8, 13[1] Sommer-Herbst 1875

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Musste die wahre Musik erklingen, weil die Menschen sie am wenigsten verdienten, aber am meisten ihrer bedurften? Man versenke sich nur einmal in das überschwängliche Wunder dieser Möglichkeit: schaut man von da aus auf das Leben zurück, so leuchtet es, so trübe und umnebelt es vorher auch erscheinen mochte; es wird selber zum Abbild und Gleichniss der Musik Beethovens und spricht in der Form der Erscheinung von Erlösung und wiedergewonnener Unschuld. “Nie hat eine Kunst der Welt etwas so Heiteres geschaffen als diese Symphonien in A-dur und F-dur, mit allen ihnen so innig verwandten Tonwerken des Meisters aus der göttlichen Zeit seiner völligen Taubheit. Die Wirkung hiervon auf den Hörer ist Befreiung von aller Schuld—die Wirkung des Heiteren geht hier sofort über alle Befriedigung durch das Schöne weit hinaus. Jeder Trotz der erkenntnissstolzen Vernunft bricht sich hier sofort an dem Zauber der Überwältigung unsrer ganzen Natur; die Erkenntniss flieht mit dem Bekenntniss ihres Irrthums, und die ungeheure Freude dieses Bekenntnisses ist es, in welcher wir aus tiefster Seele aufjauchzen, so ernsthaft auch die gänzlich gefesselte Miene des Zuhörers sein Erstaunen über die Unfähigkeit unseres Sehens und Denkens gegenüber dieser wahrhaftigsten Welt uns verräth.— Aller Schmerz des Daseins bricht sich an diesem ungeheuren Behagen des Spieles mit ihm; der Weltenschöpfer Brahma lacht über sich selbst, da er die Täuschung über sich selbst erkennt; die wiedergewonnene Unschuld spielt scherzend mit dem Stachel der gesühnten Schuld, das befreite Gewissen neckt sich mit seiner ausgestandenen Qual.— Jetzt warf er den Blick auch auf die Erscheinung, die, durch sein inneres Licht beschienen, in wundervollem Reflexe sich wieder seinem Innern mittheilte. Jetzt spricht wiederum nur das Wesen der Dinge zu ihm und zeigt ihm diese in dem ruhigen Lichte der Schönheit. Jetzt versteht er den Wald, den Bach, die Wiese, den blauen Aether, die heitre Menge, das liebende Paar, den Gesang der Vögel, den Zug der Wolken, das Brausen des Sturmes, die Wonne der selig bewegten Ruhe. Da durchdringt all sein Sehen und Gestalten diese wunderbare Heiterkeit, die erst durch ihn der Musik zu eigen geworden ist. Selbst die Klage, so innig ureigen allem Tönen, beschwichtigt sich zum Lächeln: die Welt gewinnt ihre Kindesunschuld wieder. ‘Mit mir seich heute im Paradiese’—wer hörte sich dieses Erlöserwort nicht zugerufen, wenn er der Pastoral-Symphonie lauschte?”

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Did true music have to resound because people deserved it the least, but needed it the most? One need only immerse oneself in the exuberant wonder of this possibility: looking back on life from there, it shines, no matter how dim and clouded it may have seemed before; it becomes itself an image and likeness of Beethoven's music and speaks in the form of appearance of redemption and regained innocence. “Never has an art of the world created anything so cheerful as these symphonies in A major and F major, with all the tonal works of the master so intimately related to them from the divine time of his complete deafness. The effect of this on the listener is liberation from all guilt—the effect of the cheerful here immediately goes far beyond all satisfaction through the beautiful.

Every defiance of reason, proud of its knowledge, shatters immediately against the magic of the overwhelming of our entire nature; knowledge flees with the confession of its error, and the immense joy of this confession is what makes us exult from the depths of our soul, however serious the completely captivated expression of the listener may betray their astonishment at the inability of our seeing and thinking in the face of this most truthful world.— All the pain of existence shatters against this immense delight in the play with it; the world-creator Brahma laughs at himself as he recognizes the deception about himself; the regained innocence plays jestingly with the sting of the atoned guilt, the liberated conscience teases itself with its endured torment.— Now he cast his gaze also upon the appearance, which, illuminated by his inner light, inthe wonderful reflection communicated itself once more to his inner being. Now, once again, only the essence of things speaks to him and reveals them in the calm light of beauty. Now he understands the forest, the brook, the meadow, the blue ether, the cheerful crowd, the loving couple, the song of the birds, the drift of the clouds, the roar of the storm, the bliss of the blissfully stirred repose. Then this wonderful serenity permeates all his seeing and shaping, which has only become inherent in music through him.Even the lament, so innately one's own to all sounding, calms itself into a smile: the world regains its childlike innocence. ‘With me seich today in paradise’—who has not heard this redeemer's word called out to them when listening to the Pastoral Symphony?”

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