9, 1[1-130] Anfang 1880

1 [1]

Vom Aberglauben.
Vom Loben und Tadeln.
Von der zulässigen Lüge.

1 [2]

Schätzung des Mitleids (von Seiten derer ausgehend, die bemitleidet werden?)

Monogamie

1 [3]

Befinden die Menschen sich schlecht in Folge ihrer Unmoralität oder ihrer Moralität?— Oder in Folge von Beiden und vielen anderen Dingen?

1 [4]

Wie soll man handeln? So daß der Einzelne möglichst erhalten bleibt? Oder so daß die Rasse möglichst erhalten bleibt? Oder so daß eine andere Rasse möglichst erhalten bleibt? (Moralität der Thiere) Oder so daß das Leben überhaupt erhalten bleibt? Oder so daß die höchsten Gattungen des Lebens erhalten bleiben? Die Interessen dieser verschiedenen Sphären gehen auseinander. Aber was sind höchste Gattungen? Giebt die—Höhe des Intellekts oder die Güte oder die Kraft den Ausschlag? In Bezug auf diese allgemeinsten Maaßstäbe für das Handeln gab es kein Nachdenken, geschweige denn Übereinstimmung.

1 [5]

Was Freundlichkeit und Wohlwollen betrifft, steht Europa nicht auf der Höhe: es zeugt gegen das Christenthum.

1 [6]

Das universale Glück zu erstreben ist eine Unverschämtheit, und Albernheit.

1 [7]

Der schlechte der kranke der nicht erzogene Mensch ist ein Resultat, dem man die Fortdauer und die Wirksamkeit beschneiden muß.

1 [8]

Die schädlichste Tendenz ist die, immer an Andere zu denken (für sie thätig sein ist fast eben so schlimm als gegen sie, es ist eine Vergewaltigung ihrer Sphäre. Welche Brutalität ist die gewöhnliche Erziehung, der Eingriff der Eltern in die Sphäre der Kinder!

1 [9]

Die Moralität (ebenso wie die Dichtkunst) ist am stärksten bei Naturvölkern (ihre Gebundenheit durch die Sitten) Bei den höchst cultivirten Nationen sind die Sitten meist das Rückständigste, oft Lächerliche, hier ist der ausgezeichnete Mensch immer unmoralisch.

1 [10]

Gesetzt, es wird mehr geschätzt, für Andere sich zu opfern, so thut man es: aber weil es geschätzt wird. Instruktiv!

1 [11]

Teufelsanbetung Spencer p. 31

1 [12]

Erziehung Fortsetzung der Zeugung. Das ganze Leben ist Anpassung des Neuen an das Alte.

1 [13]

Napoleons präsentables Motiv: “ich will Allen überlegen sein.” Wahres Motiv: “ich will Allen überlegen erscheinen.”

1 [14]

Das größte Problem der kommenden Zeit ist die Abschaffung der moralischen Begriffe und die Reinigung unserer Vorstellungen von den eingeschlichenen und oft uns schwer erkennbaren moralischen Formen und Farben.

1 [15]

Der “Mörder,” den wir verurtheilen, ist ein Phantom: “der Mensch der eines Mordes fähig ist.” Aber das sind wir Alle.

1 [16]

An dem Gleich-sein-wollen verkümmert die Fähigkeit der Freude.

1 [17]

Die Barbarei im Christenthum.
2) Überreste der Teufelsanbetung usw.

1 [18]

Wenn man ein so außerordentliches Wohlgefallen an seinen Werken hat und ihretwegen sich selber überhebt, so setzt man sich in der Rangordnung der Geister herab: denn es liegt nun nicht mehr viel daran, was man über andere Werke und Menschen urtheilt. Man hat die große Feuer-Probe der Gerechtigkeit nicht bestanden und darf nicht mehr auf dem Richterstuhl sitzen wollen.

1 [19]

Wenn es nicht verboten ist: “du sollst nicht morden!”—in ganzen Perioden hat das innere Gefühl nichts gegen den Mord einzuwenden.

1 [20]

Wer die Pein erfahren hat, Wahrheit zu sagen trotz seiner Freundschaften und Verehrungen, scheut sich gewiß vor neuen.

1 [21]

Es giebt ganz gescheute Menschen, welche meinen, wenn sie gegen eine Sache hartnäckig die Augen verschließen, dieselbe sei nicht mehr auf der Welt.

1 [22]

Giebt es etwas Wichtigeres und Wirksameres, als jeden Menschen seiner Bekanntschaft als einen schwierigen Prozeß anzusehen, vermöge dessen sich eine spezifische Art Wohlsein durchsetzen möchte: erst wenn dies Wohlsein erreicht ist, ist, das, Gleichgewicht zwischen ihm und uns Allen hergestellt; von da an theilt er von seiner Freude mit und drängt sich doch nicht in die Sphäre der Anderen, er steht als kräftiger Baum unter anderen Bäumen, in der Freiheit des Waldes.

1 [23]

NB. Dunkle und abergläubische Menschen glauben 1) 2) 3) im Gegensatz zu den aufgeklärten

1 [24]

Das Mitleid ohne Intelligenz ist eine der unangenehmsten und störendsten Erscheinungen: von sich aus ist leider das Mitleid durchaus nicht hellsichtig, wie Schopenhauer will.

1 [25]

Keine lauere und flauere Empfindung wäre möglich als wenn alle Menschen sich einander eins oder auch nur gleich wähnten. Die schwungvollste Empfindung, die der amour-passion, besteht gerade im Gefühl der größten Verschiedenheit.

1 [26]

Dadurch daß das Christenthum entwurzelt ist, wächst unsere Jugend ohne Erziehung.

1 [27]

Die Gesellschaft muß immer mehr Wahrheit ertragen lernen.

1 [28]

Menschen die vor Gift und Eifersucht gegen Menschen beißen möchten, predigen Wohlwollen gegen die Thiere

1 [29]

Eine neue Cultur—die soll man nicht verschauspielern!

1 [30]

Gerade jetzt wo die bejammernswerthe Comödie die Kunst mit dem Christenthum zu versöhnen wieder aufgeführt, an Schopenhauer zu erinnern! ihm sehr zu Ehren, daß er nie—

1 [31]

Das Bedürfniß, sich über alle Sachen auszusprechen, die uns quälen—ließ Gott dem Christen immer gegenwärtig erscheinen; für die gröberen phantasieärmeren Naturen schuf die Kirche seinen Vertreter, den Beichtvater. Warum will man sich aussprechen? Weil eine Lust dabei ist, eine Vergewaltigung des Anderen, dem wir unser Leid zu hören, mitzuempfinden, mitzutragen geben Gott als Sündenbock muß auch Beichtvater sein.

1 [32]

Ich kenne einen, der sich durch den kleinen Windhauch seiner “Freiheit” so verwöhnt hat, daß die Vorstellung zu einer Partei zu gehören, ihm Angstschweiß macht—selbst wenn es seine eigne Partei wäre!

1 [33]

Unsere Aufgabe ist die Cultur zu reinigen, den neuen Trieben Luft und Licht zu schaffen und im Glauben, daß nach Überwindung der Gegensätze sehr viel Kraft mehr da ist.

1 [34]

Ob ein Mensch zum Nutzen der Gesellschaft zu tödten sei? Der Mörder stört die Sicherheit, der Freigeist gefährdet die Seele für alle Ewigkeit. Die Murrköpfe stören das Behagen

1 [35]

Die unmoralischen Handlungen machen die moralische Lebensweise bestimmter roher Culturen aus.— Sie sind auch noch in unseren Organen vorhanden. Wir morden, stehlen, lügen, verstellen uns usw. selbst im Höchsten.

1 [36]

Unsere späteren Werthschätzungen bilden sich nach Analogie der angelernten, wie ein angefangenes Haus ausgebaut wird—d. h.

1 [37]

So lange euch diese Sätze noch irgendwie paradox klingen, habt ihr sie nicht verstanden: sie müssen euch überflüssig und allzuklar erscheinen.

Man kann nicht leicht genug darüber nachdenken.

1 [38]

Freie Geister versuchen andere Arten des Lebens, unschätzbar! die moralischen Menschen würden die Welt verdorren lassen. Die Versuchs-Stationen der Menschheit

1 [39]

Es wird erstaunlich viel Schmerz auf den Versuchsstatonen neuer Lebensweisen und Nützlichkeiten umsonst erlitten—es hilft nichts: möge es nur Andern helfen! daß sie erkennen, was hier für ein verfehltes Experiment gemacht wurde.

1 [40]

Nach Gewohnheit zu handeln ist sich selber nachahmen das Nächste und Leichteste—ohne daß die Motive der ehemaligen Handlungen wieder wirken.

1 [41]

Der erfinderische G muß Zeit haben und darf sich nicht zu sehr an Regelmäßigkeit gewöhnen.

1 [42]

Unabhängig von gewissen körperlichen und geistigen Zuständen sollten wir Gott aus dem Teufel kennen, denn auch die göttlichen Zustände (“Gott wirkt in uns” der Teufel wüthet in ihm usw.)

1 [43]

Moralität als Hinderniß der Erfindungen. Der Erfindsame, der zu faul ist, erfindet die Maschine und das Thier; der Ehrsüchtige die Staaten, der Versteller das Schauspiel usw.— Der vernünftige Mensch lebt von den Errungenschaften der Erfindsamen.

Sittlich ist die vernünftige Handlung thun, deren Zwecke und Mittel gebilligt werden.

Nur sittlich: da verarmt die Menschheit und wird nichts erfunden.

1 [44]

Wo Erregungen noth thun, da ist das zwecklose Überströmen der Kraft nicht mehr da; dies will man also herstellen—aber überströmen?

1 [45]

Man ist thätig, weil alles was lebt sich bewegen muß—nicht um der Freude willen, also ohne Zweck: obschon Freude dabei ist. Diese Bewegung ist nicht Nachahmung der zweckmäßigen Bewegungen, es ist anders.

1 [46]

Gesetzt, es würde durch die Wissenschaft sehr vielen zufriedenen Vorstellungen und mancher angenehmen Faulheit ein Ende gemacht, so wirkt sie ungesund. Aber dagegen ist zu rechnen, daß sie sehr viele Unzufriedenheit beseitigt und namentlich die schrecklichen Vorstellungen aller bösen Philosophien und Religionen, daß wir durch und durch böse sind und harten Bußen entgegengehen.

1 [47]

Die Handlungen der Gewohnheit hat man nur in Hinsicht auf ihren gemeinen Nutzen sittlich, also mit dem höchsten menschlichen Prädikat, nennen können—in sich sind sie sehr arm und fast “unter-thierisch.”

1 [48]

Eine Sache beschreiben

1 [49]

Die unmoralischen Menschen sind die, welche freie Bewegung haben ohne Zwecke, oder die alten Bahnen gehen mit anderen Zwecken.

1 [50]

Bisher hat von den 2 Hauptmotiven die Furcht vor dem Schmerz ganz übermächtig mehr gewirkt als das Trachten nach Freude. Man kannte gar zu wenig Freuden und gar zu viele Gefahren.— Hier zeigt sich im Ganzen die Zurückgebliebenheit des Menschen, je nachdem die Motive der Furcht gröber verfeinert oder erblaßt und von den Motiven der Freude überleuchtet sind.

1 [51]

Ein zufälliges Zusammentreffen zweier Worte oder eines Wortes und eines Schauspiels ist der Ursprung eines neuen Gedankens.

1 [52]

Menschen, welche viel Zufälliges haben und gerne herumschweifen, andere welche nur auf den bekannten Wegen nach Zwecken gehen.

1 [53]

Das Genie wie ein blinder Seekrebs, der fortwährend nach allen Seiten tastet und gelegentlich etwas fängt: er tastet aber nicht, um zu fangen, sondern weil seine Glieder sich tummeln müssen.

1 [54]

Die Handlungen mit einem unerwarteten Erfolg, zu einem anderen Zwecke unternommen—z. B. ein Thier das seine Eier bewacht, als Nahrung und plötzlich Wesen seines Gleichen vor sich sieht.

1 [55]

Wer sich auf prachtvolle moralische Attitüden versteht, den rechne man unter die Hanswürste Kapuziner Seiltänzer Feuerfresser und andere Künstler, die für die arbeitende Masse da sind, diese hat solche Lust am Unwahrscheinlichen und Verrückten; ich habe die besten Menschen in ihren besten Handlungen immer etwas beschämt und kurzathmig gefunden. Es giebt schon eine Art moralische Augen zu machen, wodurch der ganze Kerl verdächtig wird. Die Tugend ohne Scham vor sich selber ist nichts als eine List.

1 [56]

Veränderung der Werthschätzung z. B. Verachtung gegen die Abergläubischen und ihre Gegenstände.

1 [57]

Das Gute, das Ausgezeichnete thun, ohne Lob dafür zu erwarten, zu stolz sein, Lob dafür anzunehmen, und einen geringschätzigen Blick für den Allzudreisten, welcher trotzdem lobt, bereit halten, und an diese männliche Praxis jedermann aus seiner Umgebung gewöhnen; das Gelobtwerden aber den weibischen und künstlerischen Naturen gestehen und es da auch gelten lassen, weil diese Naturen ihr Bestes nicht aus Stolz, sondern aus Gründen der Eitelkeit thun.— Das ist das Rechte! Wenn wir es nur in Stunden der vollen Kraft ebenso als das Rechte empfänden, so ist dies gewiß kein Einwand dagegen. Für den Kranken und Müden mag etwas Lob als Würze oder Betäubung nöthig sein.— Zwischen gerechtem und ungerechtem Lobe mache ich hier keinen Unterschied und ebensowenig zwischen gerechtem und ungerechtem Tadel: letzteren sollen wir nicht nur gelten lassen, sondern herausfordern und ermuthigen; vermöge umfänglichen und jederzeit erklingenden Tadelns, sei dieses gerecht oder ungerecht, erheben wir uns über uns selber, denn wir sehen damit uns so, wie wir erscheinen, und zwar in unbestochenen Augen.

1 [58]

Man lernt die präsentablen Motive.

1 [59]

Ein ganz bewußter Egoismus würde jener Freuden entbehren, welche durch eingebildete Motive entstehen oder dadurch weil wir nur Ein Motiv von den vielen sehen wollen.

1 [60]

“Alle Menschen sind Sünder” ist eine solche Übertreibung, wie “alle Menschen sind Irre,” auf welche Ärzte gerathen könnten. Hier sind die Grad-Unterschiede außer Acht gelassen, und das Wort und die Empfindung, welche der abnorme äußerste Grad erweckt hat, sind auf das ganze verwandte Seelenleben der mittleren und niederen Grade mit übertragen. Man hat die Menschheit schrecklich gemacht, dadurch daß man eine Abnormität in ihr Wesen verlegte.

1 [61]

Die erfinderischen und die zweckthätigen Naturen—Gegensatz.

1 [62]

Zu begreifen, wie wenig Werth die sittlichen Handlungen haben, wie wenig Unwerth die unmoralischen—wie groß dagegen die intellektuelle Verschiedenheit in ihnen ist—diese Aufklärung über die Motive der Handlungen zu bekommen, bringt das höchste Erstaunen hervor.

1 [63]

Grundsatz: in der gesamten Geschichte der Menschheit bisher kein Zweck, keine vernünftige geheime Leitung, kein Instinkt, sondern Zufall, Zufall, Zufall—und mancher günstige. Diese sind ins Licht zu setzen. Wir dürfen kein falsches Vertrauen haben und am allerwenigsten uns weiter auf den Zufall verlassen. Derselbe ist in den meisten Fällen ein sinnloser Zerstörer.

1 [64]

Wenn ein Volk auf bestimmten moralischen Urtheilen stehen bleibt, so wird es dadurch beschränkt, verknöchert, isolirt, alt und geht endlich daran zu Grunde.

1 [65]

Moralische Urtheile werden am sichersten von Leuten ausgesprochen, die nie gedacht haben, und am unsichersten von denen, welche die Menschen kennen. Es ist nichts zu loben und zu tadeln.

1 [66]

Willkürliche Handlungen—das ist eigentlich ein negativer Begriff—Handlungen welche nicht unwillkürlich, nicht automatisch, ohne Zwecke verlaufen. Das Positive, was man dabei empfindet, ist ein Irrthum. “Unwillkürlich” das ist eigentlich der positive Begriff. Streng genommen, sind willkürliche Handlungen zwei unwillkürliche, welche zeitlich aneinander schließen, eine Gehirnbewegung, welcher eine Muskelbewegung nachfolgt, ohne ihre Wirkung zu sein.

1 [67]

Die größte Mannigfaltigkeit der menschlichen Existenz-Bedingungen aufrecht erhalten und nicht mit einem moralischen Codex die Menschen uniformiren—dies ist das allgemeinste Mittel, den günstigen Zufall vorzubereiten.— Bisher hat sich die Menschheit keinen Zweck gesetzt, welchen sie als Ganzes erreichen will—vielleicht geschieht es einmal. Einstweilen, da der Zweck fehlt, sind auch keine Mittel dazu erkenntlich. Inzwischen ist die möglichst große Masse solcher Individuen herzustellen welche individuelles Wohlbefinden haben was sich gegenseitig bedingt—das allgemeinste

1 [68]

Die Moral ist die Gesetzgebung solcher, welche sich klüger wußten als ihre Umgebung und für sie mit dachten. Man machte die oft schweren Anforderungen unwidersprechlich, dadurch daß man den Willen der Gottheit dazu gewann.

1 [69]

Es giebt also keine tadelnswürdigen Handlungen, sondern Lob und Tadel trifft nur Menschen, nicht Dinge.

1 [70]

Alles, was lebt, bewegt sich; diese Thätigkeit ist nicht um bestimmter Zwecke willen da, es ist eben das Leben selber. Die Menschheit als Ganzes ist in ihren Bewegungen ohne Zwecke und Ziele, es ist darin von vornherein kein Wille: wohl aber wäre es nicht unmöglich, daß der Mensch einmal einen Zweck hineinlegte: so wie gewisse ursprünglich zwecklose Bewegungen der Thiere zum Dienst ihrer Ernährung verwandt werden.

1 [71]

Bei Siegesfesten geht die siegreiche Armee fast zu Grunde, der Sieger streicht den Tag schwarz an und erholt sich ein Jahr lang nicht von dieser Strapatze—aber die Straßenjungen aller Geschlechter und Lebensalter sind glücklich. Doch muß man zugeben daß es billige Mittel, sie glücklich und zwar sehr viel Glückliche zu machen.

1 [72]

Das Christenthum gieng in dem Grade bei dem alten Testament in die Schule, als es sich bemühte eine Weltreligion zu werden. Das weltflüchtige Christenthum brauchte das alte Testament nicht.

1 [73]

In unseren Schulen wird die jüdische Geschichte als die heilige vorgetragen: Abraham ist uns mehr als irgend eine Person der griechischen oder deutschen Geschichte: und von dem, was wir bei Davids Psalmen empfinden, ist das, was das Leben Pindars oder Petrarca’s in uns erregt, so verschieden wie die Heimat von der Fremde. Dieser Zug zu Erzeugnissen einer asiatischen, sehr fernen und sehr absonderlichen Rasse ist vielleicht inmitten der Verworrenheit unserer modernen Cultur eine der wenigen sicheren Erscheinungen, welche noch über dem Gegensatz von Bildung und Unbildung erhaben stehen: die stärkste sittliche Nachwirkung des Christenthums, welches sich nicht an Völker sondern an Menschen wendete und deshalb gar kein Arg dabei hatte, den Menschen der indogermanischen Rasse das Religionsbuch eines semitischen Volkes in die Hand zu geben. Erwägt man aber welche Anstrengungen das nicht semitische Europa gemacht hat, um diese fremdartige kleine jüdische Welt sich recht nahe ans Herz zu legen, sich über nichts darin mehr zu wundern, sondern sich nur über sich selbst und seine Befremdung zu wundern—so hat vielleicht in nichts Europa sich so sehr selbst überwunden wie in dieser Aneignung der jüdischen Litteratur. Das jetzige europäische Gefühl für die Bibel ist der größte Sieg über die Beschränktheit der Rasse und über den Dünkel daß für Jeden eigentlich nur das werthvoll sei, was sein Großvater und dessen Großvater gesagt und gethan haben. Dieses Gefühl ist so mächtig, daß wer sich jetzt frei und erkennend zur Geschichte der Juden stellen will, erst viele Mühe nöthig hat, um aus der allzugroßen Nähe und Vertraulichkeit herauszukommen und das jüdische wieder als fremdartig zu empfinden. Denn Europa hat sich selber zu einem guten Theil in die Bibel hineinlegen und im Ganzen und Großen etwas Ähnliches thun müssen, wie die Puritaner Englands, welche ihre Sentenzen, ihre Gewohnheiten, ihre Zeitgenossen, ihre Kriege, ihre kleinen und großen Schicksale in dem jüdischen Bude aufgezeichnet (prophezeit) fanden.— Was aber sagt der Europäer, welcher nach dem Vorzug der altjüdischen Litteratur vor allen anderen alten Litteraturen gefragt wird: “Es ist mehr Moral darin .” Das heißt aber: es ist mehr von der Moral darin, welche jetzt in Europa anerkannt wird: und dies heißt wiederum nichts anderes als: Europa hat die jüdische Moralität angenommen und hält diese für eine bessere, höhere, der gegenwärtigen Gesittung und Erkenntniß angemessenere als die arabische, griechische, indische, chinesische.— Was ist der Charakter dieser Moralität? Sind die Europäer wirklich vermöge dieses moralischen Charakters die ersten und herrschenden Menschen des Erdballs? Aber wonach bemißt man den Rang der verschiedenen Moralitäten? Zudem wollen es die Nicht-Europäer wie die Chinesen gar nicht Wort haben, daß die Europäer sich durch Moralität vor ihnen auszeichneten. Es gehört vielleicht mit zum Wesen der jüdischen Moralität, daß sie sich für die erste und höchste hält: es ist vielleicht eine Einbildung. Ja man kann fragen: giebt es überhaupt eine Rangordnung der Moralität Giebt es einen Kanon, der über allen waltet, das Sittliche definirt ohne Rücksicht auf Volk, Zeit, Umstände, Erkenntnißgrad? Oder ist eine Ingredienz aller Moralen, der Grad von Anpassung an die Erkenntniß, vielleicht das, was eine Rangordnung der Moralen ermöglicht?

1 [74]

Wie viel Glück ist bei der Aufopferung für eine geliebte Sekte, usw. (man freut sich selbst mißachtet, gekränkt zu werden—wie kommt es?

1 [75]

Die schädliche Seite der Religion ist oft hervorgehoben, ich möchte die schädliche Seite der Moral zum ersten Male zeigen und dem Irrthum entgegnen, daß sie den Sinnen von Nützlichkeit ist.

1 [76]

Den angeblichen Causalitäten in Gebieten, wo in Wahrheit es nur ein Hintereinander giebt, danken viele Illusionen über die Moral ihre Entstehung.

1 [77]

Die Wissenschaft zu verwünschen, weil ihre Art bisweilen wehe thut, wäre so klug als das Feuer zu verwünschen weil ein Kind oder eine Mücke sich daran verbrannt hat. In der That verbrennen sich jetzt nur Mücken und Kinder an der Wissenschaft—ich meine die Schwärmer.

1 [78]

Das Urtheil sehr arbeitsamer und thätiger Zeitalter über den Werth des Lebens klingt wie fast desperat: man dachte über das Leben nach, wenn man nicht mehr arbeiten konnte und müde war. Die Griechen dachten besser vom Leben, dafür waren sie das Volk der Muße: sie arbeiteten eigentlich zur Erholung vom Müßiggang, und ihr Nachdenken kam aus frischer Kraft.

1 [79]

“In den Augen liegt die Seele”: die gewöhnliche Art der Bewegungen und der Muskelcontraktionen herum verräth, wozu die Augen zumeist gebraucht werden. Denker haben einen vollen klaren oder durchdringenden Blick; das Auge des Ängstlichen scheut sich ganz hinzusehen; der Neidische streift von der Seite und will etwas erhaschen. Auch wenn wir gar nicht im Dienste dieser Empfindungen sehen wollen, so zeigt die Stellung des Auges doch die Gewöhnung an.

1 [80]

Die erfinderischen Menschen leben ganz anders als die Thätigen; sie brauchen Zeit, damit sich die zwecklose ungereregelte Thätigkeit einstellt, Versuche, neue Bahnen, sie tasten mehr als daß sie nur die bekannten Wege gehen, wie die nützlich-Thätigen.

1 [81]

Einstmals muß die Kunst der Künstler ganz in das Festebedürfniß der Menschen aufgehen: der einsiedlerische und sein Werk ausstellende Künstler wird verschwunden sein: sie stehen dann in der ersten Reihe derer, welche in Bezug auf Freuden und Feste erfinderisch sind.

1 [82]

Schopenhauer, der letzte der die ethische Bedeut des Daseins vertritt: er fügt seine triftigen Trümpfe bei, ohne welche er uns nichts schenkt und welche in den Augen der einen Gattung seiner Leser seine Glaubwürdigkeit ebenso verstärken als sie dieselbe in den Augen einer anderen Gattung verringern.

1 [83]

Einige zeigen Geist, Andere beweisen ihn, noch andere zeigen ihn, aber beweisen ihn nicht, die Vielen aber thun keines von Beiden, und glauben beides zu thun.

1 [84]

Die ärmliche Handvoll Wissen, womit die heutige Erziehung den Gebildeten abfindet, scheint diesen engen und pfäffischen Köpfen schon zu viel, sie bekommen Angst, es möchte der Kunst ein Abbruch geschehen, und dieselbe sich nicht mehr so dünkelhaft gebärden dürfen, wie es jetzt wohl geschieht.— Die Nothstände welche bei jenen seltenen Menschen entstehen, in denen die Wissenschaft ein gewaltiges Feuer ist, dürften solche Köpfe wahrlich nicht im Munde führen

1 [85]

Wir finden die Schwäche der Furcht verächtlich bei dem welcher weiß, daß ihm Wein schädlich ist und trotzdem Wein trinkt.

1 [86]

Die Moral hat die Erkenntniß gehemmt insofern sie das Bedürfniß danach hemmt, sie gab Regeln zum Handeln und erweckte den Glauben, daß die Erkenntniß nicht nöthig sei, um auf das zweckmäßigste Handeln zu kommen.

1 [87]

Manche Philosophen entsprechen vergangenen Zuständen, manche gegenwärtigen, manche zukünftigen und manche unwirklichen.

1 [88]

Das Individuum stand in manchen Epochen höher, war häufiger. Es sind die böseren Zeiten, es wurde mehr sichtbar, man wagte mehr, man schadete mehr, aber log weniger.

1 [89]

Die Einbildung über die Schätzung (allgemeine Werthschätzung) und ebenso falsche Schätzung sind der Ursprung vieler unegoistischer Handlungen.

1 [90]

Moralität, eine asiatische Erfindung. Wir hängen von Asien ab.

1 [91]

Den Zufall benützen und erkennen heißt Genie. Das Zweckmäßige und Bekannte benützen—Moralität?

1 [92]

So nützlich und unangenehm wie ein eingeöltes Schlüsselloch

1 [93]

Die Ängstlichkeit vergiftet die Seele.

1 [94]

Man sollte keine neuen Wege gehen, unser Herz nicht noch kühner ist als unser Kopf: sonst frißt

1 [95]

Niemand ist einer grausameren Rache fähig als jene dichterischen und empfindlichen Seelen ohne Stolz, die fortwährend im Verborgenen leiden und aus Furcht ruhig und sanft erscheinen—ich denke z. B. an Racine.

1 [96]

Das ganze vergangene Zeitalter ist das der Furcht. Man lernt die Dinge wie sie in anderen Köpfen sind, man lernt, wie sie geschätzt werden, man thut dasselbe in Betreff der Mittel. Man ängstigt sich, abzuweichen, aufzufallen. Unsere Fertigkeiten sind das, was Anderen nutzt und Freude macht.— Unsere größte Freude ist Anderen zu gefallen, unsere beständige Furcht ist, ihnen nicht gefallen zu können.— Dies hat die einsiedlerische Thierheit gebändigt.

1 [97]

Wer eine herrschende Leidenschaft hat, der empfindet bei der Ausnahmehandlung einen Gewissenbiß z. B. der Jude (bei Stendhal) der verliebt ist und Geld für ein Armband von seinem Geschäft bei Seite legt, oder Napoleon nach einer generösen Handlung, der Diplomat, der einmal ehrlich gewesen ist usw.

1 [98]

Spencer setzt immer “Gleichheit der Menschen” voraus.

1 [99]

Auch im Handeln giebt es solche erfinderischen, stets versuchenden Menschen, welche den Zufall aus sich nicht bannen mögen (Napoleon).

1 [100]

Die angelernten Werthschätzungen verringern die Freude und in Folge die Lebensfähigkeit. Zeiten der “Gleichheit” sind matt und lassen vor der Zukunft erschrecken.

Die Freude an fremden Urtheilen über uns ist jetzt beinahe die mächtigste aller Freuden.

1 [101]

Was ist Gewohnheit?— Übung.

1 [102]

“Es merkt doch niemand”—aber es pflanzt niemand das was du thust in dir aus, sodann wächst deine Gewohnheit des Verheimlichens und Für-sich-Behaltens, man sieht dir endlich Beides doch an.

1 [103]

Das Bischen Wissenschaft, das jetzt auf der Erde ist, macht ihnen schon angst und bange so daß Unkenrufe laut werden. Und diese schändliche wissenschaftliche Erziehung!

1 [104]

Die verborgenen d. h. die häufigsten Handlungen zwingen uns zuletzt zu unseren sichtbaren seltenen, ohne daß wir an Zwang denken.

1 [105]

Bei den Christen herrschen noch alle jene Vorstellungen wie bei den Wilden—cfr. Spencer p. 52 und Roskoff.

1 [106]

Spencer verwechselt die Systeme der Moral “Wie soll gehandelt werden?” mit der Entstehung der Moral. Der Mangel der Einsicht in die Causalität ist für letztere wichtig.

1 [107]

Überall wo es eine furchteinflößende Macht giebt, die befiehlt und gebietet, entsteht Moralität d. h. die Gewohnheit zu thun und zu lassen, wie jene Macht will, der das Wohlgefühl auf dem Fuße folgt, der Gefahr entronnen zu sein: während im umgekehrten Falle das Gewissen sich regt, die Stimme der Furcht vor dem Kommenden, des Verdrusses über das Gethane usw. Es giebt persönliche Mächte, wie Fürsten, Generale, Vorgesetzte, dann Abstrakte wie Staat Gesellschaft, endlich imaginirte Wesen, wie Gott, die Tugend, der kategorische Imperativ usw.

1 [108]

Tragische Hanswürste

1 [109]

Es giebt bei jeder Handlung 1) das wirkliche Motiv das verschwiegen wird 2) das präsentable eingeständliche Motiv. Letzteres geht von uns aus, von unserer Freude, unserem Individuum, wir stellen uns individuell damit. Ersteres aber hat die Rücksicht auf das, was die Andern denken, wir handeln, wie jeder handelt, wir präsentiren uns als Individuen, aber handeln als Gattungswesen. Komisch! Z. B. ich suche ein Amt 2) “ich bin es mir schuldig, mich nützlich zu machen” 1) “Ich will meines Amtes wegen von den Andern respektirt werden.”

1 [110]

Die Erzeugung einer Nachkommenschaft ist nicht altruistisch. Das einzelne Thier folgt dabei einer Lust, an der es oft zu Grunde geht. Die Aufopferung für die Brut ist Aufopferung für das Eigen-Nächste, für das Erzeugniß usw., absurd noch nicht Altruismus.

1 [111]

Dieselben Dinge werden immer wieder gethan, aber die Menschen umspinnen sie mit immer neuen Gedanken (Werthschätzungen)

1 [112]

Motive und den Mechanismus zu unterscheiden—und dabei ist der Ausdruck Motiv irreführend, sie setzen nicht in Bewegung—sondern wenn sie in Bewegung sind, tritt die Bewegung des Mechanismus ein.

1 [113]

Das Unglück des Frevlers, d. h. er hat Furcht vor schlimmen Folgen oder Ekel und Übersättigung usw., nicht Gewissensnoth.

1 [114]

Man soll auch die kleinste Berührung mit Menschen benützen, um seinen gerechten und wohlwollenden Sinn zu üben.

1 [115]

Wenn wir in einen bestimmten physiologischen Zustand treten, dann tritt uns das ins Gedächtniß, was das letzte Mal, als wir in ihm waren, von uns gedacht wurde. Es muß eine Auslösung im Gehirn für jeden Zustand geben.

1 [116]

Es giebt Menschen welche ihre nicht eben landläufigen Gedanken nicht anders mitzutheilen wissen als indem sie dabei an aller Welt ihren Ärger auslassen. Das heißt doch seine Meinungen etwas zu theuer auf den Markt bringen. Giebt es aber oft solche Käuze, so entsteht ein Vorurtheil gegen alle nicht landläufigen Meinungen, wie als ob Zank, Verdruß, Verleumdung Verbitterung Niedertracht ihre nothwendigen Begleiter sein müßten.

1 [117]

Handlungen der Gewohnheit (“sittlich” unter Umständen genannt) sind Mechanismen ohne Bewußtsein, so wenig moralisch wie die Themen einer aufgezogenen Spieluhr. Weder “frei” noch mit “bewußter Aufopferung,” noch “für Andere”—aber angenehm und nützlich und deshalb mit den höchsten Prädikater bezeichnet.

1 [118]

Vor jedem Einzelnen sind wir voll 100 Rücksichten: aber wenn man schreibt, so verstehe ich nicht, warum man da nicht bis an den äußersten Rand seiner Ehrlichkeit vortritt. Das ist ja die Erholung!

1 [119]

Um die Moral haben sich im Ganzen immer nur die sehr moralischen Menschen bekümmert, meistens in der Absicht, sie zu steigern. Was Wunder, daß eigentlich die unmoralischen und durchschnittlichen Menschen dabei fast unbekannt geblieben sind. Die moralischen Menschen haben über sie phantasirt und vielfach ihre Phantasien den Leuten in den Kopf gesetzt.

1 [120]

Versuche einer außermoralischen Weltbetrachtung früher zu leicht von mir versucht—eine aesthetische (die Verehrung des Genies—)

1 [121]

Wer so thut, ist abergläubisch usw.
Wer so thut, ist abergläubisch
Wer alles das thut, ist ein Christ.

1 [122]

Schopenhauer’s Theorie ist unpsychologisch. Sehr leidende oder sorgende Menschen sind ohne Mitleid. Wenn wir alles vergangene Elend wiederkäuen, welches die Menschheit erlitten hat, so werden wir krank und schwach. Man muß den Blick abwenden. Nur glückliche Menschen sind zur Historie geeignet.

1 [123]

Falscher Begriff des Genies in jetziger Zeit: man verehrt den wilden Intellekt und verachtet den gezähmten d. h. man ist der Moralität müde.

Die Consequenz der Moralität ist der Sand. Kritik der bisherigen Moralität, dadurch daß man ihre Resultate in der Zukunft aufzeigt.

Nothwendigkeit antimoralischer Theorien.

1 [124]

Es giebt Musik, welche sosehr den Eindruck sichtbarer Dinge nachahmt, daß man sie allen denen empfehlen kann, welche Ohren haben, um zu sehen.

1 [125]

Wollen d.h. ich stelle mir den Erfolg einer Handlung vor
dieser Erfolg hat diesen oder jenen Werth für mich
diese Werthschätzung hat diese oder jene Ursachen
der Erfolg bedingt diese oder jene Aktion (als Mittel, die mir meiner Erfahrung bekannt und noch viele andre welche mir nicht bewußt sein können.
Also was will ich
Absicht: warum will ich
Motiv: was treibt mich zu dieser Schätzung?
Die Absicht geht auf etwas das für uns Werth hat.
Wie erreiche ich das Ziel?
Das Motiv ist die Ursache der Werthschätzung

1 [126]

Wir vergessen immer das Wesentlichste, weil es am nächsten liegt z. B. beim Spielen die Spontaneität, das fortwährende Tasten und Tappen der Bewegung. Die Folgen der Bewegung lehren uns.

Worte schweben uns fortwährend vor, daraus bilden sich die Gedanken, dem Auge zahllose Figuren fortwährend

1 [127]

Die wenigsten Handlungen geschehen nach Zwecken, die meisten sind nur Thätigkeiten, Bewegungen, in denen sich eine Kraft entladet. Die Resultate, die sich am Ende ihrer Bahn ergeben, bringen uns bei öfterem Wiederholen auf den Gedanken von Ursache und Wirkung d. h. wir thun etwas absichtlich und erwarten daß sich etwas ereignet—wir erzeugen willkürlich eine Vorstellung und deren Werthschätzung, und dabei geräth unwillkürlich der Mechanismus in Bewegung, dessen Resultat unserem Willen entspricht.

1 [128]

Es giebt viel höhere Schauspieler, die den Staatsmann, den Cultur begründenden moral Prophenten (Frauen, die die Hofdame usw.) spielen: kommt man dahinter, so hört man auf, sich über sie zu ärgern und hat einen Genuß mehr.

1 [129]

Das Moralische hat eine sehr sublime Art von Lustempfindungen geschaffen. Nützlich ist die Unmoralität sowohl als das M.

1 [130]

Orient
Europa unmoralisch,
Schopenhauer’s schlechter Geschmack für die Buddh Heiligen—besser die Brahmanen
Stoicism ist semitisch
Europa arm in der Moralität
 

9, 1[1-130] Anfang 1880

1 [1]

On Superstition.
On Praise and Blame.
On the Permissible Lie.

1 [2]

Estimation of pity (from the perspective of those who are pitied?)

Monogamy

1 [3]

Do people feel bad as a result of their immorality or their morality?— Or as a result of both and many other things?

1 [4]

How should one act? So that the individual is preserved as much as possible? Or so that the race is preserved as much as possible? Or so that another race is preserved as much as possible? (Morality of animals) Or so that life in general is preserved? Or so that the highest species of life are preserved? The interests of these different spheres diverge. But what are the highest species? Does the—height of intellect or goodness or strength decide? With regard to these most general standards for action, there was no reflection, let alone agreement.

1 [5]

As far as kindness and benevolence are concerned, Europe does not stand at the height: it testifies against Christianity.

1 [6]

To strive for universal happiness is an impertinence, and folly.

1 [7]

The bad, the sick, the uneducated person is a result whose continuation and effectiveness must be curtailed.

1 [8]

The most harmful tendency is to always think of others (being active for them is almost as bad as against them; it is a violation of their sphere. What brutality is common education, the interference of parents in the sphere of children!)

1 [9]

Morality (as well as poetry) is strongest among primitive peoples (their constraint by customs). Among the most highly cultivated nations, customs are usually the most backward, often ridiculous; here the outstanding individual is always immoral.

1 [10]

Suppose it is more valued to sacrifice oneself for others, then one does it: but because it is valued. Instructive!

1 [11]

Devil worship Spencer p. 31

1 [12]

Education is the continuation of procreation. All of life is the adaptation of the new to the old.

1 [13]

Napoleon's presentable motive: “I want to be superior to everyone.” True motive: “I want to appear superior to everyone.”

1 [14]

The greatest problem of the coming time is the abolition of moral concepts and the purification of our ideas from the insidious and often barely recognizable moral forms and colors that have crept in.

1 [15]

The “murderer” we condemn is a phantom: “the person capable of murder.” But that is all of us.

1 [16]

In the desire to be the same, the ability to experience joy withers.

1 [17]

Barbarism in Christianity.
2) Remnants of devil worship etc.

1 [18]

If one takes such extraordinary pleasure in one's works and exalts oneself because of them, one lowers oneself in the hierarchy of spirits: for it no longer matters much what one judges about other works and people. One has not passed the great fire-test of justice and may no longer wish to sit on the judge's seat.

1 [19]

If it is not forbidden: “you shall not murder!”—in entire periods the inner feeling has nothing against murder.

1 [20]

Whoever has experienced the pain of telling the truth despite their friendships and admirations will certainly shy away from new ones.

1 [21]

There are quite clever people who believe that if they stubbornly close their eyes to something, it no longer exists in the world.

1 [22]

Is there anything more important and effective than viewing every person in one's acquaintance as a difficult process through which a specific kind of well-being seeks to assert itself: only when this well-being is achieved is the balance between them and all of us established; from then on, they share their joy without intruding into the sphere of others, standing like a strong tree among other trees, in the freedom of the forest.

1 [23]

NB. Dark and superstitious people believe 1) 2) 3) in contrast to the enlightened

1 [24]

Compassion without intelligence is one of the most unpleasant and disruptive phenomena: unfortunately, compassion is by no means insightful on its own, as Schopenhauer claims.

1 [25]

No more lukewarm and insipid feeling would be possible than if all people considered themselves one or even just equal. The most passionate feeling, that of amour-passion, consists precisely in the sense of the greatest difference.

1 [26]

Because Christianity is uprooted, our youth grows up without education.

1 [27]

The society must learn to endure more and more truth.

1 [28]

People who would like to bite others out of poison and jealousy preach benevolence towards animals

1 [29]

A new culture—one should not act it out!

1 [30]

Just now when the lamentable comedy of reconciling art with Christianity is being performed again, to remember Schopenhauer! to his great credit, that he never—

1 [31]

The need to express oneself about all things that torment us—made God always present to the Christian; for the coarser, less imaginative natures, the Church created His representative, the confessor. Why does one want to express oneself? Because there is pleasure in it, a violation of the Other, to whom we give our suffering to hear, to empathize with, to bear—God as scapegoat must also be confessor.

1 [32]

I know someone who has been so spoiled by the little breeze of his “freedom” that the idea of belonging to a party makes him break out in a cold sweat—even if it were his own party!

1 [33]

Our task is to purify culture, to give new impulses air and light, and in the belief that after overcoming contradictions, there is much more strength.

1 [34]

Whether a person should be killed for the benefit of society? The murderer disrupts security, the freethinker endangers the soul for all eternity. The grumblers disturb comfort

1 [35]

The immoral actions constitute the moral way of life of certain crude cultures.— They are still present in our organs. We murder, steal, lie, dissemble, etc., even in the highest.

1 [36]

Our later valuations are formed by analogy with the learned ones, like a started house is being extended—i.e.

1 [37]

As long as these sentences still sound somehow paradoxical to you, you have not understood them: they must seem superfluous and all too clear to you.

One cannot think about it lightly enough.

1 [38]

Free spirits attempt other kinds of life, invaluable! the moral people would let the world wither. The experimental stations of humanity

1 [39]

An astonishing amount of pain is suffered in vain on the testing grounds of new ways of life and utilities—it does no good: may it at least help others! so that they recognize what a misguided experiment was made here.

1 [40]

To act out of habit is to imitate oneself the next and easiest thing—without the motives of former actions coming into play again.

1 [41]

The inventive G must have time and must not become too accustomed to regularity.

1 [42]

Regardless of certain physical and mental states, we should know God from the devil, for even the divine states ("God works in us," the devil rages in him, etc.)

1 [43]

Morality as an obstacle to inventions. The inventive person, who is too lazy, invents the machine and the animal; the ambitious person invents the states, the pretender invents the spectacle, etc.— The reasonable person lives off the achievements of the inventive.

Moral is to perform the reasonable action whose purposes and means are approved.

Only moral: then humanity becomes impoverished and nothing is invented.

1 [44]

Where excitements are necessary, there the purposeless overflowing of power is no longer present; this is what one wants to produce—but overflow?

1 [45]

One is active because everything that lives must move—not for the sake of joy itself, thus without purpose: although joy is present. This movement is not an imitation of purposeful movements; it is different.

1 [46]

Suppose that science puts an end to many contented notions and much pleasant idleness, then it has an unhealthy effect. But against this must be weighed the fact that it eliminates much dissatisfaction and, in particular, the terrible notions of all evil philosophies and religions that we are thoroughly evil and face severe penance.

1 [47]

The actions of habit have only been called moral in regard to their common utility—that is, with the highest human predicate—in themselves they are very poor and almost “sub-animal.”

1 [48]

Describe one thing

1 [49]

The immoral people are those who have free movement without purposes, or who follow the old paths with different purposes.

1 [50]

So far, of the two main motives, the fear of pain has had a far more powerful effect than the pursuit of pleasure. There were far too few joys and far too many dangers known.— Here, in general, the backwardness of man is revealed, depending on whether the motives of fear are coarser, refined, or faded and overshadowed by the motives of joy.

1 [51]

A random encounter between two words or a word and a play is the origin of a new thought.

1 [52]

People who have a lot of randomness and like to wander around, others who only follow the known paths with purpose.

1 [53]

Genius is like a blind crayfish, constantly groping in all directions and occasionally catching something: it does not grope to catch, but because its limbs must move.

1 [54]

The actions with an unexpected success, undertaken for a different purpose—for example, an animal guarding its eggs as food and suddenly seeing beings of its own kind before it.

1 [55]

Those who excel in splendid moral attitudes should be counted among the buffoons, Capuchins, tightrope walkers, fire-eaters, and other artists who exist for the working masses—these take such pleasure in the improbable and the mad; I have always found the best people in their best actions somewhat ashamed and short of breath. There is already a way of making moral eyes that makes the whole fellow suspicious. Virtue without shame before itself is nothing but a ruse.

1 [56]

Change in valuation e.g. contempt for the superstitious and their objects.

1 [57]

The good, the excellent to do, without expecting praise for it, to be too proud to accept praise for it, and to have a contemptuous look ready for the all-too-bold one who praises anyway, and to accustom everyone in his surroundings to this manly practice; but to admit being praised to the effeminate and artistic natures and to let it count there, because these natures do their best not out of pride, but out of reasons of vanity.— That is the right thing! If we only felt it in hours of full strength as the right thing, this is certainly no objection against it.

For the sick and weary, some praise may be necessary as seasoning or anesthesia.— Here I make no distinction between just and unjust praise, nor between just and unjust blame: the latter we should not only tolerate but provoke and encourage; through extensive and ever-resounding blame, whether just or unjust, we elevate ourselves above ourselves, for thereby we see ourselves as we appear, and indeed in uncorrupted eyes.

1 [58]

You learn the presentable motifs.

1 [59]

A completely conscious egoism would lack those joys that arise from imagined motives or because we only want to see one motive out of many.

1 [60]

“All people are sinners” is such an exaggeration as “all people are mad,” which doctors might be tempted to say. Here, the differences in degree are disregarded, and the word and the feeling that the abnormal extreme degree has evoked are transferred to the entire related mental life of the middle and lower degrees. Humanity has been made terrible by placing an abnormality into its essence.

1 [61]

The inventive and the purposeful natures—opposition.

1 [62]

To comprehend how little value moral actions have, how little disvalue immoral ones have—how great, by contrast, the intellectual difference in them is—this enlightenment about the motives of actions brings forth the highest astonishment.

1 [63]

Principle: in the entire history of humanity so far, no purpose, no rational secret guidance, no instinct, but chance, chance, chance—and some favorable. These must be brought to light. We must not have false confidence and least of all continue to rely on chance. In most cases, it is a senseless destroyer.

1 [64]

If a people remains fixed on certain moral judgments, it thereby becomes limited, ossified, isolated, old, and finally perishes.

1 [65]

Moral judgments are most confidently expressed by people who have never thought, and most uncertainly by those who know people. There is nothing to praise and nothing to blame.

1 [66]

Arbitrary actions—this is actually a negative concept—actions that do not occur involuntarily, not automatically, without purpose. The positive feeling one experiences in this context is an error. "Involuntary" is actually the positive concept. Strictly speaking, arbitrary actions are two involuntary actions that follow one another in time, a brain movement followed by a muscle movement, without being its effect.

1 [67]

The greatest diversity of human conditions of existence must be maintained and people must not be made uniform by a moral code—this is the most general means of preparing for favorable chance.— So far, humanity has not set itself a goal that it wants to achieve as a whole—perhaps it will happen one day. For the time being, since the goal is lacking, no means to it are recognizable. Meanwhile, the largest possible mass of such individuals must be produced who have individual well-being, which is mutually conditioned—the most general

1 [68]

Morality is the legislation of those who considered themselves wiser than their surroundings and thought for them. The often difficult demands were made irrefutable by enlisting the will of the deity.

1 [69]

There are therefore no reprehensible actions, but praise and blame apply only to people, not things.

1 [70]

Everything that lives moves; this activity is not there for the sake of specific purposes, it is simply life itself. Humanity as a whole is in its movements without purposes and goals, there is from the outset no will in it: yet it would not be impossible for man to one day impose a purpose upon it: just as certain originally purposeless movements of animals are used in the service of their nourishment.

1 [71]

At victory celebrations, the victorious army is almost ruined, the victor marks the day in black and does not recover from this ordeal for a year—but the street urchins of all genders and ages are happy. Yet one must admit that it is a cheap way to make them happy, and indeed to make many happy.

1 [72]

Christianity went to school with the Old Testament to the extent that it strove to become a world religion. The world-fleeing Christianity did not need the Old Testament.

1 [73]

In our schools, Jewish history is presented as sacred: Abraham is more to us than any figure from Greek or German history: and what we feel when reading David’s psalms is as different from what the life of Pindar or Petrarch evokes in us as home is from abroad. This inclination toward the products of an Asian, very distant, and very peculiar race may be, amid the confusion of our modern culture, one of the few certain phenomena that still rise above the contrast between education and ignorance: the strongest moral aftereffect of Christianity, which addressed not nations but individuals and therefore had no qualms about placing the religious book of a Semitic people into the hands of those of Indo-Germanic descent.

But if one considers what efforts non-Semitic Europe has made to embrace this alien little Jewish world, to no longer marvel at anything within it, but only to marvel at itself and its own estrangement—then perhaps in nothing has Europe so thoroughly overcome itself as in this appropriation of Jewish literature. The present European feeling for the Bible is the greatest triumph over the narrowness of race and over the conceit that for everyone, only what their grandfather and his grandfather said and did is truly valuable. This feeling is so powerful that anyone who now wishes to approach the history of the Jews freely and with understanding must first exert great effort to escape the excessive closeness and familiarity and once again perceive the Jewish as alien.For Europe has, to a good extent, laid itself into the Bible and, on the whole, had to do something similar to what the Puritans of England did, who found their sentences, their habits, their contemporaries, their wars, their small and great fates recorded (prophecied) in the Jewish book.— But what does the European say when asked about the superiority of ancient Jewish literature over all other ancient literatures: “There is more morality in it.” That means, however, that there is more of the morality in it that is now recognized in Europe: and this, in turn, means nothing other than that Europe has adopted Jewish morality and considers it better, higher, and more suited to present-day civilization and knowledge than the Arabic, Greek, Indian, or Chinese.— What is the character of this morality?Are the Europeans truly by virtue of this moral character the first and ruling people of the globe? But by what standard does one measure the rank of different moralities? Moreover, non-Europeans like the Chinese do not even want to hear that Europeans distinguish themselves through morality before them. It may be part of the essence of Jewish morality that it considers itself the first and highest: it is perhaps a delusion. Yes, one may ask: does a hierarchy of morality exist at all? Is there a canon that reigns above all, defining the ethical without regard to people, time, circumstances, degree of knowledge? Or is an ingredient of all moralities, the degree of adaptation to knowledge, perhaps that which enables a hierarchy of moralities?

1 [74]

How much happiness is there in sacrificing for a beloved sect, etc. (one rejoices in being despised, offended—how does it come about?

1 [75]

The harmful side of religion is often emphasized; I wish to show the harmful side of morality for the first time and counter the error that it is of use to the senses.

1 [76]

Many illusions about morality owe their origin to the alleged causalities in areas where in truth there is only a sequence.

1 [77]

To curse science because its nature sometimes hurts would be as wise as cursing fire because a child or a mosquito has burned itself on it. In fact, only mosquitoes and children burn themselves on science—by which I mean the dreamers.

1 [78]

The judgment of very industrious and active ages on the value of life sounds almost desperate: they thought about life when they could no longer work and were tired. The Greeks thought better of life, for they were the people of leisure: they actually worked to recover from idleness, and their reflection came from fresh strength.

1 [79]

“The soul lies in the eyes”: the ordinary manner of movements and muscle contractions around them betrays what the eyes are mostly used for. Thinkers have a full, clear, or penetrating gaze; the eye of the anxious person shies away from looking fully; the envious person glances from the side and wants to catch something. Even when we do not intend to see in the service of these emotions, the position of the eye still shows the habituation.

1 [80]

The inventive people live quite differently than the active; they need time so that the purposeless, unregulated activity sets in, experiments, new paths, they grope more than just walking the known paths, like the useful-active.

1 [81]

Once, the art of the artists must completely merge into the festive needs of the people: the reclusive artist who exhibits his work will have disappeared: they will then stand in the front row of those who are inventive in terms of joys and festivals.

1 [82]

Schopenhauer, the last to uphold the ethical significance of existence: he adds his compelling arguments, without which he gives us nothing and which, in the eyes of one kind of his readers, enhance his credibility just as much as they diminish it in the eyes of another kind.

1 [83]

Some show spirit, others prove it, still others show it but do not prove it, but the many do neither, and believe they do both.

1 [84]

The meager handful of knowledge with which today's education satisfies the educated seems already too much for these narrow and priestly minds; they become afraid that art might suffer a loss, and that it might no longer be allowed to comport itself so arrogantly as it does now.— The hardships that arise in those rare individuals in whom science is a mighty fire are certainly not something such minds should invoke.

1 [85]

We find the weakness of fear contemptible in one who knows that wine is harmful to him and yet drinks wine.

1 [86]

Morality has hindered knowledge insofar as it inhibits the need for it; it provided rules for action and aroused the belief that knowledge is not necessary to arrive at the most purposeful action.

1 [87]

Some philosophers correspond to past states, some to present, some to future, and some to unreal ones.

1 [88]

The individual stood higher in some epochs, was more frequent. These are the worse times, it became more visible, people dared more, caused more harm, but lied less.

1 [89]

The imagination about the estimation (general appreciation) and likewise false estimation are the origin of many unegoistic actions.

1 [90]

Morality, an Asian invention. We depend on Asia.

1 [91]

Using chance and recognizing it is genius. Using what is expedient and familiar—morality?

1 [92]

As useful and unpleasant as an oiled keyhole

1 [93]

Anxiety poisons the soul.

1 [94]

One should not take new paths unless our heart is even bolder than our head: otherwise it devours

1 [95]

No one is capable of more cruel revenge than those poetic and sensitive souls without pride, who continually suffer in secret and appear calm and gentle out of fear—I am thinking, for example, of Racine.

1 [96]

The entire past age is that of fear. One learns things as they are in other minds, one learns how they are valued, one does the same regarding the means. One is afraid to deviate, to stand out. Our skills are what others find useful and enjoyable.— Our greatest joy is to please others, our constant fear is not being able to please them.— This has tamed the solitary beastliness.

1 [97]

Whoever has a ruling passion feels a pang of conscience in the exceptional act, e.g., the Jew (in Stendhal) who is in love and sets aside money from his business for a bracelet, or Napoleon after a generous deed, the diplomat who has once been honest, etc.

1 [98]

Spencer always assumes “equality of people”.

1 [99]

Even in action there are such inventive, ever-trying people who cannot banish chance from themselves (Napoleon).

1 [100]

The semi-skilled valuations reduce joy and consequently vitality. Times of “equality” are dull and make the future seem terrifying.

The joy in foreign judgments about us is now almost the most powerful of all joys.

1 [101]

What is habit?— Practice.

1 [102]

“Nobody will notice”—but no one plants what you do in you, then your habit of concealing and keeping to yourself grows, and in the end, both are visible on you.

1 [103]

The little bit of science that is now on Earth already makes them anxious and fearful so that doomsday cries are being heard. And this disgraceful scientific education!

1 [104]

The hidden, i.e., the most frequent actions ultimately compel us to our visible rare ones, without us thinking of compulsion.

1 [105]

Among Christians, all those ideas still prevail as among savages—cfr. Spencer p. 52 and Roskoff.

1 [106]

Spencer confuses the systems of morality "How should one act?" with the origin of morality. The lack of insight into causality is important for the latter.

1 [107]

Wherever there is a fear-inspiring power that commands and demands, morality arises, i.e., the habit of doing and refraining from doing as that power wills, followed by the feeling of well-being at having escaped danger: while in the opposite case, conscience stirs, the voice of fear of what is to come, of displeasure over what has been done, etc. There are personal powers, such as princes, generals, superiors, then abstract ones like state, society, and finally imagined beings, such as God, virtue, the categorical imperative, etc.

1 [108]

Tragic Hanswürste

1 [109]

There is in every action 1) the real motive that is kept silent 2) the presentable admissible motive. The latter comes from us, from our joy, our individuality, we present ourselves as individuals with it. The former, however, considers what others think, we act as everyone acts, we present ourselves as individuals, but act as species-beings. Funny! For example, I seek an office 2) “I owe it to myself to be useful” 1) “I want to be respected by others because of my office.”

1 [110]

The production of offspring is not altruistic. The individual animal follows a pleasure in doing so, which often leads to its demise. The sacrifice for the brood is a sacrifice for one's own nearest, for the product, etc., not yet absurd altruism.

1 [111]

The same things are done over and over again, but people surround them with ever new thoughts (valuations)

1 [112]

To distinguish motives and the mechanism—and in this context, the term motive is misleading, they do not set things in motion—but once they are in motion, the movement of the mechanism occurs.

1 [113]

The misfortune of the wrongdoer, i.e. he has fear of bad consequences or disgust and oversaturation etc., not conscience distress.

1 [114]

One should also use the smallest contact with people to practice one's just and benevolent disposition.

1 [115]

When we enter a certain physiological state, then what we thought the last time we were in it comes to mind. There must be a trigger in the brain for each state.

1 [116]

There are people who know no other way to communicate their not exactly commonplace thoughts than by venting their anger at the whole world in the process. That is indeed to bring one's opinions to market at rather too high a price. But if there are often such cranks, a prejudice arises against all unconventional opinions, as if quarreling, displeasure, slander, bitterness, and baseness must necessarily be their companions.

1 [117]

Actions of habit (“moral” under certain circumstances) are mechanisms without consciousness, as little moral as the tunes of a wound-up music box. Neither “free” nor with “conscious self-sacrifice,” nor “for others”—but pleasant and useful and therefore designated with the highest predicates.

1 [118]

Before every individual, we are full of 100 considerations: but when one writes, I do not understand why one does not step forward to the very edge of one's honesty. That is the relaxation!

1 [119]

Only the very moral people have generally concerned themselves with morality, usually with the intention of increasing it. No wonder that the actually immoral and average people have remained almost unknown. The moral people have fantasized about them and often implanted their fantasies into people's heads.

1 [120]

Attempts at an extra-moral worldview attempted too easily by me earlier—an aesthetic (the veneration of genius—)

1 [121]

Whoever does this is superstitious, etc.
Whoever does this is superstitious
Whoever does all this is a Christian.

1 [122]

Schopenhauer’s theory is unpsychological. Very suffering or anxious people are without compassion. If we ruminate on all the past misery that humanity has endured, we become sick and weak. One must turn away one’s gaze. Only happy people are suited to history.

1 [123]

Incorrect concept of the geniuss in the present age: one reveres the wild intellect and despises the tamed one, i.e., one is tired of morality.

The consequence of morality is the sand. Critique of previous morality by showing its results in the future.

Necessity of antimoral theories.

1 [124]

There is music that so closely imitates the impression of visible things that one can recommend it to all those who have ears to see.

1 [125]

Wanting i.e., I imagine the success of an action
this success has this or that value for me
this valuation has these or those causes
the success conditions this or that action (as means, which are known to me from experience and many others which may not be conscious to me.
So what do I want
Intention: why do I want
Motive: what drives me to this estimate?
The intention is aimed at something that has value for us.
How do I achieve the goal?
The motive is the cause of the valuation

1 [126]

We always forget the most essential things because they are closest to us, for example, when playing, the spontaneity, the continuous feeling and groping of movement. The consequences of movement teach us.

Words constantly float before us, from which thoughts are formed, the eye constantly countless figures

1 [127]

Few actions happen for purposes; most are merely activities, movements in which a force discharges. The results that emerge at the end of their path, upon frequent repetition, lead us to the idea of cause and effect—i.e., we do something intentionally and expect something to occur. We arbitrarily produce an idea and its valuation, and in doing so, the mechanism unwittingly sets in motion, whose result corresponds to our will.

1 [128]

There are much higher actors who play the statesman, the culture-founding moral prophet (women who play the lady-in-waiting, etc.): once you see through it, you stop being annoyed by them and have one more pleasure.

1 [129]

The Moral has created a very sublime kind of pleasure sensations. Useful is immorality as well as the M.

1 [130]

Orient
Europe immoral,
Schopenhauer’s bad taste for the Buddhist saints—better the Brahmins
Stoicism is Semitic
Europe poor in morality
 
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