13, 16[1-89] Frühjahr-Sommer 1888

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Turin, 21. April, unterwegs

“Meine Brüder, sagte der älteste Zwerg, wir sind in Gefahr. Ich verstehe die Attitüde dieses Riesen. Er ist im Begriff, uns anzurieseln. Wenn ein Riese rieselt, giebt es eine Sündfluth. Wir sind verloren, wenn er rieselt. Ich rede nicht davon, in welch affreusem Elemente wir da ertrinken.”

“Problem—sagte der zweite Zwerg—wie verhindert man einen Riesen am Rieseln?”

“Problem—sagte der dritte Zwerg—wie verhindert man einen Großen, daß er etwas Großes groß thut?”

“Ich danke, antwortete der älteste Zwerg mit Würde. Hiermit ist das Problem philosophischer genommen, sein Interesse verdoppelt, seine Lösung vorbereitet.”

“Man muß ihn erschrecken, sagte der vierte Zwerg.

“Man muß ihn kitzeln, sagte der fünfte Zwerg.

“Man muß ihm in die Fußzehn beißen, sagte der sechste Zwerg.

“Thun wir Alles zugleich, entschied der Älteste. Ich sehe, wir sind dieser Lage gewachsen. Dieser Riese wird nicht rieseln.”

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Das Risquirte und Phantomatische in der Existenz —

Nachts 27 April

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Imaginäre Ursachen

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Alles Furchtbare in Dienst nehmen, einzeln, versuchsweise, schrittweise—so will es die Aufgabe der Cultur. Aber bis sie stark genug dazu ist, muß sie es bekämpfen, mäßigen, verschleiern, unter Umständen verfluchen und vernichten. Überall, wo eine Cultur ihr Böses ansetzt, bringt sie damit ein Furchtverhältniß zum Ausdruck: ihre Schwäche verräth sich. An sich ist alles Gute ein dienstbar gemachtes Böse von Ehedem.

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Dies giebt einen Maaßstab ab: je furchtbarer und größer die Leidenschaften sind, die eine Zeit, ein Volk, ein Einzelner sich gestatten kann, weil er sie als Mittel zu gebrauchen weiß, um so höher steht seine Cultur. Umgekehrt: je mittelmäßiger, schwächer, unterwürfiger und feiger—tugendhafter—ein Mensch ist, um so weiter wird er das Reich des Bösen ansetzen. Der niedrigste Mensch muß das Reich des Bösen (das heißt des ihm Verbotenen und Feindlichen) überall sehn. —

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Erziehung: ein System von Mitteln, um die Ausnahmen zu Gunsten der Regel zu ruiniren. Bildung: ein System von Mitteln, um den Geschmack gegen die Ausnahme zu richten, zu Gunsten der Durchschnittlichen. So ist es hart; aber, ökonomisch betrachtet, vollkommen vernünftig. Mindestens für eine lange Zeit, wo eine Cultur noch mit Mühe sich aufrecht erhält, und jede Ausnahme eine Art von Vergeudung von Kraft darstellt (etwas, das ablenkt, verführt, ankränkelt, isolirt) Eine Cultur der Ausnahme, des Versuchs, der Gefahr, der Nuance—eine Treibhauscultur für die ungewöhnlichen Gewächse hat erst ein Recht auf Dasein, wenn Kraft genug vorhanden ist, daß nunmehr selbst die Verschwendung ökonomisch wird.

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Die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung oder Ausrottung! Je größer die Herren-Kraft unseres Willens ist, so viel mehr Freiheit darf den Leidenschaften gegeben werden. Der große Mensch ist groß durch den Freiheits-Spielraum seiner Begierden: er aber ist stark genug, daß er aus diesen Unthieren seine Hausthiere macht ...

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Der “gute Mensch” auf jeder Stufe der Civilisation der Ungefährliche und Nützliche zugleich: eine Art Mitte, der Ausdruck im gemeinen Bewußtsein davon, vor wem man sich nicht zu fürchten hat und wen man trotzdem nicht verachten darf ...

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Im Kampfe gegen die großen Menschen liegt viel Vernunft. Dieselben sind gefährlich, Zufälle, Ausnahmen, Unwetter, stark genug, um Langsam-Gebautes und -Begründetes in Frage zu stellen, Fragezeichen-Menschen in Hinsicht auf Fest-Geglaubtes. Solche Explosiv-Stoffe nicht nur unschädlich zu entladen, sondern wenn es irgend angeht, ihrer Entstehung und Häufung schon vorbeugen: dazu räth der Instinkt jeder civilisirten Gesellschaft.

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Die Höhepunkte der Cultur und der Civilisation liegen auseinander: man soll sich über den abgründlichen Antagonismus von Cultur und Civilisation nicht irre führen lassen. Die großen Momente der Cultur waren immer, moralisch geredet, Zeiten der Corruption; und wiederum waren die Epochen der gewollten und erzwungenen Thierzähmung (“Civilisation”—) des Menschen Zeiten der Unduldsamkeit für die geistigsten und kühnsten Naturen. Civilisation will etwas Anderes als Cultur will: vielleicht etwas Umgekehrtes ...

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— Entschiedenheit und Folge: nach Goethe das Verehrungswürdigste am Menschen —

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Das Leben selbst ist kein Mittel zu Etwas; es ist bloß Wachsthums-Form der Macht.

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Bescheiden, fleißig, wohlwollend, mäßig, voller Friede und Freundlichkeit: so wollt ihr den Menschen? so denkt ihr euch den guten Menschen? Aber was ihr damit erreicht, ist nur der Chinese der Zukunft, das “Schaf Christi”, der vollkommene Socialist ...

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Wer sich nicht als Zweck ansetzen, noch überhaupt von sich aus Zwecke ansetzen kann, der giebt der Moral der Entselbstung die Ehre. Zu ihr überredet ihn Alles, seine Klugheit, seine Erfahrung, seine Eitelkeit ...

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Der Kampf gegen den “alten Glauben”, wie ihn Epicur unternahm, war, im strengen Sinne, der Kampf gegen das präexistente Christenthum,—der Kampf gegen die bereits verdüsterte, vermoralisirte mit Schuldgefühlen durchsäuerte alt und krank gewordene alte Welt.

Nicht die “Sittenverderbniß” des Alterthums, sondern gerade seine Vermoralisirung ist die Voraussetzung, unter der allein das Christenthum über dasselbe Herr werden konnte. Der Moral-Fanatismus (kurz: Plato) hat das Heidenthum zerstört, indem er seine Werthe umwerthete und seiner Unschuld Gift zu trinken gab.— Wir sollten endlich begreifen, daß was da zerstört wurde, das Höhere war, im Vergleich mit dem, was Herr wurde!—das Christenthum ist aus der physiologischen Verderbniß gewachsen, hat nur auf verderbtem Boden Wurzel gefaßt ...

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Wir Wenigen oder Vielen, die wir wieder in einer entmoralisirten Welt zu leben wagen, wir Heiden dem Glauben nach: wir sind wahrscheinlich auch die Ersten, die es begreifen, was ein heidnischer Glaube ist: sich höhere Wesen als der Mensch ist, vorstellen müssen, aber diese Wesen jenseits von Gut und Böse; alles Höher-sein auch als Unmoralisch-sein abschätzen müssen. Wir glauben an den Olymp—und nicht an den “Gekreuzigten” ...

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Man scheint sich der Historie zu Nichts zu bedienen als immer zu dem einen und gleichen Fehlschluß: “diese und jene Form gieng zu Grunde, folglich ist sie widerlegt.” Als ob das Zugrundegehn ein Einwand, oder gar eine Widerlegung wäre!— Was ist mit dem Zugrundegehen der letzten aristokratischen Gesellschafts-Ordnung bewiesen? Etwa, daß wir eine solche Ordnung nicht mehr nöthig hätten? ...

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Unter Deutschen ist es nicht genug, Geist zu haben: man muß ihn noch sich nehmen, sich Geist herausnehmen. Unter Franzosen muß man Muth haben, deutsch zu sein.

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Sei nun auch klug, nachdem du weise geworden bist! Ein grober Affekt, ein Laster, eine Tollheit—das ist nunmehr deine Art Erlösung!

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— und wenn meine Philosophie eine Hölle ist, so will ich wenigstens den Weg zu ihr mit guten Sentenzen pflastern.

16 [21]

Wenn der Charakter des Daseins falsch sein sollte, wenn das Dasein einen “schlechten Charakter” hätte—und gerade das wäre möglich—was wäre dann die Wahrheit, alle unsre Wahrheit? Eine Falschheit mehr?

16 [22]

Hat man eine Dummheit gemacht, so soll man ihr flugs zwei Klugheiten nachschicken: so holt man sie wieder zurück.

16 [23]

Wie arm der Wille geworden sein muß, um die Welt in Schopenhauers Weise als “Wille” mißzuverstehn! Im Philosophen fehlt der Wille, so viel auch vom Willen geredet wird (—wie im neuen Testament der Geist fehlt, trotz selbst “des heiligen Geistes”—)

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Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.

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Der Mensch, eine kleine überspannte Thierart, die—glücklicher Weise—ihre Zeit hat; das Leben auf der Erde überhaupt ein Augenblick, ein Zwischenfall, eine Ausnahme ohne Folge, Etwas, das für den Gesamt-Charakter der Erde belanglos bleibt; die Erde selbst, wie jedes Gestirn, ein Hiatus zwischen zwei Nichtsen, ein Ereigniß ohne Plan, Vernunft, Wille, Selbstbewußtsein, die schlimmste Art des Nothwendigen, die dumme Nothwendigkeit ... Gegen diese Betrachtung empört sich etwas in uns; die Schlange Eitelkeit redet uns zu “das Alles muß falsch sein: denn es empört ... Könnte das nicht Alles nur Schein sein? Und der Mensch, trotzalledem, mit Kant zu reden,

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Daß “das Übel” ein Einwand gegen das Dasein sein soll! Aber was hat uns am längsten Widerwillen gemacht? Ist es nicht der Aspekt “des Guten”, ist es nicht die Unmöglichkeit, “dem Guten” nicht ausweichen zu können? Ist es nicht der Gedanke “Gott”?

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Wenn man krank ist, so soll man sich verkriechen: so allein ist es philosophisch, so allein ist es thierisch...

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Es Morgen-Denker, es giebt Nachmittags-Denker, es giebt Nachteulen. Nicht zu vergessen die vornehmste species: die Mittäglichen,—die, in denen beständig der große Pan schläft. Da fällt alles Licht senkrecht ...

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Wir entbehren in der Musik einer Ästhetik, die den Musikern Gesetze aufzuerlegen verstünde und ein Gewissen schüfe; wir entbehren, was eine Folge davon ist, eines eigentlichen Kampfes um “Principien”—denn als Musiker lachen wir über die Herbartschen Velleitäten auf diesem Gebiete ebenso sehr, als über die Schopenhauers. Thatsächlich ergiebt sich hieraus eine große Schwierigkeit: wir wissen die Begriffe “Muster”, “Meisterschaft”, “Vollkommenheit” nicht mehr zu begründen—wir tasten mit dem Instinkte alter Liebe und Bewunderung blind herum im Reich der Werthe, wir glauben beinahe “gut ist was uns gefällt” ... Es erweckt mein Mißtrauen, wenn ganz unschuldig Beethoven allerwärts als “Classiker” bezeichnet wird: ich würde streng aufrecht erhalten, daß man in anderen Künsten unter einem Classiker einen umgekehrten Typus als der Beethovens ist, begreift. Aber wenn gar noch die vollkommene und in die Augen springende Stil-Auflösung Wagners, sein sogenannter dramatischer Stil als “Vorbild”, als “Meisterschaft”, als “Fortschritt”, gelehrt und verehrt wird, so kommt meine Ungeduld auf ihren Gipfel. Der dramatische Stil in der Musik, wie ihn Wagner versteht, ist die Verzichtleistung auf Stil überhaupt unter der Voraussetzung daß etwas hundert Mal wichtiger ist als Musik, nämlich das Drama. Wagner kann malen, er benutzt die Musik nicht zur Musik, er verstärkt Attitüden, er ist Poet; endlich, er hat an die “schönen Gefühle” und “gehobenen Busen” appellirt gleich allen Theaterkünstlern—mit dem Allen hat er die Frauen und selbst die Bildungs-Bedürftigen zu sich überredet: aber was geht Frauen und Bildungs-Bedürftige die Musik an! Das hat Alles kein Gewissen für die Kunst; das leidet nicht, wenn, alle ersten und unerläßlichsten Tugenden einer Kunst zu Gunsten von Nebenabsichten, als ancilla dramaturgica, mit Füßen getreten und verhöhnt werden.— Was liegt an aller Erweiterung der Ausdrucks-Mittel, wenn das, was da ausdrückt, die Kunst selbst für sich selbst das Gesetz verloren hat? Die malerische Pracht und Gewalt des Tons, die Symbolik von Klang, Rhythmus, Farbentönen der Harmonie und Disharmonie, die suggestive Bedeutung der Musik, in Hinsicht auf andere Künste, die ganze mit Wagner zur Herrschaft gebrachte Sinnlichkeit der Musik—das Alles hat Wagner an der Musik erkannt, herausgezogen, entwickelt. Victor Hugo hat etwas Verwandtes für die Sprache gethan: aber schon heute fragt man sich in Frankreich im Fall Victor Hugo’s, ob nicht zum Verderb der Sprache ... ob nicht, mit der Steigerung der Sinnlichkeit in der Sprache, die Vernunft, die Geistigkeit, die tiefe Gesetzlichkeit in der Sprache heruntergedrückt worden ist? Daß die Dichter in Frankreich Plastiker, daß die Musiker in Deutschland Schauspieler und Cultur-Anpinseler geworden sind—sind das nicht Zeichen der décadence?



Wagner macht alles Mögliche mit Hülfe der Musik, was nicht Musik ist: er giebt Schwellungen, Tugenden, Leidenschaften zu verstehen.



Musik ist ihm Mittel



Ist ihr nicht alle geistigere Schönheit abhanden gekommen, die hohe übermüthige Vollkommenheit, welche im Wagniß noch die Anmuth umarmt, der hinreißende Sprung und Tanz der Logik, der

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Für einen Kriegsmann der Erkenntniß, der immer im Kampf mit häßlichen Wahrheiten liegt, ist der Glaube, daß es gar keine Wahrheit giebt, ein großes Bad und Gliederstrecken.— Der Nihilismus ist unsre Art Müssiggang ...

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Die Tugend ist unter Umständen bloß eine ehrwürdige Form der Dummheit: wer dürfte ihr darum übelwollen? Und diese Art Tugend ist auch heute noch nicht überlebt. Eine Art von wackerer Bauern-Einfalt, welche aber in allen Ständen möglich ist und der man nicht anders als mit Verehrung und Lächeln zu begegnen hat, glaubt auch heute noch, daß Alles in guten Händen ist, nämlich in der “Hand Gottes”: und wenn sie diesen Satz mit jener bescheidenen Sicherheit aufrecht erhalten, wie als ob sie sagten, daß zwei mal zwei vier ist, so werden wir Andern uns hüten, zu widersprechen. Wozu diese reine Thorheit trüben? Wozu sie mit unseren Sorgen in Hinsicht auf Mensch, Volk, Ziel, Zukunft verdüstern? Und wollten wir es, wir könnten es nicht. Sie spiegeln ihre eigne ehrwürdige Dummheit und Güte in die Dinge hinein (bei ihnen lebt ja der alte Gott, deus myops, noch!); wir Anderen—wir sehen etwas Anderes in die Dinge hinein: unsre Räthsel-Natur, unsre Widersprüche, unsre tiefere, schmerzlichere, argwöhnischere Weisheit.

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Woran ich meines Gleichen erkenne.— Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Aufsuchen auch der verwünschten und verruchten Seiten des Daseins. Aus der langen Erfahrung, welche mir eine solche Wanderung durch Eis und Wüste gab, lernte ich Alles, was bisher philosophirt hat, anders ansehn:—die verborgene Geschichte der Philosophie, die Psychologie ihrer großen Namen kam für mich ans Licht. “Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist?”—dies wurde für mich der eigentliche Werthmesser. Der Irrthum ist eine Feigheit ... jede Errungenschaft der Erkenntniß folgt aus dem Muth, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich ... Eine solche Experimental-Philosophie, wie ich sie lebe, nimmt versuchsweise selbst die Möglichkeiten des grundsätzlichen Nihilismus vorweg: ohne daß damit gesagt wäre, daß sie bei einem Nein, bei einer Negation, bei einem Willen zum Nein stehen bliebe. Sie will vielmehr bis zum Umgekehrten hindurch—bis zu einem dionysischen Jasagen zur Welt, wie sie ist, ohne Abzug, Ausnahme und Auswahl—sie will den ewigen Kreislauf,—dieselben Dinge, dieselbe Logik und Unlogik der Knoten. Höchster Zustand, den ein Philosoph erreichen kann: dionysisch zum Dasein stehn—: meine Formel dafür ist amor fati ...

— Hierzu gehört, die bisher verneinten Seiten des Daseins nicht nur als nothwendig zu begreifen, sondern als wünschenswerth: und nicht nur als wünschenswerth in Hinsicht auf die bisher bejahten Seiten (etwa als deren Complemente oder Vorbedingungen), sondern um ihrer selber willen, als der mächtigeren, fruchtbareren, wahreren Seiten des Daseins, in denen sich sein Wille deutlicher ausspricht. Insgleichen gehört hierzu, die bisher allein bejahte Seite des Daseins abzuschätzen; zu begreifen, woher diese Werthung stammt und wie wenig sie verbindlich für eine dionysische Werthabmessung des Daseins ist: ich zog heraus und begriff, was hier eigentlich Ja sagt (der Instinkt der Leidenden einmal, der Instinkt der Heerde andrerseits und jener Dritte der Instinkt der Meisten im Widerspruch zu den Ausnahmen—) Ich errieth damit, in wiefern eine andere stärkere Art Mensch nothwendig nach einer anderen Seite hin sich die Erhöhung und Steigerung des Menschen ausdenken müßte: höhere Wesen als jenseits von Gut und Böse, als jenseits von jenen Werthen, die den Ursprung aus der Sphäre Leidens, der Heerde und der Meisten nicht verleugnen können—ich suchte nach den Ansätzen dieser umgekehrten Idealbildung in der Geschichte (die Begriffe “heidnisch”, “klassisch”, “vornehm” neu entdeckt und hingestellt—)

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Richard Wagner bleibt, bloß in Hinsicht auf seinen Werth für Deutschland und deutsche Cultur abgeschätzt ein großes Fragezeichen, ein deutsches Unglück vielleicht, ein Schicksal in jedem Falle: aber was liegt daran? Ist er nicht sehr viel mehr,—als bloß ein deutsches Ereigniß? ... Es will mir sogar scheinen, daß er nirgendswo weniger hingehört als nach Deutschland; nichts ist daselbst auf ihn vorbereitet, sein ganzer Typus steht unter Deutschen einfach fremd, wunderlich, unverstanden, unverständlich da. Aber man hütet sich, das sich einzugestehen: dazu ist man zu gutmüthig, zu viereckig, zu deutsch. “Credo quia absurdus est”: so will es und wollte es auch in diesem Fall deutscher Geist—und so glaubt er einstweilen Alles, was Wagner über sich selbst geglaubt haben wollte. Der deutsche Geist hat zu allen Zeiten in psychologicis der Feinheit und Divination ermangelt. Heute, wo er unter dem Hochdruck der Vaterländerei und Selbstbewunderung steht, verdickt und vergröbert er sich zusehends: wie sollte er dem Problem Wagner gewachsen sein! —

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Im Grunde ist auch Wagners Musik noch Litteratur, so gut es die ganze französische Romantik; der Zauber des Exotismus, fremder Zeiten, Sitten, Leidenschaften, ausgeübt auf empfindsame Eckensteher; das Entzücken beim Hineintreten in das ungeheure ferne ausländische vorzeitliche Land, zu dem der Zugang durch Bücher führt, wodurch der ganze Horizont mit neuen Farben und Möglichkeiten bemalt war ... Die Ahnung von noch ferneren unaufgeschlossenen Welten; der Dédain gegen die Boulevards ... Der Nationalismus nämlich, man lasse sich nicht täuschen, ist auch nur eine Form des Exotismus ... Die romantischen Musiker erzählen, was die exotischen Bücher aus ihnen gemacht haben: man möchte gern Exotica erleben, Leidenschaften im florentinischen oder venetianischen Geschmack: zuletzt begnügt man sich, sie im Bilde zu suchen ... Das Wesentliche ist die Art von neuer Begierde, ein Nachmachen-wollen, Nachleben-wollen, die Verkleidung, die Verstellung der Seele ... Die romantische Kunst ist nur ein Nothbehelf für eine manquirte “Realität” ...

Napoleon, die Leidenschaft neuer Möglichkeiten der Seele ... Die Raumerweiterung der Seele ...

Der Versuch, Neues zu thun: Revolution, Napoleon ...

Ermattung des Willens; umso größere Ausschweifung in der Begierde, Neues zu fühlen, vorzustellen, zu träumen ...

Folge der excessiven Dinge, die man erlebt hatte: Heißhunger nach excessiven Gefühlen ... Die fremden Litteraturen boten die stärksten Würzen ...

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Zur Zukunft der Ehe:

eine Steuer-Mehrbelastung bei Erbschaften usw. auch Kriegsdienst-Mehrbelastung der Junggesellen von einem bestimmten Alter an und anwachsend (innerhalb der Gemeinde)

Vortheile aller Art für Väter, welche reichlich Knaben in die Welt setzen: unter Umständen eine Mehrheit von Stimmen

ein ärztliches Protokoll, jeder Ehe vorangehend und von den Gemeinde-Vorständen unterzeichnet: worin mehrere bestimmte Fragen seitens der Verlobten und der Ärzte beantwortet sein müssen (“Familien-Geschichte” —

als Gegenmittel gegen die Prostitution (oder als deren Veredelung): Ehen auf Frist, legalisirt (auf Jahre, auf Monate, auf Tage), mit Garantie für die Kinder

jede Ehe verantwortet und befürwortet durch eine bestimmte Anzahl Vertrauens-Männer einer Gemeinde: als Gemeinde-Angelegenheit

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die Romantiker, welche alle, wie ihr deutscher Meister Friedrich Schlegel, in Gefahr sind (mit Goethe zu reden) “am Wiederkäuen sittlicher und religiöser Absurditäten zu ersticken”

das Schillersche an Wagner: er bringt “leidenschaftliche Beredsamkeit, Pracht der Worte, als Schwung edler Gesinnungen”—Legirung mit geringerem Metall

“Hätte Schiller länger gelebt, er wäre der Abgott der Zeitgenossen, auch derer, die in Iffland und Kotzebue, in Nikolai und Merkel ihr Fühlen und Denken wiederfanden, geworden und auch Ehren und Reichthümer wären ihm in Fülle zugeflossen.” Victor Hehn, G ü G p 109.

“die durchgehende Herzlosigkeit” “die Nichtswürdigkeit oder Geringfügigkeit der Helden”—man denke Niebuhr, der sich in Hinsicht auf den Wilhelm Meister zu sagen erlaubt: “er ärgere sich an der Menagerie von zahmem Vieh”

in den vornehmen Kreisen war man darüber einig, daß, um mit Jakobi zu reden “ein unsauberer Geist darin herrsche”

Für was war Goethe Schiller dankbar? Daß ihn der Wilhelm Meister “hinriß und tief ergriff, ja mit dem Gefühl eigner Unzulänglichkeit schmerzlich erfüllte. So war ihm endlich, mitten aus dem feindlichen Lager heraus, ein Geist begegnet, der ihm bis auf diese Höhe nachsteigen konnte”.

an Körner 1796 “gegen Goethe bin und bleib’ ich eben ein poetischer Lump”.

Goethes Sternbild erblaßte in dem Maaße auch in Schillers Augen, in dem sein eigner Ruhm wuchs. Er wurde der Rival.

der typische Haß der Kranken gegen die Vollkommenen—z.B. Novalis gegen Wilhelm Meister, der das Buch odiös findet. “Mit Stroh und Läppchen ist der Garten der Poesie nachgemacht.” “Der Verstand darin ist wie ein naiver Teufel.” “Künstlerischer Atheismus ist der Geist des Buchs.”— Das zu einer Zeit, wo er für Tieck rasete, der damals gerade einen Schüler Jakob Böhmes abzugeben schien

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Die Wirkung der Wagnerschen Kunst ist tief, sie ist vor allem schwer centnerschwer: woran liegt das? Zunächst gewiß nicht an der Wagnerschen Musik: man hält diese Musik sogar erst aus, wenn man bereits durch etwas Anderes überwältigt und gleichsam unfrei geworden ist. Dies Andere ist das Wagnersche Pathos, zu dem er sich seine Kunst bloß hinzuerfunden hat, es ist die ungeheure Überzeugungskraft dieses Pathos, sein Atemanhalten, sein Nichtmehrloslassenwollen eines extremen Gefühls, es ist die erschreckende Länge dieses Pathos, mit dem Wagner siegt und siegen wird, so daß er uns zuletzt selbst noch zu seiner Musik überredet ... Ob man mit einem solchen Pathos ein “Genie” ist? Oder auch nur sein kann? Wenn man unter Genie eines Künstlers die höchste Freiheit unter dem Gesetz, die göttliche Leichtigkeit, Leichtfertigkeit im Schwersten versteht, so hat Offenbach (Edm Audran) noch mehr Anrecht auf den Namen “Genie” als Wagner.



Wagner ist schwer, schwerfällig: nichts ist ihm fremder als Augenblicke übermüthigster Vollkommenheit, wie sie dieser Hanswurst Offenbach fünf, sechs Mal fast in jeder seiner bouffoneries erreicht.— Aber vielleicht darf man unter Genie etwas Anderes verstehen.— Eine andere Frage, auf die ich ebenfalls erst antworten gedenke: ob Wagner, gerade mit einem solchen Pathos, deutsch ist? ein Deutscher ist? ... Oder nicht vielmehr die Ausnahme der Ausnahmen? ... Wagner ist schwer, centnerschwer, folglich kein Genie? ...

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Wagner vor allen Dingen tüchtig zusammenstreichen, so daß drei Viertel übrig bleibt: vor allem sein recitativo, das den Geduldigsten zur Verzweiflung bringt ... Es ist ein bloßer Ehrgeiz Wagner’s, seine Werke als nothwendig bis ins Kleine und Einzelne zu lehren ... das Gegentheil ist wahr, es ist des Überflüßigen, Willkürlichen, Entbehrlichen viel zu viel ... Es fehlt ihm die Fähigkeit selbst der Nothwendigkeit: wie sollte er sie uns auferlegen können?

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Bis zu welchem Grade die Unfähigkeit eines pöbelhaften Agitators der Menge geht, sich den Begriff “höhere Natur” klar zu machen, dafür giebt Buckle das beste Beispiel ab. Die Meinung, welche er so leidenschaftlich bekämpft—daß “große Männer”, Einzelne, Fürsten, Staatsmänner, Genies, Feldherrn die Hebel und Ursachen aller großen Bewegungen sind—wird von ihm instinktiv dahin mißverstanden, als ob mit ihr behauptet würde, das Wesentliche und Werthvolle an einem solchen “höheren Menschen” liege eben in der Fähigkeit, Massen in Bewegung zu setzen, kurz in ihrer Wirkung ... Aber die “höhere Natur” des großen Mannes liegt im Anderssein, in der Unmittheilbarkeit, in der Rangdistanz—nicht in irgend welchen Wirkungen: und ob er auch den Erdball erschütterte. —

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Aesthet

Grundeinsicht: was ist schön und hässlich.

Nichts ist bedingter, sagen wir bornirter als unser Gefühl des Schönen. Wer es losgelöst denken wollte von der Lust des Menschen am Menschen, verlöre sofort Grund und Boden unter den Füßen. Im Schönen bewundert sich der Mensch als Typus: in extremen Fällen betet er sich selbst an. Es gehört zum Wesen eines Typus, daß er nur an seinem Anblick glücklich wird,—daß er sich und nur sich bejaht. Der Mensch, wie sehr er auch die Welt mit Schönheiten überhäuft sieht, er hat sie immer nur mit seiner eignen “Schönheit” überhäuft: das heißt, er hält Alles für schön, was ihn an das Vollkommenheits-Gefühl erinnert, mit dem er als Mensch zwischen allen Dingen steht. Ob er wirklich damit die Welt verschönert hat? ... Und sollte zuletzt in den Augen eines höheren Geschmacksrichters der Mensch vielleicht gar nicht schön sein? ... Ich will nicht hiermit sagen unwürdig, aber ein wenig komisch? ..

* * *

2

— Oh Dionysos, Göttlicher, warum ziehst Du mich an den Ohren? Ich finde eine Art Humor in deinen Ohren, Ariadne: warum sind sie nicht noch länger? ...

* * *

“Nichts ist schön: nur der Mensch ist schön” Auf dieser Naivetät ruht alle unsere Aesthetik: sie sei deren erste “Wahrheit”.

Fügen wir die complementäre “Wahrheit” sofort hinzu, sie ist nicht weniger naiv: daß nichts häßlich ist als der mißrathene Mensch.

Wo der Mensch am Häßlichen leidet, leidet er am Abortiren seines Typus; und wo er auch am Entferntesten an ein solches Abortiren erinnert wird, da setzt er das Prädikat “häßlich” an. Der Mensch hat die Welt mit Häßlichem überhäuft: das will sagen immer nur mit seiner eignen Häßlichkeit ... Hat er die Welt wirklich dadurch verhäßlicht? ...

* * *

Alles Häßliche schwächt und betrübt den Menschen: es erinnert ihn an Verfall, Gefahr, Ohnmacht. Man kann den Eindruck des Häßlichen mit dem Dynamometer messen. Wo er niedergedrückt wird, da wirkt irgend ein Häßliches. Das Gefühl der Macht, der Wille zur Macht—das wächst mit dem Schönen, das fällt mit dem Häßlichen.

* * *

Im Instinkt und Gedächtniß ist ein ungeheures Material aufgehäuft: wir haben tausenderlei Zeichen, an denen sich uns die Degenerescenz des Typus verräth. Wo an Erschöpfung, Müdigkeit, Schwere, Alter, oder an Unfreiheit, Krampf, Zersetzung, Fäulniß auch nur angespielt wird, da redet sofort unser unterstes Werthurtheil: da haßt der Mensch das Häßliche ..

Was er da haßt, es ist immer der Niedergang seines Typus. In diesem Haß besteht die ganze Philosophie der Kunst.

* * *

Wenn meine Leser darüber zur Genüge eingeweiht sind, daß auch “der Gute” im großen Gesammt-Schauspiel des Lebens eine Form der Erschöpfung darstellt: so werden sie der Consequenz des Christenthums die Ehre geben, welche den Guten als den Häßlichen concipirte. Das Christenthum hatte damit Recht. —

An einem Philosophen ist es eine Nichtswürdigkeit zu sagen: das Gute und das Schöne sind Eins: fügt er gar noch hinzu “auch das Wahre”, so soll man ihn prügeln. Die Wahrheit ist häßlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehn.

* * *

7.

Über das Verhältniß der Kunst zur Wahrheit bin ich am frühesten ernst geworden: und noch jetzt stehe ich mit einem heiligen Entsetzen vor diesem Zwiespalt. Mein erstes Buch ihm geweiht; die Geburt der Tragödie glaubt an die Kunst auf dem Hintergrund eines anderen Glaubens: daß es nicht möglich ist mit der Wahrheit zu leben; daß der “Wille zur Wahrheit” bereits ein Symptom der Entartung ist ...

Ich stelle die absonderlich düstere und unangenehme Conception jenes Buches hier noch einmal hin. Sie hat den Vorrang vor anderen Pessimistischen Conceptionen, daß sie unmoralisch:—sie ist nicht wie diese von der Circe der Philosophen, von der Tugend, inspirirt. —

Die Kunst in derGeburt der Tragödie

16 [41]

Wagner ist ein capitales Faktum in der Geschichte des “europäischen Geistes” der “modernen Seele”: wie Heinrich Heine ein solches Faktum war. Wagner und Heine: die beiden größten Betrüger, mit denen Deutschland Europa beschenkt hat.

16 [42]

Ich habe mich von Wagner entfernt, als er seinen Rückzug zum deutschen Gott zur deutschen Kirche und zum deutschen Reich nahm: Andere hat er eben damit an sich gezogen.

16 [43]

NB

Anfang der Vorrede

 

Der Goldmacher ist der einzige wahre Wohlthäter der Menschheit.

Daß man Werthe umwerthet, daß man aus Wenigem Viel, aus Geringem Gold macht: die einzige Art Wohlthäter der Menschheit

es sind die einzigen Bereicherer

die Anderen sind bloß Wechsler

Denken wir einen extremen Fall: daß es etwas am meisten Gehaßtes, Verurtheiltes gäbe—und daß gerade das in Gold verwandelt werde: Das ist mein Fall ...

16 [44]

Ich bin mitunter beinahe neugierig danach, zu hören, wie ich bin. Meinen eigenen Gewohnheiten liegt diese Frage auf eine absurde Weise fern

Mein typisches Erlebniß (—man hat dergleichen

In meinem Leben giebt es wirklich Überraschungen: das kommt daher, daß nicht gern mit dem, was möglich sein könnte, beschäftigt bin: Beweis, wie sehr ich in Gedanken lebe ... Ein Zufall brachte mir das vor einigen Tagen zu Bewußtsein: in mir fehlt der Begriff “Zukunft”, ich sehe vorwärts wie über eine glatte Fläche: kein Wunsch, kein Wünschchen selbst, kein Pläne-machen, kein Anders-haben-wollen. Vielmehr bloß das, was von jenem heiligen Epicureer uns verboten ist: die Sorge für den nächsten Tag, für Morgen ... das ist mein einziger Kunstgriff: ich weiß heute, was morgen geschehen soll.

naufragium feci: bene navigavi,

16 [45]

das Klapperschlangen-Glück des großen Zauberers, dem die Unschuldigsten in den Rachen laufen ...

16 [46]

die Cultur-Cretins, die “Ewig-Weiblichen”,

16 [47]

in Deutschland, wo der Vaporismus des Ideals nicht einen Einwand gegen einen Künstler begründet, sondern beinahe dessen Rechtfertigung (—er wird Schiller zu Gute gerechnet! ... und wenn man sagt Schiller und Goethe, meint man, der Erstere sei als Idealist der Höhere gewesen, der Ächte: dieser Attitüden-Held!

16 [48]

Was das hysterisch-heroische Weib betrifft, das Richard Wagner erfunden in Musik gesetzt hat, ein Zwittergebilde zweideutigsten Geschmacks:

daß dieser Typus selbst in Deutschland nicht gänzlich degoutirt hat, hat darin seinen Grund wenn auch durchaus noch nicht sein Recht, daß bereits ein unvergleichlich größerer Dichter als Wagner, der edle Heinrich von Kleist, ihm daselbst die Fürsprache des Genies gegeben hatte. Ich bin fern davon, Wagner selbst hier abhängig von Kleist zu denken: Elsa, Senta, Isolde, Brünnhilde, Kundry sind vielmehr Kinder der französischen Romantik und haben ein

16 [49]

Die Größe eines Musikers mißt sich nicht nach den schönen Gefühlen, die erregt: das glauben die Weiber—sie mißt sich nach der Spannkraft seines Willens, nach der Sicherheit, mit der das Chaos seinem künstl Befehl gehorcht und Form wird, nach Nothwendigkeit, welche seine Hand in eine Abfolge von Formen legt. Die Größe eines Musikers—mit Einem Worte wird gemessen an seiner Fähigkeit zum großen Stil.

16 [50]

Ich suche mir ein Thier, das mir nach tanzt und ein ganz klein Bischen mich—liebt ...

16 [51]

Entwurf.

1.Die wahre und die scheinbare Welt.
2.Der Philosoph als Typus der décadence
3.Der religiöse Mensch als Typus der décadence
4.der gute Mensch als Typus der décadence
5.Die Gegenbewegung: die Kunst!
6.Das Heidnische in der Religion.
7.Die Wissenschaft gegen Philosophie.
8.Die Politiker gegen Priester—gegen die Herauslösung aus den Instinkten, das Unheimischwerden. (Volk, Vaterland, Weib—alle die concentrirenden Mächte gegen das “Unheimisch-sein”)
9.Kritik der Gegenwart: wohin gehört sie?
10.Der Nihilismus und sein Gegenstück: die Jünger der “Wiederkunft”
11.Der Wille zur Macht als Leben: Höhepunkt des historischen Selbstbewußtseins (letzteres bedingt die kranke Form der modernen Welt ...)
12.Der Wille zur Macht: als Disciplin.

16 [52]

Die décadents als Excremente der Gesellschaft betrachtet

nichts kann ungesünder sein als dieselben als Nahrungsmittel gebrauchen —

16 [53]

Theorie der Erschöpfung:

das Laster
die Geisteskranken (resp. die Artisten ...
die Verbrecher
die Anarchisten

das sind nicht die unterdrückten Rassen, sondern der Auswurf der bisherigen Gesellschaft aller Classen ...

Mit der Einsicht, daß alle unsere Stände durchdrungen sind von diesen Elementen, haben wir begriffen, daß die moderne Gesellschaft keine “Gesellschaft”, kein “Körper” ist, sondern ein krankes Conglomerat von Tschandala

— eine Gesellschaft, die die Kraft nicht mehr hat, zu exkretiren

In wiefern durch das Zusammenleben seit Jahrhunderten die Krankhaftigkeit vieltiefer geht:

die moderne Tugend 
die moderne Geistigkeitals Krankheitsformen
unsere Wissenschaft 

16 [54]

Der Irrthum ist der kostspieligste Luxus, den sich der Mensch gestatten kann; und wenn der Irrthum gar ein physiologischer Irrthum ist, dann wird er lebensgefährlich. Wofür hat folglich die Menschheit bisher am meisten gezahlt, am schlimmsten gebüßt? Für ihre “Wahrheiten”: denn dieselben waren allesammt Irrthumer in physiologicis ...

16 [55]

Physiologisch nachgerechnet, ist “Kritik der reinen Vernunft” bereits die Präexistenz-Form des Cretinismus: und das System Spinozas eine Phänomenologie der Schwindsucht

16 [56]

Mein Satz, in eine Formel gedrängt, die alterthümlich riecht, nach Christenthum, Scholastik und anderem Moschus: im Begriff “Gott als Geist” ist Gott als Vollkommenheit negirt ...

16 [57]

Das hat keine Kinder; kaum Sinne.

16 [58]

Für die Spinne ist die Spinne das vollkommenste Wesen; für den Metaphysiker ist Gott ein Metaphysiker: das heißt, er spinnt ...

16 [59]

Das Volk glaubt an apokryphe “Wahrheiten” —

16 [60]

Weiber, Gold, Edelsteine, Tugend, Reinheit, Wissenschaft, einen guten Rath, kurz Alles, was nützlich und schön ist, darf man nehmen, woher es auch kommt.

* *

Für seinen Respekt vor seiner Mutter wird der Jünger erst seine irdische Hülle los: für seinen Respekt vor seinem Vater wird er jene noch subtilere Gestalt los, die ihn in der Luft umkleidet; für seinen Respekt vor seinem Lehrer wird er noch leichter, noch reiner und steigt empor zu der Wohnung Brahma’s.

* *

Daß er niemals im Schweigen des Waldes, oder am Rande klarer Quellen oder in der tiefen, tiefen Mitternacht das Gebet vernachlässige, dessen unendlicher Inhalt inbegriffen ist in der Einsilbe “Om”



Nachdem sie ihre theologischen Studien absolvirt haben, dürfen die jungen Brahmanen, die jungen Xchatria und Vaysia in die Kategorie der Familienväter eintreten. Der “Zweimalgeborene” soll dann seinen Stab nehmen und sich auf die Suche machen nach einem Weib aus seiner Kaste, die durch ihre Qualitäten glänzt und den Vorschriften Genüge thut.

Er hüte sich vor der Verbindung mit einem Weibe aus einer Familie, die nicht ihre religiöse Pflicht erfüllt, oder in der die Zahl der Töchter größer ist als die der Söhne oder in der einzelne Glieder Difformitäten, oder Schwindsucht, Dyspepsie, Hämorrhoiden und dergleichen haben.

Er fliehe diese Familie, wie groß auch ihre Macht, ihr Name, ihr Reichthum sei.

Er suche eine Frau schön von Gestalt, deren Name sich angenehm ausspricht, mit dem Schritte eines jungen Elephanten, mit seidenweichem Haar, sanfter Stimme und kleinen regelmäßigen Zähnen; eine solche, deren Leib wie mit leichtem duvet bedeckt ist

Ein schönes Weib macht die Freude eines Hauses, hält die Liebe ihres Gatten fest und bringt ihm wohlgestaltete Kinder

Er hüte sich ein Mädchen zu heirathen, das keinen Bruder hat oder dessen Vater man nicht kennt.

Für einen Brahmanen, der sich mit einer Sudra (aus der Dienstboten-Rasse) verbindet und von ihr einen Sohn hat, giebt es auf Erden keine Art Sühnung.

16 [61]

Wilhelm von Humbold, der edle Flachkopf

16 [62]

“Jeder und Alle in ewiger Erneuung und Zerstreuung sich selbst zerstören.”
Göthe.

16 [63]

Es wird den Freunden des Philosophen Friedrich Nietzsche von Werth sein, zu hören, daß letzten Winter der geistreiche Däne Dr. Georg Brandes einen längeren Cyklus von Vorlesungen an der Kopenhagener Universität diesem Philosophen gewidmet hat. Der Redner, dessen Meisterschaft im Darlegen schwieriger Gedankenkomplexe nicht erst sich zu beweisen hatte, wußte eine Zuhörerschaft von mehr als 300 Personen für die neue und verwegene Denkweise des deutschen Philosophen lebhaft zu interessiren: so daß die Vorlesungen in eine glänzende Ovation zu Ehren des Redners und seines Themas ausliefen.

16 [64]

Wir Immoralisten
Unter Künstlern
Kritik der Freigeisterei
Der Skeptiker redet
.

16 [65]

Die Meistersinger verherrlichen D’s Genie, das nichts gelernt hat: ausgenommen was es von den Vöglein gelernt hat—das Genie begriffen als “die edele, überdies “Ritter” ...

16 [66]

Zur Vorrede.

Was allein kann uns wiederherstellen? Der Anblick des Vollkommenen: ich lasse das Auge trunken herumschweifen: haben wir’s nicht herrlich weit gebracht?

16 [67]

Wagner’s Stil hat auch seine Jünger angesteckt: das Deutsch der Wagnerianer ist der verblümteste Unsinn, der seit dem Schellingschen geschrieben worden ist. Wagner selbst gehört als Stilist noch in jene Bewegung, gegen die Schopenhauer seinen Zorn ausgelassen hat:—und der Humor kommt auf die Spitze, wenn er sich als “Retter der deutschen Sprache” gegen die Juden aufspielt.— Um den Geschmack dieser Jünger zu zeichnen, gestatte ich mir ein einziges Beispiel. Der König von Bayern, der ein bekannter Päderast war, sagte einmal zu Wagner: also Sie mögen die Weiber auch nicht? sie sind so langweilig ... Nohl (der Verfasser eines in sechs Sprachen übersetzten “Leben Wagners”) findet diese Meinung “jugendlich umfangen”

16 [68]

Ein Kritiker
der modernen Seele
.

16 [69]

Wie kommt es zuletzt, daß Parsifal einen Sohn hat, den berühmten Lohengrin? Sollte das der erste Fall der immacolata

16 [70]

Worum es sich handelt?
das religiöse Mißverständniß.
das moralische Mißverständniß.
das philosophische Mißverständniß.
das aesthetische Mißverständniß.

16 [71]

  Die Herkunft der Werthe.
 Die erfundene Welt
die erfundene WeltPhilosophie als décadence
 Gedanken über das Christenthum
   
IIDie Realitäten hinter der Moral.
die wahre Welt
Zur Physiologie der Kunst.
Warum Wahrheit?
III Kritik der Modernität.
  Die ewige Wiederkunft.
Aus der siebenten Einsamkeit.

16 [72]

1.Gegensatz der Werthe: Pessimismus, Nihilismus, Scepsis
  
2.Kritik der Philosophie
3.Kritik der Religion
4.Kritik der Moral.
  
5.Die erfundene Welt
6.Warum Wahrheit?
7.Zur Physiologle der Kunst.
  
8.Problem der Modernität.
9.Die ewige Wiederkunft.
10.Aus der siebenten Einsamkeit.

16 [73]

Zur Physiologie der Kunst

Das Problem des Sokrates

Moral:Zähmung oder ZüchtungDie Realitäten hinter der Moral.
der Kampf mit den Passionen und deren Vergeistigung.
Naturalismus der Moral und Entnatürlichung.
 
Zeit und Zeitgenossen.
 
Aus der siebenten Einsamkeit.
Warum Wahrheit?
Der Wille zur Wahrheit.
Psychologie der Philosophen
Vom Willen zur Wahrheit.
 
Civilisation und Cultur: ein Antgoismus.

16 [74]

X—schmerzhaft-nachdenklich

1.Bizet’s Musik—der Philosophironisch
2.Süden, Heiterkeit, mau Tanz Liebefremd-interessant
3.der “Erlöser”—Schopironisch
4.der “Ring”, Schopenhauer als Erlöser Wagnersfremd-interessant
5.der décadent—grimmig!grimmig!
6.scherzhaft “Ahnen” “Umwerfen” “Erheben”ironisch
7.“Hysterismus” “Stil” die kleinen Kostbarkeitenfremd-interessant
8.“niederwerfende Wirkung” “der Victor
Hugo der Sprache” “Talma”
“alla genovese”
lobend-rasch
9.“Handlung” “Edda” “ewiger Gehalt”
“Madame Bovary” “kein Kind”
ironisch
10.“Litteratur” “Idee” “Hegel” “deutscher
Jüngling”—was wir vermissen?
ironisch-fremd-
interessant
11.lobend, stark, thatsächlich “der Schauspieler”stark-huldigend
12.drei Formelngrimmig
 
zu 10) Wagner ist dunkel, verwickelt, siebenhäutig
 
8 das bleibt ernst selbst bei Wagners “Contrapunkt”

16 [75]

Hier sind zwei Formeln, aus denen ich das Phänomen Wagner’s begreife. Die eine heißt:

die Principien und Praktiken Wagner’s sind allesamt zurückführbar auf physiologische Nothstände: sie sind deren Ausdruck (“Hysterismus” als Musik)

Die andere heißt:

die schädliche Wirkung der W Kunst beweist deren tiefe organische Gebrechlichkeit, deren Corruption. Das Vollkommene macht gesund; das Kranke macht krank. Die physiologischen Nothstände, in die Wagner seine Hörer versetzt (unregelmäßiges Athmen, Störung des Blutumlaufs, extreme Irritabilität mit plötzlichem Coma) enthalten eine Widerlegung seiner Kunst

Mit diesen zwei Formeln ist nur die Folgerung jenes allgemeinen Satzes gezogen, der für mich das Fundament aller Aesthetik abgiebt: daß die aesthetischen Werthe auf biologischen Werthen ruhen, daß die aesthetischen Wohlgefühle biologische Wohlgefühle sind.

16 [76]

Fälle, wo man nicht die Leidenschaft, sondern die Peitschenschläge hört, welche Wagner mit beleidigender Grausamkeit an seinen armen Gaul Pegasus verschwendet

die Peitschenschläge, mit denen Wagner den armen Pegasus mißhandelt (2 Akt des Tristan

die Armut: wie ökonomisch er an Einfällen ist—eine geistreiche Armut: langweilig ...

es fehlen die Gedanken, ganz wie bei Viktor Hugo: alles ist Attitüde,

16 [77]

1.der Schauspieler
2.die Verderbniß der Musik —
  die Musik von außen her am Bändchen
  geführt—“es bedeutet”—
  extreme Detail-Belebung
  Wechsel der Optik
 der “große Stil”—Niedergang, Verarmung der organisirenden Kräfte.
  — Mangel der Tonalität
  — Mangel der Eurhythmie (“Tanz”)
  — Unfähigkeit des Baus (“Drama”)
  — Mittel zum Tyrannisiren
 die “fixe Idee” (oder das Leitmotiv)
3.die Schädlichkeit der Musik
 das Wunder
 die Idiosynkrasie
4.Werth der Stoffe
  seine Bildung “Stil” “Hegelei”
5.Frankreich—Deutschland
6.Die Heraufkunft des histrio
7.der décadent: extr Irritabilität —
  Mangel an Tonalität
  Mangel an Eurhythmie
  Unfähigkeit zu bauen
  Übertreibung des Details
  Unruhe der Optik.
 Charakter-Instabilität: Wechsel der Person
  Mangel an Stolz
  Ausschweifung und Erschöpfung
 die Armut, geschickt verleugnet
  als Musik
  als “mythische Auslegung”
8.“Wie kann man seinen Geschmack an diesen décadent verlieren?”
 der Schauspieler
  Art der Wirkung. Geschichte der Wirkung.
  Musik als Theater-Rhetorik. V. Hugo
  der “Dramatiker”
9.der Schädliche:
1. physiologisch
2. intellektuell (die “Jünglinge”
3. Tendenz des “Mitleidens”
irrationell
Wunder
Symbolik
10.die nihilistische Kunst:
  Schopenhauer’s Tendenz des Tragischen
11.Heraufkunft des Schauspielers
12.Drei Forderungen

16 [78]

Tristan und Isolde, wirklich mit erlebt, sind beinahe eine Ausschweifung.

Man kann in Wirklichkeit jungen Frauen nicht ernst genug diese Gewissens-Alternative stellen: aut Wagner aut liberi.

16 [79]

Wagner hat nie gehen gelernt. Er stürzt, er stolpert, er mißhandelt den armen Pegasus mit Peitschenschlägen. Lauter falsche Leidenschaft, lauter falscher Contrapunkt Wagner ist unfähig jedes Stils. —



künstlich, geleimt, falsch, Machwerk, Unthier, Pappe.

16 [80]

Der Fall Wagner.
Ein Musikanten-Problem
von
F. N.

Unter diesem Titel erscheint in meinem Verlage ein geniales Pamphlet gegen Wagner, das bei Freund und Feind auf das Lebhaftigste diskutirt werden wird. Herr Prof. Nietzsche, dem Jedermann zugestehen wird, der tiefste Kenner der Bay Bewegung zu, faßt hier das Werth-Problem, das jene Bewegung in sich schließt, an den Hörnern; er beweist, daß es Hörner hat. Die Widerlegung W, welche diese Schrift giebt, ist nicht bloß eine aesthetische: sie ist vor allem eine physiologische. Nietzsche betrachtet Wagner als eine Krankheit, als eine öffentliche Gefahr.

16 [81]

Ich habe den Menschen das tiefste Buch gegeben, das sie besitzen, den Zarathustra; ein Buch, das so sehr auszeichnet, daß wenn Jemand sagen kann “ich habe sechs Sätze davon verstanden, das heißt erlebt” zu einer höheren Ordnung der Menschen gehört ... Aber wie man das büßen muß! abzahlen muß! es verdirbt beinahe den Charakter ... Die Kluft ist zu groß geworden...

16 [82]

die modernen Ideen als falsch.

“Freiheit”
“gleiche Rechte”
“Menschlichkeit”
“Mitleiden”
“das Genie”
demokratisches Mißverständniß (als Folge des milieu, des Zeitgeistes)
pessimistisches Mißverständniß (als verarmtes Leben, als Loslösung des “Willens”)
das décadence-Mißverständniß (névros)
“das Volk”
“die Rasse”
“die Nation”
“Demokratie”
“Toleranz”
“das milieu”
“Utilitarismus”
“Civilisation”
“Weiber-Emancipation”
“Volks-Bildung”
“Fortschritt”
“Sociologie”

16 [83]

Die Necessität der falschen Werthe.

Man kann ein Urtheil widerlegen, indem man seine Bedingtheit nachweist: damit ist die Nothwendigkeit, es zu haben, nicht abgeschafft. Die falschen Werthe sind nicht durch Gründe auszurotten: so wenig wie eine krumme Optik im Auge eines Kranken. Man muß ihre Nothwendigkeit, dazusein, begreifen: sie sind eine Folge von Ursachen, die mit Gründen nichts zu thun haben

16 [84]

Wenn man “mit Chr und Mose” die natürliche Causalit aus der Welt schafft, bedarf man einer widernatürlichen: der ganze Rest von Muckerei folgt nunmehr.

16 [85]

Psychologie des Irrthums.

1) Verwechslung von Ursache und Wirkung
2) Verwechslung der Wahrheit mit der Wirkung des als wahr Geglaubten.
3) Verwechslung des Bewußtseins mit der Ursächlichkeit

Moral als Irrthum.
Religion als Irrthum.
Metaphysik als Irrthum.
Die modernen Ideen als Irrthümer.

16 [86]

Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe.

I. Psychologie des Irrthums.
1) Verwechslung von Ursache und Wirkung
2) Verwechslung der Wahrheit mit dem als wahr Geglaubten
3) Verwechslung des Bewußtseins mit der Ursächlichkeit
4) Verwechslung der Logik mit dem Prinzip des Wirklichen

II. Die falschen Werthe.
1) Moral als falsch
2) Religion als falsch
3) Metaphysik als falsch
4) die modernen Ideen als falsch
alle bedingt durch die vier Arten des Irrthums.

III. Das Kriterium der Wahrheit.
1) der Wille zur Macht
2) Symptomatologie des Niedergangs
3) Zur Physiologie der Kunst
4) zur Physiologie der Politik

IV. Kampf der falschen und der wahren Werthe.
1) Nothwendigkeit einer doppelten Bewegung
2) Nützlichkeit einer doppelten Bewegung
3) die Schwachen
4) die Starken.

16 Capitel: je 37 Seiten.— 16 Capitel: je 35 Seiten.

Das Kriterium der Wahrheit.
Der Wille zur Macht, als Wille zum Leben—des aufsteigenden Lebens.
Die grossen Irrthümer als Folge der décadence.
Zur Physiologie der Kunst.
Symptomatologie des Niedergangs.

Der Kampf der Werthe
Nützlichkeit einer doppelten Bewegung.
Nothwendigkeit derselben.
Die Schwachen.
Die Starken.

16 [87]

Man soll das Christenthum nicht mit jener Einen Wurzel verwechseln, an die es mit seinem Namen erinnert: die andern Wurzeln, aus denen es gewachsen ist, sind bei weitem mächtiger, wichtiger als sein Kern gewesen; es ist ein Mißbrauch ohne Gleichen, wenn solche schauerlichen Verfalls-Gebilde und Mißformen, die “christliche Kirche” “christlicher Glaube” “christliches Leben” heißen, sich mit jenem heiligen Namen abzeichnen. Was hat Chr verneint?— Alles, was heute christlich heißt.

16 [88]

Das Schlimmste ist, daß alles zu tief ins Herz einschneidet: fast jedes Jahr hat mir 3, 4 Dinge gebracht, an sich unerheblich, an denen ich beinahe zu Grunde gieng.

Nicht daß ich damit Jemandem Vorwürfe mache. Ge M haben einfach gar keinen Begriff davon, in welchem Fall sie Einen tödtlich verletzen und was ihn ein paar Monate krank macht.

16 [89]

Der moderne Künstler, in seiner Physiologie dem Hysterismus nächstverwandt, ist auch als Charakter auf diese Krankhaftigkeit hin abgezeichnet. Der Hysteriker ist falsch: er lügt aus Lust an der Lüge, er ist bewunderungswürdig in jeder Kunst der Verstellung—es sei denn, daß seine krankhafte Eitelkeit ihm einen Streich spielt. Diese Eitelkeit ist wie ein fortwährendes Fieber, welches Betäubungsmittel nöthig hat und vor keinem Selbstbetrug, vor keiner Farce zurückschreckt, die eine augenblickliche Linderung verspricht. Unfähigkeit zum Stolz und beständig Rache für eine tief eingenistete Selbstverachtung nöthig zu haben—das ist beinahe die Definition dieser Art von Eitelkeit. Die absurde Erregbarkeit seines Systems, die aus allen Erlebnissen Krisen macht und “das Dramatische” in die geringsten Zufälle des Lebens einschleppt, nimmt ihm alles Berechenbare: er ist keine Person mehr, höchstens ein Rendezvous von Personen, von denen bald diese, bald jene mit unverschämter Sicherheit herausschießt. Eben darum ist er groß als Schauspieler: alle diese armen Willenlosen, welche die Ärzte in der Nähe studiren, setzen in Erstaunen durch ihre Virtuosität der Mimik, der Transfiguration, des Eintretens in fast jeden verlangten Charakter.

13, 16[1-89] Frühjahr-Sommer 1888

16 [1]

Turin, 21. April, under way

“My brothers, said the eldest dwarf, we are in danger. I understand the attitude of this giant. He is about to drizzle on us. When a giant drizzles, there is a deluge. We are lost if he drizzles. I do not speak of the affreus element in which we would drown.”

“Problem—said the second dwarf—how to prevent a giant from drizzling?”

“Problem—said the third dwarf—how to prevent a great one from doing something great greatly?”

“I thank you,” answered the oldest dwarf with dignity. “Thus the problem is taken more philosophically, its interest doubled, its solution prepared.”

“We must frighten him,” said the fourth dwarf.

“We must tickle him,” said the fifth dwarf.

“We must bite him in the toes,” said the sixth dwarf.

“Let us do everything at once,” decided the eldest. “I see we are equal to this situation. This giant will not crumble.”

16 [2]

The Risked and Phantom-like in Existence —

Night of 27 April

16 [3]

Imaginary Causes

16 [4]

To take everything terrible into service, individually, tentatively, step by step—that is the task of culture. But until it is strong enough to do so, it must combat it, moderate it, veil it, and under certain circumstances curse and destroy it. Wherever a culture sets its evil in motion, it thereby expresses a relationship of fear: its weakness betrays itself. In itself, all good is an evil of yore that has been made serviceable.

16 [5]

This provides a measure: the more terrible and greater the passions that an age, a people, an individual can permit themselves, because they know how to use them as a means, the higher their culture. Conversely: the more mediocre, weaker, submissive, and cowardly—virtuous—a person is, the further they will place the realm of evil. The lowest person must see the realm of evil (that is, what is forbidden and hostile to them) everywhere. —

16 [6]

Education: a system of means to ruin the exceptions in favor of the rule. Culture: a system of means to direct taste against the exception, in favor of the average. It is harsh; but, economically considered, perfectly reasonable. At least for a long time, where a culture still maintains itself with difficulty, and every exception represents a kind of waste of strength (something that distracts, seduces, weakens, isolates). A culture of exception, of experiment, of danger, of nuance—a greenhouse culture for the unusual plants—has a right to exist only when there is enough strength that even waste becomes economic.

16 [7]

Mastery over the passions, not their weakening or eradication! The greater the masterly power of our will, the more freedom may be granted to the passions. The great man is great through the freedom of scope of his desires: he is strong enough to make domestic animals out of these wild beasts ...

16 [8]

The “good person” at every stage of civilization is the harmless and useful at the same time: a kind of middle ground, the expression in common consciousness of someone before whom one need not be afraid and whom one nonetheless must not despise ...

16 [9]

In the struggle against the great people lies much reason. They are dangerous, accidents, exceptions, storms, strong enough to call into question what has been built and founded slowly, to turn people into question marks regarding what was firmly believed. Not only to discharge such explosive materials harmlessly, but if at all possible, to prevent their emergence and accumulation in the first place: this is what the instinct of every civilized society advises.

16 [10]

The high points of culture and civilization lie apart: one should not be misled by the abysmal antagonism between culture and civilization. The great moments of culture have always been, morally speaking, times of corruption; and again, the epochs of the intended and enforced taming of the beast (“civilization”—) in man were times of intolerance for the most spiritual and boldest natures. Civilization wants something different from what culture wants: perhaps something opposite...

16 [11]

— Decisiveness and consequence: according to Goethe, the most admirable in man —

16 [12]

Life itself is not a means to something; it is merely a growth-form of power.

16 [13]

Modest, industrious, benevolent, temperate, full of peace and friendliness: is that how you want people to be? Is that how you imagine the good person? But what you achieve with that is only the Chinese of the future, the “sheep of Christ,” the perfect Socialist...

16 [14]

Whoever cannot set themselves as a purpose, nor set purposes at all from themselves, gives honor to the morality of self-renunciation. Everything persuades him to it, his cleverness, his experience, his vanity...

16 [15]

The struggle against the “old faith,” as undertaken by Epicurus, was, in the strict sense, the struggle against pre-existent Christianity,—the struggle against the already darkened, moralized, saturated with guilt feelings, aged and sick old world.

Not the “corruption of morals” of antiquity, but precisely its moralization is the prerequisite under which alone Christianity could gain mastery over it. The moral fanaticism (in short: Plato) destroyed paganism by inverting its values and giving its innocence poison to drink.— We should finally understand that what was destroyed was the higher, compared with what gained mastery!—Christianity grew out of physiological corruption, took root only in corrupted soil ...

16 [16]

We few or many who dare to live again in a demoralized world, we heathens by belief: we are probably also the first to understand what a heathen belief is: to have to imagine higher beings than man is, but these beings beyond good and evil; to have to assess all higher-being also as immoral-being. We believe in Olympus—and not in the “Crucified”...

16 [17]

One seems to use history for nothing but the same old fallacy: “this or that form perished, therefore it is refuted.” As if perishing were an objection, or even a refutation!— What is proven by the perishing of the last aristocratic social order? That we no longer need such an order? ...

16 [18]

Among Germans, having intellect is not enough: one must also take it, take intellect for oneself. Among Frenchmen, one must have the courage to be German.

16 [19]

Be now also clever, after you have become wise! A crude affect, a vice, a madness—this is now your kind of redemption!

16 [20]

— and if my philosophy is a hell, then I will at least pave the way to it with good maxims.

16 [21]

If the character of existence were to be false, if existence had a “bad character”—and that is precisely what would be possible—what would then be the truth, all our truth? One more falsehood?

16 [22]

If one has done something foolish, one should quickly send two wise things after it: that way one can retrieve it again.

16 [23]

How weak the will must have become to misunderstand the world in Schopenhauer's way as "will"! In the philosopher, the will is lacking, however much is talked about the will (—just as in the New Testament the spirit is lacking, despite even "the Holy Spirit"—)

16 [24]

Without music, life would be a mistake.

16 [25]

The human being, a small, overstrained animal species that—fortunately—has its time; life on Earth in general a moment, an incident, an exception without consequence, something that remains insignificant for the overall character of the Earth; the Earth itself, like every star, a hiatus between two nothings, an event without plan, reason, will, self-consciousness, the worst kind of necessity, the stupid necessity... Against this view, something in us rebels; the serpent of vanity whispers to us, "All this must be false: for it outrages... Could this not all be mere appearance? And man, despite everything, to speak with Kant,"

16 [26]

That “evil” should be an objection to existence! But what has made us feel disgust the longest? Is it not the aspect of “the good,” is it not the impossibility of being able to avoid “the good”? Is it not the thought of “God”?

16 [27]

When one is sick, one should hide away: only thus is it philosophical, only thus is it animal...

16 [28]

There are morning thinkers, there are afternoon thinkers, there are night owls. Not to forget the noblest species: the Midday Ones,—those in whom the great Pan constantly sleeps. There all light falls perpendicularly ...

16 [29]

We lack in music an aesthetic that would know how to impose laws on musicians and create a conscience; we lack, as a consequence, a real struggle over “principles”—for as musicians we laugh at Herbart’s velleities in this field just as much as at Schopenhauer’s. In fact, this gives rise to a great difficulty: we no longer know how to justify the concepts of “model,” “mastery,” “perfection”—we grope blindly with the instinct of old love and admiration in the realm of values, we almost believe “good is what we like”... It arouses my mistrust when Beethoven is quite innocently called a “classic” everywhere: I would strictly maintain that in other arts, a classic is understood to be the opposite type of Beethoven’s.

But when the perfect and glaring dissolution of Wagner's style, his so-called dramatic style, is taught and revered as a "model," as "mastery," as "progress," my impatience reaches its peak. The dramatic style in music, as Wagner understands it, is the renunciation of style altogether, on the assumption that something a hundred times more important than music exists—namely, drama. Wagner can paint; he does not use music for music's sake; he intensifies attitudes; he is a poet; finally, he has appealed to "beautiful feelings" and "elevated bosoms," just like all theater artists—with all this, he has won over women and even the educationally needy. But what do women and the educationally needy have to do with music!This has no conscience for art; it does not suffer when all the first and most indispensable virtues of an art are trampled upon and mocked for the sake of secondary intentions, as ancilla dramaturgica.— What does it matter to expand the means of expression if that which expresses, art itself, has lost the law for itself? The pictorial splendor and power of tone, the symbolism of sound, rhythm, color tones of harmony and disharmony, the suggestive significance of music in relation to other arts, the entire sensuality of music brought to dominance with Wagner—all this Wagner recognized in music, extracted, developed. Victor Hugo did something similar for language: but already today in France, in the case of Victor Hugo, one asks whether it was not to the ruin of language...whether, with the increase of sensuality in language, reason, spirituality, the deep lawfulness in language has not been suppressed? That the poets in France have become sculptors, that the musicians in Germany have become actors and culture-painters—are these not signs of décadence?



Wagner does everything possible with the help of music that is not music: he conveys swellings, virtues, passions.



Music is for him a means



Has not all more spiritual beauty been lost to it, the lofty, overweening perfection that still embraces grace in the venture, the intoxicating leap and dance of logic, the

16 [30]

For a warrior of knowledge, who is always engaged in battle with ugly truths, the belief that there is no truth at all is a great bath and stretching of limbs.— Nihilism is our kind of idleness ...

16 [31]

Virtue is, under certain circumstances, merely a venerable form of stupidity: who could therefore bear it ill will? And this kind of virtue has not yet died out today. A kind of sturdy peasant simplicity, which is possible in all classes and which one can only encounter with veneration and a smile, still believes today that everything is in good hands, namely in the “hand of God”: and when they uphold this statement with that modest certainty, as if they were saying that two times two is four, then we others will be careful not to contradict.

Why cloud this pure folly? Why darken it with our cares regarding man, people, purpose, future? And even if we wanted to, we could not. They reflect their own venerable foolishness and goodness into things within (for the old god, deus myops, still lives in them!); we others—we see something else within things: our riddle-nature, our contradictions, our deeper, more painful, more suspicious wisdom.

16 [32]

How I recognize my equals.— Philosophy, as I have understood and lived it so far, is the voluntary seeking out of even the cursed and infamous sides of existence. From the long experience that such a journey through ice and desert gave me, I learned to view everything that has philosophized hitherto differently:—the hidden history of philosophy, the psychology of its great names came to light for me. “How much truth can a spirit endure, how much truth does it dare?”—this became for me the true measure of value. Error is a cowardice ... every achievement of knowledge follows from courage, from hardness against oneself, from cleanliness toward oneself ...Such an experimental philosophy, as I live it, tentatively anticipates the possibilities of fundamental nihilism: without implying that it would remain at a No, at a negation, at a will to No. It wants rather to go through to the opposite—to a Dionysian Yes-saying to the world as it is, without subtraction, exception, or selection—it wants the eternal recurrence,—the same things, the same logic and illogic of the knots. Highest state a philosopher can attain: to stand Dionysian toward existence—: my formula for this is amor fati ...

— This includes not only understanding the previously denied aspects of existence as necessary, but as desirable: and not just desirable in relation to the previously affirmed aspects (as their complements or prerequisites), but for their own sake, as the more powerful, fruitful, truer aspects of existence, in which its will expresses itself more clearly.In like manner, it belongs here to assess the hitherto solely affirmed side of existence; to comprehend whence this valuation stems and how little it is binding for a Dionysian valuation of existence: I drew out and understood what actually says Yes here (the instinct of the suffering once, the instinct of the herd another time, and that third, the instinct of the majority, in contradiction to the exceptions—) I thereby guessed in what respect a different, stronger type of human being would necessarily have to imagine the elevation and intensification of humanity in another direction: higher beings as beyond good and evil, as beyond those values that cannot deny their origin in the sphere of suffering, the herd, and the majority—I sought the beginnings of this reversed ideal formation in history (the concepts “pagan,” “classical,”“refined” rediscovered and presented—)

16 [33]

Richard Wagner remains, assessed solely in terms of his value for Germany and German culture, a great question mark, perhaps a German misfortune, a fate in any case: but what does that matter? Is he not much more—than just a German event? ... It even seems to me that he belongs nowhere less than in Germany; nothing there is prepared for him, his entire type stands among Germans simply as foreign, strange, misunderstood, incomprehensible.

But one guards against admitting this to oneself: one is too good-natured, too square, too German for that. “Credo quia absurdus est”: thus the German spirit wills it and has always willed it in this case as well—and thus it believes for now everything that Wagner wanted to believe about himself. The German spirit has always lacked finesse and divination in psychologicis. Today, under the high pressure of patriotism and self-admiration, it thickens and coarsens increasingly: how could it be equal to the problem of Wagner! —

16 [34]

In essence, Wagner's music is still literature, just as much as the entire French Romanticism; the magic of exoticism, foreign times, customs, passions, exerted on sensitive eccentrics; the delight upon entering the vast distant foreign ancient land, to which access is gained through books, whereby the entire horizon was painted with new colors and possibilities ... The premonition of even more distant unexplored worlds; the Dédain against the boulevards ... Nationalism, namely, let us not be deceived, is also just a form of exoticism ... The romantic musicians tell what the exotic books have made of them: one would like to experience Exotica, passions in Florentine or Venetian taste: finally one is content to seek them in the image ...

The essential thing is the kind of new desire, a wanting-to-imitate, wanting-to-relive, the disguise, the pretence of the soul... Romantic art is only a makeshift for a botched "reality"...

Napoleon, the passion for new possibilities of the soul... The expansion of the soul's space...

The attempt to do something new: Revolution, Napoleon...

Fatigue of the will; all the greater excess in the desire to feel, imagine, dream something new...

Consequence of the excessive things one had experienced: craving for excessive feelings... Foreign literatures offered the strongest spices...

16 [35]

On the Future of Marriage:

a tax surcharge on inheritances, etc., also a military service surcharge for bachelors from a certain age onward and increasing (within the community)

advantages of all kinds for fathers who bring many boys into the world: under certain circumstances, a majority of votes

a medical protocol, preceding every marriage and signed by the community leaders: in which several specific questions from the engaged couple and the doctors must be answered (“family history”—

as a countermeasure against prostitution (or as its refinement): marriages for a fixed term, legalized (for years, months, days), with guarantees for the children

every marriage endorsed and supported by a certain number of trusted men of a community: as a community matter

16 [36]

the Romantics, all of whom, like their German master Friedrich Schlegel, are in danger (to quote Goethe) of “choking on the regurgitation of moral and religious absurdities”

the Schilleresque in Wagner: he brings “passionate eloquence, splendor of words, as the impulse of noble sentiments”—alloy with baser metal

“Had Schiller lived longer, he would have become the idol of his contemporaries, even those who found their feelings and thoughts reflected in Iffland and Kotzebue, in Nikolai and Merkel, and wealth and honors would have flowed to him in abundance.” Victor Hehn, G ü G p 109.

“the pervasive heartlessness” “the worthlessness or insignificance of the heroes”—one thinks of Niebuhr, who allows himself to say regarding Wilhelm Meister: “he is annoyed by the menagerie of tame animals”

in the refined circles, there was agreement that, to quote Jakobi, “an unclean spirit reigned within”

What was Goethe grateful to Schiller for? That Wilhelm Meister “swept him away and deeply moved him, even painfully filled him with the feeling of his own inadequacy. Thus, at last, from the midst of the hostile camp, a spirit had met him who could ascend to this height with him.”

to Körner in 1796: “toward Goethe, I am and remain a poetic scoundrel.”

Goethe's constellation faded in Schiller's eyes to the same extent that his own fame grew. He became the rival.

the typical hatred of the sick against the perfect—e.g., Novalis against Wilhelm Meister, who finds the book odious. "With straw and rags, the garden of poetry is imitated." "The understanding in it is like a naive devil." "Artistic atheism is the spirit of the book."— This at a time when he was raving about Tieck, who at the time seemed to be producing a disciple of Jakob Böhme

16 [37]

The effect of Wagnerian art is profound, it is above all heavy—centner-heavy: what is the reason for this? Certainly not, first of all, the Wagnerian music: one endures this music only when one has already been overwhelmed by something else and, as it were, become unfree. This something else is the Wagnerian pathos, to which he has merely invented his art as an addition; it is the enormous persuasive power of this pathos, its breathlessness, its refusal to let go of an extreme feeling, it is the terrifying length of this pathos with which Wagner triumphs and will triumph, so that in the end he even persuades us to his music... Is one a “genius” with such pathos? Or can one even be?

If one understands by the genius of an artist the highest freedom under the law, the divine lightness, levity in the most difficult, then Offenbach (Edm Audran) has even more claim to the name "genius" than Wagner.



Wagner is heavy, cumbersome: nothing is more foreign to him than moments of most exuberant perfection, such as this buffoon Offenbach achieves five, six times in almost every one of his bouffoneries.— But perhaps one may understand something different by genius.— Another question, which I also intend to answer only later: whether Wagner, precisely with such pathos, is German? a German is? ... Or rather not the exception of exceptions? ... Wagner is heavy, hundredweight heavy, consequently no genius? ...

16 [38]

Above all, give Wagner a thorough beating so that three-quarters remain: especially his recitative, which drives even the most patient to despair ... It is mere ambition on Wagner’s part to present his works as necessary down to the smallest detail ... the opposite is true, there is far too much that is superfluous, arbitrary, dispensable ... He lacks the ability to recognize necessity himself: how could he impose it on us?

16 [39]

To what extent the inability of a vulgar agitator to make the concept of "higher nature" clear to the masses goes, Buckle provides the best example. The opinion which he so passionately combats—that "great men," individuals, princes, statesmen, geniuses, generals are the levers and causes of all great movements—is instinctively misunderstood by him as if it were claimed that the essential and valuable aspect of such a "higher man" lies precisely in the ability to set masses in motion, in short, in their effect... But the "higher nature" of the great man lies in being different, in incommunicability, in the distance of rank—not in any effects: even if he shook the globe. —

16 [40]

Aesthete

Fundamental insight: what is beautiful and ugly.

Nothing is more conditional, let us say limited, than our sense of beauty. Whoever wished to think of it detached from man's pleasure in man would immediately lose ground beneath their feet. In beauty, man admires himself as a type: in extreme cases, he worships himself. It is in the nature of a type that he is only happy at the sight of his own image,—that he affirms himself and only himself. Man, no matter how much he sees the world heaped with beauties, has always only heaped it with his own "beauty": that is, he considers everything beautiful that reminds him of the feeling of perfection with which he stands as man among all things. Whether he has thereby actually beautified the world? ...And might the human being, in the eyes of a higher judge of taste, perhaps not be beautiful at all? ... I do not mean to say unworthy, but a little comical? ..

* * *

2

— Oh Dionysus, divine one, why do you pull me by the ears? I find a kind of humor in your ears, Ariadne: why are they not even longer? ...

* * *

“Nothing is beautiful: only the human being is beautiful.” Upon this naivety rests all our aesthetics: let it be its first “truth.”

Let us immediately add the complementary “truth,” which is no less naive: that nothing is ugly except the failed human being.

Where man suffers from ugliness, he suffers from the abortion of his type; and wherever he is reminded, even remotely, of such an abortion, he applies the predicate "ugly." Man has heaped the world with ugliness: that is to say, always only with his own ugliness... Has he really thereby uglified the world?...

* * *

All ugliness weakens and saddens man: it reminds him of decay, danger, powerlessness. One can measure the impression of ugliness with the dynamometer. Where he is depressed, some ugliness is at work. The feeling of power, the will to power—that grows with the beautiful, that falls with the ugly.

* * *

In instinct and memory, an enormous amount of material is accumulated: we have thousands of signs by which the degeneration of the type betrays itself to us. Wherever exhaustion, fatigue, heaviness, age, or lack of freedom, cramp, decomposition, decay are even hinted at, our deepest value judgment speaks immediately: there man hates the ugly ..

What he hates there is always the decline of his type. In this hatred lies the entire philosophy of art.

* * *

If my readers are sufficiently initiated to understand that even "the Good" in the great overall spectacle of life represents a form of exhaustion: then they will give credit to the consequence of Christianity, which conceived the Good as the ugly. Christianity was right in this. —

It is a worthlessness in a philosopher to say: the good and the beautiful are one; if he even adds “also the true”, one should beat him. Truth is ugly: we have art so that we do not perish from the truth.

* * *

7.

I became serious earliest about the relation of art to truth: and even now I stand with a sacred horror before this conflict.My first book dedicated to him; the birth of tragedy believes in art against the background of another belief: that it is not possible to live with the truth; that the “will to truth” is already a symptom of degeneration ...

I present the strangely gloomy and unpleasant conception of that book here once again. It has precedence over other pessimistic conceptions in that it is immoral:—it is not, like these, inspired by the Circe of philosophers, by virtue. —

Art in theBirth of Tragedy

16 [41]

Wagner is a capital fact in the history of the “European spirit” of the “modern soul”: just as Heinrich Heine was such a fact. Wagner and Heine: the two greatest frauds with which Germany has gifted Europe.

16 [42]

I distanced myself from Wagner when he took his retreat to the German god, to the German church, and to the German Reich: others were drawn to him precisely because of that.

16 [43]

NB

Beginning of the Preface

 

The alchemist is the only true benefactor of mankind.

That one transvalues values, that one makes Much from Little, Gold from the base: the only kind of benefactor of mankind

they are the only enrichers

the others are merely exchangers

Let us consider an extreme case: that there is something most hated, most condemned—and that precisely this is turned into gold: That is my case ...

16 [44]

I am sometimes almost curious to hear what I am like. This question lies absurdly far from my own habits

My typical experience (—one has such things

There are truly surprises in my life: this comes from the fact that I am not readily occupied with what could be possible: proof of how much I live in thoughts... A coincidence brought this to my consciousness a few days ago: in me, the concept of “future” is lacking; I look forward as over a smooth surface: no desire, not even a little wish, no making plans, no wanting things to be different. Rather, only that which is forbidden to us by that holy Epicurean: concern for the next day, for tomorrow... that is my only trick: I know today what is to happen tomorrow.

naufragium feci: bene navigavi,

16 [45]

the rattlesnake luck of the great sorcerer, into whose jaws the most innocent run...

16 [46]

the culture-cretins, the “eternal-feminine”,

16 [47]

in Germany, where the vaporism of the ideal does not constitute an objection against an artist, but almost his justification (—it is credited to Schiller! ... and when one says Schiller and Goethe, one means that the former was the higher, the genuine one as an idealist: this hero of attitudes!

16 [48]

Regarding the hysterically-heroic woman that Richard Wagner invented and set to music, a hybrid creation of the most ambiguous taste:

the fact that this type has not been entirely disgusted even in Germany has its reason—though by no means its justification—in the fact that an incomparably greater poet than Wagner, the noble Heinrich von Kleist, had already advocated for it there with the voice of genius. I am far from thinking that Wagner himself was dependent on Kleist here: Elsa, Senta, Isolde, Brünnhilde, Kundry are rather children of French Romanticism and have a

16 [49]

The size of a musician is not measured by the beautiful feelings he arouses: that is what women believe—it is measured by the tension of his will, by the certainty with which chaos obeys his artistic command and becomes form, by the necessity that places his hand in a sequence of forms. The size of a musician—in one word, it is measured by his ability for great style.

16 [50]

I am looking for an animal that dances after me and loves me just a tiny bit me—loves ...

16 [51]

Draft.

1.The true and the apparent world.
2.The philosopher as a type of décadence
3.The religious man as a type of décadence
4.the good man as a type of décadence
5.The Counter-movement: art!
6.The Pagan in Religion.
7.Science against Philosophy.
8.Politicians against Priests—against the detachment from instincts, becoming unhomely. (People, Fatherland, Woman—all the concentrating powers against "being unhomely")
9.Critique of the Present: where does it belong?
10.The Nihilism and its counterpart: the disciples of the “Return”
11.The will to power as life: peak of historical self-consciousness (the latter conditions the sick form of the modern world ...)
12.The will to power: as discipline.

16 [52]

The décadents considered as Excremente of society

nothing can be unhealthier than using them as food —

16 [53]

Theory of Exhaustion:

vice
the mentally ill (resp. the artists ...
the criminals
the anarchists

these are not the oppressed races, but the refuse of the previous society of all classes ...

With the insight that all our estates are permeated by these elements, we have understood that the modern society is not a “society”, not a “body”, but a sick conglomerate of Tschandala

— a society that no longer has the strength to excrete
To what extent the pathological nature goes much deeper through centuries of coexistence:

modern virtue 
modern intellectualityas pathological forms
our science 

16 [54]

Error is the most costly luxury that man can afford; and when the error is even a physiological error, then it becomes life-threatening. For what, consequently, has humanity paid the most so far, suffered the worst? For its “truths”: for they were all errors in physiologicis ...

16 [55]

Physiologically recalculated, "Critique of Pure Reason" is already the pre-existence form of cretinism: and Spinoza's system a phenomenology of consumption

16 [56]

My sentence, forced into a formula that smells of antiquity, of Christianity, Scholasticism, and other musk: in the concept “God as Spirit,” God as perfection is negated ...

16 [57]

That has no children; hardly any senses.

16 [58]

For the spider, the spider is the most perfect being; for the metaphysician, God is a metaphysician: that is, he spins ...

16 [59]

The people believe in apocryphal “truths” —

16 [60]

Women, gold, jewels, virtue, purity, science, good advice, in short, everything that is useful and beautiful, one may take from wherever it comes.

* *

For his respect for his mother, the disciple first sheds his earthly shell; for his respect for his father, he sheds that even more subtle form that clothes him in the air; for his respect for his teacher, he becomes even lighter, even purer, and ascends to the dwelling of Brahma.

* *

That he never neglects the prayer in the silence of the forest, or on the edge of clear springs, or in the deep, deep midnight, whose infinite content is contained in the monosyllable “Om”



After completing their theological studies, the young Brahmins, the young Kshatriyas, and Vaishyas may enter the category of householders.

The “twice-born” shall then take his staff and set out in search of a woman from his caste who shines through her qualities and satisfies the prescriptions.

He shall guard against union with a woman from a family that does not fulfill its religious duty, or in which the number of daughters is greater than that of sons, or in which individual members have deformities, or consumption, dyspepsia, hemorrhoids, and the like.

He shall flee this family, no matter how great its power, its name, its wealth may be.

He seeks a woman beautiful in form, whose name is pleasant to pronounce, with the gait of a young elephant, with silk-soft hair, a gentle voice, and small, even teeth; one whose body is covered as if with light down

A beautiful woman brings joy to a house, keeps her husband's love firm, and bears him well-formed children

He should guard against marrying a girl who has no brother or whose father is unknown.

For a Brahmin who unites with a Sudra (from the servant caste) and has a son by her, there is no kind of atonement on earth.

16 [61]

Wilhelm von Humboldt, the noble flathead

16 [62]

“Everyone and All in eternal renewal and dispersion destroy themselves.”
Goethe.

16 [63]

It will be of value to the friends of the philosopher Friedrich Nietzsche to hear that last winter the witty Dane Dr. Georg Brandes dedicated a longer cycle of lectures at the University of Copenhagen to this philosopher. The speaker, whose mastery in presenting difficult complexes of thought did not need to prove itself, knew how to vividly interest an audience of more than 300 people in the new and daring mode of thought of the German philosopher: so that the lectures culminated in a brilliant ovation in honor of the speaker and his subject.

16 [64]

We Immoralists
Among Artists
Critique of Free-Spiritedness
The Skeptic Speaks
.

16 [65]

The Mastersingers glorify D’s genius, which has learned nothing: except what it has learned from the little birds—genius conceived as “the noble, moreover “Knight” ...

16 [66]

On the Preface.

What alone can restore us? The sight of the perfect: I let my eye wander drunkenly: haven't we come a splendidly long way?

16 [67]

Wagner’s style has also infected his disciples: the German of the Wagnerians is the most flowery nonsense that has been written since Schelling’s. Wagner himself, as a stylist, still belongs to that movement against which Schopenhauer unleashed his wrath:—and the humor reaches its peak when he poses as the “savior of the German language” against the Jews.— To illustrate the taste of these disciples, I permit myself a single example. The King of Bavaria, who was a known pederast, once said to Wagner: so you don’t like women either? they are so boring ... Nohl (the author of a “Life of Wagner” translated into six languages) finds this opinion “youthfully embraced”

16 [68]

A critic
of the modern soul
.

16 [69]

How does it come about in the end that Parsifal has a son, the famous Lohengrin? Could this be the first case of the immacolata

16 [70]

What is it about?
the religious misunderstanding.
the moral misunderstanding.
the philosophical misunderstanding.
the aesthetic misunderstanding.

16 [71]

  The Origin of Values.
 The Invented World
the invented worldPhilosophy as Décadence
 Thoughts on Christianity
   
IIThe Realities Behind Morality.
the true world
On the Physiology of Art.
Why Truth?
III Critique of Modernity.
  The Eternal Recurrence.
From the Seventh Solitude.

16 [72]

1.Contrast of Values: Pessimism, Nihilism, Skepticism
  
2.Critique of Philosophy
3.Critique of Religion
4.Critique of Morality.
  
5.The invented world
6.Why truth?
7.On the physiology of art.
  
8.Problem of modernity.
9.The eternal recurrence.
10.From the seventh solitude.

16 [73]

On the Physiology of Art

The Problem of Socrates

Morality:Taming or BreedingThe Realities Behind Morality.
the struggle with the passions and their spiritualization.
Naturalism of morality and denaturalization.
 
Time and Contemporaries.
 
From the Seventh Solitude.
Why Truth?
The Will to Truth.
Psychology of Philosophers
On the Will to Truth.
 
Civilisation and Culture: an Antgonism.

16 [74]

X—painfully-thoughtful

1.Bizet’s music—the philosopherironic
2.South, cheerfulness, mau dance loveforeign-interesting
3.the “Redeemer”—Schopironic
4.the “Ring”, Schopenhauer as Wagner’s redeemerforeign-interesting
5.the décadent—grim!grim!
6.playfully “Ancestors” “Knocking Over” “Raising”ironic
7.“Hystericism” “Style” the little treasuresforeign-interesting
8.“overwhelming effect” “the Victor
Hugo of Language” “Talma”
“alla genovese”
praising-quick
9.“Action” “Edda” “eternal content”
“Madame Bovary” “no child”
ironic
10.“Literature” “Idea” “Hegel” “German
"Youth"—what we miss?
ironic-foreign-
interesting
11.praising, strong, factual "the actor"strong-reverent
12.three formulasgrim
 
regarding 10) Wagner is dark, convoluted, seven-skinned
 
8 this remains serious even with Wagner's "Counterpoint"

16 [75]

Here are two formulas from which I understand Wagner’s phenomenon. One says:

Wagner’s principles and practices are all reducible to physiological necessities: they are their expression (“Hysterism” as music)

The other says:

the harmful effect of W art proves its deep organic infirmity, its Corruption. The perfect makes healthy; the sick makes sick.The physiological emergencies into which Wagner plunges his listeners (irregular breathing, disruption of blood circulation, extreme irritability with sudden coma) contain a refutation of his art

With these two formulas, only the conclusion of that general proposition is drawn, which for me forms the foundation of all aesthetics: that aesthetic values rest on biological values, that aesthetic pleasures are biological pleasures.

16 [76]

Cases where one hears not the passion, but the lashes of the whip, which Wagner squanders with insulting cruelty on his poor nag Pegasus

the lashes of the whip with which Wagner mistreats the poor Pegasus (Act 2 of Tristan

the poverty: how economical he is with ideas—a witty poverty: boring ...

the thoughts are missing, just as with Victor Hugo: everything is attitude,

16 [77]

1.the actor
2.the corruption of music —
  music from the outside on a leash
  led—“it means”—
  extreme detail animation
  change of optics
 the “grand style”—decline, impoverishment of the organizing forces.
  — lack of tonality
  — lack of eurhythmics (“dance”)
  — inability to construct (“drama”)
  — means of tyrannizing
 the “fixed idea” (or the leitmotif)
3.the harmfulness of music
 the wonder
 the idiosyncrasy
4.value of the materials
 its formation “style” “Hegelianism”
5.France—Germany
6.the rise of the histrio
7.the decadent: extreme irritability —
  lack of tonality
  lack of eurhythmia
  inability to construct
  exaggeration of detail
  restlessness of the visual.
 Character instability: change of person
  Lack of pride
  Excess and exhaustion
  the poverty, skillfully denied
  as music
  as “mythical interpretation”
8.“How can one lose one’s taste for this décadent?”
  the actor
  Type of effect. History of effect.
  Music as theater rhetoric. V. Hugo
  the "dramatist"
9.the Harmful:
1. physiological
2. intellectual (the "youths"
3.``` Trend of "compassion"
irrational
miracle
symbolism
10.the nihilistic art:
  Schopenhauer’s trend of the tragic
11.Advent of the Actor
12.Three Demands

16 [78]

Tristan and Isolde, truly experienced, are almost an excess.

In reality, one cannot seriously enough present this conscience-alternative to young women: aut Wagner aut liberi.

16 [79]

Wagner never learned to walk. He stumbles, he trips, he mistreats poor Pegasus with whip lashes. Nothing but false passion, nothing but false counterpoint. Wagner is incapable of any style. —



artificial, glued, false, botched work, monstrosity, cardboard.

16 [80]

The Case of Wagner.
A Musicians' Problem
by
F. N.

Under this title, a brilliant pamphlet against Wagner will appear in my publishing house, which will be discussed most vividly by friends and foes alike. Mr. Prof. Nietzsche, whom everyone will concede to be the deepest connoisseur of the Bayreuth movement, here grasps the value problem that this movement encompasses by the horns; he proves that it has horns. The refutation of W, which this work provides, is not merely an aesthetic one: above all, it is a physiological one. Nietzsche regards Wagner as a disease, as a public danger.

16 [81]

I have given mankind the deepest book they possess, the Zarathustra; a book that distinguishes so much that if someone can say “I have understood six sentences of it, that is to say experienced” they belong to a higher order of humanity ... But how one must atone for this! pay for it! it almost ruins the character ... The chasm has become too great...

16 [82]

the modern ideas as false.

“Freedom”
“equal rights”
“Humanity”
“Compassion”
“the genius”
democratic misunderstanding (as a consequence of the milieu, the spirit of the times)
pessimistic misunderstanding (as impoverished life, as detachment of the “Will”)
the décadence misunderstanding (névros)
“the people”
“the race”
“the nation”
“Democracy”
“Tolerance”
“the milieu”
“Utilitarianism”
“Civilization”
“Women’s Emancipation”
“Popular Education”
“Progress”
“Sociology”

16 [83]

The Necessity of False Values.

One can refute a judgment by demonstrating its conditioned nature: but this does not abolish the necessity of having it. The false values cannot be eradicated by reasons: no more than a distorted optic in the eye of a sick person. One must comprehend their necessity to exist: they are a consequence of causes that have nothing to do with reasons.

16 [84]

If one eliminates natural causality from the world "with Chr and Mose," one requires an unnatural one: the rest of the nonsense now follows.

16 [85]

Psychology of Error.

1) Confusion of cause and effect
2) Confusion of truth with the effect of what is believed to be true.
3) Confusion of consciousness with causality

Morality as Error.
Religion as Error.
Metaphysics as Error.
Modern Ideas as Errors.

16 [86]

The Will to Power. Attempt at a Revaluation of All Values.

I. Psychology of Error.
1) Confusion of cause and effect
2) Confusion of truth with what is believed to be true
3) Confusion of consciousness with causality
4) Confusion of logic with the principle of reality

II. The false values.
1) Morality as false
2) Religion as false
3) Metaphysics as false
4) the modern ideas as false
all conditioned by the four types of error.

III. The Criterion of Truth.
1) the will to power
2) Symptomatology of Decline
3) On the Physiology of Art
4) on the physiology of politics

IV. Struggle of False and True Values.
1) Necessity of a Double Movement
2) Utility of a Double Movement
3) the Weak
4) the Strong.

16 chapters: 37 pages each.— 16 chapters: 35 pages each.

The Criterion of Truth.
The will to power, as the will to life—of ascending life.
The great errors as a consequence of décadence.
On the Physiology of Art.
Symptomatology of Decline.

The Struggle of Values
Utility of a Double Movement.
Necessity of the same.
The Weak.
The Strong.

16 [87]

One should not confuse Christianity with that one root to which it is reminded by its name: the other roots from which it has grown are by far more powerful, more important than its core has been; it is an abuse without equal when such dreadful decay-creations and misforms, which are called “Christian Church” “Christian faith” “Christian life”, mark themselves with that holy name. What did Chr deny?— Everything that is called Christian today.

16 [88]

The worst thing is that everything cuts too deeply into the heart: almost every year has brought me 3, 4 things, insignificant in themselves, at which I almost perished.

Not that I reproach anyone with it. Ge M simply have no conception of the cases in which they mortally wound one and what makes him sick for a few months.

16 [89]

The modern artist, in his physiology most closely related to hysteria, is also characterized as a person by this pathological trait. The hysteric is false: he lies out of pleasure in lying, he is admirable in every art of deception—unless his pathological vanity plays a trick on him. This vanity is like a continuous fever that requires narcotics and shrinks from no self-deception, no farce that promises momentary relief. Inability to feel pride and constantly needing revenge for a deeply ingrained self-contempt—this is almost the definition of this kind of vanity.

The absurd excitability of his system, which turns every experience into a crisis and introduces "the dramatic" into the slightest coincidences of life, robs him of all predictability: he is no longer a person, at most a rendezvous of persons, from which now this one, now that one, shoots forth with shameless certainty. Precisely for this reason he is great as an actor: all these poor will-less beings, whom the doctors study nearby, astonish through their virtuosity of mimicry, of transfiguration, of stepping into almost any *demanded* character.

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