8, 5[1-200] Frühjahr-Sommer 1875
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Das von Vorn Anfangen ist immer eine Täuschung: selbst das was uns zu diesem angeblichen “Anfang” trieb, ist Wirkung und Resultat des Vorhergehenden. Aber ein so starkes und entscheidendes Abbrechen wird ein Zeichen sein von einem starken und übermässigen ehemaligen Fördern. Der Radikalismus unserer Meinungen und unsrer Wahrheit ist die Folge vom Radikalismus unsrer Irrthümer und Fehler. Das grosse Gesetz der Umsetzung—darin liegt aller sogenannte “Fortschritt.” Die moralische Beurtheilung müsste im Grund immer dieselbe sein. Nun nimmt aber der Verstand und die Erfahrung zu, die moralische Qualität setzt sich immer nur um. Zuletzt schätzen wir eine Lehre doch nach ihren Wirkungen, ob sie z. B. viel Menschen getödtet oder verdreht gemacht; das ist nicht gerecht. —
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Das Alterthum in Schriften aufbaun—eine noch ganz ungelöste Aufgabe.
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Der Glaube an die Individualität—ob man ihn wohl wegdenken könnte! Jedenfalls gehn wir Zeiten entgegen, in denen die menschlichen Meinungen sehr uniformirt werden möchten; aber damit werden die Individuen ähnlicher, doch immer getrennter. Die Feindseligkeit zeigt sich dann bei kleinen Differenzen um so schärfer.
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Es ist genau neben einander zu stellen, weshalb Griechen und Philologen sich schwer verstehen müssen: dabei ist die Characteristik der Griechen mit zu geben.
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Alle Religionen beruhen zuletzt doch auf gewissen physikalischen Annahmen, die vorher da sind und sich die Religion anpassen. Z. B. im Christenthum Gegensatz von Leib und Seele, unbedingte Wichtigkeit der Erde als der “Welt,” wunderhaftes Geschehen in der Natur. Sind erst die entgegengesetzten Anschauungen zur Herrschaft gekommen, z. B. strenges Naturgesetz, Hülflosigkeit und Überflüssigkeit aller Götter, engste Auffassung des Seelischen als eines leiblichen Prozesses—so ist es vorbei. Nun ruht das ganze Griechenthum auf solchen Anschauungen.
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Bei Thukydides die angenehme Empfindung mit der man ein Schloss durch den Schlüssel bewegt: allmählich schwieriges Nachgeben, aber geordnet und sein Ziel immer mehr erreichend.
Bei Aristoteles sieht man die weissen Knochen.
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Auch die Tyrannen des Geistes sind fast immer ermordet worden und haben nur spärliche Nachkommenschaft.
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Übertragung der Bewegung ist Vererbung: das sage man sich bei der Wirkung der Griechen auf Philologen.
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Wie man nur ein ganzes Volk verherrlichen und preisen kann! Die Einzelnen sind es, auch bei den Griechen.
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Es ist sehr viel Carikatur auch bei den Griechen, z. B. die Sorge um’s eigne Glück bei den Cynikern.
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Mich interessirt allein das Verhältniss des Volkes zur Erziehung des Einzelnen; und da ist allerdings bei den Griechen Einiges sehr günstig für die Entwicklung des Einzelnen, doch nicht aus Güte des Volkes, sondern aus dem Kampf der bösen Triebe.
Man kann durch glückliche Erfindungen das grosse Individuum noch ganz anders und höher erziehen, als es bis jetzt durch die Zufälle erzogen wurde. Da liegen meine Hoffnungen: Züchtung der bedeutenden Menschen.
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Die griechische Geschichte ist immer bisher optimistisch geschrieben worden.
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Der Wunsch, irgend etwas Sicheres in der Aesthetik zu haben, verführte zur Anbetung des Aristoteles; ich glaube, es lässt sich allmählich beweisen, dass er nichts von der Kunst versteht, und dass nur die klugen Gespräche der Athener es sind, deren Wiederhall wir so bei ihm bewundern.
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Die Griechen sind interessant, und ganz toll wichtig, weil sie eine solche Menge von grossen Einzelnen haben. Wie war das möglich? Das muss man studiren.
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Mit dem Verschwinden des Christenthums ist auch ein guter Theil des Alterthums unverständlicher geworden, zumal die ganze religiöse Basis des Lebens. Schon deshalb ist eine Nachahmung des Alterthums eine falsche Tendenz; Betrüger oder Betrogene sind die Philologen, welche noch daran denken. Wir leben in der Periode, wo verschiedene Lebensauffassungen neben einander stehen: deshalb ist die Zeit so lehrreich, wie selten eine, deshalb so krank, weil sie an den Übeln aller Richtungen zugleich leidet. Zukunftsmensch: der europäische Mensch.
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Geschichte kennen heisst jetzt: zu erkennen, wie es alle Menschen sich zu leicht gemacht haben, welche an eine Vorsehung glauben. Es giebt keine. Wenn die menschlichen Dinge wild und unordentlich gehen, so glaube nicht, dass ein Gott damit etwas bezweckt oder dass er sie zulässt. Wir können ungefähr übersehn, dass die Geschichte des Christenthums auf Erden einer der schrecklichsten Theile der Geschichte ist und dass es damit einmal vorbei sein muss. Freilich ragte im Christenthum gerade auch das Alterthum in unsre Zeit hinein; und wenn es schwindet, schwindet das Verständniss des Alterthums noch mehr. Jetzt ist die beste Zeit es zu erkennen; uns leitet kein Vorurtheil zu Gunsten des Christenthums mehr, aber wir verstehen es noch und in ihm auch noch das Alterthum, soweit es auf einer Linie steht.
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Der Untergang der Philologen-Poeten liegt zu gutem Theile in ihrer persönlichen Verderbniss; ihre Art wächst später weiter, wie z. B. Goethe und Leopardi solche Erscheinungen sind. Hinter ihnen pflügen die reinen Philologen-Gelehrten nach. Die ganze Art hebt an mit der Sophistik des zweiten Jahrhunderts.
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Am Ausgange des Alterthums stehen noch ganz unchristliche Gestalten, die schöner reiner und harmonischer sind als alle christlichen, z. B. Proklos; die Mystik sein Synkretismos sind Dinge, die ihm gerade das Christenthum nicht vorwerfen darf. Jedenfalls wäre es mein Wunsch, mit denen zusammenzuleben. Denen gegenüber erscheint das Christenthum nur wie die roheste Vergröberung für den Haufen und die Ruchlosen hergerichtet.
5 [19]
Alle Richtungen der Historie haben am Alterthum sich versucht; die kritische Betrachtung ist allein noch übrig. Nur muss man darunter nicht Conjectural- und litterarhistorische Kritik verstehen.
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Die Unvernunft in den menschlichen Dingen ans Licht zu bringen, ohne jede Verschämtheit—das ist das Ziel unserer Brüder und Genossen. Dann wird man zu unterscheiden haben, was davon fundamental und unverbesserlich ist, was noch verbessert werden kann. Aber jede “Vorsehung” ist fernzuhalten: denn das ist ein Begriff, wodurch man es sich zu leicht macht. Den Athem dieser Absicht wünsche ich der Wissenschaft einzuflössen. Die Kenntniss des Menschen vorwärts zu bringen! Das Gute und Vernünftige im Menschen ist zufällig oder scheinbar oder die Gegenseite von etwas sehr Unvernünftigem. Es wird irgendwann einmal gar keinen Gedanken geben als Erziehung.
5 [21]
Ergebung in die Nothwendigkeit lehre ich nicht—denn man müsste sie erst als nothwendig kennen. Vielleicht giebt es vielfache Nothwendigkeiten; aber so im Allgemeinen ist es doch auch ein Faulbett.
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Zeichen und Wunder werden nicht geglaubt; nur eine “Vorsehung” braucht so etwas. Es giebt keine Hülfe weder im Gebet, noch in der Askese, noch in der Vision. Wenn dies alles Religion ist, so giebt es keine Religion mehr für mich.
Meine Religion, wenn ich irgendetwas noch so nennen darf, liegt in der Arbeit für die Erzeugung des Genius; Erziehung ist alles zu Hoffende, alles Tröstende heisst Kunst. Erziehung ist Liebe zum Erzeugten, ein Überschuss von Liebe über die Selbstliebe hinaus. Religion ist “Lieben über uns hinaus.” Das Kunstwerk ist das Abbild einer solchen Liebe über sich hinaus und ein volkommnes.
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Die Dummheit des Willens ist der grösste Gedanke Schopenhauer’s, wenn man Gedanken nach der Macht beurtheilt. Man kann an Hartmann sehen, wie er sofort diesen Gedanken wieder eskamotirt. Etwas Dummes wird niemand Gott nennen.
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Also das ist das Neue alles zukünftigen Welttreibens: man darf die Menschen nicht mehr mit religiösen Vorstellungen beherrschen. Ob sie sich schlechter zeigen werden? Ich finde nicht, dass sie sich unter dem Joche der Religionen gut und sittlich ausnehmen; ich stehe nicht auf Seite von Demopheles. Die Furcht vor dem Jenseits und dann überhaupt die religiöse Furcht vor göttlichen Strafen werden die Menschen schwerlich besser gemacht haben.
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Wo etwas Grosses erscheint, mit etwas längerer Dauer, da können wir vorher eine sorgfältige Züchtung wahrnehmen z. B. bei den Griechen. Wie erlangten so viele Menschen bei ihnen Freiheit?
Erzieher erziehn! Aber die ersten müssen sich selbst erziehn! Und für diese schreibe ich.
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Die Verneinung des Lebens ist nicht mehr so leicht zu erreichen: man mag Einsiedler oder Mönch sein—was ist da verneint! Dieser Begriff wird jetzt tiefer: es ist vor allem erkennende Verneinung, gerecht sein wollende Verneinung, nicht mehr in Bausch und Bogen.
Wer heute gut und heilig sein wollte, hätte es schwerer: er dürfte, um gut zu sein, nicht so ungerecht gegen das Wissen sein, wie es die frühern Heiligen waren. Es müsste ein Wissender-Heiliger sein: Liebe und Weisheit verbindend; und mit einem Glauben an Götter oder Halbgötter oder Vorsehungen dürfte er nichts mehr zu schaffen haben; wie damit auch die indischen Heiligen nichts zu thun hatten. Auch müsste er gesund sein und sich gesund erhalten; sonst würde er gegen sich misstrauisch werden müssen. Und vielleicht würde er gar nicht einem asketisch Heiligen ähnlich sehen, vielleicht gar einem Lebemanne.
5 [27]
Alle Arten die Geschichte zu behandeln sind schon am Alterthum versucht. Vor allem aber hat man genug erfahren, um nun die Geschichte des Alterthums sich zu nutze zu machen—ohne am Alterthum zu Grunde zu gehen.
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Die deutsche Reformation entfernte uns vom Alterthum: musste sie das? Sie entdeckte den alten Widerspruch “Heidenthum, Christenthum” von neuem; sie war zugleich ein Protest gegen die dekorative Cultur der Renaissance; es war ein Sieg über dieselbe Cultur, die beim Beginn des Christenthums besiegt wurde.
5 [29]
Das Christenthum hat in Betreff der “weltlichen Dinge” gerade die gröberen Ansichten der Alten conservirt. Alles Edlere in Ehe, Sklaverei Staat ist unchristlich. Es brauchte die entstellenden Züge der Weltlichkeit, um sich zu beweisen.
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Ich träume eine Genossenschaft von Menschen, welche unbedingt sind, keine Schonung kennen und “Vernichter” heissen wollen: sie halten an alles den Maassstab ihrer Kritik und opfern sich der Wahrheit. Das Schlimme und Falsche soll an’s Licht! Wir wollen nicht vorzeitig bauen, wir wissen nicht, ob wir je bauen können und ob es nicht das Beste ist, nicht zu bauen. Es giebt faule Pessimisten, Resignisten—zu denen wollen wir nicht gehören.
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Eigenthümlich bedeutende Stellung der Philologen: ein ganzer Stand, dem die Jugend anvertraut ist und der ein spezielles Alterthum zu erforschen hat. Offenbar legt man den höchsten Werth auf dies Alterthum. Wenn man das Alterthum aber falsch abgeschätzt hätte, so fehlte plötzlich das Fundament für die erhabene Stellung der Philologen. Jedenfalls hat man das Alterthum sehr verschieden abgeschätzt: und darnach hat sich jedesmal die Würdigung der Philologen gerichtet. Dieser Stand hat seine Kraft aus starken Vorurtheilen zu Gunsten des Alterthums geschöpft.— Dies ist zu schildern.— Jetzt fühlt er, daß wenn endlich diesen Vorurtheilen gründlich widersprochen würde und das Alterthum rein geschildert würde, sofort jenes günstige Vorurtheil für die Philologen schwände. Es ist also ein Standesinteresse, reinere Einsichten über das Alterthum nicht aufkommen zu lassen: zumal die Einsicht, daß das Alterthum im tiefsten Sinne unzeitgemäß macht.
Es ist zweitens ein Standesinteresse der Philologen, keine höhere Anschauung über den Lehrerberuf aufkommen zu lassen als die, welcher sie entsprechen können.
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Hoffentlich giebt es einige, die es als Problem empfinden, warum gerade die Philologen die Erzieher der edleren Jugend sein sollen. Es wird vielleicht nicht immer so sein.— An sich wäre es ja viel natürlicher,—daß man der Jugend geographische naturwissenschaftliche national-ökonomische gesellige Grundsätze beibrächte, daß man sie allmählich zur Betrachtung des Lebens führte und endlich, spät, die merkwürdigsten Vergangenheiten vorführte. So daß Kenntniß des Alterthums zum letzten gehörte, was einer erwürbe; ist diese Stellung des Alterthums in der Erziehung die für das Alterthum ehrenvollere oder die gewöhnliche?— Jetzt wird es als Propädeutik benutzt, für Denken, Sprechen und Schreiben; es gab eine Zeit, wo es der Inbegriff der weltlichen Kenntnisse war und wo man eben das durch seine Erlernung erreichen wollte, was man jetzt durch jenen eben beschriebenen Studienplan erreichen würde (der sich eben den vorgerückten Kenntnissen der Zeit entsprechend verwandelt hat). Also hat sich die innere Absicht im philologischen Lehrerthum ganz umgeändert, einst war dies die materiale Belehrung, jetzt nur noch die formale. —
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Die Verbindung von Humanismus und religiösem Rationalismus ist als sächsisch gut von Köchly hervorgehoben: der Typus dieses Philologen ist G. Hermann.
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Ist es wahr, daß der Philolog, insofern er das Alterthum zur formalen Bildung verwendet, selber formal gebildet ist?
Aber was für ein Gegensatz! formal und material! Hier ist Material Kenntnisse, Fakta. Formal die Art, wie man denkt spricht schreibt, also wie man Kenntnisse sich verschafft und sie verbreitet.
5 [35]
Wäre die Aufgabe des Philologen formal zu erziehen, so müßte er gehen, tanzen, sprechen, singen, sich gebaren, sich unterreden lehren: und das lernte man auch ungefähr bei den formalen Erziehern des zweiten und dritten Jahrhunderts. Aber so denkt man immer nur an die Erziehung des wissenschaftlichen Menschen und da heißt “formal”: denken und schreiben, kaum reden.
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Ausgewählte Punkte aus dem Alterthum: z.B. die Macht das Feuer der Schwung in der antiken Musikempfindung (durch die erste pythische Ode), die Reinheit in der historischen Empfindung und die Dankbarkeit für die Segnungen der Cultur, Feuer-Feste, Getreidefeste. Die Veredelung der Eifersucht, die Griechen das eifersüchtigste Volk. Der Selbstmord, Haß gegen das Alter z. B. gegen die Armut. Empedokles über die Geschlechtsliebe.
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Ich beklage eine Erziehung, bei der es nicht erreicht ist, Wagner zu verstehen, bei der Schopenhauer rauh und mißtönend klingt; diese Erziehung ist verfehlt.
5 [38]
Es giebt einen alten Kampf der Deutschen gegen das Alterthum d. h. gegen die alte Cultur: es ist gewiß, daß gerade das Beste und Tiefste am Deutschen sich mit sträubt. Aber der Hauptpunkt ist doch der: jenes Sträuben ist nur im Recht, wenn man die romanisirte Cultur meint: diese ist aber bereits der Abfall einer viel tieferen und edleren. Gegen diese sträubt sich der Deutsche mit Unrecht.
5 [39]
Ich sehe in den Philologen eine verschworene Gesellschaft, welche die Jugend an der antiken Cultur erziehn will; ich würde es verstehen, wenn man diese Gesellschaft und ihre Absichten von allen Seiten kritisirte. Da käme nun viel darauf an, zu wissen, was diese Philologen unter antiker Cultur verstehen.— Sähe ich z. B. daß sie gegen die deutsche Philosophie und Musik erzögen, so würde ich sie bekämpfen oder auch die antike Cultur bekämpfen, ersteres vielleicht, indem ich zeigte, daß die Philologen die antike Cultur nicht verstanden haben. Nun sehe ich 1) großen Wechsel in der Schätzung der antiken Cultur bei den Philologen 2) etwas tief Unantikes in ihnen selbst, Unfreies 3) Unklarheit darüber, welche antike Cultur sie meinen 4) in den Mitteln vieles Verkehrte z. B. Gelehrsamkeit 5) Verquickung mit Christenthum.
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Gesunder gewandter Körper, reiner und tiefer Sinn in der Betrachtung des Allernächsten, freie Männlichkeit, Glaube an gute Rasse und gute Erziehung, kriegerische Tüchtigkeit, Eifersucht im, Lust an den Künsten, Ehre der freien Muße, Sinn für freie Individuen, für das Symbolische.
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Ein Colleg über “System der Cultur.”
1. Das endlich klar erkannte Ziel der Cultur.
2. Geschichte der Ziele und ihrer Irrthümer.
3. Mittel der Cultur.
5 [42]
Pläne für das Leben.
Unzeitgemässe Betrachtungen. Für die dreissiger Jahre meines Lebens.
Die Griechen. Für die vierziger Jahre meines Lebens.
Reden an die Menschheit. Für die fünfziger Jahre meines Lebens.
5 [43]
Wenn das Gymnasium zur Wissenschaft erziehn soll, so sagt man jetzt: es kann die Vorbereitung zu keiner Wissenschaft mehr geben, so umfassend sind die Wissenschaften geworden. Folglich muß man allgemein d. h. für alle Wissenschaften d. h. für die Wissenschaftlichkeit vorbereiten—und dazu dienen die klassischen Studien!— Wunderlicher Sprung! Eine sehr verzweifelte Rechtfertigung! Das Bestehende soll Recht behalten, auch nachdem klar eingesehn ist, daß das bisherige Recht, auf dem es ruhte, zum Unrecht geworden ist.
5 [44]
In Betreff der Einfachheit des Alterthums steht es wie bei der Einfachheit des Stils; es ist das Höchste, was man erkennt und nachzuahmen hat, aber auch das Letzte. Man denke daß die klassische Prosa der Griechen auch ein spätes Resultat ist.
5 [45]
Das Fundament, auf dem noch die allgemeine Schätzung des Alterthums ruht, sind Vorurtheile: werden diese beseitigt, so dürfte sich die Schätzung in einen gründlichen Haß verwandeln. Hegen nun die Philologen auch diese Vorurtheile? Dann kennen sie das Alterthum nicht. Hegen sie dieselben nicht—wie steht es dann mit ihrer Redlichkeit! Wo zeigt sich aber, daß sie dieselben absichtlich zerstörten?
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Kennen die Philologen die Gegenwart? Ihre Urtheile über dieselbe als perikleische, ihre Verirrungen des Urtheils, wenn sie von einem Homer congenialen Geiste Freitags reden usw., ihr Nachlaufen, wenn die Litteraten voranlaufen. Ihr Verzichtleisten auf den heidnischen Sinn, den gerade Goethe als den alterthümlichen bei Winckelmann entdeckt hatte.
5 [47]
Unsre Stellung zum klassischen Alterthum ist im Grunde die tiefe Ursache der Unproduktivität der modernen Cultur: denn diesen ganzen modernen Culturbegriff haben wir von den hellenisirten Römern. Wir müssen im Alterthum selbst scheiden: indem wir seine einzig produktive Zeit kennen lernen, verurtheilen wir auch die ganze alexandrinisch-romanische Cultur. Aber zugleich verurtheilen wir unsre ganze Stellung zum Alterthum und unsre Philologie zugleich!
5 [48]
Es giebt eine Art, sich philologisch zu beschäftigen, und sie ist häufig: man wirft sich besinnungslos auf irgend ein Gebiet oder wird geworfen: von da aus sucht man rechts und links, findet manches Gute und Neue—aber in einer unbewachten Stunde sagt man sich doch: was Teufel geht mich gerade das alles an? Inzwischen ist man alt geworden, hat sich gewöhnt und läuft so weiter, so wie in der Ehe.
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Im Ganzen hat die heutige Philologie den leitenden Faden verloren: die welche sie früher leiteten, werden verneint; aber im Ganzen beruht die ganze Wirkung und Schätzung noch auf dem Ruhm jener frühern Leitung, z. B. dem der Humanität.
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Es giebt Dinge, über die das Alterthum belehrt, über welche ich nicht leicht mich öffentlich aussprechen möchte.
5 [51]
Es ist fast lächerlich zu sehen, wie fast alle Wissenschaften und Künste in der neueren Zeit wieder aus dem Samen aufwachsen, der aus dem Alterthum zugeweht wird, und wie das Christenthum hier nur als ein böser Frost einer langen Nacht erscheint, bei dem man glauben sollte, es sei für alle Zeit mit der Vernunft und der Ehrlichkeit der Menschen vorbei. Der Kampf gegen den natürlichen Menschen hat den unnatürlichen Menschen gemacht.
5 [52]
Wie man die jungen Leute mit den Alten bekannt macht, hat was Respektwidriges: noch schlimmer, es ist unpädagogisch; denn was soll die Bekanntschaft mit Dingen, die der Jüngling unmöglich mit Bewußtsein verehren kann! Vielleicht soll er lernen zu glauben; und desshalb wünsche ich es nicht.
5 [53]
Denen, welche sagen: “aber immer bleibt doch noch das Alterthum übrig als Objekt reiner Wissenschaft, wenn auch alle seine erziehenden Absichten geleugnet werden,” ist zu antworten: was ist hier reine Wissenschaft! Es sollen Handlungen und Eigenschaften beurtheilt werden, und der Urtheilende muß darüber stehen: also hättet ihr erst dafür zu sorgen, das Alterthum zu überwinden. Bevor ihr das nicht thut, ist eure Wissenschaft nicht rein, sondern unrein und beschränkt: wie es zu spüren ist.
5 [54]
Wie es mit den Philologen steht, zeigt ihre Gleichgültigkeit beim Erscheinen Wagner’s. Sie hätten noch mehr lernen können als durch Goethe—und sie haben noch keinen Blick hingeworfen. Das zeigt: es führt sie kein starkes Bedürfniß: sonst hätten sie ein Gefühl, wo ihre Nahrung zu finden ist.
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Plan zu Capitel 1.
Philologie von allen Wissenschaften bis jetzt die begünstigtste: grösste Zahl, seit Jahrhunderten, bei allen Völkern gefördert, die Obhut der edlern Jugend und somit den schönsten Anlass sich fortzupflanzen und Achtung vor sich zu erwecken. Wodurch hat sie diese Macht erlangt?
Aufzählung der verschiedenen Vorurtheile zu ihren Gunsten.
Wie nun, wenn diese als Vorurtheile erkannt würden?— Bliebe wohl Philologie noch übrig, wenn man das Interesse eines Standes, eines Broterwerbes abrechnete? Wenn man über das Alterthum und seine Befähigung für die Gegenwart zu erziehn die Wahrheit sagte?
Cap. 2.
Um darauf zu antworten, sehe man die Erziehung zum Philologen, seine Genesis an: er entsteht gar nicht mehr, wenn jenes Interesse wegfällt.
Cap. 3.
Wenn unsre öffentliche Welt dahinter käme, was das Alterthum eigentlich für ein unzeitgemässes Ding ist, so würden die Philologen nicht mehr zu Erziehern bestellt.
Cap. 4.
Nur das Bündniss zwischen den Philologen, die das Alterthum nicht verstehen wollen oder nicht können, und der öffentlichen Meinung, die von Vorurtheilen über dasselbe geleitet ist, giebt der Philologie jetzt noch ihre Kraft.
Cap. 5.
Der zukünftige Philologe als Sceptiker über unsre ganze Cultur und damit auch als Vernichter des Philologen-Standes.
5 [56]
Würde die Philologie noch als Wissenschaft existiren, wenn ihre Diener nicht Erzieher, mit Besoldungen wären? In Italien gab es solche. Wer stellt einen Deutschen neben Leopardi z. B.?
5 [57]
Wirkung auf Nicht-Philologen gleich Null. Würden sie imperativisch und verneinend, o wie würden sie angefeindet! Aber sie ducken sich.
Die Griechen wirklich und ihre Abschwächung durch die Philologen.
5 [58]
Alle Geschichte ist bis jetzt vom Standpuncte des Erfolges und zwar mit der Annahme einer Vernunft im Erfolge geschrieben. Auch die griechische Geschichte: wir besitzen noch keine. Aber so steht es überhaupt: wo sind Historiker, die nicht von allgemeinen Flausen beherrscht die Dinge ansehn? Ich sehe nur einen—Burckhardt. Überall der breite Optimismus in der Wissenschaft. Die Frage: “was wäre geschehn, wenn das und das nicht eingetreten wäre” wird fast einstimmig abgelehnt, und doch ist sie gerade die kardinale Frage, wodurch alles zu einem ironischen Dinge wird. Man sehe nur sein Leben an. Wenn man nach Plan in der Geschichte sucht, so suche man ihn in den Absichten eines gewaltigen Menschen, vielleicht in denen eines Geschlechtes, einer Partei. Alles übrige ist ein Wirrsal.— Auch in der Naturwissenschaft ist diese Vergötterung des Nothwendigen. —
Deutschland ist die Brutstätte für den historischen Optimismus geworden: daran mag Hegel mit Schuld sein. Aber durch nichts hat die deutsche Cultur verhängnissvoller gewirkt. Alles durch den Erfolg Unterdrückte bäumt sich allmählich auf; die Geschichte als der Hohn der Sieger; servile Gesinnung und Devotion vor dem Faktum—“Sinn für den Staat” nennt man’s jetzt: als ob der noch hätte gepflanzt werden müssen! Wer nicht begreift, wie brutal und sinnlos die Geschichte ist, der wird auch den Antrieb gar nicht verstehn die Geschichte sinnvoll zu machen. Nun sehe man, wie selten eine solche sinnvolle Erkenntniss des eignen Lebens ist wie die Goethes: was soll nun aus allen diesen verschleierten und blinden Existenzen Vernünftiges geschehn, wenn sie mit und gegeneinander chaotisch wirken.
Besonders naiv ist es nun, wenn Hellwald, der Verfasser einer Cultur-Geschichte, von allen “Idealen” abwinkt, weil die Geschichte immer eins nach dem andern abgethan habe.
5 [59]
Griechen und Philologen.
| Die Griechen huldigen der Schönheit sie entwickeln den Leib sie sprechen gut religiöse Verklärer des Alltäglichen Hörer und Schauer für das Symbolische freie Männlichkeit reiner Blick in die Welt Pessimisten des Gedankens | Philologen sind Schwätzer und Tändler. hässliche Gehege. Stammler. schmutzige Pedanten. Wortklauber und Nachteulen. Unfähigkeit zur Symbolik Staatssclaven mit Inbrunst verzwickte Christen Philister |
5 [60]
Es ist wahr, der Humanismus und die Aufklärung haben das Alterthum als Bundesgenossen in’s Feld geführt: und so ist es natürlich, dass die Gegner des Humanismus das Alterthum anfeinden. Nur war das Alterthum des Humanismus ein schlecht erkanntes und ganz gefälschtes: reiner gesehn ist es ein Beweis gegen den Humanismus, gegen die grundgütige Menschen-Natur usw. Die Bekämpfer des Humanismus sind im Irrthum, wenn sie das Alterthum mit bekämpfen: sie haben da einen starken Bundesgenossen.
5 [61]
Religionen verstehe ich als Narkosen: aber werden sie solchen Völkern gegeben wie den Germanen, so sind es reine Gifte.
5 [62]
Welchen Zustand nahmen nur die Griechen als Vorbild für ihr Leben im Hades? Blutlos, traumhaft, schwach: es ist die nochmalige Steigerung des Greisenalters: wo das Gedächtniß noch mehr schwindet und der Leib auch noch mehr. Das Greisenalter des Greisenalters—so leben wir in den Augen des Hellenen.
5 [63]
Wie wirklich die Griechen selbst in reinen Erfindungen waren, wie sie an der Wirklichkeit fortdichteten, nicht sich aus ihr hinaus sehnten.
5 [64]
Erziehung ist erst Lehre vom Nothwendigen, dann vom Wechselnden und Veränderlichen. Man führt den Jüngling in die Natur, zeigt ihm überall das Walten von Gesetzen; dann die Gesetze der bürgerlichen Gesellschaft: hier wird schon die Frage rege: mußte dies so sein? Allmählich braucht er Geschichte, um zu hören, wie das so geworden ist. Aber damit lernt er, daß es auch anders werden kann. Wie viel Macht über die Dinge hat der Mensch? dies ist die Frage bei aller Erziehung. Um nun zu zeigen, wie ganz anders es sein kann, zeige man z. B. die Griechen. Die Römer braucht man, um zu zeigen wie es so wurde.
5 [65]
Die Griechen als das einzig geniale Volk der Weltgeschichte; auch als Lernende sind sie dies, sie verstehen dies am besten und wissen nicht bloß zu schmücken und zu putzen mit dem Entlehnten: wie es die Römer thun.
Die Constitution der Polis ist eine phönizische Erfindung: selbst dies haben die Hellenen nachgemacht. Sie haben lange Zeit wie freudige Dilettanten an allem herum gelernt; wie auch die Aphrodite phönizisch ist. Sie leugnen auch gar nicht das Eingewanderte und Nicht-Ursprüngliche ab.
5 [66]
Die Aegypter sind vielmehr ein litterarisches Volk als die Griechen. Dies gegen Wolf.
5 [67]
Das erste Korn in Eleusis, die erste Rebe in Theben, der erste Ölbaum, Feigenbaum.
5 [68]
Aegypten hatte seinen Mythus wesentlich verloren.
5 [69]
Das leibhafte Erscheinen von Göttern, wie bei Sappho’s Anrufung der Aphrodite, ist nicht als poetische Lizenz zu verstehen, es sind häufige Hallucinationen. Vieles, wie auch den Wunsch zu sterben, fassen wir flach auf, als rhetorisch.
5 [70]
Griechen das Genie unter den Völkern.
Kindes-Natur. Leichtgläubig.
Leidenschaftlich. Unbewußt leben sie der Erzeugung des Genius. Feinde der Befangenheit und Dumpfheit. Schmerz. Unverständiges Handeln. Ihre Art von intuitiver Einsicht in das Elend, bei goldenem genial-frohem Temperament. Tiefsinn im Erfassen und Verherrlichen des Nächsten (Feuer Ackerbau). Lügnerisch. Unhistorisch. Die Kulturbedeutung der Polis instinktiv erkannt; Centrum und Peripherie für den großen Menschen günstig. (Die Übersichtlichkeit einer Stadtgemeinde, auch die Möglichkeit sie als Ganzes anzureden.) Das Individuum zur höchsten Kraft durch die Polis gesteigert. Neid, Eifersucht wie bei genialen Leuten.
5 [71]
Die Erholungen der Spartaner bestanden in Festen, Jagd und Krieg: ihr alltägliches Leben war zu hart. Im Ganzen ist ihr Staat doch eine Karikatur der Polis und ein Verderben von Hellas. Die Erzeugung des vollkommnen Spartaners—aber was ist er Großes, daß seine Erzeugung einen so brutalen Staat brauchte!
5 [72]
Die griechische Cultur ruht auf dem Herrschafts-Verhältniß einer wenig zahlreichen Classe gegen 4-5mal so viel Unfreie. Der Masse nach war Griechenland ein von Barbaren bewohntes Land. Wie kann man die Alten nur human finden! Gegensatz des Genie’s gegen den Broderwerber, das halbe Zug- und Lastthier. Die Griechen glaubten an eine Verschiedenheit der Rasse: Schopenhauer wundert sich, daß es der Natur nicht beliebt habe, zwei getrennte Species zu erfinden.
5 [73]
Zum Griechen verhält sich der Barbar, wie “zum freibeweglichen, ja geflügelten Thiere die an ihren Felsen gekittete Muschel, welche abwarten muß, was der Zufall ihr zuführt.” Schopenhauer’sches Bild.
5 [74]
“Im Einzelnen stets das Allgemeine zu sehen ist gerade der Grundzug des Genie’s” Schopenhauer. Man denke an Pindar, an die usw. Die “Besonnenheit,” nach Schopenhauer, hat zunächst ihre Wurzel in der Deutlichkeit, mit welcher die Griechen der Welt und ihrer selbst inne werden und dadurch zur Besinnung darüber kommen.
5 [75]
Das “weite Auseinandertreten des Willens und des Intellektes” bezeichnet die Genies, und auch die Griechen.
5 [76]
“Die dem Genie beigegebene Melancholie beruht darauf, daß der Wille zum Leben, von je hellerem Intellekte er sich beleuchtet findet, desto deutlicher das Elend seines Zustandes wahrnimmt.” Schopenhauer. Cf. die Griechen!
5 [77]
Wie stechen die Römer durch ihren trockenen Ernst gegen die genialen Griechen ab! Schopenhauer: “der feste praktische Lebensernst, welchen die Römer als gravitas bezeichneten, setzt voraus, daß der Intellekt nicht den Dienst des Willens verlasse, um hinauszuschweifen zu dem, was diesen nicht angeht.”
5 [78]
Die Mäßigkeit der Griechen in ihrem sinnlichen Aufwand, Essen und Trinken und ihre Lust daran: die olympischen Spiele und ihre Vergötterung—das zeigt, was sie waren.
5 [79]
Beim Genie wird “der Intellekt die Fehler zeigen, die bei jedem Werkzeuge, welches zu dem, wozu es nicht gemacht ist, gebraucht wird, nicht auszubleiben pflegen.” “Er läßt den Willen oft sehr zur Unzeit im Stich: so wird das Genie für das Leben mehr oder weniger unbrauchbar, ja erinnert in seinem Betragen mitunter an den Wahnsinn.”
5 [80]
“Wenn die abnorm erhöhte Erkenntnißkraft sich plötzlich, mit aller ihrer Energie, auf die Angelegenheiten und Miseren des Willens richtet—da wo alles zu lebhaft, in zu grellen Farben, zu hellem Lichte, ins Ungeheure vergrößert; dann verfällt das Individuum auf lauter Extreme.”
5 [81]
Es fehlt den Griechen die Nüchternheit. Übergroße Sensibilität, abnorm erhöhtes Nerven- und Cerebralleben, Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit des Wollens.
5 [82]
Das glücklichste Loos, welches dem Genie werden kann, ist Entbindung vom Thun und Lassen und freie Muße: und so wußten die Griechen zu schätzen. Segen der Arbeit! nugari nannten die Römer alles Tichten und Trachten der Hellenen.
Es hat keinen glücklichen Lebenslauf, es steht im Widerspruch und Kampf mit seiner Zeit. So die Griechen: sie bemühten sich ungeheuer, instinktiv, sich ein sicheres Gehäuse (in der Polis) zu schaffen. Endlich gieng alles in der Politik zu Grunde.
Sie waren gezwungen nach außen hin Stand zu halten: das wurde immer schwieriger, endlich unmöglich.
5 [83]
Mit einer Veränderung eines Wortes von Bako von Verulam kann man sagen: infimarum Graecorum virtutum, apud philologos, laus est, mediarum admiratio, supremarum sensus nullus.
5 [84]
Der kindliche Charakter der Griechen von den Aegyptern empfunden.
5 [85]
Das Steigern des Gegenwärtigen ins Ungeheure und Ewige z.B. bei Pindar.
5 [86]
Die unmathematische Schwingung der Säule in Pästum z. B. ist ein Analogon zur Modifikation des Tempos: Belebtheit an Stelle eines maschinenhaften Bewegtseins.
5 [87]
Es ist das Werk aller Erziehung, bewußte Thätigkeiten in mehr oder weniger unbewußte umzubilden: und die Geschichte der Menschheit ist in diesem Sinne ihre Erziehung. Der Philologe nun übt eine Menge Thätigkeiten so unbewußt: das will ich einmal untersuchen, wie seine Kraft, d. h. sein instinktives Handeln, das Resultat von ehemals bewußten Thätigkeiten ist, die er allmählich als solche kaum mehr fühlt: aber jenes Bewußtsein bestand in Vorurtheilen. Seine jetzige Kraft beruht auf jenen Vorurtheilen, z. B. die Schätzung der ratio wie bei Bentley, Hermann. Die Vorurtheile sind, wie Lichtenberg sagt, die Kunsttriebe des Menschen.
5 [88]
Fertigkeiten erwartet man von der Beschäftigung mit den Alten: früher z. B. Schreiben und Sprechen können. Aber welche erwartet man jetzt!— Denken und Schließen: aber dies erlernt man nicht von den Alten, sondern höchstens an den Alten, vermittelst der Wissenschaft. Zudem ist aber alles historische Schließen sehr bedingt und unsicher: man sollte das naturwissenschaftliche vorziehn.
5 [89]
Proklos, der den aufgehenden Mond in feierlicher Weise anbetet.
5 [90]
Die ererbte Abrichtung der jetzigen Philologen: eine gewisse Unfruchtbarkeit der Grundeinsichten hat sich ergeben; denn sie bringen die Wissenschaft, aber nicht die Philologen vorwärts.
5 [91]
Das politische Unterliegen Griechenlands ist der größte Mißerfolg der Cultur: denn es hat die gräßliche Theorie aufgebracht, daß man die Cultur nur pflegen könne, wenn man zugleich bis an die Zähne bewaffnet und mit Fausthandschuhen angethan sei. Das Aufkommen des Christenthums war der zweite große Mißerfolg: die rohe Macht dort, der dumpfe Intellekt hier kamen zum Siege über das aristokratische Genie unter den Völkern. Philhellene sein heißt Feind der rohen Macht und der dumpfen Intellekte sein. Insofern war Sparta das Verderben von Hellas, insofern es Athen zwang bundesstaatlich zu wirken und sich ganz auf Politik zu werfen.
5 [92]
Sicher steht im Ganzen Großen das Wachsen der militärischen Kraft der Menschheit. Der Sieg der kräftigeren Nation: allmählich ist es nicht nur der Maaßstab des körperlicher, sondern noch mehr des geistigen Kräftiger-seins.
5 [93]
In Sokrates haben wir einen Vorgang des Bewußtseins gleichsam vor uns offen liegen, aus dem später die Instinkte des theoretischen Menschen entstanden sind. Daß jemand lieber sterben will als alt und schwach im Geiste werden.
5 [94]
Mit dem Christenthum erlangte eine Religion das Obergewicht, welche einem vorgriechischen Zustand des Menschen entsprach: Glaube an Zaubervorgänge in allem und jedem, blutige Opfer, abergläubische Angst vor dämonischen Strafgerichten, Verzagen an sich selbst, ekstatisches Brüten und Halluciniren, der Mensch sich selber zum Tummelplatz guter und böser Geister und ihrer Kämpfe geworden.
5 [95]
Es wäre viel glücklicher noch gewesen, daß die Perser als daß gerade die Römer über die Griechen Herr wurden.
5 [96]
Der herrliche Sinn für Ordnung und Gliederung hat den Staat der Athener unsterblich gemacht.— Die zehn Strategen in Athen! toll! gar zu sehr ein Opfer auf dem Altar der Eifersucht.
5 [97]
Statut der Gesellschaft der Unzeitgemässen.
Jeder hat vierteljährlich einen schriftlichen Bericht über seine Thätigkeit einzusenden.
O. R. G. B. N.
5 [98]
Zur Einleitung der Gesammtherausgabe der “Unzeitgemässen.”
Die Entstehung zu schildern: meine Desperation wegen Bayreuth, ich sehe nichts mehr, was ich nicht voll Schuld weiss, ich entdecke bei tieferem Nachdenken, auf das fundamentalste Problem aller Cultur gestossen zu sein. Mitunter fehlt mir alle Lust fortzuleben. Aber dann wieder sage ich mir: wenn einmal gelebt sein soll, dann jetzt.— Straussen hielt ich eigentlich für mich für zu gering: bekämpfen mochte ich ihn nicht. Ein paar Worte Wagner’s in Strassburg.
5 [99]
Wenn nun die Römer die griechische Cultur verschmäht hätten: sie wäre vielleicht radikal zu Grunde gegangen. Woran hätte sie wieder erwachen sollen? Christenthum und Römer und Barbaren—das wäre ein Ansturm gewesen. Völlig verwischt. Wir sehen die Gefahr, unter der das Genie lebt. Cicero ist so schon einer der größten Wohlthäter der Menschheit.— Es giebt für das Genie keine Vorsehung: nur für die gewöhnlichen massenhaften Menschen und ihre Nöthe giebt es so etwas; sie finden ihre Befriedigung, später ihre Rechtfertigung.
5 [100]
Aus der gegenseitigen Todtfeindschaft erwächst die griechische, und das Hellenisch und philantropisch waren Gegensätze, obschon die Alten genug sich geschmeichelt haben.
5 [101]
Homer, in der Welt der hellenischen Zwietracht, der panhellenische Grieche.
Der Wettkampf der Griechen zeigt sich auch im Symposion, in der Form des geistreichen Gesprächs.
5 [102]
Das Genie macht alle Halbbegabten tributpflichtig: so schickten Perser selbst ihre Gesandtschaften an die griechischen Orakel.
5 [103]
Zu einem griechischen Polytheismus gehört viel Geist; es ist freilich sparsamer mit dem Geist umgegangen, wenn man nur einen hat.
5 [104]
Die Moral beruht nicht auf der Religion, sondern auf der.
Es gab nur Priester einzelner Götter, nicht Vertreter der ganzen Religion: also keinen Stand. Ebenfalls keine heilige Urkunde.
5 [105]
Die “leichtlebenden Götter” ist die höchste Verschönerung, die der Welt zu Theil geworden ist; im Gefühl wie schwer es sich lebt.
5 [106]
Ob es viele begabte Philologen gegeben hat? Ich zweifle; denn zu langsam bricht sich die Vernunft bei ihnen Bahn (Handschriften zählen usw.)—Wort- und Sach-philologie—dummer Streit!—und dann die übertriebene Schätzung irgend eines klugen Mannes unter ihnen!
5 [107]
Das Humanistische ist von Karl dem Großen mächtig angepflanzt worden, während er gegen das Heidnische mit den härtesten Zwangsmitteln vorgieng. Die antike Mythologie wurde verbreitet, die deutsche wie ein Verbreden behandelt. Ich glaube, hier lag das Gefühl zu Grunde, daß das Christenthum eben schon fertig geworden sei mit der antiken Religion: man fürchtete sie nicht, aber benutzte die auf ihr ruhende Cultur des Alterthums. Die deutsche Götterwelt fürchtete man.— Eine große Äußerlichkeit in der Auffassung des Alterthums, fast nur die Schätzung seiner formalen Fertigkeiten und seiner Kenntnisse, muß hier gepflanzt worden sein. Es sind die Mächte zu nennen, die einer Vertiefung der Einsicht ins Alterthum im Wege gestanden haben. Zunächst 1) wird die alterthümliche Cultur als Reizmittel zur Annahme des Christenthums benutzt: es ist gleichsam das Draufgeld für die Bekehrung. Die Versüßung beim Einschlürfen jenes Giftes. Dann war man der Hülfsmittel der antiken Cultur benöthigt, 2) als Waffen zum geistigen Schutz des Christenthums. Selbst die Reformation konnte die klassischen Studien in diesem Sinne nicht entbehren. Dagegen beginnt nun die Renaissance mit reinerem Sinne die klassischen Studien, aber durchaus auch im christenfeindlichen; sie zeigt ein Erwachen der Ehrlichkeit im Süden, wie die Reformation im Norden. Vertragen konnten sie sich freilich nicht, denn ernstliche Neigung zum Alterthum macht unchristlich. Es ist der Kirche im Ganzen gelungen, den klassischen Studien eine unschädliche Wendung zu geben: der Philologe wurde erfunden, als Gelehrter, der im übrigen Priester oder sonst so etwas ist: und auch im Bereiche der Reformation gelang es, den Gelehrten ebenfalls zu castriren. Deshalb ist Friedrich August Wolf merkwürdig, weil er den Stand von der Zucht der Theologie befreite: aber seine That wurde nicht völlig verstanden, denn ein angreifendes aktives Element, wie es den Poeten-Philologen der Renaissance anhaftet, wurde nicht entwickelt. Die Befreiung kam der Wissenschaft, nicht den Menschen zu Gute.
5 [108]
Das Unvolksthümliche der neuen Renaissance-Kultur! Eine furchtbare Thatsache!
5 [109]
Was ist nun jetzt noch das Alterthum, gegenüber moderner Kunst und Wissenschaft und Philosophie? Nicht mehr die Schatzkammer aller Kenntnisse, in Natur- und Geschichtskenntniß ist es überwunden. Die Unterdrückung durch die Kirche ist gebrochen. Es ist jetzt eine reinere Kenntniß des Alterthums möglich, aber auch wohl eine wirkungslosere, schwächere?— Das ist richtig: wenn man die Wirkung nur als Massenwirkung kennt; aber für die Erzeugung der größten Geister ist das Alterthum mehr wie je kräftig. Goethe als deutscher Poet-Philolog; Wagner als noch höhere Stufe: Hellblick für die einzig würdige Stellung der Kunst; nie hat ein antikes Werk so mächtig gewirkt, wie die Oresteia auf Wagner. Der objektive-kastrirte Philolog, der im übrigen Bildungsphilister und Kulturkämpfer ist, und daneben reine Wissenschaft treibt, ist freilich eine traurige Erscheinung.
5 [110]
Bentley war zugleich defensor fidei; und Scaliger war freilich ein Feind der Jesuiten, und sehr angegriffen.
5 [111]
Zwischen unsrer höchsten Kunst und Philosophie und zwischen dem wahrhaft erkannten ältern Alterthum ist kein Widerspruch: sie stützen und tragen sich. Hier liegen meine Hoffnungen.
5 [112]
Es giebt Gebiete, wo die ratio nur Unfug anrichten wird, und der Philolog, der nichts weiter hat, damit verloren ist und nie die Wahrheit sehen kann, z. B. bei Betrachtung der griechischen Mythologie. Natürlich hat ein Phantast auch noch keinen Anspruch: man muß griechische Phantasie und etwas von griechischer Frömmigkeit haben. Selbst der Dichter braucht in sich nicht consequent zu sein: überhaupt ist Consequenz das Letzte, wozu sich die Griechen verstehen würden.
5 [113]
Fast alle griechischen Gottheiten sind angesammelte, eine Schicht wieder über der andern, bald verwachsen, bald nothdürftig verkittet. Dies wissenschaftlich auseinanderzuklauben scheint mir kaum möglich: denn dafür kann es keine gute Methode geben: der elende Schluß der Analogie ist hier schon ein sehr guter Schluß.
5 [114]
Wie fern muß man den Griechen sein, um ihnen eine solche bornirte Autochthonie zuzutrauen wie O. Müller! Wie christlich, um mit Welcker die Griechen für ursprüngliche Monotheisten zu halten! Wie quälen sich die Philologen mit der Frage ab, ob Homer geschrieben habe, ohne den viel höheren Satz zu begreifen, daß die griechische Kunst eine lange innere Feindseligkeit gegen Schriftwesen hatte und nicht gelesen werden wollte.
5 [115]
Die Griechen waren von der Lust zu fabuliren gräßlich geplagt. Gar im Alltagsleben war es schwer, sie vom “mythischen,” vom Schwindeln fernzuhalten: wie alles Poetenvolk eine solche Lust zur Lüge hat, nebst der Unschuld dazu. Die benachbarten Völker fanden das wohl verzweifelt.
5 [116]
Auf Bergen zu wohnen, viel Reisen, schnell von der Stelle zu kommen—darin kann man sich jetzt schon den griechischen Göttern gleichsetzen. Wir wissen auch das Vergangne und beinahe das Zukünftige. Was ein Grieche sagen würde, wenn er uns sähe? —
5 [117]
Die Götter machen den Menschen noch böser; so ist Menschennatur. Wen wir nicht mögen, von dem wünschen wir, daß er schlechter werde und freuen uns dann. Es gehört dies in die düstere Philosophie des Hasses, die noch nicht geschrieben ist, weil sie überall das pudendum ist, das jeder fühlt.
5 [118]
Der Panhellene Homer hat seine Lust an der Leichtfertigkeit der Götter; aber erstaunlich ist, wie er ihnen wieder Würde geben kann. Dieses ungeheure Sich-Aufschwingen ist aber griechisch.
5 [119]
Thukydides über den Staat.
Das tyrannische Element in jedem Aristokraten großgenährt: das verräth sich in den Gebeten (Xenophon Socrates). Sie hielten sich gegenseitig in Schranken: das Volk hielt wieder alle zusammen in Schranken, so gut es gieng.
5 [120]
Woher stammt nun der Neid der Götter? man glaubt nicht an ein ruhend stilles Glück, sondern nur an ein übermüthiges. Es muß den Griechen schlecht zu Muthe gewesen sein, allzu leicht verwundet war ihre Seele: es erbitterte sie, den Glücklichen zu sehen. Das ist griechisch. Wo es ein ausgezeichnetes Talent gab, da mag die Schaar der Eifersüchtigen ungeheuer groß gewesen sein: traf jenes ein Unglück, so sagte man “aha! der war auch zu übermüthig.” Und jeder hätte ebenso sich benommen, wenn er das Talent gehabt hätte, übermüthig; und jeder hätte gern etwas den Gott gespielt, der das Unglück schickt.
5 [121]
Die griechischen Götter verlangten keine Sinnesänderung und waren überhaupt nicht so lästig und zudringlich: da war es auch möglich, sie ernst zu nehmen und zu glauben. Zu Homer’s Zeiten war das griechische Wesen übrigens fertig: Leichtfertigkeit der Bilder und der Phantasie ist nöthig, um das übermäßig leidenschaftliche Gemüth etwas zu beschwichtigen und zu befreien. Spricht bei ihnen der Verstand, o wie herbe und grausam erscheint das Leben! Sie täuschen sich nicht. Aber sie umspielen das Leben mit Lügen: Simonides rieth, das Leben wie ein Spiel nehmen: der Ernst war ihnen als Schmerz zu bekannt. Das Elend der Menschen ist den Göttern ein Genuß, wenn ihnen davon gesungen wird. Das wußten die Griechen, daß einzig durch die Kunst selbst das Elend zum Genuße werden könne, vide tragoediam.
5 [122]
Das eigentlich wissenschaftliche Volk, das Volk der Litteratur, sind die Aegypter und nicht die Griechen. Was wie Wissenschaft bei den Griechen aussieht, stammt daher und später kehrt es nach Aegypten zurück, um sich mit dem alten Strome wieder zu vereinigen. Alexandrinische Cultur ist eine Verquickung von Hellenisch und Aegyptisch: und wenn die neuere Welt an die Cultur der Alten anknüpft, dann hat sie
5 [123]
Der Seher muß liebevoll sein, sonst hat er kein Vertrauen bei den Menschen: v. Kassandra.
5 [124]
Klassische Philologie ist der Herd der flachsten Aufklärung: immer unehrlich verwendet, allmählich ganz wirkungslos geworden. Ihre Wirkung ist eine Illusion mehr am modernen Menschen. Eigentlich handelt es sich nur um einen Erzieher-Stand, der nicht aus Pfaffen besteht: hier hat der Staat sein Interesse daran.
Ihr Nutzen ist vollständig aufgebraucht; während z. B. Geschichte des Christenthums noch ihre Kraft zeigt.
5 [125]
Aus den Reden über Philologie, wenn sie von Philologen stammen, erfährt man nichts, es ist die reinste Schwätzerei z. B. Jahn (“Bedeutung und Stellung der Alterthumsstudien in Deutschland”). Gar kein Gefühl, was zu vertheidigen, was zu schützen ist: so reden Leute, die noch gar nicht darüber nachgedacht haben, daß man sie angreifen könnte.
5 [126]
Es ist gar nicht wahr, daß die Griechen nur auf dieses Leben ihre Blicke gerichtet hatten. Sie litten auch an der Todes- und Höllenangst. Aber keine Reue und Zerknirschung.
5 [127]
“Die frevelhafte gegenseitige Zernichtung (unvermeidlich, so lange noch eine einzige leben wollte), ihr Neid gegen alles Höhere, ihre Habsucht, die Zerrüttung ihrer Sitte, die Sklavenstellung für die Frau, die Gewissenlosigkeit im Eidschwur, in Mord und Todschlag.” B.
5 [128]
Ungeheure Kraft der Selbstüberwindung z. B. im Bürger, in Sokrates, der zu allem Bösen fähig war.
5 [129]
Die Eigenschaften des Genialen ohne die Genialität treffen wir bei dem Durchschnittshellenen, im Grunde alle die gefährlichsten Eigenschaften des Gemüths und des Charakters.
5 [130]
Der “Dulder” ist hellenisch. Prometheus, Herakles.
Der Heroenmythus ist panhellenisch geworden; dazu gehörte freilich ein Dichter.
5 [131]
Wagner bildet die innere Phantasie des Menschen aus; spätere Generationen werden Zeugen von Bildwerken sein. Die Poesie muß der bildenden Kunst voran gehen.
5 [132]
“Klassische Bildung”! Was sieht man darin! Ein Ding, das nichts wirkt außer—Befreiung von militärischen Lasten und Doktortitel!
5 [133]
Den Stand der Philologen als Problem zu empfinden.
5 [134]
Wagner ehrt seine Kunst viel zu hoch, um sich in einen Winkel zu stecken wie Schumann. Entweder unterwirft er sich dem Publikum (Rienzi) oder er unterwirft es sich. Er züchtet es heran. Auch die Kleinen wollen ein Publikum, aber sie suchen es durch unkünstlerische Mittel, etwa Presse, Hanslick usw.
5 [135]
Philologen, die von ihrer Wissenschaft reden, rühren nie an die Wurzeln, sie stellen nie die Philologie als Problem hin. Schlechtes Gewissen? oder Gedankenlosigkeit?
5 [136]
“Aufklärung” und alexandrinische Bildung ist es—besten Falls!—, was Philologen wollen. Nicht Hellenenthum.
5 [137]
Die Consequenz, die man am Gelehrten schätzt, ist den Griechen gegenüber Pedanterie.
5 [138]
Klassische Bildung! Ja wenn es nur wenigstens soviel Heidenthum wäre, wie viel Goethe an Winckelmann fand und verherrlichte—es war nicht gar zu viel. Aber nun das ganze unwahre Christenthum unserer Zeiten mit dazu, oder mitten darunter—das ist mir zu viel und ich muß mir helfen, indem ich meinen Ekel einmal darüber auslasse.— Man glaubt förmlich an Zauberei, in Betreff dieser “klassischen Bildung”; aber natürlich müßten doch die, welche das Alterthum noch am meisten haben, auch diese Bildung am meisten haben, die Philologen: aber was ist an ihnen klassisch!
5 [139]
Früher schrieb man dem Teufel oder bösen Geistern seine Anfechtungen und Lüste zu: das gilt jetzt als Mährchen. So wird es auch ein Mährchen sein, einem Gotte seine guten Regungen und Erfolge zu danken. Beides sind Erleichterungen, man machte sich’s damit bequem. Zu beweisen, wie bei der Religion ganz vornehmlich für die Bequemlichkeit gesorgt worden ist: nahe und bereite Ausreden und Ausflüchte.
5 [140]
Fünfjähriges Schweigen. Schüler Pfleger Erzieher.
5 [141]
Was ist Begabung?— Ein hohes Ziel und die Mittel dazu zu wollen.
5 [142]
Philologen sind solche Menschen, welche das dumpfe Gefühl der modernen Menschen über ihr eigenes Ungenügen benutzen, um darauf hin Geld und Brod zu erwerben.
Ich kenne sie, ich bin selber einer.
5 [143]
Die deutschen Gelehrten und sogenannten Denker, der wirklichen Geschichte fernstehend, haben die Geschichte zu ihrem Thema gemacht und, als geborene Theologen, den Nachweis ihrer Vernünftigkeit versucht. Ich fürchte, eine spätere Zeit wird als die heilloseste Mitgift diesen deutschen Beitrag zur europäischen Cultur erkennen: ihre Geschichte ist falsch!
5 [144]
Wir behandeln unsre Jünglinge als seien sie unterrichtete gereifte Männer, wenn wir ihnen die Griechen vorführen. Was eignet sich denn vom griechischen Wesen überhaupt für die Jugend? Zuletzt bleibt’s gar beim Formalen, Einzelnes vorzuführen. Sind das Betrachtungen für junge Leute? —
Die beste und höchste Gesammtvorstellung von den Alten bringen wir doch den jungen Leuten entgegen? Oder nicht? Das Lesen der Alten wird so betont.
Ich glaube, die Beschäftigung mit dem Alterthum ist in eine falsche Stufe des Lebens verlegt. Ende der zwanziger fängt es an zu dämmern.
5 [145]
Alle Schwierigkeiten des historischen Studiums einmal durch das größte Beispiel zu verdeutlichen.
In wiefern unsre Jünglinge nicht zu den Griechen passen.
Folgen der hodmüthige Anticipation
Philologie: Bildungsphilisterei
Überschätzung von Lesen und Schreiben
Ungründlichkeit
Entfremdung vom Volk und Volks-Noth.
Die Philologen selbst (und Historiker und Philosophen Juristen, alles durchräuchert vom Dunste).
Es sind wirkliche Wissenschaften der Jugend beizubringen.
Ebenso wirkliche Kunst.
So wird auch, in höherem Leben, Verlangen nach wirklicher Historie dasein.
Philologe, Entstehung überhaupt und jetzt.
Die Jugend und der Philologe.
Die Folgen der Philologie.
Aufgabe für die Philologie: Untergang.
Die Inhumanität: selbst aus der Antigone, selbst aus der goethischen Iphigenie.
Der Mangel an Aufklärung.
Das Politische ist nicht für Jünglinge verständlich.
Das Dichterische—eine schlimme Anticipation.
5 [146]
Kritik der Entwicklung.
Falsche Annahme einer naturgemässen Entwicklung.
Die Entartung ist hinter jeder grossen Erscheinung her; in jedem Augenblick ist der Ansatz zum Ende da. Die Entartung liegt in dem leichten Nachmachen und Äusserlich-Verstehen der grossen Vorbilder: d. h. das Vorbild reizt die eitlern Naturen zum Nachmachen und Gleichmachen oder überbieten.
Die Kette von einem Genius zum andern ist selten eine gerade Linie: so zwischen Aeschylus und Sophocles keineswegs. Es lagen eine Masse Entwicklungswege nach Aeschylus noch offen; Sophocles schlug einen von ihnen ein.
Das Verhängnissvolle aller grossen Begabungen: sie reissen mit sich fort und veröden um sich, wie Rom in einer Einöde liegt. Viele Kräfte, embryonisch noch, werden so erdrückt.
Zu zeigen, wie überwiegend auch in Hellas die Entartung ist, wie selten und kurz das Grosse, wie mangelhaft (von der falschen Seite) geschätzt.
Wie steif müssen die Anfänge der Tragödie bei Thespis gewesen sein! d. h. die kunstmässigen Nachformungen der urwüchsigen Orgien. So war die Prosa erst sehr steif im Verhältniss zur wirklichen Rede.
Die Gefahren sind: man hat die Lust am Inhalte oder man ist gleichgültig gegen den Inhalt und erstrebt Sinnesreize des Klanges usw.
Das Agonale ist auch die Gefahr bei aller Entwicklung; es überreizt den Trieb zum Schaffen.— Der glücklichste Fall in der Entwicklung, wenn sich mehrere Genie’s gegenseitig in Schranken halten.
Ob nicht sehr viele herrliche Möglichkeiten im Keime erstickt sind? Wer würde z. B. Theocrit noch zu seiner Zeit für möglich halten, wenn er nicht da wäre?
Die grösste Thatsache bleibt immer der frühzeitig panhellenische Homer. Alles Gute stammt doch von ihm her: aber zugleich ist er die gewaltigste Schranke geblieben, die es gab. Er verflachte, und deshalb kämpften die Ernstern so gegen ihn, umsonst. Homer siegte immer.
Das Unterdrückende der grossen geistigen Mächte ist auch hier sichtbar, aber welcher Unterschied: Homer oder eine Bibel als solche Macht!
Die Lust am Rausche, die Lust am Listigen, an der Rache, am Neide, an der Schmähung, an der Unzüchtigkeit—alles das wurde von den Griechen anerkannt, als menschlich, und darauf hin eingeordnet in das Gebäude der Gesellschaft und Sitte. Die Weisheit ihrer Institutionen liegt in dem Mangel einer Scheidung zwischen gut und böse, schwarz und weiss. Die Natur, wie sie sich zeigt, wird nicht weggeleugnet, sondern nur eingeordnet, auf bestimmte Culte und Tage beschränkt. Dies ist die Wurzel aller Freisinnigkeit des Alterthums; man suchte für die Naturkräfte eine mässige Entladung, nicht eine Vernichtung und Verneinung.— Das ganze System von neuer Ordnung ist dann der Staat. Er war nicht auf bestimmte Individuen, sondern auf die regulären menschlichen Eigenschaften hin construirt: es zeigt sich in seiner Gründung die Schärfe der Beobachtung und der Sinn für das Thatsächliche, besonders für das Typisch-Thatsächliche, was die Griechen zur Wissenschaft Historie Geographie usw. befähigte. Es war nicht ein beschränktes priesterliches Sittengesetz, welches bei der Gründung des Staates befahl. Woher haben die Griechen diese Freiheit? Wohl schon von Homer; aber woher hat er’s?— Die Dichter sind nicht die weisesten und logisch gebildetsten Wesen; aber sie haben die Lust am einzeln Wirklichen jeder Art und wollen es nicht verneinen, aber doch so mässigen, dass es nicht alles todt macht.
5 [147]
Die Nothwendigkeit der Entladung, der, ein Grundgesetz des griechischen Wesens.
Ansammlung und Entladung in gewaltsamen, zeitlich getrennten Stössen. Ob die Tragödie daher zu erklären?
5 [148]
Es müssen philosophische Köpfe darüber kommen und einmal die Gesammtabrechnung des Alterthums vorlegen. Sobald diese vorliegt, so wird es überwunden sein. Man ist viel zu stark mit allem Fehlerhaften, was uns quält, vom Alterthum abhängig, als dass man es noch lange milde behandeln wird. Die ungeheuerste Frevelthat der Menschheit, dass das Christenthum möglich werden konnte, so wie es möglich wurde, ist die Schuld des Alterthums. Mit dem Christenthum wird auch das Alterthum abgeräumt werden.— Jetzt ist es sehr nahe hinter uns, und gerecht zu sein gewiss nicht möglich. Es ist in der scheusslichsten Weise zur Unterdrückung benutzt worden und hat die religiöse Unterdrückung unterstützt, dadurch dass es sie mit “Bildung” maskirte. Der Hauptwitz war: “das Alterthum ist durch das Christenthum überwunden worden”! Dies war eine historische Thatsache und so wurde die Beschäftigung mit ihm unschädlich. Ja es ist so plausibel, die christliche Ethik “tiefer” zu finden als Socrates! Mit Plato konnte man es schon aufnehmen! Es ist eine nochmalige Wiederkäuung desselben Kampfes, der in den ersten Jahrhunderten schon abspielte. Nur dass jetzt ein ganz blasses Gespenst an Stelle des damals recht sichtbaren Alterthums getreten ist, und freilich auch das Christenthum recht gespenstisch geworden ist. Es ist ein Kampf nach der Entscheidungsschlacht, ein Nachzittern. Zuletzt sind alle die Mächte, aus denen das Alterthum besteht, im Christenthum in der rohesten Gestalt zu Tage getreten, es ist nichts Neues, nur quantitativ extraordinär.
5 [149]
Ach es ist eine Jammergeschichte, die Geschichte der Philologie! Die ekelhafteste Gelehrsamkeit, faules unthätiges Beiseitesitzen, ängstliches Unterwerfen.— Wer hat denn etwas Freies gehabt?
5 [150]
Der religiöse Cultus ist auf das Erkaufen oder das Erbetteln der Gunst der Gottheiten zurückzuführen. Es kommt darauf an, wo man ihre Ungunst fürchtet.— Also dort, wo man nicht einen Erfolg durch eigne Kraft erringen kann oder will, sucht man übernatürliche Kräfte: also zur Erleichterung der Lebensmühe. Wo man etwas nicht durch die That wieder gut machen will oder kann, bittet man die Götter um Gnade und Verzeihung, also zur Erleichterung des bedrängten Gewissens. Die Götter sind zur Bequemlichkeit der Menschen erfunden: zuletzt noch ihr Cultus die Summe aller Erholungen und Ergötzlichkeiten.
Man nehme sie hinweg: alle Lasten sind dann schwerer, und es giebt viel weniger Leichtigkeit.— Wo die Olympier zurücktraten, da war das griechische Leben düsterer.— Wo wir forschen und arbeiten, da feiern die Griechen Feste. Sie sind die Festefeiernden.
Sie sehen über sich die Götter nicht als Herren, sich nicht als Knechte, wie die Juden. Es ist die Conception von einer glücklicheren und mächtigeren Kaste, ein Spiegelbild der gelungensten Exemplare der eignen Kaste, also ein Ideal, kein Gegensatz des eignen Wesens. Man fühlt sich durchaus verwandt. Es besteht gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Man denkt vornehm von sich, wenn man sich solche Götter dichtet. Und so hat auch das Erbetteln und Erkaufen ihrer Gunst etwas Vornehmes. Es ist ein Verhältniss, wie von niederem zu höherem Adel; während die Römer eine rechte Bauernreligion haben, Ängstlichkeit gegen Kobolde und Spukereien.
5 [150]
Der religiöse Cultus ist auf das Erkaufen oder das Erbetteln der Gunst der Gottheiten zurückzuführen. Es kommt darauf an, wo man ihre Ungunst fürchtet.— Also dort, wo man nicht einen Erfolg durch eigne Kraft erringen kann oder will, sucht man übernatürliche Kräfte: also zur Erleichterung der Lebensmühe. Wo man etwas nicht durch die That wieder gut machen will oder kann, bittet man die Götter um Gnade und Verzeihung, also zur Erleichterung des bedrängten Gewissens. Die Götter sind zur Bequemlichkeit der Menschen erfunden: zuletzt noch ihr Cultus die Summe aller Erholungen und Ergötzlichkeiten.
Man nehme sie hinweg: alle Lasten sind dann schwerer, und es giebt viel weniger Leichtigkeit.— Wo die Olympier zurücktraten, da war das griechische Leben düsterer.— Wo wir forschen und arbeiten, da feiern die Griechen Feste. Sie sind die Festefeiernden.
Sie sehen über sich die Götter nicht als Herren, sich nicht als Knechte, wie die Juden. Es ist die Conception von einer glücklicheren und mächtigeren Kaste, ein Spiegelbild der gelungensten Exemplare der eignen Kaste, also ein Ideal, kein Gegensatz des eignen Wesens. Man fühlt sich durchaus verwandt. Es besteht gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Man denkt vornehm von sich, wenn man sich solche Götter dichtet. Und so hat auch das Erbetteln und Erkaufen ihrer Gunst etwas Vornehmes. Es ist ein Verhältniss, wie von niederem zu höherem Adel; während die Römer eine rechte Bauernreligion haben, Ängstlichkeit gegen Kobolde und Spukereien.
5 [151]
Ich will mich so der Litteratur bemächtigen, daß ich z. B.
die vergleiche
die Prologe im Drama usw.
5 [152]
Entwurf für 18 Vorlesungen
| 9. | Ehren bei Städten, Fürsten, Festen, Opfern usw. Tyrannen. | |
| 18. | Todesarten. | |
| 10. | Gruppen des Umgangs, des gleichen Strebens. | |
| 11. | Verbreitung durch Schülerthum. | |
| 12. | Abtrünnige Schüler. | |
| 6. | Nichtgriechen und Griechen, geographische Betheiligung. | |
| 7. | Sklaven und ganz niedere Leute. | |
| 8. | Sehr vornehme Leute. | |
| 13. | Persönliche Feindschaften, Wettkämpfe. | |
| 17. | Einfluß auf den Staat und bei Seite stehen. | |
| 14. | Verschweigen. | |
| 15. | Geringschätzen und Nichtverstehen vom Früheren. | |
| 16. | Verbreitung durch Vortrag, Reisen, Buchhandel, Bibliotheken. | |
| 2. | Unsre Verluste, Größe, Gründe des Verlustes. | |
| 5. | Die Kunstwerke für alle und die für einen bestimmten Kreis. | |
| 3. | Einige Grundsätze für das Studium der Litteratur. | |
| 1. | Kritik der Entwicklung, absoluter Werth. | |
| 4. | Fälschungen. Litterarhistorische Mythologie. |
5 [153]
Ein Fürst ist immer eine Karikatur, etwas überladenes; und wenn ein Volk den Fürsten noch nöthig hat, so ist es ein Beweis, daß der politische Trieb des Einzelnen noch zu schwach ist. Wer es besser gekostet, denkt mit Ekel an das Nach-oben-Blicken, und mit Bedauern an die, welche so sich stellen müssen, als ob sie “von oben” herab blickten.
5 [154]
Wenn ich sehe wie alle Staaten jetzt die klassische Bildung fördern, so sage ich “wie unschädlich muss sie sein!” Und dann “wie nützlich muss sie sein.” Sie erwirbt diesen Staaten den Ruhm, die “freie Bildung” zu fördern. Nun sehe man die Philologen an, um diese “Freiheit” richtig zu taxiren.
5 [155]
Im religiösen Cultus ist ein früherer Culturgrad festgehalten, es sind “Überlebsel.” Die Zeiten, welche ihn feiern, sind nicht die, welche ihn erfinden. Der Gegensatz ist oft sehr bunt. Der griechische Cultus führt uns in eine vorhomerische Gesinnung und Gesittung zurück, ist fast das älteste, was wir von den Griechen wissen; älter als die Mythologie, welche die Dichter wesentlich umgebildet haben, so wie wir sie kennen.— Kann man diesen Cult griechisch nennen? Ich zweifle. Sie sind Vollender, nicht Erfinder. Sie conserviren durch diese schöne Vollendung.
5 [156]
Auf immer trennt uns von der alten Cultur, dass ihre Grundlage durch und durch für uns hinfällig geworden ist. Eine Kritik der Griechen ist in sofern zugleich eine Kritik des Christenthums, denn die Grundlage im Geisterglauben, im religiösen Cultus, in der Naturverzauberung ist dieselbe.— Es giebt jetzt noch zahlreiche rückständige Stufen; aber sie sind schon im Begriff zu verfallen.
Dies wäre eine Aufgabe, das Griechenthum als unwiederbringlich zu kennzeichnen und damit auch das Christenthum und die bisherigen Fundamente unsrer Societät und Politik.
5 [157]
Aufgabe: der Tod der alten Cultur unvermeidlich: die griechische ist als Urbild zu kennzeichnen und zu zeigen, wie alle Cultur auf Vorstellungen ruht, die hinfällig sind.
Gefährliche Bedeutung der Kunst: als Bewahrerin und Galvanisirung abgestorbener und absterbender Vorstellungen. Der Historie, insofern sie uns in überwundene Gefühle zurückversetzen will. “Historisch” empfinden, “gerecht sein gegen Vergangenes” ist nur möglich, wenn wir zugleich darüber hinaus sind. Aber die Gefahr bei der hier geforderten Anempfindung ist gross: lassen wir doch die Todten ihre Todten begraben: so nehmen wir nicht selber Leichengeruch an.
5 [158]
Der Tod der alten Cultur.
- Bisherige Bedeutung der Alterthumsstudien, unklar, lügnerisch.
- Sobald sie ihr Ziel erkennen, verurtheilen sie sich zum Tode: denn ihr Ziel ist, die alte Cultur selbst als eine zu vernichtende zu beschreiben.
- Sammlung aller der Vorstellungen, aus denen die hellenische Cultur herausgewachsen ist. Kritik der Religion, Kunst, der Gesellschaft, des Staates, der Sitte.
- Die christliche ist mit verneint.
- Kunst und Historie—gefährlich.
- Ersetzung der Alterthumsstudien, die für die Jugenderziehung hinfällig geworden sind.
So ist die Aufgabe der Wissenschaft der Geschichte gelöst, und sie selber ist überflüssig geworden: wenn der ganze innerlich zusammenhängende Kreis vergangner Bestrebungen verurtheilt worden ist. An ihre Stelle muss die Wissenschaft um die Zukunft treten.
5 [159]
Der Lese- und Schreiblehrer und der Corrector sind die ersten Typen des Philologen.
5 [160]
Unsre Philologen verhalten sich zu wirklichen Erziehern, wie die Medizinmänner der Wilden zu wirklichen Ärzten. Welche Verwunderung wird eine ferne Zeit haben!
5 [161]
Alles mit Kritik.
| 2. | Litteratur. | |
| 2. | Religiöse Vorstellungen. | |
| 2. | Sittliche Vorstellungen. | |
| 1. | Erziehung. | |
| 1. | Verkehr, der Geschlechter, der Länder usw. der Stände. | |
| 2. | Staat. | |
| 1. | Kunst der Sprache, Begriff des Gebildeten und Ungebildeten. | |
| 2. | Die Philosophie und Wissenschaft. | |
| 1. | Über klassische Philologie und das Alterthum in der neueren Zeit. | |
| 1. | Über Griechen und Römer. Nach 5Jahren, d. h. Herbst 1875—Ostern 81. Ostern 82 + 7 = 89, z. B. 45—46 Jahre alt. |
5 [162]
Die Dichter sind rückständige Wesen und eine Brücke zu ganz fernen Zeiten, eigentlich immer Epigonen. Sind sie also nöthig? Es ist ihnen vorzuwerfen, was der Religion vorzuwerfen ist, dass sie vorläufige Beruhigungen geben und etwas Palliativisches haben. Sie halten die Menschen ab, an einer wirklichen Verbesserung zu arbeiten, indem sie selbst die Leidenschaft der Unbefriedigung aufheben und ableiten.
5 [163]
Die Mittel gegen Schmerz, welche die Menschen anwenden, sind vielfach Betäubungen. Religion und Kunst gehören zu den Betäubungen durch Vorstellungen. Sie gleichen aus und beschwichtigen; es ist eine Stufe der niedrigen Heilkunst seelischer Schmerzen. Beseitigung der Ursache des Leidens durch eine Annahme, z. B. wenn ein Kind gestorben, anzunehmen, es lebe noch, schöner, und es gebe einmal eine Vereinigung. So soll die Religion für den Armen da sein, mit ihrer Vertröstung.
Ist die Tragödie für den noch möglich, der keine metaphysische Welt glaubt? Man muss zeigen, wie auch das Höchste der bisherigen Menschheit auf dem Grund jener niederen Heilkunst gewachsen ist.
5 [164]
Wir sehen auf eine ziemliche Zeit Menschheit zurück; wie wird eine Menschheit einmal aussehen, welche auf uns ebenso fernher hinsicht? Welche uns noch ganz ertränkt findet in den Überbleibseln der alten Cultur. Welche nur im “Hülfreich und Gutsein” ihren Trost findet und alle andern Tröstungen abweist!— Wächst auch die Schönheit aus der alten Cultur heraus? Ich glaube, unsre Hässlichkeit hängt von unsern metaphysischen Überbleibseln ab; unsere Verworrenheit der Sitte, unsre Schlechtigkeit der Ehen usw. ist die Ursache. Der schöne Mensch, der gesunde und mässige und unternehmende Mensch formt um sich dann auch zum Schönen, zu seinem Abbild.
5 [165]
Im griechischen Götterwesen und Cultus findet man alle Anzeichen eines rohen und düstern uralten Zustandes, in dem die Griechen etwas sehr verschiedenes geworden wären, wenn sie drin verharren mussten. Homer hat sie befreit, mit der eigenthümlichen Frivolität seiner Götter. Die Umbildung einer wilden düstern Religion zu einer homerischen ist doch das grösste Ereigniss. Nun beachte man die Gegenströmungen, das Sich-offenbaren der alten Vorstellungen, das Ergreifen verwandter, ausländischer.
| 1. | Rohe und düstere Urzeiten. Fetischdienst. Menschenopfer usw. Todtenangst und Dienst. | |
| 2. | Schauspiele des Cultus. | |
| 3. | Spätere Regungen und Aufleben der ältesten düsteren Religion. | |
| 4. | Die Erleichterung und Frivolität der Religion. Die Dichter Joniens. | |
| 5. | Betäubungen und Ausflüchte gegen den Schmerz und die Schwierigkeiten des Lebens. | |
| 6. | Das Deuteln und Dichten am Mythus, das Versöhnen und Mengen. | |
| 7. | Der Unglaube. | |
| 8. | Die Kunst als rückständig und gegen die Aufklärung, im Ganzen wirkend. | |
| 9. | Der Staat sucht sein Fundament, im Religiösen. Ebenso die Gesellschaft. | |
| 10. | Die Religion, um das Volk zu unterhalten, gegen Noth und Langeweile zu bewahren. |
Cultus.
| 1. | Gebet. (Fluch, Eid.) | |
| 2. | Opfer. | |
| 3. | Ekstase und ihre Mittel. Mantik. Orakel. Beschwörung. Zauberei. Der Priester. | |
| 4. | Orientirung. (Tempelf) | |
| 5. | Reinigung. (Mysterie.) | |
| 6. | Complicirte Formen: Feste mit Schauspielen. a) Staatsculte. b) Gent Culte c) Häuslicher Cult d) Todtencult. |
5 [166]
Über Religion.
| I | Die Liebe der Kunstgriff des Christenthums in seiner Vieldeutigkeit. (Die Geschlechtsliebe im Alterthum bei Empedokles rein gefaßt.) | |
| II | Die christliche Liebe, auf Grund der Verachtung. | |
| III | Die Thätigkeit des Christen im Gegensatz zu der buddhistischen Ruhe. | |
| IV | Keine Religion der Rache und Gerechtigkeit! die Juden das schlechteste Volk. | |
| V | Eingeschmuggelte Begriffe: stellvertretender Tod. | |
| VI | Der Priesterstaat. Heuchler. Abneigung gegen ernste Fassung aller Probleme. (Cultus Opfer, Zwingung der Götter.) | |
| VII | Die größte Versündigung am Verstand der Menschheit ist das historische Christenthum. | |
| VIII | Gott ganz überflüssig. | |
| IX | Der Untergang der Menschheit: nichts Ewiges. | |
| X | Verächtlichkeit aller Motive, Unreinheit des Denkens, Grundfehler aller Typen, Stände, Bestrebungen. | |
| XI | Entweder unter Illusionen allein leben: oder in der schwierigen Weise, ohne Hoffnung, ohne Täuschung, ohne Vorsehungen, ohne Erlösungen und Unsterblichkeiten: aber mit einem Blick erbarmensvoller Liebe gegen sich selbst. Scheidung zweier Weltbetrachtungen, die des Alltags und die der seltensten Augenblicke des Gefühls und des Denkens. (Verachtung und Liebe, Einsicht und Gefühl gleich mächtig.) Diese Fassung der Religion fordert die Wissenschaft (als Werkzeug der verachtungsvollen Einsicht in die Schwäche und Ziellosigkeit der Menschen). Sie nimmt immer zu, je höher die Erkenntniß der Welt steigt.— Der Kampf mit der Nothwendigkeit—das eine Princip des Lebens. Die Einsicht in das Täuschende aller Ziele und Erbarmen mit sich selbst—das andre. |
5 [167]
Das Griechenthum durch die That zu überwinden wäre die Aufgabe. Aber dazu müßte man es erst kennen!—es giebt eine Gründlichkeit, welche nur der Vorwand der Thatenlosigkeit ist. Man denke, was Goethe vom Alterthum verstand; gewiß nicht soviel als ein Philologe und doch genug, um fruchtbar mit ihm zu ringen. Man sollte sogar nicht mehr von einer Sache wissen, als man auch schaffen könnte. Überdies ist es selbst das einzige Mittel, etwas wahrhaft zu erkennen, wenn man versucht es zu machen. Man versuche alterthümlich zu leben—man kommt sofort hundert Meilen den Alten näher als mit aller Gelehrsamkeit.— Unsre Philologen zeigen nicht, daß sie irgend worin dem Alterthum nacheifern—deshalb ist ihr Alterthum ohne Wirkung auf die Schüler.
Studium des Wetteifers (Renaissance, Goethe) und Studium der Verzweiflung!
5 [168]
Es liegt nicht viel an einem richtig emendirten Autor.
5 [169]
Das falsche Bild der Beschäftigung mit den Alten hemmt selbst die Besseren.
5 [170]
Die Wissenschaften werden vielleicht einmal von den Frauen betrieben: die Männer sollen geistig schaffen, Staaten Gesetze Kunstwerke usw.
5 [171]
Man soll das vorbildliche Alterthum nur studiren, wie man einen vorbildlichen Menschen studirt: also so viel man begreift, nachahmend, und wenn das Vorbild sehr fern ist, über die Wege und Vorbereitungen sinnend, und Mittelstadien erfindend.
Das Maaß des Studiums liegt darin: nur was zur Nachahmung reizt, was mit Liebe ergriffen wird und fortzuzeugen verlangt, soll studirt werden. Da wäre das Richtigste: ein fortschreitender Kanon des Vorbildlichen, angepaßt für jüngere junge und ältere Menschen.
5 [172]
In der Art hat Goethe das Alterthum ergriffen: immer mit wetteifernder Seele. Aber wer sonst? Man sieht nichts von einer durchdachten Pädagogik dieser Art: wer weiß, daß es Erkenntnisse des Alterthums giebt, die Jünglingen unmittheilbar sind!
5 [173]
Der knabenhafte Charakter der Philologie: für Schüler von Lehrern erdacht.
5 [174]
Immer allgemeinere Gestalt des Vorbildlichen: erst Menschen, dann Institutionen, endlich Richtungen Absichten oder deren Mangel.
Höchste Gestalt: Überwindung des Vorbildes mit dem Rückgange von Tendenzen zu Institutionen, von Institutionen zu Menschen.
5 [175]
Die Förderung einer Wissenschaft auf Unkosten der Menschen ist die schädlichste Sache von der Welt. Der verkümmerte Mensch ist ein Rückschritt der Menschheit; er wirft in alle Zeit hinaus seinen Schatten. Es entartet die Gesinnung, die natürliche Absicht der einzelnen Wissenschaft: sie selber geht daran endlich zu Grunde; sie steht gefördert da, wirkt aber nicht, oder unmoralisch auf das Leben.
5 [176]
Menschen nicht als Sache benutzen!
5 [177]
Von der sehr unvollkommenen Philologie und Kenntniß des Alterthums gieng ein Strom von Freiheit aus, unsere hochentwickelte knechtet und dient dem Staatsgötzen.
5 [178]
Je besser der Staat eingerichtet ist, desto matter die Menschheit.
Das Individuum unbehaglich zu machen: meine Aufgabe!
Reiz der Befreiung des Einzelnen im Kampfe!
Die geistige Höhe hat ihre Zeit in der Geschichte, vererbte Energie gehört dazu. Im idealen Staat ist es damit vorbei.
5 [179]
Die geistige Cultur Griechenlands eine Aberration des ungeheuren politischen Triebes nach.— Die höchst ablehnend gegen neue Bildung. Trotzdem existirte die Cultur.
5 [180]
Höchstes Urtheil über das Leben nur aus der höchsten Energie des Lebens, der Geist muß am weitesten von der Mattheit entfernt sein.
In der mittleren Weltgeschichte wird das Urtheil am richtigsten sein, weil da die größten Genien existiren.
Erzeugung des Genius als des Einzigen, der das Leben wahrhaft schätzen und verneinen kann.
5 [181]
Walter Scott liebte die Gesellschaft, weil er erzählen wollte; er übte sich, wie ein Virtuose sieben Stunden Klavier übt.
5 [182]
Rettet euren Genius! soll den Leuten zugerufen werden, befreit ihn! Thut alles, um ihn zu entfesseln!
5 [183]
Die Matten, geistig Armen dürfen über das Leben nicht urtheilen.
5 [184]
Wenn gute Freunde usw. mich loben, so bin ich öfter aus Höflichkeit und Wohlwollen scheinbar erfreut und dankbar; aber in Wahrheit ist es mir gleichgültig. Mein eigentliches Wesen ist ganz träge dagegen und ist keinen Schritt dadurch aus der Sonne oder dem Schatten wo es liegt herauszuwälzen.— Aber die Menschen wollen durch Lob eine Freude machen und man würde sie betrüben, wenn man sich über ihr Lob nicht freute.
5 [185]
Man muß von der Zukunft der Menschheit nicht erwarten, was bestimmte Vergangenheiten erzeugten z. B. die Wirkungen des religiösen Gefühls. Vielleicht ist der Typus des Heiligen nur bei einer gewissen Befangenheit des Intellekts möglich, mit der es vorbei ist. Selbst die Höhe der Intelligenz ist vielleicht einem Zeitalter der Menschheit aufgespart gewesen. Ungeheure Energie des Willens, auf geistige Bestrebungen übertragen (aberration)—nur möglich, so lange jene Wildheit und Energie groß gezüchtet war. Dem Ziel der Menschheit kommt sie vielleicht auf der Mitte ihres Weges näher als am Ende.— Es könnten Kräfte, von denen die Kunst bedingt ist, aussterben z. B. die Lust am Lügen, am Undeutlichen Symbolischen usw., auch der Rausch könnte in Mißachtung kommen. Und im Grunde: ist das Leben im idealen Staate geordnet, dann ist keine Dichtung der Gegenwart mehr möglich: besten Falls blickt sie mit Sehnsucht zurück, nach den Zeiten des unidealen Staates.
5 [186]
Kindheit und Knabenalter hat sein Ziel in sich, ist nicht Stufe.
5 [187]
Ich wünsche ein Buch über die Lebensweise der Gelehrten.
5 [188]
Ziele.
Der Werth des Lebens kann nur durch den höchsten Intellekt und das wärmste Herz gemessen werden.
Wie sind die höchsten Intelligenzen zu erzeugen? —
Die Ziele der menschlichen Wohlfahrt im Groben sind ganz andre: als die höchste Intelligenz zu erzeugen. Das Wohlleben gilt viel zu hoch und ist ganz äußerlich genommen, auch die Schule und die Erziehung.
Der ideale Staat, den die Socialisten träumen, zerstört das Fundament der großen Intelligenzen, die starke Energie.
Wir müssen wünschen, daß das Leben seinen gewaltsamen Charakter behalte, daß wilde Kräfte und Energien hervorgerufen werden. Das Urtheil über den Werth des Daseins ist das höchste Resultat der kräftigsten Spannung im Chaos.
Nun will das wärmste Herz Beseitigung jenes gewaltsamen, wilden Charakters; während es doch selbst aus ihm hervorgieng! Es will Beseitigung seines Fundaments! Das heißt, es ist nicht intelligent.
Die höchste Intelligenz und das wärmste Herz können nicht in Einer Person zusammen sein. Die höchste Intelligenz ist höher als alle Güte, auch diese ist nur etwas bei der Gesammtrechnung des Lebens Abzuschätzendes, der Weise steht darüber.
Der Weise muß den Gedanken der unintelligenten Güte widerstreben, weil ihm an der Wiedererzeugung seines Typus liegt. Mindestens kann er nicht den idealen Staat fördern.— Christus förderte die Verdummung der Menschen, er hielt die Erzeugung des großen Intellekts auf. Consequent! Sein Gegenbild würde vielleicht der Erzeugung von Christus’ hinderlich sein.— Fatum tristissimum generis humani!
5 [189]
Proœmium
Wäre ich schon frei, so würde ich das ganze Ringen nicht nöthig haben, sondern mich zu einem Werke oder Thun wenden, an dem ich meine ganze Kraft erproben könnte.— Jetzt darf ich nur hoffen, allmählich frei zu werden; und ich spüre bis jetzt, daß ich es immer mehr werde. So kommt auch wohl mein Tag der eigentlichen Arbeit noch, und die Vorbereitung zu den olympischen Spielen ist vorüber.—
5 [190]
Es steht mir noch bevor, Ansichten zu äußern, welche als schmählich für den gelten, welcher sie hegt; da werden auch die Freunde und Bekannten scheu und ängstlich werden. Auch durch dies Feuer muß ich hindurch. Ich gehöre mir dann immer mehr. —
5 [191]
Wer zum Bewußtsein über die Erzeugung des Genies käme und die Art, wie die Natur verfährt, auch praktisch durchführen wollte, würde so böse und so rücksichtslos wie die Natur selbst sein müssen.
5 [192]
Ich finde Xenophons Memorabilien sehr interessant. Man muß Sokrates’ Vorbild noch anerkennen: es ist sofort noch nachahmbar. Die stechen mich.
5 [193]
Platon’s Sokrates ist im eigentlichen Sinne eine Carricatura, eine Überladung.
5 [194]
Mißhandelt die Menschen, treibt sie zum Äußersten, und das durch Jahrtausende—da springt, durch eine Verirrung der Natur, durch einen abspringenden Funken der dadurch entzündeten furchtbaren Energie, auf einmal der Genius hervor.— So redet die Geschichte zu mir. Schreckliches Gesicht! Weh! Ich ertrag’ dich nicht! —
5 [195]
Die Griechen der Kaiserzeit sind matt und nehmen sich ganz gut als Typen der zukünftigen Menschheit aus. Sie erscheinen menschenfreundlich, namentlich gegen Rom, verabscheuen Gladiatorenkämpfe usw.— Es ist ganz falsch, von da aus Schlüsse auf ihre Jugendzeit zu machen.
5 [196]
Homer ist in der vermenschlichten Götterwelt so zu Hause und hat als Dichter ein solches Behagen, daß er tief unreligiös gewesen sein muß. Er verkehrt wie der Bildhauer mit seinem Thon und Marmor.
5 [197]
Die griechische Polis ist ausschließend gegen die Bildung, ihr politischer Trieb war auf dieser Seite höchst lähmend und stabilisirend. Es sollte keine Geschichte kein Werden in der Bildung sein, sie sollte ein für allemal fest sein. So wollte es später auch Plato. Trotz der Polis entstand die höhere Bildung: indirekt sogar durch sie, weil der Ehrgeiz des Individuums durch sie aufs Höchste gehoben wurde. Gerieth ein Grieche auf die geistige Auszeichnung, so ging er bis in’s letzte Extrem.
5 [198]
Urbevölkerung griechischen Bodens: mongolischer Abkunft mit Baum- und Schlangenkult. Die Küste mit einem semitischen Streifen verbrämt. Hier und da Thrakier. Die Griechen haben alle diese Bestandtheile in ihr Blut aufgenommen, auch alle Götter und Mythen mit (in den Odysseusfabeln manches Mongolische). Die dorische Wanderung ist ein Nachstoß, nachdem schon früher alles allmählich überfluthet war. Was sind “Rassegriechen”? Genügt es nicht anzunehmen, daß Italiker mit thrakischen und semitischen Elementen gepaart Griechen geworden sind?
5 [199]
Denkt man an die ungeheure Masse von Sklaven auf dem Festlande, so waren Griechen immer nur sporadisch zu finden. Eine höhere Kaste von Nichtthuern Politikern usw. Ihre Feindschaften hielten sie in leiblicher und geistiger Spannung. Sie mußten ihre Superiorität an Qualität festhalten—das war ihr Zauber über die Massen.
5 [200]
Die Rede des Perikles ein großes optimistisches Trugbild, die Abendröthe, bei der man den schlimmen Tag vergißt—die Nacht kommt hinterdrein.
8, 5[1-200] Frühjahr-Sommer 1875
5 [1]
Starting from the beginning is always a deception: even what drove us to this supposed “beginning” is an effect and result of what preceded it. But such a strong and decisive break will be a sign of a strong and excessive former promotion. The radicalism of our opinions and our truth is the consequence of the radicalism of our errors and mistakes. The great law of transformation—that is where all so-called “progress” lies. The moral judgment should fundamentally always be the same. Now, however, reason and experience increase, and moral quality only shifts. In the end, we still evaluate a doctrine by its effects, for example, whether it has killed or corrupted many people; that is not just. —
5 [2]
The antiquity in writings to build up—a still completely unsolved task.
5 [3]
The belief in individuality—could one perhaps imagine it away! In any case, we are moving toward times in which human opinions would like to be very uniformed; but with that, individuals become more similar, yet always more separate. Hostility then shows itself all the more sharply over small differences.
5 [4]
It is precisely to be placed next to each other, which is why Greeks and philologists must find it difficult to understand each other: in doing so, the characteristic of the Greeks must also be given.
5 [5]
All religions are ultimately based on certain physical assumptions that are already present and to which religion adapts. For example, in Christianity, the contrast between body and soul, the unconditional importance of the Earth as the “world,” miraculous events in nature. Once the opposing views have come to dominate, e.g., strict natural law, the helplessness and superfluity of all gods, the narrowest conception of the mental as a bodily process—then it is over. Now the entire Greek religion rests on such views.
5 [6]
With Thucydides, the pleasant sensation with which one moves a lock with the key: gradually difficult yielding, but orderly and increasingly reaching its goal.
With Aristotle, one sees the white bones.
5 [7]
Even the tyrants of the mind have almost always been murdered and have left only sparse descendants.
5 [8]
Transmission of movement is inheritance: let this be said about the effect of the Greeks on philologists.
5 [9]
How one can only glorify and praise an entire people! It is the individuals, even among the Greeks.
5 [10]
There is a great deal of caricature among the Greeks as well, e.g., the concern for one's own happiness among the Cynics.
5 [11]
I am only interested in the relationship of the people to the education of the individual; and indeed, among the Greeks, some things are very favorable for the development of the individual, but not out of goodness of the people, but rather from the struggle of evil drives.
One can educate the great individual in a completely different and higher way through fortunate inventions, than it has been educated by chance so far. That is where my hopes lie: breeding of significant people.
5 [12]
Greek history has always been written optimistically so far.
5 [13]
The desire to have something secure in aesthetics led to the worship of Aristotle; I believe it can gradually be proven that he understands nothing about art, and that it is only the clever conversations of the Athenians whose echo we so admire in him.
5 [14]
The Greeks are interesting, and very important, because they have such a large number of great individuals. How was that possible? One must study that.
5 [15]
With the disappearance of Christianity, a good part of antiquity has also become incomprehensible, especially the entire religious basis of life. For this reason alone, imitation of antiquity is a false tendency; the philologists who still think of it are either deceivers or deceived. We live in a period where different conceptions of life stand side by side: for this reason, the time is as instructive as rarely any other, for this reason so sick, because it suffers from the evils of all directions at once. Future human: the European human.
5 [16]
To know history now means: to recognize how all people who believe in providence have made it too easy for themselves. There is none. When human affairs go wild and disorderly, do not believe that a god intends something by it or that he allows it. We can roughly see that the history of Christianity on earth is one of the most terrible parts of history and that it must one day come to an end. Admittedly, antiquity also extended into our time through Christianity; and when it fades, the understanding of antiquity fades even more. Now is the best time to recognize it; no prejudice in favor of Christianity guides us anymore, but we still understand it and, through it, antiquity as well, insofar as it stands in line.
5 [17]
The decline of the philologist-poets lies in large part in their personal corruption; their kind continues to grow later, as e.g. Goethe and Leopardi are such phenomena. Behind them, the pure philologist-scholars plow on. The entire kind begins with the sophistry of the second century.
5 [18]
At the end of antiquity, there are still completely un-Christian figures who are more beautiful, pure, and harmonious than all Christian ones, e.g., Proclus; his mysticism and syncretism are things that Christianity cannot reproach him for. In any case, it would be my wish to live together with those. Compared to them, Christianity appears only as the crudest coarsening, prepared for the rabble and the depraved.
5 [19]
All directions of history have attempted the ancient world; the critical consideration is the only one remaining. However, one must not understand this as conjectural and literary-historical criticism.
5 [20]
To bring the unreason in human affairs to light, without any shame—that is the goal of our brothers and comrades. Then one will have to distinguish what is fundamental and irredeemable, what can still be improved. But every “providence” must be kept at bay: for that is a concept by which one makes things too easy for oneself. The breath of this intention I wish to instill in science. To advance the knowledge of man! The good and reasonable in man is accidental or apparent or the flip side of something very unreasonable. There will someday be no thought at all except as education.
5 [21]
Surrender to necessity I do not teach—for one would first have to know it as necessary. Perhaps there are manifold necessities; but in general it is also a lazy bed.
5 [22]
Signs and miracles are not believed; only a “providence” needs such things. There is no help neither in prayer, nor in asceticism, nor in vision. If this is all religion, then there is no religion left for me.
My religion, if I may still call anything that, lies in the work for the creation of genius; education is everything to hope for, everything comforting is called art. Education is love for what is created, an excess of love beyond self-love. Religion is “loving beyond ourselves.” The work of art is the image of such love beyond oneself and a perfect one.
5 [23]
The Stupidity of the Will is Schopenhauer’s greatest thought, if one judges thoughts by their power. One can see in Hartmann how he immediately conjures away this thought again. No one will call something stupid God.
5 [24]
So this is the new foundation of all future worldly activity: one must no longer dominate people with religious ideas. Will they show themselves to be worse? I do not find that they have behaved well and morally under the yoke of religions; I do not stand on the side of Demopheles. The fear of the afterlife and, in general, religious fear of divine punishments have hardly made people better.
5 [25]
Where something great appears, with a somewhat longer duration, we can perceive a careful cultivation beforehand, e.g., among the Greeks. How did so many people attain freedom among them?
Educators educate! But the first must educate themselves! And it is for these that I write.
5 [26]
The negation of life is no longer so easy to achieve: one may be a hermit or a monk—what is denied there! This concept now goes deeper: it is above all knowing negation, negation that wants to be just, no longer wholesale.
Whoever wanted to be good and holy today would have a harder time: to be good, they would not be allowed to be so unjust toward knowledge as the earlier saints were.
He would have to be a knowing saint: combining love and wisdom; and he should have nothing more to do with faith in gods or demigods or providences; just as the Indian saints had nothing to do with them. He would also have to be healthy and maintain his health; otherwise, he would have to become distrustful of himself. And perhaps he would not resemble an ascetic saint at all, perhaps even a bon vivant.5 [27]
All ways of dealing with history have already been attempted in antiquity. Above all, however, enough has been learned to now make use of the history of antiquity—without perishing in antiquity.
5 [28]
The German Reformation distanced us from antiquity: did it have to? It rediscovered the old contradiction “paganism, Christianity” anew; it was simultaneously a protest against the decorative culture of the Renaissance; it was a victory over the same culture that was defeated at the beginning of Christianity.
5 [29]
Christianity has, with regard to “worldly things,” precisely conserved the coarser views of the ancients. Everything nobler in marriage, slavery, and state is un-Christian. It needed the distorting features of worldliness to prove itself.
5 [30]
I dream of a cooperative of people, who are unconditional, know no mercy and “Destroyers” want to be called: they apply the measure of their criticism to everything and sacrifice themselves to the truth. The bad and false shall come to’s light! We do not want to build prematurely, we do not know, whether we will ever be able to build and whether it is not best, not to build. There are lazy pessimists, resigners—we do not want to belong to them.
5 [31]
Peculiar significant position of philologists: an entire class to whom youth is entrusted and who have to explore a specific antiquity. Obviously, the highest value is placed on this antiquity. But if antiquity were misjudged, the foundation for the exalted position of philologists would suddenly be lacking. In any case, antiquity has been assessed very differently: and accordingly, the esteem for philologists has always been determined.
This position has drawn its strength from strong prejudices in favor of antiquity.— This needs to be depicted.— Now he feels that if these prejudices were finally thoroughly contradicted and antiquity were portrayed purely, that favorable prejudice for the philologists would immediately vanish. It is therefore a professional interest, not to allow purer insights about antiquity to emerge: especially the insight, that antiquity makes one untimely in the deepest sense.It is secondly a professional interest of the philologists, not to allow any higher conception of the teaching profession to emerge than the one, to which they can correspond.
5 [32]
Hopefully there are some who perceive it as a problem why precisely the philologists should be the educators of the nobler youth. It may not always be so.— In itself, it would indeed be much more natural—that one would teach the youth geographical, natural-scientific, national-economic, and social principles, that one would gradually lead them to the contemplation of life and finally, late, present the most remarkable pasts.
So that knowledge of antiquity was among the last things one would acquire; is this position of antiquity in education the more honorable one for antiquity or the ordinary one?— Now it is used as a propaedeutic, for thinking, speaking, and writing; there was a time, when it was the sum of worldly knowledge and when one sought to achieve through its study precisely what one now aims to achieve through that very study plan just described (which has itself transformed in accordance with the advanced knowledge of the time). Thus, the inner intention in philological teaching has completely changed; once it was material instruction, now only formal. —5 [33]
The connection between humanism and religious rationalism is emphasized as typically Saxon by Köchly: the type of this philologist is G. Hermann.
5 [34]
Is it true that the philologist, insofar as he uses antiquity for formal education, is himself formally educated?
But what a contrast! formal and material! Here, material means knowledge, facts. Formal refers to the way one thinks, speaks, writes, i.e., how one acquires knowledge and disseminates it.
5 [35]
If the task of the philologist were to educate formally, he would have to teach walking, dancing, speaking, singing, comportment, and conversation: and these were roughly the lessons taught by the formal educators of the second and third centuries. But one always thinks only of the education of the scientific person, and there "formal" means: thinking and writing, barely speaking.
5 [36]
Selected points from antiquity: e.g., the power of fire, the momentum in ancient musical sensation (through the first Pythian Ode), the purity in historical sensation, and gratitude for the blessings of culture, fire festivals, grain festivals. The refinement of jealousy, the Greeks the most jealous people. Suicide, hatred against old age, e.g., against poverty. Empedocles on sexual love.
5 [37]
I lament an upbringing in which it is not achieved to understand Wagner, in which Schopenhauer sounds harsh and discordant; this upbringing is misguided.
5 [38]
There is an old struggle of the Germans against antiquity, i.e., against the old culture: it is certain that precisely the best and deepest in the German resists. But the main point is this: that resistance is only justified if one means the Romanized culture: this, however, is already the decline of a much deeper and nobler one. Against this, the German resists unjustly.
5 [39]
I see in the philologists a conspiratorial society, which wants to educate the youth in ancient culture; I would understand if this society and its intentions were criticized from all sides. Much would then depend on knowing what these philologists understand by ancient culture.— If I saw, for example, that they were educating against German philosophy and music, I would fight them or also fight ancient culture, the former perhaps by showing that the philologists have not understood ancient culture. Now I see 1) great fluctuation in the estimation of ancient culture among philologists 2) something deeply un-ancient in themselves, something unfree 3) unclear about which ancient culture they mean 4) in the means much that is wrong, e.g., scholarship 5) intermingling with Christianity.
5 [40]
Healthy agile body, pure and profound mind in the contemplation of the closest surroundings, free masculinity, belief in good race and good education, martial prowess, jealousy in, pleasure in the arts, honor of free leisure, sense for free individuals, for the symbolic.
5 [41]
A lecture on “System of Culture.”
1. The finally clearly recognized goal of culture.
2. History of the goals and their errors.
3. Means of culture.
5 [42]
Plans for Life.
Untimely Considerations. For the thirties of my life.
The Greeks. For the forties of my life.
Speeches to Mankind. For the fifties of my life.
5 [43]
If the Gymnasium is to educate for science, it is now said: it can no longer provide preparation for any single science, so comprehensive have the sciences become. Consequently, one must prepare generally, i.e., for all sciences, i.e., for scientificity—and for this purpose, the classical studies serve!—A strange leap! A very desperate justification! What exists shall remain right, even after it has been clearly recognized that the previous right on which it rested has become wrong.
5 [44]
Regarding the simplicity of antiquity, it is like the simplicity of style; it is the highest thing one recognizes and must imitate, but also the last. Consider that the classical prose of the Greeks is also a late result.
5 [45]
The foundation on which the general estimation of antiquity still rests is prejudice: if these are eliminated, the estimation might turn into thorough hatred. Do philologists also harbor these prejudices? Then they do not know antiquity. If they do not harbor them—what then of their honesty! But where is it shown that they intentionally destroyed them?
5 [46]
Do the philologists know the present? Their judgments about it as Periclean, their errors of judgment when they speak of a Homeric congenial spirit on Fridays, etc., their chasing after when the literati lead the way. Their renouncing the pagan sense, which Goethe had discovered in Winckelmann as the ancient.
5 [47]
Our attitude towards classical antiquity is fundamentally the deep cause of the unproductiveness of modern culture: for we have derived this entire modern concept of culture from the Hellenized Romans. We must distinguish within antiquity itself: by recognizing its sole productive period, we condemn the entire Alexandrian-Roman culture. But at the same time, we condemn our entire attitude towards antiquity and our philology as well!
5 [48]
There is a way to engage in philological work, and it is common: one throws oneself thoughtlessly into some field or is thrown into it: from there, one searches left and right, finds much that is good and new—but in an unguarded moment, one still asks oneself: what the devil does all this have to do with me? Meanwhile, one has grown old, become accustomed, and continues on as before, just as in marriage.
5 [49]
On the whole, today's philology has lost the guiding thread: those who once guided it are now denied; but on the whole, the entire effect and esteem still rest on the reputation of that earlier guidance, e.g., that of humanity.
5 [50]
There are things about which antiquity instructs, about which I would not easily speak publicly.
5 [51]
It is almost ridiculous to see how almost all sciences and arts in modern times grow again from the seed that is blown in from antiquity, and how Christianity here appears only as an evil frost of a long night, during which one might believe that reason and the honesty of mankind are lost forever. The struggle against the natural man has created the unnatural man.
5 [52]
How to introduce the young to the old has something disrespectful about it: even worse, it is unpedagogical; for what is the point of acquaintance with things that the youth cannot possibly revere with consciousness! Perhaps he is supposed to learn to believe; and that is why I do not wish for it.
5 [53]
To those who say: “but after all, antiquity remains as an object of pure science, even if all its educational intentions are denied,” the answer is: what is pure science here! Actions and qualities are to be judged, and the judge must stand above them: so you must first ensure to overcome antiquity. Until you do that, your science is not pure, but impure and limited: as can be felt.
5 [54]
How things stand with philologists is shown by their indifference at Wagner’s appearance. They could have learned even more than from Goethe—and they have not yet cast a single glance. This shows: they are not driven by a strong need; otherwise, they would have a sense of where to find their nourishment.
5 [55]
Plan for Chapter 1.
Philology among all sciences the most favored to date: greatest number, for centuries, promoted among all peoples, entrusted with the care of the nobler youth and thus the most beautiful opportunity to propagate itself and to awaken respect for itself. How has it attained this power?
Enumeration of the various prejudices in its favor.
What if these were recognized as prejudices?— Would philology still remain if one subtracted the interest of a class, of a livelihood? If one told the truth about antiquity and its ability to educate the present?
Ch. 2.
To answer this, let us consider the education of the philologist, his genesis: he no longer comes into being at all if that interest falls away.
Cap. 3.
If our public world were to find out what antiquity actually is for an untimely thing, philologists would no longer be appointed as educators.
Cap. 4.
Only the alliance between the philologists, who do not want to understand antiquity or cannot do so, and public opinion, which is guided by prejudices about it, still gives philology its power today.
Cap. 5.
The future philologist as a skeptic about our entire culture and thus also as the destroyer of the philological profession.
5 [56]
Would philology still exist as a science if its servants were not educators with salaries? In Italy, there were such people. Who would place a German next to Leopardi, for example?
5 [57]
Effect on non-philologists is zero. If they were imperative and negating, oh how they would be attacked! But they cower.
The Greeks in reality and their weakening by the philologists.
5 [58]
All history has so far been written from the standpoint of success, and indeed with the assumption of reason in success. Even Greek history: we do not yet possess any. But this is generally the case: where are historians who do not view things dominated by general delusions? I see only one—Burckhardt. Everywhere the broad optimism in science. The question: “what would have happened if this and that had not occurred” is almost unanimously rejected, and yet it is precisely the cardinal question, whereby everything becomes an ironic thing. Just look at his life. If one seeks a plan in history, then seek it in the intentions of a powerful man, perhaps in those of a generation, a party. Everything else is a confusion.— Even in natural science there is this deification of the necessary. —
Germany has become the breeding ground for historical optimism: Hegel may be partly to blame for this. But nothing has had a more fateful effect on German culture. Everything suppressed by success gradually rises up; history as the mockery of the victors; servile attitudes and devotion to the fact—now called "sense of the state": as if it still needed to be planted! Whoever does not understand how brutal and senseless history is will also not comprehend the drive to make history meaningful.
Now one sees how rare such a meaningful understanding of one's own life is, like Goethe's: what reasonable outcome can come from all these veiled and blind existences when they act chaotically with and against each other.Particularly naive is Hellwald, the author of a cultural history, who dismisses all "ideals" because history has always discarded one after another.
5 [59]
Greeks and Philologists.
| The Greeks revere beauty they cultivate the body they speak well religious transfigurers of the everyday listeners and spectators attuned to the symbolic free masculinity pure gaze into the world pessimists of thought | Philologists are chatterers and triflers. ugly enclosures. stammerers. filthy pedants. word-splitters and night owls. incapacity for symbolism state slaves with fervor convoluted Christians philistines |
5 [60]
It is true, humanism and the Enlightenment have brought antiquity into the field as an ally: and so it is natural that the opponents of humanism attack antiquity. Only the antiquity of humanism was a poorly recognized and completely falsified one: seen more purely, it is a proof against humanism, against the fundamentally good human nature, etc. The opponents of humanism are in error when they also combat antiquity: they have a strong ally there.
5 [61]
I understand religions as narcotics: but when they are given to peoples like the Germans, they are pure poisons.
5 [62]
What state did the Greeks take as a model for their life in Hades? Bloodless, dreamlike, weak: it is the further intensification of old age: where memory fades even more and the body also even more. The old age of old age—this is how we live in the eyes of the Hellenes.
5 [63]
How truly the Greeks themselves were in pure inventions, how they continued to embellish reality, not longing to escape from it.
5 [64]
Education is first instruction in the necessary, then in the changing and variable. One leads the youth into nature, shows him everywhere the operation of laws; then the laws of civil society: here the question already arises: did this have to be so? Gradually he needs history to hear how it came to be this way. But with that he learns that it can also become different. How much power over things does man have? This is the question in all education. To now show how completely different it can be, one should, for example, show the Greeks. The Romans are needed to show how it became so.
5 [65]
The Greeks as the only genial people in world history; even as learners they are this, they understand this best and know not only to adorn and polish with the borrowed: as the Romans do.
The constitution of the polis is a Phoenician invention: even this the Hellenes have imitated. They have long learned about everything like joyful dilettantes; as also Aphrodite is Phoenician. They do not at all deny the immigrant and non-original.
5 [66]
The Egyptians are rather a literary people than the Greeks. This against Wolf.
5 [67]
The first grain in Eleusis, the first vine in Thebes, the first olive tree, fig tree.
5 [68]
Egypt had essentially lost its myth.
5 [69]
The embodied appearance of gods, as in Sappho’s invocation of Aphrodite, is not to be understood as poetic license; they are frequent hallucinations. Much, including the desire to die, we interpret superficially, as rhetorical.
5 [70]
The Greeks are the genius among peoples.
Childlike nature. Gullible.
Passionate. Unconsciously, they live for the creation of genius. Enemies of narrow-mindedness and dullness. Pain. Incomprehensible actions. Their kind of intuitive insight into misery, with a golden, genial-cheerful temperament. Profoundness in grasping and glorifying the immediate (fire, agriculture). Deceptive. Unhistorical. The cultural significance of the polis instinctively recognized; center and periphery favorable for the great individual. (The manageability of a city community, also the possibility of addressing it as a whole.) The individual elevated to the highest power through the polis. Envy, jealousy as in geniuses.
5 [71]
The Spartans' recreations consisted of festivals, hunting, and war: their everyday life was too harsh. On the whole, their state is still a caricature of the polis and a ruin of Hellas. The production of the perfect Spartan—but what is he so great that his production required such a brutal state!
5 [72]
The Greek culture rests on the dominion-relation of a small class against 4-5 times as many unfree. In terms of the mass, Greece was a land inhabited by barbarians. How can one find the ancients humane! Contrast of genius against the bread-earner, the half-draught and pack animal. The Greeks believed in a difference of race: Schopenhauer wonders that nature did not deem it fit to invent two separate species.
5 [73]
To the Greek, the barbarian relates as “to the freely moving, even winged animal, the mussel glued to its rock, which must wait for what chance brings it.” Schopenhauer’s image.
5 [74]
“To see the universal in the particular is precisely the hallmark of genius” Schopenhauer. Think of Pindar, and so on. “Deliberation,” according to Schopenhauer, has its roots first and foremost in the clarity with which the Greeks become aware of the world and themselves, thereby coming to reflect upon it.
5 [75]
The “wide divergence of will and intellect” designates the geniuses, and also the Greeks.
5 [76]
“The melancholy that accompanies genius is based on the fact that the will to live, the more brilliantly it is illuminated by intellect, the more clearly it perceives the misery of its condition.” Schopenhauer. Cf. the Greeks!
5 [77]
How the Romans stand out with their dry seriousness against the brilliant Greeks! Schopenhauer: “the firm practical seriousness of life, which the Romans called gravitas, presupposes that the intellect does not abandon the service of the will to wander off into what does not concern it.”
5 [78]
The moderation of the Greeks in their sensual expenditure, eating and drinking, and their delight in it: the Olympic Games and their deification—this shows what they were.
5 [79]
In the genius, "the intellect will show the errors that are bound to occur when any tool is used for something it was not made for." "It often leaves the will in the lurch at the wrong time: thus the genius becomes more or less useless for life, and sometimes even resembles madness in his behavior."
5 [80]
“When the abnormally heightened cognitive power suddenly, with all its energy, turns to the affairs and miseries of the will—where everything is too vivid, in too garish colors, too bright light, magnified to the monstrous; then the individual falls into sheer extremes.”
5 [81]
The Greeks lack sobriety. Excessive sensitivity, abnormally heightened nervous and cerebral life, vehemence and passion in their will.
5 [82]
The happiest fate that can befall a genius is liberation from action and inaction and free leisure: and so the Greeks knew how to appreciate it. Blessing of labor! nugari the Romans called all the striving and endeavoring of the Hellenes.
It has no happy course of life, it stands in contradiction and conflict with its time. So the Greeks: they exerted themselves enormously, instinctively, to create a secure shell (in the polis) for themselves. Finally, everything perished in politics.
They were forced to maintain their position outwardly: this became increasingly difficult, finally impossible.
5 [83]
With a change of one word from Baco of Verulam, one can say: infimarum Graecorum virtutum, apud philologos, laus est, mediarum admiratio, supremarum sensus nullus.
5 [84]
The childlike character of the Greeks perceived by the Egyptians.
5 [85]
The elevation of the present into the immense and eternal, e.g., in Pindar.
5 [86]
The unmathematical oscillation of the column in Paestum, for example, is an analogue to the modification of tempo: liveliness in place of a mechanical motion.
5 [87]
It is the work of all education to transform conscious activities into more or less unconscious ones: and the history of mankind is, in this sense, its education. The philologist now performs a multitude of activities unconsciously: I want to examine once how his strength, i.e., his instinctive action, is the result of formerly conscious activities that he gradually barely feels as such anymore: but that consciousness consisted of prejudices. His current strength is based on those prejudices, e.g., the estimation of ratio as with Bentley, Hermann. Prejudices are, as Lichtenberg says, the artistic instincts of man.
5 [88]
Skills are expected from engaging with the ancients: earlier, for example, being able to write and speak. But what is expected now!— Thinking and reasoning: but these are not learned from the ancients, but at most through the ancients, by means of science. Moreover, all historical reasoning is very conditional and uncertain: one should prefer the scientific.
5 [89]
Proclus, who worships the rising moon in a solemn manner.
5 [90]
The inherited training of today's philologists: a certain sterility of fundamental insights has emerged; for they advance the science, but not the philologists.
5 [91]
Greece's political defeat is the greatest failure of culture: for it has brought forth the terrible theory that one can only cultivate culture if one is simultaneously armed to the teeth and wearing gauntlets. The rise of Christianity was the second great failure: crude power there, dull intellect here came to victory over the aristocratic genius among the peoples. To be a philhellene means to be an enemy of crude power and dull intellects. In this respect, Sparta was the ruin of Hellas, insofar as it forced Athens to act federally and to devote itself entirely to politics.
5 [92]
Certainly, in the great whole, the growth of the military power of humanity stands out. The victory of the stronger nation: gradually, it is not only the measure of physical, but even more of mental strength.
5 [93]
In Socrates we have, as it were, a process of consciousness lying open before us, from which the instincts of the theoretical man later emerged. That someone would rather die than grow old and weak in spirit.
5 [94]
With Christianity, a religion gained the upper hand that corresponded to a pre-Greek state of humanity: belief in magical processes in everything, bloody sacrifices, superstitious fear of demonic judgments, despair in oneself, ecstatic brooding and hallucinating, man himself become the playground of good and evil spirits and their battles.
5 [95]
It would have been much happier if the Persians rather than the Romans had become masters over the Greeks.
5 [96]
The glorious sense of order and structure has made the state of the Athenians immortal.— The ten strategists in Athens! amazing! far too much a sacrifice on the altar of jealousy.
5 [97]
Statute of the Society of the Untimely.
Each member shall submit a written report on their activities quarterly.
O. R. G. B. N.
5 [98]
On the introduction to the complete edition of the “Unzeitgemässen.”
To describe the origin: my desperation over Bayreuth, I see nothing more that I do not know to be full of guilt, upon deeper reflection I realize I have stumbled upon the most fundamental problem of all culture. At times, I lose all desire to go on living. But then I tell myself: if life is to be lived, then now.— I actually considered Strauss beneath me: I did not wish to fight him. A few words about Wagner in Strasbourg.
5 [99]
If the Romans had now despised Greek culture: it might have been radically destroyed. What should it have awakened to? Christianity and Romans and barbarians—that would have been an onslaught. Completely obliterated. We see the danger under which genius lives. Cicero is already one of the greatest benefactors of humanity.— There is no providence for genius: only for the ordinary, massed people and their needs is there such a thing; they find their satisfaction, later their justification.
5 [100]
From mutual deadly enmity arises the Greek, and the Hellenic and philanthropic were opposites, although the ancients flattered themselves enough.
5 [101]
Homer, in the world of Hellenic discord, the pan-Hellenic Greek.
The competition of the Greeks is also evident in the symposium, in the form of witty conversation.
5 [102]
Genius makes all half-talents pay tribute: thus the Persians themselves sent their embassies to the Greek oracles.
5 [103]
A Greek polytheism requires a lot of spirit; it is indeed more economical with the spirit when one has only one.
5 [104]
Morality is not based on religion, but on the.
There were only priests of individual gods, not representatives of the entire religion: therefore no estate. Likewise, no sacred document.
5 [105]
The “light-living gods” is the highest beautification that the world has been granted; in the feeling of how hard it is to live.
5 [106]
Have there been many gifted philologists? I doubt it; for reason breaks through too slowly among them (counting manuscripts, etc.)—word and subject philology—foolish quarrel!—and then the exaggerated esteem for some clever man among them!
5 [107]
The Humanistic was powerfully planted by Charlemagne, while he proceeded against the Pagan with the harshest coercive measures. Ancient mythology was spread, the German treated like a crime. I believe that the feeling here was based on the fact that Christianity had already finished with ancient religion: one did not fear it, but used the culture of antiquity resting upon it. The German pantheon was feared.— A great externality in the conception of antiquity, almost only the appreciation of its formal skills and its knowledge, must have been planted here. The powers that stood in the way of a deeper insight into antiquity must be named.Initially 1) the ancient culture is used as a stimulus for the acceptance of Christianity: it is, as it were, the sweetener for conversion. The sweetening when swallowing that poison. Then one needed the tools of ancient culture 2) as weapons for the intellectual defense of Christianity. Even the Reformation could not do without classical studies in this sense. In contrast, the Renaissance now begins classical studies with a purer sense, but also in an anti-Christian way; it shows an awakening of honesty in the South, just as the Reformation does in the North. They could not, of course, tolerate each other, for a serious inclination toward antiquity makes one un-Christian.The church as a whole has succeeded in giving classical studies an inoffensive turn: the philologist was invented as a scholar who is otherwise a priest or something of the sort; and even within the Reformation, they managed to castrate the scholar as well. That is why Friedrich August Wolf is remarkable, for he liberated the profession from the discipline of theology: but his deed was not fully understood, for an aggressive, active element, such as that which characterized the poet-philologists of the Renaissance, was not developed. The liberation benefited science, not mankind.
5 [108]
The Unvolksthümliche of the new Renaissance culture! A terrible fact!
5 [109]
What is now now still antiquity, compared to modern art and science and philosophy? No longer the treasure chamber of all knowledge, in natural and historical knowledge it is surpassed. The suppression by the church is broken. A purer knowledge of antiquity is now possible, but also perhaps a less effective, weaker one?— That is correct: if one knows the effect only as mass effect; but for the creation of the greatest minds, antiquity is more than ever powerful.
Goethe as a German poet-philologist; Wagner as an even higher stage: keen insight into the only worthy position of art; never has an ancient work had such a powerful effect as the Oresteia on Wagner. The objective-castrated philologist, who is otherwise an educated philistine and cultural warrior, and alongside that pursues pure science, is indeed a sad figure.5 [110]
Bentley was at the same time defensor fidei; and Scaliger was indeed an enemy of the Jesuits, and much attacked.
5 [111]
Between our highest art and philosophy and between the truly recognized older antiquity there is no contradiction: they support and sustain each other. Here lie my hopes.
5 [112]
There are areas where reason can only cause mischief, and the philologist who has nothing more is lost with it and can never see the truth, e.g., in the consideration of Greek mythology. Of course, a fantasist also has no claim: one must have Greek imagination and something of Greek piety. Even the poet need not be consistent within himself: in general, consistency is the last thing the Greeks would understand.
5 [113]
Almost all Greek deities are accumulated, one layer on top of the other, sometimes fused together, sometimes hastily patched up. To scientifically disentangle this seems barely possible to me: for there can be no good method for it: the miserable conclusion of analogy is already a very good conclusion here.
5 [114]
How distant one must be from the Greeks to attribute to them such a narrow-minded autochthony as O. Müller! How Christian, to hold with Welcker that the Greeks were original monotheists! How the philologists torment themselves with the question of whether Homer wrote, without comprehending the much higher proposition that Greek art had a long-standing inner hostility toward writing and did not wish to be read.
5 [115]
The Greeks were terribly plagued by the desire to fabricate. Even in everyday life, it was difficult to keep them away from the “mythical,” from exaggeration: like all poetic peoples, they have such a delight in lying, along with the innocence to do so. The neighboring peoples found this quite desperate.
5 [116]
To live on mountains, to travel a lot, to move quickly from place to place—in this we can already compare ourselves to the Greek gods. We also know the past and almost the future. What would a Greek say if he saw us? —
5 [117]
The gods make people even more evil; such is human nature. Those we dislike, we wish to become worse and then rejoice. This belongs to the dark philosophy of hatred, which has not yet been written, because it is everywhere the pudendum that everyone feels.
5 [118]
The Panhellene Homer takes pleasure in the frivolity of the gods; but it is astonishing how he can restore dignity to them. This tremendous capacity for elevation, however, is Greek.
5 [119]
Thucydides on the state.
The tyrannical element in every aristocrat well-nourished: this betrays itself in the prayers (Xenophon Socrates). They kept each other in check: the people again kept all of them in check, as well as it went.
5 [120]
Where does the envy of the gods come from? One does not believe in a quiet, still happiness, but only in an overweening one. The Greeks must have been in a bad mood, their souls were all too easily wounded: it embittered them to see the happy. That is Greek. Where there was an outstanding talent, the crowd of the envious must have been enormous: if that talent met with misfortune, one would say “aha! he was also too overweening.” And everyone would have behaved the same way if they had had the talent to be overweening; and everyone would have gladly played the god who sends misfortune.
5 [121]
The Greek gods did not demand a change of heart and were not at all so bothersome and intrusive: it was also possible to take them seriously and believe in them. In Homer’s time, the Greek character was already complete: lightheartedness of images and imagination is necessary to somewhat soothe and liberate the excessively passionate soul. When reason speaks among them, oh how harsh and cruel life appears! They do not deceive themselves. But they surround life with lies: Simonides advised taking life as a game: seriousness was too familiar to them as pain. The misery of humans is a delight to the gods when it is sung to them. The Greeks knew that only through art itself can misery become delight, vide tragoediam.
5 [122]
The truly scientific people, the people of literature, are the Egyptians and not the Greeks. What appears as science among the Greeks originates from there, and later it returns to Egypt to reunite with the ancient stream. Alexandrian culture is an amalgamation of Hellenic and Egyptian: and when the modern world connects to the culture of the ancients, then it
5 [123]
The seer must be loving, otherwise he has no trust among people: v. Cassandra.
5 [124]
Classical philology is the hearth of the shallowest enlightenment: always used dishonestly, gradually become completely ineffective. Its effect is one more illusion on modern man. Actually, it is only about an educator class that does not consist of priests: here the state has its interest in it.
Its usefulness is completely exhausted; while, for example, the history of Christianity still shows its strength.
5 [125]
From the speeches about philology, when they come from philologists, one learns nothing, it is the purest chatter, e.g., Jahn (“Significance and Position of Classical Studies in Germany”). No sense at all of what needs to be defended, what needs to be protected: thus speak people who have not yet even considered that they might be attacked.
5 [126]
It is not true at all that the Greeks only directed their gaze to this life. They also suffered from death and hell anxiety. But no remorse and contrition.
5 [127]
“The sacrilegious mutual annihilation (inevitable as long as even a single one wanted to live), their envy of everything higher, their greed, the corruption of their morals, the enslavement of women, the lack of conscience in oath-taking, in murder and manslaughter.” B.
5 [128]
Enormous power of self-overcoming, e.g., in the citizen, in Socrates, who was capable of all evil.
5 [129]
The properties of the genius without the genius we find in the average Hellenes, in principle all the most dangerous properties of the mind and character.
5 [130]
The “sufferer” is Hellenic. Prometheus, Heracles.
The hero myth became pan-Hellenic; this, however, required a poet.
5 [131]
Wagner shapes the inner imagination of man; later generations will witness pictorial works. Poetry must precede the visual arts.
5 [132]
“Classical education”! What do they see in it! A thing that does nothing except—exemption from military service and a doctorate!
5 [133]
To perceive the status of philologists as a problem.
5 [134]
Wagner holds his art far too highly to confine himself to a corner like Schumann. Either he submits to the public (Rienzi) or he subjugates it. He cultivates it. Even the lesser ones want an audience, but they seek it through unartistic means, such as the press, Hanslick, etc.
5 [135]
Philologists, when they speak of their science, never touch upon the roots, they never present philology as a problem. Bad conscience? or thoughtlessness?
5 [136]
“Enlightenment” and Alexandrian education is what philologists want—at best!. Not Hellenism.
5 [137]
The consequence that one values in a scholar is pedantry towards the Greeks.
5 [138]
Classical education! Yes, if only there were at least as much paganism as Goethe found and glorified in Winckelmann—it was not too much. But now the whole false Christianity of our times added to it, or right in the middle of it—that is too much for me, and I must help myself by venting my disgust about it once.—One practically believes in magic regarding this “classical education”; but of course, those who still have the most antiquity should also have this education the most, the philologists: but what is classical about them!
5 [139]
In the past, one attributed one's temptations and lusts to the devil or evil spirits: this is now considered a fairy tale. So it will also be a fairy tale to thank a god for one's good impulses and successes. Both are conveniences, making things easy for oneself. To prove how, in religion, provision has been made above all for convenience: ready and convenient excuses and evasions.
5 [140]
Five-year silence. Students, caregivers, educators.
5 [141]
What is talent?— Wanting a high goal and the means to achieve it.
5 [142]
Philologists are people who exploit the dull feeling of modern people about their own inadequacy to earn money and bread.
I know them, I am one myself.
5 [143]
The German scholars and so-called thinkers, far removed from real history, have made history their subject and, as born theologians, attempted to prove its reasonableness. I fear that a later time will recognize this German contribution to European culture as the most hopeless dowry: their history is false!
5 [144]
We treat our young men as if they were educated, mature men when we present the Greeks to them. What from the Greek character is actually suitable for youth? In the end, it remains merely at the formal, presenting individual things. Are these considerations for young people? —
Do we not bring the best and highest overall conception of the ancients to the young people? Or not? The reading of the ancients is so emphasized.
I believe that engagement with antiquity is placed in the wrong stage of life. At the end of one's twenties, it begins to dawn.
5 [145]
To illustrate all the difficulties of historical study once through the greatest example.
In what ways our youth do not fit with the Greeks.
Consequences of arrogant anticipation
Philology: Educational philistinism
Overestimation of reading and writing
Superficiality
Alienation from the people and the people's distress.
The philologists themselves (and historians and philosophers, jurists, all permeated by the fumes).
Real sciences must be taught to the youth.
Likewise real art.
Thus, in higher life, there will also be a longing for real history.
Philologist, origin in general and now.
Youth and the Philologist.
The Consequences of Philology.
Task for Philology: Decline.
The inhumanity: even from Antigone, even from Goethe’s Iphigenia.
The lack of enlightenment.
The political is not understandable for youths.
The poetic—a bad anticipation.
5 [146]
Critique of Development.
False assumption of a natural development.
The degeneration lurks behind every great phenomenon; at every moment, the beginning of the end is present. Degeneration lies in the easy imitation and superficial understanding of great role models: i.e., the role model stimulates vain natures to imitate, equalize, or surpass.
The chain from one genius to another is rarely a straight line: thus, between Aeschylus and Sophocles, it was by no means so. A multitude of developmental paths after Aeschylus were still open; Sophocles took one of them.
The fateful aspect of all great talents: they sweep others along and lay waste around them, like Rome lying in a wasteland. Many forces, still embryonic, are thus crushed.
To show how predominantly even in Hellas degeneration is, how rare and brief the great, how deficient (from the wrong side) appreciated.
How stiff the beginnings of tragedy must have been with Thespis! i.e., the artistic imitations of the primordial orgies. Thus, prose was at first very stiff in relation to actual speech.
The dangers are: one has pleasure in the content or one is indifferent to the content and strives for sensory stimuli of sound, etc.
The agonistic is also the danger in all development; it overstimulates the drive to create.— The happiest case in development, when several geniuses mutually keep each other in check.
Have not very many splendid possibilities been stifled in the germ? Who, for example, would still consider Theocrit possible in his time if he had not existed?
The greatest fact remains always the early panhellenic Homer. All good things come from him: but at the same time, he remained the most powerful barrier that ever existed. He flattened, and that is why the serious ones fought against him in vain. Homer always triumphed.
The oppressive nature of great spiritual powers is also visible here, but what a difference: Homer or a Bible as such a power!
The pleasure in intoxication, the pleasure in cunning, in revenge, in envy, in slander, in lewdness—all of this was acknowledged by the Greeks as human, and incorporated into the structure of society and custom. The wisdom of their institutions lies in the lack of a separation between good and evil, black and white.The nature, as it presents itself, is not denied, but only ordered, restricted to certain cults and days. This is the root of all freethinking in antiquity; one sought a moderate discharge for the forces of nature, not an annihilation and negation.— The entire system of new order is then the state. It was not constructed for specific individuals, but for regular human characteristics: in its foundation, the sharpness of observation and the sense for the factual are evident, especially for the typically factual, which the Greeks applied to science, history, geography, etc.qualified. It was not a limited priestly moral law that commanded at the founding of the state. Where did the Greeks get this freedom? Certainly already from Homer; but where did he get it from?— The poets are not the wisest and most logically educated beings; but they have a joy in the individually real of every kind and do not want to deny it, but rather moderate it so that it does not kill everything.
5 [147]
The necessity of discharge, the, a fundamental law of the Greek essence.
Accumulation and discharge in violent, temporally separated bursts. Can the tragedy be explained by this?
5 [148]
Philosophical minds must come to terms with it and once present the total reckoning of antiquity. As soon as this is presented, it will be overcome. One is far too dependent on antiquity for all the flaws that torment us to continue treating it mildly. The most monstrous crime of humanity, that Christianity could become possible, as it did become possible, is the fault of antiquity. With Christianity, antiquity will also be cleared away.— Now it is very close behind us, and being just is certainly not possible. It has been used in the most hideous way for oppression and has supported religious oppression by masking it with “education.”
The main joke was: "antiquity has been overcome by Christianity"! This was a historical fact, and thus engagement with it became harmless. Yes, it is so plausible to find Christian ethics "deeper" than Socrates! With Plato, one could already compete! It is a renewed rumination of the same struggle that already played out in the first centuries. Only now, a very pale specter has taken the place of the then quite visible antiquity, and indeed Christianity has also become quite spectral. It is a struggle after the decisive battle, an aftershock. Ultimately, all the forces that constitute antiquity have emerged in Christianity in the crudest form; there is nothing new, only quantitatively extraordinary.5 [149]
Oh, it is a pitiful story, the story of philology! The most disgusting scholarship, rotten inactive sitting aside, anxious submission.— Who has had anything free?
5 [150]
The religious cult can be traced back to buying or begging for the favor of the deities. It depends on where one fears their disfavor.— So where one cannot or does not want to achieve success through one's own strength, one seeks supernatural powers: thus for the alleviation of life's hardships. Where one does not want or cannot make amends through action, one asks the gods for mercy and forgiveness, thus for the alleviation of a troubled conscience.
The gods were invented for the convenience of men: ultimately, their cult is the sum of all recreations and delights.Take them away: all burdens are then heavier, and there is much less lightness.— Where the Olympians withdrew, Greek life was darker.— Where we research and work, the Greeks celebrate festivals. They are the festival-celebrators.
They do not see the gods above them as masters, nor themselves as servants, like the Jews.It is the conception of a happier and more powerful caste, a reflection of the most successful specimens of one's own caste, thus an ideal, not an opposite of one's own being. One feels entirely related. There is mutual interest, a kind of symmachia. One thinks nobly of oneself when one imagines such gods. And so even the begging and buying of their favor has something noble. It is a relationship, like that of lower to higher nobility; while the Romans have a proper peasant religion, anxiety toward goblins and spooks.
5 [150]
The religious cult is based on buying or begging for the favor of the deities. It depends on where one fears their disfavor.— So, where one cannot or does not want to achieve success through one's own strength, one seeks supernatural powers: thus for the alleviation of life's hardships. Where one does not want or cannot make amends through action, one asks the gods for mercy and forgiveness, thus for the alleviation of a troubled conscience. The gods were invented for the convenience of humans: ultimately, their cult is the sum of all recreations and delights.
Take them away: all burdens are then heavier, and there is much less lightness.— Where the Olympians withdrew, Greek life was darker.— Where we research and work, the Greeks celebrate festivals. They are the festival-celebrators.
They do not see the gods above them as masters, nor themselves as servants, like the Jews. It is the conception of a happier and more powerful caste, a mirror image of the most successful examples of their own caste, thus an ideal, not an opposite of their own being.One feels quite related. There is mutual interest, a kind of symmachia. One thinks nobly of oneself when one imagines such gods. And so even the begging and buying of their favor has something noble. It is a relationship, like that of lower to higher nobility; while the Romans have a proper peasant religion, anxiety toward goblins and ghostly apparitions.
5 [151]
I want to master literature in such a way that, for example,
the comparisons
the prologues in drama, etc.
5 [152]
Draft for 18 Lectures
| 9. | Honors among cities, princes, festivals, sacrifices, etc. Tyrants. | |
| 18. | Modes of Death. | |
| 10. | Groups of Interaction, of shared endeavor. | |
| 11. | Dissemination through Discipleship. | |
| 12. | Renegade Disciples. | |
| 6. | Non-Greeks and Greeks, geographical participation. | |
| 7. | Slaves and very lowly people. | |
| 8. | Very noble people. | |
| 13. | Personal enmities, competitions. | |
| 17. | Influence on the state and standing aside. | |
| 14. | Concealment. | |
| 15. | Disdain and lack of understanding of the past. | |
| 16. | Dissemination through lectures, travel, book trade, libraries. | |
| 2. | Our losses, magnitude, reasons for the loss. | |
| 5. | Artworks for all and those for a specific circle. | |
| 3. | Some principles for the study of literature. | |
| 1. | Critique of development, absolute value. | |
| 4. | Falsifications. Literary-historical mythology. |
5 [153]
A prince is always a caricature, something overloaded; and if a people still needs the prince, it is proof that the political drive of the individual is still too weak. Whoever has tasted it better thinks with disgust of looking up, and with pity of those who must position themselves as if they were looking down "from above".
5 [154]
When I see how all states are now promoting classical education, I say “how harmless it must be!” And then “how useful it must be.” It earns these states the reputation of promoting “free education.” Now look at the philologists to properly assess this “freedom.”
5 [155]
In religious cult, an earlier cultural level is preserved; these are "survivals." The times that celebrate it are not the ones that invent it. The contrast is often very colorful. The Greek cult takes us back to a pre-Homeric mindset and civilization; it is almost the oldest thing we know about the Greeks, older than the mythology that the poets essentially reshaped as we know it.— Can one call this cult Greek? I doubt it. They are perfecters, not inventors. They preserve through this beautiful perfection.
5 [156]
Forever separates us from the old culture, that its foundation has become thoroughly invalid for us. A critique of the Greeks is in this sense simultaneously a critique of Christianity, for the foundation in spirit belief, in religious cult, in the enchantment of nature is the same.— There are still numerous backward stages; but they are already in the process of decaying.
This would be a task, to mark Greek culture as irretrievable and thereby also Christianity and the previous foundations of our society and politics.
5 [157]
Task: the death of the old culture is inevitable: the Greek is to be characterized as the archetype and to show how all culture rests on ideas that are obsolete.
Dangerous significance of art: as the preserver and galvanization of dead and dying ideas. Of history, insofar as it seeks to transport us back into overcome feelings. To feel “historically,” to be “just toward the past” is only possible if we are at the same time beyond it. But the danger in the required empathy here is great: let the dead bury their dead: thus we do not ourselves take on the smell of corpses.
5 [158]
The Death of the Old Culture.
- Previous significance of antiquarian studies, unclear, deceitful.
- As soon as they recognize their goal, they condemn themselves to death: for their goal is to describe the old culture itself as one to be annihilated.
- Collection of all the ideas from which Hellenic culture has grown. Critique of religion, art, society, the state, and custom.
- The Christian one is also negated.
- Art and history—dangerous.
- Replacement of classical studies, which have become obsolete for youth education.
Thus, the task of the science of history is solved, and it itself has become superfluous: when the entire internally coherent circle of past endeavors has been condemned. In its place, the science of the future must take over.
5 [159]
The reading and writing teacher and the corrector are the first types of the philologist.
5 [160]
Our philologists behave towards real educators as the medicine men of the savages do towards real doctors. What astonishment a distant age will have!
5 [161]
Everything with criticism.
| 2. | Literature. | |
| 2. | Religious ideas. | |
| 2. | Moral ideas. | |
| 1. | Education. | |
| 1. | Intercourse, of the sexes, of the countries, etc., of the classes. | |
| 2. | State. | |
| 1. | Art of language, concept of the educated and uneducated. | |
| 2. | Philosophy and science. | |
| 1. | On classical philology and antiquity in modern times. | |
| 1. | On Greeks and Romans. After 5 years, i.e., autumn 1875—Easter 81. Easter 82 + 7 = 89, e.g., 45—46 years old. |
5 [162]
Poets are backward beings and a bridge to very distant times, actually always epigones. Are they therefore necessary? They are to be reproached with what religion is to be reproached with, that they give provisional consolations and have something palliative about them. They prevent people from working on real improvement by themselves lifting and diverting the passion of dissatisfaction.
5 [163]
The means against pain, which people employ, are often narcotics. Religion and art belong to the narcotics of ideas. They compensate and soothe; it is a stage of the lower healing art of spiritual pains. Elimination of the cause of suffering through an assumption, e.g., when a child has died, to assume it still lives, more beautifully, and that there will one day be a reunion. Thus religion should be there for the poor, with its consolation.
Is tragedy still possible for the one who no longer believes in a metaphysical world? One must show how even the highest of humanity thus far has grown on the foundation of that lower healing art.
5 [164]
We look back on a considerable time of humanity; what will a humanity look like one day that looks back on us from just as far away? One that still finds us completely drowned in the remnants of the old culture. One that finds its comfort only in “being helpful and good” and rejects all other consolations!— Does beauty also grow out of the old culture? I believe our ugliness depends on our metaphysical remnants; our confusion of customs, our badness of marriages, etc., is the cause. The beautiful person, the healthy and moderate and enterprising person, then also shapes what is around them into beauty, into their own image.
5 [165]
In the Greek pantheon and cult, one finds all signs of a raw and gloomy ancient state in which the Greeks would have become something very different had they remained in it. Homer liberated them with the peculiar frivolity of his gods. The transformation of a wild, gloomy religion into a Homeric one is indeed the greatest event. Now observe the counter-currents, the revealing of old conceptions, the seizing of related, foreign ones.
| 1. | Raw and gloomy primordial times. Fetish worship. Human sacrifices, etc. Fear of the dead and service. | |
| 2. | Spectacles of the cult. | |
| 3. | Later stirrings and revival of the oldest gloomy religion. | |
| 4. | The lightening and frivolity of religion. The poets of Ionia. | |
| 5. | Numbness and evasions against pain and the difficulties of life. | |
| 6. | The interpreting and inventing of myth, the reconciling and mixing. | |
| 7. | The disbelief. | |
| 8. | Art as backward and against enlightenment, acting as a whole. | |
| 9. | The state seeks its foundation in the religious. So does society. | |
| 10. | Religion, to entertain the people, to protect them from need and boredom. |
Cultus.
| 1. | Prayer. (Curse, Oath.) | |
| 2. | Sacrifice. | |
| 3. | Ecstasy and its means. Divination. Oracles. Conjuration. Sorcery. The priest. | |
| 4. | Orientation. (Tempelf) | |
| 5. | Purification. (Mystery.) | |
| 6. | Complex forms: Festivals with plays. a) State cults. b) Gent Culte c) Domestic cult d) Death cult. |
5 [166]
On Religion.
| I | The love of the artifice of Christianity in its ambiguity. (Sexual love in antiquity, purely conceived by Empedocles.) | |
| II | Christian love, based on contempt. | |
| III | The activity of the Christian in contrast to Buddhist tranquility. | |
| IV | No religion of revenge and justice! the Jews the worst people. | |
| V | Smuggled concepts: vicarious death. | |
| VI | The priestly state. Hypocrites. Aversion to serious treatment of all problems. (Cultus sacrifice, coercion of the gods.) | |
| VII | The greatest sin against the intellect of humanity is historical Christianity. | |
| VIII | God entirely superfluous. | |
| IX | The decline of humanity: nothing eternal. | |
| X | Contempt for all motives, impurity of thought, fundamental flaw in all types, classes, and endeavors. | |
| XI | Either live under illusions alone: or in the difficult way, without hope, without deception, without providence, without redemption and immortality: but with a gaze of compassionate love toward oneself. |
5 [167]
The task would be to overcome Hellenism through action. But to do so, one would first have to know it!—there is a thoroughness that is merely a pretext for inaction. Consider what Goethe understood of antiquity; certainly not as much as a philologist, yet enough to wrestle with it fruitfully. One should not even know more about a thing than one could also create.
Besides, it is even the only means of truly recognizing something, if one tries to do it. Try to live in an old-fashioned way—one comes immediately a hundred miles closer to the ancients than with all scholarship.— Our philologists do not show that they emulate antiquity in any way—therefore their antiquity has no effect on the students.Study of emulation (Renaissance, Goethe) and study of despair!
5 [168]
It depends not much on a properly emended author.
5 [169]
The wrong image of engagement with the ancients hinders even the better ones.
5 [170]
The sciences will perhaps one day be pursued by women: men should create spiritually, states, laws, works of art, etc.
5 [171]
One should study the exemplary antiquity only as one studies an exemplary person: thus, imitating as much as one understands, and when the model is very distant, pondering the paths and preparations, and inventing intermediate stages.
The measure of study lies therein: only what inspires imitation, what is grasped with love and demands to be propagated, should be studied. The most correct approach would be: a progressive canon of the exemplary, adapted for younger young and older people.
5 [172]
In the way, Goethe grasped antiquity: always with a competitive soul. But who else? One sees nothing of a well-considered pedagogy of this kind: who knows that there are insights into antiquity that cannot be conveyed to young people!
5 [173]
The boyish character of philology: designed by teachers for students.
5 [174]
Ever more general form of the exemplary: first people, then institutions, finally directions, intentions, or their absence.
Highest form: overcoming the example with the regression from tendencies to institutions, from institutions to people.
5 [175]
The promotion of a science at the expense of humanity is the most harmful thing in the world. The stunted human being is a regression of mankind; he casts his shadow far into all time. The mindset degenerates, the natural purpose of each science is perverted: in the end, it itself goes to ruin; it stands there promoted, but has no effect, or an immoral one on life.
5 [176]
Do not use people as a thing!
5 [177]
From the very imperfect philology and knowledge of antiquity, a stream of freedom emanated; our highly developed one enslaves and serves the state idol.
5 [178]
The better the state is organized, the duller humanity becomes.
Making the individual uncomfortable: my task!
The thrill of liberating the individual in struggle!
Intellectual height has its time in history; inherited energy is part of it. In the ideal state, this is over.
5 [179]
The intellectual culture of Greece an aberration of the immense political drive after.— The most rejecting against new education. Nevertheless the culture existed.
5 [180]
Highest judgment about life only from the highest energy of life, the spirit must be farthest removed from dullness.
In the middle world history, the judgment will be most correct because the greatest geniuses exist there.
Creation of the genius as the only one who can truly appreciate and deny life.
5 [181]
Walter Scott loved company because he wanted to tell stories; he practiced like a virtuoso practices piano for seven hours.
5 [182]
Save your genius! should be shouted to the people, free it! Do everything to unleash it!
5 [183]
The meek, the spiritually poor may not judge life.
5 [184]
When good friends etc. praise me, I am often seemingly pleased and grateful out of politeness and goodwill; but in truth, it is indifferent to me. My true nature is quite sluggish towards it and cannot be moved a step out of the sun or the shade where it lies.— But people want to bring joy through praise, and one would sadden them if one did not rejoice in their praise.
5 [185]
One must not expect from the future of humanity what certain pasts have produced, e.g., the effects of religious feeling. Perhaps the type of the holy is only possible with a certain naivety of the intellect, which is now gone. Even the height of intelligence may have been reserved for an age of humanity. Immense energy of the will, transferred to intellectual pursuits (aberration)—only possible as long as that wildness and energy were greatly cultivated.
Perhaps humanity comes closer to its goal in the middle of its journey than at the end.— Forces on which art depends could die out, e.g., the pleasure in lying, in the unclear and symbolic, etc.; even intoxication could fall into disrepute. And fundamentally: if life in the ideal state is ordered, then poetry of the present is no longer possible: at best, it looks back with longing to the times of the non-ideal state.5 [186]
Childhood and boyhood have their goal within themselves, are not a stage.
5 [187]
I wish for a book about the way of life of scholars.
5 [188]
Goals.
The value of life can only be measured by the highest intellect and the warmest heart.
How are the highest intelligences to be produced? —
The goals of human welfare in general are quite different: than producing the highest intelligence. Well-being is valued far too highly and is taken entirely superficially, as are school and education.
The ideal state that the Socialists dream of destroys the foundation of great intelligences, the strong energy.
We must wish that life retains its violent character, that wild forces and energies are evoked. The judgment on the value of existence is the highest result of the strongest tension in chaos.
Now the warmest heart wants to eliminate that violent, wild character; even though it itself emerged from it! It wants to eliminate its foundation! That means, it is not intelligent.
The highest intelligence and the warmest heart cannot coexist in one person. The highest intelligence is higher than all goodness, even this is only something to be assessed in the overall calculation of life, the wise stand above it.
The wise man must resist the idea of unintelligent goodness, because he is concerned with the reproduction of his type. At least he cannot promote the ideal state.— Christ promoted the stupidity of mankind, he held back the production of great intellect. Consistent! His counterpart would perhaps be detrimental to the production of Christ.— Fatum tristissimum generis humani!
5 [189]
Proœmium
If I were already free, I would not need all this struggle, but could turn to a work or deed where I might test my full strength.— For now, I may only hope to become free gradually; and so far, I feel that I am becoming more so. Thus, my day of true work may yet come, and the preparation for the Olympic Games will be over.—
5 [190]
I still have to express views that are considered disgraceful for the one who holds them; then even friends and acquaintances will become shy and anxious. I must also pass through this fire. I then belong more and more to myself. —
5 [191]
Whoever came to consciousness about the creation of genius and wanted to carry out in practice the way nature proceeds would have to be as wicked and as ruthless as nature itself.
5 [192]
I find Xenophon's Memorabilia very interesting. One must still acknowledge Socrates' example: it is still immediately imitable. They strike me.
5 [193]
Plato’s Socrates is, in the true sense, a caricature, an exaggeration.
5 [194]
Mistreat the people, drive them to extremes, and for millennia—then, through a aberration of nature, through a spark flying from the terrible energy thus ignited, suddenly the genius emerges.— Thus history speaks to me. Terrible face! Woe! I cannot bear you! —
5 [195]
The Greeks of the Imperial era are dull and make quite good types for future humanity. They seem philanthropic, especially towards Rome, despise gladiator fights, etc.— It is entirely wrong to draw conclusions about their youth from this.
5 [196]
Homer is so at home in the humanized world of the gods and has such ease as a poet that he must have been deeply irreligious. He interacts with them like the sculptor with his clay and marble.
5 [197]
The Greek polis is exclusively opposed to education; its political drive was highly paralyzing and stabilizing in this regard. There should be no history, no becoming in education; it should be fixed once and for all. This is what Plato later wanted as well. Despite the polis, higher education emerged: indirectly even through it, because the ambition of the individual was raised to the highest degree by it. If a Greek attained intellectual distinction, he went to the utmost extreme.
5 [198]
Indigenous population of Greek soil: of Mongolian descent with tree and snake cults. The coast fringed with a Semitic strip. Here and there Thracians. The Greeks have absorbed all these elements into their blood, along with all gods and myths (in the Odysseus fables much that is Mongolian). The Dorian migration is a follow-up thrust, after everything had already been gradually flooded earlier. What are “race-Greeks”? Is it not sufficient to assume that Italics mixed with Thracian and Semitic elements became Greeks?
5 [199]
When one thinks of the enormous mass of slaves on the mainland, Greeks were always only sporadically found. A higher caste of non-workers, politicians, etc. Their hostilities kept them in physical and mental tension. They had to maintain their superiority in quality—that was their spell over the masses.
5 [200]
The speech of Pericles a great optimistic illusion, the evening glow, in which one forgets the bad day—the night comes afterward.