10, 8[1-27] Sommer 1883
8 [1]
Die Tonga-Insulaner schneiden die kleinen Finger ab, als Opfer. 2
Im Orient bedeckt eine Frau, im Bade überrascht, das Gesicht—so ist es dezent!
Die Scham verbietet in China der Frau den Fuß zu zeigen, unter den Hottentotten muß sie nur den Nacken verhüllen.
Weiß ist in China Trauerfarbe.
Die alten Culturvölker Amerikas kannten den Gebrauch der Milch nicht.
Der Chinese ißt sehr viel Gerichte in sehr kleinen Portionen.
Nr. 29.
Man will sich nicht die Fehler eines Thiers aneignen z. B. die Feigheit des Hirsches (auf Borneo)—Weiber und Kinder dürfen davon essen.
Auch Fledermäuse Kröten Würmer Larven Raupen werden gegessen. Gemästete Ratten Leckerbissen der Chinesen. “Das Tigerherz zu essen macht trutzig” (Java) Hundeleber macht klug.
Unsinnige Massen Reis ißt z. B. der Siamese.
8 [2]
— wie der weißköpfige Adler stolz und ruhig über dem Sturze des Niagara sitzt und oft in seine wilden Nebel hineintaucht
— wie der Albatros auf Wochen hin dem Meere sich anvertraut: der König der Vögel
— wie der Condor der Anden in der lautlosen Höhe (der über eine Stunde ohne mit den Flügeln zu schlagen durch die Luft segeln kann)
Ruhe des Fliegenden
8 [3]
Welche Verschiedenheit sehen wir im Gehen Schwimmen und Fliegen! Und doch ist es ein und dieselbe Bewegung: nur ist die Tragkraft der Erde eine andere als die des Wassers, und die des Wassers eine andere als die der Luft! So sollen wir auch als Denker fliegen lernen—und nicht vermeinen, damit Phantasten zu werden!
8 [4]
Die Autorität des Junkers Christoph bei Shakespeare: “ich bin ein großer Rindfleischesser, und ich glaube, das thut meinem Witz Schaden!”
8 [5]
Strafen bei den Germanen: einen Mühlstein auf’s Haupt fallen lassen (mythisch), das Viertheilen durch Pferde, Zertreten durch Pferde; in Oel oder Wein gesotten (14. und 15. Jahrhundert) werden; ebenso im Mittelalter Lebendigbegraben, Vermauern, Verhungern. Das Rädern (rein germanisch), das Schinden (Riemenschneiden aus der Haut). Mit Honig bestreichen und den Fliegen und der heißen Sonne übergeben. Das rechte Bein und den linken Arm abhauen. Nase, Ohren, Lippen, Zunge, Zähne, Augen, Geschlechtstheile.
8 [6]
Weiber-Verwandtschaft: Kinder gehören nicht in die Familie des Vaters, sondern des Bruders ihrer Mutter. Der Vater gehört zu einer anderen Familie: Vater und Sohn in feindseligem Verhältniß. Der Vater heirathet in eine fremde Familie hinein und in ihr ist er lediglich Erzeuger, und kaum mehr als ein Sklave.— Die Vaterschaft nichts Selbstverständliches, sondern ein spät erreichtes Rechtsinstitut. Das sittliche Band zwischen Vater und Kind fehlt! Der Vater gilt nicht als blutverwandt mit seinen Kindern. Die Nabelschnur ist das Band der Familie.
In den Verbänden von Blutsverwandten giebt es weder ein individuelles Verbrechen, noch individuelles Eigenthum, noch Ehe. Nur das Geschlecht hat Rechte und Pflichten. Weiber sind wie Kinder Gemeingut. Ja es giebt Zustände, wo es keine Verwandtschaft von Person zu Person giebt, sondern Gruppen verwandt sind.— Gruppen-Ehen.
Rechtsubjekte sind jetzt die sogenannten “natürlichen Personen,” die Einzelnen: sie sind die Träger von Rechten und Pflichten.
Ein alter Chinese sagte, er habe gehört, wenn Reiche zu Grunde gehen sollen, so hätten sie viele Gesetze.
Die Ehe mit schlechtem Gewissen: das Weib muß, bevor es heirathet, eine Zeit des Hetärism durchmachen, es muß entjungfert sein. Es muß sich den Stammesgenossen preisgeben, bevor es Einem Manne gehört. Letzter Rest das jus primae noctis der Häuptlinge oder auch Priester (wie bei den Buddhisten in Cambodja)
Die Hetäre steht in manchen Theilen Afrika’s, in Indien und in Java in hohem Ansehen, sie ist den Volksgöttern treu geblieben. —
Hier erhält der Mann mit der Frau zugleich sämmtliche Schwestern, dort haben sämmtliche Brüder Eine Frau.
Bei den Thieren sind die Weibchen nicht geschmückt, die Schönheit gehört den Männchen zu—die Begehrenden und Kämpfenden werden schön.
das Weib macht bei uns “Eroberungen”
Die höhere Schönheit der Weiber unter Menschen beweist, daß die Weiber hier die kämpfenden und begehrenden sind; sie verstehen sich leicht darauf, den Mann zu erobern. Bei den Thieren nimmt die männliche Intelligenz zu durch den Geschlechtstrieb.—
In Athen waren die Männer schöner als die Frauen—nach Cicero: dies ist aber wohl eine Folge der großen Arbeit an der Schönheit, unter Einwirkung der Päderastie.
Mit der Entstehung der individuellen Ehe entsteht die neue Pflicht, nach der Brüder und Schwestern, Schwiegervater und Schwiegertochter, Schwiegermutter und Schwiegersohn, Schwager und Schwägerin nicht mit einander sprechen, essen, ja sich nicht ansehen dürfen.— Früher hat man oft Mutter und Tochter zusammen geheirathet.— Feindseligkeit und Kälte gehört zu den Pflichten überall, wo individuelle Pflichten entstehen. Mit der Liebe tritt immer die Abneigung zugleich auf. Menschenliebe im Allgemeinen ist bisher nicht ohne einen ungeheuren Haß dagewesen.
Eheliche Treue erscheint lange als unmoralisch.
Das Weib ein Eigenthum, welches der Stärkere jederzeit dem Schwächeren nehmen kann. Wettkampf der Stärke entscheidet. Nur die Häuptlinge und Priester haben die schönen Frauen. Junge Leute müssen sich mit alten Weiblein begnügen.— Der Raub die regelmäßige Form zu einem Weib zu gelangen.
der Verlobungsring der Rest der Kette, mit der die Geraubte weggeschleppt wurde
Zwischen Ehegatten ursprünglich die höchste “Kälte und Indifferenz.” Das Weib ist gekauft oder geraubt. Dazu der geheime Gewissensvorwurf, daß die Ehe etwas Naturwidriges und Unsittliches ist: die Gatten leben wesentlich getrennt, nicht Gemeinschaft von Tisch und Bett. Trennung der Geschlechter Grundgedanke der chinesischen Ehe. Das Haus zwei Theile: im äußeren wohnt der Mann, im inneren die Frau. Die Thür soll sorgfältig verschlossen werden. Jeder soll allein sterben. Es ist die durchgeführte separatio quoad thorum et mensam.
Höhere Verbände von Geschlechtstgenossenschaften: Viele kleine Gemeinwesen ohne alle Verbindung mit einander, oft durch große Wälder getrennt, einem Fürsten Gehorsam und Abgaben leistend, der in die innere Verwaltung der kleinen Gemeinden nicht eingreift (Indien und Sumatra heute noch). Nach innen möglichst fest geschlossen ist so ein Gemeinwesen: die griechische.
Älteste Scheidung der Stände nach dem Alter: Pietät.
Die Tupinambazes mästeten ihre Kriegsgefangenen an langen Seilen und versahen sie mit Beischläferinnen, bis sie fett genug zum Fraße waren.
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Der Scherz und Übermuth an anderen Personen trug ehedem einen für uns schauderhaften Charakter: namentlich an Kriegsgefangenen. An Verrückten: noch der Don Quixote! Das Lachen ist ursprünglich die Äußerung der Grausamkeit.
8 [8]
Eine Person ursprünglich: Priester Zauberer Arzt Richter Häuptling. Regen Friede gut Wetter gute Erndte fette Kälber—aber auch Mißwachs Seuche Mißerfolg im Kriege oder auf der Jagd, schlechtes Wetter.
Verachtung des Greisenalters wegen der Schwäche für Krieg und Jagd.
Tödtung von Zwillingen, wenigstens von Einem. Man sucht in Zwillingen den Beweis vom Ehebruche (z. B. bei den Cariben) Auch die Germanen dachten so.— Diese Vielheit gilt als thierähnlich, gleich Ratten und Hündinnen.
Hier und da da gilt es als Schande, Töchter zu gebären.
Altgermanisch: das Kind liegt auf dem Boden, bis der Vater erklärt, ob er es leben lassen will oder nicht, Hebt er es nicht auf, so wird es ausgesetzt—ganz wie bei den Fidschi-insulanern
Die Häuptlinge haften für die Handlungen der Weiber und Kinder, für den Schaden, den Sklaven und Thiere verrichten. Für ein von den Seinen verwirktes Blutgeld; er muß Schulden derselben bezahlen. Verlobungsgelder. Ein ganz andres Gewissen entsteht bei solchen Personen. Auch jetzt noch bei Fürsten und Staatsmännern.
Die Verantwortlichkeit lange getrennt vom Gewissen!
8 [9]
Typus der primitiven Geschlechtsgenossenschaft: eine Gruppe von Verwandten, von der gleichen Stammmutter her, in vollständiger Weiber-, Kinder- und Vermögensgemeinschaft lebend, so daß jede individuelle Ehe, jede individuelle Vater- und Elternschaft fehlt; alle Genossen gleich nahe verwandt, alles Eigenthum, bewegliches und unbewegliches als gemeinsam, alle Arbeit gemeinsam; aller Erlös gemeinsam verzehrt, alle Schulden gemeinsame Schulden der Genossenschaft, alle Blutsfreunde für jeden Blutrache übend und von der Blutschuld eines Blutfreundes mitgetroffen. Fremde durch Adoption aufgenommen.
Über den Geschlechtern stehen Geschlechterverbände und Stämme. Die Hausverwandtschaft grundverschieden davon als Vereinigungen von Abkömmlingen desselben Stammvaters. Schwerlich ein primitives Gebilde: Corporation Gruppe von Männern und Weibern, Kindern und Sklaven, vereinigt unter der patriarchalischen Gewalt eines Häuptlings oder Hausvaters. Mit eigenen Göttern, Recht Regierung, unveräußerlichem Boden. Nicht an die Existenz der einzelnen Genossen gebunden, Forterhaltung der Hausgemeinschaft erste Pflicht: und Zwang sich von einem unfruchtbaren Weibe zu scheiden: Strafbarkeit des Coelibats: bei Impotenz des Mannes war die Frau verpflichtet, sich von einem Verwandten des Mannes ein Kind zu schaffen.
Überall wo die Organisation auf dem Blutbande beruht, giebt es Blutrache: das Gesammtleben des Verbandes kommt zum Ausdruck, als unverständliche und über das Individuum hinausreichende Kraft, Gegenstand religiöser Verehrung. Grundtendenz: zwischen zwei Geschlechtern wird das Gleichgewicht wiederhergestellt; das Verschulden des Einzelnen ist gleichgültig, es ist Krieg zwischen Geschlechtern. Mit dem sich bildenden Staatswesen schmilzt die Blutrache zu einem Racheakt gegen den Thäter zusammen.
Voraussetzung der Blutrache ist zunächst, daß sie eine Familien-Angelegenheit ist: die Gaugenossenschaft oder der Staat mischt sich zunächst nicht ein. Aber sie setzt die höhere Organisation schon voraus: es ist Zweikampf zwischen Gleichgeordneten, Einem Ganzen Zugehörigen. Die Feindschaft gegen die Familie des Blutschuldigen ist grundverschieden von der Feindschaft gegen alles, was nicht zur höheren gemeinsamen Organisation gehört. Es fehlt die Verachtung, der Glaube an die tiefere Rasse des Feindes: in der Blutrache ist Ehre und Gleichberechtigung.
Friedloslegung: ein Genosse wird aus der Friedensgenossenschaft ausgestoßen; er ist jetzt vollkommen rechtlos. Leben und Gut können von Jedermann genommen werden. Der Übelthäter kann bußlos von Jedermann erschlagen werden. Grundgefühl: tiefste Verachtung, Unwürdigkeit z.B. noch im moslemischen Recht bei Ketzerei oder Schmähung des Propheten: während es bei Mord und Körperverletzung lediglich Blutrache und friedensgenossenschaftliche Bußen kennt. Es ist Ächtung: Haus und Hof wird zerstört, Weiber und Kinder und wer im Hause wohnt, wird vernichtet, z. B. Im peruanischen Inkareiche, wenn eine Sonnen-Jungfrau sich mit einem Manne vergieng, mußte ihre ganze Verwandtschaft es mit dem Leben büßen, das Haus ihrer Eltern wurde dem Erdboden gleichgemacht usw. Ebenso in China, wenn ein Sohn den Vater tödtet.
Also: Vergehen, welche die Existenz der Gemeinde aufs Spiel setzen, fordern die Friedloslegung heraus: der verdorbene Sproß wird ausgetilgt. Was als eine solche heillose und grundverächtliche Handlung angesehen wird, richtet sich nach dem, was als Existenz-Bedingung der Gemeinde gilt—und kann folglich bei verschiedenen Gemeinden sehr verschieden sein.
In der Praxis entstehen Milderungen aller Art, z. B. man läßt ihm Zeit, sich durch die Flucht zu entziehn. Verbannung und Vermögensconfiskation sind die letzten Ausläufer. Namentlich die beschimpfenden Strafen haben hier ihren Ursprung.
Friedensgenossenschaft: Schutz- und Trutzverbände, in denen sich die Genossen gegenseitig Leben und Gut verbürgen, in denen der Friedbrecher aus dem Frieden ausgestoßen wird, in denen Kinder, Weiber, Gut und Schuld gemeinsam sind—älteste Form.
Staatliche Bildung: ein von der Basis der Blutverwandtschaft gelöstes Königthum, ein öffentliches Staatsrecht, individuelles Eigenthum, individuelle Verhaftung für Verbrechen und Schulden—späteste Form. —
Je bestimmter eine organische Einheit z. B. eine Gemeinde Heerde sich zum Bewußtsein kommt, um so stärker ist ihr Haß gegen das Fremde. Die Sympathie mit dem Zugehörigen und der Haß gegen das Fremde wachsen mit einander.
In Hinsicht auf die Continuität des gemeinschaftlichen Lebens und die Menge Gedanken, welche es in Anspruch nimmt: wie gering ist der Umfang, den die auf das Einzelwesen selbst bezüglichen Zwecke und Bilder in ihm einnehmen! Die socialen Triebe überwiegen bei weitem die individuellen. Die Thiere führen zu ihrem eignen Schaden Handlungen aus, die der Gruppe nützen.
Die thierische Gesellschaft beruht, um uns der jetzigen moralischen Sprache zu bedienen (aber grundverschiedenen Empfindungen entsprechend), auf Liebe, Beständigkeit der Zuneigungen, Erziehung der Jungen, Arbeit, Sparsamkeit, Muth, Gehorsam bei den Schwachen, Besorgniß bei den Starken, Aufopferung bei Allen. Keine Gesellschaft kann sich erhalten, ohne solche Eigenschaften, und in der erhaltenen werden diese Triebe vererbt: sie würden bei einem Grad von Stärke die Gesellschaft matt machen: aber es entwickeln sich antagonistische Kräfte innerhalb, in dem Grade als nach außerhalb Sicherheit eintritt. Und im vollendeten Zustand der Ruhe nach außen löst sich die Gesellschaft in Individuen auf: es bildet sich die Spannung, die früher zwischen Gemeinde und Gemeinde war. Damit erst giebt es Mitleid—als Empfindung zwischen Individuen, die sich als solche fühlen. (Die altruistischen Handlungen jener einheitlichen Urgesellschaften haben ein Ichgefühl zur Voraussetzung, aber ein Collektiv-Ich und sind grundverschieden vom Mitleiden.) Vielleicht empfand ein Geschlecht zu einem anderen Geschlecht innerhalb eines größeren Verbandes zuerst etwas wie Mitleid und Achtung, also nicht gegen Individuen. Hier ist der Ursprung des Mitleidens. Ich meine: die Blutrache ist die älteste Form dieser Achtung vor einem anderen Geschlecht: als Gegensatz zum absoluten Gefühl der Feindschaft.
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Auch die “Wilden” sind unsäglich hochentwickelte Menschen, gegen die längsten Zeiten gerechnet.
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Der Mensch mehr als jedes Thier ursprünglich altruistisch—daher seine langsame Entwicklung (Kind) und hohe Ausbildung, daher auch die außerordentliche letzte Art von Egoism.— Die Raubthiere sind viel individueller.
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Atavism: wonnevolles Gefühl, einmal unbedingt gehorchen zu können.
“Du sollst dich ausbeuten, bestehlen, belügen lassen”—Grundgefühl des katholischen Priesterstaats, speziell vollkommen im Jesuitism. sacrificio dell’intelletto uralt und ursprünglich—doch nicht als Opfer empfunden, sondern das Gegentheil als Qual
8 [13]
Ja die Philosophie des Rechts! Das ist Eine Wissenschaft welche, wie alle moralischen Wissenschaften, noch nicht einmal in den Windeln liegt! Man verkennt z.B. Immer noch, auch unter frei sich denkenden Juristen, die älteste Bedeutung der Strafe—man kennt sie gar nicht: und so lange die Rechtswissenschaft sich nicht auf einen neuen Boden stellt, nämlich auf Historie und Völker-Vergleichung, wird es bei dem unseligen Kampfe von grundfalschen Abstraktionen verbleiben, welche heute sich als “Philosophie des Rechts” vorstellen und die sämtlich vom gegenwärtigen M abgezogen sind. Dieser gegenwärtige M ist aber ein so verwickeltes Geflecht, auch in Bezug auf seine rechtl Werthschätzungen, daß er die verschiedensten Ausdeutungen erlaubt.
8 [14]
Meine erste Lösung: die dionysische Weisheit.
Dionysisch: zeitweilige Identification mit dem Princip des Lebens (Wollust des Märtyrers einbegriffen).
Lust an der Vernichtung des Edelsten und am Anblick, wie er schrittweise in’s Verderben geräth
als Lust am Kommenden Zukünftigen, welches triumphirt über das Vorhandene noch so Gute
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Die Griechen als Menschenkenner.
Das Vereinfachen, die Abneigung gegen das Complizirte, und die kleinen Details
Das Logisiren, das Voraussetzen des logisch-Begreiflichen auch im Charakter
Das Idealisiren (“schön und jung”), die Abneigung gegen das Nicht-Typische, das unbewußte Lügen (es fehlt das Partei-Nehmen gegen sich selber, eine gewisse Großmuth)
Die politische Nöthigung, sich gemeinverständlich zu geben: der Mangel an versteckten Individuen II 398, an verhaltenen Gefühlen (die als thatenscheu Verrufenen II 401).
Der Wettkampf. Empfindung, mit der jeder Philosoph seine Gegner niederkämpfen wollte—durch den praktischen Beweis, daß er der Glücklichste sei. “Tugend ist Glück”—das hat von Sokrates an alle psychologische Beobachtung gefälscht; sie vertheidigen sich (der “Thatsachen-Sinn” ist nur als Reaktion im Agon mit dem mythischen Sinne gewachsen, nicht als ursprüngliche Kraft).
(Sie sind vielleicht einfacher gewesen?— Aber die ungeheure Fülle von verschiedenen Individuen.)
Die Vornehmheit ( so viel wie “naiv”!): das instinktive Handeln und Urtheilen gehört zur guten Art; das Sich-selber-Annagen und -Zersetzen ist unnobel.
Ihr Wille zum “Allgemein-Menschlichen,” auch zunächst allgemein Griechischen—ihr Gegensatz-Gefühl zum Barbaren
Der böse Mensch genießt theils Verehrung, theils Mitleid; er ist sich selber noch nicht von Würmern zerfressen—die ganze zerstörende aufwühlende Selbst-Verachtung fehlt.
Die “unnütze” Kraftvergeudung (im Agon jeder Art) als Ideal, auf welches der Staat hinstrebt (gegen die Römer); sie verstehn die Antriebe aus gedrückten Lagen wenig während der Inder (Brahmane) durch den Mangel an Initiative empfindet “alles Handeln ist Leiden.”
Stoicism wäre in einer moralistisch aufgeklärten Welt gar nicht möglich gewesen.— Jedes Wort von B. Grazian oder La Rochefoucauld oder Pascal hat den ganzen griechischen Geschmack gegen sich.
sie schimpfen und lassen sich’s dabei wohl sein (Homer’s Sophocles’ Epicur’s Pessimismus—das “Ausweichen” als “göttlich” empfunden).
also: sie leiden im höchsten Grade, aber sie reagiren dagegen mit um so höherem Selbstgenuß im Schaffen und auch im Reden von Dingen, die wohl thun.
es ist das für Schmerz empfindlichste Volk, aber ihre plastische Kraft in der Benutzung des Schmerzes ist außerordentlich: dazu gehört auch eine Mäßigung in der Rache am Schmerz, im Wühlen im Schmerz: eine Nöthigung zur siegreichen Attitüde, als Kur. Folglich sind sie geneigt, unredlich zu sein gegen das Leiden: und so ist “ihr Gemüth” weniger sichtbar geworden, um so mehr die überwindenden Affekte, die helle Geistigkeit und die Tapferkeit. Die Schmähsucht nöthigte, die Leidenschaften zu verbergen.
Thukydides als höchstes Beispiel des Beiseite-Tretens von der nationalen Abneigung gegen die anatomische Behandlung.
In der Zeit der höchsten Produktivität an Gestalten, Gegensätzen (wie dionysisch-apollinisch) fehlt noch die Reflexion: die Thatsachen stehen da.
Die bildende Kunst kommt viel später. Man kann die Philosophie von Socrates an hinzu rechnen—ein Trieb aus der Vielheit zu wenig Typen zurückzukehren.
leibhafte Darstellung des höchsten Menschen Ziel der Philosophen.
Absoluter Mangel einer Geschichte der moralischen Werthschätzungen bei den Philosophen.
Widerwille gegen das Geltenlassen eines anderen Typus.
(man sehe Plato: er verneint alles andere Große! Homer, die bildenden Künste, die Prosa, Perikles—und um Sokrates zu ertragen, bildet er ihn um!)
Allgemeiner Eindruck: eine gewisse Oberflächlichkeit des Psychologischen (gegen Shakespeare und Dante und Goethe, gegen alle Franzosen von Montaigne bis Balzac, gegen Grazian (die christliche Scepsis) Italiäner J B auch die Inder sind tiefer in der Analyse des leidenden Menschen).
Aber vielleicht waren sie noch einfachere Menschen? Diese Vorstellung paßt zur “Jugend der Menschheit” usw.
Hier gerade ist die Gefahr eines Hauptirrthums und Fehlschlusses. Gesetzt, die bildenden Künste der Griechen wären untergegangen und wir wären auf die Urtheile der Philosophen beschränkt: welcher Fehlschluß!
Und ebenso: all ihr aesthetisches Urtheilen ist tief unter dem Niveau ihres Schaffens.
Es wäre also eine Diskrepanz möglich: daß die Menschenkenntniß der Griechen äußerst zurücksteht gegen den thatsächlichen Reichthum an Typen und Individuen: daß sich ihre “Menschlichkeit” nur wenig zum Bewußtsein gekommen ist.
Wahrscheinlich haben niemals so viel verschiedene Individuen auf einem so kleinen Raum zusammengesteckt und sich eine solche wetteifernde Vollendung ihrer Eigenthümlichkeiten erlaubt.
Betrachten wir aber die nationalen Eigenthümlichkeiten ihres Intellekts: so wird es wahrscheinlich, daß die Kenntniß der Menschen bei ihnen gehemmt geblieben ist. Alle ihre größten Kräfte wirkten hierin hemmend. Dies ist mein Thema.
Plato’s freie Art, mit Socrates zu verfahren (wie sein Kopf in Neapel)
Die freie Art, sich Socrates zurecht zu machen (Xenophon ebenso)
das Untergehn des Individuums in Typen (Homer Orpheus usw.)
Widerwille gegen das Exakte. Poesie viel höher als Geschichte : jene behandle den Menschen im Allgemeinen, diese seine Einzelheiten. Darum Poesie mehr geeignet den Menschen kennen zu lernen. “Die wesentlichen Dinge wiederholen sich, es giebt nichts Neues, es giebt keine Entwicklung”—ist ächtgriechisch. Es fehlt alles Nachdenken über die verschiedenen Zukünfte. Was liegt an Anachronismen! an große Personen fliegen hundert Züge an und bleiben kleben.
Schluß. Das ganze hellenische Wesen ist tiefer zu nehmen. Mit Zeugnissen ist wenig zu machen. Die historischen Thatsachen, die Handlungen sind wichtiger z.B. für ihre Ethik, als alle ihre Worte. Wir müssen das hellenische Wesen erst noch errathen: es ist noch wesentlich fremd.
wir giengen ihnen gegen den Geschmack
unsre Menschenkenntniß schamlos
unsre Technik gegen die Natur
unsre Wissenschaft kleinlich-krämerisch
unwahrhaftig, weil so Vieles bei uns nicht Sichtbarkeit hat II 399.
allgemeines Leiden der Modernen: “Selbstverkleinerung” p. 399.
Einleitung
| Triebe ihres Intellekts und ihrer Sinne | 1) | Das Vereinfachen (sie sind so begreiflich), Lust am Übersehen der Nebenzüge, Energie Einen Zug zum Schwerpunkte zu machen. | ||
| 2) | Das Logisiren: eine Art Bezauberung (Dialektik als etwas Göttliches. Vers der Antigone). | |||
| 3) | Das Idealisiren (“schön und jung”) das Gefühl das wir in der großen Natur befriedigen, befriedigen sie vor dem Menschen. | |||
| Triebe und Gefühle aus der politischen Sphäre | 4) | Das Gefühl der Vornehmheit man traute sich die richtige Selbstschätzung zu II 397. Unbillig gegen die Bescheidenen. Nemesis: sich großer Dinge für würdig halten, deren andere nicht würdig sind. | ||
| 5) | Die politische helle Luft, die Nöthigung, gemeinverständlich sich zu geben. | |||
| der am besten entwickelte Instinkt ihrer gesammten Moralität | 6) | Das agonale Gefühl, welches vor einem Publikum siegen will und diesem Publikum verständlich sein muß. (Weshalb noch so verschiedene Individuen das “Allgemein-Menschliche” an sich übermäßig bekennen. |
Beurtheilung des erwachenden “Thatsachen-Sinnes” als Consequenz selbst des Agons. Lob des Thukydides.
Im Munde eines Griechen ist es eine Paradoxie, wenn er in der Kugel die Spitze des Vollkommenen sehen wollte, sie mögen Wölbung und Rundung nicht.
Ihr Naturgefühl ist dem religiösen viel verwandter als das unsrige. Bei uns ist immer die Hauptsache, daß wir vom Menschen erlöst sind—wir suchen nach Gefühlen, die wir unter Menschen nicht haben.
Ich habe das Griechenthum entdeckt: sie glaubten an die ewige Wiederkunft! Das ist der Mysterien-Glaube!
(Stelle des Cratylus)
Plato meint, die Todten im Hades seien rechte Philosophen, vom Leibe erlöst.
, aber nicht den Menschen
mit Hintergedanken lesen.
.
Zwecke.
Ihre Schwäche deutet auf ihre Stärke hin.
Es sind Schauspieler. Wollen und Sein fällt zusammen für ihren Intellekt.
8 [16]
Der höhere Mensch,
seine Selbst-Erlösung und Selbst-Erhaltung.
8 [17]
der Sinn für Wahrheit bei Mächtigen (bei Unterdrückten als Rache, Rechtfertigung—Spinoza).
Selbst-Überwindung der Moral.
8 [18]
die Arterhaltung als Moralprincip umgemünzt!
8 [19]
Die absolute Nothwendigkeit ganz von Zwecken zu befreien: sonst dürfen wir auch nicht versuchen und uns opfern und gehen lassen! Erst die Unschuld des Werdens giebt uns den größten Muth und die größte Freiheit!
8 [20]
Ich schreibe für mich selber: und welchen Sinn hätte Schreiben in diesem zerschriebenen Zeitalter? wenig: denn abgesehen von den Gelehrten versteht Niemand mehr zu lesen, und auch die Gelehrten
8 [21]
Unser Zeitalter hat sich neue Augen eingesetzt, um überall das Leiden zu sehen: und mit einer ungeheuren hypnotischen Starrheit des Blicks, die nur Einmal in der Geschichte bisher ihres Gleichen hatte, und das Auge der Beschauer in die gleiche Richtung zwingt
Als ich jung war, gehörte ich im Grunde zu den Welt-Verleumdern und Pessimisten; wie es billig und verzeihlich in einem Zeitalter ist, das dazu gemacht scheint, gerade Jünglinge zum Verzweifeln zu bringen. Der Jüngling, je mehr er an seinem eigenen Werden leidet, will in’s Ganze, Volle und Fertige; er will vor Allem Sicherheit, Halt: dies Zeitalter aber ist durch Gedanken aller Zeiten zerdacht, mißtrauisch, mit einem Mißtrauen, das unter Menschen noch nicht da war, und daher oft denkmüde, oft mißtrauensmüde, oft greisenhaft und “vorläufig” in seinem Ja und in seinem Nein: es denkt nämlich in jedem Falle e Ja, wo
Da wirkt denn der entschlossene Protest eines Einzelnen wie Schopenhauers gegen das ganze Dasein als eine Erlösung: es vereinfacht
8 [22]
Jeder Mensch, dem wir begegnen, erregt gewisse Triebe bei uns (Furcht Zutrauen usw.) Ununterbrochene Bewegung unsres Trieblebens durch die Außenwelt (Natur): ganz abgesehn noch von dem ununterbrochenen Auf- und Einnehmen elektrischer atmosphärischer Wirkungen.
8 [23]
die Guten
Da jeder Trieb unintelligent ist, so ist “Nützlichkeit” gar kein Gesichtspunkt für ihn. Jeder Trieb, indem er thätig ist, opfert Kraft und andere Triebe: er wird endlich gehemmt; sonst würde er Alles zu Grunde richten, durch Verschwendung. Also: das “Unegoistische” Aufopfernde Unkluge ist nichts Besondres—es ist allen Trieben gemeinsam—sie denken nicht an den Nutzen des ganzen ego (weil sie nicht denken! ) sie handeln “wider unseren Nutzen,” gegen das ego und oft für das ego—unschuldig in Beidem!
8 [24]
Man sucht das Bild der Welt in der Philosophie, bei der es uns am freiesten zu Muthe wird; d. h. bei der unser mächtigster Trieb sich frei fühlt zu seiner Thätigkeit. So wird es auch bei mir stehn!
8 [25]
Unsinn aller Metaphysik als einer Ableitung des Bedingten aus dem Unbedingten.
Zur Natur des Denkens gehört es, daß es zu dem Bedingten das Unbedingte hinzudenkt, hinzuerfindet: wie es das “Ich” zur Vielheit seiner Vorgänge hinzudenkt, hinzuerfindet: es mißt die Welt an lauter von ihm selbst gesetzten Größen: an seinen Grund-Fiktionen wie “Unbedingtes,” “Zweck und Mittel,” Dinge, “Substanzen,” an logischen Gesetzen, an Zahlen und Gestalten.
Es gäbe nichts, was Erkenntniß zu nennen wäre, wenn nicht erst das Denken sich die Welt dergestalt umschüfe zu “Dingen,” Sich-selbst-Gleichem.
Erst vermöge des Denkens giebt es Unwahrheit.
Das Denken ist unableitbar, ebenso die Empfindungen: aber damit ist es noch lange nicht als ursprünglich oder “an sich seiend” bewiesen! sondern nur festgestellt, daß wir nicht dahinter können, weil wir nichts als Denken und Empfinden haben.
8 [26]
Die Unschuld des Werdens.
Ein Wegweiser zur Erlösung von der Moral.
Von
Friedrich Nietzsche.
Einleitung.
I. Die Grundirrthümer der Moral.
II. Moralität als Zeichensprache.
III. Die Überwindung der Moral und ihr Ersatz.
8 [27]
Wer die Vernünftigkeit vorwärts stößt, treibt damit die entgegengesetzte Macht auch wieder zu neuer Kraft, die Mystik und Narrheit aller Art.
In jeder Bewegung zu unterscheiden
1) daß sie theilweise Ermüdung ist von einer vorhergegangenen Bewegung (Sattheit daran, Bosheit der Schwäche gegen sie, Krankheit
2) daß sie theilweise eine neu aufgewachte, lange schlummernde, aufgehäufte Kraft ist, freudig, übermüthig, gewaltthätig: Gesundheit.
10, 8[1-27] Sommer 1883
8 [1]
The Tonga islanders cut off the little fingers as an offering. 2
In the Orient, a woman, surprised while bathing, covers her face—this is decent!
Shame forbids a woman in China to show her foot, among the Hottentots she must only cover her neck.
White is the color of mourning in China.
The ancient cultural peoples of America did not know the use of milk.
The Chinese eat many dishes in very small portions.
No. 29.
One does not want to adopt the faults of an animal, e.g., the cowardice of the deer (in Borneo)—women and children are allowed to eat it.
Bats, toads, worms, larvae, and caterpillars are also eaten. Fattened rats are a delicacy for the Chinese. "Eating a tiger's heart makes one bold" (Java). Dog liver makes one clever.
The Siamese, for example, eats senseless amounts of rice.
8 [2]
— how the white-headed eagle sits proudly and calmly above the Niagara Falls and often dives into its wild mists
— how the albatross entrusts itself to the sea for weeks: the king of birds
— how the Andean condor in the soundless heights (which can glide through the air for over an hour without flapping its wings)
Calmness of the Flying One
8 [3]
What diversity we see in walking, swimming, and flying! And yet it is one and the same movement: only the supporting power of the earth is different from that of water, and that of water is different from that of air! So we too, as thinkers, should learn to fly—and not imagine that we thereby become fantasists!
8 [4]
The authority of the squire Christoph in Shakespeare: “I am a great beef-eater, and I believe that does harm to my wit!”
8 [5]
Punishments among the Germanic peoples: dropping a millstone onto the head (mythical), quartering by horses, trampling by horses; boiling in oil or wine (14th and 15th centuries); likewise in the Middle Ages, burying alive, walling up, starving to death. The wheel (purely Germanic), flaying (cutting strips from the skin). Covering with honey and exposing to flies and the hot sun. Cutting off the right leg and left arm. Nose, ears, lips, tongue, teeth, eyes, genitals.
8 [6]
Women's kinship: Children do not belong to the father's family, but to the brother of their mother. The father belongs to another family: father and son in a hostile relationship. The father marries into a foreign family and in it he is merely a procreator, and hardly more than a slave.— Paternity is not something self-evident, but a legal institution achieved late. The moral bond between father and child is missing! The father is not considered blood-related to his children. The umbilical cord is the bond of the family.
In the associations of blood relatives, there is neither an individual crime, nor individual property, nor marriage. Only the sex has rights and duties. Women are common property like children.Yes, there are states where there is no kinship from person to person, but groups are related.— Group marriages.
Legal subjects are now the so-called “natural persons,” the individuals: they are the bearers of rights and duties.
An old Chinese man said he had heard that when empires are to perish, they have many laws.
Marriage with a bad conscience: the woman must, before she marries, go through a period of hetaerism, she must be deflowered. She must surrender herself to the tribal comrades before she belongs to one man. The last remnant is the jus primae noctis of the chiefs or also priests (as with the Buddhists in Cambodia)
The hetaera is held in high esteem in some parts of Africa, in India, and in Java, she has remained faithful to the folk gods. —
Here the man obtains all the sisters together with the woman, there all the brothers have one woman.
Among animals, the females are not adorned; beauty belongs to the males—the desiring and fighting ones become beautiful.
the woman makes “conquests” among us
The higher beauty of women among humans proves that women are the fighting and desiring ones here; they easily understand how to conquer the man. Among animals, male intelligence increases through the sexual drive.—
In Athens, the men were more beautiful than the women—according to Cicero: but this is probably a consequence of the great effort put into beauty, under the influence of pederasty.
With the emergence of the individual marriage, the new duty arises that brothers and sisters, father-in-law and daughter-in-law, mother-in-law and son-in-law, brother-in-law and sister-in-law must not speak to, eat with, or even look at one another.— Previously, mother and daughter were often married together.— Hostility and coldness are part of the duties wherever individual duties arise. With love, aversion always appears simultaneously. General love for humanity has so far not existed without an enormous hatred against it.
Marital fidelity appears for a long time as immoral.
Woman is a property that the stronger can take from the weaker at any time. The contest of strength decides. Only the chiefs and priests have the beautiful women.
Young people have to make do with old women.— The abduction the regular way to obtain a wife.the engagement ring the remainder of the chain with which the abducted woman was dragged away
Between spouses originally the highest “coldness and indifference.” The woman is bought or abducted. Added to this the secret pang of conscience that marriage is something unnatural and immoral: the spouses live essentially separately, not in community of table and bed. Separation of the sexes the fundamental idea of the Chinese marriage. The house two parts: in the outer part lives the man, in the inner part the woman. The door should be carefully locked.Everyone should die alone. It is the executed separatio quoad thorum et mensam.
Higher associations of gender communities: Many small communities without any connection to each other, often separated by large forests, obeying and paying tribute to a prince who does not interfere in the internal administration of the small communities (India and Sumatra still today). Internally as tightly closed as possible is such a community: the Greek one.
Oldest division of the estates by age: piety.
The Tupinambazes fattened their war prisoners on long ropes and provided them with concubines until they were fat enough to be eaten.
8 [7]
The joke and excess at other people once bore a character that is horrifying to us: especially at prisoners of war. At the insane: even Don Quixote! Laughter is originally the expression of cruelty.
8 [8]
A person originally: priest sorcerer physician judge chief. Rain peace good weather good harvest fat calves—but also crop failure plague failure in war or in hunting, bad weather.
Contempt for old age due to weakness for war and hunting.
Killing of twins, at least one of them. Twins are seen as proof of adultery (e.g., among the Caribs). The Germans thought the same.—This multiplicity is considered animal-like, like rats and bitches.
Here and there, having daughters is considered a disgrace.
Old Germanic: the child lies on the ground until the father decides whether he will let it live or not, If he does not pick it up, it is abandoned—just like with the Fijian islanders
The chiefs are liable for the actions of the women and children, for the damage caused by slaves and animals. For blood money forfeited by their own; he must pay their debts. Betrothal money. A completely different conscience arises in such persons. Even now among princes and statesmen.
Responsibility long separated from conscience!
8 [9]
Type of primitive sexual community: a group of relatives, from the same ancestral mother, living in complete community of women, children, and property, so that every individual marriage, every individual fatherhood and parenthood is absent; all members equally closely related, all property, movable and immovable, as common, all work done together; all proceeds consumed together, all debts common debts of the community, all blood relatives exercising blood revenge for each and affected by the blood guilt of a blood relative. Strangers admitted through adoption.
Above the clans stand clan associations and tribes. The house kinship fundamentally different from them as associations of descendants of the same ancestral father.
Hardly a primitive structure: Corporation group of men and women, children and slaves, united under the patriarchal authority of a chief or head of household. With their own gods, law, government, inalienable land. Not bound to the existence of individual members, continuation of the household community first duty: and compulsion to divorce an infertile wife: punishability of celibacy: in case of the man's impotence, the wife was obliged to bear a child by a relative of the man.Wherever the organization is based on blood ties, there is blood revenge: the collective life of the association comes to expression as an incomprehensible and transcendent force beyond the individual, an object of religious veneration.Basic tendency: between two genders the balance is restored; the guilt of the individual is irrelevant, it is war between genders. With the emerging state, blood revenge melts into a single act of revenge against the perpetrator.
Prerequisite of blood revenge is first that it is a family matter: the district community or the state does not initially interfere. But it already presupposes the higher organization: it is a duel between equals, belonging to a whole. The enmity against the family of the blood-guilty is fundamentally different from the enmity against everything that does not belong to the higher common organization. There is no contempt, no belief in the deeper race of the enemy: in blood revenge there is honor and equal rights.
Outlawry: a comrade is expelled from the peace community; he is now completely without rights. Life and property can be taken by anyone. The wrongdoer can be slain without penalty by anyone. Core sentiment: deepest contempt, unworthiness, e.g., still in Muslim law for heresy or blasphemy against the Prophet: while for murder and bodily harm it only knows blood revenge and peace-community fines. It is proscription: house and farm are destroyed, women and children and whoever lives in the house are annihilated, e.g., in the Peruvian Inca Empire, if a Sun Virgin engaged with a man, her entire family had to pay with their lives, the house of her parents was razed to the ground, etc. Similarly in China, if a son kills his father.
Also: Offenses that jeopardize the existence of the community demand outlawry: the corrupt offspring is eradicated. What is considered such a pernicious and fundamentally contemptible act depends on what is regarded as the condition of the community's existence—and can therefore vary greatly among different communities.
In practice, all kinds of mitigations arise, e.g., he is given time to escape by flight. Banishment and confiscation of property are the final remnants. Particularly the degrading punishments have their origin here.
Peace association: Protective and defensive alliances in which members mutually guarantee life and property, in which the peacebreaker is expelled from the peace, in which children, women, property, and debt are held in common—oldest form.
State education: a monarchy detached from the basis of blood kinship, a public state law, individual property, individual liability for crimes and debts—latest form. —
The more distinctly an organic unity, e.g., a community or herd, comes to consciousness, the stronger is its hatred of the foreign. Sympathy with the familiar and hatred of the foreign grow together.
With regard to the continuity of communal life and the amount of thought it demands: how small is the scope that purposes and images relating to the individual itself occupy in it! The social drives far outweigh the individual ones. Animals perform actions to their own detriment that benefit the group.
The animal society is based, to use the current moral language (but corresponding to fundamentally different feelings), on love, constancy of affections, education of the young, work, thrift, courage, obedience among the weak, concern among the strong, self-sacrifice among all. No society can be maintained without such qualities, and in the maintained society these drives are inherited: they would make society weak at a degree of strength: but antagonistic forces develop within, to the degree that towards the outside security occurs. And in the completed state of external peace, the society dissolves into individuals: the tension that previously existed between community and community is formed.
Only then does compassion arise—as a feeling between individuals who perceive themselves as such. (The altruistic actions of those unified primitive societies presuppose a sense of self, but a collective self, and are fundamentally different from compassion.) Perhaps one sex first felt something like compassion and respect toward another sex within a larger group, thus not toward individuals. Here lies the origin of compassion. I mean: blood vengeance is the oldest form of this respect for another sex—as the opposite of the absolute feeling of enmity.8 [10]
Even the "savages" are unimaginably highly developed people, measured against the longest periods of time.
8 [11]
Man is more originally altruistic than any animal—hence his slow development (child) and high training, hence also the extraordinary last kind of egoism.— The predators are much more individual.
8 [12]
Atavism: blissful feeling of being able to obey unconditionally once.
“You shall let yourself be exploited, robbed, deceived”—basic feeling of the Catholic priestly state, especially fully realized in Jesuitism. sacrificio dell’intelletto ancient and original—but not felt as a sacrifice, rather the opposite as torment
8 [13]
Yes, the philosophy of law! That is a science which, like all moral sciences, is not even in its infancy! For example, even among free-thinking jurists, the oldest meaning of punishment is still misunderstood—it is not known at all: and as long as legal science does not place itself on new ground, namely on history and comparative ethnology, it will remain stuck in the unfortunate struggle of fundamentally false abstractions, which today present themselves as “philosophy of law” and which are all derived from the present M. But this present M is such a complicated web, even with regard to its legal valuations, that it allows the most diverse interpretations.
8 [14]
My first solution: Dionysian wisdom.
Dionysian: temporary identification with the principle of life (including the martyr's lust).
Pleasure in the destruction of the noblest and in the sight of how it gradually falls into ruin
as pleasure in the coming future, which triumphs over the existing, however good
8 [15]
The Greeks as Connoisseurs of Human Nature.
The simplifying, the aversion to the complicated, and the small details
The logicizing, the presupposing of the logically comprehensible even in character
The idealizing ("beautiful and young"), the aversion to the non-typical, the unconscious lying (there is a lack of taking sides against oneself, a certain generosity)
The political necessity to present oneself in a generally understandable way: the lack of hidden individuals II 398, of restrained feelings (those who are defamed as action-shy II 401).
The competition. The feeling with which every philosopher wanted to defeat his opponents—through the practical proof that he was the happiest.
“Virtue is happiness”—this has falsified all psychological observation since Socrates; they defend *themselves* (the “sense of facts” has grown *only* as a reaction in the struggle with the mythical sense, not as an original force).(They *were* perhaps simpler?— But the *immense abundance of* different *individuals*.)
Nobility (as much as “naive”!): *instinctive* action and judgment belong to the *good* kind; self-gnawing and self-dissolving is ignoble.
Their will toward the “universally human,” even initially universally Greek—their sense of opposition to the barbarian
The evil person enjoys partly veneration, partly pity; they are not yet eaten away by worms themselves—the entire destructive, tumultuous self-contempt is lacking.
The “useless” waste of energy (in the agon of every kind) as an ideal toward which the state strives (against the Romans); they understand little of the drives from oppressed conditions, while the Indian (Brahmin) feels through lack of initiative that “all action is suffering.”
Stoicism would not have been possible at all in a morally enlightened world.— Every word from B. Grazian or La Rochefoucauld or Pascal has the entire Greek taste against it.
they rail and yet enjoy themselves doing so (Homer’s Sophocles’ Epicur’s pessimism—the “evasion” felt as “divine”).
so: they suffer to the highest degree, but they react against it with all the greater self-enjoyment in creating and also in speaking of things that do good.
it is the people most sensitive to pain, but their plastic power in the use of pain is extraordinary: this also includes a moderation in revenge on pain, in wallowing in pain: a compulsion to a triumphant attitude, as a cure. Consequently, they are inclined to be dishonest towards suffering: and so their "spirit" has become less visible, all the more so the overcoming affects, the bright intellect, and courage. The urge to slander forced them to hide their passions.
Thucydides as the highest example of stepping aside from the national aversion to anatomical treatment.
In the time of the highest productivity of figures, opposites (such as Dionysian-Apollonian) reflection is still lacking: the facts stand there.
The visual arts come much later.One can add the philosophy of Socrates to this—a drive to return from multiplicity to few types to return.
embodied representation of the highest human goal of the philosophers.
Complete lack of a history of moral valuations among the philosophers.
Reluctance to acknowledge another type.
(see Plato: he denies all other greatness! Homer, the visual arts, prose, Pericles—and to endure Socrates, he reshapes him!)
General impression: a certain superficiality of the psychological (compared to Shakespeare and Dante and Goethe, to all French from Montaigne to Balzac, to Grazian (Christian skepticism) Italians J B even the Indians are deeper in the analysis of the suffering human).
But perhaps they were still simpler people?This idea fits the "youth of humanity" etc.
Here lies the danger of a main error and fallacy. Suppose the visual arts of the Greeks had perished and we were limited to the judgments of the philosophers: what a fallacy!
And likewise: all their aesthetic judging is far below the level of their creating.
Thus, a discrepancy is possible: that the Greeks' knowledge of human nature lags far behind the actual wealth of types and individuals: that their "humanity" has barely come to consciousness.
Probably, never have so many different individuals been packed into such a small space and allowed themselves such competitive perfection of their peculiarities.
But let us consider the national peculiarities of their intellect: it becomes probable that their knowledge of mankind has remained inhibited. All their greatest forces acted here in an inhibiting manner. This is my theme.
Plato’s free manner of dealing with Socrates (like his head in Naples)
The free manner of shaping Socrates to one’s liking (Xenophon likewise)
The submergence of the individual in types (Homer Orpheus etc.)
Aversion to the Exact. Poetry far higher than history: the former deals with man in general, the latter with his particulars. Hence poetry is more suited to knowing man. “The essential things repeat themselves, there is nothing new, there is no development”—is authentically Greek. All reflection on different futures is lacking. What matter anachronisms!
large people fly a hundred trains to and stick.End. The entire Hellenic being is to be taken more deeply. Little can be done with testimonies. The historical facts, the actions are more important, e.g., for their ethics, than all their words. We must first still guess the Hellenic being: it is still essentially foreign.
we went against their taste
our knowledge of human nature shameless
our technology against nature
our science petty-mercantile
untruthful, because so much with us has no visibility II 399.
general suffering of the moderns: “self-diminution” p. 399.
Introduction
| Drives of their intellect und their senses | 1) | Simplifying (they are so comprehensible), pleasure in overlooking minor details, energy to make one trait the focal point. | ||
| 2) | Reasoning: a kind of enchantment (dialectics as something divine. Verse from Antigone). | |||
| 3) | Idealizing (“beautiful and young”) the feeling we satisfy in great nature, they satisfy before the human. | |||
| Drives and feelings from the politischen Sphäre | 4) | The feeling of nobility—one dared to have the correct self-esteem II 397. Unjust toward the modest. Nemesis: to consider oneself worthy of great things of which others are not worthy. | ||
| 5) | The political clear air, the compulsion to express oneself in a way that is understandable to all. | |||
| the most highly developed instinct of their entire morality | 6) | The agonal feeling that wants to triumph before an audience and must be understandable to this audience.(Why such different individuals still acknowledge the "universally human" in themselves excessively. |
Assessment of the awakening "sense of facts" as a consequence of the agon itself. Praise for Thucydides.
In the mouth of a Greek, it is a paradox if he were to see the pinnacle of perfection in the sphere—they do not like curvature and roundness.
Their sense of nature is much more akin to the religious than ours is. For us, the main thing is always that we are redeemed from humanity—we seek feelings that we do not have among people.
I have discovered Hellenism: they believed in the eternal recurrence! That is the mystery faith!
(Passage from the Cratylus)
Plato means that the dead in Hades are true philosophers, freed from the body.
, but not the people
with ulterior motives read.
.
Purposes.
Their weakness indicates their strength.
They are actors. Will and being coincide for their intellect.
8 [16]
The Higher Human,
their Self-Redemption and Self-Preservation.
8 [17]
the sense of truth among the Powerful (among the oppressed as revenge, justification—Spinoza).
Self-overcoming of morality.
8 [18]
the preservation of the species turned into a moral principle!
8 [19]
The absolute necessity to be completely freed from purposes: otherwise we may not even attempt and sacrifice and let go! Only the innocence of becoming gives us the greatest courage and the greatest freedom!
8 [20]
I write for myself: and what sense would writing have in this overwritten age? little: for apart from scholars, no one knows how to read anymore, and even the scholars
8 [21]
Our age has given itself new eyes to see suffering everywhere: and with an enormous hypnotic rigidity of gaze, which has only once before in history had its equal, and which forces the eye of the beholder in the same direction
When I was young, I essentially belonged to the world-slanderers and pessimists; as is fair and forgivable in an age that seems made to drive young men to despair.The youth, the more he suffers from his own becoming, wants to be part of the whole, the full, and the complete; above all, he wants security, support: but this age is overthought by the thoughts of all ages, distrustful, with a distrust that has never existed among people before, and therefore often weary of thought, often weary of distrust, often aged and “provisional” in its yes and in its no: for in every case it thinks a yes, where
Then the resolute protest of an individual like Schopenhauer against the entire existence acts as a redemption: it simplifies
8 [22]
Every person we encounter arouses certain drives in us (fear, trust, etc.). Uninterrupted movement of our drive life through the external world (nature): quite apart from the uninterrupted absorption and reception of electrical atmospheric effects.
8 [23]
the good ones
Since every drive is unintelligent, "usefulness" is not a consideration for it at all. Every drive, in being active, sacrifices strength and other drives: it is eventually inhibited; otherwise, it would destroy everything through waste. Thus: the "unselfish," self-sacrificing, unwise is nothing special—it is common to all drives—they do not think of the benefit of the whole ego (because they do not think! ) they act "against our benefit," against the ego and often for the ego—innocent in both!
8 [24]
One seeks the image of the world in philosophy where one feels most at ease; i.e., where our most powerful drive feels free to engage in its activity. So it shall be with me!
8 [25]
Nonsense of all metaphysics as a derivation of the conditioned from the unconditioned.
It is in the nature of thinking that it adds the unconditioned to the conditioned, invents it: just as it adds and invents the “I” to the multiplicity of its processes: it measures the world by quantities it itself has set: by its fundamental fictions such as “unconditioned,” “purpose and means,” things, “substances,” by logical laws, by numbers and shapes.
There would be nothing that could be called knowledge if thinking had not first reshaped the world in such a way into "things," things that are identical to themselves.
Only by virtue of thinking does untruth exist.
Thinking is undeducible, as are sensations: but this does not yet prove that it is original or "existing in itself"! It only establishes that we cannot go behind it, because we have nothing but thinking and sensation.
8 [26]
The Innocence of Becoming.
A Guide to Redemption from Morality.
By
Friedrich Nietzsche.
Introduction.
I. The Fundamental Errors of Morality.
II. Morality as a Sign Language.
III. The Overcoming of Morality and Its Replacement.
8 [27]
Whoever pushes reason forward thereby drives the opposing power to new strength as well, mysticism and folly of all kinds.
In every movement to distinguish
1) that it is partially fatigue from a preceding movement (satiation with it, malice of weakness against it, sickness
2) that it is partially a newly awakened, long-slumbering, accumulated force, joyful, overbearing, violent: health.