7, 30[1-38] Herbst 1873 - Winter 1873-74

30 [1]

Vom Nutzen und Nachtheil
der Historie.

30 [2]

Die Heerde weidet an dem Menschen vorüber: sie weiss nicht was gestern und heute ist, springt umher frisst ruht verdaut springt wieder und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tag zu Tage, kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust, nämlich an den Pflock des Augenblicks und desshalben weder verdrossen noch überdrüssig. Dies zu sehen geht dem Menschen hart ein, da er des Thieres sich überhebet und doch nach seinem Glück trachtet; denn das will er, weder überdrüssig noch traurig leben, gleich dem Thier: und will es doch umsonst und ohne Hoffnung.

Ach wie muss ich dich beneiden!
Nicht nur, weil frei du scheinest
Beinah von allen Leiden, —
Mühsal, Verlust, die schlimmste
Beängstigung im Augenblick vergessend —
Mehr noch weil nie der Überdruss dich quält!

Wir seufzen über uns, dass wir das Vergangne nicht los werden können und seine Kette immerfort nachschleppen müssen; während es uns scheinen will als ob das Thier glücklich sei, weil es nicht überdrüssig wird, sofort vergisst und fortwährend den erlebten Augenblick in Nebel und Nacht zurückweichen sieht. So geht es auf in der Gegenwart, wie eine Zahl in einer anderen ohne Rest aufgeht und erscheint ganz und gar als das, was es in jedem Moment ist, ohne alle Schauspielerei und absichtliches Verbergen. Wir dagegen leiden alle an dem dunklen und unauflöslichen Reste des Gewesenen und sind etwas anderes als was wir zu sein scheinen: so dass es uns mit der Empfindung des verlornen Paradieses ergreift, die weidende Heerde oder, in vertrauterer Nähe, das Kind zu sehen, das in allzukurzer und allzuseliger Blindheit zwischen den beiden Thoren der Vergangenheit und Zukunft spielt. Wer möchte sein Spiel stören und es aus der Vergessenheit herauf rufen! Wir wissen ja, dass mit dem Worte “es war” der Kampf und das Leiden beginnt und das Leben als ein nie vollendetes Imperfectum inaugurirt wird: wenn zuletzt der Tod das ersehnte Vergessen bringt, aber die Gegenwart und das Dasein selbst dabei unterschlägt, so drückt er eben damit das Siegel auf jene Erkenntniss—dass nämlich das Dasein nur ein continuirliches Gewesensein, ein ewiges Imperfectum ist, ein Ding, das sich fortwährend selbst widerspricht, sich verneint und aufzehrt.

Wir müssen also das Vergangne betrachten und erleiden—das ist nun einmal Menschenloos. Unter diesem harten Joche hart zu werden soll keinem erspart sein; und wenn Einer sehr hart geworden ist, bringt er es vielleicht so weit, das Menschenloos sogar wegen jenes Nicht-Vergessen-Könnens zu preisen, eben deshalb, weil das Vergangne in uns nicht sterben kann und uns wie ein eingeimpfter fremder Tropfen Blutes rastlos weiter treibt, die ganze Stufenleiter alles dessen hinauf, was die Menschen gross erstaunlich unsterblich göttlich nennen.

Müssen wir aber das Vergangne betrachten, so giebt es jedenfalls noch eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Arten, sich mit ihm zu schaffen zu machen, die ich klärlich und rund als die historische und die unhistorische bezeichnen will: nur möge man nicht meinen, dass die erstere mit diesem Namen gelobt oder etwa gar dass ich die andere, die unhistorische mit dem ihrigen getadelt haben wolle. Was wäre dies anderes als eine Verwechslung der unhistorischen Art mit der schlecht historischen, unter der aber doch nur die historische Betrachtungsart im Zustande der Unreife oder der Entartung verstanden werden darf. Sondern jene ist sui generis und sui juris; und zwar hat sie ein eben so gutes Recht als die historische, obschon die einzelnen Zeiten und Völker, je nachdem sie in der einen oder der anderen befangen sind, immer nur eine von beiden Arten gelten lassen, die andere gar nicht begreiflich finden und höchstens als ein Curiosum stehen lassen; wie zum Beispiel unserer Gegenwart die unhistorische Betrachtungsart im Ganzen und Grossen fremd und unverständlich ist und deshalb als verwerflich oder mindestens als ein wenig verrückt zu gelten pflegt. Fragen Sie sich selbst, fordert uns David Hume auf, oder jeden ihrer Bekannten, ob sie die letzten zehn oder zwanzig Jahre ihres Lebens noch einmal zu durchleben wünschen. Nein! Aber die nächsten zwanzig werden besser sein, sagen sie —

“And from the dregs of life hope to recive,
What the first sprightly running could not give.”

Die, welche so antworten, sind die Historischen; der Blick in die Vergangenheit drängt zur Zukunft hin, feuert den Muth an, es noch länger mit dem Leben aufzunehmen, entzündet die Hoffnung, dass das Rechte noch komme, dass das Glück hinter dem Berge sitze, auf den wir zuschreiten. Denn die historischen Menschen glauben, dass der Sinn des Daseins im Processe liege, sie schauen nur deshalb rückwärts, um an der Betrachtung des bisherigen Processes die Gegenwart verstehen und die Zukunft heftiger begehren zu lernen. Jene Frage aber, deren erste Beantwortung wir gehört haben, kann auch einmal anders beantwortet werden: zwar im Resultat vielleicht wiederum mit einem Nein! Wir wollen die zehn Jahre nicht zum zweiten Male durchleben. Aber mit welcher Begründung? Mit der Begründung des un(über)historischen Menschen, welcher nicht im Processe das Heil sieht, sondern an jedem Menschen und jedem Erlebniss und wiederum in jedem durchlebten Zeitraum, in jedem Tage, an jeder Stunde zu erkennen meint, wozu überhaupt gelebt wird: so dass für ihn die Welt in jedem einzelnen Augenblicke fertig ist und ihr Ende erreicht. Was können zehn neue Jahre lehren, was die 10 alten, wenn sie noch einmal durchlebt würden, nicht bereits zu lehren vermochten! Ob nun der Sinn der Lehre Glück oder Resignation oder Tugend oder Busse ist, darüber sind die unhistorischen Menschen mit einander nie einig geworden, aber allen historischen Behandlungsarten des Vergangnen entgegen kommen sie zur vollen Einmüthigkeit des Satzes: das Vergangne und das Gegenwärtige ist eins und dasselbe, nämlich in aller Mannichfaltigkeit gleich und als Allgegenwart unvergänglicher Typen ein stillstehendes Gebilde von unverändertem Werthe und ewig gleicher Bedeutung. Wie die Hunderte verschiedener Sprachen denselben typisch festen Bedürfnissen des Menschen entsprechen, so dass einer, der diese Bedürfnisse verstände, aus allen Sprachen nichts Neues zu lernen vermöchte: so erleuchtet sich der unhistorische Mensch alle Geschicke der Völker und der Einzelnen von innen heraus, hellseherisch den Ursinn der wechselnden Hieroglyphen errathend und allmählich sogar der immer neu hinzuströmenden Zeichenschrift ausweichend: denn wie sollte er es, im unendlichen Überfluss des Geschehenden, nicht zur Sättigung bringen!

Solche Betrachtungsart ist bei uns selten und anstössig, denn wir fordern gerade Unersättlichkeit in der Betrachtung des Geschehenden und nennen die Völker, die mit diesem unersättlichen Drange weiter leben und, wie man sagt, immer “fortschreiten,” im ehrenden Sinne die “geschichtlichen” Völker; ja wir verachten die andersgesinnten, z. B. die Inder, und pflegen uns ihre Art aus heissem Clima und allgemeiner Trägheit, vor allem aus der sogenannten “Schwäche der Persönlichkeit” abzuleiten: als ob unhistorisch leben und denken immer das Zeichen der Entartung und der Stagnation sein müsse. Es quält unsre Gelehrten, mit der Herstellung einer indischen Geschichte so gar nicht fertig werden zu können: sie werden selber um ihre Ableitung der Litteraturgattungen nach occidentalischem Schema misstrauisch und zweifeln selbst in solchen Allgemeinheiten, ob z. B. eine so mächtige und ausgebildete Philosophie wie die Sankhya-Philosophie vor- oder nach-buddhaistisch sei: solcher Zweifel und Misserfolge wegen rächen sie sich dann durch jene Missachtung an so querköpfigen trägen und stagnirenden Völkern. Die historischen Menschen merken nicht, wie unhistorisch sie sind und wie auch ihre Beschäftigung mit der Geschichte nicht im Dienste der Erkenntniss, sondern des Lebens steht. Vielleicht betrachten hinwiederum die Inder unsre Gier nach dem Geschichtlichen und unsre Schätzung der “geschichtlichen” Völker und Menschen als ein occidentalisches Vorurtheil, oder sogar als eine Krankheit der Köpfe: “haben nicht so unhistorisch wie wir—werden sie sagen, auch alle jene Männer gelebt, die selbst ihr die Weisen nennt? Oder war Plato kein unhistorischer Mensch? Um einmal von euren gerühmten Griechen nur Einen, und nicht ganze Generationen, gegen euch vorzuführen. Und glaubt ihr im Ernste, dass Jemand durch ein Jahrtausend geschichtlicher Dinge um einen tüchtigen Schritt der Göttin Weisheit näher kommen müsse, als ein andrer, der von allen diesen Dingen nichts erfahren hat? Vielleicht ist sogar eure jetzige Manier, Geschichte zu treiben und zu fordern, erst recht der Ausdruck der sogenannten ‘schwachen Persönlichkeit’; wenigstens scheint uns gerade an euren starken Persönlichkeiten, euren historischen Grössen, herzlich wenig von dem specifischen ‘historischen Sinn,’ von der ‘geschichtlichen Objectivität,’ von der zur Pflicht gewordnen Belehrtheit in Jahreszahlen, Schlachtennamen und Völkergeistern sichtbar zu werden: welche Eigenschaften zu verstecken sie doch keinen Grund hatten, da sie unter euch und nicht unter uns lebten.”

Doch lassen wir die Inder zanken: mögen sie weiser sein als wir, wir wollen aber heute einmal unserer Unweisheit recht froh werden und uns als den “Thätigen und Fortschreitenden” einen guten Tag machen. Denn es soll über den Nutzen der Historie nachgedacht werden und zwar darüber, ob wir bereits den grösstmöglichen Nutzen, der von ihr zu gewinnen ist, gewonnen haben. Es lebe das occidentalische Vorurtheil für das Historische: sehen wir nur zu, dass wir, bei dem Glauben an den Fortschritt, auch innerhalb jenes “Vorurtheils” fortschreiten, nämlich jedenfalls irgendwohin, wo wir noch nicht standen.

Den grösstmöglichen Nutzen werden wir aber aus der Historie nur dann ziehen können, wenn wir uns über den Schaden, den sie etwa zufügen könnte, so gut als möglich zu verständigen wissen. Denn wenn man an jeder hypertrophischen Tugend bekanntlich nicht nur leiden, sondern auch zu Grunde gehen kann, so wird es der Würde der Historie schwerlich Abbruch thun, zu wissen, dass sie auch schaden kann, ja dass es möglich ist an ihr zu leiden und zu Grunde zu gehen. Soll man sich nun deshalb vor der Hypertrophie jeder Tugend hüten? Soll man auf den Nutzen der Historie verzichten, weil man Gefahr läuft bei einiger Hypertrophie derselben an ihr zu leiden? Oder spornt es vielleicht sogar den Muthigen an, zu erkennen, dass man an ihr und in ihr untergehen kann? Ist zuletzt es nicht das Ziel jedes Heroismus, im Untergang den grösstmöglichen Gewinn zu finden? Entscheide man sich, wie man wolle, bezweifle man die Hypertrophie der Historie, leugne man überhaupt, dass Historie eine Tugend sei—man wird damit verrathen, wie weit und wie tief man denkt, ja ob man überhaupt denkt: inzwischen aber wollen wir darüber berathen, in wie fern die Historie (das heisst, mit Erlaubniss meiner Leser: jede Beschäftigung mit Geschichte) auch schaden kann.

30 [3]

Kurzschreiben. Es ist schwer, kurz zu schreiben, sagt Winckelmann, auch nicht eines Jeden Werk; denn man kann in einer völligern Art zu schreiben nicht so leicht beim Wort genommen werden. Derjenige, der an Jemand schrieb: ich hatte nicht Zeit diesen Brief kürzer zu machen, erkannte, was die kurze Schreibart erfordert.

30 [4]

Ohne jedes Pathos. Fast keine Perioden. Keine Fragen. Wenig Bilder. Alles sehr gedrängt. Friedfertig. Keine Ironie. Keine Klimax. Das Logische betont, doch sehr kurz.

30 [5]

Was ist Weisheit? Im Gegensatz zur Wissenschaft. | Vorrede. Giebt es jetzt ein Streben nach Weisheit? Nein. | Haupttheil. Ist ein Streben nach Weisheit nöthig, ein Bedürfniss?— Nein. Aber vielleicht wird es bald einmal Bedürfniss sein. Wann? Schilderung. | Nachwort.

30 [6]

Bildung steht im Widerspruche zur Natur eines Menschen.

Was ergiebt sich, wenn man die Natur sich selbst entwickeln liesse, das heisst sie selbst unter lauter zufälligen Einwirkungen: sie würde auch gebildet, zufällig gebildet und geformt, aber nach der grenzenlosen Unvernunft der Natur, unter zahllosen Exemplaren ein schönes Exemplar. Sonst unzählige zerstörte Keime, zerstört entweder im Zwiespalt der innern Kräfte oder durch Einwirkung von aussen. Untergang entweder aus innerem Zwiespalt (während die Kräfte erstarken) oder von aussen her, durch Mangel an Lebensluft etc.

Neigung der Zeit für die starken Einseitigkeiten, weil sie doch wenigstens noch Lebenskraft der Natur verrathen: und allerdings ist Kraft der Natur die Voraussetzung. Schwächliche Naturen soll man gar nicht in den Erziehungsplan einrechnen; sie werden weder im Guten noch im Schlimmen viel zu bedeuten haben.

30 [7]

Es giebt zwei Maximen im Betreff der Erziehung: 1) man solle die Stärke eines Individuums bald erkennen und dann darauf hin alles richten, diese Stärke auf Kosten aller übrigen geringeren Kräfte auszubilden: so dass die Erziehung dann eben Leitung jener Kraft wird. 2) man solle alle vorhandenen Kräfte heranziehn und in ein harmonisches Verhältniss setzen, also die geringern, gerade der Überleitung, kräftigen, die überstarken schwächen. Woran soll man nun einen Maassstab haben? Das Glück des Einzelnen? Der Nutzen, den er dem Gemeinwesen erweist? Die partiellen sind nützlicher, die harmonischen sind glücklicher. Sofort entsteht diese Frage von Neuem: eine grosse Gemeinschaft, ein Staat, ein Volk: soll es eine partielle Kraft besonders ausbilden oder viele Kräfte? Im ersten Falle wird der Staat die partielle Ausbildung der Individuen nur ertragen, wenn die partiellen Eigenschaften in seinem Ziele liegen, d. h. er wird nur einen Theil der Individuen nach ihrer Stärke erziehen, bei den andern wird er nicht mehr nach Stärke und Schwäche sehen, sondern dass die bestimmte Eigenschaft, sei sie ursprünglich noch so schwach, jedenfalls entwickelt werde. Will er eine Harmonie, so kann er dies immer noch auf zwei Weisen: entweder durch harmonische Ausbildung aller Individuen, oder eine Harmonie der partiell ausgebildeten Individuen. Im letzten Falle wird er aus lauter widerstreitenden machtvollen Kräften eine Temperatur erzeugen, d. h. er muss die Stärken in ihrer partiellen Ausschliesslichkeit abhalten von der Feindseligkeit gegen einander, von der gegenwärtigen Zerstörung, er muss alle binden durch ein gemeinsames Ziel (Kirche, Staatsglück usw.).

Der letzteren Art ist Athen, der ersteren Sparta. Die erstere Art ist viel schwieriger und künstlicher, sie ist der Entartung am meisten ausgesetzt, sie bedarf eines überwachenden Arztes.

In unserer Zeit ist alles wüst und unklar. Der moderne Staat wird immer spartanischer. Es wäre möglich, dass die grössten und edelsten Kräfte durch Verkümmern und Überleiten versiegen und absterben. Denn ich bemerke, dass gerade die Wissenschaften und die Philosophie selbst dies vorbereiten. Sie sind keine Bollwerke mehr, weil sie kein eignes Ziel mehr haben dürfen: d. h. weil kein Gemeinwesen ihr Wesen mit in sein Ziel aufnimmt. So wäre denn geboten die Gründung eines Kulturstaates im Gegensatz zu den lügnerischen, die sich jetzt so nennen, als einer Art von Refugium der Kultur.

30 [8]

Das Glück des Einzelnen im Staate wird untergeordnet dem Gesammtwohl: was heisst das? Nicht dass die Minoritäten benutzt werden zum Wohle der Majoritäten. Sondern dass die Einzelnen dem Wohle der höchsten Einzelnen untergeordnet werden, dem Wohle der höchsten Exemplare. Die höchsten Einzelnen sind die schöpferischen Menschen, sei es die besten moralischen oder sonst im grossen Sinne nützlichen, also die reinsten Typen und Verbesserer der Menschheit. Nicht die Existenz eines Staates um jeden Preis, sondern dass die höchsten Exemplare in ihm leben können und schaffen können, ist das Ziel des Gemeinwesens. Das liegt auch der Entstehung der Staaten zu Grunde, nur dass man oft eine falsche Meinung hatte, was die höchsten Exemplare seien: oft die Eroberer usw. Dynasten. Ist die Existenz eines Staates nicht mehr zu erhalten, so dass die grossen Individuen in ihm nicht mehr leben können: so entsteht der schreckliche Noth- und Raubstaat: wo die stärksten Individuen sich an Stelle der besten setzen. Aufgabe des Staates nicht dass möglichst viele darin gut und sittlich leben: auf die Zahl kommt es nicht an: sondern dass überhaupt in ihm gut und schön gelebt werden könne: dass er die Basis einer Kultur abgäbe. Kurz: die edlere Menschlichkeit ist das Ziel des Staates, sein Zweck liegt ausser ihm, er ist Mittel.

Jetzt fehlt das, was alle partiellen Kräfte bindet: und so sehen wir alles feindselig gegen einander und alle edlen Kräfte in gegenseitigem aufreibendem Vernichtungskrieg. Dies soll an der Philosophie gezeigt werden: sie zerstört, weil sie durch nichts in Schranken gehalten wird. Der Philosoph ist zu einem gemeinschädlichen Wesen geworden. Er vernichtet Glück Tugend Kultur, endlich sich selbst.— Sonst muss sie ein Bündniss der bindenden Kraft sein, als Arzt der Kultur.

30 [9]

Anfang! Was! Harmonische Entwicklung! Soll man den, der Talent zur Bildhauerei hat, gewaltsam zur Musik nöthigen, wie Cellini von seinem Vater immer wieder zu dem lieblichen Hörnchen und zu dem verfluchten Pfeifen den Schuster zum Schneider machen? Was liegt an der Allerweltswissenschaft eines solchen Menschen!— Man verwechselt oft die schwachen Naturen mit den harmonischen. Vielmehr ist Harmonie da, wenn alles auf einen Mittelpunct, auf eine Cardinalkraft bezogen ist, nicht wenn zahlreiche schwache Kräfte zugleich spielen.

Der ästhetische Mensch soll der harmonische sein? Er ist nicht einmal ästhetisch verwendbar, er ist flach. Rafael ist doch gewiss harmonisch.

30 [10]

Was ist Beredsamkeit?

Sich verständlich machen? Doch das will auch der Maler, die Hieroglyphe, die Gebärde.

Sich durch Worte verständlich machen?

Geschriebene oder gesprochne macht keinen Unterschied hinsichtlich der Definition.

Aber da fällt Poesie und Prosa hinein. Nun giebt es auch in der Poesie Rhetorik, aber Poesie ist nicht ein Theil der Rhetorik.

Aber verständlich machen? Es ist doch nicht der Appell an den Verstand allein? Es giebt doch keine Rhetorik in der Mathematik.

Den fremden Intellect und Willen durch Worte erregen?

Aber das thut auch der Hitzkopf, der Betrunkene.

Mit Besonnenheit dies thun?

Aber dies thut auch der Betrüger, der Lügner. Ist es möglich, die Moralität mit in der Definition zu berücksichtigen? Keine Vorschrift sich zu verstellen.

Mit künstlerischer Besonnenheit dies thun?

Doch dies thut auch der Schauspieler und ist doch kein Redner (auch wenn er den Redner spielt, ist er noch etwas Anderes als der wirkliche Redner).

Aber der Zweck ist doch kein künstlerischer?

Nur das Mittel? Zu erinnern an die Baukunst.

Durch Worte mit künstlerischer Besonnenheit zu bewirken, dass jemand über eine Sache so denkt und fühlt wie man will.

Aber gehört das “Erreichen” zur Definition?

Nein. Auch wenn das Ziel nicht erreicht wird, ist immer noch Rhetorik da.

Der Redner bemüht sich, durch Anwendung von Worten und Gebärden, mit künstlerischer Besonnenheit, die von ihm Angeredeten denken und fühlen zu lassen, was er will.

Doch will man dies nicht auch in der Dialektik?

Wie wirkt man mit Worten auf den Verstand?

Wie auf das Gefühl?

Was unterscheidet den Redner vom leidenschaftlichen Sprecher, was vom Betrüger? Vom Schauspieler?

Im Grunde ist Dichter und Redner eins. Der spätere Unterschied ist welcher?

Ist es eine Kunst, eine Fertigkeit? Gewiss der Redner ist ein Künstler. Aber die frühesten Redner wissen nichts von Kunst? Sie haben sie als lebendige Praxis ererbt.

Das Wichtigste ist: Aufstellung des Themas.

Dann: Gliederung Zeichnung Architectur.

Dann: Colorit Ornamentik etc.

Der Redner im Gegensatz zum wissenschaftlichen Menschen.

Die Anwendung der Stratagemata der Dialectik auf die Rede.

30 [11]

Ein rechtes Problem ist die Ehrlichkeit und das Künstlerische: denke an Cicero und das Romanische Decorationsprincip.

30 [12]

Poetik. Rhetorik. Alte Philosophie. Mythologie. Staat.
Ethik.

30 [13]

Ein Versuch über die Griechen.

Staat. Ethik. Religion. Philosophie. Poetik. Rhetorik.

30 [14]

Cap. I.
Der angebliche Welttag und die Vernichtung des Pessimismus.
Woher? Unmenschen. Der Name Philosoph will mir nicht über die Lippen.
Die modernen Menschen beten die Kraft an.
Schilderung der Schwäche überall.
Das gegen einander Feindselige, weil die Klammer fehlt.
Das Atomistische.
 
Hartmann gar nicht zu erwähnen.

30 [15]

BEDRAENGNISS der PHILOSOPHIE

A. Noth der Zeit, Anforderungen an den Philosophen.

  1. Hast.
  2. Kein Bauen fürs Ewige (die neuen Häuser).
  3. Die mattgewordene Religion.
  4. Medicinische Moral. Naturalismus.
  5. Geschwächte Logik (durch Historie, Naturwissenschaft).
  6. Mangel an Erziehern.
  7. Unnütze und gefährliche Complicirtheit von Bedürfnissen, Pflichten.
  8. Vulkanischer Grund.

B. Angriffe auf die Philosophie.

  1. Misstrauen der strengeren Methoden.
  2. Die Geschichte nimmt den Systemen das Gültige.
  3. Die Kirche hat die populäre Einwirkung an sich gerissen.
  4. Der Staat verlangt Leben im Augenblick.

C. Bild der Philosophen.

  1. Matt—Excess des Denkens wirkungslos (Kleist).
  2. Sie finden den Punkt, wo das Gelehrte beginnt.
  3. Pfaffenstreit.
  4. Urzeiten.
  5. Mangel der sittlichen grossen Vorbilder.
  6. Conflikt zwischen Leben und Denken überall geduldet.
  7. Mangelhafte Logik.
  8. Die unsinnige Erziehung der Studenten.
  9. Das Leben der Philosophen und ihre Genesis.
D.Philosophie—ob sie Fundament einer Kultur sein kann? Ja—aber jetzt nicht mehr: sie ist zu sehr verfeinert und zugespitzt, man kann sich nicht mehr daran halten. Thatsächlich hat die Philosophie sich in den Strom der jetzigen Bildung hineinziehn lassen: sie beherrscht ihn gar nicht. Bestenfalls Wissenschaft geworden (Trendelenburg).

Bild Schopenhauers. Gegensatz seiner eudämonologischen Praxis (der Weltklugheit überreifer Zeiten wie der Spanier) und seiner nur geschauten tiefern Philosophie. Von zwei Seiten aus verurtheilt er die Gegenwart. Ich sehe einstweilen keine andre Möglichkeit, als für die Praxis die Weltklugheit Schopenhauer’s, für die tiefern Bedürfnisse die Weisheit.

Wer nicht in diesem Widerspruche leben will, der muss für eine verbesserte Physis (Cultur) kämpfen.

30 [16]

Ist Herr Ulrici weise? Weilt er auch nur im Gefolge der Weisheit als einer ihrer Liebhaber? Nein: betrübter Weise nein, und ich kann doch nichts davor, dass er kein Weiser ist. Es wäre ja so erhebend zu wissen, dass wir Deutschen einen Weisen von Halle, einen Weisen von München usw. besässen: und besonders ungern lassen wir uns Carrière, den Erfinder des Realidealismus und des hölzernen Eisens entschlüpfen: wäre er nur ein wenig mehr weise, wie gern wollten wir ihn als voll gelten lassen. Denn es ist eine Schande, dass die Nation nicht einmal Einen Weisen, sondern nur fünf Denkwirthe hat: und dass E. von Hartmann es merken lassen kann, was er weiss: dass es augenblicklich in Deutschland an Philosophen fehlt.

30 [17]

Wirkungen der kantischen Philosophie. Kleist.

Simplicität der Alten.

Nur soweit einer der Philosophie nachleben kann, soll er Philosophie haben: damit nicht Alles Worte werde (wie bei Plato, Brief 7).

30 [18]

1. Welche Wirkung hat die Philosophie jetzt auf die Philosophen geübt?— Sie leben so wie alle anderen Gelehrten, selbst Politiker. Schopenhauer ist schon eine Ausnahme. Sie zeichnen sich durch keine Sitten aus. Sie leben um’s Geld. Die fünf Denker der Augsburger Allgemeinen. Man betrachte das Leben ihrer höchsten Exemplare, Kant und Schopenhauer—ist das das Leben von Weisen? Es bleibt Wissenschaft: sie stehen zu ihrem Werke als Artisten, daher bei Schopenhauer die Begierde nach Erfolg. Es ist bequem, Philosoph zu sein: denn niemand macht an sie Ansprüche. Die erste Nacht des Diogenes. Sie beschäftigen sich mit lauter apices: Sokrates würde verlangen, dass man die Philosophie wieder zu den Menschen herab hole; es giebt keine oder eine ganz schlechte Popularphilosophie. Sie zeigen alle Untugenden der Zeit, die Hast voran, und schreiben darauf los. Sie schämen sich nicht zu lehren, sehr jung bereits.

Welche Wirkung der Philosophie verspürt man bei den Zöglingen der Philosophen, ich meine bei den Gebildeten? Es fehlt uns der beste Stoff der Unterhaltung, die feinere Ethik. Rameau’s Neffe.

Überwucherung der aesthetischen Gesichtspuncte für die Betrachtung der Grösse, des Lebens.

30 [19]

Das Wort Philosophie, auf deutsche Gelehrte und Schriftsteller angewendet, macht mir neuerdings Beschwerde: es scheint mir unpassend. Ich wollte, man vermiede es und spräche fürderhin, deutsch und kräftig, nur noch von Denkwirthschaft. Doch ich will erzählen, wie ich zu diesem Einfalle kam.

30 [20]

Ich bin so unbescheiden, zu dem “Volk der Denker” von der deutschen Denkwirthschaft (um nicht zu sagen Philosophie) zu reden. Wo lebt dieses Volk? wird der Ausländer fragen. Dort wo die fünf Denker leben, auf welche, als auf den Inbegriff deutscher Philosophie der Gegenwart, kürzlich an einer ausserordentlich öffentlichen Stelle aufmerksam gemacht wurde: Ulrici, Frohschammer, Huber, Carrière, Fichte. Was zwar den letztern anbetrifft, so ist es leicht, über ihn etwas Gutes zu sagen: denn selbst der böse Kraftmensch Büchner hat es gethan: “alle Menschen haben nach Herrn Fichte dem Jüngern von Geburt an einen sie begleitenden Geist: nur Herr Fichte hat keinen.” Aber auch in Betreff der übrigen vier Männer würde jener fanatische Freund des Stoffs mir zugeben, dass in ihnen etwas phosphorescirt, was in dem jüngern Fichte nicht phosphorescirt. Also: einer hat keinen Geist und die vier Übrigen phosphoresciren: in Bausch und Bogen: alle fünf philosophiren oder, um gut deutsch zu reden, sie treiben Denkwirthschaft. Auf sie aber wird das Ausland hingewiesen, um zu erkennen, dass wir Deutsche noch das Volk der Denker sind. Aus guten Gründen hat man E. von Hartmann nicht mit genannt: denn dieser besitzt wirklich, was der jüngere Fichte gerne hätte: ja er hat vermöge dieses Etwas das Volk jener fünf Denker, die Deutschen, auf eine recht unmanierliche Manier an der Nase herumgeführt: wonach es scheint, dass er nicht mehr an das Volk der Denker glaubt, und wahrscheinlich—was schlimmer ist—nicht einmal mehr an die fünf Denkwirthe. Nur aber, wer an sie glaubt, wird jetzt selig gesprochen: deshalb fehlt Hartmann unter den berühmten Namen des deutschen Reichs. Denn er hat Geist, und nur den Armen im Geiste gehört jetzt das “Reich.”

30 [21]

Die Professoren der Philosophie üben nicht mehr Fertigkeiten ein, nicht einmal mehr das Disputiren. Die Logik, so wie sie gelehrt wird, ist ganz nutzlos. Aber die Lehrer sind schon viel zu jung, um mehr sein zu können als wissenschaftliche Anlerner: wie sollten sie erziehen, zur Weisheit?

30 [22]

Tugend, ein altmodisches Wort. Man denke nur an die jungen Gymnasiallehrer, wenn die den ethischen Erzieher abgeben wollten!

30 [23]

Es ist mit den Wissenschaften wie mit den Bäumen: man kann sieh nur an dem derben Stamm festhalten: an den obersten Ästen nicht mehr, man fällt herab und zerbricht meistens noch die Äste. So steht es mit der Erkenntnisstheorie.

30 [24]

Welches Nachdenken, welche Vertrautheit mit der Seele zu Zeiten Diderots und Friedrich des Grossen! Selbst die Minna von Barnhelm, durch und durch auf französischer Gesellschaftssprache aufgebaut, ist jetzt zu fein. Wir sind rohe Naturalisten.

Ich möchte, dass jemand zeigte, wie wir in unserer Verherrlichung des ethischen Naturalismus vollständig zu Jesuiten geworden sind. Wir lieben das Natürliche, als Ästhetiker, nicht als Ethiker: aber es giebt keine Ethiker. Man denke nur an Schleiermacher.

30 [25]

Das Wichtigste an der Weisheit ist, dass sie den Menschen abhält, vom Augenblick beherrscht zu werden. Sie ist deshalb nicht zeitungsgemäss: ihre Absicht ist, den Menschen für alle Schicksalsschläge gleich fest hinzustellen, für alle Zeiten zu wappnen. Sie ist wenig national.

30 [26]

Auch Montaigne ist den Alten gegenüber ein Naturalist der Ethik, aber ein grenzenlos reicher und denkender. Wir sind gedankenlose Naturalisten und zwar mit allem Wissen.

30 [27]

Die Sympathie für die Urzustände ist recht die Liebhaberei der Zeit. So ein Unsinn, dass eine Descendenzlehre gar religionsmässig gelehrt werden kann! Die Freude liegt darin, dass nichts Festes da ist, nichts Ewiges und Unverbrüchliches.

30 [28]

Es fehlen die ethischen Berühmtheiten; entschieden fehlt der Sinn dafür, sie anzuerkennen. Dagegen spukt die Theorie der Kraft. Ein Beispiel: einer sagt, Hegel ist ein schlechter Stilist: der andere: aber er ist so reich an originellen und volksthümlichen Wendungen. Das trifft aber das Material allein: der Stilist zeigt sich nicht darin, dass er schönen Marmor hat, sondern wie er ihn behaut. Ebenso im Ethischen.

30 [29]

Nach Ruhe der Seele haben die Philosophen immer gestrebt: jetzt nach unbedingter Unruhe: so dass der Mensch in seinem Amte, seinem Geschäfte ganz aufgeht. Die Tyrannei der Presse wird sich kein Philosoph gefallen lassen: bei Goethe durften nur Wochennummern und Hefte erscheinen.

30 [30]

Es giebt eine Kunst, sich die Dinge nur durch Worte und Namen, die man ihnen beilegt, fernzuhalten: ein Fremdwort macht uns oft das fremd, was wir sonst recht gut aus der Nähe kennen. Sage ich Weisheit und Liebe zur Weisheit, so empfinde ich gewiss etwas Heimischeres, Wirksameres als wenn ich Philosophie sage: aber wie gesagt, es ist mitunter eben die Kunst, sich die Dinge nicht zu nah kommen zu lassen. Liegt doch in den heimischen Worten oft so viel Beschämendes! Denn wer würde sich nicht schämen, sich als Weisen oder auch nur als werdenden Weisen zu bezeichnen! Aber als einen Philosophen? Das will jedermann so leicht über die Zunge: etwa so leicht als jeder den. Titel Doctor trägt, ohne jemals an die so anmaassliche Confession, die in ihm liegt, Lehrer zu sein, zu denken. Nehmen wir also an, dass das Fremdwort Philosoph von der Scham und Bescheidenheit eingegeben ist: oder wäre es wahr, dass vielleicht gar keine Liebe zur Weisheit da ist, und die fremdländische Bezeichnung, etwa wie bei dem Worte “Doctor” nur den Mangel an Inhalt, die Leere des Begriffs verhüllen soll? Es ist mitunter ausserordentlich schwer, das Vorhandensein einer Sache nachzuweisen: so verquickt, übersetzt, versteckt, so diluirt und abgeschwächt ist sie, während die Namen beharrlich sind und Verführet obendrein. ist das, was wir jetzt Philosophie nennen, wirklich Liebe zur Weisheit? Und giebt es jetzt überhaupt wahre Freunde der Weisheit? Setzen wir ungescheut Liebe zur Weisheit an Stelle des Wortes Philosophie: es wird schon herauskommen, ob sie sich decken.

30 [31]

Unbekanntschaft mit Plutarch. Montaigne über ihn. Der wirksamste Autor (bei Smiles). Ob ein neuer Plutarch auch nur möglich wäre? Wir leben ja alle in einer stillosen naturalistischen Sittlichkeit; wir halten die antiken Gestalten leicht für deklamatorisch.

30 [32]

Das Christenthum hat höhere Formen gezeigt: aber die grössere Menge ist zurückgefallen. Es ist jetzt so schwer, zur Simplicität der Alten wieder zurückzukehren.

30 [33]

Die Jesuiten schwächten und milderten die Ansprüche des Christenthums, um doch seine Macht noch zu behaupten. Der Protestantismus begann mit der Erklärung von Adiaphora in grösster Masse.

30 [34]

Gracian zeigt eine Weisheit und Klugheit in der Lebenserfahrung, damit sich jetzt nichts vergleichen lässt. Wir sind wohl die Mikroskopiker des Wirklichen, unsre Romane verstehen zu sehen (Balzac, Dickens), nur zu fordern und zu erklären versteht niemand.

30 [35]

Die Neigung zur Mystik ist doch bei unsern Philosophen zugleich eine Flucht aus der handgreiflichen Ethik. Dort giebt es keine Forderungen mehr, noch Genie’s der Güte, des transscendenten Mitleids. Wird die Imputabilität in das Wesen verlegt, so sind die antiken Moralsysteme sinnlos.

30 [36]

Die Philosophen wollen der Wissenschaft entfliehen: von ihr werden sie gejagt. Man sieht, worin sie schwach ist. Sie geht nicht mehr voran: weil sie selbst nur Wissenschaft ist, allmählich nur Grenzwächterschaft.

30 [37]

24Einleitung.
8Innerlich.
8Objektiv.
8Hartmann.
8Gegenmittel.
56 

30 [38]

Entwurf der “Unzeitgemässen Betrachtungen.”

  1. Der Bildungsphilister.
  2. Geschichte.
  3. Philosoph.
  4. Gelehrte.
  5. Kunst.
  6. Lehrer.
  7. Religion.
  8. Staat Krieg Nation.
  9. Presse.
  10. Naturwissenschaft.
  11. Volk Gesellschaft.
  12. Verkehr.
  13. Sprache.

7, 30[1-38] Herbst 1873 - Winter 1873-74

30 [1]

On the Use and Disadvantage
of History.

30 [2]

The herd grazes past the people: it knows not what yesterday and today are, leaps about, eats, rests, digests, leaps again, and so from morning to night and from day to day, briefly tethered to its pleasure and displeasure, namely to the stake of the moment, and therefore neither vexed nor weary. This is hard for man to see, as he exalts himself above the animal and yet strives for his happiness; for he wants to live neither weary nor sad, like the animal: and yet he wants it in vain and without hope.

Ah, how I must envy you!
Not only because you seem free
From almost all sufferings, —
Toil, loss, the worst
Anxiety in the moment forgetting —
But more because weariness never torments you!

We sigh over ourselves because we cannot rid ourselves of the past and must always drag its chain behind us; while it seems to us as if the animal is happy because it does not grow weary, forgets immediately, and sees the lived moment constantly recede into mist and night. Thus it dissolves into the present, like a number that is absorbed into another without remainder, and appears entirely as what it is in every moment, without any pretense or intentional concealment. We, on the other hand, all suffer from the dark and indissoluble residue of what has been, and are something other than what we seem to be: so that it seizes us with the feeling of lost paradise to see the grazing herd or, in closer proximity, the child who plays in all-too-brief and all-too-blissful blindness between the two gates of past and future.

Who wants to disturb their game and call it forth from oblivion! We know, after all, that with the word “it was” the struggle and suffering begin and life is inaugurated as an ever-unfinished imperfect: when finally death brings the longed-for forgetting, but in doing so suppresses the present and existence itself, it thereby stamps its seal on that insight—that existence is nothing but a continuous having-been, an eternal imperfect, a thing that constantly contradicts itself, negates itself, and consumes itself.

We must therefore contemplate and endure the past—that is now the human lot.To become hard under this harsh yoke should not be spared to anyone; and if one has become very hard, he may perhaps go so far as to praise the human lot even because of that inability to forget, precisely because the past in us cannot die and drives us restlessly onward, like an inoculated drop of foreign blood, up the entire ladder of all that people call great, astonishing, immortal, divine.

But if we must consider the past, there is certainly still a choice between two different ways of dealing with it, which I will clearly and bluntly designate as the historical and the unhistorical: only let no one think that the former is praised by this name or that I have even reproached the latter, the unhistorical, with its name.What would this be other than a confusion of the unhistorical kind with the poorly historical, under which, however, only the historical mode of consideration in a state of immaturity or degeneration may be understood. Rather, the former is sui generis and sui juris; and indeed it has just as good a right as the historical, although the individual times and peoples, depending on whether they are caught up in one or the other, always recognize only one of the two kinds, find the other incomprehensible, and at most leave it standing as a curiosity; as, for example, in our present time, the unhistorical mode of consideration is, on the whole and in the large, foreign and incomprehensible and therefore tends to be regarded as reprehensible or at least as somewhat mad.Ask yourselves, David Hume urges us, or any of your acquaintances, whether they would wish to relive the last ten or twenty years of their lives. No! But the next twenty will be better, they say—

“And from the dregs of life hope to recive,
What the first sprightly running could not give.”

Those who answer thus are the Historical; the glance into the past drives them toward the future, ignites their courage to endure life longer, kindles the hope that what is right will yet come, that happiness sits behind the mountain toward which we stride. For historical people believe that the meaning of existence lies in the process, they look backward only to understand the present through contemplation of the past process and to learn to desire the future more fervently.That question, however, whose first answer we have heard, can also be answered differently once: perhaps again with a No! in the result. We do not want to live through the ten years a second time. But with what justification? With the justification of the un(over)historical person, who does not see salvation in the process, but believes that in every person and every experience, and again in every lived period, in every day, in every hour, it can be recognized why one lives at all: so that for him the world is complete in every single moment and has reached its end. What can ten new years teach that the ten old ones, if lived through again, could not already teach!Whether the meaning of the teaching is happiness or resignation or virtue or penance, the unhistorical people have never agreed with each other on this, but in opposition to all historical treatments of the past, they come to full unanimity in the statement: the past and the present are one and the same, namely, in all their manifoldness, equal and, as the omnipresence of imperishable types, a static structure of unchanging value and eternally identical significance.How the hundreds of different languages correspond to the same typically fixed needs of man, so that one who understood these needs would learn nothing new from all languages: thus the unhistorical man illuminates all the fates of peoples and individuals from within, clairvoyantly guessing the original meaning of the changing hieroglyphs and gradually even evading the ever-new influx of script: for how could he, in the infinite abundance of events, not reach satiety!

Such a way of contemplation is rare and offensive among us, for we demand insatiability in the contemplation of events and call the peoples who continue to live with this insatiable drive and, as they say, always "progress," in the honorable sense the "historical" peoples; yes, we despise those of a different mind, e.g.the Indians, and tend to derive their nature from hot climate and general laziness, above all from the so-called “weakness of personality”: as if living and thinking unhistorically must always be a sign of degeneration and stagnation. It torments our scholars that they cannot at all manage to produce an Indian history: they themselves become suspicious of their derivation of literary genres according to Occidental schema and even doubt such generalities as whether, for example, a philosophy as powerful and developed as the Sankhya philosophy is pre- or post-Buddhist: because of such doubts and failures, they then take revenge with that contempt for such obstinate, lazy, and stagnant peoples.The historical people do not notice how unhistorical they are and how even their engagement with history does not serve knowledge, but life. Perhaps, in turn, the Indians regard our greed for the historical and our esteem of "historical" peoples and individuals as an occidental prejudice, or even as a sickness of the mind: "have not all those men lived as unhistorically as we do—will they say, even those whom you call the wise? Or was Plato not an unhistorical man? To cite just one of your praised Greeks against you, and not entire generations. And do you seriously believe that someone must come a good step closer to the goddess Wisdom through a millennium of historical things than another who has learned nothing of all these things?Perhaps your current manner of pursuing and demanding history is precisely the expression of the so-called ‘weak personality’; at least, it seems to us that your strong personalities, your historical greatness, show very little of that specific ‘historical sense,’ of ‘historical objectivity,’ of the learnedness in dates, battle names, and national spirits that has become a duty—qualities they had no reason to hide, since they lived among you and not among us.”

But let us leave the Indians to quarrel: they may be wiser than we are, but today we shall rejoice in our unwisdom and give ourselves a good day as the “Active and Progressive.”For it should be considered the use of history and indeed whether we have already gained the greatest possible use that can be derived from it. Long live the Occidental prejudice for the historical: let us just ensure that, with our belief in progress, we also progress within that "prejudice," namely, at least somewhere where we have not yet stood.

We will only be able to draw the greatest possible use from history if we are as well informed as possible about the harm it might inflict. For if it is known that one can not only suffer but also perish from every hypertrophic virtue, it will hardly detract from the dignity of history to know that it can also cause harm, yes, that it is possible to suffer and perish from it.Should one therefore guard against the hypertrophy of every virtue? Should one renounce the usefulness of history because one risks suffering from it if it becomes somewhat hypertrophic? Or does it perhaps even spur the courageous on to recognize that one can perish in and through it? Is it not ultimately the goal of every heroism to find the greatest possible gain in ruin? Decide as one will, doubt the hypertrophy of history, deny altogether that history is a virtue—one will thereby betray how far and how deep one thinks, indeed whether one thinks at all: meanwhile, however, we wish to deliberate on the extent to which history (that is, with the permission of my readers: any engagement with history) can also harm.

30 [3]

Writing briefly. It is difficult to write briefly, says Winckelmann, and not everyone's work; for in a more perfect manner of writing, one cannot so easily be taken at one's word. The person who wrote to someone: I did not have time to make this letter shorter, recognized what brief writing requires.

30 [4]

Without any pathos. Almost no periods. No questions. Few images. Everything very compressed. Peaceful. No irony. No climax. The logical emphasized, yet very brief.

30 [5]

What is wisdom? In contrast to science. | Preface. Is there now a striving for wisdom? No. | Main part. Is a striving for wisdom necessary, a need?— No. But perhaps it will soon become a need. When? Description. | Afterword.

30 [6]

Education stands in contradiction to the nature of a human being.

What results if one lets nature develop on its own, that is, under purely accidental influences: it would also be educated, accidentally educated and shaped, but according to the boundless unreason of nature, among countless specimens one beautiful specimen. Otherwise, countless destroyed germs, destroyed either in the conflict of inner forces or through external influence.

Decline either from inner conflict (while the forces are strengthening) or from external causes, through lack of vital air, etc.

Inclination of the age toward strong one-sidedness, because it at least still betrays the life force of nature: and indeed, strength of nature is the prerequisite. Weak natures should not be included in the educational plan at all; they will have little significance in either good or bad.

30 [7]

There are two maxims regarding education: 1) one should quickly recognize the strength of an individual and then focus everything on developing this strength at the expense of all other lesser forces: so that education then becomes the guidance of that force. 2) one should all existing forces and bring them into a harmonious relationship, thus strengthening the weaker ones, precisely for the transition, weakening the overstrong ones. What standard should one have now? The happiness of the individual? The benefit he provides to the community? The partial ones are more useful, the harmonious ones are happier. Immediately this question arises anew: a large community, a state, a people: should it particularly develop a partial force or many forces?In the first case, the state will only tolerate the partial education of individuals if the partial qualities lie within its goal, i.e., it will only educate a part of the individuals according to their strength; for the others, it will no longer consider strength and weakness, but rather ensure that the specific quality, however weak it may originally be, is developed in any case. If it desires harmony, it can still achieve this in two ways: either through the harmonious education of all individuals, or through a harmony of partially educated individuals. In the latter case, it will generate a temperature from purely conflicting powerful forces, i.e.,he must hold back the strengths in their partial exclusivity from hostility towards one another, from present destruction, he must bind all through a common goal (church, state happiness, etc.).

The latter kind is Athens, the former Sparta. The former kind is much more difficult and artificial, it is most prone to degeneration, it requires a supervising physician.

In our time, everything is desolate and unclear. The modern state is becoming increasingly Spartan.It would be possible for the greatest and noblest forces to wither and die away through atrophy and diversion. For I observe that it is precisely the sciences and philosophy themselves that are preparing this. They are no longer bulwarks because they are no longer allowed to have an aim of their own: that is, because no community incorporates their essence into its own aim. Thus, the founding of a cultural state would be required, in contrast to the deceitful ones that now call themselves by that name, as a kind of refuge for culture.

30 [8]

The happiness of the individual in the state is subordinated to the common good: what does that mean? Not that minorities are used for the benefit of majorities. Rather, that individuals are subordinated to the good of the highest individuals, the good of the highest specimens. The highest individuals are the creative people, whether the best moral or otherwise useful in the grand sense, thus the purest types and improvers of humanity. Not the existence of a state at any price, but that the highest specimens can live and create within it, is the goal of the community. This also underlies the origin of states, except that one often had a false opinion about what the highest specimens were: often the conquerors, etc., dynasties.

If the existence of a state can no longer be maintained, so that the great individuals within it can no longer live: then the terrible state of emergency and robbery arises: where the strongest individuals take the place of the best. The task of the state is not that as many as possible live well and morally within it: the number does not matter: but that good and beautiful living can take place in it at all: that it provides the basis for a culture. In short: the nobler humanity is the goal of the state, its purpose lies outside itself, it is a means.

Now what is missing is what binds all partial forces: and so we see everything hostile to each other and all noble forces in a mutually destructive war of annihilation. This is to be shown in philosophy: it destroys, because it is held in check by nothing. The philosopher has become a harmful being. He destroys happiness, virtue, culture, and finally himself.— Otherwise, it must be an alliance of binding force, as a physician of culture.

30 [9]

Beginning! What! Harmonious development! Should one who has talent for sculpture be forced into music, like Cellini, who was always driven by his father to the lovely little horn and to the cursed pipes, making the cobbler into a tailor? What does the universal knowledge of such a person matter!— One often confuses the weak natures with the harmonious ones. Rather, harmony exists when everything is related to a central point, to a cardinal force, not when numerous weak forces play at the same time.

The aesthetic person should be the harmonious one? He is not even aesthetically useful, he is shallow. Raphael is certainly harmonious.

30 [10]

What is eloquence?

To make oneself understood? But the painter, the hieroglyph, the gesture also want to do that.

To make oneself understood through words?

Written or spoken makes no difference regarding the definition.

But poetry and prose fall into this. Now there is also rhetoric in poetry, but poetry is not a part of rhetoric.

But to make oneself understood? Is it not just an appeal to the intellect? There is no rhetoric in mathematics.

To stir the foreign intellect and will through words?

But the hothead, the drunkard also does this.

To do this with composure?

But the deceiver, the liar also does this. Is it possible to include morality in the definition? No prescription to pretend.

To do this with artistic composure?

But the actor also does this and yet is not a speaker (even when he plays the speaker, he is still something different from the real speaker).

But the purpose is not artistic?

Only the means? To recall architecture.

To use words with artistic deliberation to make someone think and feel about something as one wishes.

But does "achieving" belong to the definition?

No. Even if the goal is not achieved, rhetoric is still present.

The speaker strives, through the use of words and gestures, with artistic deliberation, to make those addressed think and feel what he wants.

But does one not also want this in dialectics?

How does one influence the mind with words?

How does one influence the emotions?

What distinguishes the orator from the passionate speaker, what from the fraud? From the actor?

Fundamentally, poet and orator are one. What is the later difference?

Is it an art, a skill? Certainly, the orator is an artist. But the earliest orators know nothing of art? They have inherited it as a living practice.

The most important thing is: Establishing the theme.

Then: Structure, design, architecture.

Then: Color, ornamentation, etc.

The orator in contrast to the scientific person.

The application of the stratagems of dialectic to speech.

30 [11]

A real problem is honesty and the artistic: think of Cicero and the Romanesque principle of decoration.

30 [12]

Poetics. Rhetoric. Ancient Philosophy. Mythology. State.
Ethics.

30 [13]

An Essay on the Greeks.

State. Ethics. Religion. Philosophy. Poetics. Rhetoric.

30 [14]

Cap. I.
The alleged World Day and the annihilation of pessimism.
From where? Inhumans. The name philosopher will not cross my lips.
Modern people worship power.
Description of weakness everywhere.
The hostility towards one another because the bracket is missing.
The atomistic.
 
Not to mention Hartmann at all.

30 [15]

DISTRESS of PHILOSOPHY

A. Need of the time, demands on the philosopher.

  1. Haste.
  2. No building for eternity (the new houses).
  3. The enfeebled religion.
  4. Medical morality. Naturalism.
  5. Weakened logic (by history, natural science).
  6. Lack of educators.
  7. Useless and dangerous complication of needs, duties.
  8. Volcanic ground.

B. Attacks on philosophy.

  1. Distrust of stricter methods.
  2. History takes away the validity of systems.
  3. The church has seized popular influence.
  4. The state demands life in the moment.

C. Image of philosophers.

  1. Weary—excess of thought ineffective (Kleist).
  2. They find the point where scholarship begins.
  3. Priests' quarrel.
  4. Primeval times.
  5. Lack of great moral role models.
  6. Conflict between life and thought tolerated everywhere.
  7. Faulty logic.
  8. The nonsensical education of students.
  9. The life of philosophers and their genesis.
D.Philosophy—can it be the foundation of a culture? Yes—but not anymore: it has become too refined and pointed, one can no longer hold onto it.Actually, philosophy has allowed itself to be drawn into the current of present-day education: it does not dominate it at all. At best, it has become a science (Trendelenburg).

Image of Schopenhauer. Contrast between his eudaimonological practice (the worldly wisdom of overripe times like that of the Spaniards) and his deeper, merely contemplated philosophy. From two sides, he condemns the present. For the time being, I see no other possibility than to adopt Schopenhauer’s worldly wisdom for practice and wisdom for deeper needs.

Whoever does not wish to live in this contradiction must fight for an improved physique (culture).

30 [16]

Is Mr. Ulrici wise? Does he even dwell merely in the retinue of wisdom as one of its lovers? No: sadly no, and I cannot help that he is not a sage. It would be so uplifting to know that we Germans possessed a sage from Halle, a sage from Munich, etc.: and we are particularly reluctant to let Carrière, the inventor of real idealism and wooden iron, slip away: if only he were a little wiser, how gladly we would accept him as complete. For it is a disgrace that the nation does not have even one sage, but only five thinkers of note: and that E. von Hartmann can make it known what he knows: that there is currently a lack of philosophers in Germany.

30 [17]

Effects of Kantian philosophy. Kleist.

Simplicity of the ancients.

Only insofar as one can live according to philosophy should one have philosophy: so that not everything becomes words (as with Plato, Letter 7).

30 [18]

1. What effect has philosophy now had on the philosophers?— They live like all other scholars, even politicians. Schopenhauer is already an exception. They are distinguished by no customs. They live for money. The five thinkers of the Augsburger Allgemeine. Consider the lives of their highest examples, Kant and Schopenhauer—is this the life of sages? It remains science: they stand in relation to their work as artists, hence in Schopenhauer the desire for success. It is convenient to be a philosopher: for no one makes demands on them. The first night of Diogenes.They deal with nothing but apices: Socrates would demand that philosophy be brought back down to the people; there is no or a very poor popular philosophy. They exhibit all the vices of the time, haste above all, and write away. They are not ashamed to teach, even at a very young age.

What effect of philosophy do we feel in the pupils of philosophers, I mean in the educated? We lack the best material for conversation, the finer ethics. Rameau’s Nephew.

Overgrowth of aesthetic viewpoints for the consideration of greatness, of life.

30 [19]

The word philosophy, when applied to German scholars and writers, has recently become a source of discomfort for me: it seems inappropriate. I wish people would avoid it and henceforth speak, in German and with vigor, only of Denkwirthschaft. But I want to tell how I came to this idea.

30 [20]

I am so immodest as to speak to the “people of thinkers” of the German thought economy (not to say philosophy). Where does this people live? the foreigner will ask. There where the five thinkers live, who, as the epitome of contemporary German philosophy, were recently pointed out at an extraordinarily public place: Ulrici, Frohschammer, Huber, Carrière, Fichte. As far as the latter is concerned, it is easy to say something good about him: for even the wicked power-man Büchner has done it: “all people have, according to Mr. Fichte the Younger, from birth an accompanying spirit: only Mr. Fichte has none.” But even regarding the other four men, that fanatical friend of matter would concede to me that something phosphoresces in them, which does not phosphoresce in the younger Fichte.Also: one has no spirit and the four remaining ones phosphoresce: in bulk: all five philosophize or, to speak good German, they engage in thought management. But the foreign countries are pointed to them to recognize that we Germans are still the people of thinkers. For good reasons, E. von Hartmann has not been mentioned: for he actually possesses what the younger Fichte would like to have: yes, by virtue of this something, he has led the people of those five thinkers, the Germans, around by the nose in a rather unmannerly manner: after which it seems that he no longer believes in the people of thinkers, and probably—what is worse—no longer even in the five thought-worthies. But only those who believe in them will now be blessed: therefore Hartmann is missing among the famous names of the German Reich. For he has spirit, and now the "Reich" belongs only to the poor in spirit.

30 [21]

The professors of philosophy no longer practice skills, not even disputation. Logic, as it is taught, is entirely useless. But the teachers are already far too young to be anything more than academic apprentices: how could they educate toward wisdom?

30 [22]

Virtue, an old-fashioned word. Just think of the young grammar school teachers when they wanted to play the ethical educator!

30 [23]

It is with the sciences as with the trees: one can only hold on to the sturdy trunk; at the highest branches no longer, one falls down and usually still breaks the branches. So it is with the theory of knowledge.

30 [24]

What reflection, what familiarity with the soul in the time of Diderot and Frederick the Great! Even Minna von Barnhelm, thoroughly built on French society language, is now too refined. We are crude naturalists.

I wish someone would show how, in our glorification of ethical naturalism, we have become complete Jesuits. We love the natural as aestheticians, not as ethicists: but there are no ethicists. Just think of Schleiermacher.

30 [25]

The most important thing about wisdom is that it prevents people from being dominated by the moment. It is therefore not in keeping with the times: its intention is to make people equally steadfast in the face of all strokes of fate, to arm them for all times. It is little national.

30 [26]

Montaigne, too, is a naturalist in ethics when it comes to the ancients, but one of boundless richness and thought. We are thoughtless naturalists, and with all knowledge at that.

30 [27]

The sympathy for the primordial states is quite the hobby of the time. Such nonsense, that a theory of descent can be taught in a religious manner! The joy lies in the fact that there is nothing fixed, nothing eternal and inviolable.

30 [28]

There is a lack of ethical celebrities; there is a decided lack of the sense to recognize them. Instead, the theory of power haunts us. An example: one says, Hegel is a bad stylist: the other: but he is so rich in original and popular phrases. But this only concerns the material: the stylist does not show himself in having beautiful marble, but in how he chisels it. The same applies to ethics.

30 [29]

Philosophers have always strived for peace of the soul: now for unconditional restlessness: so that man is completely absorbed in his office, his business. No philosopher will tolerate the tyranny of the press: with Goethe, only weekly numbers and issues were allowed to appear.

30 [30]

There is an art to keeping things at a distance merely through the words and names we assign to them: a foreign word often makes something foreign to us that we otherwise know quite well from close up. If I say wisdom and love of wisdom, I certainly feel something more familiar, more effective than if I say philosophy: but as said, it is sometimes precisely the art of not letting things get too close. For there is often so much that is shameful in familiar words! For who would not be ashamed to call themselves a sage or even just a becoming sage! But as a philosopher? That rolls off the tongue so easily for everyone: about as easily as everyone bears the title Doctor, without ever thinking of the so presumptuous confession that lies within it, to be a teacher.

Let us therefore assume that the foreign word "Philosoph" is inspired by shame and modesty: or could it be true that perhaps there is no love of wisdom at all, and that the foreign designation, much like the word "Doctor," is meant only to conceal the lack of content, the emptiness of the concept? It is sometimes extraordinarily difficult to prove the existence of a thing: so intertwined, translated, hidden, so diluted and weakened is it, while the names persist and even deceive. Is what we now call philosophy truly love of wisdom? And are there any true friends of wisdom today? Let us boldly substitute "love of wisdom" for the word "philosophy": it will soon become clear whether they coincide.

30 [31]

Acquaintance with Plutarch. Montaigne on him. The most effective author (according to Smiles). Is a new Plutarch even possible? We all live in a styleless naturalistic morality; we easily consider ancient figures to be declamatory.

30 [32]

Christianity has shown higher forms: but the greater mass has relapsed. It is now so difficult to return to the simplicity of the ancients.

30 [33]

The Jesuits weakened and mitigated the demands of Christianity in order to still assert its power. Protestantism began with the declaration of Adiaphora on a large scale.

30 [34]

Gracian displays a wisdom and cleverness in life experience that nothing today can compare with. We are perhaps the microscopists of the real, our novels know how to see (Balzac, Dickens), but no one knows how to demand and explain.

30 [35]

The inclination towards mysticism is, after all, among our philosophers simultaneously a flight from tangible ethics. There are no more demands there, nor geniuses of goodness, of transcendent compassion. If imputability is placed into the essence, then the ancient moral systems become meaningless.

30 [36]

The philosophers want to escape science: they are hunted by it. One sees where it is weak. It no longer advances: because it itself is only science, gradually only boundary-keeping.

30 [37]

24Introduction.
8Internal.
8Objective.
8Hartmann.
8Antidotes.
56 

30 [38]

Draft of the “Untimely Meditations.”

  1. The Education Philistine.
  2. History.
  3. Philosopher.
  4. Scholars.
  5. Art.
  6. Teachers.
  7. Religion.
  8. State War Nation.
  9. Press.
  10. Natural Science.
  11. People Society.
  12. Traffic.
  13. Language.
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