8, 6[1-51] Sommer 1875
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Nachahmung des Alterthums.
Das Mittel, die Philologie, macht dem Philologen die Nachahmung unmöglich. Kennen ohne können.
Daher: entweder rein historisch geworden —
oder die Philologie zu Grunde gegangen (Schiller).
Selbst die historische Erkenntniss des Alterthums ist vermittelt durch die Reproduction, die Nachahmung.
Das Goethische Griechenthum (die griechische in der Kunst auf den moralischen Menschen übertragen).
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Das griechische Alterthum als classische Beispielsammlung für die Erklärung unsrer ganzen Cultur und ihrer Entwicklung. Es ist ein Mittel uns zu verstehen, unsre Zeit zu richten und dadurch zu überwinden.
Das pessimistische Fundament unsrer Cultur.
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Socrates, um es nur zu bekennen, steht mir so nahe, dass ich fast immer einen Kampf mit ihm kämpfe.
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Wissenschaft und Weisheit im Kampfe.
Wissenschaft (NB. bevor sie Gewohnheit und Instinkt ist) entsteht
| 1) | wenn die Götter nicht gut gedacht werden. Grosser Vortheil irgend etwas als fest zu erkennen. | |
| 2) | der Egoismus treibt den Einzelnen an, bei gewissen Beschäftigungen z. B. Schiffahrt seinen Nutzen zu suchen, durch Wissenschaft. | |
| 3) | etwas für vornehme Leute, die Musse haben. Neugierde. | |
| 4) | im wilden Hin und Her der Meinungen des Volks will der Einzelne ein festeres Fundament. |
Wodurch unterscheidet sich dieser Trieb zur Wissenschaft vom Triebe überhaupt etwas zu lernen und anzunehmen? Nur durch den geringeren Grad des Egoismus oder die weitere Spannung desselben. Einmal ein Sich-verlieren in die Dinge. Zweitens eine über das Individuum ausgedehnte Selbstsucht.
Weisheit zeigt sich
| 1) | im unlogischen Verallgemeinern und zum letzten Ziele Fliegen. | |
| 2) | in der Beziehung dieser Resultate auf das Leben. | |
| 3) | in der unbedingten Wichtigkeit, welche man seiner Seele beilegt. Eins ist Noth. | |
| Socratismus ist | einmal | Weisheit im Ernstnehmen der Seele. | |
| zweitens | Wissenschaft als Furcht und Hass vor der unlogischen Verallgemeinerung. | ||
| drittens | etwas eigenthümliches durch die Forderung des bewussten und logisch correcten Handelns. |
| Daraus entsteht Schaden für die Wissenschaft, für das ethische Leben. |
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Wissenschaft und Weisheit im Kampfe,
dargestellt an den ältern griechischen Philosophen.
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| 1) | Wie zeigt sich in diesen ältern Griechen die Welt gefärbt? | |
| 2) | Wie verhalten sie sich zu den Nichtphilosophen? | |
| 3) | An ihren Personen liegt viel: diese zu errathen, ist der Sinn meiner Betrachtung ihrer Lehren. | |
| 4) | Wissenschaft und Weisheit im Kampfe bei ihnen. | |
| 5) | Ironische Novelle: alles ist falsch. Wie der Mensch sich an einen Balken klammert. |
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Es giebt auch eine Art, diese Geschichte zu erzählen, ironisch und voll Trauer. Ich will jedenfalls den ernsthaftgleichmässigen Ton vermeiden.
Socrates wirft das Ganze um, in einem Augenblick, wo es sich der Wahrheit noch am meisten genähert hatte; das ist besonders ironisch.
Alles auf dem Hintergrund des Mythos aufzumalen. Dessen grenzenlose Unsicherheit und Wogen. Man sehnt sich nach Sicherem.
Nur wohin der Strahl des Mythus fällt, da leuchtet das Leben des Griechen; sonst ist es düster. Nun berauben sich diese Philosophen des Mythus; also wie halten sie es in dieser Düsterkeit aus? —
Das Individuum, welches auf sich selbst stehen will. Da braucht es letzte Erkenntnisse, Philosophie. Die andern Menschen brauchen langsam anwachsende Wissenschaft.
Oder vielmehr: es ist ein Glaube nöthig, solche letzte Erkenntnisse zu besitzen. Einen solchen Grad von Gläubigkeit für das eigene Erkennen wird es nie wieder geben, wie ihn jene alten Griechen besaßen: aber die Schwierigkeit und Gefahr des Erkennens stand ihnen noch nicht vor der Seele; sie hatten einen handfesten Glauben an sich, mit dem sie alle ihre Nachbarn und Vorgänger niederwarfen. Das Glück im Besitz der Wahrheit war nie größer auf der Welt, aber auch nie die Härte, der Übermuth, das Tyrannische. In seinen geheimen Wünschen war jeder Grieche Tyrann; und überhaupt jeder war es, der es sein konnte, vielleicht mit Ausnahme des Solon, nach seinen eigenen Gedichten zu schließen.
Auch die Unabhängigkeit ist nur scheinbar: zuletzt knüpft jeder an seinen Vorgänger an. Phantasma an Phantasma. Es ist komisch, alles so ernst zu nehmen.
Die ganze ältere Philosophie als curioser Irrgarten-Gang der Vernunft. Es ist eine Traum- und Märchentonart anzustimmen.
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Aristoteles in seinem aesthetischen Urtheil.
gegen Empedocles.
in Betreff der Tragödie.
Demosthenes.
Thucydides.
bildende Kunst.
Musik.
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Nebeneinander geht die Entwicklung der griechischen Musik und Philosophie. Vergleich beider, insofern beide Aussagen machen über das hellenische Wesen. Die Musik freilich nur aus ihrem Niederschlag als Lyrik uns bekannt.
| Empedocles—Tragödie | Sacrale Monodie | ||||||
| Heraclit—Archilochus | Xenophanes sympotisch. | ||||||
| Democrit—Anacreon | |||||||
| Pythagoras—Pindar | |||||||
| Anaxagoras—Simonides. |
Alles Vergleichen von Personen ist schief und dumm.
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Die Philosophien sind Hadesschatten gegenüber dem griechischen Leben: sie spiegeln es wieder, aber wie auf einer Rauchwolke.
Hinter solchen Menschen muss man her sein, bis sie wieder von einem Dichter nachgeschaffen sind: die ergänzende Phantasie Vieler muss hier arbeiten.
Sie sind zu selten, als dass man sie laufen lassen könnte. Das wenige, was sich mit Kritik und Umdrehen und Ausschütteln jeder Notiz erreichen lässt!
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| Einleitung. | 1. Cap. | Vergleichung der älteren griechischen Philosophen mit den Sectenphilosophen nach Socrates. | |
| 2. Cap. | Die Zeitverhältnisse der älteren Philosophen. |
Erzählung:
Es hängt so viel von der Entwicklung der griechischen Cultur ab, da unsre ganze abendländische Welt daher ihre Antriebe bekommen hat: das Verhängniß wollte, daß das jüngere und entartete Griechenthum am meisten historische Kraft gezeigt hat. Darüber ist das ältere Griechenthum immer falsch beurtheilt worden. Das jüngere muß man genau kennen, um es von dem älteren zu unterscheiden.
Es giebt noch sehr viele Möglichkeiten, die noch gar nicht entdeckt sind: weil die Griechen sie nicht entdeckt haben. Andere haben die Griechen entdeckt und später wieder verdeckt.
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Diese Philosophen beweisen, welche Gefahren die griechische Cultur in sich schloß:
| der Mythus als Faulbett des Denkens | — | dagegen die kalte Abstraktion und die strenge Wissenschaft. Democrit. |
| die weichliche Behaglichkeit des Lebens | — | dagegen Genügsamkeit, strenge asketische Auffassung bei Pythagoras, Empedocles, Anaximander. |
| Grausamkeit in Kampf und Streit | — | dagegen Empedocles mit seiner Reform des Opfers. |
| Lüge und Betrug | — | dagegen Begeisterung für das Wahre bei jeder Consequenz. |
| Schmiegsamkeit, übertriebene Geselligkeit | — | dagegen Heraklits Stolz und Einsamkeit. |
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Diese Philosophen zeigen die Lebenskraft jener Cultur, die ihre eigenen Corrective erzeugt.
Wie stirbt diese Zeit ab? Unnatürlich. Wo stecken denn nur die Keime des Verderbens?
Die Flucht der Besseren aus der Welt war ein großes Unglück. Von Sokrates an: das Individuum nahm sich zu wichtig mit einem Male.
Die Pest kam hinzu, für Athen.
Dann ging man an den Perserkriegen zu Grunde. Die Gefahr war zu groß und der Sieg zu außerordentlich.
Der Tod der großen musikalischen Lyrik und der Philosophie.
Sokrates ist die Rache für Thersites: der herrliche Achill schlug den häßlichen Volksmann Thersites todt, vor Zorn über seine Worte bei Pentesileas Tode; der häßliche Volksmann Sokrates schlug die Auktorität des herrlichen Mythus in Griechenland todt.
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Die ältere griechische Philosophie ist die Philosophie von lauter Staatsmännern. Wie elend steht es mit unsern Staatsmännern! Das unterscheidet übrigens die Vorsokratiker und die Nachsokratiker am meisten.
Bei ihnen hat man nicht “die garstige Pretension auf Glück” wie von Socrates ab. Es dreht sich doch nicht alles um den Zustand ihrer Seele: denn über den denkt man nicht ohne Gefahr nach. Später wurde das des Apoll mißverstanden.
Auch schwätzten und schimpften sie nicht so, auch schrieben sie nicht.
Das geschwächte Griechenthum, romanisirt, vergröbert, decorativ geworden, dann als decorative Cultur vom geschwächten Christenthum als Bundesgenosse acceptirt, mit Gewalt verbreitet unter uncivilisirten Völkern—das ist die Geschichte der abendländischen Cultur. Das Kunststück ist geleistet, und das Griechische und das Pfäffische zusammengebracht.
Ich will Schopenhauer Wagner und das ältere Griechenthum zusammenrechnen: es giebt einen Blick auf eine herrliche Cultur.
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Vergleichung der älteren Philosophie mit der nachsokratischen.
| 1) | die ältere ist mit der Kunst verwandt, ihre Welträthsellösung hat mehrmals von der Kunst sich inspiriren lassen. Geist der Musik und der bildenden Kunst. | |
| 2) | sie ist nicht die Negation des andern Lebens, sondern aus ihm als seltne Blüthe gewachsen; sie spricht dessen Geheimnisse aus. (Theorie—Praxis) | |
| 3) | sie ist nicht so individuell-eudärnonologisch, ohne die garstige Pretension auf Glück. | |
| 4) | diese ältern Philosophen selbst haben in ihrem Leben höhere Weisheit und nicht die kalt-kluge Tugendhaftigkeit. Ihr Lebensbild ist reicher und complicirter, die Sokratiker simplificiren und banalisiren. |
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Die dreigegliederte Geschichte des Dithyrambus:
1 der arionische—daraus die ältere Tragödie
2 der agonale Staats-Dithyramb—parallel die zahme Tragödie
3 der mimetische, genialisch-wüst.
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Mehrfach ist bei den Griechen eine ältere Form die höhere z. B. beim Dithyramb und der Tragödie. Die Gefahr der Griechen lag im Virtuosenthum aller Art; mit Sokrates beginnen die Lebensvirtuosen, Socrates, der neuere Dithyramb, die neuere Tragödie, die Erfindung des Rhetors!
Der Rhetor ist eine griechische Erfindung! der späteren Zeit. Sie haben die “Form an sich” erfunden (und auch den Philosophen dazu).
Wie ist der Kampf Plato’s gegen die Rhetorik zu verstehen? Er beneidet ihren Einfluss.
Das ältere Griechenthum hat seine Kräfte in der Reihe von Philosophen offenbart. Mit Socrates bricht diese Offenbarung ab: er versucht sich selbst zu erzeugen und alle Tradition abzuweisen.
Meine allgemeine Aufgabe: zu zeigen, wie Leben Philosophie und Kunst ein tieferes und verwandtschaftliches Verhältniss zu einander haben können, ohne dass die Philosophie flach ist und das Leben des Philosophen lügenhaft wird.
Herrlich ist, dass die alten Philosophen so frei leben konnten, ohne dabei zu Narren und Virtuosen zu werden. Die Freiheit des Individuums war unermesslich gross.
Der falsche Gegensatz von vita practica und contemplativa ist asiatisch. Die Griechen verstanden es besser.
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Man kann diese älteren Philosophen darstellen als solche, die die griechische Luft und Sitte als Bann und Schranke fühlen: also Selbstbefreier (Kampf des Heraclit gegen Homer und Hesiod, Pythagoras gegen die Verweltlichung, alle gegen den Mythus, besonders Democrit). Sie haben eine Lücke in ihrer Natur, gegenüber dem griechischen Künstler und wohl auch Staatsmann.
Ich fasse sie wie die Vorläufer einer Reformation der Griechen: aber nicht des Socrates. Vielmehr kam ihre Reformation nicht, bei Pythagoras blieb es sectenhaft. Eine Gruppe von Erscheinungen tragen alle diesen Reformations-Geist—die Entwicklung der Tragödie. Der misslungene Reformator ist Empedocles; als es ihm misslang, blieb nur noch Socrates übrig. So ist die Feindschaft des Aristoteles gegen Empedocles sehr begreiflich.
Empedocles—Freistaat—Umänderung des Lebens—volksthümliche Reform—Versuch mit Hülfe der grossen hellenischen Feste. —
Die Tragödie war ebenfalls ein Mittel. Pindar?
Sie haben ihren Philosophen und Reformator nicht gefunden, man vergleiche Plato: der ist durch Socrates abgelenkt. Versuch einer Characteristik Platos ohne Socrates. Tragödie—tiefe Auffassung der Liebe—reine Natur—keine fanatische Abkehr: offenbar waren die Griechen im Begriff einen noch höheren Typus des Menschen zu finden, als die früheren waren; da schnitt die Scheere dazwischen. Es bleibt beim tragischen Zeitalter der Griechen.
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1. Bild der Hellenen hinsichtlich ihrer Gefahren und Verderbnisse.
2. Gegenbild der tragischen Strömungen dagegen. Neue Deutung des Mythus.
3. Die Ansätze zu Reformatoren. Versuche das Weltbild zu gewinnen.
4. Die Entscheidung—Sokrates. Der abgelenkte Plato.
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Die Leidenschaft bei Mimnermus, der Hass gegen das Alter.
Die tiefe Melancholie bei Pindar: nur wenn ein Strahl von oben kommt, leuchtet das Menschenleben.
Die Welt vom Leiden aus zu verstehen ist das Tragische in der Tragödie.
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Thales—das Unmythische.
Anaximander—Vergehen und Entstehen in der Natur moralisch als Schuld und Strafe.
Heraclit—Gesetzmässigkeit und Gerechtigkeit in der Welt.
Parmenides—die andere Welt hinter dieser; diese als Problem.
Anaxagoras—Weltenbaumeister.
Empedocles—blinde Liebe und blinder Hass; das tief Unvernünftige im Vernünftigsten der Welt.
Democrit—die Welt ist ganz ohne Vernunft und Trieb, zusammengeschüttelt. Alle Götter und Mythen unnütz.
Socrates: da bleibt mir nichts als ich mir selbst; Angst um sich selbst wird die Seele der Philosophie.
Plato’s Versuch, alles zu Ende zu denken und der Erlöser zu sein.
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Es sind die Personen zu schildern: so wie ich Heraclit geschildert habe. Das Historische mit hineinzuflechten.
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In der ganzen Welt herrscht die Allmählichkeit, bei den Griechen geht es schnell vorwärts, aber auch furchtbar schnell abwärts. Als der hellenische Genius seine höchsten Typen erschöpft hatte, da sank der Grieche auf das Geschwindeste. Es musste nur einmal eine Unterbrechung eintreten, und die grosse Lebensform nicht mehr ausgefüllt werden: sofort war es vorbei;
gerade wie bei der Tragödie. Ein einziger mächtiger Querkopf wie Socrates—da war der Riss unheilbar. In ihm vollzieht sich die Selbstzerstörung der Griechen. Ich glaube, es macht, dass er der Sohn eines Bildhauers war.
Wenn einmal diese bildenden Künste reden würden, sie würden uns oberflächlich erscheinen; in Socrates, dem Sohne des Bildhauers, kam ihre Oberflächlichkeit heraus.
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Die Menschen sind witziger geworden während des Mittelalters; das Rechnen nach zwei Maassen, die Spitzfindigkeit des Gewissens, die Auslegung der Schrift sind die Mittel gewesen. Diese Art Schärfung des Geistes durch den Druck einer Hierarchie und Theologie fehlte dem Alterthum. Vielmehr sind die Griechen umgekehrt unter der grossen Freiheit des Gedankens vielgläubisch und flach gewesen, man fing nach Belieben an und hörte nach Belieben auf, etwas zu glauben. Dafür fehlt ihnen die Lust am verdrehten Scharfsinn, und damit die beliebteste Art Witz aus der neueren Zeit. Die Griechen waren wenig witzig; darum hat man solches Aufheben von der Ironie des Socrates gemacht. Ich finde Plato darin oft etwas täppisch.
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Die Griechen waren mit Empedocles und Democrit auf dem besten Weg die menschliche Existenz, ihre Unvernunft, ihr Leiden richtig zu taxiren; dazu sind sie nie gelangt, Dank Socrates. Der unbefangene Blick auf die Menschen fehlt allen Sokratikern, die greuliche Abstracta “das Gute, das Gerechte” im Kopf haben. Man lese Schopenhauer und frage sich, warum es den Alten an einem solchen Tief- und Freiblick gefehlt hat—haben müsste? Das sehe ich nicht ein. Im Gegentheil. Sie verlieren durch Socrates die Unbefangenheit. Ihre Mythen und Tragödien sind viel weiser als die Ethiken Plato’s und Aristoteles’; und ihre, “stoischen und epikurischen” Menschen sind arm, gegen ihre älteren Dichter und Staatsmänner.
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Socrates’ Wirkung:
1) er zerstörte die Unbefangenheit des ethischen Urtheils,
2) vernichtete die Wissenschaft,
3) hatte keinen Sinn für die Kunst,
4) riss das Individuum heraus aus dem historischen Verbande,
5) dialectische Rederei und Geschwätzigkeit befördert.
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Ich glaube nicht mehr an die “naturgemässe Entwicklung” der Griechen: sie waren viel zu begabt, um in jener schrittweisen Manier, allmählich zu sein, wie es der Stein und die Dummheit sind. Die Perserkriege sind das nationale Unglück: der Erfolg war zu gross, alle schlimmen Triebe brachen heraus, das tyrannische Gelüst ganz Hellas zu beherrschen wandelte einzelne Männer und einzelne Städte an. Mit der Herrschaft von Athen (auf geistigem Gebiete) sind eine Menge Kräfte erdrückt worden; man denke nur, wie unproductiv Athen für Philosophie lange Zeit war. Pindar wäre als Athener nicht möglich gewesen. Simonides zeigt es. Und Empedocles wäre es auch nicht, Heraclit nicht. Alle grossen Musiker kommen fast von Aussen. Die athenische Tragödie ist nicht die höchste Form, die man denken könnte. Den Helden derselben fehlt doch das Pindarische gar zu sehr. Überhaupt: wie grässlich war es, dass der Kampf gerade zwischen Sparta und Athen ausbrechen musste—das kann gar nicht tief genug betrachtet werden. Die geistige Herrschaft Athens war die Verhinderung jener Reformation. Man muss sich einmal dahinein denken, wo diese Herrschaft noch gar nicht da war: nothwendig war sie nicht, sie wurde es erst in Folge der Perserkriege, d. h. erst, nachdem es die physische politische Macht zeigte. Milet war z. B. viel begabter, Agrigent auch.
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Der Tyrann, der thun kann wozu er Lust hat, d. h. der Grieche, der durch keine Gewalt in Schranken gehalten wird, ist ein ganz maassloses Wesen: “er stürzt die Gebräuche des Vaterlands um, thut den Weibern Gewalt an und tödtet Menschen nach Willkür.” Ebenso zügellos ist der tyrannische Freigeist, vor dem die Griechen ebenfalls Angst haben. Königshass—Zeichen der demokratischen Gesinnung. Ich glaube: die Reformation wäre möglich gewesen, wenn ein Tyrann ein Empedocles gewesen wäre.
Plato sprach mit seiner Forderung des Philosophen auf dem Throne einen ehemals möglichen Gedanken aus: er fand den Einfall, nachdem die Zeit, ihn zu verwirklichen, vorüber war. Periander? —
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Ohne den Tyrannen Pisistratus hätten die Athener keine Tragödie gehabt: denn Solon war dagegen, aber die Lust daran war einmal geweckt. Was wollte Pisistratus mit diesen grossen Trauer-erregungen?
Solons Abneigung gegen die Tragödie: man denke an die Beschränkungen der Trauerfestlichkeiten bei Todesfällen, das Verbieten von Threnoi. Bei den milesischen Frauen wird erwähnt.
Nach der Anecdote ist es die Verstellung welche Solon missfällt; das unkünstlerische Naturell des Atheners zeigt sich.
Kleisthenes, Periander und Pisistratus die Beförderer der Tragödie als einer Volkslustbarkeit, der Lust. Solon will Mässigung.
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Die centralisirenden Tendenzen, durch die Perserkriege entstanden: ihrer haben sich Sparta und Athen bemächtigt. Dagegen war 776—560 davon nichts da: die Cultur der Polis blühte; ich meine, ohne Perserkriege hätte man die Centralisationsidee durch eine Reformation des Geistes bekommen—Pythagoras?
Auf die Einheit der Feste und des Cultus kam es damals an: hier hätte auch die Reform begonnen. Der Gedanke einer panhellenischen Tragödie—da wäre noch eine unendlich reichere Kraft entwickelt worden. Warum kam es nicht dazu? Nachdem Korinth Sikyon und Athen diese Kunst entwickelt hatten.
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Der grösste Verlust, der die Menschheit treffen kann, ist ein Nichtzustandekommen der höchsten Lebenstypen. So etwas ist damals geschehen. Eine scharfe Parallele zwischen diesem Ideal und dem christlichen. Zu benutzen die Bemerkung Schopenhauers: “vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe; sie sehn ein, dass in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei und sagen endlich mit Petrarca ,altro diletto, che ‘mparar, non provo’. Es kann damit sogar dahin kommen, dass sie ihren Wünschen und Bestrebungen gewissermaassen nur noch zum Schein und tändelnd nachgehn, eigentlich aber und im Ernst ihres Innern, bloss Belehrung erwarten; welches ihnen alsdann einen beschaulichen, genialen, erhabenen Anstrich giebt.”—Parerga I 439. Damit vergleiche man die Socratiker und die Jagd nach Glück!
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Die entsetzliche Unterredung der Athener mit den Meliern bei Thucydides! Es musste bei solchen Gesinnungen das Hellenische zu Grunde gehen, durch Angst auf allen Seiten. Z. B. wie der Athener sagt: “was das Wohlwollen der Götter betrifft, so werden wir nicht im Nachtheil sein; denn wir verlangen und thun nichts, was ausser der menschlichen Art liegt, weder in Bezug auf den Glauben an die Götter noch auch in dem, was die Menschen für sich selbst wünschen.”
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Luther: “ich habe kein besser Werk denn Zorn und Eifer: denn wenn ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen will, so muss ich zornig sein, da erfrischt sich mein ganz Geblüt, mein Verstand wird geschärft und alle unlustigen Gedanken und Anfechtungen weichen.”
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Es ist eine schöne Wahrheit, dass einem, dem Besserwerden oder Erkennung Lebensziele geworden sind, alle Dinge zum Besten dienen. Aber doch nur beschränkt wahr: ein Erkennenwollender zu ermüdendster Arbeit gezwungen, ein Besserwerdender durch Krankheiten entnervt und zerrüttet! Im Ganzen mag es gelten: die anscheinende Absichtlichkeit des Schicksals ist die That des Einzelnen, der sein Leben zurechtlegt und aus allem lernt, Erkenntniss saugend wie die Biene Honig. Das Schicksal, aber, welches ein Volk trifft, trifft ein Ganzes, welches nicht so seine Existenz überdenken und mit Zielen versehen kann; und so ist die Absichtlichkeit bei Völkern eine Erschwindelung von Grübelköpfen, nichts ist leichter als die Nichtabsichtlichkeit zu zeigen z. B. daran, dass eine Zeit im vollsten Aufblühen plötzlich von einem Schneefall betroffen wird, dass alles stirbt. Es ist darin ganz so dumm wie in der Natur. Bis zu einem Grad setzt wohl jedes Volk selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen etwas durch, was an seine Begabung erinnert. Aber damit es sein Bestes leisten könne, müssen einige Unfälle nicht eintreten. Die Griechen haben ihr Bestes nicht geleistet.
Auch die Athener wären etwas Höheres geworden ohne den politischen Furor seit den Perserkriegen: man denke an Aeschylus, der aus der vorpersischen Zeit stammt und der mit den Athenern seiner Zeit unzufrieden war.
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Durch die Ungunst der Lage der griechischen Städte nach den Perserkriegen sind viele günstige Bedingungen zum Entstehen und zur Entwicklung grosser Einzelner beseitigt worden: und so hängt allerdings die Erzeugung des Genius am Schicksal der Völker. Denn Ansätze zu Genie’s sind sehr häufig, aber sehr selten das Zusammentreffen aller nöthigsten Begünstigungen.
Diese Reformation der Hellenen, wie ich sie träume, wäre ein wunderbarer Boden für die Erzeugung von Genien geworden: wie es noch nie einen gab. Das wäre zu beschreiben. Da ist uns unsägliches verloren gegangen.
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Die höhere sittliche Natur der Hellenen zeigt sich in ihrer Ganzheit und Vereinfachtheit; dadurch dass sie den Menschen vereinfacht zeigen, erfreuen sie uns, wie der Anblick der Thiere.
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Das Streben der Philosophen geht dahin, zu verstehen, was seine Mitmenschen nur leben. Während sie ihr Dasein sich deuten und seine Gefahren verstehen, deuten sie zugleich auch ihrem Volke ihr Dasein.
Ein neues Weltbild an Stelle des volksthümlichen will der Philosoph setzen.
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Thales’ Städtebund: er sah das Verhängniss der Polis und sah den Mythus als das Fundament der Polis. Brach er den Mythus, dann vielleicht auch die Polis. Thales als Staatsmann. Kampf gegen die Polis.
Heraclits Stellung zu den Persern: er war über die Gefahr des Hellenischen und Barbarischen klar.
Anaximander als Coloniengründer.
Parmenides als Gesetzgeber.
Empedocles der Democrat, der sociale Reformen im Schilde führt.
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Die Verführer der Philosophen sind die Worte, sie zappeln in den Netzen der Sprache.
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Die Macht des Einzelnen ist ausserordentlich in Griechenland: Städte gründen, Gesetze geben.
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Wissenschaft ergründet den Naturverlauf, kann aber niemals dem Menschen befehlen. Neigung Liebe Lust Unlust Erhebung Erschöpfung—das kennt alles die Wissenschaft nicht. Das was der Mensch lebt und erlebt, muss er sich irgendworaus deuten; dadurch abschätzen. Die Religionen haben ihre Kraft, dass sie Werthmesser sind, Maassstäbe. Im Mythus gesehen sieht ein Ereigniss anders aus. Die Deutung der Religionen hat das an sich, dass sie menschliches Leben nach menschenartigen Idealen misst.
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Aeschylus hat vergebens gelebt und gekämpft: er kam zu spät. Das ist das Tragische in der griechischen Geschichte: die grössten wie Demosthenes kommen zu spät, um das Volk herauszuheben.
Aeschylus verbürgt auch eine Höhe des griechischen Geistes, die mit ihm ausstirbt.
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Man bewundert jetzt das Evangelium der Schildkröte—ach, die Griechen liefen zu rasch. Ich suche nicht nach glücklichen Zeiten in der Geschichte, aber nach solchen, welche einen günstigen Boden für die Erzeugung des Genius bieten. Da finde ich die Zeiten vor den Perserkriegen. Man kann sie nicht genau genug kennen lernen.
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- Diese Philosophen isolirt für sich.
- Dann als Zeugen für das Hellenische. (Ihre Philosophien Hadesschatten des griechischen Wesens.)
- Dann als Kämpfer gegen die Gefahren des Hellenischen.
- Dann im Verlauf der hellenischen Geschichte als misslungene Reformatoren.
- Dann im Gegensatz zu Socrates und den Secten, und zu der vita contempl als Versuche eine Lebensform zu gewinnen, die noch nicht gewonnen ist.
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Manche Menschen leben ein dramatisches Leben, manche ein episches, manche ein unkünstlerisches und verworrenes. Die griechische Geschichte hat durch die Perserkriege einen daemon ex machina.
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Bei Anaxagoras: der ist ein ex machina.
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Versuch einer Volkscultur.
Verschwendung des kostbarsten Griechengeistes und Griechenblutes! Daran ist zu zeigen, wie die Menschen viel besonnener leben lernen müssen. Die Tyrannen des Geistes in Griechenland sind fast immer ermordet worden, und haben nur spärliche Nachkommenschaft gehabt. Andre Zeiten haben ihre Kraft gezeigt im zu Ende Denken und im alle Möglichkeiten Verfolgen Eines grossen Gedankens: die christlichen z. B. Aber bei den Griechen war diese Übermacht zu erlangen sehr schwer; alles war da in Feindschaft unter einander. Stadtcultur allein bis jetzt bewiesen—jetzt noch leben wir davon.
Stadt-cultur
Welt-cultur
Volks-cultur: wie schwach bei den Griechen, eigentlich doch nur die athenische Stadtcultur, verblasst.
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1. Es kommt wohl für jeden eine Stunde, wo er mit Verwunderung vor sich selbst fragt: Wie lebt man nur! Und man lebt doch!—eine Stunde, wo er zu begreifen anfängt, dass er eine Erfindsamkeit besitzt von der gleichen Art wie er sie an der Pflanze bewundert, die sich windet und klettert und endlich sich etwas Licht erzwingt und ein wenig Erdreich dazu und so ihr Theil Freude in einem unwirthlichen Boden sich selber schafft. In den Beschreibungen die einer von seinem Leben macht, giebt es immer solchen Punct, wo man Staunt, wie hier die Pflanze noch leben kann und wie sie doch mit einer unerschütterlichen Tapferkeit daran geht. Nun giebt es Lebensläufte, wo die Schwierigkeiten ins Ungeheure gewachsen sind, die der Denker; und hier muss man, wo etwas davon erzählt wird, aufmerksam hinhören, denn hier vernimmt man etwas von Möglichkeiten des Lebens, von denen nur zu hören Glück und Kraft bringt und auf das Leben der Späteren Licht herabgiesst, hier ist alles so erfinderisch, besonnen, verwegen, verzweifelt und voller Hoffnung, wie etwa die Reisen der grössten Weltumsegler und auch in der That etwas von der gleichen Art, Umsegelungen der entlegensten und gefährlichsten Bereiche des Lebens. Das Erstaunliche in solchen Lebensläuften liegt darin, dass zwei feindselige, nach verschiedenen Richtungen hin drängende Triebe hier gezwungen werden, gleichsam unter Einem Joche zu gehen; der welcher das Erkennen will, muss den Boden, auf dem der Mensch lebt, immer wieder verlassen und sich ins Ungewisse wagen, und der Trieb, der das Leben will, muss immer wieder sich zu einer ungefähr sicheren Stelle hintasten, auf der sich stehen lässt; wir werden an James Cook erinnert, der sich mit dem Senkblei in der Hand durch eine Kette von Klippen hindurch tasten musste, drei Monate lang: und dessen Gefahren oft so anwuchsen, dass er sogar in einer Lage, die er kurz vorher für eine der gefährlichsten gehalten hatte, gerne wieder Schutz suchte. Lichtenberg IV 152. Jener Kampf zwischen Leben und Erkennen wird um so grösser, jenes unter Einem Joch Gehen um so seltsamer sein, je mächtiger beide Triebe sind, also je voller und blühender das Leben, und wiederum je unersättlicher das Erkennen ist und je begehrlicher es zu allen Abenteuern hindrängt.
2. Ich werde darum nicht satt, mir eine Reihe von Denkern vor die Seele zu stellen, von denen jeder einzelne jene Unbegreiflichkeit an sich hat und jene Verwunderung erwecken muss, wie er gerade seine Möglichkeit des Lebens fand: die Denker, welche in der kräftigsten und fruchtbarsten Zeit Griechenlands, in dem Jahrhundert vor den Perserkriegen und während derselben lebten: denn diese Denker haben sogar schöne Möglichkeiten des Lebens entdeckt; und es scheint mir, dass die späteren Griechen das Beste davon vergessen haben: und welches Volk könnte bis jetzt sagen, es habe sie wiederentdeckt?— Man vergleiche die Denker anderer Zeiten und andrer Völker mit jener Reihe von Gestalten, die mit Thales beginnt und mit Democrit endet, ja man stelle Socrates und seine Schüler und alle die Sectenhäupter des späteren Griechenlands neben jene Altgriechen hin—nun wir wollen es in dieser Schrift thun und hoffentlich werden es andere noch besser thun: immerhin glaube ich, dass jede Betrachtung mit diesem Ausrufe enden wird: Wie schön sind sie! Ich sehe keine verzerrten und wüsten Gestalten darunter, keine pfäffischen Gesichter, keine entfleischten Wüsten-Einsiedler, keine fanatischen Schönfärber der gegenwärtigen Dinge, keine theologisirenden Falschmünzer, keine gedrückten und blassen Gelehrten: ich sehe auch jene nicht darunter, die es mit dem “Heil ihrer Seele” oder mit der Frage: was ist das Glück, so wichtig nehmen, dass sie Welt und Mitmenschen darüber vergessen.— Wer “diese Möglichkeiten des Lebens” wieder entdecken könnte! Dichter und Historiker sollten über dieser Aufgabe Wüten: denn solche Menschen sind zu selten, dass man sie laufen lassen könnte. Vielmehr sollte man sich gar nicht eher Ruhe geben, als bis man ihre Bilder nachgeschaffen und sie hundertfach an die Wand gemalt hat—und ist man so weit,—dann freilich wird man sich erst recht nicht Ruhe geben. Denn unserer so erfinderischen Zeit fehlt noch immer gerade jene Erfindung, welche die alten Philosophen gemacht haben müssen: woher käme sonst ihre wunderwürdige Schönheit! woher unsre Hässlichkeit!— Denn was ist Schönheit, wenn nicht das von uns erblickte Spiegelbild einer ausserordentlichen Freude der Natur, darüber dass eine neue fruchtbare Möglichkeit des Lebens entdeckt ist? Und was ist Hässlichkeit, wenn nicht ihr Missmuth über sich selbst, ihr Zweifel, ob sie die Kunst zum Leben zu verführen, wirklich noch verstelle?
3. Die griechische Philosophie scheint mit einem ungereimten Einfalle zu beginnen, mit dem Satze, daß das Wasser der Ursprung und der Mutterschooß aller Dinge sei; ist es wirklich nöthig, darf man sich fragen, hierbei stehen zu bleiben und sich ernst zu besinnen?— Ja, und aus drei Gründen: erstens weil der Satz etwas vom Ursprung der Dinge aussagt, zweitens weil er dies ohne Bild und mythische Fabelei thut und endlich drittens, weil in ihm, wenngleich nur im Zustande der Verpuppung, der Gedanke enthalten ist: Alles ist eins. Der erstgenannte Grund läßt Thales noch in der Gemeinschaft mit Religiösen und Abergläubischen, der zweite nimmt ihn aus dieser Gesellschaft heraus und zeigt ihn als ersten Naturforscher, auf den dritten Grund hin gilt Thales als der erste griechische Philosoph. In Thales siegt zum ersten Male der wissenschaftliche Mensch über den mythischen und wieder der weise Mensch über den wissenschaftlichen.
6 [49]
Wie war es nur möglich, daß sich Thales vom Mythus lossagte! Thales als Staatsmann! Hier muß etwas vorgefallen sein. War die Polis der Brennpunkt des hellenischen Willens und beruhte sie auf dem Mythus, so heißt den Mythus aufgeben soviel wie den alten Polisbegriff aufgeben. Nun wissen wir, daß Thales die Gründung einer Eidgenossenschaft von Städten vorschlug, aber nicht durchsetzte: er scheiterte an dem alten mythischen Polisbegriff. Zugleich ahnte er die ungeheure Gefahr Griechenlands, wenn diese isolirende Macht des Mythus die Städte getrennt hielt. In der That: hätte Thales seine Eidgenossenschaft zu Stande gebracht, so wäre Griechenland vom Perserkriege verschont geblieben, und damit auch vom Athener-Siege und Übergewicht. Um die Veränderung des Polisbegriffs und die Schaffung einer panhellenischen Gesinnung bemühen sich alle ältern Philosophen. Heraklit scheint sogar die Schranke zwischen Barbarisch und Hellenisch niedergerissen zu haben, um größere Freiheit zu schaffen und die engen Anschauungen vorwärts zu bringen.— Die Bedeutung des Wassers und des Meeres für den Griechen.
6 [50]
| Thales: was trieb ihn zur Wissenschaft und Weisheit?— Vor allem aber der Kampf gegen den Mythus. Gegen die Polis, die auf ihm fundirt ist. Einziges Mittel das Hellenische zu schützen; die Perserkriege abzuwenden. Bei allen Philosophen ein panhellenischer Zweck. |
| Anaximander. Kampf gegen den Mythus, insofern er verweichlicht und verflacht und so die Griechen in Gefahr bringt. |
| Heraclit. Kampf gegen den Mythus, insofern er die Griechen isolirt und sie den Barbaren entgegenstellt. Er denkt über eine Weltordnung nach, die überhellenisch ist. |
| Parmenides. Theoretische Geringschätzung der Welt, als einer Täuschung. Kampf gegen das Phantastische und Wogende der ganzen Weltbetrachtung: er will dem Menschen Ruhe geben gegen die politische Leidenschaft. Gesetzgeber. |
| Anaxagoras. Die Welt als unvernünftig, aber doch maassvoll und schön: so sollte der Mensch sein und so fand er ihn in den älteren Athenern, Aeschylus usw. Seine Philosophie Spiegelbild des älteren Athen: Gesetzgebung für Menschen, die keine brauchen. |
| Empedocles. Panhellenischer Reformator, pythagoreisches Leben, wissenschaftlich begründet. Neue Mythologie. Einsicht in die Unvernunft der beiden Triebe, Liebe und Hass. Liebe Democratie Gütergemeinschaft. Vergleich mit Tragödie. |
| Democrit: die Welt ist unvernünftig, auch nicht maassvoll und schön, sondern nur nothwendig. Unbedingte Beseitigung alles Mythischen. Die Welt ist begreiflich. Er will die Polis (an Stelle des epikurischen Gartens); das war eine Möglichkeit des hellenischen Lebens. |
| Socrates. Die tragische Geschwindigkeit der Griechen. Die älteren Philosophen haben nicht gewirkt. Die Lebensvirtuosen: die älteren Philosophen denken immer ikarisch. |
6 [51]
Die Griechen sind gewiß nie überschätzt worden: denn da müßte man sie doch auch so geschätzt haben, wie sie es verdienen; aber gerade das ist unmöglich. Wie sollten wir ihnen gerecht in der Schätzung sein können! Nur falsch geschätzt haben wir sie.
8, 6[1-51] Sommer 1875
6 [1]
Imitation of antiquity.
The means, philology, makes imitation impossible for the philologist. Knowledge without ability.
Hence: either purely historical —
or philology has perished (Schiller).
Even the historical knowledge of antiquity is mediated through reproduction, through imitation.
The Goethean Hellenism (the Greek transferred in art to the moral human being).
6 [2]
The Greek antiquity as a classical collection of examples for the explanation of our entire culture and its development. It is a means to understand ourselves, to judge our time and thereby to overcome it.
The pessimistic foundation of our culture.
6 [3]
Socrates, to confess, is so close to me that I almost always fight a battle with him.
6 [4]
Science and wisdom in conflict.
Science (NB. before it becomes habit and instinct) arises
| 1) | when the gods are not thought well of. Great advantage in recognizing something as fixed. | |
| 2) | egoism drives the individual to seek his benefit in certain occupations, e.g., navigation, through science. | |
| 3) | something for noble people who have leisure. Curiosity. | |
| 4) | in the wild back and forth of the people's opinions, the individual seeks a firmer foundation. |
How does this drive for science differ from the drive to learn and accept something in general? Only by the lesser degree of egoism or its broader span. First, a losing oneself in things. Second, a selfishness extended beyond the individual.
Wisdom reveals itself
| 1) | in illogical generalization and flying toward the ultimate goal. | |
| 2) | in relating these results to life. | |
| 3) | in the unconditional importance which one attributes to his soul. One thing is necessary. | |
| Socratism is | firstly | wisdom in taking the soul seriously. | |
| secondly | science as fear and hatred of illogical generalization. | ||
| thirdly | something peculiar through the demand for conscious and logically correct action. |
| This causes harm to science, to ethical life. |
6 [5]
Science and wisdom in conflict,
depicted through the older Greek philosophers.
6 [6]
| 1) | How does the world appear colored in these older Greeks? | |
| 2) | How do they relate to the non-philosophers? | |
| 3) | Much depends on their persons: to guess these is the purpose of my consideration of their teachings. | |
| 4) | Science and wisdom in conflict with them. | |
| 5) | Ironical novella: everything is false. How man clings to a beam. |
6 [7]
There is also a way to tell this story, ironically and full of sorrow. I want to avoid the earnestly uniform tone in any case.
Socrates overturns the whole thing, at a moment when it had come closest to the truth; that is particularly ironic.
To paint everything against the background of the myth. Its boundless uncertainty and waves. One longs for something secure.
Only where the beam of the myth falls does the life of the Greek shine; otherwise it is gloomy. Now these philosophers deprive themselves of the myth; so how do they endure this gloom? —
The individual who wants to stand on their own. Then they need ultimate insights, philosophy. The other people need slowly growing science.
Or rather: a belief is necessary to possess such ultimate knowledge. There will never again be such a degree of faith in one's own cognition as that which those ancient Greeks possessed: but the difficulty and danger of cognition had not yet stood before their souls; they had a tangible faith in themselves, with which they overthrew all their neighbors and predecessors. The happiness in the possession of truth was never greater in the world, but neither was the harshness, the arrogance, the Tyrannical.In his secret desires, every Greek was a tyrant; and indeed everyone was who could be, perhaps with the exception of Solon, judging by his own poems.
Even independence is only apparent: in the end, everyone ties back to their predecessor. Phantasma to Phantasma. It is comical to take everything so seriously.
The entire older philosophy as a curious labyrinth-path of reason. It is a dream- and fairy-tale tone to strike.
6 [8]
Aristotle in his aesthetic judgment.
against Empedocles.
regarding tragedy.
Demosthenes.
Thucydides.
visual arts.
music.
6 [9]
The development of Greek music and philosophy progresses side by side. A comparison of both, insofar as both make statements about the Hellenic essence. Music, however, is known to us only from its reflection in lyric poetry.
| Empedocles—Tragedy | Sacred Monody | ||||||
| Heraclit—Archilochus | Xenophanes sympotisch. | ||||||
| Democrit—Anacreon | |||||||
| Pythagoras—Pindar | |||||||
| Anaxagoras—Simonides. |
All comparisons of people are skewed and foolish.
6 [10]
The philosophies are Hades' shadows compared to Greek life: they reflect it, but as if on a cloud of smoke.
One must pursue such people until they are recreated by a poet: the complementary imagination of many must work here.
They are too rare to be allowed to slip away. How little can be achieved with criticism, turning over, and shaking out every note!
6 [11]
| Introduction. | 1. Cap. | Comparison of the older Greek philosophers with the sect philosophers after Socrates. | |
| 2. Cap. | The temporal circumstances of the older philosophers. |
Narration:
So much depends on the development of Greek culture, since our entire Western world has received its impulses from it: fate willed that the younger and degenerate Hellenism showed the most historical power. Because of this, the older Hellenism has always been misjudged. One must know the younger precisely in order to distinguish it from the older.
There are still very many possibilities that have not yet been discovered: because the Greeks did not discover them. Others have discovered the Greeks and later again concealed them.
6 [12]
These philosophers prove, what dangers Greek culture contained within itself:
| myth as the breeding ground of thought | — | against this, cold abstraction and strict science. Democritus. |
| the effeminate comfort of life | — | against this, contentment, strict ascetic views in Pythagoras, Empedocles, Anaximander. |
| Cruelty in battle and conflict | — | against this, Empedocles with his reform of sacrifice. |
| Lies and deceit | — | against this, enthusiasm for the truth at any consequence. |
| Pliancy, excessive sociability | — | against this, Heraclitus' pride and solitude. |
6 [13]
These philosophers demonstrate the vitality of that culture which produces its own correctives.
How does this era die out? Unnaturally. Where, then, lie the seeds of decay?
The flight of the better ones from the world was a great misfortune. From Socrates onward: the individual suddenly took himself too seriously.
The plague came upon Athens.
Then the Persian Wars led to ruin. The danger was too great and the victory too extraordinary.
The death of great musical lyricism and philosophy.
Socrates is the vengeance for Thersites: the magnificent Achilles struck the ugly commoner Thersites dead, in rage at his words upon Penthesilea’s death; the ugly commoner Socrates struck the authority of the magnificent myth in Greece dead.
6 [14]
The older Greek philosophy is the philosophy of nothing but statesmen. How wretched our statesmen are! This, by the way, is what most distinguishes the Presocratics and the Postsocratics.
With them, there is not “the ghastly pretense of happiness” as with Socrates onward. After all, not everything revolves around the state of their soul: for one does not reflect on that without danger. Later, this of Apollo was misunderstood.
Nor did they prattle and rant so, nor did they write.
The weakened Hellenism, Romanized, coarsened, become decorative, then as decorative culture accepted by the weakened Christianity as an ally, spread by force among uncivilized peoples—that is the history of Western culture. The feat is accomplished, and the Greek and the priestly are brought together.
I want to add up Schopenhauer, Wagner, and the older Hellenism: there is a glimpse of a magnificent culture.
6 [15]
Comparison of the older philosophy with the post-Socratic.
| 1) | the older is related to art, its solution to the world's riddle has been inspired by art several times. Spirit of music and the visual arts. | |
| 2) | it is not the negation of the other life, but has grown from it as a rare flower; it expresses its secrets.(Theory—Practice) | |
| 3) | it is not so individuell-eudaimonological, without the obnoxious pretense of happiness. | |
| 4) | these older philosophers themselves have in their lives higher wisdom and not the cold-clever virtue. Their life picture is richer and more complicated, the Socratics simplify and banalize. |
6 [16]
The three-part history of the Dithyrambus:
1 the Arionic—from which the older tragedy
2 the agonal state Dithyramb—parallel the tame tragedy
3 the mimetic, genial-wild.
6 [17]
Among the Greeks, an older form is often the higher one, e.g., in the dithyramb and tragedy. The danger for the Greeks lay in virtuosity of all kinds; with Socrates begin the life virtuosos, Socrates, the newer dithyramb, the newer tragedy, the invention of the rhetorician!
The rhetorician is a Greek invention! of later times. They invented the “form in itself” (and also the philosopher to go with it).
How is Plato’s struggle against rhetoric to be understood? He envies its influence.
The older Greek culture revealed its strengths in the succession of philosophers.
With Socrates breaks this revelation off: he attempts to generate himself and reject all tradition.My general task: to show how life, philosophy, and art can have a deeper and more familial relationship with one another, without philosophy becoming shallow and the philosopher's life becoming deceitful.
It is magnificent that the ancient philosophers could live so freely, without becoming fools and virtuosos in the process. The freedom of the individual was immeasurably great.
The false opposition between vita practica and contemplativa is Asian. The Greeks understood it better.
6 [18]
One can portray these older philosophers as those who feel the Greek air and customs as a ban and barrier: thus self-liberators (Heraclitus' struggle against Homer and Hesiod, Pythagoras against secularization, all against myth, especially Democritus). They have a gap in their nature compared to the Greek artist and perhaps also the statesman.
I see them as the forerunners of a Reformation of the Greeks: but not of Socrates. Rather, their Reformation did not come to pass; with Pythagoras, it remained sectarian. A group of phenomena all bear this Reformation spirit—the development of tragedy. The failed reformer is Empedocles; when he failed, only Socrates remained.
Thus, Aristotle's hostility toward Empedocles is very understandable.Empedocles—free state—transformation of life—popular reform—attempt with the help of the great Hellenic festivals. —
Tragedy was also a means. Pindar?
They did not find their philosopher and reformer; compare Plato: he was diverted by Socrates. Attempt at a characterization of Plato without Socrates. Tragedy—profound conception of love—pure nature—no fanatical rejection: clearly, the Greeks were on the verge of finding an even higher type of human being than the earlier ones; then the scissors cut in between. It remains the tragic age of the Greeks.
6 [19]
1. Image of the Hellenes regarding their dangers and corruptions.
2. Counter-image of the tragic currents in contrast. New interpretation of the myth.
3. The beginnings of reformers. Attempts to gain the worldview.
4. The decision—Socrates. The diverted Plato.
6 [20]
The passion in Mimnermus, the hatred against old age.
The deep melancholy in Pindar: only when a ray comes from above does human life shine.
Understanding the world from suffering is the tragic in tragedy.
6 [21]
Thales—the unmythical.
Anaximander—perishing and emerging in nature morally as guilt and punishment.
Heraclit—lawfulness and justice in the world.
Parmenides—the other world behind this one; this one as a problem.
Anaxagoras—world architect.
Empedocles—blind love and blind hate; the deeply irrational in the most rational of the world.
Democrit—the world is entirely without reason and drive, shaken together. All gods and myths useless.
Socrates: nothing remains for me but myself; anxiety about oneself becomes the soul of philosophy.
Plato’s attempt to think everything through to the end and to be the redeemer.
6 [22]
It is the persons to depict: as I have depicted Heraclit. To weave the historical into it.
6 [23]
All over the world, there is gradualness, but with the Greeks, things move forward quickly, and also terribly quickly downward. Once the Hellenic genius had exhausted its highest types, the Greek declined at the fastest pace. There only needed to be a single interruption, and the great form of life no longer fulfilled: immediately it was over;
just as with tragedy. A single powerful cross-grained individual like Socrates—there the rupture was irreparable. In him, the self-destruction of the Greeks takes place. I believe it is because he was the son of a sculptor.
If these plastic arts were ever to speak, they would seem superficial to us; in Socrates, the son of the sculptor, their superficiality came to light.
6 [24]
People became wittier during the Middle Ages; calculating by two measures, the subtlety of conscience, and the interpretation of Scripture were the means. This kind of sharpening of the mind through the pressure of a hierarchy and theology was lacking in antiquity. Rather, the Greeks, under the great freedom of thought, were polytheistic and shallow; they began and stopped believing something as they pleased. For this reason, they lacked the pleasure of twisted ingenuity, and thus the most popular kind of wit from modern times. The Greeks were not very witty; that is why such a fuss was made about the irony of Socrates. I often find Plato somewhat clumsy in this regard.
6 [25]
The Greeks were on the best path with Empedocles and Democritus to correctly assess human existence, its unreason, its suffering; they never succeeded, thanks to Socrates. The unbiased view of humanity is lacking in all Socratics, who have the gruesome abstractions “the Good, the Just” in their heads. Read Schopenhauer and ask yourself why the ancients lacked such a deep and free perspective—must have lacked it? I do not see that. On the contrary. They lose their unbiasedness through Socrates. Their myths and tragedies are much wiser than the ethics of Plato and Aristotle; and their “Stoic and Epicurean” people are poor compared to their older poets and statesmen.
6 [26]
Socrates’ influence:
1) he destroyed the innocence of ethical judgment,
2) annihilated science,
3) had no sense for art,
4) tore the individual out of the historical context,
5) promoted dialectical chatter and garrulousness.
6 [27]
I no longer believe in the “natural development” of the Greeks: they were far too gifted to be in that step-by-step manner, gradual, as stone and stupidity are. The Persian Wars are the national misfortune: the success was too great, all the worst drives broke out, the tyrannical desire to dominate all of Hellas transformed individual men and individual cities. With the rule of Athens (in the intellectual realm), a multitude of forces were crushed; just consider how unproductive Athens was for philosophy for a long time. Pindar would not have been possible as an Athenian. Simonides shows it. And Empedocles would not have been either, nor Heraclitus.
All great musicians come almost from outside. Athenian tragedy is not the highest form one could imagine. Its heroes lack the Pindaric quality far too much. In general: how dreadful it was that the struggle had to break out precisely between Sparta and Athens—this cannot be contemplated deeply enough. The intellectual dominance of Athens was the prevention of that reformation. One must imagine what it was like when this dominance did not yet exist: it was not necessary, it only became so as a result of the Persian Wars, i.e., only after it demonstrated physical political power. Miletus, for example, was much more gifted, as was Agrigent.6 [28]
The tyrant, who can do whatever he pleases, i.e., the Greek, who is restrained by no force, is an utterly measureless being: “he overturns the customs of the fatherland, does violence to women, and kills people at will.” Equally unrestrained is the tyrannical free spirit, which the Greeks also fear. Hatred of kings—a sign of democratic sentiment. I believe: the Reformation would have been possible if a tyrant had been an Empedocles.
Plato, with his demand for a philosopher on the throne, expressed a once possible thought: he had the idea after the time to realize it had passed. Periander? —
6 [29]
Without the tyrant Pisistratus, the Athenians would have had no tragedy: for Solon was against it, but the desire for it had been awakened. What did Pisistratus want with these great mourning excitements?
Solon's aversion to tragedy: consider the restrictions on mourning festivities in cases of death, the prohibition of Threnoi. The Milesian women are mentioned.
According to the anecdote, it is the pretense that displeases Solon; the unartistic nature of the Athenian is revealed.
Cleisthenes, Periander, and Pisistratus as promoters of tragedy as a popular pleasure, of lust. Solon wants moderation.
6 [30]
The centralizing tendencies that arose from the Persian Wars: Sparta and Athens took hold of them. Before that, from 776–560, there was none of that: the culture of the polis flourished; I mean, without the Persian Wars, the idea of centralization would have been achieved through a reformation of the spirit—Pythagoras?
At that time, the focus was on the unity of festivals and cult: this is where the reform would have begun. The idea of a pan-Hellenic tragedy—here, an infinitely richer power would have been developed. Why did it not happen? After Corinth, Sikyon, and Athens had developed this art.
6 [31]
The greatest loss that can befall humanity is the failure to achieve the highest types of life. Such a thing happened back then. A sharp parallel between this ideal and the Christian one. To use Schopenhauer's remark: "excellent and noble people soon become aware of that education of fate and submit to it pliably and gratefully; they see that in the world there is instruction to be found, but not happiness, and finally say with Petrarch, 'altro diletto, che 'mparar, non provo'. It can even come to the point where they pursue their wishes and endeavors only in a manner of speaking and playfully, but in reality and in the earnestness of their inner being, they expect nothing but instruction; which then gives them a contemplative, ingenious, sublime air."—Parerga I 439. Compare this with the Socratics and the pursuit of happiness!
6 [32]
The terrible conversation of the Athenians with the Melians in Thucydides! With such attitudes, the Hellenic world had to perish, through fear on all sides. For example, as the Athenian says: “as for the goodwill of the gods, we shall not be at a disadvantage; for we demand and do nothing that lies outside human nature, neither in relation to belief in the gods nor in what men desire for themselves.”
6 [33]
Luther: “I have no better work than anger and zeal: for when I want to compose, write, pray, and preach well, I must be angry; then my whole blood is refreshed, my mind is sharpened, and all unpleasant thoughts and temptations recede.”
6 [34]
It is a beautiful truth that for those to whom improvement or recognition have become life goals, all things serve for the best. But only limitedly true: one who wants to recognize is forced to the most exhausting work, one who wants to improve is enervated and shattered by illnesses! In general, it may hold true: the apparent intentionality of fate is the deed of the individual who arranges his life and learns from everything, sucking knowledge like the bee sucks honey. Fate, however, which strikes a people, strikes a whole which cannot so reflect on its existence and provide it with goals; and thus the intentionality in peoples is a deception of brooding minds, nothing is easier than to show the non-intentionality, e.g.
B. that a time in full bloom is suddenly affected by a snowfall, that everything dies. It is just as foolish in it as in nature. To a certain degree, every people, even under the most unfavorable circumstances, probably achieves something that reminds one of its talent. But for it to perform its Best, some accidents must not occur. The Greeks did not achieve their best.Even the Athenians would have become something higher without the political furor since the Persian Wars: consider Aeschylus, who came from the pre-Persian era and was dissatisfied with the Athenians of his time.
6 [35]
Due to the unfavorable situation of the Greek cities after the Persian Wars, many favorable conditions for the emergence and development of great individuals have been eliminated: and thus the production of genius indeed depends on the fate of peoples. For the beginnings of genius are very common, but the convergence of all necessary favorable circumstances is very rare.
This reformation of the Hellenes, as I dream of it, would have become a wondrous soil for the production of geniuses: as there has never been before. That would be worth describing. Here, something ineffable has been lost to us.
6 [36]
The higher moral nature of the Hellenes reveals itself in its wholeness and simplicity; by showing man simplified, they delight us, like the sight of animals.
6 [37]
The philosophers' striving aims to understand what their fellow human beings merely live. While they interpret their existence and comprehend its dangers, they simultaneously also interpret their existence to their people.
A new worldview in place of the popular one is what the philosopher seeks to establish.
6 [38]
Thales’ League of Cities: he saw the fate of the polis and saw myth as the foundation of the polis. If he broke the myth, then perhaps also the polis. Thales as a statesman. Struggle against the polis.
Heraclitus’ stance on the Persians: he was clear about the danger of the Hellenic and the barbaric.
Anaximander as a colony founder.
Parmenides as a lawgiver.
Empedocles the democrat, who plans social reforms.
6 [39]
The seducers of philosophers are words, they wriggle in the nets of language.
6 [40]
The power of the individual is extraordinary in Greece: founding cities, enacting laws.
6 [41]
Science explores the course of nature, but can never command the human being. Inclination, love, pleasure, displeasure, exaltation, exhaustion—science knows none of these. What a person lives and experiences, they must somehow interpret; thereby assess. Religions have their power in that they are value measures, standards. Seen in myth, an event appears different. The interpretation of religions has the quality that it measures human life by human ideals.
6 [42]
Aeschylus lived and fought in vain: he came too late. This is the tragedy of Greek history: the greatest like Demosthenes come too late to uplift the people.
Aeschylus also attests to a height of the Greek spirit that dies with him.
6 [43]
One now admires the gospel of the tortoise—ah, the Greeks ran too swiftly. I do not seek happy times in history, but those which offer a favorable ground for the production of genius. There I find the times before the Persian Wars. One cannot know them well enough.
6 [44]
- These philosophers isolated for themselves.
- Then as witnesses to the Hellenic. (Their philosophies are shadows of the Greek essence.)
- Then as fighters against the dangers of the Hellenic.
- Then in the course of Hellenic history as failed reformers.
- Then in contrast to Socrates and the sects, and to the vita contemplativa as attempts to gain a way of life that is not yet achieved.
6 [45]
Some people live a dramatic life, some an epic one, some an unartistic and confused one. Greek history has a deus ex machina through the Persian Wars.
6 [46]
In Anaxagoras: he is a deus ex machina.
6 [47]
Attempt at a folk culture.
Waste of the most precious Greek spirit and Greek blood! This is to show how people must learn to live much more thoughtfully. The tyrants of the spirit in Greece were almost always murdered and had only sparse descendants. Other times have shown their strength in thinking things through to the end and in pursuing all possibilities of a great thought: the Christians, for example. But among the Greeks, it was very difficult to achieve this dominance; everything was there in hostility to each other. City culture alone has been proven—we still live off it today.
City culture
World culture
Folk culture: how weak among the Greeks, actually only the Athenian city culture, faded.
6 [48]
1. There comes, no doubt, for everyone an hour when he asks himself in amazement: How does one live! And yet one lives!—an hour when he begins to comprehend that he possesses an inventiveness of the same kind as he admires in the plant, which twists and climbs and finally forces itself some light and a little earth, and thus creates its share of joy in an inhospitable soil. In the descriptions that one makes of his life, there is always such a point where one marvels at how the plant can still live here and how it yet proceeds with an unshakable courage.
Now there are life courses where the difficulties have grown to enormous proportions, the thinker; and here, where something of this is told, one must listen attentively, for here one hears something of the possibilities of life, of which only to hear brings happiness and strength and casts light upon the lives of later generations, here everything is so inventive, composed, daring, desperate, and full of hope, like the voyages of the greatest circumnavigators and indeed something of the same kind, circumnavigations of the most remote and dangerous regions of life.The astonishing thing in such life stories lies in the fact that two hostile, opposing drives are forced here, as it were, to go under one yoke; the one that seeks knowledge must repeatedly leave the ground on which man lives and venture into the unknown, and the drive that seeks life must always feel its way back to a somewhat safe place where one can stand; we are reminded of James Cook, who had to feel his way through a chain of cliffs with a lead line in his hand for three months: and whose dangers often grew so great that he even sought refuge again in a situation he had shortly before considered one of the most dangerous. Lichtenberg IV 152.The struggle between life and knowledge will be all the greater, that going under one yoke all the stranger, the more powerful both drives are, thus the fuller and more flourishing life is, and again the more insatiable knowledge is and the more desirous it presses toward all adventures.2. I therefore cannot get enough of placing before my soul a series of thinkers, each of whom has that incomprehensibility about him and must arouse that wonder as to how he precisely found his possibility of life: the thinkers who lived in the strongest and most fruitful period of Greece, in the century before the Persian Wars and during them: for these thinkers have even discovered beautiful possibilities of life; and it seems to me that the later Greeks forgot the best of it: and which people could say up to now that they have rediscovered it?—Compare the thinkers of other times and other peoples with that series of figures which begins with Thales and ends with Democritus, yes, place Socrates and his students and all the sect leaders of later Greece beside those ancient Greeks—now we will do this in this writing and hopefully others will do it even better: still, I believe that every consideration will end with this exclamation: How beautiful they are!I do not see any distorted and desolate figures among them, no priestly faces, no emaciated desert hermits, no fanatical whitewashers of present things, no theologizing counterfeiters, no oppressed and pale scholars: I also do not see those among them who take the "salvation of their soul" or the question: what is happiness, so seriously that they forget the world and their fellow men.— Who could rediscover "these possibilities of life"! Poets and historians should rage over this task: for such people are too rare to let them slip away. Rather, one should not rest until their images have been recreated and painted a hundredfold on the wall—and when one has reached that point,—then indeed one will not rest at all.For our so inventive age still lacks precisely that invention which the ancient philosophers must have made: whence would their wondrous beauty otherwise come? Whence our ugliness!— For what is beauty, if not the mirror image we behold of nature’s extraordinary joy that a new fertile possibility of life has been discovered? And what is ugliness, if not her displeasure with herself, her doubt whether she still truly possesses the art to seduce life?
3.The Greek philosophy seems to begin with an incongruous notion, with the proposition that water is the origin and the maternal womb of all things; is it really necessary, one might ask, to pause here and take it seriously?— Yes, and for three reasons: first, because the proposition says something about the origin of things, second, because it does so without image or mythical fable, and finally third, because in it, albeit only in the state of chrysalis, the thought is contained: All is one.The first-mentioned reason still places Thales in the company of the religious and superstitious, the second removes him from this society and shows him as the first natural scientist, and on the third ground, Thales is considered the first Greek philosopher. In Thales, the scientific man triumphs over the mythical for the first time, and again the wise man over the scientific.
6 [49]
How was it only possible that Thales renounced the myth! Thales as a statesman! Something must have happened here. If the polis was the focal point of the Hellenic will and was based on the myth, then abandoning the myth means as much as abandoning the old concept of the polis. Now we know that Thales proposed the founding of a confederation of cities, but did not enforce it: he failed because of the old mythical concept of the polis. At the same time, he sensed the enormous danger to Greece if this isolating power of the myth kept the cities divided.Indeed: had Thales succeeded in establishing his confederation, Greece would have been spared the Persian War, and thus also the Athenian victory and dominance. All the older philosophers strive to transform the concept of the polis and to foster a panhellenic mindset. Heraclitus even seems to have torn down the barrier between barbaric and Hellenic to create greater freedom and advance narrow perspectives.— The significance of water and the sea for the Greeks.
6 [50]
| Thales: what drove him to science and wisdom?— Above all, the struggle against myth. Against the polis, which is founded upon it. The only means to protect the Hellenic; to avert the Persian Wars. Among all philosophers, a pan-Hellenic purpose. |
| Anaximander. Struggle against myth, insofar as it enfeebles and trivializes, thus endangering the Greeks. |
| Heraclit. Struggle against myth, insofar as it isolates the Greeks and sets them against the barbarians. He contemplates a world order that is supra-Hellenic. |
| Parmenides. Theoretical contempt for the world, as an illusion.Struggle against the fantastic and surging of the entire worldview: he wants to give man peace against political passion. Legislator. |
| Anaxagoras. The world as unreasonable, yet measured and beautiful: so man should be, and so he found him in the older Athenians, Aeschylus, etc. His philosophy a mirror image of older Athens: legislation for people who do not need it. |
| Empedocles. Pan-Hellenic reformer, Pythagorean life, scientifically founded. New mythology. Insight into the unreason of the two drives, love and hate.Dear Democracy Community of Goods. Comparison with tragedy. |
| Democritus: the world is unreasonable, not moderate and beautiful, but only necessary. Unconditional elimination of all mythical elements. The world is comprehensible. He wants the Polis (instead of the Epicurean garden); that was a possibility of Hellenic life. |
| Socrates. The tragic speed of the Greeks. The older philosophers had no effect. The life virtuosos: the older philosophers always think Icarus-like. |
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The Greeks have certainly never been overestimated: for then one would have had to appreciate them as they deserve; but that is precisely impossible. How could we ever do them justice in our estimation! We have only ever misjudged them.