8, 12[1-33] Sommer bis Ende Sept. 1875

12 [1]

Einfluß der Oresteia. Vordramatischer Theil.

Die Linie der Geschlossenheit höchster Art in der Form bis zu einem Spiele wie mit zarten Wolken, bei keinem Componisten.

Die Unruhe des Menschen in Ämtern, deren Unvereinbarkeit er durchschaute.

Das Publikum hat Wagner doch anders beurtheilt als ich meinte.

12 [2]

Wagner hat ein großes Reich Innen-Natur aufgeschlossen auch historisch und über die ganze Entstehung der Kunst einsichtig gemacht.

In einer entnüchterten Welt weist er auf die Kräfte hin, woraus alles Gute und Große selbst für diese entnüchterte Welt gewachsen ist.

Er läßt einen neuen Strom solcher Urkräfte über uns hinströmen und zeigt die Unversiegtheit der inneren Quelle der MenschNatur.

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Es giebt vielleicht ein paar ganz unaufmerksame Leute, die jetzt noch gar nichts von Bayreuth und den Dingen, welche sich jetzt an diesen Namen knüpfen, wissen: und dann zahllose, die viel Falsches davon wissen und erzählen. Aber auch das Wahre und Herrliche, was davon zu berichten bliebe, wie matt lebt es in den Empfindungen und Worten derer, die ehrlich genug sind, es anzuerkennen: und wiederum, wie unaussprechbar muß es ebendenselben erscheinen, welche ganz von dem Feuer jenes Geistes durchglüht sind, der hier zum ersten Mal zu der Menschheit reden will. Zwischen den Schwachempfindenden und den Sprachlosen stehe ich selber in der Mitte: dies zu bekennen ist weder vermessen noch allzubescheiden, sondern nur schmerzlich: weshalb gerade das, braucht Niemand zu wissen. Wohl aber entnehme ich aus meiner Mittenstellung ein Gefühl von Pflicht, zu reden und Einiges deutlicher zu sagen, als es bis jetzt in Bezug auf diese Ereignisse geschehen ist. Ich verzichte aus Noth darauf, die sehr verschiedenen Erwägungen, zu denen ich mich gedrängt fühle, in Form und Zusammenhang zu bringen; man könnte wohl den Eindruck eines Ganzen und Geschlossenen mit einiger Kunst der Täuschung hervorbringen: ich will ehrlich bleiben und sagen, daß ich es jetzt nicht besser machen kann, als ich es hier mache, ob ich es freilich schlecht genug mache.

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Zukunft von den Bayreuther Sommern: Vereinigung aller wirklich lebendigen Menschen: Künstler bringen ihre Kunst heran, Schriftsteller ihre Werke zum Vortrage, Reformatoren ihre neuen Ideen. Ein allgemeines Bad der Seelen soll es sein: dort erwacht der neue Genius, dort entfaltet sich ein Reich der Güte.

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Wagners Musik macht den Eindruck erhabener Arbeit, im Vergleich zu der flacheren Manier der älteren.

Das “Unbeugsam-Unbändige.”

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Wagner’s Nachwirkung—alle Gefahren, denen er als Künstler entgieng, wird man völlig erst erkennen, wenn es Nachahmer geben sollte—hier ist nun aufzuzählen.

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Erst glauben wir einem Philosophen. Dann sagen wir: “mag er in der Art, wie er seine Sätze beweist, Unrecht haben, die Sätze sind wahr.” Endlich aber: es ist gleichgültig, wie die Sätze lauten, die Natur des Mannes steht uns für hundert Systeme ein. Als Lehrender mag er hundertmal Unrecht haben: aber sein Wesen selber ist im Recht; daran wollen wir uns halten. Es ist an einem Philosophen etwas, was nie an einer Philosophie sein kann: nämlich die Ursache zu vielen Philosophien, der große Mensch.

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Wie durch Wagner die aesthetischen Gegensätze “subjektiv,” “objektiv,” romantisch, klassisch, naiv, sentimentalisch ganz aufgehoben sind; sie passen nicht.

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schreiben: zu Goethe’s Zeit regierte ganz Andres.

Degeneration: jetzige Dichter und Litteraten, junges Deutschland, Romantik, Goethe.

Progeneration: Luther Goethe Schiller Schopenhauer Beethoven Wagner.

Fortpflanzung des deutschen Wesens hoch über allem (Nach-Luther).

Was die Kunst in unsrer Zeit ist. Meistens etwas Entwürdigtes oder Einsiedlerisch-Selbstisches.

Was ist Bayreuth?

Nichts Harmloses.

Stellung der Kunst zur.

Vielleicht übertreibt unsere Empfindung etwas: wir sind genöthigt, zuviel Nöthe durch Eins wieder gut zu machen, durch Bayreuth.

Die Kunst ist jetzt im Geblüte einiger Menschen so mächtig geworden, um nun auch ihr Verhältniß zur übrigen Welt zu bestimmen.

Das ist eine Revolution, was jetzt in Bayreuth vor sich geht, die Constitution einer neuen Macht, die fern davon ist, sich nur aesthetisch zu fühlen.

Für den tieferen Blick ist es nichts Revolutionäres: sondern der Fortgang des deutschen Geistes in seinen Genien: in besonders schrecklicher ja verwirrender Beleuchtung durch das politische Prunken mit dem Nationalen (während das, was von den Nationalen verehrt wird, gerade uns beinahe als das Feindselige, mindesten als das Gefährlichste gilt).

Das aesthetische Phänomen fragt an: sucht voraus: giebt es noch verwandte Kräfte?

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Es dauert lange, ehe das Drama ja die Expos beginnt.

Kindheit—etwas Altes Altkluges—die Jugend des Menschen, seine Naivetät viel später bei Modernen.

Leipzig—geistiges Anschmecken, Ungründlichkeit der Empfindung, geschmeidiges Wesen, schlechte herrschende Neigungen der Litteratur.

Er schien zu dilettantisiren, zu lüsteln und genüßeln ohne Genuß.

Über Mangel an Erfahrungen soll sich keiner beklagen, sondern höchstens über den Überfluß.

Im Tannhäuser kann die bessere Natur für die andere eigentlich nur leiden und bitten, sie sind getrennt.

Im Lohengrin Sehnsucht aus Macht zur Liebe, zur fraglosen Treue.

Im Holländer das düstere Schweifen, das zum Fluch wird: das Leid des Heimwehs.

Begehren nach Macht, Taumel der Sinne—Zurückschrecken vor der ekelhaften Sittlichkeit und Verlogenheit.

Er landete an der Theaterwelt, der leichtfertigen, besonders nichtigen.

Unruhig, große Dürftigkeit—immer mit einem äußersten Mittel bereit.

Er wuchs aus keiner Kunstschule heraus, ohne Lehrer.

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Treue preisgeben zu Gunsten von Lebensstellungen Macht Einfluß (deutscher Meister).

12 [12]

das Gefährliche—Neigung zur Verstellung und List
dramatisch—Treue—Kunstwerk der Zukunft
Treue Lernen
Treue—Abziehungen durch das Leben—Widerstand gegen Berufe (nur so weit um sich als Meister zu fühlen)
Treue—Begabungen wollen einzeln. Bayreuth—Ziel.

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Für wen schaffe ich? er durchschaut seine Zuhörer mit dern Blick Dramatikers. Da sieht er eifersüchtig auf Andre.

Das Bild der Zuhörer, Mißtrauen gegen sie, Verzweiflung (Frage ob noch Musiker)

Erfolg—Stufe festhalten.

Freunde Symphonisches.

Wie kann einem Schaffenden wahre Liebe einwohnen?

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Gemeinsame Noth.

Sagenstoffe.

Er wuchs in die einfache Erhabenheit des Mythus hinein.

Das lechzende Verlangen der Volksseele.

Er spricht zuerst dem Sinn der Volkssage nach.

Er untersucht die moderne Civilisation.

Endlich findet er den vorwärtsschauenden Blick, er schafft den Mythus um.

Er will selbst mit helfen, die politische Veränderung herbeizuführen: großer Irrthum, er wähnt den Augenblick zur Herstellung des Volkes vor der Thür! Revolutionär zu Gunsten der Theater!

Wirkung durch Schriften, nachhelfend! Die Wirkung wird immer noch als sofortige erstrebt. Auch als Künstler nimmt er darauf noch Rücksicht (Tannhäuser)!!

Er propagirte seinen Glauben als Künstler (auch als Schriftsteller), was am stärksten auf ihn wirkte und ihn bewegte, das faßte er zu Kunstwerken zusammen. Tannhäuser Lohengrin. Es war eine Frage: giebt es noch andre Wagner?

Er schloß von der tiefsten Wirkung, die er empfand, auf die, welche er machen werde. Kunstwerke wurden zu Fragen fühlt ihr so, wie ich fühle, so werdet ihr auch gleich bedürfen. Dabei entdeckte er das Mißverhältniß—furchtbare Vereinsamung. Er hatte keinen Wunsch mehr für den Bestand der politischen Welt.

Er nahm die Musik aus.

Dann, wenn eine Vielheit so leidet, wie er leidet—das wäre Volk. Dann würde sie auch gleich bedürfen. Denn auch sein Streben nach Macht war naturwüchsig, volksmäßig. Er sah sein Kunstwerk näher vor sich und glaubte auch das Volk nahe. Er fand auf sich die tiefste Wirkung vom Volksglauben und vom dramatischen Gesange. Dies paarte er. Was auf ihn wirkte, werde einmal auf das Volk wirken: es werden die sein, welche eine gemeinsame Noth verbindet. Er multiplizirte sich zum Volk.

Dritte Periode: die Zeit erscheint ihm nichtig, er hat sich ganz auf sich zurückgezogen, die Wirkung liegt ihm fern, er legt Partitur neben Partitur hin, entsagt der Macht: die Zukunft wird ganz fern. Treue. Schopenhauer. Er wird einsam.

Es melden sich die Freunde, die Vorboten veränderter Zeiten und Sinne, Herberge gebend—er entdeckt die unvergleichliche Wirkung schon gethan zu haben.

Gefahr von Seiten der Freunde auf der früheren Stufe.

Er sieht in dem Kriege einen Kampf gegen die “Civilisation” und das Vertrauen auf die deutsche Tapferkeit.

Er begreift: seine Kunst ist das Kunstwerk der Zukunft und eine Vorläuferin, eine Anregung zur neuen Gesellschaft. Er versteht seine Stellung zum Kommenden anders, als auf der früheren Stufe.

Treue.

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Wenn eine Vielheit dieselbe Noth erlitte, wie er sie leidet—das wäre Volk, sagt er sich. Dann würden ihre gleichen Bedürfnisse auch gleich befriedigt. Sieht er nun zu, was ihn selbst in seiner Noth am tiefsten tröstet und beseeligt, so findet er den Mythus und die Musik: hier empfängt er die tiefste Befriedigung, also muß er hier auch am tiefsten bedürfen, und Noth sein. Die Musik ist nun eine Ausnahmekunst, nicht dem Luxus dienstbar, sondern entstanden wie ein Trost der Niedrigen und Schlichten, er findet eine herrliche Zusammengehörigkeit beider und fühlt seine Kraft zum Drama als verbindende Kraft zwischen diesen Sphären. Sein Kunstwerk, das auf ihn jetzt so unvergleichlich wirkt, stellt er als eine Frage auf: wo sind die, auf welche es gleich wirkt? Diese werden auch gleich leiden und bedürfen, wie ich. Eine Vielheit von uns ist das Volk, das wir ersehnen. Nun erlebt er eine schreckliche Enttäuschung, obwohl er durch Schriften nachhilft; alles ist befremdet, man mißt nach alten Maßstäben, man kritisirt nach alter Weise herum, man fühlt nicht die neue Frage. Er verzweifelt, denn das Volk ist nicht da, seine Noth wird nicht empfunden, sein Kunstwerk ist eine Mittheilung an Taube und Blinde, die Aussicht auf Wirkung und Macht ist hoffnungslos. Er taumelt und geräth ins Schwanken. Die Möglichkeit eines Umsturzes der Dinge steht als Hoffnung vor ihm, vielleicht daß hinterher wieder zu pflanzen ist.— In Kürze ist er politischer Flüchtling und im Elend. Es ist die zweite große Krisis.

Vereinsamt, die Zeit erscheint ihm nichtig, er hat sich ganz auf sich zurückgezogen, keine Hoffnung mehr. Er streift jetzt jede Rücksicht auf Wirkung ab, alles Verführerische und Anfragende, das Verständniß Erleichternde, und spricht nur mit sich. Sein Weltblick wendet sich in die Tiefe, er sieht das Leiden im Fundament und reinigt sich von allem Optimismus. Sehnsucht aus dem Tag in die Nacht, Tristan. Er findet die deutsche lutherische Heiterkeit wieder, die andere Völker nicht begreifen, durchgegohrne Meisterschaft der Msinger. Es kommen Freunde heran; viele beinahe gefährlich, sie wollen ihn dogmatisiren usw. Er geht hindurch unberührt, es handelt sich nicht mehr um Aesthetik und Musik für ihn. Ein ungeheures Werk, der Gesammtausdruck seiner Einsicht und Aussicht, mit einem wunderbaren metaphysischen Schwanken am Schluß. Macht resignirt aus Liebe. Er will dieses Werk zeigen, das Kunstwerk der Zukunft: während das jetzt nicht die Zukunft ist, auf die er rechnet. Der Krieg, symbolisch verstanden, giebt Muth.

12 [16]

Das Streben und Wollen der Macht ist jetzt unpersönlich geworden, ist rein in’s Schaffen übergetreten. Seine Kunst der höchsten Vollkommenheit und Ausdrucksfähigkeit: er denkt nicht mehr an eine zu erlebende Wirkung. Er will das Werk hinterlassen, legt Partitur neben Partitur.

Über Nacht kam es plötzlich anders. Der deutsche Krieg wurde von ihm eigen nachempfunden, wie sonst nicht in Deutschland. Er bekam Glauben an eins, während er gar keinen mehr in Betreff von Deutschen hatte, die deutsche Tapferkeit mit Besonnenheit und Dauer verbunden, er sah etwas seinem Schaffen Verwandtes und war hoch beglückt. Vielleicht finde ich jetzt—nicht das Volk, sondern nur so viel Freunde und Mitleidende, denen ich das Werk zeigen kann, wie es gemeint ist. Es war ihm um Begründung des Stils, der Tradition zu thun, für eine sehr ferne Zukunft.— Wenn wir “das Kunstwerk der Zukunft” jetzt sehen, so sollen wir doch immer sagen, es ist nicht diese Zeit, welche Wagner mit jener “Zukunft” gemeint hat! Was Wagner sein wird, das ist noch etwas ganz andres als er jetzt sein kann.

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Und nun trat in immer neuem Glanz der herrschende Gedanke seines Lebens vor ihn hin, fast verwandelt, aber beinahe noch mächtiger, reizvoller. Wirkung, unvergleichliche Wirkung!—womit! auf wen! Nicht mehr auf das Publikum der Theater, wie es ist, nicht mehr auf den modernen Menschen überhaupt, wie er zur Kunst sich eben verhält. Auch nicht mehr mit den Mächten der bisherigen Erfolge. In diesem Zeitpunkt des entscheidenden “Nicht mehr” begriff er das Wesen des Volkes und seinen Gegensatz, die Gesellschaft des Luxus.

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In doppelter Weise erscheint die Vergangenheit verkürzt, einmal weil sie nur von Einem Sehwinkel, allerdings einem wichtigen und nothwendigen aus gesehn wird und sodann weil in der einmal so geschauten Welt vieles ausgeschieden wird, nach einem Maßstabe. Aber nicht nur die Vergangenheit wird so gleichsam durch Verkürzung überschaulicher gemacht: das ganze Leben, auch das der Gegenwart und Zukunft, erscheint in einem verkleinerten Maßstabe und kann so leichter beurtheilt werden. Der Grad, in dem die Menschen mit der Kunst umgehen, die Tiefe oder Oberflächlichkeit der Beziehungen, die Wahrheit oder Eitelkeit in diesem Verkehr, wird zum Urtheil über die Zeiten und Völker benutzt: ihr Bedürfniß nach Kunst als Zeichen ihrer Sittlichkeit und Weisheit. Man kann von einem Menschen ziemlich viel wissen, wenn man genau weiß, ob er überhaupt Kunst nöthig hat, ob bildende oder tönende, welchen Meistern er sich zuneigt usw. Nimmt der Künstler selber diese Abschätzung vor, so kann man ihm nicht verargen, wenn er hier einen Werthmesser überhaupt zu haben glaubt: in seiner Betrachtung des Lebens ist die Kunst das Sonnensystem. Menschen ohne Kunst sind für ihn undenkbar, wie Menschen ohne Raum und Zeitvorstellungen es sind. Er findet nichts, worin nicht Kunst sich ausspräche: in der Art, wie ein Mench denkt, träumt, geht, ißt, sich unterredet, schreibt, liest, kämpft, verehrt, erzieht, den Tag und das Leben eintheilt, wie er den Staat aufbaut, die Stände auseinanderhält: überall ist hier eine äußerliche Erscheinung und eine Gesinnung, aus der gehandelt wird, zu unterscheiden. In dieser äußerlichen Erscheinung, sowohl wie in dieser Gesinnung, ist etwas, was Kunst ist: ein gewisser schöpferischer Drang nach dem

12 [19]

6.Wagner’s Zweifel.— Ist die Welt alt, verarmt geworden?
Durch Beethoven Widerlegung seines Zweifels: Unschuld.
Pastorale—ewige Menschheit.
Musik reicht nicht aus. Strauß.
Gegen den absoluten Musiker, den einsiedlerischen Verächter der Scheinwelt. Drama keine Kunstart, kein Kunstzweig.
Beseelung der inneren Phantasie.
Erregung der symbolischen Bewegungsmotive.
7.Veränderliches. Unveränderliches.
Das Drama als Prophezeiung eines reineren Lebens (im Gegensatz zu dem rückblickenden antiken Drama).
Versuch, Wagner auch als rückblickend zu verstehen: restaurative Richtungen. Das Volk. Genius.
8.Der zeugende Punkt in der Oper.
Schillers Ahnung.
Die drei Schwierigkeiten—Wortmelodie usw.
Überall Herausbildung aus dem Entarteten zum Kern.
Vorbildlich, es ist ein Zurückgehen scheinbar, noch mehr ein Abwerfen des Falschen Unechten Späten.
9.Reinigen vor und neben dem Schaffen.
Schriftsteller.
10.Der Dichter. Mythus. Sprache. Goethe.
11.Der Musiker.
12.Die Nibelungen: der Weltverkürzer: sein Leben und Wesen in ungeheurem Reflexe.

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Ich sagte, es wäre möglich daß die erlöste Kunst zu den Menschen spräche und nicht gehört werde. David Strauß hat die Pastorale gehört und nichts gehört.

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Was Thukydides über den Staat denkt.

Thukydides, Buch III cap. 84 ist echt. Es soll unklar sein, und in Stil und Gedanken den zeigen, etwas Revolutionäres. Ich meine, man ist vor den Gedanken dieses Capitels erschrocken; zum Theil hat man sie auch wohl nicht verstanden. Und so läßt man sich eines der wenigen Zeugnisse entgehen, wo Thukydides von seiner innersten Gesinnung redet, wo er sagt, was an der Menschennatur ist!

Der Mensch ist neidisch, ein Feind des Hervorragenden, sein Neid will schaden; so erträgt er eine Lage nicht, in der der Neid eine nicht schadende Kraft hat, den gesetzlichen Zustand.

Sie wollen lieber Rache als Recht, lieber egoistischen Gewinn an Stelle einer Lage, wo man ihnen keinen Schaden thut (kein Unrecht zufügt); sie ziehen vor dem (heißt: dem, daß man sie nicht schädigt, ihnen Unrecht thut)—und doch waren sie in einer Lage, wo der Neid keinen schadenden Charakter hatte.

Sie waren vor einander und vor den Ausbrüchen ihrer Bösartigkeit im Neid geschützt: und nun begaben sie sich in einen schutzlosen Zustand hinein—warum? um Rache an anderen zu nehmen. Sie können eben ihre Affekte nicht beherrschen.

Hier hat Thukydides seine Theorie vom Staate gegeben: und auch gesagt, was geschehen muß, sobald der Staat aufhört—gegenseitige Zerfleischung und Auslassung aller Affekte. Da tritt die menschliche Natur rein hervor, durch den Staat ist sie im Zaum gehalten. Übrigens erscheint hier die nicht als Produkt der Menschen, nicht als kluge Schutzanstalt der Egoismen gegen einander. Thukydides meint, die Menschen seien eben nicht klug genug dazu, sondern von Affekten beherrscht, momentan. Der Staat ist ihm wohl eine göttliche Institution. Die höchste Verehrung der blickt durch. Menschen könnten nach ihrer nicht stiften!

Im Staate herrscht Recht, nicht Rache, wird jeder geschützt vor Unrecht von dern anderen, und die Mißgunst hat keinen schädigenden Charakter. Trotzdem werfen sie ihn um, sie vergessen ihren eigenen Vortheil: so blind sind sie in ihrer Leidenschaft!

Für lese ich—( kommt sonst dreimal bei Thukydides vor, v. Register).

Der Adel der Gesinnung besteht zu einem sehr großen Theil aus Gutmüthigkeit (): Mangel an Mißtrauen, Harmlosigkeit.

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Zum Darwinismus.

Je mehr ein Mensch Gemeinsinn hatte, sympathische Affektionen, um so mehr hielt er zu seinem Stamme; und der Stamm erhielt sich am besten, wo die hingebendsten Einzelnen waren. Hier erstarkte die gute tüchtige Sitte, hier wurde die Unterordnung des Individuums gelernt und dem Charakter Festigkeit gegeben und anerzogen.— Doch ist hier die Gefahr der Stabilität, die Verdummung, groß.

Ungebundene, viel unsicherere und schwächere Individuen, die neues versuchen und vielerlei versuchen, sind es, an denen der Fortschritt hängt: unzählige dieser Art gehen zu Grunde ohne Wirkung, aber im Allgemeinen lockern sie auf und bringen so von Zeit zu Zeit dem stabilen Elemente eine Schwächung bei, führen an irgend einer schwachgewordenen Stelle etwas Neues ein. Dies Neue wird von dem im Ganzen intakten Gesamtwesen allmählich assimilirt.

Die degenerirenden Naturen, die leichten Entartungen sind von höchster Bedeutung. Überall wo ein Fortschritt erfolgen soll, muß eine Schwächung vorhergehen.

Die stärksten Naturen haben den Typus fest und halten daran. —

Entartung ist immer Verstümmelung: aber selten ist eine Einbuße ohne einen Vortheil auf einer anderen Seite. Der kränkere Mensch z. B. wird ruhiger und weiser; der einäugige wird Ein stärkeres Auge haben, der Blinde wird tiefer in’s Innere schauen.

Nicht Kampf um’s Dasein ist das wichtige Princip! Mehrung der stabilen Kraft durch Gemeingefühl im Einzelnen, Möglichkeit zu höheren Zielen zu gelangen, durch entartetende Naturen und partielle Schwächungen der stabilen Kraft. Die schwächere Natur, als die edlere wenigstens freiere, macht alles Fortschreiten möglich.

Ein Volk, das irgendwo schwach wird und anbröckelt, aber im Ganzen noch stark ist: das vermag die Infektion des Neuen aufzunehmen und zu assimiliren.

Ebenso der einzelne Mensch: das Problem der Erziehung ist, jemanden so fest und markig hinzustellen, daß er als Ganzes gar nicht mehr aus seiner Bahn gebracht werden kann. Dann aber hat der Erzieher ihm Wunden beizubringen: und wenn so der Schmerz, das Bedürfniß entstanden ist, kann auch dort etwas Neues und Edles inokulirt werden. Die Gesammtkraft wird es jetzt in sich hinein nehmen und so veredelt werden.

Die Deutschen wurden nicht nur verwundet, sondern fast zum Verbluten gebracht, man nahm Sitte Religion Sprache Freiheit. Sie sind nicht zu Grunde gegangen: aber daß sie eine tief leidende Nation sind, haben sie bewiesen, dadurch daß sie die Musik erfanden; sie haben den Segen der Krankheit erfahren. —

Dieser Lehre gegenüber ist der Darwinismus eine Philosophie für Fleischerburschen. Und die Stellung, die sie der Züchtung, die sie dem Weibe geben! Ist es denn wahr, daß die Weiber gerade nur für die stärksten Fleischerburschen Sinn und Neigung haben! Nicht einmal unter den Thieren ist es so.

Übrigens will ich mit meiner Betrachtung bei den Menschen verbleiben und mich hüten, aus den Gesetzen über die menschliche Veredlung auf Grund der schwächeren, entarteten Naturen, Schlüsse über die thierische Entwicklung zu machen. Ob es gleich noch viel mehr erlaubt wäre, dies zu thun als aus der Bestialität und ihren Gesetzen nun auch den Menschen bestialisch zu systematisiren: wie dies Herr Häckel in Jena thut, und seines Gleichen wie D. Strauß. —

12 [23]

Daß die idealeren Naturen nicht so gute Bürger sind —

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Um zu erklären, was ich unter Wagner’s zusammenziehender Kraft, unter dem Wort, er sei ein Vereinfacher der Welt, verstehe, schicke ich dies voraus. Er fand zwei neue Probleme, das der Musik und das des Drama’s: er fand sie dort, wo alle großen Probleme liegen, auf der Gasse, vor Jedermanns Füßen und doch allen Augen verborgen. Was bedeutet es, daß der neuerer Zeit gerade eine solche Kunst wie die der Musik ersteht? Ist dies nicht ein Widerspruch für jeden, der das Bild dieser Zeit sich vor die Seele stellt? Muß er nicht sagen: aus dieser Zeit konnte die Musik nicht entstehn: was ist dann ihre Existenz? Ein Zufall? Aber erst könnte ein einzelner Meister zufällig sein, das Erscheinen einer solchen Reihe von Leuchten und Sonnen zeigt doch wahrlich, daß nicht an Kometen-Erscheinung zu denken ist. Wagner giebt nun eine Antwort: die Existenz der Musik hängt mit der Stärke der modernen Zeit zusammen, diese aber hat ungeheure Schwächen anderer Organe mit sich gebracht: und dieser erkrankte und erschöpfte Zustand ist es, dem in der Musik ein Heilmittel erwächst. Einmal hat sie ein Verhältniß zur Sprache, als eine universal vorwortliche Sprache zu der ganz ausgeraubten entkräfteten rhetorisch und poetisch vernützten Sprache: die allgemeine Erkrankung aller Sprechenden, die Unfähigkeit, sich noch wirklich mit einander zu verständigen: wenn schon die Poesie für jeden jetzt dichtet, so denkt jetzt die Sprache für jeden, er ist der Sklave derselben und niemand hat noch Individualität in diesem ungeheuren Zwang. Man muß, durch Musik gehoben, einmal sich so fern gestellt fühlen, daß man in allem, was gesprochen wird, geschrieben wird, das typisch Gleichartige wahrnimmt: dann kommt es einem so vor, als ob alle individuelle Bildung unmöglich sei, weil sie versucht, auf dem Wort sich zu gründen; und das reißt jetzt jeden in die alten Bahnen. Zweitens fühlte Wagner die Stellung der Musik zu der jetzt sichtbaren Erscheinungswelt des modernen Lebens: sie ist bildlos und deshalb antagonistisch allem Gebilde. Nun zeigt ebenfalls in allem, worin der Mensch jetzt an der Erscheinung herum bildet, eine unsägliche Erschöpfung: alles Dagewesene, alles schöner dagewesen, selbst das Häßliche ist erhabner dagewesen. Das Gehen Stehen und sich Bewegen, die Form der Geselligkeit, die Manieren der öffentlichen Sprecher, die Geberden der Jünglinge, die Künste der Frauen: alles, alles worin frühere Zeiten den Leib gebildet haben und zum Spiegel schöner oder großer Bewegungen gemacht haben, ist ganz verkommen oder späte Nachahmung: bestenfalls ist alles Renaissance und zwar Nachblüthe derselben (die französische Civilisation). Faßt man hier die Musik als den Antagonisten der Gymnastik, so ist in ihr jedenfalls ein Punkt gewonnen, von wo aus einem das moderne Leben widerlich barbarisch vorkommt. Denn der, welcher in dem rhythmischen Gange der großen Musik lebt, erkennt zuerst an sich und von da aus an allen andern, wie unfähig er für gewöhnlich ist, diesem reinen und erhöhten und doch machtvoll bewegten Innenleben der Musik etwas entgegenzustellen, was als Bild, als Erscheinung, dazu gehöre: während er gewöhnlich nur den peinlichen Eindruck bei diesem Suchen hat, daß er in ein Durcheinander von Verzerrungen und Übertreibungen hineinblicke. Nun ist der Eindruck der Musik selbst so stark, daß nicht nur der Rhythmus der Gymnastik vor ihm sich auszuweisen hat: alles, was ein rhythmisches Verhalten an sich hat, die ganze Lebensordnung von Individuen, die Politik von Völkern, das Verhalten der Handelsinteressen zu einander, der Kampf der Stände, das Widerspiel zwischen Volk und Nichtvolk—unwillkürlich wird es der mit Musik erfüllte Mensch an der Musik messen und verurtheilen: er begreift es, was es heißen will, einen Staat auf Musik zu gründen, was die Griechen nicht nur begriffen hatten, sondern auch forderten. Und zwar ist es auch nicht allein das Rhythmische; auch das Seelenvolle Ehrliche in der unpersönlichen Leidenschaft und doch das aus unerschöpflicher Tiefe aufquellende ruhige Feuer der Musik—dies alles wird ihm zum Richter seiner modernen Welt.

So verurtheilt Wagner diese Welt, weil sie dem Ideal, das er nicht als Bild aber als Seele der Musik in sich trägt, nicht entspricht. Er würde sie verneinen und aufheben müssen, wenn er nur Musiker wäre. Und in der That ist es sein tiefer Gegensatz gegen alle sonstigen Musiker unserer Zeit, daß sie von sich aus nicht diese Verneinung und Aufhebung wollen; er schließt daraus, daß sie jenes Feuer eben nicht im Leibe haben und in Folge dessen keine rechten Musiker sind. Entweder verneint euch als Musiker, hört auf welche zu sein oder hebt die Welt vermöge eurer inneren Kraft aus den Angeln—so ruft er ihnen zu.

Diese Verneinung kann nun verschiedenartig gedacht werden: revolutionär oder asketisch. Im ersten Falle wird der Musiker zuerst darauf sinnen, der Musik eine einflußreiche Stellung zu verschaffen, er wird ihre Verkümmerungen, ihre verächtliche Lage, ihren Mißbrauch zu leeren folgenlosen Unterhaltungen bekämpfen: indem er durch seine ernste Musik die Individuen weiht und zu Werkzeugen der umwälzenden Macht der Musik macht, wird er hoffen können, überall hin seinen Einfluß zu tragen: wer möchte z. B. zweifeln, daß eine Gesellschaft, die den wahren Geist Beethovenscher Musik in sich aufgenommen hat, unserer jetzigen Gesellschaft, in Staatsform Erziehung usw., sehr wenig ähnlich sehen würde! Zweitens kann jene Verneinung der gegenwärtigen Erscheinung leicht noch zu einer weiteren Stufe der Verneinung führen. Wer, wie Schopenhauer, in der Musik eine Welt hinter dieser Welt sieht, die noch nicht in die Form der Individuation eingegangen ist, und wer andererseits gerade den gebrechlichen tief hoffnungslosen Charakter des Lebens aus der trennenden Gewalt der Indiv ableitet, muß in der Musik die wenngleich begriffs- und bildlose Conception einer besseren Welt machen, einer unschuldigen, liebevollen, heiter-tiefsinnigen.

Ganz auf diese Welt sich zurückziehend steht der Musiker dann, wie Wagner es an Beethoven geschildert hat, beinahe in der Sphäre der Heiligkeit: die unvergleich Reinheit Bewegtheit Gluth die kindliche Unmittelbarkeit, der völlige Mangel der Verstellung, die Abwesenheit der Convention das ist der Musik eigen, nicht den andern Künsten, die eben der Erscheinungswelt als Abbilder zu nahe stehen.

Hiermit könnte es nun erscheinen, daß ein Nebeneinander der Musik und der Erscheinungswelt eben ein Mißgebilde sein müsse, daß ihre Unverträglichkeit gerade fest stünde. Hier nun machte Wagner seinen zweiten Fund, er fand das Problem des Dramas wieder. Der Mensch, der die Seele der Musik in sich aufgenommen hat und von diesem Erfülltsein aus auf die allgemeine Natur und das Loos der Menschen zu allen Zeiten hinblickt, thut dies nicht mit Ekel, mit Haß: sondern so wie Beethoven die Natur in der Pastorale sieht, mit Liebe, mit einem alles verstehenden Mitleid. In größeren Bildern des menschlichen Wollens sieht er die Art seines eigenen Wollens, nur mit Wahn und trügerischen Zielen vor sich, so daß er das tragische Ergebniß dieses individuellen Wollens vorhersehen kann. Als Seele der Musik faßt er gerade die Liebe: und gerade das, was er am meisten in seiner Hoffnungslosigkeit des Strebens durchschaut, muß er am meisten lieben. Andererseits ist der große Musiker als Abbild des universalen Willens, in einer natürlichen Sympathie für das Individuum, das sich in der Ausdehnung seines Wollens dem universalen Willen nähert; das Feuer, das ihn durch’s Leben führt, erkennt er als verwandt dem Feuer der in ihm waltenden Musik an: nur daß der Wille, der in der Musik erscheint, reiner unschuldiger und trugloser ist und bereits als unpersönlich gewordener Wille dem Eingang zur Selbstverneinung und dem Zustand der Heiligkeit sich nähert, von dem der ringende Held noch ferne ist: zwar vielleicht nicht so weit, denn gerade wegen der Heftigkeit seines Ringens kann er plötzlich einmal von der Einsicht in die Erfolglosigkeit überrascht werden.

12 [25]

Dichtung als Litteratur

die französische Rhetorik des Stils

eine Änderung durch die bildende Kunst zu erwarten ist albern

der ganze moderne Mensch durch und durch von Musik noch leer, noch nicht von ihr geformt

Mangel der Musik in der Erziehung, wie Tanz verzerrtes Gebilde sich zur Orchestik verhält, so der Schein zur griechischen Erscheinung: der französische Stil zum griechischen; Turnkunst jämmerliches Stückwerk.

12 [26]

Die gewohnte Leichtfertigkeit—oder ist es gar die thörichte Überhebung der modernen Menschen?—bringt es mit sich, daß den tief spürenden, der reichsten Erfahrung nachgehenden Einreden Platos gegen die Kunst jetzt kein Gehör mehr geschenkt wird; wer aber noch belehrbar ist, muß sehr bestimmt einsehen, daß das Walten einer mächtigen Kunst auch eine Menge Gefahren mit sich führt und daß gerade die größten Künstler eine Nachwirkung gehabt haben, welche den besorgteren Denkern fast bei jedem neuen Erscheinen solcher Mächte Furcht einflößen muß. Allzu leicht erscheint es so als ob die Kunst die Ziele des thätigen Lebens selber hinzustellen hätte, und mit gefährlichstem Mißverstande wird dann der Künstler als unmittelbarer Erzieher verstanden. Wird dagegen seine wundervolle Aufgabe mit Recht so begriffen, daß er für das kämpfende und zielesetzende Leben einzuweihen hat, so ist man ebenso im Recht, ihn sich auf das Schärfste vom Leben selber abgetrennt zu denken und seinen Nachwirkungen ein Strombett anzuweisen, welches nicht den Gang des Lebens durchkreuzt und bestimmt. Man würde Plato’s Meinung treffen, wenn man mit einiger Härte darauf bestünde, daß es gleichgültig sei, was ein Künstler in socialer und politischer Hinsicht denke: daß es z. B. für die Athener ohne Gewicht sein mußte, ob Aeschylus sich für oder gegen die Beschränkung des Aeropag erklärte; ja ich glaube sogar, erst dadurch, daß man in dem Künstler gerade etwas Überzeitliches verehrt, wird man sich gegen das Gefährliche, was in seiner direkten Wirkung auf die Zeit liegt, einigermaßen schützen können. Ich will in diesem Zusammenhange darauf aufmerksam machen, daß es überaus nahe liegt und deshalb gefährlich ist, Wagner nicht als Künstler zu verstehen oder anders ausgedrückt: aus seinen Kunstwerken bestimmte Winke über die Gestaltung des Lebens entnehmen zu wollen. Es liegt dies so nahe, weil Wagner selber in verschiedenen Perioden den Versuch gemacht hat, bestimmtere Antworten auf die Frage nach dem Zusammenhang seiner Kunst mit dem Leben zu finden. Es giebt Aufsätze von ihm, die ganz von dem magischen Lichte eines seiner Kunstwerke überströmt sind—und jedes Kunstwerk hat ein ihm eigenthümlich gefärbtes Licht.

12 [27]

Liebe und Verachtung.

Schluß: worin vereinfacht er die Welt?

Nächstes Capitel: die historische Entwicklung der Musik.

Wagner als Reiniger der Kunst, ihrer Stellung zum Leben—selbst als Schriftsteller (zu schreiben, was ich leide).

12 [28]

Nach der Unterbrechung weiter. Der Vereinfacher der Welt, wie in der Philosophie.

Er sieht sie unter einem einzigen aber nothwendigen Sehwinkel: wie steht es mit der Kunst? Da verkürzt er die Geschichte sehr.

Er reinigt: er verscheucht die Vorstellung, daß die Welt organisch alt geworden sei.

Die Quelle der Natur noch eben so frisch, der Mensch noch unausgeschöpft.

Man muß nur Begriffswolken verscheuchen, falsche Beängstigungen, als ob der Mensch schon verarmt sei.

Der Haß gegen die weichlichen Kunstfreunde.

Das Wesen der Musik giebt ihm das Licht; sie steht im Gegensatz zu unsrer begrifflichen und litterarischen Welt (die Welt des Scheins unfruchtbar, Hillebrand mit seinen Hoffnungen lächerlich). Wagner bildet die innere Phantasie aus.

Schopenhauer faßt sie als etwas Metaphysisches, Wagner fragt: giebt es ein Leben, welches der Musik einmal entsprechen wird? (Griechen gründeten ihre Staaten auf Musik)

Daß es eine solche Welt geben muß, ersieht er als Dramatiker (das Drama ist keine Kunstart, kein Litteraturzweig).

Er sieht Phänomene vor sich gleichsam mit drei Dimensionen—hörbar schaubar begreifbar.

Wo hat er dies Phänomen zuerst gesehen? In der Oper.

Schillers Ahnung.

Der moderne Künstler hat immer erst zu reinigen, ehe er schaffen kann—meistens wird die Reinigung zuerst eine persönliche sein.

5. (b)

Wagners Kampf im Kunstwerke.

6.

Wagner in der Oper. Das Publikum. Weg zu Beethoven.

Das anscheinend Reaktionäre-Romantische. Gegensatz zur Civilisation.

7.

Das anscheinend Desperative. Gegensatz zur Welt der Erscheinung.

So erscheint er fast als restaurativer Typus?

Logische Trägheit.

Fühlen Ahnen. Die Unbewußtheit, Instinktivität.— Aber alles dies ist nur als Schein zu nehmen: sein Charakter ist progressiv.

12 [29]

Wagners Kampf im Kunstwerk.

Rienzi—Gegensatz zur “Ordnung,” der Reformator.
Holländer—das Mythische gegen das Historische.
Tannhäuser Lohengrin—das Katholische gegen das Protestantische (das Romantische gegen die Aufklärung).
Meistersinger—Gegensatz zur Civilisation, das Deutsche gegen das Französische.
Tristan—Gegensatz zur Erscheinung. Das Metaphysische gegen das Leben.
Nibelungen—freiwilliges Verzichten der bisherigen Weltmächte: Gegensätze von Weltperioden—mit Umwandlung der Richtung und der Ziele.

12 [30]

Goethe nennt all sein Wirken symbolisch.

So verstehe man auch den Lebensgang Wagner’s symbolisch.

Er beginnt in einer verdorbenen Kunst und zwar den einzigen Punkt entdeckend, wo Kraft ist.

Von da aus reinigt er seine Vorstellung von dieser Kunst und sich selbst.

12 [31]

Er geht nicht nur durch das Feuer, sondern auch durch den Dampf des Wissens und der Gelehrsamkeit hindurch—mit jener Treue gegen ein höheres Selbst oder, noch richtiger, durch die Treue eines höheren Selbst gegen ihn, welches ihn aus seinen schwersten Gefahren immer wieder herausführte. Dieses höhere Selbst verlangte von ihm nur Gesammtthaten seines polyphonen Wesens, und hieß ihn leiden und lernen, um jene Thaten thun zu können, es führte ihn zur Prüfung und Stärkung an immer schwereren Aufgaben vorbei. Die höheren Gefahren und Prüfungen aber nahten ihm nicht als dem persönlich Unbefriedigten und Leidenden, nicht als dem Lernenden, sie erwuchsen aus einer Verbindung von Leiden und Lernen, aus dem heftigen Triebe, dem eignen Leide, das er in immer höherer Verallgemeinerung empfand und zu dessen Verständniß er Historie und Philosophie hinzunehmen mußte, einen rettenden Gedanken entgegenzustellen: es sind die Gefahren der Absichten, durch welche der Künstler die Reinheit seines Werdens kreuzte; seine Kunst sollte diesen Absichten dienen, sie sollte mehr leisten und sofort leisten, als eine Kunst, noch dazu eine dunkel ans Licht ringende neue Kunst vermag; indem er sie der Reihe nach zum Heilmittel seiner selbst, des modernen Menschen und endlich des Lebens überhaupt bestimmte, verfiel er in die schwerste Krankheit, in welche ein Künstler verfallen kann, in die der bestimmten Absichten. Zuerst begehrte er von ihr alles das, was ihm sein persönliches Schicksal nicht bot: hier enttäuscht, verlangte er von ihr Befriedigung und Ersatz für jene ungeheuren Mängel, an denen die neuere Menschheit und jeder Einzelne in ihr leidet: auch hier enttäuscht und zur Hoffnungslosigkeit verurtheilt, ersah er in seiner Kunst die Religion, den Trost für das Dasein überhaupt. Und erst hier war das Absichtliche in seinem Wollen so in’s Unbegrenzte gehoben, daß seine Kunst und alles Unabsichtliche seines Wesens sich völlig frei und ungehemmt ergehen konnte. —

12 [32]

4.

Darüber nachzudenken, was Wagner ist, an allen Lebens- und Machtäußerungen seiner vielspältig-einheitlichen Natur betrachtend vorüberzugehn: das wird die Heilung und Erholung sein, welche jedermann begehren muß, der darüber, wie Wagner wurde, gedacht und gelitten hat. Ein solches wahrhaft großes, wahrhaft frei gewordenes Können und Dürfen ist das herrlichste Schauspiel von der Welt; wo eine solche Begabung erscheint, wird die Erde, für den Betrachter wenigstens, zu einem sommerlichen Garten. Er kann, von dem Glück dieses Schauspiels aus, kaum anders als selbst in jenes leidvolle Werden eine verklärende und beinahe rechtfertigende Zweckmäßigkeit hineinzulegen: zu erwägen, wie der großen Natur alles zum Heil und Gewinn werden muß, so schwere Schulen sie auch durchgeführt wird: wie sie sich von Gift nährt und gesund und stark dabei wird, wie jede Gefährlichkeit sie beherzter, jeder Sieg sie besonnener gemacht hat.

12 [33]

5.

Es giebt nichts Hoffnungsloseres, als von solchen complicirten und seltenen Zuständen der Seele zu Anderen zu sprechen, wenn diese nicht selber durch die Erinnerung an eigne ähnliche wenn auch vielfach schwächere Zustände und durch ein beschauliches Suchen in ihrem Innern dem Sprechenden auf halbem Wege entgegenkommen. Solche bereite Zuhörer aber vorausgesetzt, halte ich es allerdings für möglich, den ganz eigenen und einzigen Eindruck einer großen Begabung allmählich so deutlich für die Empfindung auszuprägen, daß wir von der entscheidenden Sicherheit dieses Eindrucks aus unwillkürlich auf jenen Zustand zurückschließen, in welchem der Künstler sich zum Schaffen gedrängt fühlt, d. h. den Eindruck der Welt auf sich als einen Anruf seiner eigensten Kraft empfindet. Auf ein Mitwissen um diesen Zustand kommt aber alles an, und jede Beschäftigung mit Kunst kann bei dem Nichtkünstler nur dies Ziel haben, zuletzt einen Eingang zu jenen sonst verborgenen Seelen-Mysterien zu entdecken, in denen das Kunstwerk geboren wird. Der Künstler ist nur gerade als Mittheilender über diese Mysterien Künstler; er will uns durch seine Art zu sprechen und sich mitzutheilen zu Mit-Eingeweihten machen, er will mit seinem Werke auf etwas hinweisen, was vor dem Werk, hinter dem Werk ist. “Die Natur ist nach Innen zu viel reicher, gewaltiger, seliger, furchtbarer, ihr kennt sie nicht, so wie ihr gewöhnlich lebt!” ruft uns der Künstler zu, “nun folgt mir einmal und laßt das trüberleuchtete Stück Natur und Leben, welches ihr allein als wirklich zu kennen scheint, hinter euch. Ich führe euch in ein Reich, das ebenfalls wirklich ist: ihr selber sollt sagen, wenn ihr aus meiner Höhle in euren Tag zurückkommt, welches Leben wirklicher ist!”

Wenn bis zu irgend einem Grade dies die Stimme jedes großen Künstlers an uns ist, so doch vor Allem die Stimme Wagner’s. Das, wozu sie uns ladet, ist Rückkehr zur Natur; und in diesem Zusammenhang darf man am wenigsten fürchten, Mißverständnisse mit solch einem Worte zu erregen. Es handelt sich wahrhaftig nicht um eine bequeme Entschließung, sich einmal natürlich zu geben und in einer idyllischen Schlichtheit zu lustwandeln: so harmlos war jene Aufforderung nicht gemeint. Der Künstler weiß recht wohl, daß wir Alle, wenn er nicht den Weg uns zeigt, niemals den Eingang in die noch unbekannt gebliebene Urwelt der Natur finden werden. Denn übermächtig ist die Last, die auf uns liegt; ein Schleier aus kalten und künstlichen Begriffen und Lehrmeinungen gesponnen hält unser Auge; unser Gefühl regt sich kaum gegen die Gewohnheit der verwickeltsten und härtesten Gesetzbarkeiten oder regt sich in falschem Takte, wir haben auch die Sprache des Gefühls verlernt: so sind wir viel zu schwach und können gar nicht so weit aus eignen Kräften gehen, um die Natur zu finden. Aber auch die Hand unseres Ermahners und Befreiers ist übermächtig: er führt uns, ohne daß wir sehen, wohin: bis wir plötzlich fühlen und hören und mit allen Sinnen auf einmal wissen, wo wir stehen—in der freien Natur, und selber verwandelt zu natürlich Freien.

Die Bedeutung der Musik. Befreiung der Musik. Das Improvisatorische. Wagner unterjocht. Das Demosthenische. Wagner als Dichter, als Prosaiker. Das Adstringirende.

8, 12[1-33] Sommer bis Ende Sept. 1875

12 [1]

Influence of the Oresteia. Pre-dramatic part.

The line of closedness of the highest kind in form up to a play as if with delicate clouds, in no composer.

The restlessness of man in offices, whose incompatibility he saw through.

The public has judged Wagner differently than I thought.

12 [2]

Wagner has unlocked a great inner realm of nature, also historically and insightfully over the entire origin of art.

In a disillusioned world, he points to the forces from which all that is good and great has grown, even for this disillusioned world.

He lets a new stream of such primordial forces flow over us and shows the inexhaustibility of the inner source of human nature.

12 [3]

There may perhaps be a few quite inattentive people who still know nothing at all about Bayreuth and the things that are now associated with this name: and then countless others who know and tell much that is false about it. But even the true and glorious things that remain to be reported, how feebly they live in the feelings and words of those who are honest enough to acknowledge them: and again, how inexpressible must they appear to those very same people who are completely aglow with the fire of that spirit which here wishes to speak to mankind for the first time.

Between the weak-minded and the speechless, I stand in the middle myself: to confess this is neither presumptuous nor overly modest, but merely painful: why exactly that is, no one needs to know. However, from my middle position, I derive a sense of duty to speak and to say some things more clearly than has been done so far regarding these events. Out of necessity, I refrain from bringing the very different considerations to which I feel compelled into form and context; one could well create the impression of a whole and closed work with some art of deception: I want to remain honest and say that I cannot do better now than I do here, even if I do it badly enough.

12 [4]

Future of the Bayreuth Summers: Union of all truly living people: Artists bring their art forward, writers their works for recitation, reformers their new ideas. A universal bath of souls it shall be: there the new genius awakens, there a realm of goodness unfolds.

12 [5]

Wagner's music gives the impression of sublime work, compared to the shallower manner of the older ones.

The “Unyielding-Unbending.”

12 [6]

Wagner’s Nachwirkung—all the dangers he avoided as an artist will only be fully recognized when there are imitators—here they are to be listed.

12 [7]

First we believe a philosopher. Then we say: “he may be wrong in the way he proves his propositions, the propositions are true.” Finally, however: it is irrelevant how the propositions are phrased, the nature of the man stands surety for a hundred systems. As a teacher he may be wrong a hundred times: but his very being is in the right; that is what we want to hold on to. There is something in a philosopher that can never be in a philosophy: namely the cause of many philosophies, the great man.

12 [8]

How through Wagner the aesthetic opposites “subjective,” “objective,” romantic, classical, naive, sentimental are completely dissolved; they fit not.

12 [9]

writing: in Goethe’s time, things were ruled quite differently.

Degeneration: current poets and literati, Young Germany, Romanticism, Goethe.

Progeneration: Luther Goethe Schiller Schopenhauer Beethoven Wagner.

Propagation of the German essence high above all (post-Luther).

What art is in our time. Mostly something degraded or hermit-like and self-centered.

What is Bayreuth?

Nothing harmless.

Position of art toward.

Perhaps our feeling exaggerates somewhat: we are compelled to make up for too much distress through one thing, through Bayreuth.

Art has now become so powerful in the bloom of some people that it determines their relationship to the rest of the world.

This is a revolution, what is now happening in Bayreuth, the constitution of a new power, far from feeling only aesthetic.

For the deeper gaze, it is nothing revolutionary: but the progress of the German spirit in its geniuses: in particularly terrible, indeed confusing illumination through the political display of the national (while what is revered by the nationalists seems to us almost as the hostile, at least as the most dangerous).

The aesthetic phenomenon asks: seeks ahead: are there still related forces?

12 [10]

It takes a long time before the drama, yes, the exposition begins.

Childhood—something old and precocious—the youth of man, his naivety much later in moderns.

Leipzig—intellectual tasting, superficiality of feeling, pliable nature, bad dominant tendencies of literature.

He seemed to be dabbling, lusting, and indulging without pleasure.

No one should complain about a lack of experiences, but at most about the excess.

In Tannhäuser, the better nature can only suffer and plead for the other; they are separated.

In Lohengrin, longing from power to love, to unquestioning loyalty.

In The Flying Dutchman, the somber wandering that becomes a curse: the suffering of homesickness.

Desire for power, intoxication of the senses—recoiling from the disgusting morality and hypocrisy.

He landed in the theater world, the frivolous, especially trivial one.

Restless, great poverty—always ready with an extreme measure.

He did not emerge from any art school, without teachers.

12 [11]

Loyalty abandoning in favor of life positions power influence (German master).

12 [12]

the dangerous—tendency toward deception and cunning
dramatic—loyalty—artwork of the future
learning loyalty
loyalty—deductions through life—resistance to professions (only to the extent of feeling like a master)
loyalty—talents want to be individual. Bayreuth—goal.

12 [13]

For whom do I create? he sees through his listeners with the gaze of a dramatist. There he looks jealously at Andre.

The image of the listeners, mistrust towards them, despair (question whether still a musician)

Success—hold onto the level.

Friends Symphonic.

How can true love reside in a creator?

12 [14]

Shared distress.

Legendary material.

He grew into the simple sublimity of myth.

The yearning desire of the people's soul.

He first speaks according to the meaning of the folk legend.

He examines modern civilization.

Finally, he finds the forward-looking gaze, he reshapes the myth.

He wants to help bring about political change himself: great error, he believes the moment for the restoration of the people is at the door! Revolutionary in favor of the theater!

Effect through writings, assisting! The effect is still sought as immediate. Even as an artist, he still takes this into account (Tannhäuser)!!

He propagated his faith as an artist (also as a writer), what most strongly affected him and moved him, he combined into works of art. Tannhäuser Lohengrin.

It was a question: are there still other Wagners?

He concluded from the deepest effect he felt to the one he would make. Works of art became questions do you feel as I feel, then you will also immediately need. In doing so, he discovered the disproportion—terrible isolation. He no longer had any desire for the existence of the political world.

He took the music out.

Then, if a multitude suffers as he suffers—that would be the people. Then they would also immediately need. For his striving for power was also natural, of the people. He saw his work of art closer before him and also believed the people near. He found on himself the deepest effect from popular belief and from dramatic song. This he paired.What affected him will one day affect the people: it will be those who are united by a common need. He multiplied himself into the people.

Third Period: time seems trivial to him, he has withdrawn entirely into himself, the effect is distant to him, he lays score next to score, renounces power: the future becomes very distant. Loyalty. Schopenhauer. He becomes lonely.

It is the friends who announce themselves, the harbingers of changed times and senses, giving shelter—he discovers that he has already achieved the incomparable effect.

Danger from the friends on the earlier stage.

He sees in the war a struggle against “civilization” and trust in German bravery.

He understands: his art is the artwork of the future and a forerunner, an inspiration for the new society. He comprehends his position toward the coming era differently than on the earlier stage.

Loyalty.

12 [15]

If a multitude suffered the same distress as he does—then that would be a people, he tells himself. Then their equal needs would also be equally satisfied. Now, when he looks to see what most deeply comforts and inspires him in his distress, he finds myth and music: here he receives the deepest satisfaction, so he must also be most deeply in need here, and in distress. Music is now an exceptional art, not serving luxury, but having arisen as a consolation for the lowly and simple; he finds a magnificent unity between the two and feels his power for drama as a connecting force between these spheres. His work of art, which now affects him so incomparably, he poses as a question: where are those upon whom it has the same effect? They will also suffer and be in need, just as I am. A multitude of us is the people we long for.

Now he experiences a terrible disappointment, though he seeks help through writings; everything is alienated, people measure by old standards, they criticize in the old way, they do not feel the new question. He despairs, for the people are not there, his distress is not felt, his work of art is a message to the deaf and blind, the prospect of effect and power is hopeless. He stumbles and wavers. The possibility of an overthrow of things stands before him as hope, perhaps that afterward there will be planting again.— Soon he is a political refugee and in misery. It is the second great crisis.

Isolated, time seems trivial to him, he has withdrawn entirely into himself, no hope left. He now casts off every consideration of effect, everything seductive and questioning, that which eases understanding, and speaks only to himself.His worldview turns inward, he sees suffering at its core and purges himself of all optimism. Longing from day into night, Tristan. He rediscovers the German Lutheran cheerfulness that other nations do not understand, the refined mastery of the Meistersinger. Friends approach; many almost dangerous, they want to dogmatize him, etc. He passes through untouched, for it is no longer about aesthetics and music for him. A monumental work, the total expression of his insight and outlook, with a wonderful metaphysical oscillation at the end. Power resigns out of love. He wants to show this work, the artwork of the future: while the present is not the future he anticipates. War, understood symbolically, gives courage.

12 [16]

The striving and desire for power has now become impersonal, has passed purely into creation. His art of the highest perfection and expressiveness: he no longer thinks of an effect to be experienced. He wants to leave behind the work, lays score next to score.

Overnight it suddenly came differently. The German war was felt by him in a unique way, as never before in Germany. He gained faith in one thing, while he had none at all regarding Germans, the German bravery combined with composure and endurance, he saw something related to his creation and was highly delighted.

Perhaps I will now find—not the people, but only so many friends and sympathizers to whom I can show the work as it is intended. It was about establishing the style, the tradition, for a very distant future.— If we now see "the artwork of the future," we should always say that it is not this time that Wagner meant by that "future"! What Wagner will become is still something entirely different from what he can be now.

12 [17]

And now the ruling thought of his life appeared before him in ever new splendor, almost transformed, but nearly even more powerful, more alluring. Effect, incomparable effect!—with what! on whom! No longer on the theater audience as it is, no longer on the modern human being in general, as he relates to art. Nor any longer with the forces of previous successes. At this moment of decisive “no longer,” he grasped the essence of the people and its opposite, the society of luxury.

12 [18]

In a twofold manner, the past appears shortened, first because it is seen from only one perspective, albeit an important and necessary one, and second because much is excluded from the world thus perceived, according to a standard. But not only is the past made more comprehensible, as it were, through this shortening: the whole of life, including that of the present and future, appears on a diminished scale and can thus be more easily judged. The degree to which people engage with art, the depth or superficiality of their relations, the truth or vanity in this intercourse, is used to judge the times and peoples: their need for art as a sign of their morality and wisdom.

One can know quite a lot about a person if one knows precisely whether they need art at all, whether visual or auditory, which masters they favor, etc. If the artist themselves makes this assessment, one cannot blame them for believing they have a measure of value here: in their view of life, art is the solar system. People without art are as inconceivable to them as people without concepts of space and time.He finds nothing in which art does not express itself: in the way a person thinks, dreams, walks, eats, converses, writes, reads, fights, worships, educates, divides the day and life, how he builds the state, keeps the classes apart: everywhere here an external appearance and a disposition from which action is taken can be distinguished. In this external appearance, as well as in this disposition, there is something that is art: a certain creative urge towards the

12 [19]

6.Wagner’s Doubt.— Is the world old, impoverished?
Through Beethoven, refutation of his doubt: Innocence.
Pastorale—eternal humanity.
Music is not enough. Strauss.
Against the absolute musician, the hermit-like despiser of the apparent world. Drama is no art form, no branch of art.
Animation of inner fantasy.
Excitation of symbolic movement motives.
7.Changeable. Unchangeable.
Drama as prophecy of a purer life (in contrast to the retrospective ancient drama).
Attempt to understand Wagner also as retrospective: restorative directions. The people.
Genius.8.The procreating point in the opera.
Schiller's premonition.
The three difficulties—word melody etc.
Everywhere development from the degenerate to the core.
Exemplary, it is an apparent regression, even more a shedding of the false, inauthentic, late.9.Purify before and alongside creation.
Writer.10.The poet. Myth. Language. Goethe.11.The musician.12.The Nibelungs: the world-shortener: his life and essence in immense reflection.

12 [20]

I said it would be possible that redeemed art could speak to people and not be heard. David Strauß heard the Pastorale and heard nothing.

12 [21]

What Thucydides Thinks About the State.

Thucydides, Book III cap. 84 is authentic. It is said to be unclear, and in style and thought to show something revolutionary. I believe that people were shocked by the ideas of this chapter; partly they also did not understand them. And so they let slip one of the few testimonies where Thucydides speaks of his innermost conviction, where he says what is in human nature!

Man is envious, an enemy of the outstanding, his envy wants to harm; thus he cannot endure a situation in which envy is not a harmful force, the legal state.

They would rather have revenge than justice, rather selfish gain instead of a situation where no harm is done to them (no injustice is inflicted); they prefer that (meaning: that no harm is done to them, no injustice is inflicted)—and yet they were in a situation where envy had no harmful character.

They were protected from each other and from the outbursts of their malice in envy: and now they put themselves into a defenseless state—why? to take revenge on others. They simply cannot control their affects.

Here Thucydides has given his theory of the state: and also said what must happen as soon as the state ceases—mutual tearing apart and unleashing of all affects. There, human nature emerges purely, through the state it is kept in check.

By the way, here it does not appear as a product of humans, not as a wise protective institution of egoisms against each other. Thucydides means that humans are simply not clever enough for that, but rather dominated by affects, momentarily. The state is to him indeed a divine institution. The highest veneration of shines through. Humans could not establish it according to their !

In the state, law prevails, not revenge, everyone is protected from injustice by others, and envy has no harmful character. Nevertheless, they overthrow it, they forget their own advantage: so blind are they in their passion!

For I read—( occurs otherwise three times in Thucydides, see index).

The nobility of disposition consists to a very large extent of good-naturedness (): lack of mistrust, harmlessness.

12 [22]

On Darwinism.

The more a person had a sense of community, sympathetic affections, the more they stood by their tribe; and the tribe preserved itself best where the most devoted individuals were. Here, the good, capable custom strengthened, here subordination of the individual was learned, and character was given and cultivated firmness.—But here the danger of stability, stupidity, is great.

Unbound, much more uncertain and weaker individuals, who try new things and try many things, are the ones on whom progress depends: countless of this kind perish without effect, but in general, they loosen things up and thus bring about a weakening of the stable element from time to time, introducing something new at some weakened point.

This new element is gradually assimilated by the overall intact organism.

The degenerating natures, the slight degenerations, are of the highest importance. Wherever progress is to occur, a weakening must precede it.

The strongest natures fix the type and adhere to it. —

Degeneration is always mutilation: but rarely is a loss without an advantage on another side. The sickly person, for example, becomes calmer and wiser; the one-eyed person will have a stronger eye, the blind person will see deeper into the interior.

Not the struggle for existence is the important principle! Increase of stable power through common feeling in the individual, possibility of reaching higher goals through degenerating natures and partial weakenings of stable power. The weaker nature, as the nobler at least freer one, makes all progress possible.

A people that becomes weak and crumbles somewhere, but is still strong as a whole: it can absorb and assimilate the infection of the new.

Likewise the individual human being: the problem of education is to establish someone so firmly and robustly that they cannot be thrown off course as a whole. Then the educator must inflict wounds upon them: and once pain and need have arisen, something new and noble can also be inoculated there. The total strength will now absorb it and thus be ennobled.

The Germans were not only wounded but almost bled dry; custom, religion, language, and freedom were taken from them.They have not perished: but that they are a deeply suffering nation, they have proven by inventing music; they have experienced the blessing of sickness. —

Compared to this teaching, Darwinism is a philosophy for butchers' apprentices. And the position they give to breeding, the position they give to women! Is it true that women have sense and inclination only for the strongest butchers' apprentices! Not even among animals is it so.

By the way, I want to remain with my consideration among humans and be careful not to draw conclusions about animal development from the laws of human refinement based on weaker, degenerate natures. Even if it were much more permissible to do so than to now also systematize humans bestially from bestiality and its laws: as Mr. Häckel does in Jena, and his like such as D. Strauß. —

12 [23]

That the more ideal natures are not such good citizens —

12 [24]

To explain what I mean by Wagner’s contracting power, by the word that he is a simplifier of the world, I send this ahead. He found two new problems, that of music and that of drama: he found them where all great problems lie, on the street, before everyone’s feet and yet hidden from all eyes. What does it mean that in more recent times precisely such an art as music arises? Is this not a contradiction for everyone who places the image of this time before their soul? Must they not say: from this time music could not have emerged: what then is its existence? A coincidence? But first, an individual master could be coincidental, the appearance of such a series of luminaries and suns truly shows that one should not think of a comet-like appearance.Wagner now gives an answer: the existence of music is connected to the strength of modern times, but this has brought with it enormous weaknesses of other organs: and it is this sick and exhausted state from which a remedy grows in music. Once, it has a relationship to language, as a universally preliminary language to the completely impoverished, enfeebled, rhetorically and poetically exploited language: the general sickness of all speakers, the inability to truly understand one another anymore: if poetry now writes for everyone, then language now thinks for everyone, he is its slave and no one still has individuality in this enormous compulsion.One must, elevated by music, once feel so distantly removed that one perceives the typically uniform in everything that is spoken, written: then it seems as if all individual education were impossible, because it attempts to found itself on the word; and this now drags everyone back into the old paths. Secondly, Wagner sensed the position of music in relation to the now visible world of appearances of modern life: it is imageless and therefore antagonistic to all forms. Now, likewise, in everything that man now shapes in appearance, there is an unspeakable exhaustion: everything that has been, everything that has been more beautiful, even the ugly has been more sublime.Walking, standing, and moving, the form of sociability, the manners of public speakers, the gestures of young men, the arts of women: everything, everything in which earlier times have shaped the body and made it a mirror of beautiful or grand movements, has completely decayed or is a late imitation: at best, everything is a renaissance, and indeed a late flowering of the same (French civilization). If one takes music here as the antagonist of gymnastics, then in it at least one point is gained from which modern life appears disgustingly barbaric.For he who lives in the rhythmic flow of great music first recognizes in himself and then in all others how incapable he is, under normal circumstances, of opposing anything to this pure and exalted yet powerfully moving inner life of music that would belong to it as an image, as an appearance: while he usually only has the painful impression in this search that he is looking into a confusion of distortions and exaggerations.Now the impression of music itself is so strong that not only the rhythm of gymnastics must justify itself before it: everything that has a rhythmic nature in itself, the entire life order of individuals, the politics of peoples, the behavior of trade interests toward one another, the struggle of the classes, the interplay between people and non-people—unwillingly, the person filled with music will measure and judge it by music: they understand what it means to found a state on music, which the Greeks not only understood but also demanded. And it is not just the rhythmic; also the soulful, honest passion in the impersonal and yet the calm fire of music welling up from inexhaustible depths—all of this becomes for them the judge of their modern world.

Thus Wagner condemns this world because it does not correspond to the ideal that he carries within himself not as an image but as the soul of music. He would have to negate and abolish it if he were only a musician. And indeed, his profound opposition to all other musicians of our time is that they do not want this negation and abolition of their own accord; he concludes from this that they simply do not have that fire in their bodies and consequently are not true musicians. Either negate yourselves as musicians, cease to be such, or lift the world out of its hinges by virtue of your inner strength—thus he calls out to them.

This negation can now be conceived in different ways: revolutionarily or ascetically.

In the first case, the musician will first strive to secure an influential position for music; he will combat its stunted growth, its contemptible status, its misuse for empty, fruitless entertainment: by consecrating individuals through his serious music and making them instruments of music's revolutionary power, he may hope to extend his influence everywhere: who, for example, could doubt that a society which has absorbed the true spirit of Beethoven's music would look very little like our present society in terms of state, education, etc.! Secondly, that negation of the present phenomenon can easily lead to a further stage of negation.Who, like Schopenhauer, sees in music a world behind this world that has not yet entered the form of individuation, and who on the other hand derives the frail, deeply hopeless character of life from the separating power of individuation, must in music make the, albeit concept- and imageless, conception of a better world, an innocent, loving, cheerfully profound one.

Withdrawing entirely into this world, the musician then stands, as Wagner described Beethoven, almost in the sphere of holiness: the incomparable purity, movement, fervor, the childlike immediacy, the complete absence of pretense, the lack of convention—these are inherent to music, not to the other arts, which are too close to the world of appearances as images.

Here it might now appear that a juxtaposition of music and the world of appearances must be a monstrosity, that their incompatibility would be firmly established. Here, Wagner made his second discovery: he rediscovered the problem of the dramas. The person who has absorbed the soul of music within themselves and, from this state of being filled, looks upon general nature and the fate of humanity across all times does not do so with disgust or hatred, but rather as Beethoven sees nature in the Pastoral Symphony—with love, with an all-understanding compassion. In grand images of human striving, they see the nature of their own will, though marred by delusion and deceptive goals, so that they can foresee the tragic outcome of this individual will.

As the soul of music, he grasps precisely love: and precisely that which he most deeply perceives in his hopeless striving, he must love the most. On the other hand, the great musician, as an image of the universal will, in a natural sympathy for the individual who, in the extension of his willing, approaches the universal will; the fire that guides him through life, he recognizes as akin to the fire of the music that reigns within him: only that the will which appears in music is purer, more innocent, and more guileless, and, already having become impersonal, approaches the entrance to self-denial and the state of holiness, from which the struggling hero is still far: though perhaps not so far, for precisely because of the vehemence of his struggle, he may suddenly be surprised by the insight into its futility.

12 [25]

Poetry as Literature

the French rhetoric of style

expecting a change through the visual arts is absurd

the entire modern human being thoroughly empty of music, not yet shaped by it

lack of music in education, how dance as a distorted form relates to orchestics, so appearance to Greek manifestation: the French style to the Greek; gymnastics a miserable patchwork.

12 [26]

The usual levity—or is it even the foolish arrogance of modern people?—brings it about that Plato’s deeply felt, experience-rich objections to art are no longer given any hearing; but whoever is still teachable must clearly recognize that the reign of a powerful art also brings with it a multitude of dangers, and that the greatest artists have had an aftereffect that must instill fear in more anxious thinkers with almost every new emergence of such powers. All too easily, it then seems as if art itself should set the goals of active life, and with the most dangerous misunderstanding, the artist is taken as an immediate educator.

If, on the other hand, his wonderful task is rightly understood as that of initiating into the struggling and goal-setting life, then one is equally justified in thinking of him as being most sharply separated from life itself and in assigning to his aftereffects a channel that does not intersect and determine the course of life. One would hit upon Plato’s opinion if one insisted with some harshness that it is irrelevant what an artist thinks in social and political terms: that, for example, it must have been of no consequence to the Athenians whether Aeschylus declared himself for or against the restriction of the Aeropag; indeed, I even believe that only by venerating in the artist something supratemporal can one protect oneself to some extent against the dangerous aspect of his direct influence on the age.I want to draw attention in this context to the fact that it is extremely tempting and therefore dangerous to understand Wagner not as an artist or, in other words, to seek to derive certain hints about the shaping of life from his works of art. This is so tempting because Wagner himself, in various periods, attempted to find more definite answers to the question of the connection between his art and life. There are essays by him that are entirely bathed in the magical light of one of his works of art—and every work of art has a light uniquely colored by it.

12 [27]

Love and contempt.

Conclusion: in what way does he simplify the world?

Next chapter: the historical development of music.

Wagner as a purifier of art, its position in life—even as a writer (to write what I suffer).

12 [28]

Continuing after the interruption. The simplifier of the world, as in philosophy.

He sees it under a single but necessary angle of vision: how does it stand with art? There he shortens history greatly.

He cleanses: he dispels the notion that the world has grown organically old.

The source of nature still just as fresh, man still unexhausted.

One must only dispel clouds of concepts, false anxieties, as if man were already impoverished.

The hatred against the effeminate art lovers.

The essence of music gives him the light; it stands in contrast to our conceptual and literary world (the world of appearance barren, Hillebrand with his hopes ridiculous). Wagner develops the inner imagination.

Schopenhauer conceives it as something metaphysical, Wagner asks: is there a life that will one day correspond to music? (Greeks founded their states on music)

That there must be such a world, he sees as a dramatist (drama is not an art form, not a literary branch).

He sees phenomena before him, as it were, with three dimensions—audible, visible, comprehensible.

Where did he first see this phenomenon? In the opera.

Schiller's premonition.

The modern artist must always first purify before he can create—most often, the purification will first be a personal one.

5. (b)

Wagners Kampf im Kunstwerke.

6.

Wagner in der Oper. Das Publikum. Weg zu Beethoven.

Das anscheinend Reaktionäre-Romantische. Gegensatz zur Civilisation.

7.

Das anscheinend Desperative. Gegensatz zur Welt der Erscheinung.

So erscheint er fast als restaurativer Typus?

Logische Trägheit.

Fühlen Ahnen. Die Unbewußtheit, Instinktivität.— Aber alles dies ist nur als Schein zu nehmen: sein Charakter ist progressiv.

12 [29]

Wagners Struggle in the Artwork.

Rienzi—opposition to “order,” the reformer.
Holländer—the mythical against the historical.
Tannhäuser Lohengrin—the Catholic against the Protestant (the Romantic against the Enlightenment).
Meistersinger—opposition to civilization, the German against the French.
Tristan—opposition to appearance. The metaphysical against life.
Nibelungen—voluntary renunciation of the previous world powers: oppositions of world periods—with transformation of direction and goals.

12 [30]

Goethe calls all his work symbolic.

Thus, one should also understand Wagner's life path symbolically.

It begins in a corrupted art, discovering the only point where there is strength.

From there, he purifies his conception of this art and himself.

12 [31]

He does not only pass through the fire, but also through the steam of knowledge and scholarship—with that loyalty to a higher self or, more accurately, through the loyalty of a higher self to him, which always led him out of his greatest dangers. This higher self demanded from him only Gesammtthaten of his polyphonic being, and bade him suffer and learn in order to be able to perform those deeds; it led him past ever more difficult tasks for testing and strengthening.The higher dangers and trials, however, did not approach him as the personally unsatisfied and suffering, not as the learner, they arose from a combination of suffering and learning, from the violent drive to counter his own suffering, which he felt in ever higher generalization and for whose understanding he had to take history and philosophy, with a saving thought: they are the dangers of intentions, through which the artist crossed the purity of his becoming; his art was supposed to serve these intentions, it was supposed to achieve more and immediately achieve what an art, especially a new art struggling dimly into the light, can achieve; by determining it in turn as the remedy for himself, for modern man, and finally for life in general, he fell into the most severe illness into which an artist can fall, into that of determinedIntentions. First, he demanded from her everything that his personal fate did not offer him: disappointed here, he sought from her satisfaction and compensation for those immense deficiencies from which modern humanity and every individual within it suffers: also disappointed here and condemned to hopelessness, he saw in his art the religion, the consolation for existence itself. And only here was the intentionality in his will so elevated into the unbounded that his art and all the unintentional aspects of his being could unfold completely freely and uninhibited. —

12 [32]

4.

To reflect on what Wagner is, passing by all the expressions of life and power in his multifaceted yet unified nature: this will be the healing and recovery that everyone must desire who has thought and suffered over how Wagner came to be. Such a truly great, truly liberated ability and permission is the most magnificent spectacle in the world; where such a gift appears, the earth becomes, at least for the observer, a summer garden.

He can hardly do otherwise, from the happiness of this spectacle, than to place a transfiguring and almost justifying purposefulness into that sorrowful becoming: to consider how everything must turn to the benefit and gain of great nature, no matter how harsh the schools she has passed through: how she feeds on poison and becomes healthy and strong thereby, how every danger has made her more courageous, every victory more composed.

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5.

There is nothing more hopeless than speaking to others about such complicated and rare states of the soul, unless they themselves meet the speaker halfway through the memory of their own similar, albeit often weaker, states and through a contemplative search within themselves. Assuming such prepared listeners, I do indeed consider it possible to gradually impress the entirely unique and singular impression of a great talent so clearly upon the senses that, from the decisive certainty of this impression, we involuntarily infer that state in which the artist feels compelled to create, i.e., perceives the impression of the world upon themselves as a call to their own innermost power.

Everything depends on an awareness of this state, and any engagement with art can only have this goal for the non-artist: to ultimately discover an entry into those otherwise hidden mysteries of the soul in which the work of art is born. The artist is only an artist as one who communicates these mysteries; through his way of speaking and expressing himself, he wants to make us fellow initiates, to point with his work to something that exists before the work, behind the work. “Nature is far richer, more powerful, more blissful, more terrible inward—you do not know it as you ordinarily live!” the artist calls to us, “now follow me once and leave behind that dimly lit piece of nature and life which you alone seem to know as real.”I lead you into a realm that is also real: you yourselves shall say, when you return from my cave into your day, which life is more real!”

If to some degree this is the voice of every great artist speaking to us, it is above all the voice of Wagner’s. What it invites us to is a return to nature; and in this context, one need least fear arousing misunderstandings with such a word. It is truly not about a convenient decision to present oneself naturally and stroll in idyllic simplicity: the invitation was not meant so harmlessly. The artist knows full well that none of us, unless he shows us the way, will ever find the entrance to the still unknown primeval world of nature.For the burden that weighs upon us is overwhelming; a veil woven of cold and artificial concepts and doctrines obscures our vision; our feelings barely stir against the habit of the most intricate and harshest legalities, or they stir in false rhythm—we have even unlearned the language of feeling. Thus, we are far too weak and cannot possibly go far enough on our own strength to find nature.But the hand of our admonisher and liberator is also overpowering: he leads us without our seeing where to—until suddenly we feel and hear and know with all our senses at once where we stand—in free nature, and ourselves transformed into naturally free beings.

The significance of music. The liberation of music. The improvisational. Wagner subjugated. The Demosthenic. Wagner as poet, as prose writer. The astringent.

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