12, 7[1-70] Ende 1886 - Frühjahr 1887
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Psychologie des Irrthums
Wir haben von Alters her den Werth einer Handlung, eines Charakters, eines Daseins in die Absicht gelegt, in den Zweck, um dessentwillen gethan, gehandelt, gelebt worden ist: diese uralte Idiosynkrasie des Geschmacks nimmt endlich eine gefährliche Wendung,—gesetzt nämlich, daß die Absicht- und Zwecklosigkeit des Geschehens immer mehr in den Vordergrund des Bewußtseins tritt. Damit scheint eine allgemeine Entwerthung sich vorzubereiten: “alles hat keinen Sinn”—diese melancholische Sentenz heißt “aller Sinn liegt in der Absicht und gesetzt daß die Absicht ganz und gar fehlt, so fehlt auch ganz und gar der Sinn.” Man war, jener Schätzung gemäß, genöthigt gewesen, den Werth des Lebens in ein “Leben nach dem Tode” zu verlegen; oder in die fortschreitende Entwicklung der Ideen oder der Menschheit oder des Volkes oder über den Menschen weg; aber damit war man in den Zweck-progressus in infinitum gekommen, man hatte endlich nöthig, sich einen Platz in dem “Welt-Prozeß” auszumachen (mit der dysdämonistischen Perspektive vielleicht, daß es der Prozeß ins Nichts sei).
Dem gegenüber bedarf der “Zweck” einer strengeren Kritik: man muß einsehen, daß eine Handlung niemals verursacht wird durch einen Zweck; daß Zweck und Mittel Auslegungen sind, wobei gewisse Punkte eines Geschehens unterstrichen und herausgewählt werden, auf Unkosten anderer und zwar der meisten; daß jedes Mal, wenn etwas auf einen Zweck hin gethan wird, etwas Grundverschiedenes und Anderes geschieht; daß in Bezug auf jede Zweck-Handlung es so steht, wie mit der angeblichen Zweckmäßigkeit der Hitze, welche die Sonne ausstrahlt: die übergroße Masse ist verschwendet; ein kaum in Rechnung kommender Theil hat “Zweck,” hat “Sinn”—; daß ein “Zweck” mit seinen “Mitteln” eine unbeschreiblich unbestimmte Zeichnung ist, welche als Vorschrift, als “Wille” zwar kommandiren kann, aber ein System von Gehorchenden und Eingeschulten Werkzeugen voraussetzt, welche an Stelle des Unbestimmten lauter feste Größen setzen (d.h. wir imaginiren ein System von zweck- und mittelsetzenden klügeren aber engeren Intellekten, um unserem einzig bekannten “Zwecke” die Rolle der “Ursache einer Handlung” zumessen zu können: wozu wir eigentlich kein Recht haben (es hieße, um ein Problem zu lösen, die Lösung des Problems in eine unserer Beobachtung unzugängliche Welt hineinstellen—) Zuletzt: warum könnte nicht “ein Zweck” eine Begleiterscheinung sein, in der Reihe von Veränderungen wirkender Kräfte, welche die zweckmäßige Handlung hervorrufen—ein in das Bewußtsein vorausgeworfenes blasses Zeichenbild, das uns zur Orientirung dient dessen, was geschieht, als ein Symptom selbst vom Geschehen, nicht als dessen Ursache?— Aber damit haben wir den Willen selbst kritisirt: ist es nicht eine Illusion, das, was im Bewußtsein als Willens-Akt auftaucht, als Ursache zu nehmen? Sind nicht alle Bewußtseins-Erscheinungen nur End-Erscheinungen, letzte Glieder einer Kette, aber scheinbar in ihrem Hintereinander innerhalb Einer Bewußtseins-Fläche sich bedingend? Dies könnte eine Illusion sein. —
Widerspruch gegen die angeblichen “Thatsachen des Bewußtseins.” Die Beobachtung ist tausendfach schwieriger, der Irrthum vielleicht Bedingung der Beobachtung überhaupt.
Ich habe die Absicht, meinen Arm auszustrecken; angenommen, ich weiß so wenig von Physiologie des menschlichen Leibes und von den mechanischen Gesetzen seiner Bewegung als ein Mann aus dem Volke, was giebt es eigentlich Vageres, Blasseres, Ungewisseres als diese Absicht im Vergleich zu dem was darauf geschieht? Und gesetzt, ich sei der scharfsinnigste Mechaniker und speziell über die Formeln unterrichtet, die hierbei angewendet werden, so würde ich um keinen Deut besser oder schlechter meinen Arm ausstrecken. Unser “Wissen” und unser “Thun” in diesem Falle liegen kalt auseinander: als wie in zwei verschiedenen Reichen.— Andrerseits: Napoleon führt den Plan eines Feldzugs durch—was heißt das? Hier ist alles gewußt, was zur Durchführung des Plans gehört, weil Alles befohlen werden muß: aber auch hier sind Untergebene vorausgesetzt, welche das Allgemeine auslegen, anpassen an die Noth des Augenblicks, Maaß der Kraft usw.
Die Welt ist nicht so und so: und die lebenden Wesen sehen sie, wie sie ihnen erscheint. Sondern: die Welt besteht aus solchen lebenden Wesen, und für jedes derselben giebt es einen kleinen Winkel, von dem aus es mißt, gewahr wird, sieht und nicht sieht. Das “Wesen” fehlt: Das “Werdende,” “Phänomenale” ist die einzige Art Sein. | ?
“Es verändert sich,” keine Veränderung ohne Grund—setzt immer schon ein Etwas voraus, das hinter der Veränderung steht und bleibt.
“Ursache” und “Wirkung”: psychologisch nachgerechnet ist es der Glaube, der sich im Verbum ausdrückt, Activum und Passivum, Thun und Leiden. Das heißt: die Trennung des Geschehens in ein Thun und Leiden, die Supposition eines Thuenden ist vorausgegangen. Der Glaube an den Thäter steckt dahinter: wie als ob, wenn alles Thun vom “Thäter” abgerechnet würde, er selbst noch übrig bliebe. Hier soufflirt immer die “Ich-Vorstellung”: Alles Geschehen ist als Thun ausgelegt worden: mit der Mythologie, ein dem “Ich” entsprechendes Wesen
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Werth von Wahrheit und Irrthum
Der Ursprung unsrer Werthschätzungen: aus unsren Bedürfnissen
Ob nicht der Ursprung unsrer anscheinenden “Erkenntnisse” auch nur in älteren Werthschätzungen zu suchen ist, welche so fest einverleibt sind, daß sie zu unsrem Grundbestand gehören? So daß eigentlich nur jüngere Bedürfnisse mit dem Resultat der ältesten Bedürfnisse handgemein werden?
Die Welt, so und so gesehen, empfunden, ausgelegt, daß organisches Leben bei dieser Perspektive von Auslegung sich erhält. Der Mensch ist nicht nur ein Individuum, sondern das Fortlebende Gesammt-Organische in Einer bestimmten Linie. Daß er besteht, damit ist bewiesen, daß eine Gattung von Interpretation (wenn auch immer fortgebaut) auch bestanden hat, daß das System der Interpretation nicht gewechselt hat. “Anpassung”
Unser “Ungenügen,” unser “Ideal” usw. ist vielleicht die Consequenz dieses einverleibten Stücks Interpretation, unseres perspektivischen Gesichtspunkts; vielleicht geht endlich das organische Leben daran zu Grunde—so wie die Arbeitstheilung von Organismen zugleich eine Verkümmerung und Schwächung der Theile, endlich den Tod für das Ganze mit sich bringt. Es muß der Untergang des organischen Lebens auf seiner höchsten Form ebenso angelegt sein wie der Untergang des Einzelnen.
Werth von Wahrheit und Irrthum |
| Die Werthschätzungen | A) als Folge (Leben, oder Niedergang B) als Ursache |
| mißverständliche Auslegung Maskerade als Kunst der Verleumdung, der Selbstverherrlichung |
ständisch bedingt
rassemäßig bedingt
Sonntags- und Alltags-Werthe
in Krisen, in Kriegen und Gefahren oder im Frieden
| die Entstehung im Ruhm eines Ideals, in der Verurtheilung seines Gegentheils. |
| Antagonismus | zwischen Verstärkung und “Verbesserung,” zwischen Verstärkung des Individuums und Verstärkung einer Rasse, zwischen Verstärkung einer Rasse und Verstärkung der “Menschheit.” |
NB. Das “Schöpferische” wie tief hinein?
warum alle Thätigkeit, auch die eines Sinnes, mit Lust verknüpft? Weil vorher eine Hemmung, ein Druck bestand? Oder vielmehr weil alles Thun ein Überwinden, ein Herrwerden ist und Vermehrung des Machtgefühls giebt?— Die Lust im Denken.— Zuletzt ist es nicht nur das Gefühl der Macht, sondern die Lust an dem Schaffen und am Geschaffenen: denn alle Thätigkeit kommt uns ins Bewußtsein als Bewußtsein eines “Werks”
Werth von Wahrheit und Irrthum
Ein Künstler hält keine Wirklichkeit aus, er blickt weg, zurück, seine ernsthafte Meinung ist, daß was ein Ding werth ist, jener schattengleiche Rest ist, den man aus Farben, Gestalt, Klang, Gedanken gewinnt, er glaubt daran, daß, je mehr subtilisirt verdünnt verflüchtigt ein Ding, ein Mensch wird, um so mehr sein Werth zunimmt: je weniger real, um so mehr Werth. Dies ist Platonismus: der aber noch eine Kühnheit mehr besaß, im Umdrehen:—er maß den Grad Realität nach dem Werthgrade ab und sagte: je mehr “Idee,” desto mehr Sein. Er drehte den Begriff “Wirklichkeit” herum und sagte: “was ihr für wirklich haltet, ist ein Irrthum, und wir kommen, je näher wir der ‘Idee’ kommen, der ‘Wahrheit.’”— Versteht man es? Das war die größte Umtaufung: und weil sie vom Christenthum aufgenommen ist, so sehen wir die erstaunliche Sache nicht. Plato hat im Grunde den Schein, als Artist, der er war, dem Sein vorgezogen: also die Lüge und Erdichtung der Wahrheit, das Unwirkliche dem Vorhandenen,—er war aber so sehr vom Werthe des Scheins überzeugt, daß er ihm die Attribute “Sein” “Ursächlichkeit” und “Gutheit,” Wahrheit, kurz Alles Übrige beilegte, dem man Werth beilegt.
Der Werthbegriff selbst, als Ursache gedacht: erste Einsicht.
Das Ideal mit allen Attributen bedacht, die Ehre verleihen: zweite Einsicht
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Der Wille zur Wahrheit
Die “Agnostiker,” die Verehrer des Unbekannten und Geheimnißvollen an sich, woher nehmen sie das Recht, ein Fragezeichen als Gott anzubeten? Ein Gott, der sich dergestalt im Verborgenen hält, verdient vielleicht Furcht, aber gewiß nicht Anbetung! Und warum könnte das Unbekannte nicht der Teufel sein? Aber “es muß angebetet werden”—so gebietet hier der Instinkt für den Anstand: das ist englisch.
Die Transcendentalisten, welche finden, daß alle menschliche Erkenntniß nicht den Wünschen ihres Herzens genugthut, vielmehr ihnen widerspricht und Schauder macht,—sie setzen unschuldig eine Welt irgendwo an, welche dennoch ihren Wünschen entspricht, und die eben nicht unserer Erkenntniß zugänglich zeigt: diese Welt, meinen sie, sei die wahre Welt, im Verhältniß zu welcher unsere erkennbare Welt nur Täuschung ist. So Kant, so schon die Vedanta-Philosophie, so manche Amerikaner.— “Wahr,” das heißt für sie: was dem Wunsche unseres Herzens entspricht. Ehemals hieß wahr: was der Vernunft entspricht.
Das allgemeinste Zeichen der modernen Zeit: der Mensch hat in seinen eigenen Augen unglaublich an Würde eingebüßt. Lange als Mittelpunkt und Tragödien-Helddes Daseins überhaupt; dann wenigstens bemüht, sich verwandt mit der entscheidenden und an sich werthvollen Seite des Daseins zu beweisen—wie es alle Metaphysiker thun, die die Würde des Menschen festhalten wollen, mit ihrem Glauben, daß die moralischen Werthe cardinale Werthe sind. Wer Gott fahren ließ, hält um so strenger am Glauben an die Moral fest.
Wille zur Wahrheit
Abschwächungen des Affekts.
| A. | a | Wille, Absicht, vehemente Begierde in Eine Richtung | |
| b | Zweck, weniger vehement, weil die Vorstellung des Mittels und Wegs dazwischen tritt. | ||
| c | “Grund,” ohne Begierde: der Satz vom Grunde hat seine psychologische Sicherheit in dem Glauben an Absicht als Ursache jedes Geschehens |
| B. | unterscheidendes Denken als Folge der Furcht und Vorsicht bei dem Willen zur Aneignung. das richtige Vorstellen eines Objekts ist ursprünglich nur Mittel zum Zweck des Ergreifens, des Fassens und Sich-bemächtigens. Später wird dieses richtige Vorstellen selbst schon als ein Ergreifen empfunden, als ein Ziel, bei dem Befriedigung eintritt. Denken zuletzt als Überwältigung und Ausübung von Macht: als ein Zusammenfügen, als Einordnen des Neuen unter alte Reihen usw. |
| C. | das Neue macht Furcht: andrerseits muß Furcht schon da sein, um Neues als neu zu fassen |
| das Erstaunen ist die abgeschwächte Furcht. |
| Das Bekannte erregt Vertrauen |
|
| die inertia versucht zunächst das Gleichsetzen bei jedem Eindruck: das heißt den neuen Eindruck und die Erinnerung gleichsetzen; sie will Wiederholung. die Furcht lehrt Unterscheiden, Vergleichen |
Im Urtheil ein Rest Wille (es soll so und so sein) ein Rest Lust-Gefühl (Lust der Bejahung:)
NB. Das Vergleichen ist keine ursprungliche Thätigkeit, sondern das Gleichsetzen! Das Urtheil ist ursprünglich nicht der Glaube, daß etwas so und so ist, sondern der Wille daß etwas so und so sein soll.
NB. der Schmerz ein Urtheil (verneinend) in seiner gröbsten Form
die Lust eine Affirmation
Zur psychologischen Genesis von “Ursache und Wirkung.”
Wille zur Wahrheit
Interpretation
In wiefern die Welt-Auslegungen Symptom eines herrschenden Triebes sind.
Die artistische Welt-Betrachtung: sich vor das Leben hinsetzen. Aber hier fehlt die Analysis des aesthetischen Anschauens, seine Reduktion auf Grausamkeit, Gefühl der Sicherheit, des Richter-seins und Außerhalb-seins usw. Man muß den Künstler selbst nehmen: und dessen Psychologie (die Kritik des Spieltriebs, als Auslassen von Kraft, Lust am Wechsel, am Eindrücken der eigenen Seele, der absolute Egoismus des Künstlers usw.) Welche Triebe er sublimisirt?
Die wissenschaftliche Welt-Betrachtung: Kritik des psychologischen Bedürfnisses nach Wissenschaft. Das Begreiflich-machen-wollen; das Praktisch-, Nützlich-, Ausbeutbar-machen-wollen—: in wiefern anti-aesthetisch. Der Werth allein, was gezählt und berechnet werden kann. In wiefern eine durchschnittliche Art Mensch dabei zum Übergewicht kommen will. Furchtbar, wenn gar die Geschichte in dieser Weise in Besitz genommen wird—das Reich des Überlegenen, des Richtenden. Welche Triebe er sublimirt!
Die religiöse Welt-Betrachtung: Kritik des religiösen Menschen. Es ist nicht nothwendig der moralische, sondern der Mensch der starken Erhebungen und tiefen Depressionen, der die ersteren mit Dankbarkeit oder Verdacht interpretirt und nicht von sich herleitet (—die letzteren auch nicht—) Wesentlich der sich “unfrei” fühlende Mensch, der seine Zustände, die Unterwerfungs-Instinkte sublimisirt.
Die moralische Welt-Betrachtung. Die socialen Rangordnungs-Gefühle werden ins Universum verlegt: die Unverrückbarkeit, das Gesetz, die Einordnung und Gleichordnung werden, weil am höchsten geschätzt, auch an der höchsten Stelle gesucht, über dem All, oder hinter dem All, ebenso
Was gemeinsam ist: die herrschenden Triebe wollen auch als hochste Werth-Instanzen überhaupt, ja als schöpferische und regierende Gewalten betrachtet werden. Es versteht sich, daß diese Triebe sich gegenseitig entweder anfeinden oder unterwerfen (synthetisch auch wohl binden) oder in der Herrschaft wechseln. Ihr tiefer Antagonismus ist aber so groß, daß wo sie alle Befriedigung wollen, ein Mensch von tiefer Mittelmäßigkeit zu denken ist.
“Schönheit” ist deshalb für den Künstler etwas außer aller Rangordnung, weil in der Schönheit Gegensätze gebändigt sind, das höchste Zeichen von Macht, nämlich über Entgegengesetztes; außerdem ohne Spannung:—daß keine Gewalt mehr noth thut, daß alles so leicht folgt, gehorcht, und zum Gehorsam die liebenswürdigste Miene macht—das ergötzt den Machtwillen des Künstlers.
Die Welt-Auslegungen
und was ihnen gemein ist.
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Die Metaphysiker
Die Naiven: Lamennais, Michelet, Victor Hugo
Aus der Gewöhnung an unbedingte Autoritäten ist zuletzt ein tiefes Bedürfniß nach unbedingten Autoritäten entstanden:—so stark, daß es selbst in einem kritischen Zeitalter, wie dem Kants, dem Bedürfniß nach Kritik sich als überlegen bewies, und, in einem gewissen Sinne, die ganze Arbeit des kritischen Verstandes sich unterthänig und zu Nutze machen wußte.— Es bewies, in der darauf folgenden Generation, welche durch ihre historischen Instinkte nothwendig auf das Relative jeder Autorität hingelenkt wurde, noch Ein Mal seine Überlegenheit, als es auch die Hegelsche Entwicklungs-Philosophie, die in Philosophie umgetaufte Historie selbst sich dienstbar machte und die Geschichte als die fortschreitende Selbstoffenbarung, Selbstüberbietung der moralischen Ideen hinstellte. Seit Plato ist die Philosophie unter der Herrschaft der Moral: auch bei seinen Vorgängern spielen moralische Interpretationen entscheidend hinein (bei Anaximander das Zu-Grunde-gehn aller Dinge als Strafe für ihre Emancipation vom reinen Sein, bei Heraklit die Regelmäßigkeit der Erscheinungen als Zeugniß für den sittlich-rechtlichen Charakter des gesammten Werdens)
Was ist das Kriterium der moralischen Handlung? 1) ihre Uneigennützigkeit 2) ihre Allgemeingültigkeit usw. Aber das ist Stuben-Moralistik. Man muß die Völker studiren und zusehn, was jedes Mal das Kriterium ist, und was sich darin ausdrückt. Ein Glaube “ein solches Verhalten gehört zu unseren ersten Existenz-Bedingungen.” Unmoralisch heißt “untergang-bringend.” Nun sind alle diese Gemeinschaften, in denen diese Sätze gefunden wurden, zu Grunde gegangen: einzelne dieser Sätze sind immer von Neuem unterstrichen worden, weil jede neu sich bildende Gemeinschaft sie wieder nöthig hatte z.B. “du sollst nicht stehlen.” Zu Zeiten, wo das Gemeingefühl für die Gesellschaft (z.B. imperium romanum) nicht verlangt werden konnte, warf sich der Trieb auf’s “Heil der Seele,” religiös gesprochen: oder “das größte Glück” philosophisch geredet. Denn auch die griechischen Moral-Philosophen empfanden nicht mehr mit ihrer.
Spinoza’s psychologischer Hintergrund. Spärlich!
1) Der hedonistische Gesichtspunkt im Vordergrund: Worin besteht die beharrliche Freude oder wie kann der freudige Affekt verewigt werden?
So lange die Freude sich auf etwas Einzelnes bezieht, ist sie beschränkt und vergänglich; sie wird vollkommen, wenn sie nicht mehr mit den Dingen wechselt, sondern in dem wandellosen Zusammenhange ruht; sie ist ewig, wenn ich das All in mein Eigenthum, omnia in mea, verwandle und von diesen omnia mea jeden Augenblick sagen kann “mecum porto”
Im tract. de intell. emendatione Op. II p. 413. “Ich habe den Entschluß gefaßt zu untersuchen, ob sich etwas finden ließe, dessen Besitz mir den Genuß einer dauernden und höchsten Freude ewig gewährte.” “Die Liebe zu einem ewigen und unendlichen Wesen erfüllt das Gemüth mit einer Freude, die jede Art Trauer ausschließt.” “Das höchste Gut ist die Erkenntniß der Einheit unseres Geistes mit dem Universum.”
2) der natürlich-egoistische Gesichtspunkt: Tugend und Macht identisch. Sie entsagt nicht, sie begehrt, sie kämpft nicht gegen, sondern für die Natur; sie ist nicht die Vernichtung, sondern die Befriedigung des mächtigsten Affekts. Gut ist, was unsere Macht fördert: böse das Gegentheil. Tugend folgt aus dem Streben nach Selbsterhaltung. “Was wir thun, thun wir, um unsere Macht zu erhalten und zu vermehren.” “Unter Tugend und Macht verstehe ich dasselbe.”
Finis = appetitus. Virtus = potentia. Eth. IV Defin. VII. VIII.
3) der spezifische “Denker” verräth sich. Die Erkenntniß wird Herr über alle anderen Affekte; sie ist stärker. “Unsere wahre Thätigkeit besteht in der denkenden Natur, in der vernünftigen Betrachtung. Die Begierde zur Thätigkeit = der Begierde vernunftgemäß zu leben.
“ich gebe nicht viel auf die Autorität eines Plato, Aristoteles und Sokrates”; die Lehre von den “substantiellen Formen” (Zweckbegriff in der scholastischen Ausdrucksweise) nennt er “eine Narrheit unter tausend anderen.”
Feuerbach’s “gesunde und frische Sinnlichkeit” “Grundsätze der Philosophie der Zukunft” 1843.
gegen “die abstrakte Philosophie”
Die antike Philosophie hatte den Menschen als Zweck der Natur im Auge
Die christliche Theologie dachte die Erlösung des Menschen als Zweck der göttlichen Vorsehung.
Merkwürdig Spinoza: “ich verstehe unter conscientiae morsus die Traurigkeit, begleitet von der Vorstellung einer vergangenen Sache, die gegen alles Erwarten ausgefallen ist.” Eth. III Prop. XVIII. Schol. I. II. p. 147. 48. Affect. Def. XVII p. 188.
Als Gegensatz das gaudium, wenn der erwartete Ausgang nicht eintrifft und die Furcht plötzlich aufhört. Trotz K. Fischer wäre es möglich, daß hier Spinoza die Bezeichnung a potiori gewählt habe: und daß er als den objektiven Kern jedes “Gewissensbisses” das Bezeichnete ansah. Er mußte ja bei sich die Schuld leugnen: was war also ihm die Thatsache “conscientiae morsus,” welche übrig blieb?
Wenn Alles im letzten Grunde vermöge der göttlichen Macht geschieht, so ist Alles in seiner Art vollkommen, so giebt es kein Übel in der Natur der Dinge; ist der Mensch durchgängig unfrei, so giebt es kein Böses in der Natur des menschlichen Willens; so sind die Übel und das Böse nicht in den Dingen, sondern nur in der Einbildung des Menschen.
In Gott fehlt Wille und Verstand und Persönlichkeit und Zweck.
Spinoza wehrt sich gegen die, welche sagen, Gott wirke alles sub ratione boni. Diese scheinen etwas außerhalb Gottes anzunehmen, das von Gott nicht abhängig ist, worauf er sich wie auf ein Musterbild in seinem Handeln richtet oder wohin er, wie nach einem Ziele trachtet. Das heißt fürwahr Gott dem Schicksale unterwerfen: was die größte Ungereimtheit ist. Eth. 1 Prop. XXXIII Schol. 2.
Der letzte Grund jeder Begebenheit “Gott hat sie gewollt” Asylum ignorantiae. Der Wille Gottes aber ist dem Menschen undurchdringlich. Bei dieser Denkweise würde die Wahrheit dem Menschen in alle Ewigkeit verborgen geblieben sein, wenn nicht die Mathematik (die sich nicht mit Zwecken, sondern lediglich mit der Natur und den Eigenschaften der Größe beschäftigt) dem Menschen eine andere Richtschnur der Wahrheit vorgehalten hätte.
Descartes sagt “ich habe Vieles für wahr gehalten, dessen Irrthum ich jetzt einsehe.” Spinoza “ich habe Vieles für Gut gehalten, von dem ich jetzt einsehe, daß es eitel und werthlos ist.” “Wenn es ein ächtes und unverlierbares Gut giebt, so ist die Befriedigung daran ebenso dauernd und unzerstörbar, so ist meine Freude ewig.”
Psychologischer Fehlschluß: als ob die Dauerhaftigkeit eines Dings die Dauerhaftigkeit der Affektion verbürgte, die ich zu ihm habe!
(vollkommene Abwesenheit des “Künstlers”) Höchste und komische Pedanterie eines Logikers, der seinen Trieb vergöttert
Spinoza glaubt, Alles absolut erkannt zu haben.
Dabei hat er das größte Gefühl von Macht. Der Trieb dazu hat alle anderen Triebe überwältigt und ausgelöscht.
Das Bewußtsein dieser “Erkenntniß” hält bei ihm an: eine Art “Liebe zu Gott” resultirt daraus, eine Freude am Dasein, wie es auch sonst ist, an allem Dasein.
Woher kommen alle Verstimmungen, Trauer, Furcht, Haß, Neid? Aus Einer Quelle: aus unserer Liebe zu den vergänglichen Dingen. Mit dieser Liebe verschwindet auch das ganze Geschlecht jener Begierden
“Obgleich ich die Nichtigkeit der Güter der Welt klar durchschaute, so konnte ich doch Habsucht, Sinneslust und Ehrgeiz nicht ganz ablegen. Eins aber erfuhr ich: so lange mein Geist in jener Betrachtung lebte, war er diesen Begierden abgewendet—und dies gereichte mir zu großem Troste. Denn daraus sah ich, daß jene Übel nicht unheilbar seien. Anfangs das neue Leben seltene, kurze Augenblicke —”
Nichts hat Werth gegenüber dem Werthe klaren Folgerns. Alle anderen Werthe sind nur Folge unklaren Denkens. Schnöde Verwerfung aller Güter des Lebens; beständige Verleumdung von Allem, um Eins in die höchste Höhe zu bringen, das klare Denken. “Aller Zweifel rührt davon her, daß die Dinge ohne Ordnung untersucht werden.”!!!
Wie bei Schopenhauer: die Begierden schweigen unter der Gewalt der aesthetischen Contemplation.
Eine psychologische Erfahrung, falsch und generell ausgedeutet.
Leibniz: “Man muß mit mir ab effectu urtheilen: weil Gott diese Welt, so wie sie ist, gewählt hat, darum ist sie die beste.” Théod. p 506.
Das theologische Vorurtheil bei Kant, sein unbewußter Dogmatismus, seine moralistische Perspektive als herrschend, lenkend, befehlend
Das: wie ist die Thatsache der Erkenntniß möglich?
ist die Erkenntniß überhaupt eine Thatsache?
was ist Erkenntniß? Wenn wir nicht wissen, was Erkenntniß ist, können wir unmöglich die Frage beantworten, ob es Erkenntniß giebt. Sehr schön! Aber wenn ich nicht schon “weiß,” ob es Erkenntniß giebt, geben kann, kann ich die Frage “was ist Erkenntniß” gar nicht vernünftigerweise stellen. Kant glaubt an die Thatsache der Erkenntniß: es ist eine Naivetät, was er will: die Erkenntniß der Erkenntniß!
“Erkenntniß ist Urtheil!” Aber Urtheil ist ein Glaube, daß etwas so und so ist! Und nicht Erkenntniß!
“alle Erkenntniß besteht im synthetischen Urtheilen”—eine nothwendige und allgemeingültige Verknüpfung verschiedener Vorstellungen —
mit dem Charakter der Allgemeinheit (die Sache verhält sich in allen Fällen so und nicht anders)
mit dem Charakter der Nothwendigkeit (das Gegentheil der Behauptung kann nie stattfinden)
Die Rechtmäßigkeit im Glauben an die Erkenntniß wird immer vorausgesetzt: so wie die Rechtmäßigkeit im Gefühl des Gewissensurtheils vorausgesetzt wird. Hier ist die moralische Ontologie das herrschende Vorurtheil.
Also der Schluß ist: 1) es giebt Behauptungen, die wir für allgemeingültig und nothwendig halten
2) der Charakter der Nothwendigkeit und Allgültigkeit kann nicht aus der Erfahrung stammen
3) folglich muß er ohne Erfahrung, anderswoher sich begründen und eine andere Erkenntnißquelle haben!
Kant schließt 1) es giebt Behauptungen die nur unter gewissen Bedingungen gültig sind
2) diese Bedingung ist, daß es nicht aus der Erfahrung stammt, aus der reinen Vernunft stammt
Also: die Frage ist, woher unser Glaube an die Wahrheit solcher Behauptungen seine Gründe nimmt? Nein, woher er seine Urtheile hat! Aber die Entstehung eines Glaubens, einer starken Überzeugung ist ein psychologisches Problem: und eine sehr begrenzte und enge Erfahrung bringt oft einen solchen Glauben zuwege!
Er setzt bereits voraus, daß es nicht nur “data a posteriori” giebt, sondern auch data a priori, “vor der Erfahrung.” Nothwendigkeit und Allgemeinheit können nie durch Erfahrung gegeben werden: womit ist denn nun klar, daß sie ohne Erfahrung überhaupt da sind?
Es giebt keine einzelnen Urtheile!
Ein einzelnes Urtheil ist niemals “wahr,” niemals Erkenntniß, erst im Zusammenhange, in der Beziehung von vielen Urtheilen ergiebt sich eine Bürgschaft.
Was unterscheidet den wahren und den falschen Glauben?
Was ist Erkenntniß? Er “weiß” es, das ist himmlisch!
Nothwendigkeit und Allgemeinheit können nie durch Erfahrung gegeben werden. Also unabhängig von der Erfahrung, vor aller Erfahrung!
Diejenige Einsicht, die a priori stattfindet, also unabhängig von aller Erfahrung aus der bloßen Vernunft, “eine reine Erkenntniß.”
Die Grundsätze der Logik, der Satz der Identität und des Widerspruchs, sind reine Erkenntnisse, weil sie aller Erfahrung vorausgehen.— Aber das sind gar keine Erkenntnisse! sondern regulative Glaubensartikel!
Um die Apriorität (die reine Vernunftmäßigkeit) der mathematischen Urtheile zu begründen, muß der Raum begriffen werden als eine Form der reinen Vernunft.
Hume hatte erklärt: “es giebt gar keine synthetischen Urtheile a priori.” Kant sagt: doch! die mathematischen! Und wenn es also solche Urtheile giebt, giebt es vielleicht auch Metaphysik, eine Erkenntniß der Dinge durch die reine Vernunft! Quaeritur.
Mathematik ist möglich unter Bedingungen, unter denen Metaphysik nie möglich ist
alle menschliche Erkenntniß ist entweder Erfahrung oder Mathematik
Ein Urtheil ist synthetisch: d.h. es verknüpft verschiedene Vorstellungen
es ist a priori: d.h. jene Verknüpfung ist eine allgemeine und nothwendige, die nie durch sinnliche Wahrnehmung, sondern nur durch reine Vernunft gegeben sein kann.
Soll es synthetische Urtheile a priori geben, so wird die Vernunft im Stande sein müssen, zu verknüpfen: das Verknüpfen ist eine Form. Die Vernunft muß formgebende Vermögen besitzen.
Raum und Zeit als Bedingung der Erfahrung
Kant bezeichnet die französiche Revolution als den Übergang aus dem mechan in das organische Staatswesen!
Die erfinderischen und bahnbrechenden Geister in den Wissenschaften, die sogenannten “großen Köpfe,” urtheilt Kant, sind spezifisch vom Genie verschieden: was sie entdeckt und erfunden haben, hätte auch können gelernt werden und ist vollständig begriffen und gelernt worden. In Newton’s Werk ist nichts Unlernbares; Homer ist nicht ebenso begreiflich als Newton! “Im Wissenschaftlichen also ist der größte Erfinder vom mühseligsten Nachahmer und Lehrlinge nur dem Grade nach verschieden.” Psychologischer Idiotismus!!
“der Musik hängt ein gewisser Mangel an Urbanität an,” “sie drängt sich gleichsam auf,” “sie thut der Freiheit Abbruch” die Musik und die Farbenkunst bilden eine eigene Gattung unter dem Namen des “schönen Spiels der Empfindungen” Malerei und Gartenkunst zu einander gesellt.
Die Frage, ob die Menschheit eine Tendenz zum Guten hat, wird durch die Frage vorbereitet, ob es eine Begebenheit giebt, die gar nicht anders erklärt werden kann als durch jene moralische Anlage der Menschheit. Dies ist die Revolution. “Ein solches Phänomen in der Menschengeschichte vergißt sich nicht mehr, weil es eine Anlage und ein Vermögen in der menschlichen Natur zum Besseren aufgedeckt hat, dergleichen kein Politiker aus dem bisherigen Lauf der Dinge herausgeklügelt hätte.”
Wenn sich die Menschheit zunehmend verschlechtert, so ist ihr Ziel das absolut Schlechte: die terroristische Vorstellungsart im Gegensatz zu der eudämonistischen Vorstellungsart oder dem “Chiliasmus.” Schwankt die Geschichte zwischen Fort- und Rückschritt hin und her, ist ihr ganzes Treiben zweck- und ziellos, nichts als eine geschäftige Thorheit, so daß sich Gutes und Böses gegenseitig neutralisiren und das Ganze als ein Possenspiel erscheint: das nennt Kant die abderitische Vorstellungsart.
sieht in der Geschichte nichts anderes als eine moralische Bewegung.
“Ein gewissenhafter Ketzerrichter ist eine contradictio in adjecto”
Psychologischer Idiotismus
ohne die Wiedergeburt sind alle menschlichen Tugenden nach Kant glänzende Armseligkeiten. Diese Besserung ist möglich nur vermöge des intelligiblen Charakters; ohne ihn giebt es keine Freiheit weder in der Welt, noch im Willen des Menschen, noch zur Erlösung vom Bösen. Wenn die Erlösung nicht in der Besserung besteht, kann sie nur in der Vernichtung bestehn. Der Ursprung des empirischen Charakters, der Hang zum Bösen, die Wiedergeburt sind bei Kant Thaten des intelligiblen Charakters; der empirische Charakter muß an seiner Wurzel eine Umkehr erfahren.
der ganze Schopenhauer.
Das Mitleid eine Verschwendung der Gefühle, ein der moralischen Gesundheit schädlicher Parasit, “es kann unmöglich Pflicht sein, die Übel in der Welt zu vermehren.” Wenn man bloß aus Mitleid wohlthut, so thut man eigentlich sich selbst wohl und nicht dem Anderen. M beruht nicht auf Maximen, sondern auf Affekten; es ist pathologisch; das fremde Leiden steckt uns an, Mitleid ist eine Ansteckung.
die ganzen Gebärden und Worte der Unterwürfigkeit; “als in welcher Pedanterie die Deutschen unter allen Völkern der Erde am weitesten gebracht haben” “sind das nicht Beweise eines ausgebreiteten Hangs zur Kriecherei unter den Menschen?” “Wer sich aber zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, daß er mit Füßen getreten wird.”
“Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der gestirnte Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns.”
Er fährt fort: “der erste Anblick einer zahllosen Wolkenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines thierischen Geschöpfes, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkte im Weltall) wieder zurückgeben muß, nachdem es eine kurze Zeit, man weiß nicht wie, mit lebender Kraft versehen gewesen. Der zweite dagegen erhebt meinen Werth als eine Intelligenz unendlich
Die Denkbarkeit der Freiheit beruht auf der transscendentalen Ästhetik. Kommen Zeit und Raum den Dingen als solchen zu, so sind die Erscheinungen gleich den Dingen an sich, so ist zwischen beiden keine Erscheinung möglich, so giebt es nichts von der Zeit unabhängiges, so ist die Freiheit schlechterdings unmöglich. Freiheit kann nur gedacht werden als Eigenschaft eines Wesens, das den Bedingungen der Zeit nicht unterliegt, also nicht Erscheinung, nicht Vorstellung, sondern Ding an sich ist.
Warum sind Erscheinungen nicht Dinge an sich? Weil sie in Raum und Zeit sind, und Raum und Zeit reine Anschauungen sind.
Gegen die angebliche psychologische Freiheit sagt Kant: “Wenn unsere Freiheit darin bestände, daß wir durch Vorstellungen getrieben werden, als ein automaton spirituale” so “würde sie im Grunde nicht besser als die Freiheit eines Bratenwenders sein, der auch, wenn er einmal aufgezogen worden, von selbst seine Bewegungen verrichtet.”
Die Freiheit ist undenkbar in der Erscheinungswelt, es sei die äußere oder die innere
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homines religiosi
Die Reformation: Eine der verlogensten Eruptionen von gemeinen Instinkten
Eine Anzahl starker, unbändig gewordener und gründlich gemeiner Triebe will in freie Luft: es thut Nichts noth als Vorwände, namentlich großartige Worte zu erfinden, unter denen diese wilden Thiere herausgelassen werden dürfen.
Luther der psychologische Typus: ein wüster und uneigentlicher Bauer, der mit der “evangelischen Freiheit” allen aufgehäuften gewaltthätigen Bedürfnissen Luft macht.
man will einmal wieder Herr sein, rauben, niederwerfen, verfluchen, eingerechnet daß die Sinne ihre Rechnung finden wollen: vor Allem, man sieht lüstern nach dem ungeheuren Reichthum der Kirche.
Der Priester zeitweilig der Gott selbst, mindestens sein Stellvertreter
An sich sind asketische Gewohnheiten und Übungen noch fern davon, eine widernatürliche und daseinsfeindliche Gesinnung zu verrathen: ebensowenig Entartung und Krankheit
die Selbstüberwindung, mit harten und furchtbaren Erfindungen: ein Mittel Ehrfurcht vor sich zu haben und zu verlangen: Asketik als Mittel der Macht
Der Priester als Repräsentant eines übermenschlichen Machtgefühls, selbst als guter Schauspieler eines Gottes, den darzustellen sein Beruf ist, wird instinktiv nach solchen Mitteln greifen, wodurch er eine gewisse Furchtbarkeit in der Gewalt über sich erlangt
Der Priester als Repräsentant von übermenschlichen Mächten, in Hinsicht auf Erkenntniß, Vorherwissen Fähigkeit zu schaden und zu nützen, auch in Hinsicht auf übermenschliche Entzückungen und Arten des Glücks: —
— der Schauspieler von “Göttern” vor Gesunden, Glücklichen, Hoffenden, Mächtigen
— der Schauspieler vom “Heilande,” wesentlich sich an Kranke und Entbehrende wendend, an Menschen des ressentiments, an Unterdrückte und
— die Priester sind die Schauspieler von irgend etwas Übermenschlichem, dem sie Sinnfälligkeit zu geben haben, sei es vom Idealen, sei es von Göttern, oder von Heilanden: darin finden sie ihren Beruf, dafür haben sie ihre Instinkte; um es so glaubwürdig wie möglich zu machen, müssen sie in der Anähnlichung so weit wie möglich gehen; ihre Schauspieler-Klugheit muß vor allem das gute Gewissen bei ihnen erzielen, mit Hülfe dessen erst wahrhaft überredet werden kann.
7 [6]
Die Guten
rücksichtslose Rechtschaffenheit.
(9)
Der Sieg eines moralischen Ideals wird durch dieselben “unmoralischen” Mittel errungen wie jeder Sieg: Gewalt, Lüge, Verleumdung, Ungerechtigkeit
“Du sollst nicht lügen”: man fordert Wahrhaftigkeit. Aber die Anerkennung des Thatsächlichen (das Sich-nicht-belügen-lassen) ist gerade bei den Lügnern am größten gewesen: sie erkannten eben auch das Unthatsächliche dieser populären “Wahrhaftigkeit.” Es wird beständig zu viel oder zu wenig gesägt: die Forderung, sich zu entblößen mit jedem Worte, das man spricht, ist eine Naivetät.
Man sagt, was man denkt, man ist “wahrhaft” nur unter Voraussetzungen: nämlich unter der, verstanden zu werden (inter pares), und zwar wohlwollend verstanden zu werden (noch einmal inter pares) Gegen das Fremde verbirgt man sich: und wer etwas erreichen will, sagt was er über sich gedacht haben will, nicht aber was er denkt. (Der “Mächtige lügt immer”)
Ein Ideal das sich durchsetzen oder noch behaupten will sucht sich zu stützen a) durch eine untergeschobene Herkunft b) durch eine angebliche Verwandtschaft mit schon bestehenden mächtigen Idealen c) durch die Schauder des Geheimnisses, wie als ob hier eine undiskutirbare Macht rede d) durch Verleumdung seiner gegnerischen Ideale e) durch eine lügnerische Lehre des Vortheils, den es mit sich bringt z.B. Glück, Seelenruhe, Frieden oder auch die Beihülfe eines mächtigen Gottes usw.
Zur Psychologie des Idealisten: Carlyle, Schiller, Michelet
Hat man die ganzen Defensiv- und Schutz-Maßregeln aufgedeckt, mit denen ein Ideal sich erhält: ist es damit widerlegt? Es hat die Mittel angewendet, durch die alles Lebendige lebt und wächst—sie sind allesammt “unmoralisch.”
Meine Einsicht: alle die Kräfte und Triebe, vermöge deren es Leben und Wachsthum giebt, sind mit dem Banne der Moral belegt: Moral als Instinkt der Vemeinung des Lebens. Man muß die Moral vernichten, um das Leben zu befreien.
Die Guten
Zur Kritik der Heerden-Tugenden.
Die inertia thätig
1) im Vertrauen, weil Mißtrauen Spannung, Beobachtung, Nachdenken nöthig macht
2) in der Verehrung, wo der Abstand der Macht groß ist und Unterwerfung nothwendig: um nicht zu fürchten, wird versucht zu lieben, hochzuschätzen und die Machtverschiedenheit als Werthverschiedenheit auszudeuten: so daß das Verhältniß nicht mehr revoltirt.
3) im Wahrheitssinn. Was ist wahr? Wo eine Erklärung gegeben ist, die uns das minimum von geistiger Kraftanstrengung macht. Überdies ist Lügen sehr anstrengend.
(21)
4) in der Sympathie. Sich gleichsetzen, versuchen gleich zu empfinden, ein vorhandenes Gefühl anzunehmen ist eine Erleichterung: es ist etwas Passives gegen das activum gehalten, welches die eigensten Rechte des Werthurtheils sich wahrt und beständig bethätigt. Letzteres giebt keine Ruhe.
5) in der Unparteilichkeit und Kühle des Urtheils: man scheut die Anstrengung des Affekts und stellt sich lieber abseits, “objektiv”
(18)
6) in der Rechtschaffenheit: man gehorcht lieber einem vorhandenen Gesetz als daß man sich ein Gesetz schafft, als daß man sich und Anderen befiehlt. Die Furcht vor dem Befehlen—Lieber sich unterwerfen als reagiren.
7) in der Toleranz: die Furcht vor dem Ausüben des Rechts, des Richtens
die maskirten Arten des Willens zur Macht
| 1) | Verlangen nach Freiheit, Unabhängigkeit, auch nach Gleichgewicht, Frieden, Coordination; auch der Einsiedler, die “Geistesfreiheit”; in niedrigster Form: Wille überhaupt dazusein “Selbsterhaltungstrieb” |
| 2) | die Einordnung, um im größeren Ganzen dessen Willen zur Macht zu befriedigen: die Unterwerfung, das Sich-Unentbehrlich-machen, -Nützlichmachen bei dem, der die Gewalt hat; die Liebe, als ein Schleichweg zum Herzen des Mächtigeren,—um über ihn zu herrschen |
| 3) | das Pflichtgefühl, das Gewissen, der imaginäre Trost, zu einem höheren Rang zu gehören als die thatsächlich Gewalthabenden; die Anerkennung einer Rangordnung, die das Richten erlaubt, auch über die Mächtigeren; die Selbstverurtheilung. Die Erfindung neuer Werthtafeln (Juden klassisches Beispiel) |
Moral als Werk der Unmoralität. |
| A. | Damit moralische Werthe zur Herrschaft kommen, müssen lauter unmoralische Kräfte und Affekte helfen. |
| B. | Die Entstehung moralischer Werthe selbst ist das Werk unmoralischer Affekte und Rücksichten. |
Moral als Werk des Irrthums.
Moral mit sich selbst |
| Vergeltung. Wahrhaftigkeit, Zweifel, Epoche, Richten. “Unmoralität” des Glaubens an die Moral. Die Schritte: |
| 1) | absolute Herrschaft der Moral alle biologischen Erscheinungen nach ihr gemessen und gerichtet |
| 2) | Versuch einer Identifikation von Leben und Moral (Symptom einer erwachten Scepsis: Moral soll nicht mehr als Gegensatz gefühlt werden) mehrere Mittel, selbst ein transscendenter Weg |
| 3) | Entgegensetzung von Leben und Moral: Moral vom Leben aus gerichtet und verurtheilt. |
| In wiefern die Moral dem Leben schädlich war |
| a) | dem Genuß des Lebens, der Dankbarkeit gegen das Leben usw. |
| b) | der Verschönerung, Veredelung des Lebens |
| c) | der Erkenntniß des Lebens |
| d) | der Entfaltung des Lebens, insofern es die höchsten Erscheinungen desselben mit sich selbst zu entzweien suchte |
| Gegenrechnung: ihre Nützlichkeit für das Leben. |
| die Moral als Erhaltungsprincip von größeren Ganzen, als Einschränkung der Glieder: “das Werkzeug” |
| die Moral als Erhaltungsprincip im Verhältniß zur inneren Gefährdung des Menschen durch Leidenschaften: “der Mittelmäßige” |
| die Moral als Erhaltungsprincip gegen die lebensvernichtenden Einwirkungen tiefer Noth und Verkümmerung: “der Leidende” |
| die Moral als Gegenprincip gegen die furchtbare Explosion der Mächtigen: der “Niedrige” |
| Bornirter Hochmuth einzelner Philosophen als Rein-Vernunft gemäßer |
| gegen das Gefühl überhaupt in der Moral (Kant) |
| gegen das Mitleid |
| gegen die Affekte |
Die Guten
Gefahr in der Bescheidenheit.— Sich zu früh anpassen an ein milieu, an Aufgaben, Gesellschaften, Alltags- und Arbeits-Ordnungen, in welche der Zufall uns setzt, zur Zeit, wo weder unsere Kraft, noch unser Ziel uns gesetzgeberisch ins Bewußtsein getreten ist; die damit errungene allzufrühe Gewissens-Sicherheit, Erquicklichkeit, Gemeinsamkeit, dieses vorzeitige Sich-Bescheiden, das sich als Loskommen von der inneren und äußeren Unruhe dem Gefühle einschmeichelt, verwöhnt und hält in der gefährlichsten Weise nieder; das Achten-lernen nach Art von “Seinesgleichen,” wie als ob wir selbst in uns kein Maaß und Recht hätten, Werthe anzusetzen, die Bemühung, gleich zu schätzen gegen die innere Stimme des Geschmacks, der auch ein Gewissen ist, wird eine furchtbare feine Fesselung: wenn es endlich keine Explosion giebt, mit Zersprengung aller Bande der Liebe und Moral mit Einem Male, so verkümmert und verkleinlicht, verweiblicht und versachlicht sich ein solcher Geist.— Das Entgegengesetzte ist schlimm genug, aber immer noch besser: an seiner Umgebung leiden, an ihrem Lobe sowohl wie an ihrer Mißbilligung, verwundet dabei und unterschwürig werden, ohne es zu verrathen; unfreiwillig-mißtrauisch sich gegen ihre Liebe vertheidigen, das Schweigen lernen, vielleicht indem man es durch Reden verbirgt, sich Winkel und unerrathbare Einsamkeiten schaffen für die Augenblicke des Aufathmens, der Thränen, der sublimen Tröstung—bis man endlich stark genug ist, um zu sagen: “was habe ich mit euch zu schaffen?” und seines Weges geht.
Die Tugenden sind so gefährlich als die Laster, insofern man sie von außen her als Autorität und Gesetz herrschen läßt und sie nicht aus sich selbst erst erzeugt, wie es das Rechte ist, als Persönlichste Nothwehr und Nothdurft, als Bedingung gerade unseres Daseins und Wohlthuns, die wir erkennen und anerkennen, gleichgültig ob Andere mit uns unter gleicher oder verschiedener Bedingung wachsen. Diese Satzung von der Gefährlichkeit der unpersönlich verstandenen, objektiven Tugend gilt auch von der Bescheidenheit: an ihr gehen viele der ausgesuchten Geister zu Grunde.
Die Moralität der Bescheidenheit ist die schlimmste Verweichlichung für solche Seelen, bei denen es allein Sinn hat, daß sie bei Zeiten hart werden.
Die Guten.
Es gelingt den Wenigsten, in dem, worin wir leben, woran wir von Alters gewöhnt sind, ein Problem zu sehn, das Auge ist gerade dafür nicht eingestellt: in Betreff unsrer Moral scheint es mir bis jetzt noch nicht geschehn.
Das Problem “jeder Mensch als Objekt für Andere” ist Anlaß zu den höchsten Ehrverleihungen; für sich selbst—nein!
Das Problem “du sollst”: ein Hang, der sich nicht zubegründen weiß, ähnlich wie der Geschlechtstrieb, soll nicht unter die Verurtheilung der Triebe fallen; umgekehrt, er soll ihr Werthmesser und Richter sein!
Das Problem der Gleichheit, während wir Alle nach Auszeichnung dürsten: hier gerade sollen wir umgekehrt an uns genau die Anforderungen wie an Andere stellen.
Das ist so abgeschmackt, sinnfällig verrückt: aber—es wird als heilig, als höheren Ranges empfunden, der Widerspruch gegen die Vernunft wird kaum gehört.
Aufopferung und Selbstlosigkeit als auszeichnend, der unbedingte Gehorsam gegen die Moral, und der Glaube, vor ihr mit Jedermann gleich zu stehn.
Die Vernachlässigung und Preisgebung von Wohl und Leben als auszeichnend, die vollkommene Verzichtleistung auf eigne Werthesetzung, das strenge Verlangen, von Jedermann auf dasselbe verzichtet zu sehn. “Der Werth der Handlungen ist bestimmt: jeder Einzelne ist dieser Werthung unterworfen.”
Wir sehn: eine Autorität redet—wer redet?— Man darf es dem menschlichen Stolze nachsehn, wenn er diese Autorität so hoch als möglich suchte, um sich so wenig als möglich unter ihr gedemüthigt zu finden. Also — Gott redet!
Man bedurfte Gottes, als einer unbedingten Sanktion, welche keine Instanz über sich hat, als eines “kategorischen Imperativs”—: oder, sofern man an die Autorität der Vernunft glaubt, man brauchte eine Einheits-Metaphysik, vermöge deren es logisch war
Gesetzt nun, der Glaube an Gott ist dahin: so stellt sich die Frage von Neuem: “wer redet?”— Meine Antwort, nicht aus der Metaphysik, sondern der Thier-Physiologie genommen: der Heerden-Instinkt redet. Er will Herr sein: daher sein “du sollst!” er will den Einzelnen nur im Sinne des Ganzen, zum Besten des Ganzen gelten lassen, er haßt die Sich-Loslösenden—er wendet den Haß aller Einzelnen gegen ihn
Erwägen wir, wie theuer sich ein solcher moralischer Kanon (ein “Ideal”) bezahlt macht. Seine Feinde sind—nun, die Egoisten
der melancholische Scharfsinn der Selbstverkleinerung in Europa (Pascal, Larochefoucauld)
die innere Schwächung, Entmuthigung, Selbstannagung der Nicht-Heerdenthiere
die beständige Unterstreichung der Mittelmäßigkeits-Eigenschaften als der werthvollsten (Bescheidenheit, in Reih und Glied, die Werkzeug-Natur)
das schlechte Gewissen eingemischt in alles Selbstherrliche, Originale:
die Unlust also:—also Verdüsterung der Welt der Stärker-Gerathenen
das Heerdenbewußtsein in die Philosophie und Religion übertragen: auch seine Ängstlichkeit, seine
lassen wir die psychologische Unmöglichkeit einer rein selbstlosen Handlung außer Spiel
Meine Philosophie ist auf Rangordnung gerichtet: nicht auf eine individualistische Moral. Der Sinn der Heerde soll in der Heerde herrschen,—aber nicht über sie hinausgreifen: die Führer der Heerde bedürfen einer grundverschiedenen Werthung ihrer eignen Handlungen, insgleichen die Unabhängigen, oder die “Raubthiere” usw.
Abseits gestellt gegen die beiden Bewegungen, die individualistische und die collektivistische Moral, denn auch die erste kennt die Rangordnung nicht und will dem Einen die gleiche Freiheit geben wie allen. Meine Gedanken drehen sich nicht um den Grad von Freiheit der dem Einen oder dem Anderen oder Allen zu gönnen ist, sondern um den Grad von Macht, den Einer oder der Andere über Andere oder Alle ausüben soll, resp. in wiefern eine Opferung von Freiheit, eine Versklavung selbst, zur Hervorbringung eines höheren Typus die Basis giebt. In größter Form gedacht: wie könnte man die Entwicklung der Menschheit opfern, um einer höheren Art als der Mensch ist, zum Dasein zu helfen? —
Daß man sich nicht über sich selbst vergreift! Wenn man in sich den moralischen Imperativ so hört, wie der Altruismus ihn versteht, so gehört man zur Heerde. Hat man das umgekehrte Gefühl, fühlt man in seinen uneigennützigen und selbstlosen Handlungen seine Gefahr, seine Abirrung, so gehört man nicht zur Heerde.
Der anscheinend verrückte Gedanke, daß Einer die Handlung, die er dem Anderen erweist, höher halten soll als die sich selbst erwiesene, dieser Andere ebenso wieder usw., nur Handlungen gut heißen soll, weil Einer dabei nicht sich selbst im Auge hat, sondern das Wohl des, hat seinen Sinn: nämlich als Instinkt des Gemeinsinns, auf der Schätzung beruhend, daß am Einzelnen überhaupt wenig gelegen ist, aber sehr viel an allen zusammen, vorausgesetzt, daß sie eben eine Gemeinschaft bilden, mit einem Gemein-Gefühl und Gemein-Gewissen. Also eine Art Übung in einer bestimmten Richtung des Blicks, Wille zu einer Optik, welche sich selbst zu sehen unmöglich machen will.
Mein Gedanke: es fehlen die Ziele, und diese müssen Einzelne sein!
Wir sehn das allgemeine Treiben: Jeder Einzelne wird geopfert und dient als Werkzeug. Man gehe durch die Straße, ob man nicht lauter “Sklaven” begegnet. Wohin? Wozu?
Die moralischen Phänomene haben mich beschäftigt wie Räthsel. Heute würde ich eine Antwort zu geben wissen. Was bedeutet es, daß für mich das Wohl des Nächsten höheren Werth haben soll als mein eigenes? Daß aber der Nächste selbst den Werth seines Wohls anders schätzen soll als ich, nämlich demselben gerade mein Wohl überordnen soll?
Ob ein Mensch von Kindheit an gewöhnt wird
Vortheil eines Abseits von seiner Zeit.
Das gesammte Moralisiren als Phänomen ins Auge bekommen. Auch als Räthsel.
Was bedeutet das “du sollst” und selbst eine Philos als “gegeben” betrachtet?
Zuletzt nämlich braucht man sehr viel Moralität, um in dieser feinen Weise unmoralisch zu sein: ich will ein Gleichniß gebrauchen.
Ein Physiologe, der sich für eine Krankheit interessirt, und ein Kranker, der von ihr geheilt werden will, haben nicht das gleiche Interesse. Nehmen wir einmal an, daß jene Krankheit die Moral ist—denn sie ist eine Krankheit—, und daß wir Europäer deren Kranke sind: was für eine feine Qual und Schwierigkeit wird entstehen, wenn wir Europäer nun zugleich auch deren neugierige Beobachter und Physiologen sind! Werden wir auch nur ernsthaft wünschen, von der Moral loszukommen? Werden wir es wollen? Daß wir von der Frage absehen, ob wir es können? Ob wir “geheilt” werden können?—
Die Bescheidung z.B. für die Frage des Pessimism, ob Lust oder Unlust überwiegt
insgleichen für die Frage über den Werth unsrer Erkenntniß
— was war gehemmt bisher? Unser Trieb zum Versuchen, die Gefahr war zu groß, “das Heil der Seele”
der Sieg über den alten Gott als über ein weltverleumderisches Princip—Sieg des Heidenthums—aber die Welt zeigt sich in neuer Furchtbarkeit
— das “Eins thut noth” und das “trachte nach dem Reiche Gottes: dann wird dir das Andre alles zufallen!” (“das Andre” ist z.B. auch die Liebe zum Nächsten die Moral im jetzigen Sinne)
(8)
NB! Dem bösen Menschen das gute Gewissen zurückgeben—ist das mein unwillkürliches Bemühen gewesen?
Und zwar dem bösen Menschen, insofern er der starke Mensch ist? (Das Urtheil Dostoijewsky’s über die Verbrecher der Gefängnisse ist hierbei anzuführen.)
Die Guten
Der Gewissensbiß: Zeichen, daß der Charakter der That nicht gewachsen ist. Es giebt Gewissensbisse auch nach guten Werken: ihr Ungewöhnliches, das was aus dem alten milieu heraushebt —
Die nächste Vorgeschichte einer Handlung bezieht sich auf diese: aber weiter zurück liegt eine Vorgeschichte, die weiter hinaus deutet: die einzelne Handlung ist zugleich ein Glied einer viel umfänglicheren späteren Thatsache. Die kürzeren und die längeren Prozesse sind nicht getrennt —
7 [7]
Zur Physiologie der Kunst
An die Künstler.
Unterscheidung: solche, die von ihrer Kunst leben wollen und andre, wie Dante, Goethe
Auf welchem Bedürfniß? Rückschluß vom “Werk” auf den Künstler.
Was “der Erfolg” beweist: jedenfalls ein Mißverständniß des Künstlers, zumeist auch des Werks.
Die anspruchsvollen Sinne—was bedeutet das?
Der Mangel an Logik—der esprit, das sujet.
an Probität der Bildung
Der “Naturalismus”—was bedeutet er? Vor allem ein Reizmittel—das Häßliche und Ungeheure macht Emotion.
Die “Romantik”—was bedeutet sie?
Stellung der Nationen zur Entwicklung der “europäischen Seele.”
Verhältniß der Kunst zur Kirche.
Der Pessimismus in der aesthetischen Theorie (“interesseloses Anschauen” “les Parnassiens”).
— Ich bin für diese ganze romant Musik (Beethoven eingerechnet) nicht glücklich genug, nicht gesund genug. Was ich nöthig habe, ist Musik, bei der man das Leiden vergißt; bei der das animalische Leben sich vergöttlicht fühlt und triumphirt; bei der man tanzen möchte; bei der man vielleicht, cynisch gefragt, gut verdaut? Die Erleichterung des Lebens durch leichte kühne selbstgewisse ausgelassene Rhythmen, die Vergoldung des Lebens durch goldene zärtliche gütige Harmonien—das nehme ich mir aus der ganzen Musik heraus. Im Grunde sind mir wenige Takte genug.
Wagner vom Anfang bis zum Ende ist mir unmöglich geworden, weil er nicht gehen kann, geschweige denn tanzen.
Aber das sind physiologische Urtheile, keine aesthetische: nur—habe ich keine Aesthetik mehr!
Kann er gehen?
Kann er tanzen?
— die entliehenen Formen z.B. Brahms, als typischer “Epigone” Mendelssohn’s gebildeter Protestantismus ebenfalls (eine frühere “Seele” wird nachgedichtet ...)
— die moralischen und poetischen Substitutionen bei W die eine Kunst als Nothbehelf für Mängel in den anderen.
— der “historische Sinn,” die Inspiration durch Dichten, Sagen jene typische Verwandlung, für die unter Franzosen G. Flaubert, unter D R. W das deutlichste Beispiel ist
wie der romantische Glaube an die Liebe und die Zukunft in das Verlangen zum Nichts sich umwandelt, 1830 in 1850
wenn irgend Etwas erreicht ist, so ist es ein harmloseres Verhalten zu den Sinnen, eine freudigere wohlwollendere Goetheschere Stellung zur Sinnlichkeit
insgleichen eine stolzere Empfindung in Betreff des Erkennens: so daß der “reine Thor” wenig Glauben findet
Physiologie der Kunst
Beethoven—un pauvre grand homme, sourd, amoureux, méconnu et philosophe, dont la musique est pleine de rêves gigantesques ou douloureux.
Mozart—ganz deutsche Gefühle ausdrückend, la candeur naïve, la tendresse mélancholique, contemplative, les vagues sourires, les timidités de l’amour.
Das Piano exalte et raffine. Mendelsohn les entoure de rêves ardents, délicats, maladifs.
Les âpres désirs tourmentés, les cris brisés, révoltés, les passions modernes, sortent de tous les accords de Meyerbeer.
In Hinsicht auf die Maler.
tous ces modernes sont des poètes, qui ont volu être peintres. L’un a cherché des drames dans l’histoire, l’autre des scènes de moeurs, celui-ci traduit des religions, celui-là une philosophie. Jener ahmt Raffael nach, ein anderer die ersten ital Meister; die Landschafter verwenden Bäume und Wolken, um Oden und Elegien zu machen. Keiner ist einfach Maler; alle sind Archäologen, Psychologen, In-Scene-Setzen irgendwelcher Erinnerung oder Theorie. Sie gefallen sich an unsrer Erudition, an unsrer Philosophie. Sie sind, wie wir, voll und übervoll von allgemeinen Ideen. Sie lieben eine Form nicht um das, was sie ist, sondern um das, was sie ausdrückt. Sie sind die Söhne einer gelehrten, gequälten und reflektirten Generation—Tausend Meilen weit von den alten Meistern, welche nicht lasen, und nur dran dachten, ihren Augen ein Fest zu geben.
Unser Zustand: der Wohlstand macht die Sensibilität wachsen; man leidet an den kleinsten Leiden; unser Körper ist besser geschützt, unsere Seele kränker. Die Gleichheit, das bequeme Leben, die Freiheit des Denkens,—aber zu gleicher Zeit l’envie haineuse, la fureur de parvenir, l’impatience du présent, le besoin du luxe, l’instabilité des gouvernements, les souffrances du doute et de la recherche.
— man verliert ebenso viel als man gewinnt —
Ein Bürger von 1850, verglichen mit dem von 1750, glücklicher? moins opprimé, plus instruit, mieux fourni de bien-être, aber nicht plus gai
Im 17ten Jahrhundert war nichts häßlicher als ein Gebirge; man hatte tausend Gedanken ans Unglück dabei. Man war müde der Barbarei, wie wir heute müde der Civilisation sind. Die Straßen heute so reinlich, die Gendarmes in Überfluß, die Sitten so friedlich, die Ereignisse so klein, so vorhergesehen, daß man aime la grandeur et l’imprévu. Die Landschaft wechselt wie die Litteratur; damals bot sie lange zuckersüße Romane und galante Abhandlungen: heute bietet sie la poésie violente et des drames physiologistes.
Diese Wildniß, die allgemeine unversöhnliche Herrschaft der nackten Felsen ennemi de la vie—nous délasse de nos trottoirs, de nos bureaux et nos boutiques. Nur deshalb lieben wir sie
| Zu Delacroix: |
| chanter avec la couleur “du Echo der Stimme Victor Hugo’s während der Kriege hatten sich in die französische Seele eingeschlichen la mélancholie poétique d’Angleterre, le lyrisme philosophique d’Allemagne l’âme complémentaire de Victor Hugo |
das Übergewicht der Musik in den Romantikern von 1830 und 40
Delacroix
Ingres ein leidenschaftlicher Musiker, Cultus für Gluck Haydn, Beethoven Mozart
sagte seinen Schülern in Rom “si je pouvais vous rendre tous musiciens, vous y gagneriez comme peintres” — )
insgleichen Horace Vernet, mit einer besonderen Leidenschaft für den Don Juan (wie Mendelssohn bezeugt 1831)
insgleichen Stendhal, der von sich sagt:
Der Präsident De Brosses sagt von der campagna Romana: “il fallait que Romulus fût ivre, quand il songea à bâtir une ville dans un terrain aussi laid”
Fénelon vergleicht den gothischen Stil mit einer schlechten Predigt.
Chateaubriand 1803 in einem Briefe an M. de Fontanes giebt den ersten Eindruck der campagna Romana.
Lamartine hat für Sorrent und den Posilipp die Sprache —
V. Hugo schwärmt für Spanien, parce que “aucune autre nation n’a moins imprunté à l’antiquité, parce qu’elle n’a subi aucune influence classique”
Auch Delacroix wollte Rom nicht, es machte ihm Furcht. Er schwärmte für Venedig, wie Shakespeare, wie Byron, wie G. Sand. Die Abneigung gegen Rom auch bei Th. Gautier—und bei R. Wagner.
Was an unsrer Democratie zum Lachen ist: der schwarze Rock ...
l’envie, la tristesse, le manque de mesure et de politesse, les héros de George Sand, de Victor Hugo et de Balzac
(et de Wagner)
le goût de la Renaissance
ein Ameublement darin, éclatant et sombre, d’un style tourmenté et magnifique
cet âge de force et d’effort, d’audace inventive, de plaisirs effrénés et de labeur terrible, de sensualité et d’hérosïme
Jeanne d’Albret, die Mutter Heinrich IV, nach d’Aubingés Urtheil:
“princesse n’ayant de la femme que le sexe, l’âme entière aux choses viriles, l’esprit puissant aux grandes affaires, le coeur invincible aux adversités.”
Agir, oser, jouir, dépenser sa force et sa peine en prodigue, s’abandonner à la sensation présente, être toujours pressé de passions toujours vivantes, supporter et rechercher les excès de tous les contrastes, voilà la vie du seizième siècle.
Parmi ces violences et ces voluptés la dévotion était ardente. Die Religion war damals nicht eine Tugend, sondern eine Passion. Man gieng zur Kirche wie zur Schlacht oder zum Rendezvous.
die Ritter in der Zeit der Kreuzzüge—enfants robustes. Im Tödten und Heulen ein Raubthier. Ist die Wuth vorüber, dann kommen sie auf Thränen zurück und werfen sich munter an den Hals, zärtlich.
Das Urtheil “angenehm” “unangenehm” vgl. Musik—wechselt und formirt sich nach dem, was wir als “gesetzlich” vernünftig, sinnvoll, bedeutsam empfinden.
Physiologie der Kunst
Der Sinn und die Lust an der Nüance (die eigentliche Modernität), an dem, was nicht generell ist, läuft dem Triebe entgegen, welcher seine Lust und Kraft im Erfassen des Typischen hat: gleich dem griechischen Geschmacke der besten Zeit. Ein Überwältigen der Fülle des Lebendigen ist darin, das Maaß wird Herr, jene Ruhe der starken Seele liegt zu Grunde, welche sich langsam bewegt und einen Widerwillen vor dem Allzu-Lebendigen hat. Der allgemeine Fall, das Gesetz wird verehrt und heraus gehoben; die Ausnahme wird umgekehrt bei Seite gestellt, die Nuance weggewischt. Das Feste, Mächtige, Solide, das Leben, das breit und gewaltig ruht und seine Kraft birgt—das “gefällt”: d.h. das correspondirt mit dem, was man von sich hält.
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Nihilismus
Zur Vorrede.
Ich habe eine Tortur bisher ausgestanden: alle die Gesetze, auf denen das Leben sich entwickelt, schienen mir im Gegensatz zu den Werthen zu stehen, um derentwillen Unsereins zu leben aushält. Es scheint das nicht der Zustand zu sein, an dem Viele bewußt leiden: trotzdem will ich die Zeichen zusammenstellen, aus denen ich annehme, daß es der Grundcharakter, das eigentlich tragische Problem unsrer modernen Welt und als geheime Noth Ursache oder Auslegung aller ihrer Nöthe ist. Dies Problem ist in mir bewußt geworden.
Nihilismus
A.
Von einer vollen herzhaften Würdigung unserer jetzigen M auszugehen:
sich nicht durch den Augenschein täuschen lassen (diese Menschheit ist weniger “effektvoll,” aber sie giebt ganz andere Garantien der Dauer, ihr tempo ist langsamer, aber der Takt selbst ist viel reicher
die Gesundheit nimmt zu, die wirklichen Bedingungen des starken Leibes werden erkannt und allmählich geschaffen, der “Asketismus” ironice —
die Scheu vor Extremen, ein gewisses Zutrauen zum “rechten Weg,” keine Schwärmerei; ein zeitweiliges Sich-Einleben in engere Werthe (wie “Vaterland”), wie “Wissenschaft” usw.
dies ganze Bild wäre aber immer noch zweideutig:
— es könnte eine aufsteigende
— oder aber eine absteigende Bewegung des Lebens sein.
B.
Der Glaube an den “Fortschritt”—in der niederen Sphäre der Intelligenz erscheint er als aufsteigendes Leben: aber da ist Selbsttäuschung;
in der höheren Sphäre der Intelligenz als absteigendes
Schilderung der Symptome.
Einheit des Gesichtspunktes: Unsicherheit in Betreff der Werthmaaße.
Furcht vor einem allgemeinen “Umsonst”
Nihilismus.
C.
Die Abhängigkeit aller Werthmaaße von den moralischen
der religiösen, ästhetischen, wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen
D.
Anzeichen eines Niedergangs im Glauben an die Moral.
Nihilismus.
Nichts ist gefährlicher als eine dem Wesen des Lebens widerstreitende Wünschbarkeit.
die nihilistische Consequenz (der Glaube an die Werthlosigkeit) als Folge der moral Werthschätzung
das Egoistische ist uns verleidet (selbst nach der Einsicht in die Unmöglichkeit des Unegoistischen)
das Nothwendige ist uns verleidet (selbst nach Einsicht in die Unmöglichkeit eines liberum arbitrium und einer “intelligiblen Freiheit”)
wir sehen, daß wir die Sphäre, wohin wir unsere Werthe gelegt haben, nicht erreichen—damit hat die andere Sphäre, in der wir leben, noch keineswegs an Werth gewonnen: im Gegentheil, wir sind müde, weil wir den Hauptantrieb verloren haben. “Umsonst bisher!”
Hemmung der Erkenntniß durch die Moral.
z.B. Versuch, das Leben mit der Moral zu vereinbaren (zu identificiren) und vor der Moral zu rechtfertigen
Altruismus uranfänglich
die selbstlose Denkweise möglich auch sans obligation und sanction
In wiefern die Moral die Erkenntniß gehemmt hat.
der Werth des Individuums, die “ewige Seele,” Fälschung der Psychologie
Widerstand gegen die Causalität: Fälschung der Physik
gegen die Entstehungsgeschichte überhaupt:
Fälschung der Historie. Fälschung der Erkenntnißtheorie
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Methodisch: der Werth der inneren und der äußeren Phänomenologie.
A. Das Bewußtsein spät, kümmerlich entwickelt, zu äußeren Zwecken, den gröbsten Irrthümern ausgesetzt, sogar essentiell etwas Fälschendes, Vergröberndes, Zusammenfassendes
B. dagegen das Phänomen der sinnlichen Welt hundert Male vielfacher, feiner und genauer zu beobachten. Die äußere Phänomenologie giebt uns den bei weitem reichsten Stoff und erlaubt die größere Strenge der Beobachtung; während die inneren Phänomene schlecht zu fassen sind und dem Irrthum verwandter (die inneren Prozesse sind essentiell Irrthum-erzeugend, weil Leben nur möglich ist unter der Führung solcher verengender Perspektive-schaffender Kräfte)
NB. Alle Bewegung als Zeichen eines inneren Geschehens:—also der ungeheuer überwiegende Theil alles inneren Geschehens ist uns nur als Zeichen gegeben.
Princip des Lebens
Grundirrthümer der bisherigen Biologen: es handelt sich nicht um die Gattung, sondern um stärker auszuwirkende Individuen (die Vielen sind nur Mittel)
das Leben ist nicht Anpassung innerer Bedingungen in äußere, sondern Wille zur Macht, der von innen her immer mehr “Äußeres” sich unterwirft und einverleibt
diese Biologen setzen die moral Werthschätzungen fort (der an sich höhere Werth des Altruismus, die Feindschaft gegen die Herrschsucht, gegen den Krieg, gegen die Unnützlichkeit, gegen die Rang- und Ständeordnung).
Gegen die Theorie, daß das einzelne Individuum den Vortheil der Gattung, seiner Nachkommenschaft im Auge hat, auf Unkosten des eigenen Vortheils: das ist nur Schein
die ungeheure Wichtigkeit, mit der das Individuum den geschlechtlichen Instinkt nimmt, ist nicht eine Folge von dessen Wichtigkeit für die Gattung: sondern das Zeugen ist die eigentliche Leistung des Individuums und sein höchstes Interesse folglich, seine höchste Machtäußerung (natürlich nicht vom Bewußtsein aus beurtheilt, sondern von dem Centrum der ganzen Individuation)
Princip des Lebens
Das Bewußtsein, ganz äußerlich beginnend, als Coordination und Bewußtwerden der “Eindrücke”—anfänglich am weitesten entfernt vom biologischen Centrum des Individuums; aber ein Prozeß, der sich vertieft, verinnerlicht, jenem Centrum beständig annähert.
Zur Entstehung der Logik. Der fundamentale Hang, gleichzusetzen, gleichzusehen wird modifizirt, im Zaum gehalten durch Nutzen und Schaden, durch den Erfolg: es bildet sich eine Anpassung aus, ein milderer Grad, in dem er sich befriedigen kann, ohne zugleich das Leben zu verneinen und in Gefahr zu bringen. Dieser Prozeß ist ganz entsprechend jenem äußeren mechanischen (der sein Symbolist), daß das Plasma fortwährend, was es sich aneignet, sich gleich macht und in seine Formen und Reihen einordnet.
Die Individuation, vom Standpunkte der Abstammungstheorie beurtheilt, zeigt das beständige Zerfallen von Eins in Zwei, und das ebenso beständige Vergehen der Individuen auf den Gewinn von wenig Individuen, die die Entwicklung fortsetzen: die übergroße Masse stirbt jedes Mal ab (“der Leib”) Das Grundphänomen: unzählige Individuen geopfert um weniger willen, als deren Ermöglichung.— Man muß sich nicht täuschen lassen: ganz so steht es mit den Völkern und Rassen: sie bilden den “Leib” zur Erzeugung von einzelnen werthvollen Individuen, die den großen Prozeß fortsetzen.
Princip des Lebens
Die Mächte in der Geschichte sind wohl zu erkennen, bei Abstreifung aller moralischen und religiösen Teleologie. Es müssen die Mächte sein, die auch im ganzen Phänomen des organischen Daseins wirken. Die deutlichsten Aussagen im Pflanzenreich.
Die großen Siege über das Thier: das Thier als Sklave,
oder als Feind.
— des Mannes über das Weib: das Weib
neben den grossen Schwankungen z.B. zwischen den Gesunden und Kranken.
| Wohinein die Würde des Menschen gesetzt worden ist: |
| über das Thier im Menschen Herr geworden zu sein über das Weib im Menschen Herr geworden zu sein | griechisches Ideal |
| dagegen die christliche Würde: |
| über den Stolz im Menschen Herr geworden zu sein über den |
Princip des Lebens
— die größere Complicirtheit, die scharfe Abscheidung, das Nebeneinander der ausgebildeten Organe und Funktionen, mit Verschwinden der Mittelglieder—wenn das Vollkommenheit ist, so ergiebt sich ein Wille zur Macht im organischen Prozeß, vermöge dessen herrschaftliche gestaltende befehlende Kräfte immer das Gebiet ihrer Macht mehren und innerhalb desselben immer wieder vereinfachen: der Imperativ wachsend.
— nützlich in Bezug auf die Beschleunigung des tempos der Entwicklung ist ein anderes “Nützlich” als das in Bezug auf möglichste Feststellung und Dauerhaftigkeit des Entwickelten.
der Geist ist nur ein Mittel und Werkzeug im Dienste des höheren Lebens, der Erhöhung des Lebens: und was das Gute anbetrifft, so wie es Plato (und nach ihm das Christenthum) verstand, so scheint es mir sogar ein lebensgefährliches, lebenverleumdendes, lebenverneinendes Princip.
7 [10]
Man kennt die Art Mensch, welche sich in die Sentenz tout comprendre c’est tout pardonner verliebt hat. Es sind die Schwachen, es sind vor Allem die Enttäuschten: wenn es an Allem etwas zu verzeihen giebt, so giebt es auch an Allem etwas zu verachten? Es ist die Philosophie der Enttäuschung, die sich hier so human in Mitleiden einwickelt und süß blickt.
Das sind Romantiker, denen der Glaube flöten gieng: nun wollen sie wenigstens noch zusehen, wie Alles läuft und verläuft. Sie nennen’s l’art pour l’art, “Objektivität” usw.
7 [11]
Sind nicht aus dem Anschein des Leeren und Vollen, des Festen und Lockeren, des Ruhenden und Bewegten, des Gleichen und Ungleichen—ist nicht der älteste Anschein zur Metaphysik gemacht?
Das europäische Philosophiren der letzten Jahrhunderte, das mit einer Würde und Biederkeit
— was ist erkennen? Kann ich erkennen?
7 [12]
Die volksthümlichen Ideale, der gute Mensch, der Selbstlose, der Heilige, der Weise, der Gerechte. Oh Mark Aurel!
7 [13]
Man muß die Augen auf haben: wenn irgend ein von Anbeginn altersschwacher Gesell immer seine Müdig als Weisheit Pess und Verklärung zur Schau trägt.
Wenn ein müder verunglückter von Anbeginn altersschwacher Gesell seine Müdigkeit immer als Ergebniß eines tiefen kämpfenden, leidenden Innen- und Bierlebens
oder eine vorlaute und unruhige Gackergans ihren Ehrgeiz in bedrucktes Papier aushaucht
was habe ich schon Alles in Hinsicht auf philosophische Falschmünzerei erlebt: der müde von Anbeginn altersschwache Esel, der seine Müdigkeit
7 [14]
Philosophie von Kant definirt als “Wissenschaft von den Grenzen der Vernunft”!
Daß es eine “Wahrheit” gäbe, der man sich irgendwie nähern könne —
Wenn ich ein regelmäßiges Geschehen in eine Formel bringe, so habe ich mir die Bezeichnung des ganzen Phänomens erleichtert, abgekürzt usw. Aber ich habe kein “Gesetz” constatirt, sondern die Frage aufgestellt, woher es kommt, daß hier Etwas sich wiederholt: es ist eine Vermuthung, daß der Formel ein Complex von zunächst unbekannten Kräften und Kraft-Auslösungen entspricht: es ist Mythologie zu denken, daß hier Kräfte einem Gesetze gehorchen, so daß in Folge ihres Gehorsams wir jedes Mal das gleiche Phänomen haben.
7 [15]
Ethik oder “Philosophie der Wünschbarkeit.” “Es sollte anders sein,” es soll anders werden: die Unzufriedenheit wäre also der Keim der Ethik.
Man könnte sich retten, erstens indem man auswählt, wo man nicht das Gefühl hat; zweitens, indem man die Anmaaßung und Albernheit begreift: denn verlangen, daß Etwas anders ist als es ist, heißt: verlangen, daß Alles anders ist,—es enthält eine verwerfende Kritik des Ganzen—es ist insofern ... Aber Leben ist selbst ein solches Verlangen!
Feststellen, was ist, wie es ist, scheint etwas unsäglich Höheres, Ernsteres als jedes “so sollte es sein”: weil Letzteres, als menschliche Kritik und Anmaaßung, von vornherein zur Lächerlichkeit verurtheilt erscheint. Es drückt sich darin ein Bedürfniß aus, welches verlangt, daß unsrem menschlichen Wohlbefinden die Einrichtung der Welt entspricht; auch der Wille, so viel als möglich auf diese Aufgabe hin zu thun. Andrerseits hat nur diesgen “so sollte es sein” jenes andere Verlangen nach dem, was, ist, hervorgerufen:issen nämlich darum, was ist, ist bereits eine Consequenz jenes Fragens: “wie? ist möglich? warum gerade so?” Die Verwunderung über die Nicht-Übereinstimmung unsrer Wünsche und des Weltlaufs hat dahin geführt, den Weltlauf kennen zu lernen. Vielleicht steht es noch anders: vielleicht ist jenes “so sollte es sein,” unser Welt-Überwältigungs-Wunsch, — —
7 [16]
Unsre Abzeichen z.B. die kritische Stellung zum Christenthum MA 2, 182
Tafel der Abgrenzungen
z.B. gegen Idealisten und Romantiker
als Schauspieler und Selbstbelügner
gegen die Beschaulichen
gegen den Nationalismus.
Zur Psychologie der Einsamkeit.
Zu Ehren des Irrthums.
Antagonismus zwischen Vermenschlichung und Vergrösserung des Menschen.
Die Vollen und Schenkenden im Gegensatz zu den Suchenden, Begehrenden.
Die aesthetischen Zustände zwiefach.
Bücher und Menschen.
Fragen der Gesundheit.
Moderne Musik.
Classische Erziehung.
Großstadt.
Laster des Intellects
7 [17]
Den größten Ekel haben mir bisher die Schmarotzer des Geistes gemacht: man findet sie, in unserem ungesunden Europa, überall sitzen, und zwar mit dem besten Gewissen von der Welt. Vielleicht ein wenig trübe, ein wenig air pessimiste, in der Hauptsache aber gefräßig, schmutzig, beschmutzend, sich einschleichend, einschmiegend, diebisch, krätzig,—und unschuldig wie alle kleinen Sünder und Mikrobien. Sie leben davon, daß andere Leute Geist haben, und ihn mit vollen Händen ausgeben: sie wissen, wie es selbst zum Wesen des reichen Geistes gehört, unbekümmert, ohne kleinliche Vorsicht, auf den Tag hin und selbst verschwenderisch sich auszugeben—denn der Geist ist ein schlechter Haushalter und hat kein Augenmerk darauf, wie Alles von ihm lebt und zehrt.
7 [18]
“Jede Thätigkeit als solche macht Lust”—sagen die Physiologen. In wiefern? Weil die aufgestaute Kraft eine Art von Drang und Druck mit sich gebracht hat, einen Zustand, dem gegenüber das Thun als Befreiung gefühlt wird? Oder insofern jede Thätigkeit ein Überwinden von Schwierigkeiten und Widerständen ist? Und viele kleine Widerstände, immer wieder überwunden, leicht und wie in einem rhythmischen Tanze eine Art Kitzel des Machtgefühls mit sich bringen?
Lust als Kitzel des Machtgefühls: immer etwas voraussetzend, was widersteht und überwunden wird.
Alle Lust- und Unlusterscheinungen sind intellektuell, Gesammtbeurtheilungen von irgend welchen Hemmungserscheinungen, auslegungen derselben
7 [19]
In willensschwächeren und vielfacheren Zeitaltern ist ein hoher Grad von Entartung und Absonderlichkeit nicht sofort gefährlich und bedingt keine Ausmerzung aus dem gesellschaftlichen Körper; andrerseits geht man nicht gleich zu Grunde, weil die mittlere Quantität aller Kräfte selbst in sehr willkürlichen und eigensüchtigen Wesen nach außen zu die aggressive und herrschsüchtige Tendenz verhindert.
Die Gefahren solcher Zeitalter sind die concentrirten Willensmächtigen; während in starken Zeitaltern die Gefahr in den Unsicheren liegt.
7 [20]
Die Philosophen-Moral von Sokrates ab eine Don-Quixoterie
ein gutes Stück Schauspielerei
ein Selbst-Mißdeuten
was sie eigentlich ist?
idiosynkratisch: die Begeisterung für Dialektik, optimistisch—die überreizbare Sinnlichkeit und folglich Furcht
die größte aller Schwindeleien und Selbstverlogenheiten, zwischen gut, wahr und schön eine Identität zu setzen und diese Einheit darzustellen
der Kampf gegen die Sophisten ist psychologisch schwer zu fassen: es ist eine Abtrennung nöthig, um nicht mit ihnen verwechselt zu werden (wozu Alles einlud, weil sie nämlich sich verwandt fühlten). Wettbewerb um die Jünglinge —
Tugend und Ironie und Scharfsinn bei Socrates—bei Plato der Verliebte (Päderast), der Künstler (?), der Oligarch —
Unabhängigkeits-Erklärung, Auswanderung aus der Polis, Ablösung von der Herkunft —
Kritik der Cultur vom Standpunkt der “Moral” und der Dialektik!!! —
absoluter Mangel an “historischem Sinn” —
Symptom der décadence —
— ob nicht alle spezifisch moralischen Bewegungen bisher Symptome der décadence waren?
7 [21]
Perspektivismus der Wünschbarkeit (des Ideals)
7 [22]
Einer kritisirt: sein Temperament sagt dazu Ja
oft thut uns die Abwesenheit von Geist wohl
7 [23]
| NB. In psychologischer Hinsicht habe ich zwei Sinne: |
| einmal: | den Sinn für das Nackte |
| sodann: | den Willen zum großen Stil (wenige Hauptsätze, diese im strengsten Zusammenhang; kein esprit, keine Rhetorik). |
7 [24]
Alle die Triebe und Mächte, welche von der Moral gelobt werden, ergeben sich mir als essentiell gleich mit den von ihr verleumdeten und abgelehnten z.B. Gerechtigkeit als Wille zur Macht, Wille zur Wahrheit als Mittel des Willens zur Macht
7 [25]
Gegen den Darwinismus.
— der Nutzen eines Organs erklärt nicht seine Entstehung, im Gegentheil!
— die längste Zeit, während deren eine Eigenschaft sich bildet, erhält sie das Individuum nicht und nützt ihm nicht, am wenigsten im Kampfe mit äußeren Umständen und Feinden
— was ist zuletzt “nützlich”? Man muß fragen “in Bezug worauf nützlich?” Z.B. was der Dauer des Individuums nützt, könnte seiner Stärke und Pracht ungünstig sein; was das Individuum erhält, könnte es zugleich festhalten und stille stellen in der Entwicklung. Andrerseits kann ein Mangel, eine Entartung vom höchsten Nutzen sein, insofern sie als stimulans anderer Organe wirkt. Ebenso kann eine Nothlage Existenzbedingung sein, insofern sie ein Individuum auf das Maaß herunterschraubt, bei dem es zusammenhält und sich nicht vergeudet.
— Das Individuum selbst als Kampf der Theile (um Nahrung, Raum usw.): seine Entwicklung geknüpft an ein Siegen, Vorherrschen einzelner Theile, an ein Verkümmern, “Organwerden” anderer Theile
— der Einfluß der “äußeren Umstände” ist bei D ins Unsinnige überschätzt; das Wesentliche am Lebensprozeß ist gerade die ungeheure gestaltende, von Innen her formschaffende Gewalt, welche die “äußeren Umstände” ausnützt, ausbeutet ...
— daß die von Innen her gebildeten neuen Formen nicht auf einen Zweck hin geformt sind, aber daß im Kampf der Theile eine neue Form nicht lange ohne eine Beziehung zu einem partiellen Nutzen stehen wird, und dann dem Gebrauche nach sich immer vollkommener ausgestaltet
— wenn sich nur das erhalten hat, was sich dauernd als nützlich bewies, so in erster Reihe die schädigenden zerstörenden auflösenden Fähigkeiten, das Sinnlose, Zufällige,
7 [26]
Was bedeutet das, daß wir die campagna Romana nachfühlen? Und das Hochgebirge? Was bedeutet unser Nationalismus?
Idealismus oder Selbstverlogenheit.
Kritik der Civilisation.
Die Metamorphosen des Kreuzes.
Die Verfeinerungen der Furcht
der Wollüstigkeit.
der Verachtung
7 [27]
Vollerer Begriff des Lebens
Die Arten des Rausches
Die moderne Schauspielerei (z.B. “Vaterland”: in wiefern es uns wider das Gewissen geht, Patrioten zu sein)
Die ganze Europäische Falschheit.
Die Kluft —
7 [28]
Der starke Mensch, mächtig in den Instinkten einer starken Gesundheit verdaut seine Thaten ganz eben so, wie er die Mahlzeiten verdaut; er wird mit schwerer Kost selbst fertig: in der Hauptsache aber führt ihn ein unversehrter und strenger Instinkt, daß er nichts thut, was ihm widersteht, so wenig als er etwas ißt, das ihm nicht schmeckt.
7 [29]
Zur Geschichte des modernen Lasters.
Der Anarchismus.
7 [30]
— Naivetät des philosophischen Alterthums, psychologische Unschuld; ihre “Weisen” waren langweilig.
Gegen das Alterthum gehalten, das an die Vernunft (die göttliche Herkunft der Vernunft), an die Tugend (als höchste Vernünftigkeit und Unabhängigkeit des Geistes) glaubte, lehrt das Christenthum den Verdacht, daß Alles im Grunde böse und unverbesserlich sei, daß der Stolz des Geistes seine größte Gefahr sei usw.
7 [31]
Das tragische Zeitalter für Europa: bedingt durch den Kampf mit dem Nihilismus.
7 [32]
Der absolute Mangel an Vorbereitung für das Aufnehmen von Wahrheiten; keine Gradation der Erziehung; blindes Zutrauen in den Geist; die moderne “Gutmüthigkeit.”
7 [33]
Gegen die Theorie vom “milieu.” Die Rasse unsäglich wichtiger. Das milieu ergiebt nur “Anpassung”; innerhalb derselben spielt die ganze aufgespeicherte Kraft.
7 [34]
Der Causalismus. Dieses “Aufeinander” bedarf immer noch der Auslegung: “Naturgesetz” ist eine Auslegung usw.
“Ursache und Wirkung” geht zurück auf den Begriff “Thun und Thäter.” Diese Scheidung woher?
Bewegung als Symptom eines nicht-mechanischen Geschehens. Bei der mechanistischen Weltauffassung stehen bleiben—das ist, wie als ob ein Tauber die Partitur eines Werks als Ziel nimmt.
Logik—ihr Wesen nicht entdeckt. Kunst der eindeutigen Bezeichnung?
7 [35]
Kritik der menschlichen Ziele. Was wollte die antike Philosophie? Was das Christenthum? Was die Vedanta-Philosophie? Was Buddha?— Und hinter diesem Willen was steckt da?
Psychologische Genesis der bisherigen Ideale: was sie eigentlich bedeuten?
7 [36]
Gesetzt, unsere übliche Auffassung der Welt wäre ein Mißverständniß: könnte eine Vollkommenheit concipirt werden, innerhalb deren selbst solche Mißverständnisse sanktionirt wären?
Conception einer neuen Vollkommenheit: das, was unserer Logik, unserem “Schönen,” unserem “Guten,” unserem “Wahren” nicht entspricht, könnte in einem höheren Sinne vollkommen sein, als es unser Ideal selbst ist.
7 [37]
vis est vita, vides, quae nos facere omnia cogit
Lucilius
7 [38]
Es ist ganz und gar nicht die erste Frage ob wir mit uns zufrieden sind, sondern ob wir überhaupt irgend womit zufrieden sind. Gesetzt, wir sagen Ja zu einem einzigen Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst, sondern zu allem Dasein Ja gesagt. Denn es steht nichts für sich, weder in uns selbst, noch in den Dingen: und wenn nur ein einziges Mal unsre Seele wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten nöthig, um dies Eine Geschehen zu bedingen—und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres Jasagens gutgeheißen, erlöst, gerechtfertigt und bejaht.
7 [39]
Eine volle und mächtige Seele wird nicht nur mit schmerzhaften, selbst furchtbaren Verlusten, Entbehrungen, Beraubungen, Verachtungen fertig: sie kommt aus solchen Höllen mit größerer Fülle und Mächtigkeit heraus: und, um das Wesentlichste zu sagen, mit einem neuen Wachsthum in der Seligkeit der Liebe. Ich glaube, der wer etwas von den untersten Bedingungen jedes Wachsthums in der Liebe errathen hat, wird Dante, als er, über die Pforte seines inferno schrieb: “auch mich schuf die ewige Liebe”
7 [40]
Die Welt ist ins Ungeheure gewachsen und wächst fortwährend: unsere Weisheit lernt endlich, von sich kleiner zu denken; wir Gelehrten sogar, wir fangen eben an, wenig zu wissen ...
7 [41]
Das Begierden-Erdreich, aus dem die Logik herausgewachsen ist: Heerden-Instinkt im Hintergrunde, die Annahme der gleichen Fälle setzt die “gleiche Seele” voraus. Zum Zweck der Verständigung und Herrschaft.
7 [42]
Der Antagonism zwischen der “wahren Welt,” wie sie der Pessimismus aufdeckt, und einer lebensmöglichen Welt:—dazu muß man die Rechte der Wahrheit prüfen, es ist nöthig, den Sinn aller dieser “idealen Triebe” am Leben zu messen, um zu begreifen, was eigentlich jener Antagonism ist: der Kampf des krankhaften verzweifelnden, sich an Jenseitiges klammernden Lebens mit dem gesünderen dümmeren verlogneren reicheren unzersetzteren Leben. Also nicht “Wahrheit” im Kampf mit Leben, sondern eine Art Leben mit einer anderen.— Aber es will die höhere Art sein!— Hier muß die Beweisführung einsetzen, daß eine Rangordnung noth thut,—daß das erste Problem das der Rangordnung der Arten Leben ist.
7 [43]
Nihilismus als Folge der moralischen Welt-Auslegung.
Rangordnung.
Die ewige Wiederkunft.
7 [44]
“Nützlich” im Sinne der darwinistischen Biologie, d.h. im Kampf mit Anderen sich als begünstigend erweisend. Aber mir scheint schon das Mehrgefühl, das Gefühl des Stärker-Werdens, ganz abgesehn vom Nutzen im Kampf, der eigentliche Fortschritt: aus diesem Gefühle entspringt erst der Wille zum Kampf, —
7 [45]
1.
Kritik der Werthe, gemessen am Leben.
2.
Die Herkunft der Werthe
3.
Das Leben als Wille zur Macht
4.
Die Umgekehrten
ihr Hammer “die Lehre von der Wiederkunft.”
7 [46]
Die Art Mensch, deren Mundstück ich bin:
nicht an unerfüllten Idealen leidend, sondern an erfüllten! daran nämlich, daß das Ideal, welches wir darstellen und von dem so viel Wesens gemacht wird, von uns mit einer leichten Geringschätzung behandelt wird —
ein gefährliches Heimweh nach der ehemaligen “Wildniß” der Seele, nach den Bedingungen der Größe, so gut als der Teufelei —
wir genießen unsre unordentlicheren, wilderen, verrückteren Augenblicke, wir wären im Stande, ein Verbrechen zu begehen, nur um zu sehn, was es mit einem Gewissensbiß auf sich hat —
wir sind blasirt gegen die alltäglichen Reize des “guten Menschen,” der, guten gesellsch Ordnung, der braven Gelehrsamkeit —
wir leiden nicht an der “Verderbniß,” wir sind sehr verschieden von Rousseau und sehnen uns nicht nach dem “guten Naturmenschen” —
wir sind des Guten müde, nicht des Leidens: wir nehmen Krankheit, Unglück, Alter, Tod nicht mehr ernst genug, am wenigsten mit dem Ernste der Buddhisten, als ob die Einwände gegen das Leben gegeben seien.
7 [47]
Kritik der Vaterländerei: wer über sich Werthe fühlt, die er hundert Mal höher nimmt als das Wohl des “Vaterlands,” der Gesellschaft, der Bluts- und Rassenverwandtschaft,—Werthe, die jenseits der Vaterländer und Rassen stehen, also internationale Werthe—der würde zum Heuchler, wenn er den “Patrioten” spielen wollte. Es ist eine Niederung von Mensch und Seele, welche den nationalen Haß bei sich aushält (oder gar bewundert und verherrlicht): die dynastischen Familien beuten diese Art Mensch aus,—und wiederum giebt es genug Handels- und Gesellschaftsklassen (auch natürlich die käuflichen Hanswürste, die Künstler), die ihre Förderung gewinnen, wenn diese nationalen Scheidewässer wieder die Macht haben. Thatsächlich ist eine niedrigere Species zum Übergewicht gelangt — —
7 [48]
Intellektualität des Schmerzes: er bezeichnet nicht an sich, was augenblicklich geschädigt ist, sondern welchen Werth die Schädigung hat in Hinsicht auf das allgemeine Individuum.
ob es Schmerzen giebt, in denen “die Gattung” und nicht das Individuum leidet —
Was bedeutet activ und passiv? ist es nicht herrwerden und überwältigt werden
und Subject und Object?
7 [49]
Die Frage der Werthe ist fundamentaler als die Frage der Gewißheit: letztere erlangt ihren Ernst erst unter der Voraussetzung, daß die Werthfrage beantwortet ist.
Sein und Schein, psychologisch nachgerechnet, ergiebt kein “Sein an sich,” keine Kriterien für “Realität,” sondern nur für Grade der Scheinbarkeit gemessen an der Stärke des Antheils den wir einem Schein geben.
7 [50]
Das Problem der Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Gewißheit.
Das Problem des Guten
Das Problem der Gerechtigkeit.
Das Problem des Maaßes.
Das Problem der Rangordnung.
7 [51]
Die Verletzung provocirt entweder die Reaktion oder die Unterwerfung
7 [52]
Die christlichen Interpreten, wie Carlyle, heute als Form der Unredlichkeit: ebenso die Bewunderung der Zeiten des Glaubens.
7 [53]
Nicht ein Kampf um Existenz wird zwischen den Vorstellungen und Wahrnehmungen gekämpft, sondern um Herrschaft:—vernichtet wird die überwundene V nicht, nur zurückgedrängt oder subordinirt. Es giebt im Geistigen keine Vernichtung ...
7 [54]
Dem Werden den Charakter des Seins aufzuprägen—das ist der höchste Wille zur Macht.
Zwiefache Fälschung, von den Sinnen her und vom Geiste her, um eine Welt des Seienden zu erhalten, des Verharrenden, Gleichwerthigen usw.
Daß Alles wiederkehrt, ist die extremste Annäherung einer Welt des Werdens an die des Seins: Gipfel der Betrachtung.
Von den Werthen aus, die dem Seienden beigelegt werden, stammt die Verurtheilung und Unzufriedenheit im Werdenden: nachdem eine solche Welt des Seins erst erfunden war.
Die Metamorphosen des Seienden (Körper, Gott, Ideen, Naturgesetze, Formeln usw.)
“Das Seiende” als Schein; Umkehrung der Werthe: der Schein war das Werthverleihende —
Erkenntniß an sich im Werden unmöglich; wie ist also Erkenntniß möglich? Als Irrthum über sich selbst, als Wille zur Macht, als Wille zur Täuschung.
Werden als Erfinden Wollen Selbstverneinen, Sich-selbst-Überwinden: kein Subjekt, sondern ein Thun, Setzen, schöpferisch, keine “Ursachen und Wirkungen.”
Kunst als Wille zur Überwindung des Werdens, als “Verewigen,” aber kurzsichtig, je nach der Perspektive: gleichsam im Kleinen die Tendenz des Ganzen wiederholend
Was alles Leben zeigt, als verkleinerte Formel für die gesammte Tendenz zu betrachten: deshalb eine neue Fixirung des Begriffs “Leben,” als Wille zur Macht
Anstatt “Ursache und Wirkung” der Kampf der Werdenden mit einander, oft mit Einschlürfung des Gegners; keine constante Zahl der Werdenden.
Unbrauchbarkeit der alten Ideale zur Interpretation des ganzen Geschehens, nachdem man deren thierische Herkunft und Nützlichkeit erkannt hat; alle überdies dem Leben widersprechend.
Unbrauchbarkeit der mechanistischen Theorie—giebt den Eindruck der Sinnlosigkeit.
Der ganze Idealismus der bisherigen Menschheit ist im Begriff, in Nihilismus umzuschlagen—in den Glauben an die absolute Werthlosigkeit das heißt Sinnlosigkeit ...
Die Vernichtung der Ideale, die neue Öde, die neuen Künste, um es auszuhalten, wir Amphibien.
Voraussetzung: Tapferkeit, Geduld, keine “Rückkehr,” keine Hitze nach vorwärts
NB. Zarathustra, sich beständig parodisch zu allen früheren Werthen verhaltend, aus der Fülle heraus.
7 [55]
Wenn es “nur Ein Sein giebt, das Ich” und nach seinem Bilde alle anderen “Seienden” gemacht sind,—wenn schließlich der Glaube an das “Ich” mit dem Glauben an die Logik d.h. metaphysische Wahrheit der Vernunft-Kategorie steht und fällt: wenn andrerseits das Ich sich als etwas Werdendes erweist: so
7 [56]
Gegen das physikalische Atom. Um die Welt zu begreifen, müssen wir sie berechnen können; um sie berechnen zu können, müssen wir constante Ursachen haben; weil wir in der Wirklichkeit keine solchen constanten Ursachen finden, erdichten wir uns welche—die Atome. Dies ist die Herkunft der Atomistik.
Die Berechenbarkeit der Welt, die Ausdrückbarkeit alles Geschehens in Formeln—ist das wirklich ein “Begreifen”? Was wäre wohl an einer Musik begriffen, wenn alles, was an ihr berechenbar ist und in Formeln abgekürzt werden kann, berechnet wäre?— Sodann die “constanten Ursachen,” Dinge, Substanzen, etwas “Unbedingtes” also; erdichtet—was hat man erreicht?
7 [57]
Es gab einen melancholischen Nachmittag, an dem Spinoza mit sich unzufrieden war: ein kleines Vorkommniß wollte ihm nicht aus dem Sinn—er tadelte sich in Hinsicht auf dieses Vorkommniß. Mit Einem Male sagte er sich: das ist der morsus conscientiae! Aber wie ist der morsus conscientiae bei mir noch möglich?
7 [58]
Kritik des christlichen Ideals: seine Voraussetzungen die Existenzbedingungen der Seele—es handelt sich ums ewige Leben, und um Verdammniß oder Seligkeit
7 [59]
Der Determinism ist nur jener Moral schädlich, welche an’s liberum arbitrium als Voraussetzung der Moralität glaubt an die “Verantwortlichkeit”
7 [60]
Gegen den Positivismus, welcher bei dem Phänomen stehen bleibt “es giebt nur Thatsachen,” würde ich sagen: nein, gerade Thatsachen giebt es nicht, nur Interpretationen. Wir können kein Factum “an sich” feststellen: vielleicht ist es ein Unsinn, so etwas zu wollen. “Es ist alles subjektiv” sagt ihr: aber schon das ist Auslegung, das “Subjekt” ist nichts Gegebenes, sondern etwas Hinzu-Erdichtetes, Dahinter-Gestecktes.— Ist es zuletzt nöthig, den Interpreten noch hinter die Interpretation zu setzen? Schon das ist Dichtung, Hypothese.
Soweit überhaupt das Wort “Erkenntniß” Sinn hat, ist die Welt erkennbar: aber sie ist anders deutbar, sie hat keinen Sinn hinter sich, sondern unzählige Sinne “Perspektivismus.”
Unsre Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen: unsre Triebe und deren Für und Wider. Jeder Trieb ist eine Art Herrschsucht, jeder hat seine Perspektive, welche er als Norm allen übrigen Trieben aufzwingen möchte.
7 [61]
Vorläufige Überschriften von Capiteln.
Antagonismus von “Verbesserung” und “Vergrößerung” des Menschen (resp. Zähmung und Verstärkung)
Kritik des christlichen Ideals (Demuth, Keuschheit, Armut, Einfalt)
Kritik des stoischen Ideals (eingerechnet der “Fakir”)
Kritik des epikureischen Ideals (eingerechnet das “olympische”—auch die “Beschaulichen”)
Die Metamorphosen der Sklaverei.
Künstler und Eroberer. Was will Schönheit?
Gerechtigkeit, Schuld, Strafe, Verantwortlichkeit—der Gesetzgeber.
Kritik des romantischen Ideals, insgleichen jenes Ideals, das dem Pessimisten seine Kraft zu hassen und zu verachten giebt
Der interpretative Charakter des Lebens (was bedeutet Nihilismus?) “Ziellosigkeit”
Das nächste Jahrhundert und seine Vorgänger.
Kritik der Handlung (Ursache und Wirkung, Thun, Zweck)
Rangordnung
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Die Wenigsten machen sich klar, was der Standpunkt der Wünschbarkeit, jedes “so sollte es sein, aber es ist nicht” oder gar “so hätte es sollen gewesen sein” in sich schließt: eine Verurtheilung des gesammten Gangs der Dinge. Denn in ihm giebt es nichts Isolirtes: das Kleinste trägt das Ganze, auf deinem kleinen Unrechte steht der ganze Bau der Zukunft, das Ganze wird bei jeder Kritik, die das Kleinste trifft, mit verurtheilt. Gesetzt nun gar, daß die moralische Norm, wie es selbst Kant vermeinte, niemals vollkommen erfüllt worden ist und als eine Art Jenseits über der Wirklichkeit hängen bliebe, ohne jemals in sie hineinzufallen: so schlösse die Moral ein Urtheil über, das Ganze in sich, welches aber doch erlaubte zu fragen: woher nimmt sie das Recht dazu? Wie kommt der Theil dazu, dem Ganzen gegenüber hier den Richter zu machen?— Und wäre es in der That ein unausrottbarer Instinkt, dieses moral Urtheilen und Ungenügen am Wirklichen, wie man behauptet hat, gehörte dann dieser Instinkt nicht vielleicht mit zu den unausrottbaren Dummheiten, auch Unbescheidenheiten unserer species?— Aber, indem wir dies sagen, thun wir das, was wir tadeln; der Standpunkt der Wünschbarkeit, des unbefugten Richterspielens gehört mit in den Charakter des Gangs der Dinge, jede Ungerechtigkeit und Unvollkommenheit ebenso,—es ist eben unser Begriff von “Vollkommenheit,” welcher seine Rechnung nicht findet. Jeder Trieb, der befriedigt werden will, drückt seine Unzufriedenheit mit der jetzigen Lage der Dinge aus: wie? ist vielleicht das Ganze aus lauter unzufriedenen Theilen zusammengesetzt, die allesammt Wünschbarkeiten im Kopf haben? ist der “Gang der Dinge” vielleicht eben das “Weg von hier! Weg von der Wirklichkeit!,” die ewige Unbefriedigung selbst? ist die Wünschbarkeit vielleicht die treibende Kraft selbst? ist sie—deus?
Es scheint mir wichtig, daß man das All, die Einheit los wird, irgend eine Kraft, ein Unbedingtes; man würde nicht umhin können, es als höchste Instanz zu nehmen und Gott zu taufen. Man mu das All zersplittern; den Respekt vor dem All verlernen; das, was wir dem Unbekannten Ganzen gegeben haben, zurücknehmen für das Nächste, Unsre. Was Kant z.B. sagt “Zwei Dinge bleiben ewig verehrenswerth”—heute würden wir eher sagen “die Verdauung ist ehrwürdiger.” Das All brächte immer die alten Probleme mit sich “wie Übel möglich sei?” usw. Also: es gie kein All, es fehlt das große Sensorium oder Inventarium oder Kraft-Magazin: darin
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Muß nicht alle Philosophie endlich die Voraussetzungen, auf denen die Bewegung der Vernunft ruht, ans Licht bringen? Unseren Glauben an das Ich, als an eine Substanz, als an die einzige Realität, nach welcher wir überhaupt den Dingen Realität zusprechen? Der älteste “Realismus” kommt zuletzt ans Licht: zu gleicher Zeit, wo die ganze religiöse Geschichte der Menschheit sich wiedererkennt als Geschichte vom Seelen-Aberglauben. Hier ist eine Schranke: unser Denken selbst involvirt jenen Glauben (mit seiner Unterscheidung von Substanz-Accidens, Thun, Thäter usw.), ihn fahren lassen heißt nicht-mehr-denken-dürfen.
Daß aber ein Glaube, so nothwendig er ist, zur Erhaltung von Wesen, nichts mit der Wahrheit zu thun hat, erkennt man z.B. selbst daran, daß wir an Zeit Raum und Bewegung glauben müssen, ohne uns gezwungen zu fühlen, hier absolute
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aller Werthe
Erstes Buch.
Der europäische Nihilismus.
Zweites Buch.
Kritik der höchsten Werthe.
Drittes Buch.
Princip einer neuen Werthsetzung.
Viertes Buch.
Zucht und Züchtung.
entworfen den 17. März 1887, Nizza.
I. Jede rein moralische Werthsetzung (wie z.B. die buddhistische) endet mit Nihilismus: dies für Europa zu erwarten! Man glaubt mit einem Moralism ohne religiösen Hintergrund auszukommen: aber damit ist der Weg zum Nihilismus nothwendig. In der Religion fehlt der Zwang, uns als werthsetzend zu betrachten.
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Wie plump ist jedes Mal der Erfolg und sein erbärmlicher Ausgangspunkt in Eins gerechnet! Selbst bei Künstlern: wie kann man vom Werk auf den Künstler zurückschließen! Homer—fühlt ihr nicht den Pessimisten und Überreizbaren, der um seiner Leiden willen jene Fülle von Vollendung der Olympier erdichtet! Die Theorien des Philosophen sind entweder die brutale Verallgemeinerung seiner Sensibilitäts-Erfahrung, oder das Mittel, wodurch er über diese Sensibilität Herr bleiben will,—Geistigkeit usw.
— Flucht vor ihr ins Geistig-Kalte, Formelhaft-Starre.
4.
Egoismus und sein Problem! Die christliche Verdüsterung in Larochefoucauld, welcher ihn überall herauszog und damit den Werth der Dinge und Tugenden vermindert glaubte! Dem entgegen suchte ich zunächst zu beweisen, daß es gar nichts anderes geben könne als Egoismus,—daß den Menschen, bei denen das ego schwach und dünn wird, auch die Kraft der großen Liebe schwach wird,—daß die Liebendsten vor allem es aus Stärke ihres ego sind,—daß Liebe ein Ausdruck von Egoismus ist usw. Die falsche Werthschätzung zielt in Wahrheit auf das Interesse 1) derer, denen genützt, geholfen wird, der Heerde 2) enthält einen pessimistischen Argwohn gegen den Grund des Lebens 3) möchte die prachtvollsten und wohlgerathensten Menschen verneinen; Furcht 4) will den Unterliegenden zum Rechte verhelfen gegen die Sieger 5) bringt sie eine universale Unehrlichkeit mit sich, und gerade bei den werthvollsten Menschen.
5.
Musik und ihre Gefährlichkeit,—ihre Schwelgerei, ihre Auferweckungskunst für christliche Zustände, vor allem für jene Mischung von versetzter Sinnlichkeit und Gebets-Brünstigkeit (Franc von Assisi)—geht Hand in Hand mit der Unsauberkeit des Kopfes, und der Schwärmerei des Herzens; zerbricht den Willen, überreizt die Sensibilität, die Musiker sind geil.
NB. Ursachen (innere Zustände) aus denen die Kunst wächst: und, sehr verschieden davon, die Wirkung
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Welche Art Menschen mag sich beim Lesen meiner Schriften schlecht befinden? Von denen, wie billig, abgesehn, welche sie überhaupt “nicht verstehen” (wie die gebildeten Schweine und Großstadt-Gänse, oder die Pfarrer, oder die “deutschen Jünglinge,” oder Alles, was Bier trinkt und nach Politik stinkt). Da sind zum Beispiel Litteraten, welche mit dem Geiste Schacher treiben und von ihren Meinungen “leben” wollen—sie haben nämlich entdeckt, daß etwas an einer Meinung (wenigstens an gewissen Meinungen) ist, das Geldes Werth hat,—gegen sie bläst aus meinen Schriften ein beständiger Hauch eisiger Verachtung. Insgleichen beglücke ich schwerlich die Litteratur-Weiberchen, wie sie zu sein pflegen, mit krankhaften Geschlechts-Werkzeugen und Tintenklexen an den Fingern; vielleicht weil ich zu hoch vom Weibe denke, als daß ich es zum Tintenfische herabbringen möchte? Insgleichen verstehe ich, warum alle geschwollenen Agitatoren mir gram sind: denn sie brauchen gerade die großen Worte und den Lärm tugendhafter Principien, welche ich und die, sobald sie einen Stich fühlen, in Gefahr sind zu platzen
An all dieser Gegnerschaft ist mir wenig gelegen: aber es giebt eine andre, deren Wehe mir selbst wehthut:—das sind die aus dem Pöbel Sich-mühsam-Emporarbeitenden, die Menschen des sittlichen Durstes, der kämpfenden Spannung, die nach dem Vornehmen leidenschaftlich Verlangenden. Ihnen muß es scheinen, als ob aus meinen Schriften sie ein ironisches Auge anblicke, das sich nichts von ihrem kleinen Heldenthum entgehen läßt—ein Auge, dem ihr ganzes kleines Elend, auch ihre Ermüdungen und was von Eitelkeit allen Müden Noth thut, ihr Ameisen-Klettern und -Herabpurzeln beständig gegenwärtig ist.
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]
Neulich hat ein Herr Theodor Fritsch aus Leipzig an mich geschrieben. Es giebt gar keine unverschämtere und stupidere Bande in Deutschland als diese Antisemiten. Ich habe ihm brieflich zum Danke einen ordentlichen Fußtritt versetzt. Dies Gesindel wagt es, den Namen Z in den Mund zu nehmen! Ekel! Ekel! Ekel!
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Neulich hat ein Herr Theodor Fritsch aus Leipzig an mich geschrieben. Es giebt gar keine unverschämtere und stupidere Bande in Deutschland als diese Antisemiten. Ich habe ihm brieflich zum Danke einen ordentlichen Fußtritt versetzt. Dies Gesindel wagt es, den Namen Z in den Mund zu nehmen! Ekel! Ekel! Ekel!
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NB!!
so daß man unter den Atheisten weniger Freisinnigkeit in moralischen Dingen findet als unter den Frommen und Gottgläubigen (z.B. Pascal ist in moralischen Fragen freier und freisinniger als Schopenhauer)
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Pascal sah in zwei Gestalten, in Epictet und Montaigne, seine eigentlichen Versucher, gegen die er nöthig hatte sein Christenthum immer wieder zu vertheidigen und sicher zu stellen.
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Es giebt über dem Dampf und Schmutz der menschlichen Niederungen eine höhere hellere Menschheit, die der Zahl nach eine sehr kleine sein wird—denn alles, was hervorragt, ist seinem Wesen nach, selten—: man gehört zu ihr, nicht weil man begabter oder tugendhafter oder heroischer oder liebevoller wäre, als die Menschen da unten, sondern weil man kälter, heller, weitsichtiger, einsamer ist, weil man die Einsamkeit erträgt, vorzieht, fordert als Glück, Vorrecht, ja als Bedingung des Daseins, weil man unter Wolken und Blitzen wie unter seines Gleichen lebt, aber ebenso unter Sonnenstrahlen, Thautropfen, Schneeflocken und allem, was nothwendig aus der Höhe kommt und, wenn es sich bewegt, sich ewig nur in der Richtung von Oben nach Unten bewegt. Die Aspirationen nach der Höhe sind nicht die unsrigen.— Die Helden, Märtyrer, Genies und Begeisterten sind uns nicht still, geduldig, fein, kalt, langsam genug.
12, 7[1-70] Ende 1886 - Frühjahr 1887
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Psychology of Error
From time immemorial, we have placed the value of an action, a character, an existence in the intention, in the purpose for which it was done, acted, lived: this ancient idiosyncrasy of taste finally takes a dangerous turn,—namely, assuming that the intention- and purposelessness of events increasingly comes to the forefront of consciousness.
Thus, a general devaluation seems to be preparing itself: “everything has no meaning”—this melancholic sentence means “all meaning lies in intention, and assuming that intention is entirely absent, then meaning is also entirely absent.” One had been compelled, according to that assessment, to relocate the value of life into an “afterlife”; or into the progressive development of ideas or of humanity or of the people or beyond humanity; but thereby one had entered into the purpose-progressus in infinitum, one had finally needed to make a place for oneself in the “world-process” (with the dysdaemonistic perspective perhaps that it is the process into nothingness).The "purpose," on the other hand, requires stricter criticism: one must realize that an action is never caused by a purpose; that purpose and means are interpretations, whereby certain points of an event are emphasized and selected, at the expense of others—and indeed most of them; that every time something is done for a purpose, something fundamentally different and other happens; that with regard to every purposeful action, it is as with the alleged purposefulness of the heat that the sun radiates: the overwhelming majority is wasted; a barely calculable part has "purpose," has "meaning"—; that a "purpose" with its "means" is an indescribably indeterminate sketch, which, as a prescription, as "will," can indeed command, but presupposes a system of obedient and trained tools that, in place of theUncertain loud fixed quantities set (i.e. we imagine a system of purpose- and means-setting smarter but narrower intellects, in order to be able to assign the role of "cause of an action" to our only known "purpose": to which we actually have no right (it would mean, to solve a problem, placing the solution of the problem into a world inaccessible to our observation—) Finally: why could not "a purpose" be a by-product, in the series of changes of effective forces, which bring about the purposeful action—a pale sign-image projected into consciousness, which serves us for orientation of what happens, as a symptom itself of the happening, not as its cause?— But with that we have criticized the will itself: is it not an illusion, that which appears in consciousness as an act of will, asCause to take? Are not all consciousness-phenomena only end-phenomena, final links in a chain, but seemingly conditioning each other in their sequence within a single consciousness-surface? This could be an illusion. —
Objection to the alleged “facts of consciousness.” Observation is a thousand times more difficult, error perhaps a condition of observation itself.
I intend to extend my arm; assuming I know as little about the physiology of the human body and the mechanical laws of its movement as a man from the people, what is actually vaguer, paler, more uncertain than this intention compared to what follows?And suppose I were the most astute mechanic and specifically informed about the formulas applied here, I would not stretch out my arm any better or worse for it. Our "knowledge" and our "action" in this case lie coldly apart: as if in two separate realms.— On the other hand: Napoleon executes the plan of a campaign—what does that mean? Here, everything is known that belongs to the execution of the plan, because everything must be commanded: but here too, subordinates are presupposed who interpret the general, adapt it to the needs of the moment, measure of strength, etc.
The world is not such and such: and living beings see it as it appears to them. Rather: the world consists of such living beings, and for each of them there is a small corner from which it measures, becomes aware, sees and does not see.The “essence” is missing: The “becoming,” “phenomenal” is the only kind of being. | ?
“It changes,” no change without cause—always presupposes something that stands behind the change and remains.
“Cause” and “effect”: psychologically recalculated, it is the belief that expresses itself in the verb, active and passive, doing and suffering. That is: the separation of the event into doing and suffering, the supposition of a doer has preceded. The belief in the doer lies behind it: as if, if all doing were “subtracted from the doer,” he himself would still remain. Here, the “I-concept” always prompts: All events have been interpreted as doing: with the mythology of a being corresponding to the “I”
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Value of Truth and Error
The origin of our valuations: from our needs
Should not the origin of our apparent "knowledge" also be sought only in older valuations that are so firmly incorporated that they belong to our basic stock? So that actually only younger needs come into conflict with the result of the oldest needs?
The world, seen, felt, interpreted in such a way that organic life is preserved in this perspective of interpretation. Man is not only an individual, but the continuing total organic in a certain line. That he exists proves that a kind of interpretation (even if always further built) has also existed, that the system of interpretation has not changed. "Adaptation"
Our “dissatisfaction,” our “ideal,” etc., may perhaps be the consequence of this incorporated piece of interpretation, of our perspectival viewpoint; perhaps organic life finally perishes from it—just as the division of labor among organisms simultaneously brings about a stunting and weakening of the parts, and finally death for the whole. The downfall of organic life in its highest form must be laid out just as the downfall of the individual is.
Value of Truth and Error |
| The valuations | A) as a consequence (life, or decline B) as a cause |
| misleading interpretation masquerade as the art of defamation, of self-glorification |
estate-conditioned
racially conditioned
Sunday and everyday values
in crises, in wars and dangers or in peace
| the emergence in the glory of an ideal, in the condemnation of its opposite. |
| Antagonism | between reinforcement and “improvement,” between reinforcement of the individual and reinforcement of a race, between reinforcement of a race and reinforcement of “humanity.” |
NB. The “creative” how deep within?
why all activity, even that of a sense, is linked with pleasure? Because previously there was an inhibition, a pressure?Or rather because all doing is an overcoming, a mastering, and gives an increase of the feeling of power?— The pleasure in thinking.— Ultimately, it is not only the feeling of power, but the pleasure in creating and in what has been created: for all activity comes into our consciousness as the consciousness of a “work”
Value of Truth and Error
An artist cannot endure any reality; he looks away, back—his serious opinion is that what makes a thing valuable is that shadow-like remainder which one gains from colors, form, sound, thoughts; he believes that the more something, a person, is subtilized, thinned, volatilized, the more its value increases: the less real, the more value.This is Platonism: but it possessed yet another boldness, in reversing:—it measured the degree of reality by the degree of value and said: the more "Idea," the more Being. It turned the concept "reality" around and said: "what you hold to be real is an error, and we come closer to the ‘Idea,’ to the ‘Truth.’"— Do you understand it? That was the greatest renaming: and because it was adopted by Christianity, we do not see the astonishing thing.Plato fundamentally preferred appearance, as the artist he was, to being: thus the lie and fabrication to truth, the unreal to the existing—yet he was so convinced of the value of appearance that he ascribed to it the attributes “being,” “causality,” and “goodness,” truth, in short, everything else to which value is ascribed.
The concept of value itself, conceived as cause: first insight.
The ideal endowed with all attributes that confer honor: second insight
7 [3]
The Will to Truth
The “agnostics,” the worshippers of the unknown and mysterious in itself, whence do they take the right to worship a question mark as God? A God who thus conceals Himself in the hidden deserves perhaps fear, but certainly not worship! And why could the unknown not be the devil? But “it must be worshipped”—so commands here the instinct for decency: that is English.
The transcendentalists, who find that all human knowledge does not satisfy the desires of their heart, but rather contradicts and horrifies them,—they innocently posit a world somewhere that nevertheless corresponds to their desires, and which precisely does not show itself accessible to our knowledge: this world, they think, is the true world, in relation to which our knowable world is only deception.So Kant, so already Vedanta philosophy, so many Americans.— “True,” that means for them: what corresponds to the wish of our heart. Formerly, true meant: what corresponds to reason.
The most general sign of the modern age: man has lost an incredible amount of dignity in his own eyes. Long considered the center and tragic hero of existence altogether; then at least striving to prove himself related to the decisive and inherently valuable side of existence—as all metaphysicians do who wish to uphold the dignity of man, with their belief that moral values are cardinal values. Whoever let God go holds all the more firmly to the belief in morality.
Will to Truth
Weakenings of the Affect.
| A. | a | Will, intention, vehement desire in one direction | |
| b | Purpose, less vehement, because the idea of the means and path intervenes. | ||
| c | “Reason,” without desire: the principle of sufficient reason has its psychological certainty in the belief in intention as the cause of every event |
| B. | distinguishing thinking as a consequence of fear and caution in the will to appropriate. the correct representation of an object is originally only a means to the end of grasping, seizing, and taking possession. Later, this correct representation itself is already felt as a grasping, as a goal at which satisfaction occurs. Thinking finally as overpowering and exercising power: as a combining, as subsuming the new under old series, etc. |
| C. | the new causes fear: on the other hand, fear must already be present to grasp the new as new |
| the astonishment is the attenuated fear. |
| The familiar inspires trust |
|
| the inertia first attempts to equate every impression: that is, to equate the new impression and the memory; it wants repetition. the fear teaches distinguishing, comparing |
In judgment a remnant of will (it shall be thus and so) a remnant of pleasure-feeling (pleasure of affirmation:)
NB. Comparing is not original activity, but rather equating! The judgment is originally not the belief that something is thus and so, but the will that something shall be thus and so.
NB.the pain a judgment (negative) in its crudest form
the pleasure an affirmation
On the psychological genesis of “cause and effect.”
Will to Truth
Interpretation
In what respect world interpretations are symptoms of a dominant drive.
The artistic world-view: sitting down before life. But here the analysis of aesthetic perception is missing, its reduction to cruelty, feeling of security, of being a judge and being outside, etc. One must take the artist himself: and his psychology (the critique of the play drive, as an outpouring of strength, pleasure in change, in impressing one’s own soul, the absolute egoism of the artist, etc.) Which drives does he sublimate?
The scientific world-view: Critique of the psychological need for science. The desire to make things comprehensible; the desire to make things practical, useful, exploitable—: in what way anti-aesthetic. Value alone, what can be counted and calculated. In what way an average type of person thereby seeks to gain dominance. Terrible, if even history is taken possession of in this way—the realm of the superior, the judging. Which drives it sublimates!
The religious world-view: Critique of the religious person.It is not necessary to be the moral, but the human of strong elevations and deep depressions, who interprets the former with gratitude or suspicion and does not derive them from himself (—the latter also not—) Essentially the human who feels "unfree," who sublimates his states, the submission instincts.
The moral world-view. The social ranking feelings are transferred to the universe: the immutability, the law, the subordination and coordination are, because most highly valued, also sought at the highest place, above the All, or behind the All, likewise
What common is: the ruling drives also want to be regarded as highest value-instances altogether, indeed as creative and ruling powers.It goes without saying that these drives either oppose or subjugate each other (synthetically perhaps also bind) or alternate in dominance. Their deep antagonism is so great that where they all seek satisfaction, a person of profound mediocrity must be thought of.
“Beauty” is therefore for the artist something beyond all hierarchy, because in beauty opposites are tamed, the highest sign of power, namely over the opposite; moreover without tension:—that no force is any longer necessary, that everything so easily follows, obeys, and assumes the most amiable expression in obedience—this delights the artist’s will to power.
The World-Interpretations
and what they have in common.
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The Metaphysicians
The Naïve: Lamennais, Michelet, Victor Hugo
From the habit of unconditional authorities, a deep need for unconditional authorities has finally arisen:—so strong that even in a critical age like Kant's, it proved superior to the need for criticism and, in a certain sense, knew how to subjugate and utilize the entire work of the critical intellect.— In the following generation, which, due to its historical instincts, was necessarily directed toward the relativity of every authority, it once again demonstrated its superiority by also making Hegelian developmental philosophy, history itself baptized into philosophy, subservient and presenting history as the progressive self-revelation, self-surpassing of moral ideas.Since Plato, philosophy has been under the rule of morality: even among his predecessors, moral interpretations play a decisive role (in Anaximander, the perishing of all things as punishment for their emancipation from pure being; in Heraclitus, the regularity of phenomena as evidence of the moral-legal character of all becoming)
What is the criterion of the moral action? 1) its selflessness 2) its universality, etc. But this is parlor morality. One must study the peoples and see what the criterion is each time, and what is expressed in it.A belief “such behavior belongs to our first conditions of existence.” Immoral means “bringing about downfall.” Now all these communities in which these propositions were found have perished: individual propositions were repeatedly reaffirmed because every newly forming community needed them again, e.g., “you shall not steal.” In times when a common feeling for society (e.g., imperium romanum) could not be demanded, the drive turned to “salvation of the soul,” religiously speaking: or “the greatest happiness,” philosophically expressed. For even the Greek moral philosophers no longer felt with their.
Spinoza’s psychological background. Sparse!
1) The hedonistic perspective in the foreground: What constitutes persistent joy or how can the joyful affect be immortalized?
As long as joy relates to something individual, it is limited and transient; it becomes perfect when it no longer changes with things, but rests in the unchanging connection; it is eternal when I transform the universe into my property, omnia in mea, and can say of these omnia mea at every moment “mecum porto”
In tract. de intell. emendatione Op. II p. 413.“I have resolved to investigate whether something could be found whose possession would eternally grant me the enjoyment of a lasting and supreme joy.” “The love for an eternal and infinite being fills the soul with a joy that excludes every kind of sorrow.” “The highest good is the knowledge of the unity of our spirit with the universe.”
2) the natural-egoistic perspective: virtue and power identical. It does not renounce, it desires, it does not fight against, but for nature; it is not the destruction, but the fulfillment of the most powerful affect. Good is what promotes our power: evil the opposite. Virtue follows from the striving for self-preservation. “What we do, we do to maintain and increase our power.” “By virtue and power I understand the same thing.”
Finis = appetitus. Virtus = potentia.Eth. IV Defin. VII. VIII.
3) the specific "thinker" betrays himself. Knowledge becomes master over all other affects; it is stronger. "Our true activity consists in the thinking nature, in rational contemplation. The desire for activity = the desire to live in accordance with reason.
"I do not place much value on the authority of a Plato, Aristotle, and Socrates"; the doctrine of "substantial forms" (the concept of purpose in scholastic terminology) he calls "one folly among a thousand others."
Feuerbach's "healthy and fresh sensuousness" "Principles of the Philosophy of the Future" 1843.
against "abstract philosophy"
Ancient philosophy had the human being as the purpose of nature in view
The Christian theology thought of the redemption of man as the purpose of divine providence.
Curious Spinoza: “I understand by conscientiae morsus the sadness, accompanied by the idea of a past thing, which has turned out contrary to all expectation.” Eth. III Prop. XVIII. Schol. I. II. p. 147. 48. Affect. Def. XVII p. 188.
As the opposite, gaudium, when the expected outcome does not occur and fear suddenly ceases. Despite K. Fischer, it would be possible that Spinoza here chose the designation a potiori: and that he saw the objective core of every “pang of conscience” as what is designated. He had to deny the guilt within himself: so what was the fact “conscientiae morsus” to him, which remained?
If everything ultimately happens by virtue of divine power, then everything is perfect in its kind, so there is no evil in the nature of things; if man is thoroughly unfree, then there is no evil in the nature of the human will; thus evils and evil are not in things, but only in the imagination of man.
In God, will and understanding and personality and purpose are lacking.
Spinoza defends himself against those who say that God acts everything sub ratione boni. These seem to assume something outside of God that is not dependent on God, upon which He directs Himself as upon a model in His actions, or towards which He strives as towards a goal. This indeed means to subject God to fate: which is the greatest absurdity. Eth. 1 Prop. XXXIII Schol. 2.
The last reason for every event "God willed it" Asylum ignorantiae. But God's will is impenetrable to man. With this way of thinking, the truth would have remained hidden from man for all eternity, if mathematics (which does not deal with purposes, but only with the nature and properties of magnitude) had not held out another guideline of truth to man.
Descartes says "I have held much to be true, the error of which I now see." Spinoza "I have held much to be Good, of which I now see that it is vain and worthless." "If there is a genuine and imperishable good, then the satisfaction in it is equally lasting and indestructible, so my joy is eternal."
Psychological fallacy: as if the permanence of a thing guaranteed the permanence of the affection I have for it!
(complete absence of the "artist") Highest and comical pedantry of a logician, who deifies his drive
Spinoza believes he has recognized everything absolutely.
In doing so, he has the greatest feeling of power. The drive for this has overwhelmed and extinguished all other drives.
The consciousness of this "knowledge" persists in him: a kind of "love of God" results from it, a joy in existence as it is, in all existence.
Where do all dissonances, sorrow, fear, hatred, envy come from? From one source: from our love for transient things. With this love, the entire genus of those desires also disappears
“Although I clearly saw through the vanity of the world’s goods, I could not entirely abandon greed, sensual pleasure, and ambition. But I learned one thing: as long as my spirit lived in that contemplation, it was turned away from these desires—and this brought me great comfort. For from this I saw that those evils were not incurable. At first, the new life in rare, brief moments—”
Nothing has value compared to the value of clear reasoning. All other values are merely the result of unclear thinking. Base rejection of all life’s goods; constant slander of everything to exalt one thing above all: clear thinking. “All doubt arises from examining things without order.”!!!
As with Schopenhauer: the desires fall silent under the power of aesthetic contemplation.
A psychological experience, falsely and generally interpreted.
Leibniz: “One must judge with me ab effectu: because God has chosen this world as it is, therefore it is the best.” Théod. p 506.
The theological prejudice in Kant, his unconscious dogmatism, his moralistic perspective as dominant, guiding, commanding
The: how is the fact of knowledge possible?
is knowledge a fact at all?
what is knowledge? If we do not know what knowledge is, we cannot possibly answer the question of whether there is knowledge. Very good!But if I do not already "know," whether there is knowledge, can exist, I cannot reasonably ask the question "what is knowledge." Kant believes in the fact of knowledge: it is a naivety, what he wants: the knowledge of knowledge!
"Knowledge is judgment!" But judgment is a belief that something is thus and so! And not knowledge!
"all knowledge consists in synthetic judgments"—a necessary and universally valid connection of different representations —
with the character of universality (the matter behaves in all cases thus and not otherwise)
with the character of necessity (the opposite of the assertion can never occur)
The legitimacy in belief in knowledge is always presupposed: just as the legitimacy in the feeling of the conscience's judgment is presupposed. Here, the moral ontology is the dominant prejudice.
Thus, the conclusion is: 1) there are claims that we consider universally valid and necessary
2) the character of necessity and universal validity cannot stem from experience
3) consequently, it must be grounded elsewhere, without experience, and have another source of knowledge!
Kant concludes: 1) there are claims that are only valid under certain conditions
2) this condition is that they do not stem from experience, but from pure reason
Thus: the question is, where does our belief in the truth of such claims take its reasons from? No, where does it get its judgments from!But the formation of a belief, a strong conviction, is a psychological problem: and a very limited and narrow experience often brings about such a belief!
It already presupposes that there are not only “data a posteriori” but also data a priori, “before experience.” Necessity and universality can never be given through experience: so how is it clear that they exist at all without experience?
There are no individual judgments!
A single judgment is never “true,” never knowledge; only in the context, in the relation of many judgments does a guarantee emerge.
What distinguishes true and false belief?
What is knowledge? He “knows” it, that is heavenly!
Necessity and universality can never be given through experience.Also independent of experience, before all experience!
That insight which occurs a priori, thus independent of all experience from pure reason alone, “a pure cognition.”
The principles of logic, the principle of identity and of contradiction, are pure cognitions because they precede all experience.— But these are not cognitions at all! Rather regulative articles of faith!
In order to ground the apriority (the pure rationality) of mathematical judgments, space must be conceived as a form of pure reason.
Hume had declared: “there are no synthetic judgments a priori at all.” Kant says: yes there are! The mathematical ones! And if there are such judgments, perhaps there is also metaphysics, a cognition of things through pure reason! Quaeritur.
Mathematics is possible under conditions under which metaphysics is never possible
all human knowledge is either experience or mathematics
A judgment is synthetic: i.e., it connects different representations
it is a priori: i.e., that connection is a general and necessary one, which can never be given through sensory perception, but only through pure reason.
If there are to be synthetic judgments a priori, then reason must be capable of connecting: connecting is a form. Reason must possess formative power.
Space and time as conditions of experience
Kant describes the French Revolution as the transition from the mechan to the organic state!
The inventive and groundbreaking minds in the sciences, the so-called “great minds,” Kant judges, are specifically distinct from *Genius*: what they have discovered and invented could also have been learned and is fully comprehended and learned. In Newton’s work there is nothing unlearnable; Homer is not as comprehensible as Newton! *“In science, therefore, the greatest inventor differs from the most laborious imitator and apprentice only in degree.”* *Psychological idiocy!!*
“music has a certain lack of urbanity,” “it imposes itself, so to speak,” “it infringes upon freedom” music and the art of color form a distinct category under the name of the “beautiful play of sensations,” painting and garden art joined together.
The question of whether humanity has a tendency toward the good is prepared by the question of whether there is an event that can be explained in no other way than by that moral disposition of humanity. This is the revolution. “Such a phenomenon in human history is never forgotten because it has revealed a disposition and a capacity in human nature for the better, the like of which no politician could have deduced from the previous course of events.”
If humanity increasingly deteriorates, its goal is the absolute evil: the terroristic way of thinking in contrast to the eudemonistic way of thinking or "chiliasm." If history oscillates back and forth between progress and regression, its entire activity is purposeless and aimless, nothing but a busy folly, so that good and evil neutralize each other and the whole appears as a farce: Kant calls this the Abderitic way of thinking.
sees in history nothing other than a moral movement.
"A conscientious heretic judge is a contradictio in adjecto"
Psychological idiotism
without rebirth, all human virtues are, according to Kant, shining miseries.This improvement is possible only by virtue of the intelligible character; without it, there is no freedom neither in the world, nor in the will of man, nor for redemption from evil. If redemption does not consist in improvement, it can only consist in annihilation. The origin of the empirical character, the inclination toward evil, and rebirth are, for Kant, acts of the intelligible character; the empirical character must undergo a reversal at its root.
the entire Schopenhauer.
Compassion is a waste of emotions, a parasite harmful to moral health, “it cannot possibly be a duty to increase the evils in the world.” If one does good solely out of compassion, one is actually doing good to oneself and not to the other.M is not based on maxims, but on affects; it is pathological; the suffering of others infects us, compassion is a contagion.
all the gestures and words of submissiveness; “as in which pedantry the Germans among all peoples of the earth have gone the furthest” “are these not proofs of a widespread inclination to groveling among humans?” “But whoever makes himself a worm cannot later complain that he is trodden upon.”
“Two things fill the mind with ever new and increasing admiration and awe, the more often and persistently reflection occupies itself with them: the starry heavens above us and the moral law within us.”
He continues: “the first sight of an innumerable multitude of clouds annihilates, as it were, my importance as an animal creature, which must return the matter from which it was made to the planet (a mere point in the universe) after having been endowed with living force for a brief time, one knows not how. The second, on the other hand, elevates my worth as an intelligence infinite
The thinkability of freedom is based on the transcendental aesthetic. If time and space belong to things as such, then appearances are the same as things in themselves, so there is no possible appearance between the two, so there is nothing independent of time, so freedom is absolutely impossible.Freedom can only be conceived as a property of a being that is not subject to the conditions of time, thus not an appearance, not a representation, but a thing in itself.
Why are appearances not things in themselves? Because they exist in space and time, and space and time are pure intuitions.
Against the alleged psychological freedom, Kant says: “If our freedom consisted in being driven by representations, as an automaton spirituale,” then “it would fundamentally be no better than the freedom of a roasting jack, which, once wound up, also performs its movements on its own.”
Freedom is unthinkable in the world of appearances, whether external or internal
7 [5]
homines religiosi
The Reformation: One of the most mendacious eruptions of base instincts
A number of strong, unbridled, and thoroughly base drives want to breathe free air: all that is needed are pretexts, especially grand words, under which these wild beasts may be let loose.
Luther the psychological type: a coarse and improper peasant who, with "evangelical freedom," gives vent to all accumulated violent needs.
One wants to be master again, to rob, to overthrow, to curse, including that the senses want their due: above all, one looks lustfully at the immense wealth of the Church.
The priest temporarily the god himself, at least his representative
In themselves, ascetic habits and practices are still far from revealing an unnatural and life-hostile attitude: no more degeneration and illness
self-overcoming, with harsh and terrible inventions: a means of having and demanding reverence for oneself: asceticism as a means of power
The priest as a representative of a superhuman sense of power, even as a good actor of a god, whose portrayal is his vocation, will instinctively reach for such means by which he attains a certain terribleness in his control over himself
The priest as a representative of superhuman powers, with regard to knowledge, foreknowledge, the ability to harm and benefit, also with regard to superhuman ecstasies and kinds of happiness: —
— the actor of “gods” before the healthy, the happy, the hopeful, the powerful
— the actor of the “savior,” essentially turning to the sick and the deprived, to people of resentment, to the oppressed and
— the priests are the actors of something superhuman, to which they must give tangibility, whether of the ideal, of gods, or of saviors: in this they find their calling, for this they have their instincts; to make it as credible as possible, they must go as far as possible in resemblance; their actorly cunning must above all produce the good conscience in them, with the help of which alone one can truly persuade.
7 [6]
The Good
ruthless righteousness.
(9)
The victory of a moral ideal is achieved by the same “immoral” means as any victory: violence, lies, slander, injustice
“You shall not lie”: one demands truthfulness. But the recognition of the factual (not allowing oneself to be deceived) has been greatest among liars: they also recognized the unfactual nature of this popular “truthfulness.” Too much or too little is constantly being said: the demand to bare oneself with every word one speaks is a naivety.
One says what one thinks, one is "truthful" only under conditions: namely under the condition of being understood (inter pares), and indeed of being understood benevolently (once again inter pares). Against the foreign, one conceals oneself: and whoever wants to achieve something says what he wants to have thought about himself, not but what he thinks. (The "powerful always lie")
An ideal that wants to assert itself or still defend itself seeks to support itself a) through a falsely attributed origin b) through an alleged kinship with already existing powerful ideals c) through the shudders of mystery, as if an undiscussable power were speaking here d) through defamation of its opposing ideals e) through a lying doctrine of the advantage it brings with it, e.g.Happiness, peace of mind, peace, or even the assistance of a powerful god, etc.
On the Psychology of the Idealist: Carlyle, Schiller, Michelet
Once all the defensive and protective measures with which an ideal sustains itself have been uncovered: is it thereby refuted? It has employed the means by which all living things live and grow—all of them are “immoral.”
My insight: all the forces and drives by which there is life and growth are under the curse of morality: morality as the instinct of life’s denigration. One must destroy morality to liberate life.
The Good
Toward a Critique of Herd Virtues.
The inertia active
1) in trust, because distrust requires tension, observation, reflection2) in veneration, where the distance of power is great and submission is necessary: in order not to fear, one tries to love, to highly esteem, and to interpret the difference in power as a difference in value: so that the relationship no longer revolts.
3) in the sense of truth. What is true? Where an explanation is given that requires the minimum of mental effort from us. Besides, lying is very exhausting.
(21)
4) in sympathy. To equate oneself, to try to feel the same, to adopt an existing feeling is a relief: it is something passive compared to the activum, which preserves and constantly exercises the most personal rights of value judgment. The latter gives no rest.
5) in impartiality and coolness of judgment: one shuns the exertion of affect and prefers to stand aside, "objectively"
(18)
6) in integrity: one would rather obey an existing law than create a law for oneself, than command oneself and others. The fear of commanding—preferring to submit rather than react.
7) in tolerance: the fear of exercising the right, of judging
the masked forms of the will to power
| 1) | Desire for freedom, independence, also for balance, peace, coordination; also the hermit, the “intellectual freedom”; in its lowest form: the will to exist at all “self-preservation instinct” |
| 2) | the integration, to satisfy the will to power within the larger whole: the submission, making oneself indispensable, useful to the one who holds power; love, as a backdoor to the heart of the more powerful,—to rule over them |
| 3) | the sense of duty, conscience, the imaginary comfort of belonging to a higher rank than those who actually hold power; the recognition of a hierarchy that permits judging, even over the more powerful; self-condemnation. The invention of new value systems (Jews as the classic example) |
Morality as the work of immorality. |
| A. | For moral values to come to dominance, all manner of immoral forces and affects must lend their aid. |
| B. | The origin of moral values itself is the work of immoral affects and considerations. |
Morality as the Work of Error.
Morality gradually |
| Retribution. Truthfulness, Doubt, Epoch, Judging. “Immorality” of belief in morality. The steps: |
| 1) | absolute rule of morality all biological phenomena measured and judged by it |
| 2) | attempt to identify life and morality (symptom of an awakened skepticism: morality should no longer be felt as an opposition) several means, even a transcendent path |
| 3) | Opposition of Life and Morality: Morality judged and condemned from the perspective of life. |
| To what extent morality was harmful to life |
| a) | to the enjoyment of life, gratitude towards life, etc. |
| b) | to the beautification, refinement of life |
| c) | to the knowledge of life |
| d) | the unfolding of life, insofar as it sought to set the highest manifestations of itself at odds with itself |
| Counter-reckoning: their usefulness for life. |
| morality as a principle of preservation of larger wholes, as a restriction of the members: "the tool" |
| morality as a principle of preservation in relation to the inner danger of man through passions: "the mediocre" |
| morality as a principle of preservation against the life-destroying effects of deep distress and deprivation: "the Sufferer" |
| morality as a counter-principle against the terrible explosion of the powerful: the "Lowly" |
| Arrogance of individual philosophers as purely rational in accordance |
| against feeling in general in morality (Kant) |
| against compassion |
| against the affects |
The Good
Danger in Modesty.— Adapting too early to an environment, to tasks, societies, everyday and work orders into which chance has placed us, at a time when neither our strength nor our goal has legislatively entered our consciousness; the thereby achieved premature certainty of conscience, refreshment, commonality, this premature contentment, which flatters itself as liberation from inner and outer unrest, spoils and holds down in the most dangerous way; learning to respect in the manner of “one’s peers,” as if we ourselves did not have a measure and right within us to set values, the effort to appreciate equally against the inner voice of taste, which is also a conscience, becomes a terrible subtle bondage: if there is finally no explosion, with the shattering of all bonds of love and morality at onceMale, so stunted and diminished, effeminized and objectified, such a spirit becomes.— The opposite is bad enough, but still better: to suffer from one's surroundings, from their praise as well as their disapproval, wounded and furtive in the process without betraying it; to defend oneself involuntarily and distrustfully against their love, to learn silence, perhaps by concealing it through speech, to create nooks and unfathomable solitudes for the moments of breathing, of tears, of sublime consolation—until one is finally strong enough to say: “what do I have to do with you?” and go one’s own way.
The virtues are as dangerous as the vices, insofar as one lets them rule from the outside as authority and law and does not first produce them from within oneself, as is right, as the most personal self-defense and necessity, as the condition precisely of our existence and well-being, which we recognize and acknowledge, regardless of whether others grow under the same or different conditions. This statute on the danger of impersonally understood, objective virtue also applies to modesty: many of the chosen spirits perish because of it.
The morality of modesty is the worst enfeeblement for those souls for whom it alone makes sense that they become hard in due time.
The Good.
Few succeed in seeing a problem in that in which we live, to which we have been accustomed since time immemorial; the eye is not adjusted for it: in regard to our morality, it seems to me that this has not yet happened.
The problem “every person as an object for others” is the occasion for the highest honors; for oneself—no!
The problem “you shall”: an inclination that cannot justify itself, similar to the sexual drive, shall not fall under the condemnation of drives; on the contrary, it shall be their measure of value and judge!
The problem of equality, while we all thirst for distinction: here, precisely, we should make the same demands on ourselves as we do on others.
This is so absurd, palpably insane: but—it is perceived as sacred, of a higher order, the contradiction to reason is barely heard.
Sacrifice and selflessness as distinguishing, unconditional obedience to morality, and the belief in standing equal with everyone before it.
The neglect and abandonment of well-being and life as distinguishing, the complete renunciation of one's own valuation, the strict demand to see everyone renounce the same. "The value of actions is determined: every individual is subject to this valuation."
We see: an authority speaks—who speaks?— One may forgive human pride if it sought this authority as high as possible, to feel as little humiliated under it as possible. Thus—God speaks!
One needed God as an unconditional sanction, which has no authority above it, as a "categorical imperative"—: or, insofar as one believed in the authority of reason, one needed a unifying metaphysics by virtue of which it was logical
Suppose now that belief in God is gone: then the question arises anew: "who speaks?"— My answer, not taken from metaphysics, but from animal physiology: the herd instinct speaks. It wants to be master: hence its "thou shalt!" it wants the individual to be valid only in the sense of the whole, for the good of the whole, it hates those who break away—it turns the hatred of all individuals against him
Let us consider how dearly such a moral canon (an "ideal") is paid for. Its enemies are—well, the egoists
the melancholic acumen of self-diminishment in Europe (Pascal, La Rochefoucauld)
the inner weakening, discouragement, self-gnawing of the non-herd animals
the constant emphasis on mediocrity-traits as the most valuable (modesty, in rank and file, the tool-nature)
the bad conscience mixed into everything self-sovereign, original:
the displeasure thus:—thus darkening of the world of the stronger-turned-out
the herd-consciousness transferred into philosophy and religion: also its anxiety, its
let us leave the psychological impossibility of a purely selfless action out of play
My philosophy is directed toward rank-ordering: not toward an individualistic morality.The meaning of the herd should prevail in the herd,—but not extend beyond it: the leaders of the herd require a fundamentally different evaluation of their own actions, as do the independent, or the "predators," etc.
Set apart from the two movements, the individualistic and the collectivistic morality, for even the first does not recognize the hierarchy and wants to give the One the same freedom as all. My thoughts do not revolve around the degree of freedom to be granted to the One or the Other or All, but around the degree of power that One or the Other should exercise over Others or All, resp. to what extent a sacrifice of freedom, an enslavement itself, provides the basis for the emergence of a higher type.In greatest form conceived: how could one sacrifice the development of humanity to help a higher species than man to exist? —
That one does not overreach oneself! If one hears within oneself the moral imperative as altruism understands it, then one belongs to the herd. If one has the opposite feeling, if one senses in one's selfless and unselfish actions one's danger, one's aberration, then one does not belong to the herd.
The apparently crazy thought that one should value the action one does for another higher than the action one does for oneself, that the other should likewise only approve of actions because one does not have oneself in mind but the well-being of the other, has its meaning: namely as an instinct of common sense, based on the estimation that little depends on the individual as such, but very much on all together, provided that they form a community, with a common feeling and common conscience. So a kind of exercise in a certain direction of the gaze, a will to an optic that wants to make it impossible to see itself.
My thought: the goals are missing, and these must be individuals!
We see the general activity: every individual is sacrificed and serves as a tool.Walk through the street, whether one does not encounter nothing but “slaves.” Where to? For what purpose?
The moral phenomena have occupied me like riddles. Today I would know how to give an answer. What does it mean that for me the well-being of the neighbor should have higher value than my own? That the neighbor himself should value the worth of his well-being differently than I, namely that he should subordinate my well-being to his?
Whether a person is accustomed from childhood on
Advantage of a distance from his time.
To get the entire moralizing as a phenomenon in view. Also as a riddle.
What does the “thou shalt” mean, and even a philosophy considered as “given”?
For one needs a great deal of morality to be immoral in this subtle way: I wish to use a comparison.
A physiologist who is interested in a disease and a sick person who wants to be cured of it do not have the same interest. Let us assume for once that this disease is morality—for it is a disease—and that we Europeans are its sick: what fine torment and difficulty will arise when we Europeans are at the same time also its curious observers and physiologists! Will we even seriously wish to be rid of morality? Will we want it? Leaving aside the question of whether we can? Whether we can be “cured”?—
The restraint, for example, regarding the question of pessimism, whether pleasure or displeasure predominates
likewise regarding the question of the value of our knowledge
— what was inhibited so far? Our drive to try, the danger was too great, “the salvation of the soul”
the victory over the old God as over a world-slandering principle—victory of paganism—but the world reveals itself in new terribleness
— the “One thing is needful” and the “seek the kingdom of God: then all else will be added unto you!” (“all else” includes, for example, love of neighbor, morality in the current sense)
(8)
NB! To restore good conscience to the evil man—has this been my involuntary endeavor?
And specifically to the evil man, insofar as he is the strong man?(Dostoevsky’s judgment on the criminals of the prisons is to be cited here.)
The Good
Remorse of Conscience: a sign that the character is not equal to the deed. There are also remorseful feelings after good deeds: their unusualness, what lifts one out of the old milieu —
The immediate prehistory of an action relates to this: but further back lies a prehistory that points further ahead: the individual action is at the same time a link in a much more comprehensive later fact. The shorter and the longer processes are not separate —
7 [7]
On the Physiology of Art
To the Artists.
Distinction: those who want to live from their art and others, like Dante, Goethe
On what need? Conclusion from the “work” to the artist.
What “success” proves: in any case a misunderstanding of the artist, mostly also of the work.
The demanding senses—what does that mean?
The lack of logic—the esprit, the sujet.
of probity in education
The “Naturalism”—what does it mean? Above all a stimulus—the ugly and monstrous creates emotion.
The “Romanticism”—what does it mean?
Position of the nations in the development of the “European soul.”
Relation of art to the Church.
The pessimism in aesthetic theory ("disinterested contemplation" "les Parnassiens").
— I am not happy enough, not healthy enough for all this romantic music (Beethoven included). What I need is music in which one forgets suffering; in which animal life feels deified and triumphant; in which one wants to dance; in which, cynically asked, one digests well? The lightening of life through light, bold, self-assured, exuberant rhythms, the gilding of life through golden, tender, kind harmonies—that is what I take from all music. Basically, a few bars are enough for me.
Wagner from beginning to end has become impossible for me because he cannot walk, let alone dance.
But these are physiological judgments, not aesthetic ones: only—do I no longer have any aesthetics!
Can he walk?
Can he dance?
— the borrowed forms, e.g., Brahms, as a typical "epigone" of Mendelssohn’s educated Protestantism (an earlier "soul" is reimagined...)
— the moral and poetic substitutions in W, where one art serves as a makeshift for deficiencies in the others.
— the "historical sense," inspiration through poetry, legends—those typical transformations for which, among the French, G. Flaubert, and among the Germans, R. W, are the clearest examples
how the romantic belief in love and the future transforms into a longing for nothingness, 1830 into 1850
if anything is achieved, it is a more harmless attitude towards the senses, a more joyful, benevolent, Goethean stance towards sensuality
likewise a prouder feeling regarding cognition: so that the “pure fool” finds little belief
Physiology of Art
Beethoven—un pauvre grand homme, sourd, amoureux, méconnu et philosophe, dont la musique est pleine de rêves gigantesques ou douloureux.
Mozart—ganz deutsche Gefühle ausdrückend, la candeur naïve, la tendresse mélancholique, contemplative, les vagues sourires, les timidités de l’amour.
Das Piano exalte et raffine. Mendelsohn les entoure de rêves ardents, délicats, maladifs.
Les âpres désirs tourmentés, les cris brisés, révoltés, les passions modernes, sortent de tous les accords de Meyerbeer.
In regard to the painters.
tous ces modernes sont des poètes, qui ont volu être peintres. L’un a cherché des drames dans l’histoire, l’autre des scènes de moeurs, celui-ci traduit des religions, celui-là une philosophie. Jener ahmt Raffael nach, ein anderer die ersten ital Meister; die Landschafter verwenden Bäume und Wolken, um Oden und Elegien zu machen. Keiner ist einfach Maler; alle sind Archäologen, Psychologen, In-Scene-Setzen irgendwelcher Erinnerung oder Theorie. Sie gefallen sich an unsrer Erudition, an unsrer Philosophie. Sie sind, wie wir, voll und übervoll von allgemeinen Ideen. Sie lieben eine Form nicht um das, was sie ist, sondern um das, was sie ausdrückt.They are the sons of a learned, tormented, and reflective generation—a thousand miles away from the old masters, who did not read and only thought of giving their eyes a feast.
Our condition: prosperity makes sensitivity grow; one suffers from the smallest ailments; our bodies are better protected, our souls sicker. Equality, the comfortable life, freedom of thought—but at the same time l’envie haineuse, la fureur de parvenir, l’impatience du présent, le besoin du luxe, l’instabilité des gouvernements, les souffrances du doute et de la recherche.
— one loses as much as one gains —
A citizen of 1850, compared to that of 1750, happier? moins opprimé, plus instruit, mieux fourni de bien-être, but not more cheerful
In the 17th century, nothing was uglier than a mountain; one had a thousand thoughts of misfortune about it. One was tired of barbarism, as we today are tired of civilization. The streets today so clean, the gendarmes in abundance, the customs so peaceful, the events so small, so predictable, that one loves la grandeur et l’imprévu. The landscape changes like literature; back then it offered long sickly-sweet novels and gallant treatises: today it offers la poésie violente et des drames physiologistes.
This wilderness, the universal unrelenting rule of the bare rocks ennemi de la vie—we relax from our sidewalks, our offices and our shops. Only for that reason do we love it
| On Delacroix: |
| singing with color “the echo of Victor Hugo’s voice during the wars had crept into the French soul la mélancholie poétique d’Angleterre, le lyrisme philosophique d’Allemagne the complementary soul of Victor Hugo |
the predominance of music in the Romantics of 1830 and 40
Delacroix
Ingres a passionate musician, cult for Gluck Haydn, Beethoven Mozart
said to his students in Rome “if I could make you all musicians, you would gain as painters” — )
likewise Horace Vernet, with a particular passion for Don Juan (as Mendelssohn attests in 1831)
likewise Stendhal, who says of himself:
President De Brosses says of the campagna Romana: “Romulus must have been drunk when he thought of building a city in such an ugly terrain”
Fénelon compares the Gothic style to a bad sermon.
Chateaubriand in 1803, in a letter to M. de Fontanes, gives the first impression of the campagna Romana.
Lamartine has for Sorrento and Posillipo the language —
V. Hugo raves about Spain, because “no other nation has borrowed less from antiquity, because it has undergone no classical influence”
Delacroix also did not want Rome, it filled him with fear. He raved about Venice, like Shakespeare, like Byron, like G. Sand. The aversion to Rome also in Th. Gautier—and in R. Wagner.
What is laughable about our Democratie: the black coat ...
l’envie, la tristesse, le manque de mesure et de politesse, les héros de George Sand, de Victor Hugo et de Balzac
(et de Wagner)
le goût de la Renaissance
a furnishings therein, éclatant et sombre, d’un style tourmenté et magnifique
this age of strength and effort, of inventive audacity, of unbridled pleasures and terrible labor, of sensuality and heroism
Jeanne d’Albret, the mother of Heinrich IV, according to d’Aubigné’s judgment:
“princesse n’ayant de la femme que le sexe, l’âme entière aux choses viriles, l’esprit puissant aux grandes affaires, le coeur invincible aux adversités.”
Agir, oser, jouir, dépenser sa force et sa peine en prodigue, s’abandonner à la sensation présente, être toujours pressé de passions toujours vivantes, supporter et rechercher les excès de tous les contrastes, voilà la vie du seizième siècle.
Parmi ces violences et ces voluptés la dévotion était ardente. Religion was not a virtue at the time, but a passion. One went to church as to battle or to a rendezvous.
the knights in the time of the Crusades—robust children. In killing and howling, a beast of prey. Once the fury has passed, they return to tears and throw themselves merrily around the neck, tenderly.
The judgment “pleasant” “unpleasant” cf.Music—changes and forms itself according to what we perceive as "lawful," reasonable, meaningful.
Physiology of Art
The sense and pleasure in nuance (the true modernity), in what is not general, runs counter to the drive that finds its pleasure and strength in grasping the typical: akin to the Greek taste of the best era.An overwhelming of the abundance of life is therein, measure becomes master, that calm of the strong soul lies at the foundation, which moves slowly and has an aversion to the all-too-living. The general case, the law is revered and brought forth; the exception is, conversely, set aside, the nuance wiped away. The firm, powerful, solid, the life that rests broadly and mightily and conceals its strength—this “pleases”: i.e., it corresponds with what one thinks of oneself.
7 [8]
Nihilism
On the Preface.
I have endured a torture so far: all the laws on which life develops seemed to me to contradict the values for the sake of which one like us endures living. It does not seem to be a condition of which many suffer consciously: nevertheless, I want to assemble the signs from which I assume that it is the fundamental character, the truly tragic problem of our modern world and, as a secret distress, the cause or interpretation of all its troubles. This problem has become conscious in me.
Nihilism
A.
To start from a full-hearted appreciation of our current M:
not to be deceived by appearances (this humanity is less "effective," but it offers entirely different guarantees of duration, its tempo is slower, but the rhythm itself is much richer
health increases, the real conditions of a strong body are recognized and gradually created, "asceticism" ironice —
the aversion to extremes, a certain trust in the "right path," no fanaticism; a temporary adaptation to narrower values (such as "fatherland"), like "science," etc.
this entire image would still be ambiguous:
— it could be an ascending
— or rather a descending movement of life.
B.
Belief in “progress”—in the lower sphere of intelligence it appears as ascending life: but there is self-deception;
in the higher sphere of intelligence as descending
Description of the symptoms.
Unity of perspective: Uncertainty regarding value measures.
Fear of a general “in vain”
Nihilism.
C.
The dependence of all value measures on the moral
the religious, aesthetic, economic, political, scientific
D.
Signs of decline in belief in morality.
Nihilism.
Nothing is more dangerous than a desirability that contradicts the essence of life.
the nihilistic consequence (the belief in worthlessness) as a result of moral valuation
the egoistic is distasteful to us (even after the insight into the impossibility of the non-egoistic)
the necessary is distasteful to us (even after the insight into the impossibility of a liberum arbitrium and an “intelligible freedom”)
we see that we cannot reach the sphere where we have placed our values—with that, the other sphere in which we live has by no means gained in value: on the contrary, we are weary, because we have lost the main drive.“So far in vain!”
Inhibition of knowledge by morality.
e.g., attempt to reconcile (identify) life with morality and justify it before morality
Altruism primordial
selfless thinking possible also sans obligation and sanction
In what ways morality has inhibited knowledge.
the value of the individual, the “eternal soul,” falsification of psychology
resistance to causality: falsification of physics
against the history of origin in general:
falsification of history. Falsification of epistemology
7 [9]
Methodologically: the value of inner and outer phenomenology.
A. Consciousness developed late, poorly, for external purposes, subject to the crudest errors, even essentially something falsifying, coarsening, summarizing
B. in contrast, the phenomenon of the sensuous world is a hundred times more manifold, finer, and more precise to observe. Outer phenomenology provides us with by far the richest material and allows for greater rigor in observation; whereas inner phenomena are poorly grasped and more prone to error (the inner processes are essentially error-producing, because life is only possible under the guidance of such narrowing, perspective-creating forces)
NB.All movement as a sign of an inner event:—thus the overwhelming majority of all inner events is given to us only as a sign.
Principle of Life
Fundamental errors of previous biologists: it is not about the species, but about more strongly effective individuals (the many are only means)
life is not adaptation of inner conditions to outer ones, but will to power, which from within subjugates and incorporates more and more "outer"
these biologists continue the moral value judgments on (the inherently higher value of altruism, hostility toward the lust for power, toward war, toward uselessness, toward rank and class order).
Against the theory that the individual has the advantage of the species, its offspring, in mind at the expense of its own advantage: that is only appearance
the enormous importance with which the individual takes the sexual instinct is not a consequence of its importance for the species: rather, procreation is the individual's actual achievement and thus its highest interest, its highest expression of power (of course not judged from consciousness, but from the center of the whole individuation)
Principle of Life
The consciousness, beginning quite externally, as coordination and becoming aware of "impressions"—initially farthest removed from the biological center of the individual; but a process that deepens, becomes internalized, constantly approaching that center.
On the Origin of Logic. The fundamental inclination to equate, to see as equal is modified, restrained by utility and harm, by success: an adaptation forms, a milder degree in which it can satisfy itself without simultaneously negating and endangering life. This process is entirely analogous to that external mechanical one (of which it is the symbol), whereby the plasma continually assimilates what it appropriates, making it equal and incorporating it into its forms and sequences.
The individuation, judged from the standpoint of the theory of descent, shows the constant splitting of one into two, and the equally constant passing away of individuals for the gain of few individuals who continue the development: the overwhelming mass dies off each time (“the body”). The fundamental phenomenon: countless individuals sacrificed for the sake of fewer, as their enablement.— One must not be deceived: it is exactly the same with peoples and races: they form the “body” for the production of individual valuable individuals who continue the great process.
Principle of Life
The powers in history are well to be recognized, upon stripping away all moral and religious teleology.It must be the powers that also operate in the entire phenomenon of organic existence. The clearest statements in the plant kingdom.
The great victories over the animal: the animal as slave,
or as enemy.
— of man over the woman: the woman
alongside the great fluctuations, e.g., between the healthy and the sick.
| Where the dignity of man has been placed: |
| to have become master over the animal in man to have become master over the woman in man | Greek ideal |
| on the other hand, the Christian dignity: |
| to have become master over pride in man over the |
Principle of Life
— the greater complexity, the sharp separation, the side-by-side of developed organs and functions, with the disappearance of intermediate links—if that is perfection, then a will to power emerges in the organic process, by virtue of which dominant, shaping, commanding forces always expand the realm of their power and within it simplify again and again: the imperative growing.
— useful in regard to the acceleration of the tempo of development is a different "useful" than that in regard to the most possible determination and permanence of the developed.
the spirit is only a means and tool in the service of higher life, the elevation of life: and as for the good, as Plato (and after him Christianity) understood it, it seems to me even a life-endangering, life-slandering, life-denying principle.
7 [10]
One knows the type of person who has fallen in love with the maxim tout comprendre c’est tout pardonner. They are the weak, above all the disappointed: if there is something to forgive in everything, then is there also something to despise in everything? It is the philosophy of disappointment that wraps itself here so humanely in compassion and looks sweetly.
These are romantics whose faith has gone awry: now they at least want to watch how everything runs and unfolds. They call it l’art pour l’art, “objectivity,” etc.
7 [11]
Is not the appearance of the empty and the full, the firm and the loose, the resting and the moving, the equal and the unequal—is not the oldest appearance made into metaphysics?
European philosophizing of the last centuries, which with a dignity and honesty
— what is knowing? Can I know?
7 [12]
The popular ideals, the good man, the selfless, the saint, the wise, the just. Oh Marcus Aurelius!
7 [13]
One must keep one's eyes open: when some fellow, feeble from the start, always parades his weariness as wisdom, pomp, and transfiguration.
When a weary, failed fellow, feeble from the start, always presents his fatigue as the result of a deep, struggling, suffering inner and beer life
or a loud and restless chatterbox exhales her ambition into printed paper
what have I not already experienced in terms of philosophical counterfeiting: the weary donkey, feeble from the start, who parades his fatigue
7 [14]
Philosophy by Kant defined as “science of the boundaries of reason”!
That there is a “truth” to which one could somehow approach —
When I bring a regular occurrence into a formula, I have made the designation of the entire phenomenon easier, abbreviated, etc. But I have not established a “law,” but rather posed the question of where it comes from that something repeats itself here: it is a conjecture that the formula corresponds to a complex of initially unknown forces and force releases: it is mythology to think that here forces obey a law, so that as a result of their obedience we have the same phenomenon each time.
7 [15]
Ethics or "philosophy of desirability." "It should be different," it should become different: dissatisfaction would thus be the seed of ethics.
One could save oneself, first by choosing where one does not feel; second, by comprehending the presumption and foolishness: for to demand that Something be different than it is, means: to demand that Everything be different,—it contains a rejecting critique of the whole—it is in this regard ... But life itself is such a demand!
Establishing what is, how it is, seems something unspeakably higher, more serious than every "so it should be": because the latter, as human critique and presumption, appears from the outset condemned to ridicule.It expresses a need that demands that the arrangement of the world corresponds to our human well-being; also the will to do as much as possible towards this task. On the other hand, only this "so it should be" has evoked that other desire for what *is*: namely, because what is is already a consequence of that questioning: "how? is possible? why exactly so?" The astonishment at the non-conformity of our wishes and the course of the world has led to getting to know the course of the world. Perhaps it is still different: perhaps that "so it should be," our world-overcoming desire, — —
7 [16]
Our Badges e.g., the critical stance toward Christianity MA 2, 182
Table of Delimitations
e.g., against idealists and romantics
as actors and self-deceivers
against the contemplative
against nationalism.
On the Psychology of Loneliness.
In Honor of Error.
Antagonism between humanization and enlargement of man.
The full and giving in contrast to the seeking, desiring.
The aesthetic states twofold.
Books and people.
Questions of health.
Modern music.
Classical education.
Metropolis.
Vices of the intellect
7 [17]
The greatest disgust I have felt so far has been caused by the parasites of the spirit: in our unhealthy Europe, one finds them sitting everywhere, and with the best conscience in the world. Perhaps a little gloomy, a little air pessimiste, but above all voracious, dirty, defiling, insinuating, fawning, thievish, scabby—and innocent like all small sinners and microbes. They live off the fact that other people have spirit and give it away with full hands: they know that it is even part of the nature of the rich spirit to be careless, without petty caution, to spend itself day by day and even wastefully—for the spirit is a poor household manager and pays no attention to how everything lives and feeds off it.
7 [18]
“Every activity as such gives pleasure”—say the physiologists. In what sense? Because the accumulated force has brought with it a kind of urge and pressure, a state in which action is felt as release? Or insofar as every activity is an overcoming of difficulties and resistances? And many small resistances, repeatedly overcome, easily and as if in a rhythmic dance, bring with them a kind of tingle of the feeling of power?
Pleasure as tingle of the feeling of power: always presupposing something that resists and is overcome.
All phenomena of pleasure and displeasure are intellectual, overall judgments of some inhibitory phenomena, interpretations of the same
7 [19]
In weaker-willed and more diverse eras, a high degree of degeneration and eccentricity is not immediately dangerous and does not necessitate expulsion from the social body; on the other hand, one does not immediately perish because the average quantity of all forces, even in very arbitrary and selfish beings, outwardly prevents the aggressive and domineering tendency.
The dangers of such eras are the concentrated willful powerful; whereas in strong eras, the danger lies in the uncertain.
7 [20]
The philosophers' morality of Socrates is a Don Quixotery
a good deal of play-acting
a self-misinterpretation
what is it really?
idiosyncratic: the enthusiasm for dialectics, optimistic—overstimulated sensibility and consequently fear
the greatest of all swindles and self-deceptions, to equate good, true, and beautiful and to represent this unity as such
the struggle against the Sophists is psychologically hard to grasp: a separation is necessary to avoid being confused with them (to which everything invited, because they felt related).Competition for the youths —
Virtue and irony and acumen in Socrates—in Plato the lover (pederast), the artist (?), the oligarch —
Declaration of independence, emigration from the polis, detachment from origin —
Critique of culture from the standpoint of “morality” and dialectics!!! —
absolute lack of “historical sense” —
Symptom of décadence —
— whether all specifically moral movements hitherto have not been symptoms of décadence?
7 [21]
Perspectivism of desirability (of the ideal)
7 [22]
One criticizes: his temperament says yes to it
often the absence of spirit does us good
7 [23]
| NB. In psychological terms, I have two senses: |
| first: | the sense for the Naked |
| second: | the will to grand style (few main principles, these in the strictest connection; no esprit, no rhetoric). |
7 [24]
All the drives and powers that are praised by morality appear to me as essentially identical to those it slanders and rejects, e.g., justice as will to power, will to truth as a means of the will to power
7 [25]
Against Darwinism.
— the utility of an organ does not explain its origin, on the contrary!
— for the longest time during which a trait develops, it does not preserve the individual and is of no use to it, least of all in the struggle with external circumstances and enemies
— what is ultimately “useful”? One must ask “useful with respect to what?” For example, what benefits the duration of the individual might be unfavorable to its strength and splendor; what preserves the individual might also hold it back and stagnate its development. On the other hand, a deficiency, a degeneration, can be of the highest utility insofar as it acts as a stimulus to other organs.Similarly, a state of emergency can be a condition of existence insofar as it reduces an individual to the measure at which it holds together and does not squander itself.
— The individual itself as a struggle of parts (for nourishment, space, etc.): its development tied to a victory, dominance of individual parts, to a withering, “becoming an organ” of other parts
— the influence of “external circumstances” is exaggerated to the point of absurdity in D; the essential aspect of the life process is precisely the enormous shaping, form-creating power from within, which utilizes, exploits the “external circumstances” ...
— that the new forms formed from within are not shaped towards a purpose, but that in the struggle of the parts a new form will not long remain without a relation to a partial use, and then will be shaped more and more perfectly according to use
— if only that which has lastingly proven useful has been preserved, then in the first place the harmful, destructive, dissolving abilities, the senseless, accidental,
7 [26]
What does it mean that we relive the campagna Romana? And the high mountains? What does it mean our nationalism?
Idealism or self-deception.
Critique of civilization.
The metamorphoses of the cross.
The refinements of fear
of lust.
of contempt
7 [27]
Fuller concept of life
The types of intoxication
Modern acting (e.g., “Fatherland”: to what extent it goes against our conscience to be patriots)
The entire European falsity.
The chasm —
7 [28]
The strong person, powerful in the instincts of strong health, digests his deeds just as he digests his meals; he manages even heavy fare: but above all, an intact and strict instinct guides him not to do anything that resists him, just as little as he eats anything that does not taste good to him.
7 [29]
On the History of Modern Vice.
The Anarchism.
7 [30]
— Naivety of philosophical antiquity, psychological innocence; their “wise men” were boring.
Compared to antiquity, which believed in reason (the divine origin of reason), in virtue (as the highest rationality and independence of the spirit), Christianity teaches suspicion, that everything is fundamentally evil and incorrigible, that the pride of the spirit is its greatest danger, etc.
7 [31]
The tragic age for Europe: conditioned by the struggle with nihilism.
7 [32]
The absolute lack of preparation for the reception of truths; no gradation in education; blind trust in the spirit; the modern “good-naturedness.”
7 [33]
Against the theory of the "milieu." Race is unspeakably more important. The milieu only yields "adaptation"; within it, all stored energy plays out.
7 [34]
The Causalism. This "one after the other" still requires interpretation: "Law of nature" is an interpretation etc.
"Cause and effect" goes back to the concept of "doing and doer." This separation from where?
Movement as a symptom of a non-mechanical event. To remain at the mechanistic worldview—that is like a deaf person taking the score of a work as the goal.
Logic—its essence not discovered. Art of unambiguous designation?
7 [35]
Critique of Human Goals. What did ancient philosophy want? What did Christianity? What did Vedanta philosophy? What did Buddha?— And behind this will what lies there?
Psychological genesis of previous ideals: what do they actually mean?
7 [36]
Suppose our usual conception of the world were a misunderstanding: could a perfection be conceived within which even such misunderstandings would be sanctioned?
Conception of a new perfection: that which does not correspond to our logic, our “Beautiful,” our “Good,” our “True,” could, in a higher sense, be more perfect than our ideal itself.
7 [37]
life is force, you see, which compels us to do everything
Lucilius
7 [38]
It is by no means the first question whether we are satisfied with ourselves, but whether we are satisfied with anything at all. Suppose we say Yes to a single moment, then we have thereby said Yes not only to ourselves but to all existence. For nothing stands alone, neither in ourselves nor in things: and if only once our soul has trembled and sounded like a string for happiness, then all eternities were necessary to condition this one event—and all eternity was in this single moment of our affirmation approved, redeemed, justified, and affirmed.
7 [39]
A full and powerful soul does not merely cope with painful, even terrible losses, deprivations, robberies, and contempt: it emerges from such hells with greater fullness and power: and, to say the most essential thing, with a new growth in the bliss of love. I believe that whoever has guessed something of the lowest conditions of every growth in love will understand Dante when he wrote above the gate of his inferno: “also me the eternal love created”
7 [40]
The world has grown into the immense and continues to grow: our wisdom finally learns to think of itself as smaller; we scholars even, we are just beginning to know little ...
7 [41]
The realm of desires from which logic has grown: herd instinct in the background, the assumption of identical cases presupposes the “same soul.” For the purpose of communication and domination.
7 [42]
The antagonism between the “true world,” as pessimism reveals it, and a world possible for life:—for this one must examine the rights of truth, it is necessary to measure the meaning of all these “ideal drives” against life, in order to understand what that antagonism actually is: the struggle of the sick, despairing, clinging-to-the-beyond life with the healthier, stupider, more mendacious, richer, less decomposed life. So not “truth” in struggle with life, but one kind of life with another.— But it wants to be the higher kind!— Here the proof must begin, that a ranking is necessary,—that the first problem is that of the ranking of the kinds of life.
7 [43]
Nihilism as a consequence of the moral interpretation of the world.
Hierarchy.
The eternal recurrence.
7 [44]
“Useful” in the sense of Darwinian biology, i.e., proving advantageous in the struggle with others. But to me, the feeling of more, the feeling of becoming stronger, quite apart from utility in the struggle, seems to be the true progress: from this feeling first arises the will to struggle, —
7 [45]
1.
Critique of Values, measured by Life.
2.
The Origin of Values
3.
Life as Will to Power
4.
The Inverted
their hammer “the doctrine of eternal recurrence.”
7 [46]
The kind of human being of which I am the mouthpiece:
not suffering from unfulfilled ideals, but from fulfilled ones! namely, that the ideal which we represent and about which so much fuss is made is treated by us with a slight contempt —
a dangerous homesickness for the former “wilderness” of the soul, for the conditions of greatness, as well as of devilry —
we enjoy our more disorderly, wilder, crazier moments, we would be capable of committing a crime, just to see what a pang of conscience is like —
we are blasé about the everyday charms of the “good person,” of good social order, of honest scholarship —
we do not suffer from “corruption,” we are very different from Rousseau and do not long for the “good natural man” —
we are tired of the good, not of suffering: we no longer take illness, misfortune, old age, death seriously enough, least of all with the seriousness of the Buddhists, as if objections to life were given.
7 [47]
Critique of Patriotism: whoever feels values within themselves that they hold a hundred times higher than the well-being of the “fatherland,” society, blood and racial kinship—values that stand beyond fatherlands and races, thus international values—would become a hypocrite if they were to play the “patriot.” It is a lowliness of man and soul that endures (or even admires and glorifies) national hatred: the dynastic families exploit this type of person,—and again, there are enough commercial and social classes (as well as, naturally, the venal lackeys, the artists) who gain their advancement when these national divisive forces regain power. In fact, a lower species has come to predominance — —
7 [48]
Intellectuality of pain: it does not denote in itself what is momentarily damaged, but rather what value the damage has in relation to the general individual.
whether there are pains in which “the species” and not the individual suffers —
What does active and passive mean? is it not mastering and being overwhelmed
and subject and object?
7 [49]
The question of values is more fundamental than the question of certainty: the latter gains its seriousness only under the presupposition that the question of value has been answered.
Being and appearance, psychologically recalculated, yields no “being in itself,” no criteria for “reality,” but only degrees of appearance measured by the strength of the share we give to an appearance.
7 [50]
The problem of truth, truthfulness, certainty.
The problem of the good
The problem of justice.
The problem of measure.
The problem of hierarchy.
7 [51]
The violation provokes either the reaction or the submission
7 [52]
The Christian interpreters, like Carlyle, today as a form of dishonesty: likewise the admiration of the times of faith.
7 [53]
Not a struggle for existence is fought between ideas and perceptions, but for dominance:—destroyed is the overcome V not, only pushed back or subordinated. There is no destruction in the spiritual realm ...
7 [54]
To impress the character of being upon becoming—that is the highest will to power.
Double falsification, from the senses and from the spirit, to preserve a world of being, of permanence, equivalence, etc.
That everything recurs is the most extreme approximation of a world of becoming to that of being: summit of contemplation.
From the values assigned to being comes the condemnation and dissatisfaction in becoming: after such a world of being was first invented.
The metamorphoses of being (body, God, ideas, natural laws, formulas, etc.)
“Being” as appearance; reversal of values: appearance was the value-bestowing—
Knowledge in itself impossible in becoming; how then is knowledge possible?As error about oneself, as will to power, as will to deception.
Becoming as wanting to invent, self-denial, self-overcoming: no subject, but rather an act, a positing, creative, no "causes and effects."
Art as will to overcome becoming, as "eternalizing," but short-sighted, depending on the perspective: as if repeating the tendency of the whole in the small
To consider what all life shows as a diminished formula for the entire tendency: therefore a new fixation of the concept "life," as will to power
Instead of "cause and effect," the struggle of the becoming with one another, often with the swallowing up of the opponent; no constant number of the becoming.
Unsuitability of the old ideals for interpreting the entire event, after recognizing their animal origin and utility; all of them, moreover, contradicting life.
Unsuitability of the mechanistic theory—gives the impression of meaninglessness.
The entire idealism of humanity thus far is on the verge of turning into nihilism—into the belief in the absolute worthlessness, that is, meaninglessness...
The destruction of ideals, the new desolation, the new arts to endure it, we amphibians.
Prerequisite: Courage, patience, no "return," no feverish rush forward
NB. Zarathustra, constantly parodying all previous values, out of abundance.
7 [55]
If there is “only one being, the I” and all other “beings” are made in its image,—if ultimately the belief in the “I” stands or falls with the belief in logic, i.e., the metaphysical truth of the categories of reason: if, on the other hand, the I proves to be something becoming: then
7 [56]
Against the physical atom. To comprehend the world, we must be able to calculate it; to calculate it, we must have constant causes; since we do not find such constant causes in reality, we invent them—the atoms. This is the origin of atomism.
The calculability of the world, the expressibility of all events in formulas—is this really a “comprehension”? What would be understood of music if everything calculable about it and reducible to formulas were calculated?— Then the “constant causes,” things, substances, something “unconditional” therefore; invented—what has been achieved?
7 [57]
There was a melancholic afternoon when Spinoza was dissatisfied with himself: a small incident would not leave his mind—he reproached himself regarding this incident. Suddenly, he said to himself: this is the morsus conscientiae! But how is the morsus conscientiae still possible for me?
7 [58]
Critique of the Christian ideal: its presuppositions the conditions of existence of the soul—it is about eternal life, and about damnation or blessedness
7 [59]
Determinism is only harmful to that morality which believes in free will as a prerequisite for morality, in "responsibility"
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Against positivism, which stops at the phenomenon "there are only facts," I would say: no, facts do not exist, only interpretations. We cannot establish any fact "in itself": perhaps it is nonsense to want to do so. "Everything is subjective," you say: but even that is interpretation, the "subject" is not something given, but something added, something invented behind it.— Is it finally necessary to place the interpreter behind the interpretation?This is already poetry, hypothesis.
As far as the word "knowledge" has meaning, the world is knowable: but it is differently interpretable, it has no meaning behind it, but countless meanings—"perspectivism."
Our needs are what interpret the world: our drives and their pros and cons. Every drive is a kind of will to power, each has its perspective, which it seeks to impose as a norm on all other drives.
7 [61]
Provisional Headings of Chapters.
Antagonism of “Improvement” and “Enlargement” of Man (resp. Taming and Strengthening)
Critique of the Christian Ideal (Humility, Chastity, Poverty, Simplicity)
Critique of the Stoic Ideal (including the “Fakir”)
Critique of the Epicurean Ideal (including the “Olympian”—also the “Contemplative”)
The Metamorphoses of Slavery.
Artists and Conquerors. What does Beauty want?
Justice, Guilt, Punishment, Responsibility—the Legislator.
Critique of the Romantic Ideal, likewise that Ideal which gives the Pessimist his strength to hate and to despise
The Interpretive Character of Life (what does Nihilism mean?) “Purposelessness”
The Next Century and its Predecessors.
Critique of Action (Cause and Effect, Doing, Purpose)
Rank Order
7 [62]
Few realize what the standpoint of desirability, every “this is how it should be, but it is not” or even “this is how it should have been,” entails: a condemnation of the entire course of things. For in it there is nothing isolated: the smallest thing bears the whole, and on your small injustice stands the entire structure of the future; the whole is condemned with every criticism that strikes the smallest part. Suppose, moreover, that the moral norm, as even Kant believed, has never been perfectly fulfilled and remains a kind of beyond hovering above reality, never falling into it: then morality would contain within itself a judgment on the whole, which yet raises the question: where does it derive the right to do so?
How does the part come to play the judge here in relation to the whole?— And if this moral judging and dissatisfaction with the real were indeed an ineradicable instinct, as has been claimed, would this instinct not perhaps belong among the ineradicable stupidities, even impertinences, of our species?— But in saying this, we do the very thing we criticize; the standpoint of desirability, of unauthorized judging, is part of the character of the course of things, every injustice and imperfection as well,—it is precisely our concept of “perfection” that does not find its account. Every drive that wants to be satisfied expresses its dissatisfaction with the current state of affairs: how? is the whole perhaps composed entirely of dissatisfied parts, all of which have desirabilities in mind?is the "course of things" perhaps just the "Away from here! Away from reality!," the eternal dissatisfaction itself? is desirability perhaps the driving force itself? is it—deus?It seems important to me that one gets rid of the All, the unity, some force, an unconditional; one would not be able to avoid taking it as the highest instance and baptizing it God. One must shatter the All; unlearn respect for the All; take back what we have given to the unknown whole for the nearest, ours. What Kant says, for example, "Two things remain eternally worthy of veneration"—today we would rather say "digestion is more venerable." The All would always bring the old problems with it "how evil is possible?" etc. So: there is no All, it lacks the great sensorium or inventory or power-magazine: in that
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Must not all philosophy finally bring to light the presuppositions on which the movement of reason rests? Our belief in the I, as a substance, as the only reality, according to which we ascribe reality to things at all? The oldest "realism" finally comes to light: at the same time, the entire religious history of mankind recognizes itself as the history of the superstition of the soul. Here is a boundary: our thinking itself involves that belief (with its distinction between substance-accident, doing, doer, etc.), to let go of it means no-longer-being-allowed-to-think.
That a belief, however necessary it may be for the preservation of beings, has nothing to do with truth, is evident, for example, from the fact that we must believe in time, space, and motion, without feeling compelled to regard them as absolute
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of all values
First Book.
European Nihilism.
Second Book.
Critique of the Highest Values.
Third Book.
Principle of a New Valuation.
Fourth Book.
Discipline and Breeding.
drafted on March 17, 1887, Nice.
I. Every purely moral valuation (such as Buddhist) ends in nihilism: this is to be expected for Europe! One believes one can manage with a moralism without religious background: but this necessarily leads to nihilism. In religion, the compulsion to consider ourselves as valuing is lacking.
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How clumsy is every time the success and its miserable starting point in one calculated! Even with artists: how can one conclude from the work to the artist! Homer—do you not feel the pessimist and the overstimulated, who for the sake of his sufferings invented that abundance of perfection of the Olympians! The theories of the philosopher are either the brutal generalization of his sensibility-experience, or the means by which he wants to remain master over this sensibility,—spirituality etc.
— flight from it into the spiritually cold, formulaically rigid.
4.
Egoism and its problem! The Christian darkening in La Rochefoucauld, who pulled it out everywhere and thus believed he diminished the value of things and virtues!In contrast, I initially sought to prove that there could be nothing else but egoism—that in people where the ego becomes weak and thin, the power of great love also becomes weak—that the most loving are above all so because of the strength of their ego—that love is an expression of egoism, etc. The false valuation actually aims at the interest 1) of those who are helped, the herd 2) contains a pessimistic suspicion against the foundation of life 3) wants to deny the most magnificent and well-formed people; fear 4) seeks to grant rights to the vanquished against the victors 5) brings with it a universal dishonesty, especially among the most valuable people.
5.
Music and its dangerousness,—its indulgence, its art of awakening Christian states, above all for that mixture of displaced sensuality and prayerful fervor (Francis of Assisi)—goes hand in hand with the uncleanliness of the mind and the fanaticism of the heart; it shatters the will, overstimulates the sensibility, musicians are lascivious.
NB. Causes (inner states) from which art grows: and, very different from that, the effect
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What kind of people might feel uncomfortable when reading my writings? Apart from those, as is fair, who "do not understand" them at all (such as the educated swine and big-city geese, or the priests, or the "German youths," or everyone who drinks beer and reeks of politics). For example, there are the literati who trade in the spirit and want to "live" off their opinions—they have discovered that there is something in an opinion (at least in certain opinions) that is worth money—against them, my writings blow a constant breath of icy contempt. Likewise, I am unlikely to delight the little literary women, as they tend to be, with diseased sexual organs and inkstains on their fingers; perhaps because I think too highly of women to degrade them to inkfish?
Likewise, I understand why all those inflated agitators are resentful of me: for they need precisely the grand words and the noise of virtuous principles, which I and those who, as soon as they feel a prick, are in danger of burstingI care little for all this opposition: but there is another kind that pains me even to the point of suffering:—these are the ones who laboriously rise from the rabble, the people of moral thirst, of struggling tension, who passionately long for what is noble.You must think that an ironic eye looks out at you from my writings, one that misses nothing of your little heroism—an eye to which your entire little misery, even your fatigue and the vanity that all the weary need, your ant-like climbing and tumbling down, is constantly present.
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]
Recently, a Mr. Theodor Fritsch from Leipzig wrote to me. There is no more impudent and stupid gang in Germany than these anti-Semites. I gave him a proper kick in the pants in my reply. This rabble dares to take the name Z into their mouths! Disgust! Disgust! Disgust!
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Recently, a man named Theodor Fritsch from Leipzig wrote to me. There is no more impudent and stupid gang in Germany than these anti-Semites. I gave him a proper kick in the letter as thanks. This rabble dares to take the name Z into their mouths! Disgusting! Disgusting! Disgusting!
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NB!!
so that one finds less freethinking in moral matters among atheists than among the pious and God-believing (e.g., Pascal is freer and more freethinking in moral questions than Schopenhauer)
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Pascal saw in two figures, in Epictetus and Montaigne, his actual tempters, against whom he needed to defend and secure his Christianity again and again.
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There exists above the steam and filth of human lowlands a higher, brighter humanity, which in number will be very small—for everything that stands out is by its nature rare—: one belongs to it not because one is more gifted or virtuous or heroic or loving than the people down there, but because one is colder, brighter, more far-sighted, more solitary, because one endures, prefers, demands solitude as happiness, privilege, even as a condition of existence, because one
lives under clouds and lightning as among his equals, but equally under sunbeams, dewdrops, snowflakes, and everything that necessarily comes from above and, when it moves, moves eternally only in the direction from above to below. The aspirations toward the heights are not ours.— The heroes, martyrs, geniuses, and enthusiasts are not quiet, patient, refined, cold, slow enough for us.