9, 6[1-461] Herbst 1880
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Verglichen mit den Bramanen kennen wir die Menschheit nur in einer ungeheuren Ermattung ihres Kraftgefühls und ihres Glaubens an sich: selbst bei unsern stolzesten Philosophen.
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Menschen deren Trieb durch längere Enthaltung nur unmäßig geworden ist, so daß sie dann eben so sehr die Herrschaft darüber verlieren; z. B. Lord Byron im Essen.
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Die Geschichte der Wissenschaft zeigt den Sieg der edleren Triebe: es ist sehr viel Moralität in Umlauf in der Praxis der Wissenschaft.
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Welche Triebe constituiren das Individuum? Bei einem Grade von Dummheit gehen die I an einander zu Grunde. Ebenso bei einem Schwinden der fundamentalen Triebe und Ersetzung derselben durch Altruism. Bei gewissen Eigenschaften der anderen I muß man den Gegensatz oder Fremdheit fühlen oder sie gar nicht fühlen: oder harmonische Nebenklänge oder grundlegende Bewegungen, an denen unsere Bewegungen erst ein Maaß bekommen. Die “Musik der Individuen” die “Contrapunktik.” Reizvoll kann sein: das Pärallellaufen, das Zulaufen zweier Linien in einen Winkel usw. die Arabeske der Linie, die öfter wie neckend die andere gerade Linie berührt und sofort verläßt. Mit W habe ich mich gekreuzt: wir liefen mit großer Inbrunst auf einander zu, es gab ein Aufleuchten, und darauf mit der gleichen Schnelligkeit wieder auseinander, immer mehr.
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Man erreicht einen Höhepunkt seiner Unredlichkeit: und da werden wir uns verhaßt und wenden den Spiegel gegen uns und haben nun Vergnügen auch bei dem Anblick des Häßlichen, denn wir rächen uns dabei, oder haben Ekel an der Sättigung der Berauschung durch Illusionen.— Wahrheitstrieb!
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Die Griechen litten am meisten beim Anblick der Häßlichkeit, die Juden bei der Sünde, die Franzosen beim Anblick des ungeschickten geistarmen brutalen Selbst—deshalb idealisirten sie das Gegentheil—und dieses Ideal bildete sie selber um. Rache für das Leid—Motiv für die Bildung der Götter und künstlerischen Vorbilder. Der Mangel an berückender Sinnlichkeit macht die deutschen Maler zu Enthusiasten des Sinnlichen. Das Leiden an der Gluth der Leidenschaft hat die Italiäner zu Verehrern des kalten künstlichen Formalism gemacht: und zu Verehrern der Jungfrau M und des Christus. Schopenhauer idealisirte das Mitleiden und die Keuschheit, weil er am meisten von dem Gegentheil litt. “Der unabhängige Mensch” ist das Ideal des abhängigsten, impressionabelsten.— Dies sind die unerfüllbaren Ideale, wirklich falsche Phantasmen: ihr Anblick entzückt und demüthigt: dieser Zwitterzustand ist bezeichnend für die Menschen des unerfüllten Ideals. Es ist ihr Höhepunkt: sie ruhen dann über ihrem Wehe, mit einem verächtlichen Blick nach unten.
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Oft wird ein Trieb mißverstanden, falsch gedeutet z. B. der Geschlechtstrieb, der Hunger, die Ruhmsucht. Vielleicht ist die ganze Moral eine Ausdeutung physischer Triebe.
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In jener Stunde wo wir nicht wissen, wie bös und wie gut wir uns sind und uns Beides unredlich scheint —
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mehr Lügner als falsch.
hart in Worten, furchtsam im Grunde.
tyrannisch und feige zugleich, wie Nap
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Ah, welche Gewalt, welchen Zauber übt die Wissenschaft auf leidenschaftliche Geister aus! Gewiß sehen sie in ihr eine wunderbare Magie und werden hier zu Phantasten.
Welch schönes Kopfkissen ist der Zweifel für einen wohlgeformten Kopf!
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die Kluft, welche uns von dem, der Geld erwerben will Arbeiter Handwerker Künstler trennt, nicht abzuleugnen: von alters her vererbt.
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“man muß Zeit haben, um sich lieben zu machen: und selbst wenn ich nichts zu thun hatte, hatte ich das unbestimmte Gefühl, daß ich daran nichts zu verlieren habe” Napoleon.
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Napoleon hat Romane gemacht und seine Träumereien hinterher “am Compaß seines Raisonnements gemessen” “Durch den Gedanken warf ich mich in eine ideale Welt”
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“ich habe immer die Analyse geliebt, und wenn ich ernstlich verliebt war, zerlegte ich meine Liebe Stück für Stück”
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die Zeit und die Umstände waren seinen guten Seiten ungünstig, sie brachten sie nicht zur Entwicklung.
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“Der Mensch, den man beständig bestechen muß” sagte Napoleon von Savary, er traute ihm unbedingt, weil er ihn so von allen anständigen Leuten isolirt hatte und ihn in seine Hände gegeben wußte.
vom Intellekt
der vollkommene Diener seines Herrn, Duroc (Duc de Frioul): kalt schweigsam undurchdringlich, er dachte nie außerhalb seiner Aufgabe, er schmeichelte nicht, vollendete Genauigkeit, ein treuer Spiegel der Umgebung für seinen Herrn und des Herrn für seine Umgebung; keine Freunde, kein Bedürfniß der Unterhaltung, kein Vergnügen zu prüfen, ob sein Herr ein großer Mann sei oder nicht, gleichgültig über alles, keine Langeweile, kein Enthusiasmus. Trocken kalt, ganz persönlich, ohne eine Leidenschaft in Bezug auf Andere, geistreich und geschickt in bestimmten Kreisen.
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“Nur der Jugend kommt es zu, Geduld zu haben: denn sie hat die Zukunft vor sich” sagt Napoleon. “Alles war in dieser (ital) Armee zu machen, Menschen und Dinge”
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Das Nützliche kann kein letztes Ziel sein, kein Princip der Moralität, das Angenehme auch nicht (welche Art des Angenehmen ist vorzuziehen?) die letzten Ziele sind gar nicht auf einmal durch Begriffe zu erreichen: wir können immer nur Ziele so weit sehen, als wir Triebe vorher haben. Wie weit unsre Triebe wachsen können, weiß niemand.
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der trockene und eisige Ton des Unzufriedenen
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die unverschämte Form der Marktschreierei, wodurch unsere Zeit alle anderen übertrifft. Nie hat ein athenischer Künstler —
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“In Frankreich weiß man niemals Interesse an den Dingen zu nehmen, wenn man Interesse an den Personen nimmt” Napoleon. Die Gewohnheit einer alten Monarchie hat euch gewöhnt alles zu personificiren. Ihr wißt nichts ernst zu nehmen, “Vielleicht ausgenommen die Gleichheit. Und man würde noch gerne darauf verzichten, wenn jeder sich schmeicheln könnte der Erste zu sein. Man muß allen die Hoffnung geben, sich zu erheben”
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Napoleon sagte, die Zeit in Aegypten sei die schönste seines Lebens gewesen, denn sie war die idealste. Alles was er träumte, konnte er ausführen. Die Civilisation genirte ihn nicht.
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Haupt-Unterschied: den Einen schwebt ein Musterzustand der Dinge außer ihnen vor, wo diese auf das angenehmste für sie auf ihnen gleichsam spielen (die Politiker Socialisten usw.) Den Anderen ein Musterzustand ihrer selber, wo sie auf den äußeren Dingen und Menschen auf das angenehmste für sie spielen: letzteres das Ideal der produktiven Nat ersteres das der lästig Arbeitenden: sie wollen lieber Passiva sein! Die einen die Herrschsüchtigen und die anderen die Sklaven. Die ersteren zweifeln nicht, wenn sie so und so sein werden, daß sie dem Weltinstrument die herrlichsten Töne entlocken werden: und die letzteren zweifeln nicht, daß, wenn alles fest geordnet und frei vom Individuum (dem Herrscher) gemacht wird, alles vorherzusehen ist und sie lauter angenehme Eindrücke vom Leben haben werden. “Ausdrückliche und eindrüchkliche Menschen”
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“Was hat die Revolution gemacht? Die Eitelkeit. Was wird sie beenden? Wiederum die Eitelkeit. Die Freiheit ist ein Vorwand.”
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Er endete plötzlich seine Rolle als bonhomme und fügte mit der Trockenheit eines Herrn einen Befehl hinzu, der keine Gelegenheit verliert, zu befehlen.
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Napoleons schwache Seite: er konnte nicht den Gedanken der Niederlage irgendworin ertragen. Weil seine Seele ohne Adel war und er die großen Gefühle nicht kannte, welche über ein schlechtes Geschick hinaus gehen, wendete er seinen Gedanken von dieser schwachen Partie von sich ab: er heftete dagegen seinen Geist auf seine bewunderungsw Anlage, mit dem Erfolg sich zu vergrößern. Sein Glück war sein persönlicher Aberglaube (Je réussirai!) und der Cult, zu dem er sich gegen dasselbe verpflichtet glaubte, legitimirte in seinen Augen alle Opfer, welche er uns auflegen sollte.
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“Der Widerstand gegen das Verbrechen ist derart uns angeboren, daß wir sehr leicht bei einem an die Nothwendigkeit glauben, in der er sich befand es zu begehen.”
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Die schwache Anhänglichkeit eintauschen gegen die wirkliche Furcht, welche er einflößte: man bewunderte die Kühnheit seines Spiels.
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“Ihr habt andere Zeiten gesehen: ich, ich datire von der, wo ich anfing etwas zu sein” Napoleon
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“Ich habe keinen Haß, ich bin nicht im Stande, etwas aus Rache zu thun: ich entferne einfach was mich genirt!” sagte Napoleon in Bezug auf die Hinrichtung des Herzogs von Enghien
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Unsere Triebe toben sich in den Listen und Künsten der Metaphysiker aus, sie sind die Apologeten des menschlichen Stolzes: die Menschheit kann ihre verlorenen Götter nicht verschmerzen! Gesetzt, diese Leidenschaft rast sich aus: welcher Zustand der Ermattung, der Blässe, der erloschenen Blicke! Das höchste Mißtrauen gegen den Intellekt als Werkzeug der Triebe: die Nachgeburt des Stolzes ist die Skepsis. Die peinliche Inquisition gegen unsere Triebe und deren Lügnerei. Es ist eine letzte Rache, in dieser Selbstzermalmung ist der Mensch immer noch der Gott, der sich selber verloren hat. Was folgt auf diese gewaltsame Skepsis? Die Erschöpfung, die zweite Erschöpfung, ein Greisenthum: alle Vergangenheit wird matt empfunden, die Verzweiflung selber wird zur Historie, und zuletzt ist das Wissen um alle diese Dinge noch ein genügender Reiz für diese Greise. —
Diese ganze Geschichte spielt sich in immer wenigeren Köpfen ab. Aber der Verlust des Glaubens wird ruchbar unter allen Übrigen—und nun folgt nach: das Aufhören der Furcht, der Autorität, des Vertrauens, das Leben nach dem Augenblick, nach dem gröbsten Ziele, nach dem Sichtbarsten: eine umgekehrte Bewegung leitet sich ein. Das Vertrauen ist noch am größten für das, was dem früheren Ziele am entgegengesetzten ist! Ein Versuchen und Experimentiren, ein Gefühl der Unverantwortlichkeit, die Lust an der Anarchie! An die Stelle des Stolzes ist die Klugheit getreten. Die Wissenschaft tritt in ihren Dienst. Eine gemeinere Gattung von Menschen bekommt das Regiment (statt der noblesse oder der Priester): erst die Kaufleute, nachher die Arbeiter. Die Masse tritt auf als Herrscher: das Individuum muß sich zur Masse lügen.— Nun werden immer noch solche geboren, die in früheren Zeiten zu der herrschenden Klasse der Priester, Adels, Denker gehört hätten. Jetzt überschauen sie die Vernichtung der Religion und Metaphysik, Noblesse und Individual-Bedeutung. Es sind Nachgeborene. Sie müssen sich eine Bedeutung geben, ein Ziel setzen um sich nicht schlecht zu befinden. Lüge und heimliche Rückflucht zum Überwundenen, Dienst in nächtlichen Tempeltrümmern sei ferne! Dienst in den Markthallen ebenfalls! Sie ergreifen die Theile der Erkenntniß, welche durch das Interesse der Klugheit nicht gefördert werden! Ebenso die Künste, welchen der moderne Geist abhold ist! Sie sind die Beobachter der Zeit und leben hinter den Ereignissen. Sie üben sich, sich frei von der Zeit zu machen und sie nur zu verstehen, wie ein Adler, der darüber fliegt. Sie beschränken sich zur größten Unabhängigkeit und wollen nicht Bürger und Politiker und Besitzer sein. Sie reserviren hinter allen Vorgängen die Individuen, erziehen sie—die Menschheit wird sie vielleicht einst nöthig haben, wenn der gemeine Rausch der Anarchie vorüber ist. Pfui über die, welche sich jetzt zudringlich den Massen als ihre Heilande anbieten! Oder den Nationen! Wir sind Emigranten.— Wir wollen auch das böse Gewissen für die Wissenschaft im Dienste der Klugen sein! Wir wollen bereit sein! Wir wollen Todfeinde derer von den Unseren sein, welche zur Verlogenheit Zuflucht nehmen und Reaktion wollen!— Es ist wahr, wir stammen von Fürsten und Priestern ab: aber eben deshalb halten wir unsere Ahnen hoch, weil sie sich selber überwunden haben. Wir würden sie schänden, wenn wir ihr Größtes verleugneten! Was gehen uns also die Fürsten und Priester der Gegenwart an, welche durch den Selbstbetrug leben müssen und wollen!
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Dieselbe Unsicherheit und Skepsis, die der Schiffer in Betreff seiner Fahrt hat, ob sie gelingt, zur rechten Zeit unternommen, müssen wir in Betreff aller Pflichten haben. Ich bin nicht absolut verpflichtet, so leicht ist es mir nicht gemacht. Wir experimentiren mit unseren Tugenden und guten Handlungen und wissen nicht sicher, daß es die nothwendigen sind, in Hinsicht auf das Ziel. Wir müssen den Zweifel aufrichten und alle moralischen Vorschriften anzweifeln. Überdies sind sie so grob, daß keine wirkliche Handlung einer solchen Vorschrift entspricht: das Wirkliche ist viel complicirter.
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Napoleon war heiter, er genoß im Geheimen den kleinen Zwang, welchen das neue Ceremoniell unter uns allen schuf.
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“Fremd zu sein jeder Intrigue: fast ein Fehler an Höfen Was Fürsten am wenigsten verzeihen: daß man in ihrem Dienste einige Mittel beobachtet ihrer Macht zu entschlüpfen”
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“Es giebt da nicht genug Pomp: es würde nicht Staub in die Augen werfen” sagte Napoleon zu Herrn von Rémusat, als dieser einen Plan vorlegte wie das neue Kaiserthum zu schmücken sei
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“Ich, für mich allein, bin die ganze Revolution” indem er seine Person erhielt, hütete er dazu alles das, was nützlich war, nicht zu zerstören. Er wollte die Franzosen blenden und betäuben, durch alle Mittel auf einmal. Er liebte den Pomp des alten Regimes, er meinte, daß so der Parvenu noch besser unsichtbar werde.
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“Vengeons nous, par en médire” Montaigne
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“Es ist immer nur eine sehr kleine Zahl Menschen die sich erlauben den Erfolg zu tadeln.” Die Schmeicheleien tragen den Sieg über die Kritik davon.
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Die Musik hat keinen Klang für die Entzückungen des Geistes; will sie den Zustand von Faust und Hamlet und Manfred wiedergeben, so läßt sie den Geist weg und malt Gemüthszustände, die höchst unangenehm sind ohne Geist und gar nicht zum Ansehen taugen; sie vergröbert und malt die Mißvergnügtheit und den Jammer, vielleicht mit musikalischem Geiste; aber wie schrecklich ist diese Kunst, wenn sie ohne Auswahl das Häßliche malt: welche Martern sind den Tönen zu eigen, den aufdringlichen Tönen!— Liegt es daran, daß unter den Musikern ein feiner und wohlgestalteter Geist überhaupt selten ist? Daß sie das Fühlen in sich nie isoliren und seine Strahlenbrechung und Farbigkeit im Blitz des Gedankens nicht kennen? Sie müssen alle Zustände vergröbern, gleichsam ins Unmenschliche zurückübersetzen: wie als ob die Gedanken und die Worte noch nicht erfunden seien. Dies ist übrigens ein großer Reiz: es ist Urnatur in der Musik: sie gehört in die Zeit, wo man die wilde Natur der Landschaft verehrt und die Hochgebirge entdeckt hat. Einer Gesellschaft, welche den geistigen Genüssen nicht gewachsen ist, welche selbst zu gedankenarm für Gemälde ist, und überhaupt ihre Kopf-Kraft schon verthan hat, wenn sie sich anschickt, sich zu ergötzen, bleibt der Appell an die Gefühle und Sinne: und in diesen bietet der Musiker die anständigste Ergötzung. Schon gemeiner ist der Theatergenuß, mit dem Conterfei menschlicher Vorgänge und dem groben Reize der direkten Nachahmung aufregender Scenen. Ein Schritt weiter: und wir haben, zur Erholung, die Erregung der Triebe durch Getränke, usw.— Der Dichter steht höher als der Musiker, er macht höhere Ansprüche, nämlich an den ganzen Menschen: und der Denker macht noch höhere Ansprüche: er will die ganze ges frische Kraft und fordert nicht zum Genießen sondern zum Ringkampf und zur tiefsten Entsagung aller persönlichen Triebe auf.
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Ich habe den Mann geliebt, wie er wie auf einer Insel lebte, sich vor der Welt ohne Haß verschloß: so verstand ich es! Wie fern ist er mir geworden, so wie er jetzt, in der Strömung nationaler Gier und nationaler Gehäßigkeit schwimmend, dem Bedürfniß dieser jetzigen, durch Politik und Geldgier verdummten Völker nach Religion entgegenkommen möchte! Ich meinte ehemals, er habe nichts mit den jetzigen zu thun—ich war wohl ein Narr.
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Wenn Napoleon heiter wurde, nahm er Garnisons-Gewohnheiten an und war ohne Maaß.
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“Der Zufall bleibt immer ein Mysterium für die mittelmäßigen Geister und wird eine Realität für die höheren Menschen.” Den Antheil des Zufalls mathematisch genau vorher feststellen: “eine Dezimale mehr oder weniger kann alles ändern” “Mittelmäßige Leute werden zu einer gewissen Evidenz gebracht durch Umstände, die sie nicht geschaffen haben”
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“Pour être un veritable grand homme, il faut réellement avoir improvisé une partie de sa gloire et se montrer au-dessus de l’événement, qu’ on a causé.”
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“Tacitus ein geschickter Schriftsteller, aber selten ein Staatsmann”
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“Wenn Politiker wirklich geschickt sind, verstehen sie, sich zu Herrn ihrer Leidenschaften zu machen, denn sie gehen so weit, die Wirkungen davon zu berechnen”
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“der Staatsmann, eine vollkommen excentrische Persönlichkeit, immer allein von der einen Seite mit der Welt auf der anderen” Während er die Dinge beobachtet und die oft so ungleichen Fäden gleichmäßig in seiner Hand laufen läßt, mit der größten Aufmerksamkeit darauf—wie kann er sich damit amüsiren, gewisse Gefühls-Convenances zu schonen, die für den gewöhnlichen Menschen so wichtig sind! (Bande des Blutes, Affektion usw.)
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Die Energie der Spannung (zwischen Liebe und Haß) nie größer als bei Chr ihr Haß odium generis humani mehr als alles M
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Das Gefühl und Glück der Hingebung—aus dem Ende der Furcht, Eintritt der Sicherheit zu erklären (nicht aus dem weibl Trieb)
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| Macht | : Widersprechen | Grundlagen der Logik. A> <B |
| Ergebung | : Zustimmen | A = A |
| die Macht drängt, Verschiedenheit anzuerkennen |
| die Ergebung will Gleichheit setzen. |
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Mein Ziel ist nichts für jedermann, deshalb ist es doch mittheilbar, der Ähnlichen wegen sowohl als weil die Entgegengesetzten daraus Kraft und Lust gewinnen werden, sich ihr Wesen ebenfalls zu formuliren und in wirkenden Geist umzusetzen. Ich will allen, welche ihr Muster suchen, helfen, indem ich zeige, wie man ein Muster sucht: und meine größte Freude ist, den individuellen Mustern zu begegnen, welche nicht mir gleichen. Hol’ der Teufel alle Nachahmer und Anhänger und Lobredner und Anstauner und Hingebenden!
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“der militärische Ruhm, welcher so lang in der Geschichte lebt, ist der, welcher am schnellsten für die Mitgenossen erlischt” Napoleon nach dem größten Moment seiner Macht (Friede zu Tilsit)
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Napoleon sah im Kriege, das Mittel uns zu betäuben oder wenigstens zum Stillschweigen zu bringen.
6 [53]
Der geschlechtliche Reiz im Aufsteigen unterhält eine Spannung, welche sich im Gefühle der Macht entladet: herrschen wollen—ein Zeichen der sinnlichsten Menschen. Der schwindende Hang des Geschlechtstriebes zeigt sich im Nachlassen des Durstes nach Macht: das Erhalten und Ernähren und oft die Lust am Essen tritt als Ersatz ein (Elterntrieb ist Erhalten Ordnen Ernähren, nicht Beherrschen, sondern Wohlbefinden sich und anderen schaffen) In der Macht ist das Gefühl, gern wehe zu thun—eine tiefe Gereiztheit des ganzen Organismus, welcher fortwährend Rache nehmen will. Die wollüstigen Thiere sind in diesem Zustand am bösesten und gewaltthätigsten, sich selber über ihren Trieb vergessend.
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Liebe als Passion ist Verlangen nach absoluter Macht über eine Person: (z.B. wollen, daß man der einzige Gegenstand von Gedanken und Empfindungen sei) Der Liebende sieht die übrige Welt kaum und opfert alle anderen Interessen in diesem Machtdurste. An das Geliebtwerden glauben bringt eine tiefe Sättigung mit sich: “wir werden als absolute Macht empfunden”!
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Man muß den aphrodisischen Reiz und die Folgen seiner Befriedigung für die Fortpflanzung des Geschlechtes trennen: der Ausdruck “Geschlechtstrieb” enthält ein Vorurtheil
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Die Resorption des Samens durch das Blut ist die stärkste Ernährung und bringt vielleicht den Reiz der Macht, die Unruhe aller Kräfte nach Überwindung von Widerständen, den Durst nach Widerspruch und Widerstand am meisten hervor. Das Gefühl der Macht ist bis jetzt am höchsten bei enthaltsamen Priestern und Einsiedlern gestiegen (z. B. bei den Bramanen)
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Das Gefühl der Lust der Ergebung ist vielleicht weiblich—und beider Gefühle sind beide Geschlechter fähig, aber ein Überschuß in jedem besonders. Gott weiß, mit welchen Eigenheiten der geschlechtlichen weiblichen Funktion es zu thun haben mag, daß ihre sinnliche Erregung nicht wesentlich als Wille der Macht sich äußert: beherrscht werden, dienen, sie fühlen sich schwächer durch die Liebe. Die Ernährung des Eierstockes fordert Kraft ab.
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Wer tiefer Empfindungen fähig ist, muß auch den heftigen Kampf derselben gegen ihre Gegensätze leiden. Man kann, um ganz ruhig und leidlos in sich zu sein, sich eben nur die tiefen Empfindungen abgewöhnen, so daß sie in ihrer Schwäche eben auch nur schwache Gegenkräfte erregen: die, in ihrer sublimirten Dünne, dann wohl überhört werden und dem Menschen den Eindruck geben, er sei ganz mit sich im Einklange.— Ebenso im socialen Leben: soll alles altruistisch zugehn, so müssen die Gegensätze der Individuen auf ein sublimes Minimum reduzirt werden: so daß alle feindseligen Tendenzen und Spannungen, durch welche das Individuum sich als Individuum erhält, kaum mehr wahrgenommen werden können, das heißt: die Individuen müssen auf den blassesten Ton des Individuellen reduzirt werden! Also die Gleichheit weitaus vorherrschend Das ist die Euthanasie, völlig unproduktiv! Ebenso wie jene Menschen ohne tiefe Empfindungen, die liebenswürdigen ruhigen und sogenannten glücklichen, eben auch unproduktiv sind. Der Werth der Wissenschaft ist, eine ungeheure Gegenkraft zu sein: vielleicht entzündet sie, im Widerspruch zu ihr, wieder die Unlogik und Phantasterei immer von Neuem!— Vielleicht ist dies nöthig!
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Die Menschheit hat kein Ziel, ebenso wenig wie die Saurier eins hatten, aber sie hat eine Entwicklung: d. h. ihr Ende ist nicht mehr bedeutend als irgend ein Punkt ihres Weges! NB. Folglich kann man das Gute nicht so bestimmen, daß es das Mittel zum “Ziel der Menschheit” wäre. Wäre es das, was die Entwicklung möglichst verlängerte? Oder was den Höhepunkt am höchsten brächte (zwischen auf- und absteigen, werden und vergehen)? Aber dies setzte schon wieder ein Maß für den Höhepunkt voraus! Und warum möglichst lang? Auch das setzt ein Gutes voraus z. B. die Lust des Daseins.— Möglichst viel Lust als Ziel? Aber damit kann man nicht einmal sein Einzelleben dirigiren, denn wir kennen die Quellen der Lust, die Triebe, nicht in Bezug auf ihre innersten Bedürfnisse z. B. ob möglichst viel Lust nicht auch eine ungeheure Unlust voraussetzt?— Oder möglichst wenig Unlust in der Entwicklung?— Darauf strebt jetzt alles hin—aber dies heißt auch eine möglichst unkräftige Entwicklung, eine allgemeine Selbstschwächung, ein blasses Abschiednehmen von der bisherigen Menschheit, bis an die Grenze, wo die Thiere wieder über uns Herr werden! Der matte Dusel ist über dies kein Ideal, welches große Opfer zu veranlassen vermöchte—und doch wäre ein ungeheures Verzichtleisten zu fordern, wenn die Menschheit auf dieses Niveau steigen sollte! Es könnte dies aber wohl, ohne ein Ziel des Strebens zu sein, doch einmal das Ende sein! Oder ein irregewordener Stern erbarmt sich der Menschheit dann!
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der höchste Grad von Individualität wird erreicht, wenn jemand in der höchsten Anarchie sein Reich gründet als Einsiedler.
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der Durst nach Macht ist bezeichnend für den aufsteigenden Gang der Entwicklung, der Durst nach Hingebung für den absteigenden. Die Freuden des Alters haben im Tiefsten alle diese Hingebung an Dinge, Gedanken, Personen: der Aufstrebende herrscht.— Der Kranke nimmt den Hang des Alters vorweg.
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Wir empfinden die Außenwelt immer verschieden, weil sie sich gegen den jedesmal in uns überwiegenden Trieb abhebt: und da auch dieser als etwas Lebendiges wächst und schwindet und nichts Verharrendes ist, so ist im kleinsten Momente unsere Empfindung der Außenwelt immer werdend und vergehend, also wechselnd.
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Das Urtheil ist etwas sehr Langsames im Vergleich zu der ewigen unendlich kleinen Thätigkeit der Triebe—die Triebe sind also immer viel schneller da, und das Urtheil ist immer nach einem fait accompli erst am Platze: entweder als Wirkung und Folge der Triebregung oder als Wirkung des miterregten ertgegengesetzten Triebes. Das Gedächtniß wird durch die Triebe erregt, seinen Stoff abzuliefern.— Durch jeden Trieb wird auch sein Gegentrieb erregt, und nicht nur dieser, sondern wie Obertonsaiten noch andere, deren Verhältniß nicht in einem so geläufigen Worte zu bezeichnen ist, wie “Gegensatz.”
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Wir empfinden peinlich, daß Jemand uns geringschätzt. In einem hohen Moment der Stimmung sehen wir auf diese peinliche Empfindung hin und zurück, wie auf etwas Fernes, das uns kaum noch angehört, die Empfindung z. B. wird fast zum Wissen darum: fast alle Dinge, von denen wir nur diese Empfindung des Wissens darum haben, scheinen uns ferner und außer uns, der leidende oder angenehme Trieb als Fundament darin ist uns kaum mehr bemerkbar. Aber er muß darin sein, das Gedächtniß merkt nur Thatsachen der Triebe: es lernt nur, was in einen Gegenstand eines Triebes verwandelt ist!— Unser Wissen ist die abgeschwächteste Form unseres Trieblebens; deshalb gegen die starken Triebe so ohnmächtig.
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In Dingen des Geistes ist Jeder groß, der, als große Ausnahme, die Dinge des Wissens stark empfindet und gegen ferne Dinge sich so verhält wie gegen die nächsten, so daß sie ihm wehe thun. Leidenschaft erregen, große Erhebungen geben können, kurz daß sie mit den stärksten Trieben bei ihm verschmolzen sind. (Redlichkeit z. B. wäre wohl Neugierde Stolz Herrschsucht Milde Gtoßmuth Tapferkeit in Bezug auf Sachen, die für die Meisten ganz kalt und abstrakt bleiben) Passion für Abstrakta, und Unfähigkeit, ein Abstraktum sich fern und gleichgültig zu halten macht den Denker.
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Menschen gemartert durch einen Bußredner, wie ein Reh, das in Schlingen sich verfängt und unter wüthendem Rasen stirbt.
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Meine Aufgabe: alle Triebe so zu sublimiren, daß die Wahrnehmung für das Fremde sehr weit geht und doch noch mit Genuß verknüpft ist: der Trieb der Redlichkeit gegen mich, der Gerechtigkeit gegen die Dinge so stark, daß seine Freude den Werth der anderen Lustarten überwiegt, und jene ihm nöthigenfalls, ganz oder theilweise, geopfert werden. Zwar giebt es kein interesseloses Anschauen, es wäre die volle Langeweile. Aber es genügt die zarteste Emotion!
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Napoleon haßte nichts mehr in der Welt, als daß jemand die Fähigkeit zu urtheilen in Bezug auf ihn übte, oder überhaupt nur hatte.
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die Ruhe hat ihr gefehlt (Mad. de Staël): nach Rémusat “une privation sans remède pour le bonheur et même pour le talent.”
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das Ich ist nicht die Stellung Eines Wesens zu mehreren (Triebe, Gedanken usw.) sondern das ego ist eine Mehrheit von personenartigen Kräften, von denen bald diese, bald jene im Vordergrund steht als ego und nach den anderen, wie ein Subjekt nach einer einflußreichen und bestimmenden Außenwelt, hinsieht. Das Subjekt springt herum, wahrscheinlich empfinden wir die Grade der Kräfte und Triebe, wie Nähe und Ferne und legen uns wie eine Landschaft und Ebene aus, was in Wahrheit eine Vielheit von Quantitätsgraden ist. Das Nächste heißt uns “ich” mehr als das Entferntere, und gewöhnt an die ungenaue Bezeichnung “ich und alles andere, tu,” machen wir instinktiv das Überwiegende mentan zum ganzen ego und alle schwächeren Triebe stellen wir perspektivisch ferner und machen daraus ein ganzes Du oder “Es.” Wir behandeln uns als eine Mehrheit und tragen in diese “socialen Beziehungen” alle die socialen Gewohnheiten, die wir gegen Menschen Thiere Gegenden Dinge haben. Wir verstellen uns, setzen uns in Angst, machen Parteiungen, führen Gerichtsscenen auf, überfallen uns, martern uns, verherrlichen uns, machen aus dem und jenem in uns unseren Gott und unseren Teufel und sind so unredlich und so redlich als wir es in Gegenwart der Gesellschaft zu sein pflegen.— Alle socialen Beziehungen auf den Egoismus zurückzuführen? Gut: für mich ist aber auch wahr daß alle egoistischen inneren Erlebnisse auf unsere eingeübten angelernten Stellungen zu Anderen zurückzuführen sind. Welche Triebe hätten wir, die uns nicht von Anfang an in eine Stellung zu anderen Wesen brächten, Ernährung z. B., Geschlechtstrieb? Das, was Andere uns lehren, von uns wollen, uns fürchten und verfolgen heißen, ist das ursprüngliche Material unseres Geistes: fremde Urtheile über die Dinge. Jene geben uns unser Bild von uns selbst, nach dem wir uns messen, wohl und übel mit uns zufrieden sind! Unser eigenes Urtheil ist nur eine Fortzeugung der combinirten fremden! Unsere eigenen Triebe erscheinen uns unter der Interpretation der Anderen: während sie im Grunde alle angenehm sind, sind sie doch durch die angelernten Urtheile über ihren Werth so gemischt mit unangenehmen Beigefühlen, ja manche werden als schlechte Triebe jetzt empfunden: “es zieht hin, wohin es nicht sollte”—während schlechter Trieb eigentlich eine contradictio in adjecto ist.— Was will also Egoismus sagen! Wir können innerhalb unser selber wieder egoistisch oder altruistisch, hartherzig, großmüthig, gerecht milde verlogen sein, wehe thun oder Lust machen wollen: wie die Triebe im Kampfe sind, ist das Gefühl des Ich immer am stärksten dort, wo gerade das Übergewicht ist.
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Unbeschreiblicher Ekel, wenn unsere Gebildeten von der Nothwendigkeit einer idealen Bildung und einer Erneuerung der Religion phantasiren! dieses verlogene Gesindel, das bei Musik und Schauspiel wieder religiös werden will und sich in den Kopf setzt, sobald es nur wieder im Herzen zu zittern beginnt, alle Redlichkeit des Kopfes fahren zu lassen und sich kopfüber in den mystischen Schlamm zu stürzen! Recht der Gedanke einer durch Politik und Geldgier verdummten und servil gewordenen Generation!
Denn ob man einem Napoleon oder dem Nationalitätsprincip dient, beides führt zur Sklaverei und zum schließlichen Ekel an sich: wohl dann der Religion! wohl den Künstlern, welche den Anstand einer freien geistigen Haltung nicht angeboren haben! Früher dachte ich: wir sind anderer Art, anderer Herkunft, nichts war mir fremder als mich diesen Strömungen der Nationalität und der Neigung zur Mystik anzubieten! Ich sah sie—mir ekelte damals und jetzt dafür. Allein sein! abseits leben! war immer meine Devise. Was geht es mich an, daß die, welche damals darin mir gleich gesinnt erschienen, jetzt alle sich dort anbieten! Hier die Gespensterfinger des Spiritisten, und der mathematisch-magische Taschenspieler, dort ein gehirnausbrennender Cultus der Musik, dort die wiedererweckten Gemeinheiten einer Judenverfolgung—seht die allgemeine Übung im Hassen
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“Diejenigen welche kommen mich zu besuchen werden mir eine Ehre erweisen: diejenigen welche nicht kommen, werden mir ein Vergnügen erweisen” Augier.. s. .
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Napoleon nach dem ersten italienischen Feldzuge, zu einem Journalisten: denken Sie daran, in den Erzählungen unserer Siege immer von mir, immer von mir zu sprechen, hören Sie?
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Alle Moralisten sind einig in der allgemeinen Tendenz: wohin das Handeln streben müsse und was die Wohlfahrt der Menschheit sei—ich finde sie beherrscht von Einem Triebe und voll Vorurtheil darin. Die Herrschaft des Altruismus scheint mir die Menschheit zu Grunde zu richten—ein Absterbeprozeß Euthanasie:—vielleicht dienen also die Moralisten der allgemeinen Entwicklung: aber sie erwarten etwas Umgekehrtes! Ich will den Egoismus aufrichten und jene weise Einsicht, welche dem fremden Individuum nicht gerne in’s Geschäft und Wesen greift: nur durch Noth sind wir altruistisch.
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Alle Moralisten haben gemeinsame Censuren über gut und böse, je nach sympathischen und egoistischen Trieben. Ich finde Cut, was einem Ziele dient: aber das “gute Ziel” ist Unsinn.
Denn überall heißt es “gut wozu?” Gut ist immer nur ein Ausdruck für ein Mittel. Der “gute Zweck” ist ein gutes Mittel zu einem Zweck. Jedes Ziel
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Die Tugend der Reinlichkeit NB. Wurzel des Triebes der Schönheit
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Ein System des Lebens das nur auf Neigungen ruhen soll—Altruism. Aber da müßte das Schicksal nur mit Akkorden auf uns spielen—es hieße die Unvernünftigkeit des Daseins beseitigen und es zur menschlichen Vernunft machen. Und damit jeder nur Harmonien hörte, müßte jeder andere ihm gleich sein und keine anderen Bedingungen haben—so aber würde die Neigung schwach und endlich unnöthig, weil alles schon ohne Erstreben sich anböte.
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Geht die edle Unabhängigkeit verloren, so werden alle Talente matt—ob es unter der Tyrannei Napoleon’s oder des Altruismus ist: Ende der Genies!
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“mit dem alleinigen Geschmack für das Reale ist man zu nichts gut, weder in einer Farm noch in einem Palaste”
6 [80]
Unser Verhältniß zu uns selber! Mit Egoismus ist gar nichts gesagt. Wir wenden alle guten und schlechten gewöhnten Triebe gegen uns: das Denken über uns, das Empfinden für und gegen uns, der Kampf in uns—nie behandeln wir uns als Individuum, sondern als Zwei- und Mehrheit; alle socialen Übungen (Freundschaft Rache Neid) üben wir redlich an uns. Der naive Egoismus des Thieres ist durch unsere sociale Einübung ganz alterirt: wir können gar nicht mehr eine Einzigkeit des ego fühlen, wir sind immer unter einer Mehrheit. Wir haben uns zerspalten und spalten uns immer neu. Die socialen Triebe (wie Feindschaft Neid Haß) (die eine Mehrheit voraussetzen) haben uns umgewandelt: wir haben “die Gesellschaft” in uns verlegt, verkleinert und sich auf sich zurückziehen ist keine Flucht aus der Gesellschaft, sondern oft ein peinliches Fortträumen und Ausdeuten unserer Vorgänge nach dem Schema der früheren Erlebnisse. Nicht nur Gott, sondern alle Wesen, die wir anerkennen, nehmen wir, selbst ohne Namen, in uns hinein: wir sind der Kosmos, soweit wir ihn begriffen oder geträumt haben. Die Oliven und die Stürme sind ein Theil, von uns geworden: die Börse und die Zeitung ebenso.
6 [81]
Unser waches Leben ist ein Ausdeuten innerer Triebvorgänge mit Hülfe des Gedächtnisses an alles Empfundene und Gesehene: eine willkürliche Bildersprache davon, wie das Träumen von der Sensation im Schlafen.
6 [82]
Wie das Leben für Andere entsteht! bei einem Diener, der zuerst mit Zwang und Strafen an das Interesse seines Herrn denkt, allmählich fällt ihm das eher ein als sein eigenes, weil er gemerkt hat, daß sein Wohl von dem des Herrn und der guten Stimmung desselben abhängt: endlich sieht er darnach wie der Gärtner nach den Pflanzen, sie sind ihm fortwährend gegenwärtig, gewöhnt, leicht, erleichternd, Grund seiner Freuden und Leiden. So der Stallknecht für sein Pferd, der Gelehrte für sein Thema, der Vater für sein Kind, der Kaufmann für sein Geld. Wir vergessen motivirende Gedanken und leben nach den eingeübten Gefühlen des Angenehmen Gewöhnten—das soll moralisch sein! Gewiß es für Alle angenehm, Herren und Diener und somit wird es sehr gelobt, folglich viel Phantasterei der Gedanken darum gelegt, damit es als etwas Hohes erscheine!
6 [83]
Wenn unsere Triebe gleich stark sind und nach entgegengesetzten Zielen uns ziehen, entsteht jener Kampf und jene Noth, welche die Moralisten so hoch stellen. Eigentlich ist für Viele die Tugend nichts werth, wenn sie nicht einen solchen Kampf macht d. h. man will, daß die entgegengesetzten Triebe ebenso stark seien! Ein Laokoon, der seine Schlangen zerdrückt! Eine pathetische Attitüde!
6 [84]
Viel Wohlwollen bei denen, welche das Übel leicht vergessen, welche leicht zu erregen und zu beruhigen sind, unfähig einer langen Emotion, eines ernsten Nachdenkens, expansiv, etwas indiskret.
6 [85]
l’entraînement de ma destinée sagte Napoleon
6 [86]
Erhabenheit der Seele! meistens ist es Exaltirtheit!
6 [87]
“streng in ihren Principien oder in den Gefühlen welche ihre Einbildungskraft erzeugt hatte”
6 [88]
die wirksamen Schriftsteller beweisen, daß Worte nur Andeutungen sind, daß man nichts vollenden dürfe und daß die Schriftsteller darin Vortheile vor den Malern haben.
6 [89]
der Geometer Ampère: je crois que le monde extérieur a été créé tout simplement pour nous être une ocasion de penser.
6 [90]
Napoleon war Träumer, schweigsam, im Verkehr mit Frauen gezwungen, aber passionirt und hinreißend, obschon fremdartig in seiner ganzen Person, als er jung war. Seine Anfälle von düsterer und drohender Eifersucht.
6 [91]
Gleichheit im Humor, Milde und natürliche Heiterkeit machen das glückliche Privatleben. Der letzte Grund: von nichts tief bewegt werden. Man nennt es Philosophie, wenn diese Indifferenz nicht nur in Bezug auf das, was die Andern interessirt, sondern in der Tribulation des Persönlichen zeigt.
6 [92]
Ihre Einbildungskraft erhitzte sich bei den Pflichten, die ihr auferlegt seien, sie schrieb sich die peinlichsten Opfer vor, gerade weil sie das Unglück hatte den Gemahl nicht zu lieben. Sie war aufmerksam darauf, ihm zu gefallen, als wenn sie ihn geliebt hätte.
6 [93]
Non consilia a casu differo, das Schicksal treibt sie, die Absichten sind schwach.
6 [94]
Napoleon verstand es aus der tiefsten Ruhe in den höchsten Zorn überzugehen, wenn es ihm nützlich schien. “Mein Zorn ist niemals über das da hinausgegangen” sagte er zum Abbé de Pradt auf seinen Hals deutend (cou). “Er findet ein Mittel seine Leidenschaften zu erheucheln obgleich sie wirklich existiren” sagte Talleyrand.
6 [95]
Napoleon hatte Anfälle von Empfindung vergoß Thränen, aber es machte ihm hinterdrein einen schlechten Humor. “Wenn mein Blut nicht mit seiner beständigen Langsamkeit schlägt, laufe ich Gefahr, zum Narren zu werden.” Nach Corvisart hatte er wenige Pulsschläge. Aber er klagte über intraitable Nerven. Er behauptete er verstünde absolut nicht, was es hieße “der Kopf dreht sich mir”
6 [96]
Er hatte ein geheimes Vergnügen Furcht zu erregen und zittern zu machen. Denn: “die Unruhe reizt den Eifer,” er vermied, sich vor Personen und Menschen zufrieden zu zeigen: “une petite terreur de detail war immer im geheimsten Innern seines Palastes”
6 [97]
Er hatte die Miene, die Ruhe ohne Aufhören zu hassen, für sich und die Anderen.
6 [98]
Hatte die Gesellschaft einen ruhigen Gang des Gesprächs, so änderte er plötzlich den Ton durch ein herrisches Wort und stellte den Unterredner wieder auf den Platz vor ihm, nämlich in seine Furcht.
6 [99]
Der wahrhaft Glückliche ist der, welcher sich vor mir im Grund einer Provinz verbirgt und wenn ich sterbe, wird die Welt ein großes ouf! machen.
6 [100]
Wenn er einen Dienst bezahlte, ließ er merken, daß er einen neuen kaufte. Er wollte niemals die Schulden seiner Frau in Ordnung bringen, um Gelegenheiten sich zu erhalten, sie zu beunruhigen.
6 [101]
Napoleons Mutter war von sehr mittelmäßigem Geiste.
6 [102]
romantische Einbildungskraft mit völliger Trockenheit des Herzens verbunden bei Louis Bonaparte. “Seine erheuchelten Tugenden geben mir ebensoviel Hinderniß wie die Laster Luciens” sagte Napoleon von ihm.
6 [103]
Lafontaine: “Et la grâce plus belle encore que la beauté.”
6 [104]
Die wilden Thiere sollen über sich weg sehen lernen, und in den Andern (oder Gott) zu leben suchen, sich möglichst vergessend! So geht es ihnen besser! Unsere Moraltendenz ist nur noch die der wilden Thiere! Sie sollen Werkzeuge großer Maschinerien außer ihnen werden und lieber das Rad drehen als mit sich zusammen sein. Moralität war bisher Aufforderung sich nicht mit sich zu beschäftigen, indem man sein Nachdenken verlegte und sich die Zeit raubte, Zeit und Kraft. Sich niederarbeiten, müde machen, Joch tragen unter dem Begriff der Pflicht oder der Höllenfurcht—große Sklavenarbeit war die Moralität: mit der Angst vor dem ego.
6 [105]
Es wäre eine Zeit zu denken, wo die Menschheit um die Gattung zu erhalten—und das soll ja eine Pflicht sein!—alle Arten höheren Lebens von sich werfen müßte, und sich auf immer niedrigere beschränken, weil jene zu kostspielig und unfruchtbar machend ausfallen: wie ein alter Mann seinen besten Thätigkeiten entsagen muß, um zu leben. Aber wie! ist denn Leben eine Pflicht! Unsinn! ihr Physiologen! die Menschen sind so erbärmlich geworden, daß auch die Philosophen gar nicht die tiefe Verachtung merken, mit der das Alterthum und das Mittelalter diesen “selbstverständlichen Werth der Werthe, das Leben” behandeln!
6 [106]
Der Haupterfolg der Arbeit ist die Verhinderung des Müssigganges der gemeinen Naturen, auch z. B. der Beamten, Kaufleute, Soldaten usw. Der Haupteinwand gegen den Socialismus ist, daß er den gemeinen Naturen den Müssiggang schaffen will. Der müssige Gemeine fällt sich und der Welt zur Last.
6 [107]
die Nachtfröste einer Geliebten
6 [108]
Ich schlage das Bild vor: reizt es euch, so werdet ihr es nachahmen müssen. Nicht die Ziele, sondern die Befriedigung des bereits vorhandenen Triebes zwingt zu dieser oder jener Moral. Nicht die Vernunft! wenn nicht im Dienste eines Triebes!
6 [109]
Aus welchen erbärmlichen Elementen der deutsche Socialismus besteht in seinen Führern, ist daraus zu ersehen, daß keiner die volle Enthaltung von geistigen Getränken gefordert hat—und doch ist diese Plage viel verhängnißvoller als irgend ein socialer Druck!
6 [110]
die bösen Triebe sind durchaus nicht unangenehm, sondern böse und gute sind angenehm. Sie werden unangenehm nur durch das 1) Übermaß und 2) in ihrem Gehemmtsein durch andere Triebe. Beherrscht uns z. B. die Meinung von der Schändlichkeit der Wollust (der Trieb der Ehe als Grundlage) oder die von den bösen Folgen im jenseits, so wird der Trieb uns unangenehm beigemischt, ja er kann wie etwas rein Ekelhaftes empfunden werden. Ebenso kann der Hang zum Mitleid als erbärmliche Schwäche und als unangenehm empfunden werden. Das Denken, maßlos, wirkt als Schmerz, selbst beim Enthusiasten des Denkens; das Übermaaß ist eine erzwungene Äußerung des Triebes, d.h. die Hemmung des vergehenwollenden (müden) Triebes—also auch Hemmung der Entwicklung. Alle Entwicklung lustvoll.
6 [111]
das Genie das Erzeugniß glücklicher Zufälle: seine Bedingungen weiß man nicht voraus. Die reine Begünstigung im Sinne der bisherigen Moralität macht durchaus kein Genie und keine Fruchtbarkeit; von der Erziehung und Verwendung der bösen Triebe und Zufälle weiß die Moral nichts, desto mehr die praxis. Es ist unmöglich, Genies absichtlich zu fördern—dann müßte man sie durch und durch kennen. Frauen, in ihrer Absicht der Förderung, richten sie gewöhnlich zu Grunde.
6 [112]
Welche entsetzliche Lage früher! Unsicherheit der Erkenntniß auch in der Moral, und ewige Gefahren! Das war eine ruhige unbefangene Art dem Gedanken und der Wahrheit nachzuhängen!! Unter der Peitsche der Furcht vor der Hölle! Oder in der Furcht vor der Sünde gegen die ewige Liebe, vor dem Zweifel an der Offenbarung!!
6 [113]
Die paradoxe Tugend z. B. Großmuth als ein Wunder angestaunt und sehr verehrt!
Anders jene, die den Zwang eines Triebes fühlen und deren Herrschsucht stolz sich gegen ihn wehrt, die deshalb ins Gegentheil umschlagen.
Anders, die welche mehr von der Befriedigung erwarteten und, enttäuscht, an dem Triebe sich rächen.
Anders: sich schwach feige gezwungen vor der Todesfurcht fühlen und in Verachtung seiner selbst das Gegentheil von dem thun, was die Todesfurcht räth.
6 [114]
die Motive der Moralgesetzgeber für ein Gesetz und deren Umwandlung in denen, welchen das Gesetz gegeben wird NB
6 [115]
Die angeblichen Wirkungen moralischer Gefühle, während deren Erscheinen selber schon eine Wirkung des beruhigten Nervensystems usw. ist, nicht die Quelle der Beruhigung NB.
6 [116]
Alle Menschen bemühen sich, ihrer Pflicht einen unbedingten Charakter zu geben: sie fühlen sich erniedrigt bei dem Gedanken, daß sie einem Menschen, Fürsten Staate Partei aus Furcht sich opfern und einem anderen Intell ihren Int unterordnen: sie wünschen, daß eine nicht mehr beschämende Übergewalt existirt, die ihnen gebietet, sich so unterordnen, eine absolute Pflicht, ein Wort Gottes (z. B. seid gehorsam der Obrigkeit) Auch jetzt noch suchen die Moralphilosophen die Ethik endgültig zu fundamentiren: ohne dies, fühlen sie, hat man kein Recht zum großen Pathos, zu schönen Attitüden als Politiker und Socialist. “Man muß ein Wesen haben, dem man unbedingt sich anvertraut” sagt Luther d. h. wir wollen uns selber unbedingt vertrauen dürfen und unsere Handlungen als indiskutabel und absolut erhaben der Welt gegenüber stellen. Eitelkeit!
6 [117]
Das was uns oft zwingt (und zwar mit dem Gefühl der Zustimmung, obschon es kein angenehmer Zwang ist!) nennen wir Pflicht. Durch häufige Übung entsteht daraus eine angenehme Gewöhnung: und dann ist es Lügnerei, noch von seiner Pflicht zu reden. Aber es geschieht fast immer. Fast jeder stellt seine Thätigkeit als eine unangenehme Sache vor, er will wegen seiner Selbstüberwindung d. h. wegen seiner Macht bewundert werden. Es giebt so viele erlogene Unannehmlichkeiten des Daseins! Ebenso viele erlogene Annehmlichkeiten, bei Fürsten Frauen Festen Müssiggängern Reisenden Christen Tugendhaften Völkern Parteien Philosophen Schriftstellern: man stellt sein “Glück” aus, meist um damit weh zu thun, Neid zu erregen.
6 [118]
Der Versud sämmtliche moralischen Triebe in den religiösen Tr aufzulösen: Gott befiehlt und seinetwegen thut man etwas. Es ist nicht moralisch mehr. Daß man Gott fürchtet oder liebt, ist nicht eine Folge der Moralität, sondern eine Überlegung des Vortheils. Dies ist der christliche Standpunkt. Es soll nur religiöse Handlungen geben, alle Motive sind egoistisch, und die religiöse Handlung selber wird aus Egoismus gethan. Oder: jede Handlung ist böse. Also auch die religiöse. Deshalb Gnadenwahl! Dagegen sagen die Quietisten: ich handle nicht mehr um meinetwillen, sondern um Gottes willen. Welcher Tiefstand der Selbstkenntniß! Welche Unredlichkeit gehört dazu! Man ermesse es an der Frau, die sagt “ich thue alles um meines Geliebten willen!” Es ist nicht wahr! ja selbst dies “um des G willen” thut sie um ihrem Triebe zu folgen und nicht seinem. Denn da würde sie handeln wie er: was unmöglich ist. Sie kann nur nach dem Bilde des Geliebten handeln, das sie sich von ihm macht: ihr Erzeugniß wird gewiß nicht = dem Geliebten, sondern ein Stück von ihr.
6 [119]
In jedem kleinsten Augenblick giebt es in uns eine absolute Nothwendigkeit des Geschehens. Könnten wir diese einsehen, so könnten wir sie für jeden Fall mit dem Namen unbedingter Pflicht belegen, wenn wir durchaus uns frei lügen wollten! Wir sagen: ich will, wo wir müßten: “ich muß”: und sagten voraus, was eben geschehen wird, mit der Miene eines Wahrsagers und Pflichthelden. Dies wäre die Spitze aller Verlogenheit. Glücklicherweise weiß man jene Causalität nie : und “ich will” heißt immer “wenn ich kann.” “Es ist meine Pflicht” heißt: “unter der Bedingung daß ich die Kraft habe, wird es gehen.” Der Sonne befehlen aufzugehen, wenn sie gerade aufgeht, das ist die Freiheit unserer Tugendhaften. Wenn wir fühlen, daß ein belobtes und beliebtes Motiv in uns wirkt, dann zu sagen “ich will”! (soll heißen: “ich befehle mir”)
6 [120]
da alle unsere Handlungen absolute Nothwendigkeiten sind, und ebenso absolute Unbekannte für uns, so ist jedes “du sollst unbedingt” in den Wind geredet. Weder können wir anders als wir müssen, noch können wir im Einzelnen controliren, ob etwas geschehen ist, was wir sollten.
6 [121]
Die unangenehmen, an sich leidenden Individuen sollen die Tendenz zum Staate, zur Gesellschaft, zum Altruismus haben! Und die angenehmen, sich trauenden Individuen sollen den entgegengesetzten Trieb von jener Moralität weg, haben! NB NB
6 [122]
Die Skepsis hat ihre Parallele: “lieber hungern als etwas Ekelhaftes essen.” Die Ansichten der Autoritäten sind uns ekelhaft geworden—lieber verhungern! Dies ist eine seltene Passion: die Skepsis ist eine Passion.
6 [123]
Zu wissen, “dies ist gesund, dies erhält am Leben, dies schädigt die Nachkommen”—ist durchaus noch kein Regulativ der Moral! Warum leben? Warum durchaus froh leben? Warum Nachkommen?— Gesetzt, es wäre dies alles angenehmer als das Gegentheil, sterben, krank sein, ohne Nachkommen isolirt sein: so wäre vielleicht irgend etwas angenehmer als diese Annehmlichkeiten z. B. das Gefühl seiner Ehre oder einer Erkenntniß oder einer Wollust, deretwegen wir das Sterben oder die Krankheit oder die Einsamkeit wählen müßten. Warum die Gattung erhalten? Man verweist uns an die Triebe: aber es giebt weder einen Trieb der Selbsterhaltung, noch einen Trieb der Gattungs-Erhaltung. Das Nicht sein könnte uns werthvoller scheinen als das Sein: dann hat die physiologische Ethik nichts zu sagen. Oder wir uns selber als der Staat die Gesellschaft, die Menschheit. Was bestimmt denn dies Wertherscheinen? Ein Trieb. Die Moral kann nur befehlen—d. h. durch Furchterregung sich durchsetzen (also mit Hülfe eines Triebes), oder sie kann mit Hülfe eines anderen Triebes sich legitimiren—sie setzt immer schon ihre unmittelbare Bewiesenheit und überzeugende Kraft voraus, sie kommt, wenn der Trieb und die Werthschätzung bestimmter Art schon da ist. Dies gilt von allen Ethiken. Auch ein Trieb, individuell zu leben, ist da: ich denke in seinen Diensten. Andere, die ihn nicht haben, werden zu nichts von mir verpflichtet werden können. “Pflicht” ist der Gedanke, durch den ein Trieb sich souverän über die anderen Triebe stellt—immer mit Benebelung des Verstandes! mit einem bestochenen Diener!
6 [124]
“Arrangire dich so, daß du das größtmögliche Glück von deinen Eigenschaften hast” das ist albern! Denn ohne allen Befehl: genau dies erreicht ein Jeder, er mag leben, wie er will—nämlich muß! Daß er Vorschriften und Kenntnisse des Nützlichen erlangt, erwerben will, verlernt, abweist, das alles ist ein nothwendiges Wirken seiner Natur. Die Moral kann nichts thun als Bilder des Menschen aufzustellen wie die Kunst: vielleicht daß sie auf diesen und jenen wirken. Sie kann sie, streng genommen, nicht beweisen. “Höher” und “tiefer”—das sind schon Illusionen unter dem Eindruck eines moralischen Musters. Diese Bilder nämlich wirken als Reize, entzünden einen Trieb und verführen den Intellekt, ihm zu dienen. Nun ist unser Intellekt schon in einer bestimmten Höhe, ebenso unser Geschmack: also werden wir sehr viele Bilder abweisen,—sie ekeln uns an: in einem gegebenen Augenblicke unserer Kräfte können wir nicht anders als diese Bilder nachahmen. Dieser psychologische Zwang erscheint uns oft als “Pflicht”: das Gefühl der unbedingten Nothwendigkeit, der Ausdruck der Causalität. Das innere Müssen. Z. B. in Hinsicht auf das Einmaleins, die Mechanik empfinden wir als Denker Pflicht, ebenso bei A = A : Menschen eines schlechten Intellekts fühlen hier den Zwang nicht. Natürlich ist dies subjektive Gefühl des Zwanges eben nur subjektiv. Viele Personen haben in nichts ein solches strenges Gefühl. Aber der Ekel, der uns befällt, beim Anblick von Maden, ist ein Zwang: einen solchen Zwang verschönern wir uns mit dem Worte Pflicht, wo wir genau wissen, daß gegenstrebende Zwange da sind.(??)
6 [125]
“Werde ein vernünftigerer freierer gefühlsvollerer, vollkommenerer Mensch, strebe nach der Vervollkommnung deiner Gattung?” Worauf dies Gesetz gründen? Auf den Nutzen des Individuums oder des Collectivums.
Manche sagen: alle Fähigkeiten entwickeln, indem man die welche Mittel und Organe sind denen unterordnet, die das eigentümliche Ziel der Menschen machen. Unsere Natur ist complex: man muß in ihr Thatsachen höherer und niederer Ordnung unterscheiden. Aber wodurch bin ich verpflichtet einem Ziele der Gattung zu folgen, wenn zufällig für mein Individuum die gewöhnliche Ordnung der Ziele und Mittel umgedreht ist? z. B. wenn ich mehr Hang zu den Freuden des Fleisches als denen des Geistes habe und einen eigenen Kopf, und das Bischen Geist eben das Mittel ist für meine Begierden? Hier hilft man mit metaphysischen Einfällen: die wahre Natur des Menschen, seine geistige Bestimmung und dergleichen.
“Du darfst ein Ziel wollen, wenn du es kannst.” Ohne diese Bedingung: heißt es dem Menschen ein unbedingtes Vermögen geben, eine Kraft ohne Bedingung. Eine unbedingte Pflicht implicirt ein unbedingtes Vermögen sie zu erfüllen: sonst ist es eine Pflicht für ein anderes Wesen als ich, eine in der Luft aufgehängte Pflicht.— Wer von Pflicht und Freiheit redet, setzt metaphysische Principien voraus.
6 [126]
Es ist unwahr, daß die Religion die Moral gegeben hätte—umgekehrt! Wir beweisen die Religion mit der Moral als wahr oder unwahr.
6 [127]
Unsere moralischen Triebe drängen den Intellekt, sie zu vertheidigen und absolut zu nehmen, oder sie neu zu begründen. Unsere Selbsterhaltstriebe treiben den Intellekt, die Moral als relativ oder nichtig zu beweisen. Es ist ein Kampf der Triebe—im Intellekt abgespielt. Der Trieb der Redlichkeit tritt dazwischen—nebst den Trieben nach Aufopferung, Stolz, Verachtung: ich.
6 [128]
“der Erde Lust, der Erde Weh zu tragen”
6 [129]
Unser nervöses Zeitalter prätendirt, daß eine ewige Erregtheit und Ungleichheit der Stimmung die großen Menschen auszeichne: sie wissen nichts von dem gleichmäßigen tiefen mächtigen Strömen nach einem Ziele zu: sie plätschern und machen Getöse und fühlen nicht die Erbärmlichkeit dieser launischen Erregbarkeit.
6 [130]
Der Intellekt ist das Werkzeug unserer Triebe und nichts mehr, er wird nie frei. Er schärft sich im Kampf der verschiedenen Triebe, und verfeinert die Thätigkeit jedes einzelnen Triebes dadurch. In unserer größten Gerechtigkeit und Redlichkeit ist der Wille nach Macht, nach Unfehlbarkeit unserer Person: Skepsis ist nur in Hinsicht auf alle Autorität, wir wollen nicht düpirt sein, auch nicht von unseren Trieben! Aber was eigentlich will denn da nicht? Ein Trieb gewiß!
6 [131]
Wie ein Baum sich entfalten kann, ist nur durch ein Musterexemplar zu beweisen. Ohne solches hat man keinen Begriff, ihn über das herkömmliche Maaß hinaustreiben zu wollen, und ist zufrieden. Die ausgezeichneten Menschen machen die anderen mit sich unzufrieden:
6 [132]
wie Sand zwischen den Zähnen
6 [133]
Ich höre den Ton eifersüchtiger Kater, in diesen neidischen Äußerungen
6 [134]
Der Moralist, der eine Moral gründen will, wird getrieben, einen letzten Zweck anzugeben. “Wenn ihr gesund sein wollt, so müßt ihr mäßig sein. Aber ihr müßt gesund sein wollen: denn es ist eine Bedingung, um glücklich zu sein oder um seine Ziele zu erfüllen oder usw.” Ein neues Ziel zeigt sich hinter jedem Ziele: und der Moralist endet, den Zweck des Daseins angeben zu müssen. Ich könnte sagen: Zwecke des Daseins giebt es nicht, also ist eine Moralität um einen Zweck des Daseins zu erreichen nicht möglich. Aber man glaubte an solche Zwecke: und folglich konnte man eine Moral mit Forderungen gründen. Zuletzt entstehen nothwendig Arten und Gewohnheiten des Lebens und üben einen Zwang aus, weil es unangenehm ist, ihm zu widerstreben.
6 [135]
“Pflicht” heißt: ein Ziel wollen nicht um eines anderen willen, sondern um seiner selbst willen: also ein absolutes Ziel. Der kategorische Imperativ, ein Befehl ohne Bedingungen. Darauf gründete Kant eine Metaphysik: denn giebt es ein Ziel ohne Bedingung, so kann dies nur das Vollkommene oder das unendliche Gut sein: gäbe es noch etwas Vollkommeneres, oder ein höheres Gut, so wäre es nicht ein Ziel ohne Bedingung. Also: eine metaphysische Annahme zu machen, wie Kant!
6 [136]
“Was ist das Gute für ein Wesen? Die Vollendung seines Zieles. Was ist das Ziel eines Wesens? Die Entwicklung seiner Natur.” Natur, Ziel, Gut eines Wesens—drei Fragen, die sich logisch nachziehen: so daß das Gut durch das Ziel, das Ziel durch die Natur bestimmt wird. Wenn man die menschliche Natur durch Beobachtung und Analyse kennt, kann man davon das Ziel, das Gut, das Gesetz des Menschen ableiten. Denn das Gute zieht den Gedanken der Verpflichtung nach sich. Vacherot.
Das heißt: das Ziel des Menschen ist die Entwicklung seiner Natur. “Mensch sein und nicht Pferd.” Das ist nichts. Da hilft man sich mit der “wahren Natur” einer Natur wie sie ihm sein soll, nicht wie sie ist.
6 [137]
Ein Trieb ist stärker als der andere und bringt ihn sich zum Opfer z. B. wenn eine Mutter für ein Kind hungert und sorgt. Ganz falsch mit Spencer hierin, in der Pflege der Brut und schon in der Zeugung eine Äußerung des altruistischen Triebes zu sehen: nicht daß es ein Anderes ist, macht einen Unterschied. Man opfert seiner Rache z. B. sein eignes Kind. Oder man opfert seinem Kinde seine Rache—je nachdem ein Gefühl stärker ist. Das Opferbringen hat nichts Altruistisches.
6 [138]
Wer sehr abweichend denkt und empfindet, geht zu Grunde, er kann sich nicht fortpflanzen. Somit könnte es für den Grad der Individuation eine Grenze geben. In Zeiten, wo sie peinlich empfunden wird, wie in unserer (und wie in aller bisherigen moralischen Geschichte der Menschheit), vererbt sich der Trieb dazu schlecht. In Zeiten, wo sie lustvoll empfunden wird, übertreibt sie sich leicht und macht die äußerste Isolation (und verhindert dadurch die allgemeine Fruchtbarkeit der Menschheit) Je ähnlicher, desto mehr nimmt die Fruchtbarkeit zu, jeder trifft auf ein genügendes Weibchen: also Übervölkerung im Gefolge der Moral. Je unähnlicher, desto —
6 [139]
Unsere Musterbilder sind construirt nach dem, was uns an uns das meiste Vergnügen machen würde, wenn wir es erreichten, und was wir andererseits für möglich (im Bereich unserer Kräfte und unserer Lage) halten, zu erreichen. Ein Überblick über unsere Lustempfindungen, und über unsere Kraft und den Prozeß nebst Bedingungen ist die Voraussetzung—eine hohe Leistung des Intellekts: meistens wird es eine Verzeichnung sein müssen! Deshalb lassen sich die Meisten ein Musterbild geben: und den Zwang dazu, es nachzubilden (“Pflicht,” eine Art geglaubter Kraft, anstatt einer erkannten) Das Verfehlen seines Bildes und die Verfehlung der Nachbildung macht viele schwere Unzufriedenheit—diese Malerei hat auch selten Meister. Man zeichnet sein Leben lang herum, um ein nachbildungsfähiges Muster zu erlangen: wir formen es nach dem, was wir erreicht haben und dekretiren es als das Muster—oft aus Verzweiflung.
6 [140]
Ehemals fragte man: ist der Gedanke wahr? jetzt: wie sind wir auf ihn gekommen? Welches war seine treibende Kraft? Entdecken wir
6 [141]
Die Zeugung ist eine oft eintretende gelegentliche Folge einer Art der Befriedigung des geschlechtlichen Triebes: nicht dessen Absicht, nicht dessen nothwendige Wirkung. Der Geschlechtstrieb hat zur Zeugung kein nothwendiges Verhältniß: gelegentlich wird durch ihn jener Erfolg mit erreicht, wie die Ernährung durch die Lust des Essens.
6 [142]
Die Verfeinerung der Intelligenz verfeinert auch unsere Bosheit, und die Lust am Intellekt giebt uns zuletzt auch Lust an der verfeinerten Bosheit der Anderen. Der Fortschritt besteht in dem Grade, als der Mensch Bosheit vertragen kann, ohne zu leiden.
6 [143]
Christus trug nicht nur Gott, sondern auch den Satan in seinem Busen: das ist die Gegenrechnung bei diesem moralischen Hyperidealismus: die absolute Verdammung des Menschen, das odium generis humani. Um die Menschheit eines solchen Opfers eines Gottes werth zu fühlen, mußte man sie in’s Tiefste verachten und vor sich herabwürdigen.
6 [144]
die Moralität ist eine Summe von Irrthümern, welche sich an die Triebe angeschmolzen haben, so daß wenn der Irrthum gesagt wird, der Trieb sich regt—übrigens wechselnd und ohne concordia. Diese Irrthümer beziehen sich auf das Handeln des Menschen vom Gesichtspunkt des Lobens- und Tadelnswerthen aus: und hinter Loben und Tadeln liegt die Voraussetzung, daß man den Zweck des Menschen kennt und ebenso daß man die Art des Handelns kennt und daß man an die Freiheit des Hs glaubt: ebenso daß man an die Identität der Menschen oder bestimmter Gruppen glaubt, also mit gleichwerthigen Pflichten und Handlungen: daß man wisse, was jenem letzten Zweck nützlich ist, was nicht. Es sind lauter Anmaaßungen des Intellekts. Aber die dadurch modificirten Triebe wollen ihre Befriedigung, und dies treibt Moralsysteme auch heraus, immer neue Versuche, diese Triebe nachträglich mit der Wahrheit im Einklang zu finden—während die naiven Menschen alle anderen Erkenntnisse nach den moralischen Trieben auf ihre Wahrheit hin messen. Das Grundvorurtheil ist:—“das Moralische allein ist wahr.”
6 [145]
NB NB. Es giebt keinen Selbsterhaltungstrieb—sondern das Angenehme suchen, dem Unangenehmen entgehen erklärt alles, was man jenem Trieb zuschreibt. Es giebt auch keinen Trieb als Gattung fortexistiren zu wollen. Das ist alles Mythologie (noch bei Spencer und Littré). Die Generation ist eine Sache der Lust: ihre Folge ist die Fortpflanzung d. h. ohne Fortpflanzung würde sich diese Art Lust und keine Art Lust erhalten haben. Die geschlechtliche Begierde hat nichts mit der Fortpflanzung der Gattung zu thun! Der Genuß der Nahrung hat nichts mit der Erhaltung zu thun!
6 [146]
Zu beweisen, daß egoistischer Herkunft sind a) die Liebe b) die Elternliebe c) der Wahrheitssinn d) die Gerechtigkeit. Allerdings ist die Voraussetzung, daß das Sinnenbild der Welt in allen Menschen nahe zu gleich ist, daß diese Art Irrthum mit höchster Gewalt sich vererbt hat.
6 [147]
Wir können aus allen unseren Kräften viele Gestalten formen, oder auch die Absenz der Gestalt. Es giebt eine gewisse künstlerische Freiheit in der Vorstellung unserer Muster, die wir erreichen können.
6 [148]
“Moralisches Gesetz, Pflicht, moralische Freiheit, Unverletzlichkeit, absoluter Respekt vor der Person”—alles uns verboten, damit darf man sich nicht nähren. Ebenso Zwecke der Menschheit, Zweck des Individuums—das ist nicht außer ihm zu bestimmen: es ist eine Annahme, ein mehr oder weniger willkürliches Programm—willkürlich in Bezug auf das Material, das zufällige Material seiner Kenntnisse von sich. —
6 [149]
Es giebt kein Gutes, kein Böses an sich. Die “allgemeinen Wahrheiten” der Moral wollten die Menschen einander identisch formen—durch tief mit den Trieben verbundene Irrthümer. Wie der patriotische Irrthum sie gleich macht in der Beschränktheit von Liebe und nationalem Haß.
6 [150]
“Die wahre Natur des Menschen”—verbotene Wendung!
6 [151]
Ich bin kein Mittel zu einem Zweck—es giebt in der Natur weder Mittel, noch Zwecke.
6 [152]
Es ist Unsinn, uns als Ursachen zu fassen—was wissen wir von Ursache und Wirkung!
6 [153]
Lust und Schmerz: ist es wahr, daß das individuellste Wesen von sich am meisten Lust hätte? Ja, und noch mehr, wenn es den Reiz von lauter individuellen Wesen um sich hat. “Wie aber verhindern, daß sie sich einander in die Sphäre greifen?” Aber warum verhindern! Es muß Feindseligkeit geben, damit das I ganz herrlich herauskommt, alle bösen Affekte müssen da sein. Die Moralität fortgedacht! Aber die zunehmende Erkenntniß, die zunehmende Lust aneinander, die überlegene Miene bei allen schlimmen Erlebnissen, die Ressourcen der vollen Individuen in Nothfällen, im Kampfe mit dem Unveränderlichen! Zuletzt: es giebt eben nur eine Zeit für das Aufblühen der Individuation—und vielleicht muß die Menschheit an der—Moral zu Grunde gehen.
6 [154]
“Du sollst nicht tödten”—aber fortwährend tödten wir die Gedanken und Produkte Anderer, es ist nöthig, fortwährend lassen wir in uns etwas sterben, damit etwas anderes lebe. Wie das Leben des Menschen mit einem fortwährenden Absterbenlassen Hand in Hand geht: die Menschheit muß sich immer häuten.
6 [155]
Der Geschlechtstrieb macht die großen Schritte der Individuation: für meine Moral wichtig, denn er ist antisocial, und leugnet die allgemeine Gleichheit und den gleichen Werth von Mensch zu Mensch. Er ist der Typus individueller Leidenschaft, die große Erziehung dazu: der Verfall eines Volkes geschieht in dem Maaße als die individuelle Passion nachläßt, und die socialen Gründe bei der Verheiratung überwiegen.— Die Scheidung der Geschlechter ist nicht fundamental, die Zeugung ist nicht essentiell geschlechtlich, und gehört nicht zum Wesen des Lebendigen. Es ist ein sehr starker Ausdruck der individuellen Lust; je höher die Wesen sind, um so stärker wird das Individuelle daran.
“Generation ist die Wiederholung einer Zelle durch sich selber, eine Verlängerung und Reproduktion” eine Art Überfülle, wo ein Theil der vollkommenen und reichlich ernährten Masse sich trennt und oft folgt eine Fortsetzung der Ernährung auch nach der Abtrennung.
Die Generation ist eine Folge der Ernährung.
6 [156]
Die Wurzel des Verstandes ist A = A? nein! A = B, der Glaube, daß zwei gleiche Dinge da sind. Die höchste Entwicklung des Verstandes geht darauf hin, es zu leugnen und sich selber somit anzuzweifeln und zu beschränken.
6 [157]
Ist das letzte Ziel die Lust oder die Pflicht? so fassen jetzt alle das Problem. Einige sagen, es sei die logische Identität.
Keine Handlung, die überhaupt möglich ist, ist ungereimt unlogisch im Sinne der Mathem Physiker und Mechaniker.
6 [158]
Sobald wir den Zweck des Menschen bestimmen wollen, stellen wir einen Begriff vom Menschen voran. Aber es giebt nur Individuen, aus den bisher bekannten kann der Begriff nur so gewonnen sein, daß man das Individuelle abstreift,—also den Zweck des Menschen aufstellen hieße die Individuen in ihrem Individuellwerden verhindern und sie heißen, allgemein zu werden. Sollte nicht umgekehrt jedes Individuum der Versuch sein, eine höhere Gattung als den Menschen zu erreichen, vermöge seiner individuellsten Dinge? Meine Moral wäre die, dem Menschen seinen Allgemeincharakter immer mehr zu nehmen und ihn zu spezialisiren, bis zu einem Grade unverständlicher für die Anderen zu machen (und damit zum Gegenstand der Erlebnisse, des Staunens, der Belehrung für sie)
6 [159]
Entwickle alle deine Kräfte—aber d. h. entwickle die Anarchie! Gehe zu Grunde!
6 [160]
Unsere Liebe zum Ideal ist die letzte Steigerung des Ernährungstriebes (ebenso Eigenliebe Eigenthumsliebe, das Bedürfniß der Macht, nach Mitteln für Leben und Gesundheit) L
6 [161]
Die Entwicklung des Geschlechtstriebes bis zur Höhe der Menschenliebe, des Mitleids, der Aufopferung—nicht ein feindliches, sondern das höchste Gefühl der Menschheit. Littré. Non! non!
6 [162]
Die Identität des einen Menschen mit dem anderen erkennen—soll Grundlage der Gerechtigkeit sein? Dies ist eine sehr oberflächliche Identität. Für die, welche Individuen erkennen, ist Gerechtigkeit unmöglich—ego.
6 [163]
Der Fortschritt der Moral bestünde in dem überwiegen altruistischer Triebe über egoistische und ebenso der allgemeinen Urtheile über die individuellen? Ist jetzt der locus communis. Ich sehe dagegen das Individuum wachsen, welches seine wohl verstandenen Interessen gegen andere Individuen vertritt (Gerechtigkeit unter Gleichen, insofern es das andere Individuum als solches anerkennt und fördert); ich sehe die Urtheile individueller werden und die allgemeinen Urtheile flacher und schablonenhafter werden. Ich sehe die altruistischen Triebe am stärksten beim groben Egoism der Thiere (es ist eine Gattung von Bejahung der eigenen Lust), der altruistische Trieb ist ein Hinderniß für die Anerkennung des Individuums, er will den Anderen als uns gleich haben und machen. Ich sehe in der staatlichen und gesellschaftlichen Tendenz eine Hemmung für die Individuation, ein Ausbilden des homo communis: aber der gemeine und gleiche Mensch wird nur deshalb so begehrt, weil die schwachen Menschen das starke Individuum fürchten und lieber die allgemeine Schwächung wollen, statt der Entwicklung zum Individuellen. Ich sehe in der jetzigen Moral die Beschönigung der allgemeinen Schwächung: wie das Christenthum die starken und geistigen Menschen schwächen und gleichmachen wollte. Die Tendenz der altruistischen Moral ist der sanfte Brei, der weiche Sand der Menschheit. Die Tendenz der allgemeinen Urtheile ist die Gemeinsamkeit der Gefühle, das ist ihre Armut und Mattigkeit. Es ist die Tendenz nach dem Ende der Menschheit. Die “absoluten Wahrheiten” sind das Werkzeug der Nivellirung, sie fressen die charaktervollen Formen hinweg.
6 [164]
der Geschlechtstrieb, drängt die Menschen von den anderen Menschen fort, er ist ein wüthender Egoism und keine Quelle socialer Gefühle—nicht altruistisch!!
6 [165]
Das Junge ist abhängig vom Erzeuger, ihm ähnlich, ihm verständlich, unterhaltend, sein Werk—mehr noch, es ist 1. nichts Feindliches, 2. nichts Fremdes, 3. nichts Todtes: diese letzteren negativen Gründe mögen erst den Reiz für das Junge geschaffen haben. Es gab so wenig oder nichts in der Welt, welches in diesen 3 Punkten ihm glich.
6 [166]
Die Redlichkeit in Betreff des Eigenthums nöthigt uns zu sagen, daß wir ganz zusammengestohlen sind, und daß wir allzustumpf und unfein hierin empfinden. Das Individuum hat einen falschen Stolz in Bezug auf Stoff und Farben: aber es kann ein neues Bild malen, zum Entzücken der Kenner—damit macht es sein Vergreifen an den Gütern der Welt wieder gut. Unsere Existenz so auffassen, daß wir etwas dafür zu leisten haben—nicht als “Schuld,” aber als Vorschuß und Schulden! Wir nähren uns von Allem, es ist billig, daß wir etwas zur Nahrung Aller zurückgeben. (Christus war nicht fein in diesem Gefühle, er theilte als Eigenes mit, was Andere vor ihm erdacht hatten)
6 [167]
Man leidet und verunglimpft Dinge und Menschen!. Eine schöne Art Rache zu nehmen!, indem wir unser Urtheil schädigen! Wir sind es, die an uns selber die Rache üben, wenn wir Anderes verunglimpfen und ihm schaden. Wir trüben unsere Seele, gewöhnen sie an das Falschsehen—und endlich
6 [168]
Edel: bezeichnet, einer Auswahl angehören, Ausnahme sein. Für andere sich opfern ist ein Gelüst, mit dem man zur Ausnahme wird. In Hinsicht auf alle Anderen, welche dasselbe thun, ist man aber nicht edel, sondern gemein. Unter den “Guten” ist das Gute nicht als individuell taxirt, sondern als Regel, und wird deshalb nicht angestaunt, nicht gelobt.— Einige sehnen sich nach einer Gemeinschaft, wo ihr Individuellstes als Regel empfunden wird, wo es aufhört I zu sein. Andere sind wüthend bei der Vorstellung solchen Gemeinwerdens. Die Ersten leiden an dem Fatum ihrer Einzigkeit, die Anderen genießen ihre Einzigkeit. Andere merken sie gar nicht.
6 [169]
Zwei Interessen für Sachen: 1. zu wissen, was sie sind 2: was daraus zu machen ist.
6 [170]
Im Ganzen habe ich, wie blind im Wasser schwimmend, mich der Reihe nach der mir nöthigen Nahrung genähert: Schärfung des Intellektes, nachher Aufschwung und Aufopferung des Selbst, nachher Gerechtigkeit und Selbstständigkeit, nachher umsichtige Milde gegen alles Selbständige usw. Nicht mit Urtheil: sondern das Übermaaß trieb mich immer wieder davon und der neue Geschmack that mir wohl. Der Schmerz lehrte mich, die verstreute Freude in dem Dasein würdigen, die Partei lehrte mich die Einsamkeit: der Gelehrte in mir trieb mich den Künstler zu verstehen usw.
6 [171]
Goethes vorsichtige Haltung zur Musik: sehr vortheilhaft, daß die deutsche Neigung zur Unklarheit nicht noch einen künstlerischen Rückhalt bekam.
6 [172]
der angenehme Schauder beim Glockenton
6 [173]
Diese handeln ganz egoistisch, aber ihr moralisches Urtheil ist erzogen, alles sofort unter dem Gesichtspunkt des Löblichen und Tugendhaften zu sehen: sie sind vollendet in ihrer Unredlichkeit gegen sich und präsentiren in der Gesellschaft das “gute Gewissen.” Andere sind höher, aber ihr Urtheil ist pessimistischen Gewohnheiten hingegeben, sie legen sich alles egoistisch aus und sie verachten alles Egoistische. Ihre edelsten Handlungen hinterlassen in ihnen einen Bodensatz von Ekel. Es sind die, welche an eine Tugend glauben, die es nicht giebt und geben kann! Sie sind redlich, aber haben von ihrer Redlichkeit nur Qual, und Ekel an sich: weil ihr Lustgefühl auf Handlungen beschränkt ist, deren sie selber sich nicht fähig wissen: aber sie schließen, es müßten Anderen diese Handlungen möglich sein: was nicht wahr ist. Der welcher sagte “ich habe das Gesetz erfüllt” war gewiß nicht sehr anspruchsvoll in der Ausdeutung desselben und kein Grübler.
6 [174]
“Du sollst nicht stehlen!” Aber wo hört denn das Eigenthum auf? Ein Gedanke, ein Antrieb, ein Gesichtspunkt, der Ausdruck eines Bildes, eines Gebäudes, eines Menschen—ist es nicht alles Eigenthum? Und alles stehlen wir fortwährend. Wir stehlen alle Dinge und Sonnen in uns hinein, wir tragen alles für uns fort, was da ist, ja ehemals geschehen ist. Wir denken nicht an die Anderen dabei. Jeder individuelle Mensch sieht zu, was er alles für sich bei Seite schaffen kann.
6 [175]
Die höhere Natur ist unvernünftiger als die gemeine, und hat einige Lust- und Unlusttriebe so stark, wie jener sie kaum glaublich sind. In Bezug auf diese pausirt ihr Denken mitunter oder tritt ganz in den Dienst. Man spricht von Leidenschaft; ihre Befriedigung ist ihr wichtiger als das Leben. Aber so auch die Trinker die Wollüstigen die Rachsüchtigen. Es muß das Objekt der Leidenschaft sein, was sie adelt und zum Zeichen der höheren Natur macht. Nicht Essen Trinken Wollust: sondern Dinge, welche selten stark empfunden werden z. B. Gedanken, Erkenntniß, das Wohl einer Stadt, eines Staates, der Menschheit, das Heil der Seele, das Glück Anderer. Also etwas, das gewöhnlich kalt läßt, ist hier Objekt der Leidenschaft—das macht die höhere Natur: ihr Geschmack richtet sich auf Ausnahmen. Es ist der individuelle Geschmack, der hier hervortritt: zu begreifen ist so eine Leidenschaft nicht, so wenig das Individuum zu begreifen ist. Die höhere Natur hat eine Singularität der Passion: sie ist nicht gemein, folglich nicht berechenbar. Ihre Unvernunft ist hierin groß; sie bringt einer Sache die größten Opfer, für die sie allein ein Werthmaaß hat: sie kehrt sich nicht an das Werthmaaß Anderer. Also: ein singuläres Werthmaaß im Gefühle haben macht die höhere Natur: entweder andere Dinge schätzen als geschätzt werden oder Dinge anders schätzen als sie g W.— Die gemeinen Naturen glauben nicht an die Verschiedenheit der Maaßstäbe d. h. sie glauben nicht an Individuen? “Ich glaube an Individuen”—so die höhere Natur?— Und sie betrügt sich oft, insofern sie individuelle Urtheile und Maaßstäbe bei Anderen voraussetzt und nicht jenen praktischen Kniff in der Hand hat, sie als Niveau-menschen zu verstehen (: wie Napoleon, der selber ein solcher war).
Eine Unterart: höhere Naturen, welche überall ihr eigenes Individuum, und ihren Maaßstab des Gefühls voraussetzen, ihre eigene Geschichte also—und nicht das Individuelle anerkennen, ebenso wenig als sie das Gemeine verstehen (z. B. Christus). Sie wissen sich selber nicht als individuell.— Die andere Art: sie wissen sich individuell, sie verstehen Individuen, aber sehen nur die Gemeinheit—diese müssen sie lernen. Vielleicht haben sie selbst die Gluth dafür, die Gemeinheit zu ergründen—es ist eine mögliche Passion (La Rochefoucauld?)
6 [176]
Fortwährend ist eine Bewegung da zur Bildung von Gattungen, von Menschen mit gemeinsamem Gepräge: Städte Staaten Culturen arbeiten darauf hin. Die Statistik ist der Beweis. Die abweichenden Übergangsnaturen (zwischen zwei Gattungen) oder die entartenden sind die individuellen oder die Versuche, innerhalb der Gattungen eine Species aufzustellen.
6 [177]
“Man ist nicht das, was man immer ist, man ist das, was man sehr oft ist” Rémusat.
6 [178]
Also: nicht das Aufopfern macht den Edlen, damit gehört er erst in die Kategorie des Leidenschaftlichen (wie z. B. der rasend Wollüstige sich aufopfert) es giebt niedrige Leidenschaften d. h. gemeinsame und höhere individuelle. Der Edle opfert hier eine individuelle Leidenschaft: nicht daß er für Andere sich opfert, macht ihn edel, sondern die Seltenheit dieses Triebes für Andere—eine individuelle Sonderheit, wie viele andere Sonderheiten, die auch edel machen.
6 [179]
Das Christenthum verlangte eigentlich nichts als ein intellektuelles Opfer: daß an Christus geglaubt werde.— Wer solchen Werth darauf legt, daß an ihn geglaubt werde, daß er den Himmel dafür garantirt—muß einen furchtbaren Zweifel gehabt haben? Oder?
6 [180]
Die geflügelte Göttin, die auf einen ehernen Schild deine That einschreibt und welche die Menschen anbeten
6 [181]
dieser kann die Verwandtschaftsgrade nicht fassen, geschweige daß er ein feines Gefühl der Verpflichtung für die verschiedenen hätte! ego
6 [182]
Das Peinlichste für mich ist, mich vertheidigen zu müssen. Dabei werde ich inne, daß ich erst meine Art zu sein mit der Anderer vergleichen müsse und daß ich ihr verständliche Motive unterschieben müsse: daran nicht gewöhnt, weiß ich, daß es mir mißlingt. Ja jede Präsentation meines Bildes durch Andere setzt mich in Verwirrung “das bin ich ganz gewiß nicht!” ist meine Empfindung; wenn ich mich bedanken wollte, erschien ich mir unredlich.
6 [183]
Die Lehre der Mäßigung ist eine Beobachtung der Natur, was hoch und stark werden soll, muß seine Kraft immer wie ein Capital vergrößern und darf selber davon nicht leben wollen.
6 [184]
Unsere Gedanken sind als Gebärden anzusehen, unseren Trieben entsprechend, wie alle Gebärden. Darwins Theorie ist heranzuführen.
6 [185]
Wie streng ist man gegen Calvin wegen Einer Hinrichtung! Und Christus verwies alle, die nicht an ihn glaubten, in die Hölle—und Menschen, noch furchtbarer als er, fügten hinzu: “mit rückwirkender Kraft.”
6 [186]
Es giebt eine gierige und athemlose Art zu denken. Auch hier ist Moralität nöthig
6 [187]
Die Unabhängigkeit ist kein Genuß mehr, wenn ihr der Stachel fehlt.— Und bei der absoluten Unmöglichkeit eines Blicks auf die Unabhängigkeit verliert die Abhängigkeit ihr Unangenehmes. So bei der Unfreiheit des Willens—wir haben den Stachel der uralten Illusion abzubrechen! dann sind wir ganz froh und zufrieden.
6 [188]
“Das Bedürfniß über seinen Herrn Illusionen zu unterhalten, weil die menschliche Eitelkeit nicht liebt, zu erröthen über den, dem man sich unterworfen hat”
6 [189]
Ein Reich ganz unmenschlicher Necessität enthüllt sich immer mehr! Endlich lachen wir selber mit, zu sehen, wie wir ehemals mit unseren Trieben und Triebchen das zu ersetzen und verstehen meinten, mit Neigung und Haß, Wille oder Zweck usw. Die Welt als eine Menschen-Welt ist uns ein Gelächter geworden: wie die Astrologie. Unsere Stellung zu dieser Welt möglichst pathetisch einzunehmen war das Bestreben aller Philosophen: die Idealisten zuletzt wußten uns zur Hauptsache zu machen und die Welt zu einer Art Erzeugniß von uns: als ob der Spiegel sagte: “ohne mich ist nichts, ich bin der Urheber.” Zuletzt sind wir selber in das ungeheure System eingeflochten und bewegen uns in ihm: immer aber bleibt uns noch genug des Unerkannten an uns, und das bleibt der Tummelplatz unseres Hochmuthes. Ja, nachdem wir so viel von der Position des Menschen in der Welt preisgegeben, findet auf dieser letzten Stätte ein Kampf um die “höchsten Rechte der Menschheit,” einer um Leben und Tod statt. Es ist der ganze Stolz, und alle Triebe dienen ihm dabei! Der höhere Werth der Moralität wird kühn dem ganzen Weltgesetz entgegengesetzt, und menschliche Ziele als Ziel der Welt gesetzt. Mit “gut” und “schön” und “wahr” meint man die Ausnahmestellung, seine Göttlichkeit bewiesen zu haben: die Wissenschaft im Dienste der alten Triebe kämpft und vertheidigt den Gott im Menschen, nachdem sie ihn sonst hat fahren lassen—den freien Gott.
6 [190]
Napoleons Streben gieng nach Macht: er hätte den Frieden vorgezogen, wenn der ihm Vergrößerung der Macht geben würde.
6 [191]
Niemals sich lieben lassen, sondern wo man nicht den Impuls der Gegenliebe fühlt, dann die Liebe des Anderen verhindern, und wenn es nöthig wäre, ihn zu verspotten, ja uns vor ihm zu erniedrigen! Künstler (und Weiber!) werden durch nichts gemeiner als durch das Sich-lieben-lassen. Wir sollen verhindern, daß wir das Ideal eines Anderen werden: so vergeudet er seine Kraft, sich selber sein ganz eigenes Ideal zu bilden, wir führen ihn irre und von sich ab—wir sollen alles thun, ihn aufzuklären oder wegzustoßen.— Eine Ehe eine Freundschaft sollte das Mittel sein, das seltene!! unser eigenes Ideal durch ein anderes Ideal zu stärken: wir sollten das Ideal des Anderen auch sehen und von ihm aus das unsrige!
6 [192]
Wo sind die großen Seelen hin? Was man jetzt so nennt—da sehe ich nicht mehr als Menschen, die mit einem ungeheuren Aufwand von Kraft vor sich selber Komödie spielen, vor sich selber Effekt machen wollen, und mit einer kaum erdenklichen Gier nach dem Publikum hinhorchen, weil dessen Applaus und Vergötterung ihnen selber den Glauben an sich geben soll. Ihre Wirkung auf Andere ist für diese durch allzugroße Anstrengung immer Erschöpften eine Kraftbrühe. Es ist eine Krankheitsgeschichte!
6 [193]
In Frankreich hat jede persönliche Beziehung (Liebe Freundschaft) eine Tagesgeschichte. “Beständig veränderlich”—sonst langweilig. Dies wäre für Italiener eine Marter, sie haben das ruhige Vertrauen, wie Kühe—die geringste Nuance, die sie wahrnehmen—die meisten würden sie nicht wahrnehmen—bringt sie fast um. St
6 [194]
“Mist thut mehr Wunder als die Heiligen”—Sicilien.
6 [195]
In Deutschland fehlt alle moralische Erziehung.
6 [196]
Schweigen lernen und weggehen lernen. Überall wo ein bestimmter Widerspruch zum Leben gehört und unserem Wesen die Luft nimmt, soll man weggehen.
6 [197]
“das Gefühl der Wasserwage und des Perpendikels, das uns eigentlich zu Menschen macht und der Grund aller Eurythmie ist” Goethe
6 [198]
Es giebt nichts Alberneres als jemanden in dem zu verhöhnen, was die Tüchtigkeit seines Berufs z. B. des Gelehrten ausmacht: wie es die verwöhnten Kinder, die Künstler sich erlauben.
6 [199]
Wirkliche Größe des Charakters bei einem Musiker hat nur S. Bach.
6 [200]
der kaufmännische Geist hat die große Aufgabe, den Menschen, die der Erhebung unfähig sind, eine Leidenschaft einzupflanzen, die ihnen weite Ziele und eine vernünftige Verwendung des Tages giebt, zugleich aber auch sie so aufbraucht, daß sie alles Individuelle nivellirt und vor dem Geiste wie vor einer Ausschweifung schützt. Er bildet eine neue Gattung Menschen welche die Bedeutung haben wie die Sklaven im Alterthum. Daß sie reich werden, giebt ihnen so lange Einfluß, als die Geistmächtigen ihren Vortheil nicht kennen, und Politik machen wollen. Dieser Arbeiterstand zwingt auf die Dauer die höheren Nat sich auszuscheiden und eine Aristokratie zu bilden. Einstweilen gehören die Künstler und Gelehrten zu diesem Arbeiterstande, sie dienen ihm, weil sie viel Geld wollen. Die Unfähigkeit der Muße und der Leidenschaft ist Allen zu eigen (folglich eine große Affektation von beiden bei den Künstlern, weil diese durch etwas Ungewöhnliches unterhalten wollen) Das Geldinteresse zwingt ihnen ein politisches Interesse auf, und dies ein religiöses Interesse: sie müssen Theile von sich selber in Abhängigkeit und Respekt erhalten—deshalb die englische Bigotterie, als die des kaufmännischen Geistes.
6 [201]
Was sich—nicht vererbt, ist noch wichtiger für die Crystallisation des Charakters als was sich vererbt. Ein edler Charakter d. h. eine Anzahl Gewohnheiten Gesichtspunkte nicht zur Hand haben, die Anderen bequem sind.
6 [202]
Wenn wir essen spazierengehen gesellig oder einsam leben, es soll bis ins Kleinste die hohe Absicht unserer Leidenschaft uns dabei bestimmen, und zwar so daß sie die Vernunft und die Wissenschaft in ihren Dienst genommen und mit tiefer Gluth die gerade für sie passenden Weisungen von ihr abfragt. Nicht blind seinen wenn auch großen Trieben folgen: sondern die ganze bisherige Erkenntniß heranziehen: so allein denkt man hoch genug von sich: Alles, was bisher erkannt wurde, ist werth deiner Leidenschaft zu dienen. Wer sich leicht mit der Wissenschaft abfindet oder phantastisch wird bei ihrem Gebrauche, hat nicht die Tiefen untrüglicher Ehrfurcht vor seiner Leidenschaft, der kein Opfer zu groß ist. Unser Wesen auf die ganze Welt bisheriger Erfahrungen der Menschheit stützen!— Ihr macht Partei und übt Liebe und Haß—hättet ihr mehr Ehrfurcht vor eurem Werk, hieltet ihr es ernstlich für eine wichtige Angelegenheit, so würde ihr Grauen empfinden, euer Urtheil so zu blenden, ihr müßtet mit Gluth die Erkenntniß befragen und über euch selber redlich werden. Die Leidenschaft treibt uns immer wieder aus unserer Ruhe hinaus: unser Ideal will immer höhere Bestätigungen und Opfer, und dadurch selber immer wachsen und sich reinigen.— Ihr seid in euch verliebt, aber es ist eine vorübergehende Laune, ein kleines Stückchen Geschlechtstrieb, ihr ahnt es auch, daß man Launen mit Launen befriedigen muß, ihr seid nur beliebig! Oder ihr seid ehrgeizig verliebt in euer Ideal und thut für dasselbe alles, was unter Menschen Aufsehen und Ansehen macht, es ist euch Öffentlichkeit eurer Leidenschaft nöthig, im Stillsten und Geheimsten langweilt ihr euch dabei. Ihr schafft euer Werk, aber das Spiegelbild eurer selbst in den Köpfen Anderer ist das Ziel, das hinter dem Werke steht, es ist ein Vergrößerungsglas, das ihr den Anderen vor die Augen haltet, wenn sie nach euch hinblicken!— Viele machen ihr Werk ordentlich, wie sie es gewöhnt worden sind bei strengen Lehrern, sie sprechen von Pflichtgefühl und fordern Pflicht—aber sie haben einen Gewissensbiß, denn sie sollten nur etwas Außerordentliches thun!
6 [203]
Nicht daß wir den Menschen helfen und nützen wollen: nein, daß wir Freude haben an den Menschen, das ist das Wesentliche am sogenannten guten Menschen und an der Moralität. Es ist das Neue, das Späterreichte. Unsere “guten Handlungen” verstehen sich bei dieser Freude von selber: wenn wir sie nicht fürchten und nicht anfeinden und doch zahllose Relationen zu ihnen haben, so können dies keine anderen sein als solche, welche unsere Freude an ihnen vermehren d. h. wir bemühen uns, sie im Streben nach stilisirter Individualität zu fördern, mindestens den Anblick des Häßlichen (Leidenden) zu beseitigen. Liebe zu den Menschen?? Aber ich sage: Freude an den Menschen! Und damit diese nicht unsinnig ist, muß man helfen, daß es das giebt, was uns erfreut.— Man sieht: die Redlichkeit über uns und die Anerkennung der fremden Natur, die Geschmacksentwicklung, welche den Anblick schöner freudiger Menschen nöthig hat, muß vorausgehen. Hier findet eine Selection statt: wir suchen die aus, die uns Freude machen und fördern sie und fliehen vor den Anderen—das ist die rechte Moralität! Absterbenmachen der Kläglichen Verbildeten Entarteten muß die Tendenz sein! Nicht aufrechterhalten um jeden Preis! So schön die Gesinnung der Gnade gegen die unser Unwürdigen ist, und das Helfen gegen die Schlechten und Schwachen—im Ganzen ist es eine Ausnahme, und es würde die Menschheit dabei im Ganzen gemein werden (wie z. B. durch das Christenthum) Immer ist auf die natürlichen Triebe zu bauen: “Freude zu machen dem, der uns erfreut, und Leid dem, der uns verdrießt.” Wir vertilgen die wilden Thiere, und wir züchten die zahmen: dies ist ein großer Instinkt. Wir entarten selber beim Anblick des Häßlichen und der Berührung mit ihm; Schutzdämme aufwerfen! Es nivelliren zu einer Nutzbarkeit! und dergleichen.
Wenn man nur mit denen verkehrt, deren Berührung uns erfreut und erhebt, so werden sich Gruppen und Schichten bilden, die wiederum in einem solchen Verhältniß von näherer oder fernerer Entfremdung stehen. Dies ist sehr gut, ein nothwendiger Bau der Gesellschaft, aus Redlichkeit!
6 [204]
An sich sind die Triebe weder gut noch böse für die Empfindung. Aber es bildet sich doch eine Rangordnung, dadurch daß die Befriedigung einiger mit Furcht verbunden ist, und diese stehen im Gefühle niedriger als die welche lustvoll sind. Dieser Gradunterschied wird im moralischen Urtheil zu einem Gegensatz. Wenn ein Trieb immer mit dem Gefühl des Verbotenen und der Angst befriedigt wird, so entsteht eine Aversion vor ihm: wir halten ihn nun für böse. Wir haben eine Nebenempfindung untrennbar an ihn geknüpft, es ist eine Einheit entstanden. “Eine böse Handlung.” Wer sich nichts verboten fühlt und alles thut, was er will, der weiß nichts von gut und böse. Wer sich vieles verboten fühlt und nichts davon thut, fühlt sich gut, gleichgültig wer verbietet, ob einer die Gewalt über uns hat oder wir selber!—der vollkommene Mensch verbietet sich sehr viel (unendlich mehr als Andere ahnen können!) und fühlt sich deshalb gut: es ist die kunstvoll gebändigte und umgedeutete Natur: denn sie ist werdend, und nicht um Einmal bauen oder Niederreißen handelt es sich—es ist ein schwebender Garten.
6 [205]
Man soll durchaus nicht in Verhältnissen bleiben, wo unsere kleinlichen Erregungen täglich geübt werden—es ist der stärkste Grund, eine Ehe, eine Partei, eine Freundschaft zu lösen, ein Amt aufzugeben. Wenn du in der Einsamkeit groß bist, so wisse, daß du dich anderwärts verdirbst. Machtvolle Milde—wo diese Stimmung dich ergreift, da bist du in dir—und dort gründe dein Haus!
6 [206]
Ich rede nicht zu den Schwachen: diese wollen gehorchen und stürzen überall auf die Sklaverei los. Wir fühlen uns Angesichts der unerbittlichen Natur immer noch selber als unerbittliche Natur!— Aber ich habe die Kraft gefunden, wo man sie nicht sucht, in einfachen milden und gefälligen M ohne den geringsten Hang zum Herrschen—und umgekehrt ist mir der Hang zum Herrschen oft als ein inneres Merkmal von Schwäche erschienen: sie fürchten ihre Sklavenseele und werfen ihr einen Königsmantel um (sie werden zuletzt doch die Sklaven ihrer Anhänger, ihres Rufs usw.) Die mächtigen N herrschen, es ist eine Nothwendigkeit, sie werden keinen Finger rühren. Und wenn sie bei Lebzeiten in einem Gartenhaus sich vergraben!
6 [207]
Fehler in der Sorrentiner Landschaft.— Oelbäume schöner als die Orangen.
6 [208]
Temperanz-Bewegung nöthig für Deutschland: die große Mehrzahl der Verbrechen stehen mit Alcohol in Verbindung und ebenso die, Selbstmorde!
6 [209]
Kein deutscher Künstler hat bisher genug Geist gehabt, um seine Praxis zu erklären: die klügsten haben nur verstanden, sie zu beschönigen, wie als ob sie ein schlechtes Gewissen hätten: thatsächlich haben sie ihre Wirkung verdorben, insofern sie ihre Beschränktheit in die Wagschale warfen, ihre Werke sanken dadurch etwas und übten Einfluß auf die geringeren Nachahmer. Begreift man nämlich die Tendenz einer Kunst als eine persönliche Verherrlichung oder Apologie oder Versteckspielerei, so greifen viele nach ihr, die es nöthig haben, ihre Natur zu verherrlichen oder zu verstecken.
6 [210]
Handlungen, die eine lange Zeit als Ausnahmen empfunden werden und Ehre bringen, werden endlich Übung und gelten dann als anständig. Ebenso könnte die Redlichkeit in Betreff alles Wirklichen einmal Anstandssache werden, und der Phantast einfach als unanständig außer Betracht kommen.
6 [211]
In diesem Jahrhundert haben sich die Franzosen einen Geschmack an der Malerei anerzogen (durch Zeichnen), der dem vorigen Jahrhundert fehlte. Die Italiäner haben ihr Ohr für den Gesang verloren, die Deutschen haben politische Leidenschaft gelernt, die Engländer haben sich an die Spitze der Wissenschaft gestellt.
6 [212]
Unsere Triebe widersprechen sich häufig, darüber ist nichts zu wundern! Vielmehr wenn sie harmonisch sich auslösten, das wäre seltsam. Die Außenwelt spielt auf unseren Saiten, was Wunder, daß diese oft dissoniren!
6 [213]
Nach Austerlitz war der Krieg mehr das Resultat seines Systems als der Zug seines Geschmacks:
6 [214]
Junge Menschen, deren Leistungen ihrem Ehrgeize nicht gemäß sind, suchen sich einen Gegenstand zum Zerreißen aus Rache, meistens Personen, Stände, Rassen, welche nicht gut Wiedervergeltung üben können: die besseren Naturen machen direkten Krieg; auch die Sucht zu Duellen ist hierher gehörig. Das Bessere ist, wer einen Gegner wählt, der nicht unter seiner Kraft und der achtungswerth und stark ist. So ist der Kampf gegen die Juden immer ein Zeichen der schlechteren, neidischeren und feigeren Natur gewesen: und wer jetzt daran Theil nimmt, muß ein gutes Stück pöbelhafter Gesinnung in sich tragen.
6 [215]
Das Ende aller großen Denker und Künstler ist düster, bei denen die Redlichkeit gegen sich immer abgenommen hat. Das freudige Ausleben und Hineinströmen in die andere Welt fehlt ihnen.
6 [216]
Die Meinungen der Menschen ebenso nothwendig wie ihre Handlungen—aber deshalb nicht “für sie wahr”! Nur eine ungeheure Art, über sich hinaus zu gehen und andere Denkweisen in sich aufzunehmen, giebt uns die Möglichkeit, zwischen wahr falsch zu unterscheiden. Das Ideal: eine Meinung, die unabhängig ist von jedem Persönlichen und deren Schranke eben nur noch “der Mensch” ist. Es sind die Meinungen, die “dem Menschen” am nützlichsten sein müssen, seine strenge Relation zu den Dingen (deren Narr er nicht mehr ist.)
Auf die Dauer muß die Menschheit jeden Irrthum furchtbar büßen—denn damit er aufrecht erhalten bleibe, muß eine hundertfache Fälschung anderer Dinge eintreten (Nicht-einsehen-wollen d. h. Verschlechterung der Redlichkeit, Abnahme des Intellekts, Zunahme der Gefährlichkeit des Lebens —
6 [217]
“zu dem kolossalen Schwulst der Pozzo und Bibiena hatte seit 1730 niemand mehr die erforderliche Leidenschaft und Phantasterei.” J B
6 [218]
Unter allen, die sich um Gründung und Verbreitung von Religionen verdient gemacht haben, hat es noch keinen ausgezeichneten Kopf und ebenso wenig einen redlichen Menschen gegeben. Diese großen Massen-Leidenschaften sind von den gröbsten Köpfen, solchen die blinden Glauben an sich haben, wie die Thiere, gemacht worden.
6 [219]
Die Kraft hat die Milde.
6 [220]
das Verlangen nach den Genies wie nach Kraftbrühen.
6 [221]
der kaufmännische Geist und sein Produkt
6 [222]
der Geschmack der englischen Gartenkunst—“die freie Natur mit ihren Zufälligkeiten nachahmen” J.B.—ist der ganze moderne Geschmack. Solche Menschen wollen die Dichter: während ein anderes Ziel ist, die Menschen “den Gesetzen der Kunst dienstbar machen.” Gegen die elegische Natursentimentalität NB diese habe ich mir abzugewöhnen. “Der Contrast der freien Natur, welche von außen in die italiänischen Gärten hineinscheint” J.B. Grundbedingung des Eindrucks. Solche Menschen des Stils wirken am stärksten unter einer halbwilden Umgebung.
6 [223]
Bei der Liebesleidenschaft kann man sehen, wie weit die Redlichkeit vor uns selber fehlt: ja man setzt das voraus und gründet darauf die Ehe (mit Versprechen, wie sie kein Redlicher gegen sich geben kann!) So früher bei der Treue von Untergebenen gegen Fürsten oder gegen das Vaterland, oder die Kirche: man schwor die Redlichkeit gegen sich feierlich ab!
6 [224]
Wir sind geneigter, von den Dingen das zu glauben, was uns angenehm ist. Die Thiere, welche dazu weniger streng geneigt sind, die vorsichtigen, erhalten sich besser. Die Furchtsamkeit ein erster Schritt der Redlichkeit.
6 [225]
Man sagt “Fortschritt,” meint aber Entwicklung d. h. Werden und Vergehen. Auch das V können wir nur als ein Fortschreiten empfinden: denn es ist mit Lust verknüpft, wie alle Entwicklung. Nur die Hemmung der Entwicklung macht Schmerz.
6 [226]
Jene spitzigen Geschöpfe welche selbst ihr Wohlwollen nicht ohne Stiche äußern können.
6 [227]
Es bedarf unendlicher Verstellung, um ein liebevoller Mensch zu werden.
6 [228]
Werth der Wissenschaft und Reiz derselben, gegen die Verstellung. Nimmt man sie halb, so versteht man ihren heroischen Zauber nicht.
6 [229]
Wenn in die Seele eines Kindes in einer abergläubischen Umgebung und Zeit der Gedanke fällt “du bist der Sohn Gottes” und es früh an durch die Frömmigkeit seiner Mutter belehrt wird, daß dieser Gott heilig ist und Heiligkeit will: dazu ein sanftes Temperament und eine glühende visionäre Phantasie, ein durch Enthaltsamkeit und Einsamkeit erzogenes Vertrauen zu sich selber: so einer kann zum Glauben sündlos zu sein kommen, sobald er als Sohn Gottes sich glaubt und somit seinen eigenen Befehlen gehorcht—sublime Art des Stolzes. Als Gesetzgeber ist er dem Gesetz überlegen, er kann Höheres darüber hinaus zeigen, es vollenden: wie ungereimt für ihn, etwas zu thun, das wider seine fixe Idee geht! Von dieser Höhe aus sehnt er sich nach Liebe—die Menschen sollen an ihn glauben: dies ist das Einzige was ihm fehlt, und dafür will er ihnen alles geben, was er kann z. B. Gottes Gnade. Die: Kinder, die Armen, die Dummen, die Verachteten, die sich selber Verachtenden sind seine Lieblinge. Er dichtet sich seinen Gott nach seinem Bilde, so daß er Liebe erweisen kann als Gott: er eliminirt und schwächt Vorstellungen, aus denen ein anderer Gott sich ergiebt. Seine Redlichkeit gegen sich ist sehr gering, er hat weder in Bezug auf seinen Glauben als Gottessohn ein feines Gewissen, noch in Bezug auf seine Erkenntniß der Natur und des Menschen. Er belügt sich, ganz im Dienste seiner Leidenschaft: was er nicht kennt, schätzt er nicht, er behandelt sich als Maaß der Dinge, mit der Unerfahrenheit eines einsamen Schäfers, der nur Schafe um sich hat. Sein wunder Punkt ist, daß die Menschen ihm nicht glauben wollen, während er sich selber glaubt: und hierbei wird seine Phantasie grausam und düster, und er dichtet die Hölle für die, welche nicht an ihn gl. Sein Mangel an Bildung schützt ihn davor, sich die Entstehung einer Leidenschaft vorzustellen und sich selber einmal objektiv zu sehen: er steht nie über sich (wie z. B. Napoleon) Das Furchtbarste, ewig Unsühnbare der Menschen wurde das Verschmähen seiner Liebe—dies ist ein gemeiner Zug. Ebenso seine Verdächtigung der Reichen, des Geistes, des Fleisches—seine Milde und Nachsicht ist kurz und ganz egoistisch.
6 [230]
Bei Erzählern vermeiden die feineren, die Erlebnisse ihrer Helden selber in’s Ungeheuerliche, Criminalistische Grobe zu steigern: vielmehr erniedrigen und glätten sie die Ereignisse und zeigen, was feinere Naturen schon an diesem Wenig zu leiden haben: oder daß hier erst ihre Erlebnisse anfangen: für grobe Naturen giebt es da keine Probleme.— Daß man seinem Helden gegenüber festhält, er sei nicht non plus ultra, sondern ein tüchtiger Mensch, zeichnet jeden guten Dichter aus.— Die Halbgötter-geschichten bedürfen wenig Talent, grobe Farben—sie werden der Masse erzählt. Es sind ideale Räuber- und Gespenster-Geschichten.— Wer sich in seine Helden und deren Erlebnisse verliebt, ist nicht ersten Ranges—denn er muß arm sein.— Mit prächtigen entzückenden Stoffen und Helden geben sich die Armen ab, welche nicht ohne Weiteres glauben, daß andere sie für reich halten.
6 [231]
Wir erreichen unser Maximum nicht: denn in der Periode des raschesten Wachsthums müssen alle anderen günstigen Bedingungen da sein. Wir sind kurzstämmig und knorrig.
6 [232]
Hüteten wir uns auch gegen Personen vor blinden Liebe- und Haß-Anfällen—wie viel weniger haben wir gut zu machen d. h. einen Irrweg zurückgehen! (wobei unser Weg Zeit verloren hat) Größere Redlichkeit gegen uns selber hält uns in Hut: gewöhnlich geben wir unseren zurückgehaltenen Trieben einmal plötzlich nach, in dieser Liebe und Haß zu Personen.
6 [233]
das Christenthum hat der geistigen Armut das Himmelreich verheißen: aber der erste gebildete und geistreiche Christ hat dem Christenthum seine Dialektik und Rhetorik gegeben, ohne diese wäre es an seiner geistigen Armut zu Grunde gegangen.
6 [234]
Die Triebe haben wir alle mit den Thieren gemein: das Wachsthum der Redlichkeit macht uns unabhängiger von der Inspiration dieser Triebe. Diese Redlichkeit selber ist das Ergebniß der intellektuellen Arbeit, namentlich wenn zwei entgegengesetzte Triebe den Intellekt in Bewegung setzen. Das Gedächtniß führt uns in Bezug auf ein Ding oder eine Person bei einem neuen Affekt die Vorstellungen zu, die dies Ding oder Person früher, bei einem anderen Affekt in uns erregte: und da zeigen sich verschiedene Eigenschaften, sie zusammen gelten lassen ist ein Schritt der Redlichkeit d. h. es dem, welchen wir jetzt hassen, nachtragen, daß wir ihn einst liebten und sein früheres Bild in uns mit dem jetzigen vergleichen, das jetzige mildern ausgleichen. Dies gebeut die Klugheit: denn ohne dies würden wir, als Hassende, zu weit gehen und uns in Gefahr bringen. Basis der Gerechtigkeit: wir gestehen den Bildern desselben Dinges in uns ein Recht zu!
6 [235]
Die Übung mehrere Eigenschaften an einem Dinge anzuerkennen, abseits von unserem Affekt, constituirt eine Reihe von festen Dingen, die immer größer wird, und immer feiner. Diese Übung bildet ein Bedürfniß: nach der Erkenntniß der Dinge in ihrer Vielheit: Basis des intellektuellen Triebes.
6 [236]
Die Redlichkeit gegen uns selber ist älter als die R gegen Andere. Das Thier merkt, daß es oft getäuscht wird, ebenso muß es sich oft verstellen. Dies leitet es zu unterscheiden zwischen Irren und Wahrsehen, zwischen Verstellung und Wirklichkeit. Die absichtliche Verstellung ruht auf dem ersten Sinne der Redlichkeit gegen sich.
6 [237]
Christus “fromm traurig und egoistisch”
6 [238]
Was heißt “einen Gedanken verstehen”? Er regt eine Vorstellung, diese regt Wahrnehmungen, diese regen Gefühle auf, so giebt endlich der Stein einen dumpfen Ton, wenn er unten im Grunde angelangt ist: diese Erschütterung des Grundes nennen wir “verstehen.” Ursache und Wirkung finden hier nicht statt, nur Association: bei diesem Wort ist diese Vorstellung gewöhnt erregt zu werden: wie das möglich ist, weiß niemand. Unser “Verstehen” ist etwas Unverständliches, und jene letzte Resonanz in unseren Trieben ist doch nicht mehr als ein neues großes Unbekanntes. —
Lüge ist die Erregung jenes Grundes unseres Nächsten in der Art, daß ein Trieb bei ihm wach wird, zu dessen Befriedigung er nicht kommen kann, weil gerade die Natur der Dinge eine andere ist: also ein unerfüllbares Bedürfniß erregen ist lügen.
6 [239]
Die Menschen sehen allmählich einen Werth und eine Bedeutung in die Natur hinein, die sie an sich nicht hat. Der Landmann sieht seine Felder mit einer Emotion des Werthes, der Künstler seine Farben, der Wilde trägt seine Angst, wir unsere Sicherheit hinein, es ist ein fortwährendes feinstes Symbolisiren und Gleichsetzen, ohne Bewußtsein. Unser Auge sieht mit all unserer Moralität und Cultur und Gewohnheiten in die Landschaft.— Und ebenso sehen wir auf andere Charaktere: sie sind für mich etwas anderes als für dich: Relationen und Phantasmen, unsere Grenzen gegen einander sind darin.— Was heißt da Gerechtigkeit! Die Fülle der Relationen wächst fortwährend, alles was wir sehen und erleben, wird bedeutungstiefer. Beim Anblick der Sonne z. B.—aber eine Unzahl von alten Bedeutungen und Symbolen sterben auch fortwährend ab, es entleert sich zugleich—und wenn wir auf dem Wege der Gerechtigkeit sind, so sterben die willkürlichen phantastischen Auslegungen, womit wir den Dingen wehe und Gewalt thun: denn ihre wirklichen Eigenschaften haben ein Recht, und endlich müssen wir dies höher ehren als uns.
6 [240]
Lob der Philologie: als Studium der Redlichkeit. Das Alterthum gieng am Verfall derselben zu Grunde.
6 [241]
Der verhängnißvolle “zweite Sinn” hinter den Naturereignissen, den Erlebnissen, den Begierden, dem Unrecht! Arme Menschheit!
6 [242]
Die “moralische Weltordnung”—eine Art Astrologie.
6 [243]
Unsere größten Erhebungen Erschütterungen den reinsten Himmel verdanken wir uns selber: wir leihen davon an die Werke der Kunst und so werden sie größer, wir verbessern sie und mitunter verkennen wir sie zu ihren Gunsten.
6 [244]
Redlichkeit in der Kunst—nichts zu thun mit Realismus! Wesentlich Redlichkeit der Künstler gegen ihre Kräfte: sie wollen sich selber nicht belügen, noch berauschen—keinen Effekt auf sich machen, sondern das Erlebniß (den wirklichen Effekt) nachahmen.
6 [245]
Erwägt man, wer zu jeder Zeit den großen Ruhm macht: so wird es wahrscheinlich, daß die ausgezeichnetsten Geister im zweiten oder dritten Range stehen werden: und die besten Meister bleiben unbekannt.
6 [246]
Mein Pathos: das entsetzliche Leid des Sündengefühls nachempfinden NB.
6 [247]
Glaube nur niemand, daß wenn Plato jetzt lebte und platonische Ansichten hätte, er ein Philosoph wäre—er wäre ein religiös Verrückter.
6 [248]
Die schlechte Übung im Sehen und Sehen wollen des Wirklichen hat auch in den Beziehungen der Menschen, in ihrem Urtheil über einander und sich selber eine Mythologie entstehen lassen, die “moralische Welt.”
6 [249]
Der Zweifel, was das Wirkliche ist, macht nicht gegen die Phantasmen geneigter: sondern zerstört allmählich den guten Willen, der zur Ausdichtung eines Phantasmas gehört.
6 [250]
Allgemein hält man keine Handlung für verständlich, außer der nach Zwecken: und überhaupt keine Bewegung in der Welt. Deshalb gieng das frühere Denken darauf aus, alle Bewegung in der Welt als zweckmäßig und zweckbewußt zu erklären (Gott) Es ist der größte Wendepunkt der Philosophie, daß man die Handlung nach Zwecken nicht mehr begreiflich fand; damit sind alle früheren Tendenzen entwerthet.
6 [251]
Wenn wir verantwortlich machen, so setzen wir gleiche Kraft bei den Anderen voraus, und das gleiche Wissen um diese Kraft—was doch Mythologie ist.
6 [252]
Die spontane Masse von Energie unterscheidet die Menschen, nicht ein Individual-Atom. Sodann die eingeübten Bewegungen dieser Masse, durch Vererbung mitgetheilt. Dieselbe Kraft ist es, die bald durch die Muskeln, bald durch die Nerven verbraucht wird.
6 [253]
Der Gedanke ist ebensowohl wie das Wort, nur ein Zeichen: von irgend einer Congruenz des Gedankens und des Wirklichen kann nicht die Rede sein. Das Wirkliche ist irgend eine Triebbewegung.
6 [254]
Jede Handlung ist von dem bleichen Bewußtseinsbild, das wir von ihr während ihrer Ausführung haben, etwas unendlich Verschiedenes. Ebenfalls ist sie von dem vor der That vorschwebenden Bewußtseinsbild (das Ende der Handlung = Zweck und der Weg dahin) verschieden, unzählige Stücke des Wegs, die schließlich gemacht werden, werden nicht gesehen und der Zweck selber ist ein kleines Theilchen von dem wirklichen Erfolg der Handlung. Zwecke sind Zeichen: nichts mehr! Signale! Während sonst die Copie hinter dem Vorbild nachfolgt, geht hier eine Art Copie dem Vorbild voraus. In Wahrh wissen wir nie ganz, was wir thun z. B. wenn wir einen Schritt thun wollen oder einen Laut von uns geben wollen. Vielleicht ist dies “Wollen” nur ein bleicher Schatten davon, was wirklich schon im Werden ist, ein nachkommendes Abbild von unserem Können und Thun: mitunter ein sehr falsches, wo wir nicht zu können scheinen, was wir wollen. Unser “Wollen” war hier ein irregeleitetes Phantasma unseres Kopfes, wir hatten irgend ein Zeichen falsch verstanden.— Wenn einer befiehlt, und wir wollen es thun, finden uns dann zu schwach—? so gab Furcht (oder Liebe) uns einen Impuls, bei dem sehr viel Kraft in Bewegung gerieth.— Das erste Gelingen auf den ersten Nerven- und Muskelbahnen giebt die verfrühte Vorstellung des Könnens, und daraus resultirt das verfrühte Bild des gewollten Zwecks: die Zweckvorstellung entsteht, nachdem schon die Handlung im Werden ist!
6 [255]
Der Glaube an uns ist die stärkste Fessel und der höchste Peitschenschlag—und der stärkste Flügel. Das Christenthum hätte die Unschuld des Menschen als Glaubensartikel aufstellen sollen—die Menschen wären Götter geworden: damals konnte man noch glauben.
| 6 [256] |
“Um Härte Kälte Erschöpfung” flehen—Marter, wenn man seinem Lebensziele nicht mehr traut. “Erhabener Zorn, zuckende Vorwürfe”—schluchzend einschlafen—in Kälte und Grauen hineinblickend kalt erwachend—“enge Zelle ihres Elends”—nur ein Blick heraus auf das Leben eines Anderen, nicht mehr. “Die Fülle sympathischer Erfahrung stellte sich als eine Gegenmacht ein”—Gerechtigkeit seinen eigenen Schmerz verstoßen.
“Bedürfniß der Gerechtigkeit.”
“Das Gute Anderer überschätzen” blind für die guten Wirkungen, die wir in Anderen hervorrufen.
6 [256]
“Um Härte Kälte Erschöpfung” flehen—Marter, wenn man seinem Lebensziele nicht mehr traut. “Erhabener Zorn, zuckende Vorwürfe”—schluchzend einschlafen—in Kälte und Grauen hineinblickend kalt erwachend—“enge Zelle ihres Elends”—nur ein Blick heraus auf das Leben eines Anderen, nicht mehr. “Die Fülle sympathischer Erfahrung stellte sich als eine Gegenmacht ein”—Gerechtigkeit seinen eigenen Schmerz verstoßen.
“Bedürfniß der Gerechtigkeit.”
“Das Gute Anderer überschätzen” blind für die guten Wirkungen, die wir in Anderen hervorrufen.
6 [257]
Wir müssen es dahin bringen, das Unmögliche Unnatürliche Gänzlich-Phantastische in dem Ideale Gottes Christi und der christlichen Heiligen mit intellektuellem Ekel zu empfinden. Das Muster soll kein Phantasma sein!
6 [258]
Für jeden Abfall eines Freundes eine höhere Seele eintauschen.
6 [259]
Habt ihr euch geübt, an Andere zu denken und für sie etwas zu thun, so bleibt, wenn euch unmöglich ist, euer Ziel zu erreichen, sehr viel übrig: nämlich das der Anderen zu fördern. Es ist gut und klug, diese zwei Saiten zum Spielen zu haben. Den Anderen begreifen und auf uns von ihm aus hinzusehen ist unentbehrlich für den Denker.
6 [260]
Ich sehe es eurer Toleranz gegen die Wissenschaft 100 Schritte weit an: ihr meint, ihr habt sie nicht nöthig, ihr bildet euch etwas darauf ein, trotzdem ihre Fürsprecher zu sein, selbst wenn sie gegen eure Meinungen kämpft:—denn ihr habt kein so strenges Gefühl für das Wirkliche, daß es euch quält und martert, sie im Widerspruch zu euch zu finden: ebensowenig ihr gierig umschaut, was alles gegenwärtig erkannt wird und auf dem Wege ist, erkannt zu werden.
6 [261]
Die Übung im Erkennen hat zuletzt ein Bedürfniß der Wahrhaftigkeit erzeugt, welches jetzt eine neue große Macht ist, mit Gefahren und Vortheilen.
Titel vielleicht: “das Bedürfniß der Wahrhaftigkeit.”
6 [262]
Allen moralischen Systemen, welche befehlen, wie der Mensch handeln soll, fehlte die Kenntniß und Untersuchung, wie der Mensch handelt. Aber man meinte diese Kenntniß zu haben.
6 [263]
Das Bedürfniß der Aktivität trennt uns von der indischen Weisheit.
6 [264]
Auch dem feinsten Gedanken entspricht eine Verhäkelung von Trieben.— Die Worte sind gleichsam eine Claviatur der Triebe, und Gedanken (in Worten) sind Akkorde darauf. Jedoch ist die anregende Kraft des Wortes für den Trieb nicht immer gleich, und mitunter ist das Wort fast nichts als ein Laut.
6 [265]
1. Zeit der Triebe ohne Gedanken 2. Zeit der Triebe mit Gedanken (Urtheile) Hier werden Triebe und Trieb-Verhäkelungen vorgestellt. Die häufige Wiederholung, das Zustimmen und Verwerfen solcher Vorstellungen, übt eine Rückwirkung auf die Triebe selbst, einige werden sehr geübt, andere außer Übung gesetzt und ausgedorrt. Allmählich entsteht durch ungeheure Übung des Intellekts die Lust an seiner Aktivität: und daraus endlich wieder die Lust an der Wahrhaftigkeit in seiner Aktivität. Urspr sind die intellektuellen Funktionen sehr schwer und mühselig. Nachmachen ist das Beste, Haß gegen das Neue. Spät endlich ist umgekehrt der Ekel am Nachmachen schnell da und die Lust am Neuen und am Wechsel sehr groß.
6 [266]
Die Menschen gehen an der Verfeinerung des Intellekts zu Grunde: physisch und vielleicht auch moralisch.— Wir Glücklichen! Wir sind in dem Reich der Mitte!
6 [267]
Die Vollkommenheit eines Napoleon, eines Cagliostro entzückt: unser Verbrecherthum hat nicht Musterbilder vor sich, sie haben kein fröhliches Gewissen. Ein guter Räuber, ein guter Rächer, Ehebrecher—das zeichnete das italienische Mittelalter und Renaissance aus, sie hatten den Sinn für Vollständigkeit. Bei uns fürchten sich die Tugenden und die Laster, die öffentliche Meinung ist die Macht der Halben und Mittelmäßigen, der schlechten Copien, der zusammengestohlenen Allerweltsmenschen.
6 [268]
Wir wollen keinen Gott aus uns machen, wir gelüsten nicht nach den Idealen früherer Völker. Gerade die Ungöttlichkeit, die Freude an den zahllosen Einzelnen mit höchster Verschiedenheit, die wohl Gegner sein werden, aber wie Griechen und Trojaner!
6 [269]
Der leidenschaftliche Hang, Anderen zu helfen, verleidet das eigene Behagen.
6 [270]
Vor Menschen mit großer Seele zeigen wir den großen Zusammenhang unser selbst und glauben vor ihnen an denselben mehr als allein. Deshalb sind sie uns nöthig. Unsäglich viel kleine verschobene Linien können wir preisgeben—das thut wohl! Andere können nur diese Kleinigkeiten sehen, vor ihnen müssen wir sie eingestehen oder läugnen, in beiden Fällen ohne Genugthuung.
6 [271]
Mit einem großen Ziele ist man nicht nur seiner Verleumdung, sondern auch einem großen Verbrechen überlegen und erhaben.
6 [272]
Einen Menschen vor niedrigen Erfahrungen zu hüten ist das Schönste—niedrig ohne Rücksicht auf uns, aber auf ihn.
6 [273]
Eine Gattin als Hemmung, ein Gatte als Entartungsmittel.
6 [274]
Unserem ganzen Organism ist das vorschnelle Zuneigen und Abneigen die Verstellung usw. eingeformt worden: allmählich kann ihm auch die Wahrhaftigkeit angebildet werden und immer tiefer einwurzeln, mit welchen Wirkungen? Einstweilen ist er ein bewegtes Netz von Lüge und Trug und deren Fangarmen: ganz thierisch-nützlich. Die Erziehung zur Wahrheit—ist sie eine Verbesserung des Thieres, eine höhere Anpassung an die Wirklichkeit?— Unser Wohlwollen Mitleid, unsere Aufopferung, unsere Moralität ruht auf demselben Unterbau von Lüge und Verstellung wie unser Böses und Selbstisches! Dies ist zu zeigen! Der unangenehme, ja tragische Eindruck dieser Entdeckung ist unvermeidlich zunächst. Aber alle unsere Triebe müssen zunächst ängstlicher mißtrauischer werden, allmählich mehr Vernunft und Redlichkeit in sich aufnehmen, hellsichtiger werden und immer mehr so den Grund zum Mißtrauen gegen einander verlieren: so kann einmal eine größere Freudigkeit entstehen, eine fundamentalere: einstweilen wäre diese Freudigkeit nur dem Unredlichen möglich. Resignation und jene heroische Lust am Trotz und am Siege sind die einzigen Formen unserer Freudigkeit: wenn wir Erkennende sind. NB NB NB!!! Wie kommt es nur, daß wir gegen die gründliche Verlogen- und Verstelltheit ankämpfen? Ein Gefühl der Macht, welche in der Entwicklung und im Wirken unseres Intellekts frei wird, treibt uns: es macht Appetit.
6 [275]
Das verfluchte Lehrer- und Reformatoren- und Bußprediger-Pathos “und unsere Pflicht gebeut, die Menschen unglücklich zu machen.”
6 [276]
Die zunehmende Lügnerei der Pathetiker (Hr. Lipiner) oder der Toleranten (Frl. v M)
6 [277]
Die wortkarge Leidenschaft mit düsteren Augen bei Calvin wird leicht verleumdet. Grazie und Geist in der Leidenschaft wird in Deutschland nicht geglaubt.
6 [278]
in Form einer Tragödie:
1 Der Pfad
2 die furchtbare Aussicht
3 das Ausruhen
6 [279]
Die Todesangst: “ich bin der Holzwurm”
Verlust des Kindes
Verlust der Ehre
Krankheit
6 [280]
In wiefern es nützlich ist zu versuchen den Feind zu lieben? Es bricht das unbefriedigte Gefühl und giebt einen Sieg über uns.
6 [281]
Das höchste Todesziel der Menschheit auszudenken—irgendwann wird sich die Aufgabe darauf concentriren. Nicht leben, um zu leben.
6 [282]
Die Alten trauten den Frauen in der Leidenschaft das eigentlich Unmenschliche und Unglaubliche zu—zur Zeit des Aeschylus.
6 [283]
Wenn jemand zu den Juden übergeht (nach Tacitus) muß er die Götter verachten, seinem Vaterland entsagen und Eltern Kinder Geschwister verleugnen. Die Seelen derer, die in der Schlacht oder durch Hinrichtung umkommen, sind unsterblich (Märtyrer-Gedanke des Christenthums) Verachtung des Todes daher. Als Kaligula befahl sein Bildniß im Tempel aufzustellen, griffen sie zu den Waffen.
6 [284]
“sie essen mit niemand, schlafen allein und enthalten sich, so geil sie sind, aller fremden Weibsbilder”
“jeder schlechteste Mensch schickte Abgaben und Almosen nach Jerusalem, mit Hintansetzung des Landes, in dem er lebte.”
6 [285]
Tacitus spricht höhnisch davon, wie sehr die Juden (und Christen) dem Aberglauben ergeben seien. Rom gieng in sein Extrem über als es christlich wurde: es ist ein Zeichen der impotentia der damaligen Menschen, dieses schroffe Umspringen. Die Wuth des Hasses machte zuletzt die Juden (Christen) interessant.
6 [286]
Man nimmt verschiedene “beste Dinge” vom Urtheil Anderer an (die selber sehr verschieden sind) und entdeckt, daß sie sich widersprechen: d. h. man glaubt sein Gewissen in Unruhe.
6 [287]
Die guten Menschen haben in schweren Augenblicken keine Skrupel.
6 [288]
Eine Art Gerechtigkeit: “ich habe sein Glück mit ihm genossen. Nun auch die Zeit seiner Schmach und Schuld.”
6 [289]
So zu leben, daß unsere Energie am größten und freudigsten ist—und dafür alles zu opfern. NB
6 [290]
das metaphysische Bedürfniß ist nicht die Quelle der Religionen, sondern die Nachwirkung nach ihrem Untergange. Man hat sich an die Vorstellung einer anderen Welt gewöhnt und vermißt sie (und aus diesem Triebe können neue Pflanzen aufwachsen “Nachreligionen”) aber das, was zur Annahme einer anderen Welt trieb, waren Irrthümer in der Auslegung bestimmter Vorgänge, also falsche Urtheile des Intellekts. Das “Bedürfniß” ist das Resultat nicht Ursprung. Durch Mangel an Befriedigung kann es absterben! So giebt es ein Bedürfniß, das Glockenläuten zu hören, welches mit dem ursprünglichen Zweck des Glockenläutens gar nichts zu thun hat.— Man hat sich gewöhnt, die Bedürfnisse an den Anfang zu stellen.
6 [291]
Gegen das Christenthum: die vollkommene Moralität ist weder möglich, noch wünschenswerth. Ihr Werth ruht auf falschen Ansichten der Biologie.
6 [292]
Da seit uralters moralische Urtheile gefällt worden sind (als Irrthümer über Handlungen) so haben sich daraus jedenfalls moralische Empfindungen, Neigungen Abneigungen gebildet. Also diese sind wirklich. Aber wie verhalten sie sich zu der Wirklichkeit der Handlungen, über welche die moralischen Urtheile irrthümlich gefällt werden?— Die Handlungen, über welche bei den Menschen zuerst moralische Urtheile gebildet wurden, sind die, welche sich alle bei den Thieren finden: deren Motive somit nicht erst zu schaffen waren. Man wähnte, diese Handlungen zu verstehen, moralische Urtheile sind “Erklärungen derselben nach Zwecken,” ein Ansatz der Wissenschaft. Indem man sie benannte (bös gut gerecht usw.) zweifelte man nicht, sie durch und durch zu verstehen. Socrates gerieht erst in das Mißtrauen, ob er sie verstünde. Aber er zweifelte nicht, daß den Worten gut böse usw. etwas Wesentliches entspräche!
6 [293]
“Wie soll der Mensch handeln?” Das ist nur nach einem Ideal zu messen, entweder was die Menschheit erreichen soll, oder was der Einzelne erreichen soll. Bisher gab es solche Muster, die vor Völkern herschwebten (theils lebendige, theils erdichtete) oder vor Religionsgemeinden. Oder vor Parteien (oder der vollkommene Kaufmann Soldat Beamte). Oder vor philosophischen Sekten. Aber immer bisher vor Mehrheiten. Das Ziel ist aber: daß jeder sein Musterbild entwerfe und es verwirkliche—das individuelle Muster. Im Entwerfen alle Zeugungskraft und Jugend und Männlichkeit nöthig, alle Einsicht in seine Kraft, Selbsterkenntniß. Jetzt ist es noch nicht möglich!
6 [294]
Wir müssen unsere Fehler und Triebe nicht abrechnen beim Entwerfen unserer Muster, sondern ihre sublime Form zu finden wissen.
6 [295]
Es kann Tragödie sein! Unsere Milde und Mitleid und—unser Sinn für Wahrhaftigkeit im Kampfe mit einander in Bezug auf die Meinungen Anderer.
6 [296]
Eine Frau, die begreift, daß sie den Flug ihres Mannes hemmt, soll sich trennen—warum hört man von diesem Akt der Liebe nicht?
6 [297]
Mit den Gedanken steht es wie mit den körperlichen Bewegungen: ich muß warten, ob sie sich ereignen, wenn ich sie auch will, es hängt davon ab, ob sie eingeübt sind. Das Wollen ist hier nicht das Vorstellen des Zieles, sondern die Vorstellung logischer Formen (Gegensatz eines Gedankens, parallel, ähnlich, Prämisse Schluß usw.) in der Form des Wunsches. Das Gedächtniß muß den Inhalt geben—Bei Gelegenheit eines Satzes versucht das Gedächtniß zu den einzelnen Worten etwas Zugehöriges anzuhängen, und unser Urtheil entscheidet, ob es dazu paßt und wie. So versucht der Fuß eine Menge Lagen im Augenblick des Stolperns. Wir wählen aus diesen plötzlich auftauchenden Gedanken-Embryonen aus: wie wir aus den zu Gebote stehenden Worten unsere Gedanken in Formel bringen. Das Wesentlichste des Prozesses geht unter unserem Bewußtsein vor sich. Unser Charakter entscheidet, ob zugehörige Gedanken wesentlich die des Widerspruchs der Beschränkung der Zustimmung sind: das Entstehen jedes Gedankens ist ein moralisches Ereigniß.— Die logischen Formen erscheinen so als der allgemeinste Ausdruck unserer Triebe, Zuneigung, Widerspruch usw.— Bis in die Zelle hinein giebt es keine Bewegungen als solche “moralischen” in diesem Sinne.
6 [298]
Wer nach 2 Tagen strengen Fastens einen Schluck Champagner trinkt, der empfindet etwas, das der Wollust ganz nahe kommt. Der Blick eines Menschen, der wochenlang in einer dunklen Höhle gelebt hat, in die Natur ist ein Rausch des Auges. Und nach Jahren wieder unsere Musik hören!— Die Asketen wissen allein, was Wollüste sind.
6 [299]
Die Christen, nach Tacitus nicht der Mordbrennerei, aber odio generis humani “des Hasses gegen die Menschheit” überwiesen. Das ist wahr! “So schuldig sie waren und ob sie schon die härtesten Strafen verdienten”—“in Rom, wo alles Unnatürliche und Schändliche zusammenfließt” “wegen Schandthaten flagitia verhaßte Menschen” (so werden die Christen definirt. Man traute ihnen alles zu—weshalb? Pessimisten
6 [300]
Immer so handeln, daß wir mit uns zufrieden sind—da kommt es auf die Feinheit der Wahrhaftigkeit gegen uns selber an. Zweitens auf den Maaßstab, mit dem wir messen. Ein gutes Gewissen kann also ein sehr starkes Anzeichen von Gemeinheit und intellektueller Grobheit sein: ein schlechtes Gewissen von intellektueller Delikatesse.
Wenn die Anderen mit uns nicht unzufrieden wären, und nicht Vieles schief abliefe, so wäre die Zufriedenheit mit sich selber die Regel. Die unerwarteten unangenehmen Nachwirkungen stören diese Zufriedenheit: beim Unangenehmen suchen wir nach einer Entladung unseres Rachegefühls und treffen damit zumeist uns selber. Das Mißgeschick ist es, das dem Menschen sein böses Gewissen giebt “es hätte anders sein können.” Da tadeln wir uns und schätzen unseren Scharfsinn und unsere Absichten gering. Wären wir nicht M der Rache, so wären wir viel zufriedener: wie es im allgemeinen die Frauen sind, da in diesen das Rachegefühl nicht so stark ist.— Das Gewissen wird also durch den Erfolg bestimmt: es verurtheilt nachträglich die Absichten, ja es verfälscht nachträglich die Absichten: die ganze Unmoralität und Unredlichkeit eines Menschen zeigt sich in dern Prozesse, den ihm sein Gewissen macht. Das schlechte Gewissen ist ebenso wie das gute Gewissen eines Menschen so dumm, verleumderisch oder lobrednerisch schmeichlerisch bequem—als der ganze Mensch ist. Man hat ein Gewissen nach seinem Niveau.
6 [301]
Manche sind glücklich mit dem Hintergedanken, daß die Anderen, die nach anderen Principien leben, sich an ihrem Glück ärgern sollen: sie wollen mit ihrem Glücke jene widerlegen. (Pique-bonheur)
6 [302]
Plötzliche christliche Strenge läßt auf tiefe innere Nothstände, also begangene Unthaten schließen.— —
6 [303]
Man kann seine Leidenschaften von einem Augenblick an mißverstehen und umtaufen—Wiedergeburt.
6 [304]
Man kann seine Gedanken nicht wiedergeben in Worten, sie sind zu schattenhaft schnell hinter den Empfindungen zu.
6 [305]
Wenn man noch so genau den Bewegungen siedenden Wassers mit den Augen folgt, man begreift damit das Motiv des Siedens um nichts mehr. So auch bei Handlungen, wenn man das heftig bewegte Netz von Vorstellungen sich klar macht, welche uns dabei überhaupt bewußt werden. Es sind alles Wirkungen, welche auf ein verborgenes Feuer rathen lassen: aber es ist lächerlich, es definiren zu wollen.
6 [306]
Die Bewunderung für die Person Jesu ist wenig bedeutend, wenn sie von der Basis ausgeht, auf welche Christus sich gestellt hat: die tiefe Sündhaftigkeit der Menschen. Was würde ein Grieche um Perikles darüber gedacht haben?
6 [307]
Für einen, der ein Musterbild erreichen will, besteht das Angenehme darin, Menschen zu sehen, die das ihre erreicht haben. Die unreinen unklaren hybriden Gebilde sind ihm peinlich! Das tritt dann an die Stelle von “guten” und “bösen” Menschen!
6 [308]
Die allgemeinen öffentlichen Musterbilder, nach denen bisher moralisches Lob und Tadel ertheilt wurde, machten einseitig und ließen eine Menge Eigenschaften unbelobt: man verlor die Anerkennung des Individuums und der schönen Proportion der Kräfte in ihm aus dem Auge. Es war barbarisch: aus jedem Material dasselbe Bild arbeiten wollen!
6 [309]
Die Vorstellung musterhafter Typen wäre ein Hauptverdienst der Künstler: den Sinn für das Einheitliche und Proportionirte zu entwickeln. Der Künstler wählt aus und lobt dadurch! Die Griechen waren groß in der Lust an Charakteristischem: Thukydides und Sophocles Blüthe des Geschmacks!
6 [310]
Kaum spricht man von den “nicht absoluten Wahrheiten,” so begehren alle Schwärmer wieder Eintritt oder vielmehr: die gutmüthigen Seelen stellen sich an’s Thor und glauben Allen aufmachen zu dürfen: als ob der Irrthum jetzt nicht mehr Irrthum sei! Was widerlegt ist, ist ausgeschlossen!!
6 [311]
Den Unterschied zwischen Juden und Römern drückt Tacitus so aus: “bei ihnen ist alles heilig, was bei uns unheilig ist, so wie gegentheils bei ihnen alles erlaubt ist, was bei uns verabscheut wird” Diese Paradoxie wurde von den Christen verbreitet, sie machten Propaganda, “sie sind sich unentwegbar treu und unterstützen sich in der Noth, so wie sie alle anderen Menschen als Feinde hassen.”
6 [312]
die durch Verdruß und Sorge vergeudete Energie, bewußt geworden: das Kleinwerden dabei
6 [313]
die Frauen sehen in der Wissenschaft einen Vampyr bei einem Manne.
6 [314]
Den angenehmen Rausch geistiger Getränke, die Lust am Spiel sehe ich mit Geringschätzung an—aber die Griechen?
6 [315]
vor mir selber warnen
6 [316]
Schauer und Umwandlung beim Anblick einer schönen That: wie bei großen Felsen und plötzlich entzückenden Ausblicken auf eine blühende Vegetation.
6 [317]
Nicht die Handlung sondern unser Urtheil über die Handlung (sei es auch ein Irrthum) macht unser Gewissen, die private Geschichte unser selbst
6 [318]
Es ist beschränkt, die Pharisäer als Heuchler aufzufassen, sie leben immer in dem festen Zutrauen zu ihren Handlungen, sie sehen sie nicht tiefer und wahrhaftiger an und kennen durch Gewohnheit bei sich nur gute Motive: die anderen sehen sie nicht, ihr Auge ist dafür blind.— Gesetzt, man setzte ihnen ein neues Auge ein und machte sie mit sich unzufrieden: nun, so mehrte man den allgemeinen Jammer. Die Handlungen blieben dieselben in ihren Wirkungen für Andere, und somit wäre es eine überflüssige Menschenquälerei. Diese will das Christenthum.
6 [319]
Gesetzt, wir empfinden eine Handlung als gut, so spielt sich der ganze Vorgang ab. Was eine Handlung an sich ist, ob nützlich oder schädlich, hat damit nichts zu thun. Deshalb ist es so wichtig, daß die guten Handlungen wirklich ausführbar sind und häufig: sonst die moralische Hölle, und das Moralische als Fernblick auf die Heiligen—auch bewunderungswürdige Beleuchtungen und Färbungen hervorrufend!
6 [320]
Deine Moralität ist Sache deines Glücks. Dein gutes Gewissen ist Sache deines Glücks! Bei manchen Dingen überrascht und in die Öffentlichkeit gebracht, wärst du tief zerstört. Daß dein Charakter sich verbessert, ist Sache des Glücks! Die kleinen Schritte und die zahllosen kleinen Unzufriedenheiten sind am mächtigsten! |Nicht nur Mitleid thut noth, sondern wir müssen Weltbetrachtungen für die Bösen und Unglücklichen machen oder dulden! | An Stelle der Beichtiger müssen wir Philosophen stellen wie Sonnen für jede Art von Menschen, während bis jetzt die höchsten Exemplare am meisten für sich Moralen gemacht haben. |
6 [321]
Was andere von uns denken und wissen, kann plötzlich über uns herstürzen. Was wir von uns wissen (im Gedächtniß haben) ist nicht entscheidend!
6 [322]
Die welche an ihrem Leben und Charakter keine Freude haben, suchen sie vielleicht in ihrem Geiste: wie Sch. Aber wer vollständig ist, sollte doch auch an allen zusammen erst froh werden können! Und wie froh! Wir steigen alle zusammen unseren Berg und wollen nicht einzeln auf dem Gipfel ankommen! Mancher ersteigt ihn als Charakter aber sein Geist ist der Situation nicht angemessen (z. B. Bismarck).
6 [323]
Sein Erlebniß so streng und wahrhaftig ansehen, wie ein wissenschaftliches Experiment—da darf man nicht von Wundern und “Engeln um uns” und der Hand des Herrn fabeln: das erscheint einem unredlich.
6 [324]
Die That ist durch die Absolution nicht ausgelöscht. Die Vergangenheit ist nicht vergangen, unsere Thaten sind unser Sein und ebenso gehört das zukünftige Thun bereits zu uns. Das Gedächtniß entscheidet nichts.
6 [325]
“Narrenstreiche machen aus einer tiefen und leidenschaftlichen Träumerei” wie Stendhal sagt. Ist dies das “Werk des Genie’s”?
6 [326]
“Die Alten haben nichts gethan, um zu schmücken, und das Schöne ist bei ihnen nur la saillie de l’utile.”
6 [327]
Tiefe und Energie des Gefühls, nicht vergessen; Verzeihen ist ein Opfer (nicht ein lässiges gutmüthiges Fahrenlassen eines Gedankens, mit Lust daran daß man ihn nicht mehr zu tragen hat.) Italiänische Einfachheit, fast Kälte als Mantel dieser leidenschaftlichen Naturen.
6 [328]
In Frankreich möchte sich der esprit gern Genie geben. In Deutschland möchte das Genie sich gern esprit geben.
6 [329]
“der gespannte Stil”!
6 [330]
Novella d’Andrea lehrte in Bologna (14. Jhr.) Hinter einem Vorhange lehrend wegen ihrer Schönheit.
6 [331]
Das Schöne scheint uns zuletzt nur ein Zustand, den das allseitig Nützliche hervorbringt: ein tiefes Wohlergehen, welches aus allen Linien und Bewegungen unserer Handlungen Worte hervorbricht: eine Harmonie vieler Nützlichkeiten, die zum Klingen kommt.
6 [332]
Das Problem der Wahrhaftigkeit hat noch niemand erfaßt. Das, was gegen die Lüge gesagt wird, sind Naivetäten eines Schulmeisters, und zumal das Gebot “du sollst nicht lügen”!
6 [333]
Jeder ausblühende Gedanke treibt zuletzt seine Art Luxus hervor, es ist seine letzte Erscheinung. In Künsten wie in der Kunst des Verkehrs. Jede reife Cultur hat ihren Luxus.— Aber zeigt mir einen Erfinder einer Idee, der nicht Einfachheit und Dürftigkeit auch äußerlich, auch in Worten hatte.— der luxuriirende Gedanke schreibt sich auf jedes Gefäß, zeichnet sich in jede Gebärde hinein (z. B. Größe und Schlichtheit und Anmuth im alten Athen)
6 [334]
Den Deutschen fehlt es an esprit, weil sie keinen Überschuß von Geist besitzen: haben sie den ihren angewendet, so sind sie arm und sitzen da. Sie hassen ihn, und doch fühlen sie, daß ohne ihn die Geselligkeit eine langweilige Flegelei ist:—daher “Gemüth.”
6 [335]
Das Effekt-machen-wollen ist eine deutsche Krankheit.
6 [336]
Ein Mann mit Geist erhebt sich in Deutschland zu hoch über seine Mitbürger und wird zum Narren; der Nebel umhüllt seinen Kopf.— Er entartet so leicht, weil nichts neben ihm ihn in Schranken hält, er schießt aus nach allen Seiten und ist von einer häßlichen Fruchtbarkeit.
6 [337]
Das Lächerliche ist in Deutschland nicht furchtbar für den, der Geist hat. Denn es ist nicht das Lachen der geistreichen Leute sondern der jungen Esel, welches hier den Begriff des Lächerlichen macht.— Diese Zucht fehlt.
6 [338]
Von einem Gedanken glühen, von ihm verbrannt werden—das ist französisch. Der Deutsche bewundert sich und stellt sich mit seiner Passion vor den Spiegel, und ruft andere hinzu.
6 [339]
Unsere Meinungen: die Haut, die wir uns umlegen, in der wir gesehen werden wollen, oder in der wir uns sehen wollen; das Äußerlichste, der Schuppenpanzer um die Gedanken eines Menschen. So scheint es. Andererseits ist die Haut ein Erzeugniß wir wissen nicht welcher Kräfte und Triebe, eine Art Ablagerung, fortwährend sich stückweise lösend und neubildend.— Lautbilder und Sehbilder als Hieroglyphen für bestimmte Eindrücke und Gefühle sind das Material der Meinungen, Verfeinerungen des Ohr- und Gesichtssinnes und eine Relation zwischen beiden.
6 [340]
Unser Bewußtsein hinkt nach und beobachtet wenig auf einmal und während dem pausirt es für Anderes. Diese Unvollkommenheit ist wohl die Quelle, daß wir Dinge glauben und im Werden etwas Bleibendes annehmen: ebenso daß wir an ein Ich glauben. Liefe das Wissen so schnell wie die Entwicklung und so stätig, so würde an kein “Ich” gedacht.
6 [341]
Es ist eine Beschränktheit, aber so empfinde ich. Das Bedürfniß Luxus scheint mir immer auf eine tiefe innerliche Geistlosigkeit hinzudeuten: wie als ob jemand sich selber mit Koulissen umstellt, weil er nichts Volles Wirkliches ist, sondern nur etwas, das ein Ding vorstellen soll, vor ihm und vor Anderen. Ich meine, wer Geist habe, könne viel Schmerzen und Entbehrung aushalten und dabei noch glücklich sein, ja er müsse sich im Verhältniß zu einem, der Ehren und Luxus und Kameradschaft nöthig hat, schämen, weil er bei der Vertheilung der Güter zu gut weggekommen ist. Ich habe eine tiefe Verachtung gegen einen Banquier. Wer Luxus um sich hat, nun, mitunter muß er sich so stellen, daß er Anderer wegen hineinpaßt, aber dann soll er auch die Ansichten dieser Anderen haben und ertragen. Freisinnige kühne neue Ansichten halte ich für Schwindel oder eine widerliche Art Luxus, wenn sie nicht zur Armut und zur Niedrigkeit drängen. Mit einer Art von weißer Wäsche hat sich z. B. Lasalle für mich widerlegt. Leute mit solchen Bedürfnissen sollten fromm werden und als Magistratspersonen Ansehen erstreben, es giebt so viel Gutes zu erhalten und zu repräsentiren. Aber den Geist sollen sie nicht repräsentiren wollen! Wer geistig reich und unabhängig ist, ist so wie so auch der mächtigste Mensch, es ist, wenigstens für so humane Zeiten, schimpflich, wenn er noch mehr haben will: es sind die Unersättlichen. Einfachheit in Speise und Trank, Haß gegen geistige Getränke—es gehört zu ihm, wie die Getränke zu jenen gehören, welche sagen könnten “das Leben wäre völlig reizlos” usw.— Es drängt mich zu einer idealen Unabhängigkeit.— Ort Gesellschaft Gegend Bücher können nicht hoch genug gewählt werden, und anstatt sich zu akkommodiren und gemein zu werden muß man entbehren können, ohne Dulderfalten.
6 [342]
Auch im Intellektuellen z. B. in der Abschätzung von Meinungen führen wir nicht immer Gründe ins Feld, sondern sehr häufig einen intellektuellen Ekel, weil wir sehen, aus kleinen Anzeichen, wie stumpf und kurz und genügsam einer ist, oder wie weit das Selbstvertrauen des Unwissenden und des Neulings geht. D. h. wir beurtheilen die Methode des Erkennens als: schleimig verwest übelriechend Unrath ausgespieen, wiedergekäut, madenzerfressen, schaal, abgestanden, dumpf usw.
6 [343]
“Ich will dies”: man unterscheidet “Gegenstand, Schätzung des Gegenstands und Übung,” aber im Grunde ist es nicht ein Gegenstand, den man will, sondern einen angenehmen Zustand von uns, der uns in irgend einer Verbindung mit dem Gegenstand vorgekommen ist: und die Schätzung des Gegenstands ist ein Versuch, die thatsächlich angenehme Empfindung zu erklären, dadurch daß wir das Angenehme als Folge einer Einsicht darstellen (z. B. Essen als Stillung des Hungers, als Erhaltung usw.): während die angenehme Empfindung meistens nicht die Folge der Einsicht in die Zweckmäßigkeit ist. “Ich will” heißt “ich mache etwas mir Angenehmes, soweit ich es machen kann” Uns schwebt ein Zustand von uns vor (z. B. als Schlagenden Essenden) dies Bild ahmen wir nach.
6 [344]
Gedächtniß hat Ursachen der Moralität—und wir haben es nicht in der Hand! NB.
6 [345]
Neugierde, etwas Nachtheiliges herauszufinden, ebenfalls in Bezug auf die Dinge möglich und schämenswerth. NB
6 [346]
Hauptvergnügen, Andere zu kränken—warum unmoralisch? Necken ist nur ein Grad. Hier ist die Unterscheidung von moralisch und unmoralisch nicht auch ein Gegensatz.
6 [347]
Aber muß denn Moralität, wenn sie nothwendig auf Freiheit ruht nach Kant, überhaupt existirt haben? Genügt nicht die Einbildung der Freiheit? Und wenn diese Einbildung nicht mehr möglich ist, ist dann es absolut nöthig, die Moralität aufrecht zu erhalten? Könnte sie nicht ihre Rolle gespielt haben? (gegen
6 [348]
Ich weiß, wie armselig ihr euch neben dem Schwunge dieses Idealism ausnehmt (der den Materialismus und die Skepsis auf seinen Rücken nimmt und gegen die Sonne trägt) aber ich gehe mit euch um und stelle mich euch gleich, mehr noch, ich mache mich schlecht.
6 [349]
Das Subjektgefühl wächst in dem Maaße, als wir mit dem Gedächtniß und der Phantasie die Welt der gleichen Dinge bauen. Wir dichten uns selber als Einheit in dieser selbstgeschaffenen Bilderwelt, das Bleibende in dem Wechsel. Aber es ist ein Irrthum: wir setzen Zeichen und Zeichen als gleich und Zustände als Zustände.
6 [350]
Nur was wir von Anderen denken und was wir von uns denken, bestimmt unser Verhalten, so weit es bewußt ist. Also die Vorstellung von Anderen und von uns: diese sind aber wieder das Resultat von dem, was die Anderen uns gelehrt und beigebracht haben. Die Interpretation unserer Zustände ist das Werk der Anderen uns angelehrt. Darin bleibt das Moralische hängen, es ist Schatten.
6 [351]
Ich sprach eine halbe Stunde eitel und war zuletzt etwas beschämt und müde—aber ich hatte mich erniedrigen wollen um Jemandem Gelegenheit zu geben von sich weniger erbärmlich zu denken, durch den Ausruf: ach die erbärmliche Welt!—denn er dachte von mir augenblicklich so; daß er sich nicht mehr vor mir schämte, es erleichterte ihn sichtlich.
6 [352]
das “doppelte Gelächter” (Epictet) wenn er eine erhabenere Position als er ertragen konnte einnimmt und wieder verläßt. Ach, auch dies wollen wir ertragen, ja wir wollen zum Schein zurückkehren und unseren Mitmenschen zu ihrem Leben Muth machen, dadurch daß wir ihnen Gelegenheit geben, doppelt über uns zu lachen.— Wir wollen unser Ziel auf Umwegen erreichen und, indem wir uns den Anderen nähern, sie täuschen, um ihretwillen.— Die geradlinigen Wege z. B. Christus Napoleon setzen Verachtung der Menschen voraus, wie weit auch die Liebe Ch zu den Menschen gieng (denn die gnädige Liebe Chr ist doch fern davon, ein Sünder sein zu wollen um der Sünder willen)
6 [353]
Eine Umgebung, vor der man sich gehen läßt, ist das Letzte, was man sich wünschen sollte, eine Art Krone für den Überwinder seiner selbst, der sich selber vollendet hat und Vollendung ausströmen möchte. Andere werden zu Scheusälern. Vorsicht in der Ehe. Der Mangel an Pathos und Form in der Familie, in der Freundschaft ist ein Grund der allgemeinen Erscheinung von Schlumperei und Gemeinheit (Eigenschaften des Gebahrens nicht nur sondern auch der modernen Charaktere)—man läßt sich gehen und läßt gehen.
6 [354]
Die eigentliche Unverschämtheit der Güte habe ich am besten bei Juden beobachtet. Man denke an die Anfänge des Christenthums.
6 [355]
Mit den Fürsten der Unterwelt selber habe ich Würfel gespielt.
6 [356]
Skepticismus! Ja, aber ein Scepticismus der Experimente! nicht die Trägheit der Verzweiflung
6 [357]
Die Spannung zwischen dem immer reiner und ferner gedachten Gott und dem immer sündiger gedachten Menschen—einer der größten Kraftversuche der Menschheit. Die Liebe Gottes zum Sünder ist wundervoll. Warum haben die Griechen nicht eine solche Spannung von göttlicher Schönheit und menschlicher Häßlichkeit gehabt? Oder göttlicher Erkenntniß und Menschlicher Unwissenheit? Die vermittelnden Brücken zwischen zwei solchen Klüften wären Neuschöpfungen, die nicht da sind (Engel? Offenbarung? Gottessohn?)
6 [358]
Jeden Augenblick kann eine moralische Empfindung so stark werden, daß sie partielle Unfruchtbarkeit erzeugt z. B. der Trieb nach Wahrheit könnte die Kunst tödten und den geselligen feinen Verkehr, ebenso die Beredsamkeit. Die Keuschheit. Die Freigebigkeit. Der Fleiß. Die Reinlichkeit. (Puritaner gegen das Theater. Xenophon gegen die Agone. Plato
6 [359]
Gesetzt, unsere Cultur müßte die Frömmigkeit entbehren. Sie könnte sie aus sich nicht erzeugen. Eine gewisse letzte innere Entschlossenheit und Beschwichtigung wird fehlen. Mehr als je kriegerische und abenteurerische Geister! Die Dichter haben die Möglichkeiten des Lebens noch zu entdecken, der Sternkreis steht dafür offen, nicht ein Arkadien oder Campanerthal: ein unendlich kühneres Phantasiren an der Hand der Kenntnisse über Thierentwicklung ist möglich. Alle unsere Dichtung ist so kleinbürgerlich-erdenhaft, die große Möglichkeit höherer Menschen fehlt noch. Erst nach dem Tode der Religion kann die Erfindung im Göttlichen wieder luxuriiren.
6 [360]
Eins thut noth: die Isolation der begabten Menschen, ihre Selbsternährung, ihre Abstinenz von Ruf und Amt, die Geringschätzung aller aus großen Menschen-Haufen resultirenden Menschen und Vorgänge. Eine Großstadt-Emeute und -Zeitung ist durch und durch “Schauspiel,” “unecht.”
6 [361]
Unser System angenehmer und unangenehmer Empfindungen verzweigt und verfeinert sich, und unser Gedankenleben auch. Letzteres glaubt lange Zeit das Bewußtsein ganz zu sein und den Grund aller angenehmen und unangenehmen Dinge zu wissen. Naive Leute glauben es noch, daß wir wissen, warum wir wollen. Wir haben auch vor einer Handlung eigentlich nur Möglichkeiten vorzustellen, welche unsere Handlung erklären können, je nach dem Grade unserer Kenntniß von uns: aber was uns bewegt, das wissen wir auch durch die That selber noch nicht, ja nie! Wir interpretiren unsere Handlung vor und nach der That nach dem Kanon unserer Annahmen über menschliche Motive. Diese Interpretation kann das Rechte treffen, aber in der Interpretation selber liegt nichts, was die That wirklich bewegt oder thut. Sich einen Zweck setzen: d. h. einem Triebe ein Gedankenbild entgegenhalten, welches ihn denken soll. Dies ist vollständig nie der Fall! Das Gedankenbild besteht aus Worten, ist etwas höchst Ungenaues, es hat gar keine Hebel, um Bewegungen zu veranlassen—an sich. Nur durch Association, durch eine logisch unzugängliche und absurde Beziehung zwischen einem Gedanken und dem Mechanism eines Triebes (sie begegnen sich vielleicht in einem Bilde z. B. dem eines streng Befehlenden) kann ein Gedanke (z. B. beim Commandowort) eine Handlung “hervorbringen.” Eigentlich ist es ein Nebeneinander. Es ist nichts von Ursache und Wirkung zwischen Zweckbegriff und Handlung, sondern dies ist die große Täuschung, als ob es so wäre!
6 [362]
Wir denken in Worten! Weiß man, was Worte sind, wie kann man glauben, daß Denken Bewegungen direkt hervorbringen kann! Es sind lauter kleine Irrthümer, aber unsere Triebe sind so nahe an dieser Region des Irrthums angelegt, und jedem Triebe entspricht eine Anzahl dieser bunten willkürlichen Dinge genannt “Worte,” daß ein Wort oft ein Signal ist, keine Ursache, zur Bewegung (wie ein Hornton die Lokomotive stehen macht) Je strenger wir erkennen, je fester wir die Worte begrenzen, es sind Bilder auf dem Spiegel, ja Abbilder dieser Bilder! Der Übergang zur Erkenntniß von Ursache und Wirkung ist nie zu machen. Unser Erkennen ist Beschreiben, mehr oder weniger ungenau, das genaue Nacheinander und Nebeneinander, ein Gedächtniß zu einer Art von Bild (einer zeitlosen Einheit) scheinbar vereinigt:
6 [363]
Da hinten im Holze, wo die Bäume noch nichts von der Stadt gehört haben, da fängt der Knabe an, über die Stadt hinweg zu denken.
6 [364]
Unendlichkeit! Schön ist’s “in diesem Meer zu scheitern.”
6 [365]
Alle Triebe ursprünglich relativ zweckmäßig in ihrer Wirkung (“gut” und “böse”). Moral ensteht a) wenn ein Trieb über andere dominirt z. B. Furcht vor einem Gewaltigen oder Trieb zum geselligen Leben. Da müssen schwächere Triebe gespürt, aber nicht befriedigt werden. Die Antworten auf das hier entstehende Warum? sind so roh und falsch wie möglich, aber sie sind Anfang moralischer Urtheile, einen Werthunterschied der Handlungen zwischen nöthig zulässig unzulässig festsetzend. Einen Trieb haben und vor seiner Befriedigung Abscheu empfinden ist das “sittliche” Phänomen. Oder z. B. die Liebe zu den Jungen zum Eigenthum, derentwegen man selber hungert, sich Gefahren aussetzt. Junge und Eigenthum sind etwas so Angenehmes: aber wenn man Gründe wollte, so genügte dies nicht zu sagen “sie sind angenehm”—die Vernunft der Moral ist das Bemühen, die Instinkte zu übersehen und uns den Schein zu geben als ob wir nach Zwecken handelten, also unser Bestes wollten. Thatsächlich ist das Angenehme meistens unser Bestes, aber dies Beste vermochte man nicht zu erfassen, dazu hatte man die Kenntnisse der Natur und des Menschen nicht. Man construirte ein Bestes nach seiner Annahme über Natur und Mensch. Dazu gehört z. B. das Heil der Seele. Oder die Ehre. Oder die Gebote eines Gottes. Der Mensch affektirt überall nach Zwecken zu handeln—diese große Komödie geht durch, er thut “verantwortlich.” Aber zu den Motiven der Instinkte kommen die Zweckbegriffe hinzu und hinterdrein und treffen fast nie den bewegenden Punkt. Die menschliche Maschine würde fast stille stehen, falls sie einmal nur von den vermeintlichen Motiven geleitet werden sollte. Auch jetzt noch ist die Täuschung sehr groß.
6 [366]
Nicht die vergessenen Motive und die Gewöhnung an bestimmte Bewegungen ist das Wesentliche—wie ich früher annahm. Sondern die zwecklosen Triebe von Lust und Unlust, man will das Angenehme und nicht wegen des damit zu erlangenden Vortheils, sondern weil die Handlung selber angenehm ist. Der Zweck wird erreicht, aber nicht gewollt. Die Arten von lustvollen Bewegungen, welche dem Zweck der Erhaltung dienen, sind durch Selektion erhalten.
6 [367]
Wenn er mich sehr bäte oder ich erriethe, daß er meiner sehr bedürfte, ich würde, trotz allem besseren Wissen, auf seine Seite treten. Dies wäre meine Schwäche. Lieber uns im Stiche lassen und die, die unser bedürfen! Und wir sind vieler Verstellung fähig: und folglich auch vieler Umbildung und zweiter Ehrlichkeit.
6 [368]
Empfindet ihr nichts von der Noth, gegen einen Menschen Recht zu haben und es öffentlich zu bezeugen? Wird euch Kritik so leicht? Ist es nur, daß ihr euch aufstellt, nachdem jener sich aufstellte? Merkt ihr nicht, daß er euch sein Bestes geben wollte und daß ihr es annehmen solltet, selbst wenn es euch nicht werthvoll, ja schädlich schiene? Aber ihr thut, als solche die in der Nothwehr leben, ihr habt auch Recht. Mit Mühe haltet ihr euch aufrecht, und jener will euch etwas auflegen, das ihr nicht tragen könntet. Er sagt: ein Geschenk!, ihr sagt: eine Aufgabe
6 [369]
Das Leben von euch Beamten und Politikern hat etwas Rauschendes, ein Bad und Mühlenräder tönen um euch, sie machen mit ihrem Lärm euer Denken kraftlos: wie wollt ihr noch eurer Seele Melodien hören! Ihr werdet hohl und hart: und oberflächlich! Und eure “Pflicht” wird zum Schrecken für Andere und führt sie irre, es scheint ein edles Selbstopfern, aber es ist nur eine Selbstvergeßlichkeit; von dem Augenblick an, wo das bischen “Selbst” eben sichtbar werden wollte: mehr Nachlässigkeit als Opfer.
6 [370]
In Anbetracht, daß jagen die Hauptbeschäftigung war, viele Jahrtausende: so ist auch unser wissenschaftlicher Trieb nichts anderes. Wie Knaben immer auf der Jagd sind.
6 [371]
Wenn ich von Bosheiten Anderer gegen mich höre, so ist eine meiner nächsten Empfindungen eine Art Genugthuung: es scheint mir billig, daß Leute, mit denen ich so wenig übereinstimme, und gegen die ich so viel Recht auf meiner Seite habe, ihrerseits sich einen guten Tag machen. Auch glaube ich es nie an Handlungen und Gedanken fehlen zu lassen, welche diesen Anderen das Gefühl ihrer eigenen Überlegenheit und ein gutes Recht auf dies Gefühl geben. Denn so ist die Natur der Dinge: wir machen mit unseren Fehlern und Versehen viel Freude und vielleicht mehr.
6 [372]
Vor diesem Menschen und beim Denken an ihn fühlen wir Produktivität ebenso bei dieser Landschaft usw., nach dieser Nahrung.
6 [373]
Wenn wir einen Zweck verfolgen, so würden wir nie mit voller Energie die Mittel handhaben; aber unsere Instinkte geben uns die nöthige Blindheit. Alle Männer des Glaubens sind solche Instinktive, ihr Glaubensartikel ist nicht aus Gründen entstanden: sondern sie haben innerliche unberechenbare Freude an ihm. Die Neigung zu Gedanken wird vererbt und angezogen d. h. zu Gedankentrieben.
6 [374]
Der Mensch handelt immer nach der ihm verhältnißmäßig angenehmsten Vorstellung. Aber diese Rechnung ist oft sehr schwer, und die Übung im Unterscheiden der zahllosen Grade zu gering, namentlich da die Phantasie die Kraft haben müßte, zukünftige Freuden und Leiden als voll anzusetzen, gleich dem gegenwärtigen Genuß, der vielleicht schon in Aktivität ist.
6 [375]
Wenn ich über Motive bestimmter Personen rede, so ist es eine Ehrensache für mich. NB.
6 [376]
Ich will den Leuten keine neue große Last auflegen, sondern ihnen eine Last abnehmen NB
6 [377]
So wenig als möglich Staat! Ich bedarf des Staates nicht, ich hätte mir, ohne jenen herkömmlichen Zwang, eine bessere Erziehung gegeben, nämlich eine auf meinen Leib passende, und die Kraft gespart, welche im Sichlosringen vergeudet wurde. Sollten die Dinge um uns etwas unsicherer werden, um so besser! ich wünsche, daß wir etwas vorsichtig und kriegerisch leben. Die Kaufleute sind es, die uns diesen Ohne-Sorgenstuhl Staat so einladend machen möchten, sie beherrschen mit ihrer Philosophie jetzt alle Welt. Der “industrielle” Staat ist nicht meine Wahl, wie er die Wahl Spencer’s ist. Ich selber will so viel als möglich Staat sein, ich habe so viele Aus- und Einnahmen, so viele Bedürfnisse, so viel mitzutheilen. Dabei arm und ohne Absicht auf Ehrenstellen, auch ohne Bewunderung für kriegerische Lorbeeren. Ich weiß, woran diese Staaten zu Grunde gehen werden, an dem Nonplusultra-Staat der Socialisten: dessen Gegner bin ich, und schon im jetzigen Staate hasse ich ihn. Ich will versuchen, auch im Gefängniß noch heiter und menschenwürdig zu leben. Die großen Jammerreden über menschliches Elend bewegen mich nicht, mitzujammern, sondern zu sagen: das fehlt euch, ihr versteht nicht als Person zu leben und habt der Entbehrung keinen Reichthum und keine Lust an der Herrschaft entgegenzustellen. Die Statistik beweist, daß die M zunehmen im Gleichwerden d.h. daß —
6 [378]
Um den Menschen umzubilden: müssen wir einmal davon ausgehen, daß unsere Werthschätzung von guten und bösen Handlungen falsch und willkürlich ist, alles muß neu untersucht werden, Jahrhunderte lang, wie es zur Heilung des Körpers noth that, alle Theorien der Medizin gleichmäßig zu verwerfen! Die Instinkte auf diesem Gebiete sind zu entwurzeln, zunächst ist Achtung für den zu pflanzen, welcher hier auf Versuch lebt—es ist die wichtigste Gattung von Menschen, wie für den Arzt das Versuchsthier die wichtigste Gattung von Thier ist.
6 [379]
1) Es ist so schwer den Menschen wehe zu thun! O daß es nöthig ist! Was nützt es mir, mich zu verbergen, wenn ich nicht für mich behalten will, was den Menschen Ärgerniß giebt?
6 [380]
An unseren größten Qualen und Sorgen andere theilnehmen lassen, die dieselben nicht haben, sondern nur leiden machen—ist das nicht grausam? Ist es nicht aus jenem Gefühle entsprungen, welches bei allem Schlimmen was uns trifft, etwas leidend sehen will, eine feine Emanation der Rache? Und ist also nicht die Ehe und die Freundschaft voller Gefahr, weil sie solche Grausamkeit der Übertragung von Leid fördert? Es ist schwer, ein Leid nicht mitzutheilen—also sollten wir uns die Gelegenheit dazu nehmen und in der Einsamkeit leben.
6 [381]
Ich finde Schopenhauer etwas oberflächlich in seelischen Dingen, er hat sich wenig gefreut und wenig gelitten; ein Denker sollte sich hüten, hart zu werden: woher soll er dann sein Material bekommen? Seine Leidenschaft für die Erkenntniß war nicht groß genug, um ihrethalben leiden zu wollen: er verschanzte sich. Auch sein Stolz war größer als der Durst nach Erkenntniß, er fürchtete für seinen Ruf, im Widerrufen.
6 [382]
Bisher gab es Verherrlicher des Menschen und Verunglimpfer desselben, beide aber vom moral Standpunkte aus. La Rochefoucauld und die Christen fanden den Anblick des Menschen häßlich: dies ist aber ein moralisches Urtheil und ein anderes kannte man nicht! Wir rechnen ihn zur Natur, die weder böse noch gut ist und finden ihn dort nicht immer häßlich, wo ihn jene verabscheuten, und da nicht immer schön, wo ihn jene verherrlichten. Was ist hier schön und häßlich? Das Complicirt-Zweckmäßige, was den Verstand irrt und überlistet, das Taschenspielerhafte daran; dann die Ausdrucksfähigkeit und die Macht des Ausdrucks selber: der große Bogen seiner Pläne und Ideale. Seine Geschichte . Seine Art sich zu berauschen. Es ist ein Studium ohne Ende, dieses Thier! Es ist kein Schmutzfleck in der Natur, das haben wir erst hinein gelegt. Wir haben diesen “Schmutz” zu oberflächlich behandelt. Es gehören Niederländer-Augen dazu, auch hier die Schönheit zu entdecken.
6 [383]
Antike Merkmale: die Freundschaft, die Orakel, die Sklaven, otium, keine Sündengötter und keine gesellschaftliche Scham. Thukydides ist mir der Typus, der mir am nächsten steht: er hat die Freude an den Typen, findet, daß zu jedem Typus ein Quantum von guter Vernunft gehört, und sucht dies zu entdecken: das ist seine praktische Gerechtigkeit.
6 [384]
Auch wenn ich mir Wort für Wort überlege, was ich sagen will und es nachher mit vollem Bewußtsein thue, so ist doch das Gesprochene hundertfältig reicher und anders (z. B. im Tone, in den Pausen, in den begleitenden Gebärden), und das Überlegte daran ist ein kleiner Theil davon. Was ist denn nun das Unüberlegte davon, das Improvisirte?
6 [385]
Großer Unterschied: einem Anderen gefallen wollen, um jenes willen oder um unsertwegen. Etwas um seinetwillen lieben—warum moralisch?
6 [386]
Der Selbstmord als Maßstab der Cultur: deutsch. Der Verbrauch der Seife: englisch.
6 [387]
Manche mögen sagen und schreiben, was sie wollen—es ist immer etwas darin von guter Musik. Und bei anderen etwas von schlechter. Bei den Meisten fehlt alle Musik.
6 [388]
Die feinsten Farben in Litteratur und Musik sind nur beruhigten Menschen sichtbar und voller Lust—was wollen sie in unserer Zeit!
6 [389]
Das Widerwärtige wird jetzt sehr genau gemalt—warum?— Dahin gehört auch der Pessimismus. Nicht Entartung der Sitten, sondern Überbeschäftigung ist der Grund.
6 [390]
Man leidet an der Schande, nicht am Verbrechen. Wenige sind so fein, hierzu unterscheiden.
6 [391]
Das Bedürfniß zu beten, auch das des Bußredens, Lobpreisens, Segnens, Fluchens, alle religiösen Gewohnheiten brechen heraus, sobald ein Mensch pathetisch wird: zum Beweis, daß pathetisch werden heißt eine Stufe zurück treten. Wann sind wir davon am entferntesten? Wenn wir spielen, Geist zeigen, und austauschen, freudig-heiter sind und schalkhaft dabei, im Scherz über alles Emphatische in Wort, Ton, Trieb—vielleicht erreichen wir hier einen Vorsprung über unsere Zeit. Der heroische Mensch, der vom Kampf und den Strapatzen und dem Hasse ausruht und sich des Pathos schämt—und dort der Priester!
6 [392]
Der moralische Fanatism der antiken Philosophen hat dem Christenthum vorgearbeitet, es ist viel zu viel Werth auf das Heil der Seele gelegt worden. Wir sind tief unmoralisch im Verhältniß zum Alterthum, und das ist unser Vorzug. Und tief unreligiös gegen das Christenthum.
6 [393]
Die Naturen, welche überhaupt nicht über sich denken, namentlich aber gewisse Dinge an sich nicht ins Auge fassen mögen (Frauen z. B. schon die Thätigkeit des Magens nicht, geschweige den Geschlechtstrieb)—diese deuten sich alle Phänomene anders und wollen den einfachen Grund nicht sehen und nicht zugeben. So erlangt ihre Passion etwas Träumerisches und für sie selber Mystisches, sie unterliegen ihr viel eher und heftiger, weil sie idealistisch von sich denken. Was wissen unvermählte Frauen von dem abartenden Geschlechtstrieb, in ihrer Leidenschaft für die Kunst und gewisse Richtungen derselben, oder im Mitleid oder in der Art von blinder Hingebung an einen Gedanken!
6 [394]
Die Liebe Gottes zum Menschen ist die Ausschweifung des Gedankens von ungeschlechtlich lebenden Menschen, dem Alterthum konnte so etwas nicht einfallen.
6 [395]
Die vollkommene Zufriedenheit (Epiktets, und Christus ebenso!) mit allem, was geschieht—denn alles kann er benutzen. Der Weise benutzt es als Werkzeug, nur für die Unweisen giebt es Übel. Die Consequenz wäre freilich, daß die Welt dem Weisen keine Milderung des Übels, keine Beseitig verdankt. Er begreift das Übel als Übel nicht—das die Folgen der Lehre vom freien Willen! von der absol Seele!
6 [396]
Das Alterthum schließt mit einem moralischen und religiösen Quietismus—das müde Alterthum und das Individuum allmächtig und einzig sich wichtig haltend, es legt die Ereignisse aller Welt zu seinem Heil aus, alles was geschieht, hat für es Sinn. Es ist die Astrologie, auf Staaten, Naturereignisse, Umgang und den Ziegel auf dem Dach bezogen: alles hat nur für das Individuum einen Sinn, den dies finden kann, davon abgesehen ist es der Aufmerksam des Weisen unwürdig. Die moralisch-religiöse Benutzung und Ausdeutung des Geschehens—alles andere wurde gleichgültig und verächtlich. Der wissenschaftliche Sinn unterlag!
6 [397]
Erhebt euch und geht, Freunde, schon viel zu lange habt ihr mich reden lassen. Der Wind wird kühler und lebhafter, das Gras auch—diese stille Höhe zittert, und es geht gen Abend. Geht und thut sofort, ich bitte euch, wenn ihr in das Thal kommt, eine kleine Thorheit, damit alle Welt sehe, wessen ihr hier von mir belehrt seid.
6 [398]
Man wird von seinen Meinungen über die Leidenschaften mehr gequält als von den Leidenschaften selber.— Wo die Menschen nicht den Zweck eines Triebes als nothwendig zur Erhaltung mit Händen greifen, wie beim Koth- und Urinlassen, Nahrungnehmen usw., da glauben sie ihn als überflüssig beseitigen zu können z. B. den Trieb zu neiden, zu hassen, zu fürchten. Und das Nicht-loswerden-können betrachten sie als ein Unrecht, mindestens Unglück: während man so bei Hunger und Durst nicht denkt. Er soll uns nicht beherrschen, aber wir wollen ihn als nothwendig begreifen und seine Kraft zu unserem Nutzen beherrschen. Dazu ist nöthig, daß wir ihn nicht in seiner ganzen vollen Kraft erhalten, wie einen Bach, der Mühlen treiben soll. Wer ihn nicht ganz kennt, über den fällt er her, wie nach den Winterzeiten ein Gebirgsbach zerstörend herunterkommt.
6 [399]
Wir können unseren Leidenschaften ein höheres Leben geben, wenn wir ihre direkten Entladungen verhindern. Aber mitunter ist es ekelhaft z. B. beim Geschlechtstrieb.
6 [400]
Die Thatsache war, daß im griechisch-römischen Alterthum der Mensch an seinen Leidenschaften wie an seinen unrechten Handlungen nicht intensiv genug litt, es war zumeist das Leiden von der Art, wie man sagt “wie dumm war ich, dies zu thun!” Etwas dem Sündengefühle Ähnliches konnte nur bei Philosophen entstehen, auf Grund von der reinen göttlichen Seele und deren Verunreinigungen: nicht nur eine Dummheit und ein wirklicher Nachtheil, sondern ein Gefühl der Erniedrigung und Beschmutzung, eine Beleidigung einer erhabenen Vorstellung von uns. Seine Meinung über die Leidenschaften und das Böse verstörte den Philosophen, nicht so sehr die üblen Folgen. Aber alles ging auf Einem Gleise vorwärts in dieser Richtung, das Christenthum brachte den stärksten Ausdruck, indem es die wirklichen Folgen ganz außer Acht ließ und beinahe als indifferent behandelte. Also die Wirkung des Handelns selber für das Organ des Handelns. Das Ideal Epiktets: sich selber wie einen Feind und Nachsteller immer im Auge haben: der kriegerische Einsiedler, der ein kostbares Gut zu vertheidigen und vor Verderbniß zu wahren hat, nachdem er es errungen hat. Nicht auf die Menschen giebt er Acht, er glaubt sie zu kennen, er hat von dem Interesse des Individuellen keine Ahnung: sie sind die Schatten, das Wahre in ihnen sind ihre Gedanken und Triebe, welche er philosophisch rubrizirt hat. In dieser Geisterwelt lebt er und kämpft seinen Kampf. Er hat nur Freude als Krieger. Ebenso hat das Christenthum keinen Genuß am Menschen. Wir aber rechnen ihn wieder zur Natur und genießen die Natur: wir sind nicht nur gerecht gegen alle Natur, wir finden sie reich, erstaunlich, unerkannt, forschungswürdig. Der Roman und die psychologische Beobachtung aus Lust am Menschen ist unser! Wir verzeihen uns viel mehr, wir verachten uns viel weniger, wir wünschen vieles nicht weg, wenn wir gleich gelegentlich daran leiden. Wir mögen die entsetzliche Simplifikation des tugendhaften Menschen nicht: so wenig wir nur fruchtbare Felder wollen.
6 [401]
Wir können nur die Charaktere begreifen, die wir aus uns bilden können, und nur so viel von ihnen. Wie unser Auge nur sehen kann, wozu es sich geübt hat.
6 [402]
Ich sehe einen Baum und halte es für ein Kind. Ich sehe Gesichtszüge ganz deutlich im Gespräch, aber ich imaginire sie in dieser Schärfe.
6 [403]
Eine Trivialität, die diesem Jahrhundert eigen ist: Gott ist nicht damit zu beweisen, daß einer die Guten belohnen, die Bösen bestrafen muß. Daran, daß dies nöthig sei, glaubt niemand (wie noch Kant) Über Gerechtigkeit denken wir anders.
6 [404]
seinen guten Glauben heirathen
6 [405]
Wer sein höheres Selbst nicht angehört hat, sondern der Gesellschaft dient oder einem Amte oder seiner Familie, der spricht immer von “Pflichterfüllung”—damit sucht er sich zu beschwichtigen. Namentlich aber fordert er von den Anderen den Gehorsam gegen die bestehende Ordnung: er rechtfertigt sich, indem er Gewalt vermöge seiner Handlungsart ausübt.
6 [406]
Der neue Gedanke entzückt mich, ich verlerne immer mehr zu empfinden, daß er von mir oder einem anderen ist. Wie albern hierin eifersüchtig zu sein! Und doch welche furchtbare Geschichte für die Verdunkelung des Wahren hat diese Eifersucht!
6 [407]
Die Menschen mit der Maske, die sogenannten Charaktere, die sich nicht schämen, ihre Maske zu zeigen.
6 [408]
2) Durch nachgiebiges Wohlwollen vor sich wieder gut machen, daß man ein großes anmaaßliches Ziel verfolgt: und eitel mit den Eiteln, verliebt mit den Verliebten, häuslich mit den Häuslichen und schwärmerisch mit den Schwärmern sein. An den Einzelnen es sühnen, was wir an Allen sündigen, durch Abweichen, Wehe thun usw. Ja es gern sehen, wenn die Menschen an uns ihre Rache nehmen—es ist billig bei einem solchen übermüthigen Grade von Abweichung.
6 [409]
Ehemals bewies man die Unfreiheit des Willens durch den Hinweis auf die Wahrsager. Dies hat die Lehre in Mißkredit gebracht, als die W in M kamen.
6 [410]
Wir verstehen von einem uns fremdartigen Wesen eben nur die Eindrücke, die seine Form auf uns hinterläßt: also wir erleben eine Formveränderung an uns und dieses Negativum verstehen wir als Positiv: wir nennen z. B. den, welcher uns schädlich ist, böse.
6 [411]
Wie grausam wir unsere paar Tugenden den anderen Menschen anrechnen und sie auf diesem Punkte zwicken und plagen! Ich will’s auch mit dem Sinn für Wahrheit menschlich treiben NB. Sobald wir es mit ihm übertreiben und ihn wie im Treibhaus schnell wachsen lassen, so verdirbt uns das Leben, und die Menschen werden uns ekelhaft, ja wir uns selber!
6 [412]
Ursache und Wirkung sind für uns unbegreiflich, weil beide nur als negative Abbilder uns bewußt werden und zwischen denen giebt es nur Succession. Aus solchen Successionen besteht der “Körper” “das Ding.” Wir nehmen keine Bewegung wahr, sondern mehrere gleiche Dinge in einer gedachten Linie, wir nehmen auch keine Zeitdauerlinie wahr, sondern unsere Empfindung hat bewußte Momente (getrennt von einander) und diese fügen wir aneinander, legen sie an sich und bauen so einen bestehenden dauernden Körper aus einzelnen Empfindungen. Aber wie das gleiche Ding in der Bewegung eine Illusion ist, also die Bewegung, welche wir construiren, jedenfalls etwas anderes ist als die “Wirklichkeit” so ist auch dies Gebilde aus mehreren negativen Eindrücken auf uns construirt und zurechtphantasirt, jedenfalls etwas anderes als die Wirklichkeit. Es kann nicht vollständig sein, denn es besteht nur aus Relationen zu uns, und das an uns, wozu es keine Relationen haben kann, verhindert einen vollen Abdruck Selbst als Abbild ist es nicht vollständig. Sodann hat es zur Voraussetzung, daß das Ding in diesem Augenblick, wo es einen Eindruck auf uns macht, dasselbe Ding ist, welches in einem anderen Augenblick (im “nächsten”—sagen wir, und täuschen uns) wieder einen neuen Eindruck d. h. eine zweite Relation auf uns macht. Ein Baum der lang, dann rund, dann grün usw. erscheint.
6 [413]
Der Raum von drei Dimensionen gehört in die Vorstellung, ebenso wie die Bewegung, die dritte Dimension “vollendet sich nur in der Zeit.” Wir verbinden Flächen zu einer Einheit, die uns nach einander sichtbar werden. Wir selber als erkennende Wesen sind eine immer neue rotirende Kraft und bringen so ein Nacheinander hervor, auch bei festen Objekten.
Wir sind die Bewegten, welche sich um die Dinge bewegen: wir stehen nicht still, das Umgekehrte ist wahr von dem, was der Augenschein ist.
6 [414]
“Seien wir nur natürlich! Die Natur ist böse—um so mehr macht sie Effekt”—so denken die Großen, die alle unverschämt sind!
6 [415]
Wie schwach ist die Verantwortlichkeit bei indirekten oder entfernten Wirkungen! Dagegen fällt die nahe Wirkung furchtbar über uns her, und was um uns geschieht, das macht uns ein Gefühl des Schuldtragens, auch wenn wir nichts dazu können. Optik!
6 [416]
Sobald wir die Gerechtigkeit zu weit treiben und den Felsen unserer Individ zerbröckeln, unsern festen ungerechten Ausgangspunkt ganz aufgeben, so geben wir die Möglichkeit der Erkenntniß auf: es fehlt dann das Ding, wozu alles Relation hat (, auch gerechte Relation) Es sei denn, daß wir alles nach einem anderen Individ messen, und die Ungerechtigkeit auf diese Weise erneuern—auch wird sie größer sein (aber die Empfindung vielleicht reiner, weil wir sympathisch geworden sind und im Vergessen von uns schon freier)
6 [417]
sie verstecken sich ins Innere und ihr Äußeres wird maskenhaft und wie gelähmt. Ah der Blick—ganz Oberfläche, kalt.
6 [418]
Wir erkennen nur die negative Seite aller wirkenden Dinge, gleichsam wie den Abdruck und Eindruck derselben auf uns: nicht das Wesen dieser Dinge, sondern unsere Natur allein in einer bestimmten Hemmung und Begrenzung.
6 [419]
Ein anderer Mensch wird von uns nicht anders verstanden als durch die Hemmung und Beschränkung, die er auf uns ausübt d. h. als Abdruck in das Wachs unseres Wesens. Wir erkennen immer nur uns selber, in einer bestimmten Möglichkeit der Veränderung; manche Menschen wirken nicht auf uns, weil hier unser Wachs zu hart ist oder zu weich. Und zuletzt erkennen wir die Möglichkeiten unserer Strukturverschiebung, nichts mehr.
Ebenso steht der “Mensch an sich” zu allen eterogenen Dingen: sie drücken ihre Form an ihm ab, so weit er sie annehmen kann, und er weiß nichts von ihnen, als durch die Veränderung seiner Form.
6 [420]
Die Zeitdauerempfindung wie die Raumempfindung des Menschen ist gewiß von der jedes Thiers verschieden, ja hierin wird jeder Mensch von jedem Menschen verschieden sein. Eine Stunde ist nie gleich einer anderen Stunde in einem anderen Kopfe: ja auch nie für uns selber wieder. Aber auch die Durchschnittsempfindung einer Stunde ist für jeden Menschen anders! und für alle Menschen zusammen anders als für eine Ameise.
6 [421]
Der gute Gedanke ist nur eine Ausnahme, die meisten originellen Gedanken sind Narrheiten. Die gewohnten Gedanken sind deshalb so hoch geachtet, ja zur Pflicht gemacht, weil sie eine Art Bewährung haben, mit ihnen ist der Mensch nicht zu Grunde gegangen. Dies “nicht zu Grunde gehen” gilt als der Beweis für die Wahrheit eines Gedankens. Wahr heißt “für die Existenz des Menschen zweckmäßig.” Da wir aber die Existenzbedingungen des Menschen sehr ungenau kennen, so ist, streng genommen, auch die Entscheidung über wahr und unwahr nur auf den Erfolg zu gründen. Woran ich zu Grunde gehe, das ist für mich nicht wahr d. h. es ist eine falsche Relation meines Wesens zu anderen Dingen. Denn es giebt nur individuelle Wahrheiten—eine absolute Relation ist Unsinn. Die Art zu denken, die Anspannung und Häufigkeit, die Gegenstände, das Nichtsehenkönnen, Nichtfühlen vieler Dinge alles ist eigentlich eine Bedingung unserer Existenz. Jeder Fehler ist ihr schädlich. Meistens also machen wir Fehler, meistens sind wir fortwährend irgendwie krank durch unser Denker, wir können ja nur experimentiren, und das ganz individuell uns Nothwendige im Erkennen ist die Ausnahme.
6 [422]
Das Wahre an einem historischen Ereigniß: alles geht in Köpfen vor sich, die sich gegenseitig falsch und unvollständig sehen.
6 [423]
Niemals Jemandes Sünden mittheilen! Aber unseren Verkehr abbrechen!
6 [424]
Was an uns bemerkbar ist, das wächst oder verwelkt unter dem Einflusse des Lichtes das von den anderen Menschen auf uns strahlt: gleichsam als ob die Augen der Menschen für uns nothwendige Wärme- und Lichtquellen wären. Als bemerkbar und bemerkt, regulirt sich das Wachsthum nach den Anderen z. B. unsere Haltung Miene.— Dann was wir bemerken, aber andere nicht wissen können!—und endlich das, was auch wir nicht bemerken! Die Grenzen sind verschieden, vieles ist mir im Licht, was anderen im Dunkel ist und entwickelt sich folglich anders, z. B. Religiosität, Sinn für Wahrheit, Sympathie, Laster.
6 [425]
Während einer Sonnenfinsterniß fallen die Tagthiere rasch in Schlaf.
6 [426]
Die Nachtthiere werden erst beim Eintreten der Dunkelheit munter. Sie, haben so gut entwickelte Augen wie die Tagthiere. Warum fliegen sie nur in der Nacht herum? Die Thiere hängen vom Lichte ab durch Vermittlung der Augen.
6 [427]
“Es war Mode, daß die jungen Frauen, wenn sie Voltaire begegnen, erbleichen, sich aufregen, gerührt und selbst unwohl werden, sich ihm in die Arme werfen, stammeln, weinen, kurz in einen Zustand gerathen, der der leidenschaftlichsten Liebe ähnelt.” Huldigen!
6 [428]
Die Aneignung der Vergangenheit—wie viel Sympathie, Leidenschaft, Selbstvergessen, ja Selbstverachtung ist nöthig, um die Seele der Vergangenheit wieder entstehen zu lassen! Es ist ein Anfang, es ist eine Schwärmerei dabei, viel Trotz und Fanatism. Voran die Deutschen—worauf weist es!— Zu vergleichen die Reformation Luthers (ebenfalls Historie!): Widerwille gegen die Vernunft, die Helligkeit, das Pietätlose, Traditionslose, gegen den Mangel an festem Halt.
Aber die Historie, aus dem genannten Motiv betrieben, bringt eine ungewollte Wirkung! Die Vergangenheit bewies nicht, was man suchte!
6 [429]
Alle die Relationen, welche uns so wichtig sind, sind die der Figuren auf dem Spiegel, nicht die wahren. Die Abstände sind die optischen auf dem Spiegel, nicht die wahren. “Es giebt keine Welt wenn es keinen Spiegel giebt” ist Unsinn. Aber alle unsere Relationen, mögen sie noch so exakt sein, sind Beschreibungen des Menschen, nicht der Welt: es sind die Gesetze dieser höchsten Optik, von der uns keine Möglichkeit weiter führt. Es ist nicht Schein, nicht Täuschung, sondern eine Chiffreschrift, in der eine unbekannte Sache sich ausdrückt,—für uns ganz deutlich, für uns gemacht, unsere menschliche Stellung zu den Dingen. Damit sind uns die Dinge verborgen.
6 [430]
Die Fliege die nicht durch das Glas kann
6 [431]
Wir sehen den Spiegel nicht anders als die darauf sich spiegelnde Welt.
6 [432]
Der Mensch verhüllt uns die Dinge.
6 [433]
Auf diesem Spiegel geht es regelmäßig zu, ein Ding folgt immer wieder auf das andere—wir nennen’s Ursache und Wirkung, aber begreifen können wir nichts, weil wir die Bilder der Ursache und der Wirkung allein sehen.
Wir reden, als ob es seiende Dinge gebe, und unsere Wissenschaft redet nur von solchen Dingen. Aber ein seiendes Ding giebt es nur nach der menschlichen Optik: von ihr können wir nicht los. Etwas Werdendes, eine Bewegung an sich ist uns vollens unbegreiflich. Wir bewegen nur seiende Dinge—daraus besteht unser Weltbild auf dem Spiegel. Denken wir uns die Dinge fort, so auch die Bewegung. Eine bewegte Kraft ist Unsinn—für uns.
Versuchen wir den Spiegel an sich zu betrachten, so entdecken wir nichts als Dinge. Wollen wir die Dinge fassen, so kommen wir zuletzt wieder auf nichts als den Spiegel.
Unser Denken ist wirklich nichts als ein sehr verfeinertes zusammengeflochtenes Spiel des Sehens Hörens Fühlens, die logischen Formen sind physiologische Gesetze der Sinneswahrnehmungen. Unsere Sinne sind entwickelte Empfindungscentra mit starken Resonanzen und Spiegeln.
6 [434]
Wenn wir beachten, zu welchen Irrungen uns die Sinne am liebsten verführen, können wir errathen, welcher Art ihre Grundirrthümer sein werden (z. B. der Glaube an Körper
6 [435]
Ein Spiegel, auf dem die Dinge nicht als Flächen sondern als Körper sich zeigen.
6 [436]
Der Enthusiasmus nimmt sich bei denen ganz anders aus, welche sich vergessen müssen, um glücklich zu sein—Selbstentäußerung. Die Übung des Bewußtseins ist bei ihnen dem Glücksgefühl entgegengesetzt und sie nehmen an, daß der Verstand und die Gluth der Empfindung sich ausschließen. Mit scharfen Adlersaugen sich aufschwingen—das können sie nicht, sie wollen Blindheit, Überwältigtsein!
6 [437]
Wir wähnen, allmählich stelle sich die Wahrheit fest—aber nur der Mensch in seiner Relation zu anderen Kräften stellt sich fest. Er bildet sich die Fülle der Relationen aus: d. h. die Fülle von Beschränktheiten und Irrthümern. Es sind keine absoluten Irrthümer, sondern von der Art der optischen. Wir fördern die Wissenschaft? nein, den Menschen! er wird fester dauerhafter dadurch.
6 [438]
Wäre nach irgend einem Moralsystem streng gelebt worden, so wäre die Menschheit zu Grunde gegangen. Ebenso am Christenthum. Wir leben auch durch die Unmoralität.
6 [439]
Wir thun nicht mehr mit der Erkenntniß als die Spinne mit Netz und Jagd und Aussaugen: wir stellen unsere Bedürfnisse und deren Befriedigung fest, dazu gehören Sonne Sterne und Atome, es sind Umwege zu uns, ebenso die Ablehnung eines Gottes. Auf die Dauer leiden wir Schaden an jeder fehlerhaften Relation (Annahme einer Relation) Deshalb hat an sich unsere Erkenntniß keinen Werth: es sind lauter optische Gesetze (gleichnißweise) Der Mensch selber, in seinem Raum von 5 Fuß Länge, ist eine willkürliche Annahme, auf Schwäche der Sinnesorgane hin construirt.
6 [440]
Das Nachbilden (Phantasiren) wird uns leichter als das Wahrnehmen, Nur-percipiren: weshalb überall wo wir meinen, bloß wahrzunehmen (z. B. Bewegung) schon unsere Phantasie mithilft, ausdichtet und uns die Anstrengung der vielen Einzelwahrnehmungen erspart. Diese Thätigkeit wird gewöhnlich übersehen, wir sind nicht leidend bei den Einwirkungen anderer Dinge auf uns, sondern sofort stellen wir unsere Kraft dagegen. Die Dinge rühren unsere Saiten an, wir aber machen die Melodie daraus.
6 [441]
Unser Erkennen und Empfinden ist wie Ein Punkt im Systeme: wie Ein Auge, dessen Sehkraft und Sehfeld langsam wächst und mehr umfaßt. Damit ändert sich nichts in der wirklichen Welt, aber diese beständige Thätigkeit des Auges versetzt alles in eine beständige wachsende herzuströmende Thätigkeit
Wir sehen unsere Gesetze in die Welt hinein und wiederum können wir diese Gesetze nicht anders fassen als die Folge dieser Welt auf uns. Der Ausgangspunkt ist die Täuschung des Spiegels, wir sind lebendige Spiegelbilder.
Was ist also Erkenntniß? Ihre Voraussetzung ist eine irrthümliche Beschränkung, als ob es eine Maaßeinheit der Empfindung gebe; überall wo Spiegel und Tastorgane vorkommen, entsteht eine Sphäre. Denkt man sich diese Beschränktheit weg, so ist Erkenntniß auch weggedacht—ein Auffassen von “absoluten Relationen” ist Unsinn. Der Irrthum ist also die Basis der Erkenntniß, der Schein. Nur durch die Vergleichung vieler Scheine entsteht Wahrscheinlichkeit, also Grade des Scheins.— Ebenso ist die Sprache eine angebliche und geglaubte Basis von Wahrheiten: der Mensch und das Thier bauen zunächst eine neue Welt von Irrthümern auf und verfeinern diese Irrthümer immer mehr, so daß zahllose Widersprüche entdeckt werden und dadurch die Menge der möglichen Irrthümer verringert wird, oder der Irrthum weiter getrieben wird. “Wahrheit” giebt es eigentlich nur in den Dingen, die der Mensch erfindet z. B. Zahl. Er legt etwas hinein und findet es nachher wieder—das ist die Art menschlicher Wahrheit. Sodann sind die meisten Wahrheiten thatsächlich nur negative Wahrheiten “dies und das ist jenes nicht” (obschon meist positiv ausgedrückt.) Letzteres ist die Quelle alles Fortschrittes der Erkenntniß. Die Welt ist also für uns die Summe der Relationen zu einer beschränkten Sphäre irriger Grundannahmen. Die Gesetze der Optik sind sämtlich Irrthümer, ebenso die des Ohrs. Gesetzt, es giebt zahllose empfindende Punkte in dem Dasein: jeder hat eine Sphäre, wie weit und wie stark er Relationen wahrnimmt, d. h. eine Sphäre der Beschränktheit und des Irrthums. Ebenso hat jede Kraft ihre Sphäre, sie wirkt so weit und so stark und nur auf das und jenes, auf anderes nicht, eine Sphäre der Beschränktheit. Ein eigentliches Wissen um alle diese Sphären und Beschränktheiten ist ein unsinniger Gedanke, weil hier ein Empfinden ohne ein “wie weit” “wie stark” “auf dies und jenes” gedacht werden soll: und ebenso eine Kraft ohne Grenzen, und zugleich mit allen Grenzen, die alle Relationen schafft—das wäre eine Kraft ohne bestimmte Kraft, ein Unsinn.— Also die Beschränktheit der Kraft, und das immer weiter in Verhältniß Setzen dieser Kraft zu andern ist “Erkenntniß.” Nicht Subjekt zu Objekt: sondern etwas Anderes. Eine optische Täuschung von Ringen um uns, die gar nicht existiren, ist die Voraussetzung. Erkenntniß, ist wesentlich Schein.
6 [442]
Unsere Handlungen sind, da wir Skeptiker sind, Experimente, Rechnungen mit einigen unbekannten Größen—also sehr interessant, weil es nicht alberne Äußerungen unserer Macht sind, die, wenn sie mißrathen, uns ärgern, sondern Versuche, irgend worüber einen Aufschluß zu erhalten, durch den Erfolg. Wir lassen uns weder durch unsere Handlungen noch durch unsere Erfolge tyrannisiren.
6 [443]
Bei dem nimmt sein wohlwollender Trieb zu, wenn sein Gefühl der Macht zunimmt: seine Freudigkeit und seine größere Verantwortung machen ihn ausspähend nach guten Handlungen.
6 [444]
Wir glauben Alle, in der Empfindung des Neides, Hasses usw. zu wissen, was Neid Haß usw. ist—ein Irrthum! ebenso im Denken: wir glauben zu wissen, was Denken ist. Aber wir erleben einige Symptome einer uns wesentlich unbekannten Krankheit und meinen, hierin eben bestehe die Krankheit. Alle moralischen Zustände bemessen und nennen wir nach dem, was wir dabei bewußt empfinden—und auch dies nicht fein, sondern ganz grob.— Nun haben wir gelernt, daß wir das Wollen nach Zwecken fundamental mißverstehen. Es ist also auch möglich, daß wir alle moralischen Affekte mißverstehen; daß wir die Symptome schon falsch auslegen, nämlich nach den Vorurtheilen der Gesellschaft, welche ihren Nutzen und Schaden im Auge hat.
6 [445]
Moralische Zustände sind physiologische Zustände—deutlich z. B. bei der Liebe. Fast alle wesentlich angenehm, wesentlich nöthig für den Organismus des Einzelnen.
6 [446]
Die Liebe, die auf Einen ablegt, was Vielen zukommt, ist trotzdem verherrlicht, als antiegoistische Macht: als was sie gröblich angesehen erscheint und weil sie wohlthun will. Indessen: sie entzieht allen übrigen Menschen und Dingen beinahe alles Interesse, und häuft dies auf Einen; ihre Folge ist also nicht-wohlthuend, im Ganzen betrachtet.
6 [447]
Die Musiker und Schriftsteller, die immer etwas vorstellen, was sie nicht sind, die Rhetoriker und Schauspieler
6 [448]
Diese Dinge kennt ihr als Gedanken, aber eure Gedanken sind nicht eure Erlebnisse, sondern das Nachklingen von denen Anderer: wie wenn euer Zimmer zittert, wenn ein Wagen vorüberfährt. Ich aber sitze im Wagen, und oft bin ich der Wagen selber.
6 [449]
Die Sünden-Betonung hat den egoistischen Gedanken an die persönlichen Folgen jeder Handlung hundertfach verschärft, und davon abgelenkt, die Folgen für Andere auszudenken. Das Unrecht gegen Gott—dadurch ist die Gedankenlosigkeit über Handlungen und allgemeine Nachwirkung derselben für Menschheit groß geworden. Die Reue der Gewissensbiß! Der Christ denkt nicht an den Nächsten, er ist ungeheuer mit sich beschäftigt.
6 [450]
Wenn wir ein Buch nicht um des Anderen Willen zu lesen wissen, wie arm wird es sein! Wir müssen es empfinden wie der Autor—ist das moralisch?— Die ganze Küste mit Gebirge Meer und Oelbäumen und bezaubernden einsamen Pinien, alles müssen wir entdecken. Und so aus uns herausgehend können wir auch mit den Menschen umgehen, als ihre Bereiser und Entdecker, Gutes und Böses ihnen erweisen, damit sie die ihnen eigene Schönheit zeigen, sonnenhaft oder gewitterhaft.
Bleiben wir in uns hängen, woran sollten wir wachsen und reicher werden! Zur Nahrung haben wir die Lust am Fremden, eben an der Nahrung nöthig. Die Lust am Menschen ist unserer Nahrung wegen nöthig —
6 [451]
Die Freundschaft höher herauf heben. NB E 149
6 [452]
NB. Die brüderliche Empfindung mit den großen Geistern aufnehmen und die Rivalität ablehnen! Keine Isolation!
6 [453]
Das Herz wird zusammengeschnürt, wenn man ansieht, wie die Menschen sich ihrer Antipathie gegen etwas gar nicht schämen. Wer sich selber haßt, den haben wir zu fürchten, wir sind die Opfer seiner Rache. Wir müssen ihn zur Liebe zu sich verführen.
6 [454]
Der unverschämte Egoism der Liebe, das allein Besitzenwollen das allein Geschätzt-werden-wollen—es hätte nicht diesen Ruf, wenn es nicht so angenehm wäre!
6 [455]
Handlungen werden als sittlich erst dann empfunden, wo ihre Nützlichkeit nicht mehr eingesehen wird: also befohlene, vererbte, geheiligte Nützlichkeit. Wohl wird mit Strafe und Lohn gewinkt: aber nicht um der Strafe und des Lohnes willen werden sie gefordert, sondern weil eine Autorität sie fordert, aus unbekannten Gründen!
6 [456]
Es ist nicht wahr, daß gut und schlecht die Ansammlung von Erfahrung über zweckmäßig und unzweckmäßig ist. Alle bösen Triebe sind in eben so hohem Grade zweckmäßig und arterhaltend als die guten! NB gegen Spencer. Auch das, was der Gemeinschaft zweckmäßig ist, ist nicht der einzige Gesichtspunkt. Das wichtigste: blindes Gehorchen, wo befohlen wird, und Übergang der Furcht in Verehrung. Heiligung des Verehrten!
6 [457]
Zur Geschichte der
Redlichkeit.
6 [458]
Vertraulichkeiten
mit dem nächsten Freund und dem
nächsten Feinde.
6 [459]
Die Leidenschaft der
Redlichkeit.
6 [460]
Die Emigranten.
6 [461]
Passio nova
oder
Von der Leidenschaft der Redlichkeit.
9, 6[1-461] Herbst 1880
6 [1]
Compared to the Brahmins, we know humanity only in an immense exhaustion of its sense of power and its belief in itself: even among our proudest philosophers.
6 [2]
People whose drive has become immoderate through prolonged abstinence, so that they then lose control over it; for example, Lord Byron in eating.
6 [3]
The history of science shows the victory of the nobler drives: there is a great deal of morality in circulation in the practice of science.
6 [4]
Which drives constitute the individual? At a certain degree of stupidity, the I's go to ruin together. Likewise, when the fundamental drives fade and are replaced by altruism. With certain qualities of the other I's, one must feel either opposition or alienation—or not feel them at all: or harmonious overtones or fundamental movements by which our own movements first gain measure. The "music of individuals," the "counterpoint." What can be stimulating: the parallel running, the converging of two lines into an angle, etc., the arabesque of the line that, as if teasing, repeatedly touches the other straight line and immediately leaves it. With W, I crossed paths: we rushed toward each other with great fervor, there was a flash, and then, with the same speed, we moved apart again, more and more.
6 [5]
One reaches a peak of his dishonesty: and then we become hated and turn the mirror against ourselves and now take pleasure even in the sight of the ugly, for we avenge ourselves thereby, or feel disgust at the satiety of intoxication through illusions.— Drive for truth!
6 [6]
The Greeks suffered most at the sight of ugliness, the Jews at sin, the French at the sight of the clumsy, spiritless, brutal self—therefore they idealized the opposite—and this ideal transformed them. Revenge for suffering—motive for the formation of gods and artistic ideals. The lack of overwhelming sensuality makes German painters enthusiasts of the sensual. Suffering from the heat of passion has made the Italians worshippers of cold, artificial formalism: and worshippers of the Virgin M and Christ.Schopenhauer idealized compassion and chastity because he suffered most from their opposites. “The independent man” is the ideal of the most dependent, impressionable.— These are the unattainable ideals, truly false phantasms: their sight enchants and humbles: this hybrid state is characteristic of people with unfulfilled ideals. It is their pinnacle: they then rest above their woe, with a contemptuous glance downward.
6 [7]
Often a drive is misunderstood, misinterpreted, e.g., the sexual drive, hunger, the desire for fame. Perhaps all morality is an interpretation of physical drives.
6 [8]
In that hour when we do not know how evil and how good we are and both seem dishonest to us —
6 [9]
more liars than false.
harsh in words, fearful at heart.
tyrannical and cowardly at once, like Nap
6 [10]
Ah, what power, what magic science exerts on passionate minds! Certainly, they see in it a wonderful sorcery and become fantasists here.
What a fine pillow doubt is for a well-shaped head!
6 [11]
the gap, which separates us from those who want to earn money—workers, craftsmen, artists—cannot be denied: inherited from time immemorial.
6 [12]
“one must have time to make love: and even when I had nothing to do, I had the indefinite feeling that I have nothing to lose by it” Napoleon.
6 [13]
Napoleon wrote novels and later "measured his daydreams by the compass of his reasoning." "Through thought, I plunged into an ideal world."
6 [14]
“I have always loved analysis, and when I was seriously in love, I dissected my love piece by piece”
6 [15]
the time and the circumstances were unfavorable to his good sides, they did not bring them to development.
6 [16]
“The man who must be constantly bribed” Napoleon said of Savary; he trusted him unconditionally because he had isolated him from all decent people and knew he was in his hands.
from the Intellect
the perfect servant of his master, Duroc (Duc de Frioul): cold, silent, impenetrable, he never thought beyond his task, he did not flatter, complete precision, a faithful mirror of his surroundings for his master and of his master for his surroundings; no friends, no need for conversation, no pleasure in examining whether his master was a great man or not, indifferent to everything, no boredom, no enthusiasm. Dry, cold, entirely personal, without any passion regarding others, witty and skillful in certain circles.
6 [17]
“Only youth has the patience to wait: for it has the future before it,” says Napoleon. “Everything had to be done in this (ital) army, people and things.”
6 [18]
The useful cannot be the ultimate goal, no principle of morality, nor can the pleasant (which kind of pleasure is to be preferred?) the ultimate goals are not to be attained all at once through concepts: we can only ever see goals as far as we have drives beforehand. How far our drives can grow, no one knows.
6 [19]
the dry and icy tone of the discontented
6 [20]
the shameless form of market shouting, whereby our time surpasses all others. Never has an Athenian artist —
6 [21]
“In France, one never knows how to take an interest in things when one takes an interest in people” Napoleon. The habit of an old monarchy has accustomed you to personify everything. You know nothing to take seriously, “Perhaps except equality. And one would still gladly do without it, if everyone could flatter themselves to be the first. One must give everyone the hope of rising”
6 [22]
Napoleon said that the time in Egypt was the most beautiful of his life, for it was the most ideal. Everything he dreamed of, he could carry out. Civilization did not constrain him.
6 [23]
Main difference: one group envisions an ideal state of things outside themselves, where these things play most pleasantly upon them as if on an instrument (the politicians, socialists, etc.). The other group envisions an ideal state of themselves, where they play most pleasantly upon external things and people: the latter is the ideal of the productive nature, the former that of the tiresomely laboring: they would rather be passive! The one group are the power-hungry, the others the slaves. The former do not doubt that, once they become thus and so, they will draw the most glorious tones from the world-instrument: and the latter do not doubt that, once everything is firmly ordered and free from the individual (the ruler), everything will be predictable and they will have nothing but pleasant impressions from life. “Expressive and impressive people”
6 [24]
“What has the revolution done? Vanity. What will end it? Again, vanity. Freedom is a pretext.”
6 [25]
He suddenly ended his role as bonhomme and added, with the dryness of a gentleman, a command that does not miss an opportunity to command.
6 [26]
Napoleon's weak side: he could not bear the thought of defeat in anything. Because his soul lacked nobility and he did not know the great feelings that transcend misfortune, he turned his thoughts away from this weak part of himself: instead, he fixed his mind on his admirable talent, to magnify himself through success. His luck was his personal superstition (Je réussirai!) and the cult to which he believed himself obliged legitimized in his eyes all the sacrifices he was to impose upon us.
6 [27]
“Resistance to crime is so innate to us that we very easily believe in the necessity in which someone found themselves to commit it.”
6 [28]
Exchanging the weak attachment for the real fear he inspired: one admired the boldness of his game.
6 [29]
“You have seen other times: I, I date from the time when I began to be something” Napoleon
6 [30]
“I have no hatred, I am not capable of doing anything out of revenge: I simply remove what bothers me!” said Napoleon in reference to the execution of the Duke of Enghien
6 [31]
Our drives rage in the lists and arts of the metaphysicians, they are the apologists of human pride: humanity cannot bear the loss of its gods! Suppose this passion rages on: what a state of exhaustion, of pallor, of extinguished glances! The deepest mistrust of the intellect as a tool of the drives: the afterbirth of pride is skepticism. The painful inquisition against our drives and their deceit. It is a final revenge, in this self-destruction man is still the god who has lost himself. What follows this violent skepticism? Exhaustion, the second exhaustion, an old age: all the past is felt faintly, even despair becomes history, and finally the knowledge of all these things is still a sufficient stimulus for these old men. —
This entire story unfolds in fewer and fewer minds. But the loss of faith becomes known among all the others—and now follows: the cessation of fear, of authority, of trust, living for the moment, for the crudest goal, for the most visible: a reversed movement begins. Trust is still greatest for what is most opposite to the earlier goal! A trying and experimenting, a feeling of irresponsibility, the joy of anarchy! In place of pride, cleverness has taken over. Science enters its service. A baser kind of people gains power (instead of the nobility or the priests): first the merchants, then the workers.
The mass appears as ruler: the individual must lie to the mass.— Now there are still those born who in earlier times would have belonged to the ruling class of priests, nobles, thinkers. Now they see the destruction of religion and metaphysics, nobility and individual significance. They are latecomers. They must give themselves meaning, set a goal to not feel bad. Lies and secret retreat to the overcome, service in nocturnal temple ruins be far! Service in the market halls likewise! They seize the parts of knowledge which are not promoted by the interest of prudence! Likewise the arts, which the modern spirit is averse to! They are the observers of the time and live behind the events.They practice making themselves free from time and understanding it only as an eagle that flies above it. They limit themselves to the greatest independence and do not want to be citizens, politicians, or owners. They reserve behind all events the individuals, educate them—humanity may one day need them when the common intoxication of anarchy has passed. Fie on those who now presumptuously offer themselves to the masses as their saviors! Or to the nations!We are emigrants.— We also want to be the bad conscience for science in the service of the wise! We want to be ready! We want to be mortal enemies of those among our own who take refuge in mendacity and want reaction!— It is true, we descend from princes and priests: but precisely for that reason we hold our ancestors in high esteem because they overcame themselves. We would dishonor them if we denied their greatest achievement! So what do the princes and priests of the present matter to us, who must and want to live by self-deception!6 [32]
The same uncertainty and skepticism that the sailor has regarding his voyage, whether it will succeed, undertaken at the right time, we must have regarding all duties. I am not absolutely obligated, it is not made so easy for me. We experiment with our virtues and good deeds and do not know for certain that they are the necessary ones, with regard to the goal. We must erect doubt and question all moral precepts. Besides, they are so coarse that no real action corresponds to such a precept: reality is much more complicated.
6 [33]
Napoleon was cheerful, he secretly enjoyed the small constraint which the new ceremonial created among us all.
6 [34]
“To be alien to every intrigue: almost a fault at courts. What princes forgive least: that one observes some means in their service to escape their power.”
6 [35]
“There is not enough pomp: it would not throw dust in the eyes” said Napoleon to Mr. von Rémusat, when the latter presented a plan on how to adorn the new empire
6 [36]
“I, for myself alone, am the entire revolution” by preserving his person, he also preserved everything that was useful not to destroy. He wanted to dazzle and stun the French, by all means at once. He loved the pomp of the old regime, he believed that thus the parvenu would become even more invisible.
6 [37]
“Let us avenge ourselves by speaking ill of him” Montaigne
6 [38]
“It is always only a very small number of people who allow themselves to criticize success.” Flattery carries the victory over criticism.
6 [39]
The music has no sound for the delights of the mind; if it seeks to reproduce the state of Faust and Hamlet and Manfred, it leaves out the mind and paints states of emotion that are most unpleasant without mind and are not at all fit to be seen; it coarsens and paints displeasure and lamentation, perhaps with musical spirit; but how terrible is this art when it paints the ugly without selection: what torments are inherent in the tones, the intrusive tones!— Is it because among musicians a fine and well-formed mind is generally rare? That they never isolate feeling within themselves and do not know its refraction and coloration in the flash of thought? They must coarsen all states, as it were, translate them back into the inhuman: as if thoughts and words had not yet been invented.This is, by the way, a great charm: it is primeval nature in music: it belongs to the time when the wild nature of the landscape was revered and the high mountains were discovered. A society that is not up to intellectual pleasures, that is even too devoid of thought for paintings, and that has already exhausted its mental strength when it sets out to delight itself, is left with the appeal to feelings and senses: and in these, the musician offers the most decent delight.Even more base is the theatrical pleasure, with the counterfeit of human events and the crude allure of direct imitation of exciting scenes. One step further: and we have, for recreation, the stimulation of the drives through drinks, etc.— The poet stands higher than the musician, he makes higher demands, namely on the whole person: and the thinker makes even higher demands: he wants the whole fresh strength and does not call for enjoyment but for wrestling and the deepest renunciation of all personal drives.
6 [40]
I loved the man, how he lived as if on an island, closed himself off from the world without hatred: that is how I understood it! How distant he has become to me, now that he, swimming in the current of national greed and national malice, wishes to meet the need of these present, politically and money-grubbingly dulled peoples for religion! I once thought he had nothing to do with the present—I was surely a fool.
6 [41]
When Napoleon became cheerful, he adopted garrison habits and was without measure.
6 [42]
“Chance remains a mystery to mediocre minds and becomes a reality for superior people.” To determine the share of chance mathematically in advance: “one decimal more or less can change everything” “Mediocre people are brought to a certain evidence by circumstances they did not create”
6 [43]
“To be a true great man, one must truly have improvised part of his glory and show himself above the event that he has caused.”
6 [44]
“Tacitus a skilled writer, but rarely a statesman”
6 [45]
“If politicians are truly skilled, they understand how to become masters of their passions, for they go so far as to calculate their effects”
6 [46]
“the statesman, a completely eccentric personality, always alone on one side with the world on the other” While he observes things and lets the often so unequal threads run evenly in his hand, with the greatest attention to—how can he amuse himself by sparing certain emotional conveniences that are so important to the ordinary person! (Bonds of blood, affection, etc.)
6 [47]
The energy of tension (between love and hate) never greater than in Chr their hatred odium generis humani more than everything M
6 [48]
The feeling and happiness of devotion—to explain from the end of fear, the onset of security (not from the female drive)
6 [49]
| Power | : Contradict | Foundations of logic. A> <B |
| Surrender | : Agree | A = A |
| power urges to acknowledge difference |
| surrender wants to establish equality. |
6 [50]
My goal is not for everyone, which is why it is still communicable, both for the sake of the similar and because the opposites will gain strength and joy from it to formulate their own nature and transform it into active spirit. I want to help all those who seek their pattern by showing how one seeks a pattern: and my greatest joy is to encounter individual patterns that do not resemble me. To hell with all imitators, followers, eulogists, admirers, and devotees!
6 [51]
“the military glory, which lives so long in history, is the one that fades fastest for contemporaries” Napoleon after the greatest moment of his power (Peace of Tilsit)
6 [52]
Napoleon saw in war the means to stupefy us or at least to silence us.
6 [53]
The sexual stimulus in rising maintains a tension which discharges in the feeling of power: wanting to dominate—a sign of the most sensual people. The waning inclination of the sexual drive shows itself in the lessening of the thirst for power: preservation and nourishment, and often the pleasure in eating, step in as substitutes (parental instinct is preservation, ordering, nourishment, not domination, but creating well-being for oneself and others). In power lies the feeling of enjoying to cause pain—a deep irritability of the whole organism, which continually wants to take revenge. The lustful animals are in this state the most wicked and violent, forgetting themselves over their drive.
6 [54]
Love as passion is desire for absolute power over a person: (e.g., wanting to be the sole object of thoughts and feelings) The lover barely sees the rest of the world and sacrifices all other interests in this thirst for power. Believing in being loved brings deep satisfaction: “we are perceived as absolute power”!
6 [55]
One must separate the aphrodisiacal charm and the consequences of its satisfaction for the propagation of the species separate: the expression “sexual drive” contains a prejudice
6 [56]
The absorption of semen by the blood is the strongest nourishment and perhaps brings forth the stimulus of power, the restlessness of all forces after overcoming resistances, the thirst for contradiction and resistance the most. The feeling of power has so far risen highest in abstinent priests and hermits (e.g., among the Brahmins)
6 [57]
The feeling of the pleasure of surrender is perhaps feminine—and both feelings are capable in both sexes, but an excess in each particularly. God knows, with what peculiarities of the sexual female function it may have to do, that their sensual excitement does not essentially manifest as will to power: to be dominated, to serve, they feel weaker through love. The nourishment of the ovary demands strength.
6 [58]
Whoever is capable of deep feelings must also suffer the fierce struggle of these feelings against their opposites. To be completely calm and free from suffering within oneself, one can only unlearn deep feelings, so that in their weakness they only arouse weak counterforces: which, in their sublimated thinness, may then well be overheard and give the person the impression that they are completely in harmony with themselves.— Similarly in social life: if everything is to proceed altruistically, the opposites of individuals must be reduced to a sublime minimum: so that all hostile tendencies and tensions, by which the individual maintains themselves as an individual, can hardly be perceived anymore, that is: the individuals must be reduced to the palest tone of the individual!
So equality is far more prevalent. That is euthanasia, completely unproductive! Just like those people without deep feelings, the amiable, calm, and so-called happy ones, who are also unproductive. The value of science is to be an enormous counterforce: perhaps it reignites, in contradiction to it, illogic and fantasy again and again!— Perhaps this is necessary!6 [59]
Humanity has no goal, just as the dinosaurs had none, but it has a development: i.e., its end is no more significant than any point along its path! NB. Consequently, one cannot define the good as the means to the “goal of humanity.” Would it be that which prolongs development as much as possible? Or that which brings the peak to its highest point (between rising and falling, becoming and passing away)? But this would already presuppose a measure for the peak! And why as long as possible? This too presupposes a good, e.g., the pleasure of existence.— As much pleasure as possible as a goal? But with that, one cannot even direct one’s individual life, for we do not know the sources of pleasure, the drives, in relation to their innermost needs.
B. whether as much pleasure as possible does not also presuppose an enormous displeasure?— Or as little displeasure as possible in development?— Everything now tends towards this—but this also means the weakest possible development, a general self-weakening, a pale farewell to humanity as it has been, to the point where animals regain mastery over us! The feeble drowsiness is no ideal capable of inspiring great sacrifices—and yet an enormous renunciation would be required if humanity were to rise to this level! But this could well, without being a goal of striving, still be the end! Or a stray star takes pity on humanity then!6 [60]
the highest degree of individuality is achieved when someone founds their realm in the highest anarchy as a hermit.
6 [61]
the thirst for power is characteristic of the ascending course of development, the thirst for devotion of the descending. The joys of old age have at their core all this devotion to things, thoughts, persons: the aspiring one rules.— The sick person anticipates the inclination of old age.
6 [62]
We perceive the external world always differently, because it contrasts with the drive that predominates in us each time: and since this drive, as something living, also grows and fades and is nothing constant, our perception of the external world is always becoming and passing away in the smallest moment, thus changing.
6 [63]
The judgment is something very slow compared to the eternal, infinitely small activity of the drives—the drives are therefore always much faster, and the judgment is always only in place after a fait accompli: either as an effect and consequence of the drive's stimulation or as an effect of the co-stimulated opposite drive. Memory is stimulated by the drives to deliver its material.— Each drive also stimulates its counter-drive, and not only this one, but like overtone strings, others as well, whose relationship cannot be designated by such a common word as “opposition.”
6 [64]
We feel embarrassed that someone despises us. In a high moment of mood, we look at this embarrassing feeling and back, as at something distant that hardly belongs to us anymore, the feeling, for example, almost becomes knowledge of it: almost all things of which we only have this feeling of knowledge seem to us more distant and outside us, the suffering or pleasant drive as the foundation therein is barely noticeable to us anymore. But it must be in it, memory only notes facts of the drives: it only learns what has been turned into an object of a drive!— Our knowledge is the weakest form of our instinctual life; therefore so powerless against the strong drives.
6 [65]
In matters of the spirit, everyone is great who, as a great exception, feels the things of knowledge strongly and behaves towards distant things as if they were the nearest, so that they can hurt him. Arouse passion, give great elevations, in short, that they are fused with the strongest drives in him. (Honesty, for example, would probably be curiosity, pride, ambition, mildness, generosity, courage in relation to things that remain completely cold and abstract for most people) Passion for abstracts, and the inability to keep an abstractum distant and indifferent makes the thinker.
6 [66]
People tormented by a penitent preacher, like a deer that gets caught in snares and dies under raging madness.
6 [67]
My task: to sublimate all drives in such a way that perception of the foreign goes very far and yet is still linked with pleasure: the drive of honesty towards myself, of justice towards things so strong that its joy outweighs the value of other kinds of pleasure, and those, if necessary, are sacrificed entirely or partially. Admittedly, there is no disinterested contemplation, it would be sheer boredom. But the most delicate emotion suffices!
6 [68]
Napoleon hated nothing more in the world than someone exercising the ability to judge in relation to him, or even having it at all.
6 [69]
the peace was missing for her (Mad. de Staël): according to Rémusat “a deprivation without remedy for happiness and even for talent.”
6 [70]
the I is not the position of a being towards several (drives, thoughts, etc.) but the ego is a plurality of person-like forces, of which now this one, now that one stands in the foreground as ego and looks at the others, like a subject at an influential and determining external world. The subject jumps around, probably we perceive the degrees of forces and drives, like proximity and distance and lay ourselves out like a landscape and plane, what in truth is a plurality of quantitative degrees.The next calls us "I" more than the distant, and accustomed to the imprecise designation "I and everything else, you," we instinctively make the predominant mental the whole ego and all weaker drives we place perspectively farther and make from them a whole You or "It." We treat ourselves as a plurality and carry into these "social relations" all the social habits that we have toward people, animals, regions, things. We disguise ourselves, put ourselves in fear, form factions, stage courtroom scenes, assault ourselves, torture ourselves, glorify ourselves, make from this and that within us our God and our Devil, and are as dishonest and as honest as we are accustomed to be in the presence of society.— To reduce all social relations to egoism?Good: but for me it is also true that all selfish inner experiences can be traced back to our practiced, learned positions towards others. What drives would we have that did not place us in a relation to other beings from the beginning, such as nutrition, for example, the sexual drive? That which Others teach us, demand of us, fear and persecute us for, is the original material of our mind: foreign judgments about things. They give us our image of ourselves, by which we measure ourselves, are well or ill satisfied with ourselves! Our own judgment is only a procreation of the combined foreign ones!Our own drives appear to us under the interpretation of others: while they are fundamentally all pleasant, they are yet so mixed with unpleasant secondary feelings through the learned judgments about their worth, indeed some are now perceived as bad drives: “it pulls toward where it shouldn’t”—while bad drive is actually a *contradictio in adjecto*.— What, then, does egoism mean! We can be egoistic or altruistic, hard-hearted, magnanimous, just, mild, deceitful within ourselves, want to cause pain or pleasure: as the drives are in conflict, the feeling of the I is always strongest where the preponderance lies.
6 [71]
Indescribable disgust when our educated class fantasizes about the necessity of an ideal education and a renewal of religion! This lying rabble, which wants to become religious again through music and theater and sets its mind to abandoning all honesty of the intellect as soon as it begins to tremble again in the heart, and to hurling itself headfirst into the mystical mire! Rightly the thought of a generation dulled and made servile by politics and greed for money!
For whether one serves a Napoleon or the principle of nationality, both lead to slavery and to ultimate self-disgust: well then, religion!
lucky for the artists who do not have the decency of a free intellectual attitude innately! Earlier I thought: we are of a different kind, of a different origin, nothing was more alien to me than to offer myself to these currents of nationality and the inclination towards mysticism! I saw them—it disgusted me then and now. To be alone! to live apart! was always my motto. What does it matter to me that those who once seemed to share my views now all offer themselves there! Here the ghostly fingers of the spiritualist, and the mathematically magical conjurer, there a brain-burning cult of music, there the revived vulgarities of Jewish persecution—see the general practice of hatred6 [72]
“Those who come to visit me will do me an honor: those who do not come will do me a pleasure” Augier.. s. .
6 [73]
Napoleon after the first Italian campaign, to a journalist: remember, in the accounts of our victories always speak of me, always speak of me, do you hear?
6 [74]
All moralists agree on the general tendency: where action must strive and what the welfare of humanity is—I find them dominated by one drive and full of prejudice in this. The rule of altruism seems to me to be ruining humanity—a dying-out process, euthanasia:—perhaps the moralists thus serve general development: but they expect something opposite! I want to uphold egoism and that wise insight which does not readily interfere in the affairs and being of the foreign individual: only through necessity are we altruistic.
6 [75]
All moralists have common censures about good and evil, depending on sympathetic and egoistic drives. I find Cut, what serves a purpose: but the "good purpose" is nonsense.
For everywhere it says "good for what?" Good is always only an expression for a means. The "good purpose" is a good means to an end. Every goal
6 [76]
The virtue of cleanliness NB. Root of the drive for beauty
6 [77]
A system of life that should rest only on inclinations—Altruism. But then fate would have to play upon us only with chords—it would mean eliminating the unreasonableness of existence and making it into human reason. And so that everyone would hear only harmonies, everyone else would have to be equal to him and have no other conditions—but then the inclination would become weak and finally unnecessary, because everything would already offer itself without striving.
6 [78]
When noble independence is lost, all talents become dull—whether under the tyranny of Napoleon or of altruism: the end of geniuses!
6 [79]
“with the sole taste for the real one is good for nothing, neither on a farm nor in a palace”
6 [80]
Our relationship with ourselves! With egoism nothing at all is said. We turn all good and bad habitual drives against ourselves: thinking about ourselves, feeling for and against ourselves, the struggle within us—we never treat ourselves as an individual, but as a duality and plurality; all social practices (friendship revenge envy) we honestly exercise on ourselves. The naive egoism of the animal is completely altered by our social conditioning: we can no longer feel a singularity of the ego, we are always among a plurality. We have split ourselves and continue to split ourselves anew.
The social drives (such as hostility envy hatred) (which presuppose a majority) have transformed us: we have relocated "society" within ourselves, diminished it, and withdrawing into oneself is not an escape from society, but often an embarrassing dreaming away and interpreting of our experiences according to the pattern of earlier events. Not only God, but all beings we acknowledge, we take into ourselves, even without names: we are the cosmos, to the extent that we have comprehended or dreamed it. The olives and the storms have become a part of us: the stock exchange and the newspaper likewise.6 [81]
Our waking life is an interpretation of inner instinctual processes with the help of memory of all that has been felt and seen: a voluntary pictorial language of it, just as dreaming is of sensation in sleep.
6 [82]
How life for others arises! in a servant who first thinks of his master's interest with compulsion and punishments, gradually it occurs to him more than his own, because he has noticed that his well-being depends on that of his master and his good mood: finally he looks after it like the gardener after the plants, they are constantly present to him, accustomed, easy, relieving, the basis of his joys and sorrows. So the stable boy for his horse, the scholar for his subject, the father for his child, the merchant for his money. We forget motivating thoughts and live according to the practiced feelings of the pleasant accustomed—this is supposed to be moral! Certainly it is pleasant for all, masters and servants and thus it is very praised, consequently much phantasy of thoughts is laid around it, so that it may appear as something high!
6 [83]
When our drives are equally strong and pull us toward opposite goals, that struggle and that distress arise, which moralists hold in such high esteem. For many, virtue is worth nothing if it does not involve such a struggle—i.e., one wants the opposing drives to be just as strong! A Laocoön crushing his serpents! A pathetic attitude!
6 [84]
Much goodwill among those, who easily forget evil, who are easily aroused and calmed, incapable of prolonged emotion or serious reflection, expansive, somewhat indiscreet.
6 [85]
l’entraînement de ma destinée said Napoleon
6 [86]
Sublimity of the soul! most often it is exaltation!
6 [87]
“strict in their principles or in the feelings which their imagination had produced”
6 [88]
effective writers prove that words are only hints, that one must not complete anything and that writers have advantages over painters in this regard.
6 [89]
the geometer Ampère: I believe that the external world was created simply to give us an occasion to think.
6 [90]
Napoleon was a dreamer, taciturn, awkward in his dealings with women, but passionate and captivating, though alien in his entire person when he was young. His bouts of gloomy and menacing jealousy.
6 [91]
Equality in humor, mildness, and natural cheerfulness make for a happy private life. The ultimate reason: to be deeply moved by nothing. It is called philosophy when this indifference is shown not only in relation to what interests others, but also in the tribulation of the personal.
6 [92]
Her imagination was inflamed by the duties imposed upon her; she prescribed for herself the most painful sacrifices, precisely because she had the misfortune of not loving her husband. She was attentive to pleasing him as if she had loved him.
6 [93]
Non consilia a casu differo, fate drives them, intentions are weak.
6 [94]
Napoleon knew how to transition from the deepest calm to the highest rage when it seemed useful to him. “My anger has never gone beyond this,” he said to Abbé de Pradt, pointing to his neck (cou). “He finds a way to feign his passions, even though they truly exist,” said Talleyrand.
6 [95]
Napoleon had fits of emotion, shed tears, but it put him in a bad mood afterward. “If my blood does not beat with its constant slowness, I run the risk of becoming a fool.” According to Corvisart, he had few pulses. But he complained of intraitable nerves. He claimed he absolutely did not understand what it meant “my head is spinning”
6 [96]
He had a secret pleasure in causing fear and making people tremble. For: “disquiet spurs zeal,” he avoided showing satisfaction in the presence of persons and people: “une petite terreur de detail was always in the most secret depths of his palace”
6 [97]
He had the demeanor of hating peace without ceasing, for himself and others.
6 [98]
If the company had a calm course of conversation, he suddenly changed the tone with a domineering word and put the interlocutor back in their place before him, namely into their fear.
6 [99]
The truly happy one is he who hides from me in the depths of a province, and when I die, the world will make a great ouf!
6 [100]
When he paid for a service, he made it known that he was buying a new one. He never wanted to settle his wife's debts in order to keep opportunities to disturb her.
6 [101]
Napoleon's mother was of very mediocre intellect.
6 [102]
romantic imagination combined with complete dryness of heart in Louis Bonaparte. “His feigned virtues give me as much hindrance as Lucien’s vices,” Napoleon said of him.
6 [103]
Lafontaine: “And grace even more beautiful than beauty.”
6 [104]
The wild animals should learn to look beyond themselves and seek to live in others (or God), forgetting themselves as much as possible! That is better for them! Our moral tendency is now only that of wild animals! They should become tools of great machinery outside themselves and prefer to turn the wheel rather than be with themselves. Morality has so far been an exhortation not to concern oneself with oneself, by shifting one's reflection and robbing oneself of time, time and strength. To wear oneself down, to tire oneself, to bear the yoke under the concept of duty or fear of hell—morality was great slave labor: with the fear of the ego.
6 [105]
It would be a time to think when humanity, in order to preserve the species—and that is supposed to be a duty!—would have to cast off all higher forms of life and restrict itself to ever lower ones, because those prove too costly and render it unproductive: like an old man who must renounce his best activities in order to live. But how! is life a duty then? Nonsense! you physiologists! Mankind has become so wretched that even the philosophers no longer notice the deep contempt with which antiquity and the Middle Ages treated this “self-evident value of values, life”!
6 [106]
The main achievement of work is the prevention of idleness among common natures, such as officials, merchants, soldiers, etc. The main objection to socialism is that it wants to create idleness for common natures. The idle commoner becomes a burden to himself and the world.
6 [107]
the night frosts of a beloved
6 [108]
I suggest the image: if it tempts you, then you will have to imitate it. Not the goals, but the satisfaction of the already existing drive compels this or that morality. Not reason! unless in the service of a drive!
6 [109]
From what wretched elements German socialism consists in its leaders can be seen from the fact that none has demanded complete abstinence from alcoholic beverages—and yet this scourge is far more disastrous than any social pressure!
6 [110]
the evil drives are by no means unpleasant, but rather evil and good ones are pleasant. They become unpleasant only through 1) excess and 2) in their being inhibited by other drives. If, for example, the opinion of the shamefulness of lust (the drive of marriage as a foundation) or that of the evil consequences in the hereafter dominates us, the drive becomes unpleasantly mixed in for us, yes, it can be perceived as something purely disgusting. Similarly, the inclination to pity can be felt as a pitiful weakness and as unpleasant. Thinking, immoderate, acts as pain, even in the enthusiast of thinking; the excess is a forced expression of the drive, i.e., the inhibition of the drive that wants to pass away (tired)—thus also inhibition of development. All development pleasurable.
6 [111]
Genius is the product of happy accidents: its conditions cannot be foreseen. Pure favor in the sense of previous morality does not at all create genius or fertility; morality knows nothing of the education and use of evil drives and accidents, but practice does. It is impossible to intentionally promote genius—one would have to know it through and through. Women, in their intention to promote it, usually ruin it.
6 [112]
What a terrible situation in the past! Uncertainty of knowledge even in morality, and eternal dangers! That was a calm, unbiased way to pursue thought and truth!! Under the whip of fear of hell! Or in fear of sinning against eternal love, of doubting revelation!!
6 [113]
The paradoxical virtue e.g. generosity stared at as a miracle and highly revered!
Different those who feel the compulsion of a drive and whose lust for power proudly resists it, who therefore swing into the opposite.
Different, those who expected more from satisfaction and, disappointed, take revenge on the drive.
Different: feeling weak, cowardly compelled by fear of death and in contempt of themselves doing the opposite of what fear of death advises.
6 [114]
the motives of the moral legislators for a law and their transformation in those to whom the law is given NB
6 [115]
The alleged effects of moral feelings, during whose appearance itself is already an effect of the calmed nervous system etc., not the source of the calming NB.
6 [116]
All people strive to give their duty an unconditional character: they feel degraded by the thought that they sacrifice themselves to a person, prince, state, or party out of fear and subordinate their int to another: they wish that a no longer shameful superior power exists, which commands them to subordinate themselves thus, an absolute duty, a word of God (e.g., be obedient to authority). Even now, moral philosophers seek to finally ground ethics: without this, they feel, one has no right to great pathos, to beautiful attitudes as politicians and socialists. “One must have a being to whom one entrusts oneself unconditionally,” says Luther, i.e., we want to be allowed to trust ourselves unconditionally and present our actions as indisputable and absolutely exalted before the world. Vanity!
6 [117]
What often compels us (and indeed with a feeling of approval, although it is not a pleasant compulsion!) we call duty. Through frequent practice, this becomes an agreeable habit: and then it is a lie to still speak of one's duty. But this happens almost always. Almost everyone presents their activity as an unpleasant matter, they want to be admired for their self-overcoming, i.e., for their power. There are so many fabricated inconveniences of existence! Just as many fabricated conveniences, among princes, women, festivals, idlers, travelers, Christians, virtuous peoples, parties, philosophers, writers: one displays one's "happiness," mostly to cause pain, to arouse envy.
6 [118]
The attempt to dissolve all moral drives into the religious drive: God commands and one does something for His sake. It is no longer moral. That one fears or loves God is not a consequence of morality, but rather a consideration of advantage. This is the Christian standpoint. There should only be religious actions, all motives are selfish, and the religious action itself is done out of selfishness. Or: every action is evil. Thus also the religious one. Hence the doctrine of election by grace!In contrast, the Quietists say: I no longer act for my own sake, but for God's sake. What a low point of self-knowledge! What dishonesty is required for that! Measure it by the woman who says, "I do everything for my beloved's sake!" It is not true! Indeed, even this "for his sake" she does to follow her own drive, not his. For then she would act as he does: which is impossible. She can only act according to the image of the beloved that she creates for herself: her creation will certainly not be equal to the beloved, but rather a piece of her.
6 [119]
In every smallest moment there is in us an absolute necessity of what happens. If we could perceive this, we could label it for every case with the name of unconditional duty, if we absolutely wanted to lie to ourselves freely! We say: I will, where we should say: “I must”: and we predict what is just about to happen, with the air of a soothsayer and duty-hero. This would be the peak of all hypocrisy. Fortunately, one never knows that causality ever: and “I will” always means “if I can.” “It is my duty” means: “provided that I have the strength, it will happen.” Commanding the sun to rise when it is just rising, that is the freedom of our virtuous. When we feel that a praised and favored motive is at work in us, then to say “I will”! (meaning: “I command myself”)
6 [120]
since all our actions are absolute necessities, and equally absolute unknowns to us, every “you must absolutely” is spoken into the wind. Neither can we act otherwise than we must, nor can we control in detail whether something has happened that we should have.
6 [121]
The unpleasant, suffering individuals are supposed to have the tendency towards the state, towards society, towards altruism! And the pleasant, confident individuals are supposed to have the opposite drive away from that morality! NB NB
6 [122]
The skepticism has its parallel: “rather starve than eat something disgusting.” The views of the authorities have become disgusting to us—rather starve! This is a rare passion: skepticism is a passion.
6 [123]
To know, “this is healthy, this preserves life, this harms the offspring”—is by no means yet a regulative of morality! Why live? Why live happily at all? Why offspring?— Suppose all this were more pleasant than the opposite, dying, being sick, being isolated without offspring: then perhaps something else might be more pleasant than these pleasures, e.g., the feeling of one’s honor or of a cognition or of a lust, for the sake of which we would have to choose death or sickness or solitude. Why preserve the species? We are referred to the drives: but there is neither a drive for self-preservation, nor a drive for the preservation of the species. Non-being could appear more valuable to us than being: then physiological ethics has nothing to say.
Or we ourselves as the state, society, humanity. What determines this appearance of worth? A drive. Morality can only command—that is, enforce itself through fear (thus with the help of a drive), or it can legitimize itself with the help of another drive—it always already presupposes its immediate provenness and convincing power, it comes when the drive and the valuation of a certain kind are already there. This applies to all ethics. There is also a drive to live individually: I think in its service. Others who do not have it will not be able to be obligated by me to anything. "Duty" is the thought by which a drive asserts its sovereignty over the other drives—always with the befogging of the intellect! with a bribed servant!6 [124]
“Arrange yourself so that you have the greatest possible happiness from your qualities” that is absurd! For without any command: precisely this is achieved by everyone, he may live as he will—namely must! That he obtains prescriptions and knowledge of the useful, wants to acquire, unlearn, reject, all this is a necessary activity of his nature. Morality can do nothing but set up images of man like art: perhaps that they affect this and that person. Strictly speaking, it cannot prove them. “Higher” and “lower”—these are already illusions under the impression of a moral pattern. For these images act as stimuli, ignite a drive and seduce the intellect to serve it.
Now is our intellect already at a certain height, as is our taste: so we will reject very many images,—they disgust us: in a given moment of our strength we can do nothing but imitate these images. This psychological compulsion appears to us often as “duty”: the feeling of unconditional necessity, the expression of causality. The inner must. E.g.with regard to the multiplication table, the mechanics we feel as thinkers duty, likewise with A = A: people of poor intellect do not feel this compulsion here. Of course, this subjective feeling of compulsion is merely subjective. Many individuals have in nothing such a strict feeling. But the disgust that overcomes us at the sight of maggots is a compulsion: we embellish such a compulsion with the word duty, where we know full well that opposing compulsions exist.(??)6 [125]
“Become a more reasonable, freer, more emotional, more perfect human being, strive for the perfection of your species?” On what basis does this law rest? On the benefit of the individual or the collective.
Some say: develop all abilities by subordinating those which are means and organs to those which make up the peculiar goal of humans. Our nature is complex: one must distinguish in it facts of higher and lower order. But by what am I obliged to follow a goal of the species if, by chance, for my individual the usual order of goals and means is reversed? e.g.if I have more inclination towards the pleasures of the flesh than those of the spirit, and a mind of my own, and that bit of spirit is merely the means for my desires? Here, one resorts to metaphysical notions: the true nature of man, his spiritual destiny, and the like.
“You may desire a goal, if you can achieve it.” Without this condition: it means giving man an unconditional capacity, a power without condition. An unconditional duty implies an unconditional capacity to fulfill it: otherwise, it is a duty for a being other than myself, a duty suspended in the air.—Whoever speaks of duty and freedom presupposes metaphysical principles.
6 [126]
It is untrue that religion has given morality—on the contrary! We prove religion with morality as true or untrue.
6 [127]
Our moral drives urge the intellect to defend them and take them as absolute, or to newly justify them. Our self-preservation drives push the intellect to prove morality as relative or null. It is a struggle of drives—played out in the intellect. The drive for honesty intervenes—alongside the drives for self-sacrifice, pride, contempt: I.
6 [128]
“to bear the Earth’s joy, the Earth’s woe”
6 [129]
Our nervous age pretends that eternal excitability and inequality of mood distinguish great people: they know nothing of the steady, deep, powerful currents toward a goal: they babble and make noise and do not feel the wretchedness of this capricious excitability.
6 [130]
The intellect is the tool of our drives and nothing more, it is never free. It sharpens itself in the struggle of the various drives, and refines the activity of each individual drive thereby. In our greatest justice and honesty is the will to power, to infallibility of our person: skepticism is only with regard to all authority, we do not want to be duped, not even by our drives! But what actually wants not to be? A drive certainly!
6 [131]
How a tree can unfold is only proven by an exemplary specimen. Without such a specimen, one has no concept of wanting to push it beyond the conventional measure, and is content. The outstanding people make the others dissatisfied with themselves:
6 [132]
like sand between the teeth
6 [133]
I hear the sound of jealous tomcats in these envious remarks
6 [134]
The moralist who wants to found a morality is driven to specify a final purpose. “If you want to be healthy, you must be moderate. But you must want to be healthy: for it is a condition to be happy or to fulfill your goals or etc.” A new goal appears behind every goal: and the moralist ends up having to specify the purpose of existence. I could say: there are no purposes of existence, therefore a morality to achieve a purpose of existence is not possible. But people believed in such purposes: and consequently, one could found a morality with demands. Ultimately, necessarily types and habits of life arise and exert a compulsion because it is unpleasant to resist them.
6 [135]
“Duty” means: to want a goal not for the sake of another, but for its own sake: thus an absolute goal. The categorical imperative, a command without conditions. Upon this Kant founded a metaphysics: for if there is a goal without condition, this can only be the Perfect or the infinite Good: were there something more perfect, or a higher good, it would not be a goal without condition. Thus: to make a metaphysical assumption, as Kant does!
6 [136]
“What is the good for a being? The fulfillment of its purpose. What is the purpose of a being? The development of its nature.” Nature, purpose, good of a being—three questions that logically follow one another: so that the good is determined by the purpose, the purpose by the nature. If one knows human nature through observation and analysis, one can derive from it the purpose, the good, the law of man. For the good entails the idea of obligation. Vacherot.
That means: the purpose of man is the development of his nature. “To be human and not a horse.” That is nothing. One helps oneself with the “true nature” of a nature as it should be, not as it is.
6 [137]
One drive is stronger than the other and sacrifices itself, e.g., when a mother starves for a child and cares for it. Completely wrong with Spencer to see in the care of offspring and even in procreation an expression of the altruistic drive: it is not that it is another that makes a difference. One sacrifices one's own child to revenge, for example. Or one sacrifices one's revenge to one's child—depending on which feeling is stronger. The sacrificing has nothing altruistic about it.
6 [138]
Those who think and feel very differently perish, they cannot reproduce. Thus, there might be a limit to the degree of individuation. In times when it is felt painfully, as in ours (and as in all previous moral history of humanity), the drive for it is poorly inherited. In times when it is felt pleasurably, it easily goes too far and creates the utmost isolation (and thereby prevents the general fertility of humanity) The more similar, the more fertility increases, everyone finds a sufficient female: thus overpopulation as a consequence of morality. The more dissimilar, the —
6 [139]
Our sample images are constructed according to what would give us the most pleasure if we achieved it, and what we, on the other hand, consider possible (within the scope of our abilities and our situation) to achieve. An overview of our pleasure sensations, and of our strength and the process along with its conditions is the prerequisite—a high achievement of the intellect: most of the time, it will have to be a distortion!
Therefore, most people let themselves be given a model image: and the compulsion to reproduce it ("duty," a kind of believed power, instead of a recognized one). Missing its image and failing to reproduce it causes much heavy dissatisfaction—this painting rarely has masters. One draws around one's whole life to obtain a reproducible model: we shape it according to what we have achieved and decree it as the model—often out of despair.6 [140]
Once one asked: is the thought true? now: how did we come by it? What was its driving force? Let us discover
6 [141]
Procreation is an often occurring incidental consequence of a kind of satisfaction of the sexual drive: not its intention, not its necessary effect. The sexual drive has no necessary relation to procreation: occasionally, through it, that result is also achieved, just as nutrition is achieved through the pleasure of eating.
6 [142]
The refinement of intelligence also refines our malice, and the pleasure in intellect ultimately also gives us pleasure in the refined malice of others. Progress consists in the degree to which man can endure malice, without suffering.
6 [143]
Christ did not bear only God, but also Satan in his bosom: that is the counter-reckoning of this moral hyper-idealism: the absolute condemnation of man, the odium generis humani. To make mankind worthy of such a sacrifice of a god, one had to despise it to the depths and degrade it before oneself.
6 [144]
morality is a sum of errors that have fused with the drives, so that when the error is spoken, the drive stirs—otherwise variable and without concord. These errors relate to human action from the perspective of what is praiseworthy or blameworthy: and behind praise and blame lies the assumption that one knows the purpose of man, as well as that one knows the nature of action and that one believes in the freedom of Hs: likewise that one believes in the identity of men or certain groups, hence with equal duties and actions: that one knows what is useful to that ultimate purpose, what is not.They are all presumptions of the intellect. But the modified drives thus created demand their satisfaction, and this also drives moral systems forward, ever new attempts to bring these drives into harmony with truth afterward—while naive people measure all other knowledge by moral drives for their truth. The fundamental prejudice is:—“only the moral is true.”
6 [145]
NB NB. There is no self-preservation instinct—rather, seeking pleasure and avoiding displeasure explains everything that is attributed to that instinct. There is also no instinct to perpetuate the species. This is all mythology (even in Spencer and Littré). Procreation is a matter of pleasure: its consequence is reproduction, i.e., without reproduction, this kind of pleasure and no kind of pleasure would have been preserved. Sexual desire has nothing to do with the propagation of the species! The enjoyment of food has nothing to do with preservation!
6 [146]
To prove that selfish origin are a) love b) parental love c) the sense of truth d) justice. However, the prerequisite is that the sensory image of the world is nearly the same in all people, that this kind of error has been inherited with the highest power itself.
6 [147]
We can form many shapes from all our forces, or even the absence of shape. There is a certain artistic freedom in the imagination of our patterns that we can achieve.
6 [148]
“Moral law, duty, moral freedom, inviolability, absolute respect for the person”—all forbidden to us, we must not nourish ourselves with that. Likewise, the purposes of humanity, the purpose of the individual—this is not to be determined outside of him: it is an assumption, a more or less arbitrary program—arbitrary in relation to the material, the accidental material of his knowledge of himself. —
6 [149]
There is no good, no evil in itself. The “general truths” of morality wanted to shape people identically—through errors deeply connected with the drives. Like the patriotic error that makes them equal in the narrowness of love and national hatred.
6 [150]
“The true nature of man”—forbidden phrase!
6 [151]
I am not a means to an end—there are in nature neither means nor ends.
6 [152]
It is nonsense to grasp us as causes—what do we know of cause and effect!
6 [153]
Pleasure and pain: is it true that the most individual being would have the most pleasure from itself? Yes, and even more, if it has the charm of many individual beings around it. “But how to prevent them from encroaching on each other’s sphere?” But why prevent it! There must be hostility so that the I comes out most gloriously, all evil affects must be present. Morality dispensed with! But the increasing knowledge, the increasing pleasure in each other, the superior air in all bad experiences, the resources of full individuals in emergencies, in the struggle with the unchangeable! Finally: there is only one time for the flourishing of individuation—and perhaps humanity must perish from—morality.
6 [154]
“You shall not kill”—but we are constantly killing the thoughts and products of others, it is necessary, we are constantly letting something die within us so that something else may live. Just as the life of man goes hand in hand with a constant dying: humanity must always shed its skin.
6 [155]
The sexual drive makes the great strides of individuation: important for my morality, for it is antisocial, and denies the general equality and the equal value from person to person. It is the type of individual passion, the great education for it: the decline of a people occurs to the extent that individual passion diminishes, and social reasons predominate in marriage.— The separation of the sexes is not fundamental, procreation is not essentially sexual, and does not belong to the essence of the living.It is a very strong expression of individual pleasure; the higher the beings are, the stronger the individual becomes in it.
“Generation is the repetition of a cell by itself, an extension and reproduction” a kind of abundance, where a part of the perfectly and richly nourished mass separates and often follows a continuation of nourishment even after separation.
Generation is a consequence of nourishment.
6 [156]
The root of reason is A = A? no! A = B, the belief that two identical things exist. The highest development of reason aims to deny it and thus to doubt and limit itself.
6 [157]
Is the ultimate goal pleasure or duty? That's how everyone now grasps the problem. Some say it is logical identity.
No action that is at all possible is absurd illogical in the sense of mathematical physicists and mechanics.
6 [158]
As soon as we want to determine the purpose of man, we put forward a concept of man. But there are only individuals, from the previously known ones the concept can only be obtained by stripping away the individual—thus establishing the purpose of man would mean preventing individuals in their becoming individual and telling them to become general. Should it not be the other way around, that each individual is the attempt to achieve a higher species than man, by virtue of his most individual things? My morality would be to take away man's general character more and more and to specialize him, to make him incomprehensible to others to such a degree (and thus become the object of experiences, amazement, instruction for them)
6 [159]
Develop all your powers—but that means develop anarchy! Go to ruin!
6 [160]
Our love for the ideal is the ultimate intensification of the nutritional drive (likewise self-love, love of property, the need for power, means for life and health) L
6 [161]
The development of the sexual drive to the height of love for humanity, compassion, self-sacrifice—not a hostile, but the highest feeling of humanity. Littré. Non! non!
6 [162]
Recognizing the identity of one person with another—should this be the basis of justice? This is a very superficial identity. For those who recognize individuals, justice is impossible—ego.
6 [163]
The progress of morality would consist in the predominance of altruistic drives over egoistic ones and likewise of general judgments over individual ones? This is now the locus communis. I see, on the contrary, the individual growing, who represents his well-understood interests against other individuals (justice among equals, insofar as he acknowledges and promotes the other individual as such); I see judgments becoming more individual and general judgments becoming shallower and more stereotypical. I see the altruistic drives strongest in the coarse egoism of animals (it is a kind of affirmation of one's own pleasure), the altruistic drive is an obstacle to the recognition of the individual, it wants to have and make the other equal to us.
I see in the state and societal tendency an inhibition of individuation, a formation of the homo communis: but the common and equal man is only desired because weak people fear the strong individual and prefer general weakening over development toward the individual. I see in the current morality the whitewashing of general weakening: just as Christianity wanted to weaken and equalize the strong and intellectual people.The tendency of altruistic morality is the soft gruel, the soft sand of humanity. The tendency of general judgments is the commonality of feelings, that is their poverty and feebleness. It is the tendency toward the end of humanity. The “absolute truths” are the tool of leveling, they devour the characteristic forms.6 [164]
the sexual drive pushes people away from other people, it is a raging egoism and not a source of social feelings—not altruistic!!
6 [165]
The boy is dependent on the producer, similar to him, understandable, entertaining, his work—moreover, it is 1. nothing hostile, 2. nothing foreign, 3. nothing dead: these latter negative reasons may have first created the appeal for the boy to have been created. There was so little or nothing in the world that resembled him in these 3 points.
6 [166]
The honesty with regard to property compels us to say that we are quite stolen together, and that we feel all too dull and coarse in this matter. The individual has a false pride in relation to material and colors: but he can paint a new picture, to the delight of connoisseurs—thus he makes amends for his trespass against the goods of the world. To conceive of our existence in such a way that we have something to contribute to it—not as “guilt,” but as an advance and debt! We nourish ourselves from everything; it is fair that we give something back to nourish all. (Christ was not refined in this feeling; he shared as his own what others had conceived before him)
6 [167]
One suffers and defames things and people!. A fine way to take revenge!, by damaging our judgment! It is we who take revenge on ourselves when we defame and harm others. We cloud our soul, accustom it to seeing falsely—and finally
6 [168]
Noble: denotes belonging to a selection, being an exception. Sacrificing oneself for others is a desire with which one becomes an exception. In relation to all others who do the same, however, one is not noble, but common. Among the "good," the good is not valued as individual, but as a rule, and is therefore not marveled at, not praised.— Some long for a community where their most individual traits are felt as the norm, where it ceases to be I. Others are furious at the thought of such commonality. The former suffer from the fate of their uniqueness, the latter enjoy their uniqueness. Others do not even notice it.
6 [169]
Two interests in things: 1. to know what they are 2: what can be made of them.
6 [170]
As a whole, I have, as if blindly swimming in water, approached in turn the nourishment necessary to me: sharpening of the intellect, then elevation and sacrifice of the self, then justice and independence, then circumspect gentleness toward all that is independent, etc. Not with judgment: but the excess always drove me away again, and the new taste did me good. Pain taught me to appreciate the scattered joy in existence, the party taught me solitude: the scholar in me drove me to understand the artist, etc.
6 [171]
Goethe's cautious attitude towards music: very advantageous that the German inclination towards obscurity did not gain another artistic stronghold.
6 [172]
the pleasant shiver at the sound of the bell
6 [173]
These act entirely selfishly, but their moral judgment is trained to see everything immediately from the perspective of the praiseworthy and virtuous: they are perfected in their dishonesty toward themselves and present in society the “good conscience.” Others are higher, but their judgment is given over to pessimistic habits, they interpret everything selfishly and they despise everything selfish. Their noblest actions leave a residue of disgust in them.
It is those who believe in a virtue that does not exist and cannot exist! They are honest, but their honesty brings them only torment and self-disgust: because their sense of pleasure is limited to actions they know themselves incapable of: yet they conclude that these actions must be possible for others: which is not true. The one who said “I have fulfilled the law” was certainly not very demanding in its interpretation and no brooder.6 [174]
“You shall not steal!” But where does property end? A thought, an impulse, a perspective, the expression of an image, a building, a person—isn’t it all property? And we steal everything constantly. We steal all things and suns into ourselves, we carry everything for ourselves away, whatever exists, yes, what once happened. We do not think of others in the process. Every individual person sees to it what they can secure for themselves.
6 [175]
The higher nature is more unreasonable than the common one, and has some pleasure and displeasure drives so strong that the latter can hardly believe them. In relation to these, her thinking sometimes pauses or enters entirely into service. One speaks of passion; its satisfaction is more important to her than life. But so too the drinkers, the lustful, the vengeful. It must be the object of passion that ennobles it and makes it a sign of higher nature. Not eating, drinking, lust: but things that are rarely strongly felt, e.g., thoughts, knowledge, the well-being of a city, a state, humanity, the salvation of the soul, the happiness of others. So something that usually leaves one cold is here the object of passion—that makes the higher nature: her taste is directed toward exceptions.
It is the individual taste that stands out here: to comprehend such a passion is impossible, just as the individual cannot be comprehended. The higher nature has a singularity of passion: it is not common, hence not calculable. Its unreason is great in this; it makes the greatest sacrifices for something that has value only for it alone: it does not care about the value measure of others. Thus: having a singular value measure in feeling makes the higher nature: either valuing other things than are valued or valuing things differently than they g W.— The common natures do not believe in the difference of measures, i.e., they do not believe in individuals?“I believe in individuals”—so the higher nature?—And it often deceives itself insofar as it presupposes individual judgments and standards in others and does not have that practical trick at hand to understand them as level-men (: like Napoleon, who himself was one).A subspecies: higher natures, which everywhere presuppose their own individuality and their own standard of feeling, their own history thus—and do not recognize the individual, just as little as they understand the common (e.g., Christ). They do not know themselves as individual.—The other kind: they know themselves as individual, they understand individuals, but see only the commonness—this they must learn. Perhaps they themselves have the fervor to fathom the commonness—it is a possible passion (La Rochefoucauld?)
6 [176]
There is a continuous movement towards the formation of genera, of people with a common character: cities, states, cultures work towards this. Statistics are the proof. The deviating transitional natures (between two genera) or the degenerating ones are the individual ones or the attempts to establish a species within the genera.
6 [177]
“One is not what one always is, one is what one very often is” Rémusat.
6 [178]
Also: it is not self-sacrifice that makes the noble, for that would place him in the category of the passionate (as, for example, the raving voluptuary sacrifices himself) there are low passions, i.e., common ones, and higher individual ones. The noble sacrifices here an individual passion: not that he sacrifices himself for others makes him noble, but the rarity of this drive for others—an individual peculiarity, like many other peculiarities that also make noble.
6 [179]
Christianity demanded actually nothing but an intellectual sacrifice: that one believe in Christ.— Whoever places such value on being believed in, that he guarantees heaven for it—must have had a terrible doubt? Or?
6 [180]
The winged goddess, who inscribes your deed upon a brazen shield and whom the people worship
6 [181]
this one cannot grasp the degrees of kinship, let alone have a fine sense of obligation for the various! ego
6 [182]
The most embarrassing thing for me is having to defend myself. In doing so, I realize that I must first compare my way of being with that of others and that I must attribute understandable motives to them: not accustomed to this, I know that I fail at it. Yes, every presentation of my image by others confuses me—“that is certainly not me!” is my feeling; if I wanted to thank them, I would seem dishonest to myself.
6 [183]
The teaching of moderation is an observation of nature: what is to become high and strong must always increase its strength like capital and must not want to live off it itself.
6 [184]
Our thoughts are to be regarded as gestures, corresponding to our drives, like all gestures. Darwin's theory is to be invoked.
6 [185]
How strict they are with Calvin for one execution! And Christ consigned all who did not believe in him to hell—and people, even more terrible than he, added: “with retroactive effect.”
6 [186]
There is a greedy and breathless way of thinking. Here, too, morality is necessary
6 [187]
Independence is no longer a pleasure when it lacks the sting.— And with the absolute impossibility of a glance at independence, dependence loses its unpleasantness. Thus with the unfreedom of the will—we must break off the sting of the ancient illusion! then we are quite happy and content.
6 [188]
“The need to entertain illusions about one’s master, because human vanity does not like to blush over the one to whom one has submitted”
6 [189]
A realm of utterly inhuman necessity reveals itself more and more! At last, we laugh along ourselves, seeing how we once thought to replace and understand it with our drives and little drives, with inclination and hatred, will or purpose, etc. The world as a human world has become a laughingstock to us: like astrology. To take up our position toward this world as pathetically as possible was the endeavor of all philosophers: the idealists finally knew how to make us the main thing and the world a kind of product of ours: as if the mirror said, “without me there is nothing, I am the originator.” In the end, we ourselves are woven into the enormous system and move within it: yet enough of the unrecognized still remains in us, and that remains the playground of our pride.Yes, after we have revealed so much about the position of man in the world, a struggle for the “highest rights of humanity,” one of life and death, takes place on this final site. It is the whole pride, and all drives serve him in this! The higher value of morality is boldly opposed to the entire law of the world, and human goals are set as the goal of the world. With “good” and “beautiful” and “true,” one believes to have proven the exceptional position, his divinity: science in the service of the old drives fights and defends the god in man, after having otherwise let him go—the free god.
6 [190]
Napoleon's striving was for power: he would have preferred peace if it had given him an increase in power.
6 [191]
Never let oneself be loved, but where one does not feel the impulse of love in return, then prevent the love of the other, and if necessary, mock him, yes, even humble oneself before him! Artists (and women!) are made common by nothing more than by letting themselves be loved. We should prevent ourselves from becoming the ideal of another: thus he wastes his strength in forming his own unique ideal, we lead him astray and away from himself—we should do everything to enlighten him or push him away.— A marriage, a friendship should be the means, the rare!! to strengthen our own ideal through another ideal: we should also see the ideal of the other and from it, ours!
6 [192]
Where have the great souls gone? What is now called that—I no longer see anything but people who, with an enormous expenditure of energy, play comedy in front of themselves, want to create an effect in front of themselves, and listen with an almost unimaginable greed for the audience, because its applause and deification is supposed to give them faith in themselves. Their effect on others is a broth of strength for these exhausted by excessive effort. It is a history of illness!
6 [193]
In France, every personal relationship (love, friendship) has a daily story. "Constantly changing"—otherwise boring. This would be torture for Italians; they have the quiet confidence of cows—the slightest nuance they perceive—most wouldn't notice it—almost kills them. St
6 [194]
“Mist does more wonders than the saints”—Sicily.
6 [195]
In Germany, all moral education is lacking.
6 [196]
Learn to be silent and learn to leave. Wherever a certain contradiction belongs to life and takes the air from our being, one should leave.
6 [197]
“the feeling of the spirit level and the plumb line, which actually makes us human and is the basis of all eurythmy” Goethe
6 [198]
There is nothing more foolish than to mock someone in what constitutes the competence of their profession, e.g., the scholar: as the spoiled children, the artists allow themselves to do.
6 [199]
True greatness of character in a musician is only found in S. Bach.
6 [200]
The commercial spirit has the great task of instilling in people who are incapable of elevation a passion that gives them broad goals and a reasonable use of the day, while also consuming them in such a way that it levels all individuality and protects them from the spirit as if from an excess. It forms a new kind of people who have the significance of the slaves in antiquity. That they become rich gives them influence as long as the spiritually powerful do not know their advantage and want to make politics. This working class forces the higher natures to separate themselves in the long run and form an aristocracy.For the time being, artists and scholars belong to this working class; they serve it because they want a lot of money. The inability to be at leisure and to be passionate is common to all (hence a great affectation of both in artists, because they want to entertain with something unusual). The monetary interest forces a political interest upon them, and this a religious interest: they must keep parts of themselves in dependence and respect—hence the English bigotry, as that of the commercial spirit.
6 [201]
What is—not inherited—is even more important for the crystallization of character than what is inherited. A noble character, i.e., a number of habits and viewpoints not at hand, which others find convenient.
6 [202]
When we eat, go for walks, live sociably or alone, the high purpose of our passion should determine us down to the smallest detail, and in such a way that it has taken reason and science into its service and, with deep fervor, queries them for the instructions that are precisely suitable for it. Do not follow your drives blindly, even if they are great: rather, draw upon all previous knowledge: only thus does one think highly enough of oneself: Everything that has been recognized so far is worthy of serving your passion. Whoever easily reconciles themselves with science or becomes fantastical in its use lacks the depths of infallible reverence for their passion, for which no sacrifice is too great.
Our essence on the whole world of previous experiences of humanity!— You take sides and practice love and hate—if you had more reverence for your work, held it seriously as an important matter, you would feel horror at blinding your judgment so, you would have to question knowledge with fervor and become honest about yourselves. Passion drives us again and again out of our peace: our ideal always demands higher confirmations and sacrifices, and thereby itself always grows and purifies itself.— You are in love with yourselves, but it is a passing whim, a small piece of sexual drive, you also sense that one must satisfy whims with whims, you are only arbitrary!Or you are ambitiously in love with your ideal and do everything for it that among people causes a stir and earns respect, you need the publicity of your passion, in silence and secrecy you would be bored by it. You create your work, but the reflection of yourselves in the minds of others is the goal that behind the work stands, it is a magnifying glass that you hold before the eyes of others when they look at you!— Many do their work properly, as they have been accustomed to under strict teachers, they speak of a sense of duty and demand duty—but they have a pang of conscience, for they should only do something extraordinary!6 [203]
Not that we want to help and benefit people: no, that we take joy in people, that is the essential in the so-called good person and in morality. It is the new, the later achieved. Our “good deeds” are self-evident in this joy: if we do not fear them and do not attack them and yet have countless relations to them, then these can be none other than those which increase our joy in them, i.e., we strive to promote them in their pursuit of stylized individuality, at least to eliminate the sight of the ugly (suffering). Love for people?? But I say: joy in people!And so that this is not nonsensical, one must help ensure that what brings us joy exists.—One sees: the honesty above us and the recognition of foreign nature, the development of taste, which requires the sight of beautiful joyful people, must precede it. Here a selection takes place: we choose those who bring us joy and promote them and flee from the others—that is the right morality! Making die off of the miserable, deformed, degenerate must be the tendency! Not to be maintained at any cost! As beautiful as the sentiment of grace toward the unworthy among us is, and the helping of the bad and the weak—in the whole, it is an exception, and humanity would thereby become common in the whole (as e.B. through Christianity) Always build on natural instincts: “To bring joy to those who delight us, and suffering to those who displease us.” We exterminate wild animals, and we breed the tame ones: this is a great instinct. We degenerate ourselves at the sight of the ugly and contact with it; build protective barriers! Leveling to a usefulness! and the like.
If one only associates with those whose contact delights and uplifts us, then groups and layers will form, which in turn stand in such a relationship of closer or more distant alienation. This is very good, a necessary structure of society, out of honesty!
6 [204]
In themselves, the drives are neither good nor evil for sensation. But a hierarchy does form, because the satisfaction of some is associated with fear, and these stand in feeling lower than those which are pleasurable. This difference in degree becomes an opposition in moral judgment. If a drive is always satisfied with the feeling of prohibition and anxiety, an aversion to it arises: we now consider it evil. We have inseparably linked a secondary sensation to it; a unity has emerged.“An evil deed.” Whoever feels nothing is forbidden and does everything he wants knows nothing of good and evil. Whoever feels much is forbidden and does none of it feels good, regardless of who forbids—whether someone has power over us or we ourselves!—the perfect person forbids himself very much (infinitely more than others can imagine!) and therefore feels good: it is nature artfully restrained and reinterpreted: for it is becoming, and not about building or tearing down once—it is a floating garden.
6 [205]
One should by no means remain in circumstances where our petty excitements are practiced daily—it is the strongest reason to dissolve a marriage, a party, a friendship, to give up an office. If you are great in solitude, know that you will corrupt yourself elsewhere. Powerful gentleness—where this mood seizes you, there you are in yourself—and there found your home!
6 [206]
I do not speak to the weak: they want to obey and rush headlong into slavery everywhere. We still feel ourselves to be relentless nature in the face of relentless nature!— But I have found strength where it is not sought, in simple, gentle, and amiable M without the slightest inclination to rule—and conversely, the inclination to rule has often appeared to me as an inner sign of weakness: they fear their slave soul and throw a royal mantle over it (they ultimately become the slaves of their followers, their reputation, etc.) The powerful N rule, it is a necessity, they will not lift a finger. And if they bury themselves in a garden house during their lifetime!
6 [207]
Error in the Sorrentine landscape.— Oil trees more beautiful than the oranges.
6 [208]
Temperance movement necessary for Germany: the vast majority of crimes are connected with alcohol and likewise suicides!
6 [209]
No German artist has yet had enough spirit to explain his practice: the cleverest have only understood how to embellish it, as if they had a bad conscience: in fact, they have spoiled their effect, insofar as they threw their limitations into the balance, their works thereby sank somewhat and exerted influence on lesser imitators. For if one understands the tendency of an art as a personal glorification or apology or concealment, many will reach for it who need to glorify or conceal their nature.
6 [210]
Actions that are felt to be exceptions for a long time and bring honor eventually become practice and are then considered decent. Similarly, honesty in regard to all that is real could one day become a matter of decency, and the fantasist might simply be dismissed as indecent.
6 [211]
In this century, the French have cultivated a taste for painting (through drawing) that was lacking in the previous century. The Italians have lost their ear for singing, the Germans have learned political passion, and the English have taken the lead in science.
6 [212]
Our drives often contradict each other, there is nothing to wonder about! Rather, if they harmoniously resolved themselves, that would be strange. The external world plays on our strings, what wonder that these often dissonate!
6 [213]
After Austerlitz, the war was more the result of his system than the impulse of his taste:
6 [214]
Young people whose achievements do not match their ambition seek an object to tear apart in revenge, usually persons, classes, races that cannot retaliate well: the better natures wage direct war; the craving for duels also belongs here. The better choice is to select an opponent who is not beneath one's strength and who is worthy of respect and strong. Thus, the struggle against the Jews has always been a sign of the worse, more envious, and more cowardly nature: and whoever now takes part in it must carry a good deal of vulgar sentiment within themselves.
6 [215]
The end of all great thinkers and artists is bleak, for those in whom honesty towards themselves has always diminished. The joyful living out and flowing into the other world is lacking in them.
6 [216]
The opinions of people are just as necessary as their actions—but not therefore "true for them"! Only an enormous way of going beyond oneself and absorbing other ways of thinking gives us the possibility to distinguish between true and false. The ideal: an opinion that is independent of everything personal and whose limit is only "the human being." It is the opinions that must be "most useful" to "the human being," his strict relation to things (of which he is no longer the fool.)
In the long run, humanity must pay terribly for every error—for it to be maintained, a hundredfold falsification of other things must occur (not wanting to see, i.e., deterioration of honesty, decline of intellect, increase in the danger of life—
6 [217]
“no one since 1730 had the necessary passion and fantasy for the colossal excess of Pozzo and Bibiena.” J B
6 [218]
Among all those who have distinguished themselves in the founding and dissemination of religions, there has never been an outstanding mind nor an honest person. These great mass passions have been created by the crudest minds, those who have blind faith in themselves, like animals.
6 [219]
The power has the gentleness.
6 [220]
the longing for geniuses as for beef broth.
6 [221]
the commercial spirit and its product
6 [222]
The taste of English garden art—“to imitate free nature with its contingencies” J.B.—is the whole modern taste. Such people are what poets want: while another goal is to make people “subservient to the laws of art.” Against the elegiac natural sentimentalism NB I must unlearn this. “The contrast of free nature, which shines in from outside into the Italian gardens” J.B. Fundamental condition of the impression. Such people of style have the strongest effect in a half-wild environment.
6 [223]
In passionate love, one can see how far honesty towards oneself is lacking: indeed, one assumes this and bases on it marriage (with promises that no honest person could make to themselves!) Similarly, in the past with the loyalty of subjects to princes, to the fatherland, or to the church: one solemnly renounced honesty towards oneself!
6 [224]
We are more inclined to believe what is pleasant to us. The animals, which are less strictly inclined to do so, the cautious ones, preserve themselves better. Fearfulness is a first step towards honesty.
6 [225]
One says “progress,” but means development, i.e., becoming and passing away. We can also only perceive the V as a progression: for it is associated with pleasure, like all development. Only the inhibition of development causes pain.
6 [226]
Those prickly creatures who cannot express even their goodwill without stings.
6 [227]
It takes infinite pretence to become a loving person.
6 [228]
Value of science and charm thereof, against pretense. If one takes it half-heartedly, one does not understand its heroic magic.
6 [229]
If in the soul of a child in a superstitious environment and time the thought falls “you are the son of God” and it is early taught by the piety of its mother that this God is holy and demands holiness: added to this a gentle temperament and a glowing visionary imagination, a self-confidence nurtured by abstinence and solitude: such a one can come to believe in being sinless as soon as he believes himself to be the son of God and thus obeys his own commands—sublime form of pride. As a lawgiver, he is superior to the law; he can reveal something higher beyond it, complete it: how absurd for him to do anything that contradicts his fixed idea! From this height, he longs for love—people should believe in him: this is the only thing he lacks, and for it he wants to give them everything he can, e.g.God's grace. The: children, the poor, the foolish, the despised, those who despise themselves are his favorites. He invents his God in his own image, so that he can show love as God: he eliminates and weakens ideas from which another God would emerge. His honesty towards himself is very low, he has neither a fine conscience regarding his faith as the Son of God, nor regarding his knowledge of nature and man. He deceives himself, entirely in the service of his passion: what he does not know, he does not value, he treats himself as the measure of things, with the inexperience of a lonely shepherd who has only sheep around him.His weak point is that people do not want to believe him, while he believes in himself: and in this, his imagination becomes cruel and gloomy, and he invents hell for those who do not believe in him. His lack of education protects him from imagining the origin of a passion and from seeing himself objectively once: he never rises above himself (as, for example, Napoleon). The most terrible, eternally unforgivable thing about people was the scorn of his love—this is a common trait. Likewise, his suspicion of the rich, of the mind, of the flesh—his kindness and indulgence are brief and entirely selfish.
6 [230]
In narrators, the more refined avoid exaggerating the experiences of their heroes into the monstrous or the crudely criminal; rather, they diminish and smooth out the events and show what finer natures already suffer from this little: or that here their experiences only begin: for coarse natures, there are no problems there.— That one maintains towards one's hero that he is not a non plus ultra, but rather a
a capable person, distinguishes every good poet.— The demigod stories require little talent, coarse colors—they are told to the masses. They are ideal robber and ghost stories.— Whoever falls in love with their heroes and their experiences is not of the first rank—for they must be poor.— The poor, who do not readily believe that others consider them rich, occupy themselves with magnificent, enchanting subjects and heroes.6 [231]
We do not reach our maximum: for in the period of most rapid growth all other favorable conditions must be present. We are short-stemmed and gnarled.
6 [232]
Let us also guard ourselves against blind outbursts of love and hatred towards people—how much less do we have to make good, i.e., to retrace a wrong path! (whereby our path has lost time) Greater honesty towards ourselves keeps us in check: usually, we indulge our restrained drives all at once, in this love and hatred towards people.
6 [233]
Christianity has promised the kingdom of heaven to spiritual poverty: but the first educated and witty Christian gave Christianity its dialectic and rhetoric, without which it would have perished from its spiritual poverty.
6 [234]
The drives we all share with animals: the growth of honesty makes us more independent of the inspiration of these drives. This honesty itself is the result of intellectual work, especially when two opposing drives set the intellect in motion. Memory brings us, in relation to a thing or a person, during a new affect, the ideas that this thing or person previously aroused in us during another affect: and there different properties appear, allowing them to coexist is one step of honesty.
h. to bear a grudge against the one we now hate, that we once loved him and compare his earlier image within us with the present one, to mitigate and balance the present. This is what prudence commands: for without this, as haters, we would go too far and put ourselves in danger. Basis of justice: we grant the images of the same thing within us a right!6 [235]
The exercise of recognizing multiple properties in a thing, apart from our affect, constitutes a series of fixed things that grows ever larger and ever finer. This exercise forms a need: for the knowledge of things in their multiplicity: the basis of the intellectual drive.
6 [236]
Honesty towards ourselves is older than honesty towards others. The animal notices that it is often deceived, just as it must often pretend. This leads it to distinguish between error and truth, between pretense and reality. Intentional pretense is based on the first sense of honesty towards oneself.
6 [237]
Christ "pious sad and selfish"
6 [238]
What does “understanding a thought” mean? It stirs an idea, which stirs perceptions, which stir feelings, so that finally the stone gives a dull sound when it has reached the bottom: this shaking of the ground we call “understanding.” Cause and effect do not occur here, only association: with this word, this idea is accustomed to being aroused: how this is possible, no one knows. Our “understanding” is something incomprehensible, and that final resonance in our drives is still nothing more than a new great unknown. —
Lying is the arousal of that ground in our neighbor in such a way that a drive awakens in him which he cannot satisfy, because the nature of things is different: thus, to arouse an unfulfillable need is lying.
6 [239]
People gradually see a value and a meaning in nature that it does not inherently possess. The farmer sees his fields with an emotion of value, the artist his colors, the savage his fear, we our security—it is a continual, most subtle symbolizing and equating, without consciousness. Our eye sees with all our morality and culture and habits into the landscape.—And likewise we look at other characters: they are something different to me than to you: relations and phantasms, our boundaries toward one another are therein.—What does justice mean here!The abundance of relations grows incessantly, everything we see and experience becomes deeper in meaning. At the sight of the sun, for example—but countless old meanings and symbols also die away incessantly, it empties itself at the same time—and if we are on the path of justice, then the arbitrary, fantastical interpretations with which we inflict pain and violence upon things perish: for their real properties have a right, and ultimately we must honor this more than ourselves.
6 [240]
Praise of Philology: as a Study of Honesty. Antiquity perished in its decline.
6 [241]
The fateful “second meaning” behind natural events, experiences, desires, injustice! Poor humanity!
6 [242]
The “moral world order”—a kind of astrology.
6 [243]
Our greatest surveys, tremors, the purest sky—we owe them to ourselves: we lend them to the works of art, and thus they become greater; we improve them, and sometimes we misjudge them to their advantage.
6 [244]
Honesty in art—nothing to do with realism! Essentially honesty of the artist towards their powers: they do not want to deceive themselves, nor intoxicate themselves—no effect on themselves, but to imitate the experience (the real effect).
6 [245]
If one considers who achieves great fame at any time: it becomes likely that the most outstanding minds will stand in the second or third rank: and the best masters remain unknown.
6 [246]
My pathos: to empathize with the terrible suffering of the feeling of sin NB.
6 [247]
Believe no one that if Plato lived now and had Platonic views, he would be a philosopher—he would be a religious lunatic.
6 [248]
The poor practice in seeing and wanting to see the real has also created a mythology in human relations, in their judgment of one another and themselves, the "moral world."
6 [249]
The doubt about what is real does not make one more inclined toward phantasms: rather, it gradually destroys the good will that belongs to the invention of a phantasm.
6 [250]
In general, no action is considered understandable except that which is purposeful: and indeed no movement in the world. Therefore, earlier thinking sought to explain all movement in the world as purposeful and purpose-conscious (God). It is the greatest turning point in philosophy that action according to purposes was no longer found comprehensible; with this, all earlier tendencies are devalued.
6 [251]
When we hold someone responsible, we assume the same power in others, and the same knowledge of this power—which is, after all, mythology.
6 [252]
The spontaneous mass of energy distinguishes people, not an individual atom. Then the practiced movements of this mass, transmitted through heredity. The same force is what is consumed now through the muscles, now through the nerves.
6 [253]
The thought is just as much as the word, only a sign: there can be no talk of any congruence between thought and reality. Reality is some kind of instinctual movement.
6 [254]
Every action is infinitely different from the pale consciousness-image we have of it during its execution. Likewise, it differs from the consciousness-image that hovers before the deed (the end of the action = purpose and the path to it); countless parts of the path that are ultimately made are not seen, and the purpose itself is a tiny particle of the actual outcome of the action. Purposes are signs: nothing more! Signals! While otherwise the copy follows the model, here a kind of copy precedes the model. In truth, we never fully know what we do, e.g., when we want to take a step or utter a sound.
Perhaps this "wanting" is only a pale shadow of what is truly already in the process of becoming, a belated image of our *ability* and action: sometimes a very false one, where we *seem* unable to do what we want. Our "wanting" was here a misguided phantasm of our mind; we had misinterpreted some sign.— When someone *commands*, and we want to do it, but find ourselves too weak—? then fear (or love) gave us an impulse, in which a great deal of strength was set in motion.— The *first* success along the first nerve and muscle pathways gives the premature notion of ability, and from this *results* the premature image of the intended purpose: the *purpose-idea* arises, *after* the action is already *in the process of becoming*!6 [255]
Belief in us is the strongest fetter and the highest lash—and the strongest wing. Christianity should have established the innocence of man as an article of faith—people would have become gods: back then one could still believe.
| 6 [256] |
“To plead for hardness, coldness, exhaustion”—torment when one no longer trusts their life’s goal. “Sublime anger, twitching reproaches”—sobbing oneself to sleep—gazing into cold and horror, waking up cold—“narrow cell of their misery”—only a glance outward at another’s life, no more. “The abundance of sympathetic experience presented itself as a counterforce”—justice banishing one’s own pain.
“Need for justice.”
“Overestimating the good in others” blind to the good effects we bring about in others.
6 [256]
“To plead for hardness, coldness, exhaustion”—torture when one no longer trusts one's life's goal. “Sublime anger, twitching reproaches”—sobbing oneself to sleep—gazing into cold and horror, waking up cold—“narrow cell of their misery”—only a glance out at the life of another, no more. “The abundance of sympathetic experience presented itself as a counterpower”—justice banishing one's own pain.
“Need for justice.”
“Overestimating the good in others” blind to the good effects we bring about in others.
6 [257]
We must bring it to the point where we feel intellectual disgust for the impossible, unnatural, utterly fantastic in the ideal of God, Christ, and the Christian saints. The model must not be a phantasm!
6 [258]
For every loss of a friend, exchange for a higher soul.
6 [259]
Have you practiced thinking of others and doing something for them, then, if it is impossible for you to achieve your goal, much remains: namely, to promote the goals of others. It is good and wise to have these two strings to play. Understanding others and looking at ourselves from their perspective is indispensable for the thinker.
6 [260]
I see it in your tolerance towards science from a hundred paces away: you think you do not need it, you pride yourselves on being its advocates even when it fights against your opinions:—for you do not have such a strict sense of the real that it torments and tortures you to find it in contradiction with you: nor do you greedily look around to see what is currently being recognized and is on the way to being recognized.
6 [261]
The exercise in recognizing has recently produced a need for truthfulness which is now a new great power, with dangers and advantages.
Title perhaps: “the need for truthfulness.”
6 [262]
All moral systems that command how man should act shall lacked the knowledge and examination of how man acts. But it was believed that this knowledge was possessed.
6 [263]
The need for activity separates us from Indian wisdom.
6 [264]
Even the finest thought corresponds to an entanglement of drives.— Words are, as it were, a keyboard of drives, and thoughts (in words) are chords played upon it. However, the stimulating power of the word for the drive is not always the same, and sometimes the word is almost nothing but a sound.
6 [265]
1. Time of drives without thoughts 2. Time of drives with thoughts (judgments) Here, drives and drive entanglements are presented. The frequent repetition, the approval and rejection of such ideas, exerts a back-effect on the drives themselves; some become highly practiced, others fall out of practice and wither. Gradually, through immense exercise of the intellect, the pleasure in its activity arises: and from this, finally, the pleasure in truthfulness in its activity. Originally, the intellectual functions are very difficult and laborious. Imitation is best, hatred toward the new. Only later, conversely, does disgust with imitation arise quickly, and the pleasure in the new and in change becomes very great.
6 [266]
People perish from the refinement of the intellect: physically and perhaps also morally.— We happy ones! We are in the Middle Kingdom!
6 [267]
The perfection of a Napoleon, a Cagliostro delights: our criminality has no model examples before it, they have no cheerful conscience. A good robber, a good avenger, adulterer—that characterized the Italian Middle Ages and Renaissance, they had the sense of completeness. Among us, virtues and vices are afraid, public opinion is the power of the half and mediocre, the bad copies, the pieced-together everymen.
6 [268]
We do not want to make a God of ourselves, we do not lust after the ideals of earlier peoples. Precisely the ungodliness, the joy in the countless individuals with the highest diversity, who will indeed be opponents, but like Greeks and Trojans!
6 [269]
The passionate inclination to help others spoils one's own comfort.
6 [270]
In the presence of people with great souls, we reveal the great context of ourselves and believe in it more than when alone. That is why they are necessary to us. Innumerable small displaced lines we can surrender—that does good! Others can only see these trivialities; before them, we must admit or deny them, in both cases without satisfaction.
6 [271]
With a great goal, one is not only superior to slander but also elevated above a great crime.
6 [272]
To protect a person from low experiences is the most beautiful thing—low without regard for us, but for him.
6 [273]
A wife as an impediment, a husband as a means of degeneration.
6 [274]
Our entire organism has been shaped by premature inclination and aversion, deception, etc.: gradually, truthfulness can also be cultivated in it and take deeper root—with what effects? For now, it is a moving web of lies and deceit and their tentacles: entirely animal-useful. Education toward truth—is it an improvement of the animal, a higher adaptation to reality?— Our benevolence, compassion, our self-sacrifice, our morality rests on the same foundation of lies and deception as our evil and selfishness! This must be shown! The unpleasant, even tragic impression of this discovery is initially unavoidable.
But all our drives must first become more anxious and distrustful, gradually absorbing more reason and honesty, becoming more clear-sighted, and thus increasingly losing the basis for distrust of one another: in this way, a greater cheerfulness may eventually arise, a more fundamental one; for now, this cheerfulness would only be possible for the dishonest. Resignation and that heroic delight in defiance and victory are the only forms of our cheerfulness: if we are those who seek knowledge. NB NB NB!!! How is it that we fight against thorough dishonesty and deception? A feeling of power, which is liberated in the development and activity of our intellect, drives us: it whets the appetite.6 [275]
The damned teacher- and reformer- and penitential preacher-pathos “and our duty commands us to make people unhappy.”
6 [276]
The increasing lying of the pathetists (Mr. Lipiner) or the tolerant (Miss v M)
6 [277]
The taciturn passion with somber eyes in Calvin is easily slandered. Grace and wit in passion are not believed in Germany.
6 [278]
in the form of a tragedy:
1 The Path
2 the terrible view
3 the resting
6 [279]
The fear of death: “I am the woodworm”
Loss of the child
Loss of honor
Illness
6 [280]
To what extent is it useful to try to love the enemy? It breaks the unsatisfied feeling and gives a victory over us.
6 [281]
The highest death-goal of humanity to conceive—someday the task will concentrate on that. Not to live, in order to live.
6 [282]
The ancients attributed to women in passion the truly inhuman and incredible—at the time of Aeschylus.
6 [283]
If someone converts to the Jews (according to Tacitus), they must despise the gods, renounce their homeland, and disown parents, children, and siblings. The souls of those who perish in battle or by execution are immortal (martyrdom concept of Christianity), hence contempt for death. When Caligula ordered his image to be set up in the temple, they took up arms.
6 [284]
“they eat with no one, sleep alone, and, however lustful they are, abstain from all foreign women”
“even the worst person sent tributes and alms to Jerusalem, neglecting the land in which they lived.”
6 [285]
Tacitus speaks mockingly of how much the Jews (and Christians) were devoted to superstition. Rome went to its extreme when it became Christian: it is a sign of the impotentia of the people of that time, this abrupt reversal. The fury of hatred finally made the Jews (Christians) interesting.
6 [286]
One takes various “best things” from the judgment of others (which are themselves very different) and discovers that they contradict each other: i.e., one believes one’s conscience is unsettled.
6 [287]
The good people have in difficult moments no scruples.
6 [288]
A kind of justice: “I enjoyed his happiness with him. Now also the time of his disgrace and guilt.”
6 [289]
To live in such a way that our energy is at its greatest and most joyful—and to sacrifice everything for it. NB
6 [290]
The metaphysical need is not the source of religions, but the aftereffect of their decline. One has become accustomed to the idea of another world and misses it (and from this drive new plants can grow “post-religions”) but what drove the assumption of another world were errors in the interpretation of certain events, thus false judgments of the intellect. The “need” is the result, not the origin. Through lack of satisfaction, it can die out! Thus there is a need to hear the ringing of bells, which has nothing to do with the original purpose of bell-ringing.— One has become accustomed to placing needs at the beginning.
6 [291]
Against Christianity: perfect morality is neither possible, nor desirable. Its value rests on false views of biology.
6 [292]
Since time immemorial, moral judgments have been passed (as errors about actions), so from this, moral feelings, inclinations and aversions have certainly formed. Thus, these are real. But how do they relate to the reality of the actions about which the moral judgments are erroneously passed?— The actions about which humans first formed moral judgments are those that are found in all animals: whose motives thus did not first have to be created.
Man believed, these actions to understand, moral judgments are “explanations of them according to purposes,” an approach of science. By naming them (evil good just etc.) one did not doubt to understand them through and through. Socrates first fell into suspicion, whether he understood them. But he did not doubt that the words good evil etc. corresponded to something essential!6 [293]
“How should a person act?” This can only be measured against an ideal, either what humanity should achieve, or what the individual should achieve. So far, there have been such models that hovered before nations (partly living, partly imagined) or before religious communities. Or before parties (or the perfect merchant, soldier, official). Or before philosophical sects. But always so far before majorities. The goal, however, is that each person design their own model and realize it—the individual model. In designing, all creative power, youth, and masculinity are necessary, all insight into one’s strength, self-knowledge. Now it is still not possible!
6 [294]
We do not need to settle accounts for our mistakes and drives when designing our patterns, but rather must know how to find their sublime form.
6 [295]
It can be tragedy! Our gentleness and compassion and—our sense of truthfulness in conflict with one another regarding the opinions of others.
6 [296]
A woman who understands that she is hindering her husband's flight should separate—why does one not hear of this act of love?
6 [297]
With thoughts it is as with physical movements: I must wait to see whether they occur, even if I want them; it depends on whether they have been practiced. The will here is not the imagining of the goal, but the imagining of logical forms (opposite of a thought, parallel, similar, premise conclusion etc.) in the form of desire. Memory must provide the content—On the occasion of a sentence, memory tries to attach something related to the individual words, and our judgment decides whether it fits and how. Thus the foot tries a multitude of positions in the moment of stumbling.We select from these suddenly emerging thought-embryos: how we bring our thoughts into formula from the words at our disposal. The most essential part of the process takes place beneath our consciousness. Our character decides whether associated thoughts are essentially those of contradiction, limitation, or agreement: the emergence of every thought is a moral event.— The logical forms thus appear as the most general expression of our drives, affection, contradiction, etc.— Down to the cell, there are no movements as such that are not "moral" in this sense.
6 [298]
Whoever drinks a sip of champagne after two days of strict fasting experiences something very close to voluptuousness. The gaze of a person who has lived in a dark cave for weeks, into nature, is an intoxication of the eye. And to hear our music again after years!— The ascetics alone know what voluptuousness is.
6 [299]
The Christians, according to Tacitus, were not convicted of arson, but of odio generis humani “hatred against humanity.” That is true! “As guilty as they were and even if they deserved the harshest punishments”—“in Rome, where everything unnatural and shameful converges” “people hated for shameful deeds flagitia” (this is how the Christians are defined. They were suspected of everything—why? Pessimists
6 [300]
Always act in such a way that we are satisfied with ourselves—here it depends on the subtlety of truthfulness towards ourselves. Secondly, on the measure by which we measure. A good conscience can thus be a very strong sign of meanness and intellectual coarseness: a bad conscience of intellectual delicacy.
If others were not dissatisfied with us, and if many things did not go awry, then satisfaction with oneself would be the rule. The unexpected unpleasant aftereffects disturb this satisfaction: in the face of the unpleasant, we seek an outlet for our desire for revenge and thereby mostly strike ourselves. It is the mishap that gives man his bad conscience “it could have been different.” There we reproach ourselves and hold our keen insight and our intentions in low esteem.
If we were not M of revenge, we would be much more content: as women generally are, since the feeling of revenge is not as strong in them.— Conscience is thus determined by success: it retroactively condemns intentions, yes, it distorts intentions retroactively: the entire immorality and dishonesty of a person is revealed in the process that their conscience puts them through. The bad conscience is just as stupid, slanderous, or flatteringly sycophantic as the good conscience of a person—just as the whole person is. One has a conscience according to one's level.6 [301]
Some are happy with the ulterior motive that others, who live by different principles, should be annoyed by their happiness: they want to refute them with their happiness. (Pique-bonheur)
6 [302]
Sudden Christian strictness suggests deep inner distress, thus committed misdeeds.— —
6 [303]
One can misunderstand and rename one's passions from one moment to the next—rebirth.
6 [304]
One cannot express their thoughts in words, they are too shadowy and swift behind the sensations.
6 [305]
No matter how closely one follows the movements of boiling water with one's eyes, one does not thereby understand the motive of boiling any better. The same is true of actions, when one makes clear to oneself the violently moving network of ideas that become conscious to us in the process. They are all effects that allow us to infer a hidden fire: but it is ridiculous to want to define it.
6 [306]
Admiration for the person of Jesus is of little significance if it is based on the foundation on which Christ stood: the deep sinfulness of mankind. What would a Greek around Pericles have thought about it?
6 [307]
For someone who wants to achieve an ideal, the pleasant thing is to see people who have achieved theirs. The impure, unclear, hybrid creations are embarrassing to him! This then takes the place of "good" and "evil" people!
6 [308]
The general public model images, according to which moral praise and blame have been given so far, were one-sided and left many qualities unpraised: the recognition of the individual and the beautiful proportion of forces within him was lost from sight. It was barbaric: to want to work the same image from every material!
6 [309]
The presentation of exemplary types would be a main merit of the artists: to develop the sense for the uniform and proportioned. The artist selects and praises thereby! The Greeks were great in the delight in the characteristic: Thucydides and Sophocles blossom of taste!
6 [310]
Hardly does one speak of the “non-absolute truths,” and all the enthusiasts demand admission again—or rather: the good-natured souls position themselves at the gate and believe they may let everyone in: as if error were no longer error! What has been refuted is excluded!!
6 [311]
The difference between Jews and Romans is expressed by Tacitus as follows: "everything that is unholy to us is holy to them, and conversely, everything that is abhorred by us is permitted to them." This paradox was spread by the Christians; they made propaganda, "they are unremittingly loyal to each other and support one another in need, just as they hate all other people as enemies."
6 [312]
the energy wasted through vexation and worry, having become conscious: the shrinking in the process
6 [313]
women see in science a vampire in a man.
6 [314]
The pleasant intoxication of intellectual drinks, the pleasure of the game I view with contempt—but the Greeks?
6 [315]
warn myself
6 [316]
Shudders and transformation at the sight of a beautiful deed: as with great rocks and suddenly enchanting views of a flourishing vegetation.
6 [317]
Not the action but our judgment of the action (even if it is an error) makes our conscience, the private history of ourselves
6 [318]
It is limited to regard the Pharisees as hypocrites; they always live in firm confidence in their actions, they do not examine them more deeply and truthfully, and through habit they recognize only good motives in themselves: they do not see the others, their eye is blind to them.— Suppose one were to give them a new eye and make them dissatisfied with themselves: well, then one would increase the general misery. The actions would remain the same in their effects on others, and thus it would be a superfluous torment of mankind. This is what Christianity wants.
6 [319]
Suppose we perceive an action as good, then the entire process unfolds. What an action is in itself, whether useful or harmful, has nothing to do with it. That is why it is so important that good actions are actually feasible and frequent: otherwise the moral hell, and the moral as a distant view of the saints—also evoking admirable illuminations and colorations!
6 [320]
Your morality is a matter of your happiness. Your good conscience is a matter of your happiness! In some things, if surprised and brought into the public eye, you would be deeply destroyed. That your character improves is a matter of happiness! The small steps and the countless small dissatisfactions are the most powerful! |Not only pity is needed, but we must make or endure worldviews for the wicked and the unhappy! | Instead of confessors, we must place philosophers like suns for every kind of human, whereas until now the highest examples have made moralities mostly for themselves. |
6 [321]
What others think and know about us can suddenly come crashing down on us. What we know about ourselves (have in memory) is not decisive!
6 [322]
Those who find no joy in their life and character may seek it in their spirit: like Sch. But those who are complete should also be able to rejoice in all of it together! And how joyful! We all climb our mountain together and do not want to reach the summit alone! Some ascend as a character, but their spirit is not suited to the situation (e.g., Bismarck).
6 [323]
To look at his experience as strictly and truthfully as a scientific experiment—one must not fabricate tales of miracles and “angels around us” and the hand of the Lord: that seems dishonest to one.
6 [324]
The That is not erased by absolution. The past is not past; our deeds are our being, and likewise, future action already belongs to us. Memory decides nothing.
6 [325]
“Foolish pranks turn into a deep and passionate reverie” as Stendhal says. Is this the “work of genius”?
6 [326]
“The ancients did nothing to embellish, and the beautiful is for them only la saillie de l’utile.”
6 [327]
Depth and energy of feeling, not forgotten; forgiveness is a sacrifice (not a careless good-natured letting go of a thought, with pleasure in no longer having to bear it.) Italian simplicity, almost coldness as a cloak for these passionate natures.
6 [328]
In France, the esprit likes to present itself as genius. In Germany, the genius likes to present itself as esprit.
6 [329]
“the tense style”!
6 [330]
Novella d’Andrea taught in Bologna (14th century). Teaching behind a curtain because of her beauty.
6 [331]
The Beautiful seems to us ultimately only a state that the universally useful produces: a deep well-being that breaks forth in words from all the lines and movements of our actions: a harmony of many utilities that comes to resonate.
6 [332]
The problem of truthfulness has never been grasped by anyone. What is said against lying are the naiveties of a schoolmaster, and especially the commandment "you shall not lie"!
6 [333]
Every blooming thought ultimately produces its own kind of luxury, it is its final manifestation. In arts as in the art of communication. Every mature culture has its luxury.— But show me an inventor of an idea who did not have simplicity and poverty also outwardly, also in words.— the luxuriating thought inscribes itself on every vessel, draws itself into every gesture (e.g., grandeur and simplicity and grace in ancient Athens)
6 [334]
The Germans lack esprit because they do not possess an excess of spirit: once they have applied their own, they are poor and sit there. They hate it, and yet they feel that without it, sociability is a boring drudgery—hence “Gemüth.”
6 [335]
The wanting-to-make-an-effect is a German disease.
6 [336]
A man of intellect rises too high above his fellow citizens in Germany and becomes a fool; the fog envelops his head.— He degenerates so easily because nothing beside him keeps him in check, he shoots out in all directions and is of an ugly fertility.
6 [337]
The ridiculous is not terrible in Germany for those who have spirit. For it is not the laughter of witty people but of young donkeys that defines the concept of the ridiculous here.— This discipline is lacking.
6 [338]
To be consumed by a thought, to be burned by it—that is French. The German admires himself and presents himself with his passion before the mirror, and calls others to witness.
6 [339]
Our opinions: the skin, which we wrap around ourselves, in which we want to be seen, or in which we want to see ourselves; the outermost layer, the scale armor around a person's thoughts. So it seems. On the other hand, the skin is a product of forces and drives we do not know, a kind of deposit, constantly shedding and renewing piece by piece.— Sound images and visual images as hieroglyphs for certain impressions and feelings are the material of opinions, refinements of the sense of hearing and sight and a relation between the two.
6 [340]
Our consciousness lags behind and observes little at once, and during this it pauses for other things. This imperfection is probably the source that we believe in things and assume something permanent in becoming: likewise that we believe in an I. If knowledge ran as fast as development and as steadily, no "I" would be thought of.
6 [341]
It is a limitation, but that is how I feel. The need for luxury always seems to me to indicate a deep inner spiritual emptiness: as if someone surrounds themselves with scenery because they are not something full and real, but only something that is supposed to represent a thing, for themselves and for others. I believe that whoever has spirit can endure much pain and deprivation and still be happy, yes, they must even be ashamed in comparison to someone who needs honors, luxury, and camaraderie, because they have come away too well in the distribution of goods. I have a deep contempt for a banker. Whoever has luxury around them, well, sometimes they must position themselves so that they fit in because of others, but then they should also have and endure the views of these others.
I consider bold new liberal views to be nonsense or a disgusting kind of luxury if they do not push toward poverty and humility. For example, Lassalle has discredited himself for me with a kind of white linen. People with such needs should become pious and strive for respect as magistrates—there is so much good to preserve and represent. But they should not want to represent the spirit!Who is spiritually rich and independent is, in any case, also the most powerful person; it is, at least for such humane times, disgraceful if they still want more: they are the insatiable. Simplicity in food and drink, hatred of spiritual beverages—it belongs to them, just as beverages belong to those who could say "life would be completely devoid of charm," etc.— I am driven toward an ideal independence.— Place, society, surroundings, books cannot be chosen highly enough, and instead of accommodating and becoming common, one must be able to do without, without suffering wrinkles.6 [342]
Even in intellectual matters, e.g., in assessing opinions, we do not always present reasons, but very often an intellectual disgust, because we see, from small signs, how dull and short and contented someone is, or how far the self-confidence of the ignorant and the novice goes. That is, we judge the method of cognition as: slimy, decayed, foul-smelling, filth, spewed out, regurgitated, maggot-eaten, stale, flat, musty, etc.
6 [343]
“I want this”: one distinguishes “object, estimation of the object, and practice,” but fundamentally it is not an object that one wants, but rather a pleasant state of ours that has occurred to us in some connection with the object: and the estimation of the object is an attempt to explain the actually pleasant sensation by representing the pleasant as a consequence of an insight (e.g., eating as satisfying hunger, as preservation, etc.): whereas the pleasant sensation is usually not the consequence of insight into the purposefulness. “I want” means “I do something pleasant for myself, as far as I can do it.” A state of ours (e.g., as one who is eating) is before us; we imitate this image.
6 [344]
Memory has causes of morality—and we do not have it in our hands! NB.
6 [345]
Curiosity, to discover something disadvantageous, also possible in relation to things and shameful. NB
6 [346]
Main pleasure, hurting others—why immoral? Teasing is just a degree. Here the distinction between moral and immoral is not also an opposition.
6 [347]
But must morality, if it necessarily rests on freedom according to Kant, have existed at all? Is not the imagination of freedom sufficient? And if this imagination is no longer possible, is it then absolutely necessary to uphold morality? Could it not have played its role? (against
6 [348]
I know how wretched you appear beside the sweep of this idealism (which takes materialism and skepticism on its back and carries them against the sun), but I associate with you and make myself equal to you, more still, I debase myself.
6 [349]
The sense of subjectivity grows to the extent that we, with memory and imagination, construct the world of like things. We fashion ourselves as a unity within this self-created world of images, the enduring amid the change. But it is an error: we equate signs with signs and states with states.
6 [350]
Only what we think of others and what we think of ourselves determines our behavior, as far as it is conscious. So the idea of others and of ourselves: these are again the result of what others have taught and imparted to us. The interpretation of our states is the work of others taught to us. Morality remains caught in this, it is shadow.
6 [351]
I spoke for half an hour in vain and was finally somewhat ashamed and tired—but I had wanted to humble myself to give someone the opportunity to think less wretchedly of themselves by exclaiming: oh, the wretched world!—for at that moment he thought of me in such a way that he no longer felt ashamed before me; it visibly relieved him.
6 [352]
the “double laughter” (Epictetus) when he assumes a more exalted position than he can endure and then abandons it again. Ah, we too want to endure this, yes, we want to return in appearance and give our fellow men courage in their lives by giving them the opportunity to laugh at us twice.— We want to reach our goal by roundabout ways and, by approaching others, deceive them, for their sake.— The straight paths, e.g., those of Christ and Napoleon, presuppose contempt for mankind, however far Christ’s love for mankind went (for Christ’s gracious love is far from wanting to be a sinner for the sake of sinners)
6 [353]
An environment in which one lets oneself go is the last thing one should wish for, a kind of crown for the overcomer of himself, who has perfected himself and wishes to radiate perfection. Others become slovenly. Caution in marriage. The lack of pathos and form in the family, in friendship, is a reason for the general appearance of slovenliness and meanness (qualities not only of childbearing but also of modern characters)—one lets oneself go and lets go.
6 [354]
The true impudence of goodness I have observed best among Jews. Consider the beginnings of Christianity.
6 [355]
I have played dice with the princes of the underworld themselves.
6 [356]
Skepticism! Yes, but a skepticism of experiments! not the inertia of despair
6 [357]
The tension between the ever purer and more distant conceived God and the ever more sinful conceived human—one of the greatest feats of strength of humanity. The love of God for the sinner is wonderful. Why did the Greeks not have such a tension between divine beauty and human ugliness? Or divine knowledge and human ignorance? The mediating bridges between two such chasms would be new creations that do not exist (Angels? Revelation? Son of God?)
6 [358]
At any moment, a moral sentiment can become so strong that it produces partial sterility, e.g., the drive for truth could kill art and refined social intercourse, as well as eloquence. Chastity. Generosity. Diligence. Cleanliness. (Puritans against the theater. Xenophon against the Agones. Plato
6 [359]
Suppose our culture had to do without piety. It could not produce it from within itself. A certain ultimate inner resolve and appeasement will be lacking. More than ever, warrior and adventurous spirits! The poets still have to discover the possibilities of life, the zodiac stands open for it, not an Arcadia or Campanerthal: an infinitely bolder fantasizing based on knowledge of animal development is possible. All our poetry is so petty-bourgeois-earthly, the great possibility of higher humans is still missing. Only after the death of religion can the invention in the divine luxuriate again.
6 [360]
One thing is necessary: the isolation of gifted people, their self-nourishment, their abstinence from fame and office, the contempt for all people and events resulting from large human crowds. A big-city riot and newspaper is thoroughly “spectacle,” “inauthentic.”
6 [361]
Our system of pleasant and unpleasant sensations branches out and refines itself, and so does our mental life. The latter believes for a long time to be consciousness entirely and to know the basis of all pleasant and unpleasant things. Naive people still believe that we know why we want. Before an action, we actually only have possibilities to imagine that can explain our action, depending on the degree of our knowledge of ourselves: but what moves us, we do not know even through the deed itself, no, never! We interpret our action before and after the deed according to the canon of our assumptions about human motives. This interpretation may hit the mark, but in the interpretation itself lies nothing that actually moves or does the deed.
Setting oneself a purpose: i.e., holding up a mental image to a drive, which is supposed to make it think. This is never completely the case! The mental image consists of words, is something highly imprecise, it has no levers to cause movements—in itself. Only through association, through a logically inaccessible and absurd relationship between a thought and the mechanism of a drive (they might meet in an image, e.g., that of a stern commander) can a thought (e.g., in a command word) "produce" an action. Actually, it is a side-by-side existence. There is nothing of cause and effect between the concept of purpose and action, but this is the great deception, as if it were so!6 [362]
We think in words! If one knows what words are, how can one believe that thinking can directly produce movements! They are all small errors, but our drives are so closely aligned with this region of error, and each drive corresponds to a number of these colorful arbitrary things called “words,” that a word is often a signal, not a cause, for movement (like a horn tone stops the locomotive) The stricter we recognize, the more firmly we limit the words, they are images on the mirror, yes, reflections of these images! The transition to the knowledge of cause and effect is never to be made. Our cognition is describing, more or less inaccurately, the precise sequence and juxtaposition, a memory seemingly united into a kind of image (a timeless unity):
6 [363]
Back there in the woods, where the trees have not yet heard anything about the city, the boy begins to think beyond the city.
6 [364]
Infinity! It's beautiful "to fail in this sea."
6 [365]
All drives originally relatively expedient in their effect (“good” and “evil”). Morality arises a) when one drive dominates others, e.g., fear of a powerful being or the drive for social life. Here, weaker drives must be felt but not satisfied. The answers to the emerging Why? are as crude and false as possible, but they are the beginning of moral judgments, establishing a value distinction between actions as necessary, permissible, or impermissible. Having a drive and feeling disgust at its satisfaction is the “moral” phenomenon. Or, for example, love for the young or for property, on account of which one goes hungry or exposes oneself to dangers.
Young people and property are something so pleasant: but if one wanted reasons, it would not suffice to say “they are pleasant”—the reason of morality is the effort to overlook the instincts and give us the appearance as if we acted according to purposes, thus as if we wanted our best. In fact, the pleasant is mostly our best, but this best one was not able to grasp, for one did not have the knowledge of nature and of man. One constructed a best according to one’s assumption about nature and man.This includes, for example, the salvation of the soul. Or honor. Or the commandments of a god. Man everywhere affects to act according to purposes—this great comedy continues, he acts “responsibly.” But to the motives of the instincts, the concepts of purpose are added afterward and almost never hit the moving point. The human machine would almost come to a standstill if it were ever guided only by the supposed motives. Even now, the deception is still very great.6 [366]
Not the forgotten motives and the habituation to certain movements is the essential—as I previously assumed. Rather, the purposeless drives of pleasure and displeasure, one wants the pleasant and not because of the advantage to be gained from it, but because the action itself is pleasant. The purpose is achieved, but not intended. The types of pleasurable movements that serve the purpose of preservation are retained through selection.
6 [367]
If he begged me earnestly or I guessed that he was in great need of me, I would, despite all better judgment, take his side. This would be my weakness. Rather abandon us and those who need us! And we are capable of much pretense: and consequently also of much transformation and second honesty.
6 [368]
Do you feel nothing of the need to be right against a person and to testify to it publicly? Does criticism come so easily to you? Is it only that you take a stand after he has taken a stand? Do you not notice that he wanted to give you his best and that you should accept it, even if it seemed worthless, even harmful to you? But you act as those who live in self-defense, you are also right. With effort you keep yourselves upright, and he wants to place something on you that you could not bear. He says: a gift!, you say: a task
6 [369]
The life of you officials and politicians has something intoxicating, a bath and mill wheels sound around you, they make your thinking powerless with their noise: how do you still want to hear your soul's melodies! You become hollow and hard: and superficial! And your "duty" becomes a terror for others and leads them astray, it seems a noble self-sacrifice, but it is only a self-forgetfulness; from the moment when that little bit of "self" just wanted to become visible: more negligence than sacrifice.
6 [370]
Considering that hunting was the main occupation for many millennia: so too is our scientific drive nothing else. Like boys who are always on the hunt.
6 [371]
When I hear of others' malice towards me, one of my first feelings is a kind of satisfaction: it seems fair to me that people with whom I agree so little, and against whom I have so much right on my side, should in turn have a good day. I also believe I never fail in actions and thoughts that give these others the feeling of their own superiority and a good right to this feeling. For such is the nature of things: we bring much joy with our mistakes and oversights, and perhaps more.
6 [372]
In the presence of this person and when thinking of him, we feel productivity just as much with this landscape, etc., after this food.
6 [373]
When we pursue a purpose, we would never handle the means with full energy; but our instincts give us the necessary blindness. All men of faith are such instinctive beings, their article of faith is not born of reasons: rather, they have an inward, incalculable joy in it. The inclination toward thoughts is inherited and attracted, i.e., toward thought drives.
6 [374]
Man always acts according to the idea that is relatively most pleasant to him. But this calculation is often very difficult, and the practice of distinguishing the countless degrees is too slight, especially since the imagination would have to have the power to regard future joys and sorrows as fully present, just like the present enjoyment, which may already be in activity.
6 [375]
When I talk about the motives of certain people, it is a matter of honor for me. NB.
6 [376]
I don't want to impose a new big burden on people, but rather relieve them of a burden NB
6 [377]
As little state as possible! I do not need the state; without that conventional compulsion, I would have given myself a better education, namely one suited to my body, and saved the strength that was wasted in struggling free. If things around us were to become a little more uncertain, all the better! I wish that we might live a little more cautiously and warlike. It is the merchants who make this carefree chair of the state so inviting to us; they now dominate the whole world with their philosophy. The “industrial” state is not my choice, as it is Spencer’s. I myself want to be as much state as possible; I have so many expenditures and incomes, so many needs, so much to communicate.
Dabei poor and without intention for honorary positions, also without admiration for martial laurels. I know what these states will perish from, from the non-plus-ultra state of the Socialists: I am its opponent, and already in the present state I hate it. I want to try to live cheerfully and with human dignity even in prison. The great lamentations about human misery do not move me to lament along, but to say: this is what you lack, you do not understand how to live as a person and have no wealth and no joy in dominion to oppose deprivation. Statistics prove that the M increase in equalization, i.e., that —6 [378]
To reshape humanity: we must first assume that our valuation of good and evil actions is false and arbitrary, everything must be re-examined, for centuries, just as it was necessary for the healing of the body to uniformly reject all theories of medicine! The instincts in this area must be uprooted, first respect must be planted for the one who lives by experiment—it is the most important kind of human, just as for the physician the experimental animal is the most important kind of animal.
6 [379]
1) It is so hard to hurt people! Oh, that it is necessary! What good does it do me to hide if I do not want to keep to myself what causes offense to people?
6 [380]
To let others share in our greatest torments and worries, who do not have them themselves but only suffer—is that not cruel? Is it not born from that feeling which, in all the bad things that befall us, wants to see something suffering, a fine emanation of revenge? And is not marriage and friendship full of danger because they promote such cruelty in the transfer of suffering? It is difficult not to share a suffering—so we should deny ourselves the opportunity and live in solitude.
6 [381]
I find Schopenhauer somewhat superficial in matters of the soul; he rejoiced little and suffered little; a thinker should beware of becoming hard: where then is he to get his material? His passion for knowledge was not great enough to want to suffer for its sake: he entrenched himself. His pride was also greater than his thirst for knowledge; he feared for his reputation in recanting.
6 [382]
So far there have been glorifiers of man and vilifiers of the same, both, however, from a moral standpoint. La Rochefoucauld and the Christians found the sight of man ugly: but this is a moral judgment, and no other was known! We count him among nature, which is neither evil nor good, and find him not always ugly where they abhorred him, and not always beautiful where they glorified him. What is beautiful and ugly here?The complicated-purposeful, which confuses and outwits the intellect, the sleight-of-hand aspect of it; then the expressiveness and the power of expression itself: the grand arc of his plans and ideals. His history. His way of intoxicating himself. It is a study without end, this beast! There is no stain in nature, we have only projected it there. We have treated this “dirt” too superficially. It takes Dutch eyes to discover the beauty here as well.
6 [383]
Ancient features: friendship, oracles, slaves, otium, no gods of sin, and no social shame. Thucydides is the type closest to me: he enjoys types, believes that every type has a measure of good reason, and seeks to discover this: that is his practical justice.
6 [384]
Even if I think through word for word what I want to say and then do it with full consciousness, what is spoken is a hundredfold richer and different (e.g., in tone, in pauses, in accompanying gestures), and the considered part of it is a small portion thereof. What, then, is the unconsidered part of it, the improvised?
6 [385]
Big difference: wanting to please another for their sake or for our own. Loving something for its own sake—why moral?
6 [386]
Suicide as a measure of culture: German. The consumption of soap: English.
6 [387]
Some may say and write what they want—there is always something in it of good music. And in others something of bad. In most, all music is missing.
6 [388]
The finest colors in literature and music are only visible to and full of delight for composed people—what do they want in our time!
6 [389]
The repulsive is now painted very precisely—why?— This also includes pessimism. Not degeneration of morals, but over-occupation is the reason.
6 [390]
One suffers from the shame, not from the crime. Few are so refined as to distinguish this.
6 [391]
The need to pray, also that of repenting, praising, blessing, cursing, all religious habits break out as soon as a person becomes pathetic: as proof that becoming pathetic means stepping back a stage. When are we farthest from it? When we play, show wit, and exchange, are joyful-cheerful and mischievous in the process, joking about everything emphatic in word, tone, impulse—perhaps here we achieve an advantage over our time. The heroic person, who rests from struggle and hardships and hatred and is ashamed of pathos—and there the priest!
6 [392]
The moral fanaticism of the ancient philosophers paved the way for Christianity; far too much value was placed on the salvation of the soul. We are profoundly immoral in comparison to antiquity, and that is our advantage. And profoundly irreligious compared to Christianity.
6 [393]
The natures that do not think about themselves at all, but especially those who do not wish to consider certain things about themselves (women, for example, do not even acknowledge the activity of the stomach, let alone the sexual drive)—these interpret all phenomena differently and refuse to see and admit the simple reason. Thus, their passion takes on something dreamlike and, for them, mystical; they succumb to it much more readily and intensely because they think of themselves idealistically. What do unmarried women know of the deviating sexual drive, in their passion for art and certain directions thereof, or in their compassion, or in the manner of blind devotion to an idea!
6 [394]
God's love for man is the excess of thought of asexually living people, antiquity could not have come up with such a thing.
6 [395]
The perfect satisfaction (Epictetus's, and Christ's too!) with everything that happens—for he can use everything. The wise man uses it as a tool, only for the unwise are there evils. The consequence would indeed be that the world owes the wise man no mitigation of evil, no removal. He does not comprehend evil as evil—that is the consequence of the doctrine of free will! of the absolute soul!
6 [396]
Antiquity ends with a moral and religious quietism—the weary antiquity and the individual, holding itself almighty and unique, interprets the events of the entire world for its own salvation, everything that happens has meaning for it. It is astrology, applied to states, natural events, interactions, and the tile on the roof: everything has meaning only for the individual, which it can find, apart from that it is unworthy of the wise man's attention. The moral-religious use and interpretation of events—everything else became indifferent and contemptible. The scientific sense succumbed!
6 [397]
Arise and go, friends, you have let me speak for far too long. The wind grows cooler and livelier, the grass too—this quiet height trembles, and evening approaches. Go and do, I beg you, as soon as you reach the valley, a small folly, so that all the world may see what you have learned from me here.
6 [398]
One is tormented more by one's opinions about the passions than by the passions themselves.— Where people do not grasp the purpose of a drive as necessary for preservation with their hands, as with defecation and urination, taking food, etc., they believe they can eliminate it as superfluous, e.g., the drive to envy, to hate, to fear. And the inability to get rid of it they regard as an injustice, at least a misfortune: whereas with hunger and thirst one does not think so. It should not dominate us, but we want to understand it as necessary and master its power for our benefit. For this it is necessary that we do not preserve it in its full entire strength, like a stream that is to drive mills. Whoever does not know it completely, it falls upon him like a mountain stream that comes down destructively after the winter seasons.
6 [399]
We can give our passions a higher life if we prevent their direct discharges. But sometimes it is disgusting, e.g., with the sexual drive.
6 [400]
The fact was that in Greco-Roman antiquity, man did not suffer intensely enough from his passions or his wrongful actions; it was mostly suffering of the kind one says, “how stupid I was to do this!” Something resembling a sense of sin could only arise among philosophers, based on the pure divine soul and its defilements: not just a stupidity and an actual disadvantage, but a feeling of degradation and defilement, an insult to an exalted conception of ourselves. The philosopher was disturbed by his opinion of the passions and evil, not so much by their harmful consequences. But everything advanced along the same track in this direction; Christianity brought the strongest expression by completely disregarding the actual consequences and treating them as almost indifferent.
So the effect of action itself on the organ of action. Epictetus' ideal: to keep oneself like an enemy and pursuer always in sight: the warrior hermit who has a precious good to defend and preserve from corruption after having attained it. Not on people does he pay attention, he believes he knows them, he has no idea of the interest of the individual: they are the shadows, the true in them are their thoughts and drives, which he has philosophically categorized. In this world of spirits he lives and fights his battle.He has only joy as a warrior. Likewise, Christianity has no pleasure in man. We, however, count him back to nature and enjoy nature: we are not only just to all nature, we find it rich, amazing, unrecognized, worth researching. The novel and psychological observation out of pleasure in man is ours! We forgive ourselves much more, we despise ourselves much less, we do not wish many things away, even if we occasionally suffer from them. We do not like the terrible simplification of the virtuous man: just as little as we want only fertile fields.6 [401]
We can only comprehend the characters that we can form from ourselves, and only so much of them. Just as our eye can only see what it has practiced seeing.
6 [402]
I see a tree and take it for a child. I see facial features quite clearly in conversation, but I imagine them with this sharpness.
6 [403]
A triviality peculiar to this century: God cannot be proven by the fact that someone must reward the good and punish the evil. No one believes (as Kant still did) that this is necessary We think differently about justice.
6 [404]
marry his good faith
6 [405]
Whoever has not listened to their higher self, but instead serves society or an office or their family, always speaks of "fulfilling one's duty"—with this they seek to appease themselves. Above all, however, they demand obedience to the existing order from others: they justify themselves by exercising violence through their manner of action.
6 [406]
The new thought delights me, I increasingly forget to feel that it is from me or someone else. How absurd to be jealous in this regard! And yet what a terrible history this jealousy has for the obscuring of the truth!
6 [407]
The people with the mask, the so-called characters, who are not ashamed to show their mask.
6 [408]
2) To make amends for oneself through indulgent goodwill, that one pursues a great presumptuous goal: and to be vain with the vain, in love with the lovers, domestic with the domestic, and enthusiastic with the enthusiasts. To atone with the individual what we sin against all, through deviation, causing pain, etc. Yes, to gladly see when people take their revenge on us—it is fair with such an overbearing degree of deviation.
6 [409]
Formerly, the unfreedom of the will was proven by reference to the soothsayers. This brought the doctrine into disrepute when the W came to M.
6 [410]
We understand from a being alien to us only the impressions that its form leaves on us: so we experience a change of form in ourselves and this negative we understand as positive: we call, for example, the one who is harmful to us, evil.
6 [411]
How cruelly we credit our few virtues to other people and pinch and plague them on this point! I also want to treat the sense of truth humanely NB. As soon as we overdo it and let it grow quickly like in a greenhouse, it spoils life for us, and people become disgusting to us, yes, even we to ourselves!
6 [412]
Cause and effect are incomprehensible to us because both become conscious to us only as negative images, and between them there is only succession. From such successions consists the “body” “the thing.” We do not perceive any movement, but rather several identical things in an imagined line; we also do not perceive a durationline, but rather our sensation has conscious moments (separate from one another), and we join these together, place them next to each other, and construct a lasting, existing body from individual sensations. But just as the same thing in motion is an illusion, so the movement we construct is certainly something different from “reality,” and this structure made from several negative impressions is also constructed and imagined by us, certainly something different from reality.
It cannot be complete, for it consists only of relations to us, and that in us to which it cannot have relations prevents a full impression. Even as an image, it is not complete. Furthermore, it presupposes that the thing in this moment, when it makes an impression on us, is the same thing that in another moment (in the “next”—we say, and deceive ourselves) again makes a new impression, i.e., a second relation on us. A tree that appears long, then round, then green, etc.6 [413]
The space of three dimensions belongs to the imagination, just as movement does; the third dimension “is only completed in time.” We combine surfaces into a unity that becomes visible to us one after another. We ourselves, as cognizant beings, are an ever-renewing rotating force and thus produce a sequence, even with fixed objects.
We are the ones in motion, moving around things: we do not stand still, the opposite is true of what appears to the eye.
6 [414]
“Let us just be natural! Nature is evil—all the more it makes an effect”—so think the great ones, who are all shameless!
6 [415]
How weak is the accountability for indirect or distant effects! In contrast, the immediate effect terrifies us, and what happens around us makes us feel a sense of guilt, even when we can do nothing about it. Optics!
6 [416]
As soon as we carry justice too far and crumble the rock of our individuals, completely abandon our firm unjust starting point, we give up the possibility of knowledge: there is then lacking the thing to which everything relates (, even just relation) Unless we measure everything by another individual, and in this way renew injustice—it will also be greater (but the sensation perhaps purer, because we have become sympathetic and in forgetting ourselves already freer)
6 [417]
they hide inside and their exterior becomes mask-like and as if paralyzed. Ah the gaze—completely surface, cold.
6 [418]
We only recognize the negative side of all active things, as it were, like the imprint and impression of them on us: not the essence of these things, but our nature alone in a certain inhibition and limitation.
6 [419]
Another person is understood by us only through the inhibition and limitation they exert on us, i.e., as an imprint in the wax of our being. We always recognize only ourselves, in a certain possibility of change; some people do not affect us because here our wax is too hard or too soft. And ultimately, we recognize the possibilities of our structural shifts, nothing more.
Similarly, the "human as such" relates to all heterogeneous things: they impress their form upon it, insofar as it can receive them, and it knows nothing of them except through the change of its form.
6 [420]
The human sense of time duration, like the sense of space, is certainly different from that of every animal, and indeed in this respect every human being will differ from every other human being. One hour is never the same as another hour in a different mind: indeed, it is never the same for us either. But even the average perception of an hour is different for every person! and for all people together different than for an ant.
6 [421]
The good thought is only an exception, most original thoughts are foolishness. The familiar thoughts are therefore so highly esteemed, indeed made obligatory, because they have a kind of proven track record, with them mankind has not perished. This “not perishing” is considered the proof of the truth of a thought. True means “useful for the existence of mankind.” Since we know the conditions of human existence very inaccurately, strictly speaking, the decision about true and false can only be based on success.What I am perishing from, that is not true for me, i.e., it is a false relation of my being to other things. For there are only individual truths—an absolute relation is nonsense. The way of thinking, the tension and frequency, the objects, the inability to see, the inability to feel many things—all of this is actually a condition of our existence. Every error is harmful to it. Most of the time, therefore, we make mistakes; most of the time, we are continually somehow sick through our thinking. After all, we can only experiment, and what is entirely individually necessary for us in cognition is the exception.
6 [422]
The true nature of a historical event: everything takes place in minds that see each other incorrectly and incompletely.
6 [423]
Never share anyone's sins! But break off our communication!
6 [424]
What is noticeable to us grows or withers under the influence of the light that radiates from other people onto us: as if the eyes of people were necessary sources of warmth and light for us. As noticeable and noticed, growth regulates itself according to others, e.g., our posture, expression.— Then what we notice, but others cannot know!—and finally that which even we do not notice! The boundaries are different, much is in the light for me that is in the dark for others and develops accordingly differently, e.g., religiosity, sense of truth, sympathy, vice.
6 [425]
During a solar eclipse, diurnal animals quickly fall asleep.
6 [426]
The nocturnal animals only become lively when darkness sets in. They have eyes just as well developed as the diurnal animals. Why do they only fly around at night? The animals depend on light through the mediation of the eyes.
6 [427]
“It was fashionable for young women, when they met Voltaire, to turn pale, get excited, be moved and even feel unwell, throw themselves into his arms, stammer, weep, in short, enter a state resembling the most passionate love.” Pay homage!
6 [428]
The appropriation of the past—how much sympathy, passion, self-forgetfulness, even self-contempt is necessary to bring the soul of the past back to life! It is a beginning, it is an enthusiasm, much defiance and fanaticism. Forward, the Germans—what does it point to!— Compare Luther's Reformation (also history!): Disgust with reason, clarity, the impiety, the lack of tradition, the lack of firm support.
But history, pursued from the aforementioned motive, brings an unintended effect! The past did not prove what was sought!
6 [429]
All the relations that are so important to us are those of the figures on the mirror, not the true ones. The distances are the optical ones on the mirror, not the true ones. “There is no world if there is no mirror” is nonsense. But all our relations, no matter how exact they may be, are descriptions of man, not of the world: they are the laws of this highest optics, from which no possibility leads us further. It is not appearance, not deception, but a cipher script in which an unknown thing expresses itself—quite clearly for us, made for us, our human position toward things. Thus the things are hidden from us.
6 [430]
The fly that cannot pass through the glass
6 [431]
We see the mirror no differently than the world reflected in it.
6 [432]
The human being conceals things from us.
6 [433]
On this mirror, things happen regularly, one thing follows another—we call it cause and effect, but we cannot comprehend anything because we only see the images of cause and effect separately.
We speak as if there were existing things, and our science only speaks of such things. But an existing thing exists only according to human optics: we cannot escape it. Something becoming, a movement in itself, is completely incomprehensible to us. We move only existing things—this is what our worldview on the mirror consists of.
If we imagine away things, then also movement. A moving force is nonsense—for us.If we try to consider the mirror in itself, we discover nothing but things. If we want to grasp the things, we ultimately come back to nothing but the mirror.
Our thinking is really nothing but a very refined, interwoven play of seeing hearing feeling; the logical forms are physiological laws of sensory perceptions. Our senses are developed sensory centers with strong resonances and mirrors.
6 [434]
If we consider to what errors the senses most readily lead us, we can guess what kind of fundamental errors they will be (e.g., the belief in bodies
6 [435]
A mirror in which things appear not as surfaces but as bodies.
6 [436]
The enthusiasm manifests itself quite differently in those who must forget themselves to be happy—self-abnegation. The exercise of consciousness is opposed to their sense of happiness, and they assume that reason and the fervor of emotion exclude each other. To soar with the sharp eyes of an eagle—they cannot do that; they want blindness, being overwhelmed!
6 [437]
We imagine that truth is gradually being established—but only man in his relation to other forces is being established. He forms the abundance of relations: i.e., the abundance of limitations and errors. These are not absolute errors, but of the kind of optical ones. Do we promote science? no, man! he becomes more solid, more enduring through it.
6 [438]
If life had been lived strictly according to any moral system, humanity would have perished. The same applies to Christianity. We also live through immorality.
6 [439]
We do no more with knowledge than the spider does with its web, hunting, and sucking dry: we establish our needs and their satisfaction, which include the sun, stars, and atoms—they are detours to us, as is the rejection of a god. In the long run, we suffer damage from every faulty relation (assumption of a relation). Therefore, our knowledge has no value in itself: it is all optical laws (by way of analogy). Man himself, within his space of five feet, is an arbitrary assumption, constructed on the basis of the weakness of the sense organs.
6 [440]
Imitation (fantasizing) is easier for us than perception, mere perception: which is why wherever we think we are merely perceiving (e.g., movement), our imagination already assists, embellishes, and spares us the effort of many individual perceptions. This activity is usually overlooked; we are not passive in the effects of other things on us, but immediately set our power against them. The things touch our strings, but we make the melody from them.
6 [441]
Our recognition and sensation is like a point in the system: like an eye, whose visual power and field of vision slowly grows and encompasses more. With this, nothing changes in the real world, but this constant activity of the eye sets everything into a constant, growing, heart-streaming activity.
We see our laws into the world and again we can grasp these laws only as the consequence of this world upon us. The starting point is the deception of the mirror, we are living mirror images.
What, then, is knowledge? Its prerequisite is an erroneous limitation, as if there were a unit of measurement for sensation; wherever mirrors and tactile organs occur, a sphere arises. If one imagines this limitation away, then knowledge is also imagined away—grasping "absolute relations" is nonsense.
The error is thus the basis of knowledge, the appearance. Only through the comparison of many appearances does probability arise, hence degrees of appearance.—Similarly, language is an alleged and believed basis of truths: man and animal first build a new world of errors and refine these errors more and more, so that countless contradictions are discovered and thereby the number of possible errors is reduced, or the error is driven further. “Truth” actually exists only in the things that man invents, e.g., number. He puts something into it and finds it again later—that is the nature of human truth.Then most truths are in fact only negative truths—“this and that is not that” (though usually expressed positively). The latter is the source of all progress in knowledge. The world is thus for us the sum of relations to a limited sphere of erroneous basic assumptions. The laws of optics are all errors, as are those of the ear. Suppose there are countless sensing points in existence: each has a sphere, how far and how strongly it perceives relations, i.e., a sphere of limitation and error. Likewise, every force has its sphere—it acts so far and so strongly and only on this and that, not on others, a sphere of limitation.A true knowledge of all these spheres and limitations is an absurd thought, because here a sensation is to be thought without a “how far” “how strong” “toward this and that”: and likewise a power without limits, and at the same time with all limits, which creates all relations—that would be a power without definite power, a nonsense.— Thus, the limitation of power, and the continual relating of this power to others is “knowledge.” Not subject to object: but something else. An optical illusion of rings around us, which do not exist at all, is the presupposition. Knowledge is essentially appearance.6 [442]
Our actions are, since we are skeptics, experiments, calculations with some unknown quantities—thus very interesting, because they are not foolish expressions of our power, which, if they fail, annoy us, but rather attempts to gain some insight through success. We do not allow ourselves to be tyrannized by our actions nor by our successes.
6 [443]
In this, his benevolent drive increases when his sense of power grows: his joy and greater responsibility make him eager to seek out good deeds.
6 [444]
We all believe, in the feeling of envy, hatred, etc., to know what envy, hatred, etc. is—a mistake! Likewise in thinking: we believe we know what thinking is. But we experience some symptoms of a disease essentially unknown to us and assume that this is precisely what the disease consists of. We measure and name all moral states according to what we consciously feel in the process—and even this not precisely, but very crudely.— Now we have learned that we fundamentally misunderstand willing toward purposes. It is therefore also possible that we misunderstand all moral affects; that we already misinterpret the symptoms, namely according to the prejudices of society, which has its utility and harm in mind.
6 [445]
Moral conditions are physiological conditions—clearly, for example, in the case of love. Almost all essentially pleasant, essentially necessary for the organism of the individual.
6 [446]
The love that bestows upon one what belongs to many is nevertheless glorified as an anti-egoistic power: as what it crudely appears to be and because it wishes to do good. However: it withdraws almost all interest from all other people and things, and heaps it upon one; its consequence is therefore not beneficial, considered as a whole.
6 [447]
The musicians and writers who always present themselves as something they are not, the rhetoricians and actors
6 [448]
You know these things as thoughts, but your thoughts are not your experiences—they are the echoes of others: like when your room trembles as a carriage passes by. But I sit in the carriage, and often I am the carriage itself.
6 [449]
The emphasis on sin has a hundredfold sharpened the selfish thought of the personal consequences of every action, and distracted from thinking about the consequences for others. The wrong against God—through this, the thoughtlessness about actions and their general aftermath for humanity has grown great. The remorse, the pangs of conscience! The Christian does not think of his neighbor, he is monstrously preoccupied with himself.
6 [450]
If we do not know how to read a book for the sake of the other, how poor it will be! We must feel it as the author does—is that moral?— The entire coast with mountains, sea, and olive trees, and enchanting solitary pines, all of it we must discover. And thus, stepping out of ourselves, we can also deal with people as their travelers and discoverers, show them good and evil, so that they reveal their own beauty, sunny or stormy.
If we remain stuck in ourselves, how could we grow and become richer! We nourish ourselves with the pleasure of the foreign, precisely the necessity of nourishment. The pleasure in people is necessary for our nourishment—
6 [451]
Raise friendship higher. NB E 149
6 [452]
NB. Take up the brotherly feeling with the great spirits and reject rivalry! No isolation!
6 [453]
The heart is constricted when one sees how people do not even ashamed of their antipathy toward something. Those who hate themselves are to be feared, for we are the victims of their revenge. We must seduce them into loving themselves.
6 [454]
The shameless egoism of love, the desire to possess alone, the desire to be valued alone—it would not have this reputation if it were not so pleasant!
6 [455]
Actions are only perceived as moral when their usefulness is no longer recognized: that is, commanded, inherited, sanctified usefulness. Rewards and punishments may be waved about: but they are not demanded for the sake of punishment and reward, but because an authority demands them, for unknown reasons!
6 [456]
It is not true that good and evil are the accumulation of experience about what is expedient and inexpedient. All evil drives are just as highly expedient and species-preserving as the good ones! NB against Spencer. Nor is what is expedient for the community the only perspective. The most important thing: blind obedience, where commanded, and the transition of fear into veneration. Sanctification of the venerated!
6 [457]
On the History of
Honesty.
6 [458]
Confidentialities
with the closest friend and the
closest enemy.
6 [459]
The passion of
honesty.
6 [460]
The Emigrants.
6 [461]
Passio nova
or
On the Passion of Honesty.