11, 36[1-60] Juni-Juli 1885

36 [1]

Gai saber.
Vorspiel zu einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.

Anhang

Die moderne Seele.

Versuch einer Aufklärung über Heute und Morgen.

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Niemals ist lebendigen Geschöpfen mehr zugemutet worden, als bei der Entstehung des Festlandes: da mußten sie, gewöhnt und eingerichtet für das Leben im Meere, ihren Leib und ihre Sitten umdrehen und umstülpen und in Allem etwas Anderes thun als sie bis dahin geübt waren—es hat bisher auf Erden keine merkwürdigere Veränderung gegeben.— Wie nun damals, durch Einstürze, durch ein langsames Zusammenbrechen der Erde das Meer sich in die Brüche Höhlen und Gruben senkte und Tiefe bekam: so möchte das, was jetzt unter Menschen geschieht, im Gleichniß zu reden, vielleicht das gerade Gegenstück dazu abgeben: nämlich ein Ganz- und Rundwerden des Menschen, ein Verschwinden der Brüche Höhlen und Gruben und folglich auch—ein Verschwinden des festen Landes. Für einen Menschen, den meine Denkweise rund und ganz gemacht hat, “ist Alles im Meere,” ist das Meer überall: aber das Meer selber hat an Tiefe verloren.— Doch ich war auf dem Wege zu einem ganz anderen Gleichnisse und habe mich nur verlaufen! Ich wollte sagen: ich bin gleich Jedermann als Landthier geboren—und nun muß ich trotzdem Meer-Thier sein!

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Deutschland, welches reich ist an geschickten und wohlunterrichteten Gelehrten, ermangelt in einem solchen Maaße seit langer Zeit der großen Seelen, der mächtigen Geister, daß es verlernt zu haben scheint, was eine große Seele, was ein mächtiger Geist ist: und heutzutage stellen sich, beinahe mit gutem Gewissen, und aller Verlegenheit bar, mittelmäßige und dazu noch dazu übel gerathene Menschen an den Markt und preisen sich selber als große Männer, Reformatoren an; wie es zum Beispiel Eugen Dühring thut, ein geschickter und wohlunterrichteter Gelehrter, der aber doch fast mit jedem Worte verräth, daß er eine kleinliche Seele herbergt und durch enge neidische Gefühle zerquetscht wird; auch daß nicht ein mächtiger, überschäumender, wohlthätig-verschwenderischer Geist ihn treibt—sondern der Ehrgeiz! In diesem Zeitalter aber nach Ehren zu geizen, ist eines Philosophen noch viel unwürdiger als in irgend einem früheren Zeitalter: jetzt wo der Pöbel herrscht, wo der Pöbel die Ehren vergiebt!

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Wenn der Philosoph sich unter die homines bonae voluntatis begiebt, unter die Gutmüthigen, Mitleidigen, Sanften, Alltäglichen, so geschieht ihm, wie wenn er in eine feuchte Luft und unter einen bedeckten Himmel gerathen sei: eine kurze Zeit thut es ihm wohl, er fühlt sich gleichsam erleichtert; giebt er aber gut Acht, so merkt er, wie er selber in dieser falschen Umgebung bequem und nachlässig wird; auch eitel—vor Allem aber schwermüthig. Um schnell zu lernen, wie schwach und gering dieses gutmüthige Zeug von Menschen beschaffen ist, mit allem ihrem gefälligen Anschein, mag er ihre Eitelkeit reizen und verwunden, er bringe sie so weit, daß sie schimpfen: da wird sich schnellstens die “Untiefe” dieser Gewässer verrathen, und wohl auch, was unter aller dieser artigen leichten blauen Oberfläche für Sand und Unflath oder für Anmaaßlichkeit verborgen liegt.

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Die Frauen in Europa, ganz abgesehn von ihrem eigentlichen Geschäfte (“Kinder zu legen”) sind zu vielen guten Dingen nütze. Mit Wienerinnen ist es angenehm zu tanzen. Mit einer Französin kann man causer, mit einer Italiänerin poser, mit einer Deutschen—oser. Unter den Jüdinnen giebt es allerliebste Schwätzel-Weiber: das Muster davon, ganz in Goethesche Spitzen und Selbstgefälligkeiten gewickelt, war die Rahel. Eine Russin hat gewöhnlich etwas erlebt, bisweilen Etwas gedacht. Engländerinnen wissen auf die weiblichste und himmlischeste Weise zu erröthen, beinahe ohne Grund, gleich den Engeln: kurz, man kommt nicht zu Ende, wenn man die Nützlichkeit des Weibes—etwas, woran alle Welt glaubt—erst noch nach dem V der e U steif und standhaft beweisen wollte.

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Gai saber.
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.

An den Mistral. Ein Tanzlied.

ITheil. 1. “Ohne ein leidenschaftliches Vergnügen
   Schluß. “Und wißt ihr auch, was mir ‘die Welt’ ist? —
IITheil.  
   Schluß. “Als ich sehr jung war, Dionysos.
IIITheil. Von der Zukunft der Künste.
IVTheil. Der Spiegel.
VTheil. Unter freien Geistern.

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MeinMitleid.”— Dies ist ein Gefühl, für das mir kein Name genügt: ich empfinde es, wo ich eine Verschwendung kostbarer Fähigkeiten sehe, zum Beispiel beim Anblicke Luthers: welche Kraft und was für abgeschmackte Hinterwäldler-Probleme (zu einer Zeit, wo in Frankreich schon die tapfere und frohmüthige Scepsis eines Montaigne möglich war!) Oder wo ich, durch die Einwirkung eines Blödsinns von Zufälligkeit, Jemanden hinter dem zurückbleiben sehe, was aus ihm hätte werden können. Oder gar bei einem Gedanken an das Loos der Menschheit, wie wenn ich, mit Angst und Verachtung, der europäischen Politik von heute einmal zuschaue, welche, unter allen Umständen, auch an dem Gewebe aller Menschen-Zukunft arbeitet. Ja, was könnte aus “dem Menschen” werden, wenn— —! Dies ist eine Art “Mitleid”; ob es schon keinen Leidenden giebt, mit dem ich da litte.

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Moralia

Wie von Alters her der Mensch in tiefer Unbekanntschaft mit seinem Leibe lebt und an einigen Formeln genug hat, sich über sein Befinden mitzutheilen, so steht es mit den Urtheilen über den Werth von Menschen und Handlungen: man hält bei sich selber an einigen äußerlichen und nebensächlichen Zeichen fest und hat kein Gefühl davon, wie tief unbekannt und fremd wir uns selber sind. Und was das Urtheil über Andre anlangt: wie schnell und “sicher” urtheilt da noch der Vorsichtigste und Billigste!

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Moralia.

Es bedarf eines sparsamen Nachdenkens, um dahinter zu kommen, daß es nichts “Gutes an sich” giebt—daß etwas Gutes nur als “gut wofür” gedacht werden muß, und daß was in Einer Absicht gut ist, nothwendig zugleich in vieler andrer Absicht “böse und schädlich” sein wird: kurz daß jedwedes Ding, dem wir das Prädikat “gut” beilegen, ebendamit auch als “böse” bezeichnet ist.

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Wie lange ist es nun her, daß ich bei mir selber bemüht bin, die vollkommne Unschuld des Werdens zu beweisen! Und welche seltsamen Wege bin ich dabei schon gegangen! Ein Mal schien mir dies die richtige Lösung, daß ich dekretirte: “das Dasein ist, als etwas von der Art eines Kunstwerks, gar nicht unter der juridictio der Moral; vielmehr gehört die Moral selber in’s Reich der Erscheinung.” Ein ander Mal sagte ich: alle Schuld-Begriffe sind objective völlig werthlos, subiective aber ist alles Leben nothwendig ungerecht und alogisch. Ein drittes Mal gewann ich mir die Leugnung aller Zwecke ab und empfand die Unerkennbarkeit der Causal-Verknüpfungen. Und wozu dies Alles? War es nicht, um mir selber das Gefühl völliger Unverantwortlichkeit zu schaffen—mich außerhalb jedes Lobs und Tadels, unabhängig von allem Ehedem und Heute hinzustellen, um auf meine Art meinem Ziele nachzulaufen? —

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Im Grunde ist die Moral gegen die Wissenschaft feindlich gesinnt: schon Sokrates war dies—und zwar deshalb, weil die Wissenschaft Dinge als wichtig nimmt, welche mit “gut” und “böse” nichts zu schaffen haben, folglich dem Gefühl für “gut” und “böse” Gewicht nehmen. Die Moral nämlich will, daß ihr der ganze Mensch und seine gesammte Kraft zu Diensten sei: sie hält es für die Verschwendung eines Solchen, der zum Verschwenden nicht reich genug ist, wenn der Mensch sich ernstlich um Pflanzen und Sterne kümmert. Deshalb gieng in Griechenland, als Sokrates die Krankheit des Moralisirens in die Wissenschaft eingeschleppt hatte, es geschwinde mit der Wissenschaftlichkeit abwärts; eine Höhe, wie die in der Gesinnung eines Democrit, Hippocrates und Thukydides, ist nicht zum zweiten Male erreicht worden.

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Mensch im Verkehr

Es ist ein Merkmal eines Mangels vornehmer Gesinnung, wenn Jemand auf der Straße einen Gruß eher erwiedert, als er die Person, welche grüßte, erkannt hat:—Gruß und Art des Grußes sollen ja Auszeichnungen sein—den einzigen Fall ausgenommen, daß ein Fürst (oder der qui range aux souverains) seines Weges geht und gegrüßt wird. Es ist sein Vorrecht, Niemanden kennen zu müssen, aber von Allen gekannt sein zu müssen. Ein Gleichniß.

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Der M mit sich allein:

Wie verschieden empfindet man das Geschäft und die Arbeit seines Lebens, wenn man damit der Erste in seiner Familie ist oder wenn schon Vater und Großvater in gleicher Weise thätig gewesen sind! In jenem Falle, daß man der Erste ist, hat man viel mehr innere Noth dabei, auch einen viel plötzlicheren Stolz; das gute Gewissen ist mit einer solchen Thätigkeit noch nicht verschwistert, und Etwas daran wird leicht als beliebig, als zufällig empfunden.

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Welchen Werth Wagner für den Nicht-Musiker haben mag, auch fürderhin behalten mag, die Frage soll uns für jetzt noch erspart bleiben. Richard Wagner hat ohne allen Zweifel den Deutschen dieses Zeitalters die umfänglichste Ahnung davon gegeben, was ein Künstler sein könnte:—die Ehrfurcht vor dem “dem Künstler” ist plötzlich ins Große gewachsen: überall hat er neue Werthschätzungen, neue Begierden, neue Hoffnungen erweckt; und vielleicht nicht am wenigsten gerade durch das nur ankündigende, unvollständige, unvollkommene Wesen seiner Kunstgebilde. Wer hat nicht von ihm gelernt! Und wenn auch nicht so unmittelbar, wie die Künstler des Vortrags und die Attitüden-Menschen jeder Art, so doch mindestens mittelbar, “bei Gelegenheit von Richard Wagner,” wie man sagen dürfte. Sogar die philosophische Erkenntniß hat keinen geringen Anstoß durch sein Erscheinen bekommen, daran ist nicht zu zweifeln. Es giebt heute eine Menge aesthetischer Probleme, von welchen, vor Richard Wagner, auch die Feinsten noch keinen Geruch hatten,—vor allem das Problem des Schauspielers und sein Verh zu den verschiedenen Künsten, nicht zu reden von psychologischen Problemen, wie sie der Charakter Wagners und die W Kunst in Fülle vorlegt. Freilich: so weit er sich selber in das Reich der Erkenntniß begeben hat, verdient er kein Lob, vielmehr eine unbedingte Zurückweisung; in den Gärten der Wissenschaft nahm er sich immer nur als der unbescheidenste und ungeschickteste Eindringling aus. Das “Philosophiren” Wagner’s gehört zu den unerlaubtesten Arten der Dilettanterei; daß man darüber nicht einmal zu lachen verstanden hat, ist deutsch und gehört zum alten deutschen “Cultus der Unklarheit.” Will man ihm aber durchaus auch noch als einem “Denker” zu Ehren und Statuen verhelfen—der gute Wille und die Unterthänigkeit seiner Anhänger wird das sich nicht ersparen können—wohlan! so empfehle ich, ihn als den Genius der deutschen Unklarheit selber darzustellen, mit einer qualmenden Fackel in der Hand, begeistert und eben über einen Stein stolpernd. Wenn Wagner “denkt,” stolpert er.— Aber uns wird der M Wagner angehen.

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Hätte die Welt ein Ziel, so müßte es erreicht sein. Gäbe es für sie einen unbeabsichtigten Endzustand, so müßte er ebenfalls erreicht sein. Wäre sie überhaupt eines Verharrens und Starrwerdens, eines “Seins” fähig, hätte sie nur Einen Augenblick in allem ihrem Werden diese Fähigkeit des “Seins,” so wäre es wiederum mit allem Werden längst zu Ende, also auch mit allem Denken, mit allem “Geiste.” Die Thatsache des “Geistes” als eines Werdens beweist, daß die Welt kein Ziel, keinen Endzustand hat und des Seins unfähig ist.— Die alte Gewohnheit aber, bei allem Geschehen an Ziele und bei der Welt an einen lenkenden schöpferischen Gott zu denken, ist so mächtig, daß der Denker Mühe hat, sich selber die Ziellosigkeit der Welt nicht wieder als Absicht zu denken. Auf diesen Einfall—daß also die Welt absichtlich einem Ziele ausweiche und sogar das Hineingerathen in einen Kreislauf künstlich zu verhüten wisse—müssen alle die verfallen, welche der Welt das Vermögen zur ewigen Neuheit aufdekretiren möchten, das heißt einer endlichen, bestimmten, unveränderlich gleich großen Kraft, wie es “die Welt” ist—die Wunder-Fähigkeit zur unendlichen Neugestaltung, ihrer Formen und Lagen. Die Welt, wenn auch kein Gott mehr, soll doch der göttlichen Schöpferkraft, der unendlichen Verwandlungs-Kraft fähig sein; sie soll es sich willkürlich verwehren, in eine ihrer alten Formen zurückzugerathen, sie soll nicht nur die Absicht, sondern auch die Mittel haben, sich selber vor jeder Wiederholung zu bewahren, sie soll somit in jedem Augenblick jede ihrer Bewegungen auf die Vermeidung von Zielen, Endzuständen, Wiederholungen hin controliren—und was Alles die Folgen einer solchen unverzeihlich-verrückten Denk- und Wunschweise sein mögen. Das ist immer noch die alte religiöse Denk- und Wunschweise, eine Art Sehnsucht zu glauben, daß irgendworin doch die Welt dem alten geliebten, unendlichen, unbegrenzt-schöpferischen Gotte gleich sei—daß irgendworin doch “der alte Gott noch lebe,”—jene Sehnsucht Spinoza’s, die sich in dem Worte “deus sive natura” (er empfand sogar “natura sive deus”—) ausdrückt. Welches ist denn aber der Satz und Glaube, mit welchem sich die entscheidende Wendung, das jetzt erreichte Übergewicht des wissenschaftlichen Geistes über den religiösen götter-erdichtenden Geist, am bestimmtesten formulirt? Heißt er nicht: die Welt, als Kraft, darf nicht unbegrenzt gedacht werden, denn sie kann nicht so gedacht werden—wir verbieten uns den Begriff einer unendlichen Kraft als mit dem BegriffKraftunverträglich. Also—fehlt der Welt auch das Vermögen zur ewigen Neuheit.

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Geht es nach meinem Willen: so ist es an der Zeit, der europäischen Moral den Krieg zu erklären, und ebenso allem, was auf ihr gewachsen ist. Man muß diese zeitweilige Völker- und Staaten-Ordnung Europa’s zertrümmern. Die christlich-demokratische Denkweise begünstigt das Heerden-Thier, die Verkleinerung des Menschen, sie schwächt die großen Triebfedern (das Böse—), sie haßt den Zwang, die harte Zucht, die großen Verantwortlichkeiten, die großen Wagnisse. Die Mittelmäßigsten tragen den Preis davon und setzen ihre Werthmaaße durch.

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Aber zu wem rede ich dies? Wo sind denn diese “freien Geister”? Giebt es denn ein solches “unter uns”? —

Ich sehe um mich: wer denkt, wer fühlt darin, wie ich? Wer will, was mein verborgenster Wille will? Aber ich fand Niemanden bisher. Vielleicht habe ich nur schlecht gesucht? Vielleicht müssen die, welche an meiner Art neuer Noth und neuem Glück leiden, sich gleichermaßen verbergen, wie ich es thue? Und Masken vornehmen, wie ich es that?— Und folglich schlecht zum Suchen von Ihresgleichen taugen?

Wir neuen Philosophen, wir Versuchenden, denken anders—und wir wollen es nicht beim Denken bewenden lassen. Wir denken freier—vielleicht kommt der Tag, wo man mit Augen sieht, daß wir auch freier handeln. Einstweilen sind wir schwer zu erkennen; man muß uns verwechseln. Sind wir “Freidenker”?

In allen Ländern Europas und ebenso in Nordamerika giebt es jetzt “Freidenker”: gehören sie zu uns? Nein, meine Herren, ihr wollt ungefähr das Gegentheil von dem, was in den Absichten jener Philosophen liegt, welche ich Versucher nenne; diese spüren wenig Versuchung, mit euch lügnerische Artigkeiten auszutauschen. Ja, wenn ihr “Freidenker” nur einen Geruch davon hättet, wovon man sich frei machen kann und wohin man dann getrieben wird! ich meine, ihr würdet zu den wüthendsten Gegnern dessen gehören, was ich meine “Freiheit des Geistes und mein “Jenseits von Gut und Böse” nenne.

Daß ich es nicht mehr nöthig habe, an “Seelen” zu glauben, daß ich die “Persönlichkeit” und ihre angebliche Einheit leugne und in jedem Menschen das Zeug zu sehr verschiedenen “Personae” (und Masken) finde, daß mir der “absolute Geist” und das “reine Erkennen” Fabelwesen bedeuten, hinter denen sich schlecht eine contradictio in adjecto verbirgt—damit bin ich vielleicht auf der gleichen Bahn, wie viele jener “Freidenker,” noch ganz abgesehen von der Leugnung Gottes, mit der auch heute noch einige biedere Engländer vermeinen, eine ungeheure Probe von Freisinnigkeit zu geben. Was mich von ihnen trennt, sind die Werthschätzungen: denn sie gehören allesammt in die demokratische Bewegung und wollen gleiche Rechte für Alle, sie sehen in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft die Ursachen für die menschlichen Mängel und Entartungen, sie begeistern sich für das Zerbrechen dieser Formen: und einstweilen dünkt ihnen das Menschlichste, was sie thun können, allen Menschen zu ihrem Grad geistiger “Freiheit” zu verhelfen. Kurz und schlimm, sie gehören zu den “Nivellirern,”—zu jener Art Menschen, die mir in jedem Betracht gröblich wider den Geschmack und noch mehr wider die Vernunft geht: Ich will, auch in Dingen des Geistes, Krieg und Gegensätze; und mehr Krieg als je, mehr G als je; ich würde den härtesten Despotismus (als Schule für die Geschmeidigkeit des Geistes) noch eher gutheißen als die feuchte laue Luft eines “preßfreien” Zeitalters, in dem aller Geist bequem und dumm wird und die Glieder streckt. Ich bin darin auch heute noch, was ich war—“unzeitgemäß.”

Wir neuen Philosophen aber: wir beginnen nicht nur mit der Darstellung der thatsächlichen Rangordnung und Werth-Verschiedenheit der Menschen, sondern wir wollen auch gerade das Gegentheil einer Anähnlichung, einer Ausgleichung: wir lehren die Entfremdung in jedem Sinne, wir reißen Klüfte auf, wie es noch keine gegeben hat, wir wollen, daß der Mensch böser werde als er je war. Einstweilen leben wir noch selber einander fremd und verborgen. Es wird uns aus vielen Gründen nöthig sein, Einsiedler zu sein und selbst Masken vorzunehmen,—wir werden folglich schlecht zum Suchen von unsresgleichen taugen. Wir werden allein leben und wahrscheinlich die Martern aller sieben Einsamkeiten kennen. Laufen wir uns aber über den Weg, durch einen Zufall, so ist darauf zu wetten, daß wir uns verkennen oder wechselseitig betrügen.

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Ich hüte mich, von chemischen “Gesetzen” zu sprechen: das hat einen moralischen Beigeschmack. Es handelt sich vielmehr um eine absolute Feststellung von Machtverhältnissen: das Stärkere wird über das Schwächere Herr, so weit dies eben seinen Grad von Selbständigkeit nicht durchsetzen kann,—hier giebt es kein Erbarmen, keine Schonung, noch weniger eine Achtung vor “Gesetzen”!

36 [19]

Es ist unwahrscheinlich, daß unser “Erkennen” weiter reichen sollte als es knapp zur Erhaltung des Lebens ausreicht. Die Morphologie zeigt uns, wie die Sinne und die Nerven, sowie das Gehirn sich entwickeln im Verhältniß zur Schwierigkeit der Ernährung.

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Auch im Reiche des Unorganischen kommt für ein Kraftatom nur seine Nachbarschaft in Betracht: die Kräfte in der Ferne gleichen sich aus. Hier steckt der Kern des Perspectivischen, und warum ein lebendiges Wesen durch und durch “egoistisch” ist.

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Das Schwächere drängt sich zum Stärkeren, aus Nahrungsnoth; es will unterschlüpfen, mit ihm womöglich Eins werden. Der Stärkere wehrt umgekehrt ab von sich, er will nicht in dieser Weise zu Grunde gehen; vielmehr, im Wachsen, spaltet er sich zu Zweien und Mehreren. Je größer der Drang ist zur Einheit, um so mehr darf man auf Schwäche schließen; je mehr der Drang nach Varietät, Differenz, innerlichem Zerfall, um so mehr Kraft ist da.

Der Trieb, sich anzunähern—und der Trieb, etwas zurückzustoßen, sind in der unorganischen wie organischen Welt das Band. Die ganze Scheidung ist ein Vorurtheil.

Der Wille zur Macht in jeder Kraft-Combination, sich wehrend gegen das Stärkere, losstürzend auf das Schwächere ist richtiger. NB. Die Prozesse alsWesen.”

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Die Verbindung des Unorganischen und Organischen muß in der abstoßenden Kraft liegen, welche jedes Kraftatom ausübt. Leben wäre zu definiren als eine dauernde Form von Prozeß der Kraftfeststellungen, wo die verschiedenen Kämpfenden ihrerseits ungleich wachsen. In wie fern auch im Gehorchen ein Widerstreben liegt; es ist die Eigenmacht durchaus nicht aufgegeben. Ebenso ist im Befehlen ein Zugestehen, daß die absolute Macht des Gegners nicht besiegt ist, nicht einverleibt, aufgelöst. “Gehorchen” wie “Befehlen” sind Formen des Kampfspiels.

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Die fortwährenden Übergänge erlauben nicht, von “Individuum” usw. zu reden; die “Zahl” der Wesen ist selber im Fluß. Wir würden nicht von Zeit reden und nichts von Bewegung wissen, wenn wir nicht, in grober Weise, “Ruhendes” neben “Bewegtem” zu sehen glaubten. Ebenso wenig von Ursache und Wirkung, und ohne die irrthümliche Conception des “leeren Raumes” wären wir gar nicht zur Conception des Raums gekommen. Der Satz von der Identität hat als Hintergrund den “Augenschein,” daß es gleiche Dinge giebt. Eine werdende Welt könnte im strengen Sinne nicht “begriffen,” nicht “erkannt” werden: nur insofern der “begreifende” und “erkennende” Intellekt eine schon geschaffene grobe Welt vorfindet, gezimmert aus lauter Scheinbarkeiten, aber fest geworden, insofern diese Art Schein das Leben erhalten hat—nur insofern giebt es etwas wie “Erkenntniß”: d. h. ein Messen der früheren und der jüngeren Irrthümer an einander.

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Die Sonne: ihre Bewegungen sind Resultanten 1) vom Triebe, auf die Planeten los zu stürzen 2) dies bringt eine Annäherung an Alle hervor 3) sich wehrend gegen eine stärkere Sonne

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Ich glaube an den absoluten Raum, als Substrat der Kraft: diese begrenzt und gestaltet. Die Zeit ewig. Aber an sich giebt es nicht Raum, noch Zeit: “Veränderungen” sind nur Erscheinungen (oder Sinnes-Vorgänge für uns); wenn wir zwischen diesen noch so regelmäßige Wiederkehr ansetzen, so ist damit nichts begründet als eben diese Thatsache, daß es immer so geschehen ist. Das Gefühl, daß das post hoc ein propter hoc ist, ist leicht als Mißverständniß abzuleiten; es ist begreiflich. Aber Erscheinungen können nicht “Ursachen” sein!

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“Subjekt” “Objekt” “Prädikat”—diese Trennungen sind gemacht und werden jetzt wie Schemata übergestülpt über alle anscheinenden Thatsachen. Die falsche Grundbeobachtung ist, daß ich glaube, ich bin’s, der etwas thut, der etwas leidet, der etwas “hat,” der eine Eigenschaft “hat.” Dies “thun” “leiden” “haben”

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Die Philosophie, so wie ich sie allein noch gelten lasse, als die allgemeinste Form der Historie, als Versuch das Heraklitische Werden irgendwie zu beschreiben und in Zeichen abzukürzen (in eine Art von scheinbarem Sein gleichsam zu übersetzen und zu mumisiren)

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Daß “Vererbung,” als etwas ganz Unerklärtes, nicht zur Erklärung benutzt werden kann, sondern nur zur Bezeichnung, Fixirung eines Problems. Eben das gilt vom “Anpassungs-Vermögen.” Thatsächlich ist durch die morphologische Darstellung, gesetzt sie wäre vollendet, nichts erklärt, aber ein ungeheurer Thatbestand beschrieben. Wie ein Organ benutzt werden kann zu irgend einem Zwecke, das ist nicht erklärt. Es wäre mit der Annahme von causae finales, so wenig wie mit causae efficientes in diesen Dingen erklärt. Der Begriff “causa” ist nur ein Ausdrucksmittel, nicht mehr, ein Mittel zur Bezeichnung.

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Es giebt Analogien, z. B. zu unserem Gedächtniß ein anderes Gedächtniß, welches sich in Vererbung und Entwicklung in Formen bemerkbar macht. Zu unserem Erfinden und Experimentiren ein Erfinden in der Verwendung von Werkzeugen zu neuen Zwecken usw. Das, was wir unser Bewußtsein nennen, ist an allen wesentlichen Vorgängen unserer Erhaltung und unseres Wachsthums unschuldig; und kein Kopf wäre so fein, daß er mehr construiren könnte als eine Maschine,—worüber jeder organische Prozeß weit hinaus ist.

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Man ist unbillig gegen Descartes, wenn man seine Berufung auf Gottes Glaubwürdigkeit leichtfertig nennt. In der That, nur bei der Annahme eines moralisch uns gleichartigen Gottes ist von vornherein die “Wahrheit” und das Suchen der Wahrheit etwas, was Erfolg verspricht und Sinn hat. Diesen Gott bei Seite gelassen, ist die Frage erlaubt, ob betrogen zu werden nicht zu den Bedingungen des Lebens gehört.

36 [31]

Der siegreiche Begriff “Kraft,” mit dem unsere Physiker Gott aus der Welt geschafft haben, bedarf noch einer Ergänzung: es muß ihm eine innere Welt zugesprochen werden, welche ich bezeichne als “Willen zur Macht,” d. h. als unersättliches Verlangen nach Bezeigung der Macht; oder Verwendung, Ausübung der Macht, als schöpferischen Trieb usw. Die Physiker werden die “Wirkung in die Ferne” aus ihren Principien nicht los: ebensowenig eine abstoßende Kraft (oder anziehende) Es hilft nichts: man muß alle Bewegungen, alle “Erscheinungen,” alle “Gesetze” nur als Symptome eines innerlichen Geschehens fassen und sich der Analogie des Menschen zu Ende bedienen. Am Thier ist es möglich, aus dem Willen zur Macht alle seine Triebe abzuleiten: ebenso alle Funktionen des organischen Lebens aus dieser Einen Quelle.

36 [32]

Leibnitz ist gefährlich, als ein rechter Deutscher, der Vordergründe und Vordergrunds-Philosophien nöthig hat, verwegen und geheimnißvoll in sich bis zum Äußersten, aber ohne Vornehmheit

Spinoza ist tiefer umfänglicher höhlenverborgener als Cartesius: Pascal wiederum tiefer als Spinoza. Gegen solche Einsiedler des Geistes und Gewissens gerechnet sind Hume und Locke Menschen der Oberfläche;

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Zur Kritik der deutschen Seele.

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Von den Welt-Ausdeutungen, welche bisher versucht worden sind, scheint heutzutage die mechanistische siegreich im Vordergrund zu stehen: ersichtlich hat sie das gute Gewissen auf ihrer Seite; und keine Wissenschaft glaubt bei sich selber an einen Fortschritt und Erfolg, es sei denn, wenn er mit Hülfe mechanistischer Prozeduren errungen ist. Jedermann kennt diese Prozeduren: man läßt die “Vernunft” und die “Zwecke,” so gut es gehen will, aus dem Spiele, man zeigt, daß, bei gehöriger Zeitdauer, Alles aus Allem werden kann, man verbirgt ein schadenfrohes Schmunzeln nicht, wenn wieder einmal die “anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale” einer Pflanze oder eines Eidotters auf Druck und Stoß zurückgeführt ist: kurz, man huldigt von ganzem Herzen, wenn in einer so ernsten Angelegenheit ein scherzhafter Ausdruck erlaubt ist, dem Principe der größtmöglichen Dummheit. Inzwischen giebt sich gerade bei den ausgesuchten Geistern, welche in dieser Bewegung stehen, ein Vorgefühl, eine Beängstigung zu erkennen, wie als ob die Theorie ein Loch habe, welches über kurz oder lang zu ihrem letzten Loche werden könne: ich meine zu jenem, aus dem man pfeift, wenn man in höchsten Nöthen ist. Man kann Druck und Stoß selber nicht “erklären,” man wird die actio in distans nicht los:—man hat den Glauben an das Erklären-können selber verloren und giebt mit sauertöpfischer Miene zu, daß Beschreiben und nicht Erklären, daß die dynamische Welt-Auslegung, mit ihrer Leugnung des “leeren Raumes,” der Klümpchen-Atome, in Kurzem über die Physiker Gewalt haben wird: wobei man freilich zur Dynamis noch eine innere Qualität

36 [35]

Am Leitfaden des Leibes.—

Gesetzt, daß “die Seele” ein anziehender und geheimnißvoller Gedanke war, von dem sich die Philosophen mit Recht nur widerstrebend getrennt haben—vielleicht ist das, was sie nunmehr dagegen einzutauschen lernen, noch anziehender, noch geheimnißvoller. Der menschliche Leib, an dem die ganze fernste und nächste Vergangenheit alles organischen Werdens wieder lebendig und leibhaft wird, durch den hindurch, über den hinweg und hinaus ein ungeheurer unhörbarer Strom zu fließen scheint: der Leib ist ein erstaunlicherer Gedanke als die alte “Seele.”

36 [36]

Es ist zu allen Zeiten besser an den Leib als an unser gewissestes Sein, kurz als ego geglaubt worden als an den Geist (oder die “Seele” oder “das Subjekt,” wie die Schulsprache jetzt statt Seele sagt). Niemand kam je auf den Einfall, seinen Magen als einen fremden etwa einen göttlichen Magen zu verstehen: aber seine Gedanken als “eingegeben,” seine Werthschätzungen als “von einem Gott eingeblasen,” seine Instinkte als Thätigkeit von Dämonen zu fassen: für diesen Hang und Geschmack des Menschen giebt es aus allen Altern der Menschheit Zeugnisse. Noch jetzt ist, namentlich unter Künstlern, eine Art Verwunderung und ehrerbietiges Aushängen der Entscheidung reichlich vorzufinden, wenn sich ihnen die Frage vorlegt, wodurch ihnen der beste Wurf gelungen und aus welcher Welt ihnen der schöpferische Gedanke gekommen ist: sie haben, wenn sie dergestalt fragen, etwas wie Unschuld und kindliche Scham dabei, sie wagen es kaum zu sagen “das kam von mir, das war meine Hand, die die Würfel warf.”— Umgekehrt haben selbst jene Philosophen und Religiösen, welche den zwingendsten Grund in ihrer Logik und Frömmigkeit hatten, ihr Leibliches als Täuschung, und zwar als überwundene und abgethane Täuschung zu nehmen, nicht umhin gekonnt, die dumme Thatsächichkeit anzuerkennen, daß der Leib nicht davon gegangen ist: worüber das seltsamste Zeugniß theils bei Paulus, theils in der Vedanta-Philosophie zu finden sind.

Aber was bedeutet zuletzt Stärke des Glaubens! Deshalb könnte es immer noch ein sehr dummer Glaube sein!— Hier ist nachzudenken: —

Und zuletzt, wenn der Glaube an den Leib nur die Folge eines Schlusses ist: gesetzt, es wäre ein falscher Schluß, wie die Idealisten behaupten: ist es nicht ein Fragezeichen an der Glaubwürdigkeit des Geistes selber, daß er dergestalt die Ursache falscher Schlüsse ist? Gesetzt, die Vielheit, und Raum und Zeit und Bewegung (und was alles die Voraussetzungen eines Glaubens an Leiblichkeit sein mögen) wären Irrthümer, welches Mißtrauen wird gegen den Geist das erregen, was uns zu solchen Voraussetzungen veranlaßt hat! Genug, der Glaube an den Leib ist einstweilen immer noch ein stärkerer Glaube als der Glaube an den Geist; und wer ihn untergraben will, untergräbt eben damit am gründlichsten auch den Glauben an die Autorität des Geistes!

36 [37]

Menschliches Allzumenschliches: mit diesem Titel ist der Wille zu einer großen Loslösung angedeutet, der Versuch eines Einzelnen, sich von jeglichem Vorurtheilen welches zu Gunsten des Menschen redet loszumachen und alle Wege zu gehn, welche hoch genug führen, um, für einen Augenblick, wenigstens, auf den Menschen hinab zu sehen. Nicht das Verächtliche am Menschen zu verachten, sondern bis in die letzten Gründe hinein zu fragen, ob nicht selbst noch im Höchsten und Besten und an Allem, worauf der bisherige Mensch stolz war, ob nicht dieser Stolze selber und der harmlose oberflächliche Zuversichtlichkeit seiner Werthschätzungen etwas zu verachten bleibt: diese nicht unbedenkliche Aufgabe war Ein Mittel unter allen den Mitteln, zu denen eine größere, eine umfängliche Aufgabe mich gezwungen hat. Will Jemand mit mir diese Wege gehn? Ich rathe Niemandem dazu.— Aber ihr wollt es? So gehn wir denn.

36 [38]

Goethe ist eine Ausnahme: er lebte unter Deutschen auf feine Weise verschanzt und verkleidet; Schiller gehört zu jenen Deutschen, welche die großen glänzenden Worte und Prunk-Gebärden der Tugend liebten (—selbst sein Geschmack an der Kantischen Moral und ihrem unbedingten Commando-Tone gehört hierhin—) Es thut den Deutschen wehe, sich einzugestehen, wie sehr sie die Deutschen Kotzebues gewesen sind (und zu einem guten Theile noch nicht—); und jener lebensgefährliche Schwärmer Sand nahm vielleicht seine Rache nur an der falschen Stelle, wie es so oft geschieht.

Jansen.

36 [39]

Wenn irgend etwas den jetzigen Deutschen zur Ehren gereicht, so ist es dies, daß sie die großen glänzenden glitzernden Schillerschen Worte nicht mehr aushalten, welche ihre Großväter

36 [40]

Die deutschen Kleinstädter, wie sie Kotzebue gemalt hat—und das Gemälde war gut—sind nach dem Bilde der Weimaraner gemacht, zur Zeit Schillers und Goethes.

36 [41]

Die Kleinheit und Erbärmlichkeit der deutschen Seele, ihr theils genüßliches, theils neidisches Im-Winkel-sitzen, ihre eingefleischte “Kleinstädterei,” um an Kotzebue zu erinnern, ihre “Froschperspektive” für alle hohen Dinge, um mit den Malern zu reden,—wie schmerzlich

36 [42]

Die preußischen Juden würden, wenn allein Geist, Fleiß und Anstelligkeit in Betracht kämen, bereits im Besitz der hohen Staats-Beamtungen, besonders im Verwaltungs-fache sein: kurz, sie würden die “Macht” auch in den Händen haben (wie sie dieselbe schon—nach vielfachen Zeugnissen zu schließen—“in der Tasche” haben). Das was sie davon ausschließt, ist ihre Unfähigkeit, die Macht zu repräsentiren: Die Juden sind selbst in ihrem Vaterlande keine herrschende Kaste gewesen: ihr Auge überzeugt nicht, ihre Zunge läuft leicht zu geschwinde und überschlägt sich dabei, ihr Zorn versteht sich nicht auf das tiefe ehrliche Löwen-Gebrüll, ihr Magen hält großen Gelagen, ihr Verstand starken Weinen nicht Stand—, ihre Arme und Beine erlauben ihnen keine stolzen Affekte (in ihren Händen zuckt oft, ich weiß nicht welche—Erinnerung—); und selbst die Art wie ein Jude aufs Pferd kommt (oder ein jüdischer Musiker auf sein Thema kommt—“der jüdische Ansprung”—) ist nicht unbedenklich und giebt zu verstehen, daß die Juden niemals eine ritterliche Rasse gewesen sind. Wenn die Juden vielfach als untauglich zur Richter-Würde empfunden werden, so ist damit nicht ihre Moralität, sondern nur ihre Unfähigkeit, diese Moralität zu repräsentiren, verurtheilt. Nun ergiebt sich hieraus sofort, daß der Jude Preußens eine herabgebrachte und verkümmerte Art von Jude sein muß; denn an sich versteht der Orientale das Repräsentiren unvergleichlich viel besser als etwa ein Norddeutscher:—Delacroix. Diese Entartung des Juden hängt mit einem falschen Clima und der Nachbarschaft unter unschönen und gedrückten Slaven Ungarn und Deutschen zusammen: unter Portugiesen und Mauren bewahrt sich die höhere Rasse des Juden ja im Ganzen ist vielleicht die Feierlichkeit des Tons und eine Art von Heiligung der Leidenschaft auf Erden bisher noch nicht schöner dargestellt worden als von gewissen Juden des alten Testaments: bei denen hätten auch die Griechen in die Schule gehen können!

36 [43]

Die Gefahren der jüdischen Seele sind: 1) sie sucht sich gern irgendwo schmarotzerisch einzunisten 2) sie weiß sich “anzupassen,” wie die Naturforscher sagen, sie sind dadurch “geborene Schauspieler geworden, gleich dem Polypen,” der wie Theognis singt, dem Felsen die Farbe abborgt, an dem er klebt. Ihr Talent und mehr noch der Hang und Fall zu beidem hin scheint ungeheur zu sein; die Gewöhnung, um ganz kleine Gewinnste viel Geist und Beharrlichkeit dranzugeben, hat eine verhängnißvolle Furche in ihrem Charakter hinterlassen: so daß auch die achtbarsten Großhändler des jüdischen Geldmarktes es nicht über sich gewinnen, wenn die Umstände es mit sich bringen, die Finger kaltblütig nach kleinen mesquinen Übervortheilungen auszustrecken, dergleichen einen preußischen Finanzmenschen schamroth machen würde.

36 [44]

Die Zukunft der deutschen Cultur ruht auf den Söhnen der preußischen Offiziere

36 [45]

A.Die Juden die älteste und reinste Rasse. Schönheit der Frauen.
B.Die Juden die Schauspieler: in einem demokratischen Zeitalter. Reduktion des Litteraten auf den Schauspieler
C.Problem einer Verschmelzung der europäischen Aristokratie oder vielmehr des preußischen Junkers mit Jüdinnen.

36 [46]

der deutsche Atheismus.
die Schulmeister-Cultur.
der deutsche Pessimismus.

36 [47]

Die Gefahren der jüdischen Seele: Schmarotzerthum und Schauspielerei
Der Jude “repräsentirt” nicht
Die Schulmeister-Cultur.
Der deutsche Pessimismus.
Die Einsiedler:
Die Deutschthümelei.
Die deutsche Musik.
Die Litteraten. Die Frauen.
Mißtrauen gegen die modernen Ideen.
Der deutsche Anarchismus.

36 [48]

Feindschaft gegen alles Litteratenhafte und Volks-Aufklärerische, insonderheit gegen alles Weibs-Verderberische, Weibs-Verbildnerische—denn die geistige Aufklärung ist ein unfehlbares Mittel, um die Menschen unsicher, willensschwächer, anschluß- und stütze-bedürftiger zu Machen, kurz das Heerdenthier im Menschen zu entwickeln: weshalb bisher alle großen Regierungs-Künstler (Confucius in China, das imperium romanum, Napoleon, das Papstthum, zur Zeit, wo es die Macht und nicht nur den Willen zur Macht hatte wo der herrschende Instinkt bisher kulminirte, auch sich der geistigen Aufklärung bedienten; mindestens sie walten ließen (wie die Päpste der Renaissance) Die Selbst-Täuschung der Menge über diesen Punkt z. B. in aller Demokratien, ist äußerst werthvoll: die Verkleinerung und Regierbarkeit des Menschen wird als “Fortschritt” erstrebt!

36 [49]

Über den deutschen Pessimismus.—

Die Verdüsterung, die pessimistische Färbung, kommt nothwendig im Gefolge der Aufklärung. Gegen 1770 bemerkte man bereits die Abnahme der Heiterkeit; Frauen dachten, mit jenem weiblichen Instinkt, der immer zu Gunsten der Tugend Partei nimmt, daß die Immoralität daran Schuld sei. Galiani traf ins Schwarze: er citirt Voltaires Vers.— Wenn ich nun vermeine, jetzt um ein paar Jahrhunderte Voltaire und sogar Galiani—der etwas viel Tieferes war—in der Aufklärung voraus zu sein: wie weit mußte ich also gar in der Verdüsterung gelangt sein! Dies ist auch wahr: und ich nahm zeitig mit einer Art Bedauern Acht vor der deutschen und christlichen Enge und Folge-Unrichtigkeit des Schopenhauerschen oder gar Leopardischen Pessimismus und suchte die principiellsten Formen auf (—Asien—) Unter die Fortdenker des Pessimismus rechne ich nicht E v H, vielmehr unter die “angenehmen Litteraturen” usw. Um aber diesen extremen Pessimismus zu ertragen (wie er hier und da aus meiner “Geburt der Tragödie” heraus klingt) “ohne Gott und Moral” allein zu leben, mußte ich mir ein Gegenstück erfinden. Vielleicht weiß ich am besten, warum der Mensch allein lacht: er allein leidet so tief, daß er das Lachen erfinden mußte. Das unglückliche und melancholische Thier ist, wie billig, das heiterste.

36 [50]

Über die deutschen Lyriker. —

36 [51]

Süden und Morgenland.

36 [52]

Brahms, kein “Ereigniß,” keine Ausnahme, kein Riß der Kette vor Wagner, vielmehr ein Ring mehr, ein Wenn man von dem absieht, was er gleichsam einem gastfreundlichen Genius fremder Arten und Menschen gelegentlich geopfert hat—auch Opfer der Pietät gegen große Lehrer, alte und neue, hinzugerechnet—so ist er der Musiker, welcher bisher allein auf die Bezeichnung “der norddeutsche Musiker” Anspruch hat.

36 [53]

Die Deutschen sind noch nichts, aber sie werden etwas; also haben sie noch keine Kultur,—also können sie noch keine Cultur haben! Dies ist mein Satz: mag sich daran stoßen, wer es muß: nämlich wer Deutschthümelei im Schädel (oder im Schilde) führt!— Sie sind noch nichts: das heißt: sie sind allerlei. Sie werden etwas: das heißt, sie hören einmal auf, allerlei zu sein. Dies letzte ist im Grunde nur ein Wunsch, kaum noch eine Hoffnung; glücklicher Weise ein Wunsch, auf den hin man leben kann, eine Sache des Willens, der Arbeit, der Zucht, der Züchtung so gut als eine Sache des Unwillens, des Verlangens, der Entbehrung, des Unbehagens, ja der Erbitterung: kurz, wir Deutschen wollen Etwas von uns, was man vor uns noch nicht wollte—wir wollen Etwas “mehr”!

Daß diesem “Deutschen was wird und noch nicht ist”—etwas Besseres zukommt als die heutige deutsche “Bildung,” daß alle “Werdenden” ergrimmt sein müssen, wo sie eine Zufriedenheit auf diesem Bereiche, ein dreistes “Sich-zur-Ruhesetzen” oder “Sich-selbst-Anräuchern” wahrnehmen: das ist mein zweiter Satz, über den ich auch noch nicht umgelernt habe.

36 [54]

Wie ein Theologe heute ein gutes Gewissen bei seiner Christlichkeit haben kann, ist mir unverständlich und unzugänglich; aber es giebt genugsam gutes Gewissen bei ihm—es scheint mit dem “guten Gewissen” nicht viel auf sich zu haben!

36 [55]

Deutsch.”
Fragen und Gedankenstriche.

Gedanken über Zucht und Züchtung.

36 [56]

Der beleidigte Stolz, der Verdruß darüber, dort geliebt zu haben, wo man hätte verachten können, eine hinzukommende Schwermuth über die entstandene Leere und Lücke, endlich der Biß der intellektuellen Eitelkeit, welche sagte “du hast dich betrügen lassen”—: dies war das nächste Erlebniß. Aber ein philosophischer Mensch treibt alles Erlebte ins Allgemeine, alles Einzelne wächst zu Ketten

36 [57]

Die asiatischen M sind hundert Male großartiger als die europäischen

36 [58]

Die Urwald-Vegetation “Mensch” erscheint immer, wo der Kampf um die Macht am längsten geführt worden ist. Die großen Menschen.

36 [59]

Selbst die Entwicklung der “höchsten” Intelligenzen ist unter der Unfreiheit und dem Gegendrucke gezüchtet worden. Dem “liberalen Geiste” wird nichts bisher verdankt. Man unterschätzt, welche Verfeinerung die Gewissensqual einer zugleich christlichen und wissenschaftlich-logischen Weltauslegung für den Geist mit sich gebracht hat.

36 [60]

Zur Kritik der modernen Seele.”

11, 36[1-60] Juni-Juli 1885

36 [1]

Gai saber.
Prelude to a Philosophy of the Future.
By
Friedrich Nietzsche.

Appendix

The Modern Soul.

Attempt at an Enlightenment on Today and Tomorrow.

36 [2]

Never have living creatures been asked to do more than during the emergence of the mainland: they, accustomed and adapted to life in the sea, had to turn and invert their bodies and their ways and do something entirely different in everything than they had practiced until then—there has never been a more remarkable change on Earth.— Just as back then, through collapses, through a slow crumbling of the earth, the sea sank into the fractures, caverns, and pits and gained depth: so what is now happening among humans, speaking in parable, might perhaps be the exact opposite: namely, a becoming whole and complete of humans, a disappearance of the fractures, caverns, and pits and consequently also—a disappearance of the mainland.For a person whom my way of thinking has made whole and complete, “everything is in the sea,” the sea is everywhere: but the sea itself has lost its depth.—Yet I was on the way to a completely different metaphor and have only lost my way! I wanted to say: I was born like everyone else as a land animal—and now I must still be a sea creature!

36 [3]

Germany, which is rich in skilled and well-educated scholars, has lacked great souls and powerful spirits to such an extent for a long time that it seems to have forgotten what a great soul, what a powerful spirit is: and nowadays, almost with a clear conscience, and devoid of all embarrassment, mediocre and moreover ill-fated people present themselves at the market and praise themselves as great men, reformers; as for example

Eugen Dühring is a skilled and well-informed scholar, but he betrays with almost every word that he harbors a petty soul and is crushed by narrow, envious feelings; also that it is not a powerful, overflowing, beneficently extravagant spirit that drives him—but ambition! In this age, however, to hoard honors is even more unworthy of a philosopher than in any earlier age: now when the rabble rules, when the rabble bestows the honors!

36 [4]

When the philosopher joins the homines bonae voluntatis, the good-natured, compassionate, gentle, everyday people, it is as if he has entered a damp air and under a cloudy sky: for a short time it does him good, he feels somehow relieved; but if he pays close attention, he notices how he himself becomes comfortable and negligent in this false environment; also vain—above all, however, melancholic. To quickly learn how weak and insignificant this good-natured stuff of people is, with all their pleasant appearance, he may provoke and wound their vanity, he may bring them to the point where they curse: then the "shallowness" of these waters will be revealed most quickly, and also what lies hidden beneath all this courteous, light, blue surface—sand and filth or presumption.

36 [5]

The women in Europe, quite apart from their actual business (“to bear children”), are useful for many good things. It is pleasant to dance with Viennese women. With a Frenchwoman one can causer, with an Italian poser, with a German—oser. Among Jewish women there are the most charming chatterboxes: the model of this, wrapped entirely in Goethean lace and self-satisfactions, was Rahel. A Russian woman has usually experienced something, sometimes thought Something. Englishwomen know how to blush in the most feminine and heavenly way, almost without reason, like angels: in short, one never comes to an end if one wants to stiffly and steadfastly prove the usefulness of woman—something in which the whole world believes—according to the V of e U.

36 [6]

Gai saber.
Prelude to a Philosophy of the Future.

To the Mistral. A Dance Song.

IPart. 1. “Without a passionate pleasure
   Conclusion. “And do you know what ‘the world’ is to me? —
IIPart.  
   Conclusion. “When I was very young, Dionysus.
IIIPart. On the Future of the Arts.
IVPart. The Mirror.
VPart. Among Free Spirits.

36 [7]

Mypity.”— This is a feeling for which no name suffices: I feel it when I see a waste of precious abilities, for example at the sight of Luther: what strength and what absurd backwoods problems (at a time when in France the brave and cheerful skepticism of a Montaigne was already possible!) Or when I see someone, through the influence of some foolish accident, fall short of what they could have become. Or even at the thought of the fate of humanity, as when I watch, with fear and contempt, the European politics of today, which, under all circumstances, also works on the fabric of all human futures. Yes, what could become of “man” if— —! This is a kind of “pity”; even though there is no sufferer with whom I suffer here.

36 [8]

Moralia

As from time immemorial man lives in deep unfamiliarity with his body and is content with a few formulas to communicate his condition, so it is with judgments about the value of people and actions: one clings to a few external and incidental signs in oneself and has no sense of how deeply unknown and alien we are to ourselves. And as for judging others: how quickly and “certainly” even the most cautious and fair-minded still judge!

36 [9]

Moralia.

It requires a frugal reflection to realize that there is nothing "good in itself"—that something good must only be thought of as "good for what," and that what is good in one intention will necessarily be "evil and harmful" in many other intentions at the same time: in short, that every thing to which we attribute the predicate "good" is thereby also designated as "evil."

36 [10]

How long has it been now since I have been striving within myself to prove the perfect innocence of becoming! And what strange paths I have already taken in doing so! At one time, the correct solution seemed to me to be that I decreed: “existence is, as something of the nature of a work of art, not at all under the jurisdiction of morality; rather, morality itself belongs to the realm of appearance.” At another time, I said: all concepts of guilt are objectively completely worthless, but subjectively, all life is necessarily unjust and illogical.A third time I won for myself the denial of all purposes and felt the unknowability of causal connections. And what was all this for? Was it not to create for myself the feeling of complete irresponsibility—to place myself outside all praise and blame, independent of all that was before and now, in order to pursue my goal in my own way? —

36 [11]

In essence, morality is hostile to science: Socrates already knew this—and for the reason that science takes things seriously which have nothing to do with “good” and “evil,” thus detracting from the sense of “good” and “evil.” For morality demands that the whole man and all his strength be at its service: it considers it a waste of one who is not rich enough to waste, when man concerns himself seriously with plants and stars. That is why, in Greece, when Socrates had introduced the sickness of moralizing into science, scientific rigor swiftly declined; a height such as that in the mindset of a Democritus, Hippocrates, and Thucydides has never been reached again.

36 [12]

Man in Traffic

It is a sign of a lack of noble sentiment when someone on the street returns a greeting before recognizing the person who greeted them:—greetings and the manner of greeting should be distinctions—except in the sole case where a prince (or one who ranks among sovereigns) is passing by and is greeted. It is his prerogative to need to know no one, but to be known by all. An analogy.

36 [13]

The M to himself alone:

How differently one feels about the business and work of one's life when one is the first in the family to do it, or when father and grandfather have already been active in the same way! In the former case, when one is the first, there is much more inner distress involved, as well as a much more sudden pride; the good conscience is not yet allied with such activity, and something about it is easily felt as arbitrary, as accidental.

36 [14]

What value Wagner may have for the non-musician, and may continue to have, the question shall remain spared for us for now. Richard Wagner has without any doubt given the Germans of this age the most comprehensive notion of what an artist could be:—the reverence for the “artist” has suddenly grown greatly: everywhere he has awakened new valuations, new desires, new hopes; and perhaps not least precisely through the merely announcing, incomplete, imperfect nature of his artistic creations. Who has not learned from him! And if not so directly as the performing artists and the attitude-people of every kind, then at least indirectly, “on the occasion of Richard Wagner,” as one might say.

Even philosophical knowledge has received no small impetus from his appearance, there is no doubt about that. There are today a multitude of aesthetic problems, of which, before Richard Wagner, even the most refined had not yet caught a whiff,—above all the problem of the actor and his relation to the various arts, not to mention psychological problems, such as those presented in abundance by Wagner’s character and the W art. Admittedly: as far as he ventured into the realm of knowledge himself, he deserves no praise, but rather an unconditional rejection; in the gardens of science, he always appeared as the most presumptuous and clumsiest intruder.Wagner’s “philosophizing” belongs to the most impermissible kinds of dilettantism; that one has not even understood how to laugh about it is German and belongs to the old German “cult of obscurity.” But if one absolutely insists on honoring him and erecting statues to him as a “thinker”—the goodwill and subservience of his followers will not be able to avoid this—very well! then I recommend portraying him as the Genius of German Obscurity himself, with a smoking torch in hand, inspired and just stumbling over a stone. When Wagner “thinks,” he stumbles.—But Mr. W will concern us.

36 [15]

If the world had a goal, it would have to be achieved. If there were an unintended final state for it, it would also have to be achieved. If it were capable of persevering and becoming rigid, of “being,” if it had only one moment in all its becoming this capacity of “being,” then all becoming would long since have come to an end, and thus also all thinking, all “spirit.” The fact of “spirit” as a becoming proves that the world has no goal, no final state, and is incapable of being.— The old habit, however, of thinking of goals in all events and of a guiding, creative God in the world is so powerful that the thinker struggles not to conceive the aimlessness of the world as intentional once again.

Those who wish to decree upon the world the capacity for eternal novelty—that is, a finite, definite, unchangingly equal force, as "the world" is—must fall prey to this notion: that the world intentionally evades a goal and even knows how to artificially prevent falling into a cycle. This means the miraculous ability for infinite reconfiguration of its forms and positions.The world, even if no god exists, should still be capable of divine creative power, of infinite transformative power; it should be able to arbitrarily deny itself the return to any of its old forms, it should not only have the intention but also the means to preserve itself from any repetition, it should thus in every moment direct all its movements toward the avoidance of goals, final states, repetitions—control them—and what all the consequences of such an unforgivably mad way of thinking and wishing might be.This is still the old religious way of thinking and wishing, a kind of longing to believe that somehow the world is still like the old beloved, infinite, boundlessly creative God—that “the old God still lives” somewhere—Spinoza’s longing, which is expressed in the phrase “deus sive natura” (he even felt “natura sive deus”—).Which, then, is the proposition and belief with which the decisive turning point, the now achieved preponderance of the scientific spirit over the religious, god-inventing spirit, is most definitively formulated? Does it not say: the world, as force, must not be thought of as unlimited, for it cannot be thought of thus—we forbid ourselves the concept of an infinite force as incompatible with the conceptforce”. Therefore—the world also lacks the capacity for eternal novelty.

36 [16]

If it were up to my will: then it is time to declare war on European morality, and equally on everything that has grown from it. One must shatter this temporary order of peoples and states that is Europe. The Christian-democratic way of thinking favors the herd animal, the diminishment of man, it weakens the great driving forces (the evil—), it hates compulsion, harsh discipline, great responsibilities, great risks. The most mediocre carry off the prize and impose their standards of value.

36 [17]

But to whom do I say this? Where are these "free spirits"? Is there such a thing "among us"? —

I look around me: who thinks, who feels in it, as I do? Who wants what my most hidden will wants? But I have found no one so far. Maybe I just searched poorly? Maybe those who suffer from my kind of new distress and new happiness must hide themselves just as I do? And put on masks, as I did?— And consequently be poor at seeking their own kind?

We new philosophers, we experimenters, think differently—and we do not want to stop at thinking. We think more freely—perhaps the day will come when one sees with one's own eyes that we also act more freely. For now, we are hard to recognize; one must confuse us. Are we "freethinkers"?

In all countries of Europe and likewise in North America there are now “freethinkers”: do they belong to us? No, gentlemen, you want roughly the opposite of what lies in the intentions of those philosophers whom I call tempters; they feel little temptation to exchange lying courtesies with you. Yes, if you “freethinkers” only had a whiff of what one can free oneself from and where one is then driven! I mean, you would belong to the most furious opponents of what I call my “freedom of spirit” and my “Beyond Good and Evil.”

That I no longer need to believe in “souls,” that I deny the “personality” and its supposed unity and find in every human being the material for very different “personae” (and masks), that the “absolute spirit” and “pure cognition” signify mythical creatures behind which a contradictio in adjecto poorly conceals itself—with this I am perhaps on the same path as many of those “freethinkers,” quite apart from the denial of God, with which even today some honest Englishmen still imagine they are giving an enormous proof of free-thinking.

What separates me from them are the value judgments: for they all belong to the democratic movement and want equal rights for all, they see in the forms of the previous old society the causes of human deficiencies and degenerations, they are enthusiastic about the breaking of these forms: and for the time being, the most human thing they can do seems to them to help all people to their degree of spiritual “freedom”.In short and in bad, they belong to the “levelers,”—to that kind of people who, in every respect, are grossly against my taste and even more against reason: I want, even in matters of the spirit, war and opposites; and more war than ever, more G than ever; I would rather approve the harshest despotism (as a school for the suppleness of the spirit) than the damp, lukewarm air of a “press-free” age, in which all spirit becomes comfortable and stupid and stretches its limbs. I am in this still today what I was—“untimely.”

We new philosophers, however: we do not only begin with the representation of the actual hierarchy and value-difference of men, but we also want precisely the opposite of an assimilation, an equalization: we teach alienation in every sense, we tear open chasms as have never existed before, we want man to become more evil than he has ever been. For the time being, we still live strangers and hidden from one another. For many reasons, it will be necessary for us to be hermits and even to assume masks,—we will consequently be ill-suited to seeking out our kind. We will live alone and probably know the torments of all seven solitudes. But if we should cross paths by chance, it is safe to bet that we will misrecognize each other or mutually deceive.

36 [18]

I refrain from speaking of chemical “laws”: that has a moral aftertaste. It is rather an absolute statement of power relations: the stronger becomes master over the weaker, insofar as the latter cannot assert its degree of independence,—here there is no mercy, no leniency, still less any respect for “laws”!

36 [19]

It is unlikely that our "cognition" should extend further than what is barely sufficient for the preservation of life. Morphology shows us how the senses and nerves, as well as the brain, develop in proportion to the difficulty of obtaining nourishment.

36 [20]

Even in the realm of the inorganic, only the neighborhood of a force atom is relevant: the forces at a distance balance each other out. This is the core of the perspectival, and why a living being is thoroughly "egoistic".

36 [21]

The weaker presses toward the stronger out of nutritional need; it seeks to take shelter, to become one with it if possible. The stronger, conversely, wards off, unwilling to perish in this manner; rather, in growing, it splits into two and more. The greater the drive toward unity, the more one may infer weakness; the greater the drive toward variety, difference, inner decay, the more strength is present.

The drive to approach—and the drive to repel—are the bond in both the inorganic and organic worlds. The entire separation is a prejudice.

The will to power in every combination of forces, defending itself against the stronger, rushing upon the weaker, is more accurate. NB. The processes asessences.”

36 [22]

The connection between the inorganic and the organic must lie in the repulsive force that each force atom exerts. Life would be defined as a lasting form of process of force determinations, where the various combatants grow unequally in turn. To what extent there is also resistance in obeying; the autonomy is by no means abandoned. Similarly, in commanding there is an admission that the absolute power of the opponent is not defeated, not incorporated, dissolved. “Obeying” and “commanding” are forms of the struggle game.

36 [23]

The continual transitions do not allow us to speak of "individual" etc.; the "number" of beings is itself in flux. We would not speak of time and know nothing of motion if we did not, in a crude way, believe we saw "resting" alongside "moving." Likewise, we would not speak of cause and effect, and without the erroneous conception of "empty space," we would not have arrived at the conception of space at all. The principle of identity has as its background the "appearance" that there are identical things.

A world in the making could not, in the strictest sense, be "comprehended," not "known": only insofar as the "comprehending" and "knowing" intellect finds an already created crude world, constructed from mere appearances, but solidified, insofar as this kind of appearance has preserved life—only insofar is there something like "knowledge": i.e., a measuring of earlier and later errors against one another.

36 [24]

The sun: its movements are resultants 1) of the drive to rush towards the planets 2) this causes an approach to all 3) defending itself against a stronger sun

36 [25]

I believe in absolute space, as the substrate of force: it limits and shapes. Time is eternal. But in itself there is no space, nor time: “changes” are only appearances (or sensory processes for us); if we assume even the most regular recurrence among them, nothing is founded thereby except the fact that it has always happened this way. The feeling that post hoc is a propter hoc is easily derived as a misunderstanding; it is comprehensible. But appearances cannot be “causes”!

36 [26]

“Subject” “Object” “Predicate”—these separations are made and are now superimposed like schemas over all apparent facts. The false basic observation is that I believe I am the one who does something, who suffers something, who “has” something, who “has” a property. This “doing” “suffering” “having”

36 [27]

Philosophy, as I alone still allow it to be valid, as the most general form of history, as an attempt to somehow describe the Heraclitean becoming and to abbreviate it in signs (to translate it, as it were, into a kind of apparent being and to mummify it)

36 [28]

That “inheritance,” as something completely unexplained, cannot be used for explanation, but only for designation, fixing of a problem. The same applies to “adaptive capacity.” In fact, nothing is explained by the morphological representation, even if it were complete, but an enormous fact is described. How an organ can be used for any purpose, that is not explained. It would be explained no more by the assumption of final causes than by efficient causes in these matters. The concept of “cause” is only a means of expression, nothing more, a means of designation.

36 [29]

There are analogies, e.g., to our memory another memory, which makes itself noticeable in heredity and development in forms. To our inventing and experimenting an inventing in the use of tools for new purposes etc. That, which we call our consciousness, is innocent of all essential processes of our preservation and our growth; and no head would be so fine that it could construct more than a machine,—over which every organic process is far beyond.

36 [30]

One is unfair to Descartes when one calls his appeal to God's credibility frivolous. In fact, only with the assumption of a morally similar God is "truth" and the search for truth something that promises success and makes sense from the outset. Setting this God aside, the question is permitted whether being deceived is not one of the conditions of life.

36 [31]

The victorious concept of “force,” with which our physicists have banished God from the world, still requires a supplement: an inner world must be ascribed to it, which I designate as the “will to power,” i.e., as an insatiable desire to manifest power; or the use, exercise of power, as a creative drive, etc. Physicists cannot rid their principles of “action at a distance”: nor can they dispense with a repulsive force (or attractive one). There is no alternative: all movements, all “phenomena,” all “laws” must be grasped merely as symptoms of an inner process, and one must make full use of the analogy with man. In the animal, it is possible to derive all its drives from the will to power; likewise, all functions of organic life from this single source.

36 [32]

Leibniz is dangerous, as a true German, who needs foregrounds and foreground philosophies, daring and mysterious within himself to the extreme, but without nobility

Spinoza is deeper, more comprehensive, more cave-hidden than Descartes: Pascal again deeper than Spinoza. Compared to such hermits of the spirit and conscience, Hume and Locke are men of the surface;

36 [33]

On the Critique of the German Soul.

36 [34]

Of the world interpretations that have been attempted so far, the mechanistic one seems to be triumphantly in the foreground today: evidently, it has good conscience on its side; and no science believes in progress and success for itself unless it is achieved with the help of mechanistic procedures. Everyone knows these procedures: one excludes "reason" and "purposes" from the game as best as possible, one shows that, given sufficient time, everything can become anything, one does not hide a malicious smile when the "apparent intentionality in the fate" of a plant or an egg yolk is again traced back to pressure and impact: in short, one wholeheartedly adheres, if a playful expression is permitted in such a serious matter, to the principle of the greatest possible stupidity.

In the meantime, a premonition, an anxiety, can be discerned precisely among the select spirits who stand in this movement, as if the theory had a hole that could soon become its final hole: I mean that one from which one whistles when in the greatest distress. One cannot "explain" pressure and impact itself, one cannot get rid of action at a distance:—one has lost faith in the ability to explain itself and admits with a sourpuss expression that describing and not explaining, that the dynamic interpretation of the world, with its denial of "empty space," of the lump-atoms, will soon have power over the physicists: whereby, of course, an inner quality is still added to dynamis

36 [35]

Guided by the Body.—

Suppose that “the soul” was an attractive and mysterious thought from which philosophers have rightly parted only reluctantly—perhaps what they now learn to exchange for it is even more attractive, even more mysterious. The human body, in which the entire farthest and nearest past of all organic becoming comes alive and embodied again, through which, over which, and beyond which an immense inaudible stream seems to flow: the body is a more astonishing thought than the old “soul.”

36 [36]

It has always been better believed in the body than in our most certain being, briefly as ego, than in the spirit (or the “soul” or “the subject,” as school language now says instead of soul). No one ever came up with the idea of understanding his stomach as a foreign, perhaps divine stomach: but to grasp his thoughts as “inspired,” his valuations as “blown in by a God,” his instincts as the activity of demons: for this inclination and taste of man there are testimonies from all ages of mankind.

Even now, especially among artists, there is still a kind of wonder and reverent astonishment at the decision, when they are faced with the question of how their best throw succeeded and from which world the creative thought came to them: they have, when they ask in this way, something like innocence and childlike shame about it, they hardly dare to say “this came from me, this was my hand that threw the dice.”— Conversely, even those philosophers and religious thinkers who had the most compelling reason in their logic and piety to take their bodily existence as an illusion, and indeed as an overcome and discarded illusion, could not help but acknowledge the stupid fact that the body has not gone away: the strangest testimony of which can be found partly in Paul, partly in Vedanta philosophy.

But what does strength of faith ultimately mean! So it could still be a very foolish faith!— Here one must reflect: —

And finally, if faith in the body is only the consequence of a conclusion: suppose it were a false conclusion, as the idealists claim: is it not a question mark against the credibility of the spirit itself, that it is thus the cause of false conclusions? Suppose plurality, and space and time and motion (and whatever else may be the prerequisites of a belief in corporeality) were errors, what mistrust will that arouse against the spirit, which has led us to such presuppositions! Enough, faith in the body is for the time being still a stronger faith than faith in the spirit; and whoever seeks to undermine it thereby undermines most thoroughly also the faith in the authority of the spirit!

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Human, All Too Human: with this title the will to a great detachment is indicated, the attempt of an individual to free himself from all prejudices which speak in favor of man and to go all the ways which lead high enough to look down upon man, at least for a moment.

Not to despise the contemptible in man, but to ask down to the last grounds whether even in the highest and best, and in everything of which man has hitherto been proud, whether not this proud one himself and the harmless superficial confidence of his valuations remains something to be despised: this not unproblematic task was one means among all the means to which a greater, a comprehensive task has compelled me. Does anyone want to go these ways with me? I advise no one to do so.— But you want to? Then let us go.

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Goethe is an exception: he lived among Germans in a finely entrenched and disguised manner; Schiller belongs to those Germans who loved the great shining words and pompous gestures of virtue (—even his taste for Kantian morality and its unconditional command tone belongs here—) It pains the Germans to admit to themselves how much they have been the Germans of Kotzebue (and to a good extent still are—); and that life-threatening enthusiast Sand perhaps took his revenge only in the wrong place, as so often happens.

Jansen.

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If there is anything that does the present-day Germans credit, it is that they can no longer endure the great, brilliant, glittering words of Schiller, which their grandfathers

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The German small-town residents, as Kotzebue has painted them—and the painting was good—are made in the image of the Weimaraners, at the time of Schiller and Goethe.

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The smallness and wretchedness of the German soul, its partly self-indulgent, partly envious sitting-in-the-corner, its ingrained “small-town mentality,” to recall Kotzebue, its “frog’s perspective” on all lofty things, to speak with the painters—how painful

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The Prussian Jews would, if only spirit, diligence, and resourcefulness were considered, already be in possession of the high state offices, especially in the administrative field: in short, they would have the “power” also in their hands (as they already have it—according to numerous testimonies—“in their pocket”).What excludes them from this is their inability to represent power: the Jews were never a ruling caste even in their homeland: their eye does not convince, their tongue runs too swiftly and stumbles, their anger does not master the deep, honest roar of the lion, their stomach cannot endure great feasts, their intellect cannot withstand strong wines—, their arms and legs do not permit them proud affects (in their hands often twitches, I know not what—memory—); and even the way a Jew mounts a horse (or a Jewish musician approaches his theme—“the Jewish leap”—) is not without concern and reveals that the Jews were never a knightly race.If the Jews are often perceived as unfit for the dignity of a judge, this does not condemn their morality but only their inability to represent it. It immediately follows from this that the Jew of Prussia must be a degraded and stunted kind of Jew; for the Oriental inherently understands representation incomparably better than, say, a North German:—Delacroix.This degeneration of the Jew is connected with a false climate and the neighborhood of ugly and oppressed Slavs, Hungarians, and Germans: among Portuguese and Moors, the higher race of the Jew preserves itself—on the whole, perhaps the solemnity of tone and a kind of sanctification of passion on earth has never been more beautifully depicted than by certain Jews of the Old Testament: the Greeks could have gone to school with them!

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The dangers of the Jewish soul are: 1) it likes to nest parasitically somewhere 2) it knows how to "adapt," as natural scientists say, they have thereby become "born actors, like the polyp," which, as Theognis sings, borrows the color of the rock to which it clings. Their talent and even more so the inclination and tendency toward both seem enormous; the habit of devoting much spirit and perseverance to very small gains has left a fateful furrow in their character: so that even the most respectable wholesale merchants of the Jewish money market cannot resist, when circumstances permit, cold-bloodedly reaching out for small, petty advantages, the like of which would make a Prussian financial man blush with shame.

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The future of German culture rests on the sons of the Prussian officers

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A.The Jews the oldest and purest race. Beauty of the women.
B.The Jews the actors: in a democratic age. Reduction of the literati to the actor
C.Problem of a fusion of the European aristocracy or rather the Prussian Junkers with Jewish women.

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German atheism.
the schoolmaster culture.
the German pessimism.

36 [47]

The dangers of the Jewish soul: Parasitism and histrionics
The Jew does not "represent"
The schoolmaster culture.
German pessimism.
The hermits:
Germanophilia.
German music.
The literati. The women.
Distrust of modern ideas.
German anarchism.

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Hostility towards everything literary and popular-enlightenment, especially against everything that corrupts and deforms women—for intellectual enlightenment is an infallible means of making people insecure, weaker in will, more in need of connection and support, in short, of developing the herd animal in man: which is why all great government artists (Confucius in China, the imperium romanum, Napoleon, the papacy, at the time when it had power and not just the will to power, where the ruling instinct hitherto culminated, also made use of intellectual enlightenment; at least they allowed it to prevail (like the popes of the Renaissance). The self-deception of the masses on this point, e.g., in all democracies, is extremely valuable: the diminution and governability of man is striven for as “progress”!

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On German Pessimism.—

The darkening, the pessimistic coloring, necessarily comes in the wake of the Enlightenment. Around 1770, one already noticed the decline of cheerfulness; women thought, with that feminine instinct which always takes the side of virtue, that immorality was to blame. Galiani hit the mark: he cites Voltaire's verse.— If I now presume to be a few centuries ahead of Voltaire and even Galiani—who was something much deeper—in the Enlightenment: how far must I then have advanced in the darkening!This is also true: and I early took notice with a kind of regret of the German and Christian narrowness and consequent incorrectness of Schopenhauerian or even Leopardi's pessimism and sought out the most principled forms (—Asia—) Among the continuators of pessimism I do not count E v H, rather among the “pleasant literatures” etc. But to endure this extreme pessimism (as it occasionally sounds out of my “Birth of Tragedy”) “without God and morality” to live alone, I had to invent a counterpart for myself. Perhaps I know best why man alone laughs: he alone suffers so deeply that he had to invent laughter. The unhappy and melancholic animal is, as is fitting, the most cheerful.

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On German Poets. —

36 [51]

South and the Orient.

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Brahms, no “event,” no exception, no break in the chain before Wagner, rather another link more, if one disregards what he occasionally sacrificed, as it were, to a hospitable genius of foreign kinds and people—including sacrifices of piety to great teachers, old and new—he is the musician who alone has so far laid claim to the designation “the North German musician.”

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The Germans are still nothing, but they are becoming something; therefore they do not yet have a culture,—therefore they cannot yet have a culture! This is my statement: let whoever must take offense at it: namely, whoever carries German fanaticism in their head (or on their shield)!— They are still nothing: that means: they are all sorts of things. They are becoming something: that means, they will one day stop being all sorts of things.This last is, in essence, only a wish, scarcely still a hope; fortunately a wish upon which one can live, a matter of will, of work, of discipline, of breeding just as much as a matter of unwillingness, of desire, of deprivation, of discomfort, yes, of embitterment: in short, we Germans want something from ourselves that no one before us has wanted—we want something “more”!

That this “German something that is becoming and is not yet”—something better is in store for it than today’s German “education,” that all “becoming ones” must be enraged where they perceive a satisfaction in this realm, a bold “settling into rest” or “self-incensing”: that is my second proposition, about which I have not yet been re-educated.

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How a theologian today can have a good conscience about his Christianity is incomprehensible and inaccessible to me; but there is plenty of good conscience in him—it seems that there is not much to this "good conscience"!

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German.”
Questions and dashes.

Thoughts on breeding and cultivation.

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The wounded pride, the vexation at having loved where one could have despised, an added melancholy over the resulting emptiness and void, finally the sting of intellectual vanity, which said “you have been deceived”—: this was the immediate experience. But a philosophical person turns everything experienced into the general, every particular grows into chains

36 [57]

The Asian Ms are a hundred times greater than the European ones

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The jungle vegetation "human" always appears where the struggle for power has been fought the longest. The great people.

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Even the development of the “highest” intelligences has been cultivated under unfreedom and counterpressure. Nothing has been owed to the “liberal spirit” so far. One underestimates what refinement the scruples of conscience of a simultaneously Christian and scientific-logical interpretation of the world have brought to the spirit.

36 [60]

Toward a Critique of the Modern Soul.”

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