussehen, wenn die Schwächeren, Beherrschten und Gedrückten moralisiren?
Wenn die Vergewaltigten, Gedrückten, Leidenden, Unfreien, ihrer-selber-Ungewissen, Müden moralisiren: was wird das Gleichartige ihrer moralischen Unterscheidungen sein? Wahrscheinlich wird ein Argwohn zum Ausdruck kommen; vielleicht eine Verurtheilung des Menschen mitsammt seiner Lage.
Ein abgünstiger Blick für die Tugenden der Mächtigeren: feine Skepsis und Mißtrauen gegen alles “Gute” wird dort geehrt und Verkleinerung des Glücks der Mächtigen und des Lebens.
Hervorkehrung der Eigenschaften, vermöge deren sich Leidende das Leben erleichtern: Ruhm des Mitleidens, aber aus anderen Gründen, als wenn die Mächtigen es rühmen (die Nützlichkeit ist der Grund)
Ruhm der Demuth und Verfeinerung dieses Gesichtspunktes in allgemeiner Unterwerfung unter die Gesetze des Daseins: Vorliebe für “Unfreiheit des Willens”—der Mensch durch und durch abhängig.
Eine Art Rache liegt in der Hervorkehrung der entgegengesetzten Tugenden: so wird gelobt Abstinenz, willkürliche Peinigung, Einsamkeit, geistige Armut: und mit der Zukunft verbindet man die Apathie.
Diese ganze Moral-Wendung ist in Europa jüdisch.
Gesetzt, eine solche Gesinnung kommt allmählich zur Herrschaft und Menschen mit ihr werden die Herrschenden: so ist die Folge eine ungeheure moralische Verlogenheit (oder Schamlosigkeit).
(das Plebejische in den griechischen Moralisten Socrates)
Dies geschah im europäischen Priesterthum. Im englischen Utilitarism, in Kant, Schopenhauer.
(Werth der Franzosen: ihr Takt hinsichtlich der Scham)
Nun ist eine zweite Wendung möglich: die der Schamlosigkeit: die allgemeine Lust an der Bestie Mensch, an der Thatsache der Illusionen
Unter den Beherrschten wird das Böse “schlecht.”
Vorstellung einer großen Rache (Tertullian)
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Da Rée von dem Grundsatze ausgeht, gut sei allein das, was Einer nicht um seiner selber willen thue: so hat er sich in der lächerlichsten Weise selber die Schnur um den Hals gelegt, wenn er der Gesellschaft das Recht geben will, von dem Satze “der Zweck heiligt das Mittel” Gebrauch zu machen. Denn mit allem Strafen von Verbrechen will die Gesellschaft ihre Erhaltung und Förderung—das ist kein Zweifel. Folglich ist ihr Zweck kein guter, kein heiliger: folglich kann ihr Zweck nicht ihre bösen Mittel heiligen.
Wer an “gut” und “böse” hängen bleibt, kann nicht strafen: ebenso wer an “verdient” und “nicht verdient” glaubt: alledem gegenüber muß man die absolute Kausalität aufstellen.— Nur wenn man als höhere Art Mensch sich die Macht nimmt, die geringere zu unterdrücken, in Zaum zu halten, jedenfalls ihr auf alle Weise Feindschaft zu machen: verstehe ich alles “Strafen.” Es ist Unterdrückung—mit dem Worte Recht treibt man Pharisäismus. Ich wüßte nicht, woher es abzuleiten wäre, daß das Stärkere, Höhere seine Macht gegen das Geringere ausüben dürfte: noch weniger, warum es das nicht dürfte.
Überall, wo das Höhere nicht das Mächtigere ist, fehlt etwas am Höheren selber: es ist nur ein Stück und Schatten erst.
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Schmerz und Lust sind nur Begleiterscheinungen.
Der Hunger hat nicht als Ziel Befriedigung des Appetits: sondern der Prozeß, dessen Merkmal für uns Hunger heißt, ist überhaupt kein Trieb und kein Zustand der Empfindung: es ist ein chemischer Zustand, in dem die Affinität zu anderen Dingen vielleicht größer ist.
Wie armselig steht es mit unserer Einsicht in alles Wirkliche, wenn wir an Lust und Unlust als die einzige Sprache desselben gebunden sind!
“Trieb” ist nur eine Übersetzung in die Sprache des Gefühls aus dem Nichtfühlenden:
“Wille”: das ist das, was in Folge jenes Vorgangs unserem Gefühle sich mittheilt—also bereits eine Wirkung, und nicht der Anfang und die Ursache.
Unser Sprechen ist ein Mischmasch zweier Sphären.
“Zweck und Mittel”—ist nur aus der Sprache des Gefühls genommen.
Also sämmtliche Funktionen gehen ihren Gang: aber wie wenig merken wir davon!— Und doch meinen wir, mit “Zwecken,” mit Glückseligkeits-Streben unser Handeln zu erklären!
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Nicht “das Glück folgt der Tugend”—sondern der Mächtigere bestimmt seinen glücklichen Zustand erst als Tugend.
Die bösen Handlungen gehören zu den Mächtigen und Tugendhaften: die schlechten niedrigen zu den Unterworfenen.
Der mächtigste Mensch müßte der böseste sein, insofern er sein Ideal an allen Menschen durchsetzt gegen alle ihre Ideale und sie zu seinem Bilde umschafft—der Schaffende.
Böse heißt hier: hart schmerzhaft aufgezwungen
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Solche Menschen wie Napoleon müssen immer wieder kommen und den Glauben an die Selbstherrlichkeit des Einzelnen befestigen: er selber aber war durch die Mittel, die er anwenden mußte, corrumpirt worden und hatte die noblesse des Charakters verloren. Unter einer anderen Art Menschen sich, durchsetzend hätte er andere Mittel anwenden können und so wäre es nicht nothwendig, daß ein Cäsar schlecht werden müßte.
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Der gemeinen Masse zur Herrschaft zu verhelfen ist natürlich das einzige Mittel, ihre Art zu veredeln: aber erst als herrschende, nicht im Kampfe um die Herrschaft dürfte man darauf hoffen. Der Kampf entfesselt vielmehr ihre tiefste Gemeinheit.
So ist eine zeitweilige Herrschaft der Juden das einzige Mittel, sie zu veredeln.
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“Wir handeln nach Zwecken” (nach Vorstellungen zu erwartender angenehmer Gefühle)—so sagen wir. In Wahrheit geschieht etwas ganz Anderes, Unbewußtes und Unwißbares: den kleinsten Theil dessen, was geschieht, fassen wir in’s Auge beim Worte “Zweck und Mittel”—und auch den legen wir erst aus als Zweck und Mittel.
Wir reden so als ob die Gefühle Ursachen wären und Ursachen sein könnten im Reich des Nicht-Fühlenden.
Die Bilder und Reflexe eines Prozesses werden von uns als Prozeß selber verstanden und ausgedeutet.
Das ist unser größter Irrthum, zu meinen, die Wirklichkeit eines Vorgangs werde durch Lust und Schmerz bewiesen, hier gehe es am realsten zu.
Die Gefühle als Begleit-Erscheinungen können uns wohl die Folge der Vorgänge lehren, von denen sie Bilder sind: aber nicht die Causalität dieser Folge.
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Wer Anderen nützt, warum soll der besser sein als wenn er sich nützt? Doch nur, wenn der Nutzen, den er Anderen erweist, in einem absoluten Sinn höherer Nutzen ist als der welchen er sich erweist. Sind die Anderen weniger werth, so wird er, wenn er sich nützt, selbst auf Unkosten der Anderen, Recht handeln.
Alles Gerede von “Nutzen” setzt schon voraus, daß das, was den Menschen nützlich ist, definirt sei: mit anderen Worten, Nützlich wozu! d.h. der Zweck des Menschen ist schon voraus genommen. Erhaltung, Glücklich-machen usw. wenn das Zwecke sind: so sind doch auch unter Umständen die Gegentheile die höheren Zwecke z. B. bei einer pessimistischen Ansicht vom Leben und Leiden.
Also ein Glaube ist schon vorausgesetzt—beim Lobe des Uneigennützigen: daß das ego nicht verdiene, dem ego Anderer vorgezogen zu werden? Dem widerstreitet aber die höhere Taxation des Uneigennützigen: gerade es wird ja angenommen, daß er eine seltnere Art sei. Weshalb soll nun der seltnere höhere Mensch sich aus dem Auge verlieren?— Er soll’s gar nicht, es ist eine Dummheit, aber er thut’s: und die Anderen haben den Vortheil davon und sind ihm dafür dankbar: sie loben ihn.— Also die Egoisten loben den Unegoistischen, weil er so dumm ist, ihren Vortheil seinem Vortheile voranzustellen: weil er so handelt, wie sie nicht handeln würden—aber zu ihren Gunsten.
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Nach Spinoza: “sofern der Mensch die Vernunft anwendet, hält er nur das für nützlich, was zum Erkennen führt.”
7 [32]
Der Alleinherrscher und der Sklave (ersterer zum Gotte geschraubt, letzterer in eben dem Maaße sinkend)
7 [33]
Daß in allen “Sinnes-Eindrücken” wir nicht nur passiv, sondern sehr aktiv sind, auswählend, verbindend, ausfüllend, auslegend—es handelt sich um die Ernährung wie bei der Zelle: um Assimilation und Umstellung des Ungleichartigen.
7 [34]
die engen Mittel der Erkenntniß “der ist beruhigt, bezähmt, entsagend, geduldig, gesammlet” die näheren: Vedastudium, Opfer, Almosen, Büßen, Fasten—ein Mittel zur Erreichung der Erkenntniß.
7 [35]
Spinoza nahm mit seiner Ethik Rache am jüdischen Gesetz: “das Individuum kann thun, was es will ”: ähnlich wie Paulus.
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Kant suchte die äußerste Gebärde des moralischen Stolzes als er allen Eudämonismus verwarf: der absolute Gehorsam: das Ideal eines Unterworfenen und Gedrückten, der allen Werth dorthinein setzt, wozu die Gehorchenden die beste Vorübung haben—und nur ja keine “Lust”!
7 [37]
“Illusionen sind nöthig, nicht nur zum Glück, sondern zur Erhaltung und Erhöhung des Menschen: insonderheit ist gar kein Handeln möglich ohne Illusion. Selbst jeder Fortschritt der Erkenntniß ist durch die Illusion erst möglich: folglich muß der Quell der Illusion unterhalten werden, falls wir erkennen, gut handeln und wachsen wollen”—so dachte ich einst.
Gäbe es eine absolute Moral, so würde sie verlangen, daß unbedingt der Wahrheit gefolgt werde: folglich, daß ich und die Menschen an ihr zu Grunde gehen.— Dies mein Interesse an der Vernichtung der Moral. Um leben und höher werden zu können—um den Willen zur Macht zu befriedigen, müßte jedes absolute Gebot beseitigt werden. Für den mächtigsten Menschen ist auch die Lüge ein erlaubtes Mittel, beim Schaffen: ganz so verfährt die Natur.
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Die Moral der Klugheit bei unterdrückten Naturen ausgebildet: bis dahin, daß das Verbrechen, welches verborgen bleibt und wohlthätige Folgen für den Thäter hat, tugendhaft sei.
Das Erstreben der Lust als Ziel der Moral ist schon charakteristisch für unterdrückte und leidende Naturen.
Die vorhandene Lust schätzt die Dinge ab bei den Mächtigen: das hohe Gefühl wird da intellektuell.
Eudämonism Hedonism Utilitarianism als Zeichen der Unfreiheit, ebenso alle Klugheits-Moral.
Heroism als Zeichen der Freiheit. “Fingerzeige einer heroischen Philosophie.”
Zum Heroism gehört dann auch der herzliche Antheil am Kleinen, Idyllischen.
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Man muß die Moral nicht bei den Schriftstellern über Moral suchen (noch weniger die Moralität!), die Moralisten sind in der großen Mehrheit Gedrückte Leidende Ohnmächtige Rachsüchtige—ihre Tendenz ist ein Bischen Glück: Kranke, welche meinen, Genesung sei Alles.
7 [40]
Aus La Rochefoucauld schimmert eine sehr noble Denkart der damaligen Gesellschaft hindurch: er selber ist ein enttäuschter Idealist, der nach Anleitung des Christenthums die häßlichen Namen der damaligen Triebfedern hervorsucht.
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Die moralische Complizirtheit der Seele durch Christenthum und Ritterlichkeit gehört mit zum Charakter Louis XIV und seiner Zeit: die Griechen (Homer) erscheinen zu schlicht und einfältig, auch ihren Seelen nach.
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Bei der Freizügigkeit des Verkehrs können Gruppen gleichartiger Menschen sich zusammenthun und Gemeinwesen gründen. Überwindung der Nationen.
Die Raubthiere und der Urwald beweisen, daß die Bosheit sehr gesund sein kann und den Leib prachtvoll entwickelt. Wäre das Raubthierartige mit innerer Qual behaftet, so wäre es längst verkümmert und entartet.
Der Hund (der so viel klagt und winselt) ist ein entartetes Raubthier, ebenso die Katze. Eine Unzahl gutmüthiger gedrückter Menschen beweisen, daß die Gutartigkeit mit einem Herunterkommen der Kräfte verbunden ist: die ängstlichen Empfindungen überwiegen! und bestimmen den Organismus.
Man muß also das Böse, welches als Überfeinerung und Stimulans, als Folge physischer Entartung auftritt (Grausamkeits-Wollust usw.) und den moralischen Stumpfsinn bei moral insanity nicht in den Vordergrund stellen!
Das Gute zu betrachten, wie es als Zeichen der Entartung auftritt—als religiöser Wahnsinn z. B. als Philanthropie usw.: überall wo der gesunde Egoismus nachläßt und Apathie oder Ascese erstrebt werden. Der “Heilige” als Ideal leiblicher Verkümmerung, auch die ganze Brahman-Philosophie ein Zeichen der Entartung.
| a) Die höhere Art:b) Die niedrigere Art:c) Die Entartenden: ihr “Gutes” |
| ihr “Böses.” |
7 [43]
“Niemand will sie geschenkt: so muß sie sich schon verkaufen!”—sagte ich
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Ich betrachte die griechische Moralität als die höchste bisherige; was mir bewiesen damit ist, daß sie mit ihrem leiblichen Ausdruck auf das Höchste bisher gebracht hat. Dabei aber meine ich die thatsächliche Volks-Moralität,—nicht die von den Philosophen vertretene: mit Socrates beginnt der Niedergang der Moral: es sind lauter Einseitigkeiten in den verschiedenen Systemen, die ehemals Glieder eines Ganzen waren—es ist das auseinandergefallene ältere Ideal. Dazu kommt der vorherrschend plebejische Charakter, es sind Menschen ohne Macht, bei Seite Gestellte, Gedrückte usw.
In der neueren Zeit hat die italienische Renaissance den Menschen am höchsten gebracht: “der Florentiner”—aus ähnlichen Gründen. Man sieht auch da die einzelnen Bedingungen, neben den vollkommenen und ganzen Menschen, wie Bruchstücke: z.B. “der Tyrann” ist ein solches Bruchstück: der Kunstliebhaber.
Vielleicht war der Provençale schon ein solcher Höhepunkt in Europa—sehr reiche, vielartige, doch von sich beherrschte Menschen, die sich ihrer Triebe nicht schämten.
7 [45]
Luther verräth in der Art, wie er Feind ist, seine bäurische Abkunft und Gemeinheit, Mangel an Vornehmheit.
Napoleon corrumpirt im Kampf um die Macht, wie Bismarck. Ich hoffe auf kleine “Tyrannen” für’s nächste Jahrhundert.
7 [46]
Stendhal citirt als Sprüchwort der Coulissen: “Telle trouve à se vendre, qui n’eût pas trouvé à se donner.”
7 [47]
“Moral als Zeichensprache.”
7 [48]
Die Anfänge des moralischen Urtheilens (also der Moral welches spät, vielleicht um Jahrtausende später gekommen ist als die Moralität, kann man sich gewiß nicht leicht ärmlich genug denken: daher hatte ich Vergnügen, zu sehen, wie R auf ein paar Klugheiten, ein paar Irrthümer, ein paar Vergeßlichkeiten das ganze wundervolle gothische Bauwerk der Moral aufzubauen unternahm! ich selber hatte andere Grundlagen: aber die Tendenz, daß es möglichst schlechte sein müßten, hatten wir gemeinsam.
7 [49]
Wie vernagelt und unwissenschaftlich da noch alles zugeht—siehe die erste Seite Lecky!
7 [50]
Kriegstüchtig und gebärtüchtig: das entscheidet zunächst und zuhöchst.
7 [51]
Es ist die Forderung der noblesse, daß Gleiches mit Gleichem vergolten wird, auch in der Rache: die Sache eines Solchen, der auch im Affekte sich noch Grenzen setzt—ebenso noch in der Dankbarkeit. Aber was hat der Staat mit dieser noblesse zu schaffen!
7 [52]
Die freieste Handlung ist die, wo unsre eigenste stärkste feinstens eingeübte Natur hervorspringt und so, daß zugleich unser Intellekt seine dirigirende Hand zeigt.— Also die willkürlichste und doch vernünftigste Handlung!
7 [53]
das Argument gegen die Rache aus dem unfreien Willen wäre auch ein Argument gegen die Dankbarkeit: man vergilt Wohlthaten nicht, weil der Thäter unfrei war.
7 [54]
Lohn und Strafe verderben den Blick für die natürlichen Folgen jeder Handlung.
7 [55]
Wie kann der Staat Rache übernehmen! Erstens ist er kalt und handelt nicht im Affekt: was der Rache-Übende thut. Dann ist er keine Person, am wenigsten eine noble Person: kann also auch nicht im Maßhalten (im “Gleiches mit Gleichem”) seine noblesse und Selbstzucht beweisen. Drittens nimmt er gerade das weg an der Rache, was zur Wiederherstellung der verletzten Ehre dient: das freiwillige Preisgeben des Lebens, die Gefährlichkeit um der Ehre willen. Er würde also nur dem unnobel denkenden Verletzten eine Genugthuung bieten, dem Nobleren im Gegentheil die Wiederherstellung seiner Ehre rauben.— Endlich: er setzt Schamlosigkeit des Verletzten voraus: der von seiner Verletzung öffentlich reden muß! Die “Klage” ist ja eine Forderung, die der Staat macht! Aber der edle Mensch leidet schweigend.— Also nur die gemeinen Naturen können im Staate das Werkzeug der Vergeltung sehen. Daher der erbitterte Kampf für die Blutrache gegen den Staat.— Pasquale Paoli mußte deshalb die Hingebung an das Ganze als das Noblere—als ein Opfer!—hinstellen und das Verzichtleisten auf die Blutrache fordern, als eine höhere Selbstüberwindung: deshalb setzte er Beschimpfung auf den, der sich rächt.
Der Staat gewährt Schutz dem Schwächeren, der sich selber gegen den Übelthäter nicht schützen kann: also Strafen sind zuerst Sicherheitsmaßregeln, auch insofern sie abschrecken. Er will nicht, daß man sich selber wehrt—er fürchtet nicht die Rache, sondern die souveräne Gesinnung!
Also: die Unterordnung unter die Gerechtigkeit des Staates ist eine Aufopferung, nicht eine Nützlichkeit für edlere Menschen. Somit muß der Staat selber als eine höhere Empfindung gewirkt haben: kurz, älter als die Einordnung unter die Gerechtigkeits-Übung des Staates muß der Glaube an die Heiligkeit (Ehrwürdigkeit) des Staates sein: älter und stärker! In Bezug auf Kinder und Sklaven hält der Vornehme lange seine Hoheit fest: seine Souverainetät also.— Nicht Gesichts-Punkte der Klugheit, sondern Impulse des Heroismus sind in der Entstehung des Staates mächtig gewesen: der Glaube, daß es etwas Höheres giebt als Souverainetät des Einzelnen. Da wirkt die Ehrfurcht vor dem Geschlechte und den Ältesten des Geschlechts: ihm bringt der Jüngere sein Opfer. Die Ehrfurcht vor den Todten und den überlieferten Satzungen der Vorfahren: ihnen bringt der Gegenwärtige sein Opfer.— Da wirkt die Huldigung vor einem geistig Überlegenen und Siegreichen: das Entzücken, seinem Musterbilde leibhaft zu begegnen: da entstehen Gelöbnisse der Treue.— Es ist nicht der Zwang, und nicht die Klugheit, welche die älteren Staatsformen aufrecht erhält: sondern das Fortströmen nobler Regungen. Der Zwang würde gar nicht auszuüben sein, und die Klugheit ist vielleicht noch zu wenig individuell entwickelt.— Eine gemeinsame Gefahr giebt vielleicht den Anlaß zum Zusammenkommen: und das Gefühl der neuen gemeinsamen Macht hat etwas Hinreißendes und ist eine Quelle nobler Entschließungen.
7 [56]
Einstmals hatte man die Theorie vom Staat als einer berechnenden Nützlichkeit: jetzt hat man die Praxis dazu!— Die Zeit der Könige ist vorbei, weil die Völker ihrer nicht mehr würdig sind: sie wollen nicht das Urbild ihres Ideals im Könige sehen, sondern ein Mittel ihres Nutzens.— Das ist die ganze Wahrheit!
7 [57]
Der Mensch möchte gern etwas haben, wie höchsten Zweck, letztes Ziel, absolute Pflicht, Soll: das Verlangen darnach ist die Ursache der vielen Moralen. Aber was ist die Ursache dieses Verlangens? Wohl Vielerlei z.B.— jeder einzelne Trieb des Menschen hat wohl das Verlangen, wenn er sich des Intellekts bemächtigt hat, als letzter Herr und Zwecksetzer aller menschlichen Dinge zu gelten. In den Moralen haben sich die verschiedensten Triebe ihre Denkmäler gesetzt.
7 [58]
Es giebt Moralen, welche ihren Urheber vor Anderen rechtfertigen sollen: andere sollen ihn beruhigen und zufrieden machen; mit anderen will er sich selber an’s Kreuz schlagen; mit anderen will er an den Anderen Rache üben; mit anderen will er sich verstecken; mit anderen will er sich verklären, sei es vor sich oder anderen; mit anderen will er sich empor und vorwärts bringen; mit anderen will er an der Menschheit Macht und Schöpferkraft ausüben; mit anderen will er gehorchen, mit anderen herrschen und demüthigen. Mit anderen will er vergessen oder sich vergessen machen. Genug, die Moralen sind auch nur eine Zeichensprache der Affekte.
7 [59]
nicht die Absicht, sondern gerade das Unabsichtliche daran macht den Werth oder Unwerth einer Handlung aus.
7 [60]
Die Moralen als Zeichensprache der Affekte: die Affekte selber aber eine Zeichensprache der Funktionen alles Organischen.
7 [61]
Ganz abgesehen vom Werthe solcher Behauptungen: wie “es giebt einen kategorischen Imperativ!” kann man immer noch fragen: was sagt eine solche Behauptung von dem Behauptenden aus.
7 [62]
Jetzt erst dämmert es den Menschen auf, daß die Musik eine Zeichensprache der Affekte ist: und später wird man lernen, das Trieb-system eines Musikers aus seiner Musik deutlich zu erkennen. Er meinte wahrlich nicht, daß er sich damit verrathen habe. Das ist die Unschuld dieser Selbstbekenntnisse, im Gegensatz zu allen geschriebenen Werken.
Aber es giebt auch bei den großen Philosophen diese Unschuld: sie sind sich nicht bewußt, daß sie von sich reden—sie meinen, es handle sich “um die Wahrheit”—aber es handelt sich im Grunde um sie. Oder vielmehr: der in ihnen gewaltigste Trieb bringt sich an’s Licht, mit der größten Schamlosigkeit und Unschuld eines Grundtriebes—er will Herr sein und womöglich der Zweck aller Dinge, alles Geschehens! Der Philosoph ist nur eine Art Gelegenheit und Ermöglichung dafür, daß der Trieb einmal zum Reden kommt.
Es giebt viel mehr Sprachen als man denkt: und der Mensch verräth sich viel öfter als er wünscht. Was redet nicht!—aber es giebt der Hörenden immer noch Wenige, so daß der Mensch seine Bekenntnisse gleichsam in den leeren Raum hinein plaudert: er ist ein Vergeuder mit seinen “Wahrheiten,” wie die Sonne es mit ihrem Lichte ist.— Ist es nicht Schade, daß der leere Raum keine Ohren hat?
Es giebt Ansichten, da empfindet der Mensch: “das ist allein wahr und richtig und wahrhaft menschlich; wer anders denkt, irrt”—das nennt man religiöse und sittliche Ansichten. Es ist klar, daß hier der souveräne Trieb redet, der stärker ist als der Mensch. Jedesmal glaubt hier der Trieb, die Wahrheit und den höchsten Begriff “Mensch” zu haben.
Es giebt wohl viele M, in denen ein Trieb nicht souverän geworden ist: in denen giebt es keine Überzeugungen. Dies ist also das erste Characteristicum: Jedes geschlossene System eines Philosophen beweist, daß in ihm Ein Trieb Regent ist, daß eine feste Rangordnung besteht. Das heißt sich dann: “Wahrheit.”— Die Empfindung ist dabei: mit dieser Wahrheit bin ich auf der Höhe “Mensch”: der Andere ist niedrigerer Art als ich, mindestens als Erkennender.
Bei rohen und naiven Menschen herrscht die Überzeugung auch in Betreff ihrer Sitten, ja ihrer Geschmäcker: es ist der bestmögliche. Bei Culturvölkern herrscht eine Toleranz hierin: aber um so strenger hält man fest an seinem höchsten Maßstab für Gut und Böse: darin will man nicht nur den feinsten Geschmack haben, sondern den allein berechtigten.
Dies ist die allgemein herrschende Form der Barbarei, daß man noch nicht weiß, Moral ist Geschmacks-Sache.
Im Übrigen wird in diesem Bereiche am meisten gelogen und geschwindelt: die moralistische Litteratur und die religiöse ist die verlogenste. Der herrschende Trieb, er mag sein welcher er wolle, handhabt List und Lüge gegen die anderen Triebe, um sich oben zu erhalten.
Neben den Religionskriegen her geht fortwährend der Moral-Krieg: d.h. Ein Trieb will die Menschheit sich unterwerfen; und je mehr die Religionen aussterben, um so blutiger und sichtbarer wird dies Ringen werden. Wir sind im Anfange!
7 [63]
Die Apperzeption ist zuerst nur Thätigkeit (“willkürliche” Bewegungen!)
7 [64]
Meine Theorie: in jeder Handlung eines Menschen wird die ganze Entwicklung des psychischen Lebens durchgemacht
schon die Sinneswahrnehmungen sind Handlungen: damit etwas wahrgenommen werden kann, muß eine aktive Kraft bereits fungiren, welche den Reiz annimmt, wirken läßt und als solchen Reiz sich anpaßt und modifizirt.
Es ist eine Thatsache, daß sich immerfort etwas absolut Neues erzeugt. “Ursache und Wirkung” ist nur die populäre Verallgemeinerung von “Mittel und Zweck” d. h. einer noch populäreren logischen Funktion, der Nichts in der Wirklichkeit entspricht. Es giebt keine Enderscheinungen, außer für ein Wesen, welches schon Anfang und Ende geschaffen hat.
Es erzeugt sich auch in der geistigen Entwicklung immer etwas Neues. Die Empfindung und die Vorstellung sind absolut nicht aus einander ableitbar. Gedanke und Gefühl!
7 [65]
Die “willkürliche” Bewegung der niedersten Organismen ist
7 [66]
Erstens: wie macht man den Menschen herrschend über sich? zweitens: wie
7 [67]
Es ist durchaus nicht das Wünschenswertheste, alles verdauen zu können, was die Vergangenheit hervorbrachte: so wünschte ich, Dante gienge uns gründlich wider Geschmack und Magen.
7 [68]
Hamlet für eine Spitze des menschlichen Geistes anzusehen—das heiße ich bescheiden über Geist und Spitzen urtheilen. Vor allem ist es ein mißrathenes Werk: sein Urheber würde es mir wohl lachend eingestehen, wenn ich‘s ihm ins Gesicht sagte.
| 7 [69] |
Warum hat sich neben dem Straf-Recht nicht auch ein Lohn-Recht entwickelt? Warum übernahm der Staat nicht auch die Dankbarkeit der Einzelnen gegen die Anderen?
“Recht,” nach Ihering, die Sicherung der Lebensbedingungen der Gesellschaft in der Form des Zwanges.
Nicht an sich ist eine Handlung böse, sondern insofern usw.
z. B. der Friedlose kann bußlos getödtet werden
das Martern und Foltern von Seiten des Staates das Stehlen bei Aegyptern
Collectiv-Gewissen und -Verantwortlichkeit.
Nicht die Schuld wird gestraft.
Das Verbrechen als Mißgeschick.
Schlecht (verächtlich) und böse zu unterscheiden.
Die Moral bei den Mächtigen und den Unterworfenen.
Ungeheure Complizirtheit der Entstehung der gegenwärtigen moralischen Werthbestimmung: aber Einheit als Gefühl.
Wer nicht strafen will wegen Freiheit des Willens, darf auch nicht loben, danken, zürnen: der Grundglaube aller Affekte im Verkehre ist
7 [69]
Warum hat sich neben dem Straf-Recht nicht auch ein Lohn-Recht entwickelt? Warum übernahm der Staat nicht auch die Dankbarkeit der Einzelnen gegen die Anderen?
“Recht,” nach Ihering, die Sicherung der Lebensbedingungen der Gesellschaft in der Form des Zwanges.
Nicht an sich ist eine Handlung böse, sondern insofern usw.
z. B. der Friedlose kann bußlos getödtet werden
das Martern und Foltern von Seiten des Staates das Stehlen bei Aegyptern
Collectiv-Gewissen und -Verantwortlichkeit.
Nicht die Schuld wird gestraft.
Das Verbrechen als Mißgeschick.
Schlecht (verächtlich) und böse zu unterscheiden.
Die Moral bei den Mächtigen und den Unterworfenen.
Ungeheure Complizirtheit der Entstehung der gegenwärtigen moralischen Werthbestimmung: aber Einheit als Gefühl.
Wer nicht strafen will wegen Freiheit des Willens, darf auch nicht loben, danken, zürnen: der Grundglaube aller Affekte im Verkehre ist
7 [70]
Rachegefühl ist Bewußtsein des Geschädigtseins, einmal thatsächlich, zweitens in seinem Glauben an seine Macht (Vernunft, Furchtbarkeit usw.) Beides will einen Gegenakt, also: 1) Abwehr, 2) Ersatz, und 3) Herstellung des Machtgefühls: ganz abgesehen noch vom Glauben an die Schuld des Thäters. Das Rachegefühl hat mit dem Glauben an Freiheit des Willens nichts zu thun.
7 [71]
Organisch—moralisch.
Freiheit des Willens.
Böse als die Vorstufe einer Güte.
7 [72]
“Was für mich gut ist, ist an sich gut” ist nur das Urtheil des Mächtigen, der gewohnt ist, Werth zu geben.
7 [73]
Daß überhaupt moralisirt wird, ist vielleicht noch nie als Problem gefaßt worden. Ist es nothwendig, daß die Menschen immer moralisiren werden? Oder könnte nicht Moral aussterben, wie das astrologische und das alchemistische Nachdenken ausgestorben sind oder aussterben? Nothwendig wofür? Für das Leben? Aber daß man ohne moralisches Urtheilen leben könne, beweisen die Pflanzen und die Thiere. Oder für das Glücklich-leben? Die ebengenannten Thiere beweisen, daß man jedenfalls glücklicher leben könne als Mensch—auch ohne Moral. Also kann die Moral weder nothwendig sein für das Leben überhaupt, noch für das Glücklicher-werden: um nicht schon so weit zu gehen, die Moral verantwortlich zu machen dafür, daß der Mensch mehr leidet als das Thier:—das Mehr-leiden könnte ja andere Gründe haben und die Moral vielleicht ein Mittel sein, das sehr-viel-mehr-Leiden zu verhüten. Aber sicher ist, daß wenn Glücklicher- und Leidloser-werden das Ziel wäre, das wir uns zu stecken hätten: die langsame Verthierung rationell wäre: wozu jedenfalls auch das Ablassen von den moralischen Urtheilen gehörte. Wenn der Mensch also nicht nur leben und nicht glücklicher leben will: was will er denn? Nun sagt die Moral: so und so soll gehandelt werden—warum “soll”? Also die Moral muß es wissen: dies Warum, dies Ziel, welches weder Leben überhaupt noch Glücklicher-werden ist.— Aber sie weiß es nicht! sie widerspricht sich! Sie befiehlt, aber sie vermag sich nicht zu rechtfertigen.— Das Befehlen ist das Wesentliche daran!
Also wozu Moral? Weg mit allem “du sollst”!
7 [74]
Das Gefühl der “Schlechtigkeit” ist ganz anders auf jener Stufe, wo die Schuld nicht eigentlich an die Absicht geknüpft wird: Oedipus (mehr Befleckung und Unglück)
Eigentlich giebt es bei der vornehmen Moral kein “Schlechtes”: “das Böse” aber hat immer noch etwas Ehrfurcht oder Mitgefühl-Einflößendes.
7 [75]
Handlungen z. B. Stehlen werden mit ganz anderen Gefühls- und Urtheilsgruppen begleitet, wenn sie als erlaubt gelten.
Man kann durch Vergleichung der Völker beweisen, daß dies hier als gut und dort als schlecht empfunden wird: aber der Gegensatz selbst von “gut” und “schlecht” ist überall vorhanden: nur daß die Handlungen anders einrubrizirt werden.— Doch giebt es auch Verschiedenheiten des Gesammt-Urtheils gut und schlecht!
7 [76]
Die Thiere folgen ihren Trieben und Affekten: wir sind Thiere. Thun wir etwas Anderes? Vielleicht ist es nur ein Schein, wenn wir der Moral folgen? In Wahrheit folgen wir unseren Trieben, und die Moral ist nur eine Zeichensprache unsrer Triebe? Was ist “Pflicht” “Recht” das “Gute,” das “Gesetz”—welches Triebleben entspricht diesen abstrakten Zeichen?
Wenn die Moral sagt: “du sollst besser werden”—warum “besser”?— Es läßt sich weder aus dem Leben noch dem Glücklicherleben beweisen. Folglich der unbeweisbare Imperativ der Befehl ohne Zweck—das wäre Moral?
Aber “besser”—ist ohne Zweck gar nicht zu denken.
7 [77]
Woraus wird gehandelt? Das ist meine Frage. Das wozu? wohin? ist etwas Zweites. Entweder aus Lust (überströmendem Kraftgefühl, welches sich austhun muß) oder aus Unlust (Hemmung des Machtgefühls, welches sich befreien oder entschädigen muß) Die Frage: wie soll gehandelt werden? wird gestellt: als ob mit dem Handeln erst etwas erreicht werden solle: aber das Nächste ist das Handeln selber als der Erfolg, das Erreichte, abgesehen von den Folgen das Handelns.
Also nicht um des Glücks wegen oder Nutzens wegen oder um Unlust abzuwehren handelt der Mensch: sondern eine gewisse Kraftmenge giebt sich aus, ergreift etwas, woran sie sich auslassen kann. Das, was man “Ziel,” “Zweck” nennt, ist in Wahrheit das Mittel für diesen unwillkürlichen Explosions-Vorgang.
Und Ein und dieselbe Kraftgefühls-Menge kann sich auf tausend Weisen entladen: dies ist “Freiheit des Willens”—das Gefühl, daß im Verhältniß zu der nothwendigen Explosion hundert von Handlungen gleich gut dienen. Das Gefühl einer gewissen Beliebigkeit der Handlung in Betreff dieser Spannungs-Erleichterung.
Meine Lösung: der Grad des Kraftgefühls befruchtet den Geist; der führt viele Ziele vor, wählt sich ein Ziel aus, dessen Folgen für das Gefühl ausspannend sind: also giebt es eine doppelte Entladung: einmal in der Vorwegnahme eines ausspannenden Ziels, sodann im Handeln selber.
“wenn ich Jenes thäte, so würde ich mich verachten, so würde ich unglücklich sein.” Dies wäre also: eine That nicht thun wegen der Folgen für meine Empfindung.
Helvétius meint, wir fragen im Grunde, wenn uns die Möglichkeit einer Handlung aufsteigt, “was werden die Folgen dieser Handlung für meine Empfindung sein?”
Stendhal sur l’amour v. p. 252.
Aber das erste Faktum ist, daß ihm diese Möglichkeit auftaucht: der Edle sieht Etwas, wovon eine gemeine Seele keine Idee hat.
Ein überströmendes geladenes Kraftgefühl ist da: das vorgestellte Ziel der Handlung giebt eine Vorwegnahme der Ausspannung und reizt dadurch noch mehr zur Entladung; die folgende Handlung giebt die eigentliche Ausspannung.
So ist es! Das vorgestellte Ziel steigert die Begierde der Entladung auf’s Höchste.
Also: das Glück, “le plaisir” als Ziel des Handelns ist nur ein Steigerungsmittel der Spannung: es darf nicht verwechselt werden mit dem Glück, das in der Action selber liegt. Das finale Glück ist sehr bestimmt; das Glück in der Action würde durch hundert solche bestimmte Glücksbilder zu bezeichnen sein.
Also: das “damit” ist eine Illusion: “ich thue dies, um davon das Glück einzuernten.” So steht es nicht. Der Handelnde vergißt die eigentliche treibende Kraft und sieht nur das “Motiv.”
“Das Glück im erreichten Ziele” ist selber eine Ausgeburt der Kraft-Spannung: ein gleichnißweises Vorwegnehmen und sich-selber-Steigern. Der Eudämonismus ist also eine Folge ungenauer Beobachtung. Man handelt nicht um des Vergnügens willen: das ist aber die Illusion des Handelnden.
7 [78]
Dühring Cursus p. 147, “der mechanische Zustand des Körpers ein Theilzustand der kosmischen Mechanik”
7 [79]
“Ich darf nicht strafen—denn er kann nichts dafür”—dies “ich darf nicht” heißt: ich würde unvernünftig handeln, wie als ob ich einen Baum strafen wollte, der jemanden getödtet hat.
7 [80]
Die Furchtsamen, mit starker Phantasie, welche bereit wären, sich selbst zu unterwerfen und sehr leicht zu versöhnen—treiben aus Furcht und aus Phantasie der Furcht den Gedanken ihrer Gefährdung immer weiter und nehmen deshalb leicht eine übermäßige, vernichtende Rache—die Rache für ein zum größten Theil nur gefürchtetes Leiden.
7 [81]
Das organische Wesen hat 1) die Kraft, chemisch sich anzueignen 2) gewisse Explosionen, welche diese chemischen Prozesse reguliren. Wenn sich zufällig dies Beides zu einander findet, daß das zeitliche Eintreten und Kraft dieser Explosionen wirkt als Regulativ der aneignenden und ausscheidenden Prozesse, so entsteht ein organisches Wesen. Dies ist also die Folge von jenen älteren Arten von Wesen: solchen regelmäßig Explodirenden und solchen Wachsthums-Prozessen.
7 [82]
Der Klagende will sich nicht eingestehen, wie nützlich ihm der Schmerz war. Darin zeigt sich sein Rachetrieb: er will mit Worten dem wehethun und an dem seine Macht auslassen, was ihn verwundete.
7 [83]
Wie viel mehr wir im Wohlgefühle leben, verräth sich darin daß der Schmerz so viel stärker empfunden wird als die einzelne Lust.
7 [84]
Wahrheit und Muth nur bei Freien. (Wahrheit eine Art von Muth)
Der Übelthäter als ein Unglücklicher: Form der Humanität.
Knechtschaft macht schlecht.
auf die meisten Verletzungen reagirt man nicht, sondern unterwirft sich. (Fehlt bei Dühring!)
7 [85]
vornehm—gut
Eigenschaften von Personen—später auf die Handlungen übertragen.
| 7 [86] |
| 1) | Kampf der Theile um Raum um Nahrung sei es mit oder ohne Reizeinwirkung |
| 2) | direkter Kampf mit Zerstörung oder Assimilation des schwächeren. |
| 3) | die kräftigeren liefern mehr Nachkommen als die schwächeren |
den Vorsprung haben immer die, welche bei leichterer Affinität sich leichter regeneriren und weniger verbrauchen
bessere Fähigkeit, sich zu ernähren und geringerer Verbrauch für die eigenen Bedürfnisse—moralisch zu wenden!—günstige Vorbedingungen des Wachsthums und somit der Alleinherrschaft.
Bei Nahrungsmangel werden die am ersten aussterben und verhungern, die am meisten Nahrung verbrauchen.
Vorsprung bei denen, welche bei der Reizeinwirkung am wenigsten rasch sich verzehren, vielmehr wo die Assimilation der Nahrung und Regeneration dadurch gestärkt werden, ja durch den Reiz bis zur Übercompensation gekräftigt werden.
Moralisch: der Werth des Schmerzes, der Verletzung
Widerstandsfähigkeit gegen Druck giebt Vorrang
7 [86]
| 1) | Kampf der Theile um Raum um Nahrung sei es mit oder ohne Reizeinwirkung |
| 2) | direkter Kampf mit Zerstörung oder Assimilation des schwächeren. |
| 3) | die kräftigeren liefern mehr Nachkommen als die schwächeren |
den Vorsprung haben immer die, welche bei leichterer Affinität sich leichter regeneriren und weniger verbrauchen
bessere Fähigkeit, sich zu ernähren und geringerer Verbrauch für die eigenen Bedürfnisse—moralisch zu wenden!—günstige Vorbedingungen des Wachsthums und somit der Alleinherrschaft.
Bei Nahrungsmangel werden die am ersten aussterben und verhungern, die am meisten Nahrung verbrauchen.
Vorsprung bei denen, welche bei der Reizeinwirkung am wenigsten rasch sich verzehren, vielmehr wo die Assimilation der Nahrung und Regeneration dadurch gestärkt werden, ja durch den Reiz bis zur Übercompensation gekräftigt werden.
Moralisch: der Werth des Schmerzes, der Verletzung
Widerstandsfähigkeit gegen Druck giebt Vorrang
7 [87]
Muth, Scham, Zorn haben nichts an sich mit Begriffen zu thun
physiologische Thatsachen, deren Name und seelischer Begriff nur Symbol ist
Was sagt die Sprache aus von den Namen der Affekte ?
ira
Was heißt es: einen Menschen umändern durch Moral? also physiologisch durch häufige Furcht oder hohe Wallungen Ermattung
Die Einwirkungen der Krankheiten auf die Affekte zu studiren.
7 [88]
meine Aufgabe: die guten Triebe so zu stellen, daß sie Hunger bekommen und sich bethätigen müssen.
7 [89]
über das Vorhandensein höchst vollkommener Anpassungs-Mechanismen Roux p. 43 Übergang der Thiere aus dem Wasser
7 [90]
Erst im Manne wird das Familien-Typische völlig sichtbar; am wenigsten bei leicht erregbaren, anregbaren Jünglingen. Es muß erst Stille eingetreten sein und die Zahl der Einwirkungen von außen her kleiner: oder andrerseits die Anregbarkeit bedeutend nachgelassen haben.— So sind altwerdende Völker beredt über ihr Typisches und geben es deutlicher zu erkennen als in ihrer Jugendblüthe.
7 [91]
Der Kampf führt zum Übrigbleiben der Besten.
7 [92]
Wetteifer der Staatsbürger unter einander, immer die Tüchtigsten gelangen zu einem durchgreifenden Einflusse: so besteht der Staat.
Relative Selbständigkeit der Theile selbst in den höchsten Organismen Roux p 65.
7 [93]
Über die thatsächliche vorhandene Ungleichheit Roux. 69.
7 [94]
Wie Zelle neben Zelle physiologisch steht, so Trieb neben Trieb. Das allgemeinste Bild unseres Wesens ist eine Vergesellschaftung von Trieben, mit fortwährender Rivalität und Einzelbündnissen unter einander. Der Intellekt Objekt des Wettbewerbes.
7 [95]
Wenn eine Qualität der Zelle chemisch so beschaffen ist, die Assimilation die Zersetzung übersteigt, also Übercompensation des Verbrauchten, Wachsthum eintritt: so begründet diese wichtige Eigenschaft die Herrschaft über die anderen Q.
Wir kennen keinen Organism, keine Zelle, welche nicht in einem Stadium ihres Lebens diese Kraft hätte: ohne sie könnte sich das Leben nicht ausbreiten.
Der Kampf um Nahrung und Raum findet in der Zelle statt, sobald eine Ungleichheit in den Bestandtheilen ist.
Prozesse, die durch Zufuhr von Reizen in ihrer Lebensfähigkeit erhöht werden, in der Assimilation namentlich: wo also der Reiz eine trophische, die Ernährung hebende Wirkung hat—Grundbedingung bei den Pflanzen, deren Ernährung ganz von Sonnenlicht und Wärme abhängt (auch das elektrische Licht bringt rasche Entfaltung und Fruktifikation.
Also Einfluß der Reize auf die schnellere Assimilation—in der Moral: Vermehrung der Macht da, wo eine Fülle feinster Verletzungen vorkommen und dadurch das Bedürfniß der Aneignung gesteigert wird. (Vielmehr mit fremden ausländischen Vorstellungen—Griechen.)
Die leichter erregbare Substanz nimmt mehr Reiz auf.
7 [96]
Recht—der Wille ein jeweiliges Machtverhältniß zu verewigen. Zufriedenheit damit ist die Voraussetzung. Alles, was ehrwürdig ist, wird hinzugezogen, das Recht als das Ewige erscheinen zu lassen.
7 [97]
Praktische Consequenz. Umänderung der Charactere. Züchtung an Stelle des Moralisirens.
mit direkter Einwirkung auf den Organism zu arbeiten statt mit der indirekten der ethischen Zucht. Eine andere Leiblichkeit schafft sich dann schon eine andere Seele und Sitte. Also Umdrehen!
das plebejische Mißtrauen gegen die Affeckte bei Socrates: sie sind häßlich, wild—also zu unterdrücken—deshalb hat Epicur die Vornehmheit voraus, vor den Stoikern. Diese aber sind populärer verständlich.
Ebenso ist der christliche Heilige ein plebejisches Ideal.
| 7 [98] |
Es entstehen Prozesse, wo der Reiz nothwendig wird, zum Lebensreiz wird: sonst tritt Schwinden und Verfall ein.
Es sind die höchsten Prozesse.
Alles dies geschieht ohne den Kampf der Individuen.
Das Auslesen im Kampf der Individuen wird diejenigen Eigenschaften zur dauernden Erhaltung auswählen, welche sich für das ganze Individuum nützlich erweisen.
Also: es müssen viele Arten Moral entstehen—der Kampf ihrer Träger und der Sieg bringt die Art Moral zu dauernder Erhaltung, welche dem Mächtigsten zum Leben nützlich und unentbehrlich ist.
Unzählige Ansätze zu moralischen Werthschätzungen müssen gemacht worden sein, je nach der Ausbildung einzelner starker Grundgefühle.
Absolute Forderung, daß die beste Moral mit den mächtigsten Individuen verbunden sein muß: wer sind diese?
Alle Staaten und Gemeinden sind etwas Niedrigeres als das Individuum, aber nothwendige Arten seiner Höherbildung.
7 [98]
Es entstehen Prozesse, wo der Reiz nothwendig wird, zum Lebensreiz wird: sonst tritt Schwinden und Verfall ein.
Es sind die höchsten Prozesse.
Alles dies geschieht ohne den Kampf der Individuen.
Das Auslesen im Kampf der Individuen wird diejenigen Eigenschaften zur dauernden Erhaltung auswählen, welche sich für das ganze Individuum nützlich erweisen.
Also: es müssen viele Arten Moral entstehen—der Kampf ihrer Träger und der Sieg bringt die Art Moral zu dauernder Erhaltung, welche dem Mächtigsten zum Leben nützlich und unentbehrlich ist.
Unzählige Ansätze zu moralischen Werthschätzungen müssen gemacht worden sein, je nach der Ausbildung einzelner starker Grundgefühle.
Absolute Forderung, daß die beste Moral mit den mächtigsten Individuen verbunden sein muß: wer sind diese?
Alle Staaten und Gemeinden sind etwas Niedrigeres als das Individuum, aber nothwendige Arten seiner Höherbildung.
7 [99]
Die “höhere Vernunft” in der Klage ist, daß der Mensch einen Schmerz immer noch vertieft: daß er nicht zu schnell ihn fahren läßt—um so höhere Kräfte zieht er dann heran, der plastische Bildner seiner selber!
7 [100]
Fein wissen, was uns wehethut und wie leicht ein Anderer uns wehethut, und gleichsam seine Gedanken vorherbestimmen, daß er auf keine uns schmerzhaften Wege geräth: dies ist bei vielen Liebenswürdigen die Hauptsache: sie machen Freude und lassen den Anderen Freude ausströmen—weil sie sehr den Schmerz fürchten. “Zartgefühl” heißt man’s.— Wer eine abweichende härtere Natur hat, hat keine Nöthigung, sich dergestalt in den Anderen zu versetzen und thut ihm öfter wehe; er setzt diese leichte Schmerzfähigkeit nicht voraus.
7 [101]
das aristokratische Princip sich selber steigernd erfindet immer eine höhere Art unter den Höheren. Der Mächtige wird immer mehr zu dem Seiner-selber-Mächtigen, Kraftausströmenden: man sieht, daß die Vornehmheit viele Grade hat—und etwas im Einzelnen Menschen selbst Wachsendes ist.
7 [102]
Die Macht in der Vorstellung derer, die sie zu fürchten hatten.
7 [103]
Die Lust an Seines-Gleichen, als seinen Vervielfältigungen, ist nur möglich, wenn man an sich selber Lust hat. Je mehr dies aber der Fall ist, um so mehr geht das Fremde uns wider den Geschmack: der Haß und Ekel am Fremden ist gleich groß wie die Lust an sich.
Aus diesem Haß und Ekel ergiebt sich, daß man vernichtet und kalt bleibt gegen alles Fremde.
Hat man aber an sich selber Unlust, so kann dies als Brücke zu einem allgemeinen Menschen-Mitleid und Annäherung benutzt werden 1) man verlangt nach dem Anderen, daß wir uns über ihm vergessen: Geselligkeit bei Vielen 2) man vermuthet, daß der Andere auch Unlust an sich habe: und nimmt man es wahr, so erregt er nicht mehr Neid “wir sind gleich” 3) wie wir uns ertragen, trotz der Unlust an uns, so gewöhnen wir uns, auch “unsersgleichen” zu ertragen. Wir verachten nicht mehr; Haß und Ekel nehmen ab: Annäherung. So ist auf die Lehre der allgemeinen Sündhaftigkeit und Verwerflichkeit der Mensch sich näher gerückt. Selbst die thatsächlich Mächtigen werden mit anderer Phantasie angesehen: “es sind arme elende Menschen im Grunde.”
7 [104]
Menschen, die wandelnde Gesetzgebungen sind
7 [105]
als Geschmack tritt das Urtheil “gut” in uns auf: so tyrannisch und sicher, wie ein Geschmack für saure Gurken oder wie ich es in der Nähe eines spuckenden Menschen nicht aushalte.
7 [106]
nicht den Affekt der Distance verlieren!
7 [107]
Erobern—ist die natürliche Consequenz einer überschüssigen Macht: es ist dasselbe wie das Schaffen und Zeugen, also das Einverleiben seines eigenen Bildes in fremden Stoff. Deshalb muß der höhere Mensch schaffen d.h. sein Höhersein Anderen aufdrücken, sei es als Lehrer, sei es auch als Künstler. Denn der Künstler will sich mittheilen und zwar seinen Geschmack: ein Künstler für sich ist ein Widerspruch. Ebenso steht es mit den Philosophen: sie wollen ihren Geschmack an der Welt herrschend machen—deshalb lehren und schreiben sie. Überall wo überschüssige Macht da ist, will sie erobern: dieser Trieb wird häufig Liebe genannt, Liebe zu dem, an welchem sich der erobernde Instinkt auslassen möchte.— Der Eitle will gefallen, er will nach dem Geschmack Anderer sein: darin zeigt sich der Mangel an schaffender Kraft—er ist “leer.” Der Unwahre der Heuchler fürchtet sich vor dem Geschmack Anderer, selbst der Kluge, Vorsichtige: ein Mangel an überschüssiger Kraft ist hier die Voraussetzung. Während das Unbedenkliche Übermüthige Trotzige Unbesorgte Aufrichtige Übereilte Unvorsichtige leicht bei der Menge der Kraft sind, welche die Spannung zu groß macht und die Handlungen schnell heraustreibt—wider die Nützlichkeit. Hieraus erklärt sich auch, warum die Klugheits-Rücksicht nicht in gutem Rufe bei den Mächtigen steht: es ist leicht ein Anzeichen von Kraft-Mangel, klug zu sein. Andrerseits ist die unkluge Handlung unter Umständen nobel: und daher vielleicht auch das Lob des Uneigennützigen: der Uneigennützige d. h. der welcher nicht klug und vorsichtig handelt, sondern wie Einer, der überströmt—was liegt ihm daran, wohin? Der Berechnende wird verachtet: aber der, welcher für das Ganze der Gemeinde berechnet, um so mehr bewundert. Denn man nimmt an, daß man nicht überflüssiger Weise “klug” ist: denken gilt als schwer.
So entsteht das Lob der Weisheit: als das Lob dessen, der viel gut und leicht denkt, rechnet, abwägt, und nicht aus Klugheit um des Nutzens willen, sondern aus Liebe zur Gemeinde, zur Verewigung ihrer Gedanken und Institutionen. Es ist etwas Seltenes!
7 [108]
Die Furcht vor der Macht als produktive Gewalt. Hier ist das Reich der Religion. Andererseits erscheint es als höchstes Streben des Menschen, mit dem Mächtigsten, was es giebt, Eins zu werden. Dies ist der Ursprung z.B. des Brahmanismus: erzeugt innerhalb der Kaste der Herrschenden, als phantastische Weiterbildung des Machtbedürfnisses, wahrscheinlich, weil seine Entladung in Kriegen fehlt.
Die Verschmelzung mit der Gottheit kann Gier nach der höchsten Wollust sein (weiblich-hysterisch bei manchen Heiligen) oder Gier nach höchster Ungestörtheit und Stille und Geistigkeit (Spinoza) oder Gier nach Macht usw. Oder selbst die Consequenz der rathlosesten Furchtsamkeit: es ist die einzige Rettung und Flucht, sich in Gott zu flüchten. Das Raffinirteste ist wohl “Überwindung der Gnade” bei den Mystikern.
7 [109]
Das bewußte Beabsichtigen wird bei einer schädlichen Handlung in’s Auge gefaßt, an sich nicht als “böse,” sondern insofem es die Gefährlichkeit des Fremden, des Feindes viel größer erscheinen läßt. “Er will mir böse,” oder “er will böse.”
So lange der Feind empfunden wird, fehlt noch das Merkmal des Schmählichen Verächtlichen in der bösen Handlung. Erst wenn der Übelthäter zugleich sich als schädlich und erbärmlich beweist, wird eine Handlung moralisch verworfen. Die Moral beginnt also mit der Verachtung.
7 [110]
Der, welcher viel und mit Bewußtsein lügt, und in Lagen lebt, wo es gefährlich und schwer ist zu lügen, ist eben deshalb auch in einem außerordentlichen Grade verfeinert für die Wahrheit: während Idealisten und Alltags-Gute fortwährend in einem Nebel über sich und ihr Wollen leben und im Grunde niemals die Wahrheit sagen können:—ihr “Geschmack” ist nicht fein genug dazu.
7 [111]
Wer als Dichter mit baarem Golde zahlen will, muß mit seinen Erlebnissen zahlen: deshalb verbittet sich aber der Dichter seine nächsten Freunde als Interpreten—sie errathen, indem sie zurückrathen. Aber sie sollten bewundern, wo-hinaus einer kommt, auf dem Wege seiner Leiden—sie sollten vorwärts und hinauf blicken lernen und nicht zurück, hinab. —
7 [112]
Gesetzt, daß die Strafen proportional wehe thun sollen der Größe des Verbrechens, müßten sie auch proportional der Empfindlichkeit für Schmerz jedem Verbrecher zugemessen werden d.h. es dürfte eine vorherige Bestimmung der Strafe für ein Vergehen gar nicht geben!
7 [113]
“Der Gute” entsteht nur am Gefühl eines Gegensatzes: das ist der zugleich ihm Schädliche und doch Verächtliche. Das Bemühen der Gesetzgeber ist, vielen Handlungen diesen Charakter zu verleihen, daß sie verächtlich erscheinen, mit Schmach verbunden sind: daß in Einem Gefühl eine Handlung und die an sie geknüpfte Schmach erscheint.— Bei uns ist im Ganzen das gesamte Verbrecherthum so empfunden. Anders ist es, wo der Verbrecher bewundert wird oder durch großen Heroismus und Verachtung von Gefahr einen Überschuß zu seinen Gunsten gewinnt. Der Ketzer z. B. und alle Sektirer erwerben sich oft Achtung, gegen die Verachtung, welche ihnen zuerst entgegenkommt. Man sieht: man hat mit einer Macht zu thun.
7 [114]
Die Gemeinsucht ist älter als die Selbstsucht, jedenfalls lange Zeit stärker. Die Verschiedenheit der Gesinnung war in der That nicht groß: und so rechnete man bei dem Werthe der Handlungen gar nicht nach Gesinnungen, sondern nach Folgen. Die Art glaubte an sich und ihre Gesinnung wie an eine Naturthatsache: man setzte sich ohne Weiteres bei jedem Nächsten voraus—man dachte über Handlungen gar nicht weiter nach, “sie verstanden sich alle von selber.”
7 [115]
Die Menschen handeln ganz anders als sie reden: auch die Moralisten machen es so. Wozu Moralisiren? Seid doch ehrlich! Die Hauptsache ist, daß wir es müssen. Alle “wozu’s” sind Spiegelfechterei und Hinzugelogenes.
7 [116]
“stellvertretende Tugend”
7 [117]
Die Natur will nichts, aber sie erreicht immer Etwas: wir wollen Etwas und erreichen immer etwas Anderes. Unsre “Absichten” sind nur “Zufälle.” —
7 [118]
Wenn die Menschen Alles thun für ihr Glück und doch thatsächlich wenig Geist darauf verwenden, was ihnen Glück bringt: so ergiebt sich, daß ihnen Nachdenken eine große Unlust ist.
7 [119]
Große Menschen wie Cäsar Napoleon sind lebendige Arten! Alles Andere Regieren ist nachgemacht.
7 [120]
39) Unsre Handlungen formen uns um: in jeder Handlung werden gewisse Kräfte geübt, andre nicht geübt, zeitweilig also vernachlässigt: ein Affekt bejaht sich immer auf Unkosten der anderen Affekte, denen er Kraft wegnimmt. Die Handlungen, die wir am meisten thun, sind schließlich wie ein festes Gehäuse um uns: sie nehmen ohne Weiteres die Kraft in Anspruch, es würde anderen Absichten schwer werden, sich durchzusetzen.— Eben so formt ein regelmäßiges Unterlassen den Menschen um: man wird es endlich Jedem ansehn, ob er sich jedes Tags ein paarmal überwunden hat oder immer hat gehn lassen.— Dies ist die erste Folge jeder Handlung, sie baut an uns fort—natürlich auch leiblich.
40) Zu jeder Handlung gehört nun auch eine Meinung bei uns über uns in Bezug auf diese Handlungen. Unsre Meinung über uns ist ebenso eine Folge jeder Handlung—sie baut an der Gesammtschätzung, die wir von uns haben, ob schwach, stark usw. lobenswerth tadelnswerth, ob wir das Urtheil Anderer zu scheuen haben, ob wir uns in jedem Lichte zeigen können. Vielleicht gewöhnt man sich, sich selber zu belügen: die Folge davon, die absichtlich fehlerhafte Taxation und die Verrenkung des Auges, das Falschsehen, muß sich natürlich zuletzt wieder in den Handlungen zeigen. Die Falschheit gegen uns, der Mangel an Vertrauen gegen uns, die Furcht vor uns, die Verachtung von uns—alle die Affekte der ohnmächtigen Naturen verändern fortwährend auch den Leib. Das Bewußtsein des Mangels an Selbst-Beherrschung, der unnoble Ausdruck kommt hinein—und selbst wenn Einer allein auf einer Insel lebte.
7 [121]
38) Vollkommen abgesehen von allen Mitmenschen giebt es eine fortwährende Veränderung im Werthe des Menschen, ein Besser- oder Schlechterwerden:
| 1) | weil jede Handlung an seinem Affekt-Systeme baut |
| 2) | weil die mit jeder Handlung verbundene Taxation an ihm baut und wieder die Ursache der späteren Handlungen wird. |
Das Gemeine, Unnoble wächst—oder nimmt ab usw.
Der Gemeinheit entspricht ein vollkommnes leibliches Substrat, und wahrlich nicht bloß in Gesichtszügen!
7 [122]
NB. Absurdität alles Lebens und Tadelns
7 [123]
der Stolz der Schwachen ist so fein, weil sie fürchten, man glaubt nicht an ihre Energie und Kraft.
7 [124]
Wie kurz ist das her, daß Kant allen Ernstes vorschlug, man solle nur Handlungen thun usw.!
7 [125]
Ich habe mich für meine eigene Person daran gewöhnt, in allem moralischen Urtheilen eine stümperhafte Art Zeichensprache zu sehen, vermöge deren sich gewisse physiologische Thatsachen des Leibes mittheilen möchten: an solche, welche dafür Ohren haben. Aber wer hatte bisher dafür Ohren!
Daß nun in der That bisher die Ohren dafür fehlten oder falsche Ohren und Falsche Auslegungen, und das Bewußtsein sich Jahrtausende vergeblich bemüht hat und sich selber auslegte—dies ist ein Beweis dafür.
Und so glaube ich, daß es eine Zukunft für das Verständniß der Moral giebt, und daß an dieses bessere Verstehen sich Hoffnungen für die Verbesserung des menschlichen Leibes anhängen dürften.
7 [126]
37) Wer einigermaßen sich vom Leibe eine Vorstellung geschaffen hat—wie viele Systeme da zugleich arbeiten, wie viel für einander und gegen einander gethan wird, wie viel Feinheit in der Ausgleichung usw. da ist: der wird urtheilen, daß alles Bewußtsein dagegen gerechnet Etwas Armes und Enges ist: daß kein Geist nur annähernd ausreicht für das, was vom Geiste hier zu leisten wäre und vielleicht auch daß der weiseste Sittenlehrer und Gesetzgeber sich plump und anfängerhaft inmitten dieses Getriebes von Krieg der Pflichten und Rechte fühlen müßte. Wie wenig wird uns bewußt! Wie sehr führt dies Wenige zum Irrthum und zur Verwechslung! Das Bewußtsein ist eben ein Werkzeug: und in Anbetracht, wie viel und Großes ohne Bewußtsein geleistet wird, nicht das nöthigste, noch das bewunderungswürdigste. Im Gegentheil: vielleicht giebt es kein so schlecht entwickeltes Organ, kein so vielfach fehlerhaftes, fehlerhaft arbeitendes: es ist eben das letzt-entstandene Organ, und also noch ein Kind—verzeihen wir ihm seine Kindereien! Zu diesen gehört außer vielem Anderen die Moral, als die Summe der bisherigen Werthurtheile über Handlungen und Gesinnungen der Menschen.
Also müssen wir die Rangordnung umdrehen: alles Bewußte ist nur das Zweit-Wichtige: daß es uns näher und intimer ist, wäre kein Grund, wenigstens kein moralischer Grund, es anders zu taxiren. Daß wir das Nächste für das Wichtigste nehmen, ist eben das alte Vorurtheil.— Also umlernen! in der Hauptschätzung! Das Geistige ist als Zeichensprache des Leibes festzuhalten!
7 [127]
Moralität ein Versuch der Affekte, sich einander bewußt zu werden.
7 [128]
34) Die Schätzung der Autorität nimmt zu im Verhältniß der Abnahme schaffender Kräfte
7 [129]
35) Die falschen Gegensätze. Alle Stufen sind noch neben einander vorhanden (oder viele)—aber die höhere will nicht die niedere Stufe als Weg und Mittel anerkennen—sie soll ihr Gegensatz sein! Dies ist der Affekt der Distanz! Wer ihn nicht besitzt oder zeigt, erregt die größten Verwechslungen z. B. Epicur.
7 [130]
36) Dasselbe z. B. Selbstbeherrschung eines Menschen erweckt bei dem Einen den Gedanken “vor dem mußt du dich vorsehen, der denkt kalt an Nutzen und Hinternutzen”—und ein Anderer denkt dabei “vor dem darfst du dich gehen lassen und dich zeigen, wie du bist—er wird nicht maßlos werden” Mehrdeutigkeit aller Eigenschaften, je nach Klugheits- oder Schönheits-Hoheits-Rücksichten.
7 [131]
Die Zukunft der Moral-Wissenschaft
Indem ich für einige Zeit Abschied von den moralischen Problemen nehme, will ich, um der Gefahr willen, daß ich selber nicht mehr Zeit finde, auf dieses Gebiet zurückzukommen, denen einige Winke geben usw.
7 [132]
ob sich denn die höhere Art nicht besser und schneller erreichen lasse als durch das furchtbare Spiel von Völkerkriegen und Revolutionen? —
| ob nicht mit | Ernährung Züchtung Ausscheidung bestimmter Versuchs-Gruppen |
7 [133]
Unser Leib ist etwas viel Höheres Feineres Complicirteres Vollkommneres Moralischeres als alle uns bekannten menschlichen Verbindungen und Gemeinwesen: die Kleinheit seiner Werkzeuge und Diener ist kein billiges Argument dagegen! Was Schönheit betrifft, so steht seine Leistung am höchsten: und unsre Kunstwerke sind Schatten an der Wand gegen diese nicht nur scheinende, sondern lebendige Schönheit!
7 [134]
Die Expansion im Zustande der Lust (bei Mainländer, p. 64). Es will “seinen Zustand zeigen und sich Anderen—wenn es gienge der ganzen Welt—enthüllen” Umarmen, Hüpfen, Tanzen, Springen, Lachen, Schreien, Jauchzen, Singen, Sprechen—Ich sehe eine überschüssige Kraft, die sich ausgeben will
In der Unlust circa so: “der Glanz der Augen erlöscht, die Mienen werden weiß, die Glieder regungslos oder ziehen sich zusammen. Die Stirnhaut runzelt sich, die Augen schließen sich, der Mund wird stumm, die Hände ballen sich, der Mensch kauert, fällt in sich ein.”
Die Temperatur verändert sich: die Extremitäten werden kalt: in Lust und im Zorne heißer.
7 [135]
Cardinale Fragen: lassen sich die Temperamente verändern?
33) Die Willensqualitäten sind “Einritzungen zu vergleichen, in welche der Wille beim geringsten Anlaß fließt: sie haben sich zu Kanälen erweitert” “Aber schon der Säugling zeigt, unter bloßen Einritzungen, große Vertiefungen: Charakter (seine Form der Temperamente)”
7 [136]
Willensqualitäten.
| Neid | Wohlwollen |
| Habgier | Freigebigkeit |
| Grausamkeit | Barmherzigkeit |
| Geiz | Verschwendungssucht |
| Falschheit | Treue |
| Hoffahrt | Demuth |
| Trotz | Verzagtheit |
| Herrschsucht | Milde |
| Unbescheidenheit | Bescheidenheit |
| Gemeinheit | Edelmuth |
| Starrheit | Geschmeidigkeit |
| Feigheit | Kühnheit |
| Ungerechtigkeit | Gerechtigkeit |
| Verstocktheit | Offenheit |
| Heimtücke | Biederkeit |
| Frechheit | Schamhaftigkeit |
| Wollüstigkeit | Mäßigkeit |
| Niederträchtigkeit | Ehrbegierde |
| Eitelkeit | Heiligkeit |
| “Stimmungen” |
| Zustände des Willens |
| “gefühlte Bewegungen” |
| Lebensgefühl (Gleichmuth)—seine Modifikationen |
| Freude Muth Hoffnung Liebe Haß Verzweiflung Furcht Trauer. |
Doppelbewegungen
Zorn, Wuth (der Wille strömt erst zurück, concentrirt sich (Haß), und strömt plötzlich dann nach der Peripherie, um zu zerstören)
7 [137]
30) Der Ausgangspunkt des Lobens und Tadelns : der schwache Mensch lobt und tadelt, weil so und so gelobt und getadelt wird: der starke legt sich als Maaßstab an. Ebenso spricht es für die Moralisten und ihr eigenes Gefühl von Macht—ob sie Gesetzgeber sich fühlen oder als Lehrer von gegebenen Gesetzen.
Bei dem Utilitarier-Kampf sind beide Parteien einmüthig—?
Bentham fühlt sich als Gesetzgeber, Rée als Beherrschter.
7 [138]
“Der Zustand unsrer Muskeln bestimmt in weiterer Ausdehnung unser Gemeingefühl der Gesundheit und Kraft, der Müdigkeit, Krankheit und Schwäche—bei allen Bewegungen unseres Körpers wissen wir mit erstaunlicher Genauigkeit (wie beim Sehakt) die Größe der Contraktion, zu welcher wir unsre Muskeln zwingen, zu schätzen. Wir kennen auch die verschiedenen Lagen der Muskeln, selbst wenn sie in Ruhe sind: das ermüdete und besonders das gelähmte Glied fühlen wir schwer.”
7 [139]
Kalte Gegenstände scheinen schwerer zu wiegen als warme vom selben Gewicht (nach Weber)
Wenn 2 Empfindungen in hinreichend kürzerem Zwischenraum auf derselben Stelle folgen, so werden sie mit einander verschmolzen: ebenso wenn Empfindungen an zu nahe aneinandergelegenen Stellen der Haut entstehen.
7 [140]
Liebe: das kräftigste Ausströmen, der Wille möchte seine Sphäre durchbrechen, zur ganzen Welt werden.
Liebe auf Grund der Willensqualität Herrschsucht
| auf Grund des Herzens auf Grund der Qualität Ruhmbegierde (als Lustgefühl geistiger Überlegenheit) auf Grund der Treue (als Freundschaft) |
7 [141]
Die fehlerhaften Vereinfachungen: z. B. als Mittel Etwas sehen, wobei man 100 dabei übersieht.
7 [142]
NB. ein moralisches Gefühl etwas sehr Complicirtes. Darin liegt es, daß es so anders wirkt, “gut” zu sagen als “nützlich,” weil so 50 Ingredienzien noch eingemischt sind.
7 [143]
Das Unbedingte ist nur logisch gezogen aus dem Bedingten, wie das Nichts aus dem Sein.— Als “unbedingend” —
7 [144]
27) Die ganze Ehrfurcht, die wir bisher in die Natur gelegt haben, müssen wir auch empfinden lernen bei der Betrachtung des Leibes: es ist erbärmlich, sich von “groß” und “klein” so tyrannisiren zu lassen! Was der Wald, das Gebirge uns zu sagen hätten—und die fernen Himmelskörper “die uns in die Einsamkeit rufen” (Emerson)—“diese Entzückungen sind heilsam, sie machen uns nüchtern.”
7 [145]
28) Der Sinn unsrer Gärten und Palläste (und insofern auch der Sinn alles Begehrens nach Reichthümern) ist, die Unordnung und Gemeinheit aus dem Auge sich zu schaffen und dem Adel der Seele eine Heimat zu bauen.
Die Meisten freilich glauben, sie werden höhere Naturen, wenn jene schönen ruhigen Gegenstände auf sie eingewirkt haben: daher die Jagd nach Italien und Reisen usw.
alles Lesen und Theater-besuchen. Sie wollen sich formen lassen—das ist der Sinn ihrer Cultur-Arbeit!
Aber die Starken Mächtigen wollen formen und nichts Fremdes mehr um sich haben!
29) So gehen auch die Menschen in die große Natur, nicht um sich zu finden, sondern um sich in ihr zu verlieren und vergessen. Das “Außer-sich-sein” als Wunsch aller Schwachen und Mit-sich-Unzufriedenen.
7 [146]
Vortheil der kalten Naturen: sie folgen ihrem Interesse als einer kälteren Sache.
7 [147]
Nichts annehmen, wogegen wir nichts zurück zu geben haben und die Scham und Lust bei allem Guten, das wir erfahren—ist vornehm. “Sich lieben lassen” ist gemein.
7 [148]
Das Mitleiden der Mutter mit dem Kinde ist fast das mit uns selber: so fühlt der Künstler mit seinem Werke und dessen Schicksalen. Da giebt es nichts Vornehmes: es giebt auch Mitleiden mit uns selber—es ist etwas vollkommen Verschiedenes vom Leide selber!
7 [149]
Mit “Zwecken und Mitteln” redet man eine Zeichensprache: man bezeichnet aber nur das Nebensächliche der Handlung damit (ihr Verhältniß zu den Begleit-Erscheinungen Lust und Schmerz)
7 [150]
24) Die Verachtung des Körpers ist die Folge der Unzufriedenheit mit ihm: und die Überschätzung des Geistes und der moralischen Gesetze ist der Zustand solcher, welche gern etwas Höheres werden wollen und im Wandeln unter “ewigen Werthen” glauben, größer zu werden. Alles dies Verlangen nach Unvergänglichem ist die Folge der Unzufriedenheit—hier ist der Wille zur Cultur, als ein Verlangen des “Unzufriedenen mit sich.”
7 [151]
25) Schönheit des Leibes—das ist von den Künstlern zu oberflächlich gefaßt worden: dieser Oberflächen-Schönheit müßte eine Schönheit im ganzen Getriebe des Organismus nach folgen—insofern reizen die höchsten Bildner zur Erschaffung schöner Menschen: das ist der Sinn der Kunst—sie macht unzufrieden, wer sich vor ihr beschämt fühlt, und Schaffenslustig, wer Kraft genug hat. Die Folge eines Dramas ist: “so will ich auch sein, wie dieser Held”—Anregung der schöpferischen, auf uns selber gewendeten Kraft!
Epicur verhält sich zur Stoa, wie Schönheit zur Erhabenheit: aber man müßte mindestens Stoiker sein, um diese Schönheit überhaupt erst erblicken zu können! um auf sie neidisch sein zu können!
7 [152]
26) Unsre Zeit mit ihrem Streben, den zufälligen Nöthen abzuhelfen, vorzubeugen und die unangenehmen Möglichkeiten vorweg zu bekriegen, ist eine Zeit der Armen. Unsere “Reichen”—das sind die Ärmsten! Der eigentliche Zweck alles Reichthums ist vergessen!
7 [153]
Teichmüller p. 204 das Ich vergleicht seinen ideellen Vorstellungsinhalt und findet das Bewußtsein des Vorher (oder eines in der Erinnerung gegebenen Inhaltes)
Also bei allen Zeitempfindungen ist das Ich thätig. “Die Akte Erinnerung Empfindung und Erwartung unzeitlich zusammenfassen und vergleichen—das ist Thätigkeit des Ich.”
7 [154]
Gegen Kant. Natürlich bin ich auch mit dem Schönen, das mir gefällt, durch ein Interesse verbunden. Aber es liegt nicht nackt vor. Der Ausdruck von Glück Vollkommenheit Stille, selbst das Schweigende, Sich-Beurtheilen-Lassende des Kunstwerks—redet alles zu unsren Trieben.— Zuletzt empfinde ich nur als “Schön,” was einem Ideal (“dem Glücklichen”) meiner eigenen Triebe entspricht z. B. Reichthum, Glanz, Frömmigkeit, Machtausströmung, Ergebung kann verschiedenen Völkern zum Gefühle “Schön” werden.
7 [155]
20) Groß genug, um das Verachtete zu vergolden: geistig genug, um den Leib als das Höhere zu begreifen—das ist die Zukunft der Moral!
Wir müssen die Erhabenheit, vor der wir uns in der Natur beugen, in unsern Absichten und Willen begehren—wir sollen die Erlöser der Natur und nicht ihre Vergöttlicher sein! “Vergöttlichung der Natur”—das ist die Folge der Armut, Scham, Angst, Thorheit!
Unsre Handlungen sollen falsch verstanden werden, wie Epicur Falsch verstanden wird! Es charakterisirt jeden Propheten, daß er bald verstanden wurde—es setzt ihn herab! Wir müssen erst Menschen haben, deren Bedeutung nach Jahrhunderten sichtbar wird—unser “Ruhm” bisher war etwas armseliges!— Ich will lange nicht verstanden sein.
Andrerseits müssen wir es tragen, falsch zu verstehen und mehr zu sehen als da ist: oh ihr, die ihr nicht mehr thut als den “großen Menschen” zu verstehen! Eure Kraft sollte die sein, noch hundert Meilen höhere Wesen über ihm zu sehen! Und das nenne ich Idealität: einen Sonnenaufgang zu sehen, wo—eine Kerze angezündet wird!
Das wäre der höchste Glanz auf dem Tode, daß er uns weiter führt in die andre Welt, und daß wir Lust haben an allem Werdenden und darum auch an unsrem Vergehen!
7 [156]
21) Die vornehme Empfindung ist es, welche verbietet, daß wir nur Genießende des Daseins sind: sie empört sich gegen den Hedonismus—wir wollen etwas dagegen leisten! Aber der Grundglaube der Masse ist es, daß für Nichts man leben müsse—das ist ihre Gemeinheit.
7 [157]
Das Urtheil über den Menschen vom Standpunkt des Thieres aus! Sind wir nicht ihm Parasiten?
7 [158]
22) Das Parasitische als Grundkern der gemeinen Gesinnung.
das Gefühl, nichts zu empfangen, ohne zurückzugeben oder damit etwas zurückzuempfangen, ist die vornehme Gesinnung. Nichts umsonst! Keine “Gnaden”! Aber auch keine Leiden, keine
7 [159]
23) “Für den Weisen verwandelt sich die Natur in ein ungeheures Versprechen” Emerson. Nun, du selber bist Natur und versprichst mit ihr das Ungeheure und hütest dich wohl, dein eignes Geheimniß vorschnell auszukundschaften!
7 [160]
18) Die Götter als Ursache des Bösen (Sünde und Leid) I 232 Woher kam denn das Schlechte bei “den Guten”? Aus einer Verdunkelung der Einsicht—und diese häufig Werk der Götter.
7 [161]
19) Aidos ist die Regung und Scheu, nicht Götter, Menschen und ewige Gesetze zu verletzen: also der Instinkt der Ehrfurcht als habituell bei dem Guten. Eine Art Ekel vor der Verletzung des Ehrwürdigen.
Die griechische Abneigung gegen das Übermaß, in dem freudigen I Hybris, die Überschreitung seiner Grenzen, ist sehr vornehm—und altadelig! Es ist die Verletzung des Aidos ein schrecklicher Anblick für den, welcher an Aidos gewöhnt ist.
= Übersättigung, Berauschtsein vom Glück
Hybris und Zorn schließen sich aus (Eudem. Ethik 1149 b), denn Hybris setzt eine freudige, Zorn eine schmerzliche Beschaffenheit voraus.
Die Freien, Mässigen erfanden den Wettkampf als die immer wachsende Verfeinerung jenes Macht-Äußerungsbedürfnisses: durch den Wettkampf wurde der Hybris vorgebeugt: welche durch lange Unbefriedig des Machtgelüstes entsteht.
Neid—der Schmerz über das gegenwärtige oder vergangene Glück der Freunde: ganz griechisch gedacht!
Wenn Zorn “süßer als Honig” ist—süßer als Zorn
7 [162]
Wer sehr leidet, auf den wird der Teufel neidisch und weist ihn hinaus in den Himmel.
7 [163]
14) Wenn Sclaven Philosophie treiben
Was sind sklavische Naturen? Solche die nicht wissen, was gut und gerecht ist, sagt Sokrates. Nach Theognis ist einen Freund verrathen Zeichen einer sklavenhaften Gesinnung.
Ihre Abhängigkeit macht es ihnen unmöglich, wahrhaft zu sein I, 266
7 [164]
Sehr merkwürdig. Plato, Timaeus p. 86 usw. (1281) die Krankheiten der Seele durch fehlerhafte Beschaffenheit des Körpers veranlaßt: Aufgabe der Erzieher und Staaten sei, hier zu heilen. Wenn die Heilung nicht rechtzeitig bewirkt werde, seien die Erzieher und Staaten und nicht die Kranken verantwortlich zu machen.
7 [165]
“Krankhafte Neigung zum Tempelraube” griechisch.
7 [166]
Wie wenig Phantasie haben wir für das Leid, das wir Anderen anthun!
7 [167]
16) Die Sklaverei in der Gegenwart: eine Barbarei! Wo sind die, für welche sie arbeiten?— Man muß nicht immer Gleichzeitigkeit der beiden sich complementirenden Kasten erwarten.
Der Nutzen und das Vergnügen sind Sklaven-Theorien vom Leben: der “Segen der Arbeit” ist eine Verherrlichung ihrer selber.— Unfähigkeit zum otium.
7 [168]
15) Greisenhafte Denkungsart: nach Aristoteles Mißtrauen, Mangel an Stärke der Empfindung, Furchtsamkeit, bei allem nach dem Nutzen und nicht nach der moralischen Würdigkeit zu fragen.
Die wahre Freude des Alters besteht in dem Geehrtwerden sagt Pericles. (Simonides meinte in der Lust am Gewinn.)
7 [169]
Die Herkunft der Moral.
Die Moralisten selber gehören unter die Thatsachen der Moralität.
Wenn Vornehme Moral treiben
Wenn Sklaven und Weiber Vergeltung
Wenn Greise
Wenn Kranke und Entartende
Wenn Thatlose
Wachsthum und Untergang einer Moral, Bedingungen
Moral Instinkt.
organische Funktion des Guten und Bösen
Gewissen
7 [170]
Kampf der verschiedenen Moralen ein Mittel ihrer Ausbildung. Stehenbleibende Moralen (chinesische)
7 [171]
12) Mitleid: von mir zurückgeführt auf unwillkürliche Nachahmung der Zeichen, die man sieht.
7 [172]
13) Die Handlungen, welche das Wohl der Gemeinde, des Organismus constituiren, sind nicht um dieses Zweckes willen entstanden: alle moralischen Gewohnheiten haben eine Vorgeschichte—jede Art Handlung hat ursprünglich einen anderen Zweck und Sinn.— Wie das Sehen nicht die Absicht bei der Entstehung des Auges war, und wie das Auge wieder benutzt worden ist zum Ausdruck des Gefühls:
7 [173]
Mittel, sich auszudrücken, sich mitzutheilen—ursprünglich aber war nicht die Absicht da, sich mitzutheilen, sondern alles Mittheilen ist eigentlich ein Annehmen-Wollen, ein Fassen und Aneignen-wollen (mechanisch). Den Anderen sich einverleiben—später den Willen des Andern sich einverleiben, sich aneignen, es handelt sich um Eroberung des Andern. Sich mittheilen, ist also ursprünglich seine Gewalt über den Anderen ausdehnen: diesem Trieb ist eine alte Zeichensprache zu Grunde liegend—das Zeichen ist das (oft schmerzhafte) Einprägen eines Willens auf einen anderen Willen
sich zu verstehen geben durch Stöße (Ameisen)
NB. Auch die Verletzungen des Anderen sind Zeichensprache des Stärkeren
So ist Verstehen ursprünglich eine Leidempfindung und Anerkennen einer fremden Macht. Schnell, leicht verstehen wird aber sehr rathsam (um möglichst wenig Püffe zu bekommen)
das schnellste gegenseitige Verständniß ist das wenigst schmerzhafte Verhältniß zu einander: deshalb wird es erstrebt (
negative Sympathie—ursprünglich die Schöpferin der Heerde.
7 [174]
8) Moralische Betrachtungsweise der Handlungen—die organischen Funktionen der Individuen, bei welchen nicht das I Zweck ist, sondern ein höheres Princip (das höhere Princip kann eine Gemeinde sein): oder vielmehr: Versuch einer Umbildung in organische Funktionen. Fortwährend, wo Lebendiges zusammenkommt, entsteht das Einwirken auf einander und ein Zusammentreten mit dem Versuche, ob da ein Organismus sich bilden kann. So M zu M.
Man soll aber auch die schlechten Handlungen auf diese Funktions-Eigenschaft ansehen! ihre Nützlichkeit in diesem außerindividuellen Sinne! Der Organismus besteht durch Kampf!
10) NB. Die Begleit-Erscheinungen haben sich vielfach verwandelt: manches ist jetzt mit Unlust verbunden, ehedem mit Lust. Auch die großen Einfälle der Klugheit mögen ehemals den Eindruck der Inspiration gemacht haben: ganz andere Taxation der Klugheit, als dämonisch.
11) Die Lust im Schaden-Thun; Bosheit, Verleumdung, Verfeindung aus Passion. Mord-Lust. Unter welchen Umständen natürlich? Wann pathologisch? Atavismus?
7 [175]
9) Sind denn die Gesetze gegen die Bösewichter gemacht? Gegen die Neuerer und nicht gegen die Bösewichter und Schlechten!
Der “Schlechte” ist erst das Contrast-Erzeugniß des Guten.
So ist auch das moralische Gewissen etwas Spätes, gleichzeitig mit dem schlechten Gewissen das gute (beständiges Wohlgefühl an seinen Impulsen!) also aktiv!
7 [176]
Das Streben nach Glück wird alberner Weise von den Menschen als Streben nach Genuß interpretirt; und die erlahmende Genußfähigkeit gilt als Argument gegen den Egoismus. Hartmann p 591.
7 [177]
Complicirtheit des jetzigen MoralGefühls. Im jetzigen Gefühl: “sittlich” ist vorhanden: der verehrende Trieb, der hülfreiche, der vornehme, der ergebene, der muthige, der fromme, der Trieb zum Nützlichen Zweckmäßigen, zum Gemeinnützlichen
7 [178]
4) Vom moralischen Instincte. Am größten bei sehr alten unveränderten Völkern.
Wir erben nicht die Kenntnisse unsrer Vorfahren, wie die Thiere: in Folge großen Wechsels der Lebensweise Roux 37—aber bei allen stehenbleibenden Völkern ist doch Etwas derart vorhanden, gerade die moralischen Instinkte sind Resultate vieler gleichartiger Erfahrungen, innerhalb von wenig bewegten Völkern. Geht die große Bewegung los, so gehen die Instinkte bald flöten. Es sind eine Anzahl erprobter Verhaltungsmaßregeln (Haltungen und Gebärden zunächst, wie der Vertheidigung, Ehrfurcht usw.), auf die man instinktiv geräth.
7 [179]
Epicurische Theorie. Schmerz tritt ein, wenn ein Begehren, ein Wunsch in seiner Befriedigung gehemmt wird. Lust, die Wegräumung des Hindernisses—negativ. Lust suchen—wäre Unsinn, etwas Negatives suchen! Sondern nicht-leiden wäre das Ziel! Wo Lust ist, ist eine frühere Unlust vorauszusetzen.
7 [180]
6) Wo die Machtmittel nicht groß genug sind, tritt die Einschüchterung auf, Terrorismus: insofern ist alles Strafen um der Abschreckung willen ein Zeichen, daß die positive ausströmende Tugend der Mächtigen nicht groß genug ist: ein Zeichen der Scepsis an der eigenen Macht.
7) Eine Macht muß fest auf den Füßen stehen und ihren Schwerpunkt haben. Gegenstück dazu: Schmidt, II 269. Dem entspricht eine Art Moralität. —
7 [181]
5) Thatlosigkeit: Aufathmen ist schon das Höchste! Otium besten Falls—nicht Schaffen!
7 [182]
NB. Der Egoismus ist kein Moralprincip, kein “Du sollst!” denn es ist das einzige “Du mußt.”
7 [183]
Das Problem vom Kampfe verschiedener Moralen: der hellenische Gedanke im Kampfe mit dem athenischen. Die Gemeinde und die Großmacht. II p. 273.
1) Kampf der Moralen
Die Mannhaftigkeit der Nation geht unter p. 274: wie sich das in der Cultur ausdrückt. Epicur.
7 [184]
Die Schönheit theilt der anschauenden Seele die Schwungkraft mit, die zur Erzeugung edler Gedanken befähigt. Plato.
7 [185]
II 353 es ist schimpflich, nach Socrates, wenn man Gutes nicht vergelten könne. Es giebt also “kein harmloses Hinnehmen” in der griechischen Freundschaft. Seine Freundschaften durch Erweisen von Gutem gründen! Pericles—Athen. wichtig!
2) Macht-Moral.
7 [186]
Es giebt eine fortlaufende Kette von Verletzung aus Verletzung, auch im Kleinen: in Kriegen weiß man nicht mehr, wer der Übelthäter ist. Blutrache ist nur der stärkste Ausdruck aller solchen Vorgänge unter Gleichen.
3 Vergeltung
7 [187]
Über das Leiden der Feinde sich freuen ist nicht ungerecht—Socrates II p. 357.
7 [188]
Diogenes: man bedürfe zur Tugend entweder tüchtiger Freunde oder heftiger Feinde.
7 [189]
Der Haß moralisch, der Neid nicht.
Das Glück in der Schädigung der Feinde p 362.
7 [190]
Kampf der Gewebe muß zum Gleichgewicht zwischen den Theilen führen, oder das Ganze geht zu Grunde.
Gewebe welche zu lebenskräftig sind, auch wenn sie noch so nützlich wären, richten das Ganze zu Grunde. Die Geschwülste z. B. sind solche mit abnormer Lebenskraft ausgestattete Gewebe: sie entfalten sich auf Kosten der Nahrung und des Raumes der Anderen und zerstören das Ganze.
Schon durch abnorme Schwächung des einen Gewebes kann das andere das Übergewicht erhalten.
Mangel an Gleichgewicht zwischen den Geweben führt rasch zum Tode der Individuen und zur Elimination derselben und ihrer nachtheilhaften Qualität aus der Reihe der Lebenden: bloß Zustände des Gleichgewichts bleiben übrig: so würde eine harmonische Einheit des ganzen Organism gezüchtet durch Selbst-Elimination des Abweichenden.
Der Kampf der Gewebe wird zu einem regulirenden Princip: Princip der funktionellen Selbstgestaltung der zweckmäßigsten Größenverhältnisse.
7 [191]
Zu den mächtigsten Faktoren des Fortschritts eines Staates gehört nicht nur der Kampf mit Nachbarvölkern und die Entwicklung zur Wehrfähigkeit: sondern auch die Concurrenz der Mitglieder eines Standes und die Concurrenz der Stände selber
7 [192]
Das Stille-werden vor dem Schönen ist ein tiefes Erwarten, ein Hören-wollen auf die feinsten, fernsten Töne—wir benehmen uns einem Menschen ähnlich, der ganz Ohr und Auge wird: die Schönheit hat uns etwas zu sagen, deshalb werden wir stille und denken an nichts, an was wir sonst denken. Die Stille, jenes Beschauliche, Geduldige ist also eine Vorbereitung, nicht mehr! So steht es mit aller Contemplation: —
Aber die Ruhe darin, das Wohlgefühl, die Freiheit von Spannung? Offenbar findet ein sehr gleichmäßiges Ausströmen von unserer Kraft dabei statt: wir passen uns dabei gleichsam den hohen Säulengängen an, in denen wir gehen, und geben unsrer Seele solche Bewegungen, welche durch Ruhe und Anmuth Nachahmungen dessen sind, was wir sehen. So wie uns eine edle Gesellschaft Inspiration zu edlen Gebärden giebt.
7 [193]
Zuerst Assimilation an das Werk, später Assimilation an dessen Schöpfer, der nur in Zeichen redete!
7 [194]
“Bisher hat man alle guten Eigenschaften eines Organismus bloß aus der Auslese im Kampf ums Dasein unter den Individuen abgeleitet!”
7 [195]
Die Abwehr des Fremden, den Reiz nicht gestaltend wirken lassen—sondern eine harte Haut, ein feindseliges Gefühl dagegen zu stellen: für die Meisten eine Nothdurft zur Erhaltung. Aber der reichste Heilige lebt unter Verbrechern wie in seinem Elemente.
— die Freisinnigkeit der Moral hat also ihre Grenze dort, wo einer den Reiz des Fremden nur schädigend empfindet, nicht anregend.
Wer reich ist in seiner Heiligkeit, der ist unter den Bösesten gut zu Hause: und alles Neinsagen gehört den Armen.
7 [196]
der aktiven quantitativen und qualitativen Nahrungs-Auswahl der Zellen, welche die ganze Entwicklung bestimmen, entspricht, daß der Mensch sich auch die Ereignisse und Reize auswählt, also aktiv verfährt unter all dem zufällig auf ihn Eindringenden—gegen Vieles also abwehrt. Roux p. 149.
7 [197]
Der Parasit zwingt den Wirth, ihn mit einem Capillarnetz und zugehörigen größeren Gefäß zu umspinnen p. 151.
7 [198]
Triebe sind höhere Organe, wie ich’s verstehe: Handlungen Empfindungen und Gefühlszustände in einander verwachsen, sich organisirend, ernährend
7 [199]
Die Bösen als rudimentär Schneider p 29.
7 [200]
Eitelkeit und Trieb zur Auszeichnung entgegengesetzten Ursprungs.
Wie das Wort als congruent galt mit dem Dinge, so galt auch das, was man redet von einem Menschen, für congruent mit ihm: man zweifelte nicht an der absoluten Erkenntniß (Erkanntheit) eines Menschen. Deshalb war die Meinung über Einen absolut bestimmend: und Eitelkeit ist jetzt nur ein Atavismus: ursprünglich war der Trieb noch nicht so erniedrigt (der Eitle ist jetzt gegen sich selber skeptisch) Ehemals gab es den Gedanken nicht, daß einer einen Werth für sich, einen verborgenen Werth haben könne. Sich um die gute Meinung bemühen—war identisch mit “gut sein.”— Der Eitle ordnet sich unter und will gefallen; der nach Auszeichnung Trachtende will als sich überordnend empfunden werden, er will bewundert werden.
7 [201]
Moral für Moralisten.
Die bisherigen Moralisten lassen sich nach ihrem vorwiegenden Hange so von einander unterscheiden: die Einen haben ihr Augenmerk darauf, wie unter Menschen gehandelt wird; die Andern, wie gehandelt werden soll. Aber was diesen beiden Arten gemeinsam ist erkennt man, sobald man das Wörtchen wie? sich von ihnen Allen erklären läßt. “Nach welchen Motiven wird gehandelt? Das fragen wir”: so sagen die Einen. “Nach welchen Motiven soll gehandelt werden: das fragen wir” so sagen die Andern. Daß nach Motiven gehandelt wird, wo überhaupt gehandelt wird, das ist ihre gemeinsame Voraussetzung: das ist ihr gemeinsamer Irrthum; sie Alle haben den Vordergrund der ganzen moralischen Landschaft am schlechtesten beobachtet ja übersehen—die Thatsache, daß gehandelt wird, und werden muß, und daß die sogenannten Motive nicht dafür die Erklärung abgeben.
7 [202]
Die thatsächliche Moralität ist unendlich feiner, complicirter, geistiger, als die theoretische; letztere steht noch plump und verlegen in den Anfängen.
7 [203]
Alle erhaltenden Mächte haben Jesuitism an sich: sie glauben, die Wahrheit ist da, es darf nicht gesucht werden. “Das Recht” z. B. soll da sein!!
7 [204]
Die Nützlichkeit ein sehr hohes Princip! Ja nicht zu unterschätzen! Aber sie bezieht sich auf die Mittel (“Unterzwecke”)—die Werthschätzung und die Gütertafel muß schon da sein!
7 [205]
Aus Hunger ein vergiftetes Brod lieber essen als nicht essen!
7 [206]
Wille als Streben nach Lust: setzt voraus, daß Wollen selber nach seinem Ende begehrt. Hartmann.
7 [207]
Das, was durch eine Handlung erreicht wird, wird ins Auge gefaßt: das Motiv soll liegen in der Vorstellung vom Resultat der Handlung (z.B. einem erreichten Gemüthszustand)
7 [208]
“Was der Mensch ohne Reflexion ohne Weiteres will, ist Lust: ‘Glück’ eine vielseitige, erschöpfende und andauernde Lust.” (Hartmann).
7 [209]
Bei Epicur kommt alles auf das richtige Abwägen von Lust gegen Unlust an: folglich ist die Haupttugend, das Fundament: Klugheits-Moral.
Die Bedeutung der sinnlichen Lust ist, uns von Begierden und Bedürfnissen zu befreien, welche die der Seele stören.
Glückseligkeit als Endzweck des Einzellebens. Aristoteles und Alle!
Also es ist die Herrschaft des Zweckbegriffs, die alle Moralisten bisher verdorben hat. “Es muß doch ein ‘Wozu?’ des Lebens geben!”
Daß auch das vernünftige bewußte Leben hinein gehört in die Entwicklung des zwecklosen Lebens—ego.
7 [210]
Die eigentliche Schätzung des Lebens hängt von den überwiegend herrschenden Stimmungen ab: die Arier, als sie nach dem asiatischen Süden kamen, empfanden alles Handeln als Leiden und alle Gefühle ebenso: tiefe Ruhe im Schatten höchster Balsam. Es ist eine fehlerhafte Entscheidung über den Wohnort bis ins höchste verfeinert und zur Entscheidung über den Werth des Lebens gemacht. (Selbst die Entstehung des Staats eine Sache der Ermüdung!)
7 [211]
Es bilden sich auf Grund der Triebe höhere Organe aus und diese Organe kämpfen mit einander um die Nahrung, die Reize
Die Hand des Klavierspielers, die Leitung dorthin und ein Bezirk des Gehirns bilden zusammen ein Organ (welches sich abschließen muß, um sich stark contrahiren zu können). Getrennte Theile des Körpers telegraphisch verbunden—d.h. Trieb.
Schopenhauer hat noch den unbewußten Zweck dazu gebracht!
7 [212]
Das Wesentliche an allem Handeln ist zwecklos oder indifferent gegen eine Vielheit von Zwecken.
7 [213]
Verzicht auf irdische Glückseligkeit zu Gunsten der himmlischen tausendfach größeren ist ein gutes Geschäft. Christenthum und seine Klugheit!
gut bei Hartmann p 26.
Lohn und Strafe bei Christus.
Es ist eine Thorheit, nicht das Christenthum anzunehmen.
7 [214]
Man soll Gutes im Verborgenen thun, damit es nicht hier belohnt werde Lucas 14 (12-14)—es könnte einem sonst der himmlische Lohn entschlüpfen.
7 [215]
Je hoffnungsloser und wilder die irdischen Zustände, um so besser wird an die jenseitige Vergeltung geglaubt: da einer auf irdisches Glück nicht rechnen kann. Je abergläubischer das Volk, um so besser wird an die Hölle geglaubt.
7 [216]
Strafe bei Unfreiheit des Willens unsinnig? Aber dann dürften wir auch nichts versprechen, uns zu nichts verpflichten usw. nichts thun. Daß wir mit Sicherheit von uns viel versprechen können, darauf hin giebt man uns Rechte d. h. Vortheile. Man giebt uns Nachtheile, wenn wir nicht halten, was wir versprachen: oder man compensirt die früher darauf hin gegebenen Vortheile nachträglich. (Strafe hier als nachträgliche Compensation der uns erwiesenen Vortheile, ein Zurücknehmen der gesellschaftlichen Sicherheit usw., Versetzung in den Zustand der Feindschaft. Die Gesellschaft ist bei ihrer Rechnung betrogen: sie nimmt so viel als sie nehmen kann von der Macht des Frevlers zum Entgelt, z.B. Zwangsarbeit usw.)
7 [217]
Ich sagte heute “oh das ist ein guter Mensch!” Dabei hatte ich das Gefühl als ob ich einen schönen reifen vollen Apfel mit sanfter Haut in der Hand hätte: ein Gefühl der Zärtlichkeit, wie als ob es mich zu ihm zöge: ein Gefühl der Sicherheit, wie als ob ich hier unter einem Baume ruhen dürfe: ein Gefühl der Verehrung, als ob ein Gegenstand da sei, den man nur mit den saubersten Händen fassen dürfe: ein Gefühl von Sattwerden, wie als ob ich aus einer Unbefriedigung mit Einem Male erlöst werde. Also entsprach dein moralischen Urtheile “gut” ein Zustand an mir, welcher beim Denken an einen gewissen Menschen eintrat. Es ist dasselbe, wie wenn ich einen Stein “hart” nenne.
7 [218]
Wenn Glückseligkeit unmöglich ist (Hegesias), so ist das Ziel des Lebens Leidlosigkeit: ohne Zweck konnte man’s nicht fassen!
7 [219]
Gemeinsam das Streben aller antiken Philos nach Geistesfreiheit und Abbrechen jeder Sklavenkette. Es ist der Atavism der Vornehmheit der Müssigen, die nichts mehr zu thun haben und sich selber zersetzen.
7 [220]
Den Ursachen des Schmerzes bis zur letzten Consequenz ausweichen—das ist die Praxis. Da behält man das ganz leere Leben übrig und das Denken darüber. Da fragt sich: dann giebt es keine Erlösung vom Leben?
7 [221]
Dieser Glaube an Zwecke führt zum Pessimismus.
Umdrehung: der Zweck ist, sich nicht glücklich zu fühlen; der Mensch wird von den Irrwegen des Lebens zurückgeführt; je mehr man leidet, wird der wahre Zweck erreicht “ein Anstrich von Absichtlichkeit ist hierin nicht zu erkennen” Schopenhauer. Hartmann p. 42 “Moralität ein Palliativ vor der Entschließung zur Radicalkur” p. 43 “die bösen Handlungen an uns eigentlich eine Wohlthat.”
7 [222]
Die Werthlosigkeit des Lebens ist erkannt im Cynismus, aber hat sich noch nicht gegen das Leben gewendet.
Nein: viel kleine Überwindungen und ein loses Maul befriedigen da!
7 [223]
Teichmüller: die Gefühle der Lust oder Unlust sind Zeichen für die Stellung, welche das Ich als Ganzes der einzelnen Thätigkeit gegenüber einnimmt: alles dies ist Wille, so fern wir auf das Ich als den Einen Beziehungspunkt hinblicken: die beiden gegensätzlichen Grundformen: das Begehren und das Verabscheuen. Blicken wir auf den Anderen Beziehungspunkt hin, so bleibt die Thätigkeit selber als solche unbewußt, ihr zugehöriges Was wird aber jedesmal bewußt, und so wird dies Was zum Zeichen für das, was wir bezeichnen wollen. Entsprechend dem Verabscheuen und Begehren nennen wir den zugehörigen ideellen Beziehungspunkt ein Übel oder ein Gut und bezeichnen ihn durch den Inhalt der zugehörigen Empfindungen oder Anschauungen. Alle Bilder unsrer Anschauung und alle unsere Thätigkeiten stehen in gewissen regelmässigen Beziehungen z.B. das Anschauungsbild der Rose und die Empfindung des Duftes. So bezeichnet schon das Kind das Eine als Mittel, das Andere als Erfolg.
7 [224]
Erster Unsinn: alles Leben ist Wollen eines Zweckes
der Egoism ist Wille zum eigenen Glücke
Zweiter Unsinn: Moralisch ist, einem fremden Willen dienen und Selbstverläugnung.
also der Zweck des Lebens liegt nicht im Glücke: erste Einsicht!
der Zweck des sittlichen Lebens soll im Willen eines Anderen liegen.
Aber was ist denn dieser Wille des Anderen wieder als ein Wille zur Befriedigung?
Meine Ansicht: die Absichten Wünsche Zwecke sind sekundär—“das Streben nach Glück” ist thatsächlich gar nicht allgemein da aber gar ein Streben nach fremdem Glück und Nichtstreben nach eigenem (“Verläugnung”) ist erst gar nicht möglich, während ein theilweises Streben nach eigenem Glück möglich ist.
Bei allem Handeln kommt Viel heraus auch für die Andern!
Der einzelne Wille verfolgt den Zweck: Glück—unmöglich, es zu finden!
Also hat der einzelne Wille einen anderen Willen sich als Zweck vorzusetzen, er ist Mittel für einen Zweck eines Anderen —
Aber, Herr von Hartmann! Sofern er einen Willen überhaupt fördert, sei es den des Nächsten oder des Weltprozesses—so arbeitet er ja an der Verlängerung des Elends: und zwar nachdem er begriffen hat, daß aller Wille wesentlich elend ist! Somit ist seine Förderung entweder Wahnsinn oder Bosheit.
Hier ist aber der zweite Unsinn vorausgesetzt, daß ein unegoistisches Handeln möglich ist.
Der erste Unsinn: alles Handeln ist ein Wollen von Befriedigungen
der zweite Unsinn: es giebt ein unegoistisches Handeln ein Handeln als Nichtwollen des eigenen Selbst, aber Wollen eines fremden Selbst!
7 [225]
Das Ziel-setzen selber ist eine Lust—eine Masse Kraft des Intellektes giebt sich aus im Mittel-Zweck-denken!
7 [226]
Wollen ein drängendes Gefühl sehr angenehm! Es ist die Begleit-Erscheinung alles Ausströmens von Kraft.
ebenso schon alles Wünschen an sich (ganz abgesehen vom Erreichen)
7 [227]
Man verkenne doch ja nicht den tiefen Mangel an noblesse des Gefühls in Christus, sein Jüdisches, das gute Geschäft und den Ärger über die Dummheit, es sich entgehen zu lassen! Die Europäer haben so viel edlere Gefühle hinein gelegt!
7 [228]
Wir wählen die facta aus, wir interpretiren sie—unbewußt. Die Wünsche, die an uns hängen bleiben —
Gegen unsre Zwecke gerechnet und gegen alles bewußte Wollen, giebt es eine gewisse größere Vernunft, in unserem ganzen Handeln, viel mehr Harmonie und Feinheit als wir bewußt uns zutrauen.
7 [229]
Wir haben uns von der logischen Mania der Alten noch nicht freigemacht, sie schätzten nichts mehr als die Dialectik—so auch “Absichten” “Zwecke.”
7 [230]
Die meisten Menschen sind gar keiner Erlebnisse fähig: sie lebten nicht genug in der Einsamkeit—das Ereigniß wird durch Neues gleich fortgespült. Der tiefe Schmerz ist selten und eine Auszeichnung. Im gewöhnlichen Leben steckt mehr Klugheit als im Stoicismus.— Die Abwehr des Schmerzes.
7 [231]
alle unsere Zwecke nehmen sich, aus einer gewissen Ferne gesehen, als Versuche und Würfe aus—es wird experimentirt.
Wir müssen am Willkürlichen Unlogischen in unseren besten Zwecken festhalten!
Wir würden nie handeln, wenn wir alle Folgen uns vorstellten.
7 [232]
Willens-Schwäche als Folge der Desorganisation und Zeichen des Verfalls.
7 [233]
Kant sagt: diese Sätze des Grafen Verri (1781 sull’indole del piacere e del dolore) unterschreibe ich mit voller Überzeugung
il solo principio motore dell’uomo è il dolore. Il dolore precede ogni piacere
il piacere non è un essere positivo.
7 [234]
“Sein Leben fühlen, sich vergnügen—sich continuirlich getrieben fühlen aus dem gegenwärtigen Zustand herauszugehen, der also ein ebenso oft wiederkehrender Schmerz sein muß.”
7 [235]
“Der vernünftige Wille darf nur Schmerz vermindern und Bedürfnisse unterdrücken.” —
7 [236]
Cardanus schloß, man müsse soviel als möglich Leiden aufsuchen, um durch ihre Beseitigung sich eine größere Summe von Lust zu schaffen.
7 [237]
“Alle Handlungen der Larven kurz vor der Verpuppung gehen nicht auf die eigene Erhaltung, sondern auf die des fertigen Insektes hinaus, sie entsprechen nicht den Bedürfnissen des Larvenstadiums, sondern denen des vollständig entwickelten Thiers” usw. Schneider I p. 58
7 [238]
Der höchste Gesichtspunkt des Jesuitismus auch des socialistischen:
Beherrschung der Menschheit zum Zweck ihrer Beglückung
Beglückung der Menschheit durch Aufrechterhaltung der Illusion, des Glaubens
Dazu meine Gegenbewegung: —
Beherrschung der Menschheit zum Zweck ihrer Überwindung.
Überwindung durch Lehren, an denen sie zu Grunde geht, ausgenommen die welche sie aushalten
Grundirrthum bisher: “alle Handlungen des Menschen sind zweckbewußt.”
“der Zweck des Menschen ist die Arterhaltung und nur insofern auch die Erhaltung seiner Person”—jetzige Theorie.
So steht es auch bei sehr individuellen Menschen, wir sorgen für unsere zukünftigen Bedürfnisse!
7 [239]
Urform aller Schutzbewegungen, bei unangenehmer Berührung sich zusammen zu ziehen, alle Theile an sich zu ziehen. Was entspricht dem psychologisch? Die Sammlung: der Schmerz concentrirt uns.
Der Trieb, etwas zu verstecken ist Scham, ein Schutztrieb: auch sich verstecken wollen, wo Colibri z.B. roth werden dabei (ist Wirkung der Angst!)
Der Mensch wird durch seine Instinkte geleitet: die Zwecke sind nur im Dienste der Instinkte gewählt. Instinkte aber sind alte Gewohnheiten des Handelns, Arten, seine vorhandene Kraft auszugeben.
Man soll das Resultat, was ein Instinkt erreicht, nicht “Zweck” nennen!
Seinen Trieben völlig freien Lauf lassen: häufig aber widerstreben sie sich. Das thatsächliche Leben ist ein Ringen der Instinkte, ein Wachsen der Einen, ein Abnehmen der Anderen.
“Verbrauch der aufgespeicherten Nervenkraft.”
“Welche Vorstellung führt zur Aktion? Die, welche den stärksten Trieb erweckt. Welche ist das? Die, welche die größten Annehmlichkeiten verspricht, die angenehmste. Das ist nicht eine Regel, die Ausnahmen zuläßt, sondern ein Gesetz, und hierin beruht die Abhängigkeit des menschlichen Willens” Schneider p. 75
!! Aber der Trieb selber rief erst diese Vorstellung hervor!—sage ich.
Also: die Triebe entscheiden über die Verwendung der aufgehäuften Kraft, nicht darüber, daß überhaupt gehandelt wird. Das wie? ist Sache der Triebe.
Also: wenn der Trieb ins Bewußtsein tritt, so verspricht er Lust. Die versprochene Lust als Ursache der Handlung?— Nicht des Handelns überhaupt, sondern nur der bestimmten Richtung des Handelnden! So auch Stendhal.
Also: wo Vorstellungen zur Aktion führen, da muß der Mensch der Vorstellung folgen, welche am meisten Lust verspricht: der stärkste Trieb entscheidet über die Wahl.
Demnach ist die Moral zu verändern 1) es muß zuerst die Kraftvermehrung ins Auge gefaßt werden 2.) zu zweit die Kraft-Verwendung, das Wie?
Der erste Gesichtspunkt bisher übersehen.
7 [240]
Erste Thatsache: die Gesellschaft tödtet, foltert, beraubt der Freiheit, des Vermögens: übt Gewalt durch Beschränkung der Erziehung; durch Schulen; lügt, trügt, stellt nach (als Polizei)—alles dies kann also nicht an sich als schlecht gelten.— Sie will ihre Erhaltung und Förderung—das ist kein heiliger Zweck: sie kämpft darum gegen andere Gesellschaften.— Also um des Nutzens willen geschieht dies Alles. Aber toll! Gerade diese Handlungen sollen mit besonderer Würde und Ehrerbietung angesehen werden: als “Recht,” Sittlichkeit, Erhaltung und Pflege des Guten. Daß hier Vieler Nutzen über den Weniger gesetzt wird, das hätte nur Sinn bei der Voraussetzung, daß der Einzelne nicht mehr Werth haben könne als die ganze Gesellschaft! Von vornherein ist aber hier die Absicht, solche Einzelne gar nicht entstehen zu machen: das Bild des Menschen ist schon da, welches man als Maaßstab für die Erhaltung des gemeinen Nutzens nimmt. Die Voraussetzung der Gesellschaft muß sein, daß sie den höchsten Typus “Mensch” repräsentire und daraus ihr Recht ableitet, alles ihr Feindliche als das an sich Feindliche zu bekämpfen.— Ohne diesen Glauben an sich ist die Gesellschaft “unmoralisch” in jedem Sinne. Im Glauben aber bestimmt sie erst, was moralisch sein soll,—so hat es Sinn!
7 [241]
(Zweck heiligt das Mittel.)
Es giebt Handlungen, die wir niemals uns erlauben werden, auch nicht als Mittel zum höchsten Zweck z.B. Verrath eines Freundes.
Lieber zu Grunde gehen und einiges Vertrauen haben, daß es günstigere Lagen giebt, unseren höchsten Zweck durchzuführen.— Nun aber was ist denn das für ein höchster Zweck, eine Gemeinde, einen Staat zu erhalten! Die Handlung eines Menschen, der den Staat opfert, um nicht Verräther an seinem Ideal zu sein, kann die höchste Leistung sein, derentwegen die ganze Existenz dieses Staates erst für die Nachwelt in Betracht kommt!
7 [242]
Voraussetzung des bisherigen Staates: “der Mensch soll sich nicht entwickeln, das Maaß ist da!” Die katholische Kirche (die älteste aller Staatsformen in Europa) repräsentirt den alten Staat jetzt am besten!
7 [243]
Zum Handel gehört Patriziat: also ein Gegengewicht.
7 [244]
Beseitigung der parasitischen Menschen ist Sinn der Strafe.
Vögel, welche einem Büffel die Parasiten abwehren, davon leben,—dankbar dadurch, daß sie ihm die Ankunft eines Feindes anzeigen.— Bedeutung der Polizei. Espinas p. 159.
7 [245]
Ohne Unterlaß beschäftigt auf einander zu hören und zu achten und dabei das Gefühl der Sicherheit— p 162.
7 [246]
Zuneigung die Folge eines dringenden Bedürfnisses
7 [247]
Strafen auf den Krieg zurückzuführen in ihrer Art und Wesen oder auf Opferkulte (Menschenopfer)
In einem Fall ist Rückkehr zum Vor-Gemeindezustand, im anderen die Verhöhnung der Götter der Grundgedanke der Strafe. Post I, 201
Eine Strafe, welche Unfreie trifft, wird dadurch entehrend z. B. Prügelst. Die, welche Freie trifft, wird dadurch lange geadelt. Post I, 214.
7 [248]
“— die einzige direkte Werthschätzung, welche man voraussetzt, ist die des sinnlichen Wohlbefindens, und alles Andere glaubt man bloß durch Anknüpfung an diesen direkten Willen indirekt zur Effektivität zu bringen. Befolgung des Rechtes, der Moral, der Religion soll durch Hinweis auf diesseitige oder jenseitige Wohlfahrt hervorgelockt werden” Baumann p. 32.
Allgemeiner Glaube an den Werth des sinnlichen Wohlbefindens: alles Handeln soll ein Weg und Umweg dahin sein.
7 [249]
Die Verbote der Gesetze haben nur Sinn, wenn es überflüssig ist, etwas auf diesem Wege, der verboten ist zu erreichen: also wenn es einen anderen Weg giebt,—d. h. zu allen Verboten gehören ganz bestimmte Versprechungen und Gewährungen.
7 [250]
Das Schwergewicht verschiebt sich im Wort, im Gebrauch, im Respekt —
7 [251]
“das Wohl Aller mit Ausschluß des eigenen.” Hartmann p 605 erbärmliche Hypokrisie!
7 [252]
Daß zwischen einem Schurken und einem Ehrenmanne der Unterschied nicht nur in ein paar verschieden gedrillten Gehirnbewegungen besteht —
7 [253]
Charakter-Stärke. Sehr viel Reize annehmen und sie tief wirken lassen, sehr viel sich bei Seite ziehen zu lassen, fast bis zum Verlieren, sehr viel leiden und—trotzdem seine Gesammtrichtung durchsetzen.
Die gewöhnlichen Charakter-Starken sind kalt, flach und ohne Mitempfindung: sie nehmen auch keinen Menschen in Besitz. Plastische Kraft.
7 [254]
Unsere Willkür ist da am größten, wo unsere Übung und unsere spontane Kraft am größten ist: es ist die schnellste Folgsamkeit und Gewandtheit des Gehorchenden (freier Wille am stärksten empfunden, wo wir am schöpferisch-unbedingtesten sind) Baumann p. 18.
7 [255]
Ein Sentenzen- und Citaten-Buch
ein Anekdoten-Buch.
Ein Thatsachen-Buch.
Scherze.
7 [256]
Egoismus ist kein Princip, sondern die Eine Thatsache.
7 [257]
Vom Zwecke aus gesehen ist bei jeder Handlung so viel verschwendet wie bei der Sonnenhitze, die in das Weltall strahlt.
7 [258]
Das Individuum als Frucht des Gemeinwesens, nicht immer als Mittel.
7 [259]
Jeder Zustand erlaubt eine Betrachtung, als ob er Zweck gewesen sei, oder als Mittel oder als Irrweg beim Experiment.
7 [260]
Befriedigung des Triebes ist nicht im Resultat der Thätigkeit, sondern im Thun zu suchen.
Glück wäre das Gleichgewicht der auslösenden Thätigkeiten aller Triebe.
7 [261]
Experiment als wirklicher Charakter unseres Lebens und jeder Moral: etwas Willkürliches muß daran sein!
7 [262]
Ursprung des Christenthums unter Armen-Vereinen. Baumann p. 22 göttliche Hülfe und gegenseitige Unterstützung.
7 [263]
Die Vorstellung eines freudigen nützlichen Resultats der Handlung wirkt freudig, anregend, das Blut strömt lebhafter. Insofern hat der Zweck einer Thätigkeit noch eine anregende, lusterregende Kraft während des Handelns.
Also: die Thätigkeit des Triebes ist mit Lust verknüpft. Das Ziel der Thätigkeit wird vorgestellt und wirkt ebenfalls Lust, auch Vermehrung der Thätigkeit (das Ziel ist die Thätigkeit eines anderen Triebes). Aber der Trieb selber will nicht ein Resultat seines Thuns. Unser Verstandes-Trieb freilich hat im Setzen des Zwecks seine Lust—das ist seine Thätigkeit; ebenfalls in dem Ausdenken der Mittel—logische Lust in allem Handeln.
In jeder Handlung sind viele Triebe thätig.
Mindestens
1) der im Thun sich befriedigt
2) der im Setzen von Zweck und Mittel sich befriedigt
3) der im Vorwegnehmen des Erfolgs sich befriedigt.
Der Trieb befriedigt sich d.h. er ist thätig, indem er sich der Reize bemächtigt und sie umbildet. Um sich ihrer zu bemächtigen, muß er kämpfen: d. h. einen anderen Trieb zurückhalten, dämpfen. In Wahrheit besteht er immer als Thätiger: aber seine Ernährung bringt größere Kraftmengen mit sich, so daß auch seine Kraftleistung verschieden sein muß. Der Trieb selber ist aber nichts Anderes als ein bestimmtes Thätig sein: eine Personification.
7 [264]
Wirkung von Lohn und Strafe p. 31 Baumann.
7 [265]
Der Reiz ist an sich weder Lust noch Unlust, wohl aber kann er von Lust oder Unlust begleitet sein ein Mittleres das nicht Lust und nicht Unlust wäre kann es nicht geben!—was “nicht Lust” ist ist dann eben nicht Lust!
7 [266]
Wille als das Gestaltende?
7 [267]
Befriedigung: das Wort setzt Unfrieden voraus und erweckt ein Vorurtheil.
7 [268]
| 1. | Unschuld des Werdens: ohne Zweck. |
| 2. | Handlung, Trieb, Lust, freier Wille. der Haushalt unsrer Triebe geht einstweilen weit über unsre Einsicht. die wesentlich fehlerhafte Selbstbeobachtung bei allen Handelnden ist in die Moral übergegangen. |
| 3. | Der Typus der Moral unter Mächtigen. |
| 4. | Der Typus der Moral unter Unfreien. |
| 5. | Das individuum und die Gemeinde. “Individuum als Resultat.” Collektiv-Gewissen. |
| 6. | Strafe, Rache, die Verantwortlichkeit. (Zweck heiligt Mittel) |
| 7. | Die zwei Bewegungen in der Zukunft. Moral als Zeichen-Sprache des Leibes. |
| 8. | Die Aneignung der Geschichte unter der Leitung der Reize und der Triebe—es giebt keine “objektive Historie.” |
| 9. | Böse eine Vorstufe des Guten: das Schöpferische und Schaffende: die neue Werthschätzung und ihre Geschichte. Die organische Funktion des Bösen. (Die Menschheit als Kraftmasse, welche wächst und sich ausgeben muß) |
| 10. | “Das Leben für Andere” und das “Unegoistische” Hartmann, p. 593 |
7 [269]
Viel weniger Absicht in unseren Thaten als wir vorgeben (Eitelkeit in der Annahme von Zwecken!). Emerson, p. 99.
7 [270]
Die Zukunft der Menschlichkeit nicht jener zärtliche Begriff. Dagegen p. 599.
7 [271]
Mit einem “um zu” bringt man die Handlung um ihren Werth.
7 [272]
“Gut” “schlecht” entspricht Zuständen des Urtheilenden.
7 [273]
Das Individuum als Vielheit.
7 [274]
Ausgang: die Leugnung der moralischen Bedeutsamkeit—Geburt der Tragödie.
10, 7[1-274] Frühjahr-Sommer 1883
7 [1]
By way of introduction.
Absolute honesty—hitherto lacking among moralists. Every weakness of character will reveal itself in the investigation.
Then, historical sense.
Courage against one's own inclinations toward valuation.
Old goal: the production of higher human beings, the use of the masses of people as a means to that end.
On the plan.
Every objective obligation is lacking. The agreement of all is a life-hostile principle.
They are commands from individuals: an unconscious slavery
it is a demand of honesty to designate what one does for the sake of utility as such.
Motives of honesty, etc., lie in the drives of the powerful: in the same sphere grows also the emancipation from morality.
Irresponsibility turned positive: we want to enforce our image of man. That one can—is the point! Whoever feels subjugated belongs to the lower order. There must be "slaves."
Up to now, the individual as creative has been overlooked: one saw only criminals etc. one overlooked the chief criminal
Homer Michel Angelo.
Maximum diversity of individuals! Unleashing of struggle!
One wants to arrive at an ethics: and because one does not believe it can be found starting from egoism, one flees to authority, to tradition.
moral taste is a matter without reasons—but it once arose as compulsion, as a result of other drives which forced a particular judgment and valuation.
Where we no longer know how to derive our feelings because of their complication of origin, we set them as something else: thus the aesthetic, ethical, moral, metaphysical drives are to be understood.
We feel a name and believe that something new corresponds to it.
NB. The moral way of thinking follows our way of acting, but does not lead it!
Where there is no drive to obey, a “You shall” has no meaning.
As we are—so we become defiant at a “You shall.” Our morality must be called “I will.”
7 [2]
The egoism of the individual actually reaches as far as it can and has the power to—: it is nonsense to fear the consequences of the egoistic principle. No one is held in check by principles!
7 [3]
To write and not to ask what duration all that is written has now would be very superficial!
7 [4]
The security of our actions is beyond all proportion to the goodness of our reasons for acting this way or that!
7 [5]
from Socrates to virtue without shame (in competition) and as the object of prudence, it does not need shame! A kind of self-debasement of virtue —
7 [6]
Critique of the “Good,” yes, of the Best! Skepticism very justified!
My overall direction does not aim at morality—what was formerly sin-consciousness, I also turn against the intellect, virtue, happiness, the strength of man.
From an essentially extra-moral perspective, I came to consider morality from a distance.
To guess the conditions under which future humans will live—because such guessing and anticipating has the power of a motive: the future as that which we want, acts upon our present.
The immorality of our time in its best (e.g., the lack of piety toward nature)
7 [7]
Speeches to My Friends.
I have always strived to prove to myself the innocence of becoming: and probably I wanted to gain the feeling of complete “irresponsibility”—to make myself independent of praise and blame, of all today and yesteryear: in order to pursue goals that relate to the future of humanity.
The first solution for me was the aesthetic justification of existence. However: “justifying” itself should not be necessary! Morality belongs to the realm of appearance.
The second solution for me was the objective worthlessness of all guilt concepts and the insight into the subjective, necessarily unjust and illogical character of all life.
The third solution for me was the denial of all purposes and the insight into the unknowability of causalities.
redemption through illusion: the principium individuationis with all morality for the individual a redeeming vision.
Morality means to remain within individuation and not be swallowed back into the primordial suffering.
Art as the “truly metaphysical activity of man.”
that “life at the core of things, despite all change in appearances, is indestructibly powerful and joyful” p. 54. as the consolation of tragedy.
Art saves him (from a negation of the will): and through art, life saves itself.
A protest against pessimism: from the standpoint of the Greeks. The “profound and uniquely capable of the most delicate and heaviest suffering” Greek.
Music as by far the most alive art.
The task of music in a disintegrated age that is weary of thought:
p.82 Science must repeatedly be driven to its limits and turn into art—what drives it is the delusion that it can correct existence.
Socrates freed from the fear of death through knowledge and reason.
the purpose of science, to make existence appear comprehensible and thus justified: ultimately, if reason is insufficient, even myth must serve this end—this is the fundamental aim!
If that sum of energy had not been devoted to knowledge but to the practical goals of peoples and individuals, the joy of life would have been so diminished that an ethics of annihilation out of compassion could have arisen (The Indians too weak and passive even in their compassion)
the tragic knowledge needs the art, “which stares into the unilluminable”
Art depicted as dependent on the development of knowledge: it emerges where knowledge consumes itself.
We should not seek pleasure in the phenomena, but behind them.
p. 92 Quintessence.
p. 102. the self-destruction of knowledge and insight into its ultimate limits was what made me enthusiastic about Kant and Schopenhauer. From this dissatisfaction, I believed in art.
I thought that a new era for art had come.
I experienced the result of philosophy as a tragic event: how to endure it!W seemed to me a means to alienate D from Christianity
his weary work Parsifal does not speak against it, nor do the blindly furious admirers with their bruised knees and brains.
Belief in the rebirth of the Greek world p. 117.
“a different being and a higher pleasure, to which the struggling hero prepares not through his victories, but through his downfall” p. 120.
“Only a horizon surrounded by myths completes an entire cultural movement into unity” p. 132.
p. 136 anti-Christian—in this sense,
p. 142 ” ” ” German hope
7 [8]
The entire 18th century had the deepest contempt for Gothic architecture Lecky I 199.
This century had its taste. Milan Cathedral as an object of ridicule.
Our century must have regained many of those feelings from which those churches emerged —
The misjudgment of Homer's.
the assessment of the Laocoön by Winckelmann.
7 [9]
Compassion. First, reproducing another's pain. Then a reaction must follow
either violently knocking oneself out of one's senses, running away (as when seeing a disgusting wound
or positively eliminating and destroying what causes us pain, thus interfering in the sphere of the sufferer, interpreted by him as help, etc.
We are outraged by every suffering if it is senseless, “undeserved” (our habit of blaming and punishing acts here as an injured drive: the image of the sufferer is an attack on the foundations of this drive). We react against this outrage with “help,” etc.
Then:—we shudder, we ourselves feel the danger, uncertainty, suddenness of misfortune “it is incredible!”—our sense of the harmonious and logical is outraged.
where we feel we can help, our sense of power awakens, hence the zeal for duty, the tension, the heroism in rescuing the unfortunate; the pleasure in an opportunity to be brave, etc.
Love, tenderness are not necessary in this!
7 [10]
Hartmann p.776. the sovereignty of the individual coincides with selfish prudential considerations, which set limits to arbitrariness! That characterizes!!
7 [11]
The next as our product
the features given to him, to which our drives react. The whole image a useful product for us: the us beneficial, harmful, etc. Is highlighted—for the purpose of assimilation or flight.
What is therefore “love of neighbor”?
The neighbor in himself unknowable, but only to be inferred from us, and this according to our subtlety and coarseness of observation: our haste in concluding (a matter of fear or longing) etc.
We combat in our enemies the us seemingly harmful: what is obstructive to our growth, our survival, what poisons the air for us: we thus combat our drives of distrust, of tension—i.e., one kind of drive eliminates another.
7 [12]
The Jews corrupted by the Egyptian captivity.
7 [13]
The architecture: bringing the distant close (St. Peter's Church)
other principle: striving as far as possible into the distance.
7 [14]
One hates most the person who leads us back to feelings over which we became victorious with the greatest effort: who betrays us after the victory to our enemies: as it happens to the one who is still led to revenge after having forgiven.
7 [15]
conscience changes according to the environment in which we live; insofar as the feeling of non-conformity in valuation produces in us the drive of fear, skepticism, silence, furtiveness, etc.: these drives gradually discharge immediately with our impulses and transform our conscience into a bad conscience.
7 [16]
Wagner received many benefits from his contemporaries: but he believed that fundamental injustice towards benefactors belonged to the “grand style”: he always lived as an actor and in the delusion of education, as actors tend to have. I myself may have been his greatest benefactor. It is possible that in this case the image will live longer than the one it portrayed: this is because in my image there is still room for a whole number of real Wagners: and above all for much more richly gifted and more purely willing ones.
7 [17]
Whoever lives among Germans must consider themselves lucky to find one who keeps themselves free from that idealistic self-deception and colorblindness which the Germans love and almost revere as a virtue in itself. (The French with their Montaigne La Rochefoucauld Pascal Chamfort Stendhal are a much cleaner nation of the spirit) This was my joy when I got to know Rée: he spoke of morality, as far as he knew of it, and without imagining anything about his moral instincts. Admittedly: he did not know much about it and almost only from hearsay: and in the end, he thought that morality itself was hearsay.
7 [18]
Since Kant, all talk of art, beauty, knowledge, wisdom has been adulterated and sullied by the concept of “without interest.”
To me, what is beautiful (historically considered): what becomes visible in the most revered people of an era, as an expression of the most worthy of reverence.
7 [19]
It was a merit of Helvétius, a matter of bravery, to take up the cause of pleasure (intérêt) (just as Socrates did with utility): quite like Epicurus (in contrast to the pleasure in paradoxes, as with Mandeville): and it was perhaps plaisir to say, as Stendhal wished, that he was already too offensive (for the moral taste from which he himself emerged)
7 [20]
How optics lags behind seeing, so moralistics lag behind morality.
The individual observations are by far the most valuable.
A fundamental moral error theory is usually the origin of great philosophical systems: something is to be proven to which the philosopher's practice agrees (Spinoza, for example) (Schopenhauer an exception—noblesse therein)
7 [21]
My demand: to bring forth beings who stand exalted above the entire species "human": and to sacrifice oneself and "the nearest" to this goal.
The previous morality had its limit within the species: all previous moralities were useful to give the species first unconditional durability: when this is achieved, the goal can be set higher.
The one movement is unconditional: the leveling of humanity, great ant-buildings, etc. (To characterize Dühring as extraordinarily poor and typically-inferior, despite his pathetic words)
The other movement: my movement: is, conversely, the sharpening of all contrasts and chasms, the elimination of equality, the creation of the Over-Powerful.
That produces the last man. My movement produces the Overman.
It is by no means not the goal to conceive the latter as the masters of the former: but rather: two kinds should exist side by side—as separate as possible; one like the Epicurean gods, not concerning themselves with the other.
Principles: there have been no moral actions at all. And every morality is impossible: just as every moral action is.
But history of what has hitherto been regarded as moral action: and the true meaning of the same. And history of the origin of these validities.
They all proceed from the belief that morality itself exists, at least as a conscious standard (as with Kant), that it is known what is good and evil.
The essential unrecognizability.
It becomes necessary to achieve something: but even a knowledge of it is impossible, hence also a foreknowledge!
Most important aspect: to gain the innocence of becoming by excluding the purposes. Necessity, causality—nothing more! And to denounce all of this as mendacity, to speak of “purpose” where there is always a necessary result! History can never prove “the purposes”: for it is clear alone that what peoples and individuals have willed has always been something essentially different from what was achieved—in short, that everything achieved is absolutely incongruent with what was willed (e.g.Chewing as "intention" and "action")
History of "intentions" is something different from history of "facts":—in morality. It is the most common prejudice, which sees in the action nothing more than what aligns with the intended purpose. This focus on purposes is a sign of the low level of intellect—everything essential, the action itself and the result are overlooked!
7 [22]
During my journey through the many finer and coarser moralities, I found certain traits regularly recurring together and linked to one another: so that finally two basic types revealed themselves to me: there is master morality and slave morality. I add that in times of higher culture, attempts at mediation between the two moralities come to light, even more often a jumble of them, yes, sometimes a harsh side-by-side—even within the same person, within a single soul.
First question: where did moral valuations originate? In general, among aristocrats, among a ruling kind that becomes conscious of its difference from a ruled kind.
In general, moral valuation means that a higher kind of human being becomes conscious of itself as higher in relation to a lower kind.
The compulsion to form them existed once in relation to the subjugated, then in relation to virtue. In the first case, the distinctive, rare, noble, and elevating qualities are emphasized; in the other case, the difficulty in attaining and maintaining the noble type, in short, the labor toward virtue.
Second question. What follows in general from the fact that it is the rulers who determine the concept of "good"?
There are indeed a number of traits that recur in the most diverse moralities: the reason lies in the fact that the traits of the powerful are present.
The immoral person is generally the contemptible one (not the "evil").
This goes to the last consequence: even he who, like me, evaluates the moral evaluations themselves among each other, wants to separate himself as a higher human being from those who endure living under traditional evaluations.
It is the elevated, prouder states that are designated as "good":
Contempt for the cowardly, the anxious
Contempt for those who think in narrow utility, the petty
Contempt for the distrustful, who wants oaths
Contempt for the poor, the beggar, the self-abasers, the slave- and dog-like, who allows themselves to be mistreated.
Honor, on the other hand, to the feeling of fullness and overflowing. rich enough to help the unfortunate,
Honor for him who has power over himself, knows how to speak and to be silent, knows how to command and to obey
Honor to wisdom, which knows how to keep the long-term benefit in view and can uphold long resolutions
Honor to him who does not wish to please because he pleases himself: the proud.
| Reverence for the elderly |
| toward tradition |
reverence for women is modern: there is something lacking in respect for age.
“Defense” in revenge.
Capacity for long gratitude and revenge.
Retaliation as the delusion of justice. —
he who remains indifferent to a grave insult is contemptible ......but: “the best man is he who can endure the most insults” Menander.
but not inclined to retaliate! —
complete difference in the judgment of actions against equals and against beings of lower rank.
the Friend
The enemy is not considered contemptible: therefore, evil actions as enemy actions have a different estimation.
Insofar as enmity is necessary, the sense for it must also be preserved, thus in a certain sense cultivated.
(such as lying among the Spartans)
hardness, cruelty, etc.
One must have enemies as drainage ditches for such affects as envy, quarrelsomeness—so as to be able to be a good friend.
the powerful judges: whoever harms me is harmful in itself. He is the highest value-determiner.
(Value of the French: their
tact regarding shame)
Now a second turn is possible: that of shamelessness: the general delight in the beast human, in the fact of illusions
Among the ruled, evil becomes “bad.”
Notion of a great vengeance (Tertullian)
7 [23]
The logical, time, space must have been produced by us: nonsense! If the mind submits to their laws, it is because they are actually true, true in themselves! That we believe in this truth absolutely is the consequence of the fact that the abnormal die out: the error in these truths takes revenge.
What would the equivalent in morality look like if the weaker, the dominated, and the oppressed moralize?
If the violated, the oppressed, the suffering, the unfree, the self-uncertain, the weary moralize: what will be the equivalent of their moral distinctions? Probably a suspicion will be expressed; perhaps a condemnation of man along with his situation.
A resentful eye for the virtues of the more powerful: fine skepticism and mistrust of everything “good” is honored there, and the diminution of the happiness of the powerful and of life.
Emphasis on the qualities by which the suffering make life easier for themselves: praise of compassion, but for different reasons than when the powerful praise it (utility is the reason)
Praise of humility and refinement of this perspective in general submission to the laws of existence: preference for “unfreedom of the will”—man thoroughly dependent.
A kind of revenge lies in the emphasis on the opposite virtues: thus abstinence, arbitrary torment, solitude, spiritual poverty are praised: and apathy is associated with the future.
This entire moral turn is in Europe Jewish.
Suppose such a mindset gradually comes to power and people with it become the rulers: the consequence is an enormous moral hypocrisy (or shamelessness).
(the plebeian in the Greek moralists Socrates)
This happened in the European priesthood. In English utilitarianism, in Kant, Schopenhauer.
(Value of the French: their tact regarding shame)
Now a second turn is possible: that of shamelessness: the general pleasure in the beast human, in the fact of illusions
Among the ruled, evil “bad.”
Idea of a great revenge (Tertullian)
7 [24]
Since Rée proceeds from the principle that only what one does not do for its own sake is good: he has tied the noose around his own neck in the most ridiculous way if he wants to give society the right to make use of the principle “the end justifies the means.” For with all punishment of crimes, society wants its preservation and advancement—there is no doubt about that. Consequently, its purpose is not good, not holy: consequently, its purpose cannot sanctify its evil means.
Whoever clings to "good" and "evil" cannot punish: likewise whoever believes in "deserved" and "undeserved": in the face of all this, one must assert absolute causality.— Only when one, as a higher type of human, takes the power to suppress the lower, to restrain it, in any case to make enmity towards it in every way: do I understand all "punishment." It is suppression—with the word "right," one practices Pharisaism. I would not know where to derive that the stronger, higher may exercise its power against the lower: even less why it may not.
Wherever the higher is not the more powerful, something is lacking in the higher itself: it is only a fragment and shadow for now.
7 [25]
Pain and pleasure are merely accompanying phenomena.
Hunger does not aim to satisfy appetite: rather, the process whose characteristic we call hunger is not a drive or a state of sensation at all: it is a chemical state in which the affinity for other things may be greater.
How meager is our insight into all that is real when we are bound to pleasure and displeasure as the only language of it!
“Drive” is only a translation into the language of feeling from the non-feeling:
“Will”: that is what, in consequence of that process, communicates itself to our feeling—thus already an effect, and not the beginning and the cause.
Our speech is a mishmash of two spheres.
“End and means”—is only taken from the language of feeling.
Thus all functions go their course: but how little we notice of it!—And yet we believe that with “purposes,” with striving for happiness, we explain our actions!
7 [26]
Not “happiness follows virtue”—but rather the more powerful one defines his happy state first as virtue.
Evil actions belong to the powerful and virtuous: the bad, lowly ones to the subjugated.
The most powerful person would have to be the most evil, insofar as he enforces his ideal upon all people against all their ideals and reshapes them in his image—the Creator.
Evil here means: harshly, painfully imposed
7 [27]
People like Napoleon must keep coming back to strengthen the belief in the self-sovereignty of the individual: but he himself had been corrupted by the means he had to employ and had lost the noblesse of character. Among a different kind of people, he could have used different means, and thus it would not have been necessary for a Caesar to become bad.
7 [28]
Helping the common masses to attain power is naturally the only means to ennoble their kind: but only as rulers, not in the struggle for power, could one hope for this. The struggle, rather, unleashes their deepest baseness.
Thus, a temporary rule by the Jews is the only means to ennoble them.
7 [29]
“We act according to purposes” (according to ideas of expected pleasant feelings)—so we say. In truth, something entirely different happens, unconscious and unknowable: the smallest part of what occurs is what we perceive when we use the words “purpose and means”—and even that we first interpret as purpose and means.
We speak as if feelings were causes and could be causes in the realm of the non-feeling.
The images and reflections of a process are understood and interpreted by us as the process itself.
This is our greatest error, to believe that the reality of an event is proven by pleasure and pain, that here things are at their most real.
The feelings as accompanying phenomena can indeed teach us the sequence of events of which they are images: but not the causality of this sequence.
7 [30]
Who benefits others, why should he be better than when he benefits himself? But only if the benefit he shows to others is, in an absolute sense, a higher benefit than the one he shows to himself. If the others are less worthy, then he, when he benefits himself, even at the expense of others, will act rightly.
All talk of "benefit" already presupposes that what is useful to humans is defined: in other words, useful for what! i.e., the purpose of humans is already presupposed. Preservation, making happy, etc., if these are purposes: then under certain circumstances the opposites are the higher purposes, e.g., in a pessimistic view of life and suffering.
So a belief is already presupposed—in the praise of the unselfish: that the ego does not deserve to be preferred to the ego of others? This is contradicted, however, by the higher valuation of the unselfish: for it is precisely assumed that he is a rarer type. Why should the rarer, higher man then lose sight of himself?— He should not, it is a stupidity, but he does it: and the others have the advantage of it and are grateful to him for it: they praise him.— So the egoists praise the unegoistic because he is so stupid as to put their advantage before his own: because he acts as they would not act—but to their benefit.
7 [31]
According to Spinoza: “as far as man applies reason, he considers only that useful which leads to knowledge.”
7 [32]
The autocrat and the slave (the former elevated to godhood, the latter sinking to the same degree)
7 [33]
That in all “sensory impressions” we are not only passive but very active, selecting, connecting, filling in, interpreting—it is about nourishment as with the cell: about assimilation and adaptation of the dissimilar.
7 [34]
the narrow means of knowledge “he is calmed, tamed, renouncing, patient, collected” the closer ones: Veda study, sacrifice, alms, penance, fasting—a means to attain knowledge.
7 [35]
Spinoza took revenge on the Jewish law with his ethics: “the individual can do what it wants ”: similar to Paul.
7 [36]
Kant sought the utmost gesture of moral pride when he rejected all eudaimonism: absolute obedience: the ideal of a subjected and oppressed person who places all value in what the obedient have the best preparation for—and certainly no “pleasure”!
7 [37]
“Illusions are necessary, not only for happiness, but for the preservation and elevation of mankind: in particular, no action is possible without illusion. Even every advance in knowledge is made possible only through illusion: consequently, the source of illusion must be maintained, if we wish to recognize, act well, and grow”—so I once thought.
If there were an absolute morality, it would demand that unconditionally truth be followed: consequently, that I and mankind perish by it.— This is my interest in the destruction of morality. To live and become higher—to satisfy the will to power, every absolute command must be abolished. For the most powerful man, even lying is a permitted means in creation: nature proceeds in exactly the same way.
7 [38]
The morality of prudence developed in oppressed natures: to the point that the crime which remains hidden and has beneficial consequences for the perpetrator is virtuous.
The pursuit of pleasure as the goal of morality is already characteristic of oppressed and suffering natures.
The existing pleasure evaluates things in the powerful: the high feeling becomes intellectual there.
Eudaimonism Hedonism Utilitarianism as signs of unfreedom, likewise all prudence-morality.
Heroism as a sign of freedom. “Indications of a heroic philosophy.”
Heroism then also includes the heartfelt participation in the small, idyllic.
7 [39]
One must not seek morality not among writers on morality (still less morality itself!), the moralists are in the great majority oppressed, suffering, powerless, vengeful—their tendency is a little happiness: the sick, who believe that recovery is everything.
7 [40]
From La Rochefoucauld shines through a very noble mindset of the society of that time: he himself is a disillusioned idealist who, according to the guidance of Christianity, seeks out the ugly names of the driving forces of that time.
7 [41]
The moral complicatedness of the soul through Christianity and chivalry is part of the character of Louis XIV and his time: the Greeks (Homer) appear too simple and naive, even in their souls.
7 [42]
In the freedom of movement, groups of similar people can come together and found communities. Overcoming the nations.
The predators and the jungle prove that malice can be very healthy and splendidly develops the body. If the predatory nature were associated with inner torment, it would have long since withered and degenerated.
The dog (which complains and whines so much) is a degenerate predator, as is the cat. An innumerable number of good-natured, oppressed people prove that goodness is connected with a decline in strength: anxious feelings predominate! and determine the organism.
One must therefore not emphasize the evil, which appears as over-refinement and stimulant, as a consequence of physical degeneration (cruelty-lust etc.) and the moral dullness in moral insanity!
To consider the Good as it appears as a sign of degeneration—as religious madness, for example, as philanthropy, etc.: wherever healthy egoism declines and apathy or asceticism are strived for.
The “Holy” as an ideal of physical degeneration, even the entire Brahman philosophy a sign of decadence.| a) The higher type:b) The lower type:c) The decadent: their “Good” |
| their “Evil.” |
7 [43]
“Nobody wants them for free: so they must sell themselves!”—I said
7 [44]
I regard Greek morality as the highest hitherto; what is proven to me by this is that it has brought its bodily expression to the highest level hitherto. In doing so, however, I mean the actual folk morality,—not that represented by the philosophers: with Socrates begins the decline of morality: they are all one-sidednesses in the various systems, which were once members of a whole—it is the disintegrated older ideal. Added to this is the predominantly plebeian character, they are people without power, those set aside, the oppressed, etc.
In more recent times, the Italian Renaissance has elevated humanity to its highest point: “the Florentine”—for similar reasons. Here too, one sees the individual conditions, alongside the perfect and whole human being, like fragments: for example, “the tyrant” is such a fragment: the art lover.
Perhaps the Provençal was already such a peak in Europe—very rich, multifaceted, yet self-mastered people who were not ashamed of their drives.
7 [45]
Luther betrays in the way he is enemy, his peasant origin and commonness, lack of nobility.
Napoleon corrupts in the struggle for power, like Bismarck. I hope for small “tyrants” for the next century.
7 [46]
Stendhal cites as a backstage proverb: “Telle trouve à se vendre, qui n’eût pas trouvé à se donner.”
7 [47]
“Morality as a Sign Language.”
7 [48]
The beginnings of moral judging (thus of morality, which came late, perhaps millennia later than morality itself) can certainly not be imagined poorly enough: hence I took pleasure in seeing how R undertook to build the entire wonderful Gothic edifice of morality upon a few clever notions, a few errors, a few forgetfulnesses! I myself had other foundations: but the tendency that they must be as bad as possible we shared in common.
7 [49]
How nailed down and unscientific everything still is—see the first page of Lecky!
7 [50]
Fit for war and fit for childbirth: that decides first and foremost.
7 [51]
It is the demand of the nobility that like be repaid with like, even in revenge: the affair of one who still sets limits for himself even in passion—just as in gratitude. But what does the state have to do with this nobility!
7 [52]
The freest action is the one where our own strongest, most finely honed nature bursts forth, and in such a way that our intellect simultaneously shows its directing hand.— Thus, the most voluntary and yet most reasonable action!
7 [53]
the argument against revenge from the unfree will would also be an argument against gratitude: one does not repay kindnesses because the doer was unfree.
7 [54]
Reward and punishment distort the view of the natural consequences of every action.
7 [55]
How can the state take over revenge! First, it is cold and does not act in passion: what the avenger does. Then it is not a person, least of all a noble person: thus it cannot prove its noblesse and self-discipline in moderation (in “an eye for an eye”). Thirdly, it takes away from revenge precisely that which serves to restore the injured honor: the voluntary surrender of life, the danger for the sake of honor. It would thus only offer satisfaction to the ignoble-thinking injured party, but to the nobler one, on the contrary, deprive him of the restoration of his honor.— Finally: it presupposes the shamelessness of the injured party: who must speak publicly of his injury! The “complaint” is indeed a demand that the state makes!But the noble person suffers in silence.— Only the base natures can see in the state the instrument of retribution. Hence the bitter struggle for blood vengeance against the state.— Pasquale Paoli therefore had to present devotion to the whole as the nobler—as a sacrifice!—and demand the renunciation of blood vengeance as a higher self-overcoming: for this reason, he imposed disgrace on the one who takes revenge.
The state grants protection to the weaker, who cannot defend themselves against the wrongdoer: thus, punishments are first and foremost security measures, even insofar as they deter. It does not want people to defend themselves—it fears not revenge, but the sovereign mindset!
Thus: subordination to the justice of the state is a sacrifice, not a utility for nobler men. Therefore, the state itself must have acted as a higher sentiment: in short, older than submission to the state's exercise of justice must be the belief in the holiness (venerability) of the state: older and stronger! With regard to children and slaves, the nobleman long maintains his sovereignty: his sovereignty, then.— Not considerations of prudence, but impulses of heroism have been powerful in the origin of the state: the belief that there is something higher than the sovereignty of the individual. Here, reverence for the lineage and the elders of the lineage takes effect: the younger one brings his sacrifice to them.
The reverence for the dead and the inherited statutes of the ancestors: to them the present brings his sacrifice.— There the homage to a spiritually superior and victorious one works: the delight to encounter his living example: there vows of loyalty arise.— It is not compulsion, and not cleverness, which upholds the older forms of state: but the flowing forth of noble emotions. Compulsion would not even be exercisable, and cleverness is perhaps still too little individually developed.— A common danger perhaps gives the occasion for coming together: and the feeling of the new common power has something exhilarating and is a source of noble resolutions.7 [56]
Once there was the theory of the state as a calculating utility: now we have the practice of it!— The time of kings is over because the peoples are no longer worthy of them: they want not to see the archetype of their ideal in the king, but a means to their benefit.— That is the whole truth!
7 [57]
The human being would like to have something, such as a highest purpose, final goal, absolute duty, ought: the desire for it is the cause of the many moralities. But what is the cause of this desire? Certainly many things, e.g.— each individual drive of the human being, once it has seized the intellect, likely has the desire to be regarded as the final master and purpose-setter of all human things. In moralities, the most diverse drives have set their monuments.
7 [58]
There are moralities that are meant to justify their author before others: others are meant to calm and satisfy him; with others he wants to crucify himself; with others he wants to take revenge on others; with others he wants to hide; with others he wants to glorify himself, whether before himself or others; with others he wants to elevate and advance himself; with others he wants to exercise power and creative force over humanity; with others he wants to obey, with others to rule and humiliate. With others he wants to forget or be forgotten. Enough, moralities are also just a sign language of the affects.
7 [59]
not the intention, but rather the unintentional aspect of it determines the value or disvalue of an action.
7 [60]
Morals as the sign language of the affects: the affects themselves, however, a sign language of the functions of all that is organic.
7 [61]
Quite apart from the value of such assertions: like “there is a categorical imperative!” one can still ask: what does such an assertion say about the person making it.
7 [62]
Only now are people beginning to realize that music is a sign language of the affects: and later one will learn to clearly recognize a musician's drive-system from his music. He truly did not mean that he had thereby betrayed himself. That is the innocence of these self-confessions, in contrast to all written works.
But there is also this innocence among the great philosophers: they are not aware that they are talking about themselves—they believe it is “about the truth”—but in reality, it is about them. Or rather: the most powerful drive within them brings itself to light, with the greatest shamelessness and innocence of a fundamental drive—it wants to be master and, if possible, the purpose of all things, of all events! The philosopher is merely a kind of opportunity and means for the drive to come to speech once.
There are far more languages than one thinks: and man betrays himself far more often than he wishes. What does he not talk about!—but there are still few listeners, so that man chats his confessions, as it were, into empty space: he is a squanderer with his “truths,” as the sun is with its light.—Is it not a pity that empty space has no ears?
There are views where man feels: “this is alone true and correct and truly human; whoever thinks differently errs”—this is called religious and moral views. It is clear that here the sovereign drive speaks, which is stronger than man. Each time, the drive believes it has the truth and the highest concept “Man.”
There are certainly many M, in which a drive has not become sovereign: in those, there are no convictions.This is therefore the first characteristic: Every closed system of a philosopher proves that in it one drive is regent, that a fixed hierarchy exists. This is then called: “Truth.”— The feeling is thereby: with this truth I am at the height of “human”: the other is of lower kind than I, at least as a knower.
Among crude and naive people, the conviction also prevails regarding their customs, even their tastes: it is the best possible. Among cultured peoples, there is tolerance in this regard: but all the stricter one clings to one’s highest standard for good and evil: in this one does not want to have only the finest taste, but the only legitimate one.
This is the generally prevailing form of barbarism, that one still does not know, morality is a matter of taste.
In this area, the most lying and cheating takes place: the moralistic literature and the religious is the most deceitful. The ruling drive, whatever it may be, employs cunning and lies against the other drives to maintain its dominance.
Alongside the religious wars, the moral war continues incessantly: i.e., one drive wants to subjugate humanity; and the more religions die out, the bloodier and more visible this struggle will become. We are at the beginning!
7 [63]
The apperception is first only activity (“voluntary” movements!)
7 [64]
My theory: in every action of a human being, the entire development of psychic life is experienced
even sensory perceptions are actions: for something to be perceived, an active force must already function, which accepts the stimulus, allows it to act, and as such a stimulus adapts and modifies itself.
It is a fact that something absolutely new is constantly being produced.
“Cause and effect” is merely the popular generalization of “means and end,” i.e., an even more popular logical function to which nothing in reality corresponds. There are no final phenomena except for a being that has already created beginning and end.Something new also always arises in intellectual development. Sensation and perception are absolutely not derivable from one another. Thought and feeling!
7 [65]
The "arbitrary" movement of the lowest organisms is
7 [66]
First: how does one make man sovereign over himself? Second: how
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It is by no means the most desirable thing to be able to digest everything that the past has produced: thus I wish that Dante would go thoroughly against our taste and stomach.
7 [68]
Hamlet to regard as a peak of the human spirit—that is what I call modestly judging spirit and peaks. Above all, it is a failed work: its author would probably admit it to me with a laugh if I told him to his face.
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Why has a law of reward not developed alongside criminal law? Why did the state not also take over the gratitude of individuals toward others?
“Law,” according to Ihering, the securing of the life conditions of society in the form of coercion.
Not in itself is an action evil, but insofar as etc.
e.g., the outlaw can be killed with impunity
the torturing and tormenting by the state, the stealing among Egyptians
Collective conscience and -responsibility.
Not the guilt is punished.
Crime as mishap.
Bad (contemptible) and evil to distinguish.
Morality among the powerful and the subjugated.
Enormous complexity of the emergence of present moral value determination: but unity as feeling.
Who does not want to punish because of freedom of the will, may also not praise, thank, be angry: the fundamental belief of all affects in intercourse is
7 [69]
Why has a wage law not developed alongside criminal law? Why did the state not also take over the gratitude of individuals towards others?
“Law,” according to Ihering, the safeguarding of the life conditions of society in the form of coercion.
Not in itself is an action evil, but insofar as etc.
e.g., the outlaw may be killed with impunity
the torturing and tormenting by the state, the stealing among Egyptians
Collective conscience and -responsibility.
Not guilt is punished.
Crime as mishap.
Distinguishing between bad (contemptible) and evil.
Morality among the powerful and the subjugated.
Enormous complication of the emergence of present moral valuation: but unity as feeling.
Whoever does not wish to punish due to freedom of the will may also not praise, thank, or be angry: the fundamental belief of all affects in intercourse is
7 [70]
Feeling of revenge is awareness of being harmed, firstly actually, secondly in his belief in his power (reason, terribleness, etc.). Both demand a counteraction, thus: 1) defense, 2) compensation, and 3) restoration of the sense of power: quite apart from the belief in the guilt of the perpetrator. The feeling of revenge has nothing to do with the belief in free will.
7 [71]
Organic—moral.
Freedom of the will.
Evil as the precursor to goodness.
7 [72]
“What is good for me is in itself good” is only the judgment of the powerful, who is accustomed to assigning value.
7 [73]
That morality is practiced at all has perhaps never been considered a problem. Is it necessary that humans will always moralize? Or could morality not die out, as astrological and alchemical thinking have died out or are dying out? Necessary for what? For life? But plants and animals prove that one can live without moral judgment. Or for living happily? The aforementioned animals prove that one can certainly live more happily than humans—even without morality. Thus, morality can be neither necessary for life in general nor for becoming happier—without even going so far as to hold morality responsible for the fact that humans suffer more than animals:—the greater suffering could have other causes, and morality might perhaps be a means to prevent the very-much-more-suffering.
But what is certain is that if becoming happier and free from suffering were the goal we ought to set for ourselves: the slow animalization would be rational: which would in any case also include abandoning moral judgments. If man therefore does not only want to live and not live more happily: what does he want then? Now morality says: one should act thus and so—why “should”? So morality must know it: this why, this goal, which is neither life in general nor becoming happier.— But it does not know it! it contradicts itself! It commands, but it cannot justify itself.— The commanding is the essential thing about it!So why morality? Away with all “thou shalt”!
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The feeling of “badness” is quite different at that level where guilt is not actually tied to intention: Oedipus (more defilement and misfortune)
Actually, in noble morality, there is no “bad”: “evil,” however, still has something awe-inspiring or compassion-evoking.
7 [75]
Actions, e.g., stealing, are accompanied by entirely different emotional and judgmental groups when they are considered permissible.
One can prove through comparison of peoples that this is felt as good here and as bad there: but the opposition itself of “good” and “bad” exists everywhere: only that the actions are categorized differently.— Yet there are also differences in the overall judgment of good and bad!
7 [76]
Animals follow their instincts and affects: we are animals. Do we do something different? Perhaps it is only an appearance when we follow morality? In truth, we follow our instincts, and morality is only a sign language of our instincts? What is “duty,” “right,” the “good,” the “law”—what instinctual life corresponds to these abstract signs?
When morality says: “you shall become better”—why “better”?— It cannot be proven from life nor from happier living. Consequently, the unprovable imperative, the command without purpose—that would be morality?
But “better”—is not even to think without purpose.
7 [77]
What is being acted upon? That is my question. The what for? where to? is something secondary. Either out of pleasure (overflowing sense of power, which must discharge itself) or out of displeasure (inhibition of the sense of power, which must free itself or compensate) The question: how should one act? is posed: as if something were to be achieved only through action: but the immediate is the action itself as the success, the achieved, apart from the consequences of the action.
Thus, man does not act for the sake of happiness or for the sake of utility or to ward off displeasure: rather, a certain quantity of power expends itself, seizes something upon which it can discharge itself. That which one calls “goal,” “purpose” is in truth the means for this involuntary explosive process.
And the same amount of power can discharge in a thousand ways: this is “freedom of the will”—the feeling that, in relation to the necessary explosion, a hundred actions serve equally well. The feeling of a certain arbitrariness of action regarding this relief of tension.
My solution: the degree of power fertilizes the mind; it presents many goals, selects one whose consequences are relaxing for the feeling: thus there is a double discharge: first in the anticipation of a relaxing goal, then in the action itself.
“if I did that, I would despise myself, I would be unhappy.” This would therefore be: not doing an action because of its consequences for my feeling.
Helvétius means, we essentially ask, when the possibility of an action arises, “what will the consequences of this action be for my sensation?”
Stendhal sur l’amour v. p. 252.
But the first fact is, that this possibility occurs to him: the noble person sees something of which a common soul has no idea.
An overflowing charged power feeling is there: the imagined goal of the action gives a pre-emptive release and thus further excites the discharge; the subsequent action gives the actual release.
So it is! The imagined goal heightens the desire for discharge to the utmost.
Also: happiness, “le plaisir” as the goal of action is only a means of increasing tension: it must not be confused with the happiness, that lies in the action itself. Final happiness is very specific; the happiness in the action would be denoted by a hundred such specific images of happiness.
Also: the “thus” is an illusion: “I do this, in order to reap happiness from it.” That is not how it stands.
The acting person forgets the actual driving force and sees only the “motive.”“Happiness in the achieved goal” is itself a creation of the tension of power: a metaphorical anticipation and self-enhancement. Eudaimonism is thus a consequence of inaccurate observation. One does not act for the sake of pleasure: but that is the illusion of the acting person.
7 [78]
Dühring Cursus p. 147, “the mechanical state of the body is a partial state of cosmic mechanics”
7 [79]
“I must not punish—for he cannot help it”—this “I must not” means: I would act unreasonably, as if I wanted to punish a tree that has killed someone.
7 [80]
The fearful, with strong imagination, who would be ready to submit themselves and are very easily reconciled—drive, out of fear and out of the imagination of fear, the thought of their endangerment ever further and therefore easily take an excessive, destructive revenge—the revenge for a suffering that is for the most part only feared.
7 [81]
The organic being has 1) the power to chemically appropriate 2) certain explosions which regulate these chemical processes. If by chance both of these come together, such that the temporal occurrence and force of these explosions act as a regulator of the appropriating and excreting processes, then an organic being arises. This is therefore the consequence of those older types of beings: those that regularly explode and those that are growth processes.
7 [82]
The plaintiff does not want to admit to himself how useful the pain was to him. This reveals his desire for revenge: he wants to hurt with words and unleash his power on what wounded him.
7 [83]
How much more we live in well-being is revealed by the fact that pain is felt so much more strongly than individual pleasure.
7 [84]
Truth and courage only among the free. (Truth a kind of courage)
The wrongdoer as an unfortunate: form of humanity.
Servitude makes one bad.
most injuries are not reacted to, but rather submitted to. (Missing in Dühring!)
7 [85]
noble—good
Properties of persons—later transferred to actions.
| 7 [86] |
| 1) | Struggle of parts for space for nourishment whether with or without stimulus |
| 2) | direct struggle with destruction or assimilation of the weaker. |
| 3) | the stronger ones produce more offspring than the weaker ones |
the advantage is always with those who, with lighter affinity, regenerate more easily and consume less
better ability, to nourish themselves and lower consumption for their own needs—to turn morally!—favorable preconditions for growth and thus for sole dominion.
In times of food scarcity, those who consume the most food will be the first to die and starve.
Advantage for those who, when exposed to stimuli, consume themselves the least rapidly, and where instead the assimilation of food and regeneration are strengthened by it, even strengthened by the stimulus to the point of overcompensation.
Morally: the value of pain, of injury
Resistance to pressure gives precedence
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| 1) | Struggle of parts for space for nourishment whether with or without stimulus |
| 2) | direct struggle with destruction or assimilation of the weaker. |
| 3) | the stronger produce more offspring than the weaker |
the advantage is always with those who, with lighter affinity, regenerate more easily and consume less
better ability, to nourish themselves and lower consumption for their own needs—to turn morally!—favorable preconditions for growth and thus for sole dominion.
In times of food shortage, those who consume the most food will be the first to become extinct and starve.
Advantage with those who, when exposed to stimuli, consume themselves the least rapidly, and rather where the assimilation of food and regeneration are thereby strengthened, even reinforced by the stimulus up to overcompensation.
Morally: the value of pain, of injury
Resistance to pressure gives precedence
7 [87]
Courage, shame, anger have nothing to do with concepts in themselves
physiological facts, whose name and psychological concept are only symbols
What does language say about the names of the affects?
ira
What does it mean to change a person through morality? i.e., physiologically through frequent fear or intense excitement, exhaustion
To study the effects of diseases on the affects.
7 [88]
my task: to position the good drives in such a way that they become hungry and must assert themselves.
7 [89]
about the existence of highly perfect adaptation mechanisms Roux p. 43 transition of animals from water
7 [90]
Only in man does the family-typical become fully visible; least of all in easily excitable, impressionable youths. There must first be silence and the number of external influences must have diminished: or, on the other hand, excitability must have significantly decreased.— Thus, aging peoples are eloquent about their typical and reveal it more clearly than in their youthful bloom.
7 [91]
The struggle leads to the survival of the fittest.
7 [92]
Competition among citizens, always allowing the most capable to gain a decisive influence: thus the state endures.
Relative independence of the parts themselves in the highest organisms Roux p 65.
7 [93]
On the actual existing inequality Roux. 69.
7 [94]
As cell stands next to cell physiologically, so drive stands next to drive. The most general image of our being is a society of drives, with continual rivalry and individual alliances among one another. The intellect object of competition.
7 [95]
If a quality of the cell is chemically constituted such that assimilation exceeds decomposition, i.e., overcompensation of what has been consumed, growth occurs: this important property establishes dominance over the other Q.
We know of no organism, no cell, which does not possess this power at some stage of its life: without it, life could not spread.
The struggle for food and space takes place within the cell as soon as there is an inequality in its components.
Processes that are enhanced in their viability by the supply of stimuli, particularly in assimilation: where the stimulus thus has a trophic, nutrition-enhancing effect—a fundamental condition in plants, whose nutrition depends entirely on sunlight and warmth (even electric light brings rapid development and fructification.
Thus, the influence of stimuli on faster assimilation—in morality: increase of power where an abundance of finest injuries occur and thereby the need for appropriation is heightened. (Rather with foreign, exotic ideas—Greeks.)
The more easily excitable substance absorbs more stimulus.
7 [96]
Law—the will to perpetuate a particular power relation. Satisfaction with it is the prerequisite. Everything that is venerable is drawn upon to make the law appear as the eternal.
7 [97]
Practical consequence. Alteration of characters. Breeding instead of moralizing.
to work with direct influence on the organism instead of the indirect influence of ethical discipline. A different corporeality then creates for itself a different soul and custom. So reverse!
the plebeian mistrust of the affects in Socrates: they are ugly, wild—so to suppress—therefore Epicurus has the nobility ahead of the Stoics. These, however, are more popularly understandable.
Similarly, the Christian saint is a plebeian ideal.
| 7 [98] |
Processes arise where the stimulus becomes necessary, becomes a life stimulus: otherwise, decline and decay occur.
These are the highest processes.
All this happens without the struggle of individuals.
The selection in the struggle of individuals will select those traits for permanent preservation that prove useful for the entire individual.
Thus: many kinds of morality must emerge—the struggle of their bearers and the victory bring the kind of morality to permanent preservation that is useful and indispensable for the life of the most powerful.
Countless approaches to moral valuations must have been made, depending on the development of individual strong basic feelings.
Absolute demand that the best morality must be connected with the most powerful individuals: who are these?
All states and communities are something lower than the individual, but necessary forms of his higher development.
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Processes arise where the stimulus becomes necessary, becomes a life stimulus: otherwise, decline and decay set in.
These are the highest processes.
All this happens without the struggle of individuals.
The selection in the struggle of individuals will choose those traits for permanent preservation that prove useful for the entire individual.
Thus: many kinds of morality must arise—the struggle of their bearers and the victory brings the kind of morality to permanent preservation that is useful and indispensable for the life of the most powerful.
Countless approaches to moral valuations must have been made, depending on the development of individual strong basic feelings.
Absolute demand that the best morality must be connected with the most powerful individuals: who are these?
All states and communities are something lower than the individual, but necessary forms of his higher development.
7 [99]
The “higher reason” in the complaint is that man always deepens a pain: that he does not let it pass too quickly—thus he draws upon higher forces, the plastic sculptor of himself!
7 [100]
To know subtly what hurts us and how easily another can hurt us, and as it were to predetermine their thoughts so that they do not tread on any paths painful to us: this is the main thing for many amiable people: they create joy and let the other radiate joy—because they greatly fear pain. It is called "delicacy."— Whoever has a different, harder nature has no compulsion to put themselves in the other's place in this way and more often causes pain; they do not assume this easy susceptibility to pain.
7 [101]
The aristocratic principle, enhancing itself, always invents a higher type among the higher. The powerful becomes ever more the self-powered, radiating strength: one sees that nobility has many degrees—and is something growing in the individual human being.
7 [102]
The power in the imagination of those who had to fear it.
7 [103]
The pleasure in one's own kind, as one's own multiplications, is only possible when one has pleasure in oneself. The more this is the case, the more the foreign goes against our taste: the hatred and disgust for the foreign is as great as the pleasure in oneself.
From this hatred and disgust it follows that one annihilates and remains cold towards everything foreign.
If one has displeasure with oneself, this can be used as a bridge to a general human compassion and rapprochement utilized 1) one longs for the other, that we forget ourselves over him: sociability among many 2) one suspects that the other also has displeasure with himself: and if one perceives it, he no longer arouses envy “we are equal” 3) as we endure ourselves, despite the displeasure with us, so we grow accustomed to also enduring “our equals.” We no longer despise; hatred and disgust diminish: rapprochement. Thus, through the doctrine of universal sinfulness and reprehensibility, man has drawn closer to himself. Even the factually powerful are viewed with a different imagination: “they are poor wretched people at heart.”
7 [104]
People who are walking legislations
7 [105]
as taste, the judgment "good" arises in us: as tyrannical and certain as a taste for sour pickles or as I cannot endure it near a spitting person.
7 [106]
don't lose the affect of distance!
7 [107]
Conquering—is the natural consequence of excessive power: it is the same as creating and begetting, i.e., the incorporation of one's own image into foreign material. Therefore, the higher man must create, i.e., impose his superiority upon others, whether as a teacher, or also as an artist. For the artist wants to communicate himself, and indeed his taste: an artist for himself is a contradiction. The same applies to philosophers: they want to make their taste dominant in the world—therefore they teach and write.Wherever there is excess power, it wants to conquer: this drive is often called love, love for that upon which the conquering instinct wishes to vent itself.— The Vain want to please, they want to be to the taste of others: this reveals a lack of creative power—he is “empty.” The untruthful, the hypocrite, fears the taste of others, even the clever, cautious one: a lack of excess power is the prerequisite here. While the unhesitating, arrogant, defiant, carefree, sincere, hasty, reckless are easily among the multitude of power that makes the tension too great and drives actions out quickly—against utility. From this it also explains why prudence-consideration is not in good repute among the powerful: it is easily a sign of lack of power to be clever.On the other hand, the unwise action may under certain circumstances be noble: and hence perhaps also the praise of the selfless: the selfless, i.e., the one who does not act wisely and cautiously, but like one who is overflowing—what does he care where to? The calculating person is despised: but the one who calculates for the whole community is all the more admired. For it is assumed that one is not unnecessarily "wise": thinking is considered difficult.
Thus arises the praise of wisdom: as the praise of one who thinks, calculates, and weighs much and easily, not out of cleverness for the sake of utility, but out of love for the community, for the perpetuation of its thoughts and institutions. It is something rare!
7 [108]
The fear of power as productive violence. Here is the realm of religion. On the other hand, it appears as the highest striving of man to become one with the most powerful that exists, one. This is the origin, for example, of Brahmanism: generated within the caste of the rulers, as a fantastic development of the need for power, probably because its discharge is lacking in wars.
The merging with the deity can be a greed for the highest pleasure (feminine-hysterical in some saints) or a greed for the highest undisturbedness and silence and spirituality (Spinoza) or a greed for power, etc. Or even the consequence of the most helpless fearfulness: it is the only salvation and escape to flee into God. The most refined is probably the "overcoming of grace" among the mystics.
7 [109]
The conscious intention is considered in a harmful action, not in itself as "evil," but insofar as it makes the dangerousness of the stranger, the enemy appear much greater. "He intends me harm," or "he intends harm."
As long as the enemy is perceived, the characteristic of the contemptible and despicable is still lacking in the evil action. Only when the wrongdoer simultaneously proves himself to be harmful and pitiful does an action become morally reprehensible. Morality thus begins with contempt.
7 [110]
He who lies much and with consciousness, and lives in situations where it is dangerous and difficult to lie, is for that very reason also extraordinarily refined for the truth: while idealists and everyday good people continually live in a fog about themselves and their will and in essence never can tell the truth:—their “taste” is not fine enough for it.
7 [111]
Whoever as a poet wants to pay with hard cash must pay with his experiences: for this reason, however, the poet forbids his closest friends to be interpreters—they guess by guessing backwards. But they should admire where-to one arrives on the path of his sufferings—they should learn to look forward and upward, not backward, downward. —
7 [112]
Assuming that punishments should cause pain proportionally to the magnitude of the crime, they would also have to be proportionally measured according to each criminal's sensitivity to pain, i.e., there could not be any prior determination of punishment for an offense at all!
7 [113]
“The Good” arises only from the feeling of a contrast: this is the simultaneously harmful yet contemptible. The effort of legislators is to impart this character to many actions, so that they appear contemptible, associated with shame: that in one feeling an action and the shame attached to it appears.— Among us, in general, all criminality is felt this way. It is different where the criminal is admired or, through great heroism and contempt for danger, gains a surplus in his favor. The heretic, for example, and all sectarians often earn respect, against the contempt that initially meets them. One sees: one is dealing with a power.
7 [114]
The common good is older than selfishness, at least for a long time stronger. The difference in attitude was in fact not great: and so in valuing actions, one did not consider attitudes at all, but rather consequences. The species believed in itself and its attitude as in a natural fact: one assumed without further ado in every neighbor—one did not think further about actions, “they all understood themselves.”
7 [115]
People act quite differently from how they speak: even moralists do it that way. Why moralize? Be honest! The main thing is that we must. All “why’s” are mere wordplay and fabrications.
7 [116]
“vicarious virtue”
7 [117]
The nature wants nothing, but it always achieves something: we want something and always achieve something else. Our “intentions” are only “accidents.” —
7 [118]
If people do everything for their happiness and yet actually spend little thought on what brings them happiness: it follows that reflection is a great displeasure to them.
7 [119]
Great people like Caesar Napoleon are living species! Everything else ruling is imitated.
7 [120]
39) Our actions reshape us: in every action, certain forces are exercised, others not exercised, thus temporarily neglected: an affect always affirms itself at the expense of other affects, from which it takes strength. The actions we do most eventually become like a fixed shell around us: they claim the strength without further ado, making it difficult for other intentions to prevail.— Likewise, regular omission reshapes a person: in the end, one can tell from everyone whether they have overcome themselves a few times every day or always let things slide.— This is the first consequence of every action, it continues to build us—naturally also physically.
40) Every action also involves an opinion we have about ourselves in relation to these actions.
Our opinion of ourselves is likewise a consequence of every action—it builds upon the overall estimation we have of ourselves, whether weak, strong, etc., praiseworthy, blameworthy, whether we have reason to fear the judgment of others, whether we can show ourselves in any light. Perhaps one grows accustomed to deceiving oneself: the consequence of this, the intentionally faulty assessment and the distortion of the eye, the false seeing, must naturally eventually show itself again in actions. The falseness toward ourselves, the lack of trust in ourselves, the fear of ourselves, the contempt for ourselves—all the affects of powerless natures continually alter the body as well. The consciousness of the lack of self-mastery, the unnoble expression enters into it—and even if one lived alone on an island.7 [121]
38) Quite apart from all fellow human beings, there is a continual change in the value of the human being, a becoming better or worse:
| 1) | because every action builds upon his affective system |
| 2) | because the taxation associated with every action builds upon him and again becomes the cause of later actions. |
The common, ignoble grows—or diminishes, etc.
The commonness corresponds to a complete bodily substrate, and truly not only in facial features!
7 [122]
NB. Absurdity of all life and condemnation
7 [123]
The pride of the weak is so delicate because they fear that one believes not in their energy and strength.
7 [124]
How short a time ago it was that Kant seriously proposed that one should only perform actions etc.!
7 [125]
I have become accustomed, for my own part, to seeing in all moral judgments a clumsy kind of sign language by means of which certain physiological facts of the body would like to communicate themselves: to those who have ears for it. But who has had ears for it so far!
That in fact the ears for it have been lacking so far, or false ears and false interpretations, and that consciousness has striven in vain for millennia and interpreted itself—this is proof of it.
And so I believe that there is a future for the understanding of morality, and that better understanding may give rise to hopes for the improvement of the human body.
7 [126]
37) Whoever has formed even a rough idea for themselves—how many systems work simultaneously, how much is done for and against each other, how much finesse there is in the balancing, etc.: they will judge that all consciousness, by comparison, is something poor and narrow; that no mind is even remotely sufficient for what the mind would have to accomplish here, and perhaps also that the wisest moral teacher and lawgiver would feel clumsy and amateurish amid this bustle of war between duties and rights. How little becomes conscious to us! How greatly this little leads to error and confusion! Consciousness is merely a tool: and considering how much and how great things are accomplished without consciousness, it is neither the most necessary nor the most admirable.
On the contrary: perhaps there is no organ so poorly developed, none so frequently faulty, working defectively: it is simply the last-evolved organ, and thus still a child—let us forgive it its childishness! Among other things, this includes morality, as the sum of all previous value judgments about human actions and dispositions.Thus, we must reverse the hierarchy: everything conscious is only the second-most important: that it is closer and more intimate to us would be no reason, at least no moral reason, to assess it differently. That we take the nearest for the most important is precisely the old prejudice.— So relearn! in the main evaluation! The intellectual is to be held as the sign language of the body!
7 [127]
Morality an attempt of the affects to become conscious of each other.
7 [128]
34) The estimation of authority increases in proportion to the decrease of creative forces
7 [129]
35) The False Contrasts. All stages are still present alongside one another (or many)—but the higher one does not want to acknowledge the lower stage as a path and means—it should be its opposite! This is the affect of distance! Whoever does not possess or display it causes the greatest confusions, e.g., Epicurus.
7 [130]
36) Dasselbe e.g. self-control in a person evokes in one the thought “you must be on your guard against him, he thinks coldly of utility and ulterior motives”—and another thinks “you can let yourself go with him and show yourself as you are—he will not be excessive” Ambiguity of all qualities, depending on considerations of prudence or aesthetic sovereignty.
7 [131]
The Future of Moral Science
By taking leave of moral problems for some time, I wish, for the sake of the danger that I myself may not find more time to return to this field, to give some hints to those etc.
7 [132]
whether the higher species could not be achieved better and faster than through the terrible game of world wars and revolutions? —
| whether not with | nutrition breeding elimination of certain experimental groups |
7 [133]
Our body is something much higher, finer, more complicated, more perfect, more moral than all human connections and communities known to us: the smallness of its tools and servants is no cheap argument against it! As for beauty, its achievement is the highest: and our works of art are shadows on the wall compared to this not only apparent but living beauty!
7 [134]
The Expansion in the State of Pleasure (in Mainländer, p. 64). It wants “to show its state and reveal itself to Others—if it were possible, to the whole world” Embracing, Hopping, Dancing, Jumping, Laughing, Screaming, Cheering, Singing, Speaking—I see an excess of energy that wants to be spent
In displeasure, approximately like this: “the sparkle in the eyes fades, the expressions turn pale, the limbs become motionless or contract. The forehead wrinkles, the eyes close, the mouth falls silent, the hands clench, the person crouches, collapses inward.”
The temperature changes: the extremities grow cold: in pleasure and in anger, hotter.
7 [135]
Cardinal questions: can temperaments be changed?
33) The qualities of will are "comparable to grooves into which the will flows at the slightest provocation: they have widened into channels" "But even the infant shows, beneath mere grooves, great depths: character (its form of temperaments)"
7 [136]
Qualities of Will.
| Envy | Benevolence |
| Greed | Generosity |
| Cruelty | Mercy |
| Miserliness | Prodigality |
| Falsehood | Loyalty |
| Arrogance | Humility |
| Defiance | Despondency |
| Dominance | Mildness |
| Immodesty | Modesty |
| Meanness | Nobility |
| Rigidity | Flexibility |
| Cowardice | Boldness |
| Injustice | Justice |
| Obstinacy | Openness |
| Treachery | Honesty |
| Impudence | Modesty |
| Lustfulness | Temperance |
| Baseness | Ambition |
| Vanity | Holiness |
| “Moods” |
| States of the will |
| “felt movements” |
| Sense of life (equanimity)—its modifications |
| Joy Courage Hope Love Hatred Despair Fear Sorrow. |
Double movements
Anger, rage (the will first flows back, concentrates itself (hatred), and then suddenly flows toward the periphery to destroy)
7 [137]
30) The starting point of praise and blame: the weak person praises and blames because praise and blame are given in such and such a way: the strong person sets themselves as the standard. Similarly, it speaks to the moralists and their own sense of power—whether they feel like legislators or as teachers of given laws.
In the utilitarian struggle, both parties are in agreement—?
Bentham feels like a legislator, Rée as one who is ruled.
7 [138]
“The condition of our muscles determines, to a large extent, our general sense of health and strength, fatigue, illness, and weakness—with all movements of our body, we know with astonishing precision (as in the act of seeing) the degree of contraction to which we force our muscles. We also know the different positions of the muscles, even when they are at rest: the fatigued and especially the paralyzed limb we feel as heavy.”
7 [139]
Cold objects appear to weigh more than warm ones of the same weight (according to Weber)
If two sensations occur in sufficiently short succession at the same location, they are merged with each other: likewise when sensations arise at locations on the skin that are too close together.
7 [140]
Love: the strongest outflow, the will wants to break through its sphere, to become the whole world.
Love based on the quality of will to dominate
| based on the heart based on the quality of ambition (as pleasure in spiritual superiority) based on loyalty (as friendship) |
7 [141]
The faulty simplifications: e.g., seeing something as a means while overlooking 100.
7 [142]
NB. a moral feeling is something very complicated. This is why it has such a different effect to say “good” than “useful,” because 50 ingredients are still mixed in.
7 [143]
The Unconditional is only logically derived from the conditional, like the Nothing from being.— As “unconditioning” —
7 [144]
27) All the reverence that we have hitherto placed in nature we must also learn to feel when contemplating the body: it is pitiful to let oneself be so tyrannized by “great” and “small”! What the forest, the mountains would have to say to us—and the distant celestial bodies “that call us into solitude” (Emerson)—“these raptures are wholesome, they make us sober.”
7 [145]
28) The purpose of our gardens and palaces (and thus also the purpose of all desire for wealth) is, to remove disorder and commonness from sight and to build a home for the nobility of the soul.
Most people, of course, believe they will become higher beings, when those beautiful, tranquil objects have influenced them: hence the pursuit of Italy and travel, etc.
all reading and theater-going. They want to be shaped—that is the meaning of their cultural work!
But the strong and powerful want to shape and have nothing foreign around them anymore!
29) Thus, people also go into great nature, not to find themselves, but to lose and forget themselves in it. The “being-outside-oneself” as the wish of all the weak and those dissatisfied with themselves.
7 [146]
Advantage of the cold natures: they follow their interest as a colder matter.
7 [147]
To assume nothing for which we have nothing to give in return, and the shame and pleasure in all the good we experience—is noble. “To let oneself be loved” is common.
7 [148]
The mother's compassion for the child is almost the same as for ourselves: thus the artist feels for his work and its fate. There is nothing noble about it: there is also compassion for ourselves—it is something completely different from suffering itself!
7 [149]
With “purposes and means” one speaks a language of signs: one designates, however, only the incidental aspects of the action with it (its relation to the accompanying phenomena of pleasure and pain)
7 [150]
24) The contempt for the body is the result of dissatisfaction with it: and the overestimation of the spirit and moral laws is the condition of those who would like to become something higher and believe that by walking among “eternal values” they grow greater. All this longing for the imperishable is the result of dissatisfaction—here is the will to culture, as a desire of the “dissatisfied with themselves.”
7 [151]
25) Beauty of the body—this has been grasped too superficially by artists: this surface beauty must be followed by a beauty in the entire mechanism of the organism—insofar as the highest creators are stimulated to create beautiful people: that is the meaning of art—it makes one dissatisfied, those who feel ashamed before it, and creative, those who have enough strength. The consequence of a drama is: “so I also want to be, like this hero”—stimulation of the creative power turned upon ourselves!
Epicurus relates to Stoicism as beauty relates to sublimity: but one must be at least a Stoic to be able to perceive this beauty at all! To be able to be envious of it!
7 [152]
26) Our time with its striving to remedy accidental hardships, to prevent them, and to preemptively combat unpleasant possibilities is a time of the poor. Our “rich”—they are the poorest! The true purpose of all wealth is forgotten!
7 [153]
Teichmüller p. 204 the I compares its ideal representational content and finds the consciousness of the Before (or of a content given in memory)
Thus, in all time sensations, the I is active. “The acts memory sensation and expectation combine and compare in a timeless manner—that is the activity of the I.”
7 [154]
Against Kant. Of course, I am also connected to the beautiful that pleases me through an interest. But it does not lie naked before me. The expression of happiness, perfection, stillness, even the silent, the self-judging of the artwork—all speaks to our drives.— Ultimately, I only perceive as “beautiful” what corresponds to an ideal (“the happy”) of my own drives, e.g., wealth, splendor, piety, emanation of power, devotion can become the feeling of “beautiful” for different peoples.
7 [155]
20) Large enough to gild the despised: spiritual enough to comprehend the body as the higher—this is the future of morality!
We must desire the sublimity before which we bow in nature, in our intentions and will—we should be the redeemers of nature and not its deifiers! “Deification of nature”—that is the consequence of poverty, shame, fear, folly!
Our actions should be misunderstood, as Epicurus is misunderstood! It characterizes every prophet that he is soon understood—it degrades him!We must first have people, whose significance becomes visible only after centuries—our “glory” so far has been something pitiful!— I do not wish to be understood for a long time.
On the other hand, we must bear being misunderstood and seeing more than is there: oh you, who do nothing more than understand the “great man”! Your strength should be to see beings a hundred miles higher above him! And that is what I call idealism: to see a sunrise where—a candle is lit!
That would be the highest splendor in death, that it leads us further into the other world, and that we take pleasure in all becoming and therefore also in our own passing!
7 [156]
21) The noble feeling is what forbids that we are merely enjoyers of existence: it rebels against hedonism—we want to oppose it! But the fundamental belief of the masses is that one must live for nothing—that is their baseness.
7 [157]
The judgment about the human from the standpoint of the animal! Are we not parasites to it?
7 [158]
22) The parasitic as the core of common sentiment.
the feeling of receiving nothing, without giving back or receiving something in return, is the noble sentiment. Nothing for free! No “graces”! But also no suffering, no
7 [159]
23) “For the wise, nature transforms into an immense promise” Emerson. Now, you yourself are nature and promise the immense with it, and you guard yourself well from revealing your own secret too hastily!
7 [160]
18) The gods as the cause of evil (sin and suffering) I 232 Where did the bad come from among "the Good"? From a darkening of insight—and this often the work of the gods.
7 [161]
19) Aidos is the emotion and restraint not to offend gods, humans, and eternal laws: thus the instinct of reverence as habitual in the good. A kind of disgust at the violation of the sacred.
The Greek aversion to excess, in the joyful I Hybris, the transgression of one's limits, is very noble—and ancient aristocratic! It is the violation of Aidos a terrible sight for the one who is accustomed to Aidos.
= Oversaturation, intoxication from happiness
Hybris and wrath exclude each other (Eudem. Ethik 1149 b), for Hybris presupposes a joyful, wrath a painful disposition.
The Free, Moderate invented competition as the ever-increasing refinement of that need to express power: through competition, Hybris was prevented: which arises from the long unsatisfied lust for power.
Envy—the pain over the present or past happiness of friends: quite Greek in thought!
When wrath is “sweeter than honey”—sweeter than wrath
7 [162]
Who suffers greatly, the devil becomes envious of them and casts them out into heaven.
7 [163]
14) When slaves engage in philosophy
What are slavish natures? Those who do not know what is good and just, says Socrates. According to Theognis, betraying a friend is a sign of a slavish mindset.
Their dependence makes it impossible for them to be truly I, 266
7 [164]
Very strange. Plato, Timaeus p. 86 etc. (1281) the diseases of the soul caused by faulty constitution of the body: the task of educators and states is to heal here. If the healing is not effected in time, the educators and states and not the sick are to be held responsible.
7 [165]
“Pathological inclination towards temple robbery” Greek.
7 [166]
How little imagination we have for the suffering we inflict on others!
7 [167]
16) Slavery in the present: a barbarism! Where are those for whom they work?— One must not always expect simultaneity of the two complementary castes.
Usefulness and pleasure are slave theories of life: the “blessing of work” is a glorification of itself.— Inability to otium.
7 [168]
15) Elderly mindset: according to Aristotle, distrust, lack of strength in feeling, timidity, always asking about utility rather than moral worth.
The true joy of old age lies in being honored, says Pericles. (Simonides thought it was in the pleasure of gain.)
7 [169]
The Origin of Morality.
The moralists themselves belong among the facts of morality.
When the noble practice morality
When slaves and women seek retribution
When the elderly
When the sick and degenerate
When the inactive
Growth and decline of a morality, conditions
Morality as instinct.
Organic function of good and evil
Conscience
7 [170]
Struggle of the different morals a means of their education. Standing morals (Chinese)
7 [171]
12) Pity: traced back by me to involuntary imitation of the signs that one sees.
7 [172]
13) The actions that constitute the well-being of the community, of the organism, did not arise for the sake of this purpose: all moral habits have a prehistory—every kind of action originally had a different purpose and meaning.— Just as seeing was not the intention behind the origin of the eye, and just as the eye was again used for the expression of feeling:
7 [173]
Means of expressing oneself, communicating—originally, however, the intention was not to communicate, but all communication is essentially a desire to take, to grasp and appropriate (mechanically). To incorporate the other—later to incorporate the will of the other, to appropriate it; it is about conquering the other. Communicating is thus originally extending one's power over the other: this drive is based on an ancient sign language—the sign is the (often painful) imprinting of one will upon another will
to make oneself understood through jolts (ants)
NB. Also the injuries of the other are sign language of the stronger
Thus, understanding is originally a sensation of suffering and recognition of a foreign power. Quick, easy understanding becomes very advisable (to receive as few jolts as possible)
the quickest mutual understanding is the least painful relation to one another: therefore it is strived for (
negative sympathy—originally the creator of the herd.
7 [174]
8) Moral consideration of actions—the organic functions of individuals, in which the I is not the purpose, but a higher principle (the higher principle can be a community): or rather: an attempt to transform into organic functions. Continuously, where living things come together, there arises mutual influence and a coming together with the attempt to see if an organism can form. Thus M to M.
But one should also view bad actions in terms of this functional property!their usefulness in this extra-individual sense! The organism persists through struggle!
10) NB. The accompanying phenomena have often transformed: some things are now associated with displeasure, formerly with pleasure. Even the great insights of wisdom may once have given the impression of inspiration: a completely different assessment of wisdom, as demonic.
11) The pleasure in doing harm; malice, slander, enmity out of passion. Lust for murder. Under what circumstances natural? When pathological? Atavism?
7 [175]
9) Are the laws made against the villains? Against the innovators and not against the villains and the wicked!
The “wicked” is only the contrast-product of the good.
Thus, the moral conscience is also something late, simultaneous with the bad conscience, the good (constant well-being in its impulses!) thus active!
7 [176]
The pursuit of happiness is foolishly interpreted by people as the pursuit of pleasure; and the waning capacity for pleasure is considered an argument against egoism. Hartmann p 591.
7 [177]
Complexity of the current moralfeeling. In the current feeling: “moral” is present: the reverent drive, the helpful, the noble, the devoted, the courageous, the pious, the drive toward the useful, the purposeful, the common good
7 [178]
4) On the moral instinct. Greatest among very old, unchanged peoples.
We do not inherit the knowledge of our ancestors, like animals: due to great changes in lifestyle Roux 37—but among all stagnant peoples, something of the sort is present; precisely the moral instincts are results of many similar experiences within little-moved peoples. Once the great movement begins, the instincts soon vanish. They are a number of tested behavioral measures (postures and gestures initially, such as defense, reverence, etc.), which one instinctively adopts.
7 [179]
Epicurean theory. Pain occurs when a desire, a wish is hindered in its fulfillment. Pleasure, the removal of the obstacle—negative. Seeking pleasure—would be nonsense, seeking something negative! Rather, not suffering would be the goal! Where there is pleasure, a prior displeasure must be assumed.
7 [180]
6) Where the means of power are not great enough, intimidation occurs, terrorism: in this sense, all punishment for the sake of deterrence is a sign that the positive outflowing virtue of the powerful is not great enough: a sign of skepticism about one's own power.
7) A power must stand firm on its feet and have its center of gravity. Counterpart to this: Schmidt, II 269. This corresponds to a kind of morality. —
7 [181]
5) Thatlosigkeit: Aufathmen is already the highest! Otium at best—not creating!
7 [182]
NB. Selfishness is not a moral principle, not a “You shall!” for it is the only “You must.”
7 [183]
The problem of the struggle of different morals: the Hellenic thought in struggle with the Athenian. The community and the great power. II p. 273.
1) Struggle of morals
The courage of the nation perishes p. 274: how this expresses itself in culture. Epicur.
7 [184]
The beauty imparts to the contemplative soul the momentum that enables the creation of noble thoughts. Plato.
7 [185]
II 353 it is shameful, according to Socrates, if one cannot repay good with good. There is therefore “no harmless acceptance” in Greek friendship. To establish one's friendships through doing good! Pericles—Athens. important!
2) Power-morality.
7 [186]
There is a continuous chain of violation from violation, even in small things: in wars, one no longer knows who the wrongdoer is. Blood revenge is only the strongest expression of all such processes among equals.
3 Retaliation
7 [187]
Rejoicing over the suffering of enemies is not unjust—Socrates II p. 357.
7 [188]
Diogenes: one needs for virtue either capable friends or fierce enemies.
7 [189]
The hatred is moral, envy is not.
The happiness in harming enemies p 362.
7 [190]
Struggle of the tissues must lead to a balance between the parts, or the whole will perish.
Tissues that are too vital, even if they were ever so useful, destroy the whole. Tumors, for example, are such tissues endowed with abnormal vitality: they develop at the expense of the nourishment and space of others and destroy the whole.
Even through abnormal weakening of one tissue, the other can gain dominance.
A lack of balance between the tissues quickly leads to the death of individuals and to the elimination of them and their disadvantageous qualities from the ranks of the living: only states of balance remain: thus, a harmonious unity of the entire organism would be cultivated through self-elimination of the deviant.
The struggle of the tissues becomes a regulating principle: the principle of functional self-shaping of the most expedient proportional relationships.
7 [191]
Among the most powerful factors in the progress of a state are not only the struggle with neighboring peoples and the development of military capability: but also the competition among members of a class and the competition among classes themselves
7 [192]
The becoming-still before the beautiful is a deep expectation, a wanting-to-listen to the finest, most distant tones—we behave like a person who becomes all ear and eye: beauty has something to say to us, that is why we become still and think of nothing, of what we otherwise think. The stillness, that contemplative, patient state is thus a preparation, nothing more! That is how it stands with all contemplation: —
But the tranquility within it, the sense of well-being, the freedom from tension? Apparently, a very steady outflow of our energy takes place: we adapt ourselves, as it were, to the lofty colonnades in which we walk, and give our soul such movements that, through calm and grace, are imitations of what we see. Just as noble company inspires us to noble gestures.
7 [193]
First assimilation to the work, later assimilation to its creator, who only spoke in signs!
7 [194]
“So far, all the good properties of an organism have been derived solely from selection in the struggle for existence among individuals!”
7 [195]
The defense against the foreign, not allowing the stimulus to have a formative effect—rather, to oppose it with a hard shell, a hostile feeling: for most, a necessity for preservation. But the richest saint lives among criminals as if in his element.
— the liberalism of morality thus has its limit where one perceives the stimulus of the foreign only as harmful, not as stimulating.
Whoever is rich in his holiness is at home among the worst: and all negation belongs to the poor.
7 [196]
the active quantitative and qualitative food selection of the cells, which determine the entire development, corresponds to the fact that humans also select events and stimuli, thus acting actively among all that randomly impinges upon them—thus defending against much. Roux p. 149.
7 [197]
The parasite forces the host to surround it with a capillary network and associated larger vessels p. 151.
7 [198]
Drives are higher organs, as I understand it: actions, sensations, and emotional states intertwined, organizing, nourishing
7 [199]
The evil as rudimentary Schneider p 29.
7 [200]
Vanity and the drive for distinction of opposite origins.
Just as the word was considered congruent with the thing, so too was what one said about a person considered congruent with them: one did not doubt the absolute knowledge (knownness) of a person. Therefore, the opinion about someone was absolutely determinative: and vanity is now only an atavism: originally, the drive was not yet so debased (the vain person is now skeptical of themselves) Formerly, there was no thought that one could have a value for themselves, a hidden value. Striving for a good opinion—was identical with “being good.”— The vain person subordinates themselves and wants to please; the one seeking distinction wants to be felt as superior, they want to be admired.
7 [201]
Morality for Moralists.
The moralists hitherto may be distinguished according to their predominant inclination as follows: some have their attention directed to how people act among one another; others, to how they ought to act. But what is common to both kinds becomes apparent as soon as one has them all explain the little word "how?" "By what motives do people act? That is what we ask," say the one.
“By what motives should one act: that is what we ask,” say the others. That action is based on motives, wherever action occurs at all, is their common presupposition: that is their common error; they have all observed—or rather overlooked—the foreground of the entire moral landscape most poorly—the fact that action takes place, and must take place, and that the so-called motives do not provide an explanation for it.7 [202]
Actual morality is infinitely finer, more complicated, more spiritual than theoretical morality; the latter still stands clumsily and awkwardly in its beginnings.
7 [203]
All preserving powers have Jesuitism in themselves: they believe that the truth is there, it must not be sought. “The right” for example should be there!!
7 [204]
Utility is a very high principle! Yes, not to be underestimated! But it relates to the means (“subordinate ends”)—the valuation and the table of goods must already be there!
7 [205]
Out of hunger, rather eat a poisoned bread than not eat at all!
7 [206]
Will as striving for pleasure: presupposes that willing itself desires its end. Hartmann.
7 [207]
What is achieved through an action is considered: the motive should lie in the idea of the result of the action (e.g., an achieved state of mind)
7 [208]
“What a human being wants without reflection and without further ado is pleasure: ‘happiness’ a multifaceted, exhaustive, and enduring pleasure.” (Hartmann).
7 [209]
In Epicurus, everything depends on the correct balancing of pleasure against displeasure: consequently, the main virtue, the foundation: prudence-morality.
The significance of sensual pleasure is to free us from desires and needs that disturb the soul.
Blessedness as the ultimate purpose of individual life. Aristotle and all!
Thus, it is the dominance of the concept of purpose that has corrupted all moralists so far. “There must be a ‘Why?’ to life!”
That even the rational conscious life belongs in the development of the purposeless life—ego.
7 [210]
The actual estimation of life depends on the predominantly prevailing moods: the Aryans, when they came to the southern part of Asia, perceived all action as suffering and all feelings likewise: deep tranquility in the shade as the highest balm. It is a faulty decision about one's place of residence refined to the highest degree and turned into a decision about the value of life. (Even the emergence of the state is a matter of fatigue!)
7 [211]
Higher organs form due to the drives, and these organs compete with each other for nourishment, the stimuli
The hand of the pianist, the pathway to it, and a region of the brain together form an organ (which must isolate itself in order to contract strongly). Separate parts of the body telegraphically connected—i.e. Drive.
Schopenhauer even added the unconscious purpose to it!
7 [212]
The essential in all action is purposeless or indifferent towards a plurality of purposes.
7 [213]
Renouncing earthly happiness in favor of heavenly happiness, a thousand times greater, is a good deal. Christianity and its wisdom!
good in Hartmann p 26.
Reward and punishment in Christ.
It is a folly not to accept Christianity.
7 [214]
One should do good in secret, so that it may not be rewarded here Luke 14 (12-14)—otherwise the heavenly reward might slip away.
7 [215]
The more hopeless and wild the earthly conditions, the more firmly is believed in otherworldly retribution: since one cannot count on earthly happiness. The more superstitious the people, the more firmly is believed in hell.
7 [216]
Punishment for unfreedom of the will nonsensical? But then we would also be allowed to promise nothing, commit to nothing, etc. do nothing. That we can promise much with certainty is the basis on which we are given rights, i.e., advantages. We are given disadvantages if we do not keep what we promised: or the advantages previously granted on that basis are retroactively compensated. (Punishment here as retroactive compensation for the advantages shown to us, a withdrawal of societal security, etc., placement in a state of hostility. Society has been deceived in its calculation: it takes as much as it can from the power of the wrongdoer as recompense, e.g., forced labor, etc.)
7 [217]
I said today “oh that is a good person!” In doing so, I had the feeling as if I were holding a beautiful, ripe, full apple with soft skin in my hand: a feeling of tenderness, as if it were drawing me toward him: a feeling of security, as if I might rest here beneath a tree: a feeling of reverence, as if there were an object that one may only touch with the cleanest hands: a feeling of satiety, as if I were suddenly released from a state of dissatisfaction. Thus, your moral judgment “good” corresponded to a state within me, which arose when thinking of a certain person. It is the same as when I call a stone “hard.”
7 [218]
If bliss is impossible (Hegesias), then the goal of life is freedom from pain: without purpose one’s could not grasp it!
7 [219]
Together the striving of all ancient philosophers for intellectual freedom and breaking every slave chain. It is the atavism of the nobility of the idle, who have nothing more to do and decompose themselves.
7 [220]
To evade the causes of pain to the last consequence—that is the practice. Then one is left with the entirely empty life and the thinking about it. Then one asks: is there no redemption from life?
7 [221]
This belief in purposes leads to pessimism.
Reversal: the purpose is not to feel happy; man is led back from the detours of life; the more one suffers, the true purpose is achieved “no trace of intentionality is to be recognized herein” Schopenhauer. Hartmann p. 42 “Morality a palliative before the resolution to the radical cure” p. 43 “the evil actions upon us actually a benefit.”
7 [222]
The worthlessness of life is recognized in cynicism, but has not yet turned against life.
No: many small conquests and a loose mouth satisfy that!
7 [223]
Teichmüller: the feelings of pleasure or displeasure are signs for the position that the self as a whole takes toward the individual activity: all of this is will, insofar as we look toward the self as the single point of reference: the two opposing fundamental forms: desire and aversion. If we look toward the other point of reference, the activity itself remains unconscious as such, but its associated what becomes conscious each time, and thus this what becomes the sign for what we wish to designate.
Accordingly, based on aversion and desire, we call the corresponding ideal relational point an evil or a good and denote it by the content of the associated sensations or perceptions. All images of our perception and all our activities stand in certain regular relationships, e.g., the perceptual image of the rose and the sensation of its fragrance. Thus, even the child designates the one as means, the other as result.7 [224]
First nonsense: all life is the will to a purpose
egoism is the will to one's own happiness
Second nonsense: morality is serving a foreign will and self-denial.
so the purpose of life does not lie in happiness: first insight!
the purpose of moral life should lie in the will of another.
But what is this will of the other again but a will to satisfaction?
My view: intentions, wishes, purposes are secondary—“the pursuit of happiness” is actually not universally present, but rather a pursuit of others' happiness and not pursuing one's own (“denial”) is not even possible, while a partial pursuit of one's own happiness is possible.
In all action, much comes out for others as well!
The individual will pursues the purpose: happiness—impossible to find!
Therefore, the individual will must set another will as its purpose; it is a means for the purpose of another—
But, Mr. von Hartmann! Insofar as it promotes any will at all fosters, whether that of one's neighbor or of the world process—it thus works toward the prolongation of suffering: and indeed after having understood that all will is essentially suffering!Thus, its promotion is either madness or malice.
Here, however, the second nonsense is presupposed, that unselfish action is possible.
The first nonsense: all action is a desire for satisfactions
the second nonsense: there is an unselfish action, an action as not-wanting of one's own self, but wanting of a foreign self!
7 [225]
The setting of goals itself is a pleasure—a mass of intellectual power is expended in means-end thinking!
7 [226]
Want a pressing feeling very pleasant! It is the accompanying phenomenon of all outflow of power.
likewise already all wishing in itself (quite apart from achieving)
7 [227]
One should not overlook the profound lack of noblesse of feeling in Christ, his Jewishness, the good business and the anger at the stupidity of letting it slip away! The Europeans have put in so much nobler feelings!
7 [228]
We select the facts out, we interpret them—unconsciously. The wishes that cling to us—
Against our purposes and against all conscious willing, there is a certain greater reason in all our actions, far more harmony and subtlety than we consciously credit ourselves with.
7 [229]
We have not yet freed ourselves from the logical mania of the ancients, they valued nothing more than dialectics—so also “intentions” “purposes.”
7 [230]
Most people are incapable of any experiences: they have not lived enough in solitude—the event is immediately washed away by the new. Deep pain is rare and a distinction. In ordinary life there is more wisdom than in Stoicism.— The defense against pain.
7 [231]
all our purposes appear, when viewed from a certain distance, as attempts and throws—it is experimented.
We must hold fast to the arbitrary and illogical in our best purposes!
We would never act if we imagined all the consequences.
7 [232]
Weakness of will as a consequence of disorganization and a sign of decay.
7 [233]
Kant says: I fully endorse these statements by Count Verri (1781 sull’indole del piacere e del dolore)
the only driving principle of man is pain. Pain precedes every pleasure
pleasure is not a positive being.
7 [234]
“To feel his life, to enjoy himself—to feel continuously driven to emerge from the present state, which must therefore be a pain that recurs just as often.”
7 [235]
“The rational will may only diminish pain and suppress needs.” —
7 [236]
Cardanus concluded that one must seek out as much suffering as possible in order to create a greater sum of pleasure by eliminating it.
7 [237]
“All actions of the larvae shortly before pupation are not aimed at their own preservation, but at that of the fully developed insect; they do not correspond to the needs of the larval stage, but to those of the fully developed animal” etc. Schneider I p. 58
7 [238]
The highest viewpoint of Jesuitism also of socialism:
Domination of humanity for the purpose of its blessing
Blessing of humanity through the maintenance of illusion, of belief
My counter-movement to this: —
Domination of humanity for the purpose of its overcoming.
Overcoming through teachings, by which it perishes, except those which it endures
Fundamental error hitherto: “all actions of man are purposeful.”
“the purpose of man is the preservation of the species and only insofar also the preservation of his person”—current theory.
This is also the case with very individual people, we provide for our future needs!
7 [239]
Primal form of all protective movements, to contract upon unpleasant touch, to draw all parts inward. What corresponds to this psychologically? The concentration: pain focuses us.
The drive to hide something is shame, a protective instinct: also the desire to hide, where, for example, the hummingbird turns red in the process (is an effect of fear!)
Man is guided by his instincts: the purposes are only chosen in the service of the instincts. Instincts, however, are old habits of action, ways of expending one's existing energy.
One should not call the result that an instinct achieves a “purpose”!
To give one's drives complete free rein: often, however, they oppose each other.
The actual life is a struggle of instincts, a growth of some, a decline of others.“Consumption of stored nervous energy.”
“Which idea leads to action? The one that awakens the strongest drive. Which one is that? The one that promises the greatest comforts, the most pleasant. This is not a rule that allows exceptions, but a law, and herein lies the dependence of the human will” Schneider p. 75
!! But the drive itself summoned this very idea first!—I say.
Thus: the drives decide on the use of the accumulated energy, not on whether action is taken at all. How so?is a matter of the drives.
Thus: when the drive enters consciousness, it promises pleasure. The promised pleasure as the cause of action?— Not of action in general, but only of the specific direction of the actor! So also Stendhal.
Thus: where ideas lead to action, the human must follow the idea that promises the most pleasure: the strongest drive decides the choice.
Accordingly, morality must be changed 1) first, the increase in power must be considered 2.) second, the use of power, the how?
The first perspective has been overlooked so far.
7 [240]
First fact: society kills, tortures, deprives of freedom, of property: exercises violence through restriction of education; through schools; lies, deceives, pursues (as police)—all this cannot therefore be considered in itself as evil.— It seeks its preservation and advancement—this is not a sacred purpose: it fights for this against other societies.— So all this happens for the sake of utility. But madness! Precisely these actions are to be regarded with special dignity and reverence: as “right,” morality, preservation and cultivation of the good. That here the utility of the many is placed above that of the few would only make sense on the assumption that the individual could not have more value than the whole society!From the outset, however, the intention here is not to allow such individuals to arise at all: the image of man is already present, which is taken as the standard for preserving the common good. The prerequisite of society must be that it represents the highest type of "human" and derives its right from this to combat everything hostile to it as inherently hostile.— Without this belief in itself, society is "immoral" in every sense. In this belief, however, it first determines what should be moral,—thus it makes sense!
7 [241]
(The end justifies the means.)
There are actions that we will never allow ourselves, not even as a means to the highest end, e.g., betrayal of a friend.
Better to perish and have some trust that there are more favorable circumstances to achieve our highest purpose.— But what is this highest purpose, to preserve a community, a state! The action of a person who sacrifices the state in order not to be a traitor to their ideal can be the highest achievement, for which the entire existence of this state first comes into consideration for posterity!
7 [242]
Prerequisite of the previous state: “man should not develop, the measure is there!” The Catholic Church (the oldest of all state forms in Europe) represents the old state best now!
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Trade requires patriciate: thus a counterweight.
7 [244]
Elimination of parasitic people is the purpose of punishment.
Birds that ward off parasites from a buffalo and live off them—grateful by alerting it to the approach of an enemy.— Meaning of the police. Espinas p. 159.
7 [245]
Ceaselessly occupied with listening to and paying attention to one another and thereby the feeling of security— p 162.
7 [246]
Affection the result of an urgent need
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Punishments traced back to war in their nature and essence or to sacrificial cults (human sacrifice)
In one case, the return to the pre-community state is the underlying idea of punishment; in the other, the mockery of the gods. Post I, 201
A punishment that affects the unfree becomes thereby dishonoring, e.g., flogging. That which affects the free becomes thereby long ennobled. Post I, 214.
7 [248]
“— the only direct valuation that is assumed is that of sensual well-being, and everything else is believed to be brought to effectiveness only indirectly by linking to this direct will. Compliance with law, morality, and religion is to be enticed by reference to worldly or otherworldly welfare” Baumann p. 32.
General belief in the value of sensual well-being: all action should be a path and detour toward it.
7 [249]
The prohibitions of the laws only make sense if it is unnecessary to achieve something by this means, which is prohibited: that is, if there is another way,—i.e., all prohibitions involve quite specific promises and guarantees.
7 [250]
The center of gravity shifts in the word, in usage, in respect —
7 [251]
“the well-being of all with the exclusion of one’s own.” Hartmann p 605 miserable hypocrisy!
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That the difference between a scoundrel and an honorable man does not consist merely of a few differently drilled brain movements—
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Character strength. To absorb a great many stimuli and let them take deep effect, to allow much to be taken away, almost to the point of losing, to suffer much—and yet to assert one's overall direction.
The ordinary strong characters are cold, shallow, and without empathy: they do not take possession of any person. Plastic power.
7 [254]
Our arbitrariness is greatest where our practice and our spontaneous power are greatest: it is the quickest obedience and agility of the obedient (free will felt most strongly, where we are most creatively-unconditional) Baumann p. 18.
7 [255]
A book of maxims and quotations
a book of anecdotes.
A book of facts.
Jokes.
7 [256]
Egoism is not a principle, but the one fact.
7 [257]
From the perspective of purpose, every action wastes as much as the sun's heat that radiates into space.
7 [258]
The individual as fruit of the community, not always as a means.
7 [259]
Every state allows a consideration as if it had been a purpose, or as a means or as a detour in the experiment.
7 [260]
Satisfaction of the drive is not in the result of the activity, but in the doing to be sought.
Happiness would be the balance of the triggering activities of all drives.
7 [261]
Experiment as the true character of our life and every morality: there must be something arbitrary about it!
7 [262]
Origin of Christianity among poor associations. Baumann p. 22 divine help and mutual support.
7 [263]
The idea of a joyful, useful result of the action has a joyful, stimulating effect; the blood flows more vividly. In this respect, the purpose of an activity still has a stimulating, pleasure-inducing power during the action.
Thus: the activity of the drive is linked with pleasure. The goal of the activity is imagined and also produces pleasure, as well as an increase in activity (the goal is the activity of another drive). But the drive itself does not seek a result of its doing. Our intellectual drive, however, finds its pleasure in setting the purpose—that is its activity; likewise in devising the means—logical pleasure in all action.
In every action, many drives are active.
At least
1) the one that satisfies itself in doing
2) the one that satisfies itself in setting purpose and means
3) the one that satisfies itself in anticipating success.
The drive satisfies itself, i.e., it is active, by taking possession of stimuli and transforming them. To take possession of them, it must struggle: i.e., restrain another drive, suppress it. In truth, it always exists as active: but its nourishment brings with it greater quantities of power, so that its performance of power must also vary. The drive itself, however, is nothing other than a specific active being: a personification.
7 [264]
Effect of reward and punishment p. 31 Baumann.
7 [265]
The stimulus is in itself neither pleasure nor displeasure, but it can be accompanied by pleasure or displeasure; a middle that would be not pleasure and not displeasure cannot exist!—what is “not pleasure” is simply not pleasure!
7 [266]
Will as the shaping force?
7 [267]
Satisfaction: the word presupposes unrest and arouses a prejudice.
7 [268]
| 1. | Innocence of Becoming: without purpose. |
| 2. | Action, Drive, Pleasure, free will. the economy of our drives currently far exceeds our insight. the essentially flawed self-observation in all actors has passed into morality. |
| 3. | The Type of Morality among the Powerful. |
| 4. | The Type of Morality among the Unfree. |
| 5. | The individual and the community. “Individual as result.” Collective conscience. |
| 6. | Punishment, revenge, responsibility. (End justifies means) |
| 7. | The two movements in the future. Morality as sign language of the body. |
| 8. | The appropriation of history under the guidance of stimuli and drives—there is no “objective history.” |
| 9. | Evil a prelude to the good: the creative and creating: the new valuation and its history. The organic function of evil. (Humanity as a force mass that grows and must expend itself) |
| 10. | “Life for Others” and the “Unselfish” Hartmann, p. 593 |
7 [269]
Much less intention in our actions than we pretend (vanity in the assumption of purposes!). Emerson, p. 99.
7 [270]
The future of humanity is not that tender concept. Against p. 599.
7 [271]
With an “um zu” one brings the action around its Werth.
7 [272]
“Good” “bad” corresponds to states of the judging person.
7 [273]
The individual as multiplicity.
7 [274]
Starting point: the denial of moral significance—birth of tragedy.