12, 4[1-9] Anfang 1886 - Frühjahr 1886

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Ein Philosoph: was für eine bescheidene Creatur, wenn er wirklich seinem Namen treu bleibt!—als welcher nicht einen “Freund der Weisheit” bezeichnet, Vergebung einem alten Philologen! sondern nur “einen, der weise Männer gern hat.” Wollt ihr also, daß es Philosophen geben soll, im griechischen Sinne und Wortverstande, heran zuerst mit euren “weisen Männern”!— Aber, es scheint mir, meine Freunde, wir lieben zuletzt die unweisen Männer mehr, als die weisen, gesetzt selbst es gäbe Weise—? Und vielleicht steckt darin, gerade darin mehr Weisheit? Wie? Sollten gar die Weisen selbst—aus der Nähe gesehn, vielleicht—keine “Philosophen” sein? Sondern “Philasophen”? Freunde der Narrheit, gute Gesellschaft für Spielleute und närrisches Volk? Und nicht für—sich?—

4 [2]

Zum Problem der Maske. “Une croyance presque instinctive chez moi, c’est que tout homme puissant ment, quand il parle et à plus forte raison, quand il écrit.” Stendhal, vie de Napoléon, préface p. XV.

4 [3]

“Je sais, quel est le pouvoir des hommes, sagte Napoleon auf Sankt Helena; les plus grands ne peuvent exiger d’être aimés.”— Fügen wir sofort hinzu, was sich auf allzugute Gründe hin vermuthen läßt: sie verlangen es auch nicht einmal von sich selbst,—und sie lieben sich auch nicht!

4 [4]

“Du scheinst mir Schlimmes im Schilde zu führen, man möchte glauben, du wolltest den Menschen zu Grunde richten?”—sagte ich einmal zu dem Gotte Dionysos. “Vielleicht, antwortete der Gott, aber so, daß dabei Etwas für ihn heraus kommt.”— “Was denn? fragte ich neugierig.— Wer denn? solltest du fragen.” Also sprach Dionysos und schwieg darauf in der Art, die ihm eigen ist, nämlich versucherisch. Ihr hättet ihn dabei sehen sollen!— Es war Frühling, und alles Holz stand in jungem Safte.

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Es giebt einen Theil der Nacht, von welchem ein Einsiedler sagen wird: “horch’ jetzt hört die Zeit auf!” Bei allen Nachtwachen, insbesondere, wenn man sich auf ungewöhnlichen nächtlichen Fahrten und Wanderungen befindet, hat man in Bezug auf diesen Theil der Nacht (ich meine die Stunden von Eins bis Drei) ein wunderliches erstauntes Gefühl, eine Art von “Viel zu kurz!” oder “Viel zu lang!,” kurz den Eindruck einer Zeit-Anomalie. Sollten wir es in jenen Stunden, als ausnahmsweise Wachende, abzubüßen haben, daß wir für gewöhnlich um jene Zeit uns in dem Zeit-Chaos der Traumwelt befinden? Genug, Nachts von Eins bis Drei haben wir “keine Uhr im Kopfe.” Mich dünkt, daß eben dies auch die Alten ausdrückten mit “intempestiva nocte” und “” (Aeschylos), also “da in der Nacht, wo es keine Zeit giebt”; und auch ein dunkles Wort Homer’s zur Bezeichnung des tiefsten stillsten Theils der Nacht lege ich mir etymologisch auf diesen Gedanken zurecht, mögen die Übersetzer es immerhin mit “Zeit der Nachtmelke” wiederzugeben glauben—: wo in aller Welt war man denn je dermaaßen thöricht, daß man da die Kühe des Nachts zwischen Eins und Drei melkte!— Aber wem erzählst du da deine Nachtgedanken? —

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Ehen im bürgerlichen Sinne des Wortes, wohlverstanden im achtbarsten Sinne des Wortes “Ehe,” handelt es sich ganz und gar nicht um Liebe, ebenso wenig als es sich dabei um Geld handelt—aus der Liebe läßt sich keine Institution machen—: sondern um die gesellschaftliche Erlaubniß, die zwei Personen zur Geschlechtsbefriedigung an einander ertheilt wird, unter Bedingungen, wie sich von selbst versteht, aber solchen, welche das Interesse der Gesellschaft im Auge haben. Daß einiges Wohlgefallen der Betheiligten und sehr viel guter Wille—Wille zu Geduld, Verträglichkeit, Fürsorge für einander—zu den Voraussetzungen eines solchen Vertrags gehören wird, liegt auf der Hand; aber das Wort Liebe sollte man dafür nicht mißbrauchen! Für zwei Liebende im ganzen und starken Sinne des Wortes ist eben die Geschlechtsbefriedigung nichts Wesentliches und eigentlich nur ein Symbol, für den einen Theil, wie gesagt, Symbol der unbedingten Unterwerfung, für den andern Symbol der Zustimmung zu ihr, Zeichen der Besitzergreifung.— Bei der Ehe im adeligen, altadeligen Sinne des Wortes handelt es sich um Züchtung einer Rasse (giebt es heute noch Adel? Quaeritur),—also um Aufrechterhaltung eines festen, bestimmten Typus herrschender Menschen: diesem Gesichtspunkt wurde Mann und Weib geopfert. Es versteht sich, daß hierbei nicht Liebe das erste Erforderniß war, im Gegentheil! und noch nicht einmal jenes Maaß von gutem Willen für einander, welches die gute bürgerliche Ehe bedingt. Das Interesse eines Geschlechts zunächst entschied, und über ihm—der Stand. Wir würden vor der Kälte, Strenge und rechnenden Klarheit eines solchen vornehmen Ehe-Begriffs, wie er bei jeder gesunden Aristokratie geherrscht hat, im alten Athen, wie noch im Europa des achtzehnten Jahrhunderts, ein wenig frösteln, wir warmblütigen Thiere mit kitzlichem Herzen, wir “Modernen”! Eben deshalb ist die Liebe als Passion, nach dem großen Verstande des Wortes, für die aristokratische Welt erfunden worden und in ihr,—da, wo der Zwang, die Entbehrung eben am größten waren ...

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— “Die Krankheit macht den Menschen besser”: diese berühmte Behauptung, der man durch alle Jahrhunderte begegnet, und zwar im Munde der Weisen ebenso als im Mund und Maule des Volks, giebt zu denken. Man möchte sich, auf ihre Gültigkeit hin, einmal erlauben zu fragen: giebt es vielleicht ein ursächliches Band zwischen Moral und Krankheit überhaupt? Die “Verbesserung des Menschen,” im Großen betrachtet, zum Beispiel die unleugbare Milderung Vermenschlichung Vergutmüthigung des Europäers innerhalb des letzten Jahrtausends—ist sie vielleicht die Folge eines langen heimlich-unheimlichen Leidens und Mißrathens, Entbehrens, Verkümmerns? Hat “die Krankheit” den Europäer “besser gemacht”? Oder anders gefragt: ist unsere Moralität — unsere moderne zärtliche Moralität in Europa, mit der man die Moralität des Chinesen vergleichen möge—der Ausdruck eines physiologischen Rückgangs? ... Man möchte nämlich nicht ableugnen können, daß jede Stelle der Geschichte, wo “der Mensch” sich in besonderer Pracht und Mächtigkeit des Typus gezeigt hat, sofort einen plötzlichen, gefährlichen, eruptiven Charakter annimmt, bei dem die Menschlichkeit schlimm fährt; und vielleicht hat es in jenen Fällen, wo es anders scheinen will, eben nur an Muth oder Feinheit gefehlt, die Psychologie in die Tiefe zu treiben und den allgemeinen Satz auch da noch herauszuziehn: “je gesünder, je stärker, je reicher, fruchtbarer, unternehmender ein Mensch sich fühlt, um so ‘unmoralischer’ wird auch.” Ein peinlicher Gedanke! dem man durchaus nicht nachhängen soll! Gesetzt aber, man läuft mit ihm ein kleines, kurzes Augenblickchen vorwärts, wie verwundert blickt man da in die Zukunft! Was würde sich dann auf Erden theurer bezahlt machen als gerade das, was wir mit allen Kräften fordern—die Vermenschlichung, die “Verbesserung,” die wachsende “Civilisirung” des Menschen? Nichts wäre kostspieliger als Tugend: denn am Ende hätte man mit ihr die Erde als Hospital: und “Jeder Jedermanns Krankenpfleger” wäre der Weisheit letzter Schluß. Freilich: man hätte dann auch jenen vielbegehrten “Frieden auf Erden”! Aber auch so wenig “Wohlgefallen an einander”! So wenig Schönheit, Übermuth, Wagniß, Gefahr! So wenig “Werke,” um derentwillen es sich noch lohnte, auf Erden zu leben! Ach! und ganz und gar keine “Thaten” mehr! Alle großen Werke und Thaten, welche stehn geblieben sind und von den Wellen der Zeit nicht fortgespült wurden—waren sie nicht alle im tiefsten Verstande große Unmoralitäten? ...

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Daß die bloße Stärke eines Glaubens ganz und gar noch nichts hinsichtlich seiner Wahrheit verbürgt, ja sogar im Stande ist, aus der vernünftigsten Sache langsam, langsam eine dicke Thorheit herauszupräpariren: dies ist unsre eigentliche Europäer-Einsicht,—in ihr, wenn irgend worin, sind wir erfahren, gebrannt, gewitzigt, weise geworden, durch vielen Schaden, wie es scheint ... “Der Glaube macht selig”: gut! Bisweilen wenigstens! Aber der Glaube macht unter allen Umständen dumm, selbst in dem seltneren Falle, daß er es nicht ist, daß er von vornherein ein kluger Glaube ist. Jeder lange Glaube wird endlich dumm, das bedeutet, mit der Deutlichkeit unsrer modernen Psychologen ausgedrückt, seine Gründe versinken “ins Unbewußte,” sie verschwinden darin,—fürderhin ruht er nicht mehr auf Gründen, sondern auf Affekten (das heißt er läßt im Falle, daß er Hülfe nöthig hat, die Affekte für sich kämpfen und nicht mehr die Gründe). Angenommen, man könnte herausbekommen, welches der bestgeglaubte, längste, unbestrittenste, ehrlichste Glaube ist, den es unter Menschen giebt, man dürfte mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit muthmaaßen, daß er zugleich auch der tiefste, dümmste, “unbewußteste,” vor Gründen am besten vertheidigte, von Gründen am längsten verlassene Glaube sei.—

Zugegeben; aber welches ist dieser Glaube?— Oh ihr Neugierigen! Aber nachdem ich mich einmal auf’s Räthsel-Aufgeben eingelassen habe, will ich’s menschlich treiben und mit der Antwort und Lösung schnell herausrücken,—man wird sie mir nicht so leicht vorwegnehmen.

Der Mensch ist vor Allem ein urtheilendes Thier; im Urtheile aber liegt unser ältester und beständigster Glaube versteckt, in allem Urtheilen giebt es ein zu Grunde liegendes Fürwahr-halten und Behaupten, eine Gewißheit, daß Etwas so und nicht anders ist, daß hierin wirklich der Mensch “erkannt” hat: was ist das, was in jedem Urtheil unbewußt als wahr geglaubt wird?— Daß wir ein Recht haben, zwischen Subjekt und Prädikat, zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden—das ist unser stärkster Glaube; ja im Grunde ist selbst schon der Glaube an Ursache und Wirkung, an conditio und conditionatum nur ein Einzelfall des ersten und allgemeinen Glaubens, unsres Urglaubens an Subjekt und Prädikat (nämlich als die Behauptung, daß jede Wirkung eine Thätigkeit sei und daß jedes Bedingte einen Bedingenden, jede Thätigkeit einen Thäter, kurz ein Subjekt voraussetze) Sollte dieser Glaube an den Subjekts- und Prädikats-Begriff nicht

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Nachspiel.

— Aber hier unterbrecht ihr mich, ihr freien Geister. “Genug! Genug! höre ich euch schrein und lachen, wir halten es nicht mehr aus! Oh über diesen schauerlichen Versucher und Gewissens-Störenfried! Willst du uns denn bei der ganzen Welt den Ruf verderben? Unsren guten Namen anschwärzen? Uns Zunamen anhängen, die sich nicht nur in die Haut einfressen?— Und wozu am hellen blauen Tage diese düstern Gespenster, diese moralischen Gurgeltöne, diese ganze tragische rabenschwarze Musik! Sprichst du Wahrheiten: nach solchen Wahrheiten können keine Füße tanzen, also sind es noch lange keine Wahrheiten für uns! Ecce nostrum veritatis sigillum! Und hier ist Rasen und weicher Grund: was gäbe es Besseres als geschwind deine Grillen wegjagen und uns, nach deiner Nacht, einen guten Tag machen? Es wäre endlich Zeit, daß sich wieder ein Regenbogen über dies Land ausspannte, und daß uns Jemand sanfte tolle Lieder zu hören und Milch zu trinken gäbe:—wir Alle haben wieder Durst nach einer frommen, von Herzen thörichten und milchichten Denkungsart.”— Meine Freunde, ich sehe es ihr verliert meine Geduld,—und wer sagt euch, daß ich nicht längst schon gerade darauf wartete? Aber ich bin zu eurem Willen; und ich habe auch, was ihr braucht. Seht ihr nicht dort meine Heerden springen, alle meine zarten sonnigen windstillen Gedanken-Lämmer und Gedanken-Böcke? Und hier steht auch schon für euch ein ganzer Eimer Milch bereit; habt ihr aber erst getrunken—denn ihr dürstet alle nach Tugend, ich sehe es—so soll es nicht an Liedern fehlen, wie ihr sie wollt! Anzufangen mit einem Tanzliede für die muntersten Beine und Herzen: und wahrlich, wer es singt, der thut es Einem zu Ehren, der Ehre verdient, einem der Freiesten unter freien Geistern, der alle Himmel wieder hell und alle Meere brausen macht. —

12, 4[1-9] Anfang 1886 - Frühjahr 1886

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A philosopher: what a modest creature, if he truly remains faithful to his name!—which does not denote a “friend of wisdom,” pardon an old philologist! but only “one who likes wise men.” So, if you want there to be philosophers, in the Greek sense and meaning of the word, first bring forth your “wise men”!— But, it seems to me, my friends, we ultimately love unwise men more than wise ones, even assuming there are any wise men—? And perhaps there is more wisdom in that, precisely in that? What? Could it be that the wise themselves—seen up close, perhaps—are not “philosophers”? But rather “philaso­phers”? Friends of folly, good company for jesters and foolish people? And not for—themselves?—

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On the problem of the mask. “An almost instinctive belief of mine is that every powerful man lies when he speaks and even more so when he writes.” Stendhal, Life of Napoleon, preface p. XV.

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“Je sais, quel est le pouvoir des hommes, said Napoleon on Saint Helena; les plus grands ne peuvent exiger d’être aimés.”— Let us immediately add what can be surmised on all too good grounds: they do not even demand it of themselves,—and they do not love themselves either!

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“You seem to me to be plotting something terrible, one might believe you want to ruin mankind?”—I said once to the god Dionysus. “Perhaps,” answered the god, “but in such a way that something comes of it for him.”— “What then?” I asked curiously.— Who then? you should ask.” Thus spoke Dionysus and then fell silent in the manner peculiar to him, namely temptingly. You should have seen him then!— It was spring, and all the wood stood in young sap.

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There is a part of the night about which a hermit will say: “listen now time stops!” During all night watches, especially when one is on unusual nocturnal journeys and wanderings, one has a strange astonished feeling regarding this part of the night (I mean the hours from one to three), a kind of “Much too short!” or “Much too long!,” in short the impression of a time anomaly. Should we, as exceptionally awake in those hours, have to atone for the fact that we are usually in the time chaos of the dream world at that time?

Enough, from one to three at night we have “no clock in our head.” It seems to me that this is also what the ancients expressed with “intempestiva nocte” and “” (Aeschylus), meaning “there in the night, where there is no time”; and I also interpret a dark word of Homer’s to denote the deepest, stillest part of the night etymologically in this way, even if translators may believe to render it as “time of the night-milking”—where in all the world was one ever so foolish as to milk the cows at night between one and three!— But to whom are you telling your night thoughts? —

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Marriages in the bourgeois sense of the word, understood in the most respectable sense of the word “marriage,” are by no means about love, just as they are not about money—love cannot be made into an institution—: but rather about the social permission granted to two individuals for sexual gratification, under conditions that go without saying, but ones that have the interest of society in mind. That some pleasure of the parties involved and a great deal of goodwill—willingness to endure, tolerance, care for one another—will be among the prerequisites of such a contract is obvious; but the word love should not be misused for it!For two lovers in the full and strong sense of the word, sexual gratification is nothing essential and actually only a symbol—for one part, as mentioned, a symbol of unconditional submission, for the other a symbol of consent to it, a sign of possession.—In marriage in the noble, old-noble sense of the word, it is about the breeding of a race (is there still nobility today? Quaeritur),—thus about maintaining a fixed, determined type of ruling people: to this perspective, man and woman were sacrificed. It goes without saying that not love was the first requirement here, on the contrary!and not even that measure of goodwill for one another which the good bourgeois marriage requires. The interest of one sex first decided, and above it—rank. We would shiver a little before the coldness, severity, and calculating clarity of such a noble concept of marriage as prevailed in every healthy aristocracy, in ancient Athens as well as in eighteenth-century Europe, we warm-blooded creatures with ticklish hearts, we “moderns”! Precisely for this reason, love as passion, in the great sense of the word, was invented in the aristocratic world and within it—there, where constraint and deprivation were greatest...

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— “Illness makes man better”: this famous claim, encountered through all centuries, both in the mouths of the wise and in the mouths and maws of the people, gives pause. One might, regarding its validity, allow oneself to ask: is there perhaps a causal connection between morality and illness in general? The “improvement of man,” considered on a large scale—for example, the undeniable softening, humanization, and good-heartedness of the European over the last millennium—is it perhaps the result of a long, secretly-uncanny suffering and failure, deprivation, and stunting? Has “illness” made the European “better”? Or, to put it differently: is our morality—our modern tender morality in Europe, which one might compare to the morality of the Chinese—the expression of a physiological decline? ...One would not want to be able to deny that every point in history where "man" has shown himself in particular splendor and power of type immediately takes on a sudden, dangerous, eruptive character, in which humanity fares badly; and perhaps in those cases where it seems otherwise, it has only lacked courage or finesse to drive psychology into the depths and still extract the general proposition: "the healthier, stronger, richer, more fruitful, more enterprising a man feels, the more 'immoral' he also becomes." A painful thought! which one should by no means dwell upon! But suppose one runs with it for a little, short moment—how astonished one then looks into the future!What would then be more dearly paid for on earth than precisely that which we demand with all our might—the humanization, the “improvement,” the growing “civilization” of man? Nothing would be more costly than virtue: for in the end, one would have the earth as a hospital: and “Everyone Everyone’s Nurse” would be the final conclusion of wisdom. Admittedly: one would then also have that much-desired “peace on earth”! But also so little “goodwill toward one another”! So little beauty, exuberance, daring, danger! So few “works” for which it would still be worth living on earth! Alas! and not a single “deed” anymore! All great works and deeds that have endured and have not been swept away by the waves of time—were they not all, in the deepest sense, great immoralities? ...

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That the mere strength of a belief in no way guarantees its truth, and is even capable of slowly, slowly preparing a thick folly out of the most reasonable thing: this is our true European insight,—in it, if in anything, we have become experienced, tempered, sharpened, wise, through much harm, as it seems... “Faith makes blessed”: well! At least sometimes! But faith makes stupid under all circumstances, even in the rarer case where it is not stupid, where it is from the outset a clever faith.

Every long belief becomes eventually stupid, that is, expressed with the clarity of our modern psychologists, its reasons sink “into the unconscious,” they disappear therein,—henceforth it no longer rests on reasons, but on affects (that is, in case it needs help, it lets the affects fight for it and no longer the reasons). Suppose one could find out which is the most believed, longest, most undisputed, most honest belief that exists among humans, one might with a high degree of probability conjecture that it is at the same time also the deepest, stupidest, “most unconscious,” best defended against reasons, longest abandoned by reasons belief.—

Granted; but which is this belief?— Oh you curious ones!But once I have ventured into the business of posing riddles, I will proceed humanely and quickly reveal the answer and solution—no one will easily anticipate me.

Man is above all an judging animal; but in every judgment, our oldest and most constant belief lies hidden. In all judging, there is an underlying assumption and assertion, a certainty that something is thus and not otherwise, that herein man has truly "recognized": what is it that is unconsciously believed to be true in every judgment?—That we have a right to distinguish between subject and predicate, between cause and effect—that is our strongest belief; indeed, at bottom, even the belief in cause and effect, in condition and conditioned, is merely a special case of the first and general belief, our primordial belief.at subject and predicate (namely as the assertion that every effect is an activity and that every conditioned thing presupposes a conditioner, every activity an agent, in short a subject) Should this belief in the subject and predicate concept not

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Postlude.

— But here you interrupt me, you free spirits. “Enough! Enough! I hear you scream and laugh, we can no longer bear it! Oh, this terrifying tempter and conscience-disturber! Do you want to ruin our reputation before the whole world? Slander our good name? Give us nicknames that do not merely eat into the skin?— And why, on this bright blue day, these gloomy specters, these moral gurgles, this entire tragic raven-black music! Do you speak truths: after such truths, no feet can dance, so they are by no means truths for us! Ecce nostrum veritatis sigillum! And here is turf and soft ground: what could be better than quickly chasing away your whims and, after your night, making us a good day?It would finally be time for a rainbow to stretch across this land again, and for someone to give us gentle, mad songs to hear and milk to drink:—we all thirst again for a pious, heartfelt, foolish, and milky way of thinking.”— My friends, I see it, you are losing my patience,—and who tells you that I have not long since been waiting precisely for this? But I am subject to your will; and I also have what you need. Do you not see my herds leaping there, all my tender, sunny, wind-still thought-lambs and thought-bucks?And here a whole bucket of milk is already waiting for you; but once you have drunk—for you all thirst for virtue, I see it—there shall be no lack of songs, as you wish them! Beginning with a dance song for the liveliest legs and hearts: and truly, whoever sings it does so in honor of one who deserves honor, one of the freest among free spirits, who makes all heavens bright again and all seas roar. —

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