9, 14[1-26] Herbst 1881
14 [1]
Das ist etwas Neues an der jetzigen Musik, wie ich sie eben hörte! Sie repräsentirt Gefühle, sie erregt sie nicht mehr—man ist zufrieden mit ihrer Hülfe zu verstehen! Wie bescheiden!
14 [2]
Wie kalt und fremd sind uns bisher die Welten, welche die Wissenschaft entdeckte! Wie verschieden ist z. B. der Leib, wie wir ihn empfinden, sehen, fühlen, fürchten, bewundern und der “Leib” wie ihn der Anatom uns lehrt! Die Pflanze, die Nahrung, der Berg und was uns nur die Wissenschaft zeigt—alles ist eine wildfremde eben entdeckte neue Welt, der größte Widerspruch mit unserer Empfindung! Und doch soll allmählich “die Wahrheit” sich in unseren Traum verketten und—wir sollen einmal wahrer träumen!
14 [3]
Es ist eine ganz neue Lage—auch sie hat ihre Erhabenheit, auch sie kann heroisch aufgefaßt werden: obschon es noch Niemand gethan hat. Die wissenschaftlichen Menschen gewiß nicht: es sind landläufige Seelen, mit einem von ihrem Empfinden abgeschlossenen Reiche ihrer geistigen Thätigkeit: für sie ist die Wissenschaft vornehmlich etwas Strenges, Kaltes, Nüchternes—kein erschütternder Ausblick, kein Wagniß, kein Alleinstehen gegen alle Dämonen und Götter. Die Wissenschaft geht sie nichts an—das giebt ihnen die Fähigkeit dazu! Hätten sie Furcht oder Witterung des Ungeheuren—so ließen sie die Hand davon. Diese Art Wissenschaft ist es allein, welche bisher der Staat gefördert hat!—das Streben nach Erkenntniß ohne Heroism, als Geschäft, nützliche Verwendung der Verstandeskräfte usw.
14 [4]
Nachts, bei bestirntem Himmel regt sich wohl ein Gefühl, wie armselig unsere Fähigkeit zum Hören ist. Oh dieser todtenstille Lärm! —
14 [5]
Jetzt komme ich mir wie Einer vor, der gelernt hat, mit allen Winden zu fahren—und seine Straße! Heute bin ich ganz in meiner Genueser Kühnheit und weiß kaum, wohinaus ich noch alles fahren soll—: es ist als ob das Dasein mir zu eng wäre und als ob ich ein neues entdecken oder schaffen müßte. Ich brauche Raum, eine sehr große weite unbekannte unentdeckte Welt, es ekelt mich sonst.
14 [6]
Warum finde ich die Menschen nicht unter den Lebenden, die höher hinaus schauen als ich und mich unter sich sehen müssen? Habe ich denn nur schlecht gesucht?— Und es verlangt mich so gerade nach Solchen!!
14 [7]
Mit meinen halbblinden und arbeitsscheuen Augen gehe ich jetzt die Wege am liebsten, wo meine Füße nicht mehr zu denken brauchen—ich kann und mag nicht mehr im Gebirge und in schlecht gepflegten Kleinstädten wohnen, wo Leben und Stolpern zusammengehört.
14 [8]
Diese ganze Welt, die uns wirklich etwas angeht, in der unsere Bedürfnisse Begierden Freuden Hoffnungen Farben Linien Phantasien Gebete und Flüche wurzeln diese ganze Welt haben wir Menschen geschaffen und haben es vergessen, so daß wir nachträglich noch einen eigenen Schöpfer für alles das erdachten, oder uns mit dem Probleme des Woher? zerquälten. Wie die Sprache das Urgedicht eines Volkes ist, so ist die ganze anschauliche empfundene Welt die Urdichtung der Menschheit, und schon die Thiere haben hier angefangen zu dichten. Das erben wir alles auf einmal, wie als ob es die Realität selber sei.
14 [9]
Diese ganze Welt, die wir geschaffen haben, oh wie haben wir sie geliebt! Alles was Dichter empfinden gegen ihr Werk, ist nichts gegen die zahllosen Ausströmungen des Glücks, welche die Menschen in unvordenklichen Zeiten empfunden haben, als sie die Natur erfanden.
14 [10]
Wo finden wir, wir Einsamsten der Einsamen, wir Menschen—denn das werden wir sicher einmal sein, durch die Nachwirkung der Wissenschaft—wo finden wir einen Genossen für den Menschen! Ehedem suchten wir einen König, einen Vater, einen Richter für Alles, weil es uns an rechten Königen, rechten Vätern, rechten Richtern mangelte. Nachmals werden wir den Freund suchen—die Menschen werden selbsteigene Herrlichkeiten und Sonnenkreise geworden sein—aber einsam. Der mythenbildende Trieb geht dann aus nach dem Freunde.
14 [11]
Ich würde wünschen, auch nur einmal mit einem Menschen zusammengetroffen zu sein, welcher bei Allem, was ihm unter die Hände kam, sich fragte: “könnte dies nicht verbessert werden?” Die Mahlzeiten und die Diät und die Eintheilung des Tages usw.
14 [12]
So wie unsere großen und kleinen Städte jetzt, sind, muß ein Denker es jetzt verstehen, seine Stelle zwischen zwei Lärmen zu finden—oder er wird sie nicht finden und aufhören, Denker zu sein. Das antike Rom hatte mehr Humanität für die Denker als unsere Welt!—
14 [13]
So leben wir Alle!—wir reißen die Dinge gierig an uns und haben unersättliche Augen dabei, dann nehmen wir eben so gierig aus ihnen heraus, was uns schmeckt und dienlich ist—und endlich überlassen wir den Rest—alles womit unser Appetit und unsere Zähne nicht fertig geworden sind—den anderen Menschen und der Natur, namentlich aber alles, was wir verschlangen, ohne es uns einverleiben zu können—: unsere Excremente. Darin sind wir unerschöpflich wohlthätig und durchaus nicht geizig: wir düngen die Menschheit mit diesem Unverdauten unseres Geistes und unserer Erfahrungen.
14 [14]
Überall wo verehrt, bewundert, beglückt, gefürchtet, gehofft, geahnt wird, steckt noch der Gott, den wir todt gesagt haben—er schleicht sich allerwegen herum und will nur nicht erkannt und bei Namen genannt sein. Da nämlich erlischt er wie Buddha’s Schatten in der Höhle—er lebt fort unter der seltsamen und neuen Bedingung, daß man nicht mehr an ihn glaubt. Aber ein Gespenst ist er geworden! Freilich!
14 [15]
Im Grunde haben alle Civilisationen jene tiefe Angst vor dem “großen Menschen,” welche allein die Chinesen sich eingestanden haben, mit dem Sprichwort “der große Mensch ist ein öffentliches Unglück.” Im Grunde sind alle Institutionen darauf hin eingerichtet, daß er so selten als möglich entsteht und unter so ungünstigen Bedingungen als nur möglich ist heranwächst: was Wunder! Die Kleinen haben für sich, für die Kleinen gesorgt!
14 [16]
Die Erlaubniß, Kinder zu zeugen, sollte als eine Auszeichnung verliehen werden, und auf jedem Wege dem so üblichen geschlechtlichen Verkehre der Charakter eines Mittels der Fortpflanzung genommen werden: sonst werden immer mehr die niedrig gesinnten Menschen die Oberhand bekommen—denn die höheren Geister sind nicht zu eifrig in erotischen Dingen. Wohl sind dies die Tapferen und Kriegerischen—und ihnen verdankt man im Ganzen die bessere Art von Menschen, die noch bestehen. Kommt aber der Handels-Geist zur Übermacht über den kriegerischen, so—Gegen Verbrecher sei man wie gegen Kranke: auch darin, daß man es verabscheut, sie sich fortpflanzen zu machen. Dies ist die erste allgemeine Verbesserung der Sitten, welche ich wünsche: der Kranke und der Verbrecher sollen nicht als fortpflanzbar anerkannt werden.
14 [17]
So will ich es doch eingestehen—ich stelle mich vor mir selber erzürnt über die gelegentliche Kälte und Vernachlässigung, die ich von Freunden und ehemaligen Vertrauten erfahre—im tiefsten Grunde läßt dies alles mich unbewegt, und das Gefühl dieser gewöhnlichen Unbewegtheit ist es, welches mich mitunter wünschen macht, es möchte etwas recht stark mich erschüttern und herumreißen. Ich suche ein Mittel gegen die Langeweile, wenn ich mich erzürnt über solche Dinge stelle, und es gelingt mir schlecht damit—ich bin euch gut und bleibe der Mensch des versöhnlichsten Herzens!—
14 [18]
Es ist eine Haupterkenntniß, daß bei der Werthschätzung aller Dinge der Mensch allem Gewöhnlichen und noch mehr allem schlechthin Unentbehrlichen einen niederen Werth gab. Das Gewöhnliche war dem Ungemeinen entgegengesetzt, als das “Gemeine”—: das Unentbehrliche als ein Zwang dem, was der freie Mensch sich willkürlich verschaffen kann oder nicht kann, dem Überflüssigen, Luxushaften des Lebens. So wurde alles, was nöthig ist und alles, was üblich ist, zum Geringen: alles Fatum wurde Gemeinheit. Laune Willkür freier Wille der aristokratische Hang des Herrschenden und beliebig Befehlenden, die Leidenschaft für alles Seltene Schwer-zu-erlangende—das war das Merkmal des höheren Menschenthums: damit erst glaubte der Mensch nicht mehr Thier zu sein. Die Klugheit und die Erfahrung zwar schrieben ihre Gesetze dem Handelnden vor und wiesen unerbittlich auf das Nöthige und das Übliche hin—aber die höhere Empfindung trennte sich oft genug von der Klugheit und gab dem Unnöthigen und dem Ungewöhnlichen und daher meisthin auch Unklugen den Vorrang. So ist auf die Dauer der Boden unseres Lebens und unserer ganzen Lebensart—das ist und bleibt doch immer das Nöthige und Gewohnheitsmäßige—von den höheren Empfindungen entkleidet worden! Essen und Wohnen und Zeugen, der Handel, der Erwerb, das Geschäft ja selbst das gesellschaftliche Leben hat sich vom Ideale abgetrennt—und die Sorge für sich selber, selbst in ihrer feinsten Form, ist mit einem Makel behaftet, welchen der Tadel des Egoismus und das Lob der Selbstlosigkeit zu verstehen giebt.
14 [19]
Sich mit Jemandem verbünden, um ihn damit zu unterdrücken oder in die Dunkelheit zu drängen—ein Kunststück der Politiker aller Zeiten welches feiner ist als sich einen Anderen zum Rivalen umschaffen, damit man durch seine schon fest begründete Berühmtheit selber zum Ruhme komme.
14 [20]
Der Stolze haßt es zu zittern und nimmt Rache an dem, der ihn zittern gemacht hat: dies ist der Grund seiner Grausamkeit. Er hat die größte Lust, den vor sich zu sehen, vor dem er nun nicht mehr zittert, ob er ihm schon das Schmählichste und Schmerzhafteste anthut.— Der Stolze gesteht sich das nicht ein, was ihm drückend ist, so lange er nicht die Möglichkeit sieht, Rache für diesen Druck zu nehmen. Sein Haß schießt im Augenblick hervor, wenn diese Möglichkeit ihm zu Gesichte kommt. Alle Starken, die sich selber brechen und einem Gesetze unterwerfen, sind grausam: früher machte es ihnen einen ähnlichen Genuß, den Willen Anderer zu brechen und den Thon nach ihrem Willen zu kneten. Alle Verkannten, Zurückgesetzten, Gelangweilten sind grausam, denn ihr Stolz ist immer gereizt. Auch alle Schwachen sind grausam, und gerade darin, daß sie Mitleiden bei den Anderen wollen. Das heißt: sie fordern, daß auch die Anderen leiden, wenn sie leiden und schwach sind. Daher ist es nur das halbe Unglück socios habuisse malorum. Endlich: wie grausam sind alle Künstler, denn sie wollen mit allen Mitteln, daß ihre Erlebnisse Gewalt üben und bekommen, daß ihre Leiden zu unseren Leiden werden! Und gar die Bußprediger, welche darin ihren dämonischen Stachel und Reiz spüren, daß sie die große Macht öffentlich verachten, daß sie die Hochmächtigsten wie die Niedrigsten zur gleichen Zerknirschung und Abstinenz treiben wollen—das ist eine Grausamkeit des Stolzes ohne Gleichen! Kurz die Menschen haben viel Genuß an der Grausamkeit, sie ist das üblichste aller Vergnügen, so sehr auch der “Grausame” gelästert wird!
14 [21]
Oh über diesen neuen Ehrgeiz der Gegenwärtigen! Es ist unter ihren Künstlern das Zeitalter der nachgeahmten Originalität und namentlich der nachgeahmten Leidenschaften: sie haben nämlich die alte Furcht vor dem Auslande, man möchte ihnen nicht genug Leidenschaft und überhaupt nicht die Leidenschaften zutrauen, deshalb machen sie sofort Grimassen und Ausschweifungen in Ton und Gebärde, nicht aus der Stärke ihres Affektes heraus, sondern um sich Glauben an Stärke ihres Affektes zu schaffen. Ihre Theaterfiguren wie die Gestalten auf ihren Gemälden laufen den Leidenschaften so nach, daß man jeden für toll halten würde, der es so im Leben machte. Es steht zu befürchten, daß diese öffentliche Schule auch die D dahin treibt, sich im Leben z. B. in der Politik wie toll zu gebärden. Ihre ehemaligen Neigungen zum Behaglichen und Gemüthlichen machen ihnen jetzt Scham; sie argwöhnen, daß man sich mit solchen Neigungen zur Mittelmäßigkeit des Geistes verurtheilt habe und unfähig sei, in großen Dingen mitzureden z. B. über die Frage des Glücks. Man will jetzt nicht das Glück selber, aber man will jedenfalls den Stolz, zu den letzten Richtern und Meßkünstlern des Glücks zu gehören—man hat den Ehrgeiz des Geistes und der Leidenschaft zugleich. So zum Beispiele in Betreff des Glücks der Liebe: daraus machen die deutschen Künstler jetzt ein vampyrisches Gebilde: ihre “Liebe” will im Glück die ganze Welt ausstechen, austrinken und gleichsam trocken zurücklassen: und wenn ihr dies nicht gelingt, so will sie wenigstens an allem, was noch von Glück sonst übrig bleibt, Rache nehmen. Aber dies ist die Liebe im Irrenhause—oder sie gehört ins Irrenhaus: oder sie macht ein Irrenhaus.—
14 [22]
Beim Klavierspiel ist die Hauptsache, daß man den Gesang singen läßt und die Begleitung begleiten läßt. Ich vertrage eine Musik, worin nicht in dieser Weise zwischen Musik und Begleitung geschieden ist, jetzt nur noch als ein kurzes Zwischenspiel, als einen idealen Lärm, der uns begierig nach dein Wiederbeginn des Gesanges macht.
14 [23]
Die Menschenstimme ist die Apologie der Musik.
14 [24]
Mit welcher Dankbarkeit blickt der altgewordene Goethe auf die erotischen Empfindungen aller Arten, wie sie ihm das Leben geboten hatte! Es war eine schlechte Stunde, als Sophokles von dem Eros wie von einem wüthenden Dämon sprach—entweder ist dieser liebenswürdigste aller Athener gegen sich selber zu liebenswürdig und in Folge davon zeitweilig bösartig und tückisch und seiner überdrüssig gewesen:—oder, noch wahrscheinlicher, er schmähte den Gott und ließ ihn entgelten daß er ihn verlassen hatte.
14 [25]
Wohin ist Gott? Was haben wir gemacht? haben wir denn das Meer ausgetrunken? Was war das für ein Schwamm, mit dem wir den ganzen Horizont um uns auslöschten? Wie brachten wir dies zu Stande, diese ewige feste Linie wegzuwischen, auf die bisher alle Linien und Maaße sich zurückbezogen, nach der bisher alle Baumeister des Lebens bauten, ohne die es überhaupt keine Perspektive, keine Ordnung, keine Baukunst zu geben schien? Stehen wir denn selber noch auf unseren Füßen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und gleichsam abwärts, rückwärts, seitwärts, nach allen Seiten? Haben wir nicht den unendlichen Raum wie einen Mantel eisiger Luft um uns gelegt? Und alle Schwerkraft verloren, weil es für uns kein Oben, kein Unten mehr giebt? Und wenn wir noch leben und Licht trinken, scheinbar wie wir immer gelebt haben, ist es nicht gleichsam durch das Leuchten und Funkeln von Gestirnen, die erloschen sind? Noch sehen wir unsren Tod, unsere Asche nicht, und dies täuscht uns und macht uns glauben, daß wir selber das Licht und das Leben sind—aber es ist nur das alte frühere Leben im Lichte, die vergangne Menschheit und der vergangne Gott, deren Strahlen und Gluthen uns immer noch erreichen—auch das Licht braucht Zeit, auch der Tod und die Asche brauchen Zeit! Und zuletzt, wir Lebenden und Leuchtenden: wie steht es mit dieser unserer Leuchtkraft? verglichen mit der vergangner Geschlechter? Ist es mehr als jenes aschgraue Licht, welches der Mond von der erleuchteten Erde erhält?
14 [26]
Es ist noch zu früh, das ungeheure Ereigniß ist noch nicht zu den Ohren und Herzen der Menschen gedrungen—große Nachrichten brauchen lange Zeit, um verstanden zu werden, während die kleinen Neuigkeiten vom Tage eine laute Stimme und eine Allverständlichkeit des Augenblicks haben. Gott ist todt! Und wir haben ihn getödtet! Dies Gefühl, das Mächtigste und Heiligste, was die Welt bisher besaß, getödtet zu haben, wird noch über die Menschen kommen, es ist ein ungeheures neues Gefühl! Wie tröstet sich einmal der Mörder aller Mörder! Wie wird er sich reinigen!
9, 14[1-26] Herbst 1881
14 [1]
This is something new in the current music, as I just heard it! It represents feelings, it no longer excites them—one is content with its help to understand! How modest!
14 [2]
How cold and alien the worlds that science has discovered are to us so far! How different, for example, is the body as we feel it, see it, touch it, fear it, admire it, and the "body" as the anatomist teaches us! The plant, the food, the mountain, and everything that science shows us—it is all a completely foreign, newly discovered new world, the greatest contradiction to our perception! And yet, gradually, "the truth" is to intertwine with our dream, and—we are to one day dream more truly!
14 [3]
It is a completely new situation—it too has its sublimity, it too can be grasped heroically: although no one has done so yet. The scientific people certainly not: they are common souls, with a realm of their intellectual activity closed off from their feelings: for them, science is primarily something strict, cold, sober—no shattering outlook, no venture, no standing alone against all demons and gods. Science does not concern them—that gives them the ability for it! If they had fear or a sense of the monstrous—they would let go of it. This kind of science is the only one that the state has promoted so far!—the pursuit of knowledge without heroism, as a business, useful application of intellectual faculties, etc.
14 [4]
At night, under a starry sky, a feeling arises of how meager our ability to hear is. Oh, this deathly silent noise! —
14 [5]
Now I feel like one who has learned to sail with all winds—and his road! Today I am entirely in my Genoese boldness and scarcely know where else I should still sail—: it is as if existence were too narrow for me and as if I must discover or create a new one. I need space, a very vast, wide, unknown, undiscovered world, otherwise it disgusts me.
14 [6]
Why do I not find among the living those who look higher than I and must see me beneath them? Have I then searched poorly?— And I long so much for such ones!!
14 [7]
With my half-blind and work-shy eyes, I now prefer to walk the paths where my feet no longer need to think—I can and want no longer live in the mountains or in poorly maintained small towns, where life and stumbling go hand in hand.
14 [8]
This entire world, which truly concerns us, in which our needs, desires, joys, hopes, colors, lines, fantasies, prayers, and curses take root—this entire world we humans have created and have forgotten, so that afterward we still invented a separate creator for all of it, or tormented ourselves with the problem of "Whence?" Just as language is the primordial poem of a people, so too is the entire perceptible, felt world the primordial poetry of humanity, and even animals have already begun to compose here. This we inherit all at once, as if it were reality itself.
14 [9]
This entire world that we have created, oh how we have loved it! Everything that poets feel for their work is nothing compared to the countless outpourings of happiness that people have felt in time immemorial when they invented nature.
14 [10]
Where do we find, we loneliest of the lonely, we humans—for that is what we will surely become, through the aftereffect of science—where do we find a companion for the human! Formerly we sought a king, a father, a judge for everything, because we lacked true kings, true fathers, true judges. Later we will seek the friend—humans will have become self-created glories and solar systems—but alone. The myth-forming drive then turns toward the friend.
14 [11]
I would wish to have met, even just once, a person who, with everything that came into their hands, asked themselves: “could this not be improved?” The meals and the diet and the division of the day, etc.
14 [12]
Just as our large and small cities are now, a thinker must now understand how to find his place between two noises—or he will not find it and cease to be a thinker. Ancient Rome had more humanity for thinkers than our world!—
14 [13]
This is how we all live!—we greedily snatch things to ourselves and have insatiable eyes while doing so, then we just as greedily take from them what tastes good and is useful to us—and finally we leave the rest—everything our appetite and teeth couldn’t finish—to other people and to nature, especially everything we devoured without being able to digest—: our excrement. In this we are inexhaustibly benevolent and by no means stingy: we fertilize humanity with this undigested matter of our spirit and our experiences.
14 [14]
Everywhere where revered, admired, delighted, feared, hoped, suspected—there still lurks the god we have declared dead—he sneaks around everywhere and only refuses to be recognized and named. For when he is extinguished, he lives on like Buddha’s shadow in the cave—he continues to exist under the strange and new condition that one no longer believes in him. But he has become a ghost! Indeed!
14 [15]
In essence, all civilizations have that deep fear of the “great man,” which only the Chinese have admitted to themselves, with the proverb “the great man is a public misfortune.” In essence, all institutions are designed so that he arises as rarely as possible and grows up under the most unfavorable conditions possible: no wonder! The small have taken care of themselves, for the small!
14 [16]
The permission to beget children should be granted as an honor, and every effort should be made to remove the character of a means of reproduction from the usual sexual intercourse: otherwise, the low-minded people will increasingly gain the upper hand—for the higher spirits are not overly eager in erotic matters. Indeed, these are the brave and the warrior-like—and it is to them that we owe, on the whole, the better kind of people who still exist. But when the commercial spirit gains dominance over the warrior spirit, then—toward criminals, one should be as toward the sick: also in that one abhors allowing them to reproduce. This is the first general improvement in morals that I desire: the sick and the criminal should not be recognized as fit to reproduce.
14 [17]
So I must admit—I am angry with myself over the occasional coldness and neglect I experience from friends and former confidants—deep down, all of this leaves me unmoved, and the feeling of this ordinary indifference is what sometimes makes me wish that something might shake and stir me violently. I seek a remedy against boredom when I feign anger over such things, and I succeed poorly at it—I am good to you and remain a man of the most conciliatory heart!—
14 [18]
It is a main insight that in the valuation of all things, man gave a lower value to everything ordinary and even more to everything absolutely indispensable. The ordinary was opposed to the extraordinary as the “common”—: the indispensable as a compulsion to what the free man can arbitrarily obtain or not obtain, the superfluous, luxurious aspects of life. Thus, everything that is necessary and everything that is customary became insignificant: all fate became commonness. Whim, arbitrariness, free will, the aristocratic inclination of the ruling and arbitrarily commanding, the passion for everything rare and hard-to-attain—this was the mark of higher humanity: only then did man believe he was no longer an animal.
Wisdom and experience certainly prescribed their laws to the actor and relentlessly pointed to the necessary and the customary—but higher sentiment often enough parted ways with wisdom and gave precedence to the unnecessary, the unusual, and thus mostly also the unwise. Thus, over time, the foundation of our life and our entire way of life—which is and remains the necessary and habitual—has been stripped of higher sentiments! Eating, dwelling, procreation, trade, acquisition, business, even social life have detached themselves from the ideal—and concern for oneself, even in its finest form, is tainted with a stigma that the reproach of egoism and the praise of selflessness make understandable.14 [19]
To ally oneself with someone to suppress or push them into the shadows—a trick of politicians of all times, finer than reshaping another into a rival so that one may rise to fame through their already well-established renown.
14 [20]
The Proud hates to tremble and takes revenge on the one who made him tremble: this is the reason for his cruelty. He takes the greatest pleasure in seeing before him the one before whom he no longer trembles, even if he inflicts the most shameful and painful things upon him.— The proud man does not admit to himself what oppresses him as long as he does not see the possibility of taking revenge for this oppression. His hatred bursts forth at the moment when this possibility comes into view. All strong people who break themselves and submit to a law are cruel: earlier it gave them a similar pleasure to break the will of others and to knead the clay according to their will. All the unrecognized, the set aside, the bored are cruel, for their pride is always irritated.The weak are also cruel, and precisely in that they *want* pity from others. That is: they *demand* that others suffer too when *they* suffer and are weak. Hence, it is only half the misfortune to have had socios habuisse malorum. Finally: how cruel all *artists* are, for they will by all means that their experiences exert and gain power, that their sufferings become our sufferings! And above all the *penitential preachers*, who feel their demonic sting and thrill in publicly despising great power, in driving the highest and the lowest to the same contrition and abstinence—this is a cruelty of pride without equal! In short, people take much pleasure in cruelty; it is the most common of all enjoyments, however much the “cruel” may be reviled!
14 [21]
Oh, this new ambition of the present! Among their artists, it is the age of imitated originality and, in particular, of imitated passions: for they have the old fear of foreigners, who might not attribute enough passion to them—or indeed any passions at all—so they immediately make grimaces and excesses in tone and gesture, not out of the strength of their affect, but to create belief in the strength of their affect. Their theatrical figures, like the figures in their paintings, pursue passions so fervently that anyone who behaved thus in life would be considered mad. There is reason to fear that this public school will also drive the D to behave madly in life, for example in politics.
Their former inclinations toward the comfortable and cozy now shame them; they suspect that such inclinations condemn one to mediocrity of spirit and render one incapable of having a say in great matters—for example, on the question of happiness. One no longer wants happiness itself, but one certainly wants the pride of belonging to its ultimate judges and measurers—one has the ambition of both spirit and passion.For example, regarding the happiness of love: German artists now turn this into a vampiric creature: their “love” wants to stab the whole world in happiness, drain it dry, and leave it desolate—and if this fails, it at least seeks revenge on whatever happiness remains. But this is love in the madhouse—or it belongs there: or it creates a madhouse.—14 [22]
In piano playing, the main thing is that one lets the melody sing and the accompaniment accompany. I can now only tolerate music in which this distinction between melody and accompaniment is not made in this way as a short interlude, as an ideal noise that makes us eager for the resumption of the singing.
14 [23]
The human voice is the apologia of music.
14 [24]
With what gratitude does the aged Goethe look back on the erotic sensations of all kinds that life had offered him! It was a bad hour when Sophocles spoke of Eros as if he were a raging demon—either this most lovable of all Athenians was too kind to himself and consequently temporarily malicious, spiteful, and weary of himself:—or, even more likely, he reviled the god and made him pay for having abandoned him.
14 [25]
Where has God gone? What have we done? Have we drunk up the sea? What kind of sponge was it that wiped away the entire horizon around us? How did we manage to erase this eternal fixed line to which all lines and measures previously referred, by which all builders of life previously built, without which there seemed to be no perspective, no order, no architecture at all? Are we still standing on our own feet? Are we not continually falling? And as if downward, backward, sideways, in all directions? Have we not laid the infinite space around us like a mantle of icy air? And lost all gravity because there is no longer any up or down for us?And if we still live and drink light, seemingly as we have always lived, is it not as if through the glow and sparkle of stars that have gone out? We still do not see our death, our ashes, and this deceives us and makes us believe that we ourselves are the light and the life—but it is only the old former life in the light, the past humanity and the past God, whose rays and glows still reach us—even light takes time, even death and ashes take time! And finally, we living and shining ones: what of this our radiance? compared to that of past generations? Is it more than that ashen-gray light which the moon receives from the illuminated earth?
14 [26]
It is still too early, the tremendous event has not yet reached the ears and hearts of people—great news takes a long time to be understood, while the small news of the day has a loud voice and an instant comprehensibility. God is dead! And we have killed him! This feeling, that the most powerful and holy thing the world has ever possessed has been killed, will yet come over people, it is a tremendous new feeling! How will the murderer of all murderers console himself once! How will he cleanse himself!