11, 25[1-526] Frühjahr 1884
25 [1]
Die
ewige Wiederkunft.
Eine Wahrsagung.
Von
Friedrich Nietzsche.
Erstes Hauptstück:
“Es ist Zeit!”
25 [2]
(Nizza, März 1884.)
Meine nächsten Aufgaben:
Moral für Moralisten.
Selbst-Erlösung.
Die ewige Wiederkunft.
Dionysische Tänze und Fest-Lieder.
25 [3]
“Das Paradies ist unter dem Schatten der Schwerter.” Orient
25 [4]
“Geradezu stossen die Adler” Olof Haraldssons Saga.
25 [5]
“Wer der Wahrheit zu nahe auf dem Fuße folgt, läuft Gefahr, daß ihm einmal der Kopf eingeknickt wird.” englisches Sprüchwort
25 [6]
Die ewige Wiederkunft
Eine Wahrsagung.
Erstes Hauptstück.
“Es ist Zeit!”
Zweites Hauptstück.
Der große Mittag.
Drittes Hauptstück.
Die Gelobenden.
25 [7]
1.
Meine Freunde, ich bin der Lehrer der ewigen Wiederkunft.
Das ist: ich lehre daß alle Dinge ewig wiederkehren und ihr selber mit—, und daß ihr schon unzählige Male dagewesen seid und alle Dinge mit euch; ich lehre, daß es ein großes langes ungeheures Jahr des Werdens giebt, das, wenn es abgelaufen, ausgelaufen ist, gleich einer Sanduhr immer wieder umgedreht wird: so daß alle diese Jahre sich selber gleich sind, im Kleinsten und in Größten.
Und zu einem Sterbenden würde ich sprechen: “Siehe, du stirbst und vergehst jetzt und verschwindest: und da ist Nichts, das von dir als ein ‘Du’ übrig bliebe, denn die Seelen sind so sterblich wie die Leiber. Aber dieselbe Gewalt von Ursachen, welche dich dies Mal schuf, wird wiederkehren und wird dich wiederschaffen müssen: du selber, Stäubchen vom Staube, gehörst zu Ursachen, an denen die Wiederkehr aller Dinge hängt. Und wenn du einstmals wiedergeboren wirst, so wird es nicht zu einem neuen Leben oder besseren Leben oder ähnlichen Leben sein, sondern zu einem gleichen und selbigen Leben, wie du es jetzt beschließest, im Kleinsten und im Größten.”
Diese Lehre ist noch nicht auf Erden gelehrt worden: nämlich auf der diesmaligen Erde und im diesmaligen großen Jahre.
* * *
2.
“Dans le véritable amour c’est l’âme, qui enveloppe le corps.”
25 [8]
Wer in unsrer Zeit jung war, der hat zu Viel erlebt: vorausgesetz, daß er zu den Wenigen gehört, die noch tief genug sind zu “Erlebnissen.” Den Allermeisten nämlich fehlt jetzt diese Tiefe und gleichsam der rechte Magen: sie kennen daher auch die Noth jenes rechten Magens nicht, welcher mit jedem Erlebniß “fertig werden” muß, die größten Neuigkeiten fallen durch sie hindurch. Wir Andern haben zu schwere, zu mannichfache, zu überwürtze Kost hinunterschlucken müssen, als wir jung waren: und wenn wir schon den Genuß an seltsamen und unerhörten Speisen voraus haben vor den Menschen einfacherer Zeiten, so kennen wir das eigentliche Verdauen, das Erleben, Hineinnehmen, Einverleiben fast nur als Qual.
25 [9]
Meine Freunde, wir haben es hart gehabt, als wir jung waren: wir haben an der Jugend selber gelitten wie an einer schweren Krankheit. Das macht die Zeit, in die wir geworfen sind,—die Zeit eines großenimmer schlimmeren Verfallens und Auseinanderfallens, welche mit allen ihren Schwächen und noch mit ihrer besten Stärke dem Geiste dr Jugend entgegen wirkt. Das Auseinanderfallen, also die Ungewißheit ist dieser Zeit eigen: nichts steht auf festen Füßen und hartem Glauben an sich: man lebt für morgen, denn das Übermorgen ist zweifelhaft. Es ist Alles glatt und gefährlich auf unsrer Bahn, und dabei ist das Eis, das uns noch trägt, so dünn geworden: wir fühlen Alle den warmen unheimlichen Athem des Thauwindes—wo wir noch gehen, da wird bald Niemand mehr gehen können.
Ich habe einsam gelebt und mich tüchtig und herzhaft in den Mantel der Einsamkeit gewickelt: das gehört zu meiner Klugheit. Es ist jetzt sogar viel List nöthig, um sich selber zu erhalten, selber oben zu erhalten. Jeder Versuch, es in der Gegenwart, mit der Gegenwart auszuhalten, jede Annäherung an die Menschen und Ziele von heute, ist mir bisher mißrathen; und ich habe die verborgene Weisheit meiner Natur angestaunt, welche bei allen solchen Versuchen sofort durch Krankheit und Schmerz mich wieder zu mir selber zurück ruft.
Es versteht sich von selber, daß ich Alles das kenne, was man die Leiden des Genies nennt: die Verkennung, Vernachlässigung, die Oberflächlichkeit jeden Grades, die Verdächtigung; ich weiß, wie Manche uns wohl zu thun glauben, wenn sie uns in “bequemere” Lagen, unter geordnete zuverlässigere Menschen zu bringen suchen; ich habe den unbewußten Zerstörungs-trieb bewundert, den alle Mittel-mäßigkeit gegen uns bethätige, und zwar im besten Glauben an ihr Recht dazu. In manchen allzu erstaunlichen Fälle habe ich mich meines alten trostes vertröstet: dies ist—französisch zu reden—la bêtise humaine—ein Ding, das mich im Grunde immer mehr ergötzt als verdrossen hat. Es gehört zu der großen Narrethei, deren Anblick uns höhere Menchen am Leben festhalten läßt. Und wenn mein Auge sich nicht täuscht: so ist hundert Mal mehr Dummheit in allem menschlichen Handeln als geglaubt wird. Insgleichen aber ist der Anblick der tiefen feinen ihrer selber sicheren, ihrer selber aber gänzlich unbewußten Heuchelei unter allen guten dicken braven Menschen für den, der sie sehen kann, ein Ding zum Entzücken: und im Gegensatz zur bêtise humaine ist hier die unbewußte Verschlagenheit entzückend.
25 [10]
Die Leidenschaften benutzen wie den Dampf zu Maschinen. Selbst-Überwindung.
25 [11]
Als Knabe war ich Pessimist, so lächerlich dies klingt: einige Zeilen Musik aus meinem zwölften, dreizehnten Lebens-Jahre sind im Grunde von Allem, was ich an rabenschwarzer Musik kenne, das Schwärzeste und Entschiedenste. Ich habe bei keinem Dichter oder Philosophen bisher Gedanken und Worte gefunden, die so sehr aus dem Abgrunde des letzten Neinsagens herauskämen, in dem ich selber zeitweilig gesessen habe; und auch was Schopenhauer betrifft, bin ich den Glauben nicht losgeworden, daß er zwar viel guten Willen zum P gehabt hat, aber auch einen viel besseren Widerwillen: den hat er nicht genug zu Worte kommen lassen, Dank jenem dummen Genie-Aberglauben, den er von den Romantikern gelernt hatte, und Dank seiner Eitelkeit, welche ihn zwang, auf einer Philosophie sitzen zu beleiben, die aus seinem 26ten Lebensjahre stammte und auch zu diesem Lebensalter gehört—wie wir Alle recht aus dem Grunde wissen, nicht wahr, meine Freunde?
25 [12]
Wie groß das Gefühl der Unsicherheit ist: das verräth sich am meisten in dem Entzücken an kleinen festen Thatsachen (eine Art von “fait-alisme,” über Frankreich herrscht)—eine Art Wahsinn, die auf Erden noch nicht da war: und nicht nur die Wissenschaft, sondern auch ein großer Theil der gegenwärtigen Kunst entstammt diesem Bedürfniß. Es verkleidet sich oft: z.B. in die Forderung der Unpersönlichkeit des Künstlers—das Werk selber soll ihn nicht verrathen, sondern wie ein getreuer Spiegel irgend ein factum bis ins Kleinste wiedergeben, feststellen: aber dies Bedürfniß selber nach solchen facten, die Stand halten, gleichsam wie Schmetterlinge festgeheftet sind von Sammler—ist etwas sehr Persönliches. Am Mährchen und der Féerie haben wir das entgegengesetzte Gelüst, von Menschen, die selber sich festgeheftet fühlen mit Sitten und Urtheilen.— Zur Seite geht ein grobes Tasten nach nächstem Genuß: “das Nächste” wird das Wichtigste.
25 [13]
Es sind uns, wie noch nie irgendwelchen Menschen, Blicke nach allen Seiten vergönnt, überall ist kein Ende abzusehn. Wir haben daher ein Gefühl der ungeheuren Weite—aber auch der ungeheuren Leere voraus: und die Erfindsamkeit aller höheren Menschen besteht in diesem Jahrhundert darin, über dies furchtbare Gefühl der Oede hinwegzukommen. Der Gegensatz dieses Gefühls ist der Rausch: wo sich gleichsam die ganze Welt in uns gedrängt hat und wir am Glück der Überfülle leiden. So ist denn dies Zeitalter im Erfinden von Rausch-Mitteln am erfinderischesten. Wir kennen alle den Rausch, als Musik, als blinde sich selber blendende Schwärmerei und Anbetung vor einzelnen Menschen und Ereignissen, wir kennen den Rausch des Tragischen d ist die Grausamkeit im Anblick des Zugrundegehens, zumal wenn es das Edelste ist, was zu Grunde geht: wir kennen die bescheideneren Arten des Rausches, die besinnungslose Arbeit, das sich-Opfern als Werkzeug einer Wissenschaft oder politischen oder geldmachenden Partei; irgend ein kleiner dummer Fanatismus, irgend ein unvermeidliches Sichherumdrehen im kleinsten Kreise hat schon berauschende Kräfte. Es giebt auch eine gewisse excentrisch werdende Bescheidenheit, welche das Gefühl der Leere selber wieder wollüstig empfinden läßt: ja einen Genuß an der ewigen Leere aller Dinge, eine Mystik des Glaubens an das Nichts und ein Sich-Opfern für diesen Glauben. Und welche Augen haben wir uns als Erkennende gemacht für alle die kleinen Genüsse der Erkenntniß! Wie verzeichnen wir und führen gleichsam Buch über unsre kleinen Genüsse, wie als ob wir mit dem Summiren des vielen kleinen Genusses ein Gegengewicht gegen jene Leere, eine Füllung jener Leere erlangen könnten—: wie täuschen wir uns mit dieser summirenden Arglist!
25 [14]
Es giebt Menschen, welche man mit erhabenen Gebärden überzeugt, aber mit Gründen mißtrauisch macht.
25 [15]
Mit Feindschaften war es mir niemals lange ernst. Im Augenblick zwar, zumal unter dem Eindrucke eines bedeckten Himmels könnte ich leicht Jemanden tödten—ich habe mich einige Male schon gewundert, daß ichs noch nicht gethan habe. Aber ich lache zu bald wieder, als daß ein Feind sehr viel bei mir gutzumachen hätte. Überdieß bin ich aus letztem Grund davon überzeugt, daß ich meinen feindselig erregten Gefühlen mehr zu danken habe als den freundschaftlichen.
25 [16]
Der europäische Pessimismus ist noch in seinen Anfängen: er hat noch nicht jene ungeheure sehnsüchtige Starrheit des Blicks, in welchem das Nichts sich spiegelt, wie er sie einmal in Indien hatte, es ist noch zu viel Gemachtes und nicht “Gewordenes” daran, zu viel Gelehrten- und Dichter-Pessimismus: ich meine ein gutes Theil darin ist hinzu erdacht und hinzu erfunden, ist “geschaffen,” aver nicht Ursache, gemacht und nicht “geworden.”
Es gab denkendere und zerdachtere Zeiten als die unsere ist: Zeiten, wie zum Beispiel jene, in der Buddha auftrat, wo das Volk selbst, nach Jahrhunderte alten Sekten-Streitigkeiten, sich endlich so tief in die Klüfte der philosophischen Lehrmeinungen verirrt fand, wie zeitweilig Europäische Völker in Feinheiten des religiösen Dogma’s. Man wird sich am wenigsten wohl durch die “Litteratur” und die Presse dazu verführen lassen, vom “Geiste” unserer Zeit groß zu denken: zu alledem beweisen die Millionen Spiritisten und ein Christenthum mit Turnübungen von jener schauerlichen Häßlichkeit, die alle englischen Erfindungen kennzeichnet, giebt bessere Gesichtspunkte—ein Zeugniß gegen sich selber.
25 [17]
Als es mit der besten Zeit Griechenlands vorbei war, kamen die Moral-Philosophen: von Sokrates an nämlich sind alle griechischen Philosophen zuerst und im tiefsten Grunde Moral-Philosophen. Das heißt: sie suchen das Glück—schlimm, daß sie es suchen mußten! Philosophie: das ist von Sokrates an jene höchste Form of Klugheit, welche sich nicht vergreift beim persönalichen Glück. Haben sie wohl viel davon gehabt? Wenn ich denke, daß der Gott Plato’s ohne Lust und Schmerz ist und der höchste Weise sich ihm nähert: so ist das ein persönliches Urtheil: Plato empfand das volle Gleichgültigsein als seine größte Wohlthat: sie wurde ihm wohl selten genug zu Theil! Aristoteles dachte sich seinen Gott als rein erkennend, ohne jegliches Gefühl von Liebe: und er selber hatte wohl so seine besten Augenblicke, wenn er kalt und hell (und freudig) den wollüstigen Schwindel der höchsten Allgemeinheiten genoß. Die Welt als System empfinden und das als Gipfel dees menschlichen Glücks: wie verräth sich da der schematische Kopf! Und Epikur: was genoß er denn, als daß der Schmerz aufhörte—das ist das Glück eines Leidenden und auch wohl Kranken.
25 [18]
Die Verbrecher im Gefängniß schlafen gut; keine Gewissensbisse. Verlogenheit. Bei Frauen nervöse Anfälle to “break out” (schreien schimpfen fluchen, Alles zerbrechen)
25 [19]
Viele Halb-Wilde (brave gesunde Jäger Fischer, mit viel unehelichen Kindern) werden in einer civilisirten Gesellschaft zu Verbrechern, namentlich weil Arbeit fehlt, und sie in schlechte Gesellschaft gerathen. Ihre Kinder vornehmlich stellen ein Contingent; verbunden mit Personen des Verbrecher-Typus. Rasche Entartung.
25 [20]
Ich empfinde häufig “Mitleid,” wo gar kein Leiden da ist, sondern wo ich eine Verschwendung und ein Zurückbleiben sehe hinter dem, was hätte werden können. So z.B. in Bezug auf Luther. Welche Kraft und verschwendet auf was für Probleme!
25 [21]
Ein gutes Capitel hätte ich über die Vielheit von Charakteren zu schreiben, die in Jedem von uns steckt: und man soll Versuche machen, einige erscheinen zu lassen d. h. eine zusammengehörige Gruppe von Eigenschaften durch klug angeordnete Umstände, Umgebungen, Studien, Entschlüsse zeitweilig zu begünstigen, so daß sie sich aller vorhandenen Kräfte bemächtigen. Andere Eigenschaften werden dabei nicht oder wenig ernährt und bleiben zurück: denen können wir später einmal Luft machen.
25 [22]
Ein gutes Capitel “die Kritik von Eltern, Lehrern, Vaterland, Heimat”—als Anfang der Befreiung, zunächst der Zweifel.
25 [23]
“Von der Kraft des Willens,” den Mitteln, sie zu stärken und zu schwächen.
25 [24]
“Über die Verschwendung unsrer Leidenschaften” und wie wir uns leicht an eine dürftige Art ihrer Befriedigung gewöhnen.
Der Ascetism als Mittel, unsre Neigungen zu concentriren und zu stauen.
Balzac und Stendhal empfehlen allen productiven Menschen die Keuschheit.
In Hinsicht darauf, was produktive Menschen zuoberst und -erst noth haben um nicht an den Würmern des Geistes zu leiden—Eier legen, gackern und Eier brüten mit Grazie in inf, im Bilde zu sprechen.
25 [25]
Vom Clima Genua’s sagt Michelet “admirable pour tremper les forts.” Gênes est bien la patrie des âpres génies nés pour dompter l’océan et dominer les tempêtes. Sur mer, sur terre que d’hommes aventureux et de sage audace!
25 [26]
Balzac über W. Scott. 1838 nach 12jähriger Bekanntschaft: Kenilworth in Hinsicht auf Plan das Meisterstück (“der größte, der vollständigste, der außerordentlichste von allen”): les eaux de St. Ronan das Meisterstück und Hauptwerk comme détail et patience du fini. Les Chroniques de la Canongate comme sentiment. Ivanhoe (le premier volume s’entend) comme chef-d’oeuvre historique. L’Antiquaire comme poésie. La prison d’Edimbourg, comme intérêt.— “Auprès de lui, lord Byron n’est rien ou presque rien.”— “Scott grandira encore, quand Byron sera oublié.”— “Le cerveau de Byron n’a jamais eu d’autre empreinte que celle de sa personnalité, tandis que la monde entier a posé devant le génie créateur de Scott et s’y est miré pour ainsi dire.”
25 [27]
Je comprends, comment la continence absolue de Pascal et ses immenses travaux l’ont amené à voir sans cesse un abîme à ses côté —
25 [28]
Notice biographique sur Louis Lambert “ein Werk, wo ich mit Goethe und Byron habe kämpfen wollen, mit Faust und Manfred.” “Il jettera peut-être, un jour ou l’autre, la science dans des voies nouvelles.”
25 [29]
Über Stendhal “un des esprits les plus remarquables de ce temps.” “Er hat sich zu wenig um die Form gekümmert,” “er schreibt wie die Vögel singen” “notre langue est une sorte de madame Honesta, qui ne trouve rien de bien que ce qui est irréprochable, ciselé, léché.” La Chartreuse de Parme ein wunderbares Buch, “le livre des esprits distingués.”
25 [30]
“je n’ai pas de continuité dans le vouloir. Je fais des plans, je conçois des livres et, quand il faut exécuter, tout s’échappe.”
25 [31]
In Betreff der Chartr “ich würde unfähig sein, sie zu machen. Je fais une frewque et vous avez fait des statues italiennes.” “Alles ist original und neu.” Schön wie l’italien, und wenn Macchiavell in unseren Tagen einen Roman schriebe, so würde es die Chartreuse sein. “Volkommen klar.” “Vous avez expliqué l’âme de l’Italie.”
25 [32]
Zu lesen Custine’s Roman Ethel. Sie gehören mehr zur Litteratur idée als zur littérature imagée: also zum 18ten Jahrhundert durch die Beobachtung à la Chamfort et à l’esprit de Rivarol par la petite phrase coupée.
Scribe kennt das Metier, aber es kennt die Kunst nicht. Er hat Talent, aber kein dramatisches Genie; es fehlt völlig an Stil!
25 [33]
Einsamkeit, Fasten und geschlechtliche Enthaltsamkeit—typische Form, aus der die religiöse Neurose entsteht. Äußerste Wollust und äußerste Frömmigkeit im Wechsel. Fremdartige Betrachtung gegen sich: als ob sie Glas wären oder 2 Personen.
25 [34]
Balzac “tiefe Verachtung für alle Massen.” “Es giebt vocations, denen man gehorchen muß: irgend etwas Unwiderstehliches zieht mich zum Ruhme und zur Macht.” 1832.
“mes deux seuls et immenses désirs, être célèbre et être aimé.”
25 [35]
Wollte man Gesundheit, so würde man das genie abschaffen. Ebenfalls den religiösen Menschen. Wollte man Moralität, ebenfalls: Abschaffung des Genies.
| Die Krankheit. Das Verbrechen. Das Laster. Die Lüge. | und ihre Cultur-Mission. |
25 [36]
Bevor wir an’s Handeln denken dürfen, muß eine unendliche Arbeit gethan sein. In der Hauptsache aber ist das kluge Ausnützen der gegebenen Lage wohl unsre beste rathsamste Thätigkeit. Das wirkliche Schaffen solcher Bedingungen, wie sie der Zufall schafft, setzt eiserne Menschen voraus, die noch nicht gelebt haben. Zunächst das persönliche Ideal durchsetzen und verwirklichen!
Wer die Natur des Menschen, die Entstehung seines Höchsten begriffen hat, schaudert vor dem Menschen und flieht alles Handeln: Folge der vererbten Schätzungen!!
Daß di Natur des Menschen böse ist, ist mein Trost: es verbürgt die Kraft!
25 [37]
Mißverständniß des Raubthiers: sehr gesund wie Cesare Borgia! Die Eigenschaften der Jagdhunde.
25 [38]
Die Abnahme an Geist in diesem Jahrhundert. Die Pantoffel-Manier der englischen Gelehrten. Macchiavell hat die Helligkeit des Alterthums. Der französische esprit ist eine Art Rococo des Geistes—aber doch ein véritabler goût!
Goethe langweilig und “undulatorisch.”
Die englischen Gelehrten huldigen dem Zeitschriften-Genius und seiner tiefen Mittelmäßigkeit.
25 [39]
Verhältniß von Mittelmäßigkeit zur Tugend—Aristoteles hat den fatalen Thatbestand angenehm empfunden!
25 [40]
Plato—das Ungriechische an ihm, die Verachtung des Leibes, der Schönheit usw. Es ist eine Vorstufe des Mittelalters—Jesuitismus de Erziehung und Despotismus. Er wird charakterisirt durch seinen “indifferenten” Gott—: Lust und Unlust sind ihm schon peinlich. Offenbar fastete er und lebte enthaltsam.
25 [41]
Den Zustand meiner Jugend fand ich sehr gut beschrieben in de Custine, mémoires et voyages. Er war 18 Jahre alt (1811)
je n’aspire qu’à des affections puissantes et sérieuses p. 25.
25 [42]
“Ce n’est pas par vanité, que le génie veut des encouragements, c’est par modestie, par défiance de lui-même.” De Custine.
25 [43]
“L’homme de génie pressent, l’homme de talent raconte: mais nul ne se sent et n’exprime dans le même moment. Le vrai malheureux ne peut que se taire: son silence est l’effet et la preuve même de son infortune.” De Custine.
25 [44]
“Tant d’intérêts à ménager, tant de mensonges à écouter avec cet air de dupe, première condition de la politesse sociale, fatiguent mon esprit sans l’occuper.” De Custine.
25 [45]
Madame de Lambert sagte zu ihrem Sohn “mon ami, ne vous permettez jamais que les folies, qui vous feront grand plaisir.”
“un crime, quand on y est poussé par une puissance qui vous paraît irrésistible, trouble moins la conscience qu’une faiblesse volontaire et vaniteuse.” De Custine.
25 [46]
Madame de Boufflers: “il n’y a de parfaits que les gens, qu’on ne connaît pas.”
25 [47]
Gerade die Lebhaftigkeit seiner Einbildungskraft macht die Schwierigkeit erklärlich, die er findet zu handeln. Er ist in solcher Höhe des Gedankens angelangt, daß, für ihn, das intellektuelle Leben vom aktiven Leben durch einen Abgrund getrennt ist. Il (Werner) est l’Allemagne personnifiée. (1811)
25 [48]
“Geboren in einer Periode, deren Meisterwerk René ist—muß ich mich der unfreiwilligen Tyrannei entledigen, die er auf mich ausübt”: De Custine 1811. Chateaubriand’s Einfluß.
25 [49]
“Die Unruhe des Geistes ist unersättlich wie das Laster.” De Custine.
25 [50]
Der Nachtheil des Reisenden (des Cosmopolitismus des Gelehrten auch) gut bei De Custine, I p. 332-3. Beraubt der Billigung und der Überwachung, sucht er eine Stütze in der Verachtung der Menschen. Seine oberflächlichen Studien zeigen ihm das, was auf der Oberfläche ist: Fehler und Lächerlichkeiten. Wird er alt, so ist er unfähig geworden, tiefe Neigungen keimen zu lassen.
25 [51]
Das Alterthum hatte jene kleine Dosis von Christenthum schon in sich, welche dem Aufblühen der Künste gut ist. Der Katholicismus aber war eine barbarische Vergröberung davon: ein Kirchenvater aus einem Plato gemacht!
25 [52]
“noblesse tragique, cette dignité, égalité de style, nos gestes peu naturels, notre chant ampoulé”—in England als Affektation erscheinend. Der Franzose empfindet das englische Theater als ignoble.
“Bei Shakespeare herrscht der Sinn des Wahren über den (des) Schönen. Sein Stil, bisweilen erhaben, ist unter seinen Conceptions, selten befreit er sich von den Fehlern seines Jahrhunderts: le concetti, la recherche, la trivialité, l’abondance des paroles.”
25 [53]
Die anziehende Kraft furchtbarer (vernichtender) Dinge: der Schwindel, sich in die Abgründe der Zukunft zu stürzen —
25 [54]
quelque philosophe morose finira peut-être par oser dire de la liberté moderne, qu’elle consiste dans la double faculté de mentir auz autres et de se mentir à soi-même (1822).
25 [55]
Über Walter Scott: erkennt mehr das Werk eines “Décorateur, als das eines Malers.” Er malt, was sich den Blicken bietet: die Analyse der Gefühl échappe à cette plume, qui n’est jamais qu’un pinceau.— Seine Poesie ist nicht l’expression immédeate de ce qui se passe dans son âme, er entschlüpft der Manier nicht, weil il ne prend pas lui-même assez de part à ce qu’il dit. “Anschein der Wahrheit.” Man wünscht sublime Züge, wo die Seele sich mit Einem Wort enthüllt.— Er ist der Rossini de la littérature—er wählt mit nicht genug Geschmack di Einzelheiten, die am bemerkenswerthesten sind. Seinen Bildern fehlt die Perspektive—zuviel Objekte im Vordergrund, parce qu’il ne sait pas prendre un parti pour la lumière. Es sind Prozession—nicht eine Handlung, für welche der Künstler allen Anschauern den einzigen richtigen point de vue giebt. An Stelle des Genies histor Instinkt. Durch sein Talent, Illusion zu schaffen, wird er der populärste Autor des temps peu consciencieux où nous vivons. Sein Verdienst eine Revolution: er hat besser als irgend jemand vor ihm das Problem des histor Romans gelöst. “pour avoir su ramener, si n’est le sentiment, au moins la mode du vrai dans le siècle du faux.”
25 [56]
“Die Vernunft macht es wie alle Sklaven: sie verachtet friedliebende Herren und dient einem Tyrannen. Mitten im Kampfe mit heftigen Leidenschaften läßt sie uns im Stich; sie vertheidigt uns nur gegen kleine affections.”
25 [57]
Über das moderne Sklaventhum De Custine II p. 291.
25 [58]
Zur Sonntags-Heiligung: on a rendu le délassement si pénible, qu’il fait aimer la fatigue “sie kommen zurück in ihre Häuser, ganz glücklich zu denken, daß morgen die Arbeit wieder losgeht”
25 [59]
Die großen englischen Schauspieler wie Kean haben die höchste Einfachheit der Gesten und das seltene Talent, mit Wahrheit die heftigsten Affekte auf ihrer höchsten Stufe nachzuahmen.
Kean hatte auch in der Deklamation Einfachheit: im Gegensatz zu der Schule Kemble’s, der un chant ampoulé eingeführt hatte très peu favorable aux grands effets tragiques.
“Die Natur auf der That zu ertappen, in Zuständen wo sie am schwersten zu beobachten ist”—sein Talent.
25 [60]
“Das Herz des Franzosen im Theater verhärtet sich wenn man es zu sehr rühren will. Es liebt die Ideen eines Autors zu vervollständigen: in England fürchtet man, etwas zu rathen zu haben”
25 [61]
“Die Poesie als eine Art Reaktion des Ideals contre le positif: je mehr die Seele gedrückt ist, um so mehr Kraft braucht sie in ihrem élan vers l’idéal. Der revolutionäre Geist wesentlich antipoetisch: denn die Poesie will sich an der Wirklichkeit rächen, dazu thut eine solide Basis noth, gegen welche sie ankämpft. Der conservative Geist ist in so fern günstig der Entwicklung des Génies: die Phantasie fliegt da aufwärts: Poesie und Glaube sind nur die Ahnung einer besseren Welt.” C. Zur Erklärung Byron’s in einer rechnenden Nation.
25 [62]
“Die eingeborene Pedanterie der Engländer treibt Alles zum Extrem: die Ordnungsliebe wird minutie; le goût pour l’élégance puérilité (“Kinderei”), das Bedürfniß nach Bequemlichkeit wird zu Egoismus, der Stolz zu Vorurtheile gegen die Nachbarn, die Thätigkeit zur Rivalität usw.
25 [63]
Le comfort drinnen, la “fashion draußen—die tödtlichen Feinde des Glücksund der Ruhe der Engländer. Das Bedürfniß der Mode—ist nur das Bedürfniß beneidet oder bewundert zu sein.”
25 [64]
Der Fluch, der den Menschen zur Arbeit verdammt, ist ihm auf der Stirn geschrieben. “Les Anglais sont des galériens opulens.”
25 [65]
Kein Geschmack: das Resultat einer großen Intelligenz, die an einen kleinlichen esprit geknüpft ist und hartnäckig in der Neuerung ist. L’esprit de détail, l’attention aux petites choses produit le soin, mais “weder das Große noch das Schöne dans les arts.”
25 [66]
L’esprit frondeur als Element aufgenommen in die Verfassung—das treibt zum Paradoxen. “Man schätzt die Dinge nicht wie sie an sich sind, sondern nach ihren Beziehungen zur herrschenden Macht.”
25 [67]
Die aufgeklärten Völker urtheilen schlechter über Menschen und Dinge: ihre présumption ist die Ursache.
25 [68]
“Die Meinungen wechseln da vollständig und prompt par pur esprit de parti. Aus Haß gegen ein Ministerium weiß schwarz nennen, ist verhängnißvoller für die Moral als eine weitgetriebene soumission.
Der Gehorsam läßt uns, weit getrieben, auf Rechte verzichten: l’esprit de révolte läßt uns Pflichten opfern.”
25 [69]
“Die Gewohnheiten regulär, die sentiments romanhaft.”
25 [70]
NB. Das Überhandnehmen der sklavischen Gesinnung in Europa: der große Sklaven-Aufstand. (ego)
Der Sklave im Regiment.
Das Mißtrauen gegen alle noblesse des Gefühls, Herrschaft der gröbsten Bedürfnisse. Die moralische Verlogenheit.
Das Sklaven-Mißverständniß der Cultur und des Schönen. Mode, Presse, suffrage universel, faits—er erfindet immer neue Formen des sklavischen Bedürfnisses.
Der niedere Mensch sich empörend z. B. Luther gegen die sancti
die Unterwerfung unter die facta, als Wissenschaft der Sklaven.
25 [71]
Die zunehmende Verdummung und Vergemeinerung Europa’s.
Nachwuchs des Adels l’homme supérieur immer mehr angefeindet.
die moralistische Cultur der Spanier und Franzosen im Zusammenhang mit dem Jesuitism. Dieser wird mißverstanden.
Das Fehlen aller moralischen Praktik; Gefühle statt Principien.
25 [72]
“il souffre, il succombe au lieu de combattre et de vaincre. Was soll man mit einem Gefühl gegen eine Passion machen! l’attaque et la défense viendraient de la même source! Wenn der Feind im Herzen ist, dann Autorität, Gewohnheit, dann Gehorsam, Erniedrigung, Regel, Disciplin, Gesetz, Übrungen, selbst anscheinend puériles, dann ein Anderer als wir, ein Priester, ein Beichtiger, dessen Stimme unsere schweigen macht: das hat man nöthig, um uns vor uns selber zu retten.” C. “Wenn man unsinnig wird, genügt es nicht, um sich nicht zu tödten, daß man geträumt hat, ein christlicher Philosoph zu sein: wie es die Mehrzahl der Protestanten sind, die denken.”
25 [73]
Es thut also noth: eine Art Erzieher und Retter, auch Zufluchts-Stätten außerhalb der gewöhnlichen Welt, hartes Leben, viele Erfindungen der Askese zur Selbst-Beherrschung. Schutz vor der Sklaven-Gemeinheit und dem Pharisäismus.
25 [74]
Höhepunkte der Redlichkeit: Macchiavell, der Jesuitismus, Montaigne, Larochefoucauld
die Deutschen als Rückfall in die moralische Verlogenheit
25 [75]
“Die gemeinen Naturen täuschen sich über die noblen: sie errathen deren Motive nicht”!
25 [76]
“Die Fähigkeit, uns selber zu vergessen, die Hingebung, die Aufopferung—all das Verdienst so seltener Gaben ist verloren für den, welcher nicht weiß, sich geliebt zu machen, wenn er liebt. Diese leidenschaftlichen Seelen werden dann undankbar: sie profitiren von ihrer Civilisation, um sie zu verläumden. Wo können sie denn leben, wenn nicht in den Wäldern und nicht in der Welt!”
25 [77]
“Wo sind die vollständigeren Charaktere in unserer Welt? Die Darstellung der Tugend in moral Büchern hat alle Geister gefälscht, alle Herzen verhärtet, welche nur auf Eine Art gerührt werden.”
“il ne faudra pas moins d’une ère toute entière de cynisme littéraire, pour nous débarrasser des habitudes d’hypocrisie.”
25 [78]
“Ruhm dem Starken, den unsere Zeit als den Chef der romantischen Schule preist—Victor Hugo” 1835.
25 [79]
“l’amour exalté de la vérité est la misanthropie des bons coeurs”
25 [80]
Aus dem Zeitalter der religiösen Heuchelei hinübergegangen. “Eine der Wohlthaten des représent gouvernem ist genau dies, die Ehrgeizigen zu zwingen, die Maske der Moral und Menschlichkeit vorzunehmen. Aber warum dann sich ereifern über die Geistlichkeit, welche, so lange sie herrschte, die Civilisation unterstützte mit ganz ähnlichen Mitteln?— Den Priestern soll man nicht ihren Ehrgeiz vorwerfen, sondern wollen ohne zu können. Sie täuschen sich über ihre Zeit: darum thun sie Schaden.”
In der Welt giebt es gar nicht Gute und Böse: diese sind immer à part. Die übermenschlichen Tugenden sin insociables und ebenso die großen Verbrechen. Aber in allen Gesellschaften giebt es zurückgebliebene und “fortdeschrittene” Geister. Sie haben dieselbe Passion: aber die ersteren bedienen sich, um über ihre persönlichen Absichten zu täuschen, der Worte, deren Hohlheit die Welt schon dennt: und die Anderen reden, zu den gleichen Zwecken, eine Sprache, die die Masse noch täuscht: sie hat den Schlüssel zu diesen Worten nicht.
Das ist der Unterschied zwischen den Mittelmäßigen und den höheren Geistern: die letzteren verstehen im Grunde die Sprache ihrer Zeit: die ersteren bemerken die Lüge nur in der Sprache ihrer Voreltern. Über “ewiges Heil” “Hölle” “Paradies” charité ist man aufgeklärt; unsere Enkel werden es über Philanthropie, liberté, privilégé, progrès sein.
“Die Reformatoren einer Epoche sind die Conservatoren einer anderen. Dasselbe génie kann betrachtet werden comme créateur ou comme radoteur.”
25 [81]
“Das Wahre ist niemals wahrscheinlich.”
25 [82]
“Der luxe sollte nur dort erlaubt sein, wo die Armen guten Humor haben”: er verdirbt die, welche ihn beneiden.
25 [83]
“— les apôtres modernes, les auteurs philosophes, mentent plus que les prêtres qu’ils ont détrônés sans les remplacer.”
25 [84]
Es ist das Zeitalter der Verlogenheit: die moralische Güte ist das, was affichirt wird. Man wehrt sich gegen La Rochfoucauld und das Christenthum—: der große Sklaven-Aufstand.
Festzustellen: der Mensch ist böse—das furchtbarste Raubthier, in Verstellung und Grausamkeit.
Festzustellen: daß er noch böse ist, enthält die Hoffnung. Denn der gute Mensch ist die Caricatur, welche Ekel macht: er läuft dem Ende immer voraus.
25 [85]
Die Verdummung, auch in der Wissenschaft. Die Anspruchslosigkeit in der Verehrung Darwins. Die Bescheidenheit in der Politik usw.
25 [86]
Tendenz des Trauerspiels nach Schopenhauer II 495. “Was allem Tragischen den eigenthümlichen Schwung zur Erhebung giebt, ist das Aufgehen der Errkenntniß, daß die Welt, das Leben, kein wahres Genügen geben könne, mithin unserer Anhänglichkeit nicht werth sei: darin besteht der tragische Geist: er leitet demnach zur Resignation hin.”— Oh wie anders redet Dionysos zu mir!— Schopenhauer: “weil die Alten noch nicht zum Gipfel und Ziel des Trauerspiels, ja der Lebensansicht überhaupt gelangt waren.”
25 [87]
Große Dichter haben viele Personen in sich: manche nur Eine, aber eine große! —
25 [88]
| Die Furcht—sklavenhaft. Der mindeste Aufwand an Geist (Nachahmung) Die Gleichgültigkeit und der Haß gegen das Seltne. Die Häßlichkeit. Das Durcheinander der Stile. Das ausbrechende Bedürfniß der Lüge—Epidemie. | Zeitalter der Verlogenheit |
25 [89]
Das Wesentliche am Künstler und Genie: der Schauspieler. Kein Mensch besitzt zur gleichen Zeit Ausdruck und Gefühl; Worte und Wirklichkeit. Der tiefe égoisme unter der Sprache der sensibilité.
25 [90]
“Mangel an Delikatesse in der Wahl der Mittel des Erfolgs, Mißbrauch der Invektive, Haß auf das, was da ist, Gleichgültigkeit gegen das, was sein wird—gemeinsam den französischen Schriftstellern der letzten 10 Jahre (1835) Rückkehr zum wilden Leben predigen mit einer Feder, von der man Ruhm und Glück in der socialen Welt erwartet—ist eine Undankbarkeit und eine Kinderei.”
25 [91]
“L’effet ordinaire du désespoir est de rendre l’énergie à ceux, qui sont témoins de cette maladie morale”
25 [92]
“die Frauen immer weniger civilisirt als die Männer: im Grunde der Seele wild; sie leben im Staate wie die Katzen im Hause, immer bereit zur Thür oder zum Fenster hinauszuspringen und in ihr Element zurückzukehren”
25 [93]
Das Moralische d. h. die Affekte—als identisch mit dem Organischen der Intellekt als “Magen der Affekte.”
25 [94]
Die Identität im Wesen des Eroberers, Gesetzgebers und Künstlers—das Sich-hinein-bilden in den Stoff, höchste Willenskraft, ehemals sich als “Werkzeug Gottes” fühlend, so unwiderstehlich sich selber erscheinend. Höchste Form des Zeugung-Triebes und zugleich der mütterlichen Kräfte. Die Umformung der Welt, um es in ihr aushalten zu können—ist das Treibende: folglich als Voraussetzung ein ungeheures Gefühl des Widerspruchs. Bei den Künstlern genügt schon sich mit Bildern und Abbildern davon zu umgeben z. B. Homer unter den “erbärmlichen Sterblichen.” Das “Los-sein-von-Interesse und ego” ist Unsinn und ungenaue Beobachtung: es ist vielmehr das Entzücken, jetzt in unserer Welt zu sein, die Angst vor dem Fremden loszusein!
25 [95]
Ich habe die Erkenntniß vor so furchtbare Bilder gestellt, daß jedes “epikureische Vergnügen” dabei unmöglich ist. Nur die dionysische Lust reicht aus—ich habe das Tragische erst entdeckt. Bei den Griechen wurde es, dank ihrer moralistischen Oberflächlichkeit, mißverstanden. Auch Resignation ist nicht eine Lehre der Tragödie!—sondern ein Mißverständniß derselben! Sehnsucht in’s Nichts ist Verneinung der tragischen Weisheit, ihr Gegensatz!
25 [96]
Meine Voraussetzungen: 1) keine End- “Ursachen.” Selbst bei menschlichen Handlungen erklärt die Absicht das Thun gar nicht.
2) die “Absicht” trifft das Wesen der Handlung nicht, folglich ist die moralische Beurtheilung der Handlungen nach Absichten falsch.
3) “Seele” als Vielheit der Affekte, mit Einem Intellekte, mit unsicheren Grenzen.
4) die mechanische Welt-Erklärung hat alles, auch das organische Leben ohne Lust Unlust Denken usw. zu erklären: also keine “beseelten Atome”!—sie sucht für das Auge alles Geschehen anschaulich zu machen. “Berechenbarkeit” zu praktischen Zwecken will sie! —
5) Es giebt gar keine selbstlosen Handlungen!
25 [97]
Die Frage nach unserem “Wohl” ist durch das Christenthum und den Buddhism vertieft: dagegen ist die Engländerei blödsinnig-alltäglich: der Engländer meint “comfort.” Die Welt nicht nach unseren persönlichsten Begleit-Gefühlen messen, sondern wie als ob sie ein Schauspiel wäre und wir zum Schauspiel gehörten!
25 [98]
“Im Zeitalter der öffentlichen liberté: die Franzosen von heute werden schwerfällig und dumm und kalt, wenn sie en public sind: aus Furcht, sich Feinde zu machen, werden sie da zu tiefen Diplomaten und raffinirten Heuchlern. Ohne esprit, ohne Urtheil und klug aus Furcht. Sklaverei des Individuums.” C.
25 [99]
An großen Viehheerden zu studiren:
Die steigende Vergrößerung des Menschen besteht darin, daß die Führer, die “Vor-Ochsen,” die Seltenen entstehen. “Gut” nennen sich die Mitglieder der Heerde: das Hauptmotiv in der Entstehung der Guten ist die Furcht. Verträglichkeit, dem-Anderen-Zuvorkommen mit Güte, sich-Anpassen vieles Abwehren und Vorbeugen von Noth, mit stiller Erwartung, daß es uns gleich vergolten wird, Vermeiden der Feindseligkeit, Verzicht auf Furcht-Einflößen—das Alles, lange nur Heuchelei der Güte, wird endlich Güte.
25 [100]
Alles Loben, Tadeln, Belohnen Strafen erscheint mir erst gerechtfertigt, wenn es als Wille der bildenden Kraft erscheint: also absolut losgelöst von der moralischen Frage “darf ich loben strafen?”—mithin völlig unmoralisch. Ich lobe tadle belohne strafe, damit der Mensch nach meinem Bilde sich verwandle; denn ich weiß, daß mein Loben Strafen usw. eine verwandelnde Kraft hat. (Dies vermöge der Wirkung auf Eitelkeit Ehrgeiz Furcht und alle Affekte bei dem Gelobten und Bestraften.) So lange ich noch mich selber unter das moralische Gesetz stelle, dürfte ich nicht loben und strafen.
25 [101]
Von den Mitteln der Verschönerung. Eine Albernheit, die dem alten Kant zur Last zu legen ist: “es gefällt ohne Interesse.” Und da weist Mancher noch mit Stolz darauf hin, daß er beim Anblick einer griechischen Venus usw. Dagegen habe ich den Zustand beschrieben, den das Schöne hervorbringt: das Wesentlichste ist aber vom Künstler auszugehn. Sich den Anblick der Dinge erträglich zu machen, sie nicht zu fürchten, und ein scheinbares Glück in sie hineinlegen—Grundempfindung, daß der glückliche, Sich selber Liebende Mensch kein Wehethäter ist.— Dieses Umdeuten des Thatsächlichen in’s Glückliche “Göttliche” hat nun der Mensch auch auf sich verwandt: diese Mittel der Selbst-Verschönerung und der Verschönerung des Menschen überhaupt ist Moral. Darin ist: 1) Wegsehn 2) Sehen, was gar nicht da ist—Zusammenfassen Vereinfachen 3) Sich verstellen, so daß Vieles nicht sichtbar wird 4) sich verstellen, so daß das Sichtbarwerdende einen falschen Schluß ergiebt.— Das Produkt ist der “gute Mensch,” wozu immer eine Gesellschaft gehört. Es ist also im Wesen der Moral Etwas, das wider die Redlichkeit geht: weil sie Kunst ist. Wie ist es nun möglich, daß es eine “Redlichkeit” giebt, welche die Moral selber zersetzt?— 1) Diese Redlichkeit muß aus dem Thatsachen-Sinn abzuleiten sein: nämlich man hat zu viel Schaden gehabt von dieser Heuchelei der Verschönerung, die Geschädigten reißen die Maske herunter 2) es giebt einen Genuß des Häßlichen, wenn es furchtbar ist: die Emotion des furchtbaren Anblicks der wahren menschlichen Natur ist oft gesucht worden von den Moralisten 3) der christliche Affekt der Selbst-Zerstörung, der Widerspruch gegen alles Verschönernde hat gearbeitet: die Lust der Grausamkeit. 4) der alte Sklaven-Sinn, welcher sich niederwerfen will und schließlich vor der nackten “Thatsache” niederwirft, nachdem nichts übrig geblieben ist, Vergötterung der facta, der Gesetze usw. ein Ausruhen nach langer Arbeit der Zerstörung von Göttern, Aristokratien, Vorurtheilen usw., und Folge eines Blicks ins Leere)
Das Gesammt-Resultat aller Moralisten: der Mensch ist böse—ein Raubthier. Die “Verbesserung” geht nicht auf den Grund, und ist mehr äußerlich, das “Gute” ist wesentlich Decoration, oder Schwäche.
Dabei aber standen die Moralisten selber unter der Nachwirkung der moral Urtheile, oder des Christenthums, der Welt-Verneinung: Niemand noch hat ein Vergnügen an diesem Resultat gehabt. Das heißt: sie haben die Werthschätzung der “Guten” selber!
“Man muß den Menschen verschönern und erträglich machen”: dagegen sagte das Christenthum und der Buddh—man muß ihn verneinen. Es hat also im Grunde nichts so gegen sich als den guten Menschen: den haßt es am meisten. Deshalb suchen die Priester Selbst-Zerstörung des Genusses an sich mit allen Mitteln.
Die griechischen Philosophen suchten nicht anders “Glück” als in der Form, sich schön zu finden: also aus sich die Statue zu bilden, deren Anblick wohlthut (keine Furcht und Ekel erregt)
Der “häßlichste Mensch” als Ideal weltverneinender Denkweisen. Aber auch die Religionen sind noch Resultate jenes Triebs nach Schönheit (oder es aushalten zu können): die letzte Consequenz wäre—die absolute Häßlichkeit des Menschen zu fassen, das Dasein ohne Gott, Vernunft usw.—reiner Buddhismus. Je häßlicher, desto besser.
Diese extremste Form der Welt-Verneinung habe ich gesucht. “Es ist alles Leiden,” es ist alles Lüge, was “gut” scheint (Glück usw.) Und statt zu sagen “es ist alles Leiden” habe ich gesagt: es ist alles Leiden-machen, Tödten, auch im besten Menschen.
“Es ist alles Schein”—es ist alles Lüge
“Es ist alles Leiden”—es ist alles Wehe-Thun, Tödten, Vernichten, Ungerecht-Sein
Das Leben selber ist ein Gegensatz zur “Wahrheit” und zur “Güte”—ego
Das Leben-Bejahen—das selber heißt die Lüge bejahen.— Also man kann nur mit einer absolut unmoralischen Denkweise leben. Aus dieser heraus erträgt man dann auch wieder die Moral und die Absicht auf Verschönerung.— Aber die Unschuld der Lüge ist dahin!
Die Griechen als Schauspieler. Ihr “Idealismus.”
Die Ver-Griechung einmal darstellen als Roman. Rückwärts—auch die Sinnlichkeit, immer höher strenger. Endlich bis zur Offenbarung des Dionysischen. Entdeckung des Tragischen: “Bock und Gott.”
25 [102]
Inwiefern die absolute Wissenschaftlichkeit noch Etwas von Christenthum an sich trägt, eine Verkleidung ist
25 [103]
| A) | Zuerst: der Verfall der modernen Seele in allen Formen in wiefern von Socrates an der Verfall beginnt—meine alte Abneigung gegen Plato, als antiantik. die “moderne Seele”: war schon da! |
| B) | Darzustellen: die zunehmende Härte |
| Sinnen-Kraft Schamlosigkeit. das Unhistorische Wettkampf Gefühl gegen das Barbarische Haß des Unbe- stimmten Unge- formten der Wöl- bung die Schlichtheit der Lebensweise. Götter schaffen, als seine höhere Ge- sellschaft. |
C)
25 [104]
Auf die Schule des romantisme ist in Frankreich gefolgt l’école du document humain. Der Urheber des Ausdrucks ist Edmond de Goncourt.
wissenschaftliche Hysterie—sage ich.
Consequenz: die wissenschaftliche Lust des Menschen an sich selber.—
Das Unwissenschaftliche daran ist die Lust am Ausnahmefall.
25 [105]
Man muß von den Kriegen her lernen: 1) den Tod in die Nähe der Interessen zu bringen, für die man kämpft—das macht uns ehrwürdig 2) man muß lernen, Viele zum Opfer bringen und seine Sache wichtig genug nehmen, um die Menschen nicht zu schonen. 3) die starre Disciplin, und im Krieg Gewalt und List sich zugestehn.
25 [106]
Die Perspektiven der griechischen Moralisten: die Moralität die Folge von Urtheilen (und von falschen Urtheilen)—“warum?” falsche Frage und Entwicklung, das eigene Glück als Ziel alles Handelns (es muß das höchste Glück sein als Folge der höchsten Einsicht—voller Hypocrisie folglich)—die Schamlosigkeit im Präsentiren der Tugend (Vergöttlichung bei Plato) das Verleumden aller unbewußten Regungen, die Verachtung der Affekte—
unbewußt streben sie alle nach der schönen Bildsäule—sie wollen vor Allem Tugend repräsentiren, es ist das große Schauspielerthum der Tugend.
aber sie sind Kinder ihrer Zeit—nicht mehr tragische Schauspieler, nicht Darsteller des Heroen-thums, sondern “Olympier,” oberflächlich. Viel plebejischer Ehrgeiz und Parvenu-thum ist darin. “Rasse” soll nichts sein: das Individuum fängt mit sich an.
Viel Ausländerei—der Orient, der Quietismus, die semitische Erfindung von der “Heiligkeit” wirken.
Eifersucht auf die bildenden Künste
25 [107]
Die alte Sittlichkeit hat jenen Grundglauben, daß es mit den Menschen rückwärts geht: daß Glück Kraft Tugend sehr fern von uns sind. Es ist das Urtheil derer, welche die Auflösung sehen und im Starrwerden das Heil.
Ziel aller großen Moralisten bisher: eine endgültige Form “Denkweise” zu schaffen—in China, im Brahmanenthum, in Peru, im Jesuitism, auch Aegypten; auch Plato wollte es. Eine Kaste schaffen, deren Existenz mit dem Starrwerden der moral Urtheile verknüpft ist, als Lebens-Interesse—die Klasse der Guten und Gerechten.
25 [108]
“Die französische Revolution hat eine Gesellschaft geschaffen, sie sucht noch ihr gouvernement.”—
25 [109]
“1789: die Menschen ‘des guten Willens,’ von denen die Bibel redet, schienen zum ersten Male die Herren der Dinge der Erde. Ein Volk, sanft, vertrauend, gewohnt seit Jahrhunderten geduldig zu leiden und von seinen Führern Lösung seiner Noth zu erwarten: eine mittlere Klasse, reich, aufgeklärt, honnet; eine noblesse, welche ihren Stolz hinein setzt, Privilegien fahren zu lassen, von der Philosoph entzückt, glühend für das öffentliche Wohl; ein Clerus, von liberalen Ideen durchdrungen: ein König bereit die Willkür-Macht zu vernichten und restaurateur de la liberté française zu werden”—
Und warum mißräth Alles? Weil alle diese guten Leute willensschwach waren! le roi trop défiant, trop faible; die Königin in blindem Haß gegen die révol, die noblesse durch die Gefahr der Krone zu ihren alten Instinkten zurückgerufen, sieht jetzt in ihr einen Irrthum und comme une lâcheté ses concessions premières (ja! das ist die Art der Schwachen!) la maladresse janséniste macht einen unheilvollen Versuch, die Kirche durch den Staat zu organisiren und entfremdet so die Geistlichkeit: und auf dem Lande und den Städten gab es lange aufgehäuften Todhaß gegen die Feudalzeit (jetzt noch größer als die Furcht vor dem “rothen Gespenst”)
25 [110]
Napoleon einer anderen Art Wesen zugehörig, bei denen die Kraft der Berechnung, die Macht der Combinationen, die Fähigkeit der Arbeit unsäglich entwickelter ist als bei uns, während man vergeblich gewisse moralischen Qualitäten suchen würde, die bei uns gewöhnlich sind:—fremd den Ideen der Gerechtigkeit, wenig gemacht die Geschichte und seine Zeit selber zu begreifen, ganz vom persönlichen Interesse beherrscht und dick blind über dies Interesse: Mangel an Unterscheidung von Gut und Böse, cette soif impérieuse de succès, absolute Gleichgültigkeit gegen die Mittel, alles das, was Verbrecher macht—: in moralischer Beziehung nicht besser und schlechter als unsers Gleichen. Aber was ihm am meisten fehlte, die wunderbarste Lücke: la grandeur d’âme (magnanimité) die noble Eigenschaft, die oft im Erfolge selber ihren Ursprung nimmt und sich mit unserem Glück in gleichem Schritt entwickelt und die schrittweise oft vulgären und des moralischen Sinnes entblößten Naturen auf die Höhe der Ereignisse hebt à la hauteur de la destinée imprévue. Gewiß, Größe der Conception existirte bei ihm, wenn das Maaßlose groß heißt (das was außer Proportion zu den Mitteln ist, mit denen wir hier unten handeln)
Größe der Seele ist nicht: daß er, sonst so hart, nicht zu seinen Stunden indulgent war, bisweilen bonhomie bienveillante, welche die Menge bei ihren Herren immer mit bonté verwechselt: aber ces rares relâchements eines immer gespannten Geistes, cette facilité intermittente d’un coeur indifférent.
Er sah in Frankreich, “diese rührende Creatur voll sublimer Instinkte, aber unter dem Gewicht seiner Leiden und Fehler niedergesunken” nur seine Beute. Der erste Consul war vor das größte Schauspiel gestellt, er hätte die tiefste und désinteressée émotion fühlen müssen vor dieser Scene, die einzig in der Geschichte ist: denn Caesar fand eine alte und ausathmende Republik vor sich. Aber er dachte an sich!
esprit mal cultivé, imagination méridionale—er nahm bald Cäsar bald Karl den Großen als Modell, imbu surtout du féticisme monarchique, il rêve pourpre, trône et couronne pour les siens, fast wie jene Barbarenchefs, welche glaubten sich zu vergrößern, indem sie den Hof von Constantinopel nachahmten.
25 [111]
Zeigen, wo Alles es Grausamkeit giebt: wo Habsucht: wo Herrschsucht usw.
25 [112]
Erste Frage: die Herrschaft der Erde—angelsächsisch. Das deutsche Element ein gutes Ferment, es versteht nicht zu herrschen. Die Herrschaft in Europa ist nur deshalb deutsch, weil es mit ermüdeten greisen Völkern zu thun hat, es ist seine Barbarei, seine verzögerte Cultur, die die Macht giebt.
Frankreich voran in der Cultur, Zeichen des Verfalls Europa’s. Rußland muß Herr Europas und Asiens werden—es muß colonisiren und China und Indien gewinnen. Europa als das Griechenland unter der Herrschaft Roms.
Europa also zu fassen als Cultur-Centrum: die nationalen Thorheiten sollen uns nicht blind machen, daß in der höheren Region bereits eine fortwährende gegenseitige Abhängigkeit besteht. Frankreich und die deutsche Philosophie. R. Wagner von 1830-50 und Paris. Goethe und Griechenland. Alles strebt nach einer Synthese der europäischen Vergangenheit in höchsten geistigen Typen
— eine Art Mitte, welche das Krankhafte an jeder Nation (z. B. die wissenschaftliche Hysterie der Pariser) ablehnt.
Die Gewalt ist einmal getheilt zwischen Slaven und Angelsachsen. Der geistige Einfluß könnte in den Händen des typischen Europäers sein (dieser zu vergleichen dem Athener, auch dem Pariser—siehe die Schilderung Goncourt’s in Renée Mauperin) Bisher sind die Engländer dumm, die Amerikaner werden nothwendig oberflächlich (Hast)
Wenn aber Europa in die Hände des Pöbels geräth, so ist es mit der europäischen Cultur vorbei! Kampf der Armen mit den Reichen. Also ist es ein letztes Aufflackern. Und bei Zeiten bei Seite schaffen, was zu retten ist! Die Länder bezeichnen, in welche sich die Cultur zurückziehen kann—durch eine gewisse Unzugänglichkeit, z.B. Mexico.
25 [113]
| Sklavenhafte Moral Herrenhafte Moral. | und ihr Gegensatz der Werthe. | |
| Grausamkeit Wollust Herrschsucht Habsucht Neid | und was davon in den Guten ist, und in Gerechtigkeit, Mitleid, Wahrhaftigkeit, Treue, Fleiß usw. |
Krankhafte Tugenden und Tugendhafte—und das Gesunde am Raubthier.
Unverhältnißmäßig wenig Bewußtsein über unsere Wirkungen. (Die Absichten und Zwecke als willkürliches Auslesen von Wirkungen)
Falsche Voraussetzungen über unsere Beweggründe (Grund-Zweifel: ob unsere bewußten Gefühle und Gedanken “bewegen”)
Der Leib als Lehrmeister: Moral Zeichensprache der Affekte.
Der Schaden der Guten: Die Guten als zweiten Ranges, Entartung. Verdummung, Haß auf geistige Entwicklung.
Individuum und Gemeinde.
Das “Individuum” als Vielheit und Wachsthum.
“Böse” als organische Funktion. Mitleiden. Für Andere.
Die Religionen als Moralen mit Voraussetzung anderer Welten: aber herrenhaft oder sklavenhaft.
25 [114]
In wiefern unsere jetzt übliche Ordnung der Werthe auf lauter falsche Voraussetzungen hinausläuft: Ursprung der herrschenden Grundschätzungen. NB!
25 [115]
Die Deutschen verderben, als Nachzügler, den großen Gang der europäischen Cultur: Bismarck—Luther z. B.; neuerdings, als Napoleon Europa in eine Staaten-Association bringen wollte (der einzige Mensch, der stark genug dazu war!), haben sie mit den “Freiheits-Kriegen” Alles vermanscht und das Unglück des Nationalitäten-Wahnsinns heraufbeschworen (mit der Consequenz der Rassenkämpfe in so altgemischten Ländern wie Europa!) So haben Deutsche (Carl Martell) die saracenische Cultur zum Stehen gebracht—: immer sind es die Zurückgebliebenen!
25 [116]
Die seiende Welt ist eine Erdichtung—es giebt nur eine werdende Welt.— So könnte es sein! Aber setzt die Erdichtung nicht den Dichter als seiend voraus?— Vielleicht ist die erdichtete andere Welt erst eine Ursache davon, daß der Dichter sich für seiend hält und gegenüberstellt.— Wenn das Wesentliche des Fühlens und Denkens ist, daß es Irrthümer (“Realitäten”) ansetzen muß:
Es giebt Fühlen und Denken: wie ist es aber in der Welt des Werdens nur möglich?— Die negativen Eigenschaften Oberflächlichkeit Stumpfheit der Sinne Langsamkeit des Geistes haben sich in positive Kräfte verwandelt (das Böse ist auch hier der Ursprung des Guten.)
ein Bild setzen, fertig machen auf Grund weniger Indicien, etwas als bleiend setzen, weil man die Veränderung nicht sieht.
Die Fähigkeit zu leben begünstigt durch diese dichtende Kraft.
25 [117]
Man hat für “unpersönlich” angesehen, was der Ausdruck der mächtigsten Personen war (J. Burckhardt mit gutem Instinkt vor dem palazzo Pitti): “Gewaltmensch”—ebenso Phidias—das Absehen vom Einzel-Reize.— Aber die Herren möchten sich gerne verstecken und loswerden z. B. Flaubert (Briefe)
25 [118]
Man muß gut und böse sein! Und wer nicht gut aus Schwäche war, war auch immer böse in hervorragendem Grade.
25 [119]
Nach Absichten einen Menschen abschätzen! Das wäre als wenn man einen Künstler nicht nach seinem Bilde, sondern nach seiner Vision taxirte! Wer hat nicht seine Mutter getödtet, seinen Freund verrathen, wenn es auf Gedanken ankommt! Man würde in einer artigen Einsamkeit leben, wenn Gedanken tödten könnten!
25 [120]
Wir enthalten den Entwurf zu vielen Personen in uns: der Dichter verräth sich in seinen Gestalten. Die Umstände bringen Eine Gestalt an uns heraus: wechseln die Umstände sehr, so sieht man an sich auch zwei, drei Gestalten.— Von jedem Augenblick unseres Lebens aus giebt es noch viele Möglichkeiten: der Zufall spielt immer mit!— Und gar in der Geschichte: die Schicksale jedes Volks sind nicht nothwendig in Hinsicht irgend einer Vernunft: es liegen in jedem Volke viele Volks-Charaktere, und jedes Ereigniß nährt den einen mehr als den anderen
25 [121]
Die zahme Barbarei
Die thatsächliche Barbarei Europa’s—und zunehmend:
die Verdummung (“der Engländer” als Normal-Mensch sich anlegend) die Verhäßlichung (“Japanisme”) (der revoltirende Plebejer) die Zunahme der sklavischen Tugenden und ihrer Werthe (“der Chinese”)
die Kunst als neurotischer Zustand bei den Künstlern, Mittel des Wahnsinns: die Lust an dem Thatsächlichen (Verlust des Ideals)
die Deutschen als Nachzügler (in der Politik der Centralisation des Monarchischen, wie Richelieu: in der Philosophie mit Kant Skepsis (zu Gunsten der Biedermännerei und Beamten-Tugend), mit Hegel Pantheism zu Gunsten der Staats-Anbetung, mit Schopenhauer Pessimism zu Gunsten der christlichen Mystik “Pascalismus”),
die schlechte Ernährung des ganzen europäischen Südens. England’s bessere Gesellschaft ist durch Ernährung voran,
“der gute Mensch” als das Heerdenvieh, aus dem Raubthier umgewandelt,
die historische Krankheit als Mangel der bildenden idealen Kraft—“Gerechtigkeit” bleibt übrig und “Unschädlichkeit” im äußerlichen Sinne.
Es ist die zahme Barbarei, die heraufzieht!
die Geltung der Dummen, der Frauen usw.
25 [122]
Man will den Leser zur Aufmerksamkeit zwingen “vergewaltigen”: daher die vielen packenden kleinen Züge des “Naturalisme”—das gehört zu einem demokratischen Zeitalter: grobe und durch überarbeit ermüdete Intellekte sollen gereizt werden!
25 [123]
ich halte diese Gemeinheit Shakespeare’s und Balzac’s mit Mühe aus: ein Geruch von pöbelhaften Empfindungen, ein Cloaken-Gestank von Großstadt, kommt überall her zur Nase.
25 [124]
Ich will die Weiber wieder zurückformen: die Sand und M de Staël beweisen gegen sie. (Sévigné und Eliot sollten mehr sein als Schriftstellerinnen und waren es auch—zum Theil Nothbehelf) Ich verdamme sie zum Handel: der commis soll in Verachtung!
25 [125]
Maler wie Dickens, V. Hugo, Gautier—auch dies heißt das Wort mißverstehn.
Der Gegensatz des Malers ist der Beschreiber (wie Balzac)
25 [126]
(Taine über Balzac:)
“Die Tugend als Umformung oder Entwicklungsstufe einer Leidenschaft oder einer Gewohnheit”: l’orgueil, la raideur d'ésprit, la niaiserie obéissante, la vanité, le préjugé, le calcul. Die Laster dienen dazu sie zu bilden (wie ein Parfum mit substances infectes) Der liebt die Armen wie ein Spieler das Spiel: Jener ist treu wie ein Hund. Der rechtschaffene aus Geschäftsstolz, Enge von Geist und Erziehung. Alle die kleinen Misères, die großen Häßlichkeiten des Tugendhaften. Die reinste Quelle der Tugend: la grandeur d’âme (M Aurel) und la délicatesse d’âme (P de Clèves)
25 [127]
Früher suchte man Gottes Absichten in der Geschichte: dann eine unbewußte Zweckmäßigkeit z. B. in der Geschichte eines Volkes, eine Ausgestaltung von Ideen usw. Jetzt erst hat man, durch Betrachtung der Thier-Geschichte, angefangen, den Blick für die Geschichte der Menschheit sich zu schaffen: und die erste Einsicht ist daß es keinen Plan bisher, weder für den Menschen, noch für ein Volk. Die allergröblichsten Zufälle sind das Gebieterische im Großen gewesen—sie sind es noch.
Bei jedem noch so zweckbewußten Thun ist die Summe des Zufälligen Nicht-Zweckmäßigen Zweck-Unbewußten daran ganz überwiegend, gleich der unnütz ausgestrahlten Sonnen-Gluth: das was Sinn hätte, ist verschwindend klein.
25 [128]
“Nützlich” ist nur ein Gesichtspunkt für die Nähe: alle fernen Folgen sind nicht zu übersehen, und jede Handlung kann gleich nützlich und gleich schädlich taxirt werden.
25 [129]
1. Alle bisherigen Werthschätzungen stammen aus Zuständen tiefster Unwissenheit.
2. In den gegenwärtigen Schätzungen gehn die verschiedensten Moralen durch einander.
25 [130]
Rousseau, in seiner Bevorzugung der Armen, der Frauen, des Volks als souverän, ist ganz in der christlichen Bewegung darin: alle sklavenhaften Fehler und Tugenden sind an ihm zu studiren, auch die unglaublichste Verlogenheit. (Der will Gerechtigkeit lehren!)
Sein Gegenstück Napoleon—antik, Menschen-Verächter
25 [131]
Wer bisher mit dem M im großen Stile zu thun hatte, taxirte ihn nach den Grund-Eigenschaften: es hat keinen Sinn, die zarteren Nuancen zu berücksichtigen. So that es Napoleon. Er machte sich nichts aus den christlichen Tugenden, nahm sie als gar nicht vorhanden (—er hatte ein Recht dazu)
25 [132]
Dies Jahrhundert, wo die Künste begreifen, daß die Eine auch Wirkungen der anderen hervorbringen kann: ruinirt vielleicht die Künste! z.B. mit Poesie zu malen (Victor Hugo, Balzac, W. Scott usw.
mit Musik poetische Gefühle erregen (Wagner)
mit Malerei poetische Gefühle, ja philosophische Ahnungen zu erregen (Cornelius)
mit Romanen Anatomie und Irren-Heilkunde treiben usw.
25 [133]
“ce talent (Philosophie der Geschichte) ne consistait pas, à l’allemande, dans l’improvisation risquée de théories sublimes” Taine
25 [134]
| Princip: die Eroberung der Menschheit: “die Herren der Erde”: | 1) Tiefe Verachtung gegen die an der Presse Arbeitenden. 2) Eine Gattung von Wesen zu schaffen, die den Priester Lehrer und Arzt ersetzen. 3) Eine Geistes- und Leibes-Aristokratie, die sich züchtet und immer neue Elemente in sich hinein nimmt und gegen die demokratische Welt der Mißrathenen und Halbgerathenen abhebt. |
25 [135]
In diesem Zeitalter, wo man begreift, daß die Wissenschaft anfängt, Systeme bauen, ist Kinderei. Sondern lange Entschlüsse über Methoden fassen, auf Jahrhunderte hin!—denn die Leitung der menschlichen Zukunft muß einmal in unsere Hand kommen!
— Methoden aber, die aus unserem Instinkte von selber kommen, also regulirte Gewohnheiten, die schon bestehen
z. B. Ausschluß der Zwecke.
25 [136]
Darstellung der Maschine “Mensch”
Cap. 1. Im Gesammt-Geschick der Menschheit herrschte absolut der Zufall: aber die Zeit kommt, wo wir Ziele haben müssen!!
Cap. II. die Ziele sind nicht da, die Ideale widersprechen sich—sie sind Consequenzen viel engerer Verhältnisse und auch aus zahllosen Irrthümern geboren. Kritik der Werthe—Selbstzersetzung der Moral.
Cap. III. Bisheriges Mißverständniß der Kunst: sie schaute rückwärts. Aber sie ist die Ideal-bildende Kraft—Sichtbarwerden der innersten Hoffnungen und Wünsche
25 [137]
Ich schreibe für eine Gattung Menschen, welche noch nicht vorhanden ist: für die “Herren der Erde.”
Die Religionen als Tröstungen, Abschirrungen gefährlich: der Mensch glaubt sich nun ausruhen zu dürfen.
Im Theages Plato’s steht es geschrieben: “jeder von uns möchte Herr womöglich aller Menschen sein, am liebsten Gott.” Diese Gesinnung muß wieder da sein.
Engländer, Amerikaner und Russen
25 [138]
Der große Landschafts-Maler Turner, der statt zu den Sinnen, zur Seele und zum Geiste reden will—philosophische und humanitäre Epopeen. Er hielt sich für den ersten der Menschen, und starb toll. “In Mitte eines Sturms, die Sonne in den Augen, den Schwindel im Kopf” so fühlt sich der Zuschauer. “In Folge der tiefen Aufmerksamkeit auf le moral de l’homme ist seine optische sensibilité désaccordée. Unangenehm fürs Auge! übertrieben, brutal, schreiend, hart, dissonant.” Taine.
25 [139]
“Die Kunst will höhere Bewegungen hervorbringen, das Sinn-Vergnügen ist nur die Basis des Eindrucks, aber es muß mit Freude begleitet sein 1) Gefühl der Liebe für das gemalte Objekt 2) Begriff der Güte einer höheren Intelligenz 3) ein Aufschwung von Dankbarkeit und Verehrung für diese Intelligenz: Ruskin Freund Turners”
25 [140]
NB. Der höchste Mensch als Abbild der Natur zu concipiren: ungeheurer Überfluß, ungeheure Vernunft im Einzelnen, als Ganzes sich verschwendend, gleichgültig dagegen:
25 [141]
Ingres: l’inventeur au 19me siècle de la photographie en couleur pour la reproduction des Pérugin et des Raphaël. Delacroix c’est l’antipôle—Bild der décadence dieser Zeit, le gâchis, la confusion, la littérature dans la peinture, la peinture dans la littérature, la prose dans les vers, les vers dans la prose, les passions, les nerfs, les faiblesses de notre temps, le tourment moderne. Des éclairs du sublime dans tout cela.
Delacroix eine Art Wagner.
25 [142]
M Salomon I p. 197.
Delacroix—er hat Alles versprochen, Alles angekündigt. Seine Bilder? foetus von Meisterwerken; der Mensch, der, après tout, am meisten Leidenschaften erregen wird comme tout grand incomplet. Ein fieberhaftes Leben in allem, was er schafft, une agitation de lunettes, un dessin fou— —er sucht la boulette du sculpteur, le modelage de triangles qui n’est plus contour de la ligne d’un corps, mais l’expression, l’épaisseur du relief de sa forme—harmoniste désaccordé, tragische Unterfarben, Höllendämpfe wie bei Dante. Es giebt keine Sonne.— Ein großer Meister für unsere Zeit aber, im Grunde la lie de Rubens.
25 [143]
Das Beste, was gegen die Ehe gesagt ist vom Gesichtspunkt des schaffenden Menschen Man Salomon I 200 sq. und 312.
25 [144]
1840 geht der romantisme einen Verband mit der Litteratur ein. peintres poètes. Vager Symbolism dantesque bei den Einen. Andere, mit deutschem Instinkt, durch die Lieder jenseits des Rheins verführt, wurden träumerisch, melancholisch, Walpurgis-Nacht. Ary Scheffer an der Spitze, malt weiße und lichte Seelen geschaffen durch Gedichte: Engel. Le sentimentalisme. Am anderen Ende un peintre de prose, Delaroche: geschickter Theater-Arrangeur, Schüler Walter Scotts und Delavigne’s, mit täuschenden Lokal-Farben—aber das Leben fehlt.— Solche Maler im Grund sterile Persönlichkeiten: sie könnten keinen Strom schaffen, keine eigentliche Schule.— Die Landschaft blieb gering geschätzt: sie hatte die Ideen der Vergangenheit gegen sich—Niemand wagte sich an das moderne Leben, Niemand zeigte den jungen Talenten ce grand côté dédaigné de l’art: la contemporanéité.— In dieser Ermüdung, und Verachtung der anderen Gattungen, schlossen sich alle Jungen an die beiden extremen Naturen an—die viel kleinere Zahl an Delacroix (le beau expressiv—), die Meisten an Ingres comme sauveur du Beau de Raphaël, römische Schule.
25 [145]
Rückkehr des Menschen zur nature naturelle, in der sich alte Culturen erfrischen.— Bruch mit der historischen Landschaft.
25 [146]
Wir wollen doch ja uns die Vortheile nicht entgehen lassen, die es hat, das Meiste nicht zu wissen und in einem kleinen Welt-Winkel zu leben. Der Mensch darf Narr sein—er darf sich auch Gott fühlen, es ist Eine Möglichkeit unter so vielen!
25 [147]
Man wird mir, sagen, daß ich von Dingen rede, die ich nicht erlebt, sondern nur geträumt habe: worauf ich antworten könnte: es ist eine schöne Sache, so zu träumen! Und unsere Träume sind zu alledem viel mehr unsere Erlebnisse als man glaubt—über Träume muß man umlernen! Wenn ich einige Tausend Mal geträumt habe zu fliegen—glaubt ihr nicht, daß ich auch im Wachen ein Gefühl und ein Bedürfniß vor den Meisten M voraus haben werde—und
25 [148]
Ich mußte Zarathustra, einem Perser, die Ehre geben: Perser haben zuerst Geschichte im Ganzen Großen gedacht. Eine Abfolge von Entwicklungen, jeder präsidirt ein Prophet. Jeder Prophet hat seinen hazar, sein Reich von tausend Jahren. “
25 [149]
Die Solidarität des jüdischen Volks als Grundgedanke: man dachte nicht an eine Vertheilung nach den Verdiensten des Einzelnen. Renan I p. 54. Keine persönliche Vergeltung nach dem Tode: das Hauptmotiv der Märtyrer ist die reine Liebe zum Gesetz, der Vortheil, welchen ihr Tod dem Volke bringen wird.
25 [150]
Lue. 6, 25 der Fluch auf die, welche lachen—
25 [151]
“Seid gute Bankhalter!” Dem Armen geben—das ist Gott leihen.
25 [152]
Die Europäer verrathen sich durch die Art, wie sie colonisirt haben—
25 [153]
Jesus, mit der Melancholie der schlechten Ernährung.
25 [154]
“Schön”—c’est une promesse de bonheur. Stendhal. Und das soll “unegoistisch” sein! “désintéressé”!
Was ist da schön? Gesetzt, daß St recht hätte, wie!
25 [155]
Man muß sich klar machen, was eigentlich die Meisten interessirt: was aber die höheren Menschen interessirt, das erscheint den niederen uninteressant, folglich die Hingebung daran etwas “Unegoistisches”!
Der Sprachgebrauch der modernen Moralität ist durch die niederen Menschen gemacht, die den Blick von unten herauf zur Moralität heben:
“aufopfernd”—aber wer wirklich Opfer bringt, weiß, daß es keine Opfer waren!
wer liebt, der erscheint schon anti-egoistisch! Aber das Wesen des ego-Gefühls zeigt sich ja nur im Haben-wollen,—man giebt weg, um zu haben (oder zu erhalten) Wer sich weggiebt, der will etwas damit erhalten, was er liebt.
25 [156]
Jesus: will, daß man an ihn glaubt, und schickt Alles in die Hölle, was widerstrebt. Arme, Dumme, Kranke, Weiber eingerechnet Huren und Gesindel, Kinder—von ihm bevorzugt: unter ihnen fühlt er sich wohl. Das Gefühl des Richtens gegen alles Schöne Reiche Mächtige, der Haß gegen die Lachenden. Die Güte, mit ihrem größten Contrast in Einer Seele: es war der böseste aller Menschen. Ohne irgend welche psychologische Billigkeit. Der wahnsinnige Stolz, welcher die feinste Lust an der Demuth hat.
25 [157]
Die höchsten Menschen leiden am meisten am Dasein—aber sie haben auch die größten Gegen-Kräfte.
25 [158]
Den ungeheuer zufälligen Charakter aller Combinationen erweisen: daraus folgt, daß jede Handlung eines Menschen einen unbegränzt großen Einfluß hat auf alles Kommende. Dieselbe Ehrfurcht, die er, rückwärts schauend, dem ganzen Schicksal weiht, hat er sich selber mit zu weihen. Ego fatum.
25 [159]
Den vollkommenen Pessimism imaginiren (Schopenhauer hat ihn verdorben?) Unerkennbarkeit.— in wie fern betrübend? (nur für eine dogmatisch geübte Menschheit!)
der Gedanke des Todes: “Todesfurcht” angezüchtet, “europäische Krankheit” (Mittelalterliche Todes-Sucht)
die Nutzlosigkeit alles Ringens—betrübend unter Voraussetzung moralischer Grundurtheile d. h. wenn etwas festgehalten wird als Maaßstab,—es könnte auch Anlaß zum Lachen sein!
der vollkommene Pessimism wäre der, welcher die Lüge begreift, aber zugleich unfähig ist, sein Ideal abzuwerfen: Kluft zwischen Wollen und Erkennen. Absoluter Widerspruch—der Mensch ein Dividuum zweier feindseligen Mächte, die zu einander nur Nein sagen.
Begehren absolut unentrinnbar, aber zugleich als dumm begriffen und geschätzt (d. h. ein zweites Gegen-Begehren!)
es gehört also zum Pessimism, daß er an gebrochenen, zweitheiligen Wesen hervortritt—es ist ein Zeichen des Verfalls—als Zeit-Krankheit. Das Ideal wirkt nicht belebend, sondern hemmend.
25 [160]
Die Consequenzen absterbender Rassen verschieden z. B. pessimistische Philosophie, Willens-Schwäche
wollüstige Ausbeutung des Augenblicks, mit hysterischen Krämpfen und Neigung zum Furchtbaren
Zeichen des Alters kann auch Klugheit und Geiz sein (China), Kälte.
Europa unter dem Eindrucke einer sklavenhaft gewöhnten furchtsamen Denkweise: eine niedrigere Art wird siegreich—seltsames Widerstreiten zweier Principien der Moral.
25 [161]
“Gleich den unsterblichen Göttern die Freunde, die Anderen alle Aber als Nieten zu achten, des Nennens nicht würdig, noch Zählens.”
25 [162]
Die Deutschen sind vielleicht nur in ein falsches Klima gerathen! Es ist Etwas in ihnen, das hellenisch sein könnte—das erwacht bei der Berührung mit dem Süden—Winckelmann Goethe Mozart. Zuletzt: wir sind noch ganz jung. Unser letztes Ereigniß ist immer noch Luther, unser einziges Buch immer noch die Bibel. Die Deutschen haben noch niemals “moralisirt.” Auch die Nahrung der Deutschen war ihr Verhängniß: die Philisterei
25 [163]
Charakteristik des Europäers: der Widerspruch zwischen Wort und That: der Orientale ist sich treu im täglichen Leben.
Wie der Europäer Colonien gegründet hat, beweist seine Raubthier-Natur.
Der Widerspruch erklärt sich daraus, daß das Christenthum die Schicht, aus der es wuchs, verlassen hat.
Dies ist unsere Differenz mit den Hellenen: ihre Sittlichkeit ist in den herrschenden Kasten gewachsen. Thukydides’ Moral ist die gleiche, die überall bei Plato explodirt.
Ansätze zur Ehrlichkeit z. B. in der Renaissance: jedes Mal zum Besten der Künste. MAngelo’s Conception Gottes als “Tyrannen der Welt” war ehrlich.
Das Übergewicht des Weibes folgt daraus: und folglich eine ganz lügnerische “Schamhaftigkeit.” Es gehört beinah Verderbniß der Weiber dazu (wie in Paris), daß die Schriftsteller ehrlicher werden.— Der sklavenhafte Charakter der Moralität als einer von außen her gekommenen, nicht von uns geschaffenen, erzeugt fortwährend neue Formen ähnlicher Sklavereien z. B. die aesthetische (in Bezug auf das Alterthum) Es gehört fast Verderbniß des Charakters und Schwäche dazu beim Europäer, daß er sich von den Autoritäten emancipirt und “Geschmack” gewinnt.
Unsere “Allschmeckerei” ist die Folge der verschiedenen Moralen: wir sind in der “historischen Krankheit.”
25 [164]
Das “Objektiv-sein-wollen” z.B. bei Flaubert ist ein modernes Mißverständniß. Die große Form, die von allem Einzelreiz absieht, ist der Ausdruck des großen Charakters, der die Welt sich zum Bilde schafft: der von allem “Einzelreiz weit absieht”—Gewalt-Mensch. Es ist Selbst-Verachtung aber bei den Modernen, sie möchten wie Schopenhauer sich in der Kunst “los werden”—hineinflüchten in’s Objekt, sich selber “leugnen.” Aber es giebt kein “Ding an sich”—meine Herren! Was sie erreichen, ist Wissenschaftlichkeit oder Photographie d. h. Beschreibung ohne Perspektiven, eine Art chinesischer Malerei, lauter Vordergrund und alles überfüllt.— In der That ist sehr viel Unlust in der ganzen modernen historischen und naturhistorischen Wuth—man flüchtet vor sich und auch vor dem Ideal-bilden, dem Besser-Machen, dadurch daß man sucht, wie Alles gekommen ist: der Fatalism giebt eine gewisse Ruhe vor dieser Selbst-Verachtung.
Die französischen Romanschriftsteller schildern Ausnahmen und zwar theils aus den höchsten Sphären der Gesellschaft, theils aus den niedrigsten—und die Mitte, der bourgeois, ist ihnen allen gleich verhaßt. Zuletzt werden sie Paris nicht los.
25 [165]
Negativer Charakter der “Wahrheit”—als Beseitigung eines Irrthums, einer Illusion. Nun war die Entstehung der Illusion eine Förderung des Lebens — —
25 [166]
Man soll in der Historie ja nicht nach Nothwendigkeit in Hinsicht auf Mittel und Zweck suchen! Es ist die Unvernunft des Zufalls die Regel! Die große Summe der Ereignisse repräsentiren Grund-Begierden eines Volks, eines Standes—das ist wahr! Im Einzelnen geht alles blind und dumm zu. Wie in einem Bache ein Blatt seinen Weg läuft, ob es schon hier und da aufgehalten wird.
25 [167]
Die Personen des Thucydides reden in Sentenzen des Thukydides: sie haben, nach seinem Begriff, den höchstmöglichen Grad von Vernunft, um ihre Sache durchzuführen. Da entdeckte ich den Griechen (manche Worte aus Plato dazu)
25 [168]
Erst Bilder—zu erklären, wie Bilder im Geiste entstehen. Dann Worte angewandt auf Bilder. Endlich Begriffe, erst möglich, wenn es Worte giebt—ein Zusammenfassen vieler Bilder unter etwas Nicht-Anschauliches, sondern Hörbares (Wort) Das klein Bischen Emotion, welches beim “Wort” entsteht, also beim Anschauen ähnlicher Bilder, für die Ein Wort da ist—diese schwache Emotion ist das Gemeinsame, die Grundlage des Begriffs. Daß schwache Empfindungen als gleich angesetzt werden, als dieselben empfunden werden, ist die Grundthatsache. Also die Verwechslung zweier ganz benachbarten Empfindungen in der Constatirung dieser Empfindungen—wer aber constatirt? Das Glauben ist das Uranfängliche schon in jedem Sinnes-Eindruck: eine Art Ja-sagen erste intellektuelle Thätigkeit! Ein “Für-wahr-halten” im Anfange! Also zu erklären: wie ein “für-wahr-halten” entstanden ist! Was liegt für eine Sensation hinter “wahr”?
25 [169]
“Il n’a pas peur d’être de mauvais goût, lui.” Stendhal.
25 [170]
Die Frau bei den Griechen von Homer bis Pericles immer mehr zurückgedrängt: dies gehört zur Cultur der Griechen—eine gewisse Gewalt geübt gegen die weichen milden Gefühle. Ausbrechen der Gegenströmung z. B. Pythagoras und die Thiere. Der Schwache Leidende Arme—es giebt Sklaven-Aufstände, die Armut treibt zum Äußersten (Thucydides) Sonst sind alle großen Verbrechen die des Bösen aus Stärke.
25 [171]
Grund-Irrthum: wir legen unsere moral Gefühle von heute als Maaßstab an und messen darnach Fortschritt und Rückschritt. Aber jeder dieser Rückschritte wäre für ein entgegengesetztes Ideal ein Fortschritt.
“Vermenschlichung”—ist ein Wort voller Vorurtheile, und klingt in meinen Ohren beinahe umgekehrt als in euren Ohren.
25 [172]
Für die stete Wiederholung — — usw. den Rhythmus der Reim-Dichtung sind wir musikalisch zu anspruchsvoll (vom mißverstandenenen Hexameter noch abgesehen!) Wie wohl thut uns schon die Form Platens und Hölderlins! Aber viel zu streng für uns! Das Spiel mit den verschiedensten Metren und zeitweilig das Unmetrische ist das Rechte: die Freiheit, die wir bereits in der Musik, durch R W, erlangt haben! dürfen wir uns wohl für die Poesie nehmen! Zuletzt: es ist die einzige, die stark zu Herzen redet!— Dank Luther!
25 [173]
Die Sprache Luthers und die poetische Form der Bibel als Grundlage einer neuen deutschen Poesie—das ist meine Erfindung! Das Antikisiren, das Reim-wesen—alles falsch und redet nicht tief genug zu uns: oder gar der Stabreim Wagners!
25 [174]
Eine Kriegs-Erklärung der höheren Menschen an die Masse ist nöthig! Überall geht das Mittelmäßige zusammen, um sich zum Herrn zu machen! Alles, was verweichlicht, sanft macht, das “Volk” zur Geltung bringt oder das “Weibliche,” wirkt zu Gunsten des suffrage universel d. h. der Herrschaft der niederen Menschen. Aber wir wollen Repressalien üben und diese ganze Wirthschaft (die in Europa mit dem Christenthum anhebt) ans Licht und vor’s Gericht bringen.
25 [175]
Goethe’s vornehme Isolirtheit—es bedarf für die Höchstgeborenen eine Art Burgen- und Raubritterthum. Ich will mich Napoleon’s annehmen: er gehört in seiner Verachtung der “christlichen Tugenden” und der ganzen moralischen Hypokrisie zum Alterthum (Thucydides). Friedrich der Große vielleicht—aber als Deutscher zu sehr Mensch der Hintergedanken mit Hinter-seelen.
25 [176]
Die Tartüfferie der Macht seit dem das Christentum siegreich war. Der “christliche König” und “Staat.” Geschichte des Machtgefühls.
25 [177]
Der Character der Europäer zu beurtheilen nach ihrem Verhältniß zum Ausland, im Colonisiren: äußerst grausam
25 [178]
Die Ritterlichkeit als die errungene Position der Macht: ihr allmähliches Zerbrechen (und zum Theil: Übergang in’s Breitere Bürgerliche). Bei La Rochefoucauld ist Bewußtsein über die eigentlichen Triebfedern der noblesse des Gemüths da—und christlich verdüsterte Beurtheilung dieser Triebfedern.
Fortsetzung des Christenthums durch die französische Revolution. Der Verführer ist Rousseau: er entfesselt das Weib wieder, das von da an immer interessanter—leidend dargestellt wird. Dann die Sklaven und Mss Stowe. Dann die Armen und die Arbeiter. Dann die Lasterhaften und Kranken—alles das wird in den Vordergrund gestellt (selbst um für das Genie einzunehmen, wissen sie seit 500 Jahren es nicht anders als den großen Leidträger darzustellen!) Dann kommt der Fluch auf die Wollust (Baudelaire und Schopenhauer), die entschiedenste Überzeugung, daß Herrschsucht das größte Laster ist, vollkommene Sicherheit darin, daß Moral und désintéressement identische Begriffe sind, “Glück Aller” ein erstrebenswerthes Ziel (d. h. das Himmelreich Christi). Wir sind auf dem besten Wege: das Himmelreich der Armen des Geistes hat begonnen.
Zwischenstufen: der Bourgeois (in Folge des Geldes parvenu) und der Arbeiter (in Folge der Maschine)
Vergleich der griechischen Cultur und der französischen zur Zeit Louis XIV. Entschiedener Glaube an sich selber. Ein Stand von Müssigen, die es sich schwer machen und viel Selbstüberwindung üben. Die Macht der Form, Wille, sich zu formen. “Glück” als Ziel eingestanden. Viel Kraft und Energie hinter dem Formenwesen. Der Genuß am Anblick eines so leicht scheinenden Lebens.— Die Griechen sahen den Aeg wie Kinder aus.
25 [179]
Der Mensch, als organisches Wesen, hat Triebe der Ernährung (Habsucht)
| NB | Hier nur die Innere Welt ins Auge gefaßt! | Triebe der Ausscheidung (Liebe) |
und im Dienste der Triebe einen Apparat der Selbstregulirung (Intellekt) (dahin gehört die Assimilation der Nahrung, der Ereignisse, der Haß usw.
25 [180]
Mein Begriff von “Aufopferung.” Ich mag diese Hypocrisie nicht! Natürlich, um durchzusetzen, was mir am Herzen liegt, werfe ich viel weg: manches auch, das mir “auch am Herzen liegt”! Aber die Hauptsache ist immer: dieses Wegwerfen ist nur Folge, Neben-Consequenz—die Hauptsache ist, daß mir Etwas mehr als alles Andere am Herzen liegt.
25 [181]
Die Fülle pöbelhafter Instinkte unter dem jetzigen aesthetischen Urtheil der französischen Romanschriftsteller.— Und zuletzt: es giebt viel Verborgenes, was sie nicht heraussagen wollen, ganz wie bei R W 1) ihre Methode ist leichter bequemer, die wissenschaftliche Manier der Stoff-Masse und der Colportage, es bedarf des großen Principien-Lärms, um diese Thatsache zu verhüllen—aber die Schüler errathen es, die geringeren Talente 2) der Mangel an Zucht und schöner Harmonie in sich macht ihnen das Ähnliche interessant, sie sind neugierig mit Hülfe ihrer niedrigen Instinkte, sie haben den Ekel und die Aegide nicht 3) ihr Anspruch auf Unpersönlichkeit ist ein Gefühl, daß ihre Person mesquin ist z. B. Flaubert, selber seiner satt, als “bourgeois” 4) sie wollen Viel verdienen und Skandal machen als Mittel zum großen momentanen Erfolg.
25 [182]
Die Psychologie dieser Herren Flaubert ist in summa falsch: sie sehen immer nur die Außen-Welt wirken und das ego geformt (ganz wie Taine?)—sie kennen nur die Willens-Schwachen, wo désir an Stelle des Willens steht.
25 [183]
Ich will einmal zeigen, wie Schopenhauers Mißverständniß des Willens ein “Zeichen der Zeit” ist—es ist die Reaction gegen die Napoleonische Zeit, man glaubt nicht mehr an Heroen d. h. Willensstärke. (In “Stello” steht das Bekenntniß: “es giebt keine Heroen und Monstra”—antinapoleonisch)
25 [184]
Die Malerei an Stelle der Logik, die Einzel-Beobachtung, der Plan, das überwiegen des Vordergrundes, der tausend Einzelheiten—alles schmeckt nach den Bedürfnissen nervöser Menschen, bei R W wie bei den Goncourts.
R W gehört in die französische Bewegung: Helden und Monstra, extreme Passion und dabei lauter Einzelheiten, momentaner Schauder.
25 [185]
(Psychologie)
§ Über “Inneres” und “Äußeres” umzulernen.
§ “Sein” unbeweisbar, weil es kein “Sein” giebt. Aus dem Gegensatz zum “Nichts” ist der Begriff Sein gebildet.
§ Begriffe entstehn, als Hörbilder, die eine Vielheit von symbolischen Seh-Bildern zusammenfassen.
§ Affekte als Gegenstück zu physiologischen Gruppen, die eine Art von Einheit des Werdens, einen periodischen Verlauf haben.
§ Der Intellekt als Mittelreich der Sinne, die Impressionen mit Hülfe des alten Materials verarbeitend, eine Art Magen aller Affekte (welche ernährt werden wollen.)
§ Wille? Das eigentliche Geschehen alles Fühlens und Erkennens ist eine Explosion von Kraft: unter gewissen Bedingungen (äußerste Intensität, so daß ein Lustgefühl von Kraft und Freiheit dabei entsteht) nennen wir dies Geschehn “Wollen.”
§ “Zweck” als vages Bild, ungenügend zu bewegen.
§ Das Aufeinanderwirken der Gedanken (im Logischen) ist scheinbar—es ist ein Kampf der Affekte.
§ Die Verschwendung von Kraft der wesentliche Charakter auch bei den zweckmäßigsten Handlungen.
§ Ursache und Wirkung—diese ganze Kette ist eine Auswahl vorher und hinterdrein, eine Art Übersetzung des Geschehens in die Sprache von unseren Erinnerungen, die wir zu verstehen meinen.
25 [186]
Der Anblick großer Gebärden als Ursachen großer Handlungen—Folge von Corneille und Racine.
25 [187]
Voltaire, als er Mahomet mißverstand, ist in der Bahn gegen die höheren Naturen; Napoleon hatte Recht, sich zu entrüsten.
25 [188]
Napoleon: Religion als Stütze guter Moral, wahrer Principien, guter Sitten. Et puis l’inquiétude de l’homme est telle, qu’il lui faut ce vague et ce merveilleux qu’elle lui présente. Es ist besser, er sucht es da, als bei Gaunern und Cagliostro’s.
25 [189]
Die Bergpredigt: il se disait ravi, extasié de la pureté, du sublime et de la beauté d’une telle morale.
25 [190]
“J’ai refermé le gouffre anarchique et débrouillé le chaos. J’ai déssouillé la révolution, ennobli les peuples et raffermi les rois. J’ai excité toutes les émulations, récompensé tous les mérites et reculé les limites de la gloire. Tout cela est bien quelque chose!”
25 [191]
Zur Erklärung der Erfolge Muhamet’s in 13 Jahren: “vielleicht gab es lange Bürgerkriege vorher (meint Napoleon) unter welchen sich große Charaktere, große Talente, unwiderstehliche Impulsionen usw. gebildet hatten—”
25 [192]
Die “erste Ursache” ist, wie “das Ding an sich,” kein Räthsel, sondern ein Widerspruch.
25 [193]
Die Nachtheile der Vereinsamung, da der sociale Instinkt am besten vererbt ist—die Unmöglichkeit, noch sich selber zu bestätigen durch anderer Zustimmung, das Gefühl von Eis, der Schrei “Liebe mich”—die cas pathologiques wie Jesus. Heinrich von Kleist und Goethe (Käthchen von Heilbronn)
25 [194]
Andrea Doria— Eins liegt ihm am Herzen, dem opfert er Alles Andere. Verräther seiner Freunde, Freund seiner Feinde. Ganz vereinsamt und eisig. Der Hund. Grausam gegen seine Neffen.
25 [195]
Idealisten—z. B. am Himmel das Maaß, die Ordnung, die ungeheure Art von System und Einfachheit schaudernd-bewundernd, stellen die Dinge fern, sehen das Einzelne hinweg. Die Realisten wollen den entgegengesetzten Schauder, den des Unzählig-Vielen: deshalb überhäufen sie den Vordergrund, ihr Genuß ist der Glaube an den Überreichthum der schöpferischen Kräfte, die Unmöglichkeit, zählen zu können.
25 [196]
Vielheit der Eigenschaften und deren Band—mein Gesichtspunkt. Die Doppel-Zwillings-Kräfte z. B. bei Wagner Poesie und Musik; bei den Franzosen Poesie und Malerei; bei Plato Poesie und Dialektik usw. Die Vereinzelung einer Kraft ist eine Barbarei—“umgekehrte Krüppel.”
25 [197]
Der Natur-Geschmack des vorigen Jahrhunderts erbärmlich. Voltaire Ferney. Caserta. Rousseau Clarens!
25 [198]
Die höheren Naturen haben alle Verbrechen begangen: nur daß sie nicht so thierisch-sichtbar sind. Aber Verrath, Abfall, Tödtung, Verleugnung usw.
25 [199]
Den ganz großen Menschen ist die Lippe über ihr Innerstes geschlossen—keine Möglichkeit, Jemandem zu begegnen, dem sie sich öffneten—Napoleon z. B. Düster—
25 [200]
Wie sich die aristokratische Welt immer mehr selber schröpft und schwach macht! Vermöge ihrer noblen Instinkte wirft sie ihre Vorrechte weg und vermöge ihrer verfeinerten Über-Cultur interessirt sie sich für das Volk, die Schwachen, die Armen, die Poesie des Kleinen usw.
25 [201]
Man muß die Grade wieder aufrichten und es unmöglich machen, daß ein dummes Weib einen höheren Rang von Moral beanspruchen kann.
25 [202]
Die Gegensätze sich paarend wie Mann und Weib zur Zeugung von Etwas Drittem—Genesis der Werke des Genie’s!
25 [203]
Mißverständniß der gloria, als Motiv der Schaffenden gedacht!! Vanité ist Heerden-Instinkt, Stolz Sache des Vor-Ochsen.
25 [204]
“l’amour, nach Napoleon, l’occupation de l’homme oisif, la distraction du guerrier, l’écueil du souverain.”
25 [205]
Charakter des Franzosen: immer les Gaulois d’autrefois: la légèreté, la même inconstance et surtout la même vanité. Wann werden wir sie endlich gegen ein wenig Stolz eintauschen können!
25 [206]
“Die Menschen sind nicht undankbar: aber der Wohlthäter erwartet meist zu viel.”
Er sagt, die Menschen verändern sich, im Guten wie im Bösen.
Er meint, die allermeisten Handlungen sind nicht Charakter-Handlungen, sondern Moment-Handlungen, welche nichts für den Charakter beweisen.
25 [207]
Die Wohlthaten, die wir empfangen, sind bedenklicher als alle Unglücke: man will Macht auf uns ausüben.— Es sollte zu den Vorrechten gehören, Wohl zu thun. Die griechische Empfindung, welche das “Zurückgeben können” streng nahm, war vornehm.
25 [208]
Das Unglück in der großen Hypocrisie aller alten Moral-Philosophen. Sie übten die Phantasie der Menschen darauf ein, von einander Tugend und Macht zu trennen. Macht erscheint als Anspruch auf Glück—das ist noch antik daran, Nachklang der aristokratischen Grundform. Von Sokrates an wird trotzdem die falsch verstanden,—sie mußte sich immer wieder erst begründen und wollte es doch nicht individuell thun! sondern tyrannisch “gut für Alle!” Versuch kleiner Staaten-Gründungen im Staate: wie jetzt bei den Muhamedanern Nord-Afrikas.
25 [209]
Ich bin keinem begabten Menschen begegnet, der mir nicht gesagt hätte, er habe das Gefühl der Pflicht verloren oder es nie besessen. Wer jetzt nicht starken Willen hat—
25 [210]
Die ehemaligen Mittel, gleichartige dauernde Wesen durch lange Geschlechter zu erzielen: unveräußerlicher Grundbesitz, Verehrung der Älteren (Ursprung des Götter- und Heroen glaubens als der Ahnherren)
Jetzt gehört die Zersplitterung des Grundbesitzes in die entgegengesetzte Tendenz: eine Zeitung (an Stelle der täglichen Gebete) Eisenbahn Telegraph. Centralisation einer ungeheuren Menge verschiedener Interessen in Einer Seele: die dazu sehr stark und verwandlungsfähig sein muß.
25 [211]
Es bedarf einer Lehre, stark genug, um züchtend zu wirken: stärkend für die Starken, lähmend und zerbrechend für die Weltmüden.
Die Vernichtung der verfallenden Rassen. Verfall Europa’s.
Die Vernichtung der Sclavenhaften Werthschätzungen.
Die Herrschaft über die Erde, als Mittel zur Erzeugung eines höheren Typus.
Die Vernichtung der Tartüfferie, welche “Moral” heisst. (Das Christenthum als eine hysterische Art von Ehrlichkeit hierin Augustin, Bunyan)
Die Vernichtung des suffrage universel: d. h. des Systems, vermöge dessen die niedrigsten Naturen sich als Gesetz den höheren vorschreiben.
Die Vernichtung der Mittelmässigkeit und ihrer Geltung. (Die Einseitigen, Einzelne—Völker z. B. Engländer. Dühring. Fülle der Natur zu erstreben durch Paarung von Gegensätzen: Rassen-Mischungen dazu.)
Der neue Muth—keine a priorischen Wahrheiten (solche suchten die an Glauben Gewöhnten!) sondern freie Unterordnung unter einen herrschenden Gedanken, der seine Zeit hat z. B. Zeit als Eigenschaft des Raums usw.
25 [212]
“Hungriger Männer Schnack ist langweilig.”
25 [213]
Die Tartüfferie (unter allen herrschenden Schichten) in Europa (oder die Moral unter dem Eindruck des Christenthums)
Die Hysterie in Europa (Müssiggang, geringe Nahrung, wenig Bewegung—bricht in religiösen Wahnsinn aus wie bei den Indern. Mangel an geschlechtlicher Befriedigung.) Vortheil, daß sich die religiosi nicht fortpflanzten.
Die Pedanterie des Sclaven und Nichtkünstlers als Glaube an die Vernunft, die Zweckmäßigkeit. Tritt auf als Nachwirkung der aesthetischen Zeitalter (welche lehren alles einfacher sehen als es ist: Oberflächlichkeit der griechischen Moralisten, insgleichen der Franzosen des 18ten Jahrhunderts
Jetzt bei den Engländern als Moral (die Zufriedenheit mit der Comfort-Existenz, das Problem, glücklich zu leben, scheint ihnen gelöst: das spiegelt sich wieder in ihrer Denkweise.
Das Sklavenmäßige als Verlangen nach Autorität. Luther.
25 [214]
Meine Vollendung des Fatalismus:
1) durch die ewige Wiederkunft und Präexistenz
2) durch die Elimination des Begriffs “Wille.”
25 [215]
Physikalisches Problem, den Zustand zu erfinden, der + und - ist.
25 [216]
Der Mangel an mächtigen Seelen, auch bei den Weisen.
Tartüfferie der Erkennenden vor sich selber: “Erkenntniß um ihrer selber willen!”
Objektivität—als modernes Mittel, sich loszuwerden, aus Geringschätzung (wie bei Flaubert)
die Logiker und Mathematiker und Mechaniker und ihr Werth. Wie viel Schwindel auch da herrscht!
Die Schauspielerei der Alten: Socrates, der Pöbel sieht in der Tugend sein Ideal d. h. das Glück in der Befreiung von schmerzbringenden überheftigen pöbelhaften Begierden. Die Begierdenlosigkeit als Ziel der Erkenntniß. (“Alles hat wenig Werth” muß als Resultat kommen)
| Der Mangel der mächtigen | ||
| der vornehmen der reichen und vielfachen der gesunden | Seele bei den Philosophen bisher. |
25 [217]
Wikingszüge, Staatsverfassung und Sitten der alten Skandinavier. Von Strinnholm. Übers v Frisch. (Hamburg, Perthes 1839.
25 [218]
Werth des Antisemitismus, die Juden zu treiben, sich höhere Ziele zu stecken und ein Aufgehen in nationale Staaten zu niedrig zu finden.
25 [219]
Die Bewaffnung des Volks—ist schließlich die Bewaffnung des Pöbels.
25 [220]
Menschen wie mir zu nützen ist schwer: ich lerne immer mehr, wie viel Oberflächlichkeit und Dreistigkeit in den Handlungen steckt, mit denen man mir “wohl zu thun” glaubt.
Ich liebe seit lange keinen Menschen mehr: die paar vorzüglichen Talente, denen ich förderlich sein kann, will ich mir nicht durch Albernheiten einer tückischen Gans rauben lassen—dies Förderlich-sein ist beinahe meine einzige Genugthuung, die ich bisher aus dem Verkehre gehabt habe.
25 [221]
Die Aufgabe ist, eine herrschende Kaste zu bilden, mit den umfänglichsten Seelen, fähig für die verschiedensten Aufgaben der Erdregierung. Alle bisherigen Einzel-Fähigkeiten in Eine Natur zu centralisiren.
Stellung der Juden dazu: große Vorübung in der Anpassung. Sie sind einstweilen die größten Schauspieler darum; auch als Dichter und Künstler die glänzendsten Nachmacher und Nachfühler. Was ihnen anderseits fehlt. Wenn erst das Christenthum vernichtet ist, wird man den Juden gerechter werden: selbst als Urhebern des Christenthums und des höchsten bisherigen Moral-Pathos.
25 [222]
Das 20te Jahrhundert hat zwei Gesichter: eines des Verfalls. Alle die Gründe, wodurch von nun an mächtigere und umfänglichere Seelen als es je gegeben hat (vorurtheilslosere, unmoralischere) entstehen könnten, wirken bei den schwächeren Naturen auf den Verfall hin. Es entsteht vielleicht eine Art von europäischem Chinesenthum, mit einem sanften buddhistisch-christlichen Glauben, und in der Praxis klug-epikureisch, wie es der Chinese ist—reduzirte Menschen.
25 [223]
Der Grundtrieb des englischen Philosophirens ist Comfortismus.
25 [224]
Wenn es zu deiner Gesundheit nöthig ist, wohlan! was liegt daran! Aber mache keinen Lärm darum! Es ist lächerlich, begeistert von grünen Gemüsen zu reden—wer so thut, hat wenig im Kopfe!
25 [225]
Die Erd-Regierung ist ein nahes Problem. Die radikale Frage ist: muß es Sklaverei geben? Oder vielmehr: es ist gar keine Frage, sondern die Thatsache: und nur der verfluchte englisch-europäische Cant macht
In Wahrheit giebt es immer Sklaverei—ob ihr es wollt oder nicht! Z. B. der preußische Beamte. Der Gelehrte. Der Mönch.
25 [226]
Der Tod. Man muß die dumme physiologische Thatsache in eine moralische Nothwendigkeit umdrehen. So leben, daß man auch zur rechten Zeit seinen Willen zum Tode hat!
25 [227]
Die ewige Wiederkunft.
Meinen Brüdern geweiht.
Aber wo seid ihr, meine Brüder?
Einleitung.
Was haben eigentlich bisher Philosophen gewollt? Rückblick von den Brahmanen an.
Ich will den Gedanken lehren, welcher Vielen das Recht giebt, sich durchzustreichen—den großen züchtenden Gedanken.
25 [228]
Die Frage der Ehe. Einrichtung zu treffen für den Schaffenden: denn da ist ein Antagonismus zwischen Ehe und Werk.
25 [229]
Hauptthema. Die Intelligenz muß Herr sein über das Wohlwollen: es muß neu abgeschätzt werden, und der grenzenlose Schaden, der fortwährend durch Akte des Wohlthuns gethan wird. Ironie der Mutterliebe.
25 [230]
Über “Völker” führen die Sprachen irr: die auch am meisten der höheren Erkenntniß schaden.
25 [231]
Die Irrthümer über das Gleiche und Ähnliche 1) weil es gleich aussieht 2) weil es gleich sich bewegt 3) weil es gleiche Töne von sich giebt.
25 [232]
Die Nothwendigkeit der Sklaverei.
25 [233]
Der Bildner (Abweisung des bisherigen “Idealismus” und seiner Spielerei mit Bildern. Es handelt sich um den Leib.
25 [234]
In Europa sind die Juden die älteste und reinste Rasse. Deshalb ist die Schönheit der Jüdin die höchste.
25 [235]
Die Affen sind zu gutmüthig, als daß der Mensch von ihnen abstammen könnte.
25 [236]
Die Zähmung des Menschen ist bisher als “Moral” mißverstanden.
25 [237]
Eine unbeschreiblich milde feste entschlossene und herzliche Betrachtung aller Dinge im I Zarathustra.
25 [238]
“Philosophie der Zukunft”
1. Die moralische Tartüfferie.
2. Die Nothwendigkeit der Sklaverei (der Mensch als Werkzeug—)
3. Der Verfall Europa’s.
25 [239]
Die Freiheit des Willens von 2 entgegengesetzten Antrieben aus gelehrt: “liberum arbitrium kann nie gezwungen werden, denn wo Zwang ist, ist keine Freiheit, und wo keine Freiheit, da ist kein Verdienst”—aber die anderen schließen: “da giebt es keine Schuld.” Die Ersten wollen aus Stolzgefühl, die anderen aus “Sündengefühl” und “Demuth” den Satz vom freien Willen.
25 [240]
Es gab in Deutschland bisher noch keine Cultur, sondern immer nur mystische Separatisten. Immer nur Einzelne—das ist Trost!
25 [241]
Die Musik als Nachklang von Zuständen, deren begriffliche Ausdruck Mystik war—Verklärungs-Gefühl des Einzelnen, transfiguration. Oder: die Versöhnung der inneren Gegensätze zu etwas Neuem, Geburt des Dritten.
25 [242]
Zur Signatur des Sklaven: die Werkzeug-Natur, kalt, nützlich,—ich betrachte alle Utilitarier als unwillkürliche Sklaven. Menschen-Bruchstücke—das zeichnet die Sklaven.
25 [243]
Erster Grundsatz: keine Rücksicht auf die Zahl: die Masse, die Elenden und Unglücklichen gehen mich wenig an—sondern die ersten und gelungensten Exemplare, und daß sie nicht aus Rücksicht für die Mißrathenen (d.h. die Masse) zu kurz kommen
Vernichtung der Mißrathenen—dazu muß man sich von der bisherigen Moral emancipiren.
25 [244]
Wir müssen das Christenthum auch noch aus vieler Musik heraushören und es überwinden.
25 [245]
Einzelne Werkzeuge.
1. Die Befehlenden Mächtigen—welche nicht lieben, es sei denn die Bilder, nach denen sie schaffen \
die Vollen Vielfachen Unbedingten, welche das Vorhandene überwinden
2. Die Freigelassenen Gehorsamen—Liebe und Verehrung ist ihr Glück (Aufhebung ihrer Unvollständigkeit im Anblick des Höheren)
3. Die Sklaven “Knechtsart”—Behagen ihnen zu schaffen, Mitleiden unter einander
25 [246]
Im ersten Theil ist der Verfall und seine Nothwendigkeit klarzumachen! In wiefern der Sklave Herr geworden ist, ohne die Tugenden des Herrn zu haben
der Adel ohne das Fundament der Abkunft und Reinhaltung
die Monarchen, ohne die ersten Menschen zu sein.
25 [247]
Zu 1) die Verzweiflung und Unsicherheit in aller Form kommt an Zarathustra heran—er giebt die Erklärung.
“Du bist ein Sklave” sagt er zum Könige, auch zum Philosophen.
Wer soll der Erde Herr sein? Das ist der Refrain meiner praktischen Philosophie.
Was ist da zu verwundern? Ihr habt den Sklaven zum Herrn gemacht. Refrain.
“der kleinste Mensch”
“wo geschahen mehr Thorheiten als bei den Mitleidigen” sagt Zarathustra zum Weibe
“Vaterland und Volk”—wie die Sprache irre führt!
25 [248]
“Deutschland, Deutschland über Alles”—ist vielleicht die blödsinnigste Parole, die je gegeben worden ist. Warum überhaupt Deutschland—frage ich: wenn es nicht Etwas will, vertritt, darstellt, was mehr Werth hat, als irgend eine andere bisherige Macht vertritt! An sich nur ein großer Staat mehr, eine Albernheit mehr in der Welt.
25 [249]
Letzte Rede: Hier der Hammer, der die Menschen überwindet
ist der Mensch mißrathen? wohlan, erproben wirs, ob er diesen Hammer aushält!
dies ist der große Mittag
der Untergehende segnet sich
er wahrsagt vom Untergang Zahlloser Einzelner und Rassen
ich bin das fatum
ich habe das Mitleiden überwunden—Jauchzen des Künstlers beim Geschrei des Marmors.
die Thiere und die Pflanzen ertragen diesen Gedanken (er wendet sich an seine Thiere)
“Fort von mir!”—lachend geht er davon.
Im letzten Theile wird Zarathustra immer fremder, ferner, stiller in seinen Reden. Endlich versinkt er in das tiefste Schweigen—7 Tage lang. Während dem entsteht die Empörung, der stumme Druck bei den Jüngern.
— ihre Loslösung, das Auseinanderfliehen, Gewitter und Sturm. Das Weib will ihn tödten, als seine letzten Jünger entschlossen sind, ihm ihr Nein zu sagen.
25 [250]
Leo Gfrörer—“Gustav Adolf”
Walter Rogge “parlament Grössen”
25 [251]
Für das Princip “Deutschl D über Alles” oder für das deutsche Reich sich zu begeistern, sind wir nicht dumm genug.
25 [252]
Es hat nicht Jeder das Recht, über Jedes zu reden: ebenso wie nicht Jedes in jede Hand genommen werden darf. Ich nenne “die Maul- und Klauen-Seuche”
25 [253]
Wie kann man nur dem Einzelnen Freiheit geben wollen gleich Luther in den höchsten Dingen! Zuletzt ist der Instinkt der Heerde stärker und sie fallen sofort wieder in die Knechtschaft (z. B. die Protestanten vor den erbärmlichsten kleinen Fürsten,—ein Bedientenvolk
25 [254]
Die Werthschätzungen der Kirche sind die von Sklaven. Die tiefe Verlogenheit ist europäisch. Wer auf Europäer im großen Umfange wirken will, hat bisher die moral Tartüfferie nöthig gehabt (z. B. der erste Napoleon in seinen Proklamationen, neuerdings R. Wagner vermöge seiner Attitüden-Musik).
Das “Wohl der Meisten” als Princip selbst bei Fürsten!
25 [255]
Die Zukunft ist kaum in’s Auge bisher gefaßt worden, außer bei den Römern.
25 [256]
Im Orient erstarrten Völker unter der Herrschaft Eines Sittengesetzes. Europa lebendig geblieben unter der Herrschaft von 2 entgegengesetzten.
Die Geschichte Europas seit der römischen Kaiserzeit ist ein Sklavenaufstand.
25 [257]
Ohne Platonismus und Aristotelismus keine christliche Philosophie.
25 [258]
Begriff des Mystikers: der an seinem eigenen Glück genug und zuviel hat und sich eine Sprache für sein Glück Sucht,—er möchte davon wegschenken!
25 [259]
Man vergleiche die Wikinger zu Hause und in der Ferne: ehernes und goldenes Zeitalter, je nach dem Gesichtspunkt. Ebenso der große Mensch der Renaissance! Der Wurm des Gewissens ist eine Sache für den Pöbel, und eine wahre Verderbniß vornehmer Gesinnung.
Jeder großgesinnte Mensch hat alle Verbrechen gethan; ob juristisch, das hängt mit der Milde und Schwäche der Zeit zusammen. Aber man denke an Luther usw. Und Christus—der die, welche ihn nicht liebten, in der Hölle braten ließ!
Daß man viele schlimme Handlungen thut und aushält, emporgehalten durch Größe der Denkweise, welche sich nicht fürchtet vor der Verurtheilung des Rufes—eine ursprüngliche Festigkeit und Größe, abgesehen von angelernten Werthschätzungen. (Bei Rée fehlen alle ursprünglichen Menschen)
Bismarck zu charakterisiren.
Ebenso Napoleon—ein Wohlgefühl sonder Gleichen gieng durch Europa: das Genie soll Herr sein, der blödsinnige “Fürst” von ehedem erschien als Caricatur.— Nur die Dümmsten opponirten, oder die, welche den größten Nachtheil von ihm hatten (England)
Man versteht große Menschen nicht: sie verzeihen sich jedes Verbrechen, aber keine Schwäche. Wie Viele bringen sie um! Jedes Genie—was für eine Wüstenei ist um ihn!
Wer der Mensch “seines Verbrechens” wird, steht eben nicht erhaben genug über dem Urtheil.
25 [260]
Der Weg der Freiheit ist hart. I Th
25 [261]
Das hohe Individuum giebt sich alle die Rechte, welche der Staat sich erlaubt—zu tödten, zu vernichten, zu spioniren usw. Die Feigheit und das schlechte Gewissen der meisten Fürsten hat den Staat erfunden und die Phrase vom bien public. Der rechte Mann hat es immer als Mittel in seiner Hand benutzt, zu irgend einem Zwecke.
Die Cultur ist nur in vornehmen Culturen entstanden—und bei Einsiedlern, welche um sich Alles niederbrannten mit Verachtung.
25 [262]
Idealismus des Sclaven, der der Lügner ist: grösster Typus davon ein Papst!
25 [263]
Der moderne Socialismus will die weltliche Nebenform des Jesuitismus schaffen: Jeder absolutes Werkzeug. Aber der Zweck ist nicht aufgefunden bisher. Wozu!
25 [264]
Die Nihilisten sollten sich nicht erniedrigen durch europäische Ziele: sie wollen nicht mehr Sklaven sein —
25 [265]
Es hat nicht Jeder das Recht zu jedem Problem z. B. Dühring, Luther—dafür Gedanken- und Preßfreiheit. —
25 [266]
Es galt mir als Zeichen von “Armut am Geiste,” Schopenhauer und Hartmann in Einem Athem nennen.
25 [267]
Krankheit und Gedrücktheit bringen eine Art von Irrsinn hervor: ebenso harte mechanische Arbeit.
25 [268]
Der Bauer als die gemeinste Art von noblesse: weil er am meisten von sich abhängig ist. Bauernblut ist noch das beste Blut in Deutschland: z. B. Luther Niebuhr Bismarck
Wo ist eine vornehme Familie, in deren Blut nicht venerische Ansteckung und Verderbniß ist?
Bismarck ein Slave. Man sehe nur die Gesichter der Deutschen an (man begreift die Verwunderung Napoleons, als er den Dichter des Werther sah und einen Mann zu sehen bekam!): alles, was männliches überströmendes Blut in sich hatte, gieng in’s Ausland: über die erbärmliche zurückbleibende Bevölkerung, das Bedienten-Seelen-Volk, gieng vom Ausland her eine Verbesserung, zumal durch Slavenblut.
Der märkische Adel und der preußische Adel überhaupt (und der Bauer gewisser norddeutscher Gegenden) enthält gegenwärtig die männlichsten Naturen in Deutschland.
Daß die männlichsten Männer herrschen, ist in der Ordnung.
25 [269]
Wir sind ja keine albernen Keuschheits-Fasler: wenn man ein Weib braucht, wird man schon ein Weib finden, ohne darum Ehen zu brechen und Ehen zu gründen.
25 [270]
1 Grundsatz: es giebt keinen Gott. Er ist so gut widerlegt, als irgend ein Ding. Man muß ins “Unbegreifliche” flüchten, um seine These durchzusetzen. Folglich ist es von jetzt ab Lüge oder Schwäche, an Gott zu glauben.
2 Grundsatz: die männlichsten Männer sollen herrschen, und nicht die Halb-Weiber, die Priester und Gelehrten:—gegen die katholische Schwärmerei Comte’s
3 Grundsatz: jenseits der Herrschenden, losgelöst von allen Banden, leben die höchsten Menschen: und in den Herrschenden haben sie ihre Werkzeuge.
Krieger, Land-Bauern, Stadt-Industrie, am tiefsten die Händler.
25 [271]
Der Bauer in Luther schrie über die Lüge des “höheren Menschen” an den er geglaubt hatte: “es giebt gar keine höheren Menschen”—schrie er.
25 [272]
Bismarck wollte mit dem Parlament für den leitenden Staatsmann einen Blitzableiter schaffen, eine Kraft gegen die Krone und unter Umständen einen Hebel zur Pression auf das Ausland:—er hat da auch seinen Sünden- und Unfallsbock.
25 [273]
Nach dem Grade der Unabhängigkeit von Ort und Zeit nimmt die noblesse zu. Menschen der höchsten Cultur, aus starken Leibern, stehen über allen Souveränen.
25 [274]
Der zahme Mensch und der gezähmte Mensch—das ist die große Masse.
25 [275]
Wer das Opfer Einer Leidenschaft ist, steht nicht hoch genug: er sollte ihr ent
25 [276]
Die Zukunft unserer Erziehungs-Anstalten
der recht verstandene R. Wagner
der recht verstandene Schopenhauer. Ihn ekelt an, was mich anekelt.
25 [277]
Entschluß. Ich will reden, und nicht mehr Zarathustra
25 [278]
Die Bösen, das sind mir namentlich die, welche als Könige usw. das falsche Bild des mächtigsten Menschen geben, auf Macht von Heeren, Beamten gestützt (selbst Genie’s ohne innere Vollendung wie Friedrich der Große und Napoleon), welche die Frage wozu? entstehen lassen.
25 [279]
bien public ist das Sirenenlied: damit werden die niedrigen Instinkte geködert.
25 [280]
Die noble Einfachheit des Spaniers, sein Stolz.
25 [281]
Lob der Nihilisten: lieber vernichten und selber zu Grunde gehn!
25 [282]
“Stil.”
Nachahmung—als Talent des Juden. “Sich anpassen an Formen”—daher Schauspieler, daher Dichter wie Heine und Lipiner.
25 [283]
Ehedem suchte man sein zukünftiges Heil auf Kosten seines gegenwärtigen. So lebt jeder Schaffende in Hinsicht auf sein Werk. Und die große Gesinnung will nun, daß in Hinsicht auf die Zukunft des Menschen ich auf Kosten gegenwärtigen Behagens lebe
25 [284]
Das Lob des dévouement und héroisme zu verachten—aus Verachtung gegen die Lobenden des Mitleidens bin ich beinah hart geworden.
25 [285]
Mein Haß gegen die großen Phrasen in Bezug auf mich. Wer könnte es mit seiner Phantasie erreichen, was ich alles mir bisher im Leben zugemuthet habe und welche Opfer ich gebracht habe, auch unter was für Widerständen ich meinen harten Gang weiter gegangen bin, eingerechnet, daß ich, was Länge und Stärke körperlicher Martern betrifft, vielleicht zu den erfahrensten Menschen gehöre. Und nun mich plötzlich wieder zu sehen in dem verkleinerten Aspekt durch die verkleinernden Augen von Verwandten Freunden, kurz von Jedermann, überschüttet von Verdächtigungen, ebenso wie von Vorwürfen der Schwäche, nebst Ermahnungen.— Und wer hätte auch nur das Recht mich zu ermuthigen!
25 [286]
den Deutschen einen höheren Rang unter den Völkern geben—weil der Zarathustra deutsch geschrieben ist. —
25 [287]
Egoismus! Aber noch Niemand hat gefragt: was für ein ego! Sondern jeder setzt unwillkürlich das ego jedem ego gleich. Das sind die Consequenzen der Sklaven-Theorie vom suffrage universel und der “Gleichheit.”
25 [288]
Bei der Schönheit bleibt das Auge sehr an der Oberfläche. Aber es muß Schönheit noch in jedem inneren Vorgange des Leibes geben: alle seelische Schönheit ist nur ein Gleichniß, und etwas Oberflächliches gegen diese Menge von tiefen Harmonien.
25 [289]
Meine Rede gegen die Bösen (welche den Sklaven schmeicheln—)
die Weltverleumder
die Guten (welche glauben, daß Wohlthun leicht sei und für Jedermann)
(gegen die Pfaffenluft, auch die Pfarrhäuser-Luft
25 [290]
Zeitalter der Versuche.
Ich mache die große Probe: wer hält den Gedanken der ewigen Wiederkunft aus?— Wer zu vernichten ist mit dem Satz “es giebt keine Erlösung,” der soll aussterben. Ich will Kriege, bei denen die Lebensmuthigen die Anderen vertreiben: diese Frage soll alle Bande auflösen und die Weltmüden hinaustreiben—ihr sollt sie ausstoßen, mit jeder Verachtung überschütten, oder in Irrenhäuser sperren, sie zur Verzweiflung treiben usw.
25 [291]
Man verstehe doch recht: die Nächstenliebe ist ein Recept für solche, welche schlimm gefahren sind in der Mischung der Eigenschaften. Ihre Verehrer wie Comte geben zu verstehen, daß sie sich satt haben.
25 [292]
Man hat mit der grandiosen Paradoxie “der Gott am Kreuze” allen guten Geschmack in E auf Jahrtausende verdorben: ist ein schauerlicher Gedanke, ein Superlativ des Paradoxen! Ebenso wie die Hölle bei einem Gott der Liebe. Es kam da ein esprit barroco auf, gegen welchen das Heidenthum sich nicht mehr aufrecht halten konnte
25 [293]
Daß wir wieder Homer empfinden, betrachte ich als den größten Sieg über das Christenthum und christliche Culturen: daß wir die christliche Verzärtelung, Verhäßlichung, Verdüsterung, Vergeistigung satt haben
25 [294]
Man muß an der Kirche die Lüge empfinden, nicht nur die Unwahrheit: so weit die Aufklärung ins Volk treiben, daß die Priester alle mit schlechtem Gewissen Priester werden — —
— ebenso muß man es mit dem Staate machen. Das ist Aufgabe der Aufklärung, den Fürsten und Staatsmännern ihr ganzes Gebahren zur absichtlichen Lüge zu machen, sie um das gute Gewissen zu bringen, und die unbewußte Tartüfferie aus dem Leibe des europäischen Menschen wieder herauszubringen.
25 [295]
“Die Todesfurcht ist eine Europäer-Art von Furcht.” orientalisch.
25 [296]
| Die neue Aufklärung. | Gegen die Kirchen und Priester gegen die Staatsmänner gegen die Gutmüthigen Mitleidigen gegen die Gebildeten und den Luxus in summa gegen die Tartüfferie. | |
| gleich Macchiavell. |
25 [297]
Socrates: der gemeine Mensch: schlau: durch klaren Verstand und starken Willen Herr über sich werdend: Humor des Siegreichen: im Verkehr mit Vornehmen immer merkend, daß sie nicht sagen können warum (es gehört zur Vornehmheit, daß die Tugend ohne Warum? geübt wird—) Vorher die Wissenschaft bei lauter vornehmen Männern!
In der Beurtheilung seines Todes: eine Art Falschheit, weil er seinen Willen zum Tode verbirgt: sodann bringt er eine Schmach über sein Vaterland. Doch mehr Egoist als Patriot.
Die Dialektik ist plebejisch ihrer Herkunft nach: der Fanatismus Plato’s der einer poetischen Natur für ihr Gegenstück. Zugleich merkt er, als agonale Natur, daß hier das Mittel zum Siege gegeben ist gegen alle Mitkämpfer, und daß die Fähigkeit selten ist.
25 [298]
Vom Range. Die schreckliche Consequenz der “Gleichheit”—schließlich glaubt jeder das Recht zu haben zu jedem Problem. Es ist alle Rangordnung verloren gegangen.
25 [299]
Unsere Voraussetzungen: kein Gott: keine Zwecke: endliche Kraft. Wir wollen uns hüten, den Niedrigen die ihnen nöthige Denkweise auszudenken und vorzuschreiben!!
25 [300]
Sinn der Religion: die Mißrathenen und Unglücklichen sollen erhalten werden, und durch Verbesserung der Stimmung (Hoffnung und Furcht) vom Selbstmord abgehalten werden.
Oder bei den Vornehmen: ein Überschuß von Dank und Erhebung, welcher zu groß ist, als daß er einem Menschen dargebracht werden könnte
25 [301]
Ausbruch meines Ekels gegen die Unverschämtheit, mit der selbst Gänse sich das Recht geben, über “Gut” und “Bös” bei den großen Menschen zu reden.
25 [302]
Bauernjungen, zu Priestern gemacht, nach dem Kloster riechend
25 [303]
die deutsche Philosophie, welche nach dem Tübinger Stift riecht
25 [304]
“Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.”
25 [305]
Zarathustra “ich nahm euch Alles, den Gott, die Pflicht,—nun müßt ihr die größte Probe einer edlen Art geben. Denn hier ist die Bahn den Ruchlosen offen—seht hin!
— das Ringen um die Herrschaft, am Schluß die Heerde mehr Heerde und der Tyrann mehr Tyrann als je.
— kein Geheimbund! Die Folgen meiner Lehre müssen fürchterlich wüthen: aber es sollen an ihr Unzählige zu Grunde gehen.
— wir machen einen Versuch mit der Wahrheit! Vielleicht geht die Menschheit dran zu Grunde! Wohlan!
25 [306]
I Theil. Der Berg zuletzt umdampft von Trübsal und Noth
alle Arten Unmögliche flüchten zu ihm—ein Heer von Narren um mich!
— Von der Sclaven-Religion
— vom Range.
— die Gottlosen, aus Ehrlichkeit kommen zu ihm
25 [307]
1 Grundsatz. Alle bisherigen Werthschätzungen sind aus falschem vermeintlichem Wissen um die Dinge entsprungen:—sie verpflichten nicht mehr, und selbst wenn sie als Gefühl, instinktiv (als Gewissen) arbeiten.
2 Grundsatz. Anstatt des Glaubens, der uns nicht mehr möglich ist, stellen wir einen starken Willen über uns, der eine vorläufige Reihe von Grundschätzungen festhält, als heuristisches Princip: um zu sehn, wie weit man damit kommt. Gleich dem Schiffer auf unbekanntem Meere. In Wahrheit war auch all jener “Glauben” nichts Anderes: nur war ehemals die Zucht des Geistes zu gering, um unsere großartige Vorsicht aushalten zu können.
3 Grundsatz. Die Tapferkeit von Kopf und Herz ist, was uns europäische Menschen auszeichnet: erworben im Ringen von vielen Meinungen. Größte Geschmeidigkeit, im Kampfe mit spitzfindig gewordenen Religionen, und eine herbe Strenge, ja Grausamkeit. Vivisection ist eine Probe: wer sie nicht aushält, gehört nicht zu uns (und gewöhnlich giebt es auch sonst Zeichen, daß er nicht zu uns gehört z. B. Zöllner.)
4 Grundsatz. Die Mathematik enthält Beschreibungen (Definitionen) und Folgerungen aus Definitionen. Ihre Gegenstände existiren nicht. Die Wahrheit ihrer Folgerungen beruht auf der Richtigkeit des logischen Denkens.— Wenn die Mathematik angewendet wird, so geschieht dasselbe, wie bei den “Mittel- und Zweck”-Erklärungen: es wird das Wirkliche erst zurechtgemacht und vereinfacht (gefälscht — —)
5 Grundsatz. Das am meisten von uns Geglaubte, alles a priori ist darum nicht gewisser, daß es so stark geglaubt wird. Sondern es ergiebt sich vielleicht als eine Existenz-Bedingung unserer Gattung—irgend eine Grund-Annahme. Deshalb könnten andere Wesen andere Grundannahmen machen z. B. 4 Dimensionen. Deshalb könnten immer noch all diese Annahmen falsch sein—oder vielmehr: in wie fern könnte irgend Etwas “an sich wahr” sein! Dies ist der Grund-Unsinn!
6 Grundsatz. Es gehört zur erlangten Männlichkeit, daß wir uns nicht über unsere menschliche Stellung betrügen: wir wollen vielmehr unser Maaß streng durchführen und das größte Maaß von Macht über die Dinge anstreben. Einsehen, daß die Gefahr ungeheuer ist: das der Zufall bisher geherrscht hat —
7 Grundsatz. Die Aufgabe der Erdregierung kommt. Und damit die Frage: wie wir die Zukunft der Menschheit wollen!— Neue Werthtafeln nöthig. Und Kampf gegen die Vertreter der alten “ewigen” Werthe als höchste Angelegenheit!
8 Grundsatz. Aber woher nehmen wir unseren Imperativ? Es ist kein “du sollst,” sondern das “ich muß” des Übermächtigen, Schaffenden.
25 [308]
Die Philosophen haben gesucht, die Welt in 1) Bilder (Erscheinungen) oder 2) Begriffe aufzulösen oder in 3) Willen—kurz in irgend Etwas uns am Menschen Bekanntes—oder sie der Seele gleichzusetzen (als “Gott”)
Das Volk hat “Ursache und Wirkung” von dem als bekannt geltenden Verhältniß des menschlichen Handelns in die Natur gelegt. “Freiheit des Willens” ist die Theorie zu einem Gefühl.
Eine Sache, deren subjektive Herkunft erkannt ist, ist damit noch nicht bewiesen als “nichtseiend,” z.B. Raum, Zeit usw.
Die Wissenschaft der Mathematik löst die Welt in Formeln auf. Das heißt, sie
Man muß dagegen festhalten, was Begriffe und Formeln nur sein können: Mittel der Verständlichung und Berechenbarkeit, die praktische Anwendbarkeit ist Ziel: daß der Mensch sich der Natur bedienen könne, die vernünftige Grenze.
Wissenschaft: die Bemächtigung der Natur zu Zwecken des Menschen —
— das Überschüssige Phantasiren bei Metaphysikern Mathematikern abschneiden: obwohl es nothwendig ist, als ein Experimentiren darauf hin, was vielleicht zufällig dabei erwischt wird.
Die größte Masse geistiger Arbeit in der Wissenschaft verschwendet—auch hier noch waltet das Princip der größtmöglichen Dummheit.
Grundsatz bei der Erklärung aller menschlichen Geschichte: die Anstrengungen sind unendlich viel größer als der Ertrag.
25 [309]
Grundsatz: wie die Natur sein: zahllose Wesen zum Opfer bringen können, um Etwas mit der Menschheit zu erreichen. Man muß studiren, wie thatsächlich irgend ein großer Mensch zu Stande gebracht worden ist. Alle bisherige Ethik ist grenzenlos beschränkt und lokal: blind und verlogen gegen die wirklichen Gesetze außerdem noch. Sie war da, nicht zur Erklärung, sondern zur Verhinderung gewisser Handlungen: geschweige denn zur Erzeugung
Wissenschaft ist eine gefährliche Sache: und bevor wir nicht ihrethalben verfolgt werden, ist es Nichts mit ihrer “Würde.” Oder gar wenn man in die Volksschule Wissenschaft trägt: und jetzt gar die Mädchen und die Gänse anfangen, wissenschaftlich zu schnattern; das liegt daran, daß sie immer mit moralischer Tartüfferie betrieben wurde.
Damit will ich ein Ende machen.
Alle Voraussetzungen der bestehenden “Ordnung” widerlegt.
1. Gott widerlegt: weil alles Geschehen weder gütig noch klug noch wahr ist;
2) weil “gut” und “böse” keine Gegensätze sind und die moralischen Werthe sich verwandeln
3) weil “wahr” und “falsch” beide nöthig sind—Täuschenwollen wie Sich-täuschen-lassen eine Voraussetzung des Lebendigen ist
4) “unegoistisch” gar nicht möglich. “Liebe” falsch verstanden. “Gebet” gleichgültig; “Ergebung” gefährlich.
25 [310]
Daß unsere Sinnesorgane selber nur Erscheinungen und Folgen unserer Sinne sind und unsere leibliche Organisation eine Folge unserer Organisation, scheint mir etwas Widerspruchsvolles oder mindestens ganz unbeweisbares. Daß tartarus stibiatus mich erbrechen macht, hat mit allen “Erscheinungen” und “Meinungen” nichts zu thun.
Die Photographie ist ein genügender Gegenbeweis gegen die gröblichste Form des “Idealismus.”
25 [311]
Woher der Sinn für Wahrheit? Erstens: wir fürchten uns nicht, abzuweichen 2) er vermehrt unser Machtgefühl, auch gegen uns selber.
25 [312]
die Welt “vermenschlichen” d. h. immer mehr uns in ihr als Herren fühlen —
25 [313]
Fühlen, Begreifen, Wollen wären in Bezug auf die unsäglich kleine Bewegtheit der Atome gar nicht möglich, wenn nicht zu ihrem Wesen gehörten, das Zusammennehmen, Vergröbern, Verlängern, Gleichansetzen.
Das Bild und der Begriff entsteht, indem eine produktive Kraft einige gegebene Reize gestaltet: eine “Erscheinung” macht
25 [314]
In der Mathematik giebt es kein Begreifen, sondern nur ein Feststellen von Nothwendigkeiten: von Verhältnissen “welche nicht wechseln” von Gesetzen im Sein.
Eine mechanische Weltanschauung d.h. eine solche, bei der zuletzt auf ein Begreifen verzichtet wird, wir “begreifen” nur, wo wir Motive verstehen. Wo es keine Motive giebt, da hört das Begreifen auf.
Meine Absicht in Betreff auch der zweckmäßigsten Handlungen ist zu zeigen, daß unser “Begreifen” auch da ein Schein und Irrthum ist.
25 [315]
Capitel: über das “Begreifen” von Handlungen.
25 [316]
Das Ideal ist, das complicirteste aller Maschinenwesen construiren, entstanden durch die dümmste aller möglichen Methoden.
25 [317]
Vor dem Kunstwerk kann man sich gehn lassen. Vor dem großen Menschen nicht! Daher die Pflege der Künste bei den Unterworfenen, die sich eine Welt der Freiheit schaffen—die Künstler sind meistens solche, welche nicht Herrscher sind.
Die Herrscher lieben die Kunst, weil sie Abbilder von sich wollen.
25 [318]
Lange p 822 “eine Wirklichkeit, wie der Mensch sie sich einbildet, und wie er sie ersehnt, wenn diese Einbildung erschüttert wird: ein absolut festes, von uns unabhängiges und doch von uns erkanntes Dasein—eine solche Wirklichkeit giebt es nicht.” Wir sind thätig darin: aber das giebt dem Lange keinen Stolz!
nichts trügerisches, wandelndes, abhängiges, unerkennbares also wünscht er sich—das sind Instinkte geängstigter Wesen und solcher, die noch moralisch beherrscht sind: sie ersehnen einen absoluten Herrn, etwas Liebevolles Wahrheit-Redendes—kurz diese Sehnsucht der Idealisten ist moralisch-religiös vom Sklavengesichtspunkte aus.
Umgekehrt könnte unser Künstler-Hoheits-Recht darin schwelgen, diese Welt geschaffen zu haben
“subjektiv nur,” aber ich empfinde umgekehrt: wir haben’s geschaffen!
25 [319]
Formend—das ist der Trieb des Sittlichen: Typen zu bilden: dazu sind Gegensätze der Schätzung nöthig.
Formen sehen oder ausrechnen ist unser größtes Glück—es ist auch unsere längste Übung.
25 [320]
In allen ästhetischen Urtheilen stecken sittliche. P G ist zu gutmüthig, um Ein Wollen seinem Satze aufzuprägen, er giebt nach.
25 [321]
Der große Stil besteht in der Verachtung der kleinen und kurzen Schönheit, ist ein Sinn für Weniges und Langes.
25 [322]
Zarathustra wartend
1) Anzeichen der größten Verwirrung. “Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt”
2) Er verkündet seine E W. Unwille, Klage—bis zum Attentat. Zarathustra lacht, ist glücklich, denn er bringt die große Krisis
3) die Weltmüden ziehn davon, die Schaar wird kleiner. Ihr theilt er seine Lehre mit, um zum Übermenschen den Weg zu finden und doch guter Dinge zu sein
Heiter wie im Feldlager. Festzüge usw.
25 [323]
Die ewige Wiederkunft.
Mittag und Ewigkeit.
| 1. Es ist Zeit! | |
| 2. Der grosse Mittag. | |
| 3. Die Gelobenden. | Wahrsagung |
| von der ewigen Wiederkunft |
25 [324]
Sehen und Hören setzt voraus ein Sehen-lernen, Hören-lernen ganz bestimmter Formen.
25 [325]
Daß in der morphologischen Kette der Thiere das Nervensystem und später das Gehirn sich entwickelt: giebt einen Anhaltepunkt—es entwickelt sich das Fühlen, wie sich später das Bilder-schaffen und Denken entwickelt. Ob wir es schon noch nicht begreifen: aber wir sehen, daß es so ist. Wir finden es unwahrscheinlich, Lust und Schmerz schon in alles Organische zu versetzen: und es ist immer noch auch beim Menschen der Reiz eine Stufe, wo beides nicht da ist.
25 [326]
Wir sind mißtrauisch, vom “Denkenden” “Wollenden” Fühlenden in uns auszugehen. Das ist ein Ende und jedenfalls das Verwickeltste und Schwerst-Verständliche.
25 [327]
Die Entstehung der subjektiven Raum- Zeit- Kraft-Causalitäts- Freiheitsempfindung, gesetzt sie sei erkannt: ebenso die Entstehung des Bildes (d. h. von Formen Gestalten), der Begriffe (d. h. Erinnerungszeichen für ganze Gruppen von Bildern mit Hülfe von Lauten): alle diese subjektiven Erscheinungen machen keinen Zweifel an der objektiven Wahrheit von den logischen mathematischen mechanischen chemischen Gesetzen. Eine andere Sache ist unsere Fähigkeit, uns auszudrücken über diese Gesetze: wir müssen uns der Sprache bedienen.
25 [328]
Die Sprache vollerer Naturen finden—ihr Bild der Welt wiederstrahlen —
25 [329]
Den Charakter zu einer Denkweise finden, wie meine ist: mechanisch, der Zufall, die Lust an schönen Gebilden, am Zerbrechen (weil es Werden ist) kluges Benützen, den Zufall ausbeuten, unverantwortlich, tapfer, ohne Steifigkeit
25 [330]
Mittheilung von Zuständen—da reicht die Prosa lange nicht aus—die Wissenschaft aber kann nur den wissenschaftlichen Zustand mittheilen und soll nichts Anderes!!
Von der Vielheit der Sprache (durch Bilder Töne) als Mittel des volleren Menschen, sich mitzutheilen.
25 [331]
Zarathustra nachdem seine jünger erschreckt sich abgewendet haben und er lachend Übermenschlich-sicher seine Mission ausgedrückt hat:— —mit tiefster Zärtlichkeit sie zu sich rufend, gleichsam zurückkehrend aus der höchsten Entfremdung und Ferne: väterlich.
25 [332]
Zusammenhang des Aesthetischen und Sittlichen: der große Stil will Einen starken Grundwillen und verabscheut am meisten die Zerfahrenheit.
Der Tanz und eine leichte Entwicklung aus einer Phase in die andere ist äußerst gefährlich—ein Schwertertanz. Denn die grobe Consequenz und Hartnäckigkeit geben dem Individuum sonst die Dauerhaftigkeit.
Am schwersten vereinigt: Ein Wille, Stärke des Grundgefühls und Wandel der Bewegungen (Verwandlungen)
25 [333]
Alles Organische, das “urtheilt,” handelt wie der Künstler: es schafft aus einzelnen Anregungen Reizen ein Ganzes, es läßt Vieles Einzelne bei Seite und schafft eine simplificatio, es setzt gleich und bejaht sein Geschöpf als seiend. Das Logische ist der Trieb selber, welcher macht, daß die Welt logisch, unserem Urtheilen gemäß verläuft.
Das Schöpferische—1) Aneignende 2) Auswählende 3) Umbildende Element—4) das Selbst-Regulirende Element—5) das Ausscheidende.
25 [334]
Es giebt durch viele Generationen von Arten hindurch eine Nothwendigkeit, die schon im ersten Keim liegt: gesetzt daß die Bedingungen der Ernährung sich günstig hinzufinden, ist das organische Geschöpf für alle seine Zukunft bedingt: der Zeitpunkt des Eintretens der einzelnen neuen Formen (z. B. Nerven) hängt von den Zufällen der Ernährung ab.
NB. Steigerung des Lebens nach der Dauer der Gestirne.
25 [335]
Der große Mensch fühlt seine Macht über ein Volk, sein zeitweiliges Zusammenfallen mit einem Volke oder einem Jahrtausende: diese Vergrößerung im Gefühl von sich als causa und voluntas wird mißverstanden als “Altruismus” —
— es drängt ihn nach Mitteln der Mittheilung: alle großen Menschen sind erfinderisch in solchen Mitteln. Sie wollen sich hineingestalten in große Gemeinden, sie wollen Eine Form dem Vielartigen, Ungeordneten geben, es reizt sie das Chaos zu sehn
— Mißverständniß der Liebe. Es giebt eine sklavische Liebe welche sich unterwirft und weggiebt: welche idealisirt und sich täuscht—es giebt eine göttliche Liebe, welche verachtet und liebt und das geliebte umschafft, hinaufträgt. —
— jene ungeheure Energie der Größe zu gewinnen, um, durch Züchtung und anderseits durch Vernichtung von Millionen Mißrathener, den zukünftigen Menschen zu gestalten und nicht zu Grunde zu gehen an dem Leid, das man schafft, und dessen Gleichen noch nie da war! —
— Gesinnung der Mißrathenen, sich zu opfern: das der Sinn der Orden, welche sich Keuschheit geloben.
— der Genuß an Formen in den bildenden Künsten: sie theilen einen Zustand des Künstlers mit (ruhig-verehrend). Der Musiker ist von den Affekten bewegt, ohne daß er Objekte dazu sieht—und theilt seinen Zustand mit. Viel umfänglicher als die Zustände des Malers.
25 [336]
Zur Psychologie.
1. Jedes “ethische” Gefühl, das uns zum Bewußtsein kommt, wird vereinfacht, je mehr es bewußt wird d. h. es nähert sich dem Begriff an. An sich ist es vielfach, ein Zusammenklingen vieler Töne.
2. Die “innere” Welt ist unfaßbarer als die äußere: das Miterklingen vieler Obertöne läßt sich durch die Musik deutlich machen, die ein Abbild giebt.
3. Damit in einer mechanischen Weltordnung etwas gewußt werden kann, muß ein Perspectiv-Apparat da sein, der 1) ein gewisses Stillestehen 2) ein Vereinfachen 3) ein Auswählen und Weglassen möglich macht. Das Organische ist eine Vorrichtung, an welcher sich Bewußtsein entwickeln kann, weil es selber zu seiner Erhaltung dieselben Vorbedingungen nöthig hat.
4. Die innere Welt muß in Schein verwandelt werden, um bewußt zu werden: viele Erregungen als Einheit empfunden usw. Vermöge welcher Kraft hören wir einen Akkord als Einheit und noch dazu die Art des Instrumentklanges, seine Stärke, sein Verhältniß zum Eben-Gehörten usw.?? Die ähnliche Kraft bringt jedes Bild des Auges zusammen.
5. Unsere fortwährende Einübung von Formen, erfindend, vermehrend, wiederholend: Formen des Sehens, Hörens und Tastens.
6. Alle diese Formen, welche wir sehen, hören, fühlen usw. sind nicht vorhanden in der Außenwelt, welche wir mathematisch-mechanisch feststellen.
7. Meine Vermuthung, daß alle Eigenschaften des Organischen selber uns deshalb aus mechanischen Gründen unableitbar sind, weil wir selber erst antimechanische Vorgänge hineingesehen haben: wir haben das Unableitbare erst hineingelegt.
8. Vorsicht, das sehr Complicirte nicht als etwas Neues zu behandeln.
25 [337]
Für einen vollen und rechtwinkligen M ist eine so bedingte und verklausulirte Welt, wie die Kants, ein Greuel. Wir haben ein Bedürfniß nach einer groben Wahrheit; und wenn es diese nicht giebt, nun, so lieben wir das Abenteuer und gehen aufs Meer
— zu beweisen, daß die Consequenzen der Wissenschaft gefährlich sind, meine Aufgabe. “Es ist vorbei mit gut” und “böse” —“
— im Zeitalter des suffrage universel ist der Ton der Unehrerbietigkeit am höchsten, mit der jetzt der Philosoph behandelt wird: alle Gänse schnattern ja bereits mit!—man lese z. B. das philosophische Geschnatter der George Sand oder der Frau John Stuart Mill. Nun, ich ziehe vor, seine Stellung gehaßt und gefährlich zu machen: man soll ihm fluchen, wenn man ihn nicht anders zu ehren weiß!
— der Kampf mit der Sprache.
25 [338]
Es wird erzählt der berühmte Stifter des Christenthums vor Pilatus sagte “ich bin die Wahrheit”; die Antwort des Römers darauf ist Roms würdig: als die größte Urbanität aller Zeiten.
25 [339]
“Gott” im Alterthum anders empfunden, ganz und gar ohne den monotheistisch-moralischen Beigeschmack.— Priap in den Gärten, als Vogelscheuche. Ein Hirt dankbar für die Fruchtbarkeit der Heerde z. B.
Die Masse Dankbarkeit in der griechischen Religion. Später, im Pöbel, überwuchert die Furcht: Epicur und Lucrez.
25 [340]
Grundsatz. Wenn es sich um bien public handelte, so wäre der Jesuitism im Recht, ebenso das Assassinenthum; ebenso das Chinesenthum.
25 [341]
Grundsatz. Mit allen Kräften die stillstehenden ewigen Werthschätzungen umwerfen! Große Aufgabe.
25 [342]
Die Revolution, Verwirrung und Noth der Völker ist das Geringere in meiner Betrachtung, gegen die Noth der großen Einzelnen in ihrer Entwicklung. Man muß sich nicht täuschen lassen: die vielen Nöthe aller dieser Kleinen bilden zusammen keine Summe, außer im Gefühle von mächtigen Menschen.
An sich denken, in Augenblicken großer Gefahr: seinen Nutzen ziehen aus dem Nachtheile Vieler:—das kann bei einem sehr hohen Grade von Abweichung ein Zeichen großen Charakters sein, der über seine mitleidigen und gerechten Empfindungen Herr wird.
25 [343]
Wenn ein inferiorer Mensch seine alberne Existenz, sein viehisch-dummes Glück als Ziel faßt, so indignirt er den Betrachter; und wenn er gar andere Menschen zum Zweck seines Wohlbefindens unterdrückt und aussaugt, so sollte man so eine giftige Fliege todtschlagen.
Der Werth eines Menschen soll beweisen, was für Rechte er sich nehmen darf: die “Gleichstellung” geschieht aus Mißachtung der höheren Naturen und ist ein Verbrechen an ihnen.
Dadurch, daß ein Mensch die Förderung einer Familie, eines Volkes usw. auf sich nimmt, gewinnt er an Bedeutung, vorausgesetzt, daß seine Kraft es ihm erlaubt, sich eine solche Aufgabe zu setzen. Ein Mensch, der nichts hat, als viehische Begierden im Leibe, sollte nicht das Recht zur Heirath haben.
Die Rechte, die ein Mensch sich nimmt, stehn im Verhältniß zu den Pflichten, die er sich stellt, zu den Aufgaben, denen er sich gewachsen fühlt.
Die allermeisten Menschen sind ohne Recht zum Dasein, sondern ein Unglück für die höheren: ich gebe den Mißrathenen noch nicht das Recht. Es giebt auch mißrathene Völker.
Die alberne “Humanität”! Gegen die Thiere gerechnet, mag sich der Mensch als Mensch bei “Seines-Gleichen” fühlen. Aber als Mensch vor Menschen —
25 [344]
Die Entartung der Herrscher und der herrschenden Stände hat den größten Unfug in der Geschichte gestiftet! Ohne die römischen Cäsaren und die römische Gesellschaft wäre der Wahnsinn des Christenthums nicht zur Herrschaft gekommen.
Wenn die geringeren Menschen der Zweifel anfällt, ob es höhere Menschen giebt, da ist die Gefahr groß! Und man endet zu entdecken, daß es auch bei den geringen, unterworfenen, geistesarmen Menschen Tugenden giebt und daß vor Gott die Menschen gleich stehn: was das non plus ultra des Blödsinns bisher auf Erden gewesen ist! Nämlich die höheren Menschen maßen sich selber schließlich nach dem Tugend-Maaßstab der Sklaven—fanden sich “stolz” usw.—fanden alle ihre höheren Eigenschaften als verwerflich!
— als Nero und Caracalla oben saß, entstand die Paradoxie: der niedrigste Mensch ist mehr werth als der da oben! Und ein Bild Gottes brach sich Bahn, welches möglichst entfernt war vom Bilde der Mächtigsten—der Gott am Kreuze!
— die Römer haben bisher das größte Unglück Europas verschuldet, das Volk der Unmäßigkeit— — sie haben Extreme zur Herrschaft gebracht und extreme Paradoxien, wie den “Gott am Kreuze”
—man muß erst die Unterscheidung lernen: für die Griechen, wider die Römer—das heiße ich antike Bildung
25 [345]
Ursachen des Pessimismus
die Sklaven-Moral im Vordergrund “Gleichheit”
die gemeinsten Menschen haben alle “Vortheile” für sich
die Entartung der Herrscher und herrschenden Stände
die Nachwirkung der Priester und Weltverleumder.
die Mitleidigen und Empfindelnden: Absenz der Härte,
— die Schonung der Mißrathenen
die Ziellosigkeit, weil der große Mensch fehlt, dessen Anblick schon das Dasein rechtfertigt.
die falschen Ideale, vom Einen Gott her, “vor Gott Alle Sünder”
die armen dürren Geister, feige dazu
25 [346]
Man muß den Stolz des Unglücks lernen —
25 [347]
Seneca als eine Culmination der antiken moralischen Verlogenheit—ein würdevoller Spanier, wie Grazian
25 [348]
Die Wurzel alles Üblen: daß sklavische Moral gesiegt hat, der Sieg der Demuth, Keuschheit, absoluten Gehorsams, Selbstlosigkeit—
—die herrschenden Naturen wurden dadurch 1) zur Heuchelei 2) zur Gewissensqual verurtheilt—die schaffenden Naturen fühlten sich als Aufrührer gegen Gott, unsicher, und gehemmt durch die ewigen Werthe
— die Barbaren zeigten, daß Maaßhalten-können bei ihnen nicht zu Hause war: sie fürchteten und verlästerten die Leidenschaften und Triebe der Natur:—ebenso der Anblick der herrschenden Cäsaren und Stände.
— es entstand anderseits der Verdacht, daß alle Mäßigung eine Schwäche sei oder Alt- und Müdewerden (so hat La Rochefoucauld den Verdacht, daß “Tugend” ein schönes Wort sei bei solchen, welchen das Laster keine Lust mehr mache)
— das Maaßhalten selber war als Sache der Härte, Selbstbezwingung, Askese geschildert, als Kampf mit dem Teufel usw. das natürliche Wohlgefallen der aesthetischen Natur am Maaße der Genuß am Schönen des Maaßes war übersehen oder verleugnet, weil man eine anti-eudämonistische Moral wollte
In summa: die besten Dinge sind verlästert worden (weil die Schwachen oder die unmäßigen Schweine ein schlechtes Licht darauf warfen)—und die besten Menschen sind verborgen geblieben und haben sich oft selber verkannt.
25 [349]
Die Ausrottung der “Triebe”
die Tugenden, die unmöglich sind oder
die Tugenden, welche bei Sclaven, von Priestern beherrscht, am schätzenswerthesten sind
die verfaulten herrschenden Stände haben das Bild des Herrschenden verdorben
der “Staat,” als Gericht übend, ist eine Feigheit, weil der große Mensch fehlt, an dem gemessen werden kann.
— zuletzt wird die Unsicherheit so groß, daß die Menschen schon vor jeder Willenskraft, die befiehlt, in den Staub fallen
NB. Hohn über die Könige mit den Tugenden kleiner Bürgersleute
25 [350]
Man redet so dumm vom Stolze—und das Christenthum hat ihn gar als sündlich empfinden machen! Die Sache ist: wer Großes von sich verlangt und erlangt, der muß sich von denen sehr fern fühlen, welche dies nicht thun—diese Distanz wird von diesen Anderen gedeutet als “Meinung über sich”: aber Jener kennt sie nur als fortwährende Arbeit, Krieg, Sieg, bei Tag und Nacht: von dem Allen wissen die Anderen nichts!
25 [351]
Die Lehre wendet sich an Menschen mit überströmender Kraft—nicht an die Mittelmäßigen.
Die und ist nur eine Stufe der Höhe: höher steht die “goldene Natur.”
“Du sollst”—unbedingter Gehorsam bei Stoikern, in den Orden des Christenthums und der Araber, in der Philosophie Kant’s (es ist gleichgültig, ob einem Oberen oder einem Begriff).
Höher als “du sollst” steht “ich will” (die Heroen); höher als “ich will” steht “ich bin” (die Götter der Griechen)
Die barbarischen Götter drücken nichts von der Lust am Maaße aus—sind weder einfach, noch leicht, noch maaßvoll.
25 [352]
Zu Zarathustra: “die Goldenen” als höchste Stufe.
25 [353]
NB. Die Schlichtheit im Leben, Kleiden, Wohnen, Essen, zugleich als Zeichen des höchsten Geschmacks: die höchsten Naturen bedürfen des Besten, daher ihre Schlichtheit!
Die üppigen bequemen Menschen, ebenso die prunkvollen sind lange nicht so unabhängig: sie haben an sich selber auch keine so ausreichende Gesellschaft.
In wie fern der stoische Weise und noch mehr der Mönch ein Exceß ist, eine barbarische Übertreibung — —.
25 [354]
— die Fürsten sind unter allen Umständen Menschen zweiten Ranges: die ganz hohen Menschen herrschen über Jahrtausende und können sich nicht für die gegenwärtigen Dinge so interessiren. Die Fürsten sind ihre Werkzeuge oder schlaue Hunde, welche sich als Werkzeuge stellen.
Über dem Bilde des Fürsten (als Werkzeug des Weisen) das Bild des höchsten Weisen zu zeigen.
25 [355]
Rangordnung: der die Werthe bestimmt und den Willen von Jahrtausenden lenkt, dadurch daß er die höchsten Naturen lenkt, ist der höchste Mensch.
25 [356]
Das, was gemeinhin dem Geiste zugewiesen wird, scheint mir das Wesen des Organischen auszumachen: und in den höchsten Funktionen des Geistes finde ich nur eine sublime Art der organischen Funktion (Assimilation Auswahl Secretion usw.)
Aber der Gegensatz “organisch” “unorganisch” gehört ja in die Erscheinungswelt!
25 [357]
Die großen geistigen Thätigkeiten krankhaft als Beherrschtsein von Einem Gedanken; Mangel von Spontaneität—eine Art Hypnotismus. Sie entnerven und machen willensschwach unter anderen Umständen.
Ob bei dem Gehorsam nicht oft so etwas ist wie Hypnotismus?
25 [358]
NB. Grundsatz: jedes Erlebniß, in seine Ursprünge zurückverfolgt, setzt die ganze Vergangenheit der Welt voraus.— Ein factum gut heißen, heißt Alles billigen!
Aber indem man Alles billigt, billigt man auch alle vorhandenen und gewesenen Billigungen und Verwerfungen!
25 [359]
Der größte Theil unserer Erlebnisse ist ungewußt und wirkt.
25 [360]
Die Herrschaft über sich ist das Gleichgewicht vieler aufgehäuften Erinnerungen und Motive—eine Art Frieden unter feindlichen Kräften.
voluntas ist ein zuletzt mechanisches unbedingtes Übergewicht, ein Sieg, der ins Bewußtsein tritt.
25 [361]
Die Einübung des Auges in Formen: muthmaaßlich auch des Ohres und Getastes. Ebenso zeigt uns der Traum, wie sehr wir andere Personen sein könnten—wir machen es sehr gut nach.
25 [362]
Die schöpferische Kraft—nachbildend, bildend, formend, sich übend—der von uns repräsentirte Typus ist eine unserer Möglichkeiten—wir könnten viele Personen noch darstellen—wir haben das Material dazu in uns.— Unsre Art Leben und Treiben als eine Rolle zu betrachten eingerechnet die Maximen und Grundsätze wir suchen einen Typus darzustellen, instinktiv—wir wählen aus unserem Gedächtniß aus, wir verbinden und combiniren die facta des Gedächtnisses.
25 [363]
Der Einzelne enthält viel mehr Personen, als er glaubt. “Person” ist nur eine Betonung, Zusammenfassung von Zügen und Qualitäten.
25 [364]
Das Mißverständniß der Handlung, durch falsche untergeschobene Motive.
25 [365]
NB. In wie fern unser bewußtes Leben durch und durch falsch und ein Schleier ist.
25 [366]
Lügen, um zu lügen, ist der primitive Hang: in allen pöbelhaften Zeitaltern.
Herrschen, um zu herrschen, und nicht, wie Helvétius meint, um die Genüsse zu haben.
25 [367]
— allgemeiner Mangel an Kenntniß der Natur
25 [368]
Der Philosoph weiß nicht, welche Motive ihn zum Forschen drängen.
25 [369]
Von der Oberflächlichkeit des
Bewusstseins
25 [370]
Pessimismus des 19ten Jahrhunderts als Folge der Pöbel-Herrschaft.
Le plaisir im 18ten Jahrhundert.
25 [371]
Ursache und Wirkung ist keine Wahrheit, sondern eine Hypothese—und zwar eine solche, mit der wir die Welt uns vermenschlichen, unserem Gefühle näher bringen (“Willen” wird hineinempfunden)
— mit der atomistischen Hypothese machen wir die Welt unserem Auge und unserer Berechnung zugleich zugänglich
— es ist das Maaß des wissenschaftlich starken Geistes, wie sehr er aushält, den Wahn absoluter Urtheile und Schätzungen abzuweisen oder noch nöthig zu haben. Nämlich nicht unsicher werden! Und eine solche Hypothese mit einem zähen Willen festhalten und dafür leben!
25 [372]
Man hat immer die Hauptsache vergessen: warum will denn der Philosoph erkennen? Warum schätzt er die “Wahrheit” höher als den Schein? Diese Schätzung ist älter als jedes cogito, ergo sum: selbst den logischen Prozeß vorausgesetzt, giebt es etwas in uns, welches ihn bejaht und sein Gegentheil verneint. Woher der Vorzug? Alle Philosophen haben vergessen zu erklären, warum sie das Wahre und das Gute schätzen, und Niemand hat versucht, es mit dem Gegentheil zu versuchen. Antwort: das Wahre ist nützlicher (den Organismus erhaltender)—aber nicht an sich angenehmer
Genug, gleich im Anfang finden wir den Organismus als Ganzes, mit “Zwecken,” redend—also schätzend
25 [373]
der Wohlgeschmack einer Speise ist die Folge ihrer Zuträglichkeit!
25 [374]
Inwiefern der Mensch ein Schauspieler ist.
Nehmen wir an, der einzelne Mensch bekomme eine Rolle zu spielen: er findet sich nach und nach hinein. Er hat endlich die Urtheile, Geschmäcker, Neigungen, die zu seiner Rolle passen, selbst das dafür zugestandene übliche Maaß von Intellekt:—
— einmal als Kind, Jüngling, usw. dann die Rolle, die zum Geschlecht gehört, dann die der socialen Stellung, dann die des Amtes, dann die seiner Werke —
Aber, giebt ihm das Leben Gelegenheit zum Wechsel, so spielt er auch eine andere Rolle. Und oft sind in Einem Menschen nach den Tagen die Rollen verschieden z. B. der Sonntags-Engländer und der Alltags-Engländer. An Einem Tage sind wir als Wachende und Schlafende sehr verschieden. Und im Traume erholen wir uns vielleicht von der Ermüdung, die uns die Tags-Rolle macht,—und stecken uns selber in andere Rollen.
Die Rolle durchführen d. h. Wille haben, Concentration und Aufmerksamkeit: vielmehr noch negativ—abwehren, was nicht dazu gehört, den andringenden Strom andersartiger Gefühle und Reize, und—unsere Handlungen im Sinne der Rolle thun und besonders interpretiren.
Die Rolle ist ein Resultat der äußeren Welt auf uns, zu der wir unsere “Person” stimmen, wie zu einem Spiel der Saiten. Eine Simplifikation, Ein Sinn, Ein Zweck. Wir haben die Affekte und Begehrungen unserer Rolle—das heißt wir unterstreichen die, welche dazu passen und lassen sie sehen.
immer natürlich à peu près.
Der Mensch ein Schauspieler.
25 [375]
Wir haben viele Typen in uns. Wir coordiniren unsere Inneren Reize so wie die äußeren zu einem Bilde oder einem Verlaufe von Bildern: als Künstler.
Die Oberflächlichkeit unserer Typen, wie unserer Urtheile, Begriffe, Bilder.
25 [376]
Der Raum beim Haschisch-rauchen viel ausgedehnter, weil viel mehr gesehn wird im gleichen Zeitraum als sonst. Abhängigkeit des Raumgefühls von der Zeit.
25 [377]
Man muß “erkennen an sich” ebenso widerspruchsvoll finden wie “erste” Ursache und wie “Ding an sich.”
Der Erkenntniß-Apparat als Verkleinerungsapparat: als Reduktions-Apparat in jedem Sinne. Als Mittel des Ernährungs-Apparates.
25 [378]
Die Instinkte als Urtheile auf Grund früherer Erfahrungen: nicht von Lust- und Unlust-Erfahrungen: denn die Lust ist erst die Form eines Instinkt-Urtheils (ein Gefühl von vermehrter Macht oder: wie wenn sich die Macht vermehrt hätte) Vor den Lust- und Unlustgefühlen giebt es Kraft- und Schwächegefühle im Ganzen.
25 [379]
Als nachahmendes Thier ist der Mensch oberflächlich: es genügt ihm, wie bei seinen Instinkten, der Anschein der Dinge. Er nimmt Urtheile an, das gehört zu dem ältesten Bedürfniß, eine Rolle zu spielen.
Entwicklung der mimicry unter Menschen, vermöge seiner Schwäche. Das Heerdenthier spielt eine Rolle, die ihm anbefohlen wird.
25 [380]
Wollen das ist befehlen, etwas Seltenes deshalb, schlecht vererbt.
25 [381]
Starker Wille erklärlich bei kalten Menschen und schwacher Wille bei heißen. Das Erstaunliche ist: ein glühender Affekt und ein kalter heller Kopf und Wille.
25 [382]
Die Gefahr des Menschen steckt darin, wo seine Stärke ist: er ist unglaublich geschickt darin, sich zu erhalten, selbst in den unglücklichsten Lagen. (Dazu gehören selbst die Religionen der Armen Unglücklichen usw.) So erhält sich das Mißrathene viel länger und verschlechtert die Rasse: weshalb der Mensch, im Vergleich zu den Thieren, das krankhafteste Thier ist. Im großen Gange der Geschichte muß aber das Grundgesetz durchbrechen und der Beste zum Siege kommen: vorausgesetzt, daß der Mensch mit dem allergrößten Willen die Herrschaft des Besten durchzusetzen sucht.
25 [383]
Ich erlaube nur den Menschen, die wohlgerathen sind, über das Leben zu philosophiren. Aber es giebt mißrathene Menschen und Völker: denen muß man das Maul stopfen. Man muß ein Ende machen mit dem Christenthum—es ist die größte Lästerung auf Erde und Erdenleben, die es bisher gegeben hat—man muß mißrathenen Menschen und Völkern das Maul stopfen.
Man muß mit dem Christenthum ein Ende machen—es war und ist die größte Lästerung auf Erde und Erdenleben, welche es bisher gab —
25 [384]
Aus der Ferne gesehen: Schopenhauer’s Philosophie giebt zu verstehen, daß es unsäglich viel dümmer zugeht als man glaubt. Darin steckt ein Fortschritt der Einsicht.
25 [385]
Unseren Glauben an den Leib, unsere Gefühle von Lust und Schmerz und dergleichen muß man festhalten: man muß hierin nicht versuchen, umzuwerfen. Der Widerspruch einiger Logiker und Religiösen hat sie selber nicht davon losgemacht—er kommt nicht in Betracht. Die Verurtheilung des Leibes als Merkmal der mißrathenen Mischung ebenso die Verurtheilung des Lebens: Zeichen der Besiegten.
25 [386]
Vom Ursprung der Kunst. Die Fähigkeit zu lügen und sich zu verstellen am längsten entwickelt: Gefühl der Sicherheit und der geistigen Überlegenheit dabei beim Täuschenden. Bewunderung des Zuhörers: beim Erzähler, wie als ob er dabei gewesen wäre. Ebenso Sicherheit des Zuhörers, zu wissen, daß es Täuschung ist und daß diese gefährliche Kunst nicht zu seinem Schaden geübt wird. Bewunderung über menschlicher Beihülfe.— Beim Dichter häufig Entfremdung seiner Person: er fühlt sich “verwandelt.” Ebenso beim Tänzer und Schauspieler, mit nervösen Krisen, Hallucinationen usw. Künstler auch jetzt noch lügenhaft und gleich Kindern. Unfähigkeit, zwischen “wahr” und “Schein” zu scheiden.
25 [387]
Vom Ursprunge der Religion. Menge von Hallucinationen und von allen möglichen Hysterien, nicht nur “diabolischen.” Die Sichtbarkeit der Götter ist Voraussetzung. Die Religionsstifter fühlen sich selber durch Krämpfe, Amnesie, Verlust des Willens begläubigt.
25 [388]
Der Glaube an die Furchtbarkeit des “Nach dem Tode” ist antik und die Grundlage des Christenthums. Die Armen-Vereine mit ihrer “Brüderliebe” die andere Grundlage. Das Verlangen nach Rache an allem, was Macht hatte, die dritte.— Eine populäre Form des stoischen Weisen, der glücklich ist im größten “Unglück”: die plötzlichen Heilungen von Hysterischen, die Schmerzlosigkeit bei Verwundungen — —
25 [389]
Wille—ein Befehlen: insofern aber diesem bewußten Akte ein unbewußter zu Grunde liegt, brauchen wir uns auch nur diesen wirksam zu denken. Aber bei einem Befehl an einen Gehorchenden? Das Wort des Befehls wirkt nicht als Wort, nicht als Laut, sondern als das, was sich verbirgt hinter dem Laut: und vermöge dieser Aktion wird etwas fortgeleitet. Aber die Reduktion der Laute auf “Schwingungen” ist doch nur der Ausdruck desselben Phänomens für einen anderen Sinn—keine “Erklärung.” Hinter der “sichtbaren” Schwingung verbirgt sich wieder der eigentliche Vorgang.
Die Wissenschaft ist darauf aus, dieselben Phänomene durch verschiedene Sinne zu interpretiren und alles auf den deutlichsten Sinn, den optischen, zu reduziren. So lernen wir die Sinne kennen—der dunklere wird durch den helleren erleuchtet.
Die Bewegungen von Molekülen sind eine Consequenz des Gesichtssinnes und des Tastsinnes.— Wir verfeinern die Sinne—wir erklären Nichts. Hinter jedem “Willen” “Fühlen” setzen wir einen Bewegungs-Prozeß voraus, der für das Auge dasselbe wäre.
25 [390]
Der Schmerz: nicht der Reiz als solcher, sondern im Intellekt erst gemacht zum Schmerz. Man muß sich ihn durch Vererbung wachsen denken—eine Summe von vielen Urtheilen: “dies ist gefährlich, bringt Tod, verlangt Defensive, größte Aufmerksamkeit,” ein Befehl “weg davon! gieb Acht!” eine große plötzliche Erschütterung als Resultat.
25 [391]
Der physische Schmerz ist erst die Folge eines seelischen Schmerzes: dieser aber: Plötzlichkeit, Angst, Kampfbereitschaft, eine Menge von Urtheilen und Willensakten und Affekten in Einen Augenblick concentrirt, als große Erschütterung und in summa als Schmerz empfunden und projicirt an die Stelle hin.
Affekte aller Art, deren Urtheile und die resultirenden Willensakte sind Eins im Augenblick des Schmerzes: die Attitüden der Vertheidigung sofort mit dem Schmerz da. Folge einer großen Nerven-Erschütterung (des Centrums): welche lange nachklingt.
25 [392]
Verwandlung aller Vorgänge in optische Phänomene: und endlich wieder dieser Phänomene in reine Begriffs- und Zahlen-Phänomene.
Dies ist der Gang in der Geschichte: man glaubt zu verstehen, wenn man will: wenn man fühlt: wenn man sieht: wenn man hört: wenn man es in Begriffe umsetzt: wenn man es in Zahlen und Formeln umsetzt.
| “Alles ist Wille” | “Alles will” |
| “Alles ist Lust oder Unlust” | “Alles leidet” |
| “Alles ist Bewegung” | “Alles fließt” |
| “Alles ist Laut” | “Alles klingt” |
| “Alles ist Geist” | “Alles ist Geist” |
| “Alles ist Zahl” | “Alles ist Zahl” |
Also: die Verwandlung aller Vorgänge in unsere uns bekannte Welt, kurz: in uns—das ist bisher “Erkenntniß.”
25 [393]
Der Mensch als eine Grenze darzustellen.
25 [394]
Der Werth der Atomistik ist: Sprache und Ausdrucksmittel zu finden für unsere Gesetze.
25 [395]
Die Wissenschaft der Natur ist “Menschen-Kenntniß” in Bezug auf die allgemeinsten Fähigkeiten des Menschen.
25 [396]
Die Vergangenheit ist für jeden von uns eine andre: insofern er eine Linie hindurchzieht, eine Vereinfachung (wie bei Mitteln und Zwecken).
25 [397]
Werthschätzungen entstehen aus dem, was wir als Existenzbedingungen glauben: wandeln sich unsere Existenzbedingungen oder unser Glaube darin, dann auch die Werthschätzungen.
25 [398]
Erhaltung der Gemeinde (des Volkes) ist meine Correktur statt “Erhaltung der Gattung.”
25 [399]
Furcht vor dem Tode ist vielleicht älter als Lust und Schmerz, und Ursache vom Schmerze.
25 [400]
Schmerz—ein Vorwegnehmen der Consequenzen einer Wunde, die Gefühl der Kraftverminderung mit sich bringt?— Nein, eine Erschütterung.
25 [401]
Vom Haschisch-Genuß und vom Träumen weiß man, daß die Schnelligkeit der geistigen Vorgänge ungeheuer ist. Offenbar bleibt uns der größte Theil davon erspart, ohne bewußt zu werden.
Es muß eine Menge Bewußtseins und Willen’s in jedem complizirten organischen Wesen geben: unser oberstes Bewußtsein hält für gewöhnlich die anderen geschlossen. Das kleinste organ Geschöpf muß Bewußtsein und Willen haben.
25 [402]
Der heftigste Reiz ist an sich kein Schmerz: sondern in jener Erschütterung, welche wir fühlen, ist das nervöse Centrum erkrankt, und das erst projicirt den Schmerz an die Stelle des Reizes. Diese Projektion ist eine Schutz- und Defensiv-Maßregel. In der Erschütterung sind eine Menge Affekte: Überfall, Furcht, Gegenwehr, Arger, Wuth, Vorsicht, Nachdenken über Sicherheitsmaßregeln—die Bewegungen des ganzen Körpers resultiren hieraus. Schmerz ist eine tiefe Gemüthsbewegung, mit einer Unmasse von Gedanken auf Einmal; eine Erkrankung durch Verlust des Gleichgewichts und momentane Überwältigung des Willens.
25 [403]
Ich setze Gedächtniß und eine Art Geist bei allem Organischen voraus: der Apparat ist so fein, daß er für uns nicht zu existiren scheint. Die Thorheit Häckels, zwei Embryons als gleich anzusetzen!
Man muß sich nicht täuschen lassen durch die Kleinheit—das Organische nicht entstanden.
25 [404]
Was für Eigenschaften man haben muß, um Gott zu entbehren—was für welche, um “die Religion des Kreuzes”? Muth, Strenge des Kopfes, Stolz, Unabhängigkeit und Härte, keine Grübelei, Entschlossenheit usw. Vermöge eines Rückgangs siegt immer wieder das Christenthum.— Gewisse Zeitumstände müssen günstig sein.
25 [405]
Regulative Voraussetzungen.
| 1. | Die Entbehrlichkeit Gottes. | |
| 2. | Gegen die Tröster und Kreuzes-Tröstungen. | |
| 3. | Das Bewußte als oberflächlich. | |
| 4. | Kritik der guten Menschen. | |
| 5. | Kritik der Genie’s. | |
| 6. | Kritik der Religionsstifter. | |
| 7. | Kritik der Mächtigen. | |
| 8. | Die Rassen und die Colonisation. | |
| 9. | Der Geschlechtstrieb. | |
| 10. | Die Sklaverei. | |
| 11. | Kritik der griechischen Cultur. | |
| 12. | Geist der Musik. | |
| 13. | Geist der Revolution. | |
| 14. | Erdregierung. | |
| 15. | Feste. | |
| 16. | Das Mitleiden. | |
| 17. | Strafe, Lohn, Bezahlung. |
Meine Aufgabe: die Menschheit zu Entschlüssen zu drängen, die über alle Zukunft entscheiden!
Höchste Geduld—Vorsicht—den Typus solcher Menschen zeigen, welche sich diese Aufgabe stellen dürfen!
25 [406]
Unsere Ableitung des Zeitgefühls usw. setzt immer noch die Zeit als absolut voraus.
25 [407]
Alle unsere Religionen und Philosophien sind Symptome unseres leiblichen Befindens:—daß das Christenthum zum Sieg kam, war die Folge eines allgemeinen Unlust-Gefühls und einer Rassen-Vermischung (d. h. eines Durch- und Gegeneinander im Organismus)
25 [408]
Ehrfurcht vor den Instinkten, Trieben, Begierden, kurz alledem, dessen Grund man nicht völlig durchschaut! Es sind Kräfte da, welche stärker sind als alles, was formulirt werden kann am Menschen. Aber ebenso Furcht und Mißtrauen gegen dies Alles, weil es das Erbe sehr verschiedenwerthiger Zeiten und Menschen ist, das wir da in uns herumschleppen!
— daß die höchste Kraft, als Herrschaft über Gegensätze, den Maaßstab abgiebt:—
der menschliche Leib ist ein viel vollkommeneres Gebilde als je ein Gedanken- und Gefühlssystem, ja viel höher als ein Kunstwerk — —
25 [409]
— das Kunstwerk als ein Zeugniß unserer Lust an der Vereinfachung, an dem Fort-Schaffen durch Concentration unter Ein Gesetz
— der Intellekt ein Abstractions-Apparat
— das Gedächtniß: alles, was wir erlebt haben, lebt: es wird verarbeitet, zusammengeordnet, einverleibt.
25 [410]
Entwicklung der Grausamkeit: Freude im Anblick des Leidenden—auch bei blutigen Culten als Götter freude vorausgesetzt (die Selbstverstümmelung).
der Anblick des Leidens erregt das Mitgefühl, und der Triumph des Mächtigen, Gesunden, Sicheren genießt sich als Lust an diesem eigenen Leiden—wir sind stark genug, um uns wehethun zu können! Die Lebens-Sicheren genießen also die Tragödie (vielleicht bei den Griechen der Glaube an Wiederkunft? als Gegengewicht)
25 [411]
Unterschied von niederen und höheren Funktionen: Rangordnung der Organe und Triebe, dargestellt durch Befehlende und Gehorchende.
Aufgabe der Ethik: die Werthunterschiede als physiologische Rangordnung von “höher” und “nieder” (“wichtiger, wesentlicher, unentbehrlicher, unersetzlicher” usw.)
25 [412]
Die Hinter-Absichten bei den Philosophen z. B. die Scheinbarkeit der Welt (Brahmanen, Eleaten, Kant) hervorzuziehen: irgend eine Unzufriedenheit moral Natur, als etwas Lügenhaftes: ein Werthurtheil.— Für einen sehr Übermüthigen könnte sogar der Schein als solcher entzücken.
25 [413]
Die Vertröstungen auf das Jenseits haben den Werth, Viele Schwer- und Mühsam-Lebende im Leben zu erhalten: die Mißrathenen zu propagiren: was (wie bei Rassen-Mischungen) werthvoll an sich sein kann, weil später einmal eine Rasse rein wird.
Der ganze innere Widerstreit der Gefühle, das Bewußtsein der übermächtigen Triebe, die Schwäche vor der Außenwelt—das sind sehr häufige Thatsachen, aber der Charakter des Lebens bringt es mit sich, daß die zahlreichsten Exemplare mißrathen. Womit haben sich nun die An-sich-Leidenden das Leben doch acceptabel gemacht?
Hoffnung
Verlästerung des Lebens
Verlästerung des Menschen—von sich selber
Widerstand gegen eine Gattung von Menschen als Ursache der Noth
Weniger-leiden-machen: Anaesthetika.
Gar-nicht-leiden: Exstasen, Feste.
seinem Schmerze Luft machen, Orgie der Trübsal
25 [414]
Wie theuer machen sie sich bezahlt dafür, daß sie verehren!
25 [415]
I Th. alle Arten von Anzeichen der Weltflucht sammeln: und deren Motive:
die Anbrüchigen
die in-sich-Haltlosen
die Erfolglosen usw.
wie die Trübsal böse macht: sie verdirbt die Musik
25 [416]
Mit dem Schlusse seines Lebens hat—R W sich durchgestrichen: unfreiwillig gestand er ein, daß er verzweifelte und sich vor dem Christenthum niederwarf.
Ein Überwundener!— Das ist ein Glück: denn welche Confusion hätte sonst sein Ideal noch hervorgebracht! Die Stellung zum Christenthum entschied mich—zugleich über allen Schopenh und den Pessimismus.
W hat vollkommen Recht, wenn er sich vor jedem tiefen Christen in den Staub wirft: er steht wirklich viel tiefer als solche Naturen!— Nur soll er sich nicht beikommen lassen, die ihm überlegenen höheren Naturen zu seiner Attitüde herabzuziehen!
Sein Intellekt, ohne Strenge und Zucht, war sklavisch an Sch gebunden: gut!
25 [417]
“Le public! le public! Combien faut il de sots pour faire un public?”
25 [418]
Ducis sagte “tout notre bonheur n’est qu’un malheur plus ou moins console.”
25 [419]
Ich will etwas über die Propheten und Psalmen und Hiob sagen: und das neue Testament.
— über Beethoven abhängig vom Gefühle Rousseaus—dessen Ausklingen.
— von der Rangordnung, z. B. Montaigne im Verhältniß zu Luther
— die prachtvollen Franzosen als noble Menschen
— über Napoleon und seinen Einfluß auf das 19te Jahrhundert.
— über R W. Schluß ein vae victis! Menschen der Art thun recht, sich vor dem Kreuze zu erniedrigen.
— die Gebrüder Goncourt, Mérirnée, Stendhal.
— ein Religionsstifter kann unbedeutend sein, ein Streichholz, nichts mehr!
— die Araber in Spanien, die Provençalen: Lichtpunkte
— auch zu Gunsten Louis XIV und Corneille’s
— La Rochefoucauld
— wer die Masse ansieht, hat immer den Eindruck des Unsinnes, des Mißrathenen: wie Z im Anblick des Volks!
— die Symptome des religiösen Affects (Heils-Armee) (die religiöse Ecstasis)
— die Neurosen der schöpferischen Schauspieler, verwandt mit den Hysterischen
— alle sehr reichen, ungeordneten M bekommen einen sittlichen Charakter durch den Einfluß des Weibes, das sie lieben
— erst durch die Berührung des Weibes kommen Viele Große auf ihre große Bahn: sie sehen ihr Bild im vergrößernden und vereinfachenden Spiegel.
— es giebt sehr viel gelungene Einzelne!
— die Corsen und Spanier prachtvolle Männlichkeit.
— eine Geschichte der deutschen Bewegung
— alle wahren Germanen giengen in’s Ausland; das jetzige Deutschland ist eine vor-slavische Station und bereitet dem panslavistischen Europa den Weg.
— Kasernen-Depression
— Louis XIV und dagegen die Renaissance!
— die noblen Illusionen, deren ein Volk wie die Franzosen fähig sind z. B. vor Napoleon—dies charakterisirt! Und die Deutschen—Scepsis!
— der Erotismus und die Schwärmerei vom Kreuze neben einander
25 [420]
Der Glaube an die Lust im Maaßhalten fehlte bisher—diese Lust des Reiters auf feurigem Rosse! .
— Die Mäßigkeit schwacher Naturen mit der Mäßigung der starken verwechselt!
25 [421]
— Der Unsinn in der Mutterliebe. Alle Liebe, wo nicht die Einsicht entsprechend groß ist, richtet Unheil an.
25 [422]
— Die Weiber unter Vormundschaft. Eigenthum.
— Vorzug der weiblichen Erziehung des vorigen Jahrhunderts bei den Franzosen. Madame Roland als die alberne “Bürgerin,” bei der die Eitelkeit auf weibl pöbelhafte Art eklatirt.
25 [423]
— das Vertrauen in die Weltordnung (“in Gott”) als Ausfluß nobler Gefühle
— die Vertrauensseligkeit des vorigen Jahrhunderts. Ducis. Zärtlichkeit, Schwung, Delikatesse—Beethoven.
— Mozart städtisch-social-höfisch—: Haydn ländlicher, vielleicht Zigeuner-Blut (schwarz) “Heide” (paganus)?
25 [424]
Lange “liegt etwa die Begreiflichkeit der Dinge darin, daß man von seinem Verstand grundsätzlich nur einen mittelmäßigen Gebrauch macht?”—gegen die Bayreuther.
25 [425]
— Die Gemeinsamkeit unserer Sinnes-Urtheile ist auch der Ausgangspunkt für unsere moralischen und ästhetischen Werthschätzungen.
25 [426]
— Grundproblem der “Ethik.”
Leid- und Lustmachen: mitleiden, wehethun—das setzt alles schon eine Werthschätzung von Leid und Lust voraus. “Nützlich,” “schädlich” sind höhere Begriffe: es kann sein, daß ich wehethun (und “auf schlechte Weise” wohlthun!) muß, um zu nützen. Gar im weiteren Sinne: es könnte sein, daß ich die ganze Immoralität brauchte, um im großen Sinne zu nützen.
Aber was ist ursprünglicher, Lust und Leid—oder “nützlich und schädlich”?
Ist vielleicht alles Schmerz- und Lustempfinden erst eine Wirkung des Urtheils “nützlich, schädlich” (gewohnt, Sicher, ungefährlich, bekannt usw.)?
Im Urtheil über gewisse Dinge sehen wir Ekel verschwinden: die Harmonie der Töne ursprünglich ohne Lust. Der Genuß an Linien vielfach unbegreiflich. Der Genuß an Formeln, an dialektischen Bewegungen entsteht erst.
Wenn aber Lust und Unlust erst Resultate von Werthschätzungen sind so liegen die Ursprünge der Werthschätzung nicht in den Empfindungen. Die Urtheile “höhere” und “niedere Funktionen” müssen schon in allen organischen Gebilden da sein, lange vor allen Lust- und Unlust-Empfindungen.
Die Rangordnung ist das erste Resultat der Schätzung: im Verhältniß der Organe zu einander müssen schon alle Tugenden geübt werden—Gehorsam, Fleiß, Zu-Hülfekommen, Wachsamkeit—es fehlt ganz der Maschinen-Charakter in allem Organischen (Selbst-Regulirung).
25 [427]
NB. das Princip der Erhaltung des Individuums (oder “die Todesfurcht”) ist nicht aus Lust- und Unlust-Empfindungen abzuleiten, sondern etwas Dirigirendes, eine Werthschätzung, welche schon allen Lust- und Unlust-Gefühlen zu Grunde liegt.
— Noch mehr gilt dies von der “Erhaltung der Gattung”: aber dies ist nur eine Folge des Gesetzes der “Erhaltung des Individuums,” kein ursprüngliches Gesetz.
— Erhaltung des Individuums: d. h. voraussetzen, daß eine Vielheit mit den mannichfaltigsten Thätigkeiten sich “erhalten” will, nicht als sich-selber-gleich, sondern “lebendig”—herrschend—gehorchend—sich ernährend—wachsend —
Alle unsere mechanischen Gesetze sind aus uns, nicht aus den Dingen! Wir construiren nach ihnen die “Dinge.”
Die Synthese “Ding” stammt von uns: alle Eigenschaften des Dinges von uns. “Wirkung und Ursache” ist eine Verallgemeinerung unseres Gefühls und Urtheils.
Alle die Funktionen, welche die Erhaltung des Organismus mit sich bringen, haben sich allein erhalten und fortpflanzen können.
Die intellektuellen Thätigkeiten haben sich allein erhalten können, welche den Organismus erhielten; und im Kampfe der Organismen haben sich diese intellektuellen Thätigkeiten immer verstärkt und verfeinert, d.h.
NB.— der Kampf als Herkunft der logischen Funktionen. Das Geschöpf, welches sich am stärksten reguliren, discipliniren, urtheilen konnte—mit der größten Erregbarkeit und noch größerer Selbstbeherrschung—ist immer übrig geblieben.
25 [428]
Grundsatz: das, was im Kampf mit den Thieren dem Menschen seinen Sieg errang, hat zugleich die schwierige und gefährliche krankhafte Entwicklung des Menschen mit sich gebracht. Er ist das noch nicht festgestellte Thier.
25 [429]
Welche “Tugenden” der Kampf der Thiere gezüchtet hat?
(Gehorsam bei der Heerde—Muth Initiative Einsicht bei den Führern.)
25 [430]
Die Rangordnung hat sich festgestellt durch den Sieg des Stärkeren und die Unentbehrlichkeit des Schwächeren für den Stärkeren und des Stärkeren für den Schwächeren—da entstehen getrennte Funktionen: denn Gehorchen ist ebenso eine Selbst-Erhaltungs-Funktion als, für das stärkere Wesen, Befehlen.
25 [431]
Ob es im menschlichen Organismus, zwischen den verschiedenen Organen, “Mitleid” giebt? Gewiß, im höchsten Grade. Ein starkes Nachklingen und Um-sich-greifen eines Schmerzes: eine Fortpflanzung des Schmerzes, doch nicht des gleichen Schmerzes. (Aber ebenso steht es ja auch bei den Individuen unter einander!)
25 [432]
Wir können alles das, was noth thut, um den Organismus zu erhalten, als “moralische Forderung” fassen: es giebt ein “Du sollst” für die einzelnen Organe, das ihnen vom befehlenden Organe zukommt. Es giebt Unbotmäßigkeit der Organe, Willens- und Charakter-Schwächen des Magens z. B.
— Es herrscht da nicht eine mechanische Nothwendigkeit? es wird manches befohlen, was nicht völlig geleistet werden kann (weil die Kraft zu gering ist) Aber oft äußerste Anspannung des Magens z. B. um seine Aufgabe zu vollenden—ein Willens-Aufgebot, wie wir dies selber an uns kennen bei schweren Aufgaben. Die Anstrengung und ihr Grad ist nicht aus bewußten Motiven zu begreifen: Gehorsam ist am Organe nicht ein sich abspielender Mechanismus?
25 [433]
Das “Höher” und “Niedriger,” das Auswählen des Wichtigeren, Nützlicheren, Dringlicheren, besteht schon in den niedrigsten Organismen. “Lebendig”: d.h. schon schätzen: —
In allem Willen ist schätzen—und Wille ist im Organischen da.
25 [434]
Die ganze vorhandene Welt ist auch ein Produkt unserer Werthschätzungen—und zwar der gleichgebliebenen. —
25 [435]
Die hohen Menschen: die Nothwendigkeit des Mißverständnisses, die allgemeine Zudringlichkeit der Menschen von heute, ihr Glaube über jeden großen Menschen mitreden zu dürfen. Ehrfurcht
— das dumme Gerede vom Genie usw. Das Gefühl der unbedingten Überlegenheit, der Ekel vor der Prostration und Sklaverei. Was sich aus dem Menschen machen läßt: das geht ihn an. Die Weite seines Blicks
25 [436]
(nicht von Ursachen des Wollens, sondern von Reizen des Wollens sollte man reden)
Wollen d befehlen: befehlen aber ist ein bestimmter Affekt (dieser Affekt ist eine plötzliche Kraftexplosion)—gespannt, klar, ausschließlich Eins im Auge, innerste Überzeugung von der Überlegenheit, Sicherheit, daß gehorcht wird—“Freiheit des Willens” ist das “Überlegenheits-Gefühl des Befehlenden” in Hinsicht auf den Gehorchenden: “ich bin frei, und Jener muß gehorchen.”
Nun sagt ihr: der Befehlende selber muß
25 [437]
Die Moralen Kants, Schopenhauers gehen, ohne es zu merken, schon von einem moral Kanon aus: der Gleichheit der Menschen, und daß was für den Einen Moral ist, es auch für den Anderen sein müsse. Das ist aber schon die Consequenz einer Moral, vielleicht einer sehr fragwürdigen.
Ebenso setzt die Verwerfung des Egoismus schon einen moral Kanon voraus: warum wird er verworfen? Weil er als verwerflich gefühlt wird. Aber das ist schon die Wirkung einer Moral und keiner sehr durchdachten!
— Und daß man eine Moral will, setzt schon einen mor Kanon voraus! Man sollte doch Ehrfurcht haben vor dieser einverleibten Moral der Selbsterhaltung! Sie ist bei weitem das feinste System der Moral!
Die thatsächliche Moralität des Menschen in dem Leben seines Leibes ist hundert Mal größer und feiner als alles begriffliche Moralisiren es war. Die vielen “Du sollst,” die fortwährend in uns arbeiten! Die Rücksichten von Befehlenden und Gehorchenden unter einander! Das Wissen um höhere und niedere Funktionen!
Der Versuch zu machen, alles Zweckmäßig-Scheinende als das allein Leben-Erhaltende und folglich allein Erhaltene zufassen — —
Wie der Zweck sich zum eigentlichen Vorgang verhält, so das moral Urtheil zu dem wirklichen vielfältigeren und feineren Urtheilen des Organismus—nur ein Ausläufer und Schlußakt davon.
25 [438]
1) Wir wollen unsere Sinne festhalten und den Glauben an sie—und sie zu Ende denken! Die Widersinnlichkeit der bisherigen Philosophie als der größte Widersinn des Menschen.
2) die vorhandene Welt, an der alles Irdisch-Lebendige gebaut hat, daß sie so scheint (dauerhaft und langsam bewegt) wollen wir weiter bauen—nicht aber als falsch wegkritisiren!
3) unsere Werthschätzungen bauen an ihr, sie betonen und unterstreichen. Welche Bedeutung hat es, wenn ganze Religionen sagen: “es ist alles schlecht und falsch und böse!” Diese Verurtheilung des ganzen Prozesses kann nur ein Urtheil von Mißrathenen sein!
4) freilich, die Mißrathenen könnten die Leidendsten und Feinsten sein? Die Zufriedenen könnten wenig werth sein?
5) man muß das künstlerische Grundphänomen verstehen, welches Leben heißt—den bauenden Geist, der unter den ungünstigsten Umständen baut: auf die langsamste Weise der Beweis für alle seine Combinationen muß erst neu gegeben werden: es erhält sich.
25 [439]
Vor Allem: ohne Eile! Langsam! die Eroberung erst sicher stellen! Nach dem Vorbilde Rußlands! Und guter Dinge sein auf jeder Station!
25 [440]
Der Anblick der Massen und der Lehrer der Massen verdüstert! —
25 [441]
Warum die Ethik am meisten zurückgeblieben? Denn noch die letzten berühmten Systeme sind Naivetäten! Ebenso die Griechen! Die Lehren des Christenthums von der Sünde sind hinfällig geworden wegen des Hinfalls Gottes.
— unsere Handlungen gemessen an unserem Vorbilde! Aber daß wir ein Vorbild haben und ein solches, ist schon Folge einer Moral.
— der Jude, der sich an seinem Gotte maß—das hatte im Hintergrunde den Willen, sich selber zu verachten, und sich auf Gnade und Ungnade vor ihm niederzuwerfen.— Selbst Jesus wehrte sich dagegen, gut genannt zu werden. “Keiner ist gut, als Gott,” sagte er. Daß ihn Niemand einer Sünde zeihen konnte, ist etwas anderes: dies beweist nichts gegen die Kritik vor seinem Gewissen. Ein Mensch, der sich absolut gut fühlt, müßte geistig ein Idiot sein.
— dieses Auf-Gnade-und-Ungnade-sich-niederwerfen ist im Christenthum orientalisch: nicht vornehm!
— das Sklavenhafte an den jetzigen Juden, auch an den Deutschen —
— Dies Sich-gleich-setzen, im Mitleiden, ist bereits die Consequenz eines moral Urtheils: kein Grundphänomen und nicht überall: überdies ist es in der Seele des Heerden-Wesens ein anderes als in der Seele des Mächtigen: eigentlich nur ein Gefühl unter Gleichen—: für den Geringeren ist der leidende Höhere ein Grund zum Wohlgefühl und Übergefühl.
— “die philosophischen wie die religiösen Systeme sind darüber einig, daß die ethische Bedeutsamkeit der Handlungen zugleich eine metaphysische sein müsse” usw. usw. Schopenhauer, Gr der Moral p. 261. Perikles vor dem Tode: die Gedanken nehmen eine moralische Richtung.
Nun, im Falle des Pericles: er erwägt seinen Nachruf bei seinen Bürgern. Der Schüler des Anaxagoras war Freigeist.— Es liegt auf der Hand, daß, weil diese Systeme das Leben der Seele glauben, sie im Momente des Todes ein Urtheil über den Werth des vollbrachten Lebens veranlassen:—was für ein ferneres Leben werden wir haben?
Belohnung der Guten und Bestrafung der Bösen im Jenseits war das Zuchtmittel, welches die Religionen anwendeten, eine Art Vollendung der Welt-Ordnung, ein Ausgleich gegenüber den Thatsachen.
25 [442]
Der Charakter eines guten Menschen “an sich selbst”: “daß er weniger als die Übrigen einen Unterschied zwischen sich und Anderen macht” Schopenhauer 1. c. 265.
25 [443]
Die bisherigen Ethiker haben keine Vorstellung, wie sie unter ganz bestimmten Vorurtheilen der Moral stehen: sie meinen alle schon zu wissen, was gut und böse ist.
Socrates wußte es nicht: aber alle seine Schüler definirten es d.h. sie nahmen an, es sei da, und es handle sich, es gründlich zu beschreiben. Wie! Wenn ich sagte: ist es denn da? Hat man schon überlegt, wonach hier zu messen ist? Und andererseits: vielleicht wissen wir überhaupt nicht genug, um den Werth der Handlungen abschätzen zu können! Genug, daß wir versuchsweise für lange Zeiten nach Einer Moral leben!
25 [444]
Wie viel betrüben wir uns über Leiden, die wir nicht gelitten, sondern verursacht haben! Aber es ist unvermeidlich; und wir sind nicht deshalb mit uns unzufrieden, außer in Zuständen der Schwäche und des Mißtrauens in unser Recht dazu!
25 [445]
Bisheriger Verlauf der Philosophie: man wollte die Welt erklären, aus dem, was uns selber klar ist—wo wir selber glauben zu verstehen. Also bald aus dem Geiste oder der Seele, oder dem Willen, oder als Vorstellung, Schein, Bild, oder vom Auge aus (als optisches Phänomen, Atome, Bewegungen) oder Leibe, oder aus Zwecken, oder aus Stoß und Zug d. h. unserem Tastsinn. Oder aus unseren Werthschätzungen heraus, als Gott der Güte Gerechtigkeit usw., oder aus unseren aesthetischen Werthschätzungen. Genug, auch die Wissenschaft thut, was der Mensch immer gethan: etwas von sich, das ihm als verständlich, als wahr gilt, zur Erklärung benutzen alles Anderen—Vermenschlichung in summa. Es fehlt noch die große Synthese und auch die Einzel-Arbeit ist noch ganz im Werden z. B. die Reduction der Welt auf optische Phänomene (Atome) Wir legen den Menschen hinein—das ist Alles, wir schaffen immerfort diese vermenschlichte Welt. Es sind Versuche darüber, welches Verfahren am meisten Schluß-Kraft hat (z. B. mechanisch)
25 [446]
Jemandem nicht zürnen, der uns schadet, weil alles nothwendig ist—das wäre selber schon Folge einer Moral: welche hieße “du sollst dich gegen das Nothwendige nicht empören.”— Es ist unvernünftig: aber wer sagt: “Du sollst vernünftig sein! ”
25 [447]
Redlichkeit, als Consequenz von langen moralischen Gewöhnungen: die Selbst-Kritik der Moral ist zugleich ein moralisches Phänomen Ereigniß der Moralität.
25 [448]
Die Methode der mechanischen Weltbetrachtung ist einstweilen bei weitem die redlichste: der gute Wille zu allem, das sich controlirt, alle logischen Control-Funktionen, alles das was nicht lügt und betrügt, ist da in Thätigkeit.
25 [449]
Die vorläufigen Wahrheiten.
Es ist etwas Kindisches oder gar eine Art Betrügerei, wenn jetzt ein Denker ein Ganzes von Erkenntniß, ein System hinstellt—wir sind zu gut gewitzigt, um nicht den tiefsten Zweifel an der Möglichkeit eines solchen Ganzen in uns zu tragen. Es ist genug, wenn wir über ein Ganzes von Voraussetzungen der Methode übereinkommen—über vorläufige Wahrheiten nach deren Leitfaden wir arbeiten wollen: so wie der Schiffahrer im Weltmeer eine gewisse Richtung festhält
25 [450]
Das, was im Menschen am besten entwickelt ist, das ist sein Wille zur Macht—wobei sich ein Europäer nicht gerade durch ein paar Jahrtausende einer erlogenen, vor sich selber verlogenen Christlichkeit täuschen lassen muß.
25 [451]
Philosophie als Liebe zur Weisheit. Hinauf zu dem Weisen als dem Beglücktesten, Mächtigsten, der alles Werden rechtfertigt und wieder will.
— nicht Liebe zu den Menschen oder zu Göttern, oder zur Wahrheit, sondern Liebe zu einem Zustand, einem geistigen und sinnlichen Vollendungs-Gefühl: ein Bejahen und Gutheißen aus einem überströmenden Gefühle von gestaltender Macht. Die große Auszeichnung.
wirkliche Liebe!
25 [452]
Befehle “so sollt ihr schätzen!” sind die Anfänge aller moralischen Urtheile—ein Höherer Stärkerer gebietet und verkündet sein Gefühl als Gesetz für Andere.
Aus dem Nutzen her würde man nicht das Verehren ableiten können. Zuerst sind Menschen verehrt worden: der Glaube an Götter tritt in den Vordergrund, wenn der Mensch immer weniger “verehrenswerth” erscheint—also der Glaube an “Urväter” oder an die Entscheidungen ehemaliger Richter.
25 [453]
Zarathustra im 2ten Theil als Richter
die grandiose Form und Offenbarung der Gerechtigkeit, welche gestaltet, baut und folglich vernichten muß (sich selber dabei entdeckend, überrascht, plötzlich das Wesen des Richtenden zu erkennen)
Hohn dagegen: “zerbrecht den Guten und Gerechten”—schreit das Weib, das ihn mordet
25 [454]
“Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muß”—es kommt auf das tempo an: die Griechen bewunderungswürdig: ohne Hast,
— meine Vorfahren Heraclit Empedocles Spinoza Goethe
25 [455]
| A) | Es bestehen moralische Werthschätzungen. Kritik: wo? seit wie lange? wo giebt es andere? wird es noch andere geben? | |||
| B) | Erklärung des Ursprungs dieser Werthschätzungen. Zurückführung auf andere Werthe. Werthe und physiologische Wichtigkeit usw. Loben, Tadeln (Ruhm) Mächtige Sklaven | |||
| C) | Kritik dieser Werthschätzungen. Widersprüche. woraus nehme ich die Kritik? Vorsicht, sie nicht wieder aus der Moral zu nehmen. “Nützlich” Gesetzt, man nähme sie aus der Moral selber, Beweis, daß sie kurzsichtig sind. Die Grundvorurtheile und was alles übersehn ist. | |||
| D) | das Problem ist erst gestellt. Bisher eine Art Astrologie—des Glaubens, daß die kosmischen Vorgänge in engem Bezug zu uns stehn. Die Moralphilosophen selber sind Symptome. Selbst-Vernichtung der Moral. |
25 [456]
NB. “Ich bedarf dessen Allen nicht: aber ich nehme es wie ein Geschenk. Ich weihe es als der Nehmende”—so Zarathustra über viele Güter des Lebens.
25 [457]
Wir wollen Erben sein aller bisherigen Moralität: und nicht von Neuem anfangen. Unser ganzes Thun ist nur Moralität, welche sich gegen ihre bisherige Form wendet.
25 [458]
“Könnt ihr schwören? seid ihr eurer gewiß genug dazu?” fragt Zarathustra.
25 [459]
Das Princip, vermöge dessen der Mensch über die Thiere Herr geworden ist, wird auch wohl das Princip sein, welches “den höchsten Menschen” festsetzt: Macht, Klugheit, Warten-können, Verabredung, Strenge, Krieger-Affekte.
25 [460]
Alle Werthschätzungen sind Resultate von bestimmten Kraftmengen und dem Grad Bewußtheit davon: es sind die perspektivischen Gesetze je nach dem Wesen eines Menschen und Volkes—was nah, wichtig, nothwendig ist usw.
Alle menschlichen Triebe, wie alle thierischen sind unter gewissen Umständen als Existenz-Bedingungen ausgebildet und in den Vordergrund gestellt worden. Triebe sind die Nachwirkungen lange gehegter Werthschätzungen, die jetzt instinktiv wirken, wie als ein System von Lust- und Schmerzurtheilen. Zuerst Zwang, dann Gewöhnung, dann Bedürfniß, dann natürlicher Hang (Trieb)
25 [461]
Das Gefühl—eine Folge von Werthschätzungen. Sensorium commune
25 [462]
Weil wir die Erben von Menschengeschlechtern sind, die unter den verschiedensten Existenz-Bedingungen gelebt haben, enthalten wir in uns eine Vielheit von Instinkten. Wer sich für “wahrhaftig” giebt, ist wahrscheinlich ein Esel oder ein Betrüger.
Die Verschiedenheit der thierischen Charaktere: durchschnittlich ist ein Charakter die Folge eines Milieu—eine fest eingeprägte Rolle, vermöge deren gewisse Facta immer wieder unterstrichen und gestärkt werden. Auf die Länge hin entsteht so Rasse: d. h. gesetzt daß die Umgebung sich nicht ändert.
Bei dem Wechsel der Milieu’s entsteht ein Hervortreten der überall nützlichsten und anwendbarsten Eigenschaften—oder ein Zugrundegehen. Es zeigt sich als Assimilations-Kraft auch in ungünstigen Lagen, zugleich aber als Spannung, Vorsicht, es fehlt die Schönheit in der Gestalt.
Der Europäer als eine solche Über-Rasse. Ebenso der Jude; es ist zuletzt eine herrschende Art, obwohl sehr verschieden von den einfachen alten herrschenden Rassen, die ihre Umgebung nicht verändert hatten.
Überall beginnt es mit dem Zwang (wenn ein Volk in eine Landschaft kommt). Die Natur, die Jahreszeiten, die Wärme und Kälte usw. das Alles ist zunächst ein tyrannisirendes Element. Allmählich weicht das Gefühl des Gezwungenseins —
25 [463]
Wir sind Gestalten-schaffende Wesen gewesen, lange bevor wir Begriffe schufen. Der Begriff ist am Laute erst entstanden, als man viele Bilder durch Einen Laut zusammenfaßte: mit dem Gehör also die optischen inneren Phänomene rubrizirte.
25 [464]
NB. Die Begriffe “gut” usw. sind aus den Wirkungen entnommen, welche “gute Menschen” ausüben:—
— selbst bei der Selbst-Beurtheilung. —
25 [465]
Der Mensch unerkannt, die Handlung unerkannt. Wenn nun trotzdem über Menschen und Handlungen geredet wird, wie als ob sie erkannt wären, so liegt es daran, daß man über gewisse Rollen übereingekommen ist, welche fast Jeder, spielen kann.
25 [466]
Die Entwicklung der Raubsucht
| der Lüge und Verstellung der Grausamkeit des Geschlechtstriebes des Mißtrauens der Härte der Herrschsucht | zu hochgeschätzten Dingen |
— andererseits die Veränderung der Werthschätzung böser Qualitäten, sobald sie Existenz-Bedingungen sind.
vielleicht Rückführung aller Begehrungen auf den Hunger.
25 [467]
Vivisection—das ist der Ausgangs-Punkt! Es kommt Vielen jetzt zum Bewußtsein, daß es manchen Wesen weh thut, wenn erkannt werden soll!! Als ob es je anders gewesen wäre! Und was für Schmerzen!! Feiges weichliches Gesindel!
25 [468]
Ausgangspunkt: es liegt auf der Hand, daß unsere stärksten und gewohntesten Urtheile die längste Vergangenheit haben, also in unwissenden Zeitaltern entstanden und fest geworden sind—daß alles, woran wir am besten glauben, wahrscheinlich gerade auf die schlechtesten Gründe hin geglaubt worden ist: mit dem “Beweisen” aus der Erfahrung haben es die Menschen immer leicht genommen, wie es jetzt noch Menschen giebt, die die Güte Gottes aus der Erfahrung zu “beweisen” vermeinen.
25 [469]
“Zu-Gericht-sitzen.”
Von allen Urtheilen ist das Urtheil über den Werth von Menschen das beliebteste und geübteste—das Reich der größten Dummheiten. Hier einmal Halt zu gebieten, bis es als eine Schmutzigkeit, wie das Entblößen der Schamtheile, gilt—meine Aufgabe. Um so mehr als es die Zeit des suffrage universel ist. Man soll sich geloben, hier lange zu zweifeln und sich zu mißtrauen, nicht “an der Güte des Menschen” sondern an seiner Berechtigung, zu sagen “Dies ist Güte!”
25 [470]
“Der Sinn für Wahrheit” muß, wenn die Moralität des “Du sollst nicht lügen” abgewiesen ist, sich vor einem anderen Forum legitimiren. Als Mittel der Erhaltung von Mensch, als Macht-wille.
— ebenso unsere Liebe zum Schönen ist ebenfalls der gestaltende Wille. Beide Sinne stehen bei einander—der Sinn für das Wirkliche ist das Mittel, die Macht in die Hand zu bekommen, um die Dinge nach unserem Belieben zu gestalten. Die Lust am Gestalten und Umgestalten—eine Urlust! Wir können nur eine Welt begreifen, die wir selber gemacht haben.
25 [471]
Das Gutheißen unserer Begrenztheit des Erkennens—die Vortheile dabei: es ist viel Muth und Lust da möglich. Das Seufzen und die Pascalsche Scepsis sind schlechtes Blut.
— das Christenthum als die Wirkung des entarteten schlechten Blutes
25 [472]
bonus =: der Glänzende, Hervorscheinende?
malus man-lus (Manlius) = der Verrückte?
böse cf. bass der Starke?
gut Gothe (Gott) “der Göttliche” ursprüngliche Bezeichnung der Vornehmen Gothen.
(oder gobt der Geber? wie optimus?) wird der Gott als der Gute (optimus) oder der Gute als göttlich bezeichnet?
optimus op- der Schenkende?
25 [473]
Archimedes beim Baden ein Grundgesetz der Hydraulik findend
Goethe: “mein ganzes inneres Wirken erwies sich als eine lebendige Heuristik, welche, eine unbekannte geahnete Regel anerkennend, solche in der Außenwelt zu finden und—in die Außenwelt einzuführen trachtet.”
25 [474]
Die Pharisäer thaten Recht, Jesus zu verurtheilen. Ebenso die Athener.
25 [475]
Goethe. “Ein Jeder leidet, der nicht für sich selbst genießt. Man handelt für Andere, um mit Anderen zu genießen.”
25 [476]
Goethes Erklärung des “deutschen Gemüths” “Nachsicht mit Schwächen, fremden und eignen.”
25 [477]
Wer so steht wie ich, verliert, mit Goethe zu reden, “eines der größten Menschenrechte, nicht mehr von Seinesgleichen beurtheilt zu werden.”
25 [478]
“Die Meisterschaft gilt oft für Egoismus” Goethe.
25 [479]
Vellejus Paterculus I 9,3 virum in tantum laudandum, in quantum intellegi virtus potest.
25 [480]
Goethe: “wir Alle sind so bornirt, daß wir immer glauben Recht zu haben; und so läßt sich ein außerordentlicher Geist denken, der nicht allein irrt, sondern sogar Lust am Irrthum hat.”
25 [481]
Chi non fa, non falla “irrt nicht.”
25 [482]
“Magna ingenia conspirant.”
25 [483]
Die moral Werthurtheile sind vielmehr dreiste Werthzulegungen—und Werth-Aberkennungen—im Grunde eine sehr geringe Leistung der Urtheilsfähigkeit.
25 [484]
Die Wege der Freiheit.
— Sich seine Vergangenheit abschneiden (gegen Vaterland, Glaube, Eltern, Genossen
— der Verkehr mit den Ausgestoßenen aller Art (in der Historie und der Gesellschaft)
— das Umwerfen des Verehrtesten, das Bejahen des Verbotensten—die Schadenfreude in großem Stile an Stelle der Ehrfurcht
— alle Verbrechen thun
— Versuch, neue Schätzungen
Gerechtigkeit als bauende ausscheidende vernichtende Denkweise, aus den Werthschätzungen heraus: höchster Repräsentant des Lebens selber.
Weisheit und ihr Verhältniss zur Macht: einstmals wird sie einflußreicher sein—bisher war der Irrthum, die Pöbel-Werthschätzung auch im Weisen noch zu groß!
25 [485]
Um Gerathenes und Mißrathenes zu unterscheiden, ist der Leib der beste Rathgeber, mindestens ist er am besten zu studiren.
25 [486]
Die verschiedenen moral Urtheile sind bisher nicht auf die Existenz der Gattung “Mensch” zurückgeführt: sondern auf die Existenz von “Volk” “Rassen” usw.— und zwar von Völkern, welche sich gegen andere Völker behaupten wollten, von Ständen, welche sich scharf von niederen Schichten abgrenzen wollten.
25 [487]
Man soll Jedem die Frage zugestehn: ist meine Existenz, gegen meine Nicht-existenz gerechnet, ein Ding, das gerechtfertigt werden kann?
25 [488]
Grundeinsicht: die “guten” und die “bösen” Eigenschaften sind im Grunde dieselben—beruhen auf den gleichen Trieben der Selbst-Erhaltung, der Aneignung, Auswahl, Absicht auf Fortpflanzung usw.
25 [489]
Der Weise und die Künste. (Er hat sie alle in sich)
Der Weise und die Politik.
Der Weise und die Erziehung.
Der Weise und die Geschlechter.
— als ein Wesen, dessen Einfluß spät erst zu spüren ist. Unabhängig, geduldig, ironisch—
25 [490]
Weisheit und Liebe zur Weisheit.
Fingerzeige zu einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche
25 [491]
Die nothwendige Verborgenheit des Weisen: sein Bewußtsein, unbedingt nicht verstanden zu werden, sein Macchiavellismus, seine Kälte gegen das Gegenwärtige.
— die absolute Unverträglichkeit der Weisheit mit dem “Wohl der Massen”: “Preßfreiheit” “öffentlicher Unterricht”—das Alles verträgt sich bloß bei gröblichster Täuschung über den Charakter der Weisheit. Sie ist das gefährlichste Ding der Welt!
— natürlich gilt mir eine Ehe ohne alle Sanction als einzig für den Weisen berechtigt. Es ist eine Komödie, wenn er sich anders dazu stellt, was unter Umständen rathsam z. B. Goethe.
— Grundsatz, daß alle Zustände darauf eingerichtet sind, ihn unmöglich zu machen: die Ehrfurcht vor dem Weisen ist untergraben durch die Religionen, durch das suffrage universel, die Wissenschaften! Man muß erst lehren, daß diese Religionen Pöbel-Angelegenheit sind, im Vergleich zur Weisheit! Man muß die vorhandenen Religionen vernichten, nur, um diese absurden Schätzungen zu beseitigen, als ob ein Jesus Christus überhaupt neben einem Plato in Betracht käme, oder ein Luther neben einem Montaigne!
25 [492]
Von der Rang-Ordnung.
Wo “moralisch” geurtheilt wird, höre ich die feindseligen Instinkte, Abneigungen, verletzte Eitelkeiten, Eifersucht Worte wählen—es ist eine Maskerade in Worten —
— ich fand es unmöglich, die “Wahrheit” zu lehren, wo die Denkweise niedrig ist.
Zukünftiges Zeitalter der großen Kriege. Das Mißtrauen auf die Dauerhaftigkeit. Das Bestechen aller Parteien und Interessirten, die Anwendung aller schlechten Mittel
25 [493]
— nur die Liebe soll richten— —Refrain
die schaffende Liebe, die sich selber über ihren Werken vergißt —
25 [494]
Zu demonstriren, daß einige Menschen bei Seite gehen müssen
25 [495]
Wir heißen eine Eigenschaft an einem Thier “böse” und finden doch seine Existenz-Bedingung darin! Für das Thier ist es sein “Gutes”—es ist gesund und stark darin, zum Zeichen dafür!— Also: man nennt Etwas “gut” und “böse” im Verhältniß zu uns, nicht zu sich! d. H. die Grundlage von “gut” und “böse” ist egoistisch.
Aber der Egoismus der Heerde!
Jedes Nützliche ist nothwendig auch ein Schädliches, im Verhältniß zu anderen Dingen. “Ein guter Mensch”—das ist Eine Seite angesehn. Auf die Ferne beurtheilt, ist es ein Heerden-Mensch, schwach, und leicht zu täuschen und zu Grunde zu richten, auch geistig gehorsam, nicht schöpferisch.
25 [496]
Sich niederwerfen vor dem, was man nicht hat, wenn man sich schlecht fühlt bei allem, was man hat z. B. Wagner: er glaubt ans Glück der unbegrenzten Hingebung, des unbegrenzten Zutrauens, das Glück des Mitleidenden, des Keuschen—Alles das kennt er nicht aus Erfahrung! Daher die Phantasterei!
25 [497]
Die schlechte Manier zu verehren, etwa Shakespeare und Beethoven, um den Gedanken vorzubereiten, er sei die Vereinigung von Beiden.
25 [498]
Es hat mich freier gemacht—jede tiefe Verunglimphfung, jede Verkennung: immer weniger will ich von den Menschen: immer mehr kann ich ihnen geben. Das Abschneiden jedes einzelnen Bandes ist hart, aber ein Flügel wächst mir statt des Bandes.
— unbedingt in seinem Rechte sein: Mitleiden meine Schwäche, die ich überwinde. Es ist gut, wenn der abscheulichste Mißbrauch meines Mitgefühls und meiner Schonung mich endlich belehrt, daß ich hier nichts zu thun habe.
25 [499]
— die “Umwandlung” eines Menschen durch eine herrschende Vorstellung ist das psychologische Urphänomen, auf welches das Christenthum gebaut ist; es sieht darin “ein Wunder.” Wir
Ich glaube ganz und gar nicht daran, daß ein Mensch auf Ein Mal ein hoher werthvoller Mensch wird; der Christ ist mir ein ganz gewöhnlicher Mensch mit ein paar anderen Worten und Werthschätzungen. Auf die Dauer wirken freilich diese Worte und Werke und schaffen vielleicht einen Typus: der Christ als die verlogenste Art Mensch. Daß er moralisch redet, das verdirbt ihn durch und durch: man sehe Luther. Ein greulicher Anblick, weichlich-sentimental, furchtsam, aufgeregt komisch! wie der “Wahrheitssinn” erwacht und gleich wieder einschläft!
— ich scheide mich von jeder Philosophie ab, dadurch daß ich frage: “gut?” “wozu!” und “gut?” warum nennt ihr das so?
Das Christenthum hat “gut” und “böse” acceptirt und nichts hier geschaffen.
25 [500]
Weisheit
und Liebe zur Weisheit
Prolegomena zu einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
Amor fati.
25 [501]
Kalt, schlau, lustgierig, schadenfroh—man kann fast alle Prozeduren eines Philosophen auf Charakterfehler zurückführen
25 [502]
Es kommt vor, daß Ich einen uneigennützigen Menschen schätze und auszeichne: nicht etwa weil er uneigennützig ist, sondern nur weil er ein Recht darauf zu haben scheint, einem anderen Menschen auf seine eigenen Unkosten zu nützen: und an einem, der zum Herren geschaffen ist, wird Selbstverleugnung und Uneigennützigkeit Es fragt sich immer, wer es ist und wer Jener ist. Der unbedingte Hang zur Uneigennützigkeit würde uns nur als Zeichen der Heerden-Natur gelten
25 [503]
Von der höchsten Stufe der Moralität: sie wendet den Blick gegen sich selber, versuchsweise.
25 [504]
Die Liebe zur Weisheit.
Die Missrathenen und Blutverderbten. (Gegen das Christenthum)
Der Weise, und die Güter des Lebens.
25 [505]
Diese perspektivische Welt, diese Welt für das Auge, Getast und Ohr ist sehr falsch, verglichen schon für einen sehr viel feineren Sinnen-Apparat. Aber ihre Verständlichkeit Übersichtlichkeit, ihre Praktikabilität, ihre Schönheit beginnt aufzuhören, wenn wir unsere Sinne verfeinern: ebenso hört die Schönheit auf, beim Durchdenken von Vorgängen der Geschichte; die Ordnung des Zwecks ist schon eine Illusion. Genug, je oberflächlicher und gröber zusammenfassend, um so werthvoller, bestimmter, schöner, bedeutungsvoller erscheint die Welt. Je tiefer man hineinsieht, um so mehr verschwindet unsere Werthschätzung—die Bedeutungslosigkeit naht sich! Wir haben die Welt, welche Werth hat, geschaffen! Dies erkennend erkennen wir auch, daß die Verehrung der Wahrheit schon die Folge einer Illusion ist—und daß man mehr als sie die bildende, vereinfachende, gestaltende, erdichtende Kraft zu schätzen hat—was Gott war
“Alles ist falsch! Alles ist erlaubt!”
Erst bei einer gewissen Stumpfheit des Blicks, einem Willen zur Einfachheit stellt sich das “Schöne,” das “Werthvolle” ein: an sich ist es, ich weiß nicht was.
25 [506]
Ist der Hang zum Wahren wirklich der Sinn des guten Menschen? was für eine gründliche Verlogenheit gehört z.B. dazu, um das neue Testament zu machen!
25 [507]
Alle Physik ist nur Symptomatik.
25 [508]
Es ist unmöglich, die Existenz von Individuen zu erweisen. Es ist nichts an der “Persönlichkeit” fest.
25 [509]
Es wäre eine Erklärung unserer “Welt” aus “falschen Annahmen” möglich. Alles nur perspektivisch, nur in Hinsicht auf die Erhaltung kleiner organischen Wesen.
25 [510]
“Der gute Mensch” ein gefährliches Ding, ein Zeichen der Erschöpfung—mattwerdender Egoismus.
25 [511]
Marc Aurel’s Bekenntnisse sind für mich ein komisches Buch.
25 [512]
Der religiöse Affekt ist die interessanteste Krankheit, der der Mensch bisher verfiel. Sein Studium macht einem die gesunden Menschen beinahe langweilig und widrig.
25 [513]
Man muß das Sein leugnen.
25 [514]
Die Entstehung des Gedächtnisses ist das Problem des Organischen. Wie ist Gedächtniß möglich?
Die Affekte sind Symptome der Formation des Gedächtniß-Materials—fortwährendes Fortleben und Zusammenwirken.
25 [515]
In wie weit Einer auf Hypothesen hin leben, gleichsam auf unbegrenzte Meere hinausfahren kann, statt auf “Glauben” ist das höchste Maaß der Kraftfülle. Alle geringeren Geister gehen zu Grunde.
25 [516]
Katzen-Egoismus.
Es giebt einen Hunde-Egoismus im Menschen und einen Katzen-Egoismus: die wählen entgegengesetzte Mittel. Der erste ist hingebend und begeistert —
25 [517]
Lust und Unlust sind Bejahungen und Verneinungen.
Urtheile sind 1) Glauben “das ist so” und 2) “das hat den und den Werth”
Lust und Unlust sind Wirkungen der Gesamt-Intelligenz, Folge von kritischen Urtheilen, die wir als Lust oder Schmerz fühlen.
25 [518]
unzähliche dunkle Körper neben der Sonne zu erschließen, die wir nie sehn werden! Dies ist ein Gleichniß.
— mitunter 2 Sonnen die Bahnen der Planeten bestimmend, abwechselnd rothes und grünes Licht spendend und dann wieder gleichzeiting in verschiedenen Farben leuchtend am Himmel stehend —
Gleichniß
Wir sind durch verschiedene Moralen bestimmt und unsere Handlungen leuchten in verschiedenen Farben
Ich höre mit Vergnügen daß unsere Sonne in rascher Bewegung gegen das Sternbild des Herkules hin begriffen ist, und ich hoffe, daß der Mensch auf dieser Erde darin der Sonne gleich thut.
— nach P Secchi kann der Raum nicht unbegrenzt sein, da kein aus einzelnen Körpern zusammengesetztes Ding unendlich sein kann und weil ein unendliches von zahllosen Sternen bevölkertes Himmelsgewölbe wie die Sonne nach seiner ganzen Ausdehnung leuchtend erscheinen müßte —
25 [519]
Maupertuis schlug vor, um das Wesen der Seele zu erforschen, möge man Vivisectionen mit Patagoniern machen. Jeder ächte rechte Moralist behandelt sich als Patagonier.
25 [520]
Die Werthschätzungen nicht von Lust und Unlust abhängig: es ist der Werth nach der Erhaltung des Ganzen gemessen: also nach etwas Zukünftigem, was vorgestellt wird, nach Zwecken.
Lust und Unlust sind erst Folgen von Zweck-Urtheilen. Werthschätzungen von Ereignissen in Bezug auf ihre Folgen.
Alle Erhaltungs-Tendenzen sind nicht aus der Mechanik abzuleiten: sie setzen eine Vergegenwärtigung des Ganzen vor—seine Ziele, Gefahren und Förderungen; das niedrigere, gehorchende Wesen muß sich bis zu einem Grade auch die Aufgabe des höheren vorstellen können. Mit Lust und Unlust wird das einzelne Erlebniß charakterisirt in Hinsicht auf die Erhaltung.
25 [521]
Unverständige Meinungen haben überall Bürgerrecht. Unverständliches erst in mir
25 [522]
Die Welt des Guten und Bösen ist nur scheinbar.
25 [523]
Gegen die Genügsamkeit
Zarathustra I
Das Kleinwerden und Schämen der Mächtigen
— der Mangel, erhebende Menschen zu sehen.
— die Häßlichkeit der Plebejer
— der Neid und die Kleinlichkeit des Plebejers
— der Sieg der moralischen Tartüfferie.
— die Gefahr, daß die Weltregierung in die Hände der Mittelmäßigen fällt
— das Ersticken aller höheren Naturen.
ego als Ablenkung vom eudämonologischen Gesichtspunkt
— historisch.
25 [524]
gegen die Gleichheit
gegen die moral Tartüfferie
gegen das Christenthum und Gott
gegen das Nationale—der gute Europäer.
25 [525]
Ein Gott der Liebe könnte eines Tags sprechen, gelangweilt durch seine Tugend: “versuchen wir’s einmal mit der Teufelei!” Und siehe da, ein neuer Ursprung des Bösen! Aus Langeweile und Tugend!
25 [526]
Eine Meinung, gesetzt auch daß sie unwiderlegbar ist, braucht noch nicht wahr zu sein.
11, 25[1-526] Frühjahr 1884
25 [1]
The
eternal recurrence.
A prophecy.
By
Friedrich Nietzsche.
First Main Chapter:
“It is time!”
25 [2]
(Nice, March 1884.)
My next tasks:
Morality for Moralists.
Self-Redemption.
The Eternal Recurrence.
Dionysian Dances and Festival Songs.
25 [3]
“Paradise is under the shadow of swords.” Orient
25 [4]
“The eagles are almost colliding” Olof Haraldsson’s Saga.
25 [5]
“He who follows the truth too closely on the heel risks having his head knocked in one day.” English proverb
25 [6]
The Eternal Recurrence
A Prophecy.
First Main Section.
“It is time!”
Second Main Section.
The Great Noon.
Third Main Section.
The Promisers.
25 [7]
1.
My friends, I am the teacher of eternal recurrence.
That is: I teach that all things eternally recur, and you with them—and that you have already existed countless times, and all things with you; I teach that there is a great, long, monstrous year of becoming that, when it has run its course, runs out like an hourglass and is turned over again: so that all these years are alike, in the smallest and in the greatest.
And to a dying man I would speak: “Behold, you die and pass away now and vanish: and there is nothing that remains of you as a ‘you,’ for souls are as mortal as bodies.But the same force of causes that created you this time will return and must recreate you: you yourself, a speck of dust, belong to the causes on which the recurrence of *all* things depends. And when you are reborn one day, it will not be to a new life or a better life or a similar life, but to the same and identical life as the one you are now concluding, in the smallest and greatest details.”
This teaching has not yet been taught on Earth: namely, on this Earth and in this great year.
* * *
2.
“Dans le véritable amour c’est l’âme, qui enveloppe le corps.”
25 [8]
Whoever was young in our time has experienced too much: provided that he belongs to the few who are still deep enough for "experiences." For the vast majority now lack this depth and, as it were, the right stomach: they therefore do not know the distress of that right stomach which must "come to terms" with every experience; the greatest novelties pass through them. We others have had to swallow down too heavy, too varied, too over-spiced fare when we were young: and even if we already have the enjoyment of strange and unheard-of dishes ahead of the people of simpler times, we know the actual digestion, the experiencing, the taking in, the incorporating almost only as torment.
25 [9]
My friends, we had it hard when we were young: we suffered from youth itself as if from a severe illness. That is the nature of the time into which we are thrown—a time of ever-worsening decay and disintegration, which, with all its weaknesses and even with its greatest strength, works against the spirit of youth. Disintegration, and thus uncertainty, is characteristic of this time: nothing stands on firm feet and solid belief in itself; one lives for tomorrow, for the day after tomorrow is doubtful. Everything is smooth and dangerous on our path, and the ice that still bears us has become so thin: we all feel the warm, eerie breath of the thawing wind—where we still walk, soon no one will be able to walk anymore.
I have lived in solitude and wrapped myself vigorously and heartily in the cloak of solitude: that is part of my wisdom. Now it even takes a great deal of cunning to preserve oneself, to keep oneself on top. Every attempt to endure in the present, with the present, every approach to the people and goals of today, has so far miscarried for me; and I have marveled at the hidden wisdom of my nature, which, in all such attempts, immediately calls me back to myself through illness and pain.
It goes without saying that I know all that which is called the sufferings of genius: the misrecognition, neglect, the superficiality of every degree, the suspicion; I know how some believe they are doing us good when they seek to place us in “more comfortable” positions, among orderly more reliable people; I have admired the unconscious destructive drive that all mediocrity exerts against us, and indeed in the best faith in their right to do so. In some all-too-astonishing cases, I have consoled myself with my old comfort: this is—speaking French—la bêtise humaine—a thing that, at bottom, has always amused me more than vexed me.
It belongs to the great folly, the sight of which makes higher men cling to life. And if my eye does not deceive me: there is a hundred times more stupidity in all human action than is believed. Likewise, however, the sight of the deep, fine, self-assured yet utterly unconscious hypocrisy among all good, thick, brave people is a thing of delight for those who can see it: and in contrast to the bêtise humaine, here the unconscious cunning is delightful.25 [10]
Use passions like steam for machines. Self-overcoming.
25 [11]
As a boy I was a pessimist, as ridiculous as this may sound: a few lines of music from my twelfth, thirteenth year of life are, in essence, of all the raven-black music I know, the blackest and most decisive. I have not found in any poet or philosopher thoughts and words that so much emerge from the abyss of the ultimate negation in which I myself have temporarily sat; and as far as Schopenhauer is concerned, I have not been able to shake the belief that he certainly had a great deal of good will for P, but also a much better aversion: he did not allow this to come to expression enough, thanks to that stupid genius superstition which he learned from the Romantics, and thanks to his vanity, which forced him to remain seated on a philosophy that dated from his 26th year of life and also belonged to this age of life—as we all do quitefor that reason know, don't you, my friends?
25 [12]
How great the feeling of uncertainty is: this betrays itself most in the delight in small firm facts (a kind of “fait-alisme,” which reigns over France)—a kind of madness that has not yet existed on earth: and not only science, but also a large part of present-day art originates from this need. It often disguises itself: e.g.into the demand for the artist's impersonality—the work itself should not betray him, but like a faithful mirror, reproduce some fact down to the smallest detail, record: but this very need for such facts, which hold their ground, as if pinned down like butterflies by a collector—is something very personal. In fairy tales and féerie, we have the opposite desire, from people who themselves feel pinned down by customs and judgments.—Alongside this is a crude groping for immediate pleasure: “the immediate” becomes the most important.
25 [13]
We are granted, as never before to any people, glances in all directions, everywhere there is no end in sight. We therefore have a feeling of immense vastness—but also of immense emptiness ahead: and the ingenuity of all higher men consists in this century in overcoming this terrible feeling of desolation. The opposite of this feeling is intoxication: where, as it were, the whole world has crowded into us and we suffer from the happiness of abundance. Thus, this age is most inventive in inventing means of intoxication.
We all know the intoxication as music, as blind, self-blinding infatuation and adoration of individual people and events, we know the intoxication of the tragic—it is the cruelty in the sight of destruction, especially when it is the noblest that is destroyed: we know the more modest kinds of intoxication, the mindless work, the sacrificing of oneself as a tool of a science or political or money-making party; some small, stupid fanaticism, some inevitable spinning in the smallest circle already has intoxicating powers.There is also a certain eccentric modesty that allows the feeling of emptiness itself to be experienced with voluptuousness: yes, a pleasure in the eternal emptiness of all things, a mysticism of belief in nothingness, and a sacrifice for this belief. And what eyes have we made for ourselves as knowers for all the small pleasures of knowledge! How we record and, as it were, keep account of our small pleasures, as if by summing up the many small pleasures we could achieve a counterweight to that emptiness, a filling of that emptiness—: how we deceive ourselves with this summing cunning!25 [14]
There are people whom one convinces with sublime gestures, but makes suspicious with reasons.
25 [15]
I was never serious about enmities for long. In the moment, especially under the impression of a cloudy sky, I could easily kill someone—I have already wondered several times that I haven't done it yet. But I laugh again too soon for an enemy to have much to make up for with me. Moreover, for the latter reason, I am convinced that I have more to thank my hostile feelings for than my friendly ones.
25 [16]
European pessimism is still in its infancy: it has not yet attained that immense yearning rigidity of gaze in which the void is mirrored, as it once had in India; there is still too much that is contrived and not “become,” too much scholarly and poetic pessimism: I mean a good part of it is added and invented, is “created,” but not cause, made and not “become.”
There were more thoughtful and contemplative times than ours: times such as, for example, those in which Buddha appeared, where the people themselves, after centuries-old sectarian disputes, finally found themselves so deeply lost in the chasms of philosophical doctrines, as European peoples temporarily did in the subtleties of religious dogma. One will least of all be tempted by "literature" and the press to think highly of the "spirit" of our time: in addition to this, the millions of spiritualists and a Christianity with gymnastics of that horrifying ugliness which characterizes all English inventions provide better perspectives—a testimony against itself.
25 [17]
When the best time of Greece was over, the moral philosophers came: from Socrates onwards, all Greek philosophers were first and foremost, and at their deepest core, moral philosophers. That is: they seek happiness—alas, that they had to seek it! Philosophy: from Socrates onwards, that is the highest form of wisdom, which does not err in personal happiness. Did they get much out of it? When I think that Plato's god is without pleasure and pain, and the highest sage approaches him: that is a personal judgment: Plato felt complete indifference as his greatest blessing: it was granted to him all too rarely!Aristotle conceived of his God as purely cognitive, without any feeling of love: and he himself probably had his best moments when he coldly and clearly (and joyfully) enjoyed the voluptuous dizziness of the highest generalities. To feel the world as a system and to regard that as the pinnacle of human happiness: how the schematic mind betrays itself! And Epicurus: what did he enjoy, except that the pain ceased—that is the happiness of a sufferer and also perhaps of a sick man.
25 [18]
The criminals in prison sleep well; no pangs of conscience. Hypocrisy. In women, nervous attacks to “break out” (screaming, scolding, cursing, smashing everything)
25 [19]
Many half-savages (brave healthy hunters and fishermen, with many illegitimate children) become criminals in a civilized society, especially because work is lacking, and they fall into bad company. Their children primarily form a contingent; combined with persons of the criminal type. Rapid degeneration.
25 [20]
I often feel “pity” where there is no suffering at all, but where I see waste and a falling short of what could have been. For example, in relation to Luther. What strength—and wasted on what problems!
25 [21]
A good chapter I would have to write about the multiplicity of characters that resides in each of us: and one should make attempts to let some appear, i.e., a coherent group of traits, by cleverly arranging circumstances, environments, studies, resolutions, temporarily to favor them so that they take possession of all available forces. Other traits will thereby not be nourished or only little and fall behind: those we can later give some air.
25 [22]
A good chapter "the criticism of parents, teachers, fatherland, homeland"—as the beginning of liberation, first the doubt.
25 [23]
“On the Power of the Will,” the means to strengthen and weaken it.
25 [24]
“On the waste of our passions” and how we easily become accustomed to a meager way of satisfying them.
Asceticism as a means to concentrate and dam up our inclinations.
Balzac and Stendhal recommend chastity to all productive people.
With regard to what productive people need most and first in order not to suffer from the worms of the mind—laying eggs, clucking, and hatching eggs with grace in inf, to speak in images.
25 [25]
Of the Clima Genoa, Michelet says "admirable pour tremper les forts." Genoa is indeed the homeland of the harsh geniuses born to tame the ocean and dominate the storms. At sea, on land, what adventurous men and wise audacity!
25 [26]
Balzac on W. Scott. 1838 after 12 years of acquaintance: Kenilworth in terms of plan the masterpiece (“the greatest, the most complete, the most extraordinary of all”): les eaux de St. Ronan the masterpiece and main work comme détail et patience du fini. Les Chroniques de la Canongate comme sentiment. Ivanhoe (the first volume, of course) as a historical masterpiece. L’Antiquaire as poetry. La prison d’Edimbourg, as interest.— “Compared to him, Lord Byron is nothing or almost nothing.”— “Scott will grow even greater when Byron is forgotten.”— “Byron’s brain never had any other imprint than that of his personality, while the entire world posed before Scott’s creative genius and, so to speak, mirrored itself there.”
25 [27]
I understand how absolute continence of Pascal and his immense works led him to constantly see an abyss at his side —
25 [28]
Biographical notice on Louis Lambert “a work where I wanted to fight with Goethe and Byron, with Faust and Manfred.” “It may perhaps, one day or another, throw science into new paths.”
25 [29]
About Stendhal “one of the most remarkable minds of this time.” “He cared too little about the form,” “he writes as the birds sing” “our language is a kind of madame Honesta, who finds nothing good except what is irreproachable, chiseled, polished.” La Chartreuse de Parme a wonderful book, “the book of distinguished minds.”
25 [30]
“I have no continuity in my will. I make plans, I conceive books, and when it comes to execution, everything slips away.”
25 [31]
Regarding the Chartreuse, "I would be incapable of making it. Je fais une frewque et vous avez fait des statues italiennes." "Everything is original and new." Beautiful like l'italien, and if Macchiavell were to write a novel in our days, it would be the Chartreuse. "Perfectly clear." "Vous avez expliqué l’âme de l’Italie."
25 [32]
To read Custine’s novel Ethel. They belong more to the literature of idée than to the literature of imagée: thus to the 18th century through observation à la Chamfort and in the spirit of Rivarol through the clipped phrase.
Scribe knows the trade, but he does not know the art. He has talent, but no dramatic genius; style is completely lacking!
25 [33]
Loneliness, fasting, and sexual abstinence—typical forms from which religious neurosis arises. Extreme lust and extreme piety in alternation. Strange contemplation against oneself: as if they were glass or 2 persons.
25 [34]
Balzac “deep contempt for all masses.” “There are vocations to which one must obey: something irresistible draws me to fame and power.” 1832.
“my two sole and immense desires, to be famous and to be loved.”
25 [35]
If one wanted health, one would abolish genius. Likewise the religious person. If one wanted morality, likewise: abolition of genius.
| Illness. Crime. Vice. The lie. | and their cultural mission. |
25 [36]
Before we may think of acting, an infinite amount of work must be done. Essentially, however, the wise exploitation of the given situation is probably our best and most advisable activity. The actual creation of such conditions as chance creates requires iron people who have not yet lived. First, to assert and realize the personal ideal!
Whoever has comprehended the nature of man, the origin of his highest understood it, shudders at man and flees all action: consequence of inherited valuations!!
That the nature of man is evil is my consolation: it guarantees the strength!
25 [37]
Misunderstanding of the predator: very healthy like Cesare Borgia! The qualities of the hunting dogs.
25 [38]
The decline of spirit in this century. The slipper manner of English scholars. Machiavelli has the brightness of antiquity. The French esprit is a kind of Rococo of the spirit—but still a véritable goût!
Goethe is boring and “undulatory.”
The English scholars pay homage to the journal genius and its profound mediocrity.
25 [39]
Ratio of mediocrity to virtue—Aristotle found the fatal state of affairs pleasant!
25 [40]
Plato—the un-Greek in him, the contempt for the body, for beauty, etc. It is a prelude to the Middle Ages—Jesuitism in education and despotism. He is characterized by his “indifferent” God—: pleasure and displeasure are already painful to him. Clearly, he fasted and lived abstinently.
25 [41]
The state of my youth I found very well described in de Custine, mémoires et voyages. He was 18 years old (1811)
I aspire only to powerful and serious affections p. 25.
25 [42]
“It is not out of vanity that genius seeks encouragement, but out of modesty, out of distrust of itself.” De Custine.
25 [43]
“The man of genius foresees, the man of talent recounts: but no one feels and expresses in the same moment. The truly unhappy can only remain silent: their silence is the effect and proof of their misfortune.” De Custine.
25 [44]
“So many interests to consider, so many lies to listen to with that air of a dupe, the first condition of social politeness, tire my mind without occupying it.” De Custine.
25 [45]
Madame de Lambert said to her son “my friend, never allow yourself the follies that will give you great pleasure.”
“a crime, when driven by a force that seems irresistible, troubles the conscience less than a voluntary and vain weakness.” De Custine.
25 [46]
Madame de Boufflers: “il n’y a de parfaits que les gens, qu’on ne connaît pas.”
25 [47]
Precisely the vividness of his imagination makes the difficulty explicable that he finds in acting. He has reached such a height of thought that, for him, the intellectual life is separated from the active life by an abyss. Il (Werner) est l’Allemagne personnifiée. (1811)
25 [48]
“Born in a period whose masterpiece is René—I must rid myself of the involuntary tyranny he exerts over me”: De Custine 1811. Chateaubriand’s influence.
25 [49]
“The restlessness of the mind is insatiable like vice.” De Custine.
25 [50]
The disadvantage of the traveler (of the cosmopolitanism of the scholar as well) well in De Custine, I p. 332-3. Deprived of approval and supervision, he seeks support in the contempt of people. His superficial studies show him what is on the surface: flaws and absurdities. When he grows old, he has become incapable of letting deep inclinations sprout.
25 [51]
The antiquity already had that small dose of Christianity within itself, which is good for the flourishing of the arts. But Catholicism was a barbaric coarsening of it: a Church Father made from a Plato!
25 [52]
“noblesse tragique, cette dignité, égalité de style, nos gestes peu naturels, notre chant ampoulé”—in England als Affektation erscheinend. Der Franzose empfindet das englische Theater als ignoble.
“Bei Shakespeare herrscht der Sinn des Wahren über den (des) Schönen. Sein Stil, bisweilen erhaben, ist unter seinen Conceptions, selten befreit er sich von den Fehlern seines Jahrhunderts: le concetti, la recherche, la trivialité, l’abondance des paroles.”
25 [53]
The attractive power of terrible (destructive) things: the dizziness of plunging into the abysses of the future —
25 [54]
some gloomy philosopher will perhaps dare to say of modern freedom, that it consists in the double faculty of lying to others and deceiving oneself (1822).
25 [55]
About Walter Scott: recognizes more the work of a “décorateur” than that of a painter. He paints what presents itself to the eye: the analysis of feeling échappe à cette plume, which is never more than a brush.— His poetry is not l’expression immédiate of what passes in his soul; he does not escape mannerism because il ne prend pas lui-même assez de part à ce qu’il dit. “Anschein of truth.” One wishes for sublime traits where the soul reveals itself with a single word.— He is the Rossini of literature—he chooses with not enough taste the details that are most remarkable.
His images lack perspective—too many objects in the foreground, parce qu’il ne sait pas prendre un parti pour la lumière. They are processions—not an action, for which the artist gives all viewers the single correct point de vue. In place of genius, historical instinct. Through his talent for creating illusion, he becomes the most popular author of the temps peu consciencieux où nous vivons. His merit: a revolution—he has solved the problem of the histor novel better than anyone before him. “pour avoir su ramener, si n’est le sentiment, au moins la mode du vrai dans le siècle du faux.”25 [56]
“Reason acts like all slaves: it despises peace-loving masters and serves a tyrant. In the midst of battle with violent passions, it abandons us; it defends us only against small affections.”
25 [57]
On modern slavery De Custine II p. 291.
25 [58]
On Sunday sanctification: they have made leisure so painful that it makes one love fatigue "they return to their homes, quite happy to think that tomorrow work starts again"
25 [59]
The great English actors like Kean possessed the utmost simplicity of gestures and the rare talent of imitating the most violent passions at their highest pitch with truth.
Kean also had simplicity in declamation: in contrast to the school of Kemble’s, which had introduced un chant ampoulé très peu favorable aux grands effets tragiques.
“To catch nature in the act, in states where it is hardest to observe”—his talent.
25 [60]
“The heart of the Frenchman in the theater hardens when one tries to move it too much. It loves to complete an author’s ideas: in England, one fears having to guess”
25 [61]
“Poetry as a kind of reaction of the ideal contre le positif: the more the soul is oppressed, the more strength it needs in its élan vers l’idéal. The revolutionary spirit essentially antipoetic: for poetry wants to avenge itself on reality, for which a solid basis is needed, against which it struggles. The conservative spirit is thus favorable to the development of genius: the imagination soars upward there: poetry and faith are only the presentiment of a better world.” C. To explain Byron in a calculating nation.
25 [62]
“The innate pedantry of the English drives everything to the extreme: the love of order becomes minutiae; le goût pour l’élégance becomes puerility (“childishness”), the need for comfort becomes egoism, pride becomes prejudice against neighbors, activity becomes rivalry, etc.
25 [63]
Comfort inside, “fashion outside—the deadly enemies of the happiness and peace of the English. The need for fashion—is only the need to be envied or admired.”
25 [64]
The curse that condemns man to labor is written on his brow. “Les Anglais sont des galériens opulens.”
25 [65]
No taste: the result of a great intelligence tied to a petty esprit and stubbornly insistent on innovation. L’esprit de détail, l’attention aux petites choses produces care, but “neither the great nor the beautiful dans les arts.”
25 [66]
The rebellious spirit incorporated into the constitution—this drives toward the paradoxical. “Things are not valued for what they are in themselves, but according to their relation to the ruling power.”
25 [67]
The enlightened peoples judge worse about people and things: their présumption is the cause.
25 [68]
“Opinions change there completely and promptly par pur esprit de parti. Out of hatred for a ministry, calling white black is more disastrous for morality than a far-reaching soumission.
Obedience, when taken far, makes us renounce rights: l’esprit de révolte makes us sacrifice duties.”
25 [69]
“Habits regular, the sentiments novel-like.”
25 [70]
NB. The predominance of the slavish mindset in Europe: the great slave revolt. (ego)
The slave in the regiment.
The distrust of all noblesse of feeling, the rule of the coarsest needs. Moral hypocrisy.
The slave's misunderstanding of culture and beauty. Fashion, press, universal suffrage, faits—he invents ever new forms of slavish need.
The low man rebelling, e.g., Luther against the sancti
submission to the facta, as the science of slaves.
25 [71]
The increasing dumbing down and vulgarization of Europe.
The aristocracy's offspring, the homme supérieur, increasingly under attack.
The moralistic culture of the Spanish and French in connection with Jesuitism. This is misunderstood.
The absence of all moral practice; feelings instead of principles.
25 [72]
“He suffers, he succumbs instead of fighting and conquering. What can one do with a feeling against a passion! Attack and defense would come from the same source! When the enemy is in the heart, then authority, habit, then obedience, humiliation, rule, discipline, law, exercises, even seemingly puerile ones, then someone other than ourselves, a priest, a confessor, whose voice silences ours: that is what is needed to save us from ourselves.” C. “When one becomes insane, it is not enough to prevent oneself from killing, that one has dreamed of being a Christian philosopher: as the majority of Protestants are, who think.”
25 [73]
It is therefore necessary: a kind of educator and savior, also refuges outside the ordinary world, hard life, many inventions of asceticism for self-mastery. Protection from the slave-commonality and Pharisaism.
25 [74]
Highlights of honesty: Machiavelli, Jesuitism, Montaigne, La Rochefoucauld
the Germans as a relapse into moral hypocrisy
25 [75]
“The common natures deceive themselves about the noble: they do not guess their motives”!
25 [76]
“The ability to forget ourselves, the devotion, the self-sacrifice—all the merit of such rare gifts is lost to the one who does not know how to make himself loved when he loves. These passionate souls then become ungrateful: they take advantage of their civilization to slander it. Where can they live, if not in the forests and not in the world!”
25 [77]
“Where are the more complete characters in our world? The portrayal of virtue in moral books has falsified all spirits, hardened all hearts, which can only be moved in one way.”
“it will take no less than an entire era of literary cynicism to rid us of the habits of hypocrisy.”
25 [78]
“Glory to the Strong, whom our time praises as the chief of the romantic school—Victor Hugo” 1835.
25 [79]
“the exalted love of truth is the misanthropy of good hearts”
25 [80]
Passed over from the age of religious hypocrisy. “One of the benefits of représent gouvernem is precisely this, to force the ambitious to assume the mask of morality and humanity. But why then get worked up about the clergy, which, as long as it ruled, supported civilization with quite similar means?—One should not reproach the priests for their ambition, but rather for wanting without being able. They deceive themselves about their time: that is why they do harm.”
In the world there are no good and evil people: these are always à part. The superhuman virtues are insociable, and so are the great crimes. But in all societies there are backward and “progressive” spirits.
They share the same passion: but the former use words whose hollowness the world already recognizes to deceive about their personal intentions: and the latter speak, for the same purposes, a language that still deceives the masses: they do not have the key to these words.That is the difference between the mediocre and the higher spirits: the latter fundamentally understand the language of their time: the former notice the lie only in the language of their ancestors. We are enlightened about “eternal salvation,” “hell,” “paradise,” charity; our grandchildren will be about philanthropy, liberté, privilégé, progrès.
“The reformers of one era are the conservators of another. The same génie can be considered comme créateur ou comme radoteur.”
25 [81]
“The true is never probable.”
25 [82]
“Luxury should only be permitted where the poor have good humor”: it corrupts those who envy it.
25 [83]
“— the modern apostles, the philosophical authors, lie more than the priests they have dethroned without replacing them.”
25 [84]
It is the age of hypocrisy: moral goodness is what is displayed. One resists La Rochefoucauld and Christianity—: the great slave revolt.
To establish: man is evil—the most terrible beast of prey, in disguise and cruelty.
To establish: that he is still evil, contains the hope. For the good man is the caricature that causes disgust: he always runs ahead of the end.
25 [85]
The dumbing down, even in science. The lack of ambition in the veneration of Darwin. The modesty in politics, etc.
25 [86]
Tendency of the tragedy according to Schopenhauer II 495. “What gives all tragedy its peculiar impetus for elevation is the realization that the world, life, can offer no true satisfaction and is therefore not worthy of our attachment: therein lies the tragic spirit: it thus leads to resignation.”— Oh how differently Dionysus speaks to me!— Schopenhauer: “because the ancients had not yet reached the summit and goal of tragedy, indeed of the outlook on life in general.”
25 [87]
Great poets have many persons within them: some only one, but a great one! —
25 [88]
| Fear—slavish. The slightest effort of spirit (Imitation) Indifference and hatred toward the rare. Ugliness. The jumble of styles. The erupting need for lies—epidemic. | Age of Deceit |
25 [89]
The essential thing about the artist and genius: the actor. No human being possesses expression and feeling at the same time; words and reality. The deep égoisme beneath the language of sensibilité.
25 [90]
“Lack of delicacy in the choice of means of success, abuse of invective, hatred of what exists, indifference to what will be—jointly preaching a return to wild life to French writers of the last 10 years (1835) with a pen from which one expects fame and happiness in the social world—is an ingratitude and a childishness.”
25 [91]
“The ordinary effect of despair is to restore energy to those who witness this moral illness”
25 [92]
“women are always less civilized than men: fundamentally wild at heart; they live in the state like cats in the house, always ready to leap out the door or window and return to their element”
25 [93]
The moral, i.e., the affects—as identical with the organic, the intellect as the “stomach of the affects.”
25 [94]
The identity in the essence of the conqueror, lawgiver, and artist—the self-shaping into the material, highest willpower, once feeling oneself as “God’s instrument,” appearing so irresistible to oneself. Highest form of the procreation drive and simultaneously of maternal forces. The transformation of the world, to be able to endure it—is the driving force: consequently, as a prerequisite, an immense feeling of contradiction. For artists, it is enough to surround themselves with images and representations of it, e.g., Homer among the “wretched mortals.” The “being-free-from-interest and ego” is nonsense and imprecise observation: it is rather the delight in now being in our world, the fear of the alien being gone!
25 [95]
I have placed the insight before such terrible images that any "epicurean pleasure" is impossible. Only the Dionysian joy suffices—I have discovered the tragic for the first time. Among the Greeks, it was misunderstood due to their moralistic superficiality. Resignation is also not a teaching of tragedy!—but a misunderstanding of it! Longing into nothingness is denial of tragic wisdom, its opposite!
25 [96]
My prerequisites: 1) no final "causes." Even in human actions, intention does not explain the deed at all.
2) "intention" does not capture the essence of the action, consequently the moral judgment of actions based on intentions is false.
3) "Soul" as a plurality of affects, with one intellect, with uncertain boundaries.
4) the mechanical explanation of the world has everything, even organic life, to explain without pleasure, displeasure, thinking, etc.: thus no "ensouled atoms"!—it seeks to make all events intuitive for the eye. It wants "calculability" for practical purposes! —
5) There are no selfless actions at all!
25 [97]
The question of our "well-being" has been deepened: by Christianity and Buddhism whereas Englishness is stupidly mundane: the Englishman means "comfort." Do not measure the world by our most personal accompanying feelings, but as if it were a spectacle and we belonged to the spectacle!
25 [98]
“In the age of public liberté: the French of today become sluggish, stupid, and cold when they are en public: out of fear of making enemies, they become profound diplomats and refined hypocrites. Without esprit, without judgment, and clever out of fear. Slavery of the individual.” C.
25 [99]
To study at large herds of cattle:
The increasing enlargement of man consists in the fact that the leaders, the "fore-oxen," the rare ones, come into being. "Good" the members of the herd call themselves: the chief motive in the origin of the good is fear. Compatibility, anticipating the other with kindness, adapting oneself—much warding off and preventing of distress, with quiet expectation that it will be repaid to us in kind, avoidance of hostility, renunciation of inspiring fear—all this, long only hypocrisy of goodness, becomes finally goodness.
25 [100]
All praise, blame, reward, and punishment seem to me justified only when they appear as the will of the formative power: thus absolutely detached from the moral question “may I praise or punish?”—hence completely immoral. I praise, blame, reward, and punish so that man may transform himself according to my image; for I know that my praise, punishment, etc., have a transforming power. (This by virtue of their effect on vanity, ambition, fear, and all the passions in the one praised or punished.) As long as I still place myself under the moral law, I may not praise or punish.
25 [101]
Of the Means of Beautification. A foolishness to be blamed on old Kant: “it pleases without interest.” And yet many still point with pride to the fact that when they behold a Greek Venus, etc. In contrast, I have described the state that beauty evokes: the most essential thing, however, is to proceed from the artist. To make the sight of things bearable, not to fear them, and to place an apparent happiness within them—fundamental feeling that the happy, self-loving person is no doer of harm.—This reinterpretation of the factual into the happy, the “divine,” man has now also applied to himself: these means of self-beautification and of the beautification of man in general is morality.
In it is: 1) Looking away 2) Seeing what isn’t there—Summarizing Simplifying 3) Pretending so that much becomes invisible 4) pretending so that what becomes visible leads to a false conclusion.—The product is the “good person,” which always requires a society. There is thus something in the essence of morality that goes against honesty: because it is art.How is it now possible that there is a "honesty" that itself undermines morality?— 1) This honesty must be derived from the sense of facts: namely, one has suffered too much harm from this hypocrisy of beautification, the harmed tear off the mask 2) there is a pleasure in the ugly when it is terrible: the emotion of the terrible sight of the true human nature has often been sought by moralists 3) the Christian affect of self-destruction, the opposition to everything beautifying has worked: the lust of cruelty. 4) the old slave-sense, which wants to prostrate itself and finally prostrates itself before the naked "fact," after nothing has remained, deification of the facta, the laws, etc.a rest after the long work of destroying gods, aristocracies, prejudices, etc., and the consequence of a glance into the void)The overall result of all moralists: man is evil—a predator. The “improvement” does not go to the root, and is more superficial; the “good” is essentially decoration, or weakness.
But the moralists themselves were under the aftereffect of moral judgments, or of Christianity, of world-denial: no one has yet taken pleasure in this result. That is: they have adopted the valuation of the “good” themselves!
“One must beautify and make man tolerable”: in contrast, Christianity and Buddhism said—one must deny him. At bottom, it has nothing so against it as the good man: him it hates the most.Therefore, the priests seek self-destruction of pleasure in itself by all means.
The Greek philosophers sought nothing other than “happiness” in the form of finding oneself beautiful: thus shaping oneself into a statue whose sight is pleasing (does not arouse fear or disgust)
The “ugliest man” as the ideal of world-denying modes of thought. But religions, too, are still results of that drive toward beauty (or being able to endure it): the ultimate consequence would be—grasping the absolute ugliness of man, existence without God, reason, etc.—pure Buddhism. The uglier, the better.
I have sought this most extreme form of world-denial.“It is all suffering,” it is all lies, what seems “good” (happiness, etc.) And instead of saying “it is all suffering” I have said: it is all causing suffering, killing, even in the best of people.
“It is all illusion”—it is all lies
“It is all suffering”—it is all inflicting pain, killing, destroying, being unjust
Life itself is a contradiction to “truth” and to “goodness”—ego
Affirming life—this itself means affirming the lie.— So one can only live with an absolutely immoral way of thinking. From this perspective, one then endures morality and the intention to beautify again.— But the innocence of the lie is gone!
The Greeks as actors. Their “idealism.”
The Hellenization once depicted as a novel. Backwards—also sensuality, ever higher, stricter. Finally, to the revelation of the Dionysian. Discovery of the Tragic: “Goat and God.”
25 [102]
To what extent absolute scientificity still bears something of Christianity within itself, is a disguise
25 [103]
| A) | First: the decay of the modern soul in all forms insofar as from Socrates the decay begins—my old aversion to Plato, as anti-antique. the “modern soul”: was already there! |
| B) | To present: the increasing hardness |
| Sensory Power Shamelessness. the Unhistorical Competition Feeling against the Barbaric Hatred of the Un- determined Un- formed the Arch- ing the Simplicity of the Way of Life. Gods create, as his higher Society. |
C)
25 [104]
In France, the school of romantisme was followed by l’école du document humain. The originator of the term is Edmond de Goncourt.
scientific hysteria—I say.
Consequence: the scientific pleasure of humans in themselves.
The unscientific aspect of it is the pleasure in the exceptional case.
25 [105]
One must learn from wars: 1) to bring death close to the interests for which one fights—this makes us venerable 2) one must learn to sacrifice many and take one's cause seriously enough not to spare people. 3) rigid discipline, and in war to permit oneself violence and cunning.
25 [106]
The Perspectives of the Greek Moralists: morality the consequence of judgments (and of false judgments)—“why?” false question and development, one’s own happiness as the goal of all action (it must be the highest happiness as the consequence of the highest insight—full of hypocrisy consequently)—the shamelessness in presenting virtue (deification in Plato) the slandering of all unconscious impulses, the contempt for the affects—
unconsciously they all strive for the beautiful statue—above all, they want to represent virtue, it is the great theatricality of virtue.
but they are children of their time—no longer tragic actors, not performers of heroism, but “Olympians,” superficial. Much plebeian ambition and parvenu-ism is in it. “Race” is to be nothing: the individual begins with itself.
Much foreignness—the Orient, Quietism, the Semitic invention of “holiness” have an effect.
Jealousy of the fine arts
25 [107]
The old morality has that fundamental belief that humanity is going backward: that happiness, strength, and virtue are very far from us. It is the judgment of those who see decay and find salvation in rigidity.
Goal of all great moralists so far: to create a definitive form of “thinking”—in China, in Brahmanism, in Peru, in Jesuitism, also Egypt; Plato wanted it too. To create a caste whose existence is linked to the rigidity of moral judgments, as a vital interest—the class of the good and the just.
25 [108]
“The French Revolution has created a society, it is still seeking its government.”—
25 [109]
“1789: the people ‘of good will,’ of whom the Bible speaks, seemed for the first time to be the masters of the things of the earth. A people, gentle, trusting, accustomed for centuries to suffer patiently and to expect the solution of their distress from their leaders: a middle class, wealthy, enlightened, honnet; a nobility which takes pride in relinquishing privileges, enchanted by philosophy, glowing for the public good; a clergy, imbued with liberal ideas: a king ready to destroy arbitrary power and become the restaurateur de la liberté française”—
And why does everything go wrong?
Because all these good people were weak-willed! le roi too distrustful, too weak; the queen in blind hatred against the révol, the nobility recalled to their old instincts by the danger to the crown, now sees in it an error and comme une cowardice its first concessions (yes! that is the way of the weak!) the Jansenist clumsiness makes a fateful attempt to organize the Church through the State and thus alienates the clergy: and in the countryside and the cities there was long-accumulated deadly hatred against the feudal era (now even greater than the fear of the “red specter”)25 [110]
Napoleon belonging to another kind of being, in whom the power of calculation, the might of combinations, the capacity for work is immeasurably more developed than in us, while one would search in vain for certain moral qualities that are common among us:—strange to the ideas of justice, little made to comprehend history and his own time, entirely dominated by personal interest and thickly blind to this interest: lack of distinction between good and evil, cette soif impérieuse de succès, absolute indifference to the means, all that which makes criminals—: in moral terms no better and no worse than our equals.
But what he lacked most, the most wonderful gap: la grandeur d’âme (magnanimity) the noble quality, which often finds its origin in success itself and develops in step with our happiness, gradually elevating often vulgar and morally insensible natures to the height of events à la hauteur de la destinée imprévue. Certainly, greatness of conception existed in him, if the immeasurable is called great (that which is out of proportion to the means with which we act here below)Greatness of soul is not: that he, otherwise so harsh, was not indulgent with his hours, sometimes displaying bonhomie bienveillante, which the masses always confuse with bonté in their masters: but ces rares relâchements d’un esprit toujours tendu, cette facilité intermittente d’un coeur indifférent.
He saw in France, “this touching creature full of sublime instincts, but sunk under the weight of its sufferings and faults” only his prey. The First Consul was faced with the greatest spectacle, he should have felt the deepest and disinterested emotion before this scene, unique in history: for Caesar found an old and dying republic before him. But he thought of himself!
esprit mal cultivé, southern imagination—he soon took Caesar, soon Charlemagne as his model, imbued above all with monarchical fetishism, he dreams of purple, throne and crown for his own, almost like those barbarian chiefs who believed they could aggrandize themselves by imitating the court of Constantinople.
25 [111]
Show, where Everything there is cruelty: where greed: where lust for power etc.
25 [112]
First question: the domination of the earth—Anglo-Saxon. The German element a good ferment, it does not understand how to rule. The domination in Europe is only German because it deals with tired, aging peoples, it is its barbarism, its delayed culture, that gives it power.
France leading in culture, a sign of Europe’s decline. Russia must become master of Europe and Asia—it must colonize and win China and India. Europe as the Greece under the rule of Rome.
Europe thus to be understood as a cultural center: national foolishness should not blind us to the fact that in the higher realm there is already a continual mutual dependence. France and German philosophy. R. Wagner from 1830-50 and Paris. Goethe and Greece.
Alles strebt nach einer Synthesis of the European past in the highest spiritual Types— a kind of Middle, which rejects the pathological in every nation (e.g., the scientific hysteria of the Parisians) rejects.
The Power is once divided between Slavs and Anglo-Saxons. The spiritual influence could be in the hands of the typical European (to be compared with the Athenian, also the Parisian—see Goncourt’s description in Renée Mauperin) So far, the English are stupid, the Americans necessarily become superficial (haste)
But if Europe falls into the hands of the rabble, then European culture is finished! Struggle of the poor against the rich. So it is a final flare-up. And to set aside in time, what can be saved! To designate the countries into which culture can retreat—through a certain inaccessibility, e.g., Mexico.
25 [113]
| Slave Morality Master Morality. | and their opposition of values. | |
| Cruelty Lust Domination Greed Envy | and what is in the Good, and in Justice, Compassion, Truthfulness, Loyalty, Diligence, etc. |
Pathological virtues and the virtuous—and the healthy aspect of the beast of prey.
Disproportionately little awareness of our effects. (Intentions and purposes as arbitrary selection of effects)
False assumptions about our motives (fundamental doubt: whether our conscious feelings and thoughts “move”)
The body as teacher: morality as the sign language of the affects.
The harm of the good: the good as second-rate, degeneration. Stupidity, hatred of intellectual development.
Individual and community.
The “individual” as multiplicity and growth.
“Evil” as an organic function. Compassion. For others.
Religions as moral systems presupposing other worlds: but masterly or slavish.
25 [114]
To what extent our now usual order of values is based on nothing but false premises: origin of the prevailing fundamental valuations. NB!
25 [115]
The Germans spoil, as latecomers, the great march of European culture: Bismarck—Luther for example; recently, when Napoleon wanted to bring Europe into a state association (the only man strong enough to do it!), they messed everything up with the “Wars of Liberation” and summoned the misfortune of nationalistic madness (with the consequence of racial struggles in such long-mixed countries as Europe!) Thus, Germans (Charles Martel) halted the Saracen culture—: always it is the backward ones!
25 [116]
The existing world is a fiction—there is only a becoming world.— It could be so! But does the fiction not presuppose the poet as existing?— Perhaps the invented other world is only a cause of the poet considering himself as existing and opposing himself.— If the essential of feeling and thinking is that it must posit errors (“realities”):
There is feeling and thinking: but how is it possible in the world of becoming?— The negative qualities superficiality dullness of the senses slowness of the mind have transformed into positive forces (evil is also here the origin of good.)
to set an image, to finish making on the basis of few indications, to set something as permanent because one does not see the change.
The ability to live favored by this poetic power.
25 [117]
What was considered "impersonal" was the expression of the most powerful individuals (J. Burckhardt with good instinct before the palazzo Pitti): "Man of Power"—likewise Phidias—the disregard for individual charm.— But the masters would like to hide and get rid of themselves, e.g., Flaubert (Letters)
25 [118]
One must be good and evil! And whoever was not good out of weakness was also always evil to an outstanding degree.
25 [119]
To judge a person by their intentions! That would be like judging an artist not by their picture, but by their vision! Who has not killed their mother, betrayed their friend, when it comes to thoughts! One would live in a charming solitude if thoughts could kill!
25 [120]
We contain the draft of many persons within us: the poet betrays himself in his figures. Circumstances bring out one figure in us: if circumstances change greatly, one sees two or three figures in oneself.— From every moment of our lives, there are still many possibilities: chance always plays a role!— And especially in history: the fates of each people are not necessary with regard to any reason: there lie in each people many national characters, and every event nourishes one more than the other
25 [121]
The Tame Barbarism
The actual barbarism of Europe—and increasingly:
the stupidity (“the Englishman” as the normal human being) the uglification (“Japanisme”) (the revolting plebeian) the increase of slavish virtues and their values (“the Chinese”)
art as a neurotic condition among artists, a means of madness: the pleasure in the actual (loss of the ideal)
the Germans as latecomers (in the politics of monarchical centralization, like Richelieu: in philosophy with Kant skepticism (in favor of bourgeois respectability and bureaucratic virtue), with Hegel pantheism in favor of state worship, with Schopenhauer pessimism in favor of Christian mysticism “Pascalism”),
the poor nutrition of the entire European South. England’s better society is ahead through nutrition ahead,
“the good person” as the herd animal, transformed from the predator,
the historical illness as a lack of formative ideal power—“justice” remains and “harmlessness” in the external sense.
It is the tame barbarism that is emerging!
the dominance of the stupid, of women, etc.
25 [122]
One wants to force the reader to pay attention, to "violate" them: hence the many gripping little features of "Naturalisme"—this belongs to a democratic age: coarse and intellects fatigued by overwork are to be stimulated!
25 [123]
I endure this meanness of Shakespeare’s and Balzac’s with difficulty: a stench of vulgar feelings, a sewer stink of the metropolis, comes everywhere to the nose.
25 [124]
I want to reshape the women again: Sand and M de Staël prove against them. (Sévigné and Eliot should have been more than writers and were—partly makeshift) I condemn them to trade: the clerk shall be in contempt!
25 [125]
Painters like Dickens, V. Hugo, Gautier—this too is to misunderstand the word.
The opposite of the painter is the describer (like Balzac)
25 [126]
(Taine on Balzac:)
“Virtue as a transformation or developmental stage of a passion or a habit”: pride, rigidity of mind, obedient foolishness, vanity, prejudice, calculation. The vices serve to form it (like a perfume with infectious substances) He loves the poor like a gambler loves the game: the former is loyal like a dog. The upright out of business pride, narrowness of mind and upbringing. All the small miseries, the great uglinesses of the virtuous. The purest source of virtue: grandeur of soul (M Aurel) and delicacy of soul (P de Clèves)
25 [127]
Earlier, people sought God's intentions in history: then an unconscious purposefulness, for example, in the history of a people, an elaboration of ideas, etc. Now only, through the observation of animal history, have they begun to create a perspective for the history of humanity: and the first insight is that there has been no plan so far, neither for humans nor for a people. The crudest accidents have been the dominant forces on a large scale—they still are.
In every action, no matter how purposeful, the sum of the accidental, non-purposeful, and purpose-unconscious is entirely predominant, like the uselessly radiated heat of the sun: what would have meaning is vanishingly small.
25 [128]
“Useful” is only one aspect of proximity: all distant consequences cannot be overlooked, and every action can be equally taxed as useful and equally harmful.
25 [129]
1. All previous valuations stem from states of deepest ignorance.
2. In current valuations, the most diverse moralities are intermingled.
25 [130]
Rousseau, in his preference for the poor, women, the people as sovereign, is entirely within the Christian movement in this: all slavish errors and virtues are to be studied in him, as well as the most incredible dishonesty. (He wants to teach justice!)
His counterpart Napoleon—antique, despiser of mankind
25 [131]
Those who have hitherto dealt with the M on a large scale have assessed him according to his fundamental characteristics: there is no point in taking the more delicate nuances into account. So did Napoleon. He made nothing of the Christian virtues, took them as simply non-existent (—he had a right to do so)
25 [132]
This century, where the arts understand that one can produce the effects of the other: perhaps ruins the arts! e.g., to paint with poetry (Victor Hugo, Balzac, W. Scott, etc.
to evoke poetic feelings with music (Wagner)
to evoke poetic feelings, even philosophical intuitions with painting (Cornelius)
to practice anatomy and psychiatry with novels, etc.
25 [133]
“this talent (Philosophy of History) did not consist, in the German manner, in the risky improvisation of sublime theories” Taine
25 [134]
| Principle: the conquest of humanity: “the masters of the earth”: | 1) Deep contempt for those working in the press. 2) To create a species of beings that replace the priest, teacher, and doctor replace. 3) A spiritual and physical aristocracy that breeds and continually absorbs new elements into itself and stands out against the democratic world of the misfits and half-finished. |
25 [135]
In this age, where one understands that science begins to build systems, is child's play. Rather, to make long decisions about methods, for centuries to come!—for the guidance of human future must one day come into our hands!
— Methods, however, that come from our instinct of their own accord, thus regulated habits that already exist
e.g., exclusion of purposes.
25 [136]
Representation of the Machine "Human"
Cap. 1. In the overall fate of humanity, absolute chance prevailed: but the time comes when we must have goals!!
Cap. II. the goals are not there, the ideals contradict each other—they are consequences of much narrower circumstances and also born from countless errors. Critique of values—self-dissolution of morality.
Cap. III. Previous misunderstanding of art: it looked backward. But it is the ideal-forming power—becoming visible of the innermost hopes and desires
25 [137]
I write for a kind of people who do not yet exist: for the "Masters of the Earth."
Religions as consolations, distractions dangerous: man now believes he may rest.
In Plato's Theages it is written: "each of us would like to be master of all men, preferably God." This disposition must return.
Englishmen, Americans, and Russians
25 [138]
The great landscape painter Turner, who wants to speak to the soul and spirit rather than the senses—philosophical and humanitarian epics. He considered himself the first among men and died mad. “In the midst of a storm, the sun in his eyes, dizziness in his head”—this is how the viewer feels. “As a result of his deep focus on le moral de l’homme, his optique sensibilité is out of tune. Unpleasant for the eye! Exaggerated, brutal, screaming, harsh, dissonant.” Taine.
25 [139]
“Art aims to evoke higher emotions; sensory pleasure is merely the foundation of the impression, but it must be accompanied by joy 1) a feeling of love for the painted object 2) the concept of the goodness of a higher intelligence 3) an upsurge of gratitude and veneration for this intelligence: Ruskin, friend of Turner”
25 [140]
NB. To conceive of the highest human being as an image of nature: immense abundance, immense reason in the individual, as a whole squandering itself, indifferent to it:
25 [141]
Ingres: the 19th-century inventor of color photography for reproducing Pérugin and Raphael. Delacroix is the antipole—image of the decadence of this era, the mess, the confusion, literature in painting, painting in literature, prose in verse, verse in prose, the passions, the nerves, the weaknesses of our time, modern torment. Flares of the sublime in all of this.
Delacroix a kind of Wagner.
25 [142]
M Salomon I p. 197.
Delacroix—he has promised everything, announced everything. His pictures? foetus of masterpieces; the man who, après tout, will arouse the most passions comme tout grand incomplet. A feverish life in everything he creates, une agitation de lunettes, a mad drawing— —he seeks la boulette du sculpteur, the modeling of triangles which is no longer the contour of the line of a body, but l'expression, l'épaisseur du relief of its form—harmonist out of tune, tragic undercolors, hellish vapors like those of Dante. There is no sun.— A great master for our time, but at heart la lie de Rubens.
25 [143]
The best thing that has been said against marriage from the perspective of the creative person, see Salomon I 200 sq. and 312.
25 [144]
1840, Romanticism enters into a union with literature. Painters and poets. Vague Dantean symbolism among some. Others, with a German instinct, seduced by the Lieder from across the Rhine, became dreamy, melancholic, Walpurgis Night. Ary Scheffer at the forefront, paints white and luminous souls created by Poems: Angels. Sentimentalism.At the other end, a prose painter, Delaroche: a clever theater arranger, a student of Walter Scott and Delavigne’s, with deceptive local colors—but life is missing.— Such painters are fundamentally sterile personalities: they could not create a movement, no real school.— The landscape remained underappreciated: it had the ideas of the past against it—no one dared to tackle modern life, no one showed the young talents ce grand côté dédaigné de l’art: la contemporanéité.— In this fatigue, and contempt for the other genres, all the young artists rallied around the two extreme natures—the much smaller number around Delacroix (le beau expressif—), the majority around Ingres as the savior of Raphael’s Beauty, Roman school.
25 [145]
Return of man to naturelle nature, in which old cultures refresh.— Break with the historical landscape.
25 [146]
We do want to enjoy the advantages of not knowing most things and living in a small corner of the world. Man may be a fool—he may also feel like God, it is one possibility among so many!
25 [147]
One will tell me that I speak of things I have not experienced but only dreamed: to which I could reply: it is a beautiful thing to dream like that! And our dreams are, moreover, far more our experiences than one believes—one must relearn about dreams! If I have dreamed of flying some thousands of times—do you not believe that I will also have, while awake, a feeling and a need ahead of most M ahead—and
25 [148]
I had to give Zarathustra, a Persian, the honor: Persians were the first to think of history in the grand whole. A sequence of developments, each presided over by a prophet. Each prophet has his hazar, his realm of a thousand years. “
25 [149]
The solidarity of the Jewish people as a fundamental idea: one did not think of a distribution according to the merits of the individual. Renan I p. 54. No personal retribution after death: the main motive of the martyrs is pure love for the law, the advantage that their death will bring to the people.
25 [150]
Luke 6:25 the curse on those who laugh—
25 [151]
“Be good bankers!” Giving to the poor—this is lending to God.
25 [152]
The Europeans betray themselves by the way they have colonized—
25 [153]
Jesus, with the melancholy of poor nutrition.
25 [154]
“Beautiful”—it’s a promise of happiness. Stendhal. And that is supposed to be “unselfish”! “disinterested”!
What is beautiful about that? Suppose St is right, how!
25 [155]
One must make it clear to oneself what actually interests the majority: but what higher people are interested in appears to the lower uninteresting, consequently devotion to it is something “Unselfish”!
The usage of modern morality is made by the lower people who look up at morality from below:
“self-sacrificing”—but whoever truly makes sacrifices, knows that they were no sacrifices!
whoever loves already appears anti-egoistic! But the essence of the ego-feeling reveals itself only in wanting-to-have,—one gives away in order to have (or to keep). Whoever gives themselves away wants to keep something with it, which they love.
25 [156]
Jesus: wants that one believes in him, and sends everything to hell that resists. The poor, the foolish, the sick, women—including whores and rabble, children—preferred by him: among them he feels well. The feeling of judging against everything beautiful, rich, powerful, the hatred against the laughing. The kindness, with its greatest contrast in one soul: he was the most evil of all men. Without any psychological fairness. The mad pride, which has the finest pleasure in humility.
25 [157]
The highest people suffer the most from existence—but they also have the greatest counter-forces.
25 [158]
To prove the enormously random character of all combinations: from this it follows that every action of a human being has an unlimitedly large influence on everything to come. The same reverence that he, looking backward, devotes to all of fate, he must also devote to himself. Ego fatum.
25 [159]
To imagine complete pessimism (Schopenhauer has ruined it?) Unknowability.— to what extent distressing? (only for a dogmatically trained humanity!)
the thought of death: “fear of death” cultivated, “European sickness” (Medieval death-obsession)
the futility of all striving—distressing under the assumption of moral fundamental judgments i.e. if something is held as a standard,—it could also be cause for laughter!
the perfect pessimism would be the one that comprehends the lie but is simultaneously incapable of discarding its ideal: a chasm between will and knowledge. Absolute contradiction—the human being a dividuum of two hostile powers that say only No to each other.
Desire absolutely inescapable, but at the same time understood and appraised as foolish (i.e., a second counter-desire!)
it belongs to pessimism, then, that it emerges in broken, two-part beings—it is a sign of decay—as a sickness of the age. The ideal does not act as invigorating, but as inhibiting.
25 [160]
The consequences of dying races vary, e.g., pessimistic philosophy, weakness of will
voluptuous exploitation of the moment, with hysterical convulsions and a tendency toward the terrible
Signs of age can also be wisdom and miserliness (China), coldness.
Europe under the impression of a slavishly accustomed fearful way of thinking: a lower kind becomes victorious—strange conflict of two principles of morality.
25 [161]
“Like the immortal gods, to value friends, but to regard all others as worthless, not worthy of mention or counting.”
25 [162]
The Germans may have simply fallen into a wrong climate! There is something in them that could be Hellenic—which awakens upon contact with the South—Winckelmann Goethe Mozart. Finally: we are still very young. Our last great event is still Luther, our only book still the Bible. The Germans have never “moralized.” Even the Germans' nourishment was their doom: philistinism
25 [163]
Characteristic of the European: the contradiction between word and deed: the Oriental remains true to himself in daily life.
How the European has founded colonies proves his predatory nature.
The contradiction is explained by the fact that Christianity has abandoned the layer from which it grew.
This is our difference with the Hellenes: their morality grew in the ruling castes. Thucydides’ morality is the same that explodes everywhere in Plato.
Approaches to honesty, e.g., in the Renaissance: each time for the benefit of the arts. MAngelo’s conception of God as “tyrant of the world” was honest.
The overweight of the female follows from this: and consequently a completely lying “modesty.” It almost requires the corruption of women (as in Paris) for writers to become more honest.— The slavish character of morality as something imposed from outside, not created by us, continually produces new forms of similar enslavements, e.g., the aesthetic (in relation to antiquity). It almost requires the corruption of character and weakness in the European to emancipate himself from authorities and acquire “taste.”
Our “omnivorousness” is the consequence of the various moralities: we are in the “historical sickness.”
25 [164]
The “wanting-to-be-objective” e.g. in Flaubert is a modern misunderstanding. The great form, which disregards all individual stimuli, is the expression of the great character, who shapes the world into an image: the “power-man” who looks far beyond all “individual stimuli.” But among the moderns, it is self-contempt—they would like, like Schopenhauer, to “rid themselves” in art—flee into the object, “deny” themselves. But there is no “thing-in-itself”—gentlemen! What they achieve is scientificity or photography i.e.Description without perspectives, a kind of Chinese painting, all foreground and everything overcrowded.— In truth, there is much displeasure in the entire modern historical and natural-historical frenzy—one flees from oneself and also from forming ideals, from improving, by seeking how everything came to be: fatalism provides a certain peace from this self-contempt.
The French novelists depict exceptions, partly from the highest spheres of society, partly from the lowest—and the middle, the bourgeois, is equally hated by all of them. In the end, they cannot escape Paris.
25 [165]
Negative character of “truth”—as elimination of an error, an illusion. Now the emergence of the illusion was a promotion of life — —
25 [166]
One should not look for necessity in history with regard to means and ends! It is the unreason of chance that rules! The great sum of events represents the fundamental desires of a people, of a class—that is true! In detail, everything happens blindly and stupidly. Like a leaf in a stream that follows its path, even if it is held up here and there.
25 [167]
The persons of Thucydides speak in sentences of Thucydides: they have, according to his concept, the highest possible degree of reason to carry out their cause. There I discovered the Greeks (some words from Plato added)
25 [168]
First images—to explain how images arise in the mind. Then words applied to images. Finally concepts, only possible when there are words—a summarizing of many images under something non-visual, but audible (word). The tiny bit of emotion that arises with the “word,” i.e., when viewing similar images for which one word exists—this weak emotion is the commonality, the foundation of the concept.
That weak sensations are considered equal, as the same, is the fundamental fact. Thus, the confusion of two entirely adjacent sensations in the constatation of these sensations—who but constates? Belief is the primordial element already in every sensory impression: a kind of saying yes, the first intellectual activity! A "holding-to-be-true" at the beginning! Thus to explain: how a "holding-to-be-true" arose! What sensation lies behind "true"?25 [169]
“He is not afraid of being in bad taste.” Stendhal.
25 [170]
The woman among the Greeks from Homer to Pericles increasingly pushed back: this belongs to the culture of the Greeks—a certain violence exercised against the soft, gentle feelings. Outbreak of the counter-movement e.g. Pythagoras and the animals. The weak, suffering, poor—there are slave revolts, poverty drives to the extreme (Thucydides) Otherwise all great crimes are those of evil from strength.
25 [171]
Fundamental error: we apply our moral feelings of today as a standard and measure progress and regress by it. But each of these regressions would be progress for an opposite ideal.
“Humanization”—is a word full of prejudices, and sounds in my ears almost the reverse of what it does in yours.
25 [172]
For the constant repetition — — etc. the rhythm of rhymed poetry, we are musically too demanding (not to mention the misunderstood hexameter!) How good Platens and Hölderlin’s forms already feel to us! But far too strict for us! Playing with the most varied meters and occasionally the unmetrical is the right approach: the freedom we have already achieved in music through R W, we may well take for poetry! Finally: it is the only one that speaks strongly to the heart!— Thanks to Luther!
25 [173]
The language of Luther and the poetic form of the Bible as the foundation of a new German poetry—that is my invention! The antiquating, the rhyming business—all false and does not speak deeply enough to us: or even Wagner's alliteration!
25 [174]
A declaration of war by the higher men against the masses is necessary! Everywhere the mediocre unite to make themselves masters! Everything that softens, makes gentle, brings the “people” to prominence, or the “feminine,” works in favor of universal suffrage, i.e., the rule of the lower men. But we want to exercise reprisals and bring this entire economy (which begins in Europe with Christianity) into the light and before the court.
25 [175]
Goethe’s noble isolation—it requires for the highest-born a kind of castle- and robber-baronry. I will take up Napoleon’s case: he belongs, in his contempt for the “Christian virtues” and the whole moral hypocrisy, to antiquity (Thucydides). Frederick the Great perhaps—but as a German, too much a man of ulterior motives with ulterior souls.
25 [176]
The Tartüfferie of power since Christianity was victorious. The “Christian king” and “State.” History of the feeling of power.
25 [177]
The character of the Europeans to judge by their relation to foreign countries, in colonizing: extremely cruel
25 [178]
The chivalry as the achieved position of power: its gradual disintegration (and in part: transition into the broader bourgeois). In La Rochefoucauld, there is awareness of the actual driving forces of the nobility of the spirit—and a Christian-darkened judgment of these driving forces.
Continuation of Christianity through the French Revolution. The seducer is Rousseau: he unleashes woman again, who from then on is always portrayed as more interesting—suffering. Then the slaves and Mss Stowe. Then the poor and the workers.Then the depraved and the sick—all of this is brought to the forefront (even to advocate for genius, they have known for 500 years no other way than to portray it as the great sufferer!) Then comes the curse on lust (Baudelaire and Schopenhauer), the most decisive conviction that the lust for power is the greatest vice, complete certainty that morality and *désintéressement* are identical concepts, “happiness for all” a desirable goal (i.e., the kingdom of heaven of Christ). We are on the best path: the kingdom of heaven of the poor in spirit has begun.
Intermediate stages: the bourgeois (as a result of money, a parvenu) and the worker (as a result of the machine)
Comparison of Greek culture and French culture at the time of Louis XIV. Decisive belief in oneself. A class of idle people who make life difficult for themselves and practice much self-overcoming. The power of form, the will to shape oneself. "Happiness" admitted as a goal. Much strength and energy behind the shaping being. The enjoyment of the sight of such an apparently easy life.— The Greeks saw the Aeg as children.
25 [179]
The human being, as an organic creature, has drives of nutrition (greed)
| NB | Here only the inner world is considered! | Drives of excretion (love) |
and in the service of the drives an apparatus of self-regulation (intellect) (this includes the assimilation of food, events, hatred, etc.
25 [180]
My concept of “sacrifice.” I don’t like this hypocrisy! Of course, to enforce what is dear to me, I throw away a lot: some things also that are “also dear to me”! But the main thing is always: this throwing away is only a consequence, a side-effect—the main thing is that something means more to me than everything else.
25 [181]
The abundance of plebeian instincts under the current aesthetic judgment of French novelists.— And finally: there is much that is hidden, which they do not wish to reveal, just as with R W 1) their method is easier, more convenient, the scientific manner of mass material and sensationalism, it requires the great noise of principles to conceal this fact—but the students guess it, the lesser talents 2) the lack of discipline and beautiful harmony within themselves makes the similar interesting to them, they are curious with the help of their low instincts, they do not have the disgust and the aegis 3) their claim to impersonality is a feeling that their person is mesquin, e.g., Flaubert, himself sated as a “bourgeois” 4) they want to earn much and cause scandal as a means to great momentary success.
25 [182]
The psychology of these gentlemen Flaubert is in summa false: they always see only the outer world acting and the ego shaped (quite like Taine?)—they know only the weak-willed, where désir takes the place of will.
25 [183]
I want to show once how Schopenhauer's misunderstanding of the will is a "sign of the times"—it is the reaction against the Napoleonic era, one believes no longer in heroes i.e. strength of will. (In "Stello" stands the confession: "there are no heroes and monsters"—anti-Napoleonic)
25 [184]
Painting in place of logic, individual observation, the plan, the predominance of the foreground, the thousand details—everything tastes of the needs of nervous people, in R W as in the Goncourts.
R W belongs to the French movement: heroes and monsters, extreme passion and yet all details, momentary shudder.
25 [185]
(Psychology)
§ To relearn about the "inner" and "outer."
§ "Being" is unprovable because there is no "being." The concept of being is formed in contrast to "nothingness."
§ Concepts arise as auditory images that summarize a multitude of symbolic visual images.
§ Affects as counterparts to physiological groups that have a kind of unity of becoming, a periodic course.
§ The intellect as the middle realm of the senses, processing impressions with the help of old material, a kind of stomach for all affects (which want to be nourished.)
§ Will?
The actual event of all feeling and knowing is an explosion of power: under certain conditions (utmost intensity, so that a feeling of pleasure from power and freedom arises) we call this event “willing.”§ “Purpose” as a vague image, insufficient to move.
§ The interaction of thoughts (in logic) is apparent—it is a struggle of affects.
§ The squandering of power is the essential character even in the most purposeful actions.
§ Cause and effect—this entire chain is a selection before and after, a kind of translation of the event into the language of our memories, which we believe we understand.
25 [186]
The sight of grand gestures as causes of grand actions—consequence of Corneille and Racine.
25 [187]
Voltaire, when he misunderstood Mahomet, is on the path against the higher natures; Napoleon was right to be indignant.
25 [188]
Napoleon: Religion as a support for good morals, true principles, good customs. Et puis l’inquiétude de l’homme est telle, qu’il lui faut ce vague et ce merveilleux qu’elle lui présente. It is better that he seeks it there than with swindlers and Cagliostro’s.
25 [189]
The Sermon on the Mount: he said he was delighted, ecstatic about the purity, the sublime, and the beauty of such a morality.
25 [190]
“I have closed the anarchic abyss and unraveled the chaos. I have purified the revolution, ennobled the peoples, and strengthened the kings. I have stirred all emulations, rewarded all merits, and pushed back the limits of glory. All this is something!”
25 [191]
To explain Muhamet’s successes in 13 years: “perhaps there were long civil wars beforehand (Napoleon means) under which great characters, great talents, irresistible impulsions etc. had formed—”
25 [192]
The “first cause” is, like “the thing in itself,” not a riddle, but a contradiction.
25 [193]
The disadvantages of isolation, since the social instinct is best inherited—the impossibility of still confirming oneself through others' approval, the feeling of ice, the cry “Love me”—the pathological cases like Jesus. Heinrich von Kleist and Goethe (Käthchen von Heilbronn)
25 [194]
Andrea Doria— One thing is close to his heart, to which he sacrifices everything else. Betrayer of his friends, friend of his enemies. Completely isolated and icy. The dog. Cruel to his nephews.
25 [195]
Idealists—e.g., shuddering in admiration at the measure, order, the immense kind of system and simplicity in the heavens—place things at a distance, overlook the individual. The realists seek the opposite shudder, that of the innumerable multitude: hence they overload the foreground; their enjoyment is the belief in the superabundance of creative forces, the impossibility of counting.
25 [196]
Multiplicity of properties and their bond—my point of view. The dual-twin forces, e.g., in Wagner: poetry and music; in the French: poetry and painting; in Plato: poetry and dialectic, etc. The isolation of a single force is a barbarism—“inverted cripples.”
25 [197]
The natural taste of the previous century is wretched. Voltaire Ferney. Caserta. Rousseau Clarens!
25 [198]
The higher natures have committed all crimes: only that they are not so beastly-visible. But betrayal, apostasy, killing, denial, etc.
25 [199]
The very greatest people have their lips sealed over their innermost being—no possibility of meeting someone to whom they would open up—Napoleon, for example. Gloomy—
25 [200]
How the aristocratic world increasingly bleeds itself and grows weak! By virtue of its noble instincts, it casts away its privileges, and by virtue of its refined over-culture, it takes an interest in the people, the weak, the poor, the poetry of the small, etc.
25 [201]
One must straighten the Grade again and make it impossible for a stupid woman to claim a higher rank of morality.
25 [202]
The opposites pairing like man and woman for the procreation of Something Third—Genesis of the works of genius!
25 [203]
Misunderstanding of gloria, conceived as a motive for the creative!! Vanité is herd instinct, Pride a matter of the pre-ox.
25 [204]
“l’amour, according to Napoleon, the occupation of the idle man, the distraction of the warrior, the pitfall of the sovereign.”
25 [205]
Character of the French: always the Gauls of old: the lightness, the same inconstancy and above all the same vanity. When will we finally be able to exchange it for a little pride!
25 [206]
“People are not ungrateful: but the benefactor usually expects too much.”
He says that people change, for better or for worse.
He means that the vast majority of actions are not character actions, but momentary actions that prove nothing about character.
25 [207]
The benefits we receive are more dangerous than all misfortunes: one wants to exert power over us.— It should be among the privileges to do good. The Greek sentiment, which took the “being able to repay” strictly, was noble.
25 [208]
The misfortune in the great hypocrisy of all old moral philosophers. They trained people's imagination to separate virtue and power from each other. Power appears as a claim to happiness—that is still antique about it, an echo of the aristocratic basic form. From Socrates onward, it was nevertheless misunderstood wrongly,—it always had to justify itself anew and yet did not want to do so individually! but tyrannically “good for All!” Attempt at small state foundations within the state: as now among the Muhammadans of North Africa.
25 [209]
I have never met a gifted person who did not tell me that they had lost or never possessed a sense of duty. Whoever does not have strong will now—
25 [210]
The former means of producing homogeneous enduring beings through long generations: inalienable landed property, veneration of the elders (origin of the belief in gods and heroes as ancestors)
Now the fragmentation of landed property belongs to the opposite tendency: a newspaper (in place of daily prayers) railway telegraph. Centralization of an enormous quantity of diverse interests in a single soul: which must be very strong and adaptable for that.
25 [211]
It requires a teaching strong enough to have a disciplining effect: strengthening for the strong, paralyzing and shattering for the world-weary.
The destruction of the decaying races. The decay of Europe.
The destruction of slavish valuations.
Dominion over the earth as a means to produce a higher type.
The destruction of the hypocrisy that calls itself "morality." (Christianity as a hysterical kind of honesty herein: Augustine, Bunyan)
The destruction of universal suffrage: i.h. of the system, by virtue of which the lowest natures prescribe themselves as law to the higher.
The annihilation of mediocrity and its validity. (The one-sided, individuals—peoples e.g. English. Dühring. To strive for the fullness of nature through the pairing of opposites: race mixtures for this.)
The new courage—no a priori truths (such were sought by those accustomed to faith!) but free subordination to a ruling thought that has its time e.g. time as a property of space etc.
25 [212]
“Hungry men’s chatter is boring.”
25 [213]
The Tartuffery (among all ruling classes) in Europe (or morality under the impression of Christianity)
The hysteria in Europe (idleness, poor nutrition, little exercise—breaks out into religious madness like among the Indians. Lack of sexual satisfaction.) Advantage, that the religiosi did not reproduce.
The pedantry of the slave and non-artist as belief in reason, in purposefulness.
Appears as an aftereffect of the aesthetic ages (which teach to see everything simpler than it is: superficiality of the Greek moralists, likewise the French of the 18th centuryNow among the English as morality (satisfaction with the comfort existence, the problem of living happily seems solved to them: that is reflected again in their way of thinking.
The slavish as a longing for authority. Luther.
25 [214]
My completion of fatalism:
1) through eternal recurrence and pre-existence
2) through the elimination of the concept “Will.”
25 [215]
Physical problem, inventing the state that is + and -.
25 [216]
The lack of powerful souls, even among the wise.
Tartuffery of the knowing before themselves: “Knowledge for its own sake!”
Objectivity—as a modern means of ridding oneself, out of contempt (as with Flaubert)
the logicians and mathematicians and mechanics and their worth. How much fraud prevails there too!
The acting of the ancients: Socrates, the rabble sees in virtue its ideal, i.e., happiness in liberation from painful overvehement rabble-like desires.
The absence of desire as the goal of knowledge. (“Everything has little value” must come as a result)| The lack of the powerful | ||
| the noble the rich and manifold the healthy | soul among philosophers so far. |
25 [217]
Viking expeditions, state constitution, and customs of the ancient Scandinavians. By Strinnholm. Trans. by Frisch. (Hamburg, Perthes 1839.
25 [218]
Value of antisemitism, to drive the Jews to set higher goals and to find a merging into national states too low.
25 [219]
The arming of the people—is ultimately the arming of the rabble.
25 [220]
It is difficult to be of use to people like me: I am learning more and more how much superficiality and audacity lies in the actions with which one believes they are doing me “good.”
I have not loved any human being for a long time: the few exceptional talents to whom I can be beneficial, I will not let be stolen from me by the foolishness of a treacherous goose—this being beneficial is almost my only satisfaction that I have so far derived from intercourse.
25 [221]
The task is to form a ruling caste, with the most comprehensive souls, capable of the most diverse tasks of earthly governance. To centralize all previous individual abilities into One Nature.
Position of the Jews in this: great preliminary training in adaptation. For now, they are the greatest actors therefore; also as poets and artists, the most brilliant imitators and empathizers. What they lack on the other hand. Once Christianity is destroyed, one will become more just to the Jews: even as originators of Christianity and the highest moral pathos to date.
25 [222]
The 20th century has two faces: one of decay. All the reasons why, from now on, more powerful and more comprehensive souls than have ever existed (more unprejudiced, more immoral) could arise, act on the weaker natures towards decay. Perhaps a kind of European Chineseness arises, with a gentle Buddhist-Christian faith, and in practice cleverly Epicurean, as the Chinese is—reduced people.
25 [223]
The basic drive of English philosophizing is comfortism.
25 [224]
If it is necessary for your health, very well! what does it matter! But don't make a fuss about it! It is ridiculous to talk enthusiastically about green vegetables—whoever does so has little in their head!
25 [225]
The Earth government is a near problem. The radical question is: must there be slavery? Or rather: it is not a question at all, but the fact: and only the damned English-European cant makes
In truth there is always slavery—whether you want it or not! For example, the Prussian official. The scholar. The monk.
25 [226]
The death. One must turn the stupid physiological fact into a moral necessity. Thus live, so that one also at the right time has one's will to death!
25 [227]
The Eternal Recurrence.
Dedicated to my brothers.
But where are you, my brothers?
Introduction.
What have philosophers actually wanted so far? A look back from the Brahmins.
I want to teach the thought that gives many the right to cross themselves out—the great disciplining thought.
25 [228]
The question of marriage. To make arrangements for the creator: for there is an antagonism between marriage and work.
25 [229]
Main theme. Intelligence must be master over benevolence: it must be reassessed, and the boundless harm that is continually done through acts of benevolence. Irony of motherly love.
25 [230]
About “peoples” languages lead astray: those that also harm higher knowledge the most.
25 [231]
The errors about the same and similar 1) because it looks the same aussieht 2) because it moves the same 3) because it emits the same sounds.
25 [232]
The necessity of slavery.
25 [233]
The image-maker (rejection of the previous “idealism” and its play with images. It is about the body.
25 [234]
In Europe, the Jews are the oldest and purest race. Therefore, the beauty of the Jewess is the highest.
25 [235]
The monkeys are too good-natured for man to be descended from them.
25 [236]
The taming of man has hitherto been misunderstood as “morality”.
25 [237]
An indescribably gentle, firm, resolute, and heartfelt contemplation of all things in Thus Spoke Zarathustra.
25 [238]
“Philosophy of the Future”
1. The moral Tartuffery.
2. The necessity of slavery (man as tool—)
3. The decline of Europe.
25 [239]
The freedom of the will taught from 2 opposing drives: “liberum arbitrium can never be forced, for where there is compulsion, there is no freedom, and where there is no freedom, there is no merit”—but the others conclude: “there is no guilt.” The first want the doctrine of free will out of pride, the others out of “sinfulness” and “humility.”
25 [240]
There has never been a culture in Germany, only ever mystical separatists. Always only individuals—that is consolation!
25 [241]
Music as an echo of states whose conceptual expression was mysticism—transfiguration feeling of the individual, transfiguration. Or: the reconciliation of inner opposites into something new, birth of the third.
25 [242]
On the signature of the slave: the tool-like nature, cold, useful,—I regard all utilitarians as involuntary slaves. Human fragments—that is what characterizes slaves.
25 [243]
First principle: no consideration for the number: the masses, the wretched and the unhappy concern me little—rather the first and most successful specimens, and that they do not come up short out of consideration for the failures (i.e., the masses)
Destruction of the failures—for this one must emancipate oneself from the previous morality.
25 [244]
We must also still listen to Christianity out of much music and overcome it.
25 [245]
Individual tools.
1. The commanding powerful—who do not love, except the images after which they create \
the full multiples of the unconditional, which overcome the existing
2. The freed obedient—love and reverence is their happiness (sublimation of their incompleteness in the sight of the higher)
3. The slaves “servant-like”—pleasure in creating, compassion among one another
25 [246]
In the first part, the decline and its necessity must be clarified! To what extent the slave has become master without having the virtues of the master
the nobility without the foundation of descent and purity
the monarchs, without being the first men.
25 [247]
To 1) despair and uncertainty in all forms approach Zarathustra—he gives the explanation.
“You are a slave” he says to the king, also to the philosopher.
Who should be the master of the earth? That is the refrain of my practical philosophy.
What is there to wonder at? You have made the slave the master. Refrain.
“the smallest man”
“where have more follies been committed than among the compassionate” says Zarathustra to the woman
“fatherland and people”—how language misleads!
25 [248]
“Germany, Germany above All”—is perhaps the most nonsensical slogan that has ever been given. Why Germany at all—I ask: if it does not want, represent, embody something that has more value than any other previous power represents! In itself just one more large state, one more absurdity in the world.
25 [249]
Last speech: Here the hammer that overcomes people
is man a failure? well then, let us test whether he can endure this hammer!
this is the great noon
the one who is going under blesses himself
he prophesies the downfall of countless individuals and races
I am fate
I have overcome compassion—the artist's exultation at the scream of the marble.
the animals and the plants endure this thought (he turns to his animals)
“Away from me!”—laughing, he walks away.
In the final part, Zarathustra becomes ever more strange, distant, quieter in his speeches. Finally, he sinks into the deepest silence—7 days long. Meanwhile, the indignation, the silent pressure, arises among the disciples.
— their detachment, the scattering, thunder and storm. The woman wants to kill him, as his last disciples are determined to say their No to him.
25 [250]
Leo Gfrörer—“Gustav Adolf”
Walter Rogge “parlament Grössen”
25 [251]
To get excited about the principle "Deutschland über Alles" or the German Reich, we are not stupid enough.
25 [252]
Not everyone has the right to talk about everything: just as not everything may be taken into every hand. I call it “foot-and-mouth disease”
25 [253]
How can one only want to give the individual freedom like Luther in the highest matters! In the end, the instinct of the herd is stronger and they immediately fall back into servitude (e.g., the Protestants before the most wretched little princes,—a servant people
25 [254]
The valuations of the church are those of slaves. The profound hypocrisy is European. Whoever has wanted to influence Europeans on a large scale has hitherto needed moral tartufferie (e.g., the first Napoleon in his proclamations, more recently R. Wagner by means of his attitude-music).
The “good of the many” as a principle even among princes!
25 [255]
The future has hardly been grasped yet, except by the Romans.
25 [256]
In the Orient, peoples became rigid under the rule of a single moral law. Europe remained alive under the rule of two opposing ones.
The history of Europe since the time of the Roman emperors is a slave revolt.
25 [257]
Without Platonism and Aristotelianism, no Christian philosophy.
25 [258]
Concept of the mystic: one who has enough and too much of his own happiness and seeks a language for his happiness,—he would like to give it away!
25 [259]
Compare the Vikings at home and abroad: an iron and golden age, depending on the perspective. The same applies to the great man of the Renaissance! The worm of conscience is a matter for the rabble, and a true corruption of noble sentiment.
Every magnanimous person has committed all crimes; whether legally, that depends on the mildness and weakness of the times. But think of Luther, etc. And Christ—who let those who did not love him roast in hell!
That one commits and endures many wicked deeds, sustained by the greatness of thought, which does not fear the condemnation of reputation—an original firmness and greatness, apart from learned valuations.
(In Rée, all original people are missing)To characterize Bismarck.
Likewise Napoleon—a feeling of well-being without equal spread through Europe: genius should be master, the idiotic "prince" of yore appeared as a caricature.— Only the stupidest opposed, or those who suffered the greatest disadvantage from him (England)
Great people are not understood: they forgive themselves every crime, but no weakness. How many do they destroy! Every genius—what a wasteland surrounds him!
Whoever becomes the man "of his crime" is not elevated enough above judgment.
25 [260]
The path of freedom is hard. I Th
25 [261]
The high individual gives himself all the rights that the state permits itself—to kill, to destroy, to spy, etc. The cowardice and bad conscience of most princes have invented the state and the phrase about the bien public. The right man has always used it as a means in his hand for some purpose.
Culture has arisen only in noble cultures—and among hermits who burned everything around them with contempt.
25 [262]
Idealism of the slave, who is the liar: greatest type of this a Pope!
25 [263]
The modern socialism wants to create the secular side form of Jesuitism: everyone absolute tool. But the purpose has not been discovered yet. What for!
25 [264]
The nihilists should not degrade themselves through European goals: they no longer want to be slaves —
25 [265]
Not everyone has the right to every problem e.g. Dühring, Luther—for that, freedom of thought and press. —
25 [266]
It seemed to me a sign of “poverty of spirit” to mention Schopenhauer and Hartmann in the same breath.
25 [267]
Illness and depression bring about a kind of madness: so does hard mechanical labor.
25 [268]
The farmer as the most common kind of nobility: because he is most dependent on himself. Peasant blood is still the best blood in Germany: e.g. Luther Niebuhr Bismarck
Where is a noble family whose blood does not contain venereal infection and corruption?
Bismarck a slave. Just look at the faces of the Germans (one understands Napoleon's astonishment when he saw the poet of Werther and saw a man!):
everything that had an overflow of male blood in it went abroad: over the miserable remaining population, the servant-soul people, an improvement came from abroad, especially through Slavic blood.The Brandenburg nobility and the Prussian nobility in general (and the peasant of certain northern German regions) currently contains the most masculine natures in Germany.
That the most masculine men rule is in order.
25 [269]
We are not silly chastity preachers: if one needs a woman, one will surely find a woman, without breaking marriages and founding marriages for that reason.
25 [270]
1 Principle: there is no God. He is as well refuted as any thing. One must flee into the “incomprehensible” to enforce his thesis. Consequently, from now on it is lie or weakness to believe in God.
2 Principle: the most manly men shall rule, and not the half-women, the priests and scholars:—against Comte’s Catholic enthusiasm
3 Principle: beyond the rulers, detached from all bonds, live the highest men: and in the rulers they have their tools.
Warriors, rural-farmers, urban-industry, deepest the merchants.
25 [271]
The peasant in Luther shouted about the lie of the “higher man” he had believed in: “there are no higher men at all”—he shouted.
25 [272]
Bismarck wanted to create a lightning rod for the leading statesman with parliament, a force against the crown and, under certain circumstances, a lever for exerting pressure on foreign countries:—he also has his scapegoat and whipping boy there.
25 [273]
According to the degree of independence from place and time, the noblesse increases. People of the highest culture, from strong bodies, stand above all sovereigns.
25 [274]
The tame man and the tamed man—that is the great mass.
25 [275]
Whoever is the victim of a passion does not stand high enough: he should be ent
25 [276]
The future of our educational institutions
the rightly understood R. Wagner
the rightly understood Schopenhauer. He is disgusted by what disgusts me.
25 [277]
Decision. I will speak, and no longer Zarathustra
25 [278]
The evil ones, these are namely those who, as kings etc., give the false image of the most powerful man, based on the power of armies, officials (even geniuses without inner perfection like Frederick the Great and Napoleon), which raise the question: to what end?
25 [279]
public good is the siren song: with it the low instincts are lured.
25 [280]
The noble simplicity of the Spaniard, his pride.
25 [281]
Praise for the nihilists: better to destroy and perish oneself!
25 [282]
“Style.”
Imitation—as the talent of the Jew. “Adapting to forms”—hence actors, hence poets like Heine and Lipiner.
25 [283]
Formerly, one sought one's future salvation at the expense of one's present. Thus, every creator lives in regard to their work. And the great mindset now demands that, in regard to the future of humanity, I live at the expense of present comfort
25 [284]
To despise the praise of dévouement and héroisme—out of contempt for those who praise pity, I have almost become hard.
25 [285]
My hatred of the grand phrases about me. Who could imagine with their fantasy what I have already demanded of myself in life and what sacrifices I have made, also under what resistances I have continued my hard path, including that I, as far as the length and strength of physical torments are concerned, perhaps belong to the most experienced people. And now to suddenly see myself again in the diminished aspect through the diminishing eyes of relatives, friends, in short, of everyone, overwhelmed with suspicions, as well as with reproaches of weakness, along with exhortations.— And who would even have the right to encourage me!
25 [286]
give the Germans a higher rank among the peoples—because the Zarathustra is written in German. —
25 [287]
Egoism! But no one has yet asked: what kind of ego! Instead, everyone unconsciously equates every ego with every other ego. These are the consequences of the slave theory of universal suffrage and “equality.”
25 [288]
With beauty, the eye remains very much on the surface. But there must also be beauty in every inner process of the body: all spiritual beauty is only a parable, and something superficial compared to this abundance of deep harmonies.
25 [289]
My speech against the wicked (who flatter the slave—)
the world-slanderers
the Good (who believe that doing good is easy and for everyone)
(against the priestly air, also the parsonage air
25 [290]
Age of attempts.
I am making the great test: who can endure the thought of eternal recurrence?— Whoever is to be destroyed by the statement “there is no redemption” shall perish. I want wars in which the life-affirming drive out the others: this question shall dissolve all bonds and drive the world-weary out—you shall expel them, heap every contempt upon them, or lock them in madhouses, drive them to despair, etc.
25 [291]
One should understand correctly: neighborly love is a recipe for those who have fared poorly in the mixture of qualities. Their admirers like Comte make it understood that they have had enough.
25 [292]
One has spoiled all good taste for millennia with the grandiose paradox of “the God on the cross”: it is a horrifying thought, a superlative of the paradoxical! Just like hell in the presence of a God of love. A baroque spirit emerged here, against which paganism could no longer hold its own
25 [293]
That we again feel Homer, I regard as the greatest victory over Christianity and Christian cultures: that we are sick of the Christian tenderizing, uglifying, darkening, spiritualizing
25 [294]
One must perceive the lie in the church, not just the untruth: to drive enlightenment into the people so far that all priests become priests with a bad conscience — —
— the same must be done with the state. That is the task of enlightenment, to make the princes and statesmen see their entire conduct as intentional lies, to deprive them of their good conscience, and to bring the unconscious Tartuffery out of the body of the European man again.
25 [295]
“The fear of death is a European kind of fear.” oriental.
25 [296]
| The new Enlightenment. | Against the churches and priests against the statesmen against the kind-hearted and compassionate against the educated and luxury in summa against hypocrisy. | |
| like Machiavelli. |
25 [297]
Socrates: the common man: clever: becoming master over himself through clear understanding and strong will: humor of the victorious: in dealing with nobles always noticing that they cannot say why (it belongs to nobility, that virtue is practiced without why?—) Previously, science among nothing but noble men!
In the judgment of his death: a kind of falseness, because he conceals his will to die: then he brings disgrace upon his fatherland. Yet more egoist than patriot.
Dialectic is plebeian in its origin: Plato's fanaticism that of a poetic nature for its counterpart. At the same time, he notices, as an agonal nature, that here the means to victory is given against all fellow competitors, and that the ability is rare.
25 [298]
From the Range. The terrible consequence of “equality”—finally, everyone believes they have the right to every problem. All hierarchy has been lost.
25 [299]
Our prerequisites: no God: no purposes: finite strength. We want to guard against devising and prescribing the way of thinking necessary for the lowly!!
25 [300]
Purpose of religion: the failed and unhappy should be preserved, and through improvement of mood (hope and fear) be prevented from suicide.
Or among the noble: an excess of gratitude and elevation, which is too great to be offered to a human being
25 [301]
Outbreak of my disgust at the impudence with which even geese presume to pass judgment on “Good” and “Evil” among great people.
25 [302]
Farm boys, made into priests, smelling of the monastery
25 [303]
German philosophy, which smells of the Tübinger Stift
25 [304]
“Nothing is true, everything is permitted.”
25 [305]
Zarathustra “I took everything from you, God, duty—now you must give the greatest test of a noble kind. For here the path is open to the wicked—look!
— the struggle for dominion, in the end the herd more herd and the tyrant more tyrant than ever.
— no secret society! The consequences of my teaching must rage terribly: but countless numbers shall perish by it.
— we are making an experiment with the truth! Perhaps mankind will perish by it! Well then!
25 [306]
I Part. The mountain finally enveloped by sorrow and need
all kinds of impossible flee to him—a host of fools around me!
— Of the slave religion
— of rank.
— the godless, out of honesty come to him
25 [307]
1 Principle. All previous valuations have arisen from false, presumed knowledge of things:—they no longer oblige us, even if they work as feeling, instinctively (as conscience).
2 Principle. Instead of the faith that is no longer possible for us, we place a strong will above us, which holds a provisional series of basic valuations as a heuristic principle: to see how far one can go with it. Like the sailor on an unknown sea. In truth, all that “faith” was nothing else: only formerly the discipline of the spirit was too weak to endure our grand caution.
3 Principle. The courage of head and heart is what distinguishes us Europeans: acquired in the struggle of many opinions.Greatest suppleness, in combat with religions that have become hair-splitting, and a harsh strictness, even cruelty. Vivisection is a test: whoever cannot endure it does not belong to us (and usually there are also other signs that he does not belong to us, e.g., Zöllner.)
4 Principle. Mathematics contains descriptions (definitions) and deductions from definitions. Its objects do not exist. The truth of its deductions is based on the correctness of logical thinking.— When mathematics is applied, the same thing happens as with the “means and ends” explanations: reality is first adjusted and simplified (falsified — —)
5 Principle. That which is most believed by us, everything a priori, is not for that reason more certain because it is so strongly believed.But rather, it may emerge as an existential condition of our species—some fundamental assumption. Therefore, other beings might make different fundamental assumptions, e.g., 4 dimensions. Therefore, all these assumptions could still be false—or rather: to what extent could anything be “true in itself”! This is the fundamental nonsense!
6 Principle. It is part of attained manhood that we do not deceive ourselves about our human position: rather, we want to strictly apply our measure and strive for the greatest measure of power over things. Recognizing that the danger is immense: that chance has ruled so far—
7 Principle. The task of the Earth government is coming. And with it the question: how we want the future of humanity!— New value tables necessary. And struggle against the representatives of the old “eternal” values as the highest concern!
8 Principle. But where do we take our imperative from? It is not a “you shall,” but the “I must” of the Overpowering, Creative.
25 [308]
The philosophers have sought to dissolve the world into 1) images (phenomena) or 2) concepts or into 3) will—briefly, into something known to us in humans—or to equate it with the soul (as “God”)
The people have projected “cause and effect” from the known relation of human action into nature. “Freedom of the will” is the theory of a feeling.
A thing whose subjective origin is recognized is thereby not yet proven as “nonexistent,” e.g., space, time, etc.
The science of mathematics dissolves the world into formulas. That is, it
One must insist, however, on what concepts and formulas can only be: means of clarification and calculability, the practical applicability is the goal: that man may make use of nature, the reasonable limit.
Science: the mastery of nature for the purposes of man —
— to cut off the excessive fantasizing of metaphysicians and mathematicians: although it is necessary as an experimentation toward what might accidentally be caught.
The greatest mass of intellectual work in science is wasted—here too, the principle of the greatest possible stupidity prevails.
Principle in the explanation of all human history: the efforts are infinitely greater than the yield.
25 [309]
Principle: to be like nature: to be able to sacrifice countless beings to achieve something with humanity. One must study how a great person has actually been brought about. All previous ethics have been boundlessly limited and local: blind and dishonest towards the actual laws, moreover. It existed not for explanation, but for the prevention of certain actions: let alone for creation
Science is a dangerous thing: and until we are persecuted for its sake, there is nothing to its “dignity.” Or even when science is brought into elementary schools: and now even girls and geese begin to chatter scientifically; this is because it has always been pursued with moral tartufferie.
With this I want to make an end.
All prerequisites of the existing “order” refuted.
1. God refuted: because all happening is neither kind nor wise nor true;
2) because “good” and “evil” are not opposites and the moral values transform
3) because “true” and “false” are both necessary—willing to deceive as well as allowing oneself to be deceived is a prerequisite of the living
4) “unselfish” not possible at all. “Love” misunderstood. “Prayer” indifferent; “surrender” dangerous.
25 [310]
That our sensory organs themselves are only phenomena and consequences of our senses, and that our bodily organization is a consequence of our organization, seems to me something contradictory or at least entirely unprovable. That tartarus stibiatus makes me vomit has nothing to do with all “phenomena” and “opinions.”
The photograph is a sufficient counterargument against the crudest form of “idealism.”
25 [311]
Where does the sense of truth come from? First: we are not afraid to deviate 2) it increases our sense of power, even against ourselves.
25 [312]
to "humanize" the world, i.e., to feel more and more like masters in it—
25 [313]
Feeling, comprehending, willing would not be possible in relation to the unspeakably small movement of atoms if they did not inherently involve gathering together, coarsening, lengthening, equalizing.
The image and the concept arise when a productive force shapes some given stimuli: an “appearance” creates
25 [314]
In mathematics there is no understanding, but only a determination of necessities: of relations “which do not change,” of laws in being.
A mechanical worldview, i.e., one in which ultimately understanding is renounced, we “understand” only where we comprehend motives. Where there are no motives, understanding ceases.
My intention regarding even the most purposeful actions is to show that our “understanding” is also there an illusion and error.
25 [315]
Chapter: on the “grasping” of actions.
25 [316]
The ideal is to construct the most complicated of all machine beings, created through the stupidest of all possible methods.
25 [317]
In front of the work of art, one can let oneself go. In front of the great person not! Hence the cultivation of the arts among the subjugated, who create a world of freedom for themselves—the artists are mostly those who are not rulers.
The rulers love art because they want images of themselves.
25 [318]
Long p 822 “a reality, as man imagines it, and as he longs for it, when this imagination is shaken: an absolutely firm, independent of us and yet recognized by us existence—such a reality does not exist.” We are active in it: but that gives Lange no pride!
nothing deceptive, changeable, dependent, unrecognizable—so he desires—that are instincts of frightened beings and those still morally dominated: they long for an absolute master, something lovingly truth-speaking—in short, this longing of idealists is moral-religious from the slave's perspective.
Conversely, our artist-sovereignty-right could revel in having created this world
“subjective only,” but I feel the opposite: we have created it!
25 [319]
Forming—that is the drive of the ethical: to create types: for this, opposites in valuation are necessary.
Seeing forms or calculating them is our greatest happiness—it is also our longest practice.
25 [320]
In all aesthetic judgments, moral ones are embedded. P G is too good-natured to impose a will on his proposition, he gives in.
25 [321]
The great style consists in the contempt of the small and short beauty, is a sense for few and long things.
25 [322]
Zarathustra waiting
1) Signs of the greatest confusion. “Nothing is true, everything is permitted”
2) He proclaims his E W. Displeasure, lament—up to the assassination attempt. Zarathustra laughs, is happy, for he brings the great crisis
3) the world-weary depart, the group becomes smaller. To them he shares his teaching, to find the path to the Overman and yet be of good cheer
Cheerful as in a field camp. Processions etc.
25 [323]
The Eternal Recurrence.
Noon and Eternity.
| 1. It is time! | |
| 2. The great noon. | |
| 3. The Promisers. | Prophecy |
| of the eternal recurrence |
25 [324]
Seeing and hearing presuppose a learning to see, a learning to hear of very specific forms.
25 [325]
That in the morphological chain of animals the nervous system and later the brain develops: gives a point of reference—it develops the feeling, just as later the creation of images and thinking develops. Whether we still do not yet comprehend it: but we see that it is so. We find it improbable to place pleasure and pain already in all organic life: and even in humans, the stimulus is still a stage where both are not present.
25 [326]
We are distrustful of starting from the “thinking,” “willing,” feeling part within us. That is an end and in any case the most entangled and hardest to understand.
25 [327]
The emergence of the subjective space-time-force-causality-freedom sensation, assuming it is recognized: likewise the emergence of the image (i.e., of forms and shapes), of concepts (i.e., memory signs for entire groups of images with the aid of sounds): all these subjective phenomena do not cast doubt on the objective truth of the logical, mathematical, mechanical, and chemical laws. Another matter is our ability to express ourselves about these laws: we must make use of language.
25 [328]
To find the language of fuller natures—their image of the world reflected—
25 [329]
Finding the character of a mindset like mine: mechanical, chance, the joy in beautiful structures, in breaking (because it is becoming) clever utilization, exploiting chance, irresponsible, brave, without stiffness
25 [330]
Communication of states—prose is far from sufficient for that—science, however, can only communicate the scientific state and should do nothing else!!
On the multiplicity of language (through images, sounds) as a means for the fuller human being to express themselves.
25 [331]
Zarathustra after his disciples have turned away in fright and he has expressed his mission with a laugh, superhumanly confident:— —with the deepest tenderness calling them back to him, as if returning from the highest estrangement and distance: paternally.
25 [332]
Connection of the Aesthetic and the Ethical: the great style requires a strong fundamental will and abhors most of all confusion.
Dance and a light development from one phase to another is extremely dangerous—a sword dance. For the crude consequence and stubbornness otherwise give the individual durability.
The most difficult to unite: a will, strength of fundamental feeling, and change of movements (transformations)
25 [333]
All organic beings that "judge" act like the artist: they create a whole from individual stimuli, they leave much of the individual aside and create a simplification, they equate and affirm their creation as being. The logical is the drive itself, which makes, that the world runs logically, according to our judgments.
The creative—1) Appropriating 2) Selecting 3) Transforming element—4) the Self-Regulating element—5) the Eliminating.
25 [334]
There is through many generations of species a necessity that already lies in the first germ: provided that the conditions of nutrition are favorably arranged, the organic creature is determined for all its future: the point in time at which the individual new forms (e.g., nerves) appear depends on the accidents of nutrition.
NB. Enhancement of life according to the duration of the celestial bodies.
25 [335]
The great man feels his power over a people, his temporary merging with a people or a millennium: this enlargement in the feeling of himself as cause and will is misunderstood as “altruism”—
—it urges him toward means of communication: all great men are inventive in such means. They want to shape themselves into great communities, they want to give one form to the manifold, the disordered; they are tempted by the sight of chaos
—Misunderstanding of love. There is a slavish love that submits and gives itself away: that idealizes and deceives itself—there is a divine love that despises and loves and reshapes the beloved, elevates.—
— that tremendous energy of greatness to gain, in order to shape the future human through breeding and, on the other hand, through the annihilation of millions of failures, and not to perish from the suffering that one creates, the like of which has never existed before! —
— the mindset of the failures to sacrifice themselves: that is the meaning of the orders that vow chastity.
— the enjoyment of forms in the visual arts: they share a state of the artist (calmly-reverent). The musician is moved by the affects without seeing objects for them—and shares his state. Much more comprehensive than the states of the painter.
25 [336]
On Psychology.
1. Every “ethical” feeling that comes to our consciousness is simplified, the more it becomes conscious, i.e., it approaches the concept. In itself, it is manifold, a resonance of many tones.
2. The “inner” world is more incomprehensible than the outer: the resonance of many overtones can be made clear through music, which provides an image.
3. For something to be known in a mechanical world order, there must be a perspective apparatus that makes possible 1) a certain stillness, 2) a simplification, 3) a selection and omission. The organic is a device, on which consciousness can develop, because it itself requires the same prerequisites for its preservation.
4. The inner world must be transformed into appearance to become conscious: many excitations perceived as a unity, etc.
By what power do we hear a chord as a unity and moreover the nature of the instrument's sound, its strength, its relation to what has just been heard, etc.?? The same power brings every image of the eye together.5. Our continual practice of forms, inventing, increasing, repeating: forms of seeing, hearing, and touching.
6. All these forms, which we see, hear, feel, etc.are not present in the external world, which we ascertain mathematically and mechanically.
7. My conjecture that all properties of the organic are themselves therefore for mechanical reasons undeducible to us, because we ourselves have first glimpsed anti-mechanical processes: we have first placed the undeducible within.
8. Caution, not to treat the very complicated as something new.
25 [337]
For a full and right-angled M, a world as conditioned and qualified as Kant's is an abomination. We have a need for a coarse truth; and if it does not exist, well, we love adventure and go to sea
— to prove that the consequences of science are dangerous, my task. “It is over with good” and “evil” —“
— in the age of universal suffrage, the tone of disrespect is highest with which the philosopher is now treated: all geese are already cackling!—read, for example, the philosophical cackling of George Sand or Mrs. John Stuart Mill. Well, I prefer to make his position hated and dangerous: one should curse him if one does not know how to honor him otherwise!
— the struggle with language.
25 [338]
It is said that the famous founder of Christianity said to Pilatus, “I am the truth”; the Roman’s response to this is worthy of Rome: as the greatest urbanity of all times.
25 [339]
“God” in antiquity felt differently, entirely without the monotheistic-moral aftertaste.— Priapus in the gardens, as a scarecrow. A shepherd grateful for the fertility of the herd, for example.
The mass of gratitude in Greek religion. Later, in the rabble, fear overgrows: Epicurus and Lucretius.
25 [340]
Principle. If it were a matter of public good, then Jesuitism would be in the right, as would assassination; as would Chinese customs.
25 [341]
Principle. Overthrow the stagnant eternal valuations with all forces! Great task.
25 [342]
The revolution, confusion, and distress of the peoples is the lesser in my consideration, compared to the distress of the great individuals in their development. One must not be deceived: the many distresses of all these small people together do not form a sum, except in the feeling of powerful individuals.
To think of oneself in moments of great danger: to draw one's advantage from the disadvantage of many:—this can, at a very high degree of deviation, be a sign of great character, which masters its compassionate and just feelings.
25 [343]
When an inferior person grasps his foolish existence, his beastly-stupid happiness as a goal, he indignates the observer; and if he even oppresses and exploits other people for the purpose of his well-being, one should kill such a poisonous fly.
The value of a person should prove what rights he may take: "equality" is done out of disrespect for higher natures and is a crime against them.
By taking on the promotion of a family, a people, etc., a person gains significance, provided that his strength allows him to set himself such a task.
A person who has nothing but bestial desires in their body should not have the right to marry.The rights a person claims are proportional to the duties they impose on themselves, to the tasks they feel equal to.
Most people have no right to exist; they are a misfortune for the higher ones: I do not yet grant the failed the right. There are also failed peoples.
The foolish “humanity”! Compared to animals, a person may feel like a human among “their own kind.” But as a human before humans—
25 [344]
The degeneration of rulers and the ruling classes has caused the greatest mischief in history! Without the Roman Caesars and Roman society, the madness of Christianity would not have come to power.
When lesser people begin to doubt whether there are higher people, the danger is great! And one ends up discovering that even among the lesser, subjugated, spiritually poor people there are virtues and that before God all people are equal: which has been the non plus ultra of stupidity on earth so far! Namely, the higher people finally measured themselves by the virtue standard of the slaves—found themselves “proud” etc.—found all their higher qualities to be reprehensible!
— when Nero and Caracalla sat above, the paradox arose: the lowest man is more worthy than the one up there! And an image of God made its way, which was as distant as possible from the image of the mighty—God on the cross!
— the Romans have hitherto caused the greatest misfortune of Europe, the people of excess— — they have brought extremes to power and extreme paradoxes, such as the “God on the cross”
—one must first learn the distinction: for the Greeks, against the Romans—that is what I call ancient education
25 [345]
Causes of Pessimism
slave morality in the foreground “Equality”
the most common people have all “advantages” for themselves
the degeneration of rulers and ruling classes
the aftereffect of priests and world-slanderers.
the compassionate and oversensitive: absence of hardness,
— the sparing of the misbegotten
the aimlessness, because the great man is missing, whose sight alone justifies existence.
the false ideals, from the One God, “before God all sinners”
the poor, barren spirits, cowardly besides
25 [346]
One must learn the pride of misfortune —
25 [347]
Seneca as a culmination of ancient moral hypocrisy—a dignified Spaniard, as Grazian
25 [348]
The root of all evil: that slavish morality has triumphed, the victory of humility, chastity, absolute obedience, selflessness—
—the ruling natures were thereby 1) condemned to hypocrisy 2) condemned to pangs of conscience—the creative natures felt themselves as rebels against God, insecure, and hindered by the eternal values
—the barbarians showed that being-able-to-moderate was not at home with them: they feared and slandered the passions and drives of nature:—likewise the sight of the ruling Caesars and estates.
— on the other hand, the suspicion arose that all moderation was a weakness or a sign of aging and weariness (thus La Rochefoucauld suspected that “virtue” was a fine word for those to whom vice no longer brought pleasure)
— moderation itself was depicted as a matter of hardness, self-conquest, asceticism, as a struggle with the devil, etc. the natural delight of the aesthetic nature in the measure of enjoyment in the beauty of measure was overlooked or denied, because an anti-eudaimonistic morality was desired
In sum: the best things have been slandered (because the weak or the immoderate swine cast them in a bad light)—and the best people have remained hidden and often misunderstood themselves.
25 [349]
The extermination of the “drives”
the virtues that are impossible or
the virtues that are most prized among slaves, ruled by priests
the decayed ruling classes have corrupted the image of the ruler
the “state,” exercising judgment, is cowardice, because the great man is lacking, by whom one can measure.
— finally, the uncertainty becomes so great that people already fall to the dust before every will that commands
NB. Scorn for the kings with the virtues of petty bourgeois
25 [350]
People talk so foolishly about pride—and Christianity has even made it seem sinful! The matter is: whoever demands and achieves greatness from themselves must feel very distant from those who do not do this—this distance is interpreted by these others as “opinion of oneself”: but the former knows it only as continual labor, war, victory, day and night: of all this the others know nothing!
25 [351]
The teaching is directed at people with overflowing strength—not at the mediocre.
This is only a stage of height: higher stands the “golden nature.”
“You shall”—unconditional obedience among Stoics, in the orders of Christianity and the Arabs, in the philosophy of Kant (it is irrelevant whether to a superior or a concept).
Higher than “you shall” stands “I will” (the heroes); higher than “I will” stands “I am” (the gods of the Greeks).
The barbaric gods express nothing of the joy in measure—are neither simple, nor light, nor measured.
25 [352]
To Zarathustra: "the Golden Ones" as the highest level.
25 [353]
NB. Simplicity in life, clothing, housing, eating, at the same time as a sign of the highest taste: the highest natures require the best, hence their simplicity!
The luxurious, comfortable people, as well as the ostentatious ones, are by no means as independent: they do not even have such sufficient company in themselves.
To what extent the Stoic sage and even more so the monk is an excess, a barbaric exaggeration — —.
25 [354]
— the princes are in all circumstances people of second rank: the very highest people rule over millennia and cannot be so interested in present things. The princes are their tools or clever dogs that present themselves as tools.
Above the image of the prince (as the tool of the wise) to show the image of the highest wise man.
25 [355]
Hierarchy: the one who determines the values and guides the will of millennia by guiding the highest natures is the highest man.
25 [356]
What is commonly assigned to the spirit, seems to me to constitute the essence of the organic: and in the highest functions of the spirit, I find only a sublime kind of organic function (assimilation, selection, secretion, etc.)
But the opposition “organic” “inorganic” belongs to the world of appearances!
25 [357]
The great intellectual activities pathologically as being dominated by a single thought; lack of spontaneity—an kind of hypnotism. They enervate and make weak-willed under other circumstances.
Whether in obedience there is not often something like hypnotism?
25 [358]
NB. Principle: every experience, traced back to its origins, presupposes the entire past of the world.— To call a fact good is to approve of everything!
But in approving of everything, one also approves of all existing and past approvals and rejections!
25 [359]
The greatest part of our experiences is unconscious and has an effect.
25 [360]
The mastery over oneself is the balance of many accumulated memories and motives—a kind of peace among hostile forces.
voluntas is ultimately a mechanical, unconditional preponderance, a victory that enters consciousness.
25 [361]
The training of the eye in forms: presumably also of the ear and touch. Likewise, the dream shows us how much we could be other people—we imitate it very well.
25 [362]
The creative power—imitating, shaping, forming, practicing—the type we represent is one of our possibilities—we could still portray many persons—we have the material for it within us.— Our way of life and activity, considering it as a role, including the maxims and principles we seek to portray a type, instinctively—we select from our memory, we connect and combine the facts of memory.
25 [363]
The individual contains far more persons than he believes. “Person” is merely an emphasis, a summary of traits and qualities.
25 [364]
The misunderstanding of the action, through false, imposed motives.
25 [365]
NB. To what extent our conscious life is thoroughly false and a veil.
25 [366]
Lying to lie is the primitive inclination: in all vulgar ages.
Ruling to rule, and not, as Helvétius thinks, to have the pleasures.
25 [367]
— general lack of knowledge of nature
25 [368]
The philosopher does not know which motives drive him to research.
25 [369]
On the Superficiality of
Consciousness
25 [370]
19th-century pessimism as a consequence of mob rule.
Le plaisir in the 18th century.
25 [371]
Cause and effect is not a truth, but a hypothesis—and indeed one with which we humanize the world for ourselves, bring it closer to our feelings (“will” is sensed within it)
— with the atomistic hypothesis, we make the world accessible to both our eye and our calculation
— it is the measure of the scientifically strong mind, how much it can endure to reject or still need the delusion of absolute judgments and evaluations. Namely, not to become uncertain! And to cling to such a hypothesis with a tenacious will and live for it!
25 [372]
One has always forgotten the main thing forgotten: why does the philosopher want to know? Why does he value “truth” higher than appearance? This valuation is older than every cogito, ergo sum: even assuming the logical process, there is something in us that affirms it and denies its opposite. Whence the preference? All philosophers have forgotten to explain why they value the true and the good, and no one has tried to attempt it with the opposite. Answer: the true is more useful (preserving the organism)—but not in itself more pleasant
Enough, right at the beginning we find the organism as a whole, with “purposes,” speaking—thus valuing
25 [373]
the delicious taste of a dish is the result of its wholesomeness!
25 [374]
To what extent man is an actor.
Let us assume that the individual human being is given a role to play: he gradually grows into it. He eventually acquires the judgments, tastes, inclinations that suit his role, even the usual measure of intellect granted for it:—
— once as a child, youth, etc., then the role that belongs to gender, then that of social position, then that of office, then that of his works —
But if life gives him the opportunity to change, he also plays a different role. And often, within one person, the roles differ from day to day, e.g., the Sunday Englishman and the weekday Englishman. In one day, we are very different as waking and sleeping beings.And in dreams we perhaps recover from the fatigue that the day's role imposes on us—and cast ourselves into other roles.
To carry out the role means to have will, concentration, and attention: even more so, negatively—to ward off what does not belong, the encroaching flood of different feelings and stimuli, and—to act in accordance with the role and especially interpret it.
The role is a result of the external world upon us, to which we attune our "person," like tuning strings for a performance. A simplification, a meaning, a purpose. We have the affects and desires of our role—that is, we emphasize those that fit and let them show.
always, of course, à peu près.
Man, an actor.
25 [375]
We have many types within us. We coordinate our inner stimuli as well as the outer ones into an image or a sequence of images: as artists.
The superficiality of our types, as of our judgments, concepts, images.
25 [376]
The space when smoking hashish is much more expansive because much more is seen in the same period of time than usual. Dependence of the sense of space on time.
25 [377]
One must find “recognize in itself” just as contradictory as “first” cause and as “thing in itself.”
The cognitive apparatus as a reduction apparatus: as a reduction apparatus in every sense. As a means of the nutritional apparatus.
25 [378]
The instincts as judgments based on earlier experiences: not from pleasure and displeasure experiences: for pleasure is only the form of an instinctive judgment (a feeling of increased power or: as if power had increased) Before the feelings of pleasure and displeasure, there are feelings of strength and weakness in the whole.
25 [379]
As an imitating animal, man is superficial: the appearance of things suffices for him, as with his instincts. He accepts judgments, that belongs to the oldest need, to play a role.
Development of mimicry among humans, by virtue of his weakness. The herd animal plays a role that is commanded to him.
25 [380]
Wanting is commanding, something rare therefore, poorly inherited.
25 [381]
Strong will explainable in cold people and weak will in hot ones. The astonishing thing is: a glowing affect and a cold clear head and will.
25 [382]
The danger of man lies in where his strength is: he is incredibly skilled at preserving himself, even in the most unhappy situations. (This includes even the religions of the poor and unhappy, etc.) Thus the misbegotten preserve themselves much longer and worsen the race: which is why man, compared to the animals, is the most sickly animal. In the great course of history, however, the fundamental law must break through and the best must come to victory: provided that man seeks with the greatest will to enforce the rule of the best.
25 [383]
I allow only those who are well-formed to philosophize about life. But there are misformed people and peoples: their mouths must be stopped. One must put an end to Christianity—it is the greatest blasphemy on earth and earthly life that has ever existed—one must stop the mouths of misformed people and peoples.
One must put an end to Christianity—it was and is the greatest blasphemy on earth and earthly life that has ever existed—
25 [384]
Seen from afar: Schopenhauer’s philosophy makes it clear that things are unspeakably more stupid than one believes. This contains a progress of insight.
25 [385]
Our belief in the body, our feelings of pleasure and pain and the like must be upheld: one must not attempt to overthrow them here. The contradiction of some logicians and religious people has not freed them from it—it does not come into consideration. The condemnation of the body as a sign of a failed mixture as well as the condemnation of life: signs of the defeated.
25 [386]
On the origin of art. The ability to lie and dissemble developed longest: feeling of security and intellectual superiority in the deceiver. Admiration of the listener: in the storyteller, as if he had been there. Likewise, the listener’s security in knowing that it is deception and that this dangerous art is not practiced to his detriment. Admiration of human assistance.— In the poet, frequent alienation of his person: he feels “transformed.” Similarly in the dancer and actor, with nervous crises, hallucinations, etc. Artists still deceptive and childlike. Inability to distinguish between “true” and “appearance.”
25 [387]
On the origin of religion. A multitude of hallucinations and all possible hysteria, not only “diabolical.” The visibility of the gods is a prerequisite. The founders of religions feel themselves blessed through convulsions, amnesia, loss of will.
25 [388]
The belief in the terribleness of the “After Death” is ancient and the foundation of Christianity. The poor associations with their “brotherly love” the other foundation. The desire for revenge against everything that had power, the third.— A popular form of the stoic sage, who is happy in the greatest “misfortune”: the sudden healings of hysterics, the painlessness in wounds — —
25 [389]
Will—a commanding: but if an unconscious act underlies this conscious act, we need only imagine this to be effective. But in the case of a command to an obedient person? The word of command does not act as a word, not as a sound, but as that which is hidden behind the sound: and by virtue of this action something is transmitted. But the reduction of sounds to “vibrations” is only the expression of the same phenomenon for another sense—not an “explanation.” Behind the “visible” vibration, the actual process is again concealed.
The science is intent on interpreting the same phenomena through different senses and reducing everything to the clearest sense, the optical one. Thus we come to know the senses—the darker is illuminated by the brighter.
The movements of molecules are a consequence of the sense of sight and the sense of touch.— We refine the senses—we explain nothing. Behind every “will” “feeling” we presuppose a movement process that would be the same for the eye.
25 [390]
The pain: not the stimulus as such, but first made into pain in the intellect. One must imagine it growing through inheritance—a sum of many judgments: “this is dangerous, brings death, requires defense, greatest attention,” a command “away from it! beware!” a great sudden shock as result.
25 [391]
Physical pain is only the consequence of a mental pain: but this: suddenness, fear, readiness to fight, a multitude of judgments and acts of will and affects concentrated in one moment, felt and projected as a great shock and in sum as pain at the site.
Affects of all kinds, whose judgments and the resulting acts of will are one in the moment of pain: the attitudes of defense immediately present with the pain. Consequence of a great nerve-shock (of the center): which resonates for a long time.
25 [392]
Transformation of all processes into optical phenomena: and finally again of these phenomena into pure conceptual and numerical phenomena.
This is the course in history: one believes to understand, when one wills: when one feels: when one sees: when one hears: when one translates it into concepts: when one translates it into numbers and formulas.
| “All is will” | “All wills” |
| “Everything is pleasure or displeasure” | “Everything suffers” |
| “Everything is movement” | “Everything flows” |
| “Everything is sound” | “Everything sounds” |
| “Everything is spirit” | “Everything is spirit” |
| “Everything is number” | “Everything is number” |
Thus: the transformation of all processes into our known world, in short: into us—that is what has so far been called “knowledge.”
25 [393]
To represent the human as a boundary.
25 [394]
The value of atomism is: to find language and means of expression for our laws.
25 [395]
The science of nature is “knowledge of man” with regard to the most general capacities of man.
25 [396]
The past is for each of us a different one: insofar as he draws a line through it, a simplification (as with means and ends).
25 [397]
Valuations arise from what we believe to be our conditions of existence: if our conditions of existence or our beliefs in them change, then so do the valuations.
25 [398]
Preservation of the community (the people) is my correction instead of “preservation of the species.”
25 [399]
Fear of death is perhaps older than pleasure and pain, and the cause of pain.
25 [400]
Pain—a premonition of the consequences of a wound, which brings with it a feeling of diminished strength?— No, a shock.
25 [401]
From hashish consumption and from dreaming, one knows that the speed of mental processes is enormous. Apparently, the greatest part of it is spared us without becoming conscious.
There must be a quantity of consciousness and will in every complicated organic being: our highest consciousness usually keeps the others closed. The smallest organic creature must have consciousness and will.
25 [402]
The most violent stimulus is not in itself pain: rather, in that shock which we feel, the nervous center is diseased, and that first projects the pain to the site of the stimulus. This projection is a protective and defensive measure. In the shock are a multitude of affects: assault, fear, resistance, anger, rage, caution, reflection on safety measures—the movements of the whole body result from this. Pain is a profound emotional disturbance, with an immense number of thoughts all at once; an illness through loss of equilibrium and momentary overwhelming of the will.
25 [403]
I assume memory and a kind of spirit in all organic beings: the apparatus is so fine that it for us seems not to exist. The folly of Haeckel, to equate two embryos as identical!
One must not be deceived by the smallness—the organic not originated.
25 [404]
What qualities one must have to do without God—what qualities to have “the religion of the cross”? Courage, strictness of mind, pride, independence and hardness, no brooding, decisiveness, etc. By means of a regression, Christianity always triumphs again.— Certain circumstances of the time must be favorable.
25 [405]
Regulative Prerequisites.
| 1. | The Dispensability of God. | |
| 2. | Against the Comforters and Cross-Comforts. | |
| 3. | The Conscious as Superficial. | |
| 4. | Critique of the Good People. | |
| 5. | Critique of the Geniuses. | |
| 6. | Critique of the Founders of Religions. | |
| 7. | Critique of the Powerful. | |
| 8. | The Races and Colonization. | |
| 9. | The Sexual Drive. | |
| 10. | Slavery. | |
| 11. | Critique of Greek Culture. | |
| 12. | Spirit of Music. | |
| 13. | Spirit of Revolution. | |
| 14. | Earthly Government. | |
| 15. | Festivals. | |
| 16. | Compassion. | |
| 17. | Punishment, Reward, Payment. |
My task: to compel humanity to make decisions, that will determine all future!
Highest patience—caution—to show the type of people who may set themselves this task!
25 [406]
Our derivation of the sense of time etc. assumes time to be absolute.
25 [407]
All our religions and philosophies are symptoms of our bodily condition:—that Christianity came to victory was the consequence of a general feeling of displeasure and a mixing of races (i.e., a through- and against-one-another in the organism)
25 [408]
Awe of the instincts, drives, desires, in short everything whose ground one does not fully comprehend! There are forces that are stronger than everything that can be formulated in man. But equally fear and distrust of all this, because it is the legacy of very differently valued times and people that we carry around within us!
— that the highest power, as mastery over opposites, provides the measure:—
the human body is a far more perfect creation than any system of thought and feeling, indeed much higher than a work of art — —
25 [409]
— the artwork as a testimony to our pleasure in simplification, in the carrying-away through concentration under one law
— the intellect an abstraction apparatus
— memory: everything we have experienced lives: it is processed, organized, incorporated.
25 [410]
Development of Cruelty: Joy in the Sight of the Suffering—also assumed in bloody cults as Gods' joy (self-mutilation).
the sight of suffering arouses compassion, and the triumph of the powerful, healthy, secure enjoys itself as pleasure in this own suffering—we are strong enough to be able to hurt ourselves! The life-secure therefore enjoy the tragedy (perhaps among the Greeks the belief in recurrence? as a counterweight)
25 [411]
Difference between lower and higher functions: hierarchy of organs and drives, represented by commanding and obeying.
Task of ethics: the value differences as a physiological hierarchy of “higher” and “lower” (“more important, essential, indispensable, irreplaceable,” etc.)
25 [412]
The hidden intentions among philosophers, e.g., to highlight the apparent nature of the world (Brahmins, Eleatics, Kant): some dissatisfaction of a moral nature, as something deceptive: a value judgment.— For someone very presumptuous, even the appearance itself could be delightful.
25 [413]
The consolations of the hereafter have the value of preserving many who live with difficulty and hardship: to propagate the misfits: which (as with race mixtures) can be valuable in itself, because one day a race will become pure.
The entire inner conflict of feelings, the consciousness of overpowering drives, the weakness before the external world—these are very frequent facts, but the character of life brings it about that the most numerous specimens turn out badly. How, then, have those who suffer in themselves made life acceptable?
Hope
Reviling of life
Reviling of man—of oneself
Resistance against a kind of man as the cause of distress
Making suffering less: anaesthetics.
Not suffering at all: ecstasies, festivals.
Giving vent to one's pain, orgy of sorrow
25 [414]
How dearly they make themselves paid for the fact that they revere!
25 [415]
I collect all kinds of signs of world-weariness: and their motives:
the broken
the self-dissolving
the unsuccessful, etc.
how sorrow turns evil: it spoils the music
25 [416]
With the end of his life—R W crossed out: unwillingly he admitted that he despaired and prostrated himself before Christianity.
A vanquished one!— That is a blessing: for what confusion would his ideal have otherwise produced! The stance toward Christianity decided me—simultaneously about all Schopenh and pessimism.
W is entirely right when he throws himself in the dust before every profound Christian: he truly stands much lower than such natures!— Only he should not allow himself to drag the higher natures superior to him down to his attitude!
His intellect, without rigor and discipline, was enslaved to Sch: good!
25 [417]
“The public! the public! How many fools does it take to make a public?”
25 [418]
Ducis said “all our happiness is but a misfortune more or less consoled.”
25 [419]
I want to say something about the prophets and Psalms and Job: and the New Testament.
— about Beethoven dependent on Rousseau's feeling—its fading away.
— about the hierarchy, e.g., Montaigne in relation to Luther
— the magnificent French as noble people
— about Napoleon and his influence on the 19th century.
— about R W. Conclusion a vae victis! People of this kind do right to humble themselves before the cross.
— the Goncourt brothers, Mérimée, Stendhal.
— a founder of religion can be insignificant, a match, nothing more!
— the Arabs in Spain, the Provençals: bright spots
— also in favor of Louis XIV and Corneille’s
— La Rochefoucauld
— whoever looks at the masses always has the impression of nonsense, of the botched: like Z in the sight of the people!
— the symptoms of religious affect (Salvation Army) (religious ecstasy)
— the neuroses of creative actors, related to the hysterical
— all very rich, disordered M acquire a moral character through the influence of the woman they love
— only through contact with a woman do many great men find their great path: they see their image in the magnifying and simplifying mirror.
— there are many successful individuals!
— the Corsicans and Spaniards splendid masculinity.
— a history of the German movement
— all true Germans went abroad; present-day Germany is a pre-Slavic station and paves the way for pan-Slavic Europe.
— barracks depression
— Louis XIV and in contrast the Renaissance!
— the noble illusions of which a people like the French are capable, e.g., before Napoleon—this characterizes! And the Germans—Skepticism!
— eroticism and enthusiasm for the cross side by side
25 [420]
The belief in the pleasure of moderation has been lacking so far—this pleasure of the rider on a fiery steed! .
— Confusing the moderation of weak natures with the moderation of the strong!
25 [421]
— The nonsense in motherly love. All love, where insight is not correspondingly great, causes harm.
25 [422]
— Women under guardianship. Property.
— Advantage of female education in the previous century among the French. Madame Roland as the silly “citizeness,” in whom vanity eclipses in a vulgar feminine manner.
25 [423]
— trust in the world order (“in God”) as an expression of noble feelings
— the credulity of the previous century. Ducis. Tenderness, momentum, delicacy—Beethoven.
— Mozart urban-social-courtly—: Haydn rural, perhaps Gypsy blood (black) “Heathen” (paganus)?
25 [424]
Long “does the comprehensibility of things lie in the fact that one fundamentally makes only mediocre use of one’s reason?”—against the Bayreuth circle.
25 [425]
— The commonality of our sensory judgments is also the starting point for our moral and aesthetic valuations.
25 [426]
— Fundamental problem of “ethics.”
Causing pain and pleasure: sympathizing, hurting—all this already presupposes a valuation of pain and pleasure. “Useful,” “harmful” are higher concepts: it may be that I must hurt (and “do good in a bad way”!) in order to be useful. Even in a broader sense: it could be that I need all of immorality to be useful in the grand sense.
But what is more original, pleasure and pain—or “useful and harmful”?
Is perhaps all sensation of pain and pleasure merely an effect of the judgment “useful, harmful” (habitual, secure, unthreatening, familiar, etc.)?
In the judgment of certain things, we see disgust disappear: the harmony of tones originally without pleasure.
The enjoyment of lines is often incomprehensible. The enjoyment of formulas, of dialectical movements, arises only later.But if pleasure and displeasure are merely results of valuations, then the origins of valuation do not lie in sensations. The judgments of “higher” and “lower” functions must already exist in all organic formations, long before any sensations of pleasure and displeasure.
The hierarchy is the first result of valuation: in the relationship of organs to one another, all virtues must already be practiced—obedience, diligence, assistance, vigilance—there is a complete absence of the machine-like character in all organic life (self-regulation).
25 [427]
NB. the principle of preservation of the individual (or “fear of death”) is not to be derived from pleasure and displeasure sensations, but rather something directing, a valuation that already underlies all feelings of pleasure and displeasure.
— This applies even more to the “preservation of the species”: but this is only a consequence of the law of “preservation of the individual,” not an original law.
— Preservation of the individual: i.e., assuming that a plurality with the most manifold activities wants to “preserve” itself, not as self-identical, but “alive”—dominating—obeying—nourishing itself—growing—
All our mechanical laws are from us, not from things! We construct the “things” according to them.
The synthesis “thing” originates from us: all properties of the thing from us. “Effect and cause” is a generalization of our feeling and judgment.
All the functions that bring about the preservation of the organism have alone been able to preserve and propagate themselves.
The intellectual activities have alone been able to preserve themselves, which preserved the organism; and in the struggle of organisms, these intellectual activities have always become strengthened and refined, i.e.
NB.— the struggle as the origin of logical functions. The creature that could most strongly regulate, discipline, judge itself—with the greatest excitability and even greater self-control—has always remained.
25 [428]
Principle: that which in the struggle with the animals won man his victory has at the same time brought about the difficult and dangerous pathological development of man. He is the not yet fixed animal.
25 [429]
What “virtues” has the struggle of animals bred?
(Obedience in the herd—courage, initiative, insight in the leaders.)
25 [430]
The hierarchy has been established through the victory of the stronger and the indispensability of the weaker for the stronger and of the stronger for the weaker—separate functions arise: for obeying is just as much a self-preservation function as, for the stronger being, commanding.
25 [431]
Is there "compassion" in the human organism, between the various organs? Certainly, to the highest degree. A strong resonance and spreading of pain: a propagation of pain, but not of the same pain. (But the same applies to individuals among themselves!)
25 [432]
We can grasp everything that is necessary to preserve the organism as a “moral demand”: there is a “You shall” for the individual organs, which comes to them from the commanding organ. There is disobedience of the organs, weaknesses of will and character in the stomach, for example.
— Is there not a mechanical necessity at work here? Much is commanded that cannot be fully performed (because the strength is too weak), but often the utmost exertion of the stomach, for example, to complete its task—a summoning of will, as we know it in ourselves when facing difficult tasks. The effort and its degree cannot be understood from conscious motives: is obedience in the organ not a mechanism at play?
25 [433]
The “Higher” and “Lower,” the selecting of the more important, useful, urgent, already exists in the lowest organisms. “Alive”: i.e., already valuing: —
In all will there is valuing—and will is present in the organic.
25 [434]
The entire existing world is also a product of our valuations—and indeed of those that have remained the same. —
25 [435]
The high people: the necessity of misunderstanding, the general intrusiveness of people today, their belief that they are entitled to have a say about every great person. Reverence
— the foolish talk about genius etc. The feeling of unconditional superiority, the disgust at prostration and slavery. What can be made of a person: that concerns him. The breadth of his vision
25 [436]
(not of causes of willing, but of stimuli of willing one should speak)
Willing d commanding: commanding, however, is a specific affect (this affect is a sudden explosion of power)—tense, clear, exclusively one thing in view, innermost conviction of superiority, certainty that one will be obeyed—“freedom of the will” is the “superiority-feeling of the commander” with regard to the one who obeys: “I am free, and he must obey.”
Now you say: the commander himself must
25 [437]
The morals of Kant and Schopenhauer, without realizing it, already assume a moral canon: the equality of people, and that what is moral for one must also be moral for the other. But this is already the consequence of a morality, perhaps a very questionable one.
Similarly, the rejection of egoism already presupposes a moral canon: why is it rejected? Because it is felt to be reprehensible. But this is already the effect of a morality, and not a very well-considered one!
— And that one wants a morality already presupposes a moral canon! One should have reverence for this embodied morality of self-preservation!It is by far the finest system of morality!
The actual morality of man in the life of his body is a hundred times greater and finer than all conceptual moralizing ever was. The many "Thou shalt," which continually work within us! The considerations between commanders and obeyers! The knowledge of higher and lower functions!
The attempt to grasp everything that appears purposeful as the solely life-preserving and therefore solely preserved — —
Just as purpose relates to the actual process, so does moral judgment relate to the actual more manifold and finer judgments of the organism—only an offshoot and concluding act thereof.
25 [438]
1) We want to hold fast to our senses and believe in them—and think them through to the end! The absurdity of previous philosophy as the greatest absurdity of mankind.
2) the existing world, on which all earthly life has built, that it appears (enduring and slowly moving) we want to continue building—not but to criticize away as false!
3) our valuations build upon it, they emphasize and underscore.
What does it mean when entire religions say: "everything is bad and wrong and evil!" This condemnation of the whole process can only be a judgment of the failed!4) of course, the failed could be the most suffering and finest? The satisfied could be of little worth?
5) one must understand the fundamental artistic phenomenon that is called life—the building spirit, which builds under the most unfavorable circumstances: in the slowest way, the proof for all its combinations must first be given anew: it preserves itself.
25 [439]
Above all: without haste! Slowly! first secure the conquest! Following the example of Russia! And be in good spirits at every station!
25 [440]
The sight of the masses and the teachers of the masses darkens! —
25 [441]
Why has ethics lagged behind the most? Because even the last famous systems are naiveties! The same goes for the Greeks! The Christian teachings on sin have become obsolete due to the fall of God.
— our actions measured against our model! But that we have a model and such a one is already a consequence of a morality.
— the Jew who measured himself against his God—this had in the background the will to despise himself and to throw himself at his mercy. — Even Jesus resisted being called good. “No one is good except God,” he said. That no one could accuse him of sin is something else: this proves nothing against the criticism before his conscience. A person who feels absolutely good must be mentally an idiot.
— this throwing oneself on mercy is in Christianity oriental: not noble!
— the slavishness in the present-day Jews, also in the Germans —
— This equating-oneself, in compassion, is already the consequence of a moral judgment: not a fundamental phenomenon and not universal: moreover, it is different in the soul of the herd-being than in the soul of the powerful: actually only a feeling among equals—: for the inferior, the suffering superior is a reason for well-being and superiority.
— “the philosophical as well as the religious systems agree that the ethical significance of actions must at the same time be a metaphysical one” etc.
etc. Schopenhauer, *Gr. der Moral* p. 261. Pericles before death: thoughts take a moral direction.Now, in the case of Pericles: he considers his obituary among his citizens. The student of Anaxagoras was a freethinker.— It is obvious that, since these systems believe in the life of the soul, they prompt a judgment on the value of the life lived at the moment of death:—what kind of future life will we have?
Reward for the good and punishment for the wicked in the afterlife was the disciplinary measure that religions employed, a kind of completion of the world-order, a balance against the facts.
25 [442]
The character of a good person "in themselves": "that they make less of a distinction between themselves and others than the rest do" Schopenhauer 1. c. 265.
25 [443]
Previous ethicists have no idea how they stand under very specific moral prejudices: they all believe they already know what is good and evil.
Socrates did not know it: but all his students defined it, i.e., they assumed it exists, and that the task was to describe it thoroughly. What! If I said: does it even exist? Has anyone considered by what standard to measure here? And on the other hand: perhaps we do not know enough at all to assess the value of actions! Enough that we live tentatively by one morality for long periods!
25 [444]
How much do we grieve over sufferings that we have not endured, but caused! But it is inevitable; and we are not dissatisfied with ourselves because of it, except in states of weakness and distrust in our right to do so!
25 [445]
Previous course of philosophy: one wanted to explain the world from what is clear to us—where we ourselves believe to understand. So either from the spirit or the soul, or the will, or as representation, appearance, image, or from the eye (as optical phenomenon, atoms, movements) or body, or from purposes, or from push and pull i.e. our sense of touch. Or from our value judgments, as God of goodness justice etc., or from our aesthetic value judgments.
Enough, even science does what man has always done: to use something of himself, which he considers understandable, as true, to explain everything else—humanization in sum. The great synthesis is still missing, and even the individual work is still entirely in the making, e.g., the reduction of the world to optical phenomena (atoms). We project man into it—that is all, we continually create this humanized world. These are attempts to determine which method has the most explanatory power (e.g., mechanical)25 [446]
Not to be angry with someone who harms us, because everything is necessary—that would already be a consequence of a morality: which would say “you shall not rebel against the necessary.”— It is unreasonable: but who says: “You shall be reasonable! ”
25 [447]
Honesty, as a consequence of long moral habits: the self-criticism of morality is at the same time a moral phenomenon, an event of morality.
25 [448]
The method of mechanical worldview is by far the most honest for the time being: the goodwill toward everything that can be controlled, all logical control functions, everything that does not lie and deceive, is active there.
25 [449]
The provisional truths.
There is something childish or even a kind of deception when a thinker now presents a whole of knowledge, a system—we are too clever not to carry the deepest doubt about the possibility of such a whole within us. It is enough if we agree on a whole of methodological presuppositions—on provisional truths by whose guidance we wish to work: just as the sailor on the world's seas maintains a certain direction
25 [450]
What is best developed in man is his will to power—whereby a European need not be deceived by a few millennia of a fabricated, self-deceptive Christianity.
25 [451]
Philosophy as love of wisdom. Upward to the wise as the most blessed, most powerful, who justifies and wills all becoming anew.
— not love for people or gods, or for truth, but love for a state, a spiritual and sensual feeling of perfection: an affirmation and approval from an overflowing feeling of creative power. The great distinction.
real love!
25 [452]
Commands “so shall you value!” are the beginnings of all moral judgments—a higher, stronger one commands and proclaims his feeling as law for others.
From utility alone, one could not derive reverence. First, people were revered: belief in gods comes to the fore when man appears less and less “worthy of reverence”—thus belief in “ancestors” or in the decisions of former judges.
25 [453]
Zarathustra in the 2nd part as Judge
the grand form and revelation of Justice, which shapes, builds, and consequently must destroy (discovering itself, surprised, suddenly recognizing the essence of the Judge)
Mockery in contrast: “smash the Good and the Just”—screams the woman who murders him
25 [454]
“Man is something that must be overcome”—it depends on the tempo: the Greeks admirable: without haste,
— my ancestors Heraclit Empedocles Spinoza Goethe
25 [455]
| A) | There are moral value judgments. Criticism: where? for how long? where are there others? will there be more? | |||
| B) | Explanation of the origin of these value judgments. Tracing back to other values. Values and physiological importance, etc. Praise, blame (fame) Powerful slaves | |||
| C) | Criticism of these value judgments.Contradictions. where do I take the criticism from? Be careful not to take it from morality again. “Useful” Suppose one took it from morality itself, proof that they are short-sighted. The fundamental prejudices and what all is overlooked. | |||
| D) | the problem is only posed. So far a kind of astrology—of the belief that cosmic events are closely related to us. The moral philosophers themselves are symptoms. Self-destruction of morality. |
25 [456]
NB. “I do not need any of this: but I accept it as a gift. I consecrate it as the receiver”—thus Zarathustra on many goods of life.
25 [457]
We want to be heirs of all previous morality: and not start anew. Our entire doing is only morality, which turns against its previous form.
25 [458]
“Can you swear? are you certain enough to do so?” asks Zarathustra.
25 [459]
The principle by which man has become master over the animals will also be the principle that determines "the highest man": power, cunning, patience, agreement, severity, warrior-affects.
25 [460]
All valuations are results of certain quantities of power and the degree of consciousness thereof: they are the perspective laws according to the nature of a person and people—what is near, important, necessary, etc.
All human drives, like all animal ones, have under certain circumstances been developed and brought to the forefront as conditions of existence. Drives are the aftereffects of long-held valuations that now act instinctively, like a system of pleasure and pain judgments. First compulsion, then habit, then need, then natural inclination (drive)
25 [461]
The feeling—a sequence of valuations. Sensorium commune
25 [462]
Because we are the heirs of generations of humans who have lived under the most diverse conditions of existence, we contain within us a multiplicity of instincts. Anyone who presents themselves as "truthful" is probably a fool or a fraud.
The diversity of animal characters: on average, a character is the result of an environment—a firmly imprinted role, by virtue of which certain facts are repeatedly emphasized and strengthened. Over time, this gives rise to race: that is, assuming the environment does not change.
In the change of milieu, there is an emergence of the most useful and applicable properties everywhere—or a perishing. It manifests as assimilative power even in unfavorable conditions, but also as tension, caution; beauty is lacking in form.
The European as such a super-race. Likewise the Jew; ultimately, it is a dominant type, though very different from the simple ancient ruling races that had not altered their surroundings.
Everywhere it begins with compulsion (when a people enters a landscape). Nature, the seasons, heat and cold, etc.—all of this is initially a tyrannizing element. Gradually, the feeling of being compelled recedes—
25 [463]
We have been beings that create shapes long before we created concepts. The concept only emerged from sound when one many images were combined into a single sound: thus, with hearing, the optical inner phenomena were categorized.
25 [464]
NB. The terms “good” etc. are taken from the effects exerted by “good people”:—
— even in self-assessment. —
25 [465]
The human being unrecognized, the action unrecognized. If nevertheless people and actions are talked about as if they were recognized, it is because certain roles have been agreed upon which almost anyone can play.
25 [466]
The development of rapacity
| of lying and deceit of cruelty of the sexual drive of mistrust of hardness of the lust for power | into highly valued things |
— on the other hand, the change in the valuation of evil qualities, once they are conditions of existence.
perhaps reduction of all desires to hunger.
25 [467]
Vivisection—that is the starting point! It is now dawning on many that it hurts some beings when knowledge is to be gained!! As if it had ever been different! And what pains!! Cowardly, soft-hearted rabble!
25 [468]
Starting point: it is obvious that our strongest and most habitual judgments have the longest past, thus having originated and become fixed in ignorant ages—that everything we believe most firmly is probably believed precisely for the worst reasons: people have always taken it easy with “proving” from experience, just as there are still people today who presume to “prove” the goodness of God from experience.
25 [469]
“To-sit-in-judgment.”
Of all judgments, the judgment on the value of people is the most popular and practiced—the realm of the greatest foolishness. To impose a halt here, until it is regarded as a filthiness, like the exposure of the genitals—that is my task. All the more so as it is the time of universal suffrage. One should pledge to doubt and distrust oneself here for a long time, not “in the goodness of man” but in his right to say “This is goodness!”
25 [470]
“The sense for truth” must, if the morality of “Thou shalt not lie” is rejected, legitimize itself before another forum. As a means of preserving man, as will to power.
— likewise our love of the beautiful is also the shaping will. Both senses stand together—the sense for the real is the means to gain power in order to shape things according to our will. The pleasure in shaping and reshaping—an original pleasure! We can only comprehend a world that we ourselves have made.
25 [471]
Approving of our limitedness of knowing—the advantages therein: much courage and joy are possible. The sighing and Pascalian skepticism are bad blood.
— Christianity as the effect of degenerate bad blood
25 [472]
bonus =: the Shining, Emerging?
malus man-lus (Manlius) = the Mad?
evil cf. bass the Strong?
good Gothe (Gott) “the Divine” original designation of the noble Goths.
(or gobt the Giver? like optimus?) is the Gott called the Good (optimus) or the Good called divine?
optimus op- the Giving?
25 [473]
Archimedes discovering a fundamental law of hydraulics while bathing
Goethe: “my entire inner activity proved to be a living heuristic, which, recognizing an unknown, suspected rule, seeks to find it in the external world and—strives to introduce it into the external world.”
25 [474]
The Pharisees did right to condemn Jesus. Likewise the Athenians.
25 [475]
Goethe. “Everyone suffers who does not enjoy for themselves. One acts for others, in order to enjoy with others.”
25 [476]
Goethe's explanation of the “German spirit” “tolerance of weaknesses, others' and one's own.”
25 [477]
Those who stand as I do lose, to quote Goethe, “one of the greatest human rights, no longer to be judged by one’s peers.”
25 [478]
“The championship is often considered selfishness” Goethe.
25 [479]
Vellejus Paterculus I 9,3 a man to be praised to the extent that virtue can be understood.
25 [480]
Goethe: “we are all so narrow-minded that we always believe we are right; and so one can imagine an extraordinary mind that not only errs but even takes pleasure in error.”
25 [481]
He who does nothing, makes no mistakes "does not err."
25 [482]
“Great minds think alike.”
25 [483]
Moral value judgments are rather bold value assignments—and value denials—at bottom a very poor performance of the faculty of judgment.
25 [484]
The Paths of Freedom.
— Cutting off one's past (against fatherland, faith, parents, comrades
— Associating with the Outcasts of all kinds (in history and society)
— Overthrowing the most revered, affirming the most forbidden—Schadenfreude on a grand scale instead of reverence
— Committing all crimes
— Attempting new evaluations
Justice as a constructive, discriminating, destructive way of thinking, arising from valuations: highest representative of life itself.
Wisdom and its relation to Power: someday it will be more influential—so far, error, the rabble's valuations have been too great even in the wise!
25 [485]
To distinguish between what is successful and what is unsuccessful, the body is the best advisor, at least it is the best to study.
25 [486]
The various moral judgments have so far not been traced back to the existence of the species “human”: but rather to the existence of “people” “races” etc.— and indeed of peoples who wanted to assert themselves against other peoples, of classes who wanted to sharply distinguish themselves from lower strata.
25 [487]
One should allow everyone the question: is my existence, weighed against my non-existence, a thing that can be justified?
25 [488]
Basic insight: the “good” and the “bad” qualities are fundamentally the same—are based on the same drives of self-preservation, appropriation, selection, intention to reproduce, etc.
25 [489]
The wise man and the arts. (He has them all within himself)
The wise man and politics.
The wise man and education.
The wise man and the sexes.
— as a being whose influence is felt late. Independent, patient, ironic—
25 [490]
Wisdom and Love of Wisdom.
Pointers to a Philosophy of the Future.
By
Friedrich Nietzsche
25 [491]
The necessary concealment of the wise: their awareness of not being understood at all costs, their Machiavellianism, their coldness toward the present.
— the absolute incompatibility of wisdom with the “welfare of the masses”: “freedom of the press,” “public education”—all of this is only compatible with the crudest deception about the character of wisdom. It is the most dangerous thing in the world!
— naturally, I consider a marriage without any sanction to be the only one justified for the wise. It is a comedy if they present themselves differently, which may be advisable under certain circumstances, e.g.
B. Goethe.— Principle that all conditions are arranged to make it impossible: reverence for the wise is undermined by religions, by universal suffrage, by the sciences! One must first teach that these religions are the concern of the rabble compared to wisdom! One must destroy the existing religions, only to eliminate these absurd valuations, as if a Jesus Christ could even be considered alongside a Plato, or a Luther alongside a Montaigne!
25 [492]
Of the rank-order.
Where “moral” judgment is made, I hear the hostile instincts, aversions, wounded vanities, jealousy choosing words—it is a masquerade in words—
— I found it impossible to teach “truth” where the way of thinking is low.
Future age of great wars. The distrust of permanence. The bribing of all parties and interested parties, the use of all bad means
25 [493]
— only love shall judge— —Refrain
the creative love that forgets itself over its works —
25 [494]
To demonstrate that some people must step aside
25 [495]
We call a property in an animal "evil" and yet find its condition of existence in it! For the animal it is its "good"—it is healthy and strong in it, as a sign of it!— So: something is called "good" and "evil" in relation to us, not to itself! i.e., the basis of "good" and "evil" is egoistic.
But the egoism of the herd!
Everything useful is necessarily also harmful, in relation to other things. "A good person"—that is one side considered. Judged from a distance, it is a herd-person, weak, and easily deceived and destroyed, also spiritually obedient, not creative.
25 [496]
Prostrating oneself before what one does not have, when one feels bad about everything that one has, e.g., Wagner: he believes in the happiness of unlimited devotion, of unlimited trust, the happiness of the compassionate, of the chaste—All of this he does not know from experience! Hence the fantasy!
25 [497]
The bad manner of venerating, for example Shakespeare and Beethoven, to prepare the thought, he is the union of both.
25 [498]
It has made me freer—every deep defamation, every misjudgment: I want less and less from people: I can give them more and more. Cutting each individual bond is hard, but a wing grows in place of the bond.
— unconditionally in my right: compassion is my weakness, which I overcome. It is good when the most abhorrent abuse of my sympathy and my leniency finally teaches me that I have nothing to do here.
25 [499]
— the “transformation” of a person through a dominant idea is the psychological archetype upon which Christianity is built; it sees in it “a miracle.” We
I do not believe at all that a person suddenly becomes a highly valuable person; the Christian is to me a perfectly ordinary person with a few different words and valuations. In the long run, these words and deeds certainly have an effect and perhaps create a type: the Christian as the most dishonest kind of person.
That he speaks morally corrupts him through and through: see Luther. A hideous sight, soft-sentimental, fearful, excitedly comical! how the "sense of truth" awakens and immediately falls asleep again!— I separate myself from every philosophy by asking: "good?" "for what!" and "good?" why do you call it that?
Christianity has accepted "good" and "evil" and created nothing here.
25 [500]
Wisdom
and Love of Wisdom
Prolegomena to a Philosophy of the Future.
By
Friedrich Nietzsche.
Amor fati.
25 [501]
Cold, cunning, lustful, malicious—almost all of a philosopher's procedures can be traced back to character flaws
25 [502]
It happens that I value and honor a selfless person: not because they are selfless, but only because they seem to have the right to benefit another person at their own expense: and in one who is made to be a master, self-denial and selflessness always raises the question, who it is and who the other is. The unconditional inclination toward selflessness would only serve as a sign of herd nature to us
25 [503]
From the highest level of morality: it turns its gaze against itself, tentatively.
25 [504]
The love of wisdom.
The Misfits and Blood-Corrupted. (Against Christianity)
The Wise, and the Goods of Life.
25 [505]
This perspectival world, this world for the eye, touch, and ear is very false, even when compared to a much finer sensory apparatus. But its comprehensibility, clarity, its practicality, its beauty begins to cease when we refine our senses: likewise, beauty ceases when contemplating the processes of history; the order of purpose is already an illusion. Enough, the more superficial and coarsely summarized, the more valuable, definite, beautiful, meaningful the world appears.The deeper one looks, the more our appreciation of value disappears—the meaninglessness approaches! We have created the world that has value! Recognizing this, we also recognize that the veneration of truth is already the consequence of an illusion—and that one should value more than it the formative, simplifying, shaping, inventing power—what God was
“Everything is false! Everything is permitted!”
Only with a certain dullness of vision, a will to simplicity, does the “Beautiful,” the “Valuable” emerge: in itself, it is, I don’t know what.
25 [506]
Is the inclination towards truth really the meaning of the good person? what kind of thorough dishonesty is required, for example, to create the New Testament!
25 [507]
All physics is only symptomatology.
25 [508]
It is impossible to prove the existence of individuals. There is nothing fixed about the "personality".
25 [509]
It would be possible to explain our "world" from "false assumptions." Everything is only perspectival, only in regard to the preservation of small organic beings.
25 [510]
“The good person” a dangerous thing, a sign of exhaustion—fading egoism.
25 [511]
Marcus Aurelius' Meditations are a strange book for me.
25 [512]
The religious affect is the most interesting disease to which man has so far succumbed. Its study makes healthy people almost boring and repulsive.
25 [513]
One must deny Being.
25 [514]
The emergence of memory is the problem of the organic. How is memory possible?
The affects are symptoms of the formation of memory material—continuous survival and interaction.
25 [515]
To what extent one can live on the basis of hypotheses, as it were, sail out onto unlimited seas, instead of on “faith” is the highest measure of strength. All lesser spirits perish.
25 [516]
Cat egoism.
There is a dog egoism in humans and a cat egoism: they choose opposite means. The first is devoted and enthusiastic —
25 [517]
Pleasure and displeasure are affirmations and negations.
Judgments are 1) beliefs “this is so” and 2) “this has such and such value”
Pleasure and displeasure are effects of the overall intelligence, consequences of critical judgments, which we feel as pleasure or pain.
25 [518]
countless dark bodies next to the sun to unlock, which we will never see! This is a parable.
— sometimes 2 suns determining the orbits of the planets, alternately emitting red and green light and then again simultaneously shining in different colors standing in the sky —
Parable
We are determined by different morals and our actions shine in different colors
I hear with pleasure that our sun is in rapid motion towards the constellation of Hercules, and I hope that man on this earth will do the same as the sun.
— according to P Secchi, space cannot be unlimited, since no thing composed of individual bodies can be infinite, and because an infinite celestial vault populated by countless stars, like the sun, would have to appear luminous throughout its entire expanse —
25 [519]
Maupertuis suggested that to explore the nature of the soul, one should perform vivisections on Patagonians. Every true moralist treats himself as a Patagonian.
25 [520]
Evaluations of worth are not dependent on pleasure and displeasure: worth is measured according to the preservation of the whole: thus according to something future that is imagined, according to purposes.
Pleasure and displeasure are only consequences of judgments about purposes. Evaluations of events with regard to their consequences.
All preservative tendencies cannot be derived from mechanics: they presuppose a presentation of the whole—its goals, dangers, and advancements; the lower, obedient being must also be able to imagine the task of the higher to some degree. With pleasure and displeasure, the individual experience is characterized in relation to preservation.
25 [521]
Unintelligent opinions have citizenship everywhere. Incomprehensible only in me
25 [522]
The world of good and evil is only apparently.
25 [523]
Against Frugality
Zarathustra I
The shrinking and shaming of the powerful
— the lack of uplifting people to see.
— the ugliness of the plebeians
— the envy and pettiness of the plebeian
— the victory of moral tartuffery.
— the danger that world government falls into the hands of the mediocre
— the suffocation of all higher natures.
ego as distraction from the eudaimonological perspective
— historical.
25 [524]
against equality
against moral Tartuffery
against Christianity and God
against the National—the good European.
25 [525]
A god of love might one day speak, bored by his virtue: “let’s try our hand at devilry!” And lo and behold, a new origin of evil! Out of boredom and virtue!
25 [526]
An opinion, even if it is irrefutable, does not necessarily have to be true.