7, 14[1-30] Frühjahr 1871 - Anfang 1872
14 [1]
Gang.
| Einfluß der Musikwirkung auf die Bilderwelt. Kraft, Mythen zu schaffen. Der Chor hebt die ganze Tragödie auf den Kothurn. Der sprechende Schauspieler ist zu erklären: völlig andere Wirkung als unser Melodrama. Er tritt auf als apollinischer Rhapsode. Die zwei Kunststile treten sich gegenüber. Es ist eine religiöse Manifestation des Gottes. Er ist nicht mit seinen verzückten Dienern zu verwechseln. |
14 [2]
| Der deus ex machina übersetzt die metaphysische Lösung ins Irdische. Damit ist die Tragödie zu Ende. |
| Die Haupttriebe, die aus dem Ursprung des Drama’s abzuleiten sind: |
| 1. | Der Bau des Dramas: des Chores, des Gottes. |
| 2. | Die Einheit, die Tetralogie. |
| 3. | Der Held, als Rhapsode. |
| 4. | Der Chor als Orchester. |
14 [3]
Aus der Fülle dieser Erkenntnisse, auf die, zur Bekräftigung ihrer ewigen Wahrheit, Richard Wagner im “Beethoven” seinen Stempel gedrückt hat, hebe ich eine Stelle hervor, die für die Erklärung des Ursprungs der Tragödie von höchstem Werte ist. Die Musik, sagt Schopenhauer, läßt jedes Gemälde, ja jede Szene des wirklichen Lebens und der Welt, sogleich in erhöhter Bedeutsamkeit hervortreten: freilich um so mehr, je analoger ihre Melodie dem inneren Geiste der gegebenen Erscheinung ist. Denken wir uns jetzt die erhabenste Steigerung der Musik, so wäre damit ein Mittel gewonnen, jedes Bild der Welt, um kurz zu reden, in einen Mythus zu verwandeln und zum Ausdruck einer ewig-gültigen allgemeinen Wahrheit zu bringen. Dieses ungeheure Vermögen der Musik sehen wir zweimal bisher in der Weltgeschichte zur Mythenschöpfung kommen: und das eine Mal sind wir beglückt genug, diesen erstaunlichen Prozeß selbst zu erleben, um von hier aus auch jenes erste Mal uns analogisch zu verdeutlichen. Wer wird, falls er nur einmal etwas von dieser wahrhaft religiösen Wirkung der mythenschaffenden Musik erfahren hat,
14 [4]
| 20 | Seiten | Über das Dionysische und Apollinische. | |
| 12 | Seiten | Schilderung der Tragödie. | |
| 6 | Tod der Tragödie. 2 Seiten Übergang. | ||
| 28 | Wagner. |
14 [5]
| 24 | Über das Dionysische und Apollinische. | |
| 7 | Nahen wir uns jetzt—dem Labyrinth. | |
| 12 | ||
| 2 | Seiten | Übergang zum Tode. |
| 27 | Seiten | Tod der Tragödie. |
| 72 |
14 [6]
| 8 | ||||
| Einleitung: | 21 | |||
| Haupttheil: Haupttheil: | 21 27 |
| Schluß: Wagner | 20 |
| 97 |
14 [7]
| I. | S. | 1—21 | Das Dionysische und Apollinische. Das Naive. | |||
| Der Lyriker. | ||||||
| 22—43 | Der Chor, der Held und der Mythus. | |||||
| 44—70 | Euripides und Sokrates. |
14 [8]
| Zwei Triebe: | der wissenschaftliche der tragische | die Zeitalter der Tragödie. |
| Jetzt steht es anders: | der wissenschaftliche ist seinen Grenzen nahe |
| der tragische ist erreicht. |
| Eine Vereinigung ist möglich. Der “Mythus” ist geboren worden. |
14 [9]
| Mit dem Ende der Tragödie verfällt die Musik. |
| Sie geräth in Nachahmung der sichtbaren Dinge. |
| In der Tragödie war die Musik zu ihrer Höhe gekommen. |
| Bei Euripides tritt an Stelle der dionysischen Erregung die Aufregung an sich. An Stelle der apollinischen Ruhe die Kühle des Denkens. Das ganze Bereich der Musik nimmt er in Beschlag und entlehnt alles Wirksame, d. h. er bringt eine Stilmischung hervor. Er giebt den unendlichen Mythus auf und stellt die Novelle an die Stelle. |
| Verfall der Musik, des Mythus und der Tragödie. Der Ernst der Weltbetrachtung mußte in die Unterwelt flüchten. |
| Wir nehmen eine erstaunliche Entwicklung der Wissenschaft wahr: der Mythus ist ganz verschwunden. Die Dichtung trägt den gelehrten Charakter. |
| Erneuerung der ernsten Weltbetrachtung: bis jetzt stehen wir unter der Nachwirkung der Renaissance. Unsere Musik, unsere Philosophie zeigen ein neues Reich. Wir entdecken, daß der deutsche Genius auch von der optimistischen Welt der Renaissance eine Befreiung braucht. |
| Die Entdeckung des griechischen Alterthums in umgekehrter Reihenfolge. |
14 [10]
Ueber die Zukunft
unserer
Bildungsanstalten.
Notizen. Herbst 71.
14 [11]
Bildung.
| Verengerung nöthig, im Gegensatz zu dem Streben nach Erweiterung. |
| Diesem Streben nach Erweiterung liegt zu Grunde |
| 1) | der Optimismus der Nationalökon—möglichst viel Erkenntniß—möglichst viel Produktion—möglichst viel Glück |
| 2) | die Furcht vor religiöser Unterdrückung |
| 3) | der Glaube an die Masse, der Unglaube an den Genius. |
| Diesem Streben arbeitet entgegen, für Verringerung |
| 1) | die Arbeitstheilung, auch für Wissenschaft |
| 2) | die verschiedenen Kirchen |
| 3) | die Furcht vor dem Socialismus, als einer Frucht jenes Optimismus. |
| Unser Standpunkt ist der der Verengerung und Concentration, also Stärkung (gegen 2.) und Verengerung (gegen 1.) |
| Hier spricht die Natur ihr Wort. |
| Jenes sind Strebungen, dies sind Wahrheiten. Alle unsere Bildungsanstalten (die aus jenen Strebungen entstanden sind) sind an dieser Urwahrheit zu messen. |
| Aber die Geltung der Wahrheit ist zu Zeiten eine sehr verschiedene: jene den Strebungen zu Grunde liegenden Principien beanspruchen auch Wahrheit und verdecken also die Wahrheit. |
| Beide Strebungen, als Erziehungsmaximen könnten allerdings den Erfolg haben, das Niveau der geistigen Aristokratie herunterzudrücken und ihren Einfluß zu mindern. |
| Denn auch die Geburtsaristokratie des Geistes muß eine ihr gemäße Erziehung und Geltung haben. Das richtige Erziehungsprincip kann nur sein, die größere Masse in das rechte Verhältniß zu der geistigen Aristokratie zu bringen: das ist die eigentliche Bildungsaufgabe (nach den drei Hesiodischen Möglichkeiten); die Organisation des Geniestaates—das ist die wahre platonische Republik. |
14 [12]
| Ich meine ethische und intellektuelle Bildung. |
| Die Äußerungen der ethischen Bildung sind sehr verschieden, nach dem intellektuellen Hintergrunde. |
| Bildung im Dienste des Staates. |
| Bildung im Dienste der Gesellschaft. |
| Bildung im Dienste des Erwerbs. |
| Bildung im Dienste der Wissenschaft. |
| Bildung im Dienste der Kirche. |
| Aus diesen unnatürlichen Unterordnungen resultiren zwei Richtungen: Erweiterung und Verringerung. |
| Gemeinsam ist der Unglaube an den Genius: wodurch sich ihre Unnatürlichkeit verräth: ebenso ein großer Optimismus. |
14 [13]
1. Den Genius zu vollenden durch Bildung, Ebnen der Pfade
2. sein Wirken möglich zu machen durch die rechte Ehrfurcht
3. ihn ausfindig zu machen.
Vom Standpunkte des Nichtgenius aus:
1. Gehorsam zu lernen und Bescheidenheit. (Hesiod.)
2. Richtige Erkenntniß über die Enge jedes Berufes.
3. Dem Genius Material sammeln.
14 [14]
“Organisation der intellektuellen Kasten” die ewige Aufgabe der Bildung, unabhängig von der augenblicklichen Kirche und Staat.
14 [15]
Die klassische Bildung.
Die höchste Bildung etwas völlig Unnützes: Privilegium des Genius. Aus seiner Bildung kann man keinen Lebensberuf machen, von dem zu leben ist. Dies die Vorstellung des Sokrates vom Weisen, der kein Geld nimmt.
| Der Gelehrte an Stelle des Gebildeten Der Lehrer von Beruf an Stelle des vorbildlichen Weisen. | Kennzeichen des Mittelalters. |
Unsere Schulen sind nach diesem mittelalterlichen Princip eingerichtet. Die Bildung eines eigenen Lehrstandes ist die Folge gewesen.
Gelehrter kann ziemlich Jeder werden, ein Gebildeter Wenige. Verallgemeinerung der Gelehrsamkeit—das alte Bildungsziel. Möglichst viele zu Gelehrten abrichten—die höchste alte Erziehungsaufgabe. Das Leben unter der Knechtschaft der Wissenschaft.
Daraus entstand die lateinische Schule, die unnationale Bildungsschule des Gelehrten.
Der Anspruch auf klassische Bildung ist etwas ganz Modernes und eine Verkehrung der Gymnasialtendenz.
Inzwischen ist ersichtlich, daß man nicht vom Latein zur Wissenschaft zu kommen braucht, ebenso daß der Gelehrte und der Gebildete nicht identisch sind.
Jetzt kühner Griff: das alte Gymnasium wird zur Formalschule umgestempelt.
Große öffentliche Lüge. Die Alten sind wahrhaftig in einem noch höheren Grade unsre wahren Meister und Lehrer: aber nicht für Knaben.
Unsere Gymnasiallehrer (unsre besten) sind gar nicht auf diese Ansprüche eingerichtet. Sie erziehen nach wie vor Gelehrte, aber eigentlich nur noch Philologen.
Wenn man ehrlich sein will, muß man irgendwann das Gymnasium in eine philologisch-historische Fachanstalt verwandeln, im Dienste der Wissenschaft.
14 [16]
Je höher der Mensch gebildet wird, um so einsamer ist er: d. h. er verkehrt mit den Großen aller Zeiten und diese erlauchte Gesellschaft macht ihn etwas vorsichtig. Er ist nicht “courant.”
14 [17]
Das naive Verhalten zur Natur nicht zu früh zu stören.
Die Künste früh zu erlernen.
14 [18]
Die Examina mit ihren massenhaften intellektuellen Ansprüchen sind eine Bürgschaft für das ethische Bewältigen einer Unmasse im Dienste einer zukünftigen Staatsstellung. Wer sich hier unterwürfig zeigt, ist bereits gezeichnet.
14 [19]
Bischen Kopf—Vorbereitung der Gymnasien.
14 [20]
Die Realschule.
Der Name ist ein Protest gegen die angebliche Formalschule des modernen Gymnasiums.
Dem Wesen nach ist sie inzwischen noch ein Allerlei, das die ungeheure Lücke, die das Gymnasium läßt, auszufüllen sucht. Bei der ungeheuren Größe des Gebiets, das sie umspannen will, ist sie genöthigt, etwas allgemein zu bleiben, und wird so praktisch wieder formal.
Nicht die Realschule, aber eine Unzahl von Fachschulen müssen in die Lücke hineintreten: und zwar sowohl Berufsschulen als Gelehrtenschulen. Ihre Erscheinung ist deshalb eine große Nothwendigkeit und ein Zeichen, daß das alte Gymnasium erkannt ist.
Die Verschwommenheit der Form zeigt inzwischen noch, wie jung der Gedanke ist. Es sind meistens matte Spiegelbilder des Gymnasiums.
Dies zeigt sich besonders bei den gleichen Ansprüchen, als Militärschule und Vorbereitungsanstalt für die Universität.
Die Universität und das Gymnasium haben einen gemeinsamen Boden: die Universität und die Realschule nicht. Deshalb muß diese, wenn sie consequent denkt, die Alleinherrschaft der Universität negieren.
Das Polytechnikum ist etwas, das sich zur Universität ähnlich verhält, wie die Realschule zum Gymnasium.
Jung, noch unreif. Unzählige Formen von Polytechniken d. h. wissenschaftlichen Fachschulen sind nöthig. Jetzt wird überall noch die formale Bildung zu sehr betont: aus einer zu großen Allgemeinheit.
Gegen die formale Bildung der Gymnasien berechtigte Einwendungen: die Realschule bestreitet die Alleinherrschaft des Gymnasiums für Bildungswege.
Ob das Realwiss so gute Lehrer haben wird?
Die Realschule will nicht Fachschule sein: aber doch die direkten Berufsarten näher im Auge haben. Alles kann einmal nützlich werden: wichtiger Gedanke!
14 [21]
Die Volksschule.
Der abstrakte Lehrer.
Die Trennung der Gesellschaft.
Die Benutzung der Kirche.
14 [22]
Reorganisation der Presse.
Nur der erhabenste Standpunkt macht es erträglich und befreit von dem Druck des Augenblicks. Sub specie aeterni,
14 [23]
Der Lehrer.
Der absolute Lehrer.— Der Lehrerstand.
Der Einfluß des Staates.
Das Examen—von Staats wegen. Ergebenheitsanzeichen.
Emancipation der Lehrer vom Staate.
Das gebildete Volksheer—ein trauriger Begriff.
Die Privilegien der Examinirten bei dem Militär.
Durch Examina und Anciennität hält man die Ehrgeizigen im Staate im Zaume.
14 [24]
Die Universität.
Als Staatsanstalt entartet.
Die Akademie.
Nahrungs- und Versorgungsinstitut.
Als höchste Gegenmacht gegen den Staat ist sie gänzlich verbraucht und vernichtet.
14 [25]
Resultate.
Unsere Schulen weisen hin auf eine noch viel größere Arbeitstheilung. Die volle Bildung wird demnach immer seltener erstrebt: es giebt keine Schule, die deren Aufgabe sich stellte. Ja, man weiß sich nicht Rath, wenn man nach Lehrstoff für diese volle Bildung sucht.
Demnach dürfte die Macht des verbindenden allgemeinen Menschen, des Journalisten eine Zeitlang noch immer größer werden: sie vereinigen die verschiedensten Sphären: worin ihr Wesen und ihre Aufgabe liegt.
Um so stärker wird sich einmal der volle Mensch wieder erheben müssen, nicht als Mittler für alle Kreise, sondern als Führer der Bewegung. Für diese Führer giebt es jetzt keine Organisation. Es wäre denkbar eine Schule der edelsten Männer, rein unnütz, ohne Ansprüche, ein Areopag für die Justiz des Geistes,—aber diese Bildungsmenschen dürften nicht jung sein. Sie müßten als Vorbilder leben: als die eigentlichen Erziehungsbehörden.
Diese höchste Bildung erkenne ich bis jetzt nur als Wiedererweckung des Hellenenthums. Kampf gegen die Civilisation.
Von diesem Forum muß entschieden werden, welche Grenze überhaupt die Förderung der Wissenschaft hat:
das dem Wissen eigenthümliche Leiden wird allerdings durch die Arbeitstheilung sehr abgeschwächt.
Nach den beiden Enden zu sind wesentlich neue Organisationen nöthig: für die Kindererziehung Beseitigung des abstrakten Lehrerthums, für die höchste Erziehung die Möglichkeit eines Zusammenlebens. In der Mitte wird die Entwicklung ihren Weg gehen. Ein Volkslehrerstand ist gänzlich vom Übel. Das Lehren der Kinder ist Eltern- und Gemeindepflicht: Erhaltung der Tradition ist Hauptaufgabe. In der Höhe großartiger Freiblick. Beides verträgt sich wohl.
Diese geistige Aristokratie muß sich auch Freiheit von dem Staate verschaffen: der jetzt die Wissenschaft im Zaune hält.
14 [26]
Die Grundlagen der neuen Bildung.
Nicht historisch, sondern hineinleben.
Die “göttlichen Einseitigkeiten.”
14 [27]
§ 2. Vorbereitung des philosophischen Menschen.
Plato meint, der Weisheitslehrer habe sich zuerst gescheut und sich unter anderen Namen versteckt.
Der Dichter als Philosoph. Uralte Spruchweisheit. Hesiod Theognis Phocylides.
Der Priester als Philosoph: die Genealogie, die verschiedenen Weltweisen, Delphi als Regulativ. Die Mysterienweisheit.
Immer willkürlich zu sagen, der und der ist der erste Philosoph. Thales ist genommen, weil er ein Princip aufstellt. Das ist aber ein viel späterer Standpunkt, erst den Systematiker gelten zu lassen (Bestimmung aus der platonisch-aristotelischen Sphäre). Voraus geht eine Menge einzelner Weltblicke: das Problem des Werdens hat schon eine lange Geschichte unter mythischen Hüllen ausgedrückt, auch die Kraft des Systematisirens ist schon da. Wir finden als Vorstadium den priesterlichen Dichter.
Eig philosophirt ganz Griechenland: zahllose Sprüche. Dann der Kampf der verschiedenen religiösen Kulte: olympische Welt und Mysterienwelt. Die tragischen Mythen.
Warum Thales?
Kraft, ein Princip aufzustellen und zu systematisiren, früher.
Weil er unmythisch ist.
Es ist der Dichter zu überwinden. Contemplation in Begriffen.
Er ist nicht nur spruchmäßig. Er ist nicht nur einer der sieben Weisen.
Das Bild des Philosophen entwickelt sich langsam aus Musaeus, Orpheus, Hesiod, Solon, sieben Weisen.
1) Die mythische Form der Philosophie,
2) Die spruchmäßige Form der Philosophie, das sporadische Philos durch das Systematisiren.
So verschiedene Männer sind.
14 [28]
Vorplatonische Philosophen.
Wie kommen die Griechen zur Philosophie?
Zu welcher Philosophie?
Gleichzeitig ihrer klassischen Periode (6. und 5. Jahrhundert) sind gerade die vorplatonischen. Es ist charakteristisch, wie eine Zeit ihre großen Männer aufnimmt. Die Originalanschauungen dieser Philosophen sind die höchsten und reinsten, die je erreicht wurden. Die Männer selbst sind förmliche Incarnationen der Philosophie und ihrer verschiedenen Formen. Frage: wie nimmt sich der Philosoph unter den klassischen Hellenen aus? Von Plato an ist die Frage weniger entscheidend zu beantworten. Da gab es einen Gelehrtenstand, mit dem der philosophische zusammenfallen konnte.
Die Vorstufe: der Priester und der Sänger. Die weisen Männer, die das delphische Orakel ernannte, als leibhafte Katechismen.
Sie offenbaren uns das Hellenische, nicht direkt: denn sie reden nicht von Sitten usw., aber sie zeigen die Philosophie entstanden als Trieb der Erkenntniß, nicht durch Sündhaftigkeit und Lebensnoth angestachelt. Sie erfassen die ewigen Probleme und auch die ewigen Lösungen. Zahllose Individuen.
Als bewußte Denker offenbaren sie weniger als als unbewußte Menschen, in ihren Handlungen
14 [29]
| Erste Periode. | Das Werden erregt das. Jonische Philosophen. |
| Zweite Periode. | Das Problem des Werdens wird erkannt. Metaphysik. |
| Dritte Periode. | Die Teleologie, der Zweck des Werdens. |
| Vierte Periode. | Die Dialektik als das Sicherste. Ohne Erkenntniß keine Tüchtigkeit. Die Philosophie wird reformatorisch und imperativisch und aggressiv. |
| Plato versucht die erste Weltreform. |
| Ein skeptischer Kreislauf—viermaliges Ansetzen. |
14 [29]
| Erste Periode. | Das Werden erregt das h"L:V.g4<. Jonische Philosophen. |
| Zweite Periode. | Das Problem des Werdens wird erkannt. Metaphysik. |
| Dritte Periode. | Die Teleologie, der Zweck des Werdens. |
| Vierte Periode. | Die Dialektik als das Sicherste. Ohne Erkenntniß keine Tüchtigkeit. Die Philosophie wird reformatorisch und imperativisch und aggressiv. |
| Plato versucht die erste Weltreform. |
| Ein skeptischer Kreislauf—viermaliges Ansetzen. |
14 [30]
Goethesche Lieder für meinen Freund Erwin Rohde zum Singen eingerichtet von F. N.
| 1. Erster Verlust. | G oder besser Fis dur. | ||
| 2. Wonne der Wehmuth. | A dur. | ||
| Wanderers Nachtlied. | B moll. | ||
| Herbstgefühl. | G moll. | ||
7, 14[1-30] Frühjahr 1871 - Anfang 1872
14 [1]
Gait.
| Influence of the musical effect on the world of images. Power to create myths. The chorus elevates the entire tragedy to the cothurnus. The speaking actor is to be explained: completely different effect than our melodrama. He appears as an Apollonian rhapsode. The two artistic styles confront each other. It is a religious manifestation of the god. He is not to be confused with his ecstatic servants. |
14 [2]
| The deus ex machina translates the metaphysical solution into the earthly. Thus, the tragedy comes to an end. |
| The main drives derived from the origin of drama: |
| 1. | The structure of drama: the chorus, the god. |
| 2. | The unity, the tetralogy. |
| 3. | The hero as rhapsode. |
| 4. | The chorus as orchestra. |
14 [3]
From the abundance of these insights, which Richard Wagner, to confirm their eternal truth, has stamped in his "Beethoven," I highlight a passage that is of the highest value for explaining the origin of tragedy. Music, says Schopenhauer, makes every painting, indeed every scene of real life and the world, immediately stand out in heightened significance: all the more so, the more analogous its melody is to the inner spirit of the given phenomenon.
Let us now imagine the most sublime intensification of music, which would thereby provide a means to transform, in short, every image of the world into a myth and express an eternally valid universal truth. We have seen this immense power of music come to myth-creation twice in world history so far: and on one occasion, we are fortunate enough to experience this astonishing process ourselves, allowing us to clarify that first instance by analogy. Who, if they have ever experienced even a trace of this truly religious effect of myth-creating music,14 [4]
| 20 | Pages | On the Dionysian and Apollonian. | |
| 12 | Pages | Description of the Tragedy. | |
| 6 | Death of the Tragedy. 2 Pages Transition. | ||
| 28 | Wagner. |
14 [5]
| 24 | On the Dionysian and Apollonian. | |
| 7 | Let us now approach—the labyrinth. | |
| 12 | ||
| 2 | Pages | Transition to Death. |
| 27 | Pages | Death of Tragedy. |
| 72 |
14 [6]
| 8 | ||||
| Introduction: | 21 | |||
| Main part: Main part: | 21 27 |
| Conclusion: Wagner | 20 |
| 97 |
14 [7]
| I. | S. | 1—21 | The Dionysian and Apollonian. The Naive. | |||
| The Lyric Poet. | ||||||
| 22—43 | The Chorus, the Hero, and the Myth. | |||||
| 44—70 | Euripides and Socrates. |
14 [8]
| Two drives: | the scientific the tragic | the ages of tragedy. |
| Now it stands differently: | the scientific is near its limits |
| the tragic has been reached. |
| A union is possible. The “myth” has been born. |
14 [9]
| With the end of tragedy, music declines. |
| It falls into imitation of visible things. |
| In tragedy, music had reached its height. |
| In Euripides, excitement itself takes the place of Dionysian ecstasy. In place of Apollonian calm, the coolness of thought. He appropriates the entire realm of music and borrows everything effective, i.e., he produces a mixture of styles. He abandons the infinite myth and replaces it with the novella. |
| Decline of music, myth, and tragedy. The seriousness of worldview had to flee into the underworld. |
| We perceive an astonishing development of science: myth has completely disappeared. Poetry bears the scholarly character. |
| Renewal of the serious worldview: so far, we are under the aftereffect of the Renaissance. Our music, our philosophy show a new realm. We discover that the German genius also needs liberation from the optimistic world of the Renaissance. |
| The discovery of Greek antiquity in reverse order. |
14 [10]
On the Future
of our
Educational Institutions.
Notes. Autumn 71.
14 [11]
Education.
| Narrowing necessary, in contrast to the striving for expansion. |
| This striving for expansion is based on |
| 1) | the optimism of national economists—as much knowledge as possible—as much production as possible—as much happiness as possible |
| 2) | the fear of religious oppression |
| 3) | the belief in the masses, the disbelief in genius. |
| This striving works against, for reduction |
| 1) | the division of labor, also for science |
| 2) | the different churches |
| 3) | the fear of socialism, as a fruit of that optimism. |
| Our standpoint is that of narrowing and concentration, thus strengthening (against 2.) and narrowing (against 1.) |
| Here, Nature speaks its word. |
| Those are strivings, these are truths. All our educational institutions (which arose from those strivings) are to be measured against this primordial truth. |
| But the validity of truth is at times very different: those principles underlying the strivings also claim truth and thus obscure the truth. |
| Both strivings, as educational maxims, could indeed have the effect of lowering the level of the intellectual aristocracy and reducing its influence. |
| For even the aristocracy of birth of the spirit must have an education and validity appropriate to it. The correct educational principle can only be to bring the greater mass into the right relationship with the intellectual aristocracy: that is the true educational task (according to the three Hesiodic possibilities); the organization of the genius state—that is the true Platonic Republic. |
14 [12]
| I mean ethical and intellectual education. |
| The expressions of ethical education are very different, depending on the intellectual background. |
| Education in the service of the state. |
| Education in the service of society. |
| Education in the service of acquisition. |
| Education in the service of science. |
| Education in the service of the church. |
| From these unnatural subordinations result two directions: expansion and reduction. |
| Common to both is the disbelief in genius: thereby revealing their unnaturalness: as well as a great optimism. |
14 [13]
1. To complete the genius through education, smoothing the paths
2. to make his work possible through proper reverence
3. to discover him.
From the standpoint of the non-genius:
1. To learn obedience and humility. (Hesiod.)
2. Correct recognition of the narrowness of every profession.
3. To gather material for the genius.
14 [14]
“Organization of the intellectual castes” the eternal task of education, independent of the momentary church and state.
14 [15]
Classical education.
The highest education is something completely useless: privilege of genius. From his education, one cannot make a profession to live from. This is Socrates' conception of the wise man who takes no money.
| The scholar in place of the educated man The professional teacher in place of the exemplary wise man. | Characteristic of the Middle Ages. |
Our schools are organized according to this medieval principle. The result has been the formation of a separate teaching class.
Almost anyone can become a scholar, but few can become educated. Generalization of scholarship—the old educational ideal.
To train as many scholars as possible—the highest ancient educational task. Life under the servitude of science.From this emerged the Latin school, the unnational educational institution of the scholar.
The claim to classical education is something entirely modern and a perversion of the gymnasium's tendency.
Meanwhile, it is evident that one does not need to come to science via Latin, just as the scholar and the educated person are not identical.
Now a bolder move: the old grammar school is rebranded as a formal school.
Great public lie. The ancients are truly our true masters and teachers to an even higher degree: but not for boys.
Our grammar school teachers (our best) are not at all prepared for these demands. They still educate scholars, but really only philologists.
If one wants to be honest, one must eventually transform the grammar school into a philological-historical specialist institution, in the service of science.
14 [16]
The higher a person is educated, the lonelier they become: i.e., they associate with the great minds of all time, and this distinguished company makes them somewhat cautious. They are not “courant.”
14 [17]
The naive behavior not to disturb nature too early.
To learn the arts early.
14 [18]
The examinations with their massive intellectual demands are a guarantee for the ethical mastery of an overwhelming amount in the service of a future state position. Whoever shows submissiveness here is already marked.
14 [19]
A little head—preparation of the grammar schools.
14 [20]
The Realschule.
The name is a protest against the alleged formal school of the modern Gymnasium.
In essence, it is still a miscellany that seeks to fill the enormous gap left by the Gymnasium. Given the vast size of the area it aims to cover, it is forced to remain somewhat general and thus becomes practically formal again.
Not the Realschule, but a multitude of specialized schools must step into the gap: both vocational schools and academic schools. Their emergence is therefore a great necessity and a sign that the old Gymnasium has been recognized.
The vagueness of the form still shows how young the idea is. They are mostly dull reflections of the Gymnasium.
This is particularly evident in the same demands, as a military school and preparatory institution for the university.
The university and the gymnasium share common ground: the university and the Realschule do not. Therefore, the latter, if it thinks consistently, must deny the sole dominance of the university.
The Polytechnic is something that relates to the university in a similar way to how the Realschule relates to the gymnasium.
Young, still immature. Countless forms of polytechnics, i.e.scientific vocational schools are necessary. Now, everywhere, the formal education is still emphasized too much: from an excessive generality.
Legitimate objections against the formal education of grammar schools: the secondary modern school challenges the gymnasium's monopoly on educational paths.
Will the secondary modern school have equally good teachers?
The secondary modern school does not want to be a vocational school: but still keep the direct professions more closely in view. Everything can once become useful: an important thought!
14 [21]
The People's School.
The abstract teacher.
The separation of society.
The use of the church.
14 [22]
Reorganization of the press.
Only the most sublime standpoint makes it bearable and frees one from the pressure of the moment. Sub specie aeterni,
14 [23]
The Teacher.
The absolute teacher.— The teaching profession.
The influence of the state.
The examination—by state decree. Signs of obedience.
Emancipation of teachers from the state.
The educated people's army—a sad concept.
The privileges of the examined in the military.
Through examinations and seniority, the ambitious are kept in check by the state.
14 [24]
The University.
Degenerated as a state institution.
The Academy.
Food and supply institute.
As the highest counterpower against the state, it is completely exhausted and destroyed.
14 [25]
Results.
Our schools point to an even greater division of labor. The full education is thus increasingly rarely pursued: there is no school that sets itself this task. Indeed, one is at a loss when searching for subject matter for this full education.
Thus, the power of the unifying general human, the journalist, may continue to grow for some time: they unite the most diverse spheres: wherein lies their essence and their task.
All the more strongly will the complete human once again have to rise, not as a mediator for all circles, but as a leader of the movement. For these leaders, there is currently no organization.
It would be conceivable to have a school of the noblest men, purely useless, without claims, an Areopagus for the justice of the spirit—but these educated men must not be young. They would have to live as role models: as the true educational authorities.I recognize this highest education so far only as a revival of Hellenism. Struggle against civilization.
From this forum, it must be decided what limit the promotion of science has in general:
the suffering peculiar to knowledge is indeed greatly mitigated by the division of labor.
Towards the two ends, essentially new organizations are necessary: for child education, the abolition of abstract teaching, for the highest education, the possibility of communal living. In the middle, development will find its way. A national teaching profession is entirely harmful. The teaching of children is the duty of parents and communities: preserving tradition is the main task. At the highest level, a grand free perspective. Both can well coexist.
This intellectual aristocracy must also secure freedom from the state: which currently keeps science in check.
14 [26]
The Fundamentals of New Education.
Not historical, but living into it.
The “divine one-sidednesses.”
14 [27]
§ 2. Preparation of the Philosophical Human.
Plato believes that the wisdom teacher first hesitated and hid under other names.
The poet as philosopher. Ancient proverbial wisdom. Hesiod Theognis Phocylides.
The priest as philosopher: the genealogy, the various worldviews, Delphi as a regulative. The mystery wisdom.
It is always arbitrary to say that this or that person is the first philosopher. Thales is chosen because he establishes a principle. But this is a much later standpoint, only allowing systematists to count (determination from the Platonic-Aristotelian sphere). A multitude of individual worldviews precedes this: the problem of becoming has already been expressed under mythical veils for a long time, and the power of systematizing is already present.We find the priestly poet as a preliminary stage.
All of Greece philosophizes: countless sayings. Then the struggle of the various religious cults: the Olympic world and the world of mysteries. The tragic myths.
Why Thales?
Power to establish and systematize a principle, earlier.
Because he is unmythical.
It is the poet to overcome. Contemplation in concepts.
He is not only proverbial. He is not just one of the seven sages.
The image of the philosopher develops slowly from Musaeus, Orpheus, Hesiod, Solon, the seven sages.
1) The mythical form of philosophy,
2) The proverbial form of philosophy, the sporadic philosophy through systematization.
Such different men are.
14 [28]
Pre-Platonic Philosophers.
How do the Greeks come to philosophy?
To what kind of philosophy?
Simultaneously with their classical period (6th and 5th centuries), the pre-Platonic philosophers emerge. It is characteristic how an era embraces its great men. The original views of these philosophers are the highest and purest ever achieved. The men themselves are veritable incarnations of philosophy and its various forms. Question: what does the philosopher look like among the classical Hellenes? From Plato onward, the question is less decisive to answer. By then, there was a scholarly class with which the philosophical could coincide.
The precursor: the priest and the singer.
The wise men, whom the Delphic oracle appointed, as living catechisms.They reveal to us the Hellenic, not directly: for they do not speak of customs etc., but they show philosophy arising as a drive for knowledge, not stimulated by sinfulness and life's distress. They grasp the eternal problems and also the eternal solutions. Countless individuals.
As conscious thinkers, they reveal less than as unconscious people, in their actions
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| First Period. | The Becoming excites the. Ionian philosophers. |
| Second Period. | The problem of becoming is recognized. Metaphysics. |
| Third Period. | Teleology, the purpose of becoming. |
| Fourth Period. | Dialectics as the most certain. Without knowledge, no proficiency. Philosophy becomes reformatory, imperative, and aggressive. |
| Plato attempts the first world reform. |
| A skeptical cycle—fourfold approach. |
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| First Period. | The Becoming excites the h"L:V.g4<. Ionian Philosophers. |
| Second Period. | The problem of becoming is recognized. Metaphysics. |
| Third Period. | Teleology, the purpose of becoming. |
| Fourth Period. | The dialectic as the most certain. Without knowledge, no proficiency. Philosophy becomes reformatory, imperative, and aggressive. |
| Plato attempts the first world reform. |
| A skeptical cycle—fourfold approach. |
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Goethe's songs arranged for singing for my friend Erwin Rohde by F. N.
| 1. First Loss. | G or better F-sharp major. | ||
| 2. Joy of Melancholy. | A major. | ||
| Wanderer's Night Song. | B minor. | ||
| Autumn Feeling. | G minor. | ||