11, 38[1-22] Juni-Juli 1885
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Der Gedanke ist in der Gestalt, in welcher er kommt, ein vieldeutiges Zeichen, welches der Auslegung, genauer, einer willkürlichen Einengung und Begränzung bedarf, bis er endlich eindeutig wird. Er taucht in mir auf—woher? wodurch? das weiß ich nicht. Er kommt, unabhängig von meinem Willen, gewöhnlich umringt und verdunkelt durch ein Gedräng von Gefühlen, Begehrungen, Abneigungen, auch von andern Gedanken, oft genug von einem “Wollen” oder “Fühlen” kaum zu unterscheiden. Man zieht ihn aus diesem Gedränge, reinigt ihn, stellt ihn auf seine Füße, man sieht, wie er dasteht, wie er geht, Alles in einem erstaunlichen presto und doch ganz ohne das Gefühl der Eile: wer das Alles thut,—ich weiß es nicht und bin sicherlich mehr Zuschauer dabei als Urheber dieses Vorgangs. Man sitzt dann über ihn zu Gericht, man fragt: was bedeutet er? “was darf er bedeuten? hat er Recht oder Unrecht?”—man ruft andere Gedanken zu Hülfe, man vergleicht ihn. Denken erweist sich dergestalt beinahe als eine Art Übung und Akt der Gerechtigkeit, bei dem es einen Richter, eine Gegen-Partei, auch sogar ein Zeugenverhör giebt, dem ich ein wenig zuhören darf—freilich nur ein wenig: das Meiste, so scheint es, entgeht mir.— Daß jeder Gedanke zuerst vieldeutig und schwimmend kommt und an sich nur als Anlaß zum Versuch der Interpretation oder zur willkürlichen Festsetzung, daß bei allem Denken eine Vielheit von Personen betheiligt scheint—: dies ist nicht gar zu leicht zu beobachten, wir sind im Grunde umgekehrt geschult, nämlich beim Denken nicht an’s Denken zu denken. Der Ursprung des Gedankens bleibt verborgen; die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß, daß er nur das Symptom eines viel umfänglicheren Zustandes ist; darin daß gerade er kommt und kein anderer, daß er gerade mit dieser größeren oder minderen Helligkeit kommt, mitunter sicher und befehlerisch, mitunter schwach und einer Stütze bedürftig, im Ganzen immer aufregend, fragend—für das Bewußtsein wirkt nämlich jeder Gedanke wie ein Stimulans—: in dem allen drückt sich irgend etwas von unserem Gesammtzustande in Zeichen aus.— Ebenso steht es mit jedem Gefühle, es bedeutet nicht an sich etwas: es wird, wenn es kommt, von uns erst interpretirt und oft wie seltsam interpretirt! Man denke doch an die uns fast “unbewußte” Noth der Eingeweide, an die Blutdruck-Spannungen im Unterleibe, an die krankhaften Zustände des nervus sympathicus—: und wie Vieles giebt es, wovon wir kaum durch das sensorium commune einen Schimmer von Bewußtsein haben!— Nur der anatomisch Unterrichtete räth bei solchen ungewissen Unlust-Gefühlen auf die rechte Gattung und Gegend der Ursachen; alle Anderen aber, im Ganzen also fast alle Menschen, so lange es Menschen giebt, suchen bei solcher Art von Schmerzen keine physische, sondern eine psychische und moralische Erklärung und schieben den thatsächlichen Verstimmungen des Leibes eine falsche Begründung unter, indem sie im Umkreise ihrer unangenehmen Erfahrungen und Befürchtungen einen Grund herausholen, sich dermaßen schlecht zu befinden. Auf der Folter bekennt sich fast Jedermann schuldig; bei dem Schmerz, dessen physische Ursache man nicht weiß, fragt sich der Gefolterte so lange und so inquisitorisch selbst, bis er sich oder Andere schuldig findet:—wie es zum Beispiel der Puritaner that, welcher den einer unvernünftigen Lebensweise anhaftenden Spleen sich gewohnheitsmäßig moralisch auslegte, nämlich als Biß seines eigenen Gewissens. —
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Das logische Denken, von dem die Logik redet, ein Denken, wo der Gedanke selbst als Ursache von neuen Gedanken gesetzt wird—, ist das Muster einer vollständigen Fiktion: ein Denken der Art kommt in Wirklichkeit niemals vor, es wird aber als Formen-Schema und Filtrir-Apparat angelegt, mit Hülfe dessen wir das thatsächliche, äußerst vielfache Geschehen beim Denken verdünnen und vereinfachen: so daß dergestalt unser Denken in Zeichen faßbar, merkbar, mittheilbar wird. Also: das geistige Geschehen so zu betrachten, wie als ob es jenem regulativem Schema eines fingirten Denkens wirklich entspräche, das ist das Kunststück von Fälschung vermöge deren es etwas wie “Erkenntniß” und “Erfahrung” giebt. Erfahrung ist nur möglich mit Hülfe von Gedächtniß; Gedächtniß ist nur möglich mittelst einer Abkürzung eines geistigen Vorgangs zum Zeichen. “Erkenntniß”: das ist der Ausdruck eines neuen Dings durch die Zeichen von schon “bekannten,” schon erfahrenen Dingen.— Heute freilich faselt man gar von einem empirischen Ursprung der Logik: aber was nicht in der Wirklichkeit vorkommt, wie das logische Denken, kann auch nicht aus der Wirklichkeit genommen sein, ebenso wenig als irgend ein Zahlengesetz, während es noch keinen Fall gegeben hat, in welchem die Wirklichkeit mit einer arithmetischen Formel sich gedeckt hätte. Die arithmetischen Formeln sind ebenfalls nur regulative Fiktionen, mit denen wir uns das wirkliche Geschehen, zum Zweck praktischer Ausnützung, auf unser Maaß—auf unsre Dummheit—vereinfachen und zurechtlege.
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durch das Denken wird das Ich gesetzt; aber bisher glaubte man wie das Volk, im “ich denke” liege irgend etwas von Unmittelbar-Gewissem, und dieses “Ich” sei die gegebene Ursache des Denkens, nach deren Analogie wir alle sonstigen ursächlichen Verhältnisse verstünden. Wie sehr gewohnt und unentbehrlich jetzt jene Fiktion auch sein mag,—Das allein beweist noch nichts gegen ihre Erdichtetheit: es kann ein Glaube Lebensbedingung und trotzdem falsch sein.
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“Wahrheit”: das bezeichnet innerhalb meiner Denkweise nicht nothwendig einen Gegensatz zum Irrthum, sondern in den grundsätzlichsten Fällen nur eine Stellung verschiedener Irrthümer zu einander: etwa daß der eine älter, tiefer als der andere ist, vielleicht sogar unausrottbar, insofern ein organisches Wesen unserer Art nicht ohne ihn leben könnte; während andere Irrthümer uns nicht dergestalt als Lebensbedingungen tyrannisiren, vielmehr, gemessen an solchen “Tyrannen,” beseitigt und “Widerlegt” werden können. Eine Annahme, die unwiderlegbar ist,—warum sollte sie deßhalb schon wahr sein? Dieser Satz empört vielleicht die Logiker, welche ihre Gränzen als Gränzen der Dinge ansetzen: aber diesem Logiker-Optimismus habe ich schon lange den Krieg erklärt.
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Auch jetzt noch ist Frankreich der Sitz der geistigsten und raffinirtesten Cultur Europas, aber man muß dies “Frankreich des Geschmacks” zu finden wissen. Wer zu ihm gehört, hält sich gut verborgen: im Vordergrunde wälzt sich ein verdummtes und vergröbertes Frankreich, das neuerdings, bei dem Leichenbegängnisse V. H’s eine wahre Orgie des Ungeschmacks gefeiert hat—es mag eine kleine Zahl sein, dazu Menschen die nicht auf den kräftigsten Beinen stehen, zum Theil Fatalisten, zum Theil Verzärtelte (solche die Gründe haben sich zu verbergen)—sie insgesammt erkennen als ihre Vorfahren und Meister etwa folgende höhere Geister an. Vorerst Stendhal, das letzte große Ereigniß des französischen Geistes, der mit einem Nap tempo durch sein unentdecktes Europa marschirt ist und zuletzt sich allein fand—schauerlich allein: denn es hat zweier Geschlechter bedurft, um ihm nahe zu kommen. Jetzt wie gesagt commandirt er, ein Befehlshaber für die Ausgewähltesten; und wer mit feinen und verwegenen Sinnen begabt ist, neugierig bis zum Cynismus, Logiker beinahe aus Ekel, Räthselrather und Freund der Sphinx gleich jedem geborenen Europäer, der wird ihm nachgehen müssen. Möge er ihm auch dahin folgen, voller Scham vor den Heimlichkeiten, welche die große Leidenschaft hat, stehen zu bleiben! Diese Noblesse des Schweigen-Könnens, Stehen-bleiben-Könnens hat er zum Beispiel vor Michelet und sonderlich vor den deutschen Gelehrten voraus.— Sein Schüler ist Mérimée, ein vornehmer zurückgezogener Artist und Verächter jener schwammichten Gefühle, welche ein demokratisches Zeitalter als seine “edelsten Gefühle” preist, streng gegen sich und voll der härtesten Ansprüche an seine künstlerische Logik, beständig bereit, kleine Schönheiten und Reize einem starken Willen zur Nothwendigkeit zu opfern:—eine ächte, wenngleich nicht reiche Seele in einer unächten und schmutzigen Umgebung und Pessimist genug, um die Komödie mitspielen zu können, ohne sich zu erbrechen.— Ein anderer Schüler Stendhals ist Taine, jetzt der erste lebende Historiker Europas, ein entschlossener und noch in seiner Verzweiflung tapferer Mensch, welchem der Muth so wenig als die Willenskraft unter dem fatalistischen Druck des Wissens in Stücke gegangen ist, ein Denker, welchen weder Condillac in Hinsicht auf Tiefe noch Hegel in Hinsicht auf Klarheit beeinträchtigt haben, einer vielmehr, der zu lernen verstand und für lange Zeit verstehen wird zu lehren:—die Franzosen der nächsten Generation haben in ihm ihren geistigen Zuchtmeister. Er vornehmlich ist es, der den Einfluß Renans und Sainte-Beuves zurückdrängt, welche beide ungewiß und skeptisch bis auf den letzten Grund ihres Herzens sind. Renan, eine Art katholischer Schleiermacher, süßlich, bonbon, Landschaften und Religionen anempfindend: Sainte-Beuve, ein abgebrannter Dichter, der sich auf die Seelen-Anschnüffelei verlegt und gar zu gern verbergen möchte, daß er weder im Willen, noch in der Philosophie irgend einen Halt hat, ja sogar, was nach Beidem nicht Wunder nimmt, eines eigentlichen festen Geschmacks in artibus et litteris ermangelt. Zuletzt merkt man ihm die Absicht an, noch aus diesem Mangel eine Art Princip und Methode von kritischer Neutralität zu bilden: aber der Verdruß verräth sich zu oft, einmal darüber, daß er in der That für gewisse Bücher und Menschen wirklich einigemale nicht neutral, nämlich begeistert gewesen ist—er möchte diese schrecklichen “petits faits” aus seinem Leben wegstreichen, weglügen—sodann aber über das viel unangenehmere grand fait, daß alle großen französischen Menschenkenner auch noch ihren eigenen Willen und Charakter im Leibe hatten, von Montaigne, Charron, La Rochefoucauld bis auf Chamfort und Stendhal:—denen allen gegenüber ist Sainte-Beuve nicht ohne Neid und jedenfalls ohne Vorliebe und Vorverständniß.— Viel wohlthätiger, einseitiger, tüchtiger in jedem Sinne ist der Einfluß Flauberts: mit seinem Übergewicht von Charakter, der sogar die Einsamkeit und den Mißerfolg vertrug,—etwas außerordentliches unter Franzosen—, regiert er augenblicklich in dem Reiche der Roman-Asthetik und des Stils—er hat das klingende und bunte Französisch auf die Höhe gebracht. Zwar fehlt auch ihm wie Renan und Sainte-Beuve die philosophische Zucht, insgleichen eine eigentliche Kenntniß der wissenschaftlichen Prozeduren: aber ein tiefes Bedürfniß zur Analyse und sogar zur Gelehrsamkeit hat sich zusammen mit einem instinktiven Pessimismus bei ihm Bahn gebrochen, wunderlich vielleicht, aber kräftig genug um den gegenwärtigen Romanschriftstellern Frankreichs damit ein Vorbild zu geben. In der That geht auf Flaubert der neue Ehrgeiz der jüngsten Schule zurück, sich in wissenschaftlichen und pessimistischen Attitüden vorzuführen.—Was von Dichtern jetzt in Frankreich blüht, steht unter Heinrich Heines und Baudelaires Einfluß, vielleicht Leconte de Lisle ausgenommen: denn in gleicher Weise wie Schopenhauer jetzt schon mehr in Frankreich geliebt und gelesen wird als in Deutschland, ist auch der Cultus Heinrich Heines nach Paris übergesiedelt. Was den pessimistischen Baudelaire betrifft, so gehört er zu jenen kaum glaublichen Amphibien, welche ebensosehr deutsch als pariserisch sind; seine Dichtung hat etwas von dem, was man in Deutschland Gemüth oder “unendliche Melodie” und mitunter auch “Katzenjammer” nennt. Im Übrigen war Baudelaire der Mensch eines vielleicht verdorbenen, aber sehr bestimmten und scharfen, seiner selbst gewissen Geschmacks: damit tyrannisirt er die Ungewissen von Heute. Wenn er seiner Zeit der erste Prophet und Fürsprecher Delacroix’ war: vielleicht, daß er heute der erste “Wagnerianer” von Paris sein würde. Es ist viel Wagner in Baudelaire.
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Victor Hugo, ein “Esel von Genie”—der Ausdruck ist von Baudelaire—welches immer den Muth zu seinem schlechten Geschmacke gehabt hat: er verstand damit zu commandiren, er, der Sohn eines napoleonischen Generals. In seinen Ohren hatte er die Bedürfnisse einer Art von militärischer Rhetorik, er ahmte Kanonenschüsse und das Knattern von Raqueten in Worten nach; der französische esprit erscheint bei ihm gleichsam durch Dampf und Lärm verdunkelt, oft bis zur baren nackten Dummheit. Niemals hat ein Sterblicher solche dumpfe platzende Antithesen geschrieben. Zum andern Theil gab er auch den Maler-Begierden seiner Augen die Herrschaft über seinen Geist: er strotzt von pittoresken Einfällen und thut oft nichts als genau abschreiben, was er sieht, was die Maler-Hallucination ihm vor seine Augen stellt. Er, der Plebejer, der seinen starken Sinnes-Begierden, ich meine seinen Ohren und Augen, auch mit dem Geiste zu Willen ist—Das nämlich ist die Grundthatsache des französischen romantisme, als einer plebejischen Reaktion des Geschmacks—: er ist damit auf der entgegengesetzten Bahn und will gerade das Umgekehrte von dem, was die Dichter einer vornehmen Kultur, wie zum Beispiel Corneille, von sich wollten. Denn diese hatten ihren Genuß und Ehrgeiz daran, ihre vielleicht noch stärker gearteten Sinne mit dem Begriffe zu überwältigen und gegen die brutalen Ansprüche von Farben, Tönen und Gestalten einer feinen hellen Geistigkeit zum Siege zu verhelfen: womit sie, wie mich dünkt, auf der Spur der großen Griechen waren, so wenig sie gerade davon gewußt haben mögen. Genau Das, was unserem plump sinnlichen und naturalistischen Geschmack von Heute Mißbehagen an den Griechen und den älteren Franzosen macht,—war die Absicht ihres künstlerischen Wollens, auch ihr Triumph: denn sie bekämpften und besiegten gerade den “Sinnen-Pöbel,” dem zu einer Kunst zu verhelfen der Ehrgeiz unserer Dichter, Maler und Musiker ist. Zu diesem künstlerischen Wollen Victor Hugos stimmt sein politisches und moralisches: er ist flach und demagogisch, vor allen großen Worten und Gebärden auf dem Bauche, ein Volks-Schmeichler, der mit der Stimme eines Evangelisten zu allen Niedrigen, Unterdrückten, Mißrathenen, Verkrüppelten redet und nicht einen Hauch davon weiß, was Zucht und Redlichkeit des Geistes, was intellektuelles Gewissen ist,—im Ganzen ein unbewußter Schauspieler, wie fast alle Künstler der demokratischen Bewegung. Sein Genie wirkt auf die Masse nach Art eines alkoholischen Getränks, das zugleich berauscht und dumm macht.— Dieselbe Gattung von Sympathien und Antipathien und manches Ähnliche in der Begabung besitzt ein anderer Fürsprecher des Volks, der Historiker Michelet, nur an Stelle der Maler-Augen eine bewunderungswürdige Fähigkeit, Gemüths-Zustände bei sich nachzubilden, nach Art der Musiker:—im unklaren D würde man ihn heute daraufhin als einen Menschen des Mitleids ansprechen. Dieses “Mitleid” ist jedenfalls etwas Zudringliches; in seinem Verkehr und noch in seiner Verehrung vergangener Menschen liegt viel Unbescheidenheit, ja, es scheint mir bisweilen, als ob er an seine Gefühls-Arbeit mit einem Eifer herangeht, daß er dazu nöthig hat, seinen Rock auszuziehen. Seine Augen sehen nicht in die Tiefe: alle leicht “begeisterten” Geister waren bisher oberflächlich. Er ist mir zu erregt: Gerechtigkeit ist ihm ebenso unzugänglich als jene Gnade, welche nur aus der höchsten Überlegenheit quillt. Auf einer gewissen Höhe von Erregung überkommt ihn jedesmal der Anfall des Volks-Tribunen, er kennt auch aus eigner Erfahrung die Raubthier-Wuthanfälle des Pöbels. Daß ihm Napoleon ebensosehr als Montaigne fremd ist, bezeichnet das Unvornehme seiner Moralität genügend. Seltsam, daß auch er, der arbeitsame sittenstrenge Gelehrte, reichlich an der neugierigen Geschlechts-Lüsternheit seiner Rasse Theil hat: und je älter er wurde, desto mehr wuchs diese Art der Neugierde.— Demokratisch endlich und folglich ebenfalls schauspielerisch ist das Talent der George Sand: sie ist beredt in jener schlimmen Manier, daß ihr Stil, ein bunter, zuchtloser übertreibender Weiber-Stil, jede halbe Seite mit ihrem Gefühle durchgeht,—nicht umgekehrt, so sehr sie wünscht, daß man das Umgekehrte glaube. In der That, man hat viel zu sehr an ihr Gefühl geglaubt: während sie reich in jener kalten Geschicklichkeit des Schauspielers war, der seine Nerven zu schonen weiß und das Gegentheil davon alle Welt glauben macht. Man darf ihr zugestehen, daß sie eine große Begabung zum Erzählen hat; aber sie verdarb alles und für immer durch ihre hitzige Weibs-Koketterie, sich in lauter Manns-Rollen zu zeigen, welche gerade ihrem Wuchse nicht zusagten—ihr Geist war kurzbeinig—: sodaß ihre Bücher nur eine kleine Zeit ernst genommen wurden und schon heute unter die unfreiwillig komische Litteratur gerathen sind. Und wenn es vielleicht nicht nur Koketterie sondern auch Klugheit war was sie trieb, sich immer mit Manns-Problemen und männlichem Zubehör zu drapiren, eingerechnet Hosen und Cigarren: zuletzt springt das sehr weibliche Problem und Unglück ihres Lebens trotzdem in die Augen, nämlich daß sie zuviel Männer nöthig hatte und daß auch noch in diesen Ansprüchen ihre Sinne und ihr Geist uneins waren. Was konnte sie dafür, daß die Männer, an denen ihr Geist Wohlgefallen fand, jedesmal zu kränklich waren, um ihren Sinnen genug zu thun? Daher das ewige Problem zweier Liebhaber zugleich und eine ewige Nöthigung der weiblichen Scham, über diesen Thatbestand zu täuschen und sich zu geben, wie als ob ganz andere, viel allgemeinere, viel unpersönlichere Probleme bei ihr im Vordergrunde stünden. Zum Beispiel das Problem der Ehe: aber was ging sie die Ehe an!
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Man ist jetzt überall bemüht, von dem eigentlichen großen Einflusse, den Kant in Europa ausgeübt hat, den Blick abzuziehen—und namentlich über den Werth, welchen er sich selber zugestand, klüglich hinwegzuschlüpfen. Kant war vor Allem und zuerst stolz auf seine Kategorien-Tafel und sagte, mit dieser Tafel in den Händen: das ist “das Schwerste, was jemals zum Behufe der Metaphysik unternommen werden konnte” (man verstehe doch dies “werden konnte”!)—er war stolz darauf, im Menschen ein neues Vermögen, das Vermögen zu synthetischen Urtheilen a priori entdeckt zu haben. Es geht uns hier nichts an, wie sehr er sich hierin selber betrog: aber die deutsche Philosophie, so wie sie im ganzen Europa seit hundert Jahren bewundert wird und gewirkt hat, hängt an diesem Stolze und dem Wetteifer der Jüngeren womöglich etwas noch Stolzeres zu entdecken—und jedenfalls neue Vermögen! Es machte den eigentlichen Ruhm der deutschen Philosophie bisher aus, daß man durch sie an eine Art “intuitiver—und instinktiver Erfassung der Wahrheit” glauben lernte; und auch Schopenhauer, so sehr er Fichten, Hegeln und Schelling zürnte, war im Grunde auf derselben Bahn, als er an einem alten bekannten Vermögen, dem Willen ein neues Vermögen entdeckte—nämlich selber “das Ding an sich” zu sein. Das hieß in der That kräftig zugreifen und seine Finger nicht schonen, mitten hinein ins “Wesen”! Schlimm genug, daß dieses Wesen sich dabei unangenehm erwies, und, infolge verbrannter Finger, durchaus der Pessimismus und die Verneinung des Willens zum Leben nöthig erschien! Aber dieses Schicksal Schopenhauers ist ein Zwischenfall, der für die gesammte Bedeutung der deutschen Philosophie, für ihren höheren “Effekt,” ohne Einfluß blieb: in der Hauptsache nämlich bedeutete sie in ganz Europa die frohlockende Reaktion gegen den Rationalismus des Descartes und gegen die Skepsis der Engländer, zu Gunsten des “Intuitiven,” “Instinktiven” und alles “Guten, Wahren und Schönen.” Man meinte, der Weg zur Erkenntniß sei nunmehr abgekürzt, man könne unmittelbar den “Dingen” zu Leibe gehen, man hoffte “Arbeit zu sparen”: und alles Glück, welches edle Müßiggänger, Tugendhafte, Träumerische, Mystiker, Künstler, Dreiviertels-Christen, politische Dunkelmänner und metaphysische Begriffs-Spinnen zu empfinden fähig sind, wurde den Deutschen zur Ehre angerechnet. Der gute Ruf der Deutschen war auf einmal in Europa hergestellt: durch ihre Philosophen!— Ich hoffe, man weiß es doch noch, daß die Deutschen in Europa einen schlechten Ruf hatten? Daß man bei ihnen an servile und erbärmliche Eigenschaften, an die Unfähigkeit zum “Charakter,” an die berühmte Bedienten-Seele glaubte? Mit Einem Male aber lernte man sagen: “die Deutschen sind tief, die Deutschen sind tugendhaft,—man lese nur ihre Philosophen”! Im letzten Grunde war es die verhaltene und lange aufgestaute Frömmigkeit der Deutschen, welche in ihrer Philosophie endlich explodirte, unklar und ungewiß freilich, wie alles Deutsche, nämlich bald in pantheistischen Dämpfen, wie bei Hegel und Schelling, als Gnosis, bald mystisch und weltverneinend, wie bei Schopenhauer: in der Hauptsache aber eine christliche Frömmigkeit, und nicht eine heidnische,—für welche Goethe und vor ihm schon Spinoza so viel guten Willen gezeigt haben.
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Der Wille.— In jedem Wollen ist eine Mehrheit von Gefühlen vereinigt: das Gefühl des Zustandes, von dem weg, das Gefühl des Zustandes, zu dem hin, das Gefühl von diesem “weg und hin” selber, das Gefühl der Dauer dabei, zuletzt noch ein begleitendes Muskel-Gefühl, welches, auch ohne daß wir Arme und Beine in Bewegung setzen, durch eine Art Gewohnheit sobald wir “wollen” sein Spiel beginnt. Wie also das Gefühl und zwar vielerlei Fühlen als Ingrediens des Willens anzuerkennen ist, so zweitens auch noch das Denken: in jedem Willensakte commandirt ein Gedanke,—und man soll ja nicht glauben, diesen Gedanken von dem Wollen selber abscheiden zu können, wie als ob dann noch Wollen übrig bliebe. Drittens ist der Wille nicht nur ein Complex von Fühlen und Denken, sondern vor Allem noch ein Affect: und zwar jener Affect des Commandos. Das was Freiheit des Willens genannt wird, ist wesentlich das Überlegenheits-Gefühl in Hinsicht auf den der gehorchen muß: “ich bin frei, er muß gehorchen”—dieß Bewußtsein steckt in jedem Willen, und eben jene Spannung der Aufmerksamkeit, jener klare Blick, der ausschließlich Eins ins Auge faßt, jene ausschließliche Werthschätzung “jetzt thut dieß Noth und nichts anderes,” jene innere Gewißheit darüber, daß gehorcht wird, wie dieß Alles zum Zustande des Befehlenden gehört. Ein Mensch der will—, befiehlt einem Etwas in sich, das gehorcht, oder von dem er glaubt daß es gehorchen wird. Nun aber beachte man, was das Wesentlichste am “Willen” ist, an diesem so complicirten Dinge, für welches das Volk Ein Wort hat. Insofern wir im gegebenen Falle zugleich die Befehlenden und Gehorchenden sind und als Gehorchende die Gefühle des Widerstehens, Drängens, Drückens, Bewegens kennen, welche sofort nach dem Akte des Willens zu beginnen pflegen; insofern wir aber die Gewohnheit haben mit dem synthetischen Begriff “Ich” uns über diese Zweiheit hinweg zu setzen, hinweg zu täuschen, hat sich an das Wollen noch eine ganze Kette von irrthümlichen Schlüssen und folglich von falschen Werthschätzungen des Willens selber angehängt:—so daß der Wollende in gutem Glauben glaubt, sein Wille selber sei zur gesamten Aktion das eigentliche und ausreichende mobile. Und weil in den allermeisten Fällen nur gewollt worden ist, wo auch die Wirkung des Befehls, der Gehorsam, also die Aktion erwartet werden durfte, so hat sich der Anschein in das Gefühl übersetzt, als ob es da eine Nothwendigkeit der Wirkung gäbe: genug, der Wollende glaubt, mit einem ziemlichen Grade von Sicherheit, daß der Wille und die Aktion irgendwie Eins seien—er rechnet das Gelingen der Ausführung des Willens noch dem Willen selber zu und genießt dabei einen Zuwachs jenes Machtgefühls, welches alles Befehlen mit sich bringt. “Freiheit des Willens”: das ist das Wort für jenen sehr gemischten Zustand des Wollenden, der befiehlt und zugleich als Ausführender den Triumph der Überlegenheit über Widerstände genießt, der aber urtheilt, der Wille selber überwinde die Widerstände:—er nimmt die Lustgefühle des ausführenden erfolgreichen Werkzeugs—des dienstbaren Willens und Unterwillens—zu seinem Lustgefühle als Befehlender hinzu.— Dieses verflochtene Nest von Gefühlen, Zuständen und falschen Annahmen, welches vom Volk mit Einem Worte und wie Eine Sache bezeichnet wird, weil es plötzlich und auf “Ein Mal” da ist und zu den allerhäufigsten, folglich “bekanntesten” Erlebnissen gehört: der Wille, so wie ich ihn hier beschrieben habe—sollte man es glauben, daß er noch niemals beschrieben worden ist? Daß das plumpe Vorurtheil des Volks bisher noch in jeder Philosophie ungeprüft zu Recht bestanden hat? Daß darüber, was “wollen” sei, es unter den Philosophen keine Verschiedenheit der Meinung gab, weil alle glaubten, hier gerade habe man eine unmittelbare Gewißheit, eine Grund-Thatsache, hier sei Meinen gar nicht am Platze? Und daß alle Logiker noch die Dreieinigkeit “Denken, Fühlen, Wollen” lehren, wie als ob “Wollen” kein Fühlen und Denken enthalte?— Nach alledem erscheint Schopenhauers großer Fehlgriff, als er den Willen wie die bekannteste Sache von der Welt, ja wie die eigentlich und allein bekannte Sache nahm, weniger toll und willkürlich: er hat ein ungeheures Vorurtheil aller bisherigen Philosophen, ein Volks-Vorurtheil, nur übernommen und, wie es im Allgemeinen Philosophen thun, übertrieben. —
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Die Gefahr bei außerordentlichen Geistern ist keine kleine, daß sie irgend wann die fürchterlichen Genüsse des Zerstörens, des Zugrunderichtens, des langsam Zugrunderichtens erstreben lernen: wenn ihnen nämlich durchaus die schaffende That, etwa durch den Mangel an Werkzeugen oder sonstigen Unfug des Zufalls, versagt bleibt. In dem Haushalte solcher Seelen giebt es dann kein Entweder-Oder mehr; und vielleicht müssen sie gerade das was sie bis dahin am Meisten geliebt haben, mit der Lust eines Teufels auf eine feine langwierige Art
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Der Mensch ist ein Formen- und Rhythmen-bildendes Geschöpf; er ist in nichts besser geübt und es scheint daß er an nichts mehr Lust hat als am Erfinden von Gestalten. Man beobachte nur, womit sich unser Auge sofort beschäftigt sobald es nichts mehr zu sehen bekommt: es schafft sich Etwas zu sehen. Muthmaßlich thut im gleichen Falle unser Gehör nichts anderes: es übt sich. Ohne die Verwandlung der Welt in Gestalten und Rhythmen gäbe es für uns nichts “Gleiches,” also auch nichts Wiederkehrendes, also auch keine Möglichkeit der Erfahrung und Aneignung, der Ernährung. In allem Wahrnehmen, das heißt dem ursprünglichsten Aneignen, ist das wesentliche Geschehen ein Handeln, strenger noch: ein Formen-Aufzwingen:—von “Eindrücken” reden nur die Oberflächlichen. Der Mensch lernt seine Kraft dabei als eine widerstrebende und mehr noch als eine bestimmende Kraft kennen—abweisend, auswählend, zurechtformend, in seine Schemata einreihend. Es ist etwas Aktives daran, daß wir einen Reiz überhaupt annehmen und daß wir ihn als solchen Reiz annehmen. Dieser Aktivität ist es zu eigen, nicht nur Formen, Rhythmen und Aufeinanderfolgen der Formen zu setzen, sondern auch das geschaffene Gebilde in Bezug auf Einverleibung oder Abweisung abzuschätzen. So entsteht unsre Welt, unsre ganze Welt: und dieser ganzen uns allein zugehörigen, von uns erst geschaffenen Welt entspricht keine vermeinte “eigentliche Wirklichkeit,” kein “An sich der Dinge”: sondern sie selber ist unsre einzige Wirklichkeit, und “Erkenntniß” erweist sich, dergestalt betrachtet, nur als ein Mittel der Ernährung. Aber wir sind schwer zu ernährende Wesen und haben überall Feinde und gleichsam Unverdauliches—: darüber ist die menschliche Erkenntniß fein geworden und zuletzt so stolz noch auf ihre Feinheit, daß sie es nicht hören mag, sie sei kein Ziel, sondern ein Mittel oder gar ein Werkzeug des Magens,—wenn nicht selber eine Art von Magen! — —
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Der höhere philosophische Mensch, der um sich Einsamkeit hat, nicht weil er allein sein will, sondern weil er Etwas ist, das nicht Seinesgleichen findet: welche Gefahren und neuen Leiden sind ihm gerade heute aufgespart, wo man den Glauben an die Rangordnung verlernt hat und folglich diese Einsamkeit nicht zu ehren und nicht zu verstehen weiß! Ehemals heiligte sich der Weise beinah durch ein solches Beiseite-Gehen für das Gewissen der Menge,—heute sieht sich der Einsiedler wie mit einer Wolke trüber Zweifel und Verdächtigungen umringt. Und nicht etwa nur von Seiten der Neidischen und Erbärmlichen: er muß Verkennung, Vernachlässigung und Oberflächlichkeit noch an jedem Wohlwollen heraus empfinden, das er erfährt, er kennt jene Heimtücke des beschränkten Mitleidens, welches sich selber gut und heilig fühlt, wenn es ihn, etwa durch bequemere Lagen, durch geordnetere, zuverlässigere Gesellschaft vor sich selber zu “retten” sucht,—ja er wird den unbewußten Zerstörungstrieb zu bewundern haben, mit dem alle Mittelmäßigen des Geistes gegen ihn thätig sind, und zwar im besten Glauben an ihr Recht dazu! Es ist für Menschen dieser unverständlichen Vereinsamung nöthig, sich tüchtig und herzhaft auch in den Mantel der äußeren, der räumlichen Einsamkeit zu wickeln: das gehört zu ihrer Klugheit. Selbst List und Verkleidung werden heute noth thun, damit ein solcher Mensch sich selber erhalte, sich selber oben erhalte, inmitten der niederziehenden gefährlichen Stromschnellen der Zeit. Jeden Versuch, es in der Gegenwart, mit der Gegenwart auszuhalten, jede Annäherung an diese Menschen und Ziele von Heute muß er wie seine eigentliche Sünde abbüßen: und er mag die verborgene Weisheit seiner Natur anstaunen, welche ihn bei allen solchen Versuchen sofort durch Krankheit und schlimme Unfälle wieder zu sich selber zurückrief.
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Und wißt ihr auch, was mir “die Welt” ist? Soll ich sie euch in meinem Spiegel zeigen? Diese Welt: ein Ungeheuer von Kraft, ohne Anfang, ohne Ende, eine feste, eherne Größe von Kraft, welche nicht größer, nicht kleiner wird, die sich nicht verbraucht sondern nur verwandelt, als Ganzes unveränderlich groß, ein Haushalt ohne Ausgaben und Einbußen, aber ebenso ohne Zuwachs, ohne Einnahmen, vom “Nichts” umschlossen als von seiner Gränze, nichts Verschwimmendes, Verschwendetes, nichts Unendlich-Ausgedehntes, sondern als bestimmte Kraft einem bestimmten Raum eingelegt, und nicht einem Raume, der irgendwo “leer” wäre, vielmehr als Kraft überall, als Spiel von Kräften und Kraftwellen zugleich Eins und “Vieles,” hier sich häufend und zugleich dort sich mindernd, ein Meer in sich selber stürmender und fluthender Kräfte, ewig sich wandelnd, ewig zurücklaufend, mit ungeheuren Jahren der Wiederkehr, mit einer Ebbe und Fluth seiner Gestaltungen, aus den einfachsten in die vielfältigsten hinaustreibend, aus dem Stillsten, Starrsten, Kältesten hinaus in das Glühendste, Wildeste, Sich-selber-widersprechendste, und dann wieder aus der Fülle heimkehrend zum Einfachen, aus dem Spiel der Widersprüche zurück bis zur Lust des Einklangs, sich selber bejahend noch in dieser Gleichheit seiner Bahnen und Jahre, sich selber segnend als das, was ewig wiederkommen muß, als ein Werden, das kein Sattwerden, keinen Überdruß, keine Müdigkeit kennt—: diese meine dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens, diese Geheimniß-Welt der doppelten Wollüste, dieß mein Jenseits von Gut und Böse, ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt, ohne Willen, wenn nicht ein Ring zu sich selber guten Willen hat,—wollt ihr einen Namen für diese Welt? Eine Lösung für alle ihre Räthsel? ein Licht auch für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten?— Diese Welt ist der Wille zur Macht—und nichts außerdem! Und auch ihr selber seid dieser Wille zur Macht—und nichts außerdem!
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Als ich jünger war, machte ich mir Sorge darüber, was denn eigentlich ein Philosoph sei: denn ich glaubte an den berühmten Philosophen entgegengesetzte Merkmale wahrzunehmen. Endlich ging mir auf, daß es zwei unterschiedliche Arten von Philosophen giebt, einmal solche, welche irgend einen großen Thatbestand von Werthschätzungen, das heißt ehemaligen Werthsetzungen und Werthschöpfungen (logischen oder moralischen), festzuhalten haben, sodann aber solche, welche selber Gesetzgeber von Werthschätzungen sind. Die ersteren suchen sich der vorhandenen oder vergangenen Welt zu bemächtigen, indem sie dieselbe durch Zeichen zusammenfassen und abkürzen. Diesen Forschern liegt es ob, alles bisher Geschehene und Geschätzte übersichtlich, überdenkbar, faßbar, handlich zu machen, die Vergangenheit zu überwältigen, alles Lange, ja die Zeit selbst abzukürzen, eine große und wundervolle Aufgabe. Die eigentlichen Philosophen aber sind Befehlende und Gesetzgeber, sie sagen: so soll es sein! sie bestimmen erst das Wohin und Wozu des Menschen und verfügen dabei über die Vorarbeit der philosophischen Arbeiter, jener Überwältiger der Vergangenheit. Diese zweite Art von Philosophen geräth selten; und in der That ist ihre Lage und Gefahr ungeheuer. Wie oft haben sie sich absichtlich die Augen zugebunden, um nur den schmalen Saum nicht mehr sehen zu müssen, der sie vom Abgrund und Absturz trennt: zum Beispiel Plato, als er sich überredete, das Gute, wie er es wollte, sei nicht das Gute Platos, sondern das Gute an sich, der ewige Schatz, den nur irgend ein Mensch Namens Plato auf seinem Weg gefunden habe! In viel gröberen Formen waltet dieser selbe Wille zur Blindheit bei den Religions-Stiftern: ihr “du sollst” darf durchaus ihren Ohren nicht klingen wie “ich will,”—nur als dem Befehle eines Gottes wagen sie ihrer Aufgabe nachzukommen, nur als “Eingebung” ist ihre Gesetzgebung der Werthe eine tragbare Bürde, unter der ihr Gewissen nicht zerbricht.— Sobald nun jene zwei Trostmittel, das Platos und das Muhameds, dahin gefallen sind und kein Denker mehr an der Hypothese eines “Gottes” oder “ewiger Werthe” sein Gewissen erleichtern kann, erhebt sich der Anspruch des Gesetzgebers neuer Werthe zu einer neuen und noch nicht erreichten Furchtbarkeit. Nunmehr werden jene Auserkornen, vor denen die Ahnung einer solchen Pflicht aufzudämmern beginnt, den Versuch machen, ob sie ihr wie als ihrer größten Gefahr nicht noch “zur rechten Zeit” durch irgend einen Seitensprung entschlüpfen möchten: zum Beispiel indem sie sich einreden, die Aufgabe sei schon gelöst, oder sie sei unlösbar, oder sie hätten keine Schultern für solche Lasten, oder sie seien schon mit andern näheren Aufgaben überladen, oder selbst diese neue ferne Pflicht sei eine Verführung und Versuchung, eine Abführung von allen Pflichten, eine Krankheit, eine Art Wahnsinn. Manchem mag es in der That gelingen auszuweichen: es geht durch die ganze Geschichte hindurch die Spur solcher Ausweichenden und ihres schlechten Gewissens. Zumeist aber kam solchen Menschen des Verhängnisses jene erlösende Stunde, jene Herbst-Stunde der Reife, wo sie mußten was sie nicht einmal “wollten”:— und die That, vor der sie sich am meisten vorher gefürchtet hatten, fiel ihnen leicht und ungewollt vom Baume, als eine That ohne Willkür, fast als Geschenk. —
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Was uns von allen Platonischen und Leibnitzischen Denkweisen am Gründlichsten abtrennt, das ist: wir glauben an keine ewigen Begriffe, ewigen Werthe, ewigen Formen, ewigen Seelen; und Philosophie, soweit sie Wissenschaft und nicht Gesetzgebung ist, bedeutet uns nur die weiteste Ausdehnung des Begriffs “Historie.” Von der Etymologie und der Geschichte der Sprache her nehmen wir alle Begriffe als geworden, viele als noch werdend; und zwar so, daß die allgemeinsten Begriffe, als die falschesten, auch die ältesten sein müssen. “Sein,” “Substanz” und “Unbedingtes,” “Gleichheit,” “Ding”—: das Denken erfand sich zuerst und zu ältest diese Schemata, welche thatsächlich der Welt des Werdens am gründlichsten widersprachen, aber ihr von vornherein, bei der Stumpfheit und Einerleiheit des anfänglichen, noch unterthierischen Bewußtseins, zu entsprechen schienen: jede “Erfahrung” schien sie immer von Neuem und sie ganz allein zu unterstreichen. Die Gleichheit und Ähnlichkeit wurde allmälig, mit der Verschärfung der Sinne und der Aufmerksamkeit, mit der Entwickelung und dem Kampfe des vielfältigsten Lebens, immer seltener zugestanden: während für die niedersten Wesen Alles “ewig sich gleich,” “Eins,” “beharrlich,” “unbedingt,” “eigenschaftslos” erschien. Allmälig vervielfältigte sich dergestalt die “Außenwelt”; aber ungeheure Zeiträume hindurch galt auf Erden ein Ding als gleich und zusammenfallend mit einem einzigen Merkmale, zum Beispiel mit einer bestimmten Farbe. Die Vielheit der Merkmale an einem einzelnen Ding wurde mit der größten Langsamkeit zugestanden: noch aus der Geschichte der menschlichen Sprache sehen wir ein Widerstreben gegen die Vielheit der Prädikate. Die längste Verwechselung aber ist die daß das Prädikat-Zeichen mit dem Ding selber als gleich gesetzt wird; und die Philosophen, welche gerade die ältesten Instinkte der Menschheit auch die ältesten Ängste und Aberglauben (wie den Seelen-Aberglauben) am besten in sich nachgebildet haben—man kann bei ihnen von einem Atavismus par excellence reden—drückten ihr Siegel auf diese Verwechselung, als sie lehrten, gerade die Zeichen, nämlich die “Ideen” seien das wahrhaft Vorhandene, Unveränderliche und Allgültige. Während thatsächlich das Denken, bei der Wahrnehmung eines Dings, eine Reihe von Zeichen umläuft, welche das Gedächtniß ihm darbietet, und nach Ähnlichkeiten sucht; während der Mensch mit einem ähnlichen Zeichen das Ding als “bekannt” ansetzt, faßt, ergreift: meinte er lange es eben damit zu begreifen. Das Greifen und Fassen, das Aneignen bedeutete ihm bereits ein Erkennen, ein Zu-Ende-kennen; die Worte sogar in der menschlichen Sprache schienen lange—und scheinen dem Volke heute noch—nicht Zeichen sondern Wahrheiten in Betreff der damit bezeichneten Dinge zu sein. Je feiner die Sinne, je strenger die Aufmerksamkeit, je vielfältiger die Aufgaben des Lebens wurden, um so schwerer wurde auch die Erkenntniß eines Dings, einer Thatsache als endgültige Erkenntniß, als “Wahrheit” zugestanden; und zuguterletzt, auf dem Punkte zu welchem uns heute das methodische Mißtrauen gedrängt hat geben wir uns gar nicht mehr das Recht, von Wahrheiten im unbedingten Sinne zu reden,—wir haben dem Glauben an die Erkennbarkeit der Dinge ebensosehr wie dem Glauben an die Erkenntniß abgeschworen. Das “Ding” ist nur eine Fiktion, das “Ding an sich” sogar eine widerspruchsvolle unerlaubte Fiktion: aber auch das Erkennen, das absolute und folglich auch das relative, ist ebenfalls nur eine Fiktion! Damit fällt denn auch die Nöthigung weg, ein Etwas das “erkennt,” ein Subjekt für das Erkennen anzusetzen, irgend eine reine “Intelligenz,” einen “absoluten Geist”:—diese noch von Kant nicht gänzlich aufgegebene Mythologie, welche Plato für Europa in verhängnißvoller Weise vorbereitet hat und die mit dem christlichen Grund-Dogma “Gott ist ein Geist” alle Wissenschaft des Leibes und dadurch auch die Fortentwicklung des Leibes mit dem Tode bedrohte,—diese Mythologie hat nunmehr ihre Zeit gehabt.
38 [15]
Ich habe seltsame Dinge in Bezug auf Wirkung von meinen Büchern erlebt. Kürzlich traf der Brief eines alten vornehmen Holländers ein, welcher Menschliches Allzumenschliches als seinen treuesten Lebensgesellen betrachtet; die Geburt der Tragödie hat vielleicht im Leben R W’s den größten Glücks-Klang hervorgebracht, er war außer sich, und es giebt wunderschöne Dinge in der Götter-Dämmerung, welche er in diesem Zustande einer unerwarteten äußersten Hoffnung hervorgebracht hat. (Damals
Ich möchte wissen, ob dies Buch von Jemandem verstanden ist: seine Hintergründe gehören zu meinem persönlichsten Eigenthum. Zarathustra hat die Werthschätzungen von ein paar Jahrtausenden gegen sich; ich glaube absolut nicht daran, daß Jemand heute im Stande ist, seinen Gesammt-Ton klingen zu hören: auch setzt sein Verstehen eine solche philologische und mehr als philologische Arbeit voraus, wie sie heute Niemand daran setzen wird, aus Mangel an Zeit.
Ich selber bin mit der Thatsache sehr zufrieden, daß mein Geschmack in musicis und philosophicis, welcher 1865 (wo ich vielleicht der einzige Deutsche war, der Sch und W gleich und jetzt zum deutschen Geschmack gehört.
Die Auswahl, welche man in Bezug auf meine Bücher macht, giebt mir zu denken.
38 [16]
der unbedenkliche Gebrauch von Lückenbüßern und der Geistesaufwand und -Reichthum, um hier einer Schwäche die Attribute der Kraft zu geben: was beinahe dem Wagnerschen Stile den Charakter giebt —
38 [17]
Schopenh Perversität der Gesinnung und meine Geburt der Tragödie!
38 [18]
“er hätte anders handeln können”—dieser Gesichtspunkt zur Entstehung des Gerechtigkeitsgefühls von Reè falsch angewendet.
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Der ersten Spur philosophischen Nachdenkens, der ich, bei einem Überblick meines Lebens, habhaft werden kann, begegne ich in einer kleinen Niederschrift aus meinem 13. Lebensjahre dieselbe enthält einen Einfall über den Ursprung des Bösen. Meine Voraussetzung war, daß für einen Gott Etwas denken und Etwas schaffen Eins und Dasselbe sei. Nun schloß ich so: Gott hat sich selbst gedacht, damals als er die zweite Person der Gottheit schuf: um aber sich selber denken zu können mußte er erst seinen Gegensatz denken. Der Teufel hatte also in meiner Vorstellung ein eben solches Alter wie der Sohn Gottes, sogar einen klareren Ursprung—und dieselbe Herkunft. Über die Frage, ob es einem Gott möglich sei seinen Gegensatz zu denken, half ich mir damit hinweg, zu sagen: ihm ist aber Alles möglich Und zweitens: daß er es gethan hat, ist eine Thatsache, falls die Existenz eines Gott-Sohns Thatsache ist, folglich war es ihm auch möglich,
38 [20]
Ohne ein leidenschaftliches Vergnügen an den Abenteuern der Erkenntniß wird es Einer schwerlich lange in ihrem gefahrvollen Reiche aushalten; und Jedem, der für derlei “Ausschweifungen” zu feige oder zu keusch ist, sei es billigerweise zugestanden, sich auch daraus eine Tugend und ein Lob zurecht zu machen. Für die stärkeren Geister aber gilt jene Forderung, daß man zwar ein Mensch der Leidenschaft, aber auch der Herr seiner Leidenschaften sein müsse, auch hinsichtlich ihrer Leidenschaft zur Erkenntniß. Wie Napoleon, zum Erstaunen Talleyrand’s, seinen Zorn zur gewählten Zeit bellen und brüllen ließ und dann wieder, ebenso plötzlich, zum Schweigen brachte, so soll es der starke Geist auch mit seinen wilden Hunden machen: er muß, wie heftig auch immer in ihm der Wille zur Wahrheit ist—es ist sein wildester Hund—, zur gewählten Zeit der leibhafte Wille zur Unwahrheit, der Wille zur Ungewißheit, der Wille zur Unwissenheit, vor Allem zur Narrheit sein können.
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Die Abnahme der Anmuth.— Zu den Symptomen der allgemeinen Verhäßlichung, wie sie einem Zeitalter gemäß ist, das den Pöbel immer mehr zum Herrn macht, gehört nicht am wenigsten das wachsende Sich-gehen-lassen des Weibes und eine Art “Rückkehr zur Natur” d. h. zum Pöbel: auch an Orten, an denen man früher auf vornehme und strenge Gewohnheiten wie auf sein Vorrecht hielt: z. B. an den Höfen. Man steht verwundert vor dem Mangel an Feinheit selbst im Verkehr mit den liebenswürdigsten Frauen: und wir helfen uns
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Ein Garten, an dem selbst das Gitterwerk vergoldet ist, hat sich nicht nur gegen Diebe und Strolche zu schützen: seine schlimmsten Gefahren kommen ihm von seinen zudringlichen Bewunderern, die überall Etwas abbrechen und gar zu gern dies und jenes zum Andenken mitnehmen möchten.— Und merkt ihr es denn nicht, ihr Müssiggänger in meinen Gärten, daß ihr euch nicht einmal neben meinen Kräutern und Unkräutern rechtfertigen könnt, daß sie euch ins Gesicht sagen: fort, ihr Eindringlinge, ihr
11, 38[1-22] Juni-Juli 1885
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The thought, in the form in which it comes, is an ambiguous sign that requires interpretation, more precisely, an arbitrary narrowing and limitation, until it finally becomes unambiguous. It emerges in me—from where? by what? I do not know. It comes, independent of my will, usually surrounded and obscured by a throng of feelings, desires, aversions, also by other thoughts, often barely distinguishable from a “wanting” or “feeling.” One extracts it from this throng, purifies it, sets it on its feet, one sees how it stands, how it moves, all in an astonishing presto and yet quite without the feeling of haste: who does all this—I do not know and am certainly more a spectator than the author of this process. One then sits in judgment over it, one asks: what does it mean? “what may it mean?"does he have right or wrong?"—one calls other thoughts to aid, one compares him. Thinking thus proves to be almost a kind of exercise and act of justice, in which there is a judge, a counter-party, even a cross-examination, to which I may listen a little—of course only a little: most of it, it seems, escapes me.— That every thought first comes as ambiguous and fluid and in itself only as an occasion for the attempt at interpretation or for arbitrary determination, that in all thinking a plurality of persons seems to be involved—: this is not so easy to observe, we are fundamentally trained the opposite, namely not to think about thinking when thinking.The origin of the thought remains hidden; the probability is great that it is only the symptom of a much more comprehensive state; in the fact that precisely *he* comes and no other, that he comes with this greater or lesser brightness, sometimes confident and commanding, sometimes weak and in need of support, on the whole always exciting, questioning—for consciousness, every thought acts as a stimulus—: in all this, something of our overall state is expressed in signs.— The same applies to every feeling; it does not in itself mean anything: when it comes, it is first interpreted by us, and often *how strangely* interpreted!Consider, after all, the almost "unconscious" distress of the intestines, the blood pressure tensions in the lower abdomen, the pathological conditions of the nervus sympathicus—: and how much there is of which we scarcely have a glimmer of consciousness through the sensorium commune!— Only the anatomically educated person guesses the right kind and region of the causes in such uncertain feelings of displeasure; all others, therefore almost all people, as long as there have been people, seek in such kinds of pain not a physical, but a psychological and moral explanation and push a false justification under the actual disturbances of the body, by fetching a reason from the circle of their unpleasant experiences and fears, to feel so badly.
Under torture, almost everyone confesses to being guilty; with the pain whose physical cause one does not know, the tortured person questions themselves so long and so inquisitorially until they find themselves or others guilty:—as, for example, the Puritan did, who habitually interpreted the spleen adhering to an unreasonable way of life morally, namely as the bite of his own conscience. —
38 [2]
The logical thinking that logic speaks of, a thinking where thought itself is set as the cause of new thoughts—, is the model of a complete fiction: thinking of this kind never occurs in reality, but it is established as a formal schema and filtering apparatus with the help of which we thin out and simplify the actual, extremely manifold process of thinking: so that our thinking becomes graspable in signs, memorable, communicable. Thus: to consider the mental process as if it actually corresponded to that regulative schema of a fictitious thinking, that is the artifice of falsification by means of which there is something like “knowledge” and “experience.”
Experience is only possible with the help of memory; memory is only possible by means of abbreviating a mental process into a sign. "Knowledge": that is the expression of a new thing through the signs of already "known," already experienced things.—Today, of course, people babble about an empirical origin of logic: but what does not occur in reality, such as logical thinking, cannot be taken from reality either, just as little as any law of numbers, while there has never been a case in which reality has coincided with an arithmetic formula. Arithmetic formulas are also merely regulative fictions with which we simplify and adapt the actual events, for the purpose of practical exploitation, to our measure—to our stupidity.38 [3]
through thinking, the I is posited; but hitherto, like the common people, one believed that in the “I think” there lies something immediately certain, and that this “I” is the given cause of thinking, by analogy with which we understand all other causal relations. However accustomed and indispensable this fiction may now be,—that alone does not yet prove anything against its inventedness: a belief can be a condition of life and still be false.
38 [4]
“Truth”: within my way of thinking, this does not necessarily denote an opposite to error, but in the most fundamental cases only a position of various errors in relation to one another: for instance, that one is older, deeper than the other, perhaps even ineradicable, insofar as an organic being of our kind could not live without it; while other errors do not tyrannize us in such a way as conditions of life, but rather, measured against such “tyrants,” can be eliminated and “refuted.” An assumption that is irrefutable—why should it therefore already be true? This statement may outrage the logicians, who set their limits as the limits of things: but I have long since declared war on this logicians’ optimism.
38 [5]
Even now, France remains the seat of Europe's most intellectual and refined culture, but one must know how to find this "France of taste." Those who belong to it keep themselves well hidden: in the foreground, a dumbfounded and coarsened France rolls along, which recently, at the funeral of V. H., celebrated a true orgy of bad taste—it may be a small number, moreover people who do not stand on the strongest legs, partly fatalists, partly pampered ones (those who have reasons to hide)—they collectively recognize as their ancestors and masters roughly the following higher spirits. First, Stendhal, the last great event of the French spirit, who marched through his undiscovered Europe at a Nap tempo and finally found himself alone—terrifyingly alone: for it took two generations to come close to him.
Now, as I said, he commands, a commander for the most select; and whoever is endowed with fine and daring senses, curious to the point of cynicism, a logician almost out of disgust, a riddle-guesser and friend of the Sphinx like every born European, will have to follow him. May he also follow him there, full of shame before the secrets which great passion has, to stand still!This nobility of being able to remain silent, of being able to stand still, he has, for example, over Michelet and especially over the German scholars.— His pupil is *Mérimée*, a noble, withdrawn artist and despiser of those spongy feelings which a democratic age praises as its "noblest feelings," strict with himself and full of the harshest demands on his artistic logic, constantly ready to sacrifice small beauties and charms to a strong will to necessity:—a genuine, though not rich, soul in an inauthentic and filthy environment, and pessimist enough to be able to play along with the comedy without vomiting.— Another pupil of Stendhal is *Taine*, now the first living historian of Europe, a resolute and still in his despair courageous man, to whom neither courage nor willpowerhas gone to pieces under the fatalistic pressure of knowledge, a thinker whom neither Condillac in terms of depth nor Hegel in terms of clarity has impaired, but rather one who understood how to learn and will be understood for a long time to teach:—the French of the next generation have in him their intellectual disciplinarian. It is he above all who pushes back the influence of Renan and Sainte-Beuve, both of whom are uncertain and skeptical to the very depths of their hearts.Renan, a kind of Catholic Schleiermacher, sweet, candy-like, sensing landscapes and religions: Sainte-Beuve, a burned-out poet who has turned to soul-sniffing and would very much like to hide the fact that he has no foothold in either will or philosophy, and indeed, which is no wonder given both, lacks any genuine firm taste in artibus et litteris.Lastly, one notices his intention to turn this very deficiency into a kind of principle and method of critical neutrality: but his annoyance betrays itself too often, once over the fact that he has indeed, for certain books and people, actually been non-neutral on occasion—namely, enthusiastic—he would like to erase these terrible "petits faits" from his life, to lie them away—then again over the far more unpleasant grand fait that all the great French connoisseurs of humanity also still had their own will and character within them, from Montaigne, Charron, La Rochefoucauld down to Chamfort and Stendhal:—in relation to all of whom Sainte-Beuve is not without envy and in any case without predilection and pre-understanding.— Far more benevolent, one-sided, capable in every sense is the influence of Flaubert: with his preponderance of character, which even endures solitude and failuretolerated,—something extraordinary among the French—, he currently reigns in the realm of novel aesthetics and style—he has elevated the sonorous and colorful French language. Admittedly, like Renan and Sainte-Beuve, he lacks philosophical discipline, as well as a proper knowledge of scientific procedures: but a deep need for analysis and even scholarship has broken through in him, alongside an instinctive pessimism, perhaps strange, but strong enough to set an example for France's current novelists.In fact, the new ambition of the youngest school to present itself in scientific and pessimistic attitudes goes back to Flaubert.—What is now flourishing among poets in France is under the influence of Heinrich Heine and Baudelaire, perhaps with the exception of Leconte de Lisle: for just as Schopenhauer is now more loved and read in France than in Germany, the cult of Heinrich Heine has also migrated to Paris.As for the pessimistic Baudelaire, he belongs to those scarcely credible amphibians who are as much German as they are Parisian; his poetry has something of what in Germany is called *Gemüth* or “infinite melody” and sometimes also “Katzenjammer.” Besides, Baudelaire was a man of perhaps corrupted, but very determined and sharp, self-assured taste: with this he tyrannizes the uncertain of today. If he was in his time the first prophet and advocate of Delacroix: perhaps today he would be the first “Wagnerian” of Paris. There is much Wagner in Baudelaire.38 [6]
Victor Hugo, a “donkey of genius”—the expression is from Baudelaire—who always had the courage for his bad taste: he knew how to command with it, he, the son of a Napoleonic general. In his ears, he had the needs of a kind of military rhetoric; he imitated cannon shots and the crackling of rockets in words; the French esprit appears in him, as it were, obscured by steam and noise, often to the point of sheer naked stupidity. Never has a mortal written such dull, explosive antitheses. On the other hand, he also gave the painterly desires of his eyes dominion over his spirit: he teems with picturesque ideas and often does nothing but precisely transcribe what he sees, what the painter’s hallucination places before his eyes.
He, the plebeian, who indulges his strong sensual desires—I mean his ears and eyes—with his mind as well: for this is the fundamental fact of French romanticism, as a plebeian reaction of taste. He is thus on the opposite path and wants precisely the opposite of what the poets of a noble culture, such as Corneille, wanted for themselves. For they took their pleasure and pride in overcoming their perhaps even more strongly developed senses with the concept and, against the brutal demands of colors, sounds, and shapes, helping a fine, bright spirituality to triumph: whereby they were, as it seems to me, on the trail of the great Greeks, however little they may have known of it.Exactly what causes our clumsy, sensual, and naturalistic taste of today to take offense at the Greeks and the older French—was the intention of their artistic will, even their triumph: for they fought and conquered precisely the "sensual rabble," to whom our poets, painters, and musicians aspire to provide art. Victor Hugo's political and moral will aligns with this artistic intent: he is shallow and demagogic, groveling before all grand words and gestures, a flatterer of the people who speaks with the voice of an evangelist to all the lowly, oppressed, misfits, and crippled, without the slightest inkling of what discipline and honesty of spirit, what intellectual conscience is—overall, an unconscious actor, like almost all artists of the democratic movement.His genius affects the masses like an alcoholic drink, which both intoxicates and makes stupid.— Another advocate of the people, the historian Michelet, shares the same kind of sympathies and antipathies and much that is similar in talent, only instead of a painter’s eyes, he possesses a remarkable ability to recreate emotional states within himself, in the manner of musicians:—in the unclear D one would today describe him as a man of compassion. This “compassion” is certainly something intrusive; in his dealings and even in his veneration of past people, there is much presumption, yes, it sometimes seems to me as if he approaches his emotional work with such zeal that he needs to take off his coat to do it. His eyes do not see into the depths: all easily “inspired” spirits have so far been superficial.He is too excited for me: justice is as inaccessible to him as that grace which flows only from the highest superiority. At a certain height of excitement, the fit of the people's tribune overcomes him every time; he also knows from his own experience the predatory rage of the mob. That Napoleon is as foreign to him as Montaigne sufficiently designates the unrefined nature of his morality.Strange that even he, the industrious, morally strict scholar, has a generous share of the curious sexual lustfulness of his race: and the older he became, the more this kind of curiosity grew.— Finally, democratic and consequently also theatrical is the talent of George Sand: she is eloquent in that bad manner, that her style, a colorful, unruly, exaggerating women's style, runs through every half-page with her feeling,—not the other way around, however much she wishes that one believe the opposite. In truth, one has believed far too much in her feeling: while she was rich in that cold skill of the actor, who knows how to spare his nerves and makes the whole world believe the opposite.One must grant her that she has a great talent for storytelling; but she spoiled everything and forever with her fiery feminine coquetry, showing herself in nothing but male roles, which were quite unsuitable for her stature—her mind was short-legged—: so that her books were taken seriously for only a short time and have already today fallen into the category of unintentionally comic literature. And if it was perhaps not only coquetry but also cleverness that drove her to always drape herself with male problems and masculine accessories, including trousers and cigars: in the end, the very feminine problem and misfortune of her life nevertheless stands out, namely that she needed too many men and that even in these demands, her senses and her mind were at odds.What could she do about the fact that the men whose minds pleased her were always too frail to satisfy her senses? Hence the eternal problem of two lovers at once and an eternal compulsion of female modesty to deceive about this state of affairs and to present herself as if much more general, much more impersonal problems were at the forefront for her. For example, the problem of marriage: but what did marriage have to do with her!38 [7]
One is now everywhere eager to divert the gaze from the actual great influence that Kant exerted in Europe—and especially to cleverly evade the value which he himself attributed to it. Kant was above all and first proud of his table of categories and said, with this table in hand: this is “the most difficult thing that could ever be undertaken for the sake of metaphysics” (one should understand this “could be undertaken”!)—he was proud of having discovered in man a new faculty, the faculty of synthetic judgments a priori. It is of no concern to us here how much he deceived himself in this: but German philosophy, as it has been admired and influential throughout Europe for a hundred years, clings to this pride and the rivalry of the younger generation to discover something even prouder—and in any case new faculties!
It has so far constituted the actual glory of German philosophy that through it one learned to believe in a kind of “intuitive—and instinctive—grasping of truth”; and even Schopenhauer, however much he raged against Fichte, Hegel, and Schelling, was fundamentally on the same path when he discovered in an old familiar faculty, the will, a new faculty—namely, to be “the thing-in-itself.” That indeed meant grasping boldly and not sparing one’s fingers, right into the “essence”! Bad enough that this essence proved unpleasant in the process, and, as a result of burned fingers, pessimism and the negation of the will to live became absolutely necessary!But this fate of Schopenhauer’s is an incident that had no influence on the overall significance of German philosophy, on its higher “effect”: for in essence, it signified throughout Europe the jubilant reaction against the rationalism of Descartes and against the skepticism of the English, in favor of the “intuitive,” the “instinctive,” and all that is “good, true, and beautiful.” It was believed that the path to knowledge had now been shortened, that one could get straight to the heart of “things,” that one hoped “to save labor”: and all the happiness that noble idlers, the virtuous, the dreamy, mystics, artists, three-quarter Christians, political obscurantists, and metaphysical concept-spinners are capable of feeling was credited to the Germans’ honor.The good reputation of the Germans was suddenly established in Europe: through their philosophers!— I hope it is still known that the Germans had a bad reputation in Europe? That one associated with them servile and wretched qualities, an inability to have “character,” the famous servant’s soul? But all at once, people learned to say: “the Germans are profound, the Germans are virtuous,—just read their philosophers!”At bottom it was the restrained and long pent-up piety of the Germans that finally exploded in their philosophy, unclear and uncertain indeed, like everything German, namely sometimes in pantheistic vapors, as with Hegel and Schelling, as gnosis, sometimes mystically and world-denying, as with Schopenhauer: but essentially a Christian piety, and not a pagan one,—for which Goethe and before him already Spinoza had shown so much good will.38 [8]
The Will.— In every act of willing, a plurality of feelings is united: the feeling of the state from which one moves away, the feeling of the state toward which one moves toward, the feeling of this “away and toward” itself, the feeling of duration involved, and finally an accompanying muscle-feeling, which, even without our moving arms and legs, begins its play through a kind of habit as soon as we “will.” Thus, just as feeling—and indeed a variety of feelings—must be recognized as an ingredient of the will, so too, secondly, must thinking: in every act of will, a thought commands—and one should not believe that this thought can be separated from the willing itself, as if any willing would remain afterward. Thirdly, the will is not only a complex of feeling and thinking but above all an affect: namely, that affect of command.
What is called freedom of the will is essentially the feeling of superiority in relation to the one who must obey: “I am free, he must obey”—this consciousness is inherent in every will, and precisely that tension of attention, that clear gaze which focuses exclusively on one thing, that exclusive valuation “now this is necessary and nothing else,” that inner certainty that it will be obeyed, all of which belong to the state of the one who commands. A person who wills commands something within himself that obeys, or of which he believes that it will obey. Now, however, observe what is most essential about the “will,” this so complicated thing for which the people have one word.Insofar as we are, in the given case, at the same time both the commanders and the obedient, and as the obedient we know the feelings of resisting, urging, pressing, moving, which usually begin immediately after the act of will; insofar as we have the habit of using the synthetic concept “I” to gloss over this duality, to deceive ourselves, a whole chain of erroneous conclusions and consequently false valuations of the will itself has become attached to willing:—so that the one who wills, in good faith, believes that his will itself is the actual and sufficient mobile for the entire action.And because in the vast majority of cases, the effect of the command—obedience, the action—was expected only where it was intended, the appearance has translated into the feeling as if there were a necessity of the effect: in short, the one who wills believes, with a considerable degree of certainty, that the will and the action are somehow one—he attributes the success of the execution of the will to the will itself and thereby enjoys an increase in that sense of power which all commanding entails.“Freedom of the will”: that is the word for that very mixed state of the one who wills, who commands and at the same time, as the executor, enjoys the triumph of superiority over resistances, but who judges that the will itself overcomes the resistances:—he adds the feelings of pleasure of the executing, successful instrument—of the servile will and sub-will—to his feeling of pleasure as the one who commands.— This interwoven nest of feelings, states, and false assumptions, which the people designate with one word and as one thing, because it is suddenly and “at once” there and belongs to the most frequent, consequently “best-known” experiences: the will, as I have described it here—should one believe that it has never been described before?That the crude prejudice of the people has hitherto been accepted unexamined in every philosophy? That there has been no difference of opinion among philosophers regarding what "willing" is, because all believed that here, precisely, one has an immediate certainty, a fundamental fact, where opinion has no place? And that all logicians still teach the trinity of "Thinking, Feeling, Willing," as if "Willing" contained no feeling and thinking?— In light of all this, Schopenhauer's great blunder, when he took the will as the most familiar thing in the world, indeed as the only thing truly known, seems less mad and arbitrary: he merely adopted an enormous prejudice of all previous philosophers, a popular prejudice, and, as philosophers generally do, exaggerated it. —38 [9]
The danger with extraordinary spirits is no small one, that they may at some point learn to strive for the terrible pleasures of destruction, of ruination, of slow ruination: namely, when the creative deed is utterly denied to them, perhaps due to a lack of tools or some other mischief of chance. In the economy of such souls, there is then no longer an Either-Or; and perhaps they must destroy precisely what they have loved most up to that point, with the delight of a devil in a fine, protracted manner
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The human being is a form- and rhythm-creating creature; they are best practiced in nothing and it seems that they take pleasure in nothing more than in the invention of shapes. Just observe what our eye immediately occupies itself with as soon as it has nothing more to see: it creates something to see. Presumably, in the same case, our hearing does nothing else: it practices. Without the transformation of the world into shapes and rhythms, there would be nothing “same” for us, thus also nothing recurring, thus also no possibility of experience and appropriation, of nourishment. In all perceiving, that is, the most original appropriation, the essential event is an action, more strictly still: a forcing of forms:—only the superficial speak of “impressions.”
The human being learns to know their strength as a resistant and even more as a determining force—repelling, selecting, shaping, arranging into their schemas. There is something active in the fact that we accept a stimulus at all and that we accept it as such a stimulus. This activity is inherent in not only setting forms, rhythms, and sequences of forms but also in evaluating the created structure in relation to incorporation or rejection.Thus our world arises, our entire world: and to this whole world, which belongs to us alone and is first created by us, there corresponds no supposed "actual reality," no "thing-in-itself": rather, it itself is our only reality, and "knowledge," thus considered, proves to be merely a means of nourishment. But we are difficult beings to nourish and have enemies everywhere and, as it were, indigestible things—: on this account human knowledge has become refined and finally so proud of its refinement that it will not hear that it is not an end, but a means or even a tool of the stomach—if not itself a kind of stomach! — —38 [11]
The higher philosophical man, who has solitude around him, not because he wants to be alone, but because he is something that finds no equal: what dangers and new sufferings are reserved for him precisely today, where one has unlearned the belief in the hierarchy and consequently neither knows how to honor nor to understand this solitude! Formerly, the wise man almost sanctified himself through such a stepping aside for the conscience of the multitude,—today the hermit sees himself surrounded as if by a cloud of gloomy doubts and suspicions.And not just from the envious and wretched: he must experience misjudgment, neglect, and superficiality even in every goodwill he encounters; he knows the insidiousness of limited compassion, which feels itself good and holy when it seeks to "save" him—perhaps through more comfortable circumstances, through more orderly, reliable society—from himself; indeed, he will have to admire the unconscious destructive drive with which all the mediocre of spirit act against him, and in the best faith in their right to do so!It is necessary for people of this incomprehensible loneliness to wrap themselves vigorously and heartily in the cloak of external, spatial solitude: this belongs to their wisdom. Even cunning and disguise will today be necessary so that such a person may preserve himself, may keep himself above, amid the dangerous, downward-pulling rapids of the time. Every attempt to endure in the present, with the present, every approach to these people and goals of Today he must atone for as his true sin: and he may marvel at the hidden wisdom of his nature, which, in all such attempts, immediately called him back to himself through illness and dire misfortunes.
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And do you also know what "the world" is to me? Shall I show it to you in my mirror? This world: a monster of force, without beginning, without end, a firm, brazen magnitude of force, which does not grow greater, does not grow smaller, which does not expend itself but only transforms, as a whole unchangeably great, a household without expenditures and losses, but equally without increase, without income, enclosed by "nothing" as by its boundary, nothing fading away, nothing squandered, nothing infinitely extended, but as a determined force set in a determined space, and not in a space that would be "empty" anywhere, rather as force everywhere, as a play of forces and force-waves at once one and "many," here accumulating and at the same time there diminishing, a sea of forces storming and flooding within itself, eternally changing, eternally returning, with immense years of
Recurrence, with an ebb and flow of its configurations, driving from the simplest into the most manifold, from the stillest, most rigid, coldest into the most glowing, wildest, self-contradictory, and then returning from abundance back to the simple, from the play of contradictions back to the delight of harmony, affirming itself even in this sameness of its paths and years, blessing itself as that which must eternally recur, as a becoming that knows no satiety, no disgust, no weariness—: this my Dionysian world of eternal self-creation, of eternal self-destruction, this mystery-world of dual lusts, this my beyond good and evil, without goal unless a goal lies in the happiness of the circle, without will unless a ring has good will toward itself—do you want a name for thisWorld? A solution for all its riddles? a light also for you, you most hidden, strongest, most intrepid, most midnightly?— This world is the will to power—and nothing besides! And you yourselves are this will to power—and nothing besides!38 [13]
When I was younger, I worried about what a philosopher actually was: for I believed I perceived opposite characteristics in the famous philosopher. Finally, it dawned on me that there are two different kinds of philosophers, first those who have to uphold some great fact of valuations, that is, former value judgments and value creations (logical or moral), and second those who are themselves legislators of valuations. The former seek to take possession of the existing or past world by summarizing and abbreviating it through signs. It is the task of these researchers to make everything that has happened and been valued so far surveyable, thinkable, graspable, manageable, to overcome the past, to shorten everything long, even time itself, a great and wonderful task.The true philosophers are commanders and legislators, they say: thus shall it be! they first determine the whither and wherefore of man and in doing so make use of the preliminary work of the philosophical laborers, those overcomers of the past. This second kind of philosophers is rare; and indeed their position and danger are immense. How often have they deliberately closed their eyes, so as no longer to see the narrow ridge that separates them from the abyss and the fall: for example, Plato, when he persuaded himself that the good, as he desired it, was not Plato's good, but the good in itself, the eternal treasure which some man named Plato had merely found on his way!In much coarser forms, this same will to blindness prevails among the founders of religions: their "thou shalt" must by no means sound to their ears like "I will"—only as the command of a God do they dare to fulfill their task, only as "inspiration" is their legislation of values a bearable burden under which their conscience does not break.— Once those two consolations, Plato's and Muhammad's, have fallen away and no thinker can any longer ease his conscience with the hypothesis of a "God" or "eternal values," the claim of the legislator of new values rises to a new and hitherto unattained terribleness.Now those chosen ones, before whom the premonition of such a duty begins to dawn, will attempt to see whether they might not still "in the nick of time" escape it as their greatest danger through some evasion: for example, by convincing themselves that the task is already solved, or that it is unsolvable, or that they lack the shoulders for such burdens, or that they are already overloaded with other, more immediate tasks, or even that this new distant duty is a seduction and temptation, a distraction from all duties, a sickness, a kind of madness.Some may indeed succeed in evading: throughout all of history runs the trace of such evaders and their bad conscience. Most often, however, the hour of fate, that autumn hour of ripeness, came to such people, when they had to do what they did not even “want”:— and the deed, which they had most feared beforehand, fell lightly and unwilled from the tree, as a deed without arbitrariness, almost as a gift. —
38 [14]
What separates us most thoroughly from all Platonic and Leibnizian ways of thinking is this: we do not believe in eternal concepts, eternal values, eternal forms, eternal souls; and philosophy, insofar as it is science and not legislation, means to us only the broadest extension of the concept of "history." From the etymology and history of language, we take all concepts as having become, many as still becoming; and indeed in such a way that the most general concepts, as the most false, must also be the oldest.
“Being,” “Substance,” and “Unconditional,” “Equality,” “Thing”—: thought first invented these schemas for itself, and they are the oldest, which in fact most thoroughly contradicted the world of becoming, but from the outset, due to the dullness and uniformity of the initial, still sub-animal consciousness, they *seemed* to correspond to it: every “experience” seemed to continually and exclusively underscore them anew. Equality and similarity were gradually, with the sharpening of the senses and attention, with the development and struggle of the most varied life, admitted less and less frequently: while for the lowest beings everything appeared “eternally the same,” “One,” “enduring,” “unconditional,” “without properties.”Gradually, the "external world" multiplied in this way; but for enormous periods of time on Earth, a thing was considered identical and coinciding with a single characteristic, for example, with a specific color. The multiplicity of characteristics in a single thing was admitted with the greatest slowness: even from the history of human language, we see a resistance to the multiplicity of predicates.The longest confusion, however, is that the predicate-sign is equated with the thing itself; and the philosophers, who have best reproduced the oldest instincts of humanity—also the oldest fears and superstitions (such as the soul-superstition)—one can speak of an atavism par excellence with them—stamped their seal on this confusion when they taught that precisely the signs, namely the “ideas,” were the truly existing, unchanging, and universally valid. While in fact, when perceiving a thing, thinking runs through a series of signs that memory offers it and searches for similarities; while a person, with a similar sign, classifies the thing as “known,” grasps, seizes: for a long time, they believed they had thereby comprehended it.Grasping and holding, appropriating, already meant to him a knowing, a knowing-to-the-end; the words even in human language seemed for a long time—and still seem to the people today—not signs but truths concerning the things thus designated. The finer the senses, the stricter the attention, the more manifold the tasks of life became, the harder it was also to concede the cognition of a thing, of a fact, as definitive cognition, as “truth”; and finally, at the point to which methodical mistrust has driven us today, we no longer grant ourselves the right to speak of truths in the unconditional sense—we have renounced belief in the knowability of things just as much as belief in cognition.The “thing” is merely a fiction, the “thing-in-itself” even a contradictory, impermissible fiction: but cognition, both absolute and consequently relative, is likewise only a fiction! With this, the compulsion to posit a something that “cognizes,” a subject for cognition, some pure “intelligence,” an “absolute spirit,” also falls away:—this mythology, not entirely abandoned even by Kant, which Plato prepared for Europe in a fateful manner and which, with the Christian fundamental dogma “God is a spirit,” threatened all science of the body and thereby the further development of the body with death,—this mythology has now had its time.38 [15]
I have experienced strange things regarding the effect of my books. Recently, a letter from an old distinguished Dutchman arrived, who considers Human, All Too Human as his most faithful life companion; The Birth of Tragedy may have produced the greatest sound of happiness in R W’s life, he was beside himself, and there are wonderful things in Twilight of the Idols, which he produced in this state of unexpected utmost hope. (At that time
I would like to know if this book is understood by anyone: its backgrounds belong to my most personal property.Zarathustra has the value judgments of a few millennia against him; I absolutely do not believe that anyone today is capable of hearing his overall tone: moreover, understanding him presupposes such philological and more than philological work as no one today will undertake, for lack of time.
I myself am very satisfied with the fact that my taste in musicis and philosophicis, which in 1865 (where I was perhaps the only German who equated Sch and W) now belongs to German taste.
The selection that is made with regard to my books gives me pause.
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the unobjectionable use of stopgaps and the intellectual effort and wealth, to give here to a weakness the attributes of strength: what almost gives the Wagnerian style its character —
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Schopenh perversity of disposition and my birth of tragedy!
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“he could have acted differently”—this perspective on the emergence of the sense of justice by Reè incorrectly applied.
38 [19]
The first trace of philosophical reflection that I can grasp, when looking back on my life, I encounter in a small note from my 13th year; it contains an idea about the origin of evil. My assumption was that for a God, thinking something and creating something are one and the same. Now I reasoned as follows: God thought of himself when he created the second person of the Godhead; but in order to be able to think of himself, he first had to think of his opposite.
The devil therefore had, in my imagination, an age just like that of the Son of God, even a clearer origin—and the same origin. Regarding the question of whether it is possible for a God to conceive of his opposite, I helped myself by saying: everything is possible for him. And secondly: that he has done it is a fact, assuming the existence of a God-Son is a fact, consequently it was also possible for him,38 [20]
Without a passionate pleasure in the adventures of knowledge, one will hardly be able to endure long in its perilous realm; and to everyone who is too cowardly or too chaste for such “excesses,” it may fairly be conceded to make a virtue and a praise out of it. For the stronger spirits, however, that demand applies: that one must be a person of passion, but also the master of one’s passions, even with regard to their passion for knowledge.
Just as Napoleon, to Talleyrand’s astonishment, let his anger bark and roar at the chosen moment and then, just as suddenly, brought it to silence, so too should the strong spirit do with his wild dogs: no matter how fierce the will to truth may be within him—it is his wildest dog—he must, at the chosen time, be able to embody the will to untruth, the will to uncertainty, the will to ignorance, above all to folly.38 [21]
The Decline of Grace.— Among the symptoms of the general uglification, as befits an age that increasingly makes the rabble the master, is not least the growing self-abandonment of women and a kind of “return to nature,” i.e., to the rabble: even in places where one once held on to noble and strict customs as one’s privilege: e.g., at courts. One stands amazed at the lack of refinement even in dealings with the most charming women: and we help ourselves
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A garden, in which even the latticework is gilded, must protect itself not only against thieves and vagabonds: its worst dangers come from its intrusive admirers, who break off something everywhere and would all too gladly take this and that as a keepsake.— And do you not notice, you idlers in my gardens, that you cannot even justify yourselves beside my herbs and weeds, that they say to your face: away, you intruders, you