9, 8[1-120] Winter 1880-81

8 [1]

Religion der Tapferkeit

1. Die Leidenschaft der Redlichkeit.
2. Die grösste Frage.
3. Tapferkeit und nichts mehr.

8 [2]

1) das verschiedene Wachsthum der Triebe unter dem Klima der verschiedenen moralischen Grundurtheile
2) Gründe der Verschiedenheit des moralischen Urtheils
3) Irrthümlichkeit und Wahn aller moralischen Urtheile
4) Kann die Wissenschaft Ziele geben? Nein
5) Die individuelle Moral: unsere Triebe nach unserem Ideal formirt und mit Hülfe der Wissenschaft. (Als Künstler unser Ideal schaffen.
6) die günstigen politischen und socialen Verhältnisse für diese Einsiedler!

8 [3]

Mitleiden Grausamkeit.
Liebe Wollust
Neid Ehrgeiz Wetteifer.
Rache Gerechtigkeit.
Lächerlich original
Feigheit Demuth
Verstellung Schauspieler.
Mord Krieg
Raub Betrug Kaufmann
Sklave Soldat Beamter.
Verrückt Dichter Heiliger
Weisheit “Klugheit”

8 [4]

Wachsthum gegen das verwerfende Urtheil kann geleitet sein:

a) durch Furcht (deren Wirkungen bei Darwin NB.)
b) durch Stolz und Trotz (Rache und Grausamkeit)

darnach verschieden: es ist Sache des Temperaments

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Aufzählung der moralischen Vorurtheile.

8 [6]

NB Einleitung: Alle meinen, die gegenwärtigen moralischen Gefühle seien die moralischen Gefühle überhaupt. Aber es sind die jüdischen.

8 [7]

NB wenn die jetzige Moralität sich fortentwickelt, geht die Menschheit daran zu Grunde. Aber das Gegentheil ist die Behauptung, ja der Anlaß, sie weiter zu entwickeln. Hier stelle ich das große Fragezeichen hin! Ist die Civilisation der Weg zum Glück, zur höchsten Leidenschaft und Fruchtbarkeit?

8 [8]

Wir bedürfen einer heroischen Erkenntniß! um die große praktische Frage vorzubereiten: ob noch mehr Gleichheit zu pflanzen!

8 [9]

Ob man nun an das Mitleid als Wunder und Quelle der Erkenntniß glaubt oder an das Blut des heiligen Januarius: ich meine dann immer noch in einem halb wahnsinnigen Zeitalter zu leben.

8 [10]

Aus Mitleid mit den Anderen uns religiös stellen? Pfui! Wir müssen sie zu unserer Tapferkeit erheben! Und dies ist möglich! Sei es selbst durch den Fatalism!

8 [11]

Allmählich wächst die Einsicht und man läßt die Hand davon, die menschliche Cultur zu fördern und zu regieren: man müßte zu viel Böses thun. NB. NB.

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Das Glück wird auf entgegengesetzten Wegen erreicht, daher läßt sich keine Ethik bestimmen (gegen Spencer)

8 [13]

Die Empfindungen welche wir für gewisse Sitten und Sittlichkeiten haben, die Gründe dafür, welche im Umlauf sind, haben gar nichts mit dem Ursprunge, den Entstehungsgründen derselben zu thun NB.

8 [14]

der Klassicism und die Forderung der Gleichheit, die Lust der Unterwerfung unter eine absolute Norm: zur Zeit des Augustus: Rückkehr zu den griechischen alten Mustern. (Moralischer Klassicism: Rückkehr zu Socrates und Stoa.) Christus als absolute Norm. Der Hof. Alles auf die Ewigkeit gebaut. Vergil—Homer. Alle gleich unter Einem Herrn. Das neue ridiculum: “anders als Alle sein!” Letzter Grund: die Individuen haben sich ausgetobt und der Hochmuth wendet sich gegen sich innerlich. (Pascal) (auch Goethe)

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Ich bin glücklich, keine moralische Erziehung gehabt zu haben (außer der durch Vorbilder)

8 [16]

Keine Erziehung, wirkliche Bedürfnisse erhalten Energie. Was soll aus der civilisirten Welt werden! Sand und Schleim!

8 [17]

“alle großen Interessen mit Ironie behandeln” weil man keine Zeit hat, sie tief zu nehmen—jetzt europäisch

8 [18]

so kindlich wie Pascal und unsere Theologen, welche bei Wissen und Glauben unwillkürlich meinen, bei Glauben handle es sich immer und allein um den christlichen Glauben

8 [19]

Nur zu solchen über Moral zu sprechen, welche sich mit der Lebensweise vieler Thiere vertraut gemacht haben.

8 [20]

Wir gehen häßlichen schmerzhaften Scenen aus dem Wege, wir wollen nicht mitleiden. Das sind die feineren Naturen. Die gröbere geht allem nach, was aufregt und die Langeweile vertreibt; um jeden Zank, jede Prügelei sammelt sich ein Kreis.— Wo der Trieb zu helfen da ist, da wird das unangenehme Gefühl des Mitleidens überwunden: und weil dabei regelmäßig das angenehme Gefühl, seinen Trieb befriedigen zu können, entsteht, meint man selber, das Mitleiden sei angenehm. Das Helfen kann auch nur ein Trösten sein. Der Glaser bei einem Hagel!

8 [21]

Gegen das Schreien und Hülfeflehen war man verächtlich gestimmt (Aeschylus Septem)

Aber Prometheus!

8 [22]

Manfred: niemandem das Recht geben ihn zu strafen, zu begnadigen, zu bemitleiden (“es nicht so schwer zu sterben, alter Mann”).

8 [23]

Schlau und fröhlich, wie eine Eidechse in der Sonne

8 [24]

Z Werner, Kleist und Brentano

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der Sitte folgen und endlich sich an sie gewöhnen—das heißt doch unredlich sein! NB, feige sein! faul sein! Quelle der Moralität!!!

8 [26]

Natürlich-unnatürlich—ist nichts! Die Griechen haben die Liebe innerhalb desselben Geschlechtes zu dem höchsten Grade von Idealität gehoben, sie hießen die Knabenliebe eben gut.

8 [27]

Welche Gemeinheit! Gott will Liebe von den Menschen—und hat für die, welche sie versagen, die Hölle in Bereitschaft! Wie Tiberius und Nero! Ist es nicht achtbar, einem solchen Tyrannen sich zu weigern?

Gott als der Gerechte und der Richter ist kein Gegenstand der Liebe! Es ist undelikat! Er hätte sich des Richtens begeben müssen! Christus empfand nicht fein genug! In diesen Dingen sind wir reifer! Wenn Gott der Gegenstand der Liebe sein wollte, so

8 [28]

Wie kommt es, daß die Deutschen keinen Geist haben? Sie empfinden langsam, und lassen ihre Empfindungen nicht reif werden, sie kreuzen sie durch Beruf oder alltägliche Dinge: so machen sie sich mittelmäßig, sie bleiben immer wie unreife Früchte.

1) sie verstehen nicht Muße zu haben
2) sie nehmen ihre Erlebnisse nicht ernst, als wichtig genug des allgemeinen Nachdenkens
3) sie lesen zu viel und sind eifrig servil gegen eine herrschende Partei oder Hof
4) sie machen Musik, nicht um eine Passion zu ertragen und sich zu erleichtern, sondern um sich aufzuregen!!! Deshalb brauchen sie die leidenschaftlichste Musik.

8 [29]

Die Deutschen möchten gar zu gern große Leidenschaften haben—nun, es thut nichts, wenn sie dieselben ohne Grimassen nicht darzustellen wissen, auf die Dauer werden sie sie haben! Dann werden sie auch erkennen, daß zwar Kraft das Erste ist, daß es aber Arten der Kraft giebt, welche ohne Grimassen sind.

8 [30]

Je weniger sie etwas durchdacht und sich selber zur Klarheit gebracht haben, um so unverschämter streichen sie die Farben des Gefühls auf, im Vertrauen, daß der Deutsche zuletzt immer an einen Gott glaubt, weil er jemanden unverständlich und erhaben sich gebärden sieht.

8 [31]

Pascal rieth, sich an das Christenthum zu gewöhnen, man werde spüren, daß die Leidenschaften schwinden. Dies heißt: seine Unredlichkeit sich bezahlt machen und sich ihrer freuen.

8 [32]

Mitleiden predigen—das wäre etwas für Künstler in einem harten streng persönlichen, vom dunklen Ernst der Leidenschaft beherrschten M! so wirkte die Musik in Neapel ehemals!— Aber auf diese allzubeweglichen Seelen! Pfui!

8 [33]

Mein früherer Stil: weite Perspektiven, viel Verhülltes, Geheimnißvolles Wunderbares. Die Thatsachen aufblitzend, wie scheinbare Erhellungen dieser Geheimnisse. Grundglaube: das Wesen nicht mittheilbar, eine gehobene ahnungsvolle Stimmung macht Offenbarungen. Die Nüchternheit schadet diesem Verständniß. Die contemplative Ruhe und die Erinnerung an Furchtbares und Sehnsüchtiges wechseln ab.

8 [34]

Mein Zweifel an der Civilisation: sie nimmt die Gefahren, die große Passion, die Nothwendigkeit großer Menschen—man sollte eine Schutzwehr haben und Städte an den Vesuv gebaut: so ist die Fruchtbarkeit und der Genuß am größten!

8 [35]

Der Werth des Altruism ist nicht das Ergebniß der Wissenschaft; sondern die Menschen der Wissenschaft lassen sich durch den jetzt vorherrschenden Trieb verleiten, zu glauben, daß die Wissenschaft den Wunsch ihres Triebes bestätige! cf. Spencer.

8 [36]

Gesetzt die Wissenschaft kräftigt ihr Ansehen und herrscht: ihr sollt eine Schätzung der Lüge und der Fähigkeit zu erdichten erleben, wie noch nie! Ebenso wie das Christenthum vielleicht jetzt mehr gilt, als irgendwann! selbst bei seinen Gegnern!

8 [37]

Vielleicht weiß das schon alle Welt: aber ich weiß es erst seit gestern, da fiel es mir ein! Und nun lebe ich so fort, jeden Tag nur meine gestrige Entdeckung auf der Seele und bereit, sie an die Wand zu schreiben, damit alle Welt sich mit mir ihrer erfreue.— Welche Narrheit!

8 [38]

Eines Tags fand ich die Musik arm und unverschämt, sie wollte mir meine Gedanken rauben und mir vormachen, sie sei

8 [39]

Die Veränderung der Bedeutung der Worte in Korkyra tritt im Großen immer ein? Der bürgerliche Frieden zieht ganz andere Geschmäcke groß, anderes ist da angenehm und nützlich und folglich gelobt.

8 [40]

Aber wenn wir unsere Leidenschaften wachsen lassen, so damit auch, wie wir wissen, die “Cristallisation”: ich meine, wir werden unredlich und begeben uns freiwillig in den Irrthum?

8 [41]

Wenn wir nicht mehr moralisch loben und tadeln wollen, so werden die Triebe nicht weiter entwickelt?

8 [42]

immer melancholisch—aber ein Princip der Tapferkeit von Kindheit an macht, daß ich viele kleine Siege habe und in Folge dessen heiterer bin als es meiner Mel geziemt.

8 [43]

Ich habe mein Ziel und meine Leidenschaft: ich will von der Kunst nichts als daß sie mir dasselbe verklärt zeige oder mich ergötze, ermuntere, zeitweilig abziehe. Das erste ist meine Art von Religion: ich sehe mein Ideal von anderen geliebt und verklärt und in die Wolken aufgetragen: ich bete mit ihnen!

Nicht soll die Kunst mich mir selber entführen, nicht mich vor dem Ekel retten.

8 [44]

Die Liebe bei R W vampyrisch geschildert, mit dem Trumpf, die ganze Welt im Glück auszustechen—und gleichsam arm zu machen, alles mögliche Glück für sich in Besitz zu nehmen und gleichsam sich an allem, was ist, zu rächen (wofür? dafür daß es uns nicht ebenso liebt wie diese Senta Brünnhilde usw.)

8 [45]

Die verfluchten Neigungen zum Behaglichen und Gemüthlichen verurtheilen die Deutschen zur Mittelmäßigkeit des Geistes und machen sie unfähig, in allen großen Dingen mitreden zu dürfen: z. B. über die Frage des Glücks. Stört man sie auf, so sind sie das verstimmteste und kleinlichste Volk, mit jener kurzathmigen Rachgier der Mittelmäßigen, jeden Augenblick wehe thun zu müssen.

8 [46]

Die “Liebe zum Menschengeschlecht” mit Hülfe einer vernünftigen Erziehung—Stuart Mill, zum todtlachen!

8 [47]

Nach der Civilisation verlangen die, welche sehr in Angst sind. In der Civilisation zufrieden sind die Schwachen, die Feigen, die Faulen, die Geachteten, die Gewöhnlichen: Gleichheit als Ziel, endlich als Zustand. Der Sand. Die Moralität (christlich-jüdisch) ist jetzt die der Civilisation. Napoleon und das französische Volk nach der Revolution. Wer war mit der Organisation zufrieden?

8 [48]

Wo Heroismus ist, da giebt es kein Verbrechen mehr. Denn der Glaube, daß etwas gut ist, ist beim Heroismus.

8 [49]

mit jener Festigkeit, welche der hat, der auf seinem Platze steht, und der Leutseligkeit, welche er gegen Alle empfindet

8 [50]

Die Deutschen haben Mißtrauen, daß man ihnen Leidenschaften zutraue—deshalb machen sie sofort Grimassen und Excesse, nicht aus der Stärke des Affektes, sondern um sich Glauben zu verschaffen. Derart sind selbst die Leidenschaften bei R W: so, daß man im Leben Jeden für toll halten müßte, der dergestalt seinen Empfindungen nachläuft (Ekel genügt, um jemand zu tödten) Es fehlt ganz der Genuß, den man ehedem moralisch nannte: daß einer sein Pferd zu reiten verstehe, daß es schön kühn leidenschaftlich sei wie sein Reiter, letzterer aber die Schönheit Kühnheit Leidenschaft durch seine Vernunft hindurch leuchten lasse, welche alles mäßigt und zum Ansehen erträglich macht. Bei dem wahnsinnigen Jagen jener Rosse hat man Schwindel und Erschöpfung.

8 [51]

Klassicism: der Genuß, so viele Andere sich unterwerfen zu sehen und den innerlichen Kampf sich dazu zu denken macht die Unterwerfung leicht, man nimmt es scheinbar frivol, um den Genuß zu haben, die Ernstesten und Hochmüthigsten zu Kreuze kriechen zu sehen! nämlich auf ihre Individualität Verzicht leisten!

8 [52]

Der Reiz aller Bußprediger, die große Macht öffentlich zu verachten! der Reiz aller Hochmächtigen zur tiefsten Erniedrigung und Hingebung und Abstinenz—dämonischer Zauber!

8 [53]

Neue Tapferkeit: zur Verachtung der Ehre! des Ruhms! des Namens!—wir bezahlen uns selber und verachten das, was Andere uns an Ruhm geben könnten!

8 [54]

die völlige Unfähigkeit des Gesang hat den Sinn für Melodie vernichtet—jetzt das Dramatische und der Naturlaut!

8 [55]

Denken macht Fehler. Es ist nämlich der umgekehrte Weg der Gewöhnung, vom Schwächsten hinauf. Die Veränderung der Moral sehr wohl möglich, wie die des Geschmacks: nur Übung!

8 [56]

Naivetät des Moralischen gieng durch das Christenthum (und vorher durch Socrates) verloren, wie die französische Naivetät unter L 14.—aus gleichen Gründen.

8 [57]

Die Grausamkeit und ihre Lust bei dem Starken, der sich selber bricht und einem Gesetz (Fürst Christenthum) unterwirft. Vorher ließ er sie an Anderen aus, indem er ihr Schicksal gestaltete (gut oder schlimm—es ist Grausamkeit, Freude den Thon zu kneten.)

8 [58]

Heiligkeit: man kann das Bewußtsein daran gewöhnen, das was in den Eingeweiden, im Blute vor sich geht nicht mehr zu merken oder anders (himmlisch) auszulegen.

8 [59]

Eine Handlung wird getadelt, weil sie uns (oder dem Ganzen, zu dem wir uns rechnen) schädlich oder ehrverletzend scheint: im umgekehrten Falle lobt man sie. Folglich ist sie nicht an sich gut oder böse.

8 [60]

Ich habe keinen Begriff von mir aus von einem M welcher so sein will, wie es der gute Ton verlangt: der nicht zu lieben zu hassen zu urtheilen wagt, bevor er nicht weiß, wie hier der gute Ton befiehlt. Ich habe also gewiß keinen guten Ton! Ja ich verachte jeden, der sein will wie ein Andrer! der hinblickt, um zu sehen, was die Andren zu seinem Thun sagen! der immer an die Anderen denkt, nicht um ihnen zu nützen, sondern um vor ihnen nicht lächerlich zu sein—wäre er lächerlich, so würde er ihnen Vergnügen machen! entsetzlich!— Aber warum sollten wir nicht zu lachen geben! Wir selber haben den Vortheil davon, wenn unsere Mitmenschen guter Dinge sind!— “Aber sie achten nicht mehr, wenn sie lachen!”— Aber warum sollen sie euch fürchten? Und wehe mir, wenn etwas Lächerliches an mir genügt, um mir meine eigene Achtung vor mir zu nehmen! Dies aber geschieht bei den Eiteln, die sich vernichten möchten, nach einem Etikettefehler.

8 [61]

NB Ein Zeitalter der Barbarei beginnt, die Wissenschaften werden ihm dienen!— Sehen wir zu, wie wir das Höhere, den Extrakt unseres jetzigen Erkennens, doch erhalten: durch eine Gemeinschaft freier Einzelner welche sagen

1) es giebt keinen Gott
2) keinen Lohn und Strafe für Gutes und Böses (sittliche Welt)
3) gut und böse gilt je nach dem Ideal und der Richtung, in der wir leben: der beste Theil davon ist uns vererbt, zu dem ist es möglich, daß diese Urtheile selbst im Bezug auf die Förderung des jeweiligen Ideals falsch sein können. Das Ideal ist die Vorwegnahme der Hoffnungen unserer Triebe (der herrschenden Triebe)

um sich in der Barbarei trotzdem zu erhalten, wird diese Gemeinde rauh und tapfer sein müssen—asketische Vorbereitung

8 [62]

Gesundheit” nicht zu definiren als fest. Ein Ideal von dem Zustand, in dem jeder am besten thun kann, was er am liebsten thut: aber der Wilde ein Salonheld oder der Gelehrte werden einen ganz verschiedenen Zustand wünschen!— Wir leiden immer noch an den “klassischen” Begriffen, die wir kaum für die Poesie losgeworden sind. Man sagt der Apoll ist “schöner” als ein Fresko in Athen!

8 [63]

Der Zustand der Menschheit ist immer noch ein sehr früher, und einige der für sie wichtigsten Fragen sind noch nicht einmal aufgeworfen worden.— Unsere jetzige Wissenschaft hantiert mit einigen Vorurtheilen, wie als ob die Menschheit darüber immer einig sein werde: z. B. über den Werth der sympathischen Handlung, über irdisches Wohlergehen in Bezug auf Gesundheit usw. Aber, wenn ein anderes Ideal entsteht, ein anderer Trieb zur Herrschaft kommt, so hat die Wissenschaft wieder diesem sich unterzuordnen! Ich versuche die Grundvorurtheile der jetzigen Wissenschaft zu errathen! Es ist das Europäerthum!

8 [64]

Sie nennen es meinen Muth, Andere werden es meine Schamlosigkeit nennen. Das Loben und Tadeln trifft nicht die Sache, sondern ein Verhältniß des Lobenden und Tadelnden zu dieser Sache.

8 [65]

Mit den schönen Stimmen und deren Ausbildung und Genuß gieng der Genuß der Melodie verloren: und diese selber! Die Klaviervirtuosen kamen und führten die Harmonie ein. Jetzt ahmt das Orchester deren Leistungen nach: und daneben stellt sich die Barbarei des theatralischen Effekts auf die Leidenschaften und inspirirt die Componisten. Dies ist gröber als der Zauber des Virtuosen.

8 [66]

Dieselben Eigenschaften der Passionen können für oder gegen sie gewendet werden, je nach unserem allgemeinen Hang, z. B. ihr tiefer Ernst, ihre Bezauberung über die Realität, ihr absolutes Vertrauen-verlangen usw.

8 [67]

Ich habe oft geglaubt daß ich die Menschen belehren könne—und eine aus Stolz und Liebe gemischte Empfindung gegen sie gehabt. Jetzt, am Schlusse, sehe ich ein, daß ich nichts zu lehren habe, aber daß ich von Herzen bitte, es möchte solche geben, welche mich würdigten von ihnen zu lernen: denn die Fragen, die ich mir aufgeworfen habe, sind mächtig und

8 [68]

Häckel: die Disposition, die Descendenz-Theorie und die unitarische Philosophie anzunehmen bilde den besten Maaßstab für den Grad der geistigen Superiorität unter den Menschen. er nennt die Engländer und die Deutschen: er läßt die Franzosen weg (Lamarck und Comte!

8 [69]

Das Leben der Frauen hat eine sehr anreizende Paradoxie: es läuft auf einen Akt hinaus, der das gerade Gegentheil aller Schamhaftigkeit und ihres ganzen durch Erziehung angestrebten Denkens ist. Was Wunder, daß für sie alles Mirakel wird, und mit dieser Paradoxie zusammenhängt!

8 [70]

Die Sprachen als das Werk Einzelner oder von Priesterschaften—wie die Religionen.

8 [71]

Wie ist das außerordentliche Vergnügen zu erklären, das Comte bei altruistischen Empfindungen hatte? Amour?

8 [72]

Der Genuß in Ceremonien und Formalitäten groß bei jungen Civilisationen: für die Künste zu beachten!

8 [73]

Für Menschen gesagt, die nicht gedacht haben: man überläßt sich dem Mitleid, nicht damit es angenehme Empfindungen errege (dies wäre nicht wahr, außer bei ganz einzelnen Menschen) sondern weil es immer angenehme Empfindungen erregt hat: so wie das Thier die Brut liebt usw. man bejaht es, wenn es bereits da ist!

8 [74]

“Le long espoir et les vastes pensées” Lafontaine.

8 [75]

Was gehen mich die an, welche eine alberne Gereiztheit zeigen, wenn überhaupt das Mitleiden nicht ohne Weiteres angebetet wird!

8 [76]

So lange alle menschlichen socialen moralischen Bande abstreifen, bis wir tanzen und springen können wie die Kinder

8 [77]

Ich habe den Geist Europas in mich genommen—nun will ich den Gegenschlag thun!

8 [78]

Die Edlen die Wahrhaften die sich nicht zu verstellen brauchen! Als Mächtige und Individuen!

8 [79]

die Existenz der Kirche giebt den Freigeistern noch Freiheit vor der Wissenschaft NB jetzt noch!

8 [80]

In Deutschland hat man fast das Bedürfniß und daher auch den Sinn der unschuldigen Musik verloren man denkt der Zeiten, wo auch die guten Frauen sich nicht genügend für die Nacht vorbereitet zu haben glaubten, wenn nicht der Schlaftrunk, ein schwerer heißer überwürzter Wein vor ihnen stand.

8 [81]

Gegen Schopenhauer: er hat die Miene eines M der zufrieden mit sich ist, so gut zu reden wie die Personen Racines und Schillers (nach Stendhal) Gut, er ist voll von Leidenschaft, aber zunächst ist er zufrieden damit, schön zu sprechen.

8 [82]

Wie kommt man darauf, Jemanden zu ehren, weil er eines tiefen und mannichfaltigen Mitleids fähig ist und leicht dazu erregt wird? Er muß unglücklicher sein als die Anderen und immer darauf aus, die Anderen zu trösten, aufzuhelfen usw. also sein Unglücklichsein ist angenehm 1) weil es eine Wirkung unserer Leiden zeigt 2) weil es die Aussicht auf Abhülfe des Leidens, auf Milderung zeigt. Wir ehren ihn, weil er anders ist als wir erwarten?—aber warum verachten wir ihn nicht? Weil, wenn wir ihn nicht ehrenswerth empfinden, unsere Wirkung auf ihn nichts Lustvolles für uns hat. Es ekelt uns, Eindruck auf erbärmliche Seelen zu machen. Es geht also unsere geheime Neigung dahin, ihn uns als tüchtigen guten achtungswerthen Menschen zu denken. Außerdem wollen wir nicht von schlechten Gesellen bemitleidet sein: es setzt uns vor uns herab! Also: wann demüthigt das Bemitleidetwerden nicht? Wenn es erhebt! Das thut es, wenn ein hochansehnlicher Mensch (durch Herz Geist Stellung usw.) oder ein Gott mit uns empfindet—also wenn eine Gleichsetzung stattfindet, die uns zu Ehren gereicht (wodurch wir uns höher gehoben fühlen!!) Also: wir ehren gern den Mitleidenden, damit wir den Genuß an unserer eigenen Erhebung haben können! oder weil!

8 [83]

Die Begeisterung, welche in Deutschland sofort zur Verdummung und zur Servilität führt

8 [84]

Das Ergebniß aller absoluten Moral wäre die äußerste Verkümmerung des Menschen ja Vernichtung. Sie wird nicht durch das Glück bewiesen!

8 [85]

Bei unseren größten Männern muß man immer noch sagen: möchten sie etwas mehr Genie haben und etwas weniger Schauspieler sein!

8 [86]

Wie deutsche Maler jetzt malen, deutsche Musiker componiren, deutsche Dichter dichten: man hört die Anmaaßung, die Schauspielerei der Größe heraus.

8 [87]

Was heißt “wollen”? die Frauen können nach Willen weinen. Die Männer können auch weinen wollen, aber der Effekt bleibt aus. Was macht den Unterschied? Es fehlt die Übung des Mechanismus.— Man kann deutlich sprechen wollen, aber niemand versteht uns.— Also der Erfolg oder Nicht-Erfolg gehört nicht zum Begriff “Wille”—restirt also: begehren d. h. Vorstellung und Werthschätzung haben.

8 [88]

Sehr gute Zeit für die Freigeister—und nicht benutzt!

8 [89]

Zeitalter der nachgemachten Originalität (als Reizmittel)

8 [90]

Vortheil der Einsamkeit: wir lassen unsere ganze Natur, auch ihre Verstimmungen gegen unser Hauptobjekt los und nicht an anderen Dingen und Menschen: so leben wir es durch!

8 [91]

Warum ich der Leidenschaft ins Wort falle?

Ich könnte volltönend und heftig und hinreißend meine Sache vorbringen, wie ich sie empfinde—aber hinterher bin ich halbtodt und leidend, auch voller Verdruß, über Übertreibungen Auslassungen usw. Andere haben in der Leidenschaft erst ihren Geist ganz: ich in der unterdrückten und bekämpften Leidenschaft. Es thut mir alles wohl, was mich an diesen meinen Zustand erinnert!!

8 [92]

der Glaube an die Verwerflichkeit des Egoism hat die Menschen geschwächt. Die griechischen Philosophen lehrten den Glauben an die Dummheit der Nichtphilosophen als Ursache ihres Unglücks.

8 [93]

Es fehlen nur noch die großen überzeugenden Menschen—sonst ist alles zu einer völligen Veränderung vorbereitet, Principien, Mißtrauen, Auflösung aller Verträge, die Gewöhnung, ja das Bedürfniß der Erschütterung, die Unzufriedenheit.

8 [94]

Religion nouvelle

1) für seltene Momente aufgespart
2) Verehrung der Aufopferungslust
3) kein Gott, kein jenseits, keine Belohnung und Bestrafung
4) kein Beschuldigen mehr, keine Gewissensbisse, aber Vernunftsbisse
5) das ich restituirt.
6) das Schöne empfunden als das sich opfernde Ich
7) keine allgemeine Menschenliebe, sondern Herrschaft der Triebe
8) die höchste Klugheit als Norm genommen, als gemein und nicht verehrt deshalb, weil gewöhnlich
9) die Unklugheit der Großmuth bewundert. Das Mitleiden eine Schwäche und Erholung—concedirt
10) nicht als Opferung für Andre verehrt, sondern als der volle Sieg des einen Affektes über die anderen, so daß wir das Leben, die Ehre usw. ihm weihen: also die Fülle der Passion ist das Wesentliche.

8 [95]

Als ich mich analysirte nach Fundamenten religiöser Empfindung, fand ich Tapferkeit als das erhebendste Gefühl.

8 [96]

W dessen Fehler ist, nicht stolz genug zu sein, um die Schmeichler zu verabscheuen.

8 [97]

Nie hat sich der Zorn zu so düsterer Majestät und solchem Reichthum erhabener Nuancen entfaltet als bei den Juden. Was ist ein zürnender Zeus gegen einen zürnenden Jehova! Sie haben es von ihren Propheten auf ihn übertragen. Der Zorn wurde heilig und gut dadurch. Und mitunter brach durch diese Gewitterwolken ein Strahl väterlicher Güte—in einer solchen Landschaft hat Christus seinen Regenbogen, seine Himmelsleiter des Gottes zum Menschen geträumt: nirgends wo anders hätte man dies gekonnt als unter dem Volk der Propheten!

8 [98]

Die Wissenschaft hat viel Nutzen gebracht, jetzt möchte man, im Mißtrauen gegen die Religion und Verwandtes, ihr ganz unterwerfen. Aber Irrthum! Sie kann nicht befehlen, Weg weisen: sondern erst wenn man weiß wohin?, kann sie nützen. Im Allgemeinen ist es Mythologie zu glauben, daß die Erkenntniß immer das was der Menschheit am nützlichsten und unentbehrlichsten sei, erkennen werde—sie wird eben so sehr schaden können als nützen—die höchsten Formen der Moralität sind vielleicht unmöglich bei voller Helle.

8 [99]

Mitleid empfinden und nicht helfen können ist äußerst bitter. Sublimirung der Grausamkeit: Mitleid erregen. Gott leidend zu machen Bestreben des Christen

8 [100]

Schön: jeder nennt das schön, was entweder der sichtbare Ausdruck dessen ist, was ihm angenehm (nützlich) ist oder die Erinnerung daran erweckt oder gewöhnlich mit ihm verbunden erscheint.

8 [101]

Derselbe Trieb entwickelt sich als Feigheit, unter dem Eindruck des Tadels, der dieser Handlung folgt: und als Demuth unter dem Eindruck des Lobes. NB. Vielleicht sollte ich nicht von Sublimirung reden, es giebt zwei Arten der Entwicklung, eine verkümmernde mit Widersprüchen des Gefühls sich vollziehende und eine blähende, sich selber des Guten bewußte. (Das Böse als Melancholie

8 [102]

Feuer im Leibe, Schnee auf dem Haupte und den Mund voll schwarzer Dämpfe wie der Aetna—Savonarola

8 [103]

Die langen Nachschatten des Christenthums (auch die Philosophen wie Socrates haben mitgeholfen): sie haben die Menschen überzeugt vom Altruism als der Quelle des Glücks und ihre Sprungfedern matt gemacht (die persönliche Passion) indem sie das gute Zutrauen dazu genommen haben. Alle Moral ist seitdem auf Sympathie aus: das Christenthum überbieten mit allgemeiner Menschenliebe—das bringt Sand und Brei hervor! Sein Fundament zertrümmern—Aufgabe der Wissenschaft! D. h. freilich, nach jetzigem Begriff: die Menschen böse machen, egoistisch usw.

8 [104]

Erstaunt über den Trieb, der ihn zu beherrschen scheinen wollte, ärgerte er sich, brüskirte seinen Trieb so sehr als möglich, und, sofort zerstreut, wenn er ihn erlegt hatte, machte er sich frei davon, indem er das Bekenntniß seines Erfolges publizirte.

8 [104]

Erstaunt über den Trieb, der ihn zu beherrschen scheinen wollte, ärgerte er sich, brüskirte seinen Trieb so sehr als möglich, und, sofort zerstreut, wenn er ihn erlegt hatte, machte er sich frei davon, indem er das Bekenntniß seines Erfolges publizirte.

8 [105]

Eine einzige Idee bringt bei ihm 1000 andere hervor, das geringste Wort trieb seine Unterhaltung in hohe Regionen, wo die gesunde Logik ihm nicht immer folgte, aber der Geist unaufhörlich sich bemerkbar machte. Er hatte nicht das Bedürfniß des Zweiten, um sich zu erhitzen. Er gieng sofort sehr weit, aber aufmerksam, ob man ihm gefolgt wäre.

8 [106]

cette civilisation, die immer ein wenig “seine persönliche Feindin” war, nach Talleyrand.—

8 [107]

“Es giebt nichts Edles und nichts Niederes in der Welt.” Je suis lâche, moi, essentiellement lâche. Napoleon war über honneur erhaben!

8 [108]

“ich gebe mein Wort, es giebt in mir kein Widerstreben, etwas zu thun, was die Welt eine entehrende Handlung nennt.”

8 [109]

Meine geheimen Neigungen, après tout die der Natur, gewisser Affektation von Größe entgegengesetzt, mit der ich mich dekoriren muß, geben mir unendliche Hülfsquellen, um mit dem Glauben aller Welt ein Spiel zu treiben (zu täuschen die, welche prätendiren, mich zu kennen)

8 [110]

Die Musik hat noch keinen zürnenden Gott dargestellt.— Ws Wotan leidet an der Schwäche des deutschen Charakters, er will zu vielerlei und nichts völlig bestimmt. Sein Zorn ist gar nicht zu nennen neben dem des Michel Angelo’schen Gottes—dafür hatte dieser auch nur diesen Einen Gedanken im Kopfe.

8 [111]

“Soldaten, ganz von Siegen erregt, stellen sich in eine so stolze Region, von wo man sie mit Mühe herabsteigen lassen kann.”

8 [112]

Die Furcht um alle Despoten ist, einen Vorwurf zu empfangen, wenn man im Geringsten etwas versieht: man bringt weder Gefühle noch Geist mehr hervor, denn man findet nicht mehr Gelegenheit, ein Gefühl oder die geringste Reflexion auszutauschen. So werden die verschiedensten Personen gleichgestellt und endlich gleich. Der Despot mit Plänen nach außen, dedaignirt die kleinen Erfolge, die er auf seine Umgebung hätte erringen können; wenn er noch so viel Verführungskunst verwendet hat, sie sich zu unterwerfen: ist es geschehen, so denkt er nicht daran, sein Joch und sich angenehm zu machen.

8 [113]

die Herrschaft der Frauen habe die Könige von Frankreich geschwächt: an Napoleon’s Hofe sollten sie nur Zierath sein.

8 [114]

Napoleon war überzeugt, daß die Frauen in Frankreich mehr Geist hätten als die Männer—er sagte es oft. Die Erziehung, die man ihnen gebe, disponire sie zu einer gewissen Geschicklichkeit, gegen die man sich vertheidigen müsse.

8 [115]

Napoleon nannte dévouement: den, der seine ganze Person, alle seine Gefühle alle seine Meinungen gebe: er wiederholte, es sei nöthig, uns hinzugeben bis zu der kleinsten unserer alten Gewohnheiten, um nicht mehr als Einen Gedanken zu haben: den seines Interesses und seines Willens.

8 [116]

“Ich habe das Recht, auf alle Ihre Klagen durch ein unsterbliches moi zu antworten. Ich bin abseits von aller Welt, ich nehme Bedingungen von niemand an” “Sie müssen sich allen meinen Phantasien unterwerfen und es ganz einfach finden, wenn ich mir ähnliche Zerstreuungen gebe”

8 [117]

“das Metier des Kriegs macht eine Aufrichtigkeit der Generale, daß sie selbst ihre neidischeste Affektion zeigen: die Gewohnheit, den Feind offen zu bekämpfen, giebt ihnen die Gewohnheit nichts zu verschleiern, sie sehen in aller Opposition eine Feindschaft”

8 [118]

Ein gigantischer Plan: bereit ihn zu entwerfen, bereit ihn auszuführen: von Zeit zu Zeit die Basen für ihn legend. Durch diesen einzigen Gedanken bewegt: losgelöst von allen Eindrücken zweiten Ranges, die sein Projekt hätten aufhalten können. Durch die Weite seines durchdringenden Scharfsinns und die Zähigkeit seines Willens der außerordentl Mensch. Im Falle sein Ziel das Wohl der Menschheit gewesen wäre, der größte Mensch.

8 [119]

von Unruhe verzehrt, von Verdacht und Mißtrauen, Sklave seiner inneren Leidenschaften, alle Macht fürchtend, selbst die, welche er geschaffen hatte.

8 [120]

Die grosse Frage.

9, 8[1-120] Winter 1880-81

8 [1]

Religion of Courage

1. The passion of honesty.
2. The greatest question.
3. Courage and nothing more.

8 [2]

1) the different growth of the drives under the climate of the various moral basic judgments
2) Reasons for the diversity of moral judgment
3) Erroneousness and delusion of all moral judgments
4) Can science provide goals? No
5) Individual morality: shaping our instincts according to our ideal with the help of science. (As artists, we create our ideal.
6) the favorable political and social conditions for these hermits!

8 [3]

Compassion cruelty.
Love lust
Envy ambition rivalry.
Revenge justice.
Ridiculous original
Cowardice humility
Pretence actor.
Murder war
Robbery fraud merchant
Slave soldier official.
Mad poet saint
Wisdom “cleverness”

8 [4]

Growth against the condemning judgment can be directed:

a) through fear (whose effects in Darwin NB.)
b) through pride and defiance (revenge and cruelty)

thereafter different: it is a matter of temperament

8 [5]

Enumeration of moral prejudices.

8 [6]

NB Introduction: Everyone thinks that the present moral feelings are the moral feelings in general. But they are the Jewish ones.

8 [7]

NB if the current morality continues to develop, humanity will perish as a result. But the opposite is the claim, indeed the reason, to develop it further. Here I place the big question mark! Is civilization the path to happiness, to the highest passion and fertility?

8 [8]

We need a heroic insight! to prepare the great practical question: whether to plant more equality!

8 [9]

Whether one believes in compassion as a miracle and source of knowledge or in the blood of Saint Januarius: I still feel as if I live in a half-mad age.

8 [10]

Out of pity for others, should we pretend to be religious? Fie! We must elevate them to our courage! And this is possible! Even through fatalism!

8 [11]

Gradually, insight grows, and one lets go of the idea of promoting and governing human culture: one would have to do too much evil. NB. NB.

8 [12]

Happiness is achieved through opposite paths, hence no ethics can be determined (against Spencer)

8 [13]

The feelings we have for certain customs and moralities, the reasons for them that are in circulation, have nothing to do with their origin, the reasons for their emergence NB.

8 [14]

the Classicism and the demand for equality, the pleasure of submission to an absolute norm: in the time of Augustus: return to the ancient Greek models. (Moral Classicism: return to Socrates and Stoicism.) Christ as the absolute norm. The court. Everything built for eternity. Virgil—Homer. All equal under one Lord. The new ridiculum: “to be different from everyone else!” Ultimate reason: the individuals have exhausted themselves and pride turns inward against itself. (Pascal) (also Goethe)

8 [15]

I am happy to have had no moral education (except through role models)

8 [16]

No education, real needs receive energy. What is to become of the civilized world! Sand and Slime!

8 [17]

“treat all major interests with irony” because there is no time to take them deeply—now European

8 [18]

as childish as Pascal and our theologians, who involuntarily believe, when it comes to knowledge and faith, that faith always and solely refers to Christian faith

8 [19]

Only those who have familiarized themselves with the way of life of many animals should speak about morality.

8 [20]

We avoid ugly, painful scenes, we do not want to suffer with others. These are the finer natures. The coarser ones seek out anything that excites and dispels boredom; a crowd gathers around every quarrel, every brawl.— Where the drive to help exists, the unpleasant feeling of pity is overcome: and since the pleasant feeling of being able to satisfy one's drive regularly arises, one believes that pity itself is pleasant. Helping can also be merely consolation. The glazier in a hailstorm!

8 [21]

Against the screaming and cries for help, one was contemptuously inclined (Aeschylus Septem)

But Prometheus!

8 [22]

Manfred: give no one the right to punish him, to pardon him, to pity him (“it is not so hard to die, old man”).

8 [23]

Smart and cheerful, like a lizard in the sun

8 [24]

To Werner, Kleist and Brentano

8 [25]

to follow custom and finally get used to it—that means being dishonest! NB, being cowardly! being lazy! Source of morality!!!

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Natural-unnatural—is nothing! The Greeks elevated love within the same sex to the highest degree of ideality, they called boy-love precisely good.

8 [27]

What meanness! God demands love from people—and has hell ready for those who refuse it! Like Tiberius and Nero! Is it not honorable to refuse such a tyrant?

God as the Just and the Judge is not an object of love! It is indelicate! He should have renounced judging! Christ did not feel finely enough! In these matters, we are more mature! If God wanted to be the object of love, then

8 [28]

Why is it that the Germans have no spirit? They feel slowly and do not let their feelings mature; they cross them with profession or everyday things: thus they make themselves mediocre, they remain always like unripe fruits.

1) they do not understand how to have leisure
2) they do not take their experiences seriously, as important enough for general reflection
3) they read too much and are eagerly servile toward a ruling party or court
4) they make music, not to endure a passion and relieve themselves, but to agitate themselves!!! That is why they need the most passionate music.

8 [29]

The Germans would like very much to have great passions—well, it does not matter if they do not know how to express them without grimaces; in the long run, they will have them! Then they will also recognize that strength is indeed the first thing, but that there are kinds of strength that are without grimaces.

8 [30]

The less they have thought something through and brought clarity to themselves, the more shamelessly they paint the colors of feeling, trusting that the German will ultimately always believe in a god because he sees someone behaving incomprehensibly and sublimely.

8 [31]

Pascal advises getting used to Christianity, one will feel the passions fade. This means: making his dishonesty pay off and rejoicing in it.

8 [32]

Preach compassion—that would be something for artists in a harsh, strictly personal, dominated by the dark earnestness of passion M! that's how music used to work in Naples!— But on these all-too-movable souls! Fie!

8 [33]

My earlier style: broad perspectives, much veiled, mysterious, wondrous. The facts flashing like apparent illuminations of these mysteries. Fundamental belief: the essence is not communicable, an elevated, intuitive mood creates revelations. Sobriety harms this understanding. Contemplative calm and the memory of the terrible and the yearning alternate.

8 [34]

My doubt about civilization: it removes the dangers, the great passion, the necessity of great people—one should have a protective barrier and build cities on Vesuvius: that is where fertility and enjoyment are greatest!

8 [35]

The value of altruism is not the result of science; rather, the people of science allow themselves to be led by the now prevailing drive to believe that science confirms the desire of their drive! cf. Spencer.

8 [36]

Assuming science strengthens its reputation and reigns: you shall experience an appreciation of lying and the ability to fabricate as never before! Just as Christianity perhaps now counts more than ever! even among its opponents!

8 [37]

Perhaps the whole world already knows this: but I only found out yesterday, that's when it occurred to me! And now I go on living like this, every day carrying only yesterday's discovery in my soul and ready to write it on the wall so that the whole world may rejoice in it with me.— What folly!

8 [38]

One day I found the music poor and shameless, it wanted to steal my thoughts and make me believe it was

8 [39]

The change in the meaning of words in Corcyra always occurs on a large scale? Civil peace nurtures entirely different tastes, different things are pleasant and useful there and consequently praised.

8 [40]

But if we let our passions grow, then, as we know, so does the “crystallization”: I mean, we become dishonest and willingly fall into error?

8 [41]

If we no longer want to morally praise and blame, will the drives not be further developed?

8 [42]

always melancholic—but a principle of courage from childhood on makes it so that I have many small victories and, as a result, am more cheerful than my Melancholy permits.

8 [43]

I have my goal and my passion: I want nothing from art but that it shows me the same thing transfigured or delights me, encourages me, temporarily distracts me. The first is my kind of religion: I see my ideal loved and transfigured by others and carried up into the clouds: I pray with them!

Not shall art abduct me from myself, not save me from disgust.

8 [44]

Love in R W depicted vampirically, with the trump card of outdoing the whole world in happiness—and as it were, impoverishing it, taking possession of all possible happiness for oneself and as it were avenging oneself on everything that exists (for what? for the fact that it does not love us as much as this Senta Brünnhilde etc.)

8 [45]

The cursed inclinations towards the comfortable and the cozy condemn the Germans to mediocrity of spirit and render them incapable of having a say in all great matters: for example, on the question of happiness. If one rouses them, they are the most disgruntled and petty people, with that short-breathed vengefulness of the mediocre, needing to cause pain at every moment.

8 [46]

The “love for mankind” with the help of a rational education—Stuart Mill, to die laughing!

8 [47]

After civilization is desired by those who are very afraid. In civilization the weak, the cowardly, the lazy, the respected, the ordinary are content: equality as a goal, finally as a state. The sand. Morality (Christian-Jewish) is now that of civilization. Napoleon and the French people after the Revolution. Who was satisfied with the organization?

8 [48]

Where there is heroism, there is no longer any crime. For the belief that something is good is inherent in heroism.

8 [49]

with that firmness which he has who stands in his place, and the affability which he feels towards all

8 [50]

The Germans have a distrust that one would attribute passions to them—therefore they immediately make grimaces and excesses, not out of the strength of the affect, but to convince themselves. Even the passions in R W are such that in life one would have to consider anyone mad who pursues their feelings in this way (disgust is enough to kill someone). There is a complete lack of the enjoyment that was once called moral: that someone knows how to ride his horse, that it be beautifully bold and passionate like its rider, but the latter lets beauty, boldness, and passion shine through his reason, which moderates everything and makes it bearable to behold. With the mad chasing of those horses, one feels dizziness and exhaustion.

8 [51]

Classicism: the pleasure of seeing so many others submit and imagining the inner struggle makes submission easy; one appears to take it frivolously in order to have the pleasure of seeing the most serious and haughty crawl to the cross! namely, to renounce their individuality!

8 [52]

The allure of all penitential preachers, to publicly despise the great power! the allure of the almighty to the deepest humiliation and devotion and abstinence—demonic magic!

8 [53]

New courage: to despise honor! glory! name!—we pay ourselves and despise what others could give us in glory!

8 [54]

the complete inability of singing has destroyed the sense for melody—now the dramatic and the natural sound!

8 [55]

Thinking makes mistakes. It is, namely, the reverse path of habituation, from the weakest upwards. The change of morality is quite possible, like that of taste: only practice!

8 [56]

Naivety of the moral was lost through Christianity (and previously through Socrates), just as French naivety was under L 14.—for the same reasons.

8 [57]

The cruelty and its pleasure in the strong one who breaks himself and submits to a law (Prince Christianity). Previously, he unleashed it on others by shaping their fate (good or bad—it is cruelty, the joy of kneading the clay.)

8 [58]

Holiness: one can accustom consciousness to no longer notice what is happening in the entrails, in the blood, or to interpret it differently (heavenly).

8 [59]

An action is criticized because it seems harmful or dishonorable to us (or to the whole to which we count ourselves): in the opposite case, it is praised. Consequently, it is not inherently good or evil.

8 [60]

I have no concept of an M who wants to be as good manners demand: who does not dare to love, to hate, to judge, before he knows what good manners command here. So I certainly have no good manners! Yes, I despise anyone who wants to be like another! who looks around to see what others say about his actions! who always thinks of others, not to benefit them, but to avoid being ridiculous in their eyes—if he were ridiculous, he would give them pleasure!terrible!— But why shouldn't we give them reason to laugh! We ourselves benefit when our fellow humans are in good spirits!— “But they no longer respect us when they laugh!”— But why should they fear you? And woe to me if something ridiculous about me is enough to take away my own self-respect! This, however, happens to the vain, who would like to destroy themselves after a breach of etiquette.

8 [61]

NB An age of barbarism begins, the sciences will serve it!— Let us see how we can preserve the higher, the extract of our current knowledge, yet: through a community of free individuals who say

1) there is no God
2) no reward and punishment for good and evil (moral world)
3) good and evil apply depending on the ideal and the direction in which we live: the best part of it is inherited by us, and it is possible that these judgments themselves, in relation to the promotion of the respective ideal, may be false. The ideal is the anticipation of the hopes of our drives (the dominant drives)

in order to preserve itself in barbarism, this community will have to be rough and brave—ascetic preparation

8 [62]

Health” not to be defined as fixed. An ideal of the state in which each can do best what he most likes to do: but the savage a salon hero or the scholar will desire a completely different state!— We still suffer from the “classical” concepts, which we have barely shed even for poetry. One says that the Apollo is “more beautiful” than a fresco in Athens!

8 [63]

The state of humanity is still a very early one, and some of the most important questions for it have not even been raised yet.— Our current science operates with certain prejudices, as if humanity will always agree on them: for example, on the value of sympathetic action, on earthly well-being in relation to health, etc. But if another ideal emerges, another drive comes to power, then science must again subordinate itself to this! I attempt to guess the fundamental prejudices of current science! It is Europeanness!

8 [64]

They call it my courage, others will call it my shamelessness. Praise and blame do not concern the matter itself, but rather a relationship between the one who praises or blames and the matter.

8 [65]

With the beautiful voices and their training and enjoyment, the enjoyment of melody was lost: and this itself! The piano virtuosos came and introduced harmony. Now the orchestra imitates their achievements: and alongside it stands the barbarism of theatrical effects on the passions and inspires the composers. This is coarser than the magic of the virtuoso.

8 [66]

The same qualities of the passions can be turned for or against them, depending on our general inclination, e.g., their profound seriousness, their enchantment over reality, their absolute trust-demand, etc.

8 [67]

I have often believed that I could teach people—and have had a feeling towards them mixed with pride and love. Now, at the end, I see that I have nothing to teach, but that I sincerely ask that there may be those who would deem me worthy to learn from them: for the questions I have raised for myself are powerful and

8 [68]

Häckel: the disposition, the descent theory, and the unitary philosophy to adopt form the best measure for the degree of mental superiority among humans. he names the English and the Germans: he omits the French (Lamarck and Comte!

8 [69]

The life of women has a very enticing paradox: it culminates in an act that is the very opposite of all modesty and their entire way of thinking cultivated through education. No wonder that everything becomes a miracle to them, and is connected with this paradox!

8 [70]

Languages as the work of individuals or priesthoods—like religions.

8 [71]

How can one explain the extraordinary pleasure that Comte derived from altruistic feelings? Amour?

8 [72]

The enjoyment in ceremonies and formalities great in young civilizations: to note for the arts!

8 [73]

For people who have not thought: one surrenders to pity, not so that it arouses pleasant feelings (this would not be true, except for a very few people) but because it has always aroused pleasant feelings: just as the animal loves its young, etc. one affirms it when it is already there!

8 [74]

“The long hope and the vast thoughts” Lafontaine.

8 [75]

What do I care about those who show a silly irritability when compassion is not readily worshipped at all!

8 [76]

As long as we all shed human social moral bonds until we can dance and jump like children

8 [77]

I have taken the spirit of Europe into myself—now I want to strike back!

8 [78]

The noble, the truthful, those who do not need to pretend! As powerful individuals!

8 [79]

the existence of the church still gives free spirits freedom before science NB even now!

8 [80]

In Germany, one has almost lost the need and thus also the sense for innocent music; one thinks of the times when even good women did not believe they had sufficiently prepared for the night unless the sleeping draught, a heavy, hot, over-spiced wine, stood before them.

8 [81]

Against Schopenhauer: he has the air of a man who is satisfied with himself, speaking as well as the characters of Racine and Schiller (according to Stendhal) Well, he is full of passion, but first he is satisfied with speaking beautifully.

8 [82]

How does one come to honor someone because they are capable of deep and manifold compassion and are easily moved to it? They must be more unhappy than others and always seeking to comfort and uplift them, etc., so their unhappiness is pleasant 1) because it shows an effect of our suffering 2) because it shows the prospect of relieving suffering, of mitigation. We honor them because they are different from what we expect?—but why don’t we despise them? Because if we do not find them worthy of honor, our effect on them holds no pleasure for us. It disgusts us to make an impression on wretched souls.So our secret inclination is to imagine him as a capable, good, respectable person. Besides, we do not want to be pitied by bad company: it degrades us in our own eyes! So: when does being pitied not humiliate? When it elevates! That happens when a highly esteemed person (through heart, mind, position, etc.) or a god sympathizes with us—thus when an equation takes place that honors us (by which we feel more elevated!!) So: we gladly honor the one who pities us, so that we can enjoy our own elevation! or because!

8 [83]

The enthusiasm, which in Germany immediately leads to stupidity and servility

8 [84]

The result of all absolute morality would be the utmost stunting of man, indeed destruction. It is not proven by happiness!

8 [85]

With our greatest men, one must always still say: if only they had a little more genius and a little less actor!

8 [86]

How German painters now paint, German musicians compose, German poets write: one hears the presumption, the playacting of greatness.

8 [87]

What does “wollen” mean? Women can cry at will. Men can also cry wollen, but the effect does not occur. What makes the difference? The mechanism lacks practice.— One can clearly speak wollen, but no one understands us.— Therefore, success or failure does not belong to the concept of “will”—what remains is: begehren, i.e., having an idea and valuing it.

8 [88]

Very good time for the free spirits—and not used!

8 [89]

Age of counterfeit originality (as a stimulant)

8 [90]

Advantage of solitude: we let our entire nature, including its moods, against our main object loose and not at other things and people: thus we live it through!

8 [91]

Why do I interrupt passion with words?

I could present my case with resounding, fervent, and captivating emotion as I feel it—but afterward, I am half-dead and suffering, also full of vexation over exaggerations, omissions, etc. Others have their spirit fully only in passion: I have mine in suppressed and combated passion. Everything does me good that reminds me of this state of mine!!

8 [92]

the belief in the reprehensibility of egoism has weakened people. The Greek philosophers taught the belief in the stupidity of non-philosophers as the cause of their unhappiness.

8 [93]

Only the great convincing people are missing—otherwise everything is prepared for a complete change, principles, mistrust, dissolution of all contracts, the habit, yes the need for upheaval, the dissatisfaction.

8 [94]

New religion

1) reserved for rare moments
2) Veneration of the joy of sacrifice
3) no god, no afterlife, no reward and punishment
4) no more accusing, no pangs of conscience, but pangs of reason
5) the I restored.
6) the beautiful felt as the self-sacrificing I
7) not general love of mankind, but rule of the drives
8) the highest wisdom taken as the norm, considered common and not revered because it is ordinary
9) the folly of generosity admired. Compassion a weakness and recreation—granted
10) not revered as a sacrifice for others, but as the complete victory of one affect over the others, so that we dedicate life, honor, etc., to it: thus the fullness of passion is the essential.

8 [95]

When I analyzed myself for the foundations of religious feeling, I found courage to be the most uplifting emotion.

8 [96]

Whose fault it is not to be proud enough to despise the flatterers.

8 [97]

Never has wrath unfolded itself with such somber majesty and such wealth of sublime nuances as among the Jews. What is an angry Zeus compared to an angry Jehovah! They have transferred it from their prophets to him. Wrath became holy and good thereby. And at times, through these storm clouds, a ray of paternal kindness broke through—in such a landscape, Christ dreamed his rainbow, his ladder of God to man: nowhere else could this have been done but among the people of the prophets!

8 [98]

Science has brought much benefit, now one wants, in distrust of religion and the like, to submit entirely to it. But error! It cannot command, show the way: only when one knows where to?, can it be useful. In general, it is mythology to believe that knowledge will always recognize what is most useful and indispensable to humanity—it can do as much harm as good—the highest forms of morality may be impossible in full light.

8 [99]

Feeling pity and not being able to help is extremely bitter. Sublimation of cruelty: arousing pity. Making God suffer is the Christian's endeavor

8 [100]

Beautiful: everyone calls something beautiful if it is either the visible expression of what is pleasant (useful) to them, or if it evokes the memory of it, or if it usually appears to be associated with it.

8 [101]

The same drive develops as cowardice, under the impression of reproach, which follows this action: and as humility under the impression of praise. NB. Perhaps I should not speak of sublimation, there are two kinds of development, one stunted, proceeding with contradictions of feeling, and one inflated, conscious of its own goodness. (Evil as melancholy

8 [102]

Fire in the body, snow on the head, and a mouth full of black vapors like Mount Etna—Savonarola

8 [103]

The long aftershocks of Christianity (even philosophers like Socrates have contributed): they have convinced people of altruism as the source of happiness and have weakened their springs (personal passion) by taking away their good confidence in it. All morality has since been based on sympathy: Christianity outbidding with universal love of mankind—this produces sand and mush! To shatter its foundation—task of science! That is, of course, according to current understanding: to make people evil, selfish, etc.

8 [104]

Surprised by the drive that seemed to want to dominate him, he became angry, snubbed his drive as much as possible, and, immediately distracted once he had subdued it, freed himself from it by publishing the confession of his success.

8 [104]

Amazed by the drive that seemed to want to dominate him, he became annoyed, snubbed his drive as much as possible, and, immediately distracted once he had overcome it, freed himself from it by publishing the confession of his success.

8 [105]

A single idea would bring forth a thousand others in him; the slightest word would drive his conversation into lofty realms where sound logic did not always follow, but the spirit ceaselessly made itself known. He had no need of a second to grow heated. He went very far at once, but attentive to whether one had followed him.

8 [106]

this civilization, which was always somewhat "its personal enemy," according to Talleyrand.—

8 [107]

“There is nothing noble and nothing base in the world.” I am a coward, essentially a coward. Napoleon was above honor exalted!

8 [108]

“I give my word, there is no reluctance in me to do something that the world calls a dishonorable act.”

8 [109]

My secret inclinations, après tout those of nature, opposed to a certain affectation of grandeur with which I must adorn myself, give me infinite resources to play a game with the belief of the whole world (to deceive those who pretend to know me)

8 [110]

The music has not yet depicted an angry god.— Ws Wotan suffers from the weakness of the German character, he wants too many things and nothing completely determined. His anger cannot be named alongside that of Michelangelo’s god—for that, the latter had only this one thought in his head.

8 [111]

“Soldiers, entirely excited by victories, position themselves in such a proud region from which it is difficult to make them descend.”

8 [112]

The fear of all despots is to receive a reproach if one makes the slightest mistake: one no longer produces feelings or spirit, for one no longer finds the opportunity to exchange a feeling or the slightest reflection. Thus, the most diverse persons are made equal and finally equal. The despot with plans outward, disdains the small successes he could have achieved in his surroundings; even if he has used so much art of seduction to subdue them: once it is done, he does not think of making his yoke and himself pleasant.

8 [113]

the rule of women had weakened the kings of France: at Napoleon’s court they were to be mere ornaments.

8 [114]

Napoleon was convinced that the women in France had more wit than the men—he said it often. The education they were given disposed them to a certain skillfulness against which one had to defend oneself.

8 [115]

Napoleon called dévouement: the one who gives his whole person, all his feelings, all his opinions: he repeated that it was necessary to surrender ourselves down to the smallest of our old habits, so as to have no more than one thought: that of his interest and his will.

8 [116]

“I have the right to answer all your complaints with an immortal moi. I am apart from all the world, I accept conditions from no one” “You must submit to all my fantasies and find it quite simple when I indulge in similar distractions”

8 [117]

“the profession of war makes a sincerity of the generals, that they show even their most envious affection: the habit of openly fighting the enemy gives them the habit of concealing nothing, they see in all opposition an enmity”

8 [118]

A gigantic plan: ready to design it, ready to execute it: laying the foundations for it from time to time. Driven by this single thought: detached from all secondary impressions that could have hindered his project. Through the vastness of his penetrating insight and the tenacity of his will, the extraordinary man. Had his goal been the welfare of humanity, the greatest man.

8 [119]

consumed by restlessness, by suspicion and mistrust, a slave to his inner passions, fearing all power, even that which he himself had created.

8 [120]

The big question.

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