11, 44[1-9] Herbst 1885
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Die Capitel.
Von der Auslegung.
Von der Rangordnung.
Die Wege zum Heiligen.
Die ewige Wiederkunft.
Der Aberglaube der kritischen Philosophen.
Kritik Pascals: er hat bereits die christlich-moralischen Auslegungen in der Natur des Menschen und meint den “Thatbestand” zu fassen. Auch Sainte-Beuve.
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Es ist nichts seit Pascal passirt, die deutschen Philosophen kommen gegen ihn nicht in Betracht.
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Die Deutschen haben keine Prosa, welche klingt und springt.
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Die klassische Prosa der Franzosen von 1648: was zusammenkommen muß.
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Die Abwesenheit der moral Zucht; man hat die M wachsen lassen. Vielleicht sind die M von Port-Royal wie künstliche Gärten.
Es fehlt Autorität.
Es fehlt die Mäßigung innerhalb ruhiger Horizonte;—man hat aus der Unendlichkeit eine Art Betrunkenheit gemacht.
Es fehlt die Feinheit in der Beurtheilung.
Es herrscht ein Chaos von widersprechenden Werthschätzungen.
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Was ist denn das, dieser Kampf des Christen “wider die Natur”? Wir werden uns ja durch seine Worte und Auslegungen nicht täuschen lassen! Es ist Natur wider etwas, das Natur ist. Furcht bei Vielen, Ekel bei Manchen, eine gewisse Geistigkeit bei Anderen, die Liebe zu einem Ideal ohne Fleisch und Begierde, zu einem “Auszug der Natur” bei den Höchsten—diese Wollen es ihrem Ideale gleich thun. Es versteht sich, daß Demüthigung an Stelle des Selbstgefühls, ängstliche Vorsicht vor den Begierden, die Lostrennung von den gewöhnlichen Pflichten (wodurch wieder ein höheres Ranggefühl geschaffen wird) die Aufregung eines beständigen Kampfes um ungeheure Dinge, die Gewohnheit der Gefühls-Effusion—alles einen Typus zusammensetzt: in ihm überwiegt die Reizbarkeit eines verkümmernden Leibes, aber die Nervosität und ihre Inspiration wird anders interpretirt. Der Geschmack dieser Art Naturen geht einmal 1) auf das Spitzfindige 2) auf das Blumige 3) auf die extremen Gefühle.— Die natürlichen Hänge befriedigen sich doch, aber unter einer neuen Form der Interpretation z. B. als “Rechtfertigung vor Gott,” “Erlösungsgefühl in der Gnade” (—jedes unabweisbare Wohlgefühl wird so interpretirt!—) der Stolz, die Wollust usw.— Allgemeines Problem: was wird aus dem Menschen, der sich das Natürliche verlästert und praktisch verleugnet und verkümmert? Thatsächlich erweist sich der Christ als eine übertreibende Form der Selbstbeherrschung: um seine Begierden zu bändigen, scheint er nöthig zu haben, sie zu vernichten oder zu kreuzigen. —
Die epikureische Art des Christen und die stoische Art—zur ersteren gehört François de Sales, zur letzteren Pascal
Sieg Epicurs—aber gerade diese Art Mensch wird schlecht verstanden und muß schlecht verstanden werden. Die stoische Art (welche es sehr nöthig hat zu kämpfen und folglich den Werth des Kämpfenden über die Gebühr schätzt—) verleumdet immer den “Epicur”!
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Das griechisch-römische Altherthum hatte eine tyrannische und übertreibende Anti-Natur-Moral nöthig; die Germanen ebenfalls, in anderer Hinsicht.
Unsre jetzige Art Mensch entbehrt eigentlich der Zucht und der strengen Disciplin; die Gefahr ist dabei nicht groß, weil die Art Mensch schwächer ist als frühere und andrerseits, weil die unbewußten Zuchtmeister (wie Fleiß, der Ehrgeiz im Vorwärtskommen, die bürgerliche Achtbarkeit) sehr hemmend wirken und im Zaume halten.— Aber wie Menschen aus der Zeit Pascals zusammengehalten werden mußten!
Das überflüssige Christenthum: dort, wo keine extremen Mittel mehr nöthig sind! Da wird alles falsch, und jedes Wort, jede christliche Perspective eine Tartüfferie und Schönrednerei.
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Das neue Japan.
Ich las mit vieler Bosheit der Hintergedanken, was ein deutscher Anarchist unter dem Begriff “freie Gesellschaft”
“Die freie Gesellschaft”—alle Züge als groteske Wort- und Farben-Aufputzung einer kleinen Art von Heerdenthieren.
“Die Gerechtigkeit” und die Moral der gleichen Rechte—die Tartüfferie der moralischen Prädikate.
“die Presse,” ihre Idealisirung.
“die Abschaffung des Arbeiters”
“es schlägt die vorarische Rasse durch”: und überhaupt die ältesten Arten von Gesellschaft
der Niedergang des Weibes
die Juden als herrschende Rasse.
Vornehme und gemeine Cultur.
der Gelehrte überschätzt: und eine triumphirende liebevollere und herrschaftliche Fülle des Herzens
— wie ich dies Alles gesehn habe, ohne Liebe vielleicht, aber doch auch ohne Hohn, und was hiernach vielleicht Wunder nimmt—mit der Neugierde eines Kindes, das vor dem buntesten und zierlichsten aller Guckkästen steht.
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Man erwäge, wie alles Leiden den M auf sich zurückdrängt, ein Schaden gesetzt daß es klug macht sicherlich in eben dem Grade auch schlecht macht (eng, kleinlich, argwöhnisch, lieblos
Denn deren Zahl ist immer klein: die Anderen aber, die Leidenden, haben nichts, was sie in dem Maaße von den schlimmen Folgen vielen Leidens heilt und
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The Chapters.
On Interpretation.
On Hierarchy.
The Paths to the Holy.
The Eternal Recurrence.
The Superstition of Critical Philosophers.
Critique of Pascal: he has already the Christian-moral interpretations in human nature and believes to grasp the “facts of the case.” Also Sainte-Beuve.
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Nothing has happened since Pascal, the German philosophers do not come into consideration against him.
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The Germans have no prose that rings and leaps.
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The classical prose of the French from 1648: what must come together.
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The absence of moral discipline; one has let the M grow. Perhaps the M of Port-Royal are like artificial gardens.
There is a lack of authority.
There is a lack of moderation within calm horizons;—one has made infinity a kind of drunkenness.
There is a lack of refinement in judgment.
There is a chaos of conflicting valuations.
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What is this, then, this struggle of the Christian "against nature"? We will not be deceived by his words and interpretations! It is nature against something that is nature. Fear in many, disgust in some, a certain spirituality in others, the love of an ideal without flesh and desire, of a "distillation of nature" in the highest—these wish to emulate their ideal. It goes without saying that humiliation in place of self-esteem, anxious caution toward desires, detachment from ordinary duties (which again creates a higher sense of rank), the excitement of a constant struggle over immense things, the habit of emotional effusion—all compose a type: in him, the irritability of a withering body predominates, but the nervousness and its inspiration are interpreted differently.
The taste of this kind of nature tends once 1) to the subtle 2) to the florid 3) to the extreme feelings.— The natural inclinations satisfy themselves yet, but under a new form of interpretation, e.g., as “justification before God,” “feeling of redemption in grace” (—every irresistible well-being is thus interpreted!—) pride, lust, etc.— General problem: what becomes of the man who slanders and practically denies and stunts the natural in himself?In fact, the Christian proves to be an exaggerated form of self-control: to master his desires, he seems to need to destroy or crucify them. —The Epicurean type of Christian and the Stoic type—the former includes François de Sales, the latter Pascal
Epicurus’ Victory—but this very type of person is misunderstood and must be misunderstood. The Stoic type (which greatly needs to struggle and consequently overvalues the worth of the struggler—) always slanders the “Epicurean”!
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The Greco-Roman antiquity needed a tyrannical and exaggerated anti-nature morality; the Germans likewise, in a different respect.
Our current type of human lacks discipline and strict discipline; the danger is not great, because the type of human is weaker than earlier ones and, on the other hand, because the unconscious disciplinarians (such as diligence, ambition in advancing, bourgeois respectability) act very restrainingly and keep in check.— But how people from Pascal's time had to be held together!
The superfluous Christianity: where no extreme means are necessary anymore! Everything becomes false there, and every word, every Christian perspective a Tartuffery and whitewashing.
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The New Japan.
I read with much malice of ulterior motives what a German anarchist understands by the concept of "free society"
"The free society"—all features as grotesque word- and color-embellishment of a small kind of herd animals.
"Justice" and the morality of equal rights—the Tartuffery of moral predicates.
"the press," its idealization.
"the abolition of the worker"
"the pre-Aryan race breaks through": and in general the oldest types of society
the decline of women
the Jews as the ruling race.
Noble and common culture.
the scholar overestimated: and a triumphant, more loving, and sovereign fullness of the heart
— how I have seen all this, perhaps without love, but also without scorn, and what may now seem wondrous—with the curiosity of a child standing before the most colorful and delicate of peep-shows.
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Consider how all suffering forces the M back upon itself, assuming it makes one clever, certainly to the same degree it also makes one bad (narrow, petty, suspicious, loveless
For their number is always small: the others, the sufferers, have nothing that heals them to that extent from the bad consequences of much suffering and