11, 26[1-469] Sommer-Herbst 1884
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Das Vorläufige
und die Vorläufer
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Skeptische Einreden.
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Die großen Philosophen sind selten gerathen. Was sind denn diese Kant, Hegel, Schopenhauer, Spinoza! Wie arm, wie einseitig! Da versteht man, wie ein Künstler sich einbilden kann, mehr als sie zu bedeuten. Die Kenntniß der großen Griechen hat mich erzogen: an Heraclit Empedocles Parmenides Anaxagoras Democrit ist mehr zu verehren, sie sind voller. Das Christenthum hat es auf dem Gewissen, viele volle Menschen verdorben zu haben z. B. Pascal und früher den Meister Eckart. Es verdirbt zuletzt gar noch den Begriff des Künstlers: es hat eine schüchterne Hypocrisie über Raffael gegossen, zuletzt ist auch sein verklärter Christus ein flatterndes schwärmerisches Mönchlein, das er nicht wagt, nackt zu zeigen. Goethe steht gut da.
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“Die Menschen lieben aus Dankgefühl, aus überströmendem Herzen, weil man dem Tode entronnen ist” Lagarde p. 54 gegen die “Humanität.”
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Der Vortheil der Kirche, wie der Rußlands ist: sie können warten.
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Eine Religion, an deren Thür der Ehebruch Gottes steht (bei ihm ist ja kein Ding unmöglich!)
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— den Nächsten, den Feind selber lieben, weil Gott so thut—“er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.” Aber das thut er gar nicht.
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— Fichte, Schelling, Hegel, Schleiermacher, Feuerbach, Strauß—alles Theologen.
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— ich bin dazu gedrängt, im Zeitalter des suffrage universel, d. h. wo Jeder über Jeden und Jedes zu Gericht sitzen darf, die Rangordnung wieder herzustellen.
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Bei altgewordenen Völkern große Sinnlichkeit, z. B. Ungarn, Chinesen, Juden, Franzosen (denn die Kelten waren schon ein Culturvolk!) —
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Die ächten Beduinen der Wüste und die alten Wikinger —
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NB. Die bestgeglaubten a priorischen “Wahrheiten” sind für mich—Annahmen bis auf Weiteres z.B. das Gesetz der Causalität sehr gut eingeübte Gewöhnungen des Glaubens, so einverleibt, daß nicht daran glauben das Geschlecht zu Grunde richten würde. Aber sind es deswegen Wahrheiten? Welcher Schluß! Als ob die Wahrheit damit bewiesen würde, daß der Mensch bestehn bleibt!
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Ich muß das schwierigste Ideal des Philosophen aufstellen. Das Lernen thut’s nicht! Der Gelehrte ist das Heerdenthier im Reiche der Erkenntniß, welcher forscht, weil es ihm befohlen und vorgemacht worden ist.
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Es giebt an sich keinen Sinn für Wahrheit; aber weil ein starkes Vorurtheil dafür spricht, es sei nützlicher, die Wahrheit zu wissen als sich täuschen zu lassen, wird die Wahrheit gesucht—während in vielen anderen Fällen sie gesucht wird, weil sie vielleicht nützlicher sein könnte—sei es zur Vermehrung der Macht, des Reichthums, der Ehre, des Selbstgefühls.
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Auch hinter den eigentlichen Freunden der Wahrheit, den Philosophen arbeitet eine ihnen oft unbewußte Absichtlichkeit: sie wollen von vorn herein eine gewisse, so und so beschaffene “Wahrheit”—und oft genug haben sie ihre innersten Bedürfnisse verrathen, indem sie ihren Weg zu ihrer “Wahrheit” giengen.
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Der arme Schopenhauer! E. von Hartmann hat ihm die Beine, auf denen er einher gieng, und Richard Wagner gar noch den Kopf abgeschnitten!
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Wir können vom Willen nur das erkennen, was an ihm erkennbar ist—also vorausgesetzt, daß wir uns als Wollende erkennen, muß am Wollen etwas Intellektuales sein.
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Ein Erkenntniß-Apparat, der sich selber erkennen will!! Man sollte doch über diese Absurdität der Aufgabe hinaus sein! (Der Magen, der sich selber aufzehrt!—)
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Wie Winckelmann am Laokoon gleichsam am Ende des Alterthums den Sinn für dasselbe sich erwarb, so R W an der Oper, der schlechtesten aller Kunstgattungen, den Sinn für Stil d. h. Einsicht, daß es nicht möglich ist, Künste zu isoliren.
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— der demagogische Charakter der Kunst Wagners: zuletzt mit der Consequenz, daß er sich vor Luther beugte, um Einfluß zu bekommen.
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— die deutsche Musik steht nicht außerhalb der Cultur-Bewegung: in Mozart ist sehr viel Rococo und jene Zärtlichkeit des 18ten Jahrhunderts. In Beethoven die Luft von Frankreich her, die Schwärmereien, aus denen die Revolution entsprang immer Nachklang, Ausklang. W und die Romantik.
— wie steht es mit dem Zusammenhang der Musik und der bildenden Kunst? Und der Poesie? Verhältnißmäßige Einsamkeit des Musikers, er lebt weniger mit, seine Erregungen sind Nachklänge früherer Gefühle.
Es fehlt immer noch der große Stil in der Musik; und es ist dafür gesorgt, daß er jetzt nicht wächst!
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Alles, was ich über R W gesagt hatte, ist falsch. Ich empfand es 1876 “es ist an ihm Alles unächt; was ächt ist, wird versteckt oder dekorirt. Es ist ein Schauspielen, in jedem schlimmen und guten Sinn des Worts.”
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Sich so fernstellen von den moralischen Phänomenen, wie der Arzt dem Hexenglauben und der Lehre “vom Griff des Teufels” fernsteht.
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Der Schmerz, die Ungewißheit, die Bosheit: zu diesen Dreien stehen die Heerden-Menschen sehr verschieden.
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Die Vortheile in dieser Zeit. “Nichts ist wahr: Alles ist erlaubt.”
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Ich betrachte Verbrecher, gestrafte und nicht gestrafte, als Menschen, an denen man Versuche machen kann. Schutz, nicht Besserung, nicht Strafe!
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— ein Volk, welches sich der Intelligenz eines Luther unterordnet!
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NB. Es sind gute Perspectiven: lauter ganz große Erschütterungen bereiten sich vor. Erwäge ich, was die französische Revolution erregt hat—auch Beethoven ist ohne sie nicht zu denken, ebensowenig Napoleon. So hoffe ich, daß alle Grundprobleme aufgedeckt werden und man gründlich über die Albernheiten des neuen Testaments oder über Hamlet und Faust, die beiden “modernsten Menschen,” hinauskommt.
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Ich habe mich in eine gute helle Höhe gehoben: und Mancher, der mir, als ich jung war, wie ein Stern über mir leuchtete, ist mir nun fern—aber unter mir z. B. Sch W.
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Man soll nicht bauen, wo es keine Zeit mehr ist. Das jauchzen der großen Bewegung: und ich bin, der sieht, worum es sich handelt: um alles “Gut” und “Böse.”
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R W zu beschreiben—Versuch einer Dictatur. Aber zuletzt strich er sich selber durch, unfähig zu einer eigenen Gesammt-Conception. Die “Entzückungen” des Protestantischen Abendmahls verführten ihn!
Montaigne
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“Welt-Eroberung.” Auf welchem Wege der Mensch sich bisher die Dinge zu unterwerfen suchte:
— die Grenzen, wo er nicht weiter konnte und sich unterwarf (Moira)—“Gott.” Die “Herrscher” noch einmal als Welt-Herrscher in die Dinge hineingeträumt.
— Tröstungen. Ergebung.
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“Der Frieden als Trugbild.” “Befriedigung”
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Tags ist der untere Intellekt dem Bewußtsein verschlossen. Nachts schläft der höhere Intellekt, der untere tritt ins Bewußtsein (Traum)
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Wie im Traume zum Kanonenschuß die Ursache gesucht wird und der Schuß erst hinterdrein gehört wird (also eine Zeit-Umkehrung stattfindet: diese Zeitumkehrung findet immer statt, auch im Wachen. Die “Ursachen” werden nach der “That” imaginirt; ich meine, unsere Zwecke und Mittel sind Folgen eines Vorganges??)
Wie sicher wir eingeübt sind, nichts ohne Ursache zu glauben, das zeigt das eben erwähnte Phänomen: wir acceptiren den Kanonenschuß erst, wenn wir uns die Möglichkeit ausgedacht haben, wie er entstanden ist, d. h. allem eigentlichen Erleben geht eine Zeit voraus, wo die zu erlebende Thatsache motivirt wird.
— dies könnte in der Bewegung jedes Nervs, jedes Muskels der Fall sein.
Also in jeder sogenannten Sinneswahrnehmung giebt es ein Urtheil, welches den Vorgang, bevor er ins Bewußtsein “eintritt,” bejaht oder verneint
Alles organische Leben ist als sichtbare Bewegung coordinirt einem geistigen Geschehen.
Ein organisches Wesen ist der sichtbare Ausdruck eines Geistes.
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Das Nervensystem und das Gehirn ist ein Leitungssystem und ein Centralisationsapparat zahlloser Individual-Geister von verschiedenem Range. Das Ich-Geistige selber ist mit der Zelle schon gegeben.
Vor der Zelle giebt es keine Ich-Geistigkeit, wohl aber entspricht allem Gesetzmäßigen d. h. dem Relationscharakter alles Geschehens nur ein Denkvorgang (Gedächtniß und Schluß)
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Wo es keinen Irrthum giebt, dies Reich steht höher: das Unorganische als die individualitätslose Geistigkeit. Das organische Geschöpf hat seinen Seh-Winkel vom Egoismus, um erhalten zu bleiben.
— es darf nur soweit denken als es seiner Erhaltung frommt.
— ein Dauerprozeß mit Wachsthum, Zeugung usw.
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Die Gedanken sind Kräfte. Die Natur ergiebt sich als eine Menge von Relationen von Kräften: es sind Gedanken, logische absolut sichere Prozesse, es fehlt alle Möglichkeit des Irrthums. Unsere Wissenschaft hat den Gang gemacht, überall logische Formeln und nichts weiteres ausfindig zu machen.
— alle diese Bewegungsvorgänge, die wir sehen oder fast sehen (Atome), sind Consequenzen
1. Die unzerstörbare Einerleiheit der Kraft, der Raum mit der Funktion Kraft. Alles Mechanik.
2. Die Mechanik im Grunde Logik.
3. die Logik unableitbar. Wie ist der Irrthum möglich? richtiger: Erhaltungsgesetze für Dauer-Prozesse setzen perspektivische Illusion voraus.
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“der gerechte Mensch” für den Betrachter sehr erquicklich, Ruhe gebend: sich selber aber eine furchtbare Qual
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Kunst—die Freude, sich mitzutheilen (und zu empfangen von einem Reicheren)—durch Gestalten die Seelen formen —
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Dies Bedürfniß, fertig die Erkenntniß um sich zu haben, ist bei einer sehr entschlossenen Natur nicht vorhanden —
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Ich stelle das Problem von der Rangordnung (Plato) des Künstlers neu; zugleich bilde ich den Künstler so hoch ich kann. Thatsächlich finden wir alle Künstler unterworfen unter große geistige Bewegungen, nicht deren Leiter: oft Vollender z. B. Dante für die katholische Kirche. R W für die romantische Bewegung. Shakespeare für die Freigeisterei Montaigne’s.
Die höheren Formen, wo der Künstler nur ein Theil des Menschen ist—z. B. Plato, Goethe, G Bruno. Diese Formen gerathen selten.
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Alle philosophischen Systeme sind überwunden; die Griechen strahlen in größerem Glanze als je, zumal die Griechen vor Socrates.
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Die Umkehrung der Zeit: wir glauben die Außenwelt als Ursache ihrer Wirkung auf uns, aber wir haben ihre thatsächliche und unbewußt verlaufende Wirkung erst zur Außenwelt verwandelt: das, als was sie uns gegenüber steht, ist unser Werk, das nun auf uns zurückwirkt. Es braucht Zeit, bevor sie fertig ist: aber diese Zeit ist so klein.
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Unsere Werthschätzungen stehen im Verhältniß zu unseren geglaubten Lebensbedingungen: verändern sich diese, so verändern sich unsere Werthschätzungen.
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Coordination statt Ursache und Wirkung
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Der Weg zur Weisheit.
Fingerzeige zur Überwindung der Moral.
Der erste Gang. Besser verehren (und gehorchen und lernen) als irgend Einer. Alles Verehrenswerthe in sich sammeln und miteinander kämpfen lassen. Alles Schwere tragen. Asketismus des Geistes —Tapferkeit Zeit der Gemeinschaft.
Der zweite Gang. Das verehrende Herz zerbrechen (als man am festesten gebunden ist). Der freie Geist. Unabhängigkeit. Zeit der Wüste. Kritik alles Verehrten (Idealisirung des Unverehrten), Versuch umgekehrter Schätzungen.
Der dritte Gang. Große Entscheidung, ob tauglich zur positiven Stellung, zum Bejahen. Kein Gott, kein Mensch mehr über mir! Der Instinkt des Schaffenden, der weiß, wo er die Hand anlegt. Die große Verantwortung und die Unschuld. (Um Freude irgendworan zu haben, muß man Alles gutheißen.) Sich das Recht geben zum Handeln.
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1. Die Überwindung der bösen kleinlichen Neigungen. Das umfängliche Herz, man erobert nur mit Liebe.
(R W warf sich vor einem tiefen liebevollen Herzen nieder, ebenso Schopenhauer. Dies gehört zur ersten Stufe.) Vaterland, Rasse, alles gehört hierher.
2. Die Überwindung auch der guten Neigungen.
unvermerkt solche Naturen wie D und W oder Sch als noch nicht einmal auf dieser Stufe stehend!
3. Jenseits von Gut und Böse. Er nimmt sich der mechachanischen Weltbetrachtung an und fühlt sich nicht gedemüthigt unter dem Schicksal: er ist Schicksal. Er hat das Loos der Menschen in der Hand.
Nur für Wenige: die Meisten werden schon im 2ten Weg zu Grunde gehen. Plato Spinoza? vielleicht gerathen? Sich endlich das Recht geben zum Handeln.
Sich hüten vor Handlungen, die nicht mehr zur erreichten Stufe passen z. B. das Helfen-wollen bei Solchen, die nicht bedeutend genug sind—dies ist falsches Mitleid.
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NB. “Bewußtsein”—in wie fern die vorgestellte Vorstellung, der vorgestellte Wille, das vorgestellte Gefühl (das uns allein bekannte) ganz oberflächlich ist! “Erscheinung” auch unsere innere Welt!
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Maassstab. Wie viel hält Einer von der Wahrheit aus, ohne zu entarten! Und ohne durch Widerspruch und Feindseligkeit und Mißverstehen zur Verzweiflung gebracht zu werden? Auch nicht durch die Dummheit der Liebe derer, die ihn verehren?
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Welches schlimme Schicksal hat Schopenhauer gehabt! Seine Ungerechtigkeiten fanden Übertreiber (Dühring und Richard Wagner), seine Grundeinsicht vom Pessimismus einen Berliner unfreiwilligen Verkleinerer (E. von Hartmann)!
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Wir meinen, unser bewußter Intellekt sei die Ursache aller zweckmäßigen Einrichtungen in uns. Das ist grundfalsch. Nichts ist oberflächlicher als das ganze Setzen von “Zwecken” und “Mitteln” durch das Bewußtsein: es ist ein Apparat der Vereinfachung (wie das Wortreden usw.), ein Mittel der Verständigung, practicabel, nichts mehr—ohne Absicht auf Durchdringung mit Erkenntniß.
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“Zufall”—in großen Geistern Fülle von Conceptionen und Möglichkeiten, gleichsam Spiel von Gestalten, daraus Auswahl und Anpassung an früher Ausgewähltes.— Die Abhängigkeit der niederen Naturen von den erfinderischen ist unsäglich groß—einmal darzustellen, wie sehr alles Nachahmung und Einspielen der angegebenen Werthschätzungen ist, die von großen Einzelnen ausgehen. Z. B. Plato und das Christenthum. Paulus wußte schwerlich, wie sehr alles in ihm nach Plato riecht.
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Capitel. Vom Werthe des menschlichen Erkenntniss-Apparates. Erst langsam stellt sich heraus, was er leisten und nicht leisten kann: namentlich wie weit alle seine Ergebnisse in innerem Zusammenhang stehen oder sich widersprechen.
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Capitel. Wenn man nicht einen bestimmten Standpunkt hat, ist über den Werth von keinem Dinge zu reden: d. h. eine bestimmte Bejahung eines bestimmten Lebens ist die Voraussetzung jedes Schätzens.
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Man lobt und tadelt von sich aus: wer von höheren Gesichtspunkten aus den Lobenden übersieht, findet es unschmeichelhaft, von ihm gelobt zu werden.
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NB. In wiefern es nöthig ist, für den Menschen höchsten Ranges, von den Vertretern einer bestimmten Moral tödtlich gehaßt zu werden. Wer die Welt liebt, den müssen alle Einzelnen verdammen: die Perspektive ihrer Erhaltung fordert, daß es keinen Zerstörer aller Perspectiven giebt.
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NB. Die erste Grenze alles “Sinnes für Wahrheit” ist—auch für alle niederen belebten Geschöpfe—was nicht ihrer Erhaltung dient, geht sie nichts an. Die zweite: die Art und Weise ein Ding zu betrachten, welche ihnen am nützlichsten ist, wird vorgezogen und allmählich erst, durch Vererbung, einverleibt. Dies ist auch durch den Menschen noch keineswegs anders geworden: höchstens könnte man fragen, ob es nicht entartende Rassen gäbe, welche sich so zu den Dingen stellen, wie es der inneren Absichtlichkeit auf Untergang hin gemäß ist—also wider das Leben. Aber das Absterben des Veralteten oder Mißrathenen gehört selber in die Consequenz der Erhaltung des Lebens: weshalb Greise greisenhaft und ächte Christen weltfeindlich urtheilen mögen.
An sich wäre es möglich, daß zur Erhaltung des Lebenden gerade Grund-Irrthümer nöthig wären, und nicht “Grund-Wahrheiten.” Es könnte z. B. ein Dasein gedacht werden, in welchem Erkennen selber unmöglich wäre, weil ein Widerspruch zwischen absolut Flüssigem und der Erkenntniß besteht: in einer solchen Welt müßte ein lebendes Geschöpf erst an Dinge, an Dauer usw. glauben, um existiren zu können: der Irrthum wäre seine Existenz-Bedingung. Vielleicht ist es so.
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In wessen Vorfahren die Liebe eine wichtige Angelegenheit war, der wird es spüren, wenn er verliebt ist und sich, zu seinem Erstaunen vielleicht, so benehmen, wie seine Vorfahren es getrieben haben: es fängt schwerlich Einer eine veritable Passion an—sondern auch Leidenschaften müssen erzogen und angezüchtet werden, die Liebe sogut wie die Herrschsucht und der Egoismus.
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Überall, wo große Zweckmäßigkeit ist, haben wir im Bewußtsein nicht die Zwecke und Mittel. Der Künstler und sein Werk, die Mutter und das Kind—und ebenso mein Kauen, Verdauen, Gehen usw., die Oekonomie der Kräfte am Tage usw.— alles das ist ohne Bewußtsein.
Daß etwas zweckmäßig vor sich geht z. B. der Prozeß des Verdauens, das wird durch die Annahme eines hundertfältig verfeinerten Erkenntnißapparates nach Art des bewußten Intellekts noch keineswegs erklärt: er könnte der Aufgabe, die thatsächlich geleistet wird, nicht angemessen gedacht werden können, weil viel zu feine Verhältnisse (in Zahlen) in Betracht kämen. Der zweite Intellekt würde immer noch das Räthsel ungelöst lassen. Wenn man sich nicht durch “groß” und “klein” in zeitlichen Verhältnissen täuschen läßt, ist der Vorgang einer einzelnen Verdauung geradeso reich an einzelnen Vorgängen der Bewegung, wie der ganze Prozeß des Lebendigen überhaupt: und wer für letzteren keinen leitenden Intellekt annimmt, braucht ihn auch für ersteren nicht anzunehmen.
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Der ganze Erkenntniß-Apparat ist ein Abstraktions- und Simplifikations-Apparat—nicht auf Erkenntniß gerichtet, sondern auf Bemächtigung der Dinge: “Zweck” und “Mittel” sind so fern vom Wesen wie die “Begriffe.” Mit “Zweck” und “Mittel” bemächtigt man sich des Prozesses (—man erfindet einen Prozeß, der faßbar ist!), mit Begriffen aber der “Dinge,” welche den Prozeß machen.
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Das Wesen einer Handlung ist unerkennbar: das was wir ihre “Motive” nennen, bewegt Nichts—es ist eine Täuschung, ein Nacheinander als ein Durcheinander aufzufassen.
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Mit der “Freiheit des Willens” fällt die “Verantwortlichkeit” dahin. Es bleiben aber alle moralischen Fragen übrig: wie steht das Lebendige zur “Wahrheit”? Zu einem anderen Lebendigen? Und wenn aus Irrthum gestraft und belohnt wurde, warum dürfte dann nicht weiter gestraft und belohnt werden? Was ist gegen einen “Willen zur Unwahrheit” einzuwenden? Und woher die Schätzung des Uneigennützigen Gerechten?— Genug, der ganze Thatbestand der bisherigen moralischen Stellung des Lebendigen, 1) der Thatbestand der Schätzungen und 2) die Ursache der Werthschätzungen bliebe noch festzustellen. Wobei sich die Frage ergäbe 3), ob es einen Maaßstab giebt über allen bisherigen Werthschätzungen, eingerechnet die Frage, ob die zwei ersten Probleme ohne dies lösbar sind—und warum ich sie überhaupt stelle.
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Die großen Probleme vom Werth des Werdens gestellt durch Anaximander und Heraclit—also die Entscheidung darüber, ob eine moralische oder eine ästhetische-Schätzung überhaupt erlaubt ist, in Bezug auf das Ganze.
Das große Problem, welchen Antheil der Zwecke-setzende Verstand an allem Werden hat—von Anaxagoras
Das große Problem, ob es ein Sein giebt—von den Eleaten; und was Alles Schein ist.
Alle großen Probleme sind vor Socrates gestellt:
Socrates: die Einsicht als Mittel zur moralischen Besserung, das Unvernünftige in den Leidenschaften, das Unzweckmäßige im Schlecht-sein.
Plato sagt, nein! Die Liebe zum Guten bringt die moralische Besserung mit sich; die Einsicht aber ist nöthig zur Erfassung des Guten.
Socrates sucht nicht die Weisheit, sondern einen Weisen—und findet ihn nicht aber dies Suchen bezeichnet er als sein höchstes Glück. Denn es gäbe nichts Höheres im Leben als immer von Tugend zu sprechen.
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Vielleicht ist das, was wir als das Gewisseste fühlen, am entferntesten vom “Wirklichen.” Im Urtheile steckt ein Glaube “so und so ist es”; wie, wenn gerade das Glauben selber die nächste Thatsache wäre, die wir feststellen können! Wie ist Glauben möglich??
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Pythagoras gründet einen Orden für Vornehme, eine Art Tempelherrn-Orden.
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— Heraclit: die Welt eine absolute Gesetzlichkeit: wie könnte sie eine Welt der Ungerechtigkeit sein! also eine moralische Beurtheilung “die Erfüllung des Gesetzes” ist absolut; der Gegensatz ist eine Täuschung; auch die schlechten Menschen ändern nichts daran, so wie sie sind, erfüllt sich an ihnen die absolute Gesetzlichkeit. Die Nothwendigkeit wird hier moralisch verherrlicht und gefühlt.
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Bisher sind beide Erklärungen des organischen Lebens nicht gelungen, weder die aus der Mechanik, noch die aus dem Geiste. Ich betone letzteres. Der Geist ist oberflächlicher als man glaubt. Die Regierung des Organismus geschieht in einer Weise, für welche sowohl die mechanische Welt, als die geistige nur symbolisch zur Erklärung herangezogen werden kann.
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Der Gedanke, daß das Lebensfähige allein übrig geblieben ist, ist eine Conception ersten Ranges.
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Zuletzt könnte die Unerkennbarkeit des Lebens eben darin liegen, daß alles an sich unerkennbar ist und wir nur begreifen, was wir erst gebaut und gezimmert haben; ich meine auf dem Widerspruche der ersten Funktionen des “Erkennens” mit dem Leben. Je erkennbarer etwas ist, um so ferner vom Sein, um so mehr Begriff.
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Egoismus als das perspektivische Sehen und Beurtheilen aller Dinge zum Zweck der Erhaltung: alles Sehen (daß überhaupt etwas wahrgenommen wird, dies Auswählen) ist schon ein Werthschätzen, ein Acceptiren, im Gegensatze zu einem Zurückweisen und Nicht-sehen-wollen.
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Werthschätzungen stecken in allen Sinnes-Thätigkeiten. Werthschätzungen stecken in allen Funktionen des organischen Wesens.
Daß Lust und Unlust ursprüngliche Formen der Werthschätzung sind, ist eine Hypothese: vielleicht sind sie erst Folgen einer Werthschätzung.
Das “Gute” ist, von zwei verschiedenen Wesen aus gesehen, etwas Verschiedenes.
Es giebt ein Gutes, das die Erhaltung des Einzelnen; ein Gutes, das die Erhaltung seiner Familie oder seiner Gemeinde oder seines Stammes zum Maaße hat—es kann ein Widerstreit im Individuum entstehen, zwei Triebe.
Jeder “Trieb” ist der Trieb zu “etwas Gutem,” von irgend einem Standpunkte aus gesehen; es ist Werthschätzung darin, nur deswegen hat er sich einverleibt.
Jeder Trieb ist angezüchtet worden als zeitweilige Existenz-Bedingung. Er vererbt sich lange, auch nachdem er aufgehört hat, es zu sein.
Ein bestimmter Grad des Triebes im Verhältniß zu anderen Trieben wird, als erhaltungsfähig, immer wieder vererbt; ein entgegengesetzter verschwindet
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Das “Unegoistische.” Die Vielheit der Personen (Masken) in Einem “Ich.”
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Das Gesetz der Causalität a priori—daß es geglaubt wird, kann eine Existenzbedingung unserer Art sein; damit ist es nicht bewiesen.
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Zur Einleitung.
§ 1. Die schwierigste und höchste Gestalt des Menschen wird am seltensten gelingen: so zeigt die Geschichte der Philosophie eine Überfülle von Mißrathenen, von Unglücksfällen, und ein äußerst langsames Schreiten; ganze Jahrtausende fallen dazwischen und erdrücken, was erreicht war, der Zusammenhang hört immer wieder auf. Das ist eine schauerliche Geschichte—die Geschichte des höchsten Menschen, des Weisen.— Am meisten geschädigt ist gerade das Gedächtniß der Großen, denn die Halb-Gerathenen und Mißrathenen verkennen sie und besiegen sie durch “Erfolge.” Jedes Mal, wo “die Wirkung” sich zeigt, tritt eine Masse Pöbel auf den Schauplatz; das Mitreden der Kleinen und der Armen im Geiste ist eine fürchterliche Ohren-Marter für den, der mit Schauder weiß, daß das Schicksal der Menschheit am Gerathen ihres höchsten Typus liegt.— Ich habe von Kindesbeinen an über die Existenz-Bedingungen des Weisen nachgedacht; und will meine frohe Überzeugung nicht verschweigen, daß er jetzt in Europa wieder möglich wird—vielleicht nur für eine kurze Zeit.
§ 2. Was muß im Weisen zusammenkommen? Da begreift man, warum er so leicht mißräth, ganz abgesehen von den äußeren Bedingungen.
§ 3. Die Welt der Meinungen—wie tief das Werthschätzen in die Dinge geht, ist bisher übersehen: wie wir in einer selbstgeschaffenen Welt stecken, und auch in allen unseren Sinnes-Wahrnehmungen noch moralische Werthe liegen.— Beschränktheit des Gesichtskreises des Kantischen Idealismus (zuletzt von ihm selber widerlegt: was geht uns die Wahrheit an, wenn es sich um unsere höchsten Werthschätzungen handelt—“man muß dann dies und jenes glauben” meinte Kant)
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Es ist ein Problem, ob Lust und Unlust primitivere Thatsachen sind als Urtheil “nützlich” “schädlich” für das Ganze.
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Reiz begrifflich abzutrennen von “Lust” und “Unlust”
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Schopenhauer bekennt das “besondere Vergnügen,” die praktische Vernunft und den kategorischen Imperativ Kants “als völlig unberechtigte, grundlose und erdichtete Annahmen nachzuweisen und somit die Moral wieder ihrer alten, gänzlichen Rathlosigkeit zu überantworten” (Grundlage der Moral p. 116)
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Bedingungen des Weisen.
Man muß sich durch Schuld aller Art aus der Gesellschaft lösen.
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Die Entwicklung des Organischen ergiebt eine große Wahrscheinlichkeit, daß der Intellekt aus sehr kleinen Anfängen gewachsen ist, also auch geworden ist: die Sinnesorgane sind nachweisbar entstanden, vor ihnen gab es noch keine “Sinne.” Es fragt sich, was immer dagewesen sein muß: z. B. welche Eigenschaften hat das Embryon, daß sich schließlich auch das Denken im Verlaufe seiner Entwicklung entwickelt? —
26 [81]
Wir haben keine Ahnung bisher von den inneren Bewegungs-gesetzen des organischen Wesens. “Gestalt” ist ein optisches Phänomen: abgesehen von Augen Unsinn.
26 [82]
Hauptsatz: keine rückläufigen Hypothesen! Lieber ein Zustand der! Und möglichst viel Einzel-Beobachtungen! Zuletzt: wir mögen erkennen, was wir wollen, hinter allen unseren Arbeiten steht eine Nützlichkeit oder Unnützlichkeit die wir nicht übersehen. Es giebt darin kein Belieben, sondern alles ist absolut nothwendig: und das Loos der Menschheit ist längst entschieden, weil es schon ewig dagewesen ist. Unsre eifrigste Anstrengung und Vorsicht gehört mit hinein in das fatum aller Dinge; und ebenso jede Dummheit. Wer sich vor diesem Gedanken verkriecht, der ist eben damit auch fatum. Gegen den Gedanken der Nothwendigkeit giebt es keine Zuflucht.
26 [83]
Welches ist der wünschenswertheste nützlichste Glaube? (wenn einmal es nicht auf Wahrheit ankommt) könnte man fragen. Aber da muß man weiter fragen: nützlich wozu?
26 [84]
Kant sagt p. 19 R, “der moralische Werth einer Handlung liege durchaus nicht in der Absicht, in der sie geschah, sondern in der Maxime, die man befolgte.” “Wogegen (Schopenhauer Grundlage der Moral p. 134) ich zu bedenken gebe, daß die Absicht allein über moralischen Werth oder Unwerth einer That entscheidet, weshalb die selbe That, je nach ihrer Absicht, verwerflich oder lobenswerth sein kann” usw.
ego: aber was er mit der That wollte, ob dies lobens- oder tadelnswerth ist, hängt doch von der Maxime ab, die der Lobende oder Tadelnde hat, und folglich von der Beurtheilung der Maxime, nach welcher der Handelnde gehandelt hat: ist es nämlich nicht die gleiche, so empört sich der gewöhnliche Mensch gegen den Handelnden, er setzt aber voraus, daß er gleich die Handlungen schätzt. Kant hat Recht, daß weil es verschiedene Maximen giebt, und von verschiedenem moralischen Werthe, der Werth einer Handlung zuletzt immer zur Frage nach dem Werthe der ihr zu Grunde liegenden Maxime zurückführt.
Sch ist ebenso sicher zu wissen, was gut und böse ist, wie Kant—das ist der Humor der Sache.
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Das Befehlen und das Gehorchen ist die Grundthatsache: das setzt eine Rang-Ordnung voraus
Sch p. 136 “Das Princip oder der oberste Grundsatz einer Ethik ist der kürzeste und bündigste Ausdruck für die Handlungsweise, die sie vorschreibt oder, wenn sie keine imperative Form hätte, die Handlungsweise welcher sie eigentlichen moralischen Werth zuerkennt,—also das, der Tugend. Das Fundament einer Ethik hingegen ist das der Tugend, der Grund jener Verpflichtung oder Anempfehlung oder Belobung, also das der Tugend.— Das, so leicht, das so entsetzlich schwer.”
“Das Princip, der Grundsatz, über dessen Inhalt alle Ethiker eigentlich einig sind: neminem laede, immo omnes quantum potes juva—das ist eigentlich der Satz, welchen zu begründen alle Sittenlehrer sich abmühen—das eigentliche Fundament der Ethik, welches man wie den Stein der Weisen seit Jahrtausenden sucht.”
Die Schwierigkeit, diesen Satz zu beweisen, ist freilich groß: er ist albern und sklavenhaft-sentimental.
neminem laede warum nicht?
neminem enthält eine Gleichsetzung aller Menschen: da aber die Menschen nicht gleich sind, so ist hierin eine Forderung enthalten, sie als gleich zu setzen. Also—“behandle jeden Menschen als Deinesgleichen” ist Hintergrund dieser Moral. “Nutzen” enthält die Frage “nützlich wozu?” also schon eine Werthschätzung und Ziel. Unter Umständen könnte, um Allen zu nützen, es nöthig sein Vielen zu schaden: also der erste Theil falsch sein. Es ist lächerlich, ein “Wohl- und Wehethun” an sich zu glauben, wenn man Philosoph ist. Ein Schmerz und Verlust bringt uns oft den größten Gewinn, und “es ist sehr gut, schlimme Feinde zu haben,” wenn aus dir etwas Großes werden soll.—
also: erste Frage, ob die Moral praktikabel, ausfühbar ist. Aber wie kann ich “Allen nützen”!
Es giebt Augenblicke in Schopenhauer, wo er der Sentimentalität Kotzebue’s gar nicht fern steht—auch spielte er täglich Flöte: das sagt Etwas.
26 [86]
Schopenhauer hat sich mit Recht lustig gemacht über Kants “Zweck an sich” “absolutes Soll” “absoluter Werth” als über Widersprüche: er hätte das “Ding an sich” hinzuthun sollen.
26 [87]
Wo die Gleichgültigkeit beginnt, bei lebenden Wesen, im Verhältniß zur Außenwelt —
26 [88]
Der Weise am wenigsten durch starre Einförmigkeit des Blicks ausgezeichnet—so lange
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Die ausgezeichneten Geister mißrathen leichter; ihre Leidensgeschichte, ihre Krankheiten, ihre Empörung über das dreiste Tugend-Gequieke aller sittlichen Gänseriche usw. Alles ist gegen sie verschworen, es erbittert sie, überall nicht am Platze zu sein.— Gefahr in demokratischen Zeitaltern. Absolute Verachtung als Sicherheits-Maaßregel.
26 [90]
Was erreicht worden ist in der Erkenntniß, ist Sache des Philosophen, festzustellen; und nicht nur darin, sondern überhaupt! Die Geschichte als die große Versuchs-Anstalt: die bewußte Weisheit vorzubereiten, welche zur Erd-Regierung noththut. Das Zusammen-denken des Erlebten —
26 [91]
Bei einem Überschusse von belebenden ergänzenden Kräften glänzen selbst die Unglücksfälle mit dem Glanze einer Sonne und erzeugen ihre eigene Tröstung: umgekehrt, alle die tiefe Niedergeschlagenheit, die Gewissensbisse, die langen bitteren Nächte treten ein bei geschwächten Leibern (oft wird noch die Nahrung verweigert)
26 [92]
Das Unfreiwillige im Denken.
Der Gedanke taucht auf, oft vermischt und verdunkelt durch ein Gedränge von Gedanken. Wir ziehen ihn heraus, wir reinigen ihn, wir stellen ihn auf seine Füße und sehen, wie er geht—alles sehr geschwinde! Wir sitzen dann über ihn zu Gericht: denken ist eine Art Übung der Gerechtigkeit, bei der es auch Zeugenverhör giebt. Was bedeutet er? fragen wir und rufen andere Gedanken herbei: das heißt: Der Gedanke also wird nicht als unmittelbar gewiß genommen, sondern nur als ein Zeichen, ein Fragezeichen. Daß jeder Gedanke zuerst vieldeutig und schwankend ist, und an sich nur ein Anlaß zu mehrfacher Interpretation und willkürlicher Festsetzung, ist eine Erfahrungssache jedes Beobachters, der nicht an der Oberfläche bleibt.— Der Ursprung des Gedankens ist uns verborgen; es ist eine große Wahrscheinlichkeit, daß er ein Symptom eines umfänglicheren Zustandes ist, gleich jedem Gefühl—: darin daß gerade er kommt und kein anderer, daß er gerade mit dieser größeren oder minderen Helligkeit kommt, mitunter sicher und befehlerisch, mitunter unsicher und einer Stütze bedürftig, im Ganzen immer beunruhigend und aufregend, fragend—für das Bewußtsein ist jeder Gedanke ein Stimulans—in dem Allen drückt sich irgend Etwas von einem Gesammt-Zustand in Zeichen aus.— Ebenso steht es mit jedem Gefühle—es bedeutet uns nicht an sich Etwas; es wird, wenn es kommt, von uns interpretirt, und oft wie seltsam interpretirt! Man erwäge alle die Nöthe der Gedärme, die krankhaften Zustände des nervus sympathicus, und des ganzen sensorium commune—: nur der anatomisch Unterrichtete räth dabei auf die rechte Gattung von Ursachen; jeder Unwissende aber sucht in solchen Schmerzen eine moralische Erklärung und schiebt dem thatsächlichen Anlasse zu Verstimmungen einen falschen Grund unter, indem er im Umkreis seiner Erlebnisse nach unangenehmen Erfahrungen und Befürchtungen, nach einem Grund sucht, sich schlecht zu befinden.— Auf der Folter bekennt sich fast Jedermann schuldig: im Schmerz, dessen Ursache man nicht weiß, fragt sich der Gefolterte so lange und inquisitorisch, bis er sich oder Andere als schuldig findet, wie z. B. die Purit den ihrer unvernünftigen Lebensweise häufig anhaftenden Spleen sich moralisch, als Gewissensbiß auslegten.
26 [93]
Die Handlung eines höheren Menschen ist unbeschreiblich vielfach in ihrer Motivierung: mit irgend einem solchen Wort, wie “Mitleid,” ist gar nichts gesagt. Das Wesentlichste ist das Gefühl “wer bin ich? wer ist der andere im Verhältniß zu mir—Werthurtheile fortwährend thätig.
26 [94]
Über das Gedächtniß muß man umlernen: es ist die Menge aller Erlebnisse alles organischen Lebens, lebendig, sich ordnend, gegenseitig formend, ringend mit einander, vereinfachend, zusammendrängend und in viele Einheiten verwandelnd. Es muß einen inneren Prozeß geben, der sich verhält wie die Begriffsbildung aus vielen Einzelfällen: das Herausheben und immer neu Unterstreichen des Grundschemas und Weglassen der Neben-Züge.— So lange etwas noch als einzelnes factum zurückgerufen werden kann, ist es noch nicht eingeschmolzen: die jüngsten Erlebnisse schwimmen noch auf der Oberfläche. Gefühle von Neigung Abneigung usw. sind Symptome, daß schon Einheiten gebildet sind; unsre sogenannten “Instinkte” sind solche Bildungen. Gedanken sind das Oberflächlichste: Werthschätzungen, die unbegreiflich kommen und da sind, gehen tiefer—Lust und Unlust sind Wirkungen complizirter von Instinkten geregelter Werthschätzungen.
26 [95]
Da Haß, Neigung, Begierde, Zorn, Herrschsucht usw. noch da sind, kann man vermuthen, daß sie ihre Functionen der Erhaltung haben. Und “der gute Mensch”—ohne die mächtigen Affekte des Hasses, der Empörung, des Ekels, ohne Feindschaft ist eine Entartung, oder eine Selbst-Betrügerei.
26 [96]
Die plumpe Pedanterie und Kleinstädterei des alten Kant, die groteske Geschmacklosigkeit dieses Chinesen von Königsberg, der aber doch ein Mann der Pflicht und ein preußischer Beamter war: und die innere Zucht- und Heimatlosigkeit Sch’s, der aber für den mitleidigen Biedermann sich begeistern konnte, gleich Kotzebue: und Mitleid für die Thiere kannte, gleich Voltaire.
26 [97]
wer Freude an einem außerordentlichen Geiste hat, muß auch die Bedingungen lieben, unter denen er entsteht—die Nöthigung der Verstellung, Ausweichung, Ausbeutung der Gelegenheit; und das, was geringeren Naturen Widerwillen, im Grunde Furcht einflößt, zumal wenn sie den Geist als solchen hassen —
26 [98]
Grundstellung: der Mangel an Ehrfurcht vor großen Geistern, aus vielen Gründen und auch daraus, daß es an großen Geistern fehlt. Die historische Manier unsrer Zeit ist zu erklären aus dem Glauben, daß Alles dem Urtheile eines Jeden freisteht.
Das Merkmal des großen Menschen war die tiefe Einsicht in die moralische Hypocrisie von Jedermann (zugleich als Consequenz des Plebejers, der ein Kostüm sucht).
26 [99]
Es ist mein Trost, daß noch alle großen Menschenkenner sagen: “der Mensch ist böse”—und wo es einmal anders lautete, da war dem Einsichtigen sofort deutlich “der Mensch ist dort schwach.”
Die Schwächung des Menschen war die Ursache der Revolutionen—der Sentimentalität.
26 [100]
| Was fehlte den Philosophen | a) historischer Sinn |
| b) Kenntniß der Physiologie | |
| c) ein Ziel gegen die Zukunft hin |
Eine Kritik zu machen, ohne alle Ironie und moralische Verurtheilung.
26 [101]
Ein prachtvoller Intellekt ist die Wirkung einer Menge moralischer Qualitäten z. B. Muth, Willenskraft, Billigkeit, Ernst—aber zugleich auch von vieler, Verstellung, Verwandlung, Erfahrung in Gegensätzen, Muthwille, Verwegenheit, Bosheit, Unbändigkeit.
Damit ein prachtvoller Intellekt entstehe, müssen die Vorfahren eines Menschen in hervorragendem Grade beides gewesen sein, böse und gut, geistig und sinnlich.
26 [102]
Daß ein guter Mensch einen außerordentlichen Geist haben könne, müßte immer erst noch bewiesen werden: die großen Geister waren bisher böse Menschen.
26 [103]
Diese guten friedfertigen fröhlichen Menschen haben keine Vorstellung von der Schwere derer, welche von Neuem die Dinge wägen wollen und zur Wage heranwälzen müssen.
26 [104]
Die Menge der Mißrathenen erschüttert, noch mehr die Behaglichkeit und Sicherheit (der Mangel an Mitgefühl für die ganze Entwicklung “Mensch”)—wie Alles schnell zu Grunde gehen kann!
26 [105]
Es ist nicht zu verwundern, daß ein paar Jahrtausende nöthig sind, um die Anknüpfung wieder zu finden—es liegt wenig an ein paar Jahrtausenden!
26 [106]
Der Erkennende hat Freude an allen seinen schlechten Affekten, Begierden, Handlungen; er benutzt Krankheiten, Demüthigungen, er läßt den Schmerz tief graben und springt dann plötzlich zurück, sobald er seine Erkenntniß hat.
26 [107]
Die Absicht, den guten Menschen darzustellen, hat bisher am meisten der Erkenntniß der Philosophen geschadet. Große Verlogenheit, am größten bei den Moralisten.
26 [108]
Darüber giebt es heute keine wesentliche Verschiedenheit des Urtheils, was gut und was böse ist. Man fragt nur, warum giebt es keine wesentliche Verschiedenheit. Daß es so und so ist, daran zweifelt man nicht.— Socrates fragt “warum?” aber auch, er zweifelt nicht—und es gehört bisher zur Eitelkeit des Menschen, daß er wisse, warum er etwas thue—daß er auf bewußte Motive handle.— Von Plato an glaubte jeder, es genüge “gut” “gerecht” usw. zu definiren, da wisse man’s, und nun müsse man darnach handeln.
26 [109]
NB. Werden gute, gerechte Menschen mit Recht gelobt? 1) Hat der Lobende ein Recht, überhaupt zu urtheilen? 2) Ist sein Urtheil richtig—und nach welchem Maaßstabe richtig?
26 [110]
Es ist viel bisher geurtheilt und verurtheilt worden, wo das Wissen fehlte z. B. über Hexen; oder bei der Astrologie. Es hat sich viel “Urtheilen mit bestem Gewissen” als unberechtigt ergeben. Könnte es nicht mit “gut” und “böse” so sein, da die Begründung bisher eigentlich keine Kritik in sich schloß—man stimmte überein.
Auch könnte man fragen: sind die Guten für die Entwicklung neuer und starker Typen nützlicher oder die Bösen? Sind die Guten für die Erkenntniß nützlicher usw. Sind die Guten gesünder und ausdauernder, in Hinsicht auf Erhaltung einer Rasse?— Sind sie im Verhältniß zum Glück heiterer oder trübseliger?— Der äußerst vielfältige, vielspältige Thatbestand erst hinzustellen. Sind sie für die Künste nützlicher? Für die Dauer des menschlichen Geschlechts?
Vor allem: was ist das Merkmal, daß Einer gut oder böse ist? Ist es ein Verhalten in sich? Oder zu Anderen?
26 [111]
Der Weise erschrickt, wenn er dahinter kommt, wie wenig den Allermeisten an der Wahrheit liegt, welche sich für gute Menschen halten—und er wird sich vornehmen, die tiefste Verachtung gegen die ganze moralische Tugend-Sippschaft zu wenden. Der Schlechte ist ihm lieber.— Was hat er für Opfer gebracht! Und nun merkt er, daß die Menschen glauben zustimmen oder nein sagen zu können.— Ein Buch, das “gefällt”!
26 [112]
Ich habe eine tiefe Verachtung gegen alles moralische Urtheilen, Loben und Verurtheilen—
In Bezug auf das gewöhnliche moralische Urtheilen frage ich 1) ist der Urtheilende überhaupt berechtigt zu urtheilen? 2) hat er Recht oder Unrecht, so zu urtheilen?
steht er hoch genug
hat er Einsicht, Phantasie, Erfahrung genug, sich ein Ganzes vorzustellen
26 [113]
NB außerhalb der Städte leben!
26 [114]
Es giebt keine unmittelbaren Thatsachen! Es steht mit Gefühlen und Gedanken ebenso: indem ich mir ihrer bewußt werde, mache ich einen Auszug, eine Vereinfachung, einen Versuch der Gestaltung: das eben ist bewußt werden: ein ganz aktives Zurechtmachen.
Woher weißt du das?—
wir sind uns bewußt der Arbeit, wenn wir einen Gedanken, ein Gefühl scharf fassen wollen—mit Hülfe von Vergleichung (Gedächtniß).
Ein Gedanke und ein Gefühl sind Zeichen irgend welcher Vorgänge: nehme ich sie absolut—setze ich sie als unvermeidlich eindeutig, so setze ich zugleich die Menschen als intellektuell gleich—eine zeitweilig erlaubte Vereinfachung des wahren Thatbestandes.
26 [115]
Wir arbeiten mit allen Kräften, uns von der Unfreiheit zu überzeugen: um uns so frei vor uns selber zu fühlen wie vor der Natur — — Es kostet die äußerste Anstrengung, ein Gefühl dieser Art aufrecht zu erhalten und nicht herauszufallen.
26 [116]
Der “Unwerth” eines Menschen ist nur ein Unwerth in Hinsicht auf bestimmte Zwecke (der Familie Gemeinde usw.): man soll ihm einen Werth geben und ihn empfinden machen, daß er nützlich ist z. B. der Kranke als Mittel der Erkenntniß; der Verbrecher als Vogelscheuche usw. Die Lasterhaften als Gelegenheiten, an ihnen usw.
26 [117]
Um mich zu erhalten, habe ich meine schirmenden Instinkte, von Verachtung, Ekel, Gleichgültigkeit usw.— sie treiben mich in die Einsamkeit: in der Einsamkeit aber, wo ich alles als nothwendig verbunden fühle, ist mir jedes Wesen göttlich.
NB. um irgend Etwas schätzen und lieben zu können, muß ich es begreifen als absolut nothwendig verbunden mit allem, was ist—also um seinetwillen muß ich alles Dasein gutheißen und dem Zufalle Dank wissen, in dem so kostbare Dinge möglich sind.
Könnten wir die günstigsten Bedingungen voraussehen, unter denen Wesen entstehen vom höchsten Wirthe! Es ist tausend Mal zu complizirt, und die Wahrscheinlichkeit des Mißrathens sehr groß: so begeistert es nicht, danach zu streben!— Scepsis.
— Dagegen: Muth, Einsicht, Härte, Unabhängigkeit, Gefühl der Unverantwortlichkeit können wir steigern, die Feinheit der Wage verfeinern und erwarten, daß günstige Zufälle zu Hülfe kommen. —
26 [118]
— alle Tendenzen haben nur auf einen gewissen Gesichtskreis hin Sinn z. B. es ist werthvoll, wenn die Vernunft verfeinert wird, es ist auch werthvoll, wenn sie vergröbert wird: der Weise begreift die Nothwendigkeit entgegengesetzter Maaßstäbe, er will den buntesten Zufall unter vielen Gegensätzen.
— Um zu leben, muß man schätzen. Etwas schätzen hat als Consequenz alles gutheißen, also auch das Geringgeschätzte, Verabscheute: d. h. zugleich schätzen und nichtschätzen.— Scepsis, also das Recht- und Unrechtschätzen als sich bedingend schätzen.
26 [119]
Einsicht: bei aller Werthschätzung handelt es sich um eine bestimmte Perspective: Erhaltung des Individuums, einer Gemeinde, einer Rasse, eines Staates, einer Kirche, eines Glaubens, einer Cultur
— vermöge des Vergessens, daß es nur ein perspektivisches Schätzen giebt, wimmelt alles von widersprechenden Schätzungen und folglich von widersprechenden Antrieben in Einem Menschen. Dies ist der Ausdruck der Erkrankung am Menschen, im Gegensatz zum Thiere, wo alle vorhandenen Instinkte ganz bestimmten Aufgaben genügen.
— dies widerspruchsvolle Geschöpf hat aber an seinem Wesen eine große Methode der Erkenntniß: er fühlt viele Für und Wider—er erhebt sich zur Gerechtigkeit—zum Begreifen jenseits des Gut- und Böseschätzens.
Der weiseste Mensch wäre der reichste an Widersprüchen, der gleichsam Tastorgane für alle Arten Mensch hat: und zwischeninnen seine großen Augenblicke grandiosen Zusammenklangs—der hohe Zufall auch in uns!
— eine Art planetarischer Bewegung —
26 [120]
Fragen eines Fragwürdigen.
26 [121]
Ich habe ein Mißtrauen gegen alle moralischen Menschen: ihr Mangel an Selbst-Erkenntniß und Selbst-Verachtung macht mich nicht nur gegen ihren Verstand ungeduldig—ihr Anblick beleidigt mich.
26 [122]
Der Mann von hoher Seele ist nicht geneigt zur Bewunderung, denn das Größte ist ihm ja eigen und verwandt, es giebt für ihn nichts Großes.— Die äußeren Güter Reichthum Macht kommen nicht in Betracht, sie sind ja nicht von eigenem Werthe, sondern nur zu Besserem nützlich.
“Der Hohe, dem man die Bewunderung durch nichts Anderes als Verehrung ausdrücken kann, wird durch diese Ehren nicht sonderlich erfreut (weil sie immer zu gering sind, für den Werth seiner Tugend): aber er wird sie nicht ablehnen, weil die Menschen ihm ja doch nichts Größeres zu geben im Stande sind.”
26 [123]
Spaaß und Scherz dient der Erholung, ist eine Art Heilung, wodurch wir wieder Kraft zu neuer Thätigkeit bekommen.
“besser ist das Ernste”—ist Aristotelisch.
26 [124]
Daß ein unbegrenzter Wille zur Erkenntniß eine große Gefahr ist, haben noch Wenige begriffen. Das Zeitalter des suffrage universel lebt unter den gutmüthigen und schwärmerischen Voraussetzungen des vorigen Jahrhunderts.
26 [125]
Es gab noch niemals genug Mißtrauen bei den Denkern. Vielleicht war es eine große Gefahr für die Erkenntniß, daß man Tugend und Erkenntniß zusammen finden wollte. Die Dinge sind über die Maaßen bösartig eingerichtet—im Gleichniß zu reden.
26 [126]
Man arbeitet mit Voraussetzungen z. B. daß Erkenntniß möglich ist.
26 [127]
Von der Vielartigkeit der Erkenntniß. Seine Relation zu vielem Anderen spüren (oder die Relation der Art)—wie sollte das “Erkenntniß” des Anderen sein! Die Art zu kennen und zu erkennen ist selber schon unter den Existenz-Bedingungen: dabei ist der Schluß, daß es keine anderen Intellekt-Arten geben könnte (für uns selber) als die, welche uns erhält, eine Übereilung: diese thatsächliche Existenz-Bedingung ist vielleicht nur zufällig und vielleicht keineswegs nothwendig.
Unser Erkenntniß-Apparat nicht auf “Erkenntniß” eingerichtet.
26 [128]
Während ich will, geschieht eine veritable Bewegung: sollte diese mir unbekannte Bewegung nicht als causa efficiens zu betrachten sein? Der Willens-Akt ist ja selber der Abschluß eines “Kampfs der Motive”—diese selber aber
Verwerfung der causae finales
Verwerfung der causae efficientes: sie sind ebenfalls nur Versuche, uns einen Vorgang
26 [129]
“Laub und Gras, Glück, Segen und Regen.”
26 [130]
| Geschichte der Werthschätzungen. |
| Vornehm |
| Hart |
26 [131]
| causa efficiens causa finalis | beides nur Mittel der Verständlichung. |
26 [132]
Ich denke mir die bösesten kaltblütigsten erbarmungslosesten Menschen.
26 [133]
Befreiung von der Moral:
1) durch Handlungen
2)
26 [134]
NB. Mit Zweckgemäßheit beweist man den Zweck noch nicht.
Bei der Thatsache, daß überall in Sitte und Recht es einen Zweck giebt, ist nicht gezeigt, daß er bezweckt ist bei der Entstehung und oft ist er unzweckmäßig in Hinsicht auf die Mittel eines solchen Zwecks.
Widerspruch in Mitteln geringer Intelligenz und Zweck höchster Intelligenz.
26 [135]
Die secundären Eigenschaften der Dinge unter dem züchtendem Einflusse des uns Nützlichen und Schädlichen (also nicht “an sich angenehm” “unangenehm,” manche Farben bevorzugt: es entwickeln sich unter Umständen Nerven usw. Sinnesorgane usw. Warm, Schwer usw.).
26 [136]
“Ein Mensch von bestimmter Beschaffenheit” (nicht grausam)—das ist Unsinn, denn nur in lauter Relationen hat er überhaupt eine Beschaffenheit!
26 [137]
Wie weit auch unser Intellekt eine Folge von Existenzbedingungen ist—wir hätten ihn nicht, wenn wir ihn nicht nöthig hätten und hätten ihn nicht so, wenn wir ihn nicht so nöthig hätten, wenn wir auch anders leben könnten.
26 [138]
Die Anpassung an immer neue Verhältnisse und also das Übergewicht der Vererbung und Dauerfähigkeit auf Seiten der anpassungsfähigsten Wesen, der klügsten berechnendsten Einzelnen.
26 [139]
Jenseits von Gut und Böse.
Versuch einer aussermoralischen
Betrachtung der
moralischen Phaenomena.
1. Zurückführung der moralischen Werthschätzungen auf ihre Wurzeln.
2. Kritik der moralischen Werthschätzungen.
3. Die practische Überwindung der Moral.
26 [140]
1) Das Gefühl der Macht
2) Herren- und Sklaven-Moral
26 [141]
Auszugehen von dem Individuum als Vielheit (Geist als Magen der Affekte) so auch Gemeinde.
1. Die Existenz-Bedingungen einer Gemeinde in Gestalt von Werth-Urtheilen über Menschen und Handlungen erscheinend.
2. Die Bedingungen der Fort- oder Zurück-Bildung des Typus in Gestalt von Werthurtheilen.
3. Heerden- und Führer-Tugenden, entgegengesetzt.
26 [142]
Erhaltung einer Art—und Weiterentwicklung.
— Naturen, in denen sich dieser Begriffsunterschied als Widerspruch verkörpert
Problem
Erfindungen, um Erfahrungen zu ersparen (ein vergangenes Leben abzukürzen in immer kürzere Formeln)
Der Philosoph als Herr, aber nicht in seiner Zeit.
Bei Menschen wie Napoleon ist jedes Absehen von sich eine Gefahr und Einbuße: sie müssen ihr Herz verschlossen halten—ebenso der Philosoph. Zarathustra.
Es geht furchtbar zufällig zu: immer mehr Vernunft hinein bringen! Vorsicht usw.
26 [143]
Die Liebe zu Jemandem ist an sich so wenig (und so v) werthvoll als der Haß oder die Rache. Es giebt in der Liebe so viel Blindheit der Hingebung, so viel Noth und Nöthigung, nämlich durch das Unbehagen im Entbehren der anderen Person, so viel Sklaven-Sinn (im Ertragen aller Art von schlechter Behandlung)—es giebt etwas so Verderbliches und Verderbendes in der Liebe, daß die geliebte Person meistens an Geist und Kraft und Vorsicht durch das Geliebtwerden herunter geht.— Die Mutterliebe an sich nicht werthvoll.— Wie etwas äußerst zweckmäßig sein kann, ohne deshalb auf einen Intellekt zurückzugehn, der deshalb zu verehren wäre: so sind viele Handlungen äußerst nützlich für die Erhaltung der Gesellschaft, oder eines Volkes, aber nicht um dieser Erhaltung willen gethan, noch weniger um ihretwillen entstanden: sie werden irrthümlich verehrt, weil man irrthümlich sie auf die guten Folgen hin abschätzt.
26 [144]
Die Unabhängigen.
26 [145]
Wonach mißt man den Werth (einer Handlung) im Verhältniß zu anderen Handlungen?
Nach dem Erfolge (wie weit erkennbar?) (auch nach dem wahrscheinlichen Erfolge) (auch nach dem Gefühl beim Erfolge)
Nach dem Thäter.
nach der Ausführung
Nach dem begleitenden Gefühle.
Nach der Absicht (abgesehen, ob man’s erreichte)
der Werth einer Handlung, insofern sie Mittel ist (wie weit wohlgewählt oder zufällig als Mittel)
Hauptproblem: wie weit reicht die Erkennbarkeit einer Handlung?
26 [146]
Wo man kein Mißtrauen haben muß, sich gehen lassen darf, Wohlwollen und Gutmüthigkeit aus Augen und Gebärden redet, wo vielleicht gar unsre Fähigkeiten gern oder mit Bewunderung entgegengenommen werden, da pflegt Mancher sein Behagen in ein Lob solcher Menschen zu verwandeln: er nennt sie gut und möchte gern auch ihrem Urtheilsvermögen eine gute Censur geben—man hat sein Vergnügen dabei, hier sich selber zu täuschen.
26 [147]
Die große Complicirtheit der Mittel zu einem “Zwecke” giebt immer Anlaß zum Argwohne, ob hier eine freie Vernunft anordnend gewirkt habe.
26 [148]
“Niemand will freiwillig das Schlimme.” Bei Plato ist das Schlimme das, was einem schädlich ist.
26 [149]
Gerechtigkeit, als Funktion einer weit umherschauenden Macht, welche über die kleinen Perspektiven von gut und böse hinaus sieht, also einen weiteren Horizont des Vortheils hat—die Absicht, etwas zu erhalten, was mehr ist als diese und jene Person.
26 [150]
Wenn man das herausschält, was allen Thatsachen gemeinsam ist, die Grundformen der äußersten Abstraktion—kommt man da auf “Wahrheiten”? Es gab bisher diesen Weg zur Wahrheit, die Verallgemeinerung—man entdeckte so nur die Grundphänomene des Intellekts. Wirklich?
26 [151]
Die Fähigkeit eines guten vorurtheilsfreien außermoralischen Sehens und Urtheilens ist auszeichnend selten.
26 [152]
Wissentlich und willentlich lügen ist mehr werth als unwillkürlich das Wahre zu sagen—da hat Plato Recht. Obwohl die gewöhnliche Werthschätzung umgekehrt ist: nämlich man hält es für leicht die Wahrheit zu sagen. Aber das ist nur für die plumpen und oberflächlichen Menschen, die nicht mit feinen Dingen zu thun haben, so einfach
26 [153]
Von der Entstehung des Philosophen.
1. Das tiefe Unbehagen unter den Gutmüthigen—wie unter Wolken—und das Gefühl, bequem und nachlässig zu werden, auch eitel. Es verdirbt.— Will man sich klar machen, wie schlecht und schwach hier das Fundament ist, so reize man sie und höre sie schimpfen.
2. Überwindung der Rachsucht und Vergeltung, aus tiefer Verachtung oder aus Mitleid mit ihrer Dummheit.
3. Verlogenheit als Sicherheits-Maßregel. Und noch besser Flucht in seine Einsamkeit.
26 [154]
Ich habe überall hin geblickt—aber ein “Du sollst” ist nicht mehr zu finden für Menschen wie mich. Es versteht sich, daß in einem bestimmten Falle z. B. bei einer Wanderung durch Wildnisse ich jedem gehorchen würde, welcher die Fähigkeit hätte, hier befehlen zu dürfen, durch größere Erfahrung. Ebenso einem Arzte. Einem höheren Geiste würde ich mich unterwerfen, in Betreff der Werthschätzungen: einstweilen sage ich “ich will”; und warte darauf, daß mir noch einmal ein höherer Geist über den Weg läuft.
26 [155]
Es ist die Zeit der Gelobenden:—freie Treue-Gelübde zu Gunsten irgend einer Tugend: nicht, weil diese Tugend befiehlt, sondern weil ich sie mir befehle.
Der Werth der Tugenden für den Erkennenden.
Der Nachtheil der Tugenden für den Erkennenden. Die Benutzung des Bösen, der Ausgestoßenheit, des Verurtheiltseins. Man wird nicht Führer, wenn man nicht erst gründlich von der Heerde ausgestoßen ist
26 [156]
Der Prozeß des Lebens ist nur dadurch möglich, daß viele Erfahrungen nicht immer wieder gemacht werden müssen, sondern in irgend einer Form einverleibt werden—das eigentliche Problem des Organischen ist: wie ist Erfahrung möglich? Wir haben nur Eine Form des Verständnisses—Begriff, der allgemeinere Fall, in dem der spezielle liegt. In einem Falle das Allgemeine Typische sehen scheint uns zur Erfahrung zu gehören—insofern scheint alles “Lebendige” nur mit einem Intellekte uns denkbar zu werden. Nun giebt es aber die andere Form des Verständnisses—es bleiben nur die Organisationen übrig, welche gegen eine große Menge von Einwirkungen sich zu erhalten und zu wehren wissen.
26 [157]
Zur Entstehung des menschlichen Bewußtseins könnte man die Entstehung des Heerden-Bewußtseins benutzen. Denn zuletzt ist ja der Mensch auch eine Vielheit von Existenzen: sie haben sich diese gemeinsamen Organe, wie Blutcirculation, Concentration der Sinne, Magen usw. nicht zu diesen Zwecken geschaffen, sondern zufällige Bildungen, welche den Nutzen ergaben, besser das Ganze zu erhalten, sind besser entwickelt worden und erhalten geblieben. Das Zusammenwachsen von Organismen, als Mittel, das einzelne Wesen länger zu erhalten —
— wo Annäherung Anpassung am größten sind, ist die Wahrscheinlichkeit der Erhaltung am größten.
26 [158]
Ich will nicht besorgt sein: der Schutz tiefer Bücher liegt jetzt darin, daß die Meisten keine Zeit haben, sie tief zu nehmen, gesetzt sie hätten selbst die Kraft dazu. Der Mißbrauch der Erkenntniß —
26 [159]
Sch hat es stark und lustig genug gesagt, wie es nicht genug sei, nur mit dem Kopfe Philosoph zu sein.
26 [160]
Die Entstehung des Philosophen ist vielleicht die gefährlichste aller Entstehungen: indem ich hier Einiges davon heraus nehme und “zum Besten gebe,” glaube ich ganz und gar nicht diese Gefährlichkeit zu vermindern: und zuletzt hat alle Mittheilung der Erkennenden eben nur den Sinn, zu verhüten, daß nicht jeder neue Erkennende alle die Erfahrungen erst wieder zu machen habe, die schon gemacht sind.
26 [161]
Man könnte noch so Ungünstiges über die Herkunft der moralischen Werthschätzung nachgewiesen haben: jetzt, wo diese Kräfte da sind, können sie verwendet werden und haben als Kräfte ihren Werth. Ebenso wie eine Herrschaft auf List und Gewalt zurückgehn kann: aber der Werth, den sie hat, liegt darin, daß sie eine Herrschaft ist.— Es wäre denn die Sache so, daß alle Kraft der moralischen Werthschätzungen gebunden wäre an die Rechtmäßigkeit ihrer Herkunft oder überhaupt an einen bestimmten Glauben über deren Herkunft: so daß dann, mit dem Durchschauen eines Irrthums, die Kraft der Überzeugung vom Werthe dahinfiele. Indessen: wir sind in allen Stücken auf optische Irrthümer und Werthschätzungen eingerichtet. Die unzureichende Kenntniß eines Beefsteaks wird Niemanden hindern, es sich schmecken zu lassen.
26 [162]
Die Weiber sind viel sinnlicher als die Männer (obschon die angezüchtete Schamhaftigkeit ihnen selber daraus ein Geheimniß macht): für die es zuletzt wichtigere Funktionen gibt als die geschlechtliche. Aber wenn sich ein schöner Mann einem Weibe nähert—Weiber sind überhaupt unfähig, sich ein Verhältniß zwischen Mann und Weib zu denken, das nicht eine Spannung der Geschlechtlichkeit mit sich brächte.
26 [163]
1. Bedeutung der Frage nach der Geschichte der moralischen Empfindungen.
2. Die Möglichkeit eines Wegfalls dieser moralischen Urtheile zu erwägen. Ob Einzelne ihrer entrathen.— Als Zeichen des Verfalls bei Verbrechern.
26 [164]
Die Geschichte der Werthschätzungen und die Entwicklung der Erkennbarkeit der Handlung geht nicht Hand in Hand.
26 [165]
Werth nach dem Erfolge.
Gewöhnlich mißt man den Werth einer Handlung nach einem willkürlichen einzelnen Gesichtspunkte z.B. Werth einer Handlung für mein jetziges oder allgemeines Wohlbefinden
— oder für meine Vergrößerung, Vermehrung von Concentration Selbst-Beherrschung oder Gefühls-Umfänglichkeit (Mehrung der Erkenntniß)
— oder in Hinsicht auf Förderung meines Leibes, meiner Gesundheit Gewandtheit Rüstigkeit
— oder für das Wohl meiner Kinder oder Gemeinde oder Land oder Fürst oder Vorgesetzte oder Amt oder Garten oder Landwirthschaft.
— und jeder Andere kann meine Handlung noch auf sein Wohl usw. ansehn.
auch läßt sich fragen, worauf eine Handlung nicht Einfluß hat
26 [166]
Der Werth einer Handlung liegt in ihrer Alltäglichkeit oder Seltenheit oder Schwierigkeit—Gesichtspunkt der Vergleichung von Handlung mit anderen Handlungen
die Art des Geschehens, wie weit willkürlich oder gehemmt, unterstützt, durch den Zufall vielleicht,
als Glied in einer Kette—und wie gut ausgeführt oder wie halb und unklar.
26 [167]
Meine Werthschätzung der Religionen.
Ursprung jener Moral, welche Ausrottung der sinnlichen Triebe und Verachtung des Leibes fordert: eine Nothmaßregel solcher Naturen, welche nicht Maaß zu halten wissen und welche nur die Wahl haben, Wüstlinge und Schweine oder aber Asketen zu werden. Als persönlicher Ausweg wohl zu gestatten; ebenso wie eine christliche oder buddhistische Denkweise bei solchen, welche sich als Ganzes mißrathen fühlen; man muß es ihnen schon nachsehen, daß sie eine Welt verleumden, in der sie schlecht weggekommen sind.— Aber das ist Sache unserer Weisheit, solche Denkweisen und Religionen als große Irren- und Zuchthaus-Anstalten zu beurtheilen.
26 [168]
Der Mensch, ein vielfaches, verlogenes, künstliches und undurchsichtiges Thier, allen anderen Thieren durch Klugheit und List unheimlich und furchteinflößend—gebärdet sich oberflächlich, sobald er moralisirt.
26 [169]
Seht euch vor! Martyrium und Angegriffenheit verdirbt leicht den reinen Sinn zur Wahrheit: ihr werdet halsstarrig und macht euch blind gegen Einwände! Geht auch den Anfeindungen aus dem Wege!
26 [170]
Wissenschaft—Umwandlung der Natur in Begriffe zum Zweck der Beherrschung der Natur—das gehört in die Rubrik “Mittel”
aber der Zweck und Wille des Menschen muß ebenso wachsen, die Absicht in Hinsicht auf das Ganze
26 [171]
Plato und Aristoteles giengen energisch darauf los, das Reich der Begriffe festzustellen—es war ein Mißverständniß
ein Gegen-Reich zu schaffen d. h. eine Statistik und Werthabschätzung.
26 [172]
der höchste Mensch, der die hellsten und schärfsten Augen, die längsten Arme und das härteste entschlossenste Herz hat, der Mensch der bewußtesten weitesten Verantwortlichkeit
26 [173]
Wenn ich mich jetzt nach einer langen freiwilligen Vereinsamung wieder den Menschen zuwende, und wenn ich rufe: wo seid ihr meine Freunde? so geschieht dies um großer Dinge willen.
ich will einen neuen Stand schaffen: einen Ordensbund höherer Menschen, bei denen sich bedrängte Geister und Gewissen Raths erholen können; welche gleich mir nicht nur jenseits der politischen und religiösen Glaubenslehren zu leben wissen, sondern auch die Moral überwunden haben.
26 [174]
Bei allen Fragen nach der Herkunft von Sitten Rechten und Sittlichkeiten muß man sich wohl hüten, die Nützlichkeit, welche eine bestimmte Sitte oder S hat, sei es für die Gemeinde, sei es für den Einzelnen, auch als Grund ihrer Entstehung anzusehn; wie es die Naiven der historischen Forschung machen. Die Nützlichkeit selber nämlich ist etwas Wechselndes, Schwankendes; es wird in alte Formen ein Sinn immer wieder hineingelegt, und der “zunächstliegende Sinn” einer Institution ist oft am letzten erst in sie hinein gebracht. Es steht da wie bei den “Organen” der organischen Welt; auch da glauben die Naiven, daß das Auge um des Sehens willen entstanden sei. ff. Th. 2. Leipzig: Brockhaus, 1880:f..]
26 [175]
Es ist eine Sache der Ehrlichkeit und zwar einer sehr mäßigen und keineswegs bewunderungswürdigen Ehrlichkeit, vom Glauben an Gott sich rein zu erhalten; und was ehemals z. B. noch zu Pascals Zeiten eine Forderung des intellekt Gewissens war, kann heute als ein Verbot desselben Gewissens in jedem kräftigen Manneskopfe und Mannesherzen gelten. Die gedankenlose Art, ohne Prüfung überlieferte Meinungen anzulernen und verehren zu lernen, ebenso die Verehrung für das, was unsere Väter geglaubt haben und endlich eine Furchtsamkeit vor den Folgen der Gottlosigkeit—das ist die Ursache
26 [176]
Wer den Werth menschlicher Handlungen nur nach den Motiven Absichten mißt, muß auch als Forscher der Entstehung der Moralität darauf bestehen, daß die Moralität der Menschheit so viel werth sei als die Absichten, welche bei den primitiven moralischen Werthschätzungen, bei den Erfindern derselben gewaltet haben. “Warum ist der Uneigennützige gelobt worden?”
26 [177]
Es giebt eine Überzahl von Familien und Geschlechtern, welche eine Art zu schätzen eben nur fortpflanzen und fortvererben: aber man soll die starken prüfenden und selbständigen Naturen nicht übersehen, welche sich einer Werthschätzung erst nach einer Kritik unterwerfen und noch öfter sie negiren und auflösen. Es giebt auch einen fortlaufenden Strom verneinender und prüfender Kräfte in der Entwicklung des moralischen Urtheilens.
26 [178]
Der Fatalismus und seine Beweisbarkeit.
(causa efficiens ebenfalls wie c f nur eine populäre Auswahl und Vereinfachung)
Die Erkennbarkeit der Handlungen. Das Wesen der Handlungen wird erschlossen aus Zeugen.
Gut und Böse als perspectivisch.
Entstehung des Gefühls “Schuld.” Was ist Strafe?
Die Beurtheilung von “ich” und “Gemeinde,” neuerdings “der Nächste”
26 [179]
“Verantwortlich für etwas” als Freiheit des Willens verstanden (Heerden-Auffassung!)
“Unverantwortlich, sein eigener Herr”
“vor Niemandem sich verantworten müssen” diese Art Freiheit des Willens geht bis Plato, als Erbschaft der noblesse—absolute Unschuld.
“Herr seiner Tugenden, Herr seiner Schuld” wie Manfred
Unschuld wegen der Beherrschtheit durch das fatum ist die Sklavenauffassung. Der Stolz regt sich, wenn der Mensch für seine Verdienste als Urheber gelten will.
— aber Homers Stolz und aller Inspirirten, nicht selber Urheber, sondern Werkzeuge eines Gottes zu sein!
— man wird für den Erfolg bestraft, nicht für die Absicht—als Schadenanstifter. Da giebt es noch nicht “Schuld” im subjektiven Sinne.
26 [180]
Es giebt Grundthatsachen, auf denen überhaupt die Möglichkeit des Urtheilens und Schließens ruht—Grundformen des Intellekts. Damit aber sind es Wahrheiten,—es könnten Irrthümer sein.
26 [181]
Hymnus auf das fatum und das Glück der Unverantwortlichkeit.
26 [182]
Verschiedenheit der Moralen
1) vom Gesichtspunkte der Fortentwicklung innerhalb des gleichen Stammes (primitive höhere)
2) vom Gesichtspunkte des gleichzeitigen Nebeneinanderherrschens verschiedener Moralen (z. B. 2 Stände)
Bedingungen des Daseins überhaupt.
Bedingungen der Entwicklung zum Höheren:
a) in Hinsicht auf Gemeinden
b) in Hinsicht auf Einzelne.
26 [183]
Wie von Alters her der Mensch in tiefer Unbekanntschaft mit seinem Leibe lebt und an einigen Formeln genug hat, um darüber sich mitzutheilen: so steht es mit den Urtheilen über den Werth von Menschen und menschlichen Handlungen. Ein paar ganz äußerliche und nebensächliche Punkte werden festgehalten und übertrieben betont.
26 [184]
Herren-Moral und Sklaven-Moral.
Wie kostspielig sind alle diese Werthschätzungen der Sittlichkeit! Z. B. die Ehe wird jetzt bezahlt durch die tief greifende Verleumdung und innere Verderbniß des anderen Geschlechts-Verkehrs!
Alle Heerden-Werthschätzungen sind ebenso sehr gegen die niedrigen Naturen gerichtet als gegen die Ausnahms-Weisen, Höheren Naturen.
26 [185]
Damit daß Einer verrufen und von der Heerde in Bann gethan ist, ist er auch jener Verlogenheit enthoben, welche zu den ersten Verpflichtungen des Heerden-Gewissens gehört: und steckt Einer voll von bösen Trieben, wie Socrates, nach seinem eignen Zeugnisse, so leidet er wenigstens an dem nicht, was die Jammergeschichte des guten Menschen ausmacht
26 [186]
Capitel über den Einfluß der Werthschätzungen auf die Entwicklung der Affekte.
Zu unterscheiden: warum wird thatsächlich moralisch so und so geurtheilt? Und welchen Werth hat dies Urtheilen?
Die Voraussetzungen alles moralischen Urtheilens:
| a) | die Erkennbarkeit der Handlung (Gleichartigkeit von Handlungen, Möglichkeit einer begrifflichen Bestimmung) |
| b) | die Verschiedenheit des moralischen Werths von allen sonstigen Werthen. |
Damit aber, daß thatsächlich diese Voraussetzungen von jeher gemacht sind, sind sie nicht bewiesen. Es könnte stehn, wie bei der Astrologie. Dann bliebe noch übrig die Darstellung der bisherigen Art Moral, nebst der Untersuchung ihrer Ursprünge.
26 [187]
Werth des Menschen im Verhältniß zu Thieren oder zu niedersten Wesen.
26 [188]
Ich sah mich um, aber sah bisher keine schlimmere Gefahr für alle Erkenntniß als die moralische Heuchelei: oder, um gar keinen Zweifel zu lassen, jene Heuchelei, welche Moral heißt.
26 [189]
Moral als Heuchelei.
Wenn, bei fortschreitender Verfeinerung der Nerven, gewisse harte und grausame Strafen nicht mehr verhängt oder geradezu abgeschafft werden, so geschieht dies, weil die Vorstellung solcher Strafen den Nerven der Gesellschaft mehr und mehr wehe thut: nicht die wachsende Rücksicht auf den Verbrecher, nicht eine Zunahme der brüderlichen Liebe, sondern eine größere Schwäche beim Anblick von Schmerzen bringt diese Milderung des Strafcodex zu Wege.
26 [190]
Bösartige und verrufene Menschen können der moralischen Erkenntniß ausgezeichnete Dienste leisten, vorausgesetzt daß sie überhaupt Geist und Geistigkeit genug haben, um Lust am Erkennen zu fühlen: während die Schwäche und Folgsamkeit des guten Menschen, sein Mangel an Mißtrauen, sein Hinwegsehenwollen, sein Nicht-genau-sehen-wollen, seine Furcht vor dem Wehethun, das mit allem Seciren von Fleisch und Seele verbunden ist, ebenso viele Gefahren für die moralische Erkenntniß sind. Schon daß einer, durch den Bann, den die Gesellschaft auf ihn legt, sich von der Verlogenheit enthoben fühlt, zu der, als zur ersten Pflicht und Bedingung ihres Daseins, jede Heerde jeden Heerden-Menschen anleitet
26 [191]
Man muß sich zu einer solchen Denkweise (wie die christliche ist) den idealen, ganz zu ihr geschaffenen Menschen denken—Pascal z. B. Denn für den durchschnittlichen Menschen giebt es auch immer nur ein Surrogat-Christenthum, selbst für solche Naturen, wie Luther—er machte sich ein Pöbel- und Bauern-Christenthum zurecht.
26 [192]
Das Leben ist höchst räthselhaft; bisher glaubten alle großen Philosophen durch eine entschlossene Umkehrung des Blicks und der Werthschätzungen eine Lösung zu erzielen.— Ebenso glaubten alle daß für die niedrigen Intellekte ein Surrogat geboten bliebe, z. B. Moral, Glaube an Gott, Unsterblichkeit usw. (Seelenwanderung)
Die Hauptsache ist, daß eine solche Umkehr nicht nur eine Denkweise, sondern eine Gesinnungsweise ist: für Menschen, die einer umwälzenden Gesammt-Werthschätzung nicht fähig sind,—höchster Grad der Selbst-Bestimmung—ist alles gelehrte Wissen um solche Systeme fruchtlos.— Die Fruchtlosigkeit der philosophischen Denkweise, z. B. bei Kant Schopenhauer R. Wagner usw.
26 [193]
Darin, daß die Welt ein göttliches Spiel sei und jenseits von Gut und Böse—habe ich die Vedantaphilos und Heraclit zum Vorgänger.
26 [194]
Gebotene und verbotene Werke = gut und böse.
26 [195]
Es liegt in der Art der menschlichen Entwicklung, daß ein formales “Du sollst dies und jenes thun, dies und jenes lassen” uns wohl eingeboren sein mag—ein Gehorsams-Instinct, der nach einem Inhalte begehrt; je mehr einer sklavisch oder weiberhaft ist, um so stärker wird dieser Instinkt sein. Nämlich bei den Anderen, Selteneren wird dieser Instinct durch einen anderen überwogen—einen Willen zu befehlen, voranzugehen, mindestens allein zu sein (dies ist die mildeste Form der befehlerischen Natur—)
Wie weit andere Tugend-Instincte angeboren sein mögen —
26 [196]
Es wird aus dem Bösen (Bös-Empfundenen) etwas “Gutes” (als Gut-Empfundenes); und wiederum kann manches Gute, wenn wir auf eine höhere Stufe steigen, in uns als Böse empfunden werden, z. B. der Fleiss für den vollkommenen Künstler, der Gehorsam für den zum Befehlen Gelangten, die Hingebung und die Gnade für den Vertreter großer persönlicher Ziele (Napoleon) Alle diese edelmüthigen Gefühle, welche der junge N mit seiner Zeit gemein hatte, waren Verführungen und Versuchungen, welche die Ausschließliche Verwendung der Kraft in Einer Richtung schwächen wollten.
26 [197]
Daß man sich Tugenden zulegen und Fehler ablegen könne, ist kein Zweifel: was geschieht da eigentlich?
26 [198]
Die Vergeltung der Werke an dem Thäter—ein Grundgedanke der Vedantaphilos. Die ganze Welt selber ist nur die Vergeltung der Werke an dem Thäter—aber sie beruht auf dem Nicht-Wissen.
26 [199]
“Ihn suchen die Brahmanen zu erkennen durch Vedastudium, durch Opfer, durch Almosen, durch Büßen, durch Fasten: die eigenen Mittel der Erkenntniß sind: Gemütsruhe, Bezähmung, Entsagung, Geduld, Sammlung”—Mittel zu einer mystischen Intuition als der höchsten Seligkeit des Menschen.
26 [200]
Nämlich: was ist thatsächlich der höchste Glücks-Zustand des Menschen? Das hat in den verschiedensten Systemen den Maaßstab abgegeben. Haschisch
26 [201]
Daß auch die Empfindung des Schmerzes auf Illusion beruht p. 448
26 [202]
NB. Für wen es nicht mühsam ist, sich den Zustand der gewöhnlichen Menschen vorzustellen, der ist kein höherer Mensch. Aber insofern ein Philosoph es wissen muß, wie der gewöhnliche Mensch beschaffen ist, muß er dieses Studium treiben: da hat mir z. B. Reè genützt, der mit ausgezeichneter Redlichkeit, und ohne das Errathen höherer Zustände, welches Künstler haben, bei allen eine Gemeinheit —
26 [203]
Die Grenzen des Menschen. Der Versuch zu machen, wie hoch und weit man den Menschen treiben kann:
— die Unlust am Menschen verleitete die Brahmanen, Plato usw. nach einer außermenschlichen göttlichen Daseinsform zu trachten—jenseits von Raum Zeit Vielheit usw. Die Unlust bezog sich auf das Inconstante, Täuschende, Wechselnde, “Stinkende” usw. Thatsächlich gab den Anlaß zur Lösung 1) die Ecstase 2) der tiefe Schlaf.
— nun könnte aber auch einmal das Lust- und Machtgefühl des Menschen nach einer weiteren Daseinsform trachten—eine Denkweise suchen, welche auch dem Inconstanten, Täuschenden, Wechselnden usw. sich gewachsen fühlte—die schaffende Lust. Grundsatz dabei: das Unbedingte kann nicht das Schaffende sein. Nur das Bedingte kann bedingen.
— Thatsächlich ist die vorhandene Welt, die uns etwas angeht, von uns geschaffen—von uns d. h. von allen organischen Wesen—sie ist ein Erzeugniß des organischen Prozesses, welcher dabei als produktiv-gestaltend, werthschaffend erscheint. Von ihm als Ganzem aus gesehen: ist alles Gut und Böse nur perspektivisch für Einzelnes oder einzelne Theile des Prozesses; im Ganzen aber ist alles Böse so nothwendig wie das Gute, der Untergang so nothwendig wie das Wachsthum
— die Welt des Unbedingten, wenn es existirte, wäre das Unproduktive.
aber man muß endlich begreifen, daß Existent und Unbedingt widersprechende Prädikate sind.
26 [204]
Die schöpferische Kraft (Gegensätze bindend, synthetisch)
26 [205]
Alle welche etwas repräsentiren z. B. Fürsten Priester usw. müssen so und so zu scheinen suchen, wenn sie nicht so und so sind—das geschieht fortwährend in den kleinsten Verhältnissen, denn im Verkehr mit Menschen repräsentirt Jeder immer Etwas, irgend einen Typus—darauf beruht der menschliche Verkehr, daß Jeder sich möglichst eindeutig, gleichdeutig benimmt: damit nicht zu viel Mißtrauen nöthig ist (eine Vergeudung geistiger Kraft!)
Man stellt sich in Verhältnisse, wo unsre geistige Aufmerksamkeit und Vorsicht nicht allzusehr angespannt wird—und schimpft, wenn es anders ist, gegen Jeden, der uns dazu zwingt.
Die großen Unruhe- Mißtrauen-stifter, die uns zwingen alle Kräfte zusammenzunehmen, werden furchtbar gehaßt—oder man unterwirft sich ihnen blindlings (es ist dies eine Ausspannung für beunruhigte Seelen —
— um keine solche souveränen Schrecklichen zu haben, erfindet man Democratie, Ostracismus, Parlamentarismus,—aber die Sache liegt in der Natur der Dinge.
Wenn der Abstand der Menschen sehr groß von einander ist—so bilden sich Formen darnach.
Daß die hochbegabten Naturen gehorchen lernen, ist schwer; denn nur höher begabten und vollkommeneren Naturen gehorchen sie, aber wie, wenn es diese nicht giebt!
26 [206]
Wie wir unverstandene körperliche Zustände als moralische Leiden auslegen—an uns, an unseren Mitmenschen uns dafür rächen —
26 [207]
Es entspricht dem Verhalten des Weisen in gewissem Sinn das Verhalten des Organism gegen die Außenwelt, speziell ist der Intellekt prachtvoll als regierende, abhaltende, ordnende Macht, kalt bleibend unter dem Sturm von Eindrücken.
26 [208]
Die tausend Räthsel um uns würden uns nur interessiren, nicht quälen, wenn wir gesund und heiter genug im Herzen wären.
26 [209]
Der uralte Fehlschluß auf eine erste Ursache, auf einen Gott, als Ursache der Welt. Aber unser eigenes Verhalten zur Welt, unser tausendfältig schaffendes Verhalten in jedem Augenblick zeigt richtiger, daß Schaffen zu den unveräußerlichen und beständigen Eigenschaften der Welt selber gehört:—um die Sprache der Mythologen nicht zu verschmähen.
26 [210]
Die Nachahmenden
26 [211]
Den Magen und seine Thätigkeit moralisch beurtheilen: ursprünglich ist alles Geschehen moralisch interpretirt worden. Das Reich des “Wollens und Werthschätzens” immer kleiner geworden.
26 [212]
Man muß wirklich drüber hinaus sein, sich zu ärgern über die Verurtheilung durch kleine niedrige Naturen—es giebt aber viel Affectation dieses “drüber hinaus”
26 [213]
Der Anschein der erreichten Tugend wird uns zur Pflicht gemacht: jeder mäßig Redliche gienge zu Grunde unter allgemeiner Verachtung.
26 [214]
Was das Weib betrifft, so neige ich zur orientalischen Behandlung: die ausnahmsweisen Weiber selber beweisen immer nur das Gleiche—Unfähigkeit zur Gerechtigkeit und unglaublich reizbare Eitelkeit. Man soll nichts an ihnen zu ernst nehmen, ihre Liebe am wenigsten: zum mindesten soll man wissen, daß die treuest und leidenschaftlichst Liebenden gerade eine kleine Untreue zur Erholung nöthig haben, ja zur Ermöglichung der Dauer der Liebe.
26 [215]
Daß man liebt (verzeiht, nachsieht usw.), weil man nicht stark, fest genug ist, feind zu sein, wehe zu thun durch seine Feindschaft—daß man lieber liebt als gerecht-neutral bleibt, weil es uns zu kalt und unheimlich wird, so allein stehn zu bleiben—daß man lieber die Entehrung erträgt als Jemandem böse zu sein—sehr weiblich!
26 [216]
Ein Intellekt nicht möglich ohne die Setzung des Unbedingten. Nun giebt es Intellekte und in ihnen das Bewußtsein des Unbedingten. Aber das letztere als Existenz-Bedingung des Intellekts:—jeden Falls kann das Unbedingte dann nichts Intellektuelles sein: das Funktioniren des Intellekts, das Existiren des Intellekts auf eine Bedingung hin spricht gegen die Möglichkeit des Unbedingten als Intellekt.
— Schließlich könnte das Logische möglich sein in Folge eines Grundirrthums, eines fehlerhaften Setzens (Schaffens, Erdichtens eines Absoluten)
26 [217]
Ich sage: der Intellekt ist eine schaffende Kraft: damit er schließen, begründen könne, muß er erst den Begriff des Unbedingten geschaffen haben—er glaubt an das, was er schafft, als wahr: dies das Grundphänomen.
Über die Bedingungen des logischen Denkens:
26 [218]
Daß wir solchen Menschen zu gefallen wünschen, die wir verehren, ist nicht Eitelkeit—gegen Reè.
26 [219]
Zarathustra 1.
Überwindung der Eitelkeit
Ehrfurcht
26 [220]
2. Zarathustra.
Große kosmische Rede “ich bin die Grausamkeit” “ich bin die List” usw. Hohn auf die Scheu, die Schuld auf sich zu nehmen—Hohn des Schaffenden—und alle Leiden—böser als je einer böse war usw. Höchste Form der Zufriedenheit mit seinem Werk—er zerbricht es, um es immer wieder zusammen zu fügen. Buddha p. 44, 46.
neue Überwindung des Todes, des Leides und der Vernichtung
der Gott, der sich klein (eng) macht und sich hindurchdrängt durch die ganze Welt (das Leben immer da)—Spiel, Hohn—als Dämon auch der Vernichtung.
26 [221]
| Zu: Theil 2 |
| Aussermoralische Betrachtung |
| 1 | wahr | verlogen | ||
| gut und böse | 2 | als rein | und | unrein Buddha, p. 50 |
| 3 | verehrlich | verächtlich p. 296 | ||
| 4 | als vornehm | und | niedrig | |
| 5 | nützlich | schädlich |
| gut | 6 | als sich Los-Lösen von der Welt |
| weltentsagend (nicht “handelndes Gestalten”) p. 50 böse = weltlich |
| 7 | geboten | verboten | ||
| 8 | unegoistisch | egoistisch | ||
| 9 | arm (Ebion) elend | reich glücklich |
| 10 | Umkehrung: besitzend, reich (auch arya) (im Eranischen, und übergehend ins Slavische. |
| rein = glücklich böse = unglücklich | p. 50. |
die höchste Kraft, im Brahman und Christenthum—sich abzuwenden von der Welt. p. 54.
26 [222]
Zarathustra 1. furchtbare Spannung. Zarathustra muß kommen oder alles auf Erden ist verloren.
26 [223]
Zarathustra 3. die große Weihung des neuen Arzt- Priester- Lehrer-Wesens, welches dem Übermenschen vorangeht.
26 [224]
Unegoistische Handlungen sind unmöglich; “unegoistischer Trieb” klingt mir in die Ohren wie “hölzernes Eisen.” Ich, wollte, daß irgendwer den Versuch Machte, die Möglichkeit solcher Handlungen zu beweisen: daß sie existiren, daran glaubt freilich das Volk und wer ihm gleich steht—etwa wie der, welcher Mutterliebe oder Liebe überhaupt etwas Unegoistisches nennt.
Daß übrigens die Völker die moralische Werthtafel “gut” und “böse” immer als “unegoistisch” und “egoistisch” ausgelet hätten, ist ein historischer Irrthum.
Vielmehr ist gut und böse als “geboten” und “verboten”—“der Sitte gemäß oder zuwider”—viel älter und allgemeiner.
Daß mit der Einsicht in die Entstehung der moralischen Werthurtheile noch nicht eine Kritik und Werthbestimmung derselben gegeben ist—ebenso wenig eine Qualität durch Kenntniß der quantitativen Bedingungen, unter denen sie entsteht, erklärt ist.
26 [225]
Übung im Gehorsam: die Schüler des Brahmanen. Die Tempelherrn-Gelübde, die Assasinen.
Die Vergöttlichung des Machtgefühls im Brahmanen: interessant daß es in der Krieger-Kaste entstanden und erst übergegangen ist auf die Priester.
26 [226]
Die Erkenntniß ist ihrem Wesen nach etwas Setzendes, Erdichtendes, Fälschendes:
26 [227]
“Wissenschaft” (wie man sie heute übt) ist der Versuch, für alle Erscheinungen eine gemeinsame Zeichensprache zu schaffen, zum Zwecke der leichteren Berechenbarkeit und folglich Beherrschbarkeit der Natur. Diese Zeichensprache, welche alle beobachteten “Gesetze” zusammenbringt, erklärt aber nichts—es ist nur eine Art kürzester (abgekürztester) Beschreibung des Geschehens.
26 [228]
Die ungeheure Masse von Zufälligem Widerspruch Disharmonischem Blödsinnigem in der jetzigen Menschen-Welt weist hin auf die Zukunft: es ist, von der Zukunft aus gesehen, das ihr jetzt nothwendige Arbeits-Feld, wo sie schaffen, organisiren und harmonisiren kann.— Ebenso im Weltall
26 [229]
Von der Augenscheinwelt führen die Brahmanen und Christen ab, weil sie dieselbe für böse halten (fürchten—) aber die Wissenschaftlichen arbeiten im Dienste des Willens zur Überwältigung der Natur.
26 [230]
Über wie viel Zufälliges bin ich Herr geworden! Welch schlechte Luft blies mich an, als ich Kind war! Wann waren die Deutschen dumpfer ängstlicher muckerhafter kriecherischer als in jenen fünfziger Jahren, in denen ich Kind war!
26 [231]
NB. Der bisherige Mensch—gleichsam ein Embryon des Menschen der Zukunft—alle gestaltenden Kräfte, die auf diesen hinzielen, sind in ihm: und weil sie ungeheuer sind, so entsteht für das jetzige Individuum, je mehr es zukunftbestimmend ist, Leiden. Dies ist die tiefste Auffassung des Leidens: die gestaltenden Kräfte stoßen sich.
Die Vereinzelung des Individuums darf nicht täuschen—in Wahrheit fließt etwas fort unter den Individuen. Daß es sich einzeln fühlt, ist der mächtigste Stachel im Prozesse selber nach fernsten Zielen hin: sein Suchen für sein Glück ist das Mittel, welches die gestaltenden Kräfte anderseits zusammenhält und mäßigt, daß sie sich selber zerstören.
26 [232]
Nicht “Menschheit,” sondern Übermensch ist das Ziel! Mißverständniß bei Comte
26 [233]
Das Glück höherer Wesen auf Sternen (bei Dühring) eine feinere Ausflucht vor der irdischen Unbefriedigung! Gleich den Hinter- und Überweltlern!
26 [234]
Die Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Menschen—mein Ausweg! Das Ziel, welches die Engländer sehen, macht jede höhere Natur lachen! Es ist nicht begehrenswerth—viel Glückliche geringsten Ranges ist beinahe ein widerlicher Gedanke.
26 [235]
An den Wind Mistral.
Eine Rhapsodie.
26 [236]
Die Erkenntniß wird, bei höherer Art von Wesen, auch neue Formen haben, welche jetzt noch nicht nöthig sind.
26 [237]
“Ohne meine Pfeile wird das Troja der Erkenntniß nicht erobert”—sage ich Philoctet.
26 [238]
Der Philosoph die höhere Species, aber viel mißrathener bisher. Der Künstler die niedere, aber viel schöner und reicher entwickelt!
26 [239]
Zum Plan.
| A. Die regulativen Hypothesen B. Das Experiment C. Die Beschreibung (an Stelle der angeblichen “Erklärung”) | im Vordergrund meine Philosophie: Inhalt des ersten Theils. |
die zugehörigen Seelen-Zustände als bisherige höchste Errungenschaften (von mir für mich)
Philosophie als Ausdruck eines außerordentlich hohen Seelen-Zustandes.
26 [240]
Die Erklärer von Dichtern mißverstehen, daß der Dichter Beides hat, die Realität und die Symbolik. Ebenso den ersten und den zweiten Sinn eines Ganzen. Ebenso Lust an dem Schillernden, Zwei-, Dreideutigen, auch die Kehrseite ist gut.
26 [241]
Erster Theil.
Die neuen Wahrhaftigen.
| Überwindung des Dogmatischen | : | der zugehörige höhere |
| und des Dünkels | Seelen-zustand |
Überwindung des Sceptikers der Schwäche.
A. die regulativen Hypothesen
B. das Experiment.
C. die Beschreibung
das neue Macht-Gefühl: der mystische Zustand, und die hellste kühnste Vernünftigkeit als ein Weg dahin
Zweiter Theil.
Jenseits von Gut und Böse.
26 [242]
Galiani meint, der Mensch sei das einzige religiöse Thier. Aber in der Art, wie ein Hund sich vor dem Menschen wälzt, erkenne ich die Art der “Gottseligen” wieder, wenn auch vergröbert.
26 [243]
Die neue Rangordnung.
Vorrede zur Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Immer strenger fragen: für wen noch schreiben?— Für Vieles von mir Gedachte fand ich keinen reif; und Zarathustra ist ein Beweis daß Einer mit der größten Deutlichkeit reden kann, aber von Niemandem gehört wird.— Ich fühle mich im Gegensatz zur Moral der Gleichheit.
| Die Ungleichheit der Menschen | 1. 2. | Führer und Heerde. (Bedeutung des Isolirten) Ironie gegen Moralisten Vollständige Menschen und Bruchstücke (Problem des Weibes z. B., auch des wissenschaftlichen Menschen) Gerathene und Missrathene (letztere vielleicht die höheren in der Anlage, auch bei Völkern und Rassen. Problem: indogermanisch und—semitisch, letztere süden-näher NB. religiöser, würdevoller mehr raubthier-Vollkommenheit, weiser—erstere muskelkräftiger kälter gröber schwerer, verderbbar) Schaffende und “Gebildete” (“höhere Menschen” allein die Schaffenden) | |
| Die Ungleichheit der Schaffenden | 5. 6. 7. 8. 9. | Die Künstler (als die kleinen Vollender) aber in allen Werthschätzungen abhängig. Die Philosophen (als die Umfänglichsten, die Überblicker, Beschreiber im Großen) (aber in allen Werthschätzungen abhängig), schon sehr viel mißrathener. Die Heerden-Bildner (Gesetzgeber), die Herrschenden, ein sehr mißrathener Typus (sich zum Werthmesser nehmend, kurze Perspective) Die Werthe-Setzenden (Religionsstifter) äußerstes Mißrathen und Fehlgreifen. Ein fehlender Typus: der Mensch, welcher am stärksten befiehlt, führt, neue Werthe setzt, am umfänglichsten über die ganze Menschheit urtheilt und Mittel zu ihrer Gestaltung weiß—unter Umständen sie opfernd für ein höheres Gebilde. Erst wenn es eine Regierung der Erde giebt, werden solche Wesen entstehen, wahrscheinlich lange im höchsten Maaße mißrathend. | |
| Die Ungleichheit der höheren Menschen | 10. | Das Gefühl der Unvollkommenheit, höher oder schwächer, unterscheidet (Werth der “Sündengefühle” Das Gefühl nach Vollkommenem hin, als Bedürfniß vorherrschend (Werth der Frommen, der Einsiedler, Klöster, Priester) Die Kraft, etwas Vollkommenes irgend worin gestalten zu können (Werth der “schönen Seelen,” der Künstler, der Staatsmänner) (Dionysische Weisheit) Die höchste Kraft, alles Unvollkommene, Leidende als nothwendig (ewig-wiederholenswerth) zu fühlen aus einem Überdrange der schöpferischen Kraft, welche immer wieder zerbrechen muß und die übermüthigsten schwersten Wege wählt (Princip der größtmöglichsten Dummheit, Gott als Teufel und Übermuth-Symbol) Der bisherige Mensch als Embryon, in dem sich alle gestaltenden Mächte drängen—Grund seiner tiefen Unruhe der schaffendste als der leidendste? |
26 [244]
Zur Vorrede.
Zur Ehrfurcht erziehen, in diesem pöbelhaften Zeitalter, welches selber im Huldigen noch pöbelhaft ist, für gewöhnlich aber zudringlich und schamlos (auch mit seinem “Wohlthun” und “Mitleiden”) Eine Vorrede zum Fortscheuchen der Meisten. Ja, ich habe keinen, an den ich denke—es sei denn jene ideale Gemeinde, welche sich Zarathustra auf den glückseligen Inseln erzogen hat.
26 [245]
Der beständige Blick nach dem Vollkommenen hin, und daher Ruhe—was Schopenhauer als aesthetisches Phänomen beschreibt, ist auch das Charakteristische der Gläubigen. Goethe (an Rath Schlosser): wahrhaft hochachten kann man nur, wer sich nicht selbst sucht ... ich muß gestehn, selbstlose Charaktere dieser Art in meinem ganzen Leben nur da gefunden zu haben, wo ich ein festgegründetes religiöses Leben fand, ein Glaubensbekenntniß, das einen unwandelbaren Grund hatte, gleichsam auf sich selbst ruhte, nicht abhieng von der Zeit, ihrem Geiste, ihrer Wissenschaft
(das Orientalische, das Weib macht hier diese Wirkung—)
26 [246]
In diesem Jahrhundert der oberflächlichen und geschwinden Eindrücke ist das gefährlichste Buch nicht gefährlich: es sucht sich die fünf, sechs Geister die tief genug sind. Im Übrigen—was schadet es, wenn es diese Zeit zerstören hilft!
26 [247]
Die Amerikaner zu schnell verbraucht—vielleicht nur anscheinend eine zukünftige Weltmacht.
26 [248]
Leibnitz ist interessanter als Kant—typisch deutsch: gutmüthig, voll edler Worte, listig, geschmeidig, schmiegsam, ein Vermittler (zwischen Christenthum und der mechanistischen Weltansicht), ungeheuer verwegen für sich, verborgen unter einer Maske und höfisch-zudringlich, anscheinend bescheiden.
26 [249]
Die Franzosen tief artistisch—das Durchdenken ihrer Cultur, die Consequenz im Durchführen des schönen Anscheines—spricht gar nicht gegen ihre Tiefe
26 [250]
Plato dachte: was man befiehlt als von Gott aus, z. B. wenn man die Geschwister-Ehe verbietet als ein Greuel für Gott: er meint, das unbedingte Verbieten sei der genügende Erklärungsgrund für die moralischen Urtheile. Kurzsichtig!
26 [251]
Man bewunderte den Unabhängigen im Alterthum, Niemand klagte über den “Egoismus” des Stoikers.
26 [252]
Jedes Volk hat seine eigene Tartüfferie
26 [253]
“Hier ist die Aussicht frei, der Blick erhoben.”
26 [254]
Das Problem von Freiheit und Unfreiheit des Ws gehört in die Vorhöfe der Philosophie—für mich giebt es keinen Willen. Daß der Glaube an den Willen nothwendig ist, um zu “wollen”—ist Unsinn.
26 [255]
Geringschätzung gegen das jetzige Deutschland, welches nicht Takt genug hat, solche Klatschbasen-Bücher, wie das von Jansen, einfach abzulehnen: wie es sich “den alten und neuen Glauben” des alten, sehr alten und gar nicht neuen Strauß hat aufschwätzen lassen.
26 [256]
Zum Titel: “Eine Wahrsagung.”
Ich glaube, ich habe Einiges aus der Seele des höchsten Menschen errathen—vielleicht geht Jeder zu Grunde, der ihn erräth, aber wer ihn gesehen hat, muß helfen, ihn zu ermöglichen.
Grundgedanke: wir müssen die Zukunft als maaßgebend nehmen für alle unsere Werthschätzung—und nicht hinter uns die Gesetze unseres Handelns suchen!
26 [257]
Complementäre Menschen—wo?
26 [258]
Vorrede:
von der Rangordnung des Geistes
Von der Ungleichheit der Menschen
a) Führer und Heerde
b) Vollständige und Bruchstücke
c) Gerathene und Missrathene
d) Schaffende und “Gebildete” vor Allem aber “Ungebildete” und Tölpel bis in den letzten Grund hinein
Von der Ungleichheit der höheren Menschen (nach der Seite der Kraftmenge)
a) nach dem Gefühle der Unvollkommenheit, als entscheidend
b) Gefühl nach dem Vollkommenen hin
c) die Kraft irgend etwas Vollkommenes gestalten zu können
d) höchste Kraft, auch das Unvollkommene als nothwendig zu fühlen, aus Überdrang der gestaltenden
Kraft (dionysisch)
Von der Rangordnung der Werthe-Schaffenden (in Bezug auf das Werthe-setzen)
a) die Künstler
b) die Philosophen
c) die Gesetzgeber
d) die Religionsstifter
e) die höchsten Menschen als Erd-Regierer und Zukunft-Schöpfer. (zuletzt sich zerbrechend—)
26 [259]
Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Ein Versuch der Umwerthung aller Werthe.
26 [260]
In diesem pöbelhaften Zeitalter soll der vornehm geborene Geist jeden Tag mit dem Gedanken der Rangordnung beginnen: hier liegen seine Pflichten, hier seine feinsten Verirrungen
26 [261]
Mißverständnisse im großen Stile z.B. der Ascetism als Mittel der Selbst-Erhaltung für wilde allzu erregliche Naturen. Die la Trappe als “Zuchthaus,” zu dem man sich selber verurtheilt (gerade unter Franzosen begreiflich, wie das Christenthum in der geilen Luft der südeuropäischen Hellenisirung). Der Puritanismus hat als Hintergrund die Überzeugung von der gründlichen eigenen Gemeinheit, vom allgegenwärtigen “inneren Vieh” (ego)—und der düstere trockene Stolz des puritanischen Engländers will, daß mindestens Jeder ebenso schlecht von seinem “inwendigen Menschen” denken soll wie er selber denkt!
Die Sitten und Lebensweisen sind als bewiesene Mittel der Erhaltung gefaßt worden—darin erstes Mißverständniß und Oberflächlichkeit. Zweites Mißverständniß: es sollen nunmehr die einzigen Mittel sein.
Fromme—Bewußtsein eines höheren Zusammenhangs aller Erlebnisse
26 [262]
Mißverständniß des Egoismus: von Seiten der gemeinen Naturen, welche gar nichts von der Eroberungslust und Unersättlichkeit der großen Liebe wissen, ebenso von den ausströmenden Kraft-Gefühlen, welche überwältigen, zu sich zwingen, sich an’s Herz legen wollen—der Trieb des Künstlers nach seinem Material. Oft auch nur sucht der Thätigkeits-Sinn nach einem Terrain.— Im gewöhnlichen “Egoismus” will gerade das “nicht-ego,” das tiefe Durchschnittswesen, der Gattungsmensch seine Erhaltung—das empört, falls es von den Selteneren, Feineren und weniger Durchschnittlichen wahrgenommen wird. Denn diese urtheilen: “wir sind die Edleren! Es liegt mehr an unserer Erhaltung als an der jenes Viehs!”
26 [263]
Alle bisherigen Moralen betrachte ich als aufgebaut auf Hypothesen über Erhaltungs-Mittel eines Typus—aber die Art des bisherigen Geistes war noch zu schwach und ihrer selber zu ungewiß, um eine Hypothese als Hypothese zu fassen und doch als regulativisch zu nehmen—es bedurfte des Glaubens
26 [264]
NB. Wie bisher die Menschen sich höhere Gestalten, als der Mensch ist, vorgestellt haben — —
26 [265]
NB. über die Schreie der Gebärerin wegen all der Unreinheit. Fest der Reinigung für die größten Geister nöthig!
26 [266]
Der Schwächere Zartere als der Edlere.
26 [267]
die ungeheure idealisirende Kraft, welche das Christenthum anwandte, um körperliche Unlust-Zustände und barbarische Unordnungs-Gefühle zu ertragen—sie deutet alles seelisch um.
26 [268]
Die Menschen müssen in dem Maaße gebunden werden, als sie nicht frei von sich aus laufen können. Moral-Revolutionen z.B. während des Christenthums sind 1) gegen entnervte verwüstete greise Völker gerichtet 2) gegen die gräßliche Roheit der Barbaren.
26 [269]
Zarathustra muß seine Jünger zur Erd-Eroberung aufreizen—höchste Gefährlichkeit, höchste Art von Sieg: ihre ganze Moral eine Moral des Kriegs—unbedingt Siegen wollen
26 [270]
An die höheren Menschen.
Herolds-Rufe eines Einsiedlers.
Von
Friedrich Nietzsche.
26 [271]
Die Menschen wollen ihre Handlungen und die Art ihres Handelns
1) entweder verherrlichen—daher Moral der Verherrlichung
2) oder rechtfertigen und verantworten (vor einem forum, sei dies die Gemeinde oder die Vernunft oder das Gewissen—) also die Handlung muß erklärbar, aus vernünftig-bewußten Motiven entstanden sein—und ebenso die ganze Handlungs-Weise
3) oder verurtheilen, verkleinern, um so sich zu vergewaltigen oder um Mitleiden zu erregen und davonzukommen bei den Mächtigen.
26 [272]
Im organischen Prozeß
1) überreichlicher Ersatz—falscher Ausdruck und teleologisch gefärbt
2) Selbst-Regulirung, also die Fähigkeit der Herrschaft über ein Gemeinwesen vorausgesetzt d. h. aber, die Fortentwicklung des Organischen ist nicht an die Ernährung angeknüpft, sondern an das Befehlen und Beherrschen-können: ein Resultat nur ist Ernährung.
26 [273]
Der Wille zur Macht in den Funktionen des Organischen.
Lust und Unlust und ihr Verhältniß zum Willen zur Macht.
Angeblicher Altruism und der Wille zur Macht. Mutterliebe z. B. und Geschlechtsliebe
Die Entwicklung der Gefühle aus dem Grundgefühle.
Unfreiheit und Freiheit des Willens.
Strafe und Lohn (der stärkere Typus als der höhere scheidet von sich ab und zieht an sich an)
Pflicht und Recht.
26 [274]
Zurückführung der Generation auf den Willen zur Macht (! er muß also auch in der angeeigneten unorganischen Materie vorhanden sein!): das Auseinandertreten des Protoplasma im Falle, daß eine Form sich gestaltet, wo das Schwergewicht an 2 Stellen gleich vertheilt ist. Von jeder Stelle aus geschieht eine zusammenziehende, zusammenschnürende Kraft: da zerreißt die Zwischen-Masse. Also: die Gleichheit der Machtverhältnisse ist Ursprung der Generation. Vielleicht ist alle Fortentwicklung an solche entstehende Macht-Äquivalenzen gebunden.
26 [275]
Die Lust ist eine Art von Rhythmus in der Aufeinanderfolge von geringeren Schmerzen und deren Grad-Verhältnissen, eine Reizung durch schnelle Folge von Steigerung und Nachlassen, wie bei der Erregung eines Nerven, eines Muskels, und im Ganzen eine aufwärts sich bewegende Curve: Spannung ist wesentlich darin und Ausspannung. Kitzel.
Die Unlust ist ein Gefühl bei einer Hemmung: da aber die Macht ihrer nur bei Hemmungen bewußt werden kann, so ist die Unlust ein nothwendiges Ingrediens aller Thätigkeit (alle Thätigkeit ist gegen etwas gerichtet, das überwunden werden soll) Der Wille zur Macht strebt also nach Widerständen, nach Unlust. Es giebt einen Willen zum Leiden im Grunde alles organischen Lebens (gegen “Glück” als “Ziel”)
26 [276]
Wenn zwei organische Wesen zusammenstoßen, wenn es nur Kampf gebe um das Leben oder die Ernährung: wie? Es muß den Kampf um des Kampfes willen geben: und Herrschen ist das Gegengewicht der schwächeren Kraft ertragen, also eine Art Fortsetzung des Kampfs. Gehorchen ebenso ein Kampf: so viel Kraft eben zum Widerstehen bleibt.
26 [277]
Gegen den Erhaltungs-Trieb als radikalen Trieb: vielmehr will das Lebendige seine Kraft auslassen—es “will” und “muß” (beide Worte wiegen mir gleich!): die Erhaltung ist nur eine Consequenz.
26 [278]
Die Tugendhaften wollen uns (und mitunter auch sich selber) glauben machen, sie hätten das Glück erfunden. Die Wahrheit ist, daß die Tugend von den Glücklichen erfunden worden ist.
26 [279]
Daß in den Folgen der Handlungen schon Lohn und Strafe liegen—dieser Gedanke einer immanenten Gerechtigkeit ist grundfalsch. Übrigens steht er im Widerspruch mit der Vorstellung einer “Heils-Ordnung” in den Erlebnissen und Folgen: wonach schlimme Dinge aller Art als besondere Gunstbezeugungen eines Gottes, der unser Bestes will, aufzufassen sind.— Warum Leid auf eine Übelthat folgen soll, ist an sich nicht begreiflich: in praxi läuft es sogar darauf hinaus, daß auf eine Übelthat eine Übelthat folgen solle.— Daß einer, der anders ist als wir, es schlecht haben müsse, ist ein Gedanke der Vertheidigung, eine Nothwehr der herrschenden Caste, ein Mittel der Züchtung,—aber nichts besonders “Edles.”— Alle möglichen solchen Vorstellungen über “immanente Gerechtigkeit,” “Heilsordnung,” ausgleichende “transcendente Gerechtigkeit” gehen jetzt in jedem Kopfe herum—sie bilden das Chaos der modernen Seele mit.
26 [280]
Wir stehen anders zur “Gewißheit.” Weil am längsten die Furcht dem Menschen angezüchtet worden ist, und alles erträgliche Dasein mit dem “Sicherheits-Gefühl” begann, so wirkt das jetzt noch fort bei den Denkern. Aber sobald die äußere “Gefährlichkeit” der Existenz zurückgeht, entsteht eine Lust an der Unsicherheit, Unbegrenztheit der Horizont-Linien. Das Glück der großen Entdecker im Streben nach Gewißheit könnte sich jetzt in das Glück verwandeln, überall die Ungewißheit und das Wagniß nachzuweisen.
Ebenso ist die Ängstlichkeit des früheren Daseins der Grund, weshalb die Philosophen so sehr die Erhaltung (des ego oder der Gattung) betonen und als Princip fassen: während thatsächlich wir fortwährend Lotterie spielen gegen dies Princip. Hieher gehören alle Sätze des Spinoza: d. h. die Grundlage des englischen Utilitarismus. v. das braune Heft.
26 [281]
Die dummen Moralisten haben immer die Veredelung angestrebt ohne zugleich die Basis zu wollen: die leibliche Veradlichung (durch eine “vornehme” Lebensweise otium, Herrschen, Ehrfurcht usw.) durch edel-vornehme Umgebung von Mensch und Natur, endlich sie haben an’s Individuum gedacht und nicht an die Fortdauer des Edlen durch Zeugung. Kurzsichtig! Nur für 30 Jahre und nicht länger!
26 [282]
Je nachdem ein Volk fühlt: “bei den Wenigen ist das Recht, die Einsicht, die Gabe der Führung usw.” oder “bei den Vielen”—giebt es ein oligarchisches Regiment oder ein demokratisches.
Das Königthum repräsentirt den Glauben an Einen ganz Überlegenen, einen Führer Retter Halbgott. Die Aristokratie repräsentirt den Glauben an eine Elite-Menschheit und höhere Kaste. Die Demokratie repräsentirt den Unglauben an große Menschen und an Elite-Gesellschaft: “Jeder ist jedem gleich” “Im Grunde sind wir allesamt eigennütziges Vieh und Pöbel”
26 [283]
Um den Gedanken der Wiederkunft zu ertragen:
ist nöthig Freiheit von der Moral,
neue Mittel gegen die Thatsache des Schmerzes (Schmerz begreifen als Werkzeug, als Vater der Lust—es giebt kein summirendes Bewußtsein der Unlust)
der Genuß an aller Art Ungewißheit Versuchhaftigkeit, als Gegengewicht gegen jenen extremen Fatalismus
Beseitigung des Nothwendigkeitsbegriffs
Beseitigung des “Willens”
Beseitigung der “Erkenntniß an sich”
größte Erhöhung des Kraft-Bewußtseins des Menschen, als dessen, der den Übermenschen schafft.
26 [284]
| 1. Der Gedanke: | seine Voraussetzungen, welche wahr sein müßten, wenn er wahr ist was aus ihm folgt |
| 2. als der schwerste Gedanke: | seine muthmaßliche Wirkung, falls nicht vorgebeugt wird d. h. falls nicht alle Werthe umgewerthet werden |
| Mittel ihn zu ertragen | |
| die Umwerthung aller Werthe: nicht mehr die Lust an der Gewißheit sondern an der Ungewißheit nicht mehr “Ursache und Wirkung,” sondern das beständig Schöpferische nicht mehr Wille der Erhaltung, sondern der Macht | |
| usw. | |
| nicht mehr die demüthige Wendung “es ist alles nur subjektiv,” sondern “es ist auch unser Werk!” seien wir stolz darauf! |
26 [285]
Von der Heuchelei der Philosophen.
die Griechen: verbergen ihren agonalen Affekt, drapiren sich als “Glücklichste” durch die Tugend, und als Tugendhafteste (zwiefache Heuchelei)
(Sokrates, siegreich als der plebejisch Häßliche unter den Schönen und Vornehmen, der Niederredende unter einer Stadt von Rednern, der Besieger seiner Affekte, der gemeine kluge Mann mit dem “Warum?” unter dem Erbadel—verbirgt seinen Pessimismus)
die Brahmanen wollen im Grunde Erlösung von dem müden lauen unlustigen Daseins-Gefühle
Leibnitz Kant Hegel Schopenhauer, ihre deutsche Zwei-Natur
Spinoza und der rachsüchtige Affekt, die Heuchelei der Überwindung der Affekte
Die Heuchelei der “reinen Wissenschaft,” der Erkenntniß um der “Erkenntniß willen”
26 [286]
Ich, wie ein Elephanten-Weibchen, mit einer langen Schwangerschaft behaftet, so daß mich wenige Dinge noch angehn, sogar nicht einmal—pro pudor—das “Reich”
26 [287]
Versteht ihr wohl meine neue Sehnsucht, die nach dem Endlichen? dessen, der den Ring der Wiederkunft schaute —
26 [288]
NB das fortwährende Schöpferische, statt des einmaligen, vergangenen
26 [289]
| Zarathustra 3 |
| die Unstäten, die ewigen Wanderer der das Gehirn des Blutegelsder Häßliche, der sich maskiren will die Heuchler des Glücks die Sehnsucht nach dem Endlichen, nach Scholle und Winkel der neidische abgemagerte Arbeiter und Streber die Allzu-Nüchternen mit der Sehnsucht zum Rausche, der einst sie befriedigt. die Über-Nüchterten die Zerstörer |
| Nothschrei der höheren Menschen? |
| Ja, der mißrathenden — |
26 [290]
Bei dem Willen zur Grausamkeit ist es zunächst gleichgültig, ob es die Grausamkeit an uns oder an Anderen ist. Genuß am Leiden lernen— —das Teufelische gehört wie das Göttliche zum Lebendigen und seiner Existenz.
26 [291]
Montaigne I p. 174
“die Gesetze des Gewissens, welche unserem Vorgeben nach aus der Natur entspringen, entspringen vielmehr aus der Gewohnheit. Jeder verehrt in seinem Herzen die in seinem Lande gebilligten und eingeführten Meinungen und Sitten, so daß er sich denselben nicht ohne Gewissensbisse entziehen kann und denselben niemals ohne einiges Vergnügen gemäß handelt.”
26 [292]
Vom Aberglauben der Philosophen.
Von der Mittheilbarkeit der Meinungen.
26 [293]
Die neue Aufklärung.
Eine Vorbereitung
zur “Philosophie der ewigen Wiederkunft.”
26 [294]
Es ist nicht genug, daß du einsiehst, in welcher Unwissenheit Mensch und Thier lebt; du mußt auch noch den Willen zur Unwissenheit haben und hinzulernen. Es ist dir nöthig, zu begreifen, daß ohne diese Art Unwissenheit das Leben selber unmöglich wäre, daß sie eine Bedingung ist, unter welcher das Lebendige allein sich erhält und gedeiht: eine große, feste Glocke von Unwissenheit muß um dich stehn
26 [295]
Der Wille zur Unwissenheit.
Der Wille zur Ungewißheit.
Der Wille zur Unwahrheit.
Der Wille zur Macht.
Der Wille zum Leiden.
Der Wille zur Grausamkeit.
Der Wille zur Vernichtung.
Der Wille zur Ungerechtigkeit.
Der Wille zum Häßlichen.
Der Wille zum Unmäßigen.
der Wille zum Rausche
der Wille zur Erstarrung
26 [296]
| Beseitigung des Willens, des freien und unfreien. |
| des “Muß” und der “Nothwendigkeit” der “Erkenntniß an sich” und des “Dinges an sich” des Erkennens um des Erkennens willen des “Guten und Bösen” |
die Heuchelei der Philosophen.
Die Guten.
Die Künstler.
Die Frommen und Gottseligen.
26 [297]
Jenseits von Gut und Böse.
Der Philosoph als höherer Künstler.
Die neue Rangordnung
Vom Aberglauben.
Der schwerste Gedanke.
Die Lebens-Ermöglichung des Weisen.
Die gesellschaftliche Verborgenheit des Weisen.
Seine Ernährung.
Seine Geschlechtlichkeit.
Mittheilbarkeit seiner Meinungen.
Das Über-Nationale, der gute Europäer.
Schüler, usw. Grade der Einweihung.
26 [298]
Die neue Aufklärung.
Ein Vor- und Für-Wort
zur Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Vom Aberglauben unter den Philosophen.
Jenseits von Gut und Böse.
Der Philosoph—ein höherer Künstler.
Die neue Rangordnung.
Die Ermöglichung des neuen Philosophen.
Der schwerste Gedanke als Hammer.
26 [299]
Dies ist ein Zeitalter, in dem der Pöbel immer mehr zum Herrn wird und pöbelhafte Gebärden des Leibes und Geistes überall schon Hausrecht erlangt haben, an den Höfen und bei den liebenswürdigsten Frauen—: ich meine sogar nicht nur “an” und “bei,” sondern “innen und drinnen.”
mein Garten, mit seinem vergoldeten Gitterwerk, muß sich nicht nur gegen Diebe und Strolche schützen: seine schlimmsten Gefahren kommen ihm von seinen zudringlichen Bewunderern. “Ich Will meine Einsamkeit haben”—so gelobt sich der Weise, ich will meine Einsamkeit mit den Zähnen festhalten, mit einem goldenen Gitter vergittern —
26 [300]
| Die Philosophen eingenommen gegen | 1) | den Schein |
| 2) | den Wechsel | |
| von instinktiven Werth- bestimmungen geleitet, in denen sich frühere Culturzustände spiegeln (gefährlichere | 3) 4) 5) 6) | den Schmerz den Tod das Körperliche, die Sinne das Schicksal und die Unfreiheit |
| 7) | das Zwecklose NB. alles Mensch liche, noch mehr das Thierische, noch mehr das Stoffliche | |
| sie glauben an | die absolute Erkenntniß die Erkenntniß um der Erkenntniß willen Tugend und Glück im Bunde Erkennbarkeit der menschlichen Handlungen | |
| die falschen Gegensätze | z. B. Lust und Schmerz gut und böse | |
| die Verführungen der Sprache | ||
26 [301]
Wille zur Wahrheit und Gewißheit entspringen aus Furcht in der Ungewißheit.
26 [302]
kein Stoff (Boscovich)
kein Wille
kein Ding an sich
kein Zweck
26 [303]
Der Muth würde sicher keine Tugend heißen, wenn er zu den häufigen Thatsachen des Menschen gehörte, wie das freiwillige Abgeben von Urin: was, so viel ich verstehe, der liebe Spencer et hoc genus omne, unter die Äußerungen des Altruismus zu rechnen bereit sind.
26 [304]
Die paar guten Bücher, die von diesem Jahrhundert übrig bleiben werden, richtiger: die mit ihren Ästen über dies Jahrhundert hinweg reichen, als Bäume, welche nicht in ihm ihre Wurzeln haben—ich meine das Mémorial von St. Helena und Goethes Gespräche mit Eckermann
26 [305]
Am wenigsten habe ich wohl Lust, meine Meinung auszusprechen über—die Mittheilbarkeit der Meinungen (oder über die “Mittheilbarkeit der Wahrheit,” wie alle tugendhaften Heuchler in diesem Falle sich ausdrücken würden) Daß ich dies eigens hier noch ausspreche, geht beinahe schon über die Grenze hinaus, welche ich mir in dem angegebenen Bereiche gezogen habe.
26 [306]
Es giebt auch jetzt noch viel mehr heitere Dinge auf Erden, als die Pessimisten eingestehen; z. B. E von H selber. Die Laokoon-gruppe, von drei Clown’s und ebenso vielen Regenschirmen dargestellt, erheitert mich nicht so, wie dieser Eduard mit seinen Problemen “ringend.”
26 [307]
Deutsche Lyriker, namentlich wenn es Schwaben sind, z.B. Uhland mit den Gefühlen eines Burgfräuleins herausgeputzt, oder Freiligrath als —
Oder Hölderlin
26 [308]
NB. Vollkommen klar darüber, ob man diese Welt der Sinne bejaht und fortsetzen will!
Kant überwunden.
Entdeckung des Alterthums fortgesetzt.
Eigentlicher Zweck alles Philosophirens die intuitio mystica.
26 [309]
Der allerliebste circulus vitiosus: wenn unsere Sinnes-Organe erst Resultate unserer Sinne sind, wären alle Beobachtungen derselben als Ursachen unsinnig falsch!
26 [310]
Über Gesundheit und Krankheit Genie Neurose, Dionysisch.
26 [311]
Endlich—will man seine Meinungen nicht mehr los lassen: man hat eine Ahnung von der Spärlichkeit unseres Gartens bekommen, und erwartet nicht viel Gutes Neues mehr zu erwerben—man entschließt sich zu lieben, was man bereits hat. Und wehe dem, der uns jetzt solche lieb gewollte Meinungen nehmen will!
26 [312]
Die Religion alle starken überraschenden plötzlichen fremdartigen Impulse als von außen kommend interpretirend.
Moralität ist nur als Ein Mittel zur Religion hinzugekommen (ein Mittel zur Vergewaltigung der Götter oder zur Erreichung ekstatischer Zustände)
Mißverständniß des Leibes: der Rausch, die Wollust, die Grausamkeits-Ekstase als Vergöttlichung, als Einswerden mit einem Gotte.
Grunddifferenz des Alterthums: die Geschlechtlichkeit religiös verehrt; und folglich auch die Werkzeuge.
Die Ekstasen sind verschieden bei einem frommen erhabenen edlen Menschen gleich Plato—und bei Kameltreibern, welche Haschisch rauchen und
Grundverwandlung der Religion:
1) man will den Gott zwingen zu thun was uns lieb ist—Gebet z. B.
2) man ergiebt sich in den Willen Gottes
Ersteres ist die vornehme Form, 2) ist die Sklaven-Form.
26 [313]
“Selbst-Erhaltung” nur Nebenfolge, nicht Ziel! Spinoza’s Nachwirkung!
26 [314]
Buratti, und sein Einfluß auf Byron.
26 [315]
Das Gefühl im Süden z. B. bei Stendhal “Reise in Frankreich” ausgedrückt—worin besteht es?
26 [316]
NB. Welche Prüfungen fehlen (an Stelle der nur intellektuellen oder fachmäßigen)?
Die richtigen Widerlegungen sind physiologische (leibliche) also Beseitigungen von Denkweisen.
26 [317]
Ich muß orientalischer denken lernen über Philosophie und Erkenntniß. Morgenländischer Überblick über Europa.
26 [318]
Der höhere Mensch.
Von den Philosophen.
Von den Heerden-Führern.
Von den Frommen.
Von den Tugendhaften.
Von den Künstlern.
Kritik des höheren Menschen.
26 [319]
Die Europäer bilden sich im Grunde ein, jetzt den höheren Menschen auf der Erde darzustellen.
26 [320]
Die guten Europäer.
Vorschläge zur Züchtung eines neuen Adels.
Von
Friedrich Nietzsche.
26 [321]
| Es giebt | 1) monologische Kunst (oder im “Zwiegespräch mit Gott”) 2) gesellschaftliche Kunst, société vorausgesetzt, eine feinere Art von Mensch. 3) demagogische Kunst z. B. Wagner für das deutsche “Volk,” Victor Hugo |
26 [322]
Wo für das Volk geschwärmt wird, da horchen immer gleich die Frauen hin, sie fühlen, das ist ihre Sache
26 [323]
Die Gelehrten, und ihre Selbst-Überschätzung. Woher? Es ist auch da eine Emancipation der niederen Art, welche nicht mehr an die höhere glaubt.
26 [324]
| Der große Pöbel- und Sklavenaufstand |
| die kleinen Leute, welche nicht mehr an die Heiligen und großen Tugendhaften glauben (z. B. Christus, Luther usw. die Bürgerlichen, welche nicht mehr an die höhere Art der herrschenden Kaste glauben (z. B. Revolution) die wissenschaftlichen Handwerker, welche nicht mehr an die Philosophen glauben die Weiber, welche nicht mehr an die höhere Art des Mannes glauben. |
26 [325]
Jenseits von Gut und Böse.
Vorrede zu einer Philosophie
der ewigen Wiederkunft.
Von Friedrich Nietzsche.
26 [326]
Der Sensualismus und der Hedonismus des vorigen Jahrhunderts ist die beste Erbschaft, welche dies Jahrhundert gemacht hat: hinter hundert Klauseln und feinen Mummenschanzen.
Hedonism = Lust als Princip.
Lust als Maaßstab thatsächlich gefunden bei den Utilitariern (Comfort-Engländer).
Lust als regulatives Princip (thatsächlich nicht gefunden) bei den Schopenhauerianern
von Hartmann ein oberflächlicher Querkopf, der den Pessimism durch Teleologie vermanscht und eine Behaglichkeits-Philosophie daraus machen will (nähert sich darin den Engländern an.
Das, was auf den Pessimismus folgt, ist die Lehre von der Sinnlosigkeit des Daseins
daß Lust und Schmerz keinen Sinn haben, daß Hedone kein Princip sein kann
Dies im nächsten Jahrhundert.
Lehre der großen Müdigkeit.
Wozu? Es lohnt sich nichts!
26 [327]
Der Wille wird erschlossen—ist keine unmittelbare Thatsache, wie Schopenhauer will. Ob mit Recht erschlossen, bleibt zu fragen — —
26 [328]
Der Glaube an die “Sinnee” ist die Grundlage aller Wissenschaft, wie alles Lebens. Damit ist nichts über die Berechtigung zu diesem Glauben ausgemacht, Fehlgriffe der Sinne (blau statt roth) sind kein Argument dagegen, daß ein Blatt grün ist. Die Entstehung eines farbenbildenden Sinnes in einer farblosen Welt ist ein Unsinn von Gedanke.
Beschreibung und Feststellung der Thatsachen.
26 [329]
Aus seinen Ursachen läßt sich ein Ding nicht errathen d. h. ein Ding = seinen Wirkungen. Die Kenntniß der Ursachen eines Dinges giebt keine Kenntniß seiner Wirkungen, d. h. keine Kenntniß des Dinges.
26 [330]
Tief interessirt für Wahrheit—woher? Dem Christenthum verpflichtet—Pascal
26 [331]
die verschiedenen Grade des Genusses für “wahr”
z. B. Kant und Schelling
Macchavell und Seneca
Stendhal und Walter Scott
Plato und Hafis
26 [332]
1 Wozu schwört man sich, erkennen zu wollen? “das Wahre lieber als das Unwahre”
2 Wozu will man (wirklich) erkennen?
3 Wozu soll man erkennen? und es ist wahr?! daß man das Wahre lieber will?
26 [333]
Es giebt heute so viele oberflächliche Denker, welche beruhigt sind, eine Sache auf Gewöhnung und Vererbung zurückgeführt und damit erklärt zu haben. Aber “wie ist Gewohnheit möglich? Wie ist Vererbung möglich?”
26 [334]
Der Glaube an die Wahrheit.
Das Ausschweifende und Krankhafte an Vielem, was sich bisher “Wille zur Wahrheit” nannte.
Mit schreckhaftem Ernste haben die Philosophen vor den Sinnen und dem Trug der Sinne gewarnt. Der tiefe Antagonismus der Philosophen und der Freunde des Trugs, der Künstler, geht durch die griechische Philosophie: “Plato gegen Homer”—ist die Parole der Philosophen!
Aber Keiner hat auch die Kehrseite, die Untauglichkeit der Wahrheit zum Leben und die Bedingtheit des Lebens durch perspektivische Illusion begriffen.— Es ist eine der gefährlichsten Übertreibungen, das Erkennen nicht im Dienste des Lebens, sondern an sich, um jeden Preis, zu wollen: wie der Wollüstling seinen Trieben folgt, an sich, ohne die Controle der heilsamen anderen Instinkte, wenn es nicht eine Dummheit ist,
26 [335]
Kann man sich für dieses deutsche Reich interessiren? Wo ist der neue Gedanke? Ist es nur eine neue Macht-Combination? Um so schlimmer, wenn es nicht weiß, was es will. Frieden und Gewähren-lassen ist gar keine Politik, vor der ich Respekt habe. Herrschen und dem höchsten Gedanken zum Siege zu verhelfen—das Einzige, was mich an Deutschland interessiren könnte. Was geht es mich an, daß Hohenzollern da sind oder nicht da sind?— England’s Klein-Geisterei ist die große Gefahr jetzt auf der Erde. Ich sehe mehr Hang zur Größe in den Gefühlen der russischen Nihilisten als in denen der englischen Utilitarier. Ein In-einander-wachsen der deutschen und der slavischen Rasse,—auch bedürfen wir der geschicktesten Geldmenschen, der Juden, unbedingt, um die Herrschaft auf der Erde zu haben.
26 [336]
1) der Sinn für Realität
2) Bruch mit dem englischen Princip der Volks-Vertretung, wir brauchen Vertretung der großen Interessen
3) wir brauchen ein unbedingtes Zusammengehen mit Rußland, und mit einem neuen gemeinsamen Programm welches in Rußland keine englischen Scheinwesen zur Herrschaft kommen läßt. Keine amerikanische Zukunft!
4) eine europäische Politik ist unhaltbar, und die Einengung gar in christliche Perspectiven ein ganz großes Malheur. In Europa sind alle gescheuten Leute Sceptiker, ob sie es sagen oder nicht.
Ich denke, wir wollen uns weder in christliche noch in amerikanische Perspektiven einengen.
26 [337]
buona femmina e mala femmina vuol bastone (Sacchetti Nov. 86)
26 [338]
hinc mihi quidquid sancti gaudii sumi potest horis omnibus praesto est. Petrarca, famil. XIX 16.
26 [339]
Der Wille, sich nicht täuschen zu lassen und der Wille sich täuschen zu lassen— —aber der Philosoph? Der Religiöse? Der Künstler?
26 [340]
Giebt es noch Philosophen? In Wahrheit ist viel Philosophisches in unserem Leben, namentlich bei allen wissenschaftlichen Menschen, aber Philosophen selber giebt es so wenig noch, als es ächten Adel giebt. Warum?
26 [341]
Wie die Franzosen die Höflichkeit und den Esprit der französischen Gesellschaft widerspiegeln, so die Deutschen etwas vom tiefen träumerischen Ernst ihrer Mystiker und Musiker und ebenso von ihrer Kinderei. Im Italiäner ist viel republikanische Vornehmheit und Kunst, sich gut und stolz zu geben, ohne Eitelkeit.
26 [342]
Man glaubt nicht mehr an Philosophen, auch unter den Gelehrten; das ist die Scepsis eines demokratischen Zeitalters, das die höhere Art Menschen ablehnt. Die Psychologie des Jahrhunderts ist wesentlich gegen die höheren Naturen gerichtet: man will ihnen ihre Menschlichkeiten nachrechnen.
26 [343]
Pythagoras war der Versuch eines antidemokratischen Ideals, unter den stürmischen Bewegungen zur Volksherrschaft hin.
26 [344]
Der “Richter.” Einem Solchen bleibt es nicht erspart, zu befehlen: sein “du sollst” ist nicht abzuleiten aus der Natur der Dinge, sondern weil er das Höhere sieht, muß er es durchsetzen und erzwingen. Was liegt ihm am Zugrundegehen! Er opfert unbedenklich—Stellung des Künstlers zum Menschen: der große Mensch muß befehlen und die Werthschätzung, die er hat, einführen, auflegen, gebieten. Anders sind alle früheren Werthschätzungen auch nicht entstanden. Aber sie sind alle jetzt unmöglich für uns, ihre Voraussetzungen sind falsch.
26 [345]
“Strafen”: dafür ein Rang-anweisen, ein Herabsetzen im Verhältniß zu unserem Ideal. Nicht aber ein Erhaltenwollen Vieler auf Unkosten Einzelner, überhaupt kein Gesichtspunkt der Gesellschaft!
26 [346]
Mit “Glück” als Ziel ist nichts zu machen, auch mit dem Glücke eines Gemeinwesens nicht. Es handelt sich, eine Vielheit von Idealen zu erreichen, welche im Kampf sein müssen, das ist aber nicht das Wohlbefinden einer Heerde, sondern ein höherer Typus. Dieser aber wird nicht erreicht durch das Wohlbefinden der Heerde! so wenig als der einzelne Mensch auf seine Höhe kommt durch Behaglichkeit und Entgegenkommen.
“Gnade,” “Liebe gegen die Feinde,” “Duldung,” “gleiches” Recht (!) sind alles Principien niederen Ranges. Das Höhere ist der Wille über uns hinweg, durch uns, und sei es durch unseren Untergang schaffen.
26 [347]
Es ist verkannt worden, daß alle moralischen “Du sollst” von einzelnen Menschen geschaffen sind. Man hat einen Gott oder ein Gewissen haben wollen, um sich der Aufgabe zu entziehen, welche Schaffen vom Menschen fordert. Die Schwäche oder die Faulheit ist verborgen hinter der christlich-katholischen Denkweise.— Damit der Mensch aber Ideale schaffen kann, muß er lernen und wissen usw.
26 [348]
Die Schule der “Objektiven” und “Positivisten” zu verspotten. Sie wollen um die Werthschätzungen herum kommen, und nur die facta entdecken und präsentiren. Aber man sehe zu z. B. bei Taine: im Hintergrunde hat er Vorlieben: für die starken expressiven Typen z. B., auch für die Genießenden mehr als für die Puritaner.
26 [349]
Ein böses Buch einmal zu machen, schlimmer als Macchavell und jener sehr deutsche und mild-boshafte unterthänigste Teufel von Mephistopheles!
Seine Eigenschaften: grausam (Lust am Zusehen, wie ein schöner Typus zu Grunde geht)
verführerisch (einladend zur Lehre, daß man das Eine und auch das Andere sein müsse)
spöttisch gegen die Tugenden des Mönchs, des Philosophen, den wichtigthuerischen Künstler usw., auch den guten braven Heerden-Menschen
vornehm gegen das Neugierige, Zudringliche, Pöbelhafte der Erkennenden, ebenso gegen das Zopfige, Duckmäuserhafte; kein Lachen, kein Zorn.
26 [350]
Wie solch ein Wort Einem durch das Herz geht!
— “zu allem Land und Meer hat unsere Kühnheit sich den Weg gebrochen, überall sich unvergängliche Denkmale im Guten und Bösen gründend”—sagt Pericles.
26 [351]
Wo, in pöbelhafter Art, Eine Begierde die Oberherrschaft führt (oder überhaupt die Begierden), da giebt es keinen höheren Menschen. Es versteht sich, daß ein Solcher (wie z.B. Augustin oder Luther) auch gar nicht die höheren Probleme kennt, die alle eine viel kühlere Höhe voraussetzen. Das ist Alles rein persönliche Noth bei Augustin und Luther. Es ist die Frage eines Kranken nach einer Kur. Die Religionen mögen wesentlich solche Thierbändigungs-Anstalten oder Irren-Anstalten für solche, die sich nicht selber beherrschen können.— Es ist komisch, diese Noth um den Geschlechtstrieb z. B. auch in Wagner’s Parcival und Tannhäuser.
26 [352]
Ich interessire mich nicht
| 1) | für den nationalen Staat, als etwas Ephemeres gegenüber der demokratischen Gesamtbewegung. | |
| 2) | für die Arbeiter-Frage, weil der Arbeiter selber nur ein Zwischenakt ist. | |
| 3) | für die Differenzen der Religion und Philosophie, weil sie in der Hauptsache Eins sind, nämlich über gut und böse—wo ich zweifle. | |
| 4) | für die Denkweisen, welche nicht den Leib und die Sinne festhalten, und die Erde | |
| 5) | nicht für die l’art pour l’art, die Objektiven usw. |
26 [353]
Gebet um Blindheit
Moral ist vernichtet: factum darstellen! Es bleibt übrig: “ich will”
Neue Rangordnung. Gegen die Gleichheit.
An Stelle des Richters und des Strafenden der Schaffende.
unsere gute Lage, als Erntende
die höchste Verantwortlichkeit—mein Stolz!
Heraufbeschwören des Bösesten.
der Gesetzgeber und Politiker
die Frommen (warum unmöglich?)
erst den Leib hoch bilden: es findet sich da schon die Denkweise. Plato.
bisher, nach langer kosmopolitischer Umschau, der Grieche als Mensch, der es am weitesten brachte. Europa.
26 [354]
die Naivetät Plato’s und des Christenthums: sie glaubten, zu wissen, was “gut” ist. Sie hatten den Heerden-Menschen errathen,—nicht den schaffenden Künstler. Schon bei Plato ist der “Heiland,” der zu den Leidenden und Schlechten niedersteigt, erfunden. Er hat keinen Blick für die Vernunft und Nothwendigkeit des Bösen.
26 [355]
Nicht das Gute, sondern der Höhere! Plato ist mehr werth als seine Philosophie! Unsere Instinkte sind besser als ihr Ausdruck in Begriffen. Unser Leib ist weiser als unser Geist! Wenn Plato jener Büste in Neapel glich, so haben wir da die beste Widerlegung alles Christenthums!
26 [356]
Socrates, scheint es, war dahinter gekommen, daß wir moralisch nicht in Folge eines logischen Räsonnements handeln—und er fand selber es nicht. Daß Plato und Alle nach ihm glaubten, sie hätten es, und das Christenthum auf diese platonische niaiserie sich hat taufen lassen, das war bisher der größte Anlaß für die Unfreiheit in Europa.
26 [357]
Socrates, der sagt “ich weiß nicht, was gut und böse ist” war klüger als Plato: der definirt es! Aber Plato stellt es dar, den höheren Menschen.
26 [358]
Das falsche Germanenthum bei R W (und die gründliche psychologische Falschheit dieser höchst “modernen” Mischung von Brutalität und Verzärtelung der Sinne) ist mir ebenso zuwider wie das falsche Römerthum bei David, oder das falsche englische Mittelalter Walter Scotts.
26 [359]
Das Problem der Wahrhaftigkeit. Das Erste. und Wichtigste ist nämlich der Wille zum Schein, die Feststellung der Perspectiven, die “Gesetze” der Optik d. h. das Setzen des Unwahren als wahr usw.
Das Problem der Gerechtigkeit. Das Erste und Mächtigste ist nämlich gerade der Wille und die Kraft zur Übermacht. Erst der Herrschende stellt nachher “Gerechtigkeit” fest d. h. er mißt die Dinge nach seinem Maaße; wenn er sehr mächtig ist, kann er sehr weit gehen im Gewährenlassen und Anerkennen des versuchenden Individuums
Das Problem des Mitleidens. Erst ein tiefer Instinkt der Grausamkeit, ein Genuß an fremden Leiden, muß großgezüchtet sein. Denn vorerst ist die ungeheure Indifferenz gegen alles “Außer-uns” da. Die Mitempfindung feinerer Art ist eine abgeschwächte Grausamkeit.
Das Problem des guten Menschen. Der Heerden-Mensch, der die Eigenschaften, welche social machen, vorzieht und lobt. Die entgegengesetzten Eigenschaften werden von herrschenden Menschen geschätzt, nämlich an ihrem eigenen Wesen: Härte, kaltes Blut, kalter Blick, kein Entgegenkommen, Thatsachen-Blick, Blick für große Fernen und nicht für das Nächste und den Nächsten usw.
26 [360]
Wie mir die Socialisten lächerlich sind, mit ihrem albernen Optimismus vom “guten Menschen,” der hinter dem Busche wartet, wenn man nur erst die bisherige “Ordnung” abgeschafft hat und alle “natürlichen Triebe” losläßt.
Und die Gegenpartei ist ebenso lächerlich, weil sie die Gewaltthat in dem Gesetz, die Härte und den Egoismus in jeder Art Autorität nicht zugesteht. “Ich und meine Art” will herrschen und übrig bleiben: wer entartet, wird ausgestoßen oder vernichtet—ist Grundgefühl jeder alten Gesetzgebung.
Man haßt die Vorstellung einer höheren Art Menschen, mehr als die Monarchen. Anti-aristokratisch: das nimmt den Monarchen-Haß nur als Maske und
26 [361]
Vermännlichung der Weiber ist der rechte Name für “Emancipation des Weibs.” Das heißt, sie formen sich nach dem Bilde, welches der Mann jetzt abgiebt, und begehren seine Rechte. Ich sehe darin eine Entartung im Instinkte der jetzigen Weiber: sie müßten wissen, daß sie ihre Macht zu Grunde richten, auf diesem Wege.— Sobald sie sich nicht mehr erhalten lassen wollen und ernsthaft Concurrenz mit dem Manne im bürgerlich-politischen Sinne machen, folglich auch auf jene milde und nachsichtig-schonende Behandlungsart verzichten wollen, mit der sie bisher behandelt wurden, so
26 [362]
Im Orient und im Athen der besten Jahrhunderte schloß man die Frauen ab, man wollte die Phantasie-Verderbniß des Weibes nicht: das verdirbt die Rasse, mehr als der leibliche Verkehr mit einem Manne.
26 [363]
Auf germanische Ursitte und Urkeuschheit nützt es nicht, sich zu berufen: es giebt keine Germanen mehr, es giebt auch keine Wälder mehr.
26 [364]
Ich bin keinem Menschen begegnet, mit dem ich auf meine Art hätte über Moral reden können: keiner war mir bisher ehrlich und verwegen genug dazu. Daran mag Einiges die Sache des Zufalls sein: z. B. daß ich zu viel unter Deutschen gelebt habe, welche von jeher, in aller Unschuld, moralische Tartüffs gewesen sind, mehr als alles Andere. In der Hauptsache aber glaube ich, daß die Verlogenheit in moralischen Dingen zum Charakter dieses demokratischen Zeitalters gehört. Ein solches Zeitalter nämlich, welches die große Lüge “Gleichheit der Menschen” zum Wahlspruch genommen hat, ist flach, eilig, und auf den Anschein bedacht, daß es mit dein Menschen gut stehe, und daß “gut” und “böse” kein Problem mehr sei.
26 [365]
Moral “du sollst” als falsche Ausdeutung von bestimmten Triebgefühlen.
26 [366]
Die Stärksten an Leib und Seele sind die Besten—Grundsatz für Zarathustra—aus ihnen die höhere Moral, die des Schaffenden: den Menschen nach seinem Bilde umzuschaffen. Das will er, das ist seine Ehrlichkeit.
26 [367]
Zarathustra 5.
Die singende Säule, welche ein Strahl der Morgensonne trifft.
26 [368]
Bei einer außerordentlichen Aufregung wirken heftige Schmerzen (Selbst-Verwundungen) nur als Stimulantia.
26 [369]
Vorausgesetzt, daß man sich von den Naivetäten Kant’s frei gemacht hat, welcher dort, wo er Instinkte, im Geistigen und Moralischen, entdeckt, sofort schloß, “das ist nicht von dieser Welt.” Die gleiche Naivetät herrscht noch bei den Engländern den “Instinktiven” und “Intuitiven.”
Aber wo ich bedenklich werde, das ist: alle die physiologisch-historischen Forscher der Moral urtheilen: weil die moralischen Instinkte so und so reden, so sind diese Urtheile in Bezug auf die Erhaltung der Gattung wahr d. h. nützlich: weil sie übrig geblieben sind! Auf gleiche Weise sage ich, daß die unmoralischen Instinkte wahr sein müssen: nur prägt sich darin etwas anderes aus als gerade der Wille zur Erhaltung, nämlich der Wille zum Vorwärts, zum Mehr, zum Ist denn Erhaltung das Einzige, was ein Wesen will?
Und ihr denkt “Erhaltung der Gattung,” ich sehe nur, “Erhaltung einer Heerde, einer Gemeinde.”
26 [370]
Man ist reicher als man denkt, man trägt das Zeug zu mehreren Personen im Leibe, man hält für “Charakter,” was nur zur “Person,” zu Einer unserer Masken, gehört. Die meisten unserer Handlungen kommen nicht aus der Tiefe, sondern sind oberflächlich: wie die meisten vulkanischen Ausbrüche: man muß sich durch den Lärm nicht täuschen lassen. Das Christenthum hat darin Recht: man kann einen neuen Menschen anziehen: freilich, dann noch einen neueren. Man irrt, wenn man einen Menschen nach einzelnen Handlungen beurtheilt: einzelne Handlungen erlauben keine Verallgemeinerung.
26 [371]
Eine Philosophie, welche nicht verspricht, glücklicher und tugendhafter zu machen, die es vielmehr zu verstehen giebt, daß man in ihrem Dienste wahrscheinlich zu Grunde geht, nämlich in seiner Zeit einsam wird, verbrannt und abgebrüht, durch viele Arten von Mißtrauen und Haß hindurch muß, viele Härte gegen sich selber und leider auch gegen Andere nöthig macht: eine solche Philosophie schmeichelt sich niemandem leicht an: man muß für sie geboren sein—und ich fand noch Keinen, der es war (sonst würde ich keine Gründe haben dies zu schreiben) Zum Entgelt verspricht sie einige angenehme Schauder; wie sie dem kommen, der von ganz hohen Bergen aus eine Welt neuer Aspekte sieht; und sie macht nicht am Ende blödsinnig, was die Wirkung des Kantschen Philosophirens war (man ist grausam genug gewesen, neuerdings noch das übrig gebliebene Hauptwerk seines Blödsinns festlich herauszugeben—was ist doch unter Deutschen möglich!)
26 [372]
So wie ich über moralische Dinge denke, bin ich zu langem Stillschweigen verurtheilt gewesen. Meine Schriften enthalten diesen und jenen Wink; ich selber stand kühner dazu; schon in meinem 25. Jahre verfaßte ich für mich ein pro memoria “über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne.” Ich bin sogar mit Menschen umgegangen, welche sich auf ihre Art mit Moral beschäftigten: sie werden mir bezeugen, daß ich nie auf meine Art mit ihnen von Moral gesprochen habe. Jetzt, wo ich einen freieren Überblick über diese Zeit habe, und Vieles mir erlaube, was ich früher für unerlaubt gehalten hätte, sehe ich keine Gründe mehr, hinter dem Berge zu halten. “Daß die ‘Wahrheit’ in diesen Dingen schädlich ist,” um mich der Sprache der moralischen Hypokriten zu bedienen, und daß sie Viele zu Grunde richten kann, gebe ich zu: aber “schädlich sein” und “zu Grunde richten” gehört so gut zu den Aufgaben des Philosophen wie “nützlich sein” und “aufbauen.”
26 [373]
Es giebt einen Hang zur Wahrheit: so unwahrscheinlich es klingt: bei einigen Menschen wenigstens. Es giebt auch einen entgegengesetzten Hang z. B. bei den Künstlern. Und wir wollen froh darüber sein, es ist aus Beiden viel Gutes und Schlimmes gewachsen. Im Ganzen ist der zweite Hang wichtiger, es hat gute Gründe daß die Philosophen selten sind, und daß ihr Einfluß stark zurückgedämmt wird.
26 [374]
Aus der Selbstbespiegelung des Geistes ist noch nichts Gutes gewachsen. Erst jetzt, wo man auch über alle geistigen Vorgänge sich am Leitfaden des Leibes zu unterrichten sucht z. B. über Gedächtniß, kommt man von der Stelle.
26 [375]
Der alte Kant stellt einige geistige Instinkte fest, welche vor allem Räsonnement und vor aller Sinnesthätigkeit wirken: ebenso später einen moralischen Instinkt, nämlich den, zu gehorchen. Daß damit eine Brücke geschlagen sei zu “einer anderen Welt,” war eine Übereilung. Selbst wenn festgestellt wäre, daß die Existenz des Menschen an diese Instinkte geknüpft ist, ist über ihre “Wahrheit” nichts ausgemacht. Es ist eben unsere Welt.
26 [376]
Meine Philosophie bringt den siegreichen Gedanken, an welchlem zuletzt jede andere Denkweise zu Grunde geht. Es ist der große züchtende Gedanke: die Rassen, welche ihn nicht ertragen, sind verurtheilt; die, welche ihn als größte Wohlthat empfinden, sind zur Herrschaft ausersehn.
26 [377]
Die intellektuelle Charakterlosigkeit
Als Richard Wagner mir gar von dem Genusse zu sprechen begann, den er dem christlichen Abendmahle (dem protestantischen) abzugewinnen wisse, da war es aus mit meiner Geduld. Er war ein großer Schauspieler: aber ohne Halt, und inwendig die Beute von allen Sachen, welche stark berauschen. Er hat alle Wandlungen durchgemacht, welche die guten Deutschen seit den Tagen der Romantik durchgemacht haben: Wolfsschlucht und Euryanthe, Schauer-Hoffmann, dann “Emancipation des Fleisches” und Durst nach Paris, dann den Geschmack für große Oper, für Meyerbeersche und Bellinische Musik, Volkstribune, später Feuerbach und Hegel—die Musik sollte aus der “Unbewußtheit” heraus, dann die Revolution, dann die Enttäuschung, und Schopenhauer, und eine Annäherung an deutsche Fürsten, dann Huldigungen vor Kaiser und Reich und Heer, dann auch vor dem Christenthum, welches seit dem letzten Kriege und seinen vielen “Todtenopfern” wieder in Deutschland zum guten Geschmack gehört—, mit Verwünschungen gegen die “Wissenschaft.”
26 [378]
Allen seinen natürlichen Hängen zu widerstehen und es zu versuchen, ob nicht auch vom entgegengesetzten Hange Etwas in uns ist: eine nützliche Sache, obwohl sie viel Unbehagen mit sich bringt. Wie wenn ein Mensch aus einer gewohnten trockenen Luft in ein feuchtes Klima versetzt wird. Es verlangt einen unerschütterlichen Willen—und wenn meine Denkweise nichts verlangt als dies, so ist es schon ein Grund, weshalb sie wenige Anhänger haben wird. Ein solcher starker und doch geschmeidiger Wille ist zu selten.
26 [379]
Das Volk von Willensschwachen (wie Sainte-Beuve) hat einen innerlichen Widerwillen vor der entgegengesetzten Rasse z. B. vor Stendhal.
26 [380]
Wie viel viehische Gemeinheit im Engländer, daß er jetzt noch nöthig hat, mit aller Gewalt das utile zu predigen! Es ist sein höchster Gesichtspunkt: sein dulce ist gar zu gering.— Auch die Heils-Armee!
26 [381]
“une croyance presque instinctive chez moi, c’est que tout homme puissant ment, quand il parle, et à plus forte raison, quand il écrit.” préface “Vie de Napoleon” p. XV Stendhal.
26 [382]
Man spricht mir bei Tisch von Eugen Dühring, man “entschuldigt” Vieles, denn, sagt man: er ist blind. Wie? Ich bin’s beinahe. Homer war es ganz. Muß man deshalb schlechter Laune sein? Und voller Würmer? Und aussehen, wie ein Tintenfaß? Eugen Dühring hat neuerdings uns sein Leben erzählt: er hat keinen Verdruß vergessen, keine Kränkung von Kindesbeinen an, ich glaube, er kann stundenlang schlechte kleine kleinliche Geschichtchen von seinen Lehrern und Gegnern erzählen, von der Zeit her, wo er noch nicht blind: zum Mindesten macht er ein Gesicht darnach, wenn anders das Bild gut ist, mit dem er sein Buch geschmückt und seine Philosophie widerlegt hat.— Er sagt uns, daß das Bild gut ist.
26 [383]
Nachwirkungen des alten Gottes 1) —
So wenig ich mit dem bekannt bin, was heute unter Deutschen philosophirt wird: so bin ich, Dank einigen glücklichen Zufällen, dahinter gekommen, daß in Deutschland jetzt es an der Mode ist, zwar nicht an Schöpfung der Welt, aber doch an einen Anfang zu denken: man wehrt sich gegen eine “Unendlichkeit nach hinten”— Sie verstehen doch meine abgekürzte Formel? Darin stimmen Mainländer, Hartmann, Dühring usw. überein. Den unanständigsten Ausdruck für die entgegengesetzte Ansicht, daß die Welt ewig ist, hat Mainländer gefunden, ein Apostel der unbedingten Keuschheit, gleich Richard Wagner.
Nachwirkungen des alten Gottes 2) ewig neu.
26 [384]
Raum eine Abstraktion: an sich giebt es keinen Raum, namentlich giebt es keinen leeren Raum. Vom Glauben an den “leeren Raum” stammt viel Unsinn. —
26 [385]
Daß wir einen Zeitinstinkt haben, einen Raum-Instinkt, einen Gründe-Instinkt; das hat nichts mit Zeit Raum und Causalität zu thun.
26 [386]
Sieg der antiteleologischen mechanistischen Denkweise als regulativer Hypothese 1) weil mit ihr allein Wissenschaft möglich ist 2) weil sie am wenigsten voraussetzt und unter allen Umständen erst ausprobirt werden muß:—was ein paar Jahrhunderte braucht 3)
26 [387]
Kampf gegen Plato und Aristoteles.
26 [388]
Hegel’s gothische Himmelstürmerei (—Nachzüglerei). Versuch, eine Art von Vernunft in die Entwicklung zu bringen:—ich am entgegengesetzten Punkte, sehe in der Logik selber noch eine Art von Unvernunft und Zufall. Wir bemühen uns, wie bei der allergrößten Unvernunft, nämlich ganz ohne Vernunft die Entwicklung bis herauf zum Menschen vor sich gegangen ist.
26 [389]
Gegen den Altruismus: derselbe ist eine Illusion.
| Das désintéressement | in der Moral (Schopenhauer Comte) in der Erkenntnißlehre (die “Objektiven”—wie Taine), in der Kunst (die ideale Schönheit, an welche z. B. Flaubert glaubt) |
26 [390]
Als ich 12 Jahre alt war, erdachte ich mir eine wunderliche Drei-Einigkeit: nämlich Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Teufel. Mein Schluß, war, daß Gott, sich selber denkend, die zweite Person der Gottheit schuf: daß aber, um sich selber denken zu können, er seinen Gegensatz denken mußte, also schaffen mußte.— Damit fieng ich an, zu philosophiren.
26 [391]
Die vielen falschen “Gegensätze” (über die Verwandlung der Affekte, ihre Genealogie usw.
26 [392]
Unzählig viele Einzelne höherer Art gehen jetzt zu Grunde: aber wer davon kommt, ist stark wie der Teufel. Ähnlich wie zur Zeit der Renaissance.
26 [393]
Der Schauspieler.
Der historische Sinn: davon hat Plato und alle Philosophie keinen Begriff. Es ist eine Art von Schauspieler-Kunst, zeitweilig eine fremde Seele anzunehmen: Folge der großen Rassen- und Völker-Mischungen, vermöge deren in Jedem ein Stück von Allem ist, das war. Ein Künstler-Sinn, auf dem Gebiete der Erkenntniß. Zugleich ein Zeichen von Schwäche und Mangel der Einheit.
Exotismus, Cosmopolitismus usw. Romantik. Der Sinn hat sich verschärft, z. B. jetzt ist Walter Scott uns nicht mehr möglich. Ebensowenig Richard Wagner.
Rousseau, George Sand, Michelet, Sainte-Beuve—ihre Art von Schauspielerei. Die einen vor dem Volke, andere (wie Voltaire) vor der Gesellschaft.
Ganz andere Schauspieler die Mächtigen, wie Napoleon, Bismarck.
26 [394]
Wissen Sie, was ein Sumpf ist?— Der Zufall erlaubte es mir, wieder alles das bei einander zu sehen, was Richard Wagner und seine Leute zusammen in Worten gepredigt haben: in den übel berufenen Bayreuther Blättern. Sehen Sie, das ist ein Sumpf: Anmaaßung, Unklarheit, Unwissenheit und—Geschmacklosigkeit durcheinander. Wie der Alte singt, so zwitschern die Jungen; darüber wird sich Niemand wundern. Und wäre es nur ein Gesang! Aber es ist ein Gewinsel, die Wichtigthuerei eines alten Oberpriesters, der sich vor nichts mehr fürchtet als vor hellen deutlichen Begriffen. Und das will in Dingen der Philosophie und Historie mitreden!— Il faut être sec, sagt, mir nach dem Herzen, mein Freund Stendhal. Man soll den Morast nicht aufrühren. Man soll auf Bergen wohnen: also sprach mein Sohn Zarathustra.
26 [395]
Es scheint, ich bin etwas von einem Deutschen einer aussterbenden Art. Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen—habe ich einmal gesagt: aber das will man mir heute nicht zugeben. Goethe hätte mir vielleicht Recht gegeben.
26 [396]
Pour être bon philosophe, il faut être sec, clair, sans illusion. Un banquier, qui a fait fortune, a une partie du caractère requis pour faire des découvertes en philosophie, c’est-à-dire pour voir clair dans ce qui est. Nicht täuschen wollen—das ist etwas ganz Anderes, das mag moralisch sein. Sich nicht täuschen lassen, namentlich wenn man den größten Hang dazu hat!
26 [397]
Stendhal präcisirt (18. Dezember 1829) die moralischen Probleme.
Was sind die Motive der menschlichen Handlungen: est-ce la recherche du plaisir, comme dit Virgile (trahit sua quemque voluptas) Est-ce la sympathie? Was ist der Gewissensbiß? Kommt er von Gesprächen, die wir gehört haben? ou naît-il dans la cervelle, comme l’idée de becqueter le blé qui vient au jeune poulet?
26 [398]
Die Vergeistigung als Ziel gesetzt: so ist die scharfe Gegensetzung von Gut und Böse, Tugend und Laster ein Zucht-Mittel, den Menschen zum Herrn über sich zu machen, eine Vorbereitung zur Geistigkeit.— Aber wenn nicht Versinnlichung dabei ist, so wird der Geist sehr dünn.
26 [399]
Die Deutschen sind ein gefährliches Volk: sie verstehen sich auf das Berauschen. Gothik, vielleicht auch Rococo (nach Semper), der historische Sinn und Exotismus, Hegel, Richard Wagner—Leibnitz auch heute noch gefährlich—die Bedientenseele (idealisirt als Gelehrten- und Soldatentugend) auch als historischer Sinn. Die Deutschen mögen wohl das gemischteste Volk sein.
“das Volk der Mitte,” die Erfinder des Porzellans und einer chinesenhaften Art von Geheimräthen.
26 [400]
Das tiefe Wohlwollen gegen alle Dinge. Es kostet mich eine Komödie, auf Menschen, die ich kenne, böse zu sein: vorausgesetzt daß ich nicht krank bin.
26 [401]
Auch ein Philosoph muß sich zusprechen, wie jener Diplomat: “mißtrauen wir unseren ersten Regungen: sie sind fast immer gut.”
26 [402]
Bismarck: so fern von der deutschen Philosophie als ein Bauer oder ein Korpsstudent. Mißtrauisch gegen die Gelehrten. Das gefällt mir an ihm. Er hat alles weggeworfen, was ihm die dumme deutsche Bildung (mit Gymnasien und Universitäten) hat beibringen wollen.— Und er liebt ersichtlich eine gute Mahlzeit mit starkem Wein mehr als die deutsche Musik: welche meist nur eine feinere weibsartige Hypokrisie und Vermäntelung für die alte deutsche Manns-Neigung zum Rausche ist. Er hat seine braven Beschränktheiten festgehalten, nämlich die gegen Gott und König: und später noch, wie billig, die Beschränktheit hinzugefügt, welche jeder hat, der etwas geschaffen hat, die Liebe zu seinem Werk (ich meine zum deutschen Reich)
26 [403]
Michelet: schwitzende Sympathie, etwas Pöbelhaftes daran, wie als ob er den Rock auszöge, vor einer Arbeit. Volks-Tribun: er kennt auch die Raubthier-Wuthanfälle des Volks. Alles, was mir gefällt, ist ihm fremd. Montaigne so gut als Napoleon. Seltsam, auch er, der arbeitsame sittenstrenge Mensch, hat die neugierige Geschlechts-Lüsternheit des Galliers.
26 [404]
Sainte-Beuve—stille Wuth aller feineren Franzosen über die “furchtbare Dummheit”—: möchte gern verleugnen, daß ihm alle Philosophie fehlt, ebenso aller Charakter, ja sogar, was nach Beiden nicht Wunder nimmt, aller feste Geschmack in artibus et litteris. Er weiß weder mit den starken Seiten Voltaire’s, noch mit Montaigne, Charron, Chamfort, Larochefoucauld, Stendhal zurecht zu kommen:—Er ärgert sich nämlich, mit einer Art Neid, über die Thatsache, daß diese Menschenkenner alle auch noch einen Willen und Charakter im Leibe haben.
26 [405]
Die Art Hölderlin und Leopardi: ich bin hart genug, um über deren Zugrundegehen zu lachen. Man hat eine falsche Vorstellung davon. Solche Ultra-Platoniker, denen immer die Naivetät abgeht, enden schlecht. Irgend Etwas muß derb und grob sein am Menschen: sonst geht er auf eine lächerliche Weise zu Grunde vor lauter Widersprüchen mit den einfachsten Thatsachen: z. B. mit der Thatsache, daß ein Mann von Zeit zu Zeit ein Weib nöthig hat, wie er von Zeit zu Zeit eine rechtschaffene Mahlzeit nöthig hat. Zuletzt haben die Jesuiten herausgebracht, daß Leop
26 [406]
In meiner Jugend, wo ich Vielerlei war, zum Beispiel auch Maler, habe ich einmal ein Bild von Richard Wagner gemalt, unter dem Titel: Richard Wagner in Bayreuth. Einige Jahre später sagte ich mir: “Teufel! es ist gar nicht ähnlich.” Noch ein paar Jahre später antwortete ich “um so besser! um so besser!”— In gewissen Jahren des Lebens hat man ein Recht, Dinge und Menschen falsch zu sehen,—Vergrößerungsgläser, welche die Hoffnung uns giebt.
Als ich 21 Jahre alt war, war ich vielleicht der einzige Mensch in Deutschland, der diese Zwei, der zugleich Richard Wagner und Schopenhauer mit Einer Begeisterung liebte. Einige meiner Freunde wurden angesteckt.
Im Grunde bin ich durch Händel
Als Knabe liebte ich Händel und Beethoven: aber Tristan und Isolde kam, als ich 17 Jahre alt war, hinzu, als eine mir verständliche Welt. Während ich damals den Tannhäuser und Lohengrin als “unterhalb meines Geschmacks” empfand: Knaben sind in Sachen des Geschmacks ganz unverschämt stolz.
26 [407]
Der Gesetzgeber der Zukunft.
Menschen, vor denen das Bild einer ungeheuren Aufgabe aufzudämmern beginnt, suchen ihr zu entrinnen: und man wird die kühnsten und verwegensten Versuche bei großen Menschen finden, irgendwohin zu entschlüpfen, z.B. sich einzureden a) die Aufgabe ist schon gelöst b) oder sie ist unlösbar c) oder ich bin zu schwach für sie d) meine Pflicht, meine Moralität weist sie ab als unmoralisch— e) oder sich fragen: wer muthet mir diese Aufgabe zu? Niemand. Skepsis gegen alle schweren Missionen.— Vielen gelingt es auszuweichen, es giebt ein feines schlechtes Gewissen für solche. Zuletzt ist es eine Frage der Kraft: wie groß fühlt man seine Verantwortlichkeit?
Nachdem ich lange mit dem Worte “Philosoph” einen bestimmten Begriff zu verbinden suchte, fand ich endlich, daß es zwei Arten giebt 1) solche welche irgend einen großen Thatbestand festzustellen suchen 2) solche, welche Gesetzgeber der Werthschätzungen sind. Die Ersten suchen sich der vorhandenen oder vergangenen Welt zu bemächtigen, indem sie das Geschehen in Zeichen zusammenfassen: ihnen liegt daran, alles übersichtlich, überdenkbar, faßbar, handlich zu machen—sie dienen der Aufgabe des Menschen, alle Dinge zu seinem Nutzen zu verwenden. Die Zweiten aber befehlen und sagen: so soll es sein! sie bestimmen erst den Nutzen, was Nutzen des Menschen ist; sie verfügen über die Vorarbeit der wissenschaftlichen Menschen, aber das Wissen ist ihnen nur ein Mittel zum Schaffen. In der That ist ihre Lage ungeheuer, und sie haben sich oft die Augen zugebunden z. B. Plato, als er einst vermeinte, das Gute nicht festzusetzen, sondern es als etwas Ewiges vorzufinden. Und in gröberen Formen, nämlich bei den Religionsstiftern, ist ihr “Du sollst” ihnen als Befehl ihres Gottes zugekommen: wie im Falle Muhameds, ihre Gesetzgebung der Werthe galt ihnen als eine “Eingebung,” und daß sie sie ausführten, als ein Akt des Gehorsams. —
Sobald nun jene Vorstellungen dahingefallen sind 1) die von Gott 2) die von ewigen Werthen: entsteht die Aufgabe des Gesetzgebers der Werthe in furchtbarer Größe. Die Mittel der Erleichterung, welche man früher hatte, sind dahin. Das Gefühl ist so schrecklich, daß ein solcher Mensch Zuflucht sucht
1) beim absoluten Fatalismus: die Dinge gehn ihren Gang und der Einfluß des Einzelnen ist gleichgültig
2) beim intellektuellen Pessimismus: die Werthe sind Täuschungen, es giebt an sich gar kein “Gut und Böse” usw. Aber der intellektuelle Pessimismus wirft auch den Fatalismus um, er zeigt, daß das Gefühl “Nothwendigkeit” und “Causalität“ erst von uns hineingelegt worden ist,
3) bei der absichtlichen Selbst-Verkleinerung.
2.
Der Entschluß
3.
Das neue Problem: das Mittel der Mittheilung, und die ganze Frage der Wahrhaftigkeit
4.
Das Problem der Züchtung, weil ein Einzelner zu kurz lebt.
26 [408]
Es ist sehr gleichgültig, ob nun mein damaliges Bild des Künstlers oder des Philosophen, in Hinsicht auf das vielleicht zufällig mir dargebotene Subjekt (Richard Wagner), falsch ist: vielleicht, daß der Irrthum sogar ins Ungeheuerlichc geht, was liegt daran!
Nach langen Jahren, welche aber nichts weniger waren als lange Unterbrechungen, fahre ich fort, auch öffentlich das wieder zu thun, was ich für mich immer thue und immer gethan habe: nämlich Bilder neuer Ideale an die Wand zu malen.
26 [409]
Wie kommen Menschen zu einer großen Kraft und zu einer großen Aufgabe?— Alle Tugend und Tüchtigkeit am Leibe und an der Seele ist mühsam und im Kleinen erworben worden, durch viel Fleiß, Selbstbezwingung, Beschränkung auf Weniges, durch viel zähe treue Wiederholung der gleichen Arbeiten, der gleichen Entsagungen: aber es giebt Menschen, welche die Erben und Herren dieses langsam erworbenen vielfachen Reichthums an Tugenden und Tüchtigkeiten sind—weil, auf Grund glücklicher und vernünftiger Ehen und auch glücklicher Zufälle, die erworbenen und gehäuften Kräfte vieler Geschlechter nicht verschleudert und versplittert, sondern durch einen festen Ring und Willen zusammengebunden sind. Am Ende nämlich erscheint ein Mensch, ein Ungeheuer von Kraft, welches nach einem Ungeheuer von Aufgabe verlangt. Denn unsere Kraft ist es, welche über uns verfügt: und das erbärmliche geistige Spiel von Zielen und Absichten und Beweggründen nur ein Vordergrund—mögen schwache Augen auch hierin die Sache selber sehen.
26 [410]
Der Glaube an Ursache und Wirkung, und die Strenge darin ist das Auszeichnende für die wissenschaftlichen Naturen, welche darauf aus sind, die Menschen-Welt zu formuliren, das Berechenbare festzustellen. Aber die mechanistisch-atomistische Welt-Betrachtung will Zahlen. Sie hat noch nicht ihren letzten Schritt gethan: der Raum als Maschine, der Raum endlich.— Damit ist aber Bewegung unmöglich: Boscovich—die dynamische Welt-Betrachtung
26 [411]
Daß die mechanistisch-atomistische Entwicklung nur ein System von Zeichen schaffen will: sie verzichtet auf Erklärungen, sie giebt den Begriff “Ursache und Wirkung” auf.
26 [412]
Kant’s Ruhm ist heute ins Unbillige hinaufgetrieben, weil die vielen Kritiker eines kritischen Zeitalters ihre Cardinal-Tugend in ihm wiederfanden: sie loben sich, wenn sie vor Kant huldigen. Aber alle bloß kritischen Naturen sind zweiten Ranges, gehalten gegen die großen Synthetiker: an sie streift der unermeßliche Ehrgeiz Hegel’s, der deshalb immer noch im Auslande als der größte deutsche Geist empfunden wird.
Schopenhauers Ruhm hängt ebenfalls von der Zeit ab: eine verdrossene hoffnungslose entblätterte Zeit hat seine Denkweise hochgehoben, die 50er Jahre Deutschlands. In Frankreich “blüht” er jetzt. Sein Ruhm ist übertrieben. In ihm ist ein Zug Mystik und Unklarheit mehr als bei Kant: damit verführt er unsere d Jünglinge.— Anderseits bringt er für unsere schlecht erzogene Jugend mancherlei Wissenschaft und interessirt; auch citirt er gute Bücher und leidet, ebenso wenig als Friedrich der Große und Bismarck, an jener niaiserie allemande, die dem Ausländer an unseren besten Köpfen auffällt (selbst an Goethe) Er ist einer der bestgebildeten Deutschen, das will sagen ein Europäer. Ein guter Deutscher—man verzeihe mir’s, wenn ich es zehnmal wiederhole—ist kein Deutscher mehr. —
Fichte, Schelling, Hegel Feuerbach Strauß—das stinkt Alles nach Theologen und Kirchenvätern. Davon ist Schopenhauer ziemlich frei, man athmet bessere Luft, man riecht sogar Plato. Kant schnörkelhaft-schwerfällig: man merkt, daß die Griechen noch gar nicht entdeckt waren. Homer und Plato klangen nicht in diese Ohren.
26 [413]
Die Naturwissenschaften haben sich ins Bockshorn jagen lassen mit der Rede von der “Erscheinungswelt”; es waltet da ein ganz mythologischer Begriff “reines Erkennen,” mit dem da gemessen wird. Das ist “hölzernes Eisen” so gut wie “Ding an sich.” Die bisherigen Philosophen haben als ihr Hauptproblem meistens eine contradictio in adjecto.
26 [414]
Unsere Werthschätzungen bestimmen welche Dinge überhaupt wir acceptiren und wie wir sie acceptiren. Diese Werthschätzungen aber sind eingegeben und regulirt von unserem Willen zur Macht.
26 [415]
“Die Attitüde (Drama) ist das Ziel; die Musik nur ein Mittel zur Verstärkung ihres Eindrucks”—ist die Praxis Richard Wagner’s
26 [416]
Daß so etwas wie Spinozas amor dei wieder erlebt werden konnte, ist sein großes Ereigniß. Gegen Teichmüller’s Hohn darüber, daß es schon da war! Welch Glück, daß die kostbarsten Dinge zum zweiten Male da sind!— Alle Philosophen! Es sind Menschen, die etwas Außerordentliches erlebt haben
26 [417]
Ich freue mich der militärischen Entwicklung Europa’s, auch der inneren anarchistischen Zustände: die Zeit der Ruhe und des Chinesenthums, welche Galiani für dies Jahrhundert voraussagte, ist vorbei. Persönliche männliche Tüchtigkeit, Leibes-Tüchtigkeit bekommt wieder Werth, die Schätzungen werden physischer, die Ernährung fleischlicher. Schöne Männer werden wieder möglich. Die blasse Duckmäuserei (mit Mandarinen an der Spitze, wie Comte es träumte) ist vorbei. Der Barbar ist in Jedem von uns bejaht, auch das wilde Thier. Gerade deshalb wird es mehr werden mit den Philosophen.— Kant ist eine Vogelscheuche, irgendwann einmal!
26 [418]
Mérimée sagt von einigen lyrischen Gedichten Pouschkin’s “griechisch durch Wahrheit und Einfachheit, très supérieurs pour la précision et la netteté.”
26 [419]
Wie die Pasta einmal gegen Mérimée bemerkte: “man hat seit Rossini keine Oper gemacht, welche Einheit hätte und wo die Stücke alle zusammenhalten. Das, was Verdi z. B. macht, gleicht alles einer Harlekins-Jacke.”
26 [420]
In Allem, was Goethe gemacht hat, sagt Mérimée, giebt es eine Mischung von Genie und von deutscher niaiserie (gut! das ist deutsch!) “moquirt er sich über sich selber oder über die Anderen?” —Wilhelm Meister: die schönsten Dinge von der Welt abwechselnd mit den lächerlichsten Kindereien.
26 [421]
Après tout, il y a de bons moments, et le souvenir de ces bons moments est plus agréable que le souvenir des mauvais n’est triste. Mérimée.
26 [422]
“Der Einfluß der Frauen, nicht vom Christenthum her, sondern vom Einfluß der nordischen Barbaren auf die römische Gesellschaft. Die Germanen hatten exaltation, sie liebten die Seele. Die Römer liebten nur den Leib. Es ist wahr, daß die Weiber lange Zeit keine Seele hatten. Sie haben sie noch nicht im Orient—schade!” Mérimée.
26 [423]
In der Fremde leben ist für den alten Griechen das größte aller Malheurs. Aber gar darin sterben: es giebt nichts Erschrecklicheres für seine Einbildungskraft. Mérimée.
26 [424]
Der erste Sinnen-Eindruck wird bearbeitet vom Intellekt: vereinfacht, nach früheren Schematen zurechtgemacht, die Vorstellung der Erscheinungswelt ist als Kunstwerk unser Werk. Aber das Material nicht—Kunst ist eben das, was die Hauptlinien unterstreicht, die entscheidenden Züge übrig behält, Vieles wegläßt. Dies absichtliche Umgestalten in etwas Bekanntes, dies Fälschen —
“Historischer Sinn” ist dasselbe: ist den Franzosen gut gelehrt durch Taine, die Hauptthatsachen voran (Rangordnung der facta feststellen ist das Produktive des Historikers). Das Nachfühlen-können, die Impression haben ist freilich die Voraussetzung: deutsch.
26 [425]
Weshalb der Philosoph selten geräth: zu seinen Bedingungen gehören Eigenschaften, die gewöhnlich einen Menschen zu Grunde richten:
| 1) | eine ungeheure Vielheit von Eigenschaften, er muß eine Abbreviatur des Menschen sein, aller seiner hohen und niederen Begierden: Gefahr der Gegensätze, auch des Ekels an sich | |
| 2) | er muß neugierig nach den verschiedensten Seiten sein—Gefahr der Zersplitterung | |
| 3) | er muß gerecht und billig im höchsten Sinne sein, aber tief auch in Liebe Haß (und Ungerechtigkeit) | |
| 4) | er muß nicht nur Zuschauer, sondern Gesetzgeber sein—Richter und Gerichteter (insofern er eine Abbreviatur der Welt ist) | |
| 5) | äußerst vielartig, und doch fest und hart. Geschmeidig. |
26 [426]
Die Philosophen der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
26 [427]
Petronius: hellster Himmel, trockene Luft, presto der Bewegung: kein Gott, der im Miste liegt; nichts Unendliches, nichts Lüstern-Heiliges, nichts vom Schweine des St. Antonius. Wohlwollender Hohn; ächter Epicureismus;
26 [428]
“Wird es überhaupt noch Philosophen geben? Oder sind sie überflüssig? Es ist genug jetzt als Überrest von ihnen in Fleisch und Blut von uns allen. Man wird auch keine Religionsstifter mehr haben: es sterben die größten Thiere aus.”— Dagegen sage ich:
26 [429]
Aus dem Unbedingten kann nichts Bedingtes entstehen. Nun aber ist alles, was wir kennen, bedingt. Folglich giebt es gar kein Unbedingtes, es ist eine überflüssige Annahme.
26 [430]
Kein idealistischer Philosoph läßt sich über sein Mittagessen täuschen, als sei es nur eine perspektivische und von ihm ausgedachte Erscheinung.
26 [431]
Daß “Kraft” und “Raum” nur zwei Ausdrücke und verschiedene Betrachtungsarten derselben Sache sind: daß “leerer Raum” ein Widerspruch ist, ebenso wie “absoluter Zweck” (bei Kant), “Ding an sich” (bei Kant) “unendliche Kraft” “blinder Wille”
26 [432]
Wenn ich an meine philosophische Genealogie denke, so fühle ich mich im Zusammenhang mit der antiteleologischen, d. h. spinozistischen Bewegung unserer Zeit, doch mit dem Unterschied, daß ich auch “den Zweck” und “den Willen” in uns für eine Täuschung halte; ebenso mit der mechanistischen Bewegung (Zurückführung aller moralischen und aesthetischen Fragen auf physiologische, aller physiologischen auf chemische, aller chemischen auf mechanische) doch mit dem Unterschied, daß ich nicht an “Materie” glaube und Boscovich für einen der großen Wendepunkte halte, wie Copernicus; daß ich alles Ausgehen von der Selbstbespiegelung des Geistes für unfruchtbar halte und ohne den Leitfaden des Leibes an keine gute Forschung glaube. Nicht eine Philosophie als Dogma, sondern als vorläufige Regulative der Forschung.
26 [433]
Einem Menschen wie Sie sind, kann diese Philosophie nicht gefährlich sein. Ich glaube überhaupt nicht daran, daß Philosophien gefährlich sind. Die Menschen sind so und so—wozu sollte ich deutlicher reden!—und brauchen Kleiderchen und Masken um sich dennoch schön zu präsentiren: zu diesen Masken gehören die Philosophien.
26 [434]
Eine untergehende Welt ist ein Genuß, nicht nur für den Betrachter (sondern auch für den Vernichtenden). Der Tod ist nicht nur nothwendig, “häßlich” ist nicht genug, es giebt Größe, Erhabenheit aller Art bei untergehenden Welten. Auch Süßigkeiten, auch Hoffnungen und Abendröthen. Europa ist eine untergehende Welt. Demokratie ist die Verfalls-Form des Staates.
26 [435]
Montaigne, als Schriftsteller, ist oft “auf dem Gipfel der Vollkommenheit durch Lebhaftigkeit, Jugend und Kraft. Il a la grâce des jeunes animaux puissants.— L’admirable vivacité et l’étrange énergie de sa langue. Er gleicht Lucrez pour cette jeunesse virile. Un jeune chêne tout plein de sève, d’un bois dur et avec la grâce des premières années.” Doudan.
26 [436]
“ich fange an zu glauben, cette race douce, énergique, méditative et passionnée hat immer nur in den Büchern existirt.” Doudan, über die Deutschen.
26 [437]
Ich halte, mit Doudan, die große Mehrzahl der Musiker für Charlatans und auch für dupes —
chantaient déjà, faute d’idées.
26 [438]
Was soll man von dem französischen Geschmack halten! Doudan sagt: c’est un bruit dans les oreilles et un petit mal de cœur indéfinissable qu’on n’aime pas à sentir.
26 [439]
“Motu quiescunt”—vom Glück der Aktivität, “la volonté désennuie” Doudan.
26 [440]
Nur der echte Philosoph ist ein verwegenes Thier und spricht zu sich wie Turenne: “Carcasse, tu trembles? Tu tremblerais bien davantage, si tu savais où je te mène.”
26 [441]
Die Bewunderung für Cicero: c’est une aimable et noble créature. Le petit parvenu d’Arpinum est tout simplement le plus beau résultat de toute la longue civilisation qui l’avait précédé. Je ne sais rien de plus honorable pour la nature humaine que l’état d’âme et d’esprit de Cicéron. Doudan.
l’habitude d’admirer l’inintelligible au lieu de rester tout simplement dans l’inconnu: was für ravages hat sie in den Geistern der neuen Zeit hervorgebracht! Doudan.
Er hatte zwischen sich und der Natur aucun de ces fantômes imposants, mais informes, qui ravissaient Saint Antoine dans le désert et Saint Ignace de Loyola dans le monde.
“il y a quelque chose de Cicéron dans Voltaire”
26 [442]
Der deutsche Mystiker
Die großen Selbst-Bewunderungen und die großen Selbst-Verachtungen und -Verkleinerungen gehören zu einander: der Mystiker, der sich bald Gott, bald Wurm fühlt. Was hier fehlt, ist das Selbst-Gefühl. Es scheint mir daß Bescheidenheit und Stolz eng zu einander gehören, und nur Urtheile je nach dem, wohin man blickt. Das Gemeinsame ist: der kalte sichere Blick der Schätzung in beiden Fällen. Es gehört übrigens zur guten Diät, nicht unter Menschen zu leben, mit denen man sich gar nicht vergleichen darf, sei es aus Bescheidenheit, sei es aus Stolz. Diese Diät ist eine aristokratische Diät. Gewählte Gesellschaft—lebende und todte.— Fatum ist ein erhebender Gedanke für den, welcher begreift, daß er dazu gehört.
26 [443]
In Pascal zum ersten Mal in Frankreich la raillerie sinistre et tragique,—“la comédie et la tragédie tout ensemble.” Von den Provinciales.
26 [444]
Von Genua sagt Doudan: On peut porter là les grandes tristesses sans souffrir d’aucun contraste.
26 [445]
Schleiermacher: die deutschen Philosophen
26 [446]
Renan, von dem Doudan sagt: “er giebt den Leuten seiner Generation, was sie in allen Sachen wollen, des bonbons, qui sentent l’infini.” “Ce style rêveur, doux, insinuant, tournant autour des questions sans beaucoup les serrer, à la manière des petits serpents. C’est aux sons de cette musique-là, qu’on se résigne à tant s’amuser de tout, qu’on supporte des despotismes en rêvassant à la liberté”
26 [447]
Über Taine “mais que cela est rouge, bleu, vert, orange, noir, nacre, opale, iris et pourpre! ... c’est une boutique de marchand de couleurs. Mit Mirabeau le père sagen: quel tapage de couleurs!
26 [448]
Das Auge, wenn es sieht, thut genau dasselbe, was der Geist thut um zu begreifen. Es vereinfacht das Phänomen, giebt ihm neue Umrisse, ähnelt es früher Gesehenem an, führt es zurück auf Früher-Gesehenes, bildet es um, bis es faßlich, brauchbar wird. Die Sinne thun dasselbe wie der “Geist”: sie bemächtigen sich der Dinge, ganz so wie die Wissenschaft eine Überwältigung der Natur in Begriffen und Zahlen ist. Es giebt nichts darin, was “Objektiv” sein will: sondern eine Art Einverleibung und Anpassung, zum Zweck der Ernährung.
26 [449]
Ich fand noch keinen Grund zur Entmuthigung. Wer sich einen starken Willen bewahrt und anerzogen hat, zugleich mit einem weiten Geiste, hat günstigere Chancen als je. Denn die Dressirbarkeit der Menschen ist in diesem demokratischen Europa sehr groß geworden; Menschen welche leicht lernen, leicht sich fügen, sind die Regel: das Heerdenthier, sogar höchst intelligent, ist präparirt. Wer befehlen kann, findet die, welche gehorchen müssen: ich denke z. B. an Napoleon und Bismarck. Die Concurrenz mit starkem und unintelligentem Willen, welcher am meisten hindert, ist gering. Wer wirft diese Herren “Objektiven” mit schwachem Willen, wie Ranke oder Renan, nicht um!
26 [450]
Gelehrte. Diese “Objektiven,” Nur-Wissenschaftlichen sind zuletzt gewissenhaft und lobenswerth und bleiben in den Grenzen ihres Vermögens, von irgend einer hochgeschätzten Sache zu zeigen, daß etwas Widersinniges dahinter ist, folglich, intellektuell gemessen, weniger Werth hat als man durchschnittlich glaubt. Nämlich, über logische Werthgrade fühlen sie sich allein berechtigt, mitzuurtheilen, mitzureden; sie selber haben keinen anderen Werth als logisch zu sein.
26 [451]
Man muß zu heftigen Bewunderungen fähig sein, und mit Liebe vielen Sachen ins Herz kriechen: sonst taugt man nicht zum Philosophen. Graue kalte Augen wissen nicht, was die Dinge werth sind; graue kalte Geister wissen nicht, was die Dinge wiegen. Aber freilich: man muß eine Gegenkraft haben: einen Flug in so weite hohe Fernen, daß man auch seine bestbewunderten Dinge tief, tief unter sich sieht, und sehr nahe dem, was man vielleicht verachtete.— Ich habe meine Proben gemacht, als ich mich nicht durch die große politische Bewegung Deutschlands, noch durch die künstlerische Wagners, noch durch die philosophische Schopenhauers von meiner Hauptsache habe abspänstig machen lassen: doch ward es mir schwer, und zeitweilig war ich krank daran.
26 [452]
Ich will Niemanden zur Philosophie überreden: es ist nothwendig, es ist vielleicht auch wünschenswerth, daß der Philosoph eine seltene Pflanze ist. Nichts ist mir widerlicher als die lehrhafte Anpreisung der Philosophie, wie bei Seneca oder gar Cicero. Philosophie hat wenig mit Tugend zu thun. Es sei mir erlaubt zu sagen: daß auch der wissenschaftliche Mensch etwas Grundverschiedenes vom Philosophen ist.— Was ich wünsche, ist, daß der ächte Begriff des Philosophen in Deutschland nicht ganz und gar zu Grunde gehe. Es giebt so viele halbe Wesen aller Art in Deutschland, welche ihr Mißrathensein gern unter einem so vornehmen Namen verstecken möchten.
26 [453]
Was die Dinge werth sind abzuschätzen: dazu genügt nicht, daß man sie kennt: ob es schon nöthig ist. Man muß ihnen Werth zugestehen dürfen, geben und nehmen dürfen, genug, man muß Einer sein, der das Recht hat, Werthe zu vergeben. Daher heute die vielen “Objektiven”: sie sind bescheiden und ehrlich, sich das Recht abzustreiten.
26 [454]
Victor Hugo: reich und überreich an pittoresken Einfällen, mit Maler-Augen auf alles Sichtbare sehend, ohne Geschmack und Zucht, flach und demagogisch, sklavisch vor allen klingenden Worten auf dem Bauch, ein Volks-Schmeichler, mit der Evangelisten-Stimme für alle Niedrigen, Mißrathenen, Unterdrückten, aber ohne eine Ahnung von intellektuellem Gewissen und vornehmer Größe. Sein Geist wirkt auf die Franzosen in der Art eines alkoholischen Getränks, das zugleich berauscht und dumm macht. Die Ohren klingen Einem, wenn sein betäubendes Geschwätz losgeht: und man leidet, wie wenn ein Eisenbahn-Zug uns durch einen dunklen Tunnel fährt.
Flaubert: falsche Gelehrsamkeit. Emphase.
Von Rossini: kein Schauspieler kam ihm gleich, wenn er den Barbier von Sevilla sang. Einer der geistreichsten Menschen.
26 [455]
“Die großen Worte, die Monstra von Ereignissen—zunehmend. Immer gab es sonst, in barbarischen unwissenden absurden Zeitaltern eine Art Compensation durch einige ganz große Menschen. Jetzt schnelles tiefes nivellement aller Intelligenzen.”
26 [456]
Daß ein Beefsteak nur eine Erscheinung sein soll, eigentlich aber das Ding an sich, so etwas wie das Absolutum oder der liebe Gott: das glaube, wer
26 [457]
Bismarck: Bauer, Corps-Student: nicht gemütlich, nicht naiv, Gott sei Dank! Kein Deutscher, wie er “im Buche steht”!
26 [458]
Was ich lache über Flaubert, mit seiner Wuth über den bourgeois, der sich verkleidet, ich weiß nicht als was! Und Taine, als M. Graindorge, der durchaus Weltmann, Frauenkenner usw. sein will!
26 [459]
Meine Schulung zum Mißtrauen, zum—auch etwas zum Auslachen!
26 [460]
Problem: die Werthe “gut” “böse” “lobenswerth” usw. werden angelernt. Aber “feig” “muthig” “Hallunke” “Geduldig” werden angeboren und einverleibt. In Folge davon ist lernen und lernen etwas Verschiedenes: ein Charakter nimmt entgegen, ein anderer läßt sich etwas aufzwingen, ein dritter giebt nach, macht nach, ist Affe. Es giebt viel Widerstreben bei Anderen, bei mir z. B. viel gutwilliges Sich-Stellen, als ob ich annehme: während ich meine Entscheidung verschob: es war nur “vorläufig” und “zeitweilig.” Für mich allein glaubte ich an nichts davon. Ich habe keinen Menschen kennen gelernt, den ich in den allgemeinsten Urtheilen als Autorität empfunden hätte: während ich ein tiefes Bedürfniß nach einem solchen Menschen hatte.
26 [461]
Der Unfug Kant’s mit “Erscheinung.” Und wo er keine Erklärung findet, ein Vermögen anzusetzen! Dieser Vorgang war’s, worauf hin der große Schelling-Schwindel losgieng.
26 [462]
Eine gute Anzahl höherer und besser ausgestatteter Menschen wird wie ich hoffe, endlich so viel Selbstüberwindung haben, um den schlechten Geschmack für Attitüden und die sentimentale Dunkelheit von sich abzuthun, und gegen Richard Wagner ebenso sehr als gegen Schopenhauer. Diese Deutschen verderben uns, sie schmeicheln unseren gefährlichsten Eigenschaften. Es liegt in Goethe, Beethoven und Bismarck eine kräftigere Zukunft vorbereitet, als in diesen Abartungen der Rasse. Wir haben noch keine Philosophen gehabt.
26 [463]
Die Corsen sind nicht liebenswürdig: und wer zur Heerde gehört, ärgert sich darüber.
26 [464]
Wenn Kant die Philosophie zur “Wissenschaft” reduziren wollte, so war dieser Wille eine deutsche Philisterei: an der mag viel Achtbares sein, aber gewiß noch mehr zum Lachen. Daß die “Positivisten” Frankreichs, oder die “Wirklichkeits-Philosophen” oder die “wissenschaftlichen Philosophen” an den jetzigen deutschen Universitäten ganz in ihrem Rechte sind, wenn sie sich als philosophische Arbeiter, als Gelehrte im Dienste der Philosophie benehmen, ist in schönster Ordnung. Ebenso daß sie nicht über sich selber hinaus sehen können und den Typus “Philosoph” nach ihrem Bilde sich zurechtmachen.
26 [465]
Mittag und Ewigkeit.
Eine Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
26 [466]
Adventavit asinus
Pulcher et fortissimus.
Mysterium.
26 [467]
| Jenseits von Gut und Böse. Briefe an einen philosophischen Freund Satis. |
| “Satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.” |
| Von Friedrich Nietzsche |
26 [468]
Was ist vornehm?
Gedanken über die Rangordnung von Mensch und Mensch.
Von
Friedrich Nietzsche.
26 [469]
Aber den—kenne ich nicht. Oft, wahrlich, mochte ich glauben, auch er wäre nur eine schöne Heiligen-Larve
11, 26[1-469] Sommer-Herbst 1884
26 [1]
The Provisional
and the Precursors
26 [2]
Skeptical Objections.
26 [3]
The great philosophers have rarely succeeded. What are these Kant, Hegel, Schopenhauer, Spinoza! How poor, how one-sided! One understands how an artist can imagine himself to mean more than they do. The knowledge of the great Greeks has educated me: in Heraclit Empedocles Parmenides Anaxagoras Democrit there is more to revere, they are fuller. Christianity has it on its conscience to have corrupted many full people, e.g., Pascal and earlier Meister Eckart. In the end, it even corrupts the concept of the artist: it has poured a timid hypocrisy over Raphael, in the end even his transfigured Christ is a fluttering, dreamy little monk, which he does not dare to show naked. Goethe stands well.
26 [4]
“People love out of gratitude, from an overflowing heart, because one has escaped death” Lagarde p. 54 against “humanity.”
26 [5]
The advantage of the Church, like that of Russia, is: they can wait.
26 [6]
A religion, at whose door stands the adultery of God (for with him nothing is impossible!)
26 [7]
— to love the next, the enemy himself, because God does so—“he lets it rain on the just and the unjust.” But he does not do that at all.
26 [8]
— Fichte, Schelling, Hegel, Schleiermacher, Feuerbach, Strauß—all theologians.
26 [9]
— I am compelled, in the age of universal suffrage, i.e. where everyone is allowed to sit in judgment over everyone and everything, to restore the hierarchy.
26 [10]
In aged peoples great sensuality, e.g. Hungarians, Chinese, Jews, French (for the Celts were already a cultured people!) —
26 [11]
The genuine Bedouins of the desert and the ancient Vikings —
26 [12]
NB. The most firmly believed a priori “truths” are for me—assumptions for the time being, e.g., the law of causality, very well-practiced habits of belief, so ingrained that not believing in them would destroy humanity. But are they truths because of that? What a conclusion! As if truth were proven by the fact that mankind continues to exist!
26 [13]
I must set up the most difficult ideal of the philosopher. Learning doesn't do it! The scholar is the herd animal in the realm of knowledge, who researches because it has been commanded and demonstrated to him.
26 [14]
There is in itself no sense for truth; but because a strong prejudice speaks for it, it is more useful to know the truth than to be deceived, truth is sought—while in many other cases it is sought because it might be more useful—whether to increase power, wealth, honor, self-esteem.
26 [15]
Even behind the actual friends of truth, the philosophers, there is often an unconscious intentionality at work: they want a certain kind of "truth" from the outset—and often enough they have betrayed their innermost needs by going their way to "their" truth.
26 [16]
The poor Schopenhauer! E. von Hartmann has cut off the legs on which he walked, and Richard Wagner has even cut off his head!
26 [17]
We can only recognize in the will what is recognizable in it—so assuming that we recognize ourselves as willing, there must be something intellectual in willing.
26 [18]
A cognitive apparatus that wants to recognize itself!! One should have moved beyond this absurdity of the task! (The stomach that digests itself!—)
26 [19]
How Winckelmann, as it were, acquired a sense for antiquity at the Laocoön, at the end of antiquity, so R W acquired a sense for style at the opera, the worst of all art forms, i.e., the insight that it is not possible to isolate the arts.
26 [20]
— the demagogic character of Wagner's art: ultimately with the consequence that he bowed before Luther to gain influence.
26 [21]
— German music does not stand outside the cultural movement: in Mozart there is much Rococo and that tenderness of the 18th century. In Beethoven, the air from France, the enthusiasms from which the Revolution sprang, always echoing, resonating. W and Romanticism.
— what about the connection between music and the visual arts? And poetry? The musician's relative solitude, he lives less with, his excitements are echoes of earlier feelings.
There is still a lack of the great style in music; and it is ensured that it does not grow now!
26 [22]
Everything I said about R W was wrong. In 1876, I felt, “everything about him is inauthentic; what is authentic is hidden or decorated. It is a performance, in every bad and good sense of the word.”
26 [23]
To distance oneself from moral phenomena as the doctor distances himself from the belief in witches and the doctrine of the "devil's grip".
26 [24]
The pain, the uncertainty, the malice: to these three the herd-men stand very differently.
26 [25]
The advantages in this time. “Nothing is true: Everything is permitted.”
26 [26]
I regard criminals, punished and unpunished, as people on whom one can make experiments. Protection, not improvement, not punishment!
26 [27]
— a people who submit to the intelligence of a Luther!
26 [28]
NB. There are good prospects: nothing but very great upheavals are preparing themselves. I consider what the French Revolution stirred up—Beethoven is also unthinkable without it, as is Napoleon. So I hope that all fundamental problems will be uncovered and that one will thoroughly move beyond the absurdities of the New Testament or beyond Hamlet and Faust, the two “most modern men.”
26 [29]
I have raised myself to a good bright height: and many who, when I was young, shone over me like a star, are now distant—but below me, for example, Sch W.
26 [30]
One should not build where there is no more time. The jubilation of the great movement: and I am, the one who sees what it is all about: everything “Good” and “Evil.”
26 [31]
R W to describe—attempt at a dictatorship. But in the end he crossed himself out, incapable of his own overall conception. The “raptures” of the Protestant Communion seduced him!
Montaigne
26 [32]
“World conquest.” The ways in which humans have sought to subjugate things so far:
— the limits where they could go no further and submitted (Moira)—“God.” The “rulers” once again dreamed into things as world rulers.
— Consolations. Submission.
26 [33]
“Peace as an illusion.” “Satisfaction”
26 [34]
By day the lower intellect is closed to consciousness. At night the higher intellect sleeps, the lower enters consciousness (dream)
26 [35]
As in a dream, the cause is sought for the cannon shot and the shot is only heard afterward (so a reversal of time takes place: this reversal of time always occurs, even when awake. The “causes” are imagined after the “deed”; I mean, our purposes and means are consequences of a process??)
How firmly we are trained to believe nothing without a cause is shown by the aforementioned phenomenon: we only accept the cannon shot once we have thought up the possibility of how it came about, i.e.
h. all actual experience is preceded by a time when the fact to be experienced is motivated.— this could be the case in the movement of every nerve, every muscle.
Thus, in every so-called sensory perception, there is a judgment that affirms or denies the process before it “enters” consciousness.
All organic life is coordinated as visible movement with a mental event.
An organic being is the visible expression of a spirit.
26 [36]
The nervous system and the brain is a conduction system and a centralization apparatus of countless individual spirits of different ranks. The spiritual self is already given with the cell.
Before the cell, there is no spiritual self, but everything lawful, i.e., the relational character of all events, corresponds only to a thought process (memory and conclusion)
26 [37]
Where there is no error, this realm stands higher: the inorganic as the impersonal spirituality. The organic creature has its perspective from egoism, in order to be preserved.
— it may only think as far as it benefits its preservation.
— a continuous process with growth, procreation, etc.
26 [38]
Thoughts are forces. Nature presents itself as a multitude of relations of forces: they are thoughts, logical absolutely certain processes, there is no possibility of error. Our science has taken the course of discovering everywhere logical formulas and nothing further.
— all these motion processes that we see or almost see (atoms) are consequences
1. The indestructible uniformity of force, space with the function of force. Everything is mechanics.
2. Mechanics is fundamentally logic.
3. Logic is irreducible. How is error possible? More accurately: conservation laws for enduring processes presuppose perspectival illusion.
26 [39]
“the just man” for the observer very refreshing, peace-giving: but for himself a terrible torment
26 [40]
Art—the joy of communicating (and receiving from a richer one)—shaping souls through forms—
26 [41]
This need, to have knowledge ready at hand, is not present in a very resolute nature —
26 [42]
I am re-examining the problem of the artist's hierarchy (Plato); at the same time, I elevate the artist as highly as I can. In fact, we find all artists subjected to great intellectual movements, not their leaders: often completers, e.g., Dante for the Catholic Church. R W for the Romantic movement. Shakespeare for Montaigne's freethinking.
The higher forms, where the artist is only a part of the human being—e.g., Plato, Goethe, G Bruno. These forms rarely succeed.
26 [43]
All philosophical systems are overcome; the Greeks shine in greater splendor than ever, especially the Greeks before Socrates.
26 [44]
The reversal of time: we believe the external world to be the cause of its effect on us, but we have only transformed its actual and unconsciously unfolding effect into the external world: what stands before us as such is our own creation, which now acts back upon us. It requires time before it is complete: but this time is so brief.
26 [45]
Our valuations stand in proportion to our believed living conditions: if these change, then our valuations change.
26 [46]
Coordination instead of cause and effect
26 [47]
The Path to Wisdom.
Guidance for Overcoming Morality.
The First Step. Better to revere (and obey and learn) than anyone else. Gather all that is worthy of reverence within oneself and let them struggle with one another. Bear all that is heavy. Asceticism of the spirit—courage in the time of community.
The Second Step. Shatter the reverent heart (when one is most firmly bound). The free spirit. Independence.Time of the desert. Critique of everything revered (idealization of the unrevered), attempt at reversed valuations.
The third step. Great decision, whether suitable for a positive stance, for affirmation. No God, no man any longer above me! The instinct of the creator, who knows where to apply his hand. The great responsibility and the innocence. (To take joy in anything, one must approve of Everything.) Granting oneself the right to act.
26 [48]
1. Overcoming evil petty inclinations. The comprehensive heart, one conquers only with love.
(R W bowed before a deep loving heart, as did Schopenhauer. This belongs to the first stage.) Fatherland, race, everything belongs here.
2. Overcoming even the good inclinations.
unnoticed such natures as D and W or Sch as not even standing on this stage!
3. Beyond Good and Evil.He adopts the mechanical worldview and does not feel humiliated by fate: he *is* fate. He holds the destiny of mankind in his hand.
Only for the few: most will perish on the second path. Plato, Spinoza? perhaps they *succeed*? Finally granting oneself the right to act.
Beware of actions that no longer match the *attained level*, e.g., wanting to help those who are not significant enough—this is false pity.
26 [49]
NB. “Consciousness”—how superficial the imagined idea, the imagined will, the imagined feeling (the only ones we know) are! “Appearance” also our inner world!
26 [50]
Measure. How much can one endure of the truth without degenerating! And without being driven to despair by contradiction, hostility, and misunderstanding? Not even by the stupidity of love of those who adore him?
26 [51]
What a terrible fate Schopenhauer had! His injustices found exaggerators (Dühring and Richard Wagner), his fundamental insight into pessimism a Berlin-based involuntary diminisher (E. von Hartmann)!
26 [52]
We believe that our conscious intellect is the cause of all purposeful arrangements within us. This is fundamentally wrong. Nothing is more superficial than the entire setting of “purposes” and “means” by consciousness: it is an apparatus of simplification (like speech, etc.), a means of communication, practical, nothing more—without any intention of penetration with knowledge.
26 [53]
“Chance”—in great minds a fullness of conceptions and possibilities, as it were a play of forms, from which selection and adaptation to what was previously selected.— The dependence of lower natures on the inventive ones is inexpressibly great—once to depict how much everything is imitation and incorporation of the prescribed valuations that emanate from great individuals. For example, Plato and Christianity. Paul hardly knew how much everything in him smelled of Plato.
26 [54]
Chapter. On the value of the human cognitive apparatus. Only slowly does it become clear what it can and cannot achieve: namely, to what extent all its results are internally connected or contradict each other.
26 [55]
Chapter. If one does not have a particular standpoint, there is nothing to say about the value of anything: that is, a particular affirmation of a particular life is the prerequisite of every valuation.
26 [56]
One praises and criticizes from oneself out: whoever overlooks the praiser from higher viewpoints finds it unflattering to be praised by him.
26 [57]
NB. To what extent it is necessary for the highest-ranking human being to be mortally hated by the representatives of a specific morality. Whoever loves the world must be condemned by all individuals: the perspective of their preservation demands that there be no destroyer of all perspectives.
26 [58]
NB. The first limit of all “sense of truth” is—even for all lower living creatures—what does not serve their preservation, is none of their concern. The second: the way of looking at a thing that is most useful to them is preferred and gradually, through inheritance, incorporated. This has not yet become any different through humans: at most, one could ask whether there are not degenerate races that relate to things in a way that corresponds to an inner intentionality toward decline—thus against life.But the dying off of the outdated or the botched belongs itself to the consequence of the preservation of life: which is why the elderly may judge in an elderly manner and true Christians may judge in a world-hostile way.
In itself, it would be possible that for the preservation of the living, precisely fundamental errors would be necessary, and not “fundamental truths.” For example, an existence could be conceived in which cognition itself would be impossible, because a contradiction exists between the absolutely fluid and cognition: in such a world, a living creature would first have to believe in things, in duration, etc., in order to be able to exist: error would be its condition of existence. Perhaps it is so.
26 [59]
Those whose ancestors considered love an important matter will feel it when they fall in love and, perhaps to their surprise, behave as their ancestors did: it is hardly one who starts a veritable passion—for passions too must be cultivated and bred, love just as much as the lust for power and egoism.
26 [60]
Everywhere, where there is great purposefulness, we do not have the purposes and means in consciousness. The artist and his work, the mother and the child—and likewise my chewing, digesting, walking, etc., the economy of forces during the day, etc.—all of this is without consciousness.
That something proceeds purposefully, e.g., the process of digestion, is by no means explained by the assumption of a hundredfold refined cognitive apparatus of the kind of the conscious intellect: it could not be conceived as adequate to the task that is actually performed, because far too fine relations (in numbers) would have to be taken into account.
The second intellect would still leave the riddle unsolved. If one does not allow oneself to be deceived by "large" and "small" in temporal relations, the process of a single digestion is just as rich in individual processes of movement as the entire process of the living in general: and whoever does not assume a guiding intellect for the latter need not assume it for the former either.26 [61]
The entire apparatus of cognition is an apparatus of abstraction and simplification—not directed toward cognition, but toward mastery of things: “purpose” and “means” are as far from the essence as “concepts.” With “purpose” and “means,” one masters the process (—one invents a process that is graspable!), but with concepts, one masters the “things” that constitute the process.
26 [62]
The essence of an action is unrecognizable: what we call its “motives” moves nothing—it is an illusion to perceive a sequence as a confusion.
26 [63]
With the “freedom of the will,” “responsibility” falls away. But all moral questions remain: how does the living relate to “truth”? To another living being? And if punishment and reward were based on error, why should it not continue to be punished and rewarded? What is to be objected to a “will to untruth”? And whence the esteem for the selfless and just?— Enough, the entire factual basis of the previous moral stance of the living, 1) the factual basis of the estimations and 2) the cause of the valuations would still need to be established. Which raises the question 3), whether there is a standard above all previous valuations, including the question of whether the first two problems are solvable without this—and why I pose them at all.
26 [64]
The great problems posed by Werth des Werdens by Anaximander and Heraclit—thus the decision about whether a moral or an aesthetic evaluation is permitted at all, with regard to the whole.
The great problem of what share the purpose-setting intellect has in all becoming—from Anaxagoras
The great problem of whether there is a Being—from the Eleatics; and what all is appearance.
All great problems were posed before Socrates:
Socrates: insight as a means to moral improvement, the unreasonable in the passions, the impractical in being bad.
Plato says, no! The love of the good brings about moral improvement; insight, however, is necessary for grasping the good.
Socrates does not seek wisdom, but a wise man—and does not find him, but this searching he designates as his highest happiness. For there would be nothing higher in life than always speaking of virtue.
26 [65]
Perhaps what we feel as the most certain is the farthest from the “real.” In judgment lies a belief “it is thus and so”; what if the believing itself were the nearest fact we can establish! How is belief possible??
26 [66]
Pythagoras founds an order for Nobles, a kind of Templar order.
26 [67]
— Heraclit: the world an absolute lawfulness: how could it be a world of injustice! thus a moral judgment “the fulfillment of the law” is absolute; the opposite is an illusion; even bad people change nothing about it, as they are, the absolute lawfulness is fulfilled in them. Necessity is here morally glorified and felt.
26 [68]
So far, both explanations of organic life have not succeeded, neither the one from mechanics, nor the one from the spirit. I emphasize the latter. The spirit is more superficial than one believes. The governance of the organism occurs in a way for which both the mechanical world, as well as the spiritual, can only be used symbolically for explanation.
26 [69]
The idea that what is viable has remained is a conception of the first order.
26 [70]
Finally, the unrecognizability of life may lie precisely in the fact that everything in itself is unrecognizable and we only comprehend what we have first constructed and crafted; I mean on the contradiction of the first functions of “knowing” with life. The more recognizable something is, the farther from being, the more concept.
26 [71]
Egoism as the perspectival seeing and judging of all things for the purpose of preservation: all seeing (that something is perceived at all, this selecting) is already a valuing, an accepting, in contrast to a rejecting and not-wanting-to-see.
26 [72]
Value judgments are inherent in all sensory activities. Value judgments are inherent in all functions of the organic being.
That pleasure and displeasure are original forms of value judgment is a hypothesis: perhaps they are only consequences of a value judgment.
The “Good” is, from the perspective of two different beings, something different.
There is a good that serves the preservation of the individual; a good that measures the preservation of his family or his community or his tribe—there can arise a conflict in the individual, two drives.
Every "drive" is the drive toward "something good," from some perspective; there is valuation in it, only for that reason has it incorporated itself.
Every drive has been cultivated as a temporary condition of existence. It is inherited for a long time, even after it has ceased to be one.
A certain degree of the drive in relation to other drives, as capable of preservation, is always inherited again; an opposing one disappears
26 [73]
The “Un-egoistic.” The multiplicity of persons (Masks) in one “I.”
26 [74]
The law of causality a priori—that it is believed may be a condition of existence for our kind; this does not prove it.
26 [75]
By way of introduction.
§ 1. The most difficult and highest form of humanity will succeed most rarely: thus the history of philosophy shows an abundance of failures, of misfortunes, and an extremely slow progress; entire millennia intervene and crush what had been achieved, the continuity ceases again and again.This is a gruesome story—the story of the highest man, the Wise One.— The memory of the great is most damaged, for the half-succeeded and the failed misjudge them and defeat them through “successes.” Every time “the effect” appears, a mass of rabble steps onto the stage; the chatter of the small and the poor in spirit is a terrible torment to the ears of one who knows with horror that the fate of mankind depends on the success of its highest type.— From childhood on, I have pondered the conditions of existence for the wise; and I will not conceal my cheerful conviction that he is now again possible in Europe—perhaps only for a short time.
§ 2. What must come together in the wise? Then one understands why he so easily fails, quite apart from the external conditions.
§ 3. The world of opinions—how deeply valuation penetrates into things has hitherto been overlooked: how we are stuck in a self-created world, and even in all our sensory perceptions moral values lie.—Limited scope of Kantian idealism (ultimately refuted by Kant himself: what does truth matter to us when it concerns our highest valuations—“one must then believe this and that,” Kant thought)
26 [76]
It is a problem whether pleasure and displeasure are more primitive facts than the judgment “useful” “harmful” for the whole.
26 [77]
Stimulus conceptually separated from "pleasure" and "displeasure"
26 [78]
Schopenhauer admits the “particular pleasure” of demonstrating that Kant’s practical reason and categorical imperative are “completely unjustified, baseless, and invented assumptions, thereby returning morality to its old, complete perplexity” (Grundlage der Moral p. 116)
26 [79]
Conditions of the wise.
One must free oneself from society through guilt of all kinds.
26 [80]
The development of the organic reveals a high probability that the intellect has grown from very small beginnings, thus also become: the sensory organs have demonstrably emerged; before them, there were no “senses.” The question arises: what must always have been present? For example, what properties does the embryo have that thinking also develops in the course of its development? —
26 [81]
We have no idea so far about the inner laws of motion of the organic being. “Gestalt” is an optical phenomenon: apart from eyes, nonsense.
26 [82]
Main clause: no retrogressive hypotheses! Better a state of! And as many individual observations as possible! Finally: we may recognize what we want, behind all our works stands a usefulness or uselessness that we do not overlook. There is no choice in it, but everything is absolutely necessary: and the fate of humanity has long been decided, because it has already eternally existed. Our most eager effort and caution belong within the fate of all things; and so does every stupidity. Whoever hides from this thought is thereby also fate. Against the thought of necessity there is no refuge.
26 [83]
Which is the most desirable most useful belief? (if once it does not depend on truth) one could ask. But then one must ask further: useful for what?
26 [84]
Kant says p. 19 R, “the moral worth of an action lies not at all in the intention with which it was done, but in the maxim that one followed.” “Against which (Schopenhauer Grundlage der Moral p. 134) I would point out that the intention alone decides the moral worth or unworth of a deed, which is why the same deed, depending on its intention, can be reprehensible or praiseworthy” etc.
ego: but what he wanted with the deed, whether this is praiseworthy or blameworthy, depends on the maxim that the one praising or blaming has, and consequently on the judgment of the maxim according to which the actor acted: if it is not the same, the ordinary person is outraged by the actor, but assumes that he equally values the actions. Kant is right that because there are different maxims, and of different moral worth, the worth of an action ultimately always leads back to the question of the worth of the maxim underlying it.
Sch is just as certain to know what is good and evil as Kant—that is the humor of the matter.
26 [85]
The commanding and the obeying is the fundamental fact: this presupposes a rank-order a priori
Sch p. 136 “The principle or the supreme maxim of an ethics is the shortest and most concise expression for the mode of action which it prescribes or, if it had no imperative form, the mode of action to which it assigns actual moral worth,—thus that of virtue. The foundation of an ethics, on the other hand, is that of virtue, the ground of that obligation or recommendation or commendation, thus that of virtue.— That, so easy, that so terribly difficult.”
“The principle, the maxim, whose content all ethicists are actually in agreement about: neminem laede, immo omnes quantum potes juva—this is actually the proposition which all moral teachers strive to justify—the actual foundation of ethics, which has been sought like the philosopher’s stone for millennia.”
The difficulty of proving this proposition is indeed great: it is foolish and slavishly sentimental.
neminem laede why not?
neminem contains an equation of all people: but since people are not equal, this contains a demand to treat them as equal. Thus—“treat every person as your equal” is the background of this morality.
“Use” contains the question “useful for what?” and thus already implies a valuation and goal. Under certain circumstances, it might be necessary to harm many in order to benefit all: thus the first part could be false. It is ridiculous to believe in a “good and evil” in itself if one is a philosopher. Pain and loss often bring us the greatest gain, and “it is very good to have bad enemies” if something great is to come of you.—So: first question, whether the morality is practical, feasible. But how can I “benefit all”!
There are moments in Schopenhauer where he is not far from Kotzebue’s sentimentality—he also played the flute daily: that says something.
26 [86]
Schopenhauer rightly mocked Kant’s “purpose in itself” “absolute ought” “absolute value” as contradictions: he should have added the “thing in itself.”
26 [87]
Where indifference begins, in living beings, in relation to the external world —
26 [88]
The wise man is least distinguished by rigid uniformity of gaze—as long
26 [89]
The excellent spirits fail more easily; their suffering, their illnesses, their indignation at the brazen virtue-squeaking of all moral geese, etc. Everything is conspired against them, it embitters them, to be out of place everywhere.— Danger in democratic ages. Absolute contempt as a safety measure.
26 [90]
What has been achieved in knowledge is the philosopher's task to determine; and not only in this, but in general! History as the great experimental institution: to prepare the conscious wisdom that is necessary for the governance of the Earth. The collective thinking of what has been experienced —
26 [91]
In an excess of invigorating complementary forces, even misfortunes shine with the radiance of a sun and produce their own consolation: conversely, all the deep despondency, the pangs of conscience, the long bitter nights set in with weakened bodies (often food is still refused)
26 [92]
The Involuntary in Thinking.
The thought emerges, often mixed and obscured by a crowd of thoughts. We pull it out, we clean it, we set it on its feet and see how it walks—all very swift! We then sit in judgment over it: thinking is a kind of exercise in justice, which also involves interrogating witnesses. What does it mean? we ask and call upon other thoughts: that is to say, the thought is not taken as immediately certain, but only as a sign, a question mark.That every thought is at first ambiguous and fluctuating, and in itself only an occasion for multiple interpretations and arbitrary determinations, is a matter of experience for every observer who does not remain on the surface.— The origin of the thought is hidden from us; it is highly probable that it is a symptom of a more comprehensive state, like every feeling—: in the fact that precisely it comes and not another, that it comes with this greater or lesser clarity, sometimes confident and commanding, sometimes uncertain and in need of support, on the whole always unsettling and exciting, questioning—for consciousness, every thought is a stimulus—in all this, something of an overall state expresses itself in signs.— The same applies to every feeling—it does not mean anything to us in itself; when it comes, it isinterpreted, and often how strangely interpreted! Consider all the distresses of the intestines, the pathological conditions of the nervus sympathicus, and of the entire sensorium commune—: only the anatomically educated person guesses the right kind of causes; every ignorant person seeks in such pains a moral explanation and attributes to the actual occasion of mood disturbances a false reason by searching within the circle of their experiences for unpleasant encounters and fears, for a reason to feel unwell.— Under torture, almost everyone confesses guilt: in pain whose cause is unknown, the tormented person questions themselves so long and inquisitorially until they find themselves or others guilty, as, for example, the Puritans interpreted their frequent spleen, a result of their unreasonable lifestyle, morally, as a pang of conscience.
26 [93]
The action of a higher human being is indescribably multifaceted in its motivation: with any such word as “compassion,” nothing at all is said. The most essential thing is the feeling “who am I? who is the other in relation to me—value judgments continually active.
26 [94]
About memory, one must relearn: it is the totality of all experiences of all organic life, alive, organizing itself, mutually shaping, struggling with one another, simplifying, compressing, and transforming into many units. There must be an inner process that behaves like concept formation from many individual cases: the extraction and repeated underlining of the basic schema and the omission of secondary features.— As long as something can still be recalled as an individual fact, it has not yet been assimilated: the most recent experiences still float on the surface.Feelings of inclination, aversion, etc., are symptoms that units have already been formed; our so-called "instincts" are such formations. Thoughts are the most superficial: valuations that come incomprehensibly and are there go deeper—pleasure and displeasure are effects of more complicated valuations regulated by instincts.
26 [95]
Since hatred, inclination, desire, anger, lust for power, etc., are still present, one can assume that they have their functions of preservation. And “the good person”—without the powerful affects of hatred, indignation, disgust, without enmity—is a degeneration, or a self-deception.
26 [96]
The clumsy pedantry and small-town mentality of the old Kant, the grotesque tastelessness of this Chinaman from Königsberg, who was nevertheless a man of duty and a Prussian official: and the inner lack of discipline and rootlessness of Sch., who could nevertheless be enthusiastic about the compassionate Biedermann, like Kotzebue: and knew compassion for animals, like Voltaire.
26 [97]
whoever takes pleasure in an extraordinary spirit must also love the conditions under which it arises—the compulsion to dissemble, evade, exploit opportunity; and that which inspires aversion, indeed fear, in lesser natures, especially when they hate the spirit as such—
26 [98]
Basic position: the lack of reverence for great minds, for many reasons and also because there is a lack of great minds. The historical manner of our time is to be explained by the belief that everything is subject to the judgment of everyone.
The characteristic of the great person was the deep insight into the moral hypocrisy of everyone (at the same time as a consequence of the plebeian, who seeks a costume).
26 [99]
It is my comfort that all great connoisseurs of men still say: “man is evil”—and where it once sounded different, the insightful immediately recognized “man is there weak.”
The weakening of man was the cause of revolutions—of sentimentality.
26 [100]
| What was lacking in the philosophers | a) historical sense |
| b) knowledge of physiology | |
| c) a goal toward the future |
To make a critique without any irony or moral condemnation.
26 [101]
A magnificent intellect is the effect of a multitude of moral qualities, e.g., courage, willpower, fairness, seriousness—but also of much deception, transformation, experience in opposites, caprice, audacity, malice, unruliness.
For a magnificent intellect to arise, a person's ancestors must have been both evil and good, spiritual and sensual, to an outstanding degree.
26 [102]
That a good person could have an extraordinary spirit would always have to be proven first: the great spirits have so far been evil people.
26 [103]
These good-natured, peaceful, cheerful people have no conception of the gravity of those who want to anew weigh the things and must roll them to the scales.
26 [104]
The multitude of the misbegotten shakes one, even more so the comfort and security (the lack of compassion for the entire development “human”)—how everything can quickly go to ruin!
26 [105]
It is not surprising that a few millennia are necessary to find the connection again—it matters little about a few millennia!
26 [106]
The one who recognizes takes pleasure in all his bad affects, desires, actions; he uses illnesses, humiliations, he lets pain dig deep and then suddenly jumps back as soon as he has his recognition.
26 [107]
The intention to represent the good person has so far done the most harm to the philosophers' knowledge. Great dishonesty, greatest among the moralists.
26 [108]
Today there is no essential difference of opinion about what is good and what is evil. One only asks why there is no essential difference. That it is so and so, one does not doubt.— Socrates asks “why?” but also, he does not doubt—and it has belonged to human vanity so far that one knows why one does something—that one acts on conscious motives.— From Plato onward, everyone believed that it sufficed to define “good,” “just,” etc., for then one knew it, and now one must act accordingly.
26 [109]
NB. Are good, just people rightly praised? 1) Does the one praising have a right to judge at all? 2) Is his judgment correct—and by what standard correct?
26 [110]
Much has been judged and condemned so far where knowledge was lacking, e.g., about witches; or in astrology. Much "judging with the best conscience" has proven to be unjustified. Could it not be the same with "good" and "evil," since the reasoning so far actually did not include any criticism—there was agreement.
One could also ask: are the good more useful for the development of new and strong types, or the evil?
Are the good useful for knowledge, etc. Are the good healthier and more enduring in terms of preserving a race?— Are they, in relation to happiness, more cheerful or gloomy?— First, to present the extremely diverse, multifaceted facts. Are they more useful for the arts? For the duration of the human race?Above all: what is the characteristic that makes someone good or evil? Is it a behavior within oneself? Or towards others?
26 [111]
The wise man is horrified when he discovers how little the vast majority, who consider themselves good people, care about the truth—and he will resolve to direct the deepest contempt toward the entire moral virtue clan. He prefers the wicked.— What sacrifices he has made! And now he realizes that people believe they can agree or say no.— A book that “pleases”!
26 [112]
I have a deep contempt for all moral judging, praising, and condemning—
Regarding ordinary moral judging, I ask 1) is the judge entitled to judge at all? 2) is he right or wrong to judge in this way?
does he stand high enough
does he have enough insight, imagination, experience to imagine a whole as a whole
26 [113]
NB outside the cities live!
26 [114]
There are no immediate facts! It is the same with feelings and thoughts: by becoming conscious of them, I make an extract, a simplification, an attempt at shaping: that is precisely becoming conscious: a wholly active arranging.
How do you know that?—
we are conscious of the work when we want to grasp a thought, a feeling sharply—with the help of comparison (memory).
A thought and a feeling are signs of some processes: if I take them absolutely—if I set them as inevitably unambiguous, then I simultaneously set humans as intellectually equal—a temporarily permitted simplification of the true state of affairs.
26 [115]
We work with all our might, to convince ourselves of unfreedom: so that we may feel as free before ourselves as before nature — — It takes the utmost effort to maintain a feeling of this kind and not to fall out of it.
26 [116]
The “Unwerth” of a person is only an unworthiness in relation to certain purposes (of the family, community, etc.): one should give him a value and make him feel that he is useful, e.g., the sick as a means of knowledge; the criminal as a scarecrow, etc. The vicious as opportunities to practice on them, etc.
26 [117]
To preserve myself, I have my shielding instincts, of contempt, disgust, indifference, etc.—they drive me into solitude: in solitude, however, where I feel everything as necessarily connected, every being is divine to me.
NB. to be able to appreciate and love anything at all, I must comprehend it as absolutely necessarily connected with everything that exists—thus for its sake I must affirm all existence and be grateful to chance, in which such precious things are possible.
Could we foresee the most favorable conditions under which beings arise of the highest worth! It is a thousand times too complicated, and the probability of failure very great: so it does not inspire us to strive for it!— Skepticism.
— On the other hand: Courage, insight, hardness, independence, a sense of irresponsibility we can increase, refine the balance's sensitivity, and expect that favorable coincidences will come to our aid. —
26 [118]
— all tendencies only make sense within a certain perspective, e.g., it is valuable when reason is refined, it is also valuable when it is coarsened: the wise man understands the necessity of opposing standards, he desires the most colorful chance amid many contrasts.
— In order to live, one must value. To value something has as a consequence approving everything, thus also the undervalued, the despised: i.e., to value and not value at the same time.— Skepticism, thus valuing right and wrong as conditioning each other.
26 [119]
Insight: despite all appreciation, it concerns a particular perspective: preservation of the individual, a community, a race, a state, a church, a faith, a culture
— by virtue of forgetting that there is only a perspectival appreciation, everything teems with conflicting appreciations and consequently with conflicting drives in one person. This is the expression of illness in man, in contrast to the animal, where all existing instincts serve quite specific tasks.
— this contradictory creature has, however, a great method of knowledge: he feels many pros and cons—he rises to justice—to comprehension beyond the estimation of good and evil.
The wisest man would be the richest in contradictions, who, as it were, has sensory organs for all kinds of men: and between them his great moments of grandiose harmony—the high chance also in us!
— a kind of planetary movement —
26 [120]
Questions of a Questionable One.
26 [121]
I have a distrust of all moral people: their lack of self-knowledge and self-contempt makes me not only impatient with their intellect—their sight offends me.
26 [122]
The man of high soul is not inclined to admiration, for the greatest is his own and related, there is nothing great for him.— External goods, wealth, power do not come into consideration, they are not of intrinsic value, but only useful for something better.
“The high one, to whom admiration can only be expressed through reverence, is not particularly pleased by these honors (because they are always too small for the worth of his virtue): but he will not refuse them, because people are not capable of giving him anything greater.”
26 [123]
Fun and jest serve as recreation, a kind of healing, through which we regain strength for new activity.
“the serious is better”—is Aristotelian.
26 [124]
That an unlimited will to knowledge is a great danger has been understood by few. The age of universal suffrage lives under the good-natured and enthusiastic assumptions of the previous century.
26 [125]
There has never been enough mistrust among thinkers. Perhaps it was a great danger to knowledge that one wanted to find virtue and knowledge together. Things are arranged in an excessively malicious way—speaking in parables.
26 [126]
One works with presuppositions, e.g., that knowledge is possible.
26 [127]
On the multiplicity of knowledge. To sense one's relation to many other things (or the relation of the species)—how could "knowledge" of the other be! Knowing and recognizing the species is itself already among the conditions of existence: in this context, the conclusion that there could be no other forms of intellect (for ourselves) than those that sustain us is hasty: this actual condition of existence may be merely accidental and perhaps by no means necessary.
Our cognitive apparatus is not designed for "knowledge".
26 [128]
While I will, a veritable movement occurs: should this movement, unknown to me, not be considered as causa efficiens? The act of will is itself the conclusion of a “struggle of motives”—but these themselves
Rejection of causae finales
Rejection of causae efficientes: they are likewise only attempts to make a process
26 [129]
“Leaves and grass, happiness, blessings and rain.”
26 [130]
| History of valuations. |
| Noble |
| Hard |
26 [131]
| efficient cause final cause | both only means of comprehension. |
26 [132]
I imagine the most evil, cold-blooded, merciless people.
26 [133]
Liberation from morality:
1) through actions
2)
26 [134]
NB. With appropriateness, one does not yet prove the purpose.
Given the fact that everywhere in custom and law there is a purpose, it is not shown that it is intended in the origin, and often it is impractical with regard to the means of such a purpose.
Contradiction between means of lesser intelligence and purpose of highest intelligence.
26 [135]
The secondary properties of things under the cultivating influence of what is useful and harmful to us (thus not “pleasant in themselves” or “unpleasant,” some colors preferred: under certain circumstances, nerves, etc., sensory organs, etc., develop. Warm, Heavy, etc.).
26 [136]
“A person of a certain nature” (not cruel)—this is nonsense, for only in sheer relations does he have any nature at all!
26 [137]
How far our intellect is also a consequence of conditions of existence—we would not have it if we did not need it and would not have it thus, if we did not need it thus, if we could also live otherwise.
26 [138]
The adaptation to ever new circumstances and thus the preponderance of heredity and durability on the part of the most adaptable beings, the most intelligent and calculating individuals.
26 [139]
Beyond Good and Evil.
Attempt at an extramoral
consideration of
moral phenomena.
1. Tracing moral valuations back to their roots.
2. Critique of moral valuations.
3. The practical overcoming of morality.
26 [140]
1) The feeling of power
2) Master and slave morality
26 [141]
Starting from the individual as a plurality (spirit as the stomach of affects), so too the community.
1. The conditions of existence of a community appearing in the form of value judgments about people and actions.
2. The conditions of the further or backward development of the type in the form of value judgments.
3. Herd and leader virtues, opposed.
26 [142]
Preservation of a species—and further development.
— Natures in which this conceptual difference embodies itself as a contradiction
Problem
Inventions to spare experiences (to shorten a past life into ever shorter formulas)
The philosopher as master, but not in his time.
For people like Napoleon, every diversion from themselves is a danger and a loss: they must keep their hearts closed—likewise the philosopher. Zarathustra.
It proceeds terribly by chance: bring more reason into it! Caution etc.
26 [143]
The love for someone is in itself as little (and so v) valuable as hatred or revenge. There is so much blindness of devotion in love, so much distress and compulsion, namely through the discomfort in the absence of the other person, so much slave mentality (in enduring all kinds of poor treatment)—there is something so corrupting and corruptive in love that the beloved person usually declines in spirit, strength, and caution through being loved.— Maternal love in itself not valuable.— How something can be extremely expedient without therefore tracing back to an intellect that would be worthy of veneration: thus many actions are extremely useful for the preservation of society, or a people, but not done for the sake of this preservation, nor did they arise for its sake: they are erroneously venerated because one erroneously attributes them toestimates the good consequences.
26 [144]
The Independents.
26 [145]
By what is the value (of an action) measured in relation to other actions?
By the outcome (how far recognizable?) (also by the probable outcome) (also by the feeling upon the outcome)
By the doer.
by the execution
By the accompanying feeling.
By the intention (regardless of whether it was achieved)
the value of an action, insofar as it is a means (how well-chosen or accidental as a means)
Main problem: how far does the recognizability of an action extend?
26 [146]
Where one need not have mistrust, where one may let oneself go, where benevolence and good-nature speak from the eyes and gestures, where perhaps even our abilities are gladly or admiringly received, there many a one is wont to transform his comfort into a praise of such people: he calls them good and would gladly also give a good censure to their judgment—one has one's pleasure in deceiving oneself here.
26 [147]
The great complexity of the means to an “end” always gives rise to suspicion as to whether a free reason has acted here in an ordering manner.
26 [148]
“Nobody wants the bad voluntarily.” In Plato, the bad is what is harmful to one.
26 [149]
Justice, as a function of a far-reaching power that looks beyond the small perspectives of good and evil, thus having a broader horizon of advantage—the intention to preserve something that is more than this or that person.
26 [150]
If one peels away what is common to all facts, the basic forms of the utmost abstraction—does one then arrive at "truths"? There has been this path to truth so far, generalization—one only discovered the basic phenomena of the intellect this way. Really?
26 [151]
The ability to see and judge in a good, unprejudiced, extramoral way is remarkably rare.
26 [152]
Knowingly and intentionally lying is more valuable than unconsciously telling the truth—Plato is right about that. Although the common valuation is the opposite: namely, one considers it easy to tell the truth. But that is only so simple for the clumsy and superficial people who do not deal with fine things
26 [153]
On the Origin of the Philosopher.
1. The deep unease among the good-natured—like under clouds—and the feeling of becoming comfortable and negligent, also vain. It corrupts.—If one wants to understand how poor and weak the foundation is here, one should provoke them and listen to them rant.
2. Overcoming vengefulness and retaliation, out of deep contempt or out of pity for their stupidity.
3. Dishonesty as a safety measure. And even better, fleeing into one's solitude.
26 [154]
I have looked everywhere—but a “thou shalt” is no longer to be found for people like me. It goes without saying that in a specific case, for example, during a journey through wilderness, I would obey anyone who had the authority to command here, through greater experience. Likewise, a doctor. I would submit to a higher spirit regarding valuations: for now, I say “I will”; and wait for a higher spirit to cross my path once more.
26 [155]
It is the time of the promising:—free vows of loyalty in favor of some virtue: not because this virtue commands, but because I command it to myself.
The value of virtues for the one who knows.
The disadvantage of virtues for the one who knows. The use of evil, of being cast out, of being condemned. One does not become a leader unless one has first been thoroughly cast out by the herd.
26 [156]
The process of life is only possible because many experiences do not always have to be repeated but are incorporated in some form—the actual problem of the organic is: how is experience possible? We have only one form of understanding—concept, the more general case in which the specific lies. Seeing the general, typical in a case seems to belong to experience—insofar as everything "living" seems to us to be conceivable only with an intellect. Now, however, there is the other form of understanding—only those organizations remain that know how to maintain and defend themselves against a large number of influences.
26 [157]
To explain the origin of human consciousness, one could use the origin of herd consciousness. After all, humans are ultimately also a multitude of existences: they did not create these shared organs, such as blood circulation, concentration of the senses, stomach, etc., for these purposes, but rather accidental formations that proved useful in better preserving the whole have been better developed and preserved. The growing together of organisms as a means to preserve the individual being longer —
— where proximity and adaptation are greatest, the probability of preservation is greatest.
26 [158]
I do not want to be concerned: the protection of profound books now lies in the fact that most people do not have the time to take them deeply, even if they had the strength to do so. The misuse of knowledge —
26 [159]
Sch has said it strongly and humorously enough, that it is not enough to be a philosopher with the head alone.
26 [160]
The emergence of the philosopher is perhaps the most dangerous of all emergences: by taking out some of it here and “offering it up,” I by no means believe I am reducing this danger: and ultimately, all communication by those who know has only the purpose of preventing every new knower from having to repeat all the experiences that have already been made.
26 [161]
One might have demonstrated any number of unfavorable things about the origin of moral value judgments: now that these forces are here, they can be used and have their value as forces. Just as a dominion may have originated in cunning and violence: but the value it has lies in the fact that it is a dominion.— Unless the matter were such that all the power of moral value judgments were bound to the legitimacy of their origin or to any particular belief about their origin: so that then, upon seeing through an error, the power of conviction in their value would collapse. However: in all respects, we are adapted to optical errors and value judgments. Insufficient knowledge of a beefsteak will not prevent anyone from enjoying its taste.
26 [162]
Women are much more sensual than men (although the cultivated modesty makes a secret of it to themselves): for whom there are ultimately more important functions than the sexual. But when a handsome man approaches a woman—women are generally incapable of imagining a relationship between man and woman that does not involve a tension of sexuality.
26 [163]
1. Significance of the question about the history of moral sentiments.
2. Considering the possibility of the abolition of these moral judgments. Whether individuals can be rid of them.— As a sign of decline in criminals.
26 [164]
The history of valuations and the development of the recognizability of the action do not go hand in hand.
26 [165]
Value according to success.
Usually, one measures the value of an action according to an arbitrary individual perspective, e.g., value of an action for my current or general well-being
— or for my growth, increase in concentration, self-control, or emotional scope (increase in knowledge)
— or in regard to the promotion of my body, my health, agility, vigor
— or for the well-being of my children or community or country or prince or superiors or office or garden or agriculture.
— and every other person can still view my action in terms of their well-being, etc.
one can also ask what an action does not influence
26 [166]
The value of an action lies in its everyday nature or rarity or difficulty—perspective of the comparison of action with other actions
the nature of the event, how far voluntary or inhibited, supported, perhaps by chance,
as a link in a chain—and how well executed or how half and unclear.
26 [167]
My Appreciation of Religions.
Origin of that morality which demands the extermination of sensual drives and contempt for the body: a necessary measure for such natures who know no moderation and who have only the choice of becoming debauchees and swine or else ascetics. As a personal way out, it may well be permitted; just as a Christian or Buddhist way of thinking is permissible for those who feel themselves to be misfits as a whole; one must already forgive them for slandering a world in which they have fared poorly.— But it is the task of our wisdom to judge such ways of thinking and religions as great madhouse and penal institutions.
26 [168]
The human being, a manifold, deceitful, artificial, and inscrutable animal, unsettling and fear-inspiring to all other animals through cunning and guile—behaves superficially as soon as he moralizes.
26 [169]
Beware! Martyrdom and being attacked easily corrupts the pure sense of truth: you become stubborn and blind yourself to objections! Also avoid the hostilities!
26 [170]
Science—transformation of nature into concepts for the purpose of mastering nature—this belongs in the category “Means”
but the purpose and will of man must likewise grow, the intention with regard to the whole
26 [171]
Plato and Aristotle energetically set about establishing the realm of concepts firmly—it was a misunderstanding
to create a counter-realm, i.e., a statistics and value assessment.
26 [172]
the highest human, the one with the brightest and sharpest eyes, the longest arms and the hardest most resolute heart, the human of the most conscious and farthest-reaching responsibility
26 [173]
If I now turn back to people after a long voluntary solitude, and if I call out: where are you, my friends? then this happens for the sake of great things.
I want to create a new order: a league of higher men, where oppressed spirits and consciences can find counsel; who, like me, know how to live not only beyond political and religious doctrines, but have also overcome morality.
26 [174]
In all questions about the origin of customs, rights, and morals, one must be careful not to regard the utility, which a particular custom or right has, whether for the community or for the individual, as the reason for its emergence; as the naives of historical research do. For utility itself is something changeable, fluctuating; meaning is repeatedly inserted into old forms, and the "most immediate meaning" of an institution is often only brought into it last. It is the same as with the "organs" of the organic world; there too, the naives believe that the eye came into being for the sake of seeing. ff. Th. 2. Leipzig: Brockhaus, 1880:f..]
26 [175]
It is a matter of honesty, and indeed a very moderate and by no means admirable honesty, to keep oneself pure from belief in God; and what was once, for example, still in Pascal's time a demand of intellectual conscience, can today be regarded as a prohibition of the same conscience in every strong man's head and man's heart. The thoughtless way of learning and revering inherited opinions without examination, as well as the reverence for what our fathers believed, and finally a timidity about the consequences of godlessness—this is the cause
26 [176]
Whoever measures the value of human actions only by the motives intentions must also insist as a researcher into the origin of morality that the morality of humanity is worth as much as the intentions that prevailed in the primitive moral evaluations, among their inventors. “Why has the unselfish person been praised?”
26 [177]
There is an excess of families and lineages that only propagate and pass on a way of valuing: but one should not overlook the strong, critical, and independent natures that submit to an evaluation only after criticism and even more often negate and dissolve it. There is also a continuous stream of negating and critical forces in the development of moral judgment.
26 [178]
The fatalism and its provability.
(causa efficiens likewise like c f only a popular selection and simplification)
The recognizability of actions. The nature of actions is deduced from witnesses.
Good and evil as perspectival.
Origin of the feeling “guilt.” What is punishment?
The judgment of “I” and “community,” recently “the neighbor”
26 [179]
“Responsible for something” understood as freedom of the will (Heerden’s view!)
“Irresponsible, one’s own master”
“not having to answer to anyone” this kind of freedom of the will goes back to Plato, as the legacy of the noblesse—absolute innocence.
“Master of one’s virtues, master of one’s guilt” like Manfred
Innocence due to being ruled by fate is the slave’s view. Pride stirs when man wants to be regarded as the author of his merits.
— but Homer’s pride and that of all the inspired, not being authors themselves, but instruments of a god!
— one is punished for the outcome, not for the intention—as a causer of harm. There is not yet “guilt” in the subjective sense.
26 [180]
There are fundamental facts on which the possibility of judging and reasoning rests—fundamental forms of the intellect. But with that, they are truths—it could be errors.
26 [181]
Hymn to fate and the happiness of irresponsibility.
26 [182]
Diversity of Morals
1) from the perspective of development within the same tribe (primitive higher)
2) from the perspective of the simultaneous coexistence of different morals (e.g., 2 classes)
Conditions of existence in general.
Conditions for development towards the higher:
a) with regard to communities
b) with regard to individuals.
26 [183]
As from time immemorial man lives in deep unfamiliarity with his body and is content with a few formulas to communicate about it: so it is with judgments about the value of people and human actions. A few quite external and incidental points are seized upon and exaggeratedly emphasized.
26 [184]
Master morality and slave morality.
How costly are all these moral valuations! For example, marriage is now paid for by the profound slander and inner corruption of the other form of sexual intercourse!
All herd valuations are directed just as much against the lower natures as against the exceptional, higher natures.
26 [185]
That one is defamed and excommunicated from the herd also relieves him of that dishonesty which belongs to the first obligations of the herd conscience: and if one is full of evil drives, like Socrates, according to his own testimony, he at least does not suffer from what makes up the lamentable story of the good man
26 [186]
Chapter on the influence of valuations on the development of affects.
To distinguish: why is something actually judged morally in this or that way? And what value does this judging have?
The prerequisites of all moral judging:
| a) | the recognizability of the action (similarity of actions, possibility of a conceptual determination) |
| b) | the diversity of the moral value from all other values. |
However, the fact that these assumptions have always been made does not prove them. It could be like astrology. Then there would still remain the presentation of the previous kind of morality, along with the investigation of its origins.
26 [187]
Value of man in relation to animals or to the lowest beings.
26 [188]
I looked around, but so far I have seen no greater danger to all knowledge than moral hypocrisy: or, to leave no doubt at all, that hypocrisy which is called morality.
26 [189]
Morality as Hypocrisy.
When, with the advancing refinement of the nerves, certain harsh and cruel punishments are no longer imposed or are even abolished, this happens because the idea of such punishments becomes increasingly painful to the nerves of society: not growing consideration for the criminal, not an increase in brotherly love, but a greater weakness at the sight of pain brings about this mitigation of the penal code.
26 [190]
Malicious and infamous people can render excellent services to moral knowledge, provided they have enough spirit and spirituality to feel pleasure in knowing: while the weakness and obedience of the good man, his lack of mistrust, his desire to look away, his unwillingness to see precisely, his fear of causing pain, which is connected with all dissecting of flesh and soul, are just as many dangers for moral knowledge. Already, that one, through the ban which society imposes on him, feels relieved of the mendacity to which, as the first duty and condition of its existence, every herd leads every herd-man.
26 [191]
One must imagine the ideal, perfectly suited person for such a way of thinking (as Christianity is)—Pascal, for example. For the average person, there is always only a surrogate Christianity, even for natures like Luther—he fashioned a rabble and peasant Christianity for himself.
26 [192]
Life is highly enigmatic; so far, all great philosophers believed that a resolute reversal of perspective and values would yield a solution.— Likewise, all believed that a surrogate would remain for lower intellects, e.g., morality, belief in God, immortality, etc. (reincarnation)
The main thing is that such a reversal is not just a way of thinking, but a way of feeling: for people incapable of a revolutionary overall valuation—highest degree of self-determination—all scholarly knowledge of such systems is fruitless.— The fruitlessness of philosophical thinking, e.g., in Kant, Schopenhauer, R. Wagner, etc.
26 [193]
In that the world is a divine game and beyond good and evil—I have the Vedantaphilos and Heraclit as predecessors.
26 [194]
Offered and forbidden works = good and evil.
26 [195]
It is in the nature of human development that a formal “You shall do this and that, leave this and that” may well be innate to us—a obedience-instinct that longs for a content; the more one is slavish or womanly, the stronger this instinct will be. Namely, in the Others, the Rarer ones, this instinct is outweighed by another—an urge to command, to lead, at least to be alone (this is the mildest form of the commanding nature—)
To what extent other virtue-instincts may be innate—
26 [196]
Something "good" (perceived as good) is made from evil (perceived as evil); and again, much that is good, when we ascend to a higher level, can be perceived in us as evil, e.g., diligence for the perfect artist, obedience for the one who has attained command, devotion and grace for the representative of great personal goals (Napoleon). All these noble-minded feelings, which the young N shared with his time, were seductions and temptations that wanted to weaken the exclusive use of strength in one direction.
26 [197]
That one can acquire virtues and discard faults is beyond doubt: what actually happens there?
26 [198]
The retribution of deeds upon the doer—a fundamental idea of Vedanta philosophy. The entire world itself is nothing but the retribution of deeds upon the doer—but it is based on non-knowledge.
26 [199]
“The Brahmins seek to recognize him through Veda study, through sacrifice, through alms, through penance, through fasting: the means of knowledge are: tranquility of mind, restraint, renunciation, patience, concentration”—means to a mystical intuition as the highest bliss of man.
26 [200]
Namely: what is actually the highest state of happiness for humans? This has provided the standard in the most diverse systems. Hashish
26 [201]
That the sensation of pain is also based on illusion p. 448
26 [202]
NB. He who does not find it tedious to imagine the condition of ordinary people is not a higher man. But insofar as a philosopher must know how the ordinary man is constituted, he must pursue this study: for example, Reè has been useful to me, who with outstanding honesty, and without the guessing of higher states, which artists have, in all a commonness —
26 [203]
The limits of man. The attempt to see how high and far one can drive man:
— the displeasure with man led the Brahmins, Plato, etc., to strive for an extra-human divine form of existence—beyond space, time, multiplicity, etc. The displeasure related to the inconstant, deceptive, changing, “stinking,” etc. In fact, the occasion for the solution was 1) ecstasy 2) deep sleep.
— but now the pleasure and power feeling of man could also strive for another form of existence—seek a way of thinking that also felt capable of dealing with the inconstant, deceptive, changing, etc.—the creative pleasure. Principle here: the unconditional cannot be the creative.
Only the conditional can condition.— In fact, the existing world that concerns us is created by us—by us, that is, by all organic beings—it is a product of the organic process, which thereby appears as productively shaping, value-creating. Viewed from it as a whole: all good and evil are only perspectival for individual parts or parts of the process; but in the whole, all evil is as necessary as the good, decay as necessary as growth.
— the world of the unconditional, if it existed, would be the unproductive.
but one must finally understand that Existent and Unconditional are contradictory predicates.
26 [204]
The creative power (binding opposites, synthetic)
26 [205]
All those who represent something, e.g., princes, priests, etc., must seek to appear in such and such a way if they are not so and so—this happens constantly in the smallest circumstances, for in dealing with people, everyone always represents something, some type—human interaction is based on the fact that everyone behaves as unambiguously and consistently as possible: so that not too much mistrust is necessary (a waste of mental energy!)
One places oneself in situations where our mental attention and caution are not overly strained—and curses, when it is otherwise, against everyone who forces us to do so.
The great unrest- distrust-stirrers, who force us to gather all our strength, are terribly hated—or one submits to them blindly (this is a relief for troubled souls—
—to avoid having such sovereign terrors, one invents democracy, ostracism, parliamentarism,—but the matter lies in the nature of things.
When the distance between people is very great—forms develop accordingly.
That highly gifted natures learn to obey is difficult; for they obey only higher and more perfect natures, but what if these do not exist!
26 [206]
How we interpret misunderstood physical conditions as moral suffering—taking revenge on ourselves, on our fellow human beings—
26 [207]
It corresponds to the behavior of the wise in a certain sense the behavior of the organism towards the external world, specifically the intellect is splendid as a ruling, restraining, ordering power, remaining cold under the storm of impressions.
26 [208]
The thousand riddles around us would only interest us, not torment us, if we were healthy and cheerful enough in our hearts.
26 [209]
The ancient fallacy of a first cause, of a God, as the cause of the world. But our own behavior toward the world, our thousandfold creative behavior in every moment shows more correctly that creation belongs to the inalienable and constant properties of the world itself:—not to disdain the language of the mythologists.
26 [210]
The Imitators
26 [211]
To judge the stomach and its activity morally: originally, everything that happened was interpreted morally. The realm of "willing and valuing" has become ever smaller.
26 [212]
One must truly be above it to be annoyed by the condemnation of small, base natures—but there is much affectation in this “above it”
26 [213]
The appearance of attained virtue is made a duty for us: every moderately honest person would perish under general contempt.
26 [214]
As for women, I tend towards the oriental treatment: the exceptional women themselves always prove the same thing—incapacity for justice and incredibly irritable vanity. One should not take them too seriously, least of all their love: at the very least, one should know that the most faithful and passionate lovers require a little infidelity for relaxation, indeed to make the duration of love possible.
26 [215]
That one loves (forgives, overlooks, etc.) because one is not strong enough, firm enough to be an enemy, to cause pain through one's enmity—that one would rather love than remain just-neutral because it becomes too cold and uncanny for us to stand alone—that one would rather endure dishonor than be angry with someone—very feminine!
26 [216]
An intellect not possible without the positing of the unconditioned. Now there are intellects and in them the consciousness of the unconditioned. But the latter as an existence-condition of the intellect:—in any case, the unconditioned can then be nothing intellectual: the functioning of the intellect, the existence of the intellect on a condition speaks against the possibility of the unconditioned as intellect.
— Finally, the logical could be possible as a result of a fundamental error, a faulty positing (creating, inventing of an absolute)
26 [217]
I say: the intellect is a creative force: in order for it to conclude, to reason, it must first have created the concept of the Unconditioned—it believes in what it creates as true: this is the fundamental phenomenon.
On the conditions of logical thinking:
26 [218]
That we wish to please such people whom we revere is not vanity—against Reè.
26 [219]
Zarathustra 1.
Overcoming vanity
Reverence
26 [220]
2. Zarathustra.
Great cosmic speech “I am cruelty” “I am cunning” etc. Scorn for the reluctance to take guilt upon oneself—scorn of the creator—and all sufferings—worse than anyone has ever been wicked, etc. Highest form of satisfaction with his work—he shatters it to put it back together again. Buddha p. 44, 46.
new overcoming of death, suffering, and annihilation
the god who makes himself small (narrow) and pushes through the entire world (life always there)—play, scorn—as demon of annihilation as well.
26 [221]
| To: Part 2 |
| Extramoral Consideration |
| 1 | true | deceptive | ||
| good and evil | 2 | as pure | and | impure Buddha, p. 50 |
| 3 | reverent | contemptuous p. 296 | ||
| 4 | as noble | and | low | |
| 5 | useful | harmful |
| good | 6 | as detaching oneself from the world |
| world-renouncing (not “acting shaping”) p. 50 evil = worldly |
| 7 | commanded | forbidden | ||
| 8 | unselfish | selfish | ||
| 9 | poor (Ebion) elend | rich happy |
| 10 | Reversal: possessing, rich (also arya) (in Eranian, and transitioning into Slavic. |
| pure = happy evil = unhappy | p. 50. |
the highest power, in Brahmanism and Christianity—to turn away from the world. p. 54.
26 [222]
Zarathustra 1. terrible tension. Zarathustra must come or everything on Earth is lost.
26 [223]
Zarathustra 3. the great consecration of the new physician-priest-teacher being, which precedes the Overman.
26 [224]
Unselfish actions are impossible; “unselfish drive” sounds to me like “wooden iron.” I would like someone to attempt to prove the possibility of such actions: that they exist, the people and those like them certainly believe—perhaps like the one who calls maternal love or love in general something unselfish.
That the peoples have always interpreted the moral value table of “good” and “evil” as “unselfish” and “selfish” is a historical error.
Rather, good and evil as “commanded” and “forbidden”—“in accordance with or contrary to custom”—are much older and more general.
That insight into the origin of moral value judgments does not yet provide a critique and evaluation of them—just as little as a quality is explained by knowledge of the quantitative conditions under which it arises.
26 [225]
Exercise in obedience: the students of the Brahmin. The Temple Lords' vows, the Assassins.
The deification of the feeling of power in the Brahmin: interesting that it originated in the warrior caste and only later passed to the priests.
26 [226]
The cognition is in its essence something positing, inventing, falsifying:
26 [227]
“Science” (as practiced today) is the attempt to create a common symbolic language for all phenomena, for the purpose of easier calculability and thus control of nature. This symbolic language, which brings together all observed “laws,” explains nothing—it is merely a kind of shortest (most abbreviated) description of events.
26 [228]
The enormous mass of random contradiction, disharmonious nonsense in the current human world points to the future: it is, seen from the future, the necessary working field for it, where it can create, organize, and harmonize.— Likewise in the universe
26 [229]
From the apparent world, the Brahmins and Christians turn away because they consider it evil (fear—) but the scientific work in the service of the will to overcome nature.
26 [230]
How much randomness have I mastered! What foul air blew upon me when I was a child! When were the Germans more dull, more fearful, more servile, more groveling than in those fifties, when I was a child!
26 [231]
NB. The human being so far—so to speak, an embryo of the human being of the future—all formative forces that aim toward this are within it: and because they are immense, for the present individual, the more it is future-determining, suffering. This is the deepest conception of suffering: the formative forces clash.
The isolation of the individual must not deceive—in truth, something flows onward beneath the individuals. That it feels itself to be alone is the most powerful spur in the process itself toward the most distant goals: its search for its own happiness is the means by which the formative forces, on the other hand, hold together and moderate themselves, lest they destroy themselves.
26 [232]
Not “humanity,” but Overman is the goal! Misunderstanding in Comte
26 [233]
The happiness of higher beings on stars (in Dühring) a more refined evasion of earthly dissatisfaction! Just like the otherworldly and supramundane!
26 [234]
The hopelessness regarding humanity—my escape! The goal that the English see makes every higher nature laugh! It is not desirable—many happy people of the lowest rank is almost a repulsive thought.
26 [235]
To the Wind Mistral.
A Rhapsody.
26 [236]
Knowledge will, in higher kinds of beings, also have new forms, which are not yet necessary now.
26 [237]
“Without my arrows, the Troy of knowledge will not be conquered”—I say to Philoctetes.
26 [238]
The philosopher the higher species, but much more miscarried so far. The artist the lower, but much more beautifully and richly developed!
26 [239]
To the Plan.
| A. The regulative hypotheses B. The experiment C. The description (in place of the alleged “explanation”) | in the foreground my philosophy: Content of the first part. |
the associated states of the soul as previous highest achievements (by me for myself)
Philosophy as an expression of an extraordinarily high state of the soul.
26 [240]
Those who explain poets misunderstand that the poet has both, reality and symbolism. Likewise the first and second meaning of a whole. Likewise pleasure in the shimmering, the ambiguous, the double- and triple-meaning, even the reverse side is good.
26 [241]
First Part.
The New Truthful Ones.
| Overcoming the Dogmatic | : | the associated higher |
| and of Arrogance | state of the soul |
Overcoming the skeptic of weakness.
A. the regulative hypotheses
B. the experiment.
C. the description
the new power-feeling: the mystical state, and the brightest boldest rationality as a path thereto
Second Part.
Beyond Good and Evil.
26 [242]
Galiani claims that man is the only religious animal. But in the way a dog rolls over before a human, I recognize the manner of the "pious," albeit coarsened.
26 [243]
The New Order of Rank.
Preface to the Philosophy of Eternal Recurrence.
Always ask more strictly: for whom to write still?— For much of what I thought, I found no one ripe; and Zarathustra is proof that one can speak with the greatest clarity, but is heard by no one.— I feel myself in opposition to the morality of equality.
| The inequality of people | 1. 2. | Leaders and herd. (Significance of the isolated) Irony against moralists Complete people and fragments (problem of woman, e.g., also of the scientific person) The successful and the failed (the latter perhaps higher in disposition, also among peoples and races. Problem: Indo-Germanic and—Semitic, the latter closer to the south NB. more religious, dignified, more predator-perfection, wiser—former more muscular, colder, coarser, heavier, corruptible) Creators and “Educated” (“higher humans” only the creators) | |
| The inequality of the creators | 5. 6. 7. 8. 9. | The artists (as the small perfecters) but in all valuations dependent. The philosophers (as the most comprehensive, the overviews, describers in the large) (but in all valuations dependent), already much more miscarried. The herd-formers (legislators), the rulers, a very miscarried type (taking themselves as the measure of value, short perspective) The value-setters (founders of religions) extreme miscarriage and failure. A missing type: the man who commands most strongly, leads, sets new values, judges most comprehensively over all humanity and knows the means to shape it—under circumstances sacrificing it for a higher structure.Only when there is a government of the Earth will such beings arise, probably for a long time in the highest degree miscarrying. | |
| The inequality of the higher humans | 10. | The feeling of imperfection, higher or weaker, distinguishes (Value of the “feelings of sin” The feeling toward the perfect, as a predominant need (Value of the pious, the hermits, monasteries, priests) The power to be able to shape something perfect in anything (value of the “beautiful souls,” of artists, of statesmen) (Dionysian wisdom) The highest power to feel everything imperfect, suffering as necessary (eternally-worth-repeating) to feel from an overflow of creative power, which must always break again and chooses the most arrogant, heaviest paths (principle of the greatest possible stupidity, God as devil and arrogance-symbol) Man up to now as embryo, in whom all shaping powers press—basis of his deep restlessness, the most creative as the most suffering? |
26 [244]
On the Preface.
To educate towards reverence, in this vulgar age, which is itself vulgar even in its homage, but usually pushy and shameless (also with its “benevolence” and “compassion”)—A preface for driving away most people. Yes, I have no one in mind—except that ideal community which Zarathustra raised on the blessed isles.
26 [245]
The constant gaze towards the perfect, and hence tranquility—what Schopenhauer describes as an aesthetic phenomenon is also characteristic of the faithful. Goethe (to Councilor Schlosser): one can truly esteem only those who do not seek themselves ... I must confess, I have found selfless characters of this kind in my entire life only where I encountered a firmly grounded religious life, a confession of faith that had an unchanging foundation, as it were resting on itself, not dependent on the time, its spirit, its science
(the Oriental, the woman has this effect—)
26 [246]
In this century of superficial and fleeting impressions, the most dangerous book is not dangerous: it seeks out the five or six minds that are deep enough. Besides—what harm is there if it helps destroy this time!
26 [247]
The Americans consumed too quickly—perhaps only seemingly a future world power.
26 [248]
Leibniz is more interesting than Kant—typically German: good-natured, full of noble words, cunning, flexible, adaptable, a mediator (between Christianity and the mechanistic worldview), immensely audacious for himself, hidden behind a mask and courtly-intrusive, seemingly modest.
26 [249]
The French are deeply artistic—the thorough consideration of their culture, the consistency in executing beautiful appearances—does not speak against their depth
26 [250]
Plato thought: what one commands as from God, e.g., when one prohibits sibling marriage as an abomination to God: he means that the unconditional prohibition is the sufficient explanatory ground for moral judgments. Short-sighted!
26 [251]
One admired the independent in antiquity, no one complained about the “egoism” of the Stoic.
26 [252]
Every people has its own Tartuffery
26 [253]
“Here the view is free, the gaze uplifted.”
26 [254]
The problem of freedom and unfreedom of the Ws belongs in the vestibules of philosophy—for me there is no will. That the belief in the will is necessary in order to “will”—is nonsense.
26 [255]
Contempt for present-day Germany, which lacks the tact to simply reject such gossip-mongering books as Jansen's: just as it allowed itself to be foisted with "the old and new faith" of the old, very old, and not at all new Strauss.
26 [256]
On the Title: “A Prophecy.”
I believe I have guessed something of the soul of the highest human being—perhaps everyone who guesses it will perish, but whoever has seen it must help to make it possible.
Fundamental idea: we must take the future as decisive for all our evaluations—and not seek the laws of our actions behind us!
26 [257]
Complementary people—where?
26 [258]
Preface:
on the hierarchy of the spirit
On the inequality of men
a) Leaders and herd
b) Complete and fragments
c) Successful and failures
d) Creators and “educated” above all “uneducated” and fools to the very core
On the inequality of higher men (with regard to the quantity of power)
a) according to the feeling of imperfection, as decisive
b) Striving toward the Perfect
c) the power to be able to shape something perfect
d) highest power, also to feel the imperfect as necessary, from an overflow of shaping
power (Dionysian)
On the hierarchy of value-creators (with regard to value-setting)
a) the artists
b) the philosophers
c) the legislators
d) the founders of religions
e) the highest humans as earth-rulers and creators of the future. (finally breaking themselves—)
26 [259]
Philosophy of the Eternal Recurrence.
An Attempt at the Revaluation of All Values.
26 [260]
In this vulgar age, the nobly born spirit should begin each day with the thought of hierarchy: here lie his duties, here his finest aberrations
26 [261]
Misunderstandings on a grand scale, e.g., asceticism as a means of self-preservation for wild, overly excitable natures. La Trappe as a “penitentiary” to which one condemns oneself (understandable precisely among the French, as Christianity in the lascivious air of South European Hellenization). Puritanism has as its background the conviction of one’s thorough baseness, of the omnipresent “inner beast” (ego)—and the gloomydry pride of the puritanical Englishman wants that at least everyone should think as badly of their “inner man” as he himself thinks!
The customs and ways of life have been grasped as proven means of preservation—therein first misunderstanding and superficiality. Second misunderstanding: they are now supposed to be the only means.
Pious—awareness of a higher connection of all experiences
26 [262]
Misunderstanding of egoism: on the part of common natures, who know nothing of the lust for conquest and insatiability of great love, nor of the overflowing feelings of power that overwhelm, compel, and want to press to the heart—the artist’s drive for his material. Often, the sense of activity merely seeks a terrain.— In ordinary “egoism,” it is precisely the “non-ego,” the deep average being, the species-man, who seeks his preservation—that outrages, if it is perceived by the rarer, finer, and less average. For they judge: “we are the nobler ones! More depends on our preservation than on that of this cattle!”
26 [263]
All previous moralities I consider as built on hypotheses about means of preserving a type—but the nature of the previous spirit was still too weak and too uncertain of itself to grasp a hypothesis as a hypothesis and yet take it as regulative—it required belief
26 [264]
NB. As before, people have imagined higher forms than man — —
26 [265]
NB. about the cries of the woman in childbirth because of all the impurity. Festival of Purification necessary for the greatest spirits!
26 [266]
The weaker more delicate than the nobler.
26 [267]
the immense idealizing power that Christianity employed to endure physical states of displeasure and barbaric feelings of disorder—it interprets everything spiritually.
26 [268]
People must be bound to the extent that they cannot run freely on their own. Moral revolutions, e.g., during Christianity, are directed 1) against enervated, devastated, aged peoples 2) against the horrible brutality of the barbarians.
26 [269]
Zarathustra must incite his disciples to earth-conquest—highest danger, highest kind of victory: their entire morality a morality of war—unconditionally wanting to win
26 [270]
To the Higher Men.
Herald Calls of a Hermit.
By
Friedrich Nietzsche.
26 [271]
People want their actions and the manner of their actions
1) either to glorify—hence morality of glorification
2) or to justify and account for (before a forum, be it the community or reason or conscience—) so the action must be explicable, having arisen from rational-conscious motives—and likewise the entire manner of acting
3) or to condemn, diminish, in order to violate themselves or to evoke pity and get away with it before the powerful.
26 [272]
In the organic process
1) excessive replacement—incorrect expression and teleologically tinged
2) Self-regulation, thus the ability to govern a community presupposed, i.e., however, the further development of the organic is not tied to nutrition, but to the ability to command and dominate: nutrition is only a result.
26 [273]
The Will to Power in the functions of the organic.
Pleasure and Displeasure and their relation to the will to power.
Alleged Altruism and the will to power. Maternal love, for example, and sexual love
The Development of Feelings from the fundamental feeling.
Unfreedom and Freedom of the Will.
Punishment and Reward (the stronger type as the higher separates from itself and attracts to itself)
Duty and Right.
26 [274]
Reduction of generation to the will to power (! it must therefore also be present in the appropriated unorganic matter!): the separation of the protoplasm in the case where a form is being shaped, where the center of gravity is equally distributed at 2 points. From each point, a contracting, constricting force occurs: thus the intermediate mass tears apart. Therefore: the equality of power relations is the origin of generation. Perhaps all development is bound to such emerging power equivalences.
26 [275]
Pleasure is a kind of rhythm in the sequence of lesser pains and their degree ratios, an irritation through rapid alternation of increase and decrease, as in the stimulation of a nerve, a muscle, and overall an upward-moving curve: tension is essentially involved and release. Tickling.
Displeasure is a feeling in the face of an obstacle: but since power can only become conscious through obstacles, displeasure is a necessary ingredient of all activity (all activity is directed against something that must be overcome). The will to power strives for resistance, for displeasure. There is a will to suffering at the root of all organic life (against “happiness” as “goal”)
26 [276]
When two organic beings collide, if there is only struggle for life or nourishment: how? There must be struggle for the sake of struggle: and dominating is the counterbalance to enduring the weaker force, thus a kind of continuation of the struggle. Obeying likewise a struggle: as much strength as remains for resistance remains.
26 [277]
Against the preservation-drive as a radical drive: rather, the living wants to let out its strength—it “wants” and “must” (both words weigh the same to me!): preservation is only a consequence.
26 [278]
The virtuous want to make us (and sometimes themselves) believe that they invented happiness. The truth is that virtue was invented by the happy.
26 [279]
That reward and punishment lie in the consequences of actions—this idea of immanent justice is fundamentally false. Incidentally, it contradicts the notion of a “salvific order” in experiences and consequences: according to which all manner of terrible things are to be interpreted as special tokens of favor from a god who wills our best.— Why suffering should follow a misdeed is in itself incomprehensible: in practice, it even amounts to the idea that one misdeed should be followed by another.— That someone who is different from us must have it bad is a thought of self-defense, a self-preservation of the ruling caste, a means of discipline,—but nothing particularly “noble.”— All possible such notions about “immanent justice,” “salvific order,” compensatory “transcendent justice” are now circulating in every mind—they formthe chaos of the modern soul with.
26 [280]
We stand differently toward “certainty.” Because fear has been cultivated in humans for the longest time, and all tolerable existence began with the “feeling of security,” this still has an effect on thinkers today. But as soon as the external “danger” of existence recedes, a pleasure in uncertainty, the boundlessness of horizon lines, arises. The happiness of great discoverers in the pursuit of certainty could now transform into the happiness of demonstrating uncertainty and risk everywhere.
Likewise, the anxiety of earlier existence is the reason why philosophers so strongly emphasize preservation (of the ego or the species) and adopt it as a principle: whereas in reality, we are constantly playing lottery against this principle. This includes all of Spinoza’s propositions: i.e., the foundation of English utilitarianism. v. the brown notebook.
26 [281]
The stupid moralists have always strived for refinement without also wanting the foundation: the physical ennoblement (through a "noble" lifestyle—otium, ruling, reverence, etc.) through noble surroundings of human and nature, ultimately they thought of the individual and not of the perpetuation of the noble through procreation. Short-sighted! Only for 30 years and no longer!
26 [282]
Depending on how a people feels: “right, insight, the gift of leadership, etc., lies with the few” or “with the many”—there is an oligarchic regime or a democratic one.
The monarchy represents the belief in one who is utterly superior, a leader, savior, demigod. The aristocracy represents the belief in an elite humanity and a higher caste. Democracy represents the disbelief in great individuals and elite society: “Everyone is equal to everyone else” “At heart, we are all selfish cattle and rabble”
26 [283]
To endure the thought of recurrence:
freedom from morality is necessary,
new means against the fact of pain (understanding pain as a tool, as the father of pleasure—there is no summing consciousness of displeasure)
the enjoyment of all kinds of uncertainty, experimentation, as a counterweight to that extreme fatalism
elimination of the concept of necessity
elimination of the “will”
elimination of “knowledge in itself”
greatest elevation of man’s power-consciousness, as that of him who creates the Overman.
26 [284]
| 1. The thought: | its prerequisites, which must be true if it is true what follows from it |
| 2. as the heaviest thought: | its presumed effect, if not prevented i.e. if all values are not revalued |
| Means to endure him | |
| the transvaluation of all values: no longer the pleasure in certainty but in uncertainty, no longer “cause and effect,” but the constantly creative no longer the will to preservation, but to power | |
| etc. | |
| no longer the humble turn “it is all only subjective,” but “it is also our work!” let us be proud of it! |
26 [285]
On the Hypocrisy of Philosophers.
the Greeks: conceal their agonistic affect, drape themselves as the “happiest” through virtue, and as the most virtuous (double hypocrisy)
(Socrates, victorious as the plebeian ugly among the beautiful and noble, the one who talks down in a city of orators, the conqueror of his affects, the common clever man with the “Why?” among the hereditary nobility—conceals his pessimism)
the Brahmins fundamentally want liberation from the weary, lukewarm, unpleasant feeling of existence
Leibniz Kant Hegel Schopenhauer, their German dual nature
Spinoza and the vengeful affect, the hypocrisy of overcoming the affects
The hypocrisy of “pure science,” knowledge for the sake of “knowledge”
26 [286]
I, like a female elephant, burdened with a long pregnancy, so that few things still concern me, not even—pro pudor—the “Reich”
26 [287]
Do you understand my new longing, the one for the finite? of him who gazed upon the ring of recurrence—
26 [288]
NB the continuous creative, instead of the one-time, past
26 [289]
| Zarathustra 3 |
| the restless, the eternal wanderers the one who is the brain of the leech the ugly one who wants to disguise himself the hypocrites of happiness the longing for the finite, for soil and corner the envious, emaciated worker and striver |
the over-sober
the destroyers
| Distress call of the higher men? |
| Yes, the miscarried — |
26 [290]
With the will to cruelty, it is initially irrelevant whether it is cruelty towards us or towards others. Enjoyment in suffering to learn— —the diabolical belongs, like the divine, to the living and its existence.
26 [291]
Montaigne I p. 174
“the laws of conscience, which we claim to arise from nature, arise rather from custom. Everyone reveres in their heart the opinions and customs approved and established in their country, so that they cannot withdraw from them without pangs of conscience and never act in accordance with them without some pleasure.”
26 [292]
On the Superstition of Philosophers.
On the Communicability of Opinions.
26 [293]
The New Enlightenment.
A Preparation
for the “Philosophy of Eternal Recurrence.”
26 [294]
It is not enough that you realize in what ignorance man and animal live; you must also have the will to ignorance and learn to add to it. It is necessary for you to understand that without this kind of ignorance life itself would be impossible, that it is a condition under which the living alone maintains and thrives: a great, firm bell of ignorance must stand around you
26 [295]
The will to ignorance.
The will to uncertainty.
The will to untruth.
The will to power.
The will to suffering.
The will to cruelty.
The will to destruction.
The will to injustice.
The will to ugliness.
The will to excess.
the will to intoxication
the will to petrification
26 [296]
| Elimination of the will, the free and the unfree. |
| of the “must” and the “necessity” of the “knowledge in itself” and the “thing in itself” of knowing for the sake of knowing of the “Good and Evil” |
the hypocrisy of the philosophers.
The Good.
The Artists.
The Pious and the Godly.
26 [297]
Beyond Good and Evil.
The Philosopher as a Higher Artist.
The New Hierarchy
On Superstition.
The Heaviest Thought.
The Life-Enabling of the Wise.
The Social Concealment of the Wise.
His Nourishment.
His Sexuality.
Communicability of His Opinions.
The Supra-National, the Good European.
Disciples, etc. Degrees of Initiation.
26 [298]
The New Enlightenment.
A Foreword and Advocacy
for the Philosophy of Eternal Recurrence.
On Superstition Among Philosophers.
Beyond Good and Evil.
The Philosopher—a Higher Artist.
The New Hierarchy.
The Enabling of the New Philosopher.
The Heaviest Thought as a Hammer.
26 [299]
This is an age in which the rabble increasingly becomes the master and vulgar gestures of body and spirit have already gained the right of domicile everywhere, at courts and among the most amiable women—: I mean not only “at” and “with,” but “inside and within.”
my garden, with its gilded latticework, must protect itself not only against thieves and vagabonds: its worst dangers come from its intrusive admirers. “I want my solitude”—thus the wise man vows, I want to cling to my solitude with my teeth, to enclose it with a golden lattice—
26 [300]
| The philosophers taken against | 1) | the appearance |
| 2) | the change | |
| guided by instinctive value determinations, in which earlier cultural states are reflected (more dangerous | 3) 4) 5) 6) | the pain the death the physical, the senses the fate and the unfreedom |
| 7) | the purposeless NB.``` all that is human, even more the animal, even more the material | |
| they believe in | absolute knowledge knowledge for knowledge's sake virtue and happiness in union knowability of human actions | |
| the false opposites | e.g., pleasure and pain, good and evil | |
| the seductions of language | ||
26 [301]
Will to truth and certainty arise from fear in uncertainty.
26 [302]
no substance (Boscovich)
no will
no thing-in-itself
no purpose
26 [303]
Courage would certainly not be called a virtue if it belonged to the frequent facts of man, like the voluntary discharge of urine: which, as far as I understand, the dear Spencer et hoc genus omne are ready to count among the expressions of altruism.
26 [304]
The few good books that will remain from this century, more accurately: those whose branches reach beyond this century, like trees that do not have their roots in it—I mean the Mémorial de Sainte-Hélène and Goethe's Conversations with Eckermann
26 [305]
I probably have the least desire to express my opinion about—the communicability of opinions (or about the “communicability of truth,” as all virtuous hypocrites would express themselves in this case). That I expressly state this here already goes almost beyond the boundary I have set for myself in the specified area.
26 [306]
There are still far more cheerful things on earth than the pessimists admit; for example, E von H himself. The Laocoön group, depicted by three clowns and as many umbrellas, does not amuse me as much as this Eduard "wrestling" with his problems.
26 [307]
German lyric poets, especially when they are Swabians, e.g., Uhland dressed up with the feelings of a castle maiden, or Freiligrath as —
Or Hölderlin
26 [308]
NB. Completely clear about whether one affirms and wants to continue this world of the senses!
Kant overcome.
Discovery of antiquity continued.
True purpose of all philosophizing: the intuitio mystica.
26 [309]
The dearest circulus vitiosus: if our sensory organs are first results of our senses, all observations of them as causes would be nonsensically wrong!
26 [310]
On health and illness genius neurosis, Dionysian.
26 [311]
Finally—one no longer wants to let go of one's opinions: one has gained an inkling of the scarcity of our garden, and no longer expects to acquire much that is good and new—one resolves to love what one already has. And woe to him who now wants to take from us such opinions that we have willed to love!
26 [312]
Religion interprets all strong, surprising, sudden, alien impulses as coming from outside.
Morality is only added as a means to religion (a means to violate the gods or to achieve ecstatic states)
Misunderstanding of the body: intoxication, lust, cruelty-ecstasy as deification, as becoming one with a god.
Fundamental difference of antiquity: sexuality religiously venerated; and consequently also the instruments.
The ecstasies are different in a pious, sublime, noble person like Plato—and in camel drivers who smoke hashish and
fundamental transformation of religion:
1) one wants to compel the god to do what pleases us—prayer, for example.
2) one submits to the will of God
The former is the noble form, 2) is the slave form.
26 [313]
“Self-preservation” only a byproduct, not the goal! Spinoza’s influence!
26 [314]
Buratti, and his influence on Byron.
26 [315]
The feeling in the south, for example, expressed in Stendhal's "Travels in France"—what does it consist of?
26 [316]
NB. Which tests are missing (instead of merely intellectual or professional ones)?
The correct refutations are physiological (bodily), i.e., eliminations of mindsets.
26 [317]
I must learn to think in a more oriental way about philosophy and knowledge. Eastern overview of Europe.
26 [318]
The Higher Man.
Of the Philosophers.
Of the Herd-Leaders.
Of the Pious.
Of the Virtuous.
Of the Artists.
Critique of the Higher Man.
26 [319]
The Europeans essentially imagine themselves to be the higher human beings on Earth.
26 [320]
The Good Europeans.
Proposals for the Breeding of a New Nobility.
By
Friedrich Nietzsche.
26 [321]
| There is | 1) monological art (or in “dialogue with God”) 2) social art, société presupposed, a finer kind of human. 3) demagogic art e.g. Wagner for the German “people,” Victor Hugo |
26 [322]
Where the people are swooned over, the women always listen right away, they feel, that is their affair
26 [323]
The scholars, and their self-overestimation. Where does it come from? It is also there an emancipation of the lower kind, which no longer believes in the higher.
26 [324]
| The great rabble and slave uprising |
| the little people, who no longer believe in the saints and great virtuous ones (e.g., Christ, Luther, etc. the bourgeois, who no longer believe in the higher type of the ruling caste (e.g., Revolution) the scientific artisans, who no longer believe in the philosophers the women, who no longer believe in the higher type of man. |
26 [325]
Beyond Good and Evil.
Prelude to a Philosophy
of the Eternal Recurrence.
By Friedrich Nietzsche.
26 [326]
The sensualism and hedonism of the previous century is the best inheritance which this century has made: behind a hundred clauses and fine disguises.
Hedonism = pleasure as principle.
Pleasure as a measure actually found among the Utilitarians (Comfort-English).
Pleasure as a regulative principle (actually not found) among the Schopenhauerians
by Hartmann a superficial crosshead who mixes pessimism with teleology and wants to make a philosophy of comfort out of it (approaches the English in this respect.
What follows from pessimism is the doctrine of the meaninglessness of existence
that pleasure and pain have no meaning, that hedone cannot be a principle
This in the next century.
Doctrine of great fatigue.
Why? Nothing is worth it!
26 [327]
The will is inferred—it is not an immediate fact, as Schopenhauer claims. Whether it is rightly inferred remains to be questioned — —
26 [328]
The belief in the “senses” is the foundation of all science, as of all life. This says nothing about the justification for this belief; errors of the senses (blue instead of red) are no argument against the fact that a leaf is green. The emergence of a color-forming sense in a colorless world is a nonsensical thought.
Description and determination of the facts.
26 [329]
From its causes, a thing cannot be guessed, i.e., a thing = its effects. Knowledge of the causes of a thing does not give knowledge of its effects, i.e., no knowledge of the thing.
26 [330]
Deeply interested in truth—from where? Obliged to Christianity—Pascal
26 [331]
the various degrees of enjoyment for "true"
e.g. Kant and Schelling
Machiavelli and Seneca
Stendhal and Walter Scott
Plato and Hafez
26 [332]
1 Why does one swear to want to recognize? “the true rather than the untrue”
2 Why does one (really) want to recognize?
3 Why should one recognize? and is it true?! that one prefers the true?
26 [333]
There are so many superficial thinkers today who are satisfied to have traced a thing back to habit and heredity and thereby explained it. But “how is habit possible? How is heredity possible?”
26 [334]
The Belief in Truth.
The excessive and pathological nature of much that has hitherto been called the "will to truth."
With fearful seriousness, philosophers have warned against the senses and the deception of the senses. The deep antagonism between philosophers and the friends of deception, the artists, runs through Greek philosophy: "Plato against Homer"—this is the philosophers' slogan!
But no one has also understood the reverse side, the unsuitability of truth for life and the conditioning of life by perspectival illusion comprehended.— It is one of the most dangerous exaggerations to want knowledge not in the service of life, but for its own sake, at any cost: like the voluptuary who follows his drives for their own sake, without the control of the salutary other instincts, if it is not a stupidity,
26 [335]
Can one be interested in this German Reich? Where is the new thought? Is it just a new power combination? All the worse if it doesn't know what it wants. Peace and letting things be is not a policy I respect. Ruling and helping the highest thought to victory—that is the only thing that could interest me in Germany. What does it matter to me whether the Hohenzollerns are there or not?— England’s petty-mindedness is the great danger on earth now. I see more inclination toward greatness in the feelings of the Russian nihilists than in those of the English utilitarians. An intergrowth of the German and Slavic races—we also absolutely need the most skilled money people, the Jews, to have dominion on earth.
26 [336]
1) the sense of reality
2) break with the English principle of popular representation, we need representation of the great interests
3) we need an unconditional alignment with Russia, and with a new common program that does not allow English sham entities to come to power in Russia. No American future!
4) a European policy is untenable, and the restriction to Christian perspectives is a very great misfortune. In Europe, all sensible people are skeptics, whether they say so or not.
I think we want to restrict ourselves neither to Christian nor to American perspectives.
26 [337]
good woman and bad woman wants stick (Sacchetti Nov. 86)
26 [338]
hinc mihi quidquid sancti gaudii sumi potest horis omnibus praesto est. Petrarca, famil. XIX 16.
26 [339]
The will not to be deceived and the will to be deceived—but the philosopher? The religious person? The artist?
26 [340]
Are there still philosophers? In truth, there is much that is philosophical in our lives, especially among all scientific people, but philosophers themselves exist as rarely as there is genuine nobility. Why?
26 [341]
Just as the French reflect the politeness and esprit of French society, so the Germans reflect something of the deep, dreamy seriousness of their mystics and musicians, as well as their childishness. In the Italian, there is much republican nobility and the art of presenting oneself well and proudly without vanity.
26 [342]
One no longer believes in philosophers, even among scholars; this is the skepticism of a democratic age that rejects the higher type of human being. The psychology of the century is essentially against the higher natures: one wants to hold their human qualities against them.
26 [343]
Pythagoras was an attempt at an anti-democratic ideal, amidst the turbulent movements towards popular rule.
26 [344]
The “Judge.” Such a one cannot avoid commanding: his “thou shalt” is not derived from the nature of things, but because he sees the Higher, he must enforce it and compel it. What does he care about perishing! He sacrifices without hesitation—position of the artist toward man: the great man must command and introduce, impose, demand the valuation he holds. All earlier valuations have arisen no differently. But they are all now impossible for us; their presuppositions are false.
26 [345]
“Punishment”: for this, a rank-assigning, a lowering in relation to our ideal. Not a desire to preserve many at the expense of individuals, in general no societal perspective!
26 [346]
With “happiness” as a goal, nothing can be achieved, not even with the happiness of a community. It is about achieving a plurality of ideals that must be in struggle, but this is not the well-being of a herd, but a higher type. This higher type, however, is not achieved through the well-being of the herd! just as the individual does not reach their height through comfort and indulgence.
“Grace,” “love for enemies,” “tolerance,” “equal” rights (!) are all principles of lower rank. The higher is the will to create over us, through us, and even through our downfall.
26 [347]
It has been misunderstood that all moral “Thou shalt” were created by individual human beings. People have wanted to have a God or a conscience in order to evade the task that Creation demands of man. Weakness or laziness is hidden behind the Christian-Catholic way of thinking.— But for man to be able to create ideals, he must learn and know, etc.
26 [348]
To mock the school of the "Objectivists" and "Positivists." They want to get around the value judgments and only discover and present the facts. But just look, for example, at Taine: in the background he has preferences: for the strong, expressive types, for example, also for the enjoyers more than for the Puritans.
26 [349]
To create an evil book once, worse than Machiavelli and that very German and mildly malicious, most subservient devil of Mephistopheles!
Its characteristics: cruel (delight in watching a fine type go to ruin)
seductive (inviting the teaching that one must be the One and also the Other)
mocking toward the virtues of the monk, the philosopher, the self-important artist, etc., as well as the good, honest herd-man
noble toward the curious, intrusive, vulgar aspects of the knowing, likewise toward the pedantic, the fawning; no laughter, no anger.
26 [350]
How such a word goes through one's heart!
— “to all land and sea our boldness has broken the way, founding everywhere imperishable monuments in good and evil”—says Pericles.
26 [351]
Where, in a vulgar manner, a desire takes the upper hand (or desires in general), there is no higher human being. It goes without saying that such a person (like, for example, Augustine or Luther) does not even know the higher problems, all of which presuppose a much cooler height. This is all purely personal distress in Augustine and Luther. It is the question of a sick person asking for a cure. Religions may essentially be such institutions for taming animals or asylums for those who cannot control themselves.— It is comical, this distress about the sexual drive, for example, also in Wagner’s Parcival and Tannhäuser.
26 [352]
I am not interested at all
| 1) | in the national state, as something ephemeral compared to the democratic overall movement. | |
| 2) | in the worker question, because the worker himself is only an interlude. | |
| 3) | for the differences of religion and philosophy, because they are essentially one, namely about good and evil—where I doubt. | |
| 4) | for the ways of thinking that do not cling to the body and the senses, and the earth | |
| 5) | not for l’art pour l’art, the Objectives, etc. |
26 [353]
Prayer for Blindness
Morality is annihilated: present the factum! What remains: “I will”
New hierarchy. Against equality.
In place of the judge and the punisher, the creator.
our good position, as harvesters
the highest responsibility—my pride!
Conjuring up the worst.
the legislator and politician
the pious (why impossible?)
first cultivate the body highly: the way of thinking is already found there. Plato.
hitherto, after long cosmopolitan survey, the Greek as the man who went the farthest. Europe.
26 [354]
the naivety of Plato’s and of Christianity: they believed they knew what “good” is. They had guessed the herd-man,—not the creating artist. Already in Plato, the “Savior,” who descends to the suffering and the wicked, is invented. He has no eye for the reason and necessity of evil.
26 [355]
Not the good, but the higher! Plato is worth more than his philosophy! Our instincts are better than their expression in concepts. Our body is wiser than our mind! If Plato resembled that bust in Naples, then we have there the best refutation of all Christianity!
26 [356]
Socrates, it seems, had come to realize that we do not act morally as a result of logical reasoning—and he found it himself. That Plato and all after him believed they had it, and that Christianity allowed itself to be baptized into this Platonic niaiserie, has so far been the greatest cause of unfreedom in Europe.
26 [357]
Socrates, who says “I do not know what is good and evil” was wiser than Plato: he defines it! But Plato depicts it, the higher man.
26 [358]
The false Germanism in R W (and the thorough psychological falsity of this highly “modern” mixture of brutality and pampering of the senses) is as repugnant to me as the false Romanism in David, or the false English Middle Ages of Walter Scott.
26 [359]
The problem of truthfulness. The first and most important thing is namely the will to appearance, the establishment of perspectives, the “laws” of optics i.e. the positing of the untrue as true etc.
The problem of justice. The first and most powerful thing is namely precisely the will and the power to predominance. Only the ruler afterwards establishes “justice” i.e. he measures things by his measure; if he is very powerful, he can go very far in allowing and recognizing the attempting individual
The problem of compassion.Only a deep instinct of cruelty, a pleasure in others' suffering, must be greatly cultivated. For initially, there is the enormous indifference to everything "outside us." The more refined sympathy is an attenuated cruelty.
The problem of the good man. The herd-man, who prefers and praises the qualities that make one social. The opposite qualities are valued by ruling men, namely in their own nature: hardness, cold blood, cold gaze, no concession, fact-based gaze, gaze for great distances and not for the nearest and the neighbor, etc.
26 [360]
How ridiculous the socialists are to me, with their silly optimism about the "good human" waiting behind the bush, if only the previous "order" is abolished and all "natural drives" are unleashed.
And the opposing party is just as ridiculous because it does not admit the violence in the law, the harshness and egoism in every kind of authority. "I and my kind" want to rule and remain: whoever degenerates is cast out or destroyed—this is the basic feeling of every ancient legislation.
One hates the idea of a higher kind of human more than monarchs. Anti-aristocratic: this takes the hatred of monarchs only as a mask and
26 [361]
Masculinization of women is the proper name for “emancipation of women.” That means they shape themselves according to the image that man now presents, and desire his rights. I see in this a degeneration in the instinct of today’s women: they should know that they are destroying their power in this way.— As soon as they no longer wish to be maintained and seriously compete with man in the civic-political sense, and thus also renounce that mild and indulgent-sparing treatment with which they have hitherto been treated, then
26 [362]
In the Orient and in the Athens of the best centuries, women were secluded; one did not want the fantasy-corruption of the woman: that corrupts the race, more than physical intercourse with a man.
26 [363]
It is of no use to appeal to Germanic customs and primordial chastity: there are no more Germans, there are also no more forests.
26 [364]
I have not met any person with whom I could talk about morality in my way: no one has been honest and bold enough for that so far. Some of this may be due to chance: for example, that I have lived too much among Germans, who have always been, in all innocence, moral Tartuffes more than anything else. But mainly, I believe that the hypocrisy in moral matters belongs to the character of this democratic age. Such an age, namely, which has taken the great lie “equality of people” as its motto, is shallow, hasty, and concerned with the appearance that things are going well with people, and that “good” and “evil” are no longer a problem.
26 [365]
Moral “you shall” as a false interpretation of certain instinctive feelings.
26 [366]
The strongest in body and soul are the best—principle for Zarathustra—from them the higher morality, that of the creator: to reshape mankind in his image. That is what he wants, that is his honesty.
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Zarathustra 5.
The singing column, which a ray of the morning sun strikes.
26 [368]
In a state of extraordinary excitement, severe pain (self-inflicted wounds) only acts as stimulants.
26 [369]
Assuming that one has freed oneself from the naiveties of Kant, who, wherever he discovered instincts, in the intellectual and moral spheres, immediately concluded, “this is not of this world.” The same naivety still prevails among the English regarding the “Instinctive” and “Intuitive.”
But where I become concerned is this: all the physiologico-historical researchers of morality judge: because the moral instincts speak thus and thus, these judgments are true with regard to the preservation of the species d.
h. useful: because they have remained! In the same way, I say that the immoral instincts must be true: only something else is expressed in them, not just the will to preserve, but rather the will to move forward, to more, to Is preservation the only thing a being wants?And you think “preservation of the species,” I see only “preservation of a herd, a community.”
26 [370]
One is richer than one thinks, one carries the material for several persons within oneself, one takes for “character” what belongs only to the “person,” to one of our masks. Most of our actions do not come from the depths but are superficial: like most volcanic eruptions: one must not be deceived by the noise. Christianity is right in this: one can put on a new man: indeed, then yet another newer one. One errs if one judges a person by individual actions: individual actions do not permit generalization.
26 [371]
A philosophy that does not promise to make one happier and more virtuous, but rather makes it understood that one will probably perish in its service—namely, become lonely in one's time, burned out and hardened, forced to pass through many kinds of mistrust and hatred, requiring much harshness toward oneself and, alas, also toward others: such a philosophy does not easily flatter anyone; one must be born for it—and I have yet to find anyone who was (otherwise I would have no reason to write this). In return, it promises a few pleasant shudders, like those that come to one who sees a world of new aspects from the highest mountains; and it does not ultimately make one stupid, which was the effect of Kantian philosophizing (one has been cruel enough lately to still celebrate the remaining main work of his stupidity festivelyto publish—what is possible among Germans!)
26 [372]
As I think about moral matters, I have been condemned to long silence. My writings contain this and that hint; I myself stood bolder to it; already in my 25th year I composed for myself a pro memoria “on truth and lies in an extramoral sense.” I have even associated with people who occupied themselves with morality in their own way: they will testify that I never spoke of morality with them in my own way.
Now that I have a freer overview of this time, and allow myself much that I would have once considered forbidden, I see no more reasons to hold back behind the mountain. “That the ‘truth’ in these matters is harmful,” to use the language of moral hypocrites, and that it can ruin many, I admit: but “being harmful” and “ruining” belong just as much to the philosopher’s tasks as “being useful” and “building up.”26 [373]
There is a tendency towards truth: as unlikely as it sounds: in some people at least. There is also an opposite tendency, for example in artists. And we should be glad about it, much good and bad has grown from both. On the whole, the second tendency is more important, there are good reasons why philosophers are rare, and why their influence is strongly curbed.
26 [374]
Nothing good has ever grown from the self-contemplation of the mind. Only now, as we seek to understand all mental processes by following the thread of the body—for example, memory—do we make progress.
26 [375]
The old Kant identifies some mental instincts that act before all reasoning and before all sensory activity: later also a moral instinct, namely, the instinct to obey. That this establishes a bridge to “another world” was a hasty conclusion. Even if it were established that human existence is tied to these instincts, nothing is determined about their “truth.” It is simply our world.
26 [376]
My philosophy brings the victorious thought, at which in the end every other way of thinking founders. It is the great breeding thought: the races that cannot endure it are doomed; those that feel it as the greatest blessing are chosen for dominion.
26 [377]
The intellectual characterlessness
When Richard Wagner even began to speak to me of the pleasure he knew how to derive from the Christian communion (the Protestant one), my patience was at an end. He was a great actor: but without restraint, and inwardly the prey of all things that strongly intoxicate.He has undergone all the transformations that good Germans have undergone since the days of Romanticism: Wolf's Glen and Euryanthe, Schauer-Hoffmann, then the "Emancipation of the Flesh" and thirst for Paris, then a taste for grand opera, for Meyerbeer and Bellini music, tribunes of the people, later Feuerbach and Hegel—music was to emerge from "unconsciousness," then the revolution, then disappointment, and Schopenhauer, and a rapprochement with German princes, then homage to Kaiser, Reich, and Army, then also to Christianity, which, since the last war and its many "sacrifices of the dead," has once again become a matter of good taste in Germany—, with curses against "science."
26 [378]
To resist all one's natural inclinations and to try whether there is not also something in us of the opposite inclination: a useful thing, although it brings much discomfort with it. As when a person is moved from a familiar dry air into a humid climate. It demands an unshakable will—and if my way of thinking demands nothing but this, then that is already a reason why it will have few followers. Such a strong and yet flexible will is too rare.
26 [379]
The people of the weak-willed (like Sainte-Beuve) have an inner aversion to the opposite race, e.g., to Stendhal.
26 [380]
How much beastly meanness in the Englishman, that he still needs, with all his might, to preach the utile! It is his highest perspective: his dulce is far too small.— Even the Salvation Army!
26 [381]
“an almost instinctive belief of mine is that every powerful man lies when he speaks, and all the more so when he writes.” preface “Life of Napoleon” p. XV Stendhal.
26 [382]
At the table, they speak to me of Eugen Dühring, they "excuse" much, for, they say: he is blind. What? I am almost so. Homer was completely so. Must one therefore be in a bad mood? And full of worms? And look like an inkwell? Eugen Dühring has recently told us his life story: he has forgotten no annoyance, no slight from childhood onward, I believe he can recount for hours petty little stories about his teachers and opponents from the time when he was not yet blind: at the very least, he makes a face to that effect, if the image is any good, with which he has adorned his book and refuted his philosophy.— He tells us that the image is good.
26 [383]
Aftereffects of the Old God 1) —
As little as I am familiar with what is being philosophized among Germans today: thanks to some fortunate coincidences, I have discovered that in Germany it is now fashionable to think, if not of the creation of the world, at least of a beginning: one resists an “infinity backward”— You understand my abbreviated formula? In this, Mainländer, Hartmann, Dühring, etc., agree. The most indecent expression for the opposite view, that the world is eternal, has been found by Mainländer, an apostle of unconditional chastity, like Richard Wagner.
Aftereffects of the Old God 2) eternally new.
26 [384]
Space is an abstraction: in itself there is no space, especially there is no empty space. Much nonsense stems from the belief in “empty space.” —
26 [385]
That we have a time instinct, a space instinct, a reason instinct; this has nothing to do with time, space, and causality.
26 [386]
Victory of the anti-teleological mechanistic way of thinking as a regulative hypothesis 1) because only with it is science possible 2) because it assumes the least and under all circumstances must first be tested:—which takes a few centuries 3)
26 [387]
Struggle against Plato and Aristotle.
26 [388]
Hegel’s Gothic sky-storming (—belatedness). Attempt to introduce a kind of reason into development:—I am at the opposite point, seeing in logic itself a kind of unreason and chance. We strive, as with the greatest unreason, namely that development up to man has proceeded entirely without reason.
26 [389]
Against Altruism: it is an illusion.
| The désintéressement | in morality (Schopenhauer Comte) in epistemology (the “Objectivists”—such as Taine), in art (ideal beauty, in which, for example, Flaubert believes) |
26 [390]
When I was 12 years old, I conceived a strange triad: namely God the Father, God the Son, and God the Devil. My conclusion was that God, thinking of himself, created the second person of the Godhead: but that, in order to be able to think of himself, he had to think of his opposite, therefore had to create it.— With this I began to philosophize.
26 [391]
The many false “opposites” (on the transformation of affects, their genealogy, etc.
26 [392]
Countless individuals of higher nature are now perishing: but whoever survives is strong as the devil. Similar to the time of the Renaissance.
26 [393]
The Actor.
The historical sense: Plato and all philosophy have no concept of it. It is a kind of actor's art to temporarily assume a foreign soul: a consequence of the great racial and national mixtures, by virtue of which in everyone there is a piece of everything that was. An artist's sense in the realm of knowledge. At the same time a sign of weakness and lack of unity.
Exoticism, cosmopolitanism, etc. Romanticism. The sense has sharpened, e.g., now Walter Scott is no longer possible for us. Nor is Richard Wagner.
Rousseau, George Sand, Michelet, Sainte-Beuve—their kind of acting. Some before the people, others (like Voltaire) before society.
Quite different actors are the powerful, like Napoleon, Bismarck.
26 [394]
Do you know what a swamp is?— Chance allowed me to see once again all that Richard Wagner and his people have preached together in words: in the ill-reputed Bayreuth Blätter. You see, that is a swamp: presumption, obscurity, ignorance, and—tastelessness all mixed together. As the old man sings, so the young ones chirp; no one will be surprised by that. And if it were only singing! But it is a whining, the self-importance of an old high priest who fears nothing more than clear, distinct concepts. And this wants to have a say in matters of philosophy and history!— Il faut être sec, says, to my heart, my friend Stendhal. One should not stir up the mire. One should live on mountains: thus spoke my son Zarathustra.
26 [395]
It seems I am something of a German of a dying breed. To be good German means to de-Germanize—once I said: but today no one will concede that to me. Goethe might have agreed with me.
26 [396]
To be a good philosopher, one must be dry, clear, without illusion. A banker, who has made a fortune, has part of the character required to make discoveries in philosophy, that is to say, to see clearly what is. Not wanting to deceive—this is something entirely different, it may be moral. Not letting oneself be deceived, especially when one has the greatest inclination to do so!
26 [397]
Stendhal specifies (December 18, 1829) the moral problems.
What are the motives of human actions: is it the pursuit of pleasure, as Virgil says (trahit sua quemque voluptas)? Is it sympathy? What is the pang of conscience? Does it come from conversations we have heard? or does it arise in the brain, like the idea of pecking grain that comes to the young chicken?
26 [398]
The spiritualization set as a goal: thus the sharp opposition of good and evil, virtue and vice is a disciplinary means to make man the master over himself, a preparation for spirituality.— But if there is no sensualization involved, the spirit becomes very thin.
26 [399]
The Germans are a dangerous people: they understand intoxication. Gothic, perhaps also Rococo (according to Semper), the historical sense and exoticism, Hegel, Richard Wagner—Leibnitz still dangerous today—the servant soul (idealized as scholarly and soldierly virtue) also as historical sense. The Germans may well be the most mixed people.
“the people of the middle,” the inventors of porcelain and a Chinese-like kind of privy councilors.
26 [400]
The deep goodwill towards all things. It costs me a comedy to be angry with people I know: provided that I am not ill.
26 [401]
Even a philosopher must admit, like that diplomat: “distrust our first impulses: they are almost always good.”
26 [402]
Bismarck: as far from German philosophy as a farmer or a corps student. Distrustful of scholars. That appeals to me about him. He has thrown away everything that the stupid German education (with gymnasiums and universities) wanted to teach him.— And he clearly loves a good meal with strong wine more than German music: which is mostly just a more refined, womanly hypocrisy and disguise for the old German male inclination toward intoxication. He has held firmly to his honest limitations, namely those toward God and King: and later, as is fitting, added the limitation that everyone has who has created something, the love for his work (I mean the German Reich)
26 [403]
Michelet: sweating sympathy, something plebeian about it, as if he were taking off his coat before work. People's Tribune: he also knows the predatory rage of the people. Everything I like is alien to him. Montaigne as well as Napoleon. Strange, even he, the hardworking, morally strict man, has the curious sexual lust of the Gaul.
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Sainte-Beuve—quiet rage of all finer Frenchmen over the “terrible stupidity”—: would like to deny that he lacks all philosophy, as well as all character, indeed even, which after both is no wonder, all firm taste in artibus et litteris. He knows neither how to deal with the strong sides of Voltaire, nor with Montaigne, Charron, Chamfort, Larochefoucauld, Stendhal:—He is annoyed, namely, with a kind of envy, over the fact that these connoisseurs of men all still have a will and character in their bodies.
26 [405]
The type Hölderlin and Leopardi: I am hard enough to laugh about their downfall. One has a false idea of it. Such ultra-Platonists, who always lack naivety, end badly. Something must be coarse and rough in man: otherwise he goes to ruin in a ridiculous way due to contradictions with the simplest facts: for example, with the fact that a man from time to time needs a woman, just as he from time to time needs a decent meal. Finally, the Jesuits have brought out that Leop
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In my youth, when I was many things, for example also a painter, I once painted a picture of Richard Wagner, under the title: Richard Wagner in Bayreuth. A few years later I said to myself: “Devil! it is not similar at all.” A few more years later I answered “all the better! all the better!”— In certain years of life one has a right to see things and people incorrectly,—magnifying glasses, which hope gives us.
When I was 21 years old, I was perhaps the only person in Germany who loved these two, who loved both Richard Wagner and Schopenhauer with one enthusiasm. Some of my friends were infected.
Fundamentally, I came through Handel
As a boy, I loved Handel and Beethoven: but Tristan and Isolde came when I was 17 years old, as a world understandable to me. While at that time I found Tannhäuser and Lohengrin to be “below my taste”: boys are quite impertinently proud in matters of taste.
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The Legislator of the Future.
People before whom the image of an immense task begins to dawn seek to escape it: and one will find the boldest and most reckless attempts among great people to slip away somewhere, for example, to persuade themselves a) the task is already solved b) or it is unsolvable c) or I am too weak for it d) my duty, my morality rejects it as immoral— e) or to ask: who imposes this task on me? No one. Skepticism toward all heavy missions.— Many succeed in evading it; there is a fine bad conscience for such. In the end, it is a question of strength: how great does one feel one’s responsibility?
After I had long sought to associate a certain concept with the word "philosopher," I finally found that there are two kinds: 1) those who seek to establish some great fact 2) those who are legislators of values. The first seek to master the existing or past world by summarizing events in signs: they aim to make everything clear, thinkable, graspable, manageable—they serve the human task of using all things for their benefit. The second, however, command and say: this is how it shall be! They first determine what is useful, what is the benefit of man; they make use of the preliminary work of scientific men, but knowledge is for them only a means to creation. Indeed, their position is immense, and they have often blindfolded themselves, e.g.,Plato, when he once believed that he was not establishing the Good, but rather discovering it as something eternal. And in cruder forms, namely among the founders of religions, their "Thou shalt" came to them as a command from their God: as in the case of Muhammad, their legislation of values was regarded by them as an "inspiration," and that they carried it out was seen as an act of obedience. —
Now that those conceptions have collapsed 1) that of God 2) that of eternal values: the task of the legislator of values arises in terrible magnitude. The means of relief that one previously had are gone. The feeling is so terrible that such a person seeks refuge
1) in absolute fatalism: things take their course and the influence of the individual is irrelevant
2) in intellectual pessimism: values are illusions, there is no "good and evil" in itself, etc. But intellectual pessimism also overthrows fatalism; it shows that the feeling of "necessity" and "causality" has first been projected by us,
3) in intentional self-diminishment.
2.
The decision
3.
The new problem: the means of communication, and the entire question of truthfulness
4.
The problem of breeding, because an individual lives too short.
26 [408]
It is very indifferent whether my former image of the artist or the philosopher, with regard to the perhaps accidentally presented subject (Richard Wagner), is false: perhaps the error even goes into the monstrous, what does it matter!
After long years, which were anything but long interruptions, I continue to do publicly what I have always done and always will do for myself: namely, to paint pictures of new ideals on the wall.
26 [409]
How do people come to great power and to a great task?— All virtue and excellence of body and soul is acquired laboriously and in small things, through much diligence, self-conquest, limitation to a few things, through much stubborn faithful repetition of the same works, the same renunciations: but there are people who are the heirs and masters of this slowly acquired manifold wealth of virtues and excellences—because, on the basis of happy and reasonable marriages and also happy chances, the acquired and accumulated forces of many generations are not squandered and scattered, but bound together by a firm ring and will.At the end, indeed, a human appears, a monster of strength, which demands a monster of a task. For it is our strength that disposes of us: and the wretched intellectual play of goals and intentions and motives is only a foreground—though weak eyes may see the matter itself here.
26 [410]
The belief in cause and effect, and the strictness therein is the distinguishing feature of scientific minds, which aim to formulate the human world, to establish the calculable. But the mechanistic-atomistic worldview demands numbers. It has not yet taken its final step: space as a machine, space finite.— With this, however, movement is impossible: Boscovich—the dynamic worldview
26 [411]
That the mechanistic-atomistic development only wants to create a system of signs: it renounces explanations, it abandons the concept of “cause and effect”.
26 [412]
Kant’s fame is today driven to unreasonable heights because the many critics of a critical age found their cardinal virtue in him: they praise themselves when they pay homage to Kant. But all merely critical natures are of second rank, held against the great synthesizers: the immeasurable ambition of Hegel brushes against them, which is why he is still perceived abroad as the greatest German spirit.
Schopenhauer’s fame also depends on the times: a disgruntled, hopeless, defoliated era elevated his way of thinking—the 1850s in Germany. In France, he is now “flourishing.” His fame is exaggerated.
In him there is a touch more mysticism and obscurity than in Kant: thus he seduces our young men.— On the other hand, he brings a variety of science to our poorly educated youth and interests them; he also cites good books and suffers, no less than Friedrich the Great and Bismarck, from that niaiserie allemande which strikes the foreigner in our best minds (even in Goethe). He is one of the best-educated Germans, which means a European.A good German—forgive me if I repeat it ten times—is no longer a German. —Fichte, Schelling, Hegel Feuerbach Strauß—all of it reeks of theologians and Church Fathers. Schopenhauer is fairly free of that; one breathes better air, one even smells Plato. Kant is ornate and ponderous: one can tell that the Greeks had not yet been discovered. Homer and Plato did not resonate in these ears.
26 [413]
The natural sciences have been driven into a corner with the talk of the “world of appearances”; there prevails a wholly mythological concept of “pure cognition,” by which they measure. This is “wooden iron” just as much as the “thing-in-itself.” Previous philosophers have mostly taken a contradictio in adjecto as their main problem.
26 [414]
Our valuations determine which things we accept at all and how we accept them. But these valuations are instilled and regulated by our will to power.
26 [415]
“Attitude (drama) is the goal; music is merely a means to enhance its impression”—is the practice of Richard Wagner
26 [416]
That something like Spinoza's amor dei could be experienced again is his great event. Against Teichmüller’s scorn that it was already there! What luck that the most precious things are there a second time!— All philosophers! They are people who have experienced something extraordinary
26 [417]
I rejoice in the military development of Europe, as well as the internal anarchistic conditions: the time of peace and Chinism, which Galiani predicted for this century, is over. Personal masculine competence, physical fitness, is gaining value again; evaluations are becoming more physical, nutrition more carnivorous. Beautiful men are becoming possible again. The pale timidity (with mandarins at the helm, as Comte dreamed) is over. The barbarian is affirmed in each of us, as is the wild beast. Precisely for this reason, there will be more philosophers.— Kant is a scarecrow, someday!
26 [418]
Mérimée says of some of Poushkin’s lyrical poems “Greek through truth and simplicity, très supérieurs pour la précision et la netteté.”
26 [419]
As Pasta once remarked to Mérimée: “no opera has been made since Rossini that has unity and where the pieces all hold together. What Verdi does, for example, is all like a Harlequin’s jacket.”
26 [420]
In everything that Goethe has done, says Mérimée, there is a mixture of genius and German niaiserie (good! that is German!) “does he mock himself or others?” —Wilhelm Meister: the most beautiful things in the world alternating with the most ridiculous childishness.
26 [421]
After all, there are good moments, and the memory of these good moments is more pleasant than the memory of the bad ones is sad. Mérimée.
26 [422]
“The influence of women, not from Christianity, but from the influence of the northern barbarians on Roman society. The Germans had exaltation, they loved the soul. The Romans loved only the body. It is true that women had no soul for a long time. They still do not have one in the Orient—what a pity!” Mérimée.
26 [423]
Living in a foreign land is the greatest of all misfortunes for the ancient Greek. But to die there: there is nothing more terrifying for his imagination. Mérimée.
26 [424]
The first sensory impression is processed by the intellect: simplified, adjusted according to previous schemas, the idea of the phenomenal world is, as a work of art, our work. But not the material—art is precisely that which emphasizes the main lines, retains the decisive features, and omits much. This intentional reshaping into something familiar, this falsification—
“Historical sense” is the same: the French have been well taught by Taine to prioritize the main facts (establishing a hierarchy of facts is the historian’s productive task). The ability to empathize, to have the impression, is indeed the prerequisite: German.
26 [425]
Why the philosopher rarely succeeds: his conditions require qualities that usually ruin a person:
| 1) | an enormous multiplicity of qualities, he must be an abbreviation of man, of all his high and low desires: danger of contradictions, also of self-disgust | |
| 2) | he must be curious in the most varied directions—danger of fragmentation | |
| 3) | he must be just and fair in the highest sense, but also deeply rooted in love, hatred (and injustice) | |
| 4) | he must not only be a spectator, but also a lawgiver—judge and judged (insofar as he is an abbreviation of the world) | |
| 5) | extremely diverse, yet firm and hard. Flexible. |
26 [426]
The Philosophers of the Future.
By
Friedrich Nietzsche.
26 [427]
Petronius: brightest sky, dry air, presto of movement: no god lying in the muck; nothing infinite, nothing lustfully sacred, nothing of St. Anthony's pig. Benevolent mockery; genuine Epicureanism;
26 [428]
“Will there even be philosophers anymore? Or are they superfluous? There is enough now as a remnant of them in the flesh and blood of all of us. There will also be no more founders of religions: the greatest animals are dying out.”— To this I say:
26 [429]
From the unconditioned, nothing conditioned can arise. But everything we know is conditioned. Therefore, there is no unconditioned at all; it is a superfluous assumption.
26 [430]
No idealistic philosopher lets himself be deceived about his lunch, as if it were merely a perspectival and self-invented appearance.
26 [431]
That “Force” and “Space” are only two expressions and different ways of considering the same thing: that “empty space” is a contradiction, just as “absolute purpose” (in Kant), “thing-in-itself” (in Kant), “infinite force,” “blind will”
26 [432]
When I think about my philosophical genealogy, I feel connected to the antiteleological, i.e., Spinozistic movement of our time, yet with the difference that I also consider "purpose" and "will" within us to be an illusion; likewise with the mechanistic movement (reducing all moral and aesthetic questions to physiological ones, all physiological to chemical, all chemical to mechanical) yet with the difference that I do not believe in "matter" and regard Boscovich as one of the great turning points, like Copernicus; that I consider all departure from the self-reflection of the mind to be unproductive and believe in no good research without the guiding thread of the body. Not a philosophy as a dogma, but as a provisional regulative of research.
26 [433]
A philosophy like this cannot be dangerous to a person like you. I do not believe at all that philosophies are dangerous. People are as they are—why should I speak more clearly!—and need little clothes and masks to present themselves beautifully: these philosophies belong to these masks.
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A dying world is a delight, not only for the observer (but also for the destroyer). Death is not only necessary, “ugly” is not enough, there is greatness, sublimity of all kinds in dying worlds. Also sweets, also hopes and sunsets. Europe is a dying world. Democracy is the decay-form of the state.
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Montaigne, as a writer, is often “at the peak of perfection through liveliness, youth, and strength. Il a la grâce des jeunes animaux puissants.— L’admirable vivacité et l’étrange énergie de sa langue. He resembles Lucretius in this virile youthfulness. A young oak full of sap, with hard wood and the grace of its early years.” Doudan.
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“I am beginning to believe, cette race douce, énergique, méditative et passionnée has only ever existed in books.” Doudan, on the Germans.
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I consider, with Doudan, the great majority of musicians to be charlatans and also dupes —
they were already singing, for lack of ideas.
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What should one make of French taste! Doudan says: it’s a noise in the ears and an indefinable little nausea that one does not like to feel.
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“Motu quiescunt”—on the happiness of activity, “la volonté désennuie” Doudan.
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Only the true philosopher is a daring animal and speaks to himself like Turenne: “Carcass, you tremble? You would tremble much more if you knew where I am leading you.”
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The admiration for Cicero: c’est une aimable et noble créature. The little parvenu from Arpinum is quite simply the finest result of all the long civilization that had preceded him. I know nothing more honorable for human nature than the state of mind and spirit of Cicero. Doudan.
the habit of admiring the unintelligible instead of simply remaining in the unknown: what ravages it has wrought in the minds of the new age! Doudan.
He had between himself and nature aucun de ces fantômes imposants, mais informes, qui ravissaient Saint Antoine dans le désert et Saint Ignace de Loyola dans le monde.
“il y a quelque chose de Cicéron dans Voltaire”
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The German Mystic
The great self-admirations and the great self-contempts and self-diminishments belong together: the mystic who feels himself now God, now worm. What is lacking here is the self-feeling. It seems to me that modesty and pride are closely related, and are merely judgments depending on where one looks. The common element is: the cold, sure gaze of estimation in both cases. It belongs, moreover, to good diet not to live among people with whom one may not compare oneself at all, whether out of modesty or out of pride. This diet is an aristocratic diet. Chosen society—living and dead.— Fate is an elevating thought for him who comprehends that he belongs to it.
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In Pascal, for the first time in France, the sinister and tragic raillery—“comedy and tragedy all at once.” From the Provinciales.
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Of Genoa, Doudan says: On peut porter là les grandes tristesses sans souffrir d’aucun contraste.
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Schleiermacher: the German philosophers
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Renan, of whom Doudan says: “he gives the people of his generation what they want in all things, des bonbons, qui sentent l’infini.” “This dreamy, soft, insinuating style, circling around questions without pressing them too hard, in the manner of little snakes. It is to the sounds of this music that one resigns oneself to being so amused by everything, that one endures despotisms while daydreaming of freedom”
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About Taine “but how red, blue, green, orange, black, mother-of-pearl, opal, iris and purple this is! ... it’s a paint dealer’s shop. With Mirabeau the father say: what a racket of colors!
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The eye, when it sees, does exactly the same as the mind does to comprehend. It simplifies the phenomenon, gives it new outlines, compares it to what was seen before, traces it back to what was seen earlier, transforms it until it becomes graspable, usable. The senses do the same as the “mind”: they take possession of things, just as science is a mastery of nature in concepts and numbers. There is nothing in it that wants to be “Objective”: rather, a kind of incorporation and adaptation, for the purpose of nourishment.
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I have not yet found any reason for discouragement. Whoever has preserved and cultivated a strong will, along with a broad spirit, has more favorable chances than ever. For the trainability of people has become very great in this democratic Europe; people who learn easily, who adapt easily, are the rule: the herd animal, even highly intelligent, is prepared. Whoever can command will find those who must obey: I think, for example, of Napoleon and Bismarck. The competition with strong and unintelligent will, which hinders the most, is small. Who would not overthrow these "objective" gentlemen with weak wills, like Ranke or Renan!
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Scholars. These “Objective,” Purely-Scientific ones are ultimately conscientious and praiseworthy and stay within the limits of their capacity, showing of some highly esteemed thing that something absurd lies behind it, hence, intellectually measured, it has less value than is commonly believed. Namely, they feel entitled to judge and speak only on logical value gradations; they themselves have no other value than being logical.
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One must be capable of intense admiration, and with love crawl into the heart of many things: otherwise one is not fit to be a philosopher. Gray, cold eyes do not know what things are worth; gray, cold spirits do not know what things weigh. But of course: one must have a counterforce: a flight into such wide, high distances that one also sees one's most admired things deep, deep below oneself, and very close to what one perhaps despised.— I have made my tests when I did not let myself be diverted from my main concern by the great political movement of Germany, nor by the artistic Wagner, nor by the philosophical Schopenhauer: yet it was difficult for me, and at times I was sick from it.
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I do not want to persuade anyone to philosophy: it is necessary, it is perhaps also desirable, that the philosopher be a rare plant. Nothing is more repulsive to me than the didactic praise of philosophy, as with Seneca or even Cicero. Philosophy has little to do with virtue. Let me be permitted to say: that the scientific man is also something fundamentally different from the philosopher.— What I wish is that the genuine concept of the philosopher in Germany not be completely destroyed. There are so many half-beings of all kinds in Germany who would gladly hide their failure under such a noble name.
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To estimate what things are worth: it is not enough to know them, even if it is necessary. One must be allowed to grant them value, to give and take must be allowed, in short, one must be someone who has the right to bestow values. Hence today’s many “objective” people: they are modest and honest in denying themselves this right.
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Victor Hugo: rich and overflowing with picturesque ideas, seeing everything visible with a painter's eyes, without taste or discipline, shallow and demagogic, slavishly prostrate before all sonorous words, a flatterer of the people, with the evangelist's voice for all the lowly, the misfits, the oppressed, but without any notion of intellectual conscience or noble greatness. His spirit affects the French like an alcoholic drink that both intoxicates and makes one stupid. One's ears ring when his stupefying chatter begins: and one suffers as if a railway train were carrying us through a dark tunnel.
Flaubert: false erudition. Emphasis.
On Rossini: no actor equaled him when he sang The Barber of Seville. One of the most witty men.
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“The grand words, the monsters of events—increasing. Otherwise, in barbaric, ignorant, absurd ages, there was always a kind of compensation through a few truly great individuals. Now, rapid, deep leveling of all intelligences.”
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That a beefsteak is supposed to be only an appearance, but in reality the thing in itself, something like the Absolute or the dear God: believe that, whoever
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Bismarck: Farmer, Corps student: not cozy, not naive, thank God! No German as he “stands in the book”!
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How I laugh at Flaubert, with his rage at the bourgeois who disguises himself, I don't know as what! And Taine, as M. Graindorge, who absolutely wants to be a man of the world, a connoisseur of women, etc.!
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My training in distrust, in—also something to laugh at!
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Problem: the values “good” “evil” “praiseworthy” etc. are learned. But “cowardly” “courageous” “scoundrel” “patient” are innate and embodied. As a result, learning and learning are something different: one character receives, another allows something to be imposed, a third gives in, imitates, is an ape. There is much resistance in others, in me, for example, much willing positioning, as if I accept: while I postponed my decision: it was only “provisional” and “temporary.” For myself alone, I believed none of it. I have not met a person whom I have felt as an authority in the most general judgments: while I had a deep need for such a person.
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The nonsense of Kant’s with “appearance.” And where he finds no explanation, to posit a faculty! This procedure was what the great Schelling-swindle was based on.
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A good number of higher and better equipped people will, as I hope, finally have enough self-overcoming to cast off the bad taste for attitudes and the sentimental darkness, and against Richard Wagner as much as against Schopenhauer. These Germans corrupt us, they flatter our most dangerous qualities. In Goethe, Beethoven, and Bismarck lies a stronger future prepared than in these degenerations of the race. We have not yet had any philosophers.
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The Corsicans are not amiable: and whoever belongs to the herd is annoyed by it.
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If Kant wanted to reduce philosophy to “science,” this will was a German philistinism: there may be much to respect in it, but certainly even more to laugh at. That the “Positivists” of France, or the “Reality-Philosophers” or the “scientific philosophers” at the current German universities are entirely within their rights when they behave as philosophical workers, as scholars in the service of philosophy, is in the finest order. Likewise, that they cannot see beyond themselves and tailor the type “Philosopher” to their own image.
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Noon and Eternity.
A Philosophy of Eternal Recurrence.
By
Friedrich Nietzsche.
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Adventavit asinus
Pulcher et fortissimus.
Mysterium.
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| Beyond Good and Evil. Letters to a Philosophical Friend Satis. |
| “Satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.” |
| By Friedrich Nietzsche |
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What is noble?
Thoughts on the hierarchy of man and man.
By
Friedrich Nietzsche.
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But that one—I don’t know. Often, truly, I might have believed that he too was just a beautiful saint’s mask