9, 4[1-323] Sommer 1880

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263. Das Volk oder richtiger die wenigen Leute, welche sich an den Theaterbesuch gewöhnt haben, nehmen es als Mährchen, und geben die feierlichste Versicherung, es sei nichts Geringeres als Mythus, und alles Ernst, und nicht ohne philosophische Geheimnisse

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264. Man verlangt von der Musik, sie solle mährchenhaft seltsam unverständlich sein: wovon frühere Zeiten gar keine Vorstellung hatten. Ja festlich lustig gesellig innig feierlich! aber

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265. Jede Zeit hat ihren Erzähler von Tausend und Einer Nacht. Unserer ist jetzt Wagner; es sind Dinge, die man nicht glaubt, nicht für möglich hält—aber sehr gern einmal im Theater sieht, als wären sie wahr.

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Die moralischen Vorurtheile.

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WAS ZU VERLERNEN IST.

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2. Alle Fortschritte der Individuen werden durch den Zufall der Ehen wieder unnütz gemacht, deshalb ist es mit der Menschheit nichts. Und Gott soll die Ehen schließen!

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7. Die Illusionen haben, den Menschen auch Bedürfnisse angezüchtet, welche die Wahrheit nicht befriedigen kann.

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Byron sagt “hätte Coleridge sein schönes Talent nicht mit transcendentaler Philosophie und deutscher Metaphysik verdorben, so würde er der größte Dichter seiner Zeit geworden sein”

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10. Die moralischen Vorschriften werden in gebildeten Zeiten immer unbestimmter, wie auch die Gottesvorstellung immer blasser wird. Es wird der Moral immer mehr Gebiet entrissen (überall wo der Erfolg controlirbar wird und die Erkenntniß eintritt, hört der moralische Maaßstab auf) Da flüchtet die Moral in’s “Ideale” usw.

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11. Wie viel Illusion der Mensch zum Wohlleben nöthig hat!

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12. Wo man nicht mehr versteht, wird man feierlich. Dies kam der Moral zu Gute.

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Wie soll man handeln? Wozu soll man handeln? Aber je höher hinauf, um so willkürlicher wird die Entscheidung: um so mehr muß sie künstlich autoritativ gemacht werden. Zwecke und Mittel pathetisch machen, je weniger sie an sich klar sind.

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21. Der Beweis für die Sitten liegt nicht in ihren Folgen, sondern in den Zufällen, welche eine Gemeinde treffen. Wenn Unglück sie trifft, glauben sie entweder Verstöße gemacht zu haben, oder neue Sitten sich angewöhnen zu müssen.

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23. Gegen den, der außerhalb der Gemeinde ist, giebt es keine Sitte. Hier tritt Furcht vor dem Individuum, Mitleid mit dem Individuum auf. Innerhalb der Gemeinde ist der Leidende nicht Gegenstand des Mitleids, sondern des Argwohns, er hat sich wohl versündigt. Krankheit ist dämonisch.— Gegen den Feind entsteht das Mitleid auf der Basis der Verachtung, ein nicht-zu-Fürchtender.

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24. Die Tugend des Buddh ist: zu deinem Leid noch fremdes Leid hinzunehmen (während alles voll Leid ist) Die Tugend Christi: die Sündenstrafe auf sich zu nehmen, und die Tugend des Christen, freiwillig zu leiden nach seinem Vorbild (nicht Mitleiden—) Dies sind Anfänge der Moral mit dem Zwecke individueller Folgen. Dies der Fortschritt. Der Aberglaube daß sich mit Leiden eine Schuld tilgen lasse—ein mysteriöser Vorgang, nicht Abschreckung, nicht Rache, sondern Purgation von der Befleckung.

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25. Jene neue Moral hebt an, wenn die Gemeinde und der Staat nicht mehr in der Furcht vor Feinden leben und die Sitten sich lockern, d. h. das Individuum hervortritt, das Unsittliche. Jetzt werden die individuellen Folgen in den Vordergrund gerückt, die abergläubischen voran.

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28. Zwei Moralen der Individuen a) man lebt, um völlig dem vorschwebenden Typus in der Gemeinde gleich zu werden (“wie sein Vater,” Spruch der Spartaner) oder b) man lebt, um sich unter seines Gleichen auszuzeichnen. Im ersten Falle ist das Verschiedensein vom Typus etwas, was als Mangel empfunden wird, und das Ziel ist schwer. Im zweiten Falle ist die Gleichheit als leicht erreichbar gedacht, sie giebt noch keine Ehre.

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29. In Deutschland hat man unbändigen Respekt vor ungereiften oder verwilderten Talenten, man nennt sie “Genies,” man ist gegen den malerischen Effekt des Geist sehr empfänglich, es ist der Geschmack für das Wildromantische. Vollendung Anmuth und Freiheit des Geistes werden nicht “genossen”—man spricht da von esprit usw.

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30. Der Verrückte der Lahme als Lustigmacher. Don Quixotes schauderhaftes Beispiel. Hephäst im Olymp.

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32. Der Werth einer Sache wird gesteigert, wenn die Verehrung sich anhäuft d. h. wenn man den Nutzen einer Sache für das Individuum aus dem Auge verliert und ins Auge faßt, wie vielen Individuen sie schon genützt hat (oder zu haben scheint) Man traut ihr jetzt mehr Kräfte zu —

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33. Die Naivetät bei den Deutschen! während alle diese verwilderten Talente damit Theater gespielt haben! In Frankreich gieng sie durch den Hof zu Grunde, in Deutschland durch die Genies (selbst Beethoven)

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Das Problem in der Zeit der griechischen Tragödie war: wie konnten diese gräßlichen Dinge eigentlich geschehen, während die Thäter Heroen und keine Verbrecher waren? Dies war die große Übung in der Psychologie Athens.

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Die Neigung zu scheußlichen Thematen. Nothzucht, Blutschande usw.—woraufhin?

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Ungeschickte Gebärden und Worte der Abweisung werden als Beleidigung empfunden, wenn jemand aus dem tiefsten Gefühle reden möchte z. B. “sagen Sie mir keine Complimente”

4 [25]

Die Kindesmörderin handelt aus Furcht vor Schande und bringt ihr das größte Opfer. Wenn die Gesellschaft nicht verachtete und schändete, würde das Kind leben bleiben. Adam Bede.

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Das Verhehlen der That als moralisch ursprünglich—der Gesellschaft soll sie aus der Welt geschafft werden: ebenso Verhehlung des Übelthäters.

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Man kann den Werth der Moralität nur bestimmen indem man sie an etwas mißt z. B. am Nutzen (oder Glück); aber auch den Nutzen muß man wieder an etwas messen—immer Relationen—absoluter Werth ist Unsinn.

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Die Vernunft als Ursache der moralischen Gefühle—und der Einfluß der moralischen Gefühle auf die Entwicklung der Vernunft!

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Die Anrede “mein Herr” zeigt, wie sehr allen Menschen die Unterwerfung schmeichelt und wie jeder vor allem stolz und herrschend gedacht werden will.

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Schopenhauer, so fern der Verneinung, war doch so anständig, sie nie zu heucheln und keinen Putz daraus zu machen; was ehrgeizige Künstler sofort thun, weil sie dadurch einen Vorrang zu gewinnen hoffen. Die Schauspielerei mit asketischen und mirakulösen Stoffen ist schon ein Stück persönlicher Heuchelei.

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Die Rhetorik eine Kunst wie die Architektur—der Nutzen ist die erste Norm (und sobald sie als Kunst bewußt wirkt, hebt sie die Wirkung ihres Nutzens auf oder stellt ihn in Frage. Oder umgekehrt?) Wir sollen dabei nicht an den Nutzen denken, aber unvermerkt dazu geführt werden, daß uns genützt werde.

Nein! Der Rhetoriker und der Schauspieler sind zu vergleichen: 1) geht auf eine Wirkung aus 2) stellt eine Wirkung dar.

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Shakespeare und Aeschylus, die vielartigen Dramatiker, beugen sich vor den einartigen höheren Menschen, den Dichtern ihrer Zeit. Goethe beugt sich vor Shakespeare—nicht vor dem Theater-Dichter, sondern, als Anhänger Rousseaus, vor der Natur-Unendlichkeit in ihm. Es ist ein Zeitgeschmack.

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Ach der menschliche Intellekt! Ach “Genie”! Es ist nicht so gar viel, einen “Faust,” eine Schopenhauerische Philosophie, eine Eroica gemacht zu haben!

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Gerecht sein—nichts! Alles flüssig! um nur zu sehen brauchen wir Flächen, Beschränktheiten!

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Die Thatsache ist der ewige Fluß. Der Staat bemüht sich, aus seinen Bürgern etwas von bleibendem Charakter zu machen, die Moral aus jedem Individuum etwas Festes—Das Gedächtniß ist die Grundlage für diese anscheinende Festigkeit (von Tag zu Tag, von Generation zu Generation), Verachtung gegen den Wechsel gelehrt.

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Der blinde Maulwurf stammt vom gut sehenden ab—Wirkung der Dunkelheit auf die Sehnerven.

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In der Moral ist selbst die Periode der Hypothesen noch nicht dagewesen: sie ist jetzt gut zu heißen; der Umfang der Möglichkeiten, aus denen die Moralität ihre Entstehung haben könnte, ist jetzt durch Phantasie zu erschöpfen. Ich mache den Anfang; sehr skeptisch!

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Irgendwann einmal wird “Vererbung” eben auch als Schlupfwinkel der Unklarheit und der Mythologie gelten: einstweilen ist es noch etwas.

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Die Art, wie der M von seinen Mitm im Geiste abhängt, ist sehr paradox und gar nicht so von selber einleuchtend.

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Goethe that sich etwas darauf zu Gute, was für Mühe nöthig gewesen sei, um gegen Voltaires Naturauffassung Stand zu halten.— Es war ein Irrthum, und es bezeichnet die Reaktion.

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Die Huldigung des Genies vor der Güte bei Schopenhauer war eine schöne Attitüde.

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Der Mensch, erstaunlich furchtsam, versucht nur nothgedrungen etwas Neues. Gelingt es, so wiederholt er es, bis es eine Sitte wird und spricht es heilig.

4 [43]

Werden die Contemplation die Thätigen nicht nothwendig mißverstehen? Ist viel Erkenntniß also von ihnen in Betreff der Geschichte zu erwarten? Aber es giebt zurückgekommene Thätige: deren Sache ist dies.

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Das höchste Glück, wie es Plato und Aristoteles erkannten, ist nicht in der intuitiven Erkenntniß (Genialität Schopenhauer’s), sondern der thätige dialektische Verstand ist die Quelle dieses Glücks—Übrigens sind es subjektive Urtheile, daß hierin das größte Glück liege—aber für solche Subjekte danke ich.

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Menschen, die in der Einsamkeit leben, quälen sich oft erstaunlich über ihren Charakter: aber nicht der Charakter, sondern die Einsamkeit ist, woran sie leiden. Wer dies nicht hinnehmen will, der gehe in den Strom der Welt zurück, wo man “seinen Charakter bildet”: während die Einsamkeit ihn verzehrt.— Man gewöhne sich an den Verkehr mit den Todten: dies erhält den Charakter. Nein, man soll sich mit gebildetem Charakter erst in die Einsamkeit begeben—nicht zu früh!

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Auf die Welt verzichten, ohne sie zu kennen, wie eine Nonne dies giebt eine unfruchtbare Einsamkeit, vielleicht eine schwermüthige, entsagende—aber vita contemplativa soll nichts von Entsagung haben, sondern von solchen Naturen gewählt werden, denen die vita practica eine Entsagung wäre, Entsagung von sich selber.

Zuletzt braucht die vita contemplativa nicht einsam zu sein: selbst als Ehe denkbar.

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Jemand der starken Kafee getrunken hat, sieht nicht nur im Spiegel gesehen lebhafter aus, sondern er sieht auch sein Bild lebhafter an (sieht mehr als sonst davon)

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Sich vor einem Gotte hinwerfen, sich ganz in seine Gnade begeben, noch über sein Almosen überselig zu sein, einem Hunde gleich ihn umwedeln—das hat als höchste Aufgabe des Menschen gegolten! Dadurch ist die Liebe als Moralprincip für alle Zeiten etwas verdächtig geworden. Was ehemals einem Gotte gegeben wurde, das jetzt einem Genie, einem Fürsten; einem Weibe — —

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Richard Wagner trägt für mich—zu viel falsche Diamanten.

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Nicht das unegoistische Handeln ist (durch Vergessen) aus Vererbung entstanden, sondern das fortwährende Denken an Andere als Maaß unserer Handlungen.

4 [51]

Wir thun so vieles um der Andern Willen, fast Alles, daß die Handlungen, bei welchen wir einzig an uns denken, Ausnahme sind: die Egoisten sind die größte Ausnahme.

4 [52]

Auch die (chinesische) Tugend der Höflichkeit ist eine Folge des Gedankens: ich thue den Anderen wohl, weil es mir so zu Gute kommt—doch so daß dies Weil vergessen worden ist. Nicht aber entsteht Wohlwollen auf dem angegebenen Wege durch Vergessen.— Aber Höflichkeit ist doch sehr benachbart. Die Chinesen haben die Familienempfindung durchgeführt (Kinder zu den Eltern), die Römer mehr die der Väter zu der Familie (Pflicht

4 [53]

, sagen die Neuplatoniker, d. h. nützlicher ist das Nützliche als die Wahrheit—natürlich. Wenn die Erhaltung und Förderung des Glückes die letzte Aufgabe ist, da mag die Wahrheit zusehn, wie sie dem Irrthum im Wettstreit Stand hält. Zuletzt aber wird sich die Menschheit auf die Wahrheit einrichten müssen, wie sie sich auf die Natur einrichtet, obwohl eine Allgegenwart liebevoller Mächte ein angenehmerer Glaube gewesen sein mag. Dann wird viel trügliche Hoffnung und also viel Enttäuschung weniger sein, und der Anlaß zum Trösten seltener als jetzt.

4 [54]

Die Philosophen jetzt als Dekorationskünstler der Wissenschaft, sie arrangiren effektvoller Natur.

4 [55]

Grundsätze: es giebt in der Natur keine Zwecke, es giebt keinen Geist außer bei Menschen und menschenartigen Wesen, es giebt keine Wunder und keine Vorsehung, es giebt keinen Schöpfer, keinen Gesetzgeber, keine Schuld, keine Strafe.

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Luther läugnet daß Gott Gefallen haben könne an den “gerühmten geistlichen Werken der Heiligen”—etwas boshaft. Nur an den 10 Geboten.

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(Baum 243) Luther: etwas haben, dem das menschliche Herz in Allem trauen könne d. h. einen Gott haben. Nach Thomas Aquinas braucht der Mensch wegen der Mängel, die er fühlt, einen Höheren, dem er sich unterordnet, und der ihm helfen und leiten kann: Gott.— Beide meinen es müsse einen Gott geben, weil die Menschen ihn nöthig haben. So auch Fräulein v M, es wäre das Leben nicht auszuhalten, wenn alles nur eine letzte physische Bedeutung hätte. In Wahrheit ist es umgekehrt: weil man an Gott oder an die ethische Bedeutung des Daseins gewöhnt ist zu glauben, vermeint man, “der Mensch” habe sie nöthig, es sei sonst nicht zu leben möglich.— Übrigens ergäben sich daraus höchstens “nothwendige Vorstellungen”—erst wäre ein Gott oder die ethische Bedeutung des Daseins damit nöthig.

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Unter den contemplativen Naturen haben 1) die religiösen am stärksten gewirkt, den praktischen Menschen das Leben schwer zu machen 2) die Künstler sind gewöhnlich unerträglich als Personen, und dies ist vom Gewinn ihrer Werke abzuziehen 3) die Philosophen waren etwas von beider Art und noch dazu gemischt das Dialektische, wodurch sie langweilig wurden für die Praktiker 4) die Denker

4 [59]

Luther ließ seine Wuth gegen die vita contemplativa aus, nachdem ihm das Mönchsleben mißrathen war und er sich zum Heiligen unfähig fühlte, rachsüchtig und rechthaberisch, wie er war, trat er auf die Seite der vita practica, der Ackerbauer und Schmiede.

4 [60]

Ich glaube daß viele von uns, wenn sie mit ihren enthaltsamen mäßigen Sitten ihrer Sanftmuth ihrem Sinn fürs Rechte in die Halbbarbarei des 6.—10. Jahrhunderts versetzt würden, als Heilige verehrt würden.

4 [61]

Ach die tiefe Erniedrigung, die mich ergreift, wenn ich die Badegesellschaft sprechen höre, oder in einen Speisesaal junger Männer trete, oder eine Zeitung in die Hand nehme.

4 [62]

Nehmen wir an, daß ein guter Arzt unter Wilde käme, und ließe sich das Zauberer-Wesen gefallen, um wie viel wäre er allen Zauberern überlegen! Ebenso jeder gute Historiker jetzt jedem Propheten!

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Zwecke sind meistens ungewollte, aber sehr erwünschte Ergebnisse, mit denen wir nachträglich unsere Handlungsweise vor der Vernunft rechtfertigen.

4 [64]

Etwas, das seit langem besteht, nicht zu Grunde gehen lassen—eine vorsichtige Praxis, weil alles Wachsthum so langsam ist und selbst der Boden so selten günstig zum Pflanzen. Die bestehenden Kräfte umbiegen zu anderen Wirkungen!

4 [65]

Theatralische Musik (—nicht “dramatische Musik”) richtet den Geschmack an der Musik zu Grunde, wie das Theater selber die Freude an der Poesie beeinträchtigt (es fehlt Einsamkeit Natur, wirkliches Leben um uns, es ist ein Luxus und eine Versammlung der Müssiggänger, stimmungslos.

4 [66]

Der gemischte unreine Charakter der Künstler: ehrgeizig und rücksichtslos, in wüthender Rivalität gegen alles, was Ansehen hat, ja selber gegen alles, was tüchtig und achtungswerth ist, und in den Mitteln ohne Bedenken, verleumderisch tückisch—ganz Napoleon, aber man fühlt sich bei ihm in ehrlicher Luft, weil er weiß, was er will und sich nichts über sich vormacht. Die Spekulation auf die Massen, auf die Enthusiasten jeder Art, diese Furcht vor dem Geiste und der moralist Wissenschaft (Napoleon litt nicht daß von de Tracy und Cabanis in irgendeinem Sinne geredet wurde)—alles, was die Instinkte der besten Anhänger, der Fanatiker verletzen würde, wird herausgewittert und verunglimpft, als Gegenstand des Hasses selbst im Motiv der Kunst noch gebrandmarkt, und umgekehrt: der Fanatismus die todwüthende Liebe durch die Kunst gepredigt. Im eignen Leben völlig bequem, bekennt man sich zu den extremsten fanatischen Tugenden (wie Keuschheit Heiligkeit unbedingte Treue)—so wird alles eine Schule des Fanatismus, Kunst, Ansichten, Anhänger.

4 [67]

Alle Moralen und Gesetze gehen darauf aus, Gewohnheiten anzupflanzen d. h. für sehr viele Handlungen die Frage nach dem Warum? aufzuheben, so daß sie instinktiv gethan werden. Dies ist auf die Dauer eine große Beeinträchtigung der Vernunft. Sodann ist “Handeln aus Gewohnheit” ein Handeln aus Bequemlichkeit, auf den nächsten Impuls hin, zugleich eine Furcht vor dem Ungewöhnlichen, vor dem, was die Andern thun, eine Beeinträchtigung des Individuums. Eine Rasse mit starken Instinkten züchten—das will eine Moral.

4 [68]

“Moralische Gefühle” sagen die Deutschen, “moralische Urtheile” die Engländer. “Mitleid” gehört z. B. für St. Mill nicht unter die moralischen Phänomene, sondern unter die der “Liebenswürdigkeit,” es ist Sache der “Sympathie”; und die großen Stoiker haben sie sogar als unmoralisch bezeichnet. Für die Gefühle giebt es kein “du sollst,” sondern nur “ich muß”: aber was wird aus der Pflicht, wenn der Mensch sich sagt “dies muß ich thun, ob ich es soll oder nicht” “ich kann nicht anders.” Dies bewundert der Deutsche z. B. an Luther: nicht, wie einer sich unter ein Gesetz zwingt, beugt, sondern wie einer trotz allem Gebot und Verbot sich selber treu ist, d. h. man bewundert in Deutschland das individuelle Handeln, wohl weil es dem furchtsamen und gehorsamen Deutschen so selten ist.

4 [69]

Wenn ich sage: “diesen Menschen mag ich, mit ihm sympathisire ich,” so soll das nach Schopenhauer moralisch sein! Und wieder die Antipathie das Unmoralische—als ob nicht aus demselben Grunde einer für diesen sympathisch, für den anderen antipathisch empfände! So wäre der Moralische nothwendigerweise unmoralisch!— Vielmehr hat man Sympathie und Antipathie-haben nie ins Moralische gerechnet, es ist eine Art Geschmack—und Schopenhauer will, daß wir den Geschmack für alles was lebt hätten? Das müßte ein sehr grober und roher gefräßiger Geschmack sein, der mit allem zufrieden ist!

4 [70]

Wenn ein Idealist der Praxis nicht Skeptiker aus Instinkt ist, so wird er zum Narren der Eitelkeit und hält sich zuletzt für Gottessohn.

4 [71]

Es ist ein Interesse des Menschen, das was er seinem Eigennutze abgerungen hat und dem allgemeinen Besten opfert, mit so hohen Worten wie möglich zu benennen; die, welche wenig opfern, bestehen am strengsten auf der moralischen Prachtrede. Wem es natürlich ist, der will, daß einfach davon gesprochen werde, womöglich etwas zu gering: so fällt es nicht in die Augen und kann still geübt werden. Die Besten haben ein Interesse an der Verkleinerung der moralischen Wortwerthe.

Andere haben die moralischen erhabenen Attitüden nöthig, jene Halbschauspieler, deren Werth in dem liegt, was sie bedeuten, nicht in dem, was sie sind.

4 [72]

Wenn ein Mensch, dessen Leben voll von Ehebruch und Unzucht ist, die Keuschheit verherrlicht, so hat er allen Grund dazu: denn mit derselben wäre sein Leben viel würdiger gewesen; er kennt den Eros nicht anders als einen wilden unersättlichen wüsten Dämon. Aber für wen er etwas anderes ist (für einen Anacreon), für den wird auch die Keuschheit nichts so Verehrungswürdiges an sich sein.

4 [73]

Wie die Natur nicht nach Zwecken verfährt, so sollte der Denker auch nicht nach Zwecken denken d. h. nichts suchen, nichts beweisen oder widerlegen wollen, aber so wie bei einem Musikstück zuhören: er trägt einen Eindruck davon, je wie viel oder wie wenig er gehört hat. Dieser Eindruck entsteht aus einer Vergleichung dessen, was man früher an Eindrücken von Musik gehabt hat, man muß diese Art Sprache verstehen; je feiner man sie versteht, desto größer ist Lust und Unlust dabei. Der grobe Mensch genießt das Leben wie die Musik jeder Art, wesentlich als Genuß und Lust.— Die feineren Kunstfreuden sowie die feineren Erkenntnisse muß man theuer erkaufen d. h. zu oft durch Enttäuschung Unbehagen leiden.— Die Masse und die Häufigkeit des musikalischen Genusses nimmt mit der Verfeinerung des Geschmacks ab—ist dies ein Gegengrund gegen die Entwicklung der Musik und die Pflege derselben? Und ist es nicht in allem so, auch in der Erkenntniß? An was für Dingen hat ein Kind Erkenntnißfreuden! Und wie groß!

4 [74]

Wir dürften nicht erstaunt sein, wenn einer lehrte, kein Mensch habe bis jetzt das Motiv seines Handelns gekannt, denn zwischen das wirkliche Motiv habe sich das angelernte Scheinmotiv gelegt, seit Menschenanbeginn. Wir sehen und hören so schlecht und sind so eingebildet dazu!

4 [75]

Die vielen Kümmernisse und Ärger der gebildeten Stände, ja der sublimsten Geister —

4 [76]

Als die höheren Triebe werden die bezeichnet, die im Gegensatz zu den verachteten stehen. Man verachtet aber, was keine Furcht einflößt, bei niedrigen Leuten zu haben ist usw.— Es sind ganz verschiedene Dinge zur höheren Menschlichkeit gerechnet worden, entgegengesetzte.

4 [77]

Die Moral die zunächst gar nicht an’s Glück der Individuen denkt, vielmehr dasselbe fürchtet und zu dämpfen sucht (“Maaß” der Griechen) will etwas, das über die Zeit der Individuen hinausreicht, den Verband mehrerer Generationen und zwar vom Standpunkt der Gemeinde: das Individuum ist der Sündenbock für die Collektiva “Staat” Menschheit usw. “Nur als Ganzes können wir uns erhalten” das ist die Grundüberzeugung. So denken die alten Männer und die Fürsten, welche ihren Nachkommen die Gemeinde gesichert übergeben wollen. “Tugend” ist hier nicht etwas Auszeichnendes, sondern die verlangte Regel, welche kein Lob erntet (wie in militärischen Organisationen) Individuelle Auszeichnung ist überhaupt erst in Griechenland erfunden worden, in Asien gab es nur Fürsten und Gesetzgeber. Die Moral für Individuen trotz der Gemeinde und deren Satzung beginnt mit Sokrates.

4 [78]

Wenn die Moral Tapferkeit Treue Enthaltsamkeit außer der Ehe vorschreibt, so denkt sie nicht an das Glück des Einzelnen als Zweck, an seine geistige und leibliche Gesundheit: vielmehr bringt sie diese dem allgemeinen Wohle zum Opfer. Für die Moral besitzt die geringere Menschlichkeit einer Masse einen Werth, den sie mit der höheren Menschlichkeit Einzelner zu bezahlen kein Bedenken trägt: ebenso in Betreff der Gesundheit, des Glücks. Dabei geht sie von sehr unwissenschaftlichen Voraussetzungen über die Mittel aus, wodurch eine Masse Glück Gesundheit Fortbestand erlangt: sie irrt sich oft genug. Die Änderungen der Moral sind Beweise, daß man sich geirrt hat und es fühlt.

4 [79]

Alle bisherigen Moralen gehen von dern Vorurtheil aus, daß man wüßte, wozu der Mensch da sei: also sein Ideal kenne. Jetzt weiß man, daß es viele Ideale giebt: die Consequenz ist der Individualismus des Ideals, die Leugnung einer allgemeinen Moral.

4 [80]

Viele Menschen sind nur eines sehr geringen Glücks fähig: es ist kein Einwand gegen eine Moral, daß sie diesen nicht mehr Glück geben könne, so wenig es Einwand gegen die Heilkunst ist, daß manche Menschen nicht zu kuriren und ewig kränklich sind.— Es ist die Lebensauffassung zu wählen, bei der wir unser höchstes Maaß an Glück erreichen: das immer noch sehr klein sein kann.

4 [81]

Wodurch haben sich die adligen Geschlechter so gut erhalten, zu allen Zeiten? Dadurch daß der junge Mann in der Ehe nicht vor allem Geschlechtsbefriedigung suchte, und in Folge dessen sich hierin berathen ließ und nicht von der amour passion oder amour physique sich fortreißen ließ, unpassende Ehen zu schließen. Erstens waren es in Sachen der Liebe erfahrene junge Männer, welche sich verheirateten—und dann hatten sie an Repräsentation usw. zu denken, kurz mehr an ihr Geschlecht als an sich zu denken. Ich bin dafür, moralische Aristokratien wieder zu züchten und außerhalb der Ehe etwas Freiheit zu geben.

4 [82]

Es giebt keine Handlung noch Denkweise, die an sich sittlich wären, ohne Rücksicht auf das, was in einem Land und Volk als Sitte gilt. Wohl wäre es möglich daß ein Philosoph die Menschen eines Landes überredet, es anders zu empfinden: also an das “An sich Sittliche” zu glauben. Damit ist dann diese Denkweise (der Glaube an das Sittliche) zur Sitte geworden: d. h. ein Irrthum gilt hier als sittliches Gebot.

4 [83]

List Betrug Wortbruch Mord Grausamkeit, in Hinsicht auf die Feinde der Gemeinde—gilt als tugendhaft: ein Behandeln der Feinde als auszeichnend und ruhmgebend.

4 [84]

Bei der Annahme einer ewigen Existenz des Individuums ist der Individualismus extrem, er kennt keine Rücksicht auf bestehende Gemeinwesen, es ist jede Rücksicht unsinnig im Verhältniß zu einer Ewigkeit: kein Compromiß, keine Milde, nicht eine Linie breit ist nachzugeben, wenn es sich darum handelt. Hier ist der Fanatismus des Individuums auf seiner Höhe: dagegen wir mit unseren 70 Jahren dürfen milder sein. Was liegt zuletzt daran ob einer 70 Jahre leidet!

4 [85]

Ein Ideal aufstellen, voranstellen, als Einleitung? Ungestört in ewiger Ruhe, durch sein Vorbild, nicht durch aktives Eingreifen wirken, sich sichtbar werden lassen, nicht lang leben wollen, sondern individuell, durch keine Tugend sich auszeichnen, in keiner Sitte heimisch, ohne Vaterland, leicht angeknüpft an die Bedürfnisse, nicht nörgelnd und verunglimpfend, aber tapfer allerwegen, im Erkennen Anerkennen, und daher versöhnend in der That, ohne Absicht, den großen Worten und dem sittlichen Richten abgeneigt, nicht böse sein über die, welchen manche dieser Einsichten zu häßlich sind und deshalb nicht mit uns weitergehen wollen—vielleicht sind sie feinere Naturen, und Tapferkeit ist keine Tugend, sondern Sache des Temperaments —

4 [86]

Die Historie ist als reaktionäre Macht nach der Revolution aufgetreten (s. St. Mill über Coleridge). Und jetzt? —

4 [87]

Die Naturen welche sich am kräftigsten gegen die Moral gesträubt haben (wohl die Individuen!) müssen noch ihre Ehre haben. Bis jetzt sieht man den Fortschritt nur auf der anderen Seite.

4 [88]

Diese Betrachtung ist nicht für—geschrieben. Herzliches und feines Theilnehmen an den menschlichen Dingen, ohne aufdringlich durch Rathgeben zu werden.

4 [89]

Jene Wirkung der “Erlösung” übte eine Einbildung: genug daß eine Vorstellung im Stande ist, dem Menschen den Sieg über sein anhängendes unvermeidliches Wesen zu geben und ihn triumphiren zu lassen.

4 [90]

Man könnte die Menschen darnach abschätzen, wie hoch das Glück eines jeden ist, das ihm überhaupt möglich ist: wiederum, wie viel Glück er mitzutheilen vermag, wie viel Unbehagen und Unglück usw.

4 [91]

Beschäftigt wollen die Menschen noch mehr als glücklich sein. Also ist jeder, der sie beschäftigt, ein Wohlthäter. Die Flucht vor der Langeweile! Im Orient findet sich die Weisheit mit der Langeweile ab, das Kunststück, das den Europäern so schwer ist, daß sie die Weisheit als unmöglich verdächtigen.

4 [92]

Die Wirkung der Musik auf hysterische Personen männlichen und weiblichen Geschlechts kann ungeheuer sein und ganz unabhängig vom Verdienst des Componisten. Elementarische Wirkungen treten häufig bei Wagn Musik auf. Die Grenzen der reinen Elemente der M sind noch nicht erkannt (Bergluft Schönheit

4 [93]

Das Gewissen, insofern es wesentlich unlustvolle Empfindungen erzeugt hat, gehört unter die Krankheiten der Menschheit.

4 [94]

Man beachte wie z. B. ein plötzlicher Regenguß auf verschiedene Personen wirkt: jeder legt das Ereigniß nach Stimmung und Temperament aus. Unsere Schmerz empfindungen scheinen nur Schwächen des Organism zu sein: dieselben Reize führen zur Lust. Es giebt nichts an sich Unglückliches.

4 [95]

“Das Auge kann nie durch das Sehen hervorgerufen worden sein” Semper. NB. “Nie wird eine Farbe durch Zuchtwahl oder Anpassung hervorgebracht, sondern immer nur eine Färbung, Anordnung der Farben” Semper-32.]

4 [96]

Es herrscht immer noch die Neigung alle hochgeschätzten Dinge und Zustände auf eine noch höhere Ursache zurückzuführen: so daß diese Welt hoher Dinge gleichsam ein Abglanz einer noch höheren sei. Es scheint also die Verminderung einer Eigenschaft den Menschen natürlicher als eine Steigerung: “das Vollkommene kann nicht werden, sondern nur vergehen” ist eine uralte Hypothese. Erinnerung an eine frühere bessere Welt (Präexistenz) oder Paradies im Anfange oder Gott als Ursache der Dinge—alles setzt die gleiche Hypothese voraus. “Der werdende Gott” ist der mythologische Ausdruck für die wahren Vorgänge.

4 [97]

“Gehirn im Fuße,” Mollusken theilweise: Ohr im Schwanze, Crustaceen

4 [98]

Die Entsinnlichung in der Moral und das Lob der Heiligkeit ist ein niedrigerer Grad als die hellenische Forderung der Mäßigkeit. Orientalische Wüstheit weiß sich nicht anders zu helfen. Die Verneinung der Welt ist die Consequenz des Dünkels solcher Naturen.— Statt zu herrschen, lieber verzichten, so daß es nichts mehr zu beherrschen giebt: Mittel der äußersten Gefahr.

4 [99]

Es ist vollkommen falsch, daß die großen Geister wesentlich gleich über das Dasein und den Menschen geurtheilt hätten: diese Gleichheit nachzuweisen geht vom Glauben aus, daß die Genie’s dem Wesen der Welt näher ständen und insofern auch richtiger d. h. gleichmäßiger sagen müßten, was sie sei. Aber die Genie’s haben individuelle Ansichten gehabt—und sich in die Dinge hineingetragen: weshalb sie sich tief widersprechen und immer alle andern vernichten zu müssen glauben.

4 [100]

Es giebt so viele Moralen jetzt: der Einzelne wählt unwillkürlich die, welche ihm am nützlichsten ist (er hat nämlich Furcht vor sich selber) d. h. er muß den Irrthum umarmen, im Grade darnach, daß er ein gefährliches Thier ist.— Ehemals wo die Leute Einer Rasse gleich waren, genügte auch Eine Moral.

Jetzt sind die Menschen sich sehr ungleich! Es giebt mehr Individuen als je, man lasse sich nicht täuschen! Nur so malerisch und grob sichtbar sind sie nicht, wie früher.

4 [101]

Da es mehr als je individuelle Maßstäbe giebt, so ist wohl auch die Ungerechtigkeit größer als je.— Der historische Sinn eine moral Gegenkraft. Das Wehethun durch Urtheile ist jetzt die größte Bestialität, die noch existirt. Es giebt keine allgemeine Moral mehr; wenigstens wird sie immer schwächer, ebenso der Glaube daran unter den Denkern.

Es giebt genug Menschen, welche ohne Moral leben, weil sie dieselbe nicht mehr nöthig haben (wie solche die ohne Arzt Medizin peinliche Prozeduren leben, weil sie gesund sind und entsprechende Gewohnheiten haben) Moralisch bewußt leben—setzt Fehlerhaftigkeit voraus und deren Druck und Folgen d. h. wir haben unsere Existenzbedingungen noch nicht gefunden und suchen sie noch.

Für das Individuum, so weit es kein Denker ist, hat Moral ein begrenztes Interesse: so lange es ihm nicht wohl, nicht regelmäßig zu Muthe ist, denkt er nach den Ursachen und sucht moralische, da andere ihm als Schlechtgelehrten unbekannt sind. Die Fehler seiner Constitution seines Charakters in die Moralität sich schieben, an seiner Krankheit schuld sein wollen—ist moralisch!

4 [102]

Wenn einer seine Sitten festgestellt hat, mit denen er seine Umgebung erträgt und die Umgebung ihn erträgt, so ist er sittlich. So lange er schwankt und niemand sich auf ihn verlassen kann, ist er es noch nicht. Der “Sittliche” wird “berechenbar” z. B. als Parteimann: daher viel Haß gegen den Unsittlichen.

4 [103]

Der Trost Luthers als die Sache nicht vorwärts gieng, “Untergang der Welt.” Die Nihilisten hatten Schopenhauer als Philosophen. Alle die extrem Aktiven wollen die Welt in Stücke gehen lassen, wenn sie ihren Willen als unmöglich erkennen (Wotan)

4 [104]

Wir haben nur gegen uns selber wahr zu sein: gegen Andere es zu sein ist Aufopferung, und nur in dem Falle, daß dazu der natürliche Hang in uns ist, ist auch die Wahrheit gegen Andere ein Gebot der Natur, das befriedigt werden will.— Gegen uns selber ist es Selbsterhaltung z. B. unsere physischen Kräfte müssen wir uns richtig vorstellen. Uns im Geistigen einen Sprung zumuthen, zu dem unsere Beine nicht reichen, ebenso im Moralischen ist Anlaß zu Beinbrüchen und den schwersten Schmerzen; unsere Moralität hat das Maaß ihrer Idealität an dem Maaße der uns möglichen Kraft, vorausgesetzt daß wir diese steigern können. Alles Wachsthum muß allmählich, nicht sprungweise geschehen.— Wie viel Elend ist in der Welt, dadurch daß man an sich den Maaßstab einer unmöglichen Moralität legt! Man schämt sich doch nicht, wenn man nicht wie ein Läufer zu laufen vermag: aber in moralischen Dingen sind wir so kindisch, das Fehlen der natürlichen Bedingungen sich zur Schuld und Schande anzurechnen! Als ob wir unser Werk wären! Dies ist auch wirklich die Hypothese, auf der jenes Schamgefühl wuchs.

4 [105]

Die höheren Menschen unterscheiden sich von den niederen wie die höheren Thiere von den niederen, durch die Complicirtheit ihrer Organe und Menge derselben. Sich nach Einfachheit sehnen—d. h. es leichter haben wollen!

Jetzt wird immer noch, namentlich von Künstlern, der Halbbarbar verherrlicht: Kraft Gefühl Unwissenheit natürliche Gebärde und Instinkte—dies ist der malerische Standpunkt “diese Gattung nimmt sich gut aus”—jetzt ist die Gefahr der Erkrankung und partiellen Verkümmerung so vieler Organe groß.

4 [106]

Jetzt gefällt es, sich hetzen zu lassen und zu hetzen: selbst Künstler wählen den Geist der Unzufriedenheit als die Muse, welche sie begeistert. Sieht man sie dann in ihren Erholungen, so sind sie ganz leer, sie haben keine Kraft daran zu verschwenden und ziehen das Fadeste vor (selbst bedeutende Gelehrte). Es wäre sehr unbillig, darnach die Zeit zu beurtheilen: sie giebt im Vergnügen und der Erholung nicht sich ganz, geschweige denn ihren besten Theil zu erkennen. So sei man tolerant gegen ihre Kunst, und bedaure die höheren Künstler, denen die Zeit nicht entspricht, wahrlich nicht, weil sie ihrer unwürdig wäre! Das beurtheilt man als Jüngling falsch.

4 [107]

Die Moralisten nahmen die vom Volke verehrte Moral als heilig und wahr und suchten sie nur zu systematisiren, d.h. sie hiengen ihr das Kleid der Wissenschaft um. Den Ursprung zu untersuchen hat kein Moralist gewagt: der rührte an Gott und dessen Boten! Man nahm an, daß die Moral im Munde des Volks entstellt lebe, daß es ihrer “Reinigung” bedürfe. —

4 [108]

Man ehrt die welche im Denken den Bann der Sitte durchbrachen. Aber die welche es durch die That thaten, verunglimpft man und schiebt ihnen schlimme Motive unter. Dies ist unbillig, mindestens sollte man den Freidenkern dieselben schlimmen Motive unterschieben.— Daß im Verbrecher sehr viel Muth und Originalität des Geistes, Unabhängigkeit bewiesen werden könne, wird verhehlt. Der “Tyrann” ist vielfach ein freierer tapferer Geist, sein Wesen nicht schlechter als das der Furchtsamen, oft besser, weil ehrlicher. Man beantwortet jetzt allgemein die Frage ob die russischen Nihilisten unmoralischer seien als die russischen Beamten zu Gunsten der Nihilisten.— Es sind zahllose Sitten den Angriffen der Freidenker und Freithäter zum Opfer gefallen: unsere jetzige individuelle Denkweise ist das Resultat von lauter Verbrechen gegen die Sittlichkeit. Jeder der das Bestehende angriff, galt als “schlechter Mensch”; die Geschichte handelt nur von diesen schlechten Menschen!

4 [109]

Die Freithäter sind im Nachtheil gegen die Freidenker, weil ihre egoistischen Motive sichtbarer werden als die jener. Aber jene fanden die Befriedigung ihrer egoistischen Motive oft schon im Aussprechen des Verbotenen: so ist das Unmoralische harmloser und deshalb beschimpft man es nicht. In Hinsicht auf die Quelle ist alles Eins: Napoleon und Christus.

4 [110]

Die Griechien litten nach Aristoteles öfter an einem Übermaaß von Mitleid: daher die nothwendige Entladung durch die Tragödie. Wir sehen, wie verdächtig diese Neigung ihnen vorkam. Sie ist staatsgefährlich, nimmt die nöthige Härte und Straffheit, macht, daß Heroen sich gebärden wie heulende Weiber usw.— In jetziger Zeit will man das Mitleid durch die Tragödie stärken—wohl bekomm’s! Aber man merkt nichts davon, daß es da ist, vorher und nachher.

4 [111]

Entweder man gehorcht als Sklave und Schwacher, oder man befiehlt mit: letzteres der Ausweg aller stolzen Naturen, welche jede Pflicht sich auslegen als Gesetz, das sie sich und den Anderen auferlegen: ob es gleich von außen her ihnen auferlegt wird. Dies ist die große Vornehmthuerei in der Moralität—“ich soll, was ich will” ist die Formel.

4 [112]

Seit Rousseau hat man die Unmittelbarkeit des Gefühls verherrlicht, sich jemandem an die Brust werfen, seinen Zorn wie seinen Speichel auswerfen usw. Sonderbar, daß alle großen Weisen der Moral das gerade Gegentheil verlangt haben! Zurückhaltung des Gefühls—und daher die Würde im Benehmen des sittlichen Menschen. Es giebt reizende vollkommene Seelen, denen es wohl ansteht, weil sie kein Übermaaß in sich haben: aber das Gesetz nach einem Mozart machen, heißt doch ; wir sind keine Singvögelchen. Auch gute und respektable Gefühle, maaßlos und unmittelbar geäußert, erregen Widerwillen gegen sich: so hat wohl jeder einmal das Mitleiden, das sich nicht in Schranken hält, zu allen Teufeln gewünscht.

4 [113]

Ist es nöthig die sittlichen Worte beizubehalten? Was haben die Ausdrücke der Alchymie in der Chemie zu suchen?

4 [114]

1) Vorurtheil: die Folgen die man einer geheiligten moralischen Vorschrift nachrühmt, würden auch die Folgen anderer Vorschriften sein: aber man meint, diese Eine allein, habe das Privilegium 2) die Folgen sind that gar nicht die Folgen sondern ein häufiges post hoc 3) die Folgen sind in Wahrheit die Folgen einer Begleiterscheinung die man übersieht usw.

4 [115]

Da jedes Ding bei längerem Bestehen etwas Würde haben will, so sehen wir auch die Wagnerische Kunst nach allem greifen, was im Stande ist, Würde zu verleihen, Christenthum, Fürsten- und Adelsgunst usw., gar zu gern möchte sie einen Heiligenschein, aber wo sind die Mächte, welche solche zu vergeben hätten!

4 [116]

Dinge, die man dauernd lieb haben will, muß man ein wenig unter ihrem wahren Werthe ansetzen: man darf nie ganz wissen, was sie sind. Wehe dem, der übertreibt! Er verliert jedes Kleinod: falls er nämlich aus der Stimmung der Übertreibung in ihren Gegensatz geräth.

4 [117]

Im Sittlichen muß man nicht an seine äußersten Grenzen gehen: sonst geräth man in den Ekel am Sittlichen.

4 [118]

Kenntniß seiner Kräfte, Gesetz ihrer Ordnung und Auslösung, die Vertheilung derselben, ohne die einen zu sehr, die andern zu wenig zu gebrauchen, das Zeichen der Unlust als unfehlbarer Wink daß ein Fehler, ein Exceß usw. begangen ist—alles in Hinsicht auf ein Ziel: wie schwer ist diese individuelle Wissenschaft! Und in Ermangelung derselben greift man nach dem Volksaberglauben der Moral: weil hier die Recepte schon präparirt sind. Aber man sehe auf den Erfolg—wir sind das Opfer dieser abergläubischen Medizin; das Individuum nicht, sondern die Gemeinde sollte durch ihre Recepte erhalten bleiben!

4 [119]

Was die Werthschätzungen ursprünglicher Völker ausmacht, läßt sich durch keine Phantasie errathen, man muß es erfahren. Bestimmte Gebräuche und der damit verbundene Gedankenkreis sind nicht zu construiren; wenn man von den “natürlichen” Bedürfnissen und Begehrungen der Menschen redet, so denkt man sich die Sache zu einfach: die intellektuellen Bedürfnisse z. B. sind höchst absonderlich befriedigt worden.

4 [120]

Oft kommen 2 Menschen zusammen, deren Sittlichkeit so schlecht zusammen paßt, daß der eine da ein vacuum hat, wo der andere seine Kraft und Tugend fühlt; sie nennen sich gegenseitig “unsittlich.”

4 [121]

Das, was über die Nothdurft hinausgeht, höher zu achten, das Entbehrliche, den Putz usw. ein uralter Trieb: eine gewisse Verachtung gegen das, was den Organismus und das Leben constituirt. Griechen, honestum Römer—sehr sonderbar! das Außerordentliche? Die Moral wollte den menschlichen Handlungen eine Bedeutung geben, einen Putz, einen fremden Reiz, ebenso alle Beziehungen zur Gottheit—ein intellektueller Trieb äußert sich so, das Leben soll interessant aufgefaßt werden, und ehe man die Wissenschaft hatte, welche gerade alles was zur Nothdurft gehört, im höchsten Maaße interessant machte, glaubte man sich über die Nothdurft erheben zu müssen, um den Menschen interessant zu finden. Deshalb die Annahme geheimnißvoller dämonischer Gewalten in ihm usw. (Namentlich wo die Befriedigung der natürlichen Triebe leicht ist, bei großer Fruchtbarkeit des Bodens usw. trat schnell Geringschätzung gegen das “Natürliche” ein)

4 [122]

Das Regelmäßige in der Natur, das ist das Berechenbare, dem kann man sich fügen, so daß es unschädlich oder gar nützlich verläuft: so hat man überall wo Regel waltet, an gute wohlthätige Mächte geglaubt (durch eine Verwechslung). Das Böse, das ist das Unberechenbare z. B., der Blitz. Der Mensch ist berechenbar auf Grund der Moral, insofern gut, das fremde Volk unberechenbar, also böse, fremde Sitten werden als böse betrachtet. Die Übertragung dessen, was uns gut ist, auf das Objekt, das nun gut genannt wird —

4 [123]

Das Gefühl der Sympathie könnte aus dem Gegensatz entstanden sein: die Furcht und die Antipathie gegen das Fremde Andere ist das Natürliche. Nun tritt der Fall ein, wo dies Gefühl schweigt, keine Furcht: wir beginnen dies Ding zu behandeln, wie uns selber.

4 [124]

Der Mensch ist nicht der Erbe aller sympathischen Empfindungen der Thierwelt.

4 [125]

Wenn die Geschlechter sich suchen und locken, entsteht ein Gegensatz von Antipathie: hier ist die Heimat der Moral als sympathischer Regungen. “Mit einander ein Vergnügen haben”—nach einander verlangen, nicht um sich zu fressen.— Die Moralität als sympathisches Verhalten der Thiere steht im Verhältniß zum Grade ihrer Sinnlichkeit.— Unter Menschen auch? Die Religionen welche Mitleid und Liebe am höchsten geachtet haben, sind unter sehr sinnlichen Völkern entstanden, was sich schon dadurch beweist, daß sie in Bezug auf Sinnlichkeit das asketische Ideal aufstellten: ein Beweis, daß sie sich in dieser Hinsicht maaßlos und ungebändigt fühlten (Inder und Juden)

4 [126]

Die Novelle wirkt stärker als das aufgeführte Schauspiel, weil sie sich der Historie gleichstellt; während das Schauspiel die Illusion fortwährend zerstört; gesetzt ein Schauspieler bringt sie hervor, dann zerstört sie ein anderer, und jedenfalls das Theater und die Menschen um uns. Wie matt, wie wenig überzeugend ist Mozarts Don Juan gegen Merimées Don Juan! Dann sind wir beim Erzählenhören viel thätiger als beim Anschauen, letzteres erzeugt den Hang zu kritisiren viel öfter. Die Musik wirkt, als fortwährende Begleitung, unter allen Umständen abziehend und störend, auch die beste Musik langweilt zu oft.

4 [127]

Sympathie für jemand, d. h. nicht fürchten und Freude von ihm erwarten. Und das soll unegoistisch sein!

4 [128]

Zu verstehen, wie es einem Anderen (oder einem Thiere) zu Muthe ist, ist etwas anderes als mitempfinden, das Wissen des Arztes z. B. und das der Mutter des kranken Kindes—aber die Voraussetzung? Es ist durchaus nicht ein Nachbilden dieses bestimmten Leidensgefühls, sondern ein Leiden darüber, daß jemand leidet. Dagegen bezieht sich das Wissen auf die bestimmte Art des Schmerzes. “Seinen Schmerz ihm nachfühlen” weil man ähnliches erlebt hat ist von der Art des ärztlichen Wissens um den Schmerz—ist nicht das eigentliche Mitleid, das generell mit dem Leide einer Person leidet, nicht mit dem bestimmten Leide. Das Gefühl, jemand leidet, den wir lieben der in unserer Pflege oder Macht steht, ist ganz persönlich, gewöhnlich mit dem Ärger über unsere Ohnmacht verknüpft (beim Mitleid kann die Fähigkeit, sich die Art des Leidens vorzustellen, sehr gering sein).

4 [129]

Aus Mitleid die Freunde schonen gilt als Schwäche und ist der Gegensatz der Tugend, welche Strenge gegen sich gebietet, wo es gemeinnützige Maaßregeln gilt.

4 [130]

In Indien ist das Höchste Contemplation, das Zweite Leben nach den Vorschriften der Kaste —

4 [131]

Die Leidenschaften sind “falsche Urtheile” nach den Stoikern.

4 [132]

Das erste Christenthum schätzte am höchsten die Eigenschaften, die zur Mission befähigten, um vor dem nahen Ende die Lehre bis an die Grenzen der Erde zu tragen (Ehelosigkeit und Verlassen der Güter) — Weltflucht hieß das griechisch-römische Leben nicht mitmachen, da dies durch und durch auf heidnischer Cultur ruhte. Neuplatonische Grundannahme, daß wir für ein höheres Leben zu leben hätten, die Erde erschien zu niedrig, insgleichen die Cultur. Dieser naive Stolz! “Entrückt- und Erhobensein von der Erde, Berühren des höchsten Weltgrundes im Gefühle”—eine Art platonischer Erkenntniß—alles Täuschung. Die neuplatonische Ansicht verschmolz mit dem Christenthum, es sind die religiosi, die höheren Menschen. Die Reformation verwarf diese Höheren und leugnete die Erfüllung des sittlichen religiösen Ideals, sie hatte gegen die vita contemplativa viel Bosheit und Widerspruch.

4 [133]

In der Moral fordert man die strengste Theorie von Jedermann.

4 [134]

Dem theoretischen Leben ist die Oberflächlichkeit zu eigen: das praktische ist gründlich und führt immer durch alle nöthigen Mittel zum Ziele oder anders wird das Ziel verfehlt. Dagegen erreicht der Denker oft vermeintlich sein Ziel, und bemerkt die fehlerhaften Wege und Sprünge nicht als solche: er hat zu oft und zu leicht das Gefühl des Gelingens.

4 [135]

Die Keuschheit ist nur für das Alter der Halbjünglinge und Mädchen eine Tugend: an sich eine Perversität, weil es die Gattung vernichten würde. Als individuelle Maßregel im Interesse der Anderen eine Ausnahme: wo nämlich nur die völlige Entsagung den M retten kann.

4 [136]

Die Menschheit wird sich im neuen Jahrhundert vielleicht schon viel mehr Kraft durch Beherrschung der Natur erworben haben als sie verbrauchen kann und dann wird etwas vom Luxushaften unter die Menschen kommen, von dem wir uns jetzt keine Vorstellung machen können. Gesetzt, der Idealismus der Menschen in ihren Zielen bliebe nicht stehen, so könnten dann großartige Unternehmungen gemacht werden, wie wir sie jetzt noch nicht träumen. Allein die Luftschifffahrt wirft alle unsere Culturbegriffe über den Haufen. Statt Kunstwerke zu schaffen wird man die Natur in großem Maaße verschönern in ein paar Jahrhunderte Arbeit, um z. B. die Alpen aus ihren Ansätzen und Motiven der Schönheit zur Vollkommenheit zu erheben. Dann wird alle frühere Litteratur etwas nach der Enge kleiner Städte riechen. Ein Zeitalter der Architektur kommt, wo man wieder für Ewigkeiten wie die Römer baut. Man wird die zurückgebliebenen Völkerschaften Asiens Afrikas usw. als Arbeiter verwenden, die Bevölkerungen des Erdbodens werden anfangen sich zu mischen. Wenn man an die Vergangenheit denkt, wird man an den düsteren Trübsinn und die träge Beschaulichkeit derselben denken: Feuer und Überschuß an Kraft Folge der gesunden Art zu leben. Um eine solche Zukunft vorzubereiten, müssen wir die Trübsinnigen Griesgrämigen Nörgler Pessimisten separiren und zum Aussterben bringen. Die Politik so geordnet, daß mäßige Intellekte ihr genügen und nicht jedermann jeden Tag drum zu wissen braucht. Ebenso die wirthschaftlichen Verhältnisse ohne die Gier ob leben und sterben. Zeitalter der Feste.

4 [137]

Ich halte es für möglich, daß ein mit Thatsachen reichlich angefüllter und logisch meisterlicher Geist in einer ungeheuren Aufregung des Intellekts eine unerhörte Masse von Schlüssen hintereinander macht und so zu Resultaten kommt welche ganze Generationen von Forschern erst einholen: ein Phantasiren ist es auch—er wird es büßen müssen.

4 [138]

Bei unsern jetzigen induktiven Forschern ist der Scharfsinn und die Vorsicht geist- und erfindungsreicher (auch phantasievoller) als bei den eigentlichen Philosophen.

4 [139]

Vorurtheil, daß man, um selbständig zu urtheilen einen hohen Rang, eine Macht repräsentiren müsse, daß die Niederen auch nicht frei im Gedanken sein dürfen. “Das will räsonniren, Ansichten haben usw. usw.,” als man, nach seiner Meinung, zu lange über die Ansichten

4 [140]

Es haben doch zu viel Jammerseelen und Kopfhänger sich fortgepflanzt!

4 [141]

Das Glück der Menschen welche sich befehlen lassen (zumal Militärs Beamte): keine völlige Verantwortung in Betreff der Richtung ihrer Thätigkeit, ein Leichtsinn und Harmlosigkeit, Forderung der strengen Pflichterfüllung (welches der schönere Name für Gehorsam ist, dessen Würde). Auch kluge Christen haben diesen Leichtsinn. Die Wissenschaft entlastet ebenso (Unverantwortlichkeit)

4 [142]

Nichts mit der Wirklichkeit zu thun haben wollen, die wahre Wirklichkeit in entrückten Gefühlen zu tasten suchen, abweichend zu sein und ohne Verständniß für das Leben: dafür hatte die frühere “Wissenschaft” ihre Formeln, es war ihr eine vernünftige Tendenz, weil sie an die Hinterwelt glaubte. Dem Dichter concedirt man es, wenn er schöne Narrheiten aus einer “möglichen” Welt erzählt: sei es daß er selber unsere Welt verachtet, er zahlt für diese Geringschätzung mit seinen Werken. Aber wehe ihm, wenn er uns verführen wollte, uns “über die Welt zu erheben” d. h. im Handeln zu schwärmen und die angenehme Lügnerei einer müssigen Stunde zur Richterin des Lebens zu machen! Darin sind wir jetzt streng.

4 [143]

Sind nicht alle “erhabenen Gefühle” jetzt verdächtig geworden, weil die falsche Schwärmerphilosophie sich so nah seit langer Zeit an sie gelegt hat, daß neben einem erhabenen Gefühl fast regelmäßig ein verdrehter Gedanke, ein überspannter Gesichtspunkt aufsteigt! Traurig. Die ästhetische Rücksicht findet noch dazu die phantastischen Gedanken reizvoller als die strengen und angepaßten, und alle Künste bestehen wie auf einem Dogma, daß die intellektuelle Verstiegenheit und die erhabenen Gefühle zusammen leben und sterben. Daß es Erhebung ohne Phantasterei giebt, bitte beweist es täglich und stündlich! Freunde!

4 [144]

Geht man einem moralischen Gefühle nach, so entdeckt man, nach dem Gange desselben durch Nachahmung, endlich eine sehr starke Werthschätzung einer Sache oder Handlung, welche ihren Grund in einer Theorie hat. Also wenn Begriffe die Menschen überreden unterjochen und sie nach ihnen etwas messen, so entsteht als praktisches Resultat ein Begehren oder ein Verabscheuen. Dies wird dann direkt weiter gepflanzt, ohne die dazu gehörige Motivation und oft hinterher mit einer untergeschobenen neuen. Wo es moralische Gefühle giebt, da ist entweder ein Begriff ins Blut übergegangen oder ein Gefühl nachgeahmt.

4 [145]

Alle halten das für moralisch, was ihren Stand aufrechterhält, die Mutter, was ihr Ansehen mehrt, der Politiker, was seiner Partei nützt, der Künstler, was seinem Kunstwerke zur Verewigung verhilft: und der Grad von Geist und Kenntnissen entscheidet, wie weit einer dies Interesse treibt, ob er die Reform der ganzen Welt, ja selbst den Untergang derselben für das sittliche Ziel erklärt, damit er so dem Interesse seines Standes usw. am höchsten nütze. Der Fürst, der Adlige haben Eine Moral mit dem Volksmann, aber ihre Mittel nennen sie gegenseitig unsittlich. “Die Sittlichkeit ist immer bei uns zu Hause”; es fragt sich, wie weit wir dies “bei uns” ausdehnen.

4 [146]

Blutschande Ehebruch Nothzucht erotische Besessenheit, nach denen nicht nur die französischen Dramatiker des romantischen Geschmacks, sondern auch die deutschen Operncomponisten griffen—Zeichen wovon? Diese Neigung zu mythischen Gräueln, woran auch die Griechen litten, ist jedenfalls ein schlechter Geschmack: schlimm genug, wenn die Philosophie dessen bedarf, um ihre Sätze glaubhaft zu machen.

4 [147]

Wir begreifen nicht, was der andere will, ärgern uns und ihn: entsetzliches Elend in der Familie ist der Grund, und dabei sind es die guten Menschen, welche am meisten sich ärgern, weil sie, was sie nicht verstehen, sich fremd, also böse fühlen.

4 [148]

Da die moralischen Urtheile und Gefühle sehr viel Elend gebracht haben, namentlich die Gewissensbisse, so ist zu fragen: ist dies durch ein größeres Gut aufgewogen? “Die Menschheit exstirt durch sie” zweifelhaft: die thierischen Gattungen existiren ohne sie. Viele Stämme haben gegen ihre Nachbarn wegen der moralischen Unterschiede solche Vernichtungswuth.

4 [149]

In den Wissenschaften der speziellsten Art redet man am bestimmtesten: jeder Begriff ist genau umgrenzt. Am unsichersten wohl in der Moral, jeder empfindet bei jedem Worte etwas Anderes und je nach Stimmung, hier ist die Erziehung vernachlässigt, alle Worte haben einen Dunstkreis bald groß bald eng werdend.

4 [150]

Ein Überdruß am Menschlichen, als ob es immer die alte Komödie sei, ist möglich, für ein erkennendes Wesen ist es eine furchtbare Beschränkung, immer als Mensch erkennen zu müssen, es kann einen intellektuellen Ekel vor dem Menschen geben.

4 [151]

Sehr ehrgeizige Menschen, denen der Zugang zu einem Gebiete der Auszeichnung verschlossen ist z. B. der Feldherrnkunst der Astronomie der Medizin, rächen sich entweder, indem sie diese Dinge und ihre Vertreter geringschätzen und bespötteln oder—sie wähnen, es gäbe für sie einen besonderen “königlichen Weg” um gleich zur Quintessenz zu kommen. Da bildet man sich hellseherische Kräfte eben ein.

4 [152]

Jenes heiße brennende Gefühl der Verzückten “dies ist die Wahrheit” dies mit Händen Greifen und mit Augen Sehen bei denen, über welche die Phantasie Herr geworden ist, das Tasten an der neuen anderen Welt—ist eine Krankheit des Intellekts, kein Weg der Erkenntniß.

4 [153]

Erster Grundsatz: erfüllbare und nahe Ideale: also individuelle!

4 [154]

“Ihr braucht nur Märtyrer zu sein, dann seid ihr eurer Sache gewiß!”—so klang die Stimme der Verführung, mit der man über die Moralforderungen triumphirte. Ein Entschluß wie zum Zahnausziehen!

4 [155]

Ohne leibliche Vollkommenheit—ist denn eine geistige oder sittliche möglich?— Welches Aufpassen beim kränklichen Zustand, wie nöthig das Durchsieben. Übrigens hat das Wieder-gesund-werden vielleicht zu viel vom Rausch der Gesundheit, als daß nicht auch seine Erkenntnisse etwas verdächtig sein sollten.

4 [156]

Der Schiffbrüchige der das Land sieht und am Land zu sein sehr schätzen würde aber nicht schlieren kann—was nützt es ihm, an’s Land zu wollen? An unserem Willen liegt es nicht, wenn wir wenig erreichen, sondern an den Kräften oder dem Mangel an Übung: vor allem an Kenntniß unserer Kräfte: sonst würden wir vieles gar nicht wollen.

4 [157]

Der Geist “der Mensch im Menschen” Philo (bei dem alles wahre Sein der Wirklichkeit entrückt ist und nur die mit pneumatischer Offenbarung Begnadeten daran Antheil haben)

4 [158]

Die Juden haben das Irdische als das Schwache Vergängliche gegenüber dem Erhabenen im Himmel Thronenden empfunden—in “demüthigster Unterordnung”

Das rein geistige Sein ist eine griechische, nicht jüdische Erfindung. Aber die himmlische und die irdische Welt ist jüdisch.

Die Juden glauben nicht an unerfüllbare Ideale, die “himmlischen Tafeln” (verwandt mit den platonischen Ideen) verwirklichen sich vollständig, die himmlische Weisheit erscheint adäquat im Gesetz. Anders Plato.

4 [159]

Hellenistisch: für Offenbarung zugänglich durch Enthaltung von Fleisch und Wein. Solcher Bedingungen braucht es beim Jüdischen nicht.

4 [160]

Durch die Essener dringt Hellenistisches ein.

4 [161]

Die leibliche Auferstehung ist jüdisches Dogma. Dem Todten bleibt Fleisch und Blut. Beides nimmt am seligen Leben Theil. Ein Märtyrer hofft seine herausgerissenen Eingeweide bei der Auferstehung wieder zu erhalten (2 Macc.)

4 [162]

“Das Fleisch gelüstet wider den Geist]—und der Geist wider das Fleisch” Paulus. “In meinem Fleisch wohnt die Sünde” und das Fleisch wirkt dann auf Geist und Herz, den inneren Menschen.

Die Verbindung von Tod und Sünde! Weil alle sterben, müssen alle gesündigt haben.

4 [163]

Nach Philo ist der erste Mensch in höchster Vollkommenheit, ganz weise: er fällt, indem er der geschlechtlichen Begierde nachgiebt, ganz freiwillig.

4 [164]

Jüdisch und auch paulinisch: es giebt eine religiös anhaftende Schuld ohne Wissen und Wollen

ein Zuwiderhandeln gegen das Gesetz begründet Schuld, die zu büßen ist (die Bestimmungen über levitisch Reines und Unreines)

Nach Philo ist Sünde: die bewußte Hingebung des an die böse Qualität des Körperlichen—das ist griechisch.

“Das Fleisch muß entfernt werden” Paulus. Der Widerstand des inneren Menschen bloß mit Kenntniß des Gesetzes und Freude an demselben reicht nicht aus, völlig ohnmächtig. (Er hat also nicht gemeint, daß Wissen und Werthschätzung ausreichen zum effektiven Willen.)

Beweis für Paulus war die Erscheinung bei Damascus: der Lichtglanz Gottes auf dem Angesichte Jesu.

Er hat den sinnlichen sündigen Leib des Menschen angenommen; das menschliche Sündenfleisch. Es ist: es beherrscht vor dem Erscheinen des Gesetzes das], ohne dessen Wissen, nach dem Erscheinen des Gesetzes mit Wissen desselben. und erzeugt die. In Christo aber ein, der die in einem gefesselten Zustande hielt. Indem Gott die Christi tödtete, vernichtete, hat er die zum Tode verurtheilt, vernichtet. Die Besiegung der nicht durch das Erdenleben Christi sondern durch seinen Leibestod.— Durch die Taufe ist, was an Chrito geschehen, am Getauften mitgeschehen. Die Wirkung sofort. Wenn seine gestorben ist, so ist er frei von Sünde. Die radikale Extirpation der Sünde! Man ist eins geworden mit Christo, mit dem “lebenerzeugenden Geiste”—ergo unsterblich, und das Auferstehen wie Christus auferstanden ist.

Der Mensch, der von erfüllt ist, ist gerecht und heilig. Und Luther? Der Fleischesleib ist nicht fort—aber todt.

Der Umstand daß Paulus ermahnt, beweist, daß die dem Untergang Preis gegeben ist. Das Absterben der nicht zu unterbrechen.

Therapeuten, Essener, später die Ebioniten überlassen die Abtödtung der Sinnlichkeit dem Einzelnen.

Für die Spannezeit bis zur Parusie wird der Christ die an sich haben.

Paulus kennt 1) keine Auferstehung des Fleisches 2) keine Auferstehung der Unerlösten.

4 [165]

Da das Sünden- und Verworfenheitsgefühl eine Einbildung ist, so giebt es auch Gegenmittel, mit denen es aufgehoben werden kann. Das beständige Leben in einer Idee des Gegentheils, mit Gott eins geworden zu sein. Überhaupt jede starke missionirende todbereite märtyrerhafte Existenz ist ein Mittel gegen moralische Desperation: d. h. Wiederherstellung eines ungeheuren Hochmuthes, der Sprung von der Tiefe in die Höhe. “Gerecht und heilig” gar nicht oder mit Einem Schlage! An Stelle des Besserwerders das Wunder der Vollkommenheit.

4 [166]

Alle religiös produktiven Naturen haben Gesichte und Entzückungen gehabt. Das beweist gegen die Gesundheit des Religiösen.

4 [167]

Die kosmische Stellung Jesu, der Erlöser der Natur. Sehnsucht nach Vollendung, oft ohne Ausdruck zu finden, Seufzer. Der Rest der Sarx wird ganz entfernt, wir werden “Söhne Gottes”—bei der Auferstehung.

4 [168]

Da die Moral eine Summe von Vorurtheilen ist, so kann sie durch ein Vorurtheil aufgehoben werden.

4 [169]

Das Gefühl gänzlich gut geworden zu sein ist ebensosehr herstellbar als das, gänzlich verworfen zu sein. Es handelt sich um eine Ausdeutung, eine Anpassung.

4 [170]

Der Fanatismus ein Mittel gegen den Ekel an sich. Was hat Paulus auf dem Gewissen? Die hat ihn verleitet zu Unreinheit Bilderdienst und Zauberei () Feindschaft und Mord, Trunkenheit und Gelage () Alles Mittel zum Gefühl der Macht.

4 [171]

Wenn dem Gesetze durch Christi Tod genug gethan, kann man sich von ihm emancipirt fühlen. Das gottfeindliche Princip ist vernichtet, indem der Fleischesleib Christi untergeht: nicht nur ist eine Schuld abgetragen—sondern “die Schuld” an sich aus der Welt verdrängt.

4 [172]

In den vier Hauptbriefen Gedankenarbeit im Kampfe mit dem Judaismus.

4 [173]

Wir würden jetzt die Neigung zu religiösen Verzückungen mit Abführmitteln behandeln.

4 [174]

Wodurch wird im Menschen das Gefühl unbändiger Machterhöhung hervorgebracht? Bramanen: sich mächtige Götter vorstellen und sich Mittel ausdenken, sie in seine Gewalt zu bekommen und als Werkzeuge zu behandeln.

(oder: sich große Menschen in’s Gigantische vergrößern und dieselben als Vorstufen für sich selber hinstellen.

4 [175]

Das Gefühl der Macht? Die Askese als Mittel dazu (Vereinigung mit Gott, Verkehr mit Todten usw.) Das der-Welt-absterben ist schon Hochmuth.

4 [176]

Das Gefühl der Macht, insofern man zu einem starken Häuptling Familie Gemeinde Staat gehört—fundamental für Stiftung moralischer Verbindlichkeit; wir ordnen uns unter, damit wir das Gefühl der Macht haben.— Wer dem Vaterland abgeneigt ist, hat doch in Augenblicken der Gefahr desselben sofort seinen Opfermuth wieder: er will das Gefühl der Ohnmacht nicht.

4 [177]

Übergang aus dem Gefühl der Ohnmacht in das der Macht sehr lustvoll: daher oft die tiefste Demüthigung gesucht. David, um nachher—. Vielleicht jüdisch?

Der geheime Hochmuth des Sklaven: religiös z. B.

Die Abgrenzung gegen die Thiere; der Erde gegen die Sterne.

4 [178]

In Betreff eines Dramas wollen die Deutschen, daß man begreife, was geschieht, die Franzosen, daß man begreife, warum es geschieht; sie sind vernünftiger, erstere bleiben bei der Anschauung und der Freude stehen.

4 [179]

Die erste Wirkung des Glückes ist das Gefühl der Macht: diese will sich äußern 1) gegen uns selber 2) gegen Menschen 3) gegen Vorstellungen 4) gegen eingebildete Wesen und Dinge. Vernichten, verspotten, beschenken.

4 [180]

Die Herrschaft über die Natur, die fixe Idee des 20. Jahrhunderts ist Bramanismus, indogermanisch.

4 [181]

Schauspieler-Genie. Ist es denkbar, daß jemand solchen Unsinn aufstellen kann?— Ich selber habe ihn einstmals aufgestellt. Dulce est desipere in loco.— Sed non hic locus.

4 [182]

Man soll doch die Behauptung, daß Moral Aberglaube ist, nicht damit zu widerlegen glauben, daß man sagt, Moral sei unsäglich nützlich und namentlich gewesen: also ein sehr nützlicher, vielleicht unentbehrlicher Aberglaube.

4 [183]

Das Gefühl der Macht heute auf Seiten der Wissenschaft: nicht der Einzelne für sich (“Philosoph”) sondern als Glied. Die Fürsten und Völker dienen ihr.— Bramanenthum ist vielleicht zu übertreffen. Was sind die Mittel, die Unabhängigkeit des Einzelnen zu steigern? Das Gefühl der höheren Wesen?

4 [184]

Zu allen Zeiten haben die Menschen darnach gestrebt, zum Gefühl der Macht zu kommen: die Mittel dazu, welche sie erfanden, sind fast die Geschichte der Cultur. Jetzt sind viele dieser Mittel nicht mehr möglich oder nicht mehr räthlich.

4 [185]

Er fühlt sich, sie fühlt sich, es fühlt sich—Mann Frau und Kind.

4 [186]

“Nicht die indischen Götter sind die Geber der Gaben: aus den heiligen Handlungen, aus den Liedern, ja aus deren Metren geht aller Reichthum und alles irdische Glück hervor.” W

4 [187]

Die Gegengabe gegen die moralische Einschränkung des Individuums ist die Steigerung seines Gefühls von Macht (als Mitglied einer Gemeinde, später einer höheren geistigen Menschheit, eines Ordens) Vermöge der moralischen Handlung kann man zaubern. Untergehen mit dem Gefühl der Macht—ein besonderer Kunstgriff, im Sterben siegen (“die Materie abschütteln” usw.)

4 [188]

Die unpersönliche Geistigkeit Gottes ist griechisch, die Juden hatten den Gott ihres Volkes, den Bundesgott, eine Persönlichkeit. Die Christen schwanken, doch mehr jüdisch.

4 [189]

Cyprian “alle außerhalb der Kirche geübte Tugend, selbst das Martyrium ist werthlos.”

“felsenfeste Überzeugungen und todesmuthige Gewißheit” soll das Christenthum der alten Welt gebracht haben.

4 [190]

Plato im Grunde Pantheist, doch in der Verkleidung des Dualisten.

4 [191]

Die Spirituosen und Narcotica als Mittel zum Gefühl der Macht. Die Berauschungen der Künste, der Feste der Schönheit der Pflicht

4 [192]

Zu wissen daß so und soviel Personen mit uns sterben als unser nöthiges Gefolge, oder als Gattinnen usw.—giebt ein Gefühl und einen Ausdruck von Macht, der wieder die zukünftigen Opfer stolz macht, als einem so Mächtigen unterthan.

4 [193]

Die Kunst der Schmeichelei vor Gott Fürsten Frauen hat im Werthe eingebüßt; man wünscht jetzt die freie Gefolgschaft oder die widerwillige wird verachtet die Knechtsgebärde: es ist so ästhetischer.

4 [194]

Je nachdem das Gefühl der Schwäche (Furcht) oder das der Macht überwiegen, entstehen pessimistische oder optimistische Systeme.

4 [195]

Es ist das klügste, sich auf die Dinge zu beschränken, wo wir ein Gefühl der Macht erwerben können, das auch von Anderen anerkannt wird. Aber die Unkenntniß ihrer selber ist so groß : sie werden durch Furcht und Ehrfurcht auf Gebiete fortgerissen, wo sie nur durch Illusion ein Gefühl der Macht haben können. Reißt der Schleier, so giebt es Neid.

4 [196]

Von außen her sich seine Macht beweisen lassen, an die man selbst nicht glaubt—also durch Furcht in der Unterordnung unter das Urtheil der Anderen—ein Umweg eitler Menschen.

4 [197]

Die große Leidenschaft der M (Napoleon Cäsar) man muß dabei eitler erscheinen als man ist, es wollen, um das Gefühl der Macht bei den Werkzeugen (Nationen) zu befriedigen. Für mich und mein Volk Macht und nicht nur das Gefühl in uns, sondern die Macht sichtbar außer uns. Weil eine solche Macht das stärkste und erhebendste Gefühl befriedigt, geht die Geschichte hier ihren großen Gang: die Eroberer sind wirklich die Hauptsache, die inneren Vorgänge der Völker, ihre Nothdurftfragen sind Nebensache d. h. werden immer so empfunden: die Völker wollen lieber Wein als Brod.

4 [198]

Die Macht der Wissenschaft baut jetzt ein Gefühl der Macht auf, wie es Menschen noch nicht gehabt haben. Alles durch sich selber.— Was ist dann die Gefahr? Welches wäre die größte Vermessenheit, vorausgesetzt daß die Wissenschaft eben Wissenschaft bleibt?

4 [199]

Die Blase der eingebildeten Macht platzt: dies ist das Cardinalereigniß im Leben. Da zieht sich der Mench böse zurück oder zerschmettert oder verdummt. Tod der Geliebtesten, Sturz einer Dynastie, Untreue des Freundes, Unhaltbarkeit einer Philosophie, einer Partei.— Dann will man Trost d. h. eine neue Blase.

4 [200]

Gegen Jedermann ein spitzes zweischneidiges aufreizendes Wörtchen haben: das sind die, welche es gern haben, wenn die Ochsen schneller laufen und etwas nachhelfen. Aber es giebt Tollkühne, welche jedermann rasend machen wollen, um sich so der Wirkung ihrer Kraft zu freuen.

4 [201]

Die sogenannten Commensalisten fressen ihre Wohnthiere nicht, benutzen sie aber häufig als Mittel, sich die ihnen zuträgliche Nahrung zu schaffen. Hier haben wir eine Schonung zum Zweck der Ernährung.

Etwas Belebtes um sich zu haben, das nicht Furcht einflößt—könnte den Thieren ihre Jungen anempfehlen. Daß sie ernährt werden wollen, wird errathen. Das Gefühl des Eigenthums, der Herrschaft läßt die Eltern dann sehr gereizt erscheinen, wenn man sie ihnen nehmen will. Vergesellschaftung von Thieren ist wohl eine ebenso alte Sache als Pflege der Jungen.

Wie sich auf vielen Thieren Parasiten ansiedeln, welche das Thier nicht los werden kann, so auch auf Menschen—sie unterscheiden sich von den Dienern, daß sie vom Wirthe leben, wider oder mit seinem Willen, ohne ihn zu Grunde giengen: viele Frauen. Ehemals freies Leben und dazu eine Menge Organe, die dann für das Parasitenleben nicht mehr nöthig sind: sie degeneriren und werden rudimentäre Organe. Giebt es so etwas bei Menschen?

4 [202]

Diese Kriege, diese Religionen, die extremen Moralen, diese fanatischen Künste, dieser Parteihaß—das ist die große Schauspielerei der Ohnmacht, die sich selber Machtgefühl anlügt und einmal Kraft bedeuten will—immer mit dem Rückfall in den Pessimismus und den Jammer! Es fehlt euch an Macht über euch!

4 [203]

Ich empfehle Euch die Mäßigkeitsvereine, nicht als ob Ihr eine Kraft hättet, die zu mäßigen wäre, sondern damit ihr nicht zuviel geistige Getränke trinkt, die Euch das Gefühl der Macht auf Stunden und den Ekel an euch auf die Dauer geben.

4 [204]

Die Asketen erlangen ein ungeheures Gefühl von Macht; die Stoiker ebenfalls, weil sie sich immer siegreich, unerschüttert zeigen müssen. Die Epikureer nicht ; sie finden das Glück nicht im Gefühl der Macht über sich, sondern der Furchtlosigkeit in Hinsicht auf Götter und Natur; ihr Glück ist negativ (wie nach E die Lust sein soll) Gegen die Gefühle der Macht ist das Nachgeben gegen angenehme Empfindungen fast neutral und schwach. Ihnen fehlte die Herrschaft über die Natur und das daraus strömende Gefühl der Macht. Die Erkenntniß war damals noch nicht aufbauend, sondern sie lehrte sich einordnen und still genießen.

4 [205]

Selbst aus der Geschichte der Moral soll das Gefühl der Macht strömen: unwillkürlich wird sie gefälscht, der Mensch wird herrlich gedacht, als höheres Wesen mit Eigenschaften, welche die Thiere nicht haben. Fast alle Schriften sind der Schmeichelei gegen den Menschen verdächtig.

4 [206]

Wollen wir durch die Wissenschaft den Menschen ihren Stolz wiedergeben, wie sie ihn aus Kriegen davon trugen, so muß die Wissenschaft gefährlicher werden, mehr Aufopferung bedingen: sich selber preisgeben

4 [207]

Man schuf die Götter, nicht nur aus Furcht: sondern wenn das Gefühl der Macht phantastisch wurde und sich selber in Personen entlud.

4 [208]

Der Luxus ist erniedrigend für den Mann der Erkenntniß. Er ist nicht etwa bloß entbehrlich für ihn, sondern er repräsentirt ein anderes Leben als das schlichte und heroische—und wirkt insofem auf die Phantasie lähmend und widersprechend. Wir sind nicht “zu Hause.” Hang zum Luxus geht in die Tiefe eines Menschen: das überflüssige und Unmäßige für das Auge und Ohr als Wasser, worin ein solcher sich wohl fühlt.

4 [209]

Der Taschenspieler scheint neue Causalität darzustellen, die man noch nicht kennt, das erhebt! Ebenso der Dichter durch seine Bilder und Gleichnisse.

4 [210]

Von der Liebe haben nur solche Menschen so emphatisch und sehnsüchtig gesprochen, die wenig davon hatten. Allgemeine Menschenliebe wäre gar nicht auszuhalten: wenn nach uns nicht einer, nein Hunderte sich so sehnten und bemühten, wie es jetzt die Liebenden thun, da würde jeder nach den Zeiten ohne Liebe zurückverlangen. Gefühl der Macht als Basis des Helfenwollens ist schon gefährlich, weil der vorausgesetzt wird, der sich helfen läßt.

4 [211]

Wo man sich auch nur hinstellt in der Geschichte, es war immer der Augenblick einer tiefen Gährung, wo neue Begriffe überall siegten: so ist es nicht erst heute.

4 [212]

Ein Zeitalter des Überganges: so heißt unsere Zeit bei jedermann und jedermann hat damit Recht. Indessen nicht in dem Sinne als ob unserem Zeitalter dies Wort mehr zukomme als irgend einem anderen. Wo wir auch in der Geschichte Fuß fassen, überall finden wir die Gährung, die alten Begriffe im Kampf mit den Neuen; und die Menschen der feinen Witterung, die man ehemals Propheten nannte, die aber nur empfanden und sahen, was an ihnen geschah—wußten es und fürchteten sich gewöhnlich sehr. Geht es so fort, fällt alles in Stücke, nun so muß die Welt untergehen. Aber sie ist nicht untergegangen, die alten Stämme des Waldes zerbrachen, aber immer wuchs ein neuer Wald wieder und zu jeder Zeit gab es eine verwesende und eine werdende Welt.

4 [213]

Wenn doch die Künstler wüßten, was für Phantasie jede größere Erkenntniß zur Voraussetzung hat, wie viel erdacht und erblühen muß, um unbarmherzig abgeschnitten zu werden! Wir sind ein Fruchtgarten: meint ihr denn, es sei so leicht, die anmuthigsten Erfindungen und Hypothesen einfach zu annulliren? Wir sind gegen uns fast grausam, aber um der Früchte willen, die ihr und Alle haben sollt!— Goethe wußte es, was zum wissenschaftlichen Menschen gehört: er ist ein Ideal, in dem alle menschlichen Tüchtigkeiten sich vereinigen wie alle Ströme im Meer. Warum beurtheilt ihr ihn nach den Arbeitern des Geistes? Wir beurtheilen euch ja auch nicht nach euren Farbenreibern und Statisten.

4 [214]

Die Deutschen haben den betrunkenen Scharfsinn der Hegelianer erlebt, welche Goethe zu erklären vermeinten, indem sie ihn in Schemen zerschlugen, und die widerliche Beschränktheit der Anhänger Wagners, welche aus jeder Schwäche ihres Meisters ein Dogma und eine Aufforderung machten, daß hier jeder schwach sein solle.

4 [215]

Trostmittel: mehr zu ertragen haben als alle anderen, das giebt ein Gefühl von Vorrecht, von Macht.

4 [216]

Wie kann das Gefühl von Macht 1) immer mehr substantiell und nicht illusionär gemacht werden? 2) seiner Wirkungen, welche schädigen, unterdrücken, geringschätzen usw. entkleidet werden?

4 [217]

Wer “in Zungen redet,” hat von dem, was er sagt, kein klares Bewußtsein.

4 [218]

Das Herz als jüdischer Begriff, unverständig verfinstert erblindet verhärtet, durch Schmeicheleien zu berücken oder das Gegentheil: seine Funktionen sind die Affekte: das Alte Testament theilt das Vermögen des dem Herzen zu: nur Gott vermag in das Herz zu blicken. Das fleischerne Herz: in den Affekten sind die Eingeweide thätig. Ungefähr entspricht es dem Schopenhauerschen “Willen”

4 [219]

Paulus glaubt an einen himmlischen Leibesstoff, den der Auferstehungleib bekommt.

Paulus fühlt, daß er bei den Korinthern äußerlich sehr schüchtern erschienen ist.

Das paradoxe Todesschicksal ist der Knoten des Räthsels, hier muß man hinter den Rathschluß Gottes kommen können. —

Zunächst stritt der Tod Christi gegen die Messianität: aber das Wunder bei Damascus bewies sie.

Befreit von der, erfüllt von dem, sind wir nicht mehr unter dem Gesetz. Das Gesetz stellt die der in ihrer größten Kraft vor Augen, wodurch sie dem Menschen unerträglich wird. “Im Fleische sein” heißt “im Gesetze sein.” Dem Bösen absterben ist auch dem Gesetze absterben.— Welchen tiefen Haß trägt hier Paulus ihm nach!

Paulus hat durch mehrere Acte das Gesetz als abgethan erklärt, es war ihm der wichtigste Punkt. Was jetzt ein Christ that, er hatte es nicht mehr am Gesetz zu messen, das war todt, wie die. Einer dieser Acte: Christus hatte es erfüllt

Im Gefühle göttlicher Verzeihung und Gnade die eine Argumentation, die andere im Gefühle der innersten Einvergeistung in Christum durch die Taufe. “Aus dem Glauben und durch Gnade”—das Gesetz sollte die Übertretungen erst provociren.

Der Tod Christi wäre im göttlichen Rathschluß unmöglich, wenn es überhaupt eine Gesetzerfüllung geben könnte: “Käme die Gerechtigkeit durch’s Gesetz, so wäre er unnütz gestorben.” Sich vom Geiste treiben zu lassen, sich ihm ganz hingeben, ohne den eignen Willen zu befragen —

Das Gesetz ist die Ursache daß ich gestorben bin. Damit bin ich aber dem Gesetz abgestorben. Wenn ein Christ auch sündigt, so doch nicht mehr gegen das Gesetz, er ist außerhalb desselben “Ich lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich noch im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an ihn. Wenn ich jetzt das Gesetz wieder aufnehmen wollte (so daß ich mich ihm unterordne), so mache ich Christum zum Mithelfer der Sünde.”

Die ist noch da, aber sie ist überwindlich: während unter dem Gesetz die unüberwindlich ist: das sündenwirkende Gesetz ist vernichtet (und zwar die Natur nothwendigkeit der Sünde ist vernichtet)

Die Sünde bald als Schwäche und Unvollkommenheit gegen den heiligen Gott—bald als selbstthätiges diabolisches Princip.

p. 204-5 steht die Schärfe der Sache.

4 [220]

Sobald etwas als wahr gilt, hört alles feinere Verstehen auf, z. B. hat die ganze Christenheit ihren Paulus wort- und satzweise zur Erbauung gelesen, aber die eigentliche Dialektik, seine widerstrebenden Gedankengänge, seine eigentliche Noth und crux: also den leidenden und kämpfenden Paulus gar nicht gefaßt: er war todt d. h. er redete inspirirt, als Mundstück Gottes.

4 [221]

Wer ausschließlich einer einzigen Gattung Musik Gehör schenkt, weiß endlich nicht mehr, wie abscheulich sie klingt: mehr noch, er weiß die feineren und guten Sachen nicht mehr von den schwachen und übertriebenen zu unterscheiden und genießt im Einzelnen weniger als man glaubt, im Ganzen freilich hat er das Gefühl der Macht—seine Musik sei die beste Musik und sei durchweg gute Musik: obschon von beiden das Gegentheil wahr ist. Wer nur sich liebt, kann aus dem schlechtesten Geschmack eine Seligkeit empfinden und daraus ein Gesetz, eine Tyrannei machen: le mauvais goût mène au crime.

4 [222]

Wenn die Don Quixoterie unseres Gefühls von Macht einmal uns zum Bewußtsein kommt und wir aufwachen—dann kriechen wir zu Kreuze wie Don Quixote,—entsetzliches Ende! Die Menschheit ist immer bedroht von dieser schmählichen Sich-selbst-Verleugnung am Ende ihres Strebens.

4 [223]

Ich will der fanatischen Selbstüberhebung der Kunst Einhalt thun, sie soll sich nicht als Heilmittel gebärden, sie ist ein Labsal für Augenblicke, von geringem Lebenswerthe: sehr gefährlich, wenn sie mehr sein will.

4 [224]

Die Griechen in alter Zeit hielten Milch und Honig für die Kost der Götter—das waren keine Weintrinkerzeiten. Den Germanengöttern war Meth der Trank, der Unsterblichkeit gab: da haben wir die Trinker. Soma der Eranier ein berauschendes Getränk, das nur im Opfer vorkommt. Also: man bringt im Gedanken die berauschenden Getränke und die Empfindungen der Unsterblichkeit und Leidlosigkeit in Verbindung. Durch den Genuß des Soma hören für den Sterblichen am Ende der Tage alle Leiden der Sterblichkeit auf, sie gehen zur Seligkeit der Götter über.— Die Entrückung bei Milch und Honig: zu denken an Ninon d’Enchos, welche eine Suppe schon berauschte.

4 [225]

Dionysisch—für uns ist der Wein etwas sehr Nüchternes. Und so suchen wir die Ursache des Dionysischen neben dem Wein und nehmen dessen Wirkung höchstens als Symbol. Umgekehrt! Die Wirkung des Weins war das Neue, was man nur wie ein neues Leben und eine neue Gottheit zu fassen wußte—man verstand andere Erscheinungen darnach symbolisch.

4 [226]

Die epileptische Drehwuth, welche die hysterischen Weiber Griechenlands befiel, wurde mit dem Weintaumel verglichen.

4 [227]

Flössen alle Thränen, die jeden Augenblick auf Erden geweint werden, zusammen, es flösse beständig ein starker Strom durch die “Wiese des Unheils”

4 [228]

Alles ist eitel und vergänglich, nichts dauernder Anstrengung werth; also genieße den Augenblick, das Unheil kommt doch—Salomo

4 [229]

Sich ein Unglück aus dem Sinn schlagen, durch heftige Arbeit, heftiges Vergnügen. Epicureer.

4 [230]

ein schlimmes Ding nicht sehen wollen, seine Existenz nicht zugestehen, es ableugnen, umdeuten, seine intellektuelle Ehre in die Leugnung setzen—ein Trostmittel.

4 [231]

Paulus ist ein Fanatiker und Ehrenwächter des Gesetzes gewesen und hat ihm genug thun wollen: aber es gieng nicht! Die! Und dann das Gesetz selbst, das reizte zur Übertretung!— Er hat einen tiefen Haß ihm nachgetragen: es vernichtet zu sehen durch Chr Tod war sein Triumph, der unbesiegbare Feind dieses herrschsüchtigen Menschen war besiegt.

4 [232]

Der Wein hat anders auf die Griechen gewirkt als auf unsere alkoholisirten Gehirne. “Unvermischter Wein macht wahnsinnig” sagten sie.

4 [233]

Falsche Schlüsse: “ich schätze die Menschen gering, folglich schätzen sie mich hoch” “ich fürchte die Menschen nicht, folglich fürchten sie mich”—aber die umgekehrten Schlüsse sind ebenso falsch. Das Schließen ist hier eben das Falsche: es ist als ob ein Kind schließt: ich mache die Augen zu, folglich sehen mich die Anderen nicht.

4 [234]

Die Genies, die ihren Anhängern ein Stück Gehirn ausschneiden, gleich Hühnern, so daß diese dann halbtrunken und schwankend die Reflexbewegungen der Anbetung ausführen.

4 [235]

Die Christen verlernten das Lesen, und wie hatte sich das Alterthum, in seinen Philologen, bemüht, es zu lernen! Aber die Bibel!

4 [236]

Ehemals meinte man, wo Wein sei, da sei Gott. Wo Erhebung ist, meint man noch, sei Gott. Ach, Erhebung ist wie Wein: Alcohol und Narcose.

4 [237]

Unglück der Menschheit und Grund ihres langsamen Fortschrittes ist, daß man die erhebenden und erregenden Dinge höher geschätzt hat als die nährenden.

4 [238]

Wenn die Menschheit uns im Werthe sinkt (z. B. bei Krankheit), sinkt auch unsre Achtung vor ihren Institutionen, “der Kranke ist ein Schuft” und der Heilige auch!

4 [239]

Sagt nicht, daß die Langeweile sie plagt: sie wollen an nichts anbeißen, weil ihr Wille zur Macht nicht weiß, wie er zu sättigen ist—alles andre ist nichts dagegen.

4 [240]

Bei einem Verbrechen: die furchtbare Erniedrigung im Gefühle der Macht, aus einer unbescholtenen eine bescholtene Familie zu werden. Der Gedanke an Feinde quält nie mehr. Nicht Gewissensbisse!

4 [241]

Wesen der Kunst: eine schädliche Funktion wird ausgeübt, ohne daß sie Schaden bringt. Angenehmste Paradoxie.

4 [242]

Racoczi-Marsch der schönste der Welt.

4 [243]

Man verträgt jetzt die Wahrheit schon über jüngste Vergangenheit, weil die Generationen nicht ihre Ansichten auf die vergangenen gründen und so ihre Ehre haben—sondern sie der früheren Ansicht entgegensetzen und so ihr Gefühl von Macht von Unabhängigkeit haben.

4 [244]

Die großen Staatsmänner haben die Phantasie ihres Volkes—dadurch sind sie groß d. h. wirksam: man empfindet im Volk, daß sie das Gefühl von Macht hervorbringen, nach dem man dürstet. Das eine Volk will die Macht mit Prunk und milit Erfolg, ein anderes will sie mit List und diplomatischer Überlegenheit.

4 [245]

Die großen Fürsten und Eroberer sprechen die pathetische Sprache der Tugend, zum Zeichen, daß diese vermöge des Gefühls von Macht, welches sie giebt, unter den Menschen anerkannt ist. Die Unehrlichkeit jeder Politik liegt darin, daß die großen Worte, welche jeder im Munde führen muß, um sich als im Besitz der M zu kennzeichnen, nicht sich mit den wahren Zuständen und Motiven decken können.

4 [246]

Ach es ist unmöglich, mit der Sprache der Wahrheit zu wirken: Rhetorik ist nöthig, d. h. die alte Gewohnheit, nur bei gewissen Worten und Motiven bewegt zu werden, regiert und verlangt die Verkleidung der Wahrheit.

4 [247]

Ich sehe vom Interesse und von der Eitelkeit des Einzelnen und der Völker ab: aber das Bedürfniß, Macht in sich zu fühlen, verschwenderische aufopfernde hoffende trauende phantastische Empfindungen daraus quellen zu lassen—das treibt die große Politik als gewaltigstes Wasser. Man handelt da gegen sein Interesse, gegen seine Eitelkeit (denn man hat vielleicht Sklavendienste zu thun, damit die Nation das Gefühl der Macht haben kann, oder sein Leben, sein Vermögen seine Ehre in Gefahr zu bringen) (Tugend)

4 [248]

Man darf den Völkern selbst die Ruhe und das Vergnügen nicht anbieten, ohne den Lorbeerkranz darum: als ob es im Gefühle der Macht erlaubt sei, ruhig und vergnügt zu sein, sonst aber nicht: ja als ob es eine Pflicht sei, sich so zu zeigen, weil man so sich mächtig zeige.

4 [249]

Die Falschmünzerei des Machtgefühls und das Bezahlen mit falschen Münzen ist das größte Leiden der Menschheit. Die Völker werden so betrogen, weil sie einen Betrüger suchen: einen aufregenden Wein für ihre Sinne, nicht eine gute Nahrung. Die Regierungen sind das Mittel, dem Volke jenes Gefühl zu geben: Männer aus dem Volke gewählt, geben es viel weniger als glänzende Eroberer, kühne Verschwörer, alte legitime Häuser: sie müssen etwas haben, an dem man sich berauschen kann.

4 [250]

Die Kriege sind einstweilen die größten Phantasieaufregungen, nachdem alle christlichen Entzückungen und Schrecknisse matt geworden sind. Die sociale Revolution ist vielleicht etwas noch Größeres, deshalb kommt sie. Aber ihr Erfolg wird geringer sein als man denkt: die Menschheit kann so sehr viel weniger als sie will, wie es sich bei der französischen Revolution zeigte. Wenn der große Effekt und die Trunkenheit des Gewitters vorbei ist, ergiebt sich, daß man, um mehr zu können, mehr Kräfte, mehr Übung haben müßte.

4 [251]

Das Christenthum siegte, wie ein starker Wein siegt; das Alterthum betrank sich, weil es sich nicht mehr stark und froh fühlte und sich an große Aufregungen gewöhnt hatte. Die Vorstellung vom Ende der Welt nahm sich angesichts des römischen imperium höchst phantastisch und berauschend aus.

4 [252]

Eigentlich war es für Paulus consequent zu sagen, durch den Tod Chr und die Vereinigung mit ihm durch die Taufe sei die todt und unser Leib somit ein anderer Leib, der himmlische Leib. Aber das war nicht möglich zu sagen, obwohl in einzelnen Moment er es vielleicht glaubte: aber niemand glaubte es ihm! Wenn die Vereinigung also nicht völlig war—wodurch wird sie das? Glaube und Taufe nicht genug. Warum erst bei der Auferstehung? In Nachahmung Chr! Drei Tage Verwesung?

4 [253]

An der Herrlichkeit Glorie (Ruhm) Gottes theilhaben, Söhne Gottes werden—das ist freilich ein Ziel! Da ist keine Bescheidenheit mehr! Es darf nur ihrer nicht zu Viele geben, sonst ist die Ehre zu gering! Dafür wird gesorgt!

4 [254]

Solche Naturen wie Paulus legen sich alle Erlebnisse nach der Logik ihrer Leidenschaft zurecht. Der Erscheinung von Damasc war der Gedanke vorangegangen: “gesetzt die Christen hätten Recht”—und er hatte die Vortheile geahnt für seine persönliche Pein—vor allem war es ein neuer Versuch, und der Widerwille gegen seinen bisherigen Zustand wurde zu groß. So sah er “Christus”—woher wußte er es! warum glaubte er es, wenn die Erscheinung es sagte? “Warum verfolgst du mich”—es ist nicht vernünftig, sagte sich der kluge Jude.

4 [255]

Paulus als Bekehrer der Heiden: dazu war nöthig “vom Gesetz erlöst zu sein”—stolzeste Aufgabe— —ach der Heilige Paulus! Man sieht bei ihm durch und durch.

4 [256]

Gehorchen, mehr thun als seine Pflicht ist, Lob ablehnen, stolz sein auf Integrität: deutsch. Jetzt haben wir die wüthend gewordene Eitelkeit, und leider sind einige unsrer hervorragenden Denker und Künstler vorangegangen: jeder will mehr bedeuten als sein und macht für sich “Reclame.”

4 [257]

Warum macht die Cultur schwach? Carthago unterlag dem weniger cultivirten Rom, die hohe arabische Cultur unterlag usw. Weil in der Cultur die Phantasie-Befriedigung der Macht zu hoch geschätzt und zu leicht gemacht wird: so daß die wahre Macht schwach wird (Macht über sich selbst usw.)

4 [258]

Wie erhob sich das Christenthum über den Begriff eines “erfüllten Judenthums,” einer jüdischen Spezialität, während die Nation dabei blieb, ihr Ideal sei noch nicht erfüllt?— Das ist eigentlich die persönliche Geschichte des Paulus, den es vor Juden und Judenchristen davon trieb—er wollte nichts mehr mit dem Gesetz zu thun haben. Daß man Christ werden könne, ohne vorher Jude zu werden—war seine Erfindung.— Übrigens war es ein Irrthum: die Christen sind doch Juden geworden.

4 [259]

Soll man denn in der Welt leben, als habe man die Gebote einer höheren Geisterwelt hier durchzuführen und nichts anderes zu thun? Dies könnte geschehen aus Interesse oder aus Eitelkeit oder aus einem Gefühl der Macht (aus der Überzeugung, man gehöre zu dieser Geisterwelt und führe seine eigenen Bedürfnisse durch) Wenn man aber nicht mehr glaubt? Dann leitet uns unser Interesse, unsere Eitelkeit, unser Gefühl der Macht direkt im Handeln, nicht mehr indirekt. Denn alle alten Moralen, so heilig sie empfunden werden mögen, sind aus niederer Erkenntniß entsprungen, sie dürfen nicht mehr herrschen.

4 [260]

Unser Leben soll ein Steigen sein von Hochebene zu Hochebene, aber kein Fliegen und Fallen—letzteres ist aber das Ideal der Phantasiemenschen: höhere Augenblicke und Zeiten der Erniedrigung. Diese schlimme Verwöhnung degradirt den allergrößten Theil des eignen Lebens, zugleich lernen wir die anderen Menschen, weil wir sie nicht in der Ekstase sehen, geringschätzen: es ist ungesund, denn wir müssen die moralen ästhetischen Ausschweifungen bezahlen. Bei tiefer eingewurzeltem Übelbefinden und innerem Mißmuthe muß die Dosis Erhebung immer stärker werden, wir werden zuletzt gleichgültig gegen den Werth und nehmen mit der stärksten Erregung für lieb. Verfall.— Dieser Prozeß ist in der Geschichte jeder Kunst sichtbar: das klassische Zeitalter ist das, wo Ebbe und Fluth einen sehr zarten Unterschied machen und ein wohliges Gefühl von Kraft die Norm ist: es fehlt immer das, was die tiefsten Erschütterungen hervorbringt: deren Erzeugung gehört in die Periode des Verfalls.

4 [261]

Man glaubte an Napoleon, weil man einen Helfer und Beruhiger nöthig hatte; Paulus glaubte an Christus, weil er ein Objekt nöthig hatte, das ihn concentrirte und dadurch befriedigte. Luther bekämpfte die Geistlichkeit, weil sein ernsthafter Versuch, ihr idealer Ausdruck zu werden, ihm nicht gelungen war, ihm nun überhaupt unmöglich und bei jedermann unmöglich erschien. Er verdächtigte die ganze vita contemplativa mit seinen Erfahrungen; er glaubte an die Bibel, weil er nicht mehr an den Papst glauben wollte, er gab sie in jedermanns Hände und lehrte das allgemeine Priesterthum—er haßte eben die Priesterschaft.

4 [262]

Im tiefsten Kummer, klagend und schreiend in seiner Kammer liegen—und da kommen die Menschen herein, wie das grelle Tageslicht: Aufschreiend und sich das Gesicht verhüllend: ach die Menschen! ach die Menschen!

4 [263]

Herumgehen wie verwandelt, mit einer anderen Schwere in den Füßen, beladen mit einer Last, daß man immer niederfallen möchte, die Töne der Andern kommen wie aus einem dicken Nebel, ihre Gründe klingen wie fließende dumpfrauschende Wasser, es ist hell, und dabei die Empfindung der Nacht.

4 [264]

Einem Regiment treu und gewissenhaft gedient zu haben, welches sich zuletzt als ein böses und verhängnißvolles herausstellt—und nicht mehr zurück, nicht mehr rechts und links können—welche Bitterkeit! In der Schlinge seiner arglosen Tugend sich gefangen sehen! Gewissenhaft sein und als sicheren Lohn die Verachtung derer die das Regiment verachten d. h. der Besten ernten! Da auszuharren kann heroischer sein als die Flucht aus dem Kampf und das Preisgeben der Sicherheit und der Güter.

4 [265]

Es giebt Vorstellungen, welche die Aufgabe des Weins haben: sie erheben vergnügen ermuthigen, aber viel genossen erzeugen sie den Rausch und oft genossen ein Bedürfniß, ohne dessen Befriedigung das Leben oede und unausstehlich wird.

4 [266]

Die moralischen Vorurtheile sind immer noch unentbehrlich: es ist zu bedauern, daß man sie noch nicht entbehren kann, denn die Kräftigung, die sie geben, unterhält die Schwäche und Unkraft, gegen welche sie als Medizin eingenommen werden, am sichersten.

4 [267]

Die Ehre einer Geliebten schonen, indem man sich in einem Kreise, wo man über sie spricht, ihr fast fremd stellt, und jetzt eine Beleidigung ihrer zu hören, welche man nicht rächen darf, um ihren Ruf nicht zu vernichten—gräßlich!

4 [268]

Wer die Krallen jener schönen Katzen erfahren hat, die um die großen Künstler schwärmen, ist nicht mehr der Meinung, daß das Genie den Charakter seiner Umgebung verbessere.

4 [269]

Woran liegt es daß die gemeinen Leute, namentlich im Orient glücklich und ruhig sind? Es fehlen ihnen die falschen Phantasie-Befriedigungen, die geistigen Räusche und Ernüchterungen, sie leben geistig gleichmäßig. Nicht der Geist, sondern die Geistigkeit ist die Gefahr.

4 [270]

Was auf jetzige Deutsche wie berauschend wirkt, das sehe man aus den Themata Ws; was auf frühere, aus Schlillers Themata. Man gedenke Corneilles.

4 [271]

Darf ich doch mitreden! Alle die Wahrheiten sind für mich blutige Wahrheiten—man sehe meine früheren Schriften an.

4 [272]

Der Selbstmord ausgeübt an einer ganzen Epoche unseres Lebens, unserer Erfahrungen—alles soll todt sein—und alles soll vergessen sein—alles soll anders gewesen sein als es war! Paulus.

4 [273]

Die Sprache ist undeutlich geworden, weil so große Unklarheit inder Umgrenzung der Begriffe gewüthet hat und das Bedürfniß nach fester Bestimmung nicht gepflegt ist. Also ist die Aufgabe klar.

4 [274]

Ach die Entwerthung der einfachen Freuden! Die Griechen haben damit angefangen; es sei sclavenhaft, sich mit den genügen lassen. Fröhlich soll es zugehen! Das niedere Volk hat recht!— Luxus herrscht im Geistigen, daran kranken wir. Die Wahrheit ist: ihr lebt sklavenhaft in eurer Überarbeitung, in eurem Zwange der Gesellschaft, ihr braucht die Geistigkeit als Rausch: und sie bekommt euch schlecht.

4 [275]

Die Menschen jeder Zeit, welche Kunstbedürfnisse haben, vor allem aber eine tiefe schwere Gemüthsart, fallen dem Künstler zu, welcher tief und ernst ist, und sanktioniren ihn, indem sie ihm ihre Tugenden unterschieben: er kommt dem gern entgegen. Aber bewiesen für den Künstler ist damit nichts.

4 [276]

Die Seele erfüllt von häßlichen Erfahrungen, häß Befürchtung, da muß man freilich anderes von der Kunst verlangen, Reinigung, Durchschüttelung, Vergessen.

4 [277]

Das Nachdenken und die Erfindsamkeit in Bezug auf die elementaren Reize (in Musik und Farben usw.) gehört zum philosophischen Charakter in unserer Zeit: ebenso wie die Naturtreue der Maler. Man geht so weit man kann und ist radikal.

4 [278]

sie verachten die Form: als ob diese Musik das geringste Interesse hätte, wenn sie nicht sich auf dem Hintergrund, der gegensätzlichen Forderung der Form, aufschriebe, gegen ihn abhöbe!

4 [279]

Was ein Künstler an Meinungen Sympathien Antipathien Gewohnheiten Excessen alles nöthig hat, um die Luft sich zu schaffen, in der er seine Produktivität wachsen fühlt, das geht uns alles nichts an: so wenig uns der Boden kümmert, wenn wir Brod essen. Verlangt er freilich, daß wir alles jenes mit ihm theilen, um ganz den Genuß seiner Kunst zu haben, so ist zu antworten, daß der Genuß des größten Kunstwerkes ein einziges verschrobenes Urtheil, eine Verrückung unserer Stellung nicht aufwiegt. Das Kunstwerk gehört nicht zur Nothdurft, die reine Luft in Kopf und Charakter gehört zur Nothdurft des Lebens. Wir sollen uns von einer Kunst losmachen, die ihre Früchte zu theuer verkauft. Hält es ein Künstler nicht in der hellen guten Luft aus, muß er, um seine Phantasie zu schwängern, in die Nebelhöhlen und Vorhöllen hinein, gut: wir folgen nicht. Ebenso wenn er Haß und Neid braucht, um seinem künstlerischen Charakter strenge Treue zu wahren. Ein Künstler ist nicht Führer des Lebens—wie ich früher sagte.

4 [280]

Sich vorstellen, was ein Anderer empfindet, wenn wir dies oder jenes thun—also den Nutzen oder Nachtheil von uns zu berechnen aus dem erschlossenen Nutzen oder Nachtheil eines Anderen, zu welchem ihn unsere Handlung führt—das ist eingeübt im Thierreich in den Mitteln des Schutzes und des Angriffs. Sich die Wirkung auf einen Anderen vorstellen und um des Anderen willen etwas thun—die größte Schule! der Erkenntniß! Dazu hat am wenigsten das instinktive Mitleid geführt, sondern die Angst und deren Phantasie: und ihr Resultat ist vom Hunger (als, Ausgang des Angriffs auf ein anderes Wesen) acceptirt worden. Zu errathen, wie es einem zu Muthe ist, aus seinen Gebärden, ob er fliehen oder angreifen will usw.—ohne die höchste Anspannung des Intellekts durch die Noth hätte man das nicht gelernt. Das Mitleid kommt spät, nach dem alles gelernt ist, es spannt den Intellekt nicht an; es ist für die Kenntniß des Menschen ziemlich unproduktiv.

4 [281]

Die Liebe phantasirt über den Anderen: ihr geheimer Impuls ist, im Anderen so viel Schönes als möglich zu entdecken, oder ihn sich so schön als möglich zu denken. Die Illusion ist hier also eher ein Vortheil. Die Furcht will errathen, was der Andere ist, was er kann und will: die Illusion wäre der größte Nachtheil. Also die Erkenntniß des wahren Menschen ist viel mehr durch Furcht als durch Liebe (Mitleid) gefördert worden.

4 [282]

Ich kenne jene schwellende Brust, jenes Herablächeln auf die irdischen Dinge, jenen heißen Strom, den stolzen Tritt des Fußes, jenes glühende verachtende und hoffende Auge —

4 [283]

Wenn man bedenkt, wie viel Schmerz man übernehmen, wie viele man sich anthun muß, wie fehlerhaft es wäre, die sofortige Befriedigung zu wählen; so ergiebt sich, daß auch im Verhältniß zu anderen Menschen wir Leid machen müssen und nicht gleich befriedigen dürfen d. h. daß das Mitleid uns nicht beherrschen, sondern unsere Einsicht über den Nutzen über das Mitl herrschen müsse.

4 [284]

Die Männer gründen die Ehe, um das Gefühl der M zu haben: die Frauen auch (unabhängig sein) Aber sie irren sich beide. Die Liebe ist kein Grund zur Ehe, eher ein Gegengrund: ein tiefes Gefühl verbirgt sich.

4 [285]

Ich habe meine Schriften jederzeit mit meinem ganzen Leib und Leben geschrieben: ich weiß nicht, was “rein geistige” Probleme sind.

4 [286]

Plato wurde ungeduldig, er wollte am Ende sein. Und warum? Sein Gefühl der Macht wollte Befriedigung, jener starke politische Trieb. Die Kürze unseres Lebens verlangt, daß an einem Punkte die Höhe eintritt und das Ziel erreicht ist: sonst blieben wir ewig in der Schwebe und das hält ma nicht vor Ungeduld aus. Individuell nothwendig der Anschein der Wahrheit.

4 [287]

Plato hielt sich nicht in der Bahn des Socrates, die ersten Eindrücke des Heraclit schlugen vor, Pythagoras war das geheim neidisch angeschaute Ideal.

4 [288]

Wenn die Alten von Nothwendigkeit: reden, so meinen sie das Reich, wo es beliebig zugeht (zufällig), wo nicht auf jede Ursache ihre Wirkung folgen muß. Nur der teleologische Bereich, wo die Gottheit ihre Spuren sichtbar werden läßt, macht eine Ausnahme: der Geist bringt Ordnung und Regelmäßigkeit hinein.— Umgekehrt die neueren, welche im Geist das Princip der Freiheit sehen, in der Natur den Zwang.

4 [289]

Man glaubte, wenn man die Eigenschaften eines Dinges verallgemeinerte, auf seine Ursache zu kommen: und die allgemeinste Verallgemeinerung müßte die Ursache aller Dinge sein. So sollte die Vollkommenheit an sich existiren als Wesen, aus dem dann die Tugenden und die tugendhaften Menschen zu erklären seien.

4 [290]

Ich weiß so wenig von den Ergebnissen der Wissenschaft. Und doch scheint mir bereits dies Wenige unerschöpfbar reich zu sein zur Erhellung des Dunklen und zur Beseitigung der früheren Arten zu denken und zu handeln.

4 [291]

Im hingebenden und trotzigen Gefühle der Jugend hängt man sich gerade an jene Lehrer und Männer, die unseren Kräften fremd sind und sich auf den Gebieten erheben, wo wir unsere Mängel fühlen. So triumphiren wir durch unsere Parteinahme über den Zufall, gerade in dem und jenem arm und niedrig geboren zu sein. Später halten wir uns an unsere starken Seiten, weil wir hier allein tüchtig arbeiten bauen können und Meister werden wollen.

4 [292]

Je mehr wir begreifen, wie unsere Werthschätzungen entstanden sind, um so mehr verringert sich ihr Werth und das Bedürfniß nach neuen Abschätzungen stellt sich heraus. Das Studium der ersten und letzten Fragen z. B. verliert jene centnerschwere Bedeutung, wenn wir sehen, durch welche Irrthümer wir unser gegenwärtiges Befinden und ewiges Heil daran gehängt haben.

4 [293]

Daß sich Schopenhauer’s Lehre vom “Willen” so leicht einschmeichelt, liegt darin, daß wir auf das Wesentliche derselben schon eingeübt worden sind—durch den jüdischen Begriff “Herz,” wie er uns durch Luther’s Bibel geläufig geworden ist. Die Empfindung, daß uns etwas leicht fällt und an lauter schon vorhandene Empfindungen anknüpft, gilt uns als Zeugniß der Wahrheit.

4 [294]

Hat einer einen jener großen Aufschwünge ins höhere Reich der Geister gemacht und ihn darstellen können, da macht die Menschheit den Versuch, ihn in sich aufzusaugen: d. h. Viele versuchen in der gleichen Richtung zu fliegen und erst spät beruhigt sich die Begierde. Es sind die Moden im großen Stile, namentlich für die Ehrgeizigsten. Es war die Art, wie man ehemals reiste und Abenteuer suchte.

4 [295]

Die Wissenschaften repräsentiren die höhere Sittlichkeit im Vergleich zu den Welträthsellösern und Systembauern: die Mäßigung Gerechtigkeit Enthaltsamkeit Friedfertigkeit Geduld Tapferkeit Schlichtheit Schweigsamkeit usw.

4 [296]

Die Kunst hat auch die Phantasie-Befriedigung: und es ist diese unschuldiger und harmloser als sonst, weil die Schönheit den Maaßstab des Maaßes mitbringt: sodann weil die Musen sagen: “Wir lügen.”

4 [297]

Was bestimmt uns zu so rascher Verallgemeinerung, daß wir nach Einem Zuge uns den Menschen denken und schlechterdings niemand sein Bild eines Andern unausgeführt lassen will? Die Furcht und die Gewohnheit der Furcht: “er zeigt diesen Zug—wie, wenn er immer so wäre? Nehmen wir es der Vorsichthalber an, nämlich wenn es ein gefährlicher Zug ist!”

4 [298]

Die Thiere welche durch eine entsetzliche Buntheit aller Augen auf sich ziehen, werden trotzdem sehr in Ruhe gelassen: sie haben alle eine böse Waffe, ein Gift und dergleichen—Gleichniß.

4 [299]

Wenn wir eine Handlung im Gefühle der Macht thun, so nennen wir sie moralisch und empfinden Freiheit des Willens. Handlungen im Gefühle der Ohnmacht gelten als unzurechnungsfähig. Also die begleitende Stimmung entscheidet, ob etwas in die moralische Sphäre gehört “gut oder böse” ist. Darum dieses unaufhörliche Bemühen um Mittel, diesen Zustand herbeizuführen: es ist der menschliche!

“In Macht Böses thun ist mehr werth als in Ohnmacht Gutes thun” d. h. das Gefühl der Macht wird höher geschätzt als irgend ein Nutzen und Ruf.

4 [300]

sie begeistern sich in der Jugend einmal und sind dauernd dafür dankbar, während sie den Gegenständen dieser Begeisterung ferner werden: aber an einer Kritik hindert sie die Pietät. Die Heiligsprechung nimmt zu im Verhältniß, daß die Begeisterungszeit ferner wird und wir den Objekten uns entrückt fühlen. “Was uns einmal so erhoben hat, muß die Wahrheit gewesen sein” “Jetzt stehen wir fern und können es nicht mehr prüfen: aber damals waren wir ganz darin zu Hause.” Der Wahn, daß was erhebt, wahr ist und daß alles Wahre erheben muß, ist die Folge von der Verachtung des Irdischen Materiellen als des Unwirklichen und des Geistigen und des jenseits als der wahren Welt, von wo aus alle Regungen kommen, die erheben.

Wenn die Geschichte von Christus in diesem Jahrhundert sich ereignet hätte, so würde der für verrückt gelten, der das glaubte, was jetzt noch viele davon glauben.

4 [301]

Alle Griechen (v. Gorgias Plato’s) glaubten, der Besitz der Macht als Tyrann sei das beneidenswertheste Glück: die Ruchlosigkeit desselben vorausgesetzt. Alle waren bemüht, das Entstehen dieses Allerglücklichsten zu verhindern und, wenn er existirte, ihn zu hindern oder zu vernichten. Das höchste Glück, an das jeder glaubte, wurde ganz in das Gefühl der Macht gelegt: dieser Zustand aber als das absolut Unsittliche (Sittenfeindliche d. h. Individuelle Egoistische) behandelt. Man verabscheute und fürchtete den Glücklichen: in seinem Übermuth schont er niemanden. Allmacht wäre in ihren Augen vollendete Rücksichtslosigkeit und Teufelei, nicht zwar Lust zu schaden, sondern Opferung Aller für die Lust des Tyrannen. Ganz so verfährt nun auch der Tyrann des Geistes, er ist der Glücklichste und Gewissenloseste.

Gerecht sein ein fortwährendes Opfer, nur zu ertragen in Hinsicht auf den Ruhm bei der Gesellschaft (d. h. auf ein Gefühl der Macht): ohne diesen Erfolg gerecht sein wäre das entsetzlichste Loos. Das ist griechisch gedacht. Aber ohne gerecht zu sein (ohne diese Mühen und Aufopferungen) den Lohn der Gerechtigkeit, den Ruhm haben erschien als das größte Glück. Der praktische Ausweg (da der zum Tyrannen gewöhnlich verschlossen war) war: der Schein der Gerechtigkeit: so wie Napoleon in Worten und Handlungen den edleren Trieben seinen Beifall, ja Lohn zollte und so ihren Glanz für sich gewann. Die Gleichheit der Bürger ist das Mittel zur Verhinderung der Tyrannei, ihre gegenseitige Bewachung und Niederhaltung. Hätte man den Ring des Gyges, so wäre ein jeder ungerecht.— Offenbar haben diese Gleichen über das Glück des Tyrannen wild phantasirt, es war die Begehrlichkeit ihrer Phantasie; noch in der Tragödie ist es des großen Paradoxons, “König sein und unglücklich,” “nicht einmal den Perserkönig beneiden” Ausdruck. Ausdruck. Das Gefühl der Macht reiche aus, alle Mühsal des Regierens, alle Furcht usw. weit aufzuwiegen (Xenophon’s Hiero ist die sokratische Paradoxie, daß nicht viel am Glück des Tyrannen ist!) Der Tugendhafte sei der glückliche—das klang wie verrückt : die Enthaltung war ja so lästig! Zuletzt blieb aber der Tugend stolz des Stoikers übrig, der König und Weise ist: das neue Gefühl der Macht: man kann ihn mit nichts unterwerfen, er regiert.— Jede Philosophie hatte ihre herrische Seite: die Epicureer triumphirten, den Acheron besiegt zu haben und die Todesfurcht, die Furcht vor der Natur: also Herren der Natur zu sein.

4 [302]

Der Hauptvorwurf Plato’s geht nicht gegen die Sophisten sondern gegen die Dichter: sie lenken die Jünglinge, welche für Höheres angelegt sind, auf die Bahn des politischen Ehrgeizes—während er sie auf die des philosophischen Ehrgeizes bringen möchte. Die gewöhnliche Art der Befriedigung des Machtgefühls ist der tiefe Schatten, welchen Plato sieht: er will eine andere zeigen. Jetzt könnte man den Vorwurf wiederholen, aber umgekehrt. Die Philosophen befriedigen den Stolz der Jünglinge, wie die Dichter—sie bringen sie ab von der Wissenschaft.

4 [303]

Für mich erdacht und für jene aufgeschrieben, welche einer herzlichen und feinen Antheilnahme an menschlichen Dingen ebenso fähig sind, als sie sich vom zudringlichen Gelüst des Reformators und Sittenpredigers frei wissen—so mögen diese Gedanken

4 [304]

Mill über den platon Philos der, gleich den Göttern, über die Erde erhaben ist und im Anschauen der wahren Dinge lebt, p. 67.

4 [305]

Die Rangordnung der denkenden Geister ist erst noch zu machen. Bisher hat man die Philosophen zu sehr als Künstler behandelt, ihre Gabe der Darstellung, ihre Phantasie, ihr Colorit-gebenkönnen als Argumente ihrer Genialität behandelt: aber den Grad ihrer Gerechtigkeit, Selbstbändigung außer Acht gelassen: eigentlich sie außerhalb der Moral beurtheilt. Ihre Wirkung entschied, und wer auf die empfänglichsten Menschen, solche welchen ihr Dank rhytmisch über die Lippen quoll, wirkte, galt als der größte: also der Begeisterer der Jugend!

4 [306]

Ach diese Erbärmlichen, welche glauben, die Menschheit möchte in Kürze zu klug werden, und es möchte um ihren Einfluß, ihren Ruhm geschehen sein!

4 [307]

Alle jene Wesen, die ihre Leidenschaft verschlingt Werther Tasso Tristan Isolde rufen uns zu: sei ein Mann und folge mir nicht nach!—und das rufen auch die Menschen der philosophischen Leidenschaft, welche individuell höchste Macht durch Erkennen begehren, Alchymisten sowohl wie Platoniker usw.

4 [308]

Der Impuls, sich zu opfern, gilt für gut. Er ist es an sich nicht: wie sollte Schaden thun irgend jemand anderem (in diesem Falle sich selber) an sich gut sein? Und noch dazu ist dieser Schaden ein so überflüssiger! nichts als ein Gelüst der Herrschsucht und des Trotzes gegen sich, welches sich nicht vernünftig zu befriedigen weiß.

4 [309]

“Wille zum Uriniren” d. h. es giebt einmal einen Druck und Zwang, zweitens ein Mittel, sich davon zu befreien, drittens eine Gewöhnung, es anzuwenden, nachdem es von dem Verstande an die Hand gegeben ist. An sich hat jener Zwang und Druck nichts zu thun mit jener Entladung der Harnblase: er sagt nicht “ich will” sondern nur “ich leide.”

4 [310]

Schopenhauer’s Lehre ist eine verkappte Teleologie, aber die eines bösen und blinden Wesens, welches Zwecke erstrebt, die nicht zu bewundern und nicht zu lieben sind. Schien es bei der früheren Teleologie, als ob der Kopf des Universums und die hellste gerechteste Einsicht in ihm die Welt und die Menschen gemacht habe—wo man nicht begreifen konnte, warum beide nicht um etwas vernünftiger und gerechter ausgefallen sind—, so scheint bei Schopenhauer der Unterleib des Universums die Wurzel der Dinge zu sein: und die Begierden desselben erfinden sich erst einen Intellekt, um sich mit seiner Hülfe bessere Nester zu bauen. Eins ist so falsch wie das Andere: aber das Letztere ist unklarer, weil es vom Wollen redet ohne von vornherein einen Intellekt anzunehmen, der sich vorstellen konnte was er will: einen solchen Willen in’s Blaue (oder in’s Dasein!) giebt es nicht, es ist ein leeres Wort.

4 [311]

Vita contemplativa.
Fingerzeige und Wegweiser
dahin.

4 [312]

Vom Leben der Denker.
Moralische Fragen.

4 [313]

Vademecum Vadetecum
Gedanken über die individuelle Sittlichkeit.

4 [314]

Die moralischen Vorurtheile.
Das Gefühl der Macht.

4 [315]

Die Erlösung.
Was zu verlernen ist.

4 [316]

Wie sich Räuber und große Fausthelden zu Soldaten verhalten, so Philosophen zu wissenschaftlichen Menschen. Freilich: die ersteren machte man zu Heroen, diese zu Genies!

4 [317]

In den wissenschaftlichen Menschen leben die Tugenden der Soldaten und ihre Art Heiterkeit—es fehlt ihnen die letzte Verantwortlichkeit. Sie sind streng gegen sich, gegen einander und erwarten für das Gute nicht, gelobt zu werden. Sie sind männlicher und haben eine Vorliebe für Gefahr, sie müssen sich tüchtig machen, das Leben für die Erkenntniß aufs Spiel zu setzen: sie hassen die großen Worte und sind harmlos, und etwas geckenhaft.

4 [318]

Ich werde von der größten Krankheit der M sprechen und will zeigen, daß sie aus der Bekämpfung anderer Krankheiten entstanden ist: daß das anscheinende Heilmittel auf die Dauer Schlimmeres erzeugt hat, als das ist, was durch dasselbe beseitigt werden sollte.

Werden sich meine Leser einen einzigen Gedanken und diesen in hundert und aberhundert Wendungen und Beleuchtungen gefallen lassen? Aber es ist ein Erforderniß der allgemeinen Gesundheit, und man hat Härteres in ihrem Dienste gethan als ein Buch zu lesen, das nicht zu den unterhaltenden gehört.

4 [319]

schwärmerische mädchenhafte Empfindungen von sogenannter Seligkeit, Träume von bekehrten und geretteten Wüstlingen, Treue bis zum Sprung ins Wasser, und der Geliebte selber etwas Furchtbares Unheimliches, ein Mann unbekannter Unthaten, aber ein Übelthäter ohne Schuld, der zugleich ein verkappter Gott und Prinz ist, und alles in sehr reizvoller Natur—das sind jetzt die Erholungen des eisernen Deutschlands.— Böse Harmonien, wüthende Rhythmen und unsägliches chromatisches jammern, der Wechsel aller Tonarten als Sinnbild der Unbeständigkeit aller Dinge unter dem Monde—so wird die Wirklichkeit beschrieben.

4 [320]

Ungarische Rhapsodie II—eine so gute und zugleich so ausgelassene Musik, als ob Gott des Teufels geworden sei.

4 [321]

Die “Erkenntnisse mit Einem Schlage,” die “Intuitionen” sind keine Erkenntnisse, sondern Vorstellungen von hoher Lebhaftigkeit: so wenig eine Hallucination Wahr is

4 [322]

Der Dünkel, das Gefühl der Macht ist oft ganz unschuldig und gebärdet sich wie ein Kind, ohne von gut und böse zu wissen.

4 [323]

Ehemals meinte einer Wunder wie weit er von sich aus gekommen sei, heute unterschätzt mancher umgekehrt sein eigenes Zuthun und sieht nur auf sich Gewirktes.

9, 4[1-323] Sommer 1880

4 [1]

263. The people or, more accurately, the few who have grown accustomed to attending the theater, take it as a fairy tale, and give the most solemn assurance that it is nothing less than myth, and all serious, and not without philosophical secrets

4 [2]

264. One demands of music that it be fairy-tale-like strangely incomprehensible: something earlier times had no conception of. Yes, festive, cheerful, sociable, intimate, solemn! but

4 [3]

265. Every era has its storyteller of One Thousand and One Nights. Ours is now Wagner; there are things one does not believe, does not deem possible—but would very much like to see once in the theater, as if they were true.

4 [4]

The Moral Prejudices.

4 [5]

WHAT TO UNLEARN.

4 [6]

2. All progress of individuals is rendered useless by the chance of marriages, therefore humanity amounts to nothing. And God is supposed to arrange marriages!

4 [7]

7. The illusions have also bred needs in people that the truth cannot satisfy.

4 [8]

Byron says “if Coleridge had not spoiled his beautiful talent with transcendental philosophy and German metaphysics corrupted, he would have become the greatest poet of his time”

4 [9]

10. Moral precepts become increasingly indeterminate in educated times, just as the conception of God becomes ever more pallid. More and more territory is wrested from morality (wherever success becomes controllable and knowledge enters, the moral standard ceases to apply). Thus morality flees into the “ideal,” etc.

4 [10]

11. How much illusion man needs for a good life!

4 [11]

12. Where one no longer understands, one becomes solemn. This was to the benefit of morality.

4 [12]

How should one act? To what end should one act? But the higher up, the more arbitrary the decision becomes: the more it must be artificially made authoritative. Make purposes and means pathetic, the less they are inherently clear.

4 [13]

21. The proof of customs does not lie in their consequences, but in the misfortunes that befall a community. When misfortune strikes, they either believe they have committed transgressions or that they must adopt new customs.

4 [14]

23. Against the one who is outside the community, there is no custom. Here, fear of the individual, pity for the individual arises. Within the community, the sufferer is not an object of pity, but of suspicion; he has likely sinned. Illness is demonic.— Pity for the enemy arises on the basis of contempt, one who is not to be feared.

4 [15]

24. The virtue of the Buddha is: to add others' suffering to your own (while everything is full of suffering). The virtue of Christ: to take upon oneself the punishment for sins, and the virtue of the Christian, to suffer voluntarily in his example (not compassion—). These are beginnings of morality with the purpose of individual consequences. This is progress. The superstition that suffering can atone for guilt—a mysterious process, not deterrence, not revenge, but purgation from defilement.

4 [16]

25. That new morality begins when the community and the state no longer live in fear of enemies and morals loosen, i.e., the individual emerges, the immoral. Now the individual consequences are brought to the forefront, the superstitious ones first.

4 [17]

28. Two moralities of individuals a) one lives to become completely equal to the ideal type in the community (“like his father,” saying of the Spartans) or b) one lives to distinguish oneself among one’s equals. In the first case, being different from the type is something felt as a deficiency, and the goal is difficult. In the second case, equality is thought of as easily attainable, it does not yet confer honor.

4 [18]

29. In Germany, there is unbounded respect for immature or untamed talents; they are called "geniuses." One is very receptive to the picturesque effect of the mind; it is the taste for the wild and romantic. Perfection, grace, and freedom of spirit are not "enjoyed"—one speaks there of esprit, etc.

4 [19]

30. The Madman the Lame as Jester. Don Quixote's chilling example. Hephaestus in Olympus.

4 [20]

32. The value of a thing is increased when veneration accumulates, i.e., when one loses sight of the usefulness of a thing for the individual and considers how many individuals it has already benefited (or seems to have benefited). One now attributes more power to it—

4 [21]

33. The naivety of the Germans! while all these untamed talents have been playing theater with it! In France it perished through the court, in Germany through the geniuses (even Beethoven)

4 [22]

The problem in the time of Greek tragedy was: how could these horrible things actually happen, while the perpetrators were heroes and not criminals? This was the great exercise in the psychology of Athens.

4 [23]

The inclination towards hideous themes. Rape, incest, etc.—to what end?

4 [24]

Clumsy gestures and words of rejection are perceived as an insult when someone wants to speak from the deepest feelings, for example, “don’t tell me any compliments”

4 [25]

The child murderess acts out of fear of shame and makes the greatest sacrifice. If society did not despise and disgrace, the child would remain alive. Adam Bede.

4 [26]

The concealment of the deed as morally original—society should eliminate it from the world: likewise concealment of the wrongdoer.

4 [27]

One can only determine the value of morality by measuring it against something measures e.g. against utility (or happiness); but utility must also be measured against something—always relations—absolute value is nonsense.

4 [28]

Reason as the cause of moral feelings—and the influence of moral feelings on the development of reason!

4 [29]

The address “mein Herr” shows how much all people are flattered by submission and how everyone above all wants to be thought of as proud and dominant.

4 [30]

Schopenhauer, so far from negation, was yet so decent as never to feign it and make no show of it; which ambitious artists immediately do, because they hope thereby to gain a precedence. The play-acting with ascetic and miraculous materials is already a piece of personal hypocrisy.

4 [31]

The rhetoric an art like architecture—the utility is the first norm (and as soon as it acts as art consciously, it cancels the effect of its utility or calls it into question. Or vice versa?) We should not think about the utility, but be unnoticedly led to be benefited.

No! The rhetorician and the actor are to be compared: 1) aims at an effect 2) represents an effect.

4 [32]

Shakespeare and Aeschylus, the multifaceted dramatists, bow before the singular higher men, the poets of their time. Goethe bows before Shakespeare—not before the theatrical poet, but, as a follower of Rousseau, before the natural infinity in him. It is a matter of the taste of the times.

4 [33]

Oh the human intellect! Oh “Genius”! It is not so very much to have made a “Faust,” a Schopenhauerian philosophy, an Eroica!

4 [34]

Just be—nothing! Everything fluid! to only see we need surfaces, limitations!

4 [35]

The fact is the eternal flux. The state strives to make something of lasting character out of its citizens, morality out of each individual something fixed—Memory is the foundation for this apparent solidity (from day to day, from generation to generation), contempt for change taught.

4 [36]

The blind mole is descended from the well-seeing one—effect of darkness on the optic nerves.

4 [37]

In morality, even the period of hypotheses has not yet existed: it is now good to welcome; the range of possibilities from which morality could have its origin is now to be exhausted by imagination. I make the beginning; very skeptical!

4 [38]

Someday, “inheritance” will also be seen as a refuge of ambiguity and mythology: for now, it is still something.

4 [39]

The way the M depends on his Mitm in spirit is very paradoxical and not at all self-evident.

4 [40]

Goethe took pride in the effort required to resist Voltaire's view of nature.— It was a mistake, and it marks the reaction.

4 [41]

Schopenhauer's homage to goodness by genius was a beautiful attitude.

4 [42]

The human, remarkably fearful, tries something new only out of necessity. If it succeeds, they repeat it until it becomes a custom and declare it sacred.

4 [43]

Will the contemplative not necessarily misunderstand the active? Is much knowledge therefore to be expected from them regarding history? But there are returned active ones: this is their concern.

4 [44]

The highest happiness, as Plato and Aristotle recognized, is not in intuitive knowledge (Schopenhauer’s genius), but rather the active dialectical intellect is the source of this happiness—Incidentally, these are subjective judgments that the greatest happiness lies herein—but for such subjects, I am grateful.

4 [45]

People who live in solitude often torment themselves remarkably about their character: but it is not the character, but the solitude that they suffer from. Whoever does not want to accept this should return to the stream of the world, where one "forms one's character": while solitude consumes it.— One should accustom oneself to intercourse with the dead: this preserves the character. No, one should only enter solitude with an educated character—not too early!

4 [46]

To renounce the world without knowing it, as a nun does—this gives an unfruitful solitude, perhaps a melancholic, renouncing one—but vita contemplativa should have nothing of renunciation, but rather be chosen by those natures for whom vita practica would be a renunciation, a renunciation of themselves.

Finally, vita contemplativa does not need to be lonely: it is even conceivable as a marriage.

4 [47]

Someone who has drunk strong coffee not only looks more lively when seen in the mirror, but also sees their reflection more vividly (sees more of it than usual)

4 [48]

To throw oneself down before a god, to surrender oneself entirely to his grace, to be ecstatic even over his alms, to fawn upon him like a dog—this has been considered the highest task of man! Through this, love as a moral principle has become something suspect for all time. What was once given to a god is now given to a genius, a prince, a woman — —

4 [49]

Richard Wagner wears—for me—too many fake diamonds.

4 [50]

It is not unselfish action that has arisen (through forgetting) from inheritance, but rather the constant thinking of others as the measure of our actions.

4 [51]

We do so much for the sake of others, almost everything, that the actions in which we think only of ourselves are the exception: the egoists are the greatest exception.

4 [52]

Even the (Chinese) virtue of politeness is a consequence of the thought: I do good to others because it benefits me—yet in such a way that this because has been forgotten. Not, however, does goodwill arise in the indicated way through forgetting.— But politeness is still very closely related. The Chinese have carried through the family sentiment (children toward parents), the Romans more that of fathers toward the family (duty

4 [53]

, say the Neoplatonists, i.e. the useful is more useful than the truth—naturally. If the preservation and promotion of happiness is the ultimate task, then truth may see how it fares against error in the competition. Ultimately, however, humanity will have to adjust to the truth, just as it adjusts to nature, even though a belief in the omnipresence of loving powers may have been a more pleasant one. Then there will be much less deceptive hope and thus much less disappointment, and the occasion for consolation will be rarer than it is now.

4 [54]

The philosophers now as decorative artists of science, they arrange nature more effectively.

4 [55]

Principles: there are no purposes in nature, there is no spirit except in humans and human-like beings, there are no miracles and no providence, there is no creator, no lawgiver, no guilt, no punishment.

4 [56]

Luther denied that God could take pleasure in the “praised spiritual works of the saints”—something malicious. Only in the 10 Commandments.

4 [57]

(Tree 243) Luther: to have something that the human heart can trust in everything, i.e., to have a God. According to Thomas Aquinas, because of the deficiencies he feels, man needs a Higher Being to whom he submits and who can help and guide him: God.— Both mean that there must be a God because people need him. So also Miss v M, life would be unbearable if everything had only a final physical meaning. In truth, it is the opposite: because one is accustomed to believing in God or in the ethical meaning of existence, one imagines that "man" needs them, that it would otherwise be impossible to live.— Incidentally, this would at most result in "necessary ideas"—only then would a God or the ethical meaning of existence be necessary.

4 [58]

Among the contemplative natures, 1) the religious have had the strongest effect in making life difficult for practical people 2) artists are usually unbearable as persons, and this must be deducted from the value of their works 3) philosophers were somewhat of both kinds and also mixed with the dialectical, which made them tedious for the practical 4) the thinkers

4 [59]

Luther vented his rage against the vita contemplativa after monastic life had failed him and he felt incapable of becoming a saint, vengeful and argumentative as he was, he sided with the vita practica, the farmers and blacksmiths.

4 [60]

I believe that many of us, if they were placed with their abstemious moderate customs, their gentleness, their sense of justice into the semi-barbarism of the 6th–10th centuries, would be venerated as saints.

4 [61]

Oh the deep humiliation that seizes me when I hear the bathing society speak, or enter a dining hall of young men, or pick up a newspaper.

4 [62]

Suppose a good doctor came among savages and allowed himself to be treated as a sorcerer—how much superior he would be to all the sorcerers! Likewise, every good historian today is superior to any prophet!

4 [63]

Purposes are usually unintended, but very desirable results, with which we subsequently justify our actions to reason.

4 [64]

Something that has existed for a long time, not to let it perish—a cautious practice, because all growth is so slow and even the soil is rarely favorable for planting. To redirect the existing forces to other effects!

4 [65]

Theatrical music (—not “dramatic music”) undermines the taste for music, just as the theater itself impairs the joy of poetry (it lacks solitude, nature, real life around us; it is a luxury and a gathering of idlers, devoid of mood.

4 [66]

The mixed impure character of artists: ambitious and ruthless, in furious rivalry against everything that has prestige, yes even against everything that is capable and worthy of respect, and unscrupulous in their means, slanderous and treacherous—quite Napoleon, but one feels in honest air with him, because he knows what he wants and does not deceive himself.

The speculation on the masses, on the enthusiasts of every kind, this fear of the spirit and of moralistic science (Napoleon did not suffer that de Tracy and Cabanis be spoken of in any sense)—everything that would offend the instincts of the best followers, the fanatics, is sniffed out and defamed, branded as an object of hatred even in the motive of art, and conversely: fanaticism, the deathly love, is preached through art. In one's own life completely comfortable, one professes the most extreme fanatical virtues (such as chastity, holiness, unconditional loyalty)—thus everything becomes a school of fanaticism: art, views, followers.

4 [67]

All moralities and laws aim to cultivate habits, i.e., to eliminate the question of "Why?" for very many actions so that they are done instinctively. In the long run, this is a great impairment of reason. Furthermore, "acting out of habit" is acting out of convenience, in response to the nearest impulse, at the same time a fear of the unusual, of what others do, an impairment of the individual. To breed a race with strong instincts—that is what a morality wants.

4 [68]

“Moral feelings” say the Germans, “moral judgments” the English. “Compassion,” for example, does not belong among the moral phenomena for St. Mill, but rather among those of “amiability”; it is a matter of “sympathy”; and the great Stoics have even designated it as immoral. For feelings there is no “thou shalt,” but only “I must”: but what becomes of duty when a person says to himself, “this I must do, whether I ought to or not,” “I cannot do otherwise.” This is what the German admires in Luther, for example: not how one forces himself under a law, bends, but how one, despite all command and prohibition, remains true to himself, i.e., in Germany one admires individual action, perhaps because it is so rare among the fearful and obedient Germans.

4 [69]

When I say: “I like this person, I sympathize with him,” according to Schopenhauer, that is supposed to be moral! And again, antipathy is the immoral—as if one did not feel sympathetic to one person and antipathetic to another for the same reason! Thus, the moral person would necessarily be immoral!— Rather, sympathy and antipathy have never been considered moral; it is a kind of taste—and Schopenhauer wants us to have a taste for everything that lives? That would have to be a very coarse and crude, voracious taste, satisfied with everything!

4 [70]

If an idealist is not a skeptic by instinct in practice, he becomes the fool of vanity and ultimately considers himself the son of God.

4 [71]

It is a human interest to name what one has wrested from self-interest and sacrificed to the common good with the loftiest words possible; those who sacrifice little insist most strictly on moral grandiloquence. To whom it is natural, they want it spoken of simply, if possible somewhat too modestly: thus it does not stand out and can be practiced quietly. The best have an interest in diminishing the moral value of words.

Others need the moral lofty attitudes, those semi-actors whose worth lies in what they signify, not in what they are.

4 [72]

When a person whose life is full of adultery and debauchery glorifies chastity, they have every reason to do so: for with it, their life would have been much more worthy; they know Eros only as a wild, insatiable, desolate demon. But for those for whom he is something else (for an Anacreon), chastity will not be something so venerable in itself.

4 [73]

Just as nature does not proceed according to purposes, so the thinker should also not think according to purposes, i.e., not seek to find anything, prove or refute anything, but rather listen as one does to a piece of music: one carries away an impression of it, depending on how much or how little one has heard. This impression arises from a comparison with the impressions one has previously had of music; one must understand this kind of language; the more finely one understands it, the greater is the pleasure and displeasure involved.

The coarse person enjoys life like music of every kind, essentially as pleasure and delight.— The finer artistic pleasures as well as the finer insights must be dearly bought, i.e., one must often suffer disappointment and discomfort.— The mass and frequency of musical enjoyment decreases with the refinement of taste—is this an objection against the development of music and its cultivation? And is it not the same in everything, even in knowledge? What things give a child the joys of knowledge! And how great!

4 [74]

We should not be surprised if someone taught that no human being had known the motive of their actions until now, for the learned apparent motive had interposed itself between the real motive since the beginning of mankind. We see and hear so poorly and are so conceited on top of that!

4 [75]

The many worries and annoyances of the educated classes, yes, of the most sublime minds —

4 [76]

As the higher drives are called those that are in contrast to the despised ones. But one despises what does not inspire fear, what is found among lowly people, etc.— Very different things have been counted as part of higher humanity, even opposite ones.

4 [77]

The morality that initially does not think at all about the happiness of individuals, but rather fears it and seeks to suppress it ("measure" of the Greeks) wants something that extends beyond the time of individuals, the association of several generations, and indeed from the standpoint of the community: the individual is the scapegoat for the collectives "state," humanity, etc. "Only as a whole can we preserve ourselves" is the fundamental conviction.

So think the old men and the princes who want to hand over the community securely to their descendants. "Virtue" here is not something distinguished, but the required rule that earns no praise (as in military organizations) Individual distinction was only invented in Greece; in Asia, there were only princes and legislators. Morality for individuals despite the community and its statutes begins with Socrates.

4 [78]

When morality prescribes courage, loyalty, and abstinence outside of marriage, it does not consider the happiness of the individual as its purpose, nor their spiritual and physical health: rather, it sacrifices these for the common good. For morality, the lesser humanity of the masses has a value that it does not hesitate to pay for with the higher humanity of individuals: the same applies to health and happiness. In doing so, it proceeds from very unscientific assumptions about the means by which a mass attains happiness, health, and continuation: it is often enough mistaken. The changes in morality are proof that one has erred and feels it.

4 [79]

All previous moralities proceed from the prejudice that one knows for what purpose man exists: thus that one knows his ideal. Now one knows that there are many ideals: the consequence is the individualism of the ideal, the denial of a universal morality.

4 [80]

Many people are capable of only a very small amount of happiness: it is no objection to a morality that it cannot give them more happiness, just as it is no objection to the art of healing that some people cannot be cured and are eternally sick.— It is the view of life that must be chosen in which we reach our highest measure of happiness: which may still be very small.

4 [81]

How have the noble families preserved themselves so well throughout all times? By the fact that the young man in marriage did not seek primarily sexual gratification, and as a result allowed himself to be advised in this matter and did not let himself be carried away by amour passion or amour physique into contracting unsuitable marriages. First, they were experienced young men in matters of love who married—and then they had to consider representation, etc., in short, think more of their lineage than of themselves. I am in favor of breeding moral aristocracies again and granting some freedom outside of marriage.

4 [82]

There is no action or way of thinking that would be morally good in itself, without regard to what is considered custom in a country and among a people. It would certainly be possible for a philosopher to persuade the people of a country to feel differently: that is, to believe in the “morally good in itself.” With that, this way of thinking (the belief in the morally good) has become custom: i.e., an error is here regarded as a moral command.

4 [83]

List, fraud, perjury, murder, cruelty, in regard to the enemies of the congregation—are considered virtuous: a treatment of enemies as distinguished and honorable.

4 [84]

In assuming an eternal existence of the individual, individualism is extreme; it knows no consideration for existing communities—every consideration is nonsensical in relation to eternity: no compromise, no leniency, not a single line is to be yielded when it comes to that. Here, the fanaticism of the individual is at its peak: by contrast, we with our 70 years may afford to be milder. What does it matter in the end if someone suffers for 70 years!

4 [85]

To set up an ideal, to place it at the forefront, as an introduction? Undisturbed in eternal peace, to act through example, not through active intervention, to make oneself visible, not to want to live long, but individually, not distinguished by any virtue, at home in no custom, without a homeland, lightly connected to needs, not grumbling or disparaging, but brave everywhere, in recognizing acknowledging, and thus reconciling in deed, without intention, averse to grand words and moral judgment, not to be angry at those for whom some of these insights are too ugly and therefore do not wish to continue with us—perhaps they are finer natures, and bravery is not a virtue, but a matter of temperament—

4 [86]

The history has appeared as a reactionary power after the revolution (see St. Mill on Coleridge). And now? —

4 [87]

The natures which have most strongly rebelled against morality (probably the individuals!) must still have their honor. So far, one sees progress only on the other side.

4 [88]

This consideration is not written for—. Heartfelt and delicate participation in human affairs, without becoming intrusive by giving advice.

4 [89]

That effect of “redemption” was exerted by an illusion: it is enough that an idea is capable of giving man victory over his clinging, inevitable nature and letting him triumph.

4 [90]

One could judge people by how high the happiness of each is that is possible for them at all: again, how much happiness they are able to share, how much discomfort and unhappiness, etc.

4 [91]

Occupied people want to be even more than happy. So anyone who occupies them is a benefactor. The escape from boredom! In the Orient, wisdom comes to terms with boredom, the trick that is so difficult for Europeans that they suspect wisdom to be impossible.

4 [92]

The effect of music on hysterical persons of both male and female sex can be enormous and entirely independent of the composer's merit. Elementary effects often occur with Wagner's music. The boundaries of the pure elements of M are not yet recognized (mountain air beauty

4 [93]

The conscience, insofar as it has essentially produced unpleasant sensations, belongs among the diseases of humanity.

4 [94]

Note how, for example, a sudden downpour affects different people: each interprets the event according to mood and temperament. Our pain sensations seem to be only weaknesses of the organism: the same stimuli lead to pleasure. There is nothing inherently unhappy.

4 [95]

“The eye can never have been brought about by seeing” Semper. NB. “Never is a color produced by selective breeding or adaptation, but always only a coloration, arrangement of colors” Semper-32.]

4 [96]

There is still a tendency to trace all highly valued things and states back to an even higher cause: so that this world of high things is, as it were, a reflection of an even higher one. Thus, the diminution of a property seems more natural to humans than an increase: “the perfect cannot become, but only perish” is an ancient hypothesis. Memory of an earlier better world (pre-existence) or paradise at the beginning or God as the cause of things—all assume the same hypothesis. “The becoming God” is the mythological expression for the true processes.

4 [97]

“Brain in the foot,” mollusks partially: ear in the tail, crustaceans

4 [98]

The desensualization in morality and the praise of holiness is a lower degree than the Hellenic demand for moderation. Oriental barbarism knows no other way to help itself. The negation of the world is the consequence of the conceit of such natures.— Instead of ruling, rather renounce, so that there is nothing left to rule: means of the utmost danger.

4 [99]

It is completely wrong that the great minds have essentially judged existence and mankind alike: proving this equality stems from the belief that geniuses stand closer to the essence of the world and thus must also speak more correctly, i.e., more uniformly, about what it is. But geniuses have had individual views—and projected themselves into things: which is why they deeply contradict each other and always believe they must annihilate all others.

4 [100]

There are so many moralities now: the individual unconsciously chooses the one that is most useful to him (for he is afraid of himself) i.e. he must embrace the error, to the degree that he is a dangerous animal.— Formerly, when people of one race were alike, one morality sufficed.

Now people are very unequal! There are more individuals than ever, do not be deceived! They are just not as picturesque and coarsely visible as before.

4 [101]

Since there are more individual standards than ever, injustice is probably also greater than ever.— The historical sense as a moral counterforce. The infliction of pain through judgments is now the greatest bestiality that still exists. There is no universal morality anymore; at least it is becoming ever weaker, as is the belief in it among thinkers.

There are enough people who live without morality because they no longer need it (just as there are those who live without doctors, painful medical procedures, because they are healthy and have corresponding habits). Living with moral consciousness—presupposes faultiness and its pressure and consequences.

h. we have not yet found our conditions of existence and are still searching for them.

For the individual, insofar as he is not a thinker, morality has a limited interest: as long as he is not well, not in good spirits, he reflects on the causes and seeks moral ones, since others are unknown to him as a poor scholar. To shift the faults of his constitution, his character, into morality, to want to be at fault for his illness—is moral!

4 [102]

When someone has established their customs, with which they tolerate their environment and the environment tolerates them, then they are moral. As long as they waver and no one can rely on them, they are not yet. The "moral" person becomes "predictable" e.g. as a party member: hence much hatred towards the immoral.

4 [103]

Luther's consolation when the matter did not progress, "Downfall of the World." The nihilists had Schopenhauer as their philosopher. All those extremely active ones want to let the world go to pieces when they recognize their will as impossible (Wotan)

4 [104]

We only have to be true to ourselves: to be so towards others is self-sacrifice, and only in the case where the natural inclination for it exists within us is truth towards others also a command of nature that wants to be satisfied.— Towards ourselves it is self-preservation, e.g., we must represent our physical powers to ourselves correctly. Demanding of ourselves in the intellectual realm a leap that our legs cannot reach, just as in the moral realm, is an occasion for broken legs and the most severe pains; our morality has the measure of its ideality in the measure of the power possible for us, provided that we can increase this power.

All growth must happen gradually, not in leaps.—How much misery there is in the world because one imposes on oneself the standard of an impossible morality! One is not ashamed if one cannot run like a runner: but in moral matters we are so childish as to count the lack of natural conditions as guilt and shame! As if we were our own creation! This is indeed the hypothesis on which that sense of shame grew.

4 [105]

The higher humans differ from the lower ones just as the higher animals differ from the lower ones, through the complexity of their organs and the number of them. To long for simplicity—i.e., to want to have it easier!

Even now, especially by artists, the semi-barbarian is still glorified: strength, feeling, ignorance, natural gestures and instincts—this is the picturesque standpoint “this species looks good”—now the danger of illness and partial atrophy of so many organs is great.

4 [106]

Now it pleases to be hurried and to hurry: even artists choose the spirit of discontent as the muse that inspires them. When one sees them in their recreations, they are quite empty, they have no strength to waste on it and prefer the most insipid (even eminent scholars). It would be very unfair to judge the time by that: in pleasure and recreation, it does not reveal itself entirely, let alone its best part. So be tolerant of their art, and do not pity the higher artists to whom the time does not correspond, truly not because it would be unworthy of them! One judges this falsely as a youth.

4 [107]

The moralists took the morality revered by the people as sacred and true and sought only to systematize it, i.e., they draped it in the garb of science. No moralist dared to investigate its origin: that would have touched upon God and His messengers! It was assumed that morality lived distorted in the mouths of the people, that it was in need of “purification.” —

4 [108]

One honors those who broke the spell of custom in thinking. But those who did it through deeds are defamed and ascribed base motives. This is unjust; at least one should attribute the same base motives to free thinkers.— That much courage and originality of spirit, independence, can be demonstrated in the criminal is concealed. The “tyrant” is often a freer, braver spirit; his nature is no worse than that of the timid, often better, because more honest.

One now generally answers the question of whether the Russian nihilists are more immoral than the Russian officials in favor of the nihilists.— Countless customs have fallen victim to the attacks of freethinkers and free-doers: our current individual way of thinking is the result of nothing but crimes against morality. Anyone who attacked the existing order was considered a “bad person”; history deals only with these bad people!

4 [109]

The Freithäter are at a disadvantage compared to the Freidenker because their selfish motives become more visible than those of the latter. But the latter often found satisfaction for their selfish motives simply in uttering the forbidden: thus the immoral is more harmless and therefore not reviled. In regard to the source, all is one: Napoleon and Christ.

4 [110]

The Greeks, according to Aristotle, often suffered from an excess of pity: hence the necessary discharge through tragedy. We see how suspicious this inclination appeared to them. It is dangerous to the state, removes the necessary hardness and rigidity, makes heroes behave like wailing women, etc.—In the present age, one wants to strengthen pity through tragedy—bon appétit! But one notices nothing of it being there, before or after.

4 [111]

Either one obeys as a slave and weakling, or one commands with: the latter the escape of all proud natures, who interpret every duty as a law that they impose upon themselves and others: even if it is imposed upon them from without. This is the great aristocracy in morality—“I shall do what I will” is the formula.

4 [112]

Since Rousseau, people have glorified the immediacy of feeling, throwing oneself onto someone’s chest, spewing out one’s anger like one’s saliva, etc. Strange that all the great sages of morality have demanded precisely the opposite! Restraint of feeling—and hence the dignity in the conduct of the moral person. There are charming, perfect souls for whom this is fitting because they have no excess within them: but to make a law after Mozart is to ; we are not little songbirds. Even good and respectable feelings, when expressed immoderately and immediately, provoke disgust: thus, everyone has surely at some point wished pity that knows no bounds to the devil.

4 [113]

Is it necessary to retain the moral words? What do the expressions of alchemy have to do with chemistry?

4 [114]

1) Prejudice: the consequences that one attributes to a sanctified moral precept would also be the consequences of other precepts: but one believes that this one alone has the privilege 2) the consequences are not actually the consequences but a frequent post hoc 3) the consequences are in truth the consequences of an accompanying circumstance that one overlooks etc.

4 [115]

Since every thing, when it has existed for a long time, wants to have some dignity, we also see Wagnerian art reaching for everything that is capable of conferring dignity, Christianity, the favor of princes and nobles, etc., it would very much like to have a halo, but where are the powers that would be able to grant such!

4 [116]

Things that one wants to love forever must be slightly undervalued: one must never fully know what they are. Woe to him who exaggerates! He loses every jewel: for if he falls from the mood of exaggeration into its opposite.

4 [117]

In moral matters one must not go to one's outermost limits: otherwise one falls into disgust with the moral.

4 [118]

Knowledge of one's strengths, the law of their order and release, their distribution without using some too much and others too little, the sign of displeasure as an infallible hint that an error, an excess, etc., has been committed—all with regard to a goal: how difficult is this individual science! And in the absence of it, one reaches for the popular superstition of morality: because here the recipes are already prepared. But look at the result—we are the victims of this superstitious medicine; the individual should not, but the community should be preserved through its recipes!

4 [119]

What makes up the valuations of original peoples cannot be guessed by any imagination, one must experience it. Certain customs and the associated thought patterns are not to be constructed; when one speaks of the “natural” needs and desires of people, one imagines the matter too simply: the intellectual needs, for example, have been satisfied in a most peculiar way.

4 [120]

Often two people come together whose morality fits so poorly that one has a vacuum where the other feels their strength and virtue; they call each other “immoral.”

4 [121]

That which goes beyond necessity is, higher to esteem, the superfluous, the adornment, etc., an ancient drive: a certain contempt for that which constitutes the organism and life. Greeks, honest Romans—very strange! the extraordinary? Morality wanted to give human actions a meaning, an adornment, a foreign charm, as well as all relations to divinity—an intellectual drive expresses itself thus, theLife should be understood as interesting, and before one had the science that made precisely everything pertaining to necessity interesting to the highest degree, one believed it necessary to rise above necessity in order to find humans interesting. Hence the assumption of mysterious, demonic powers within them, etc. (Especially where the satisfaction of natural drives is easy, with great fertility of the soil, etc., contempt for the “natural” quickly arose)

4 [122]

The regular in nature, that is the calculable, to which one can submit, so that it runs harmlessly or even usefully: thus, wherever rule prevails, one has believed in good, benevolent powers (through a confusion). The evil, that is the incalculable, e.g., the lightning. Man is calculable on the basis of morality, insofar as good, the foreign people incalculable, thus evil, foreign customs are regarded as evil. The transfer of what is good for us to the object, which is now called good—

4 [123]

The feeling of sympathy may have arisen from the opposite: fear and antipathy towards the foreign Other is natural. Now the case occurs where this feeling is silent, no fear: we begin to treat this thing as ourselves.

4 [124]

Man is not the heir to all the sympathetic feelings of the animal world.

4 [125]

When the sexes seek and attract each other, an opposition of antipathy arises: here is the home of morality as sympathetic impulses. “To take pleasure in one another”—to desire one another, not to devour each other.— Morality as sympathetic behavior of animals stands in relation to the degree of their sensuality.— Among humans as well? The religions that have most highly esteemed compassion and love have arisen among very sensual peoples, as is already proven by the fact that they established the ascetic ideal with regard to sensuality: proof that they felt themselves to be immoderate and unbridled in this respect (Indians and Jews)

4 [126]

The novella has a stronger effect than the performed play because it aligns itself with history; whereas the play constantly destroys the illusion; assuming one actor creates it, then another destroys it, and in any case the theater and the people around us. How dull, how unconvincing is Mozart's Don Juan compared to Mérimée's Don Juan! Then, when listening to storytelling, we are much more active than when watching, the latter much more often creates the tendency to criticize. Music, as a continuous accompaniment, is distracting and disruptive under all circumstances, even the best music often becomes boring.

4 [127]

Sympathy for someone, i.e. not fearing them and expecting joy from them. And that is supposed to be unselfish!

4 [128]

To understand how someone else (or an animal) feels is something different from empathizing, such as the knowledge of the doctor and that of the mother of the sick child—but the prerequisite? It is by no means a reproduction of this specific feeling of suffering, but rather suffering over the fact that someone is suffering. In contrast, knowledge relates to the specific nature of the pain.

“Feeling his pain after him” because one has experienced something similar is a kind of medical knowledge about the pain—it is not genuine compassion, which generally suffers with the suffering of a person, not with the specific suffering. The feeling that someone we love, who is in our care or power, is suffering is entirely personal, usually linked with anger over our helplessness (in compassion, the ability to imagine the nature of the suffering may be very slight).

4 [129]

To spare friends out of pity is considered a weakness and is the opposite of the virtue that demands strictness towards oneself when it comes to measures for the common good.

4 [130]

In India, the highest is contemplation, the second is life according to the rules of the caste —

4 [131]

The passions are “false judgments” according to the Stoics.

4 [132]

The first Christianity valued most highly the qualities that enabled mission, to carry the teaching to the ends of the earth before the imminent end (celibacy and abandonment of possessions) — world-flight meant not participating in Greek-Roman life, since this rested entirely on pagan culture. Neoplatonic basic assumption, that we should live for a higher life, the earth appeared too low, likewise the culture. This naive pride! “Being rapt and elevated from the earth, touching the highest world-ground in feeling”—a kind of Platonic cognition—all delusion. The Neoplatonic view merged with Christianity, it is the religiosi, the higher people. The Reformation rejected these higher ones and denied the fulfillment of the moral-religious ideal, it had much malice and contradiction against the vita contemplativa.

4 [133]

In morality, one demands the strictest theory from everyone.

4 [134]

The theoretical life is characterized by superficiality: the practical life is thorough and always leads through all necessary means to the goal, or else the goal is missed. In contrast, the thinker often seemingly achieves their goal and does not recognize faulty paths and leaps as such: they have too often and too easily the feeling of success.

4 [135]

Chastity is a virtue only for the age of half-youths and girls: in itself a perversion, because it would destroy the species. As an individual measure in the interest of others, an exception: where, namely, only complete renunciation can save the M.

4 [136]

The humanity will perhaps have acquired much more power through mastery of nature in the new century than it can consume, and then something of the luxurious will come among people, of which we cannot now imagine. Suppose the idealism of people in their goals does not stand still, then magnificent enterprises could be undertaken, as we cannot yet dream of. Alone, airship travel overturns all our cultural concepts. Instead of creating works of art, nature will be beautified on a large scale in a few centuries of work, for example, to elevate the Alps from their beginnings and motifs of beauty to perfection. Then all previous literature will smell somewhat of the narrowness of small towns.

An age of architecture is coming where people will build for eternity like the Romans. The backward peoples of Asia, Africa, etc., will be used as workers; the populations of the earth will begin to mix. When one thinks of the past, one will think of its gloomy melancholy and sluggish contemplation: fire and an excess of strength, the result of a healthy way of life. To prepare for such a future, we must separate and bring to extinction the melancholic, the grumblers, the complainers, the pessimists. Politics arranged so that moderate intellects suffice, and not everyone needs to know about it every day. Likewise, economic conditions without greed over life and death. Age of festivals.

4 [137]

I consider it possible that a mind richly filled with facts and logically masterful, in an immense excitement of the intellect, makes an unprecedented mass of conclusions one after the other and thus arrives at results that entire generations of researchers will only catch up with: it is also a fantasizing—he will have to pay for it.

4 [138]

With our current inductive researchers, the acumen and caution are more spirited and inventive (also more imaginative) than with the actual philosophers.

4 [139]

Prejudice that one must hold a high rank, represent a power, in order to judge independently, that the lower classes are not even allowed to be free in thought. “This wants to reason, have opinions etc. etc.,” as one, in their opinion, has thought too long about the opinions

4 [140]

Too many whiners and gloom-mongers have reproduced!

4 [141]

The happiness of people who let themselves be commanded (especially military personnel and officials): no complete responsibility regarding the direction of their activity, a lightheartedness and harmlessness, the demand for strict duty fulfillment (which is the more beautiful name for obedience, whose dignity). Even wise Christians have this lightheartedness. Science relieves in the same way (irresponsibility)

4 [142]

Wanting to have nothing to do with reality, seeking to grope for true reality in rapturous feelings, being deviant and without understanding for life: for this, the earlier “science” had its formulas, it was a reasonable tendency for it because it believed in the hinterworld. The poet is granted it when he tells beautiful follies from a “possible” world: whether he himself despises our world, he pays for this contempt with his works. But woe to him if he wanted to seduce us into “rising above the world,” i.e., to rave in action and make the pleasant falsehood of an idle hour the judge of life! In this, we are now strict.

4 [143]

Have not all "sublime feelings" now become suspect because the false philosophy of enthusiasm has clung so closely to them for so long that almost regularly, alongside a sublime feeling, a twisted thought, an exaggerated perspective arises! Sad. Aesthetic consideration also finds fantastic thoughts more stimulating than strict and adapted ones, and all arts persist as if on a dogma that intellectual extravagance and sublime feelings live and die together. That there is elevation without fantasy, please prove it daily and hourly! Friends!

4 [144]

If one follows a moral feeling, one discovers, after tracing its course through imitation, finally a very strong valuation of a thing or action, which has its basis in a theory. So when concepts persuade and subjugate people and they measure something by them, a desire or an aversion arises as a practical result. This is then directly propagated further, without the corresponding motivation and often later with a newly inserted one. Where there are moral feelings, either a concept has passed into the blood or a feeling has been imitated.

4 [145]

Everyone considers moral what maintains their status, the mother what increases her reputation, the politician what benefits his party, the artist what helps his artwork achieve immortality: and the degree of intellect and knowledge determines how far one pursues this interest, whether he declares the reform of the entire world, even its downfall, as the moral goal, so that he may thus be of the highest use to the interest of his status, etc. The prince, the nobleman have one morality with the common man, but they mutually call each other's means immoral. "Morality is always at home with us"; the question is how far we extend this "at home with us".

4 [146]

Incest adultery rape erotic obsession, which not only the French dramatists of romantic taste but also the German opera composers seized upon—sign of what? This inclination toward mythical atrocities, which the Greeks also suffered from, is in any case bad taste: bad enough when philosophy requires it to make its propositions credible.

4 [147]

We understand not what the other wants, get annoyed with him and ourselves: terrible misery in the family is the reason, and yet it is the good people who get most annoyed, because they feel what they do not understand to be alien, hence evil.

4 [148]

Since moral judgments and feelings have brought much suffering, especially remorse, the question arises: is this offset by a greater good? “Humanity exists through them” is doubtful: animal species exist without them. Many tribes have had such annihilation fury against their neighbors due to moral differences.

4 [149]

In the sciences of the most specialized kind, one speaks with the greatest precision: every concept is precisely defined. The most uncertain is probably in morality, where everyone feels something different with every word and depending on mood; here, education has been neglected, all words have a halo that sometimes expands and sometimes contracts.

4 [150]

A weariness of the human, as if it were always the same old comedy, is possible; for a knowing being, it is a terrible limitation to always have to recognize as a human, there can be an intellectual disgust with humanity.

4 [151]

Very ambitious people who are denied access to a field of distinction, for example, the art of warfare, astronomy, or medicine, either take revenge by belittling and ridiculing these things and their representatives—or they imagine that there is a special "royal road" for them to immediately reach the quintessence. Thus, one simply imagines having clairvoyant powers.

4 [152]

That hot burning feeling of the ecstatic "this is the truth" this grasping with hands and seeing with eyes in those over whom imagination has taken hold, the groping at the new other world—is a disease of the intellect, not a path to knowledge.

4 [153]

First principle: achievable and close ideals: so individual ones!

4 [154]

“You only need to be martyrs, then you will be certain of your cause!”—thus sounded the voice of temptation, with which one triumphed over moral demands. A decision like having a tooth pulled!

4 [155]

Without physical perfection—is spiritual or moral perfection even possible?— What vigilance is required in a sickly state, how necessary the sifting. Besides, perhaps the process of recovering health has too much of the intoxication of health for its insights not to be somewhat suspect.

4 [156]

The shipwrecked man who sees the land and would greatly value being on land but cannot swim—what use is it to him to want to reach land? It is not our will that is at fault when we achieve little, but our strength or lack of practice: above all, knowledge of our strength: otherwise we would not want many things at all.

4 [157]

The spirit “the human in the human” Philo (in whom all true being is removed from reality and only those blessed with pneumatic revelation have a share in it)

4 [158]

The Jews perceived the earthly as the weak and transitory in contrast to the sublime enthroned in heaven—in “most humble subordination”

The purely spiritual being is a Greek, not Jewish invention. But the heavenly and the earthly world is Jewish.

The Jews do not believe in unattainable ideals; the “heavenly tablets” (related to the Platonic ideas) are fully realized, and heavenly wisdom appears adequately in the law. Plato sees it differently.

4 [159]

Hellenistic: open to revelation through abstinence from meat and wine. Such conditions are not required in Judaism.

4 [160]

Hellenistic influences penetrate through the Essenes.

4 [161]

The bodily resurrection is Jewish dogma. The dead retain flesh and blood. Both partake in the blessed life. A martyr hopes to receive his torn-out entrails back at the resurrection (2 Macc.)

4 [162]

“The flesh lusts against the Spirit]”—and the Spirit against the flesh” Paul. “In my flesh dwells sin” and the flesh then acts upon spirit and heart, the inner man.

The connection between death and sin! Because all die, all must have sinned.

4 [163]

According to Philo, the first human is in the highest perfection, completely wise: he falls by giving in to sexual desire, entirely voluntarily.

4 [164]

Jewish and also Pauline: there is a religiously adhering guilt without knowledge and will

an acting against the law establishes guilt that must be atoned for (the regulations on Levitical purity and impurity)

According to Philo, sin is: the conscious devotion to the evil quality of the physical—this is Greek.

“The flesh must be removed” Paul. The resistance of the inner man merely with knowledge of the law and joy in it is not sufficient, completely powerless. (He therefore did not mean that knowledge and appreciation suffice for effective will.)

Proof for Paul was the appearance at Damascus: the divine radiance of God on the face of Jesus.

He assumed the sensual sinful body of man; the human sinful flesh.

It is: it rules before the appearance of the law the], without its knowledge, after the appearance of the law with knowledge of the same. and produces the. In Christ, however, one who held them in a bound state. By God killing Christ, destroying, he has condemned to death, destroyed. The defeat of the not through Christ's earthly life but through his bodily death.— Through baptism, what happened to Christ has also happened to the baptized. The effect is immediate. If his has died, then he is free from sin. The radical extirpation of sin!One has become one with Christ, with the "life-generating spirit"—ergo immortal, and the resurrection as Christ has risen.

The person who is filled with [the Spirit] is righteous and holy. And Luther? The fleshly body is not gone—but dead.

The fact that Paul exhorts proves that the [flesh] is given over to destruction. The dying off of the [flesh] is not to be interrupted.

Therapists, Essenes, later the Ebionites leave the mortification of sensuality to the individual.

For the interim period until the Parousia, the Christian will have [salvation] in himself.

Paul knows 1) no resurrection of the flesh 2) no resurrection of the unredeemed.

4 [165]

Since the feeling of sin and depravity is an illusion, there are also countermeasures with which it can be abolished. The constant life in an idea of the opposite, having become one with God. In general, every strong, missionary, death-ready, martyr-like existence is a means against moral desperation: i.e., restoration of an immense pride, the leap from the depths to the heights. “Just and holy” not at all or in one stroke! In place of the better-becomer, the miracle of perfection.

4 [166]

All religiously productive natures have had visions and ecstasies. This proves against the health of the religious.

4 [167]

The cosmic position of Jesus, the Redeemer of nature. Longing for completion, often without finding expression, sighs. The rest of the sarx will be completely removed, we will become “sons of God”—at the resurrection.

4 [168]

Since morality is a sum of prejudices, it can be abolished by a prejudice.

4 [169]

The feeling of having become completely good is just as achievable as that of having become completely depraved. It is a matter of interpretation, an adaptation.

4 [170]

Fanatism a means against disgust with oneself. What does Paul have on his conscience? It has led him to impurity, idolatry, and sorcery () enmity and murder, drunkenness and revelry () All means to the feeling of power.

4 [171]

If the law has been satisfied by Christ's death, one can feel emancipated from it. The God-opposing principle is annihilated as Christ's fleshly body perishes: not only is a debt paid—rather, "the debt" itself is expelled from the world.

4 [172]

In the four main letters, thought work in the struggle with Judaism.

4 [173]

We would now treat the inclination to religious ecstasies with laxatives.

4 [174]

What produces in man the feeling of unbridled increase of power? Brahmins: to imagine powerful gods and devise means to bring them under one's control and treat them as tools.

(or: to enlarge great men into the gigantic and place them as preliminary stages for oneself.

4 [175]

The feeling of power? Asceticism as a means to it (union with God, intercourse with the dead, etc.). Dying to the world is already arrogance.

4 [176]

The feeling of power, insofar as one belongs to a strong chief, family, community, or state—fundamental for the establishment of moral obligation; we submit, so that we may have the feeling of power.— He who is averse to the fatherland still regains his spirit of sacrifice in moments of its danger: he does not want the feeling of powerlessness.

4 [177]

Transition from the feeling of powerlessness to that of power very pleasurable: hence often the deepest humiliation sought. David, in order to afterwards—. Perhaps Jewish?

The secret pride of the slave: religious, for example.

The demarcation from the animals; the earth from the stars.

4 [178]

Regarding a drama, the Germans want one to understand what is happening, the French want one to understand why it is happening; the latter are more reasonable, the former remain at the level of perception and enjoyment.

4 [179]

The first effect of happiness is the feeling of power: this wants to express itself 1) against ourselves 2) against people 3) against ideas 4) against imaginary beings and things. Destroy, mock, give gifts.

4 [180]

The domination of nature, the fixed idea of the 20th century is Bramanism, Indo-Germanic.

4 [181]

Actor-genius. Is it conceivable that someone can come up with such nonsense?— I myself once put it forward. Dulce est desipere in loco.— Sed non hic locus.

4 [182]

One should not believe that the claim that morality is superstition can be refuted by saying that morality is unspeakably useful and has been, especially: thus a very useful, perhaps indispensable superstition.

4 [183]

The feeling of power today on the side of science: not the individual for himself ("Philosopher") but as a member. Princes and peoples serve it.— Brahmanism may perhaps be surpassed. What are the means to increase the independence of the individual? The feeling of higher beings?

4 [184]

At all times, people have strived to attain the feeling of power: the means they invented for this are almost the history of culture. Now, many of these means are no longer possible or no longer advisable.

4 [185]

He feels, she feels, it feels—man, woman, and child.

4 [186]

“It is not the Indian gods who are the givers of gifts: from the sacred actions, from the songs, yes, from their meters, all wealth and all earthly happiness arise.” W

4 [187]

The counter-gift against the moral restriction of the individual is the increase in their feeling of power (as a member of a community, later a higher spiritual humanity, an order). By means of the moral act, one can cast spells. To perish with the feeling of power—a special artifice, to triumph in dying (“to shake off matter,” etc.)

4 [188]

The impersonal spirituality of God is Greek, the Jews had the God of their people, the covenant God, a personality. The Christians waver, but more Jewish.

4 [189]

Cyprian “all virtue practiced outside the Church, even martyrdom, is worthless.”

“rock-solid convictions and death-defying certainty” are said to be what Christianity brought to the ancient world.

4 [190]

Plato fundamentally a pantheist, but in the guise of a dualist.

4 [191]

Spirits and narcotics as a means to the feeling of power. The intoxications of the arts, the festivals of beauty and duty

4 [192]

To know that so and so many people die with us as our necessary retinue, or as wives, etc.—gives a feeling and an expression of power, which again makes the future victims proud to be subject to one so powerful.

4 [193]

The art of flattery before God, princes, and women has lost its value; one now desires free allegiance, or the reluctant one is despised—the servile gesture: it is more aesthetic.

4 [194]

Depending on whether the feeling of weakness (fear) or that of power predominates, pessimistic or optimistic systems arise.

4 [195]

It is the wisest to limit oneself to the things where we can acquire a feeling of power that is also recognized by others. But their ignorance of themselves is so great: they are swept away by fear and reverence into areas where they can only have a feeling of power through illusion. When the veil tears, there is envy.

4 [196]

To have one's power proven from the outside, which one does not believe in oneself—thus through fear in subordination to the judgment of others—a detour of vain people.

4 [197]

The great passion of M (Napoleon Caesar) one must appear more vain than one is, to want it, in order to satisfy the feeling of power in the tools (nations). For me and my people, power and not just the feeling in us, but power visibly outside us. Because such power satisfies the strongest and most uplifting feeling, history here takes its great course: the conquerors are truly the main thing, the internal processes of the peoples, their necessity questions are secondary, i.e., are always perceived as such: the peoples would rather have wine than bread.

4 [198]

The power of science now builds a sense of power as humans have never had before. All through itself.— What then is the danger? What would be the greatest presumption, assuming that science remains science?

4 [199]

The bubble of imagined power bursts: this is the cardinal event in life. Then man withdraws bitterly or shatters or grows stupid. Death of the beloved, fall of a dynasty, betrayal of a friend, unsustainability of a philosophy, of a party.— Then one wants consolation, i.e., a new bubble.

4 [200]

Having a sharp, double-edged, provocative word for everyone: these are the ones who like it when the oxen run faster and give them a little push. But there are reckless ones who want to drive everyone mad, to thus enjoy the effect of their power.

4 [201]

The so-called commensals do not eat their host animals, but often use them as a means to obtain the food that is suitable for them. Here we have a sparing for the purpose of nutrition.

Having something living around them that does not inspire fear—could recommend the animals to their young. That they want to be fed is guessed. The feeling of ownership, of dominion makes the parents appear very irritated when one wants to take them away.

Socialization of animals is probably just as old a matter as the care of the young.

Just as many animals are infested with parasites that the animal cannot get rid of, so too with humans—they differ from servants in that they live off the host, with or against its will, without destroying it: many women. Once a free life and, in addition, a multitude of organs that are no longer necessary for parasitic life: they degenerate and become rudimentary organs. Does such a thing exist in humans?

4 [202]

These wars, these religions, the extreme morals, these fanatical arts, this party hatred—this is the great play-acting of impotence, which deceives itself into a feeling of power and once wants to mean strength—always with the relapse into pessimism and lamentation! You lack power over yourselves!

4 [203]

I recommend to you the temperance societies, not as if you had a power that needed to be moderated, but so that you do not drink too much spiritual beverages, which give you the feeling of power for hours and disgust with yourselves in the long run.

4 [204]

The ascetics attain an enormous feeling of power; the Stoics likewise, because they must always appear victorious, unshaken. The Epicureans do not; they find happiness not in the feeling of power over themselves, but in fearlessness with regard to gods and nature; their happiness is negative (as, according to E, pleasure is supposed to be). Compared to the feelings of power, yielding to pleasant sensations is almost neutral and weak. They lacked dominion over nature and the feeling of power that flows from it. Knowledge at that time was not yet constructive; instead, it taught one to conform and enjoy quietly.

4 [205]

Even from the history of morality, the feeling of power should flow: unconsciously it is falsified, man is thought of as glorious, as a higher being with qualities that animals do not possess. Almost all writings are suspect of flattery towards man.

4 [206]

If we want to restore people's pride through science, as they carried it away from wars, then science must become more dangerous, require greater sacrifice: to surrender itself

4 [207]

One created the gods, not just out of fear: but when the feeling of power became fantastical and discharged itself in persons.

4 [208]

Luxury is degrading for the man of knowledge. It is not merely superfluous for him, but it represents a different life than the simple and heroic—and thus acts on the imagination as paralyzing and contradictory. We are not “at home.” The inclination toward luxury goes to the depth of a person: the superfluous and immoderate for the eye and ear as water in which such a person feels at ease.

4 [209]

The sleight-of-hand artist seems to represent new causality that is not yet known, that elevates! Likewise the poet through his images and parables.

4 [210]

Only those who have had little of it have spoken so emphatically and longingly about love. Universal love for humanity would be unbearable: if not just one, but hundreds were to long for and strive for us as lovers do now, everyone would yearn for the times without love. The feeling of power as the basis for the desire to help is already dangerous because it presupposes someone who allows themselves to be helped.

4 [211]

Wherever one stands in history, it was always a moment of deep fermentation, where new concepts triumphed everywhere: it is not only true today.

4 [212]

An age of transition: that is what everyone calls our time, and everyone is right. However, not in the sense that this word applies more to our age than to any other. Wherever we take a stand in history, everywhere we find the fermentation, the old concepts in struggle with the new; and the people of fine perception, who were once called prophets, but who only felt and saw what was happening to them—knew it and were usually very afraid. If it goes on like this, everything falls apart, now the world must perish. But it did not perish, the old tribes of the forest broke apart, but a new forest always grew again, and at every time there was a decaying and an emerging world.

4 [213]

If only the artists knew what kind of imagination every greater insight presupposes, how much must be conceived and bloom only to be mercilessly cut down! We are a fruit garden: do you think it is so easy to simply annul the most charming inventions and hypotheses? We are almost cruel to ourselves, but for the sake of the fruits that you and all shall have!— Goethe knew what belongs to the scientific man: he is an ideal in which all human excellences unite like all streams in the sea. Why do you judge him by the laborers of the mind? We do not judge you by your color-grinders and extras, after all.

4 [214]

The Germans have experienced the drunken acumen of the Hegelians, who believed they could explain Goethe by breaking him down into schemata, and the repulsive narrow-mindedness of Wagner's followers, who turned every weakness of their master into a dogma and an exhortation that everyone should be weak here.

4 [215]

Consolation: to have more to endure than all others, that gives a feeling of privilege, of power.

4 [216]

How can the feeling of power 1) be made increasingly substantial and not illusory? 2) be stripped of its effects that harm, suppress, belittle, etc.?

4 [217]

Whoever “speaks in tongues” has no clear awareness of what he is saying.

4 [218]

The heart as a Jewish concept, incomprehensibly darkened, blinded, hardened, to be seduced by flattery or the opposite: its functions are the affects: the Old Testament assigns the capacity to the heart: only God can see into the heart. The fleshy heart: in the affects, the entrails are active. It roughly corresponds to Schopenhauer's "Will"

4 [219]

Paul believes in a heavenly bodily substance that the resurrection body receives.

Paul feels that he appeared very shy externally among the Corinthians.

The paradoxical fate of death is the knot of the riddle; here one must be able to see behind God's plan. —

Initially, the death of Christ spoke against the messianity: but the miracle at Damascus proved it.

Freed from the former, filled with the latter, we are no longer under the law. The law presents sin in its greatest power before our eyes, making it unbearable for man. "To be in the flesh" means "to be in the law." Dying to evil is also dying to the law.— What deep hatred Paul bears here!

Paul has declared the law as abolished through several acts; it was the most important point to him.

What a Christian now does, he no longer has to measure by the law, which was dead, like them. One of these acts: Christ had fulfilled it

In the feeling of divine forgiveness and grace, one argumentation, the other in the feeling of the deepest spiritualization into Christ through baptism. “By faith and through grace”—the law was to first provoke the transgressions.

The death of Christ would be impossible in the divine plan if there could be any fulfillment of the law at all: “If righteousness came through the law, then he died in vain.” To be driven by the Spirit, to surrender oneself completely to it, without questioning one’s own will—

The law is the reason that I have died.Thus I am dead to the law. If a Christian sins, it is no longer against the law, for he is outside of it: “I no longer live I, but Christ lives in me. What I now live in the flesh, I live by faith in Him. If I were to take up the law again (so that I subject myself to it), I would make Christ a minister of sin.”

It is still there, but it is conquerable: whereas under the law it is unconquerable: the sin-producing law is annihilated (and indeed the nature necessity of sin is annihilated)

Sin sometimes as weakness and imperfection before the holy God—sometimes as a self-active diabolical principle.

p. 204-5 contains the sharpness of the matter.

4 [220]

As soon as something is considered true, all finer understanding ceases, e.g., the entire Christendom has read its Paul word for word and sentence by sentence for edification, but the actual dialectic, his conflicting trains of thought, his actual distress and crux: thus the suffering and struggling Paul not at all grasped: he was dead i.e., he spoke inspired, as the mouthpiece of God.

4 [221]

Who listens exclusively to a single genre of music eventually no longer knows how abominable it sounds: what's more, they can no longer distinguish the finer and good things from the weak and exaggerated ones and enjoy the individual pieces less than one might think, though overall they have the feeling of power—their music is the best music and is entirely good music: though the opposite is true in both cases. Who loves only themselves can derive bliss from the worst taste and turn it into a law, a tyranny: le mauvais goût mène au crime.

4 [222]

When the Don Quixotery of our sense of power once comes to our consciousness and we awaken—then we crawl to the cross like Don Quixote,—terrible end! Humanity is always threatened by this shameful self-denial at the end of its striving.

4 [223]

I want to put a stop to the fanatical self-exaltation of art, it should not pose as a remedy, it is a solace for moments, of little life value: very dangerous if it wants to be more.

4 [224]

The Greeks in ancient times considered milk and honey to be the food of the gods—those were not wine-drinking times. For the Germanic gods, mead was the drink that granted immortality: there we have the drinkers. Soma of the Iranians was an intoxicating beverage that only appeared in sacrifice. So: in thought, one connects intoxicating drinks with the sensations of immortality and painlessness. Through the enjoyment of Soma, at the end of days, all the sufferings of mortality cease for the mortal, and they pass into the bliss of the gods.— The rapture with milk and honey: to think of Ninon d’Enclos, who was already intoxicated by a soup.

4 [225]

Dionysian—for us, wine is something very sober. And so we seek the cause of the Dionysian beside the wine and take its effect at most as a symbol. The opposite! The effect of wine was the new, which one could only grasp like a new life and a new divinity—one understood other phenomena according to it symbolically.

4 [226]

The epileptic turning madness, which afflicted the hysterical women of Greece, was compared to the wine frenzy.

4 [227]

If all the tears that are shed every moment on earth were to flow together, a strong stream would constantly flow through the “Meadow of Misfortune”

4 [228]

All is vain and transitory, nothing worth lasting effort; so enjoy the moment, misfortune comes anyway—Solomon

4 [229]

To drive away misfortune from one's mind through intense work, intense pleasure. Epicurean.

4 [230]

not wanting to see a terrible thing, not admitting its existence, denying it, reinterpreting it, staking one's intellectual honor on denial—a consolation.

4 [231]

Paul was a fanatic and an honorable guardian of the law and wanted to do enough for it: but it didn't work! The! And then the law itself, which tempted to transgression!— He harbored a deep hatred for it: seeing it annihilated through Christ's death was his triumph, the invincible enemy of this power-hungry man was defeated.

4 [232]

The wine has affected the Greeks differently than our alcoholized brains. “Unmixed wine makes one mad,” they said.

4 [233]

False conclusions: “I hold people in low esteem, therefore they hold me in high esteem” “I do not fear people, therefore they fear me”—but the reverse conclusions are equally false. The act of concluding is itself the mistake: it is as if a child concludes: I close my eyes, therefore others cannot see me.

4 [234]

The geniuses who cut out a piece of brain from their followers, like chickens, so that they then, half-drunk and swaying, perform the reflex movements of worship.

4 [235]

The Christians unlearned reading, and how had antiquity, in its philologists, striven to learn it! But the Bible!

4 [236]

Once it was said, where there is wine, there is God. Where there is exaltation, it is still said, there is God. Ah, exaltation is like wine: Alcohol and Narcose.

4 [237]

The misfortune of humanity and the reason for its slow progress is that the exalting and exciting things have been valued more highly than the nourishing ones.

4 [238]

When humanity declines in value to us (e.g., in illness), our respect for its institutions also declines, “the sick person is a scoundrel” and so is the saint!

4 [239]

Do not say that boredom plagues them: they refuse to bite at anything because their will to power does not know how to be satisfied—everything else is nothing in comparison.

4 [240]

In the case of a crime: the terrible humiliation in the feeling of power, to become a disgraced family from an unblemished one. The thought of enemies never torments again. Not pangs of conscience!

4 [241]

Nature of art: a harmful function is exercised, without it causing harm. Most pleasant paradox.

4 [242]

Racoczi-Marsch the most beautiful in the world.

4 [243]

One can now tolerate the truth about the most recent past because the generations do not base their views on the past and thus have their honor—but rather oppose the earlier view and thus have their feeling of power and independence.

4 [244]

The great statesmen have the imagination of their people—this is what makes them great, i.e., effective: the people feel that they evoke the sense of power for which they thirst. One people desires power with pomp and military success, another seeks it with cunning and diplomatic superiority.

4 [245]

The great princes and conquerors speak the pathetic language of virtue, as a sign that it is recognized among men by virtue of the feeling of power which it gives. The dishonesty of every politics lies in the fact that the great words which everyone must have on their lips in order to mark themselves as in possession of the M cannot coincide with the true conditions and motives can.

4 [246]

Oh, it is impossible to act with the language of truth: rhetoric is necessary, i.e., the old habit of being moved only by certain words and motives governs and demands the disguise of truth.

4 [247]

I disregard the interest and vanity of the individual and of peoples: but the need to feel power within oneself, to let extravagant, self-sacrificing, hopeful, trusting, fantastical emotions flow from it—this drives great politics as the mightiest water. One acts there against one's interest, against one's vanity (for one may have to perform slave services so that the nation can have the feeling of power, or put one's life, one's fortune, one's honor at risk) (Virtue)

4 [248]

One must not offer the peoples rest and pleasure without the laurel wreath around it: as if it were permitted to be calm and content in the feeling of power, otherwise not: yes, as if it were a duty to present oneself thus, because in doing so one shows oneself powerful.

4 [249]

The counterfeiting of the feeling of power and paying with false coins is the greatest suffering of humanity. The peoples are thus deceived because they seek a deceiver: an exciting wine for their senses, not good nourishment. Governments are the means to give the people that feeling: men elected from the people give it much less than dazzling conquerors, bold conspirators, old legitimate houses: they must have something with which one can become intoxicated.

4 [250]

Wars are for the time being the greatest excitements of the imagination, after all Christian ecstasies and terrors have grown dull. The social revolution is perhaps something even greater, which is why it is coming. But its success will be less than one thinks: humanity can do so much less than it wants, as was shown in the French Revolution. When the great effect and the intoxication of the storm have passed, it turns out that, in order to be able to do more, one would need more strength, more practice.

4 [251]

Christianity triumphed, like a strong wine triumphs; antiquity became intoxicated because it no longer felt strong and joyful and had grown accustomed to great excitements. The idea of the end of the world seemed highly fantastic and intoxicating in the face of the Roman imperium.

4 [252]

Actually, it was consistent for Paul to say that through the death of Christ and union with him through baptism, death is dead and our body thus another body, the heavenly body. But that was not possible to say, even though in individual moments he might have believed it: but no one believed him! If the union was therefore not complete—how does it become so? Faith and baptism are not enough. Why only at the resurrection? In imitation of Christ! Three days of decay?

4 [253]

To partake in the glory (fame) of God's majesty, to become sons of God—that is indeed a goal! There is no modesty left! There must just not be too many of them, otherwise the honor is too small! That is taken care of!

4 [254]

Such natures as Paul arrange all their experiences according to the logic of their passion. The thought had preceded the appearance at Damascus: “suppose the Christians were right”—and he had sensed the advantages for his personal torment—above all, it was a new attempt, and the aversion to his previous state had become too great. Thus he “saw Christ”—how did he know it! why did he believe it, when the appearance said so? “Why do you persecute me”—it is not reasonable, the clever Jew told himself.

4 [255]

Paul as the converter of the heathens: for this it was necessary “to be redeemed from the law”—proudest task— —oh the Holy Paul! One sees through him completely.

4 [256]

Obey, do more than one's duty, reject praise, be proud of integrity: German. Now we have the enraged vanity, and unfortunately some of our outstanding thinkers and artists have led the way: everyone wants to mean more than they are and makes "advertisement" for themselves.

4 [257]

Why does culture make weak? Carthage succumbed to the less cultivated Rome, the high Arabic culture succumbed etc. Because in culture the imagination-satisfaction of power is overvalued and made too easy: so that true power becomes weak (power over oneself etc.)

4 [258]

How did Christianity rise above the concept of a “fulfilled Judaism,” a Jewish specialty, while the nation remained convinced that its ideal had not yet been fulfilled?— This is actually the personal history of Paul, who was driven away from Jews and Jewish Christians by it—he no longer wanted anything to do with the Law. That one could become a Christian without first becoming a Jew—was his invention.— Incidentally, it was a mistake: the Christians did become Jews.

4 [259]

Should one live in the world as if one had the commandments of a higher spiritual world to carry out here and nothing else to do? This could happen out of interest or out of vanity or out of a feeling of power (out of the conviction that one belongs to this spiritual world and is carrying out one's own needs). But if one no longer believes? Then our interest, our vanity, our feeling of power directly guides us in action, no longer indirectly. For all old moralities, no matter how sacredly they may be felt, have arisen from lower knowledge, they must no longer rule.

4 [260]

Our life should be an ascent from plateau to plateau, but not flying and falling—the latter is the ideal of the fantasy people: higher moments and times of humiliation. This bad spoiling degrades the very greatest part of one's own life, at the same time we learn to despise other people because we do not see them in ecstasy: it is unhealthy, for we must pay for the moral aesthetic excesses.When the evil feeling is more deeply rooted and inner discontent is present, the dose of elevation must always become stronger; in the end, we become indifferent to value and take the strongest excitement for love. Decline.— This process is visible in the history of every art: the classical age is the one where ebb and flow make a very delicate distinction and a pleasant feeling of strength is the norm: it always lacks what produces the deepest shocks: their creation belongs to the period of decline.

4 [261]

People believed in Napoleon because they needed a helper and comforter; Paul believed in Christ because he needed an object that concentrated and thus satisfied him. Luther fought the clergy because his serious attempt to become their ideal expression had not succeeded, now seemed impossible to him and impossible for everyone. He suspected the whole vita contemplativa with his experiences; he believed in the Bible because he no longer wanted to believe in the Pope, he put it in everyone's hands and taught the universal priesthood—he hated the priesthood.

4 [262]

In deepest sorrow, lamenting and screaming in his chamber—then the people come in, like the harsh daylight: Screaming and covering their faces: oh the people! oh the people!

4 [263]

Walking around as if transformed, with a different weight in the feet, burdened with a load that one would always like to fall down, the tones of the others come as if from a thick fog, their reasons sound like flowing, dull-roaring waters, it is bright, and yet the sensation of night.

4 [264]

To have served a regiment faithfully and conscientiously, only to find it ultimately revealed as wicked and fateful—with no way back, no turning left or right—what bitterness! To see oneself ensnared in the noose of one's own guileless virtue! To be conscientious and reap as certain reward the contempt of those who despise the regiment, i.e., the best! To endure there can be more heroic than fleeing the battle and abandoning security and possessions.

4 [265]

There are ideas that have the task of wine: they elevate, cheer, and encourage, but when consumed in excess, they produce intoxication, and when consumed often, a need arises without whose satisfaction life becomes dull and unbearable.

4 [266]

Moral prejudices are still indispensable: it is to be regretted that they cannot yet be dispensed with, for the strength they provide sustains the weakness and infirmity against which they are taken as medicine most reliably.

4 [267]

To spare the honor of a beloved by acting almost like a stranger in a circle where she is being discussed, and now to hear an insult against her that one cannot avenge, lest her reputation be destroyed—horrible!

4 [268]

Anyone who has experienced the claws of those beautiful cats that swarm around great artists is no longer of the opinion that genius improves the character of its surroundings.

4 [269]

What is the reason that common people, especially in the Orient, are happy and peaceful? They lack the false fantasy satisfactions, the intellectual intoxications and soberings; they live mentally even-tempered. Not the mind, but intellectuality is the danger.

4 [270]

What may seem intoxicating to present-day Germans can be seen from W's themes; what seemed so to earlier generations, from Schiller's themes. One should recall Corneille.

4 [271]

May I speak up! All these truths are bloody truths for me—see my earlier writings.

4 [272]

The suicide committed against an entire epoch of our life, our experiences—everything is to be dead—and everything is to be forgotten—everything is to have been different than it was! Paulus.

4 [273]

The language has become unclear because such great confusion in the delineation of concepts has raged and the need for firm definition has not been cultivated. Thus, the task is clear.

4 [274]

Oh, the devaluation of simple joys! The Greeks started it; they said it was slavish to be content with them. Cheerful it should be! The common people are right!— Luxury reigns in the spiritual, that is what ails us. The truth is: you live slavishly in your overwork, in your social constraints, you need spirituality as intoxication: and it does you harm.

4 [275]

People of every age who have artistic needs, but above all a deep and serious disposition, are drawn to the artist who is profound and earnest, and they sanction him by attributing their virtues to him: he is happy to meet them halfway. But nothing is proven for the artist by this.

4 [276]

The soul filled with ugly experiences, ugly fears, there one must indeed demand something else from art: purification, shaking up, forgetting.

4 [277]

Thinking and inventiveness with regard to the elementary stimuli (in music and colors, etc.) belong to the philosophical character of our time: just as the natural fidelity of painters. One goes as far as one can and is radical.

4 [278]

they despise the form: as if this music would have the slightest interest if it did not inscribe itself against the background, the opposing demand of form, stand out against it!

4 [279]

What an artist needs in terms of opinions, sympathies, antipathies, habits, excesses, and everything else to create the atmosphere in which he feels his productivity grow is none of our concern: just as the soil is of no concern to us when we eat bread. If he demands, however, that we share all of that with him in order to fully enjoy his art, the answer is that the enjoyment of the greatest work of art does not outweigh a single twisted judgment or a disruption of our position.

The artwork does not belong to necessity; pure air in the mind and character belongs to the necessity of life. We should free ourselves from an art that sells its fruits too dearly. If an artist cannot endure in the bright, good air, if he must descend into the misty caverns and antechambers of hell to fertilize his imagination—fine: we do not follow. The same applies if he needs hatred and envy to remain strictly faithful to his artistic character. An artist is not a leader of life—as I said earlier.

4 [280]

Imagining what another feels when we do this or that—thus calculating the benefit or harm to ourselves from the inferred benefit or harm to another, to which our action leads—this is practiced in the animal kingdom in the means of defense and attack. Imagining the effect on another and doing something for the sake of the other—the greatest school! of knowledge!This has been least of all led by instinctive pity, but rather by fear and its imagination: and its result has been accepted by hunger (as the starting point of an attack on another being). To guess how someone feels, from their gestures, whether they want to flee or attack, etc.—without the highest tension of the intellect through necessity, one would not have learned this. Pity comes late, after everything has been learned; it does not strain the intellect; it is rather unproductive for the knowledge of man.

4 [281]

Love fantasizes about the other: its secret impulse is to discover as much beauty as possible in the other, or to imagine them as beautiful as possible. The illusion is thus rather an advantage. Fear wants to guess what the other is, what they can and want: the illusion would be the greatest disadvantage. Thus, the knowledge of the true human being has been promoted much more by fear than by love (compassion).

4 [282]

I know that swelling breast, that condescending smile upon earthly things, that hot stream, the proud step of the foot, that glowing, scornful, and hopeful eye—

4 [283]

If one considers how much pain one must take on, how much one must inflict upon oneself, how wrong it would be to choose immediate gratification; it follows that even in relation to other people we must cause suffering and not satisfy immediately, i.e., that compassion must not rule us, but our insight into the benefit must rule over compassion.

4 [284]

The men found marriage to have the feeling of M: the women also (to be independent) But they are both mistaken. Love is not a reason for marriage, rather a counter-reason: a deep feeling hides itself.

4 [285]

I have always written my writings with my whole body and life: I do not know what "purely spiritual" problems are.

4 [286]

Plato became impatient, he wanted to be at the end. And why? His feeling of power wanted satisfaction, that strong political drive. The brevity of our life demands that at one point the height occurs and the goal is reached: otherwise we would remain eternally in suspense and that one cannot endure out of impatience. Individually necessary the appearance of truth.

4 [287]

Plato did not stay in the path of Socrates, the first impressions of Heraclitus prevailed, Pythagoras was the secretly envied ideal.

4 [288]

When the ancients speak of necessity, they mean the realm where things happen arbitrarily (by chance), where every cause does not necessarily have to be followed by its effect. Only the teleological realm, where the deity makes its traces visible, is an exception: the spirit brings order and regularity into it.— Conversely, the moderns, who see the principle of freedom in the spirit, see compulsion in nature.

4 [289]

It was believed that by generalizing the properties of a thing, one could arrive at its cause: and the most general generalization must be the cause of all things. Thus, perfection itself was supposed to exist as an essence from which virtues and virtuous people could then be explained.

4 [290]

I know so little about the results of science. And yet even this little seems to me to be inexhaustibly rich for illuminating the dark and eliminating the earlier ways of thinking and acting.

4 [291]

In the devoted and defiant feelings of youth, one clings precisely to those teachers and men who are alien to our strengths and rise in the fields where we feel our deficiencies. Thus, through our partisanship, we triumph over the accident of being born poor and lowly in this or that respect. Later, we hold on to our strong sides because here alone we can work effectively, build, and become masters.

4 [292]

The more we understand how our valuations came into being, the more their value diminishes and the need for new assessments arises. The study of first and last questions, for example, loses that weighty significance when we see through which errors we have hung our present well-being and eternal salvation upon them.

4 [293]

That Schopenhauer’s doctrine of the “Will” so easily insinuates itself is due to the fact that we have already been trained in the essential part of it—through the Jewish concept of “heart,” as it has become familiar to us through Luther’s Bible. The feeling that something comes easily to us and connects with nothing but pre-existing feelings serves us as evidence of truth.

4 [294]

If someone has made one of those great ascents into the higher realm of the spirits and has been able to depict it, then humanity attempts to absorb it: i.e., many try to fly in the same direction, and only later does the desire subside. These are the fashions on a grand scale, especially for the most ambitious. It was the way one used to travel and seek adventures.

4 [295]

The sciences represent the higher morality in comparison to the world-riddle solvers and system builders: moderation, justice, abstinence, peaceableness, patience, courage, simplicity, taciturnity, etc.

4 [296]

Art also has the satisfaction of the imagination: and this is more innocent and harmless than otherwise, because beauty brings the measure of measure with it: then because the Muses say: “We lie.”

4 [297]

What drives us to such rapid generalization that after a single trait we imagine the person and absolutely no one wants to leave their image of another unfinished? The fear and the habit of fear: “he shows this trait—what if he is always like this? Let us assume it for caution’s sake, namely if it is a dangerous trait!”

4 [298]

The animals which attract attention through a terrible Buntheit of all eyes are nevertheless left very much in peace: they all have a wicked weapon, a poison and the like—Gleichniß.

4 [299]

When we perform an action in the feeling of power, we call it moral and experience freedom of the will. Actions in the feeling of powerlessness are considered non-imputable. Thus, the accompanying mood decides whether something belongs to the moral sphere—whether it is "good or evil." Hence this unceasing effort to find means to bring about this state: it is the human one!

"To do evil in power is worth more than to do good in powerlessness," i.e., the feeling of power is valued higher than any utility or reputation.

4 [300]

they become enthusiastic in their youth once and are permanently grateful for it, while they grow distant from the objects of this enthusiasm: but they are prevented from criticizing by piety. The canonization increases in proportion to how distant the time of enthusiasm becomes and how detached we feel from the objects.“What once so elevated us must have been the truth” “Now we stand far away and can no longer verify it: but back then we were entirely at home in it.” The delusion that what elevates is true and that all truth must elevate is the consequence of the contempt for the earthly and material as the unreal, and for the spiritual and the beyond as the true world, from which all impulses come that elevate.

If the story of Christ had occurred in this century, the one who believed what many still believe about it today would be considered insane.

4 [301]

All Greeks (from Gorgias to Plato) believed that possessing power as a tyrant was the most enviable happiness: assuming its ruthlessness. All strove to prevent the emergence of this most fortunate one and, if he existed, to hinder or destroy him. The highest happiness, in which everyone believed, was placed entirely in the feeling of power: but this state was treated as the absolutely immoral (hostile to morals, i.e., individualistic, egoistic). They abhorred and feared the happy one: in his arrogance, he spares no one. Omnipotence would, in their eyes, be perfect recklessness and devilry, not indeed a desire to harm, but the sacrifice of all for the tyrant’s pleasure. Exactly so proceeds the tyrant of the spirit, he is the happiest and most unscrupulous.

To be just is a continual sacrifice, only to be endured with regard to the glory in society (i.e., a feeling of power): without this success, being just would be the most terrible fate. This is Greek thought. But to have the reward of justice, the glory, without being just (without these efforts and sacrifices) appeared as the greatest happiness. The practical way out (since the path to tyranny was usually closed) was: the appearance of justice: as Napoleon in words and deeds gave his approval, even reward, to the nobler drives and thus won their glory for himself. The equality of citizens is the means to prevent tyranny, their mutual surveillance and suppression.If one had the ring of Gyges, everyone would be unjust.— Clearly, these equals have wildly fantasized about the happiness of the tyrant; it was the covetousness of their imagination; even in tragedy, it is the expression of the great paradox, “to be king and unhappy,” “not even to envy the Persian king.” The feeling of power suffices to outweigh all the toil of ruling, all fear, etc.to outweigh by far (Xenophon’s Hiero is the Socratic paradox that there is not much to the tyrant’s happiness!) The virtuous man is the happy one—this sounded like madness: abstinence was so burdensome! In the end, however, the pride of the Stoic’s virtue remained, the king and sage: the new feeling of power: nothing can subdue him, he rules.— Every philosophy had its tyrannical side: the Epicureans triumphed, having conquered the Acheron and the fear of death, the fear of nature: thus being masters of nature.

4 [302]

Plato's main accusation is not directed against the Sophists but against the poets: they lead the young men, who are destined for higher things, onto the path of political ambition—whereas he would like to guide them onto the path of philosophical ambition. The ordinary way of satisfying the sense of power is the deep shadow that Plato sees: he wants to show another way. Now one might repeat the accusation, but in reverse. The philosophers satisfy the pride of the young men, just as the poets do—they lead them away from science.

4 [303]

Conceived by me and written down for those who are as capable of a heartfelt and refined participation in human affairs as they know themselves to be free from the intrusive lust of the reformer and moralist—so may these thoughts

4 [304]

Mill about the Platonic philosopher who, like the gods, is elevated above the earth and lives in the contemplation of true things, p. 67.

4 [305]

The hierarchy of thinking minds is yet to be established. So far, philosophers have been treated too much as artists, their gift of presentation, their imagination, their ability to give color as arguments of their genius: but the degree of their justice, self-mastery has been overlooked: actually judged them outside of morality. Their effect decided, and whoever affected the most receptive people, those whose gratitude flowed rhythmically over their lips, was considered the greatest: thus the inspirer of youth!

4 [306]

Oh, these wretched ones who believe that humanity might soon become too clever, and that it might be the end of their influence, their fame!

4 [307]

All those beings whose passion consumes them—Werther, Tasso, Tristan, Isolde—call out to us: be a man and do not follow me!—and the same is true of those driven by philosophical passion, who seek the highest individual power through knowledge, both alchemists and Platonists, etc.

4 [308]

The impulse to sacrifice oneself is considered good. It is not inherently good: how could harming someone else (in this case, oneself) be inherently good? And moreover, this harm is so unnecessary! It is nothing but a craving for domination and defiance against oneself, which does not know how to satisfy itself rationally.

4 [309]

“Will to urinate” i.e. there is first a pressure and compulsion, secondly a means to free oneself from it, thirdly a habit of applying it once reason has provided the means. In itself, that compulsion and pressure has nothing to do with the discharge of the bladder: it does not say “I will” but only “I suffer.”

4 [310]

Schopenhauer’s doctrine is a disguised teleology, but that of an evil and blind being which strives for purposes that are neither to be admired nor to be loved. In the earlier teleology, it seemed as if the head of the universe and the brightest, most just insight within it had made the world and mankind—where one could not understand why both had not turned out somewhat more reasonable and just—whereas in Schopenhauer

the abdomen of the universe to be the root of things: and its desires first invent an intellect to build better nests with its help. One is as false as the other: but the latter is more unclear because it speaks of will without assuming an intellect from the outset that could imagine what it wants: such a will into the blue (or into existence!) does not exist, it is an empty word.

4 [311]

Vita contemplativa.
Fingerzeige und Wegweiser
dahin.

4 [312]

On the Life of Thinkers.
Moral Questions.

4 [313]

Vademecum Vadetecum
Thoughts on Individual Morality.

4 [314]

The moral prejudices.
The feeling of power.

4 [315]

Redemption.
What must be unlearned.

4 [316]

How robbers and great fist heroes behave towards soldiers, so do philosophers towards scientific men. Admittedly: the former were made into heroes, the latter into geniuses!

4 [317]

In the scientific people live the virtues of soldiers and their kind of cheerfulness—it lacks them the ultimate responsibility. They are strict with themselves, with each other, and do not expect to be praised for the good. They are more masculine and have a preference for danger; they must make themselves capable, to stake life for knowledge: they hate grand words and are harmless, and somewhat dandyish.

4 [318]

I will speak of the greatest illness of M and wish to show that it arose from the fight against other illnesses: that the apparent remedy has, in the long run, produced something worse than that which it was supposed to eliminate.

Will my readers allow themselves a single thought, and this in a hundred and more turns and illuminations? But it is a requirement of general health, and harder things have been done in its service than reading a book that does not belong to the entertaining ones.

4 [319]

rapturous girlish feelings of so-called bliss, dreams of converted and saved rakes, loyalty to the point of leaping into water, and the beloved himself something terrible and uncanny, a man of unknown misdeeds, but a wrongdoer without guilt, who is at the same time a disguised god and prince, and all in very charming nature—these are now the recreations of iron Germany.— Evil harmonies, raging rhythms and unspeakable chromatic lamenting, the alternation of all keys as a symbol of the inconstancy of all things under the moon—this is how reality is described.

4 [320]

Hungarian Rhapsody II—a piece of music so good and yet so unrestrained, as if God had become the devil's.

4 [321]

The “insights with a single stroke,” the “intuitions” are not insights, but rather vivid representations: just as little as a hallucination is true

4 [322]

The arrogance, the feeling of power is often quite innocent and behaves like a child, without knowing good and evil.

4 [323]

Once, someone thought it a wonder how far he had come on his own, today some underestimate their own contribution and see only what has been done to them.

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